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26. Oktober 2017 – Ausgabe 44

 

Leserbrief zu “EU, mon amour“ von Elisabeth Raether

Eine persönliche Geschichte: In Ihrem Artikel haben Sie ein europäisches Land vergessen zu erwähnen, nämlich Schottland. Natürlich ist Schottland im Staat des Vereinigten Königreiches eingebunden. Es ist aber wichtig zu wissen, dass in Schottland 62% der Bevölkerung bei der Volksabstimmung gegen den Brexit gestimmt haben und bei der Wahl zum schottischen Parlament im Mai 2016 der Stimmenanteil der UKIP so gering war, dass, obwohl es hier keine 5% Hürde gibt, keiner ihrer Abgeordneten ins Parlament einziehen konnte. Im Gegensatz zu den Wahlen zum Unterhaus in Westminster werden die Wahlen zum schottischen Parlament ähnlich wie die Bundestagswahlen ausgeführt (modifizierte d’Hondt Methode). Hier haben wir das Beispiel eines Landes, welches in der Mehrheit europafreundlich ist und wo auch die rechte populistische Partei keinen Fuß gefasst hat. Ich selbst wohne seit über 30 Jahren in Schottland und bin überzeugter Europäer. Wie viele meiner Generation, sehe ich die größte Errungenschaft der EU in der Friedenserhaltung in Europa.

Meine Eltern trafen sich während des zweiten Weltkrieges, aber da meine Mutter Polin und mein Vater Deutscher war, wurde sie zur Zwangsarbeit geschickt, er ins Gefängnis und mein kleiner Bruder ins Kinderheim. Immer wenn ich an das Schicksal meiner Eltern denke und dann sehe, dass ich meinem Herzen nach Schottland folgen konnte, dort meine Frau (eine Irin) heiratete und wir hier eine Familie gründeten, ist mir bewusst, wie großartig und wichtig die Europäischen Union für mein persönliches Leben ist. Und jetzt wird mit Brexit wieder alles in Frage gestellt. Bei meiner Arbeit hier in Schottland wissen meine Mitarbeiter, dass sie, wenn ich mit mir selbst Deutsch rede, besser in Deckung gehen sollen, denn es lässt sich halt besser in seiner Muttersprache fluchen. Ich habe in letzter Zeit viel Deutsch gesprochen. – Dr. Hans Pieper


Leserbrief zu „Lebt wohl“ von Stefan Schmitt

Heute morgen beginne ich den Seite-2-Artikel über das erschütternde Insektensterben zu lesen – direkt darunter eine halbseitige Anzeige eines der mutmaßlich an Klimawandel etc. Mitverantwortlichen. Sie sollten dringend über Ihre Anzeigenplatzierung nachdenken. – Michael Sellhoff


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Von Petra zu Petra: Da kommt einem doch die Galle hoch! Ich sitze beim Frühstück und lese diesen selbstgerechten Artikel. Wo war denn die Presse während des ganzen Bundestagswahlkampfes? Waren denn alle an der Grenze und haben die Flüchtlinge gezählt, die nun doch nicht mehr so zahlreich ins Land strömen? Jetzt nach der Wahl kommen alle die Themen hoch, die die Grünen versucht haben zu kommunizieren (siehe Bild).Hat denn die  „Zeit“  in den letzten Monaten groß aufmerksam gemacht auf das Insektensterben? Das ist doch schon längst bekannt. Sogar ein winziger Ortsverband wie in Leinfelden-Echterdingen (außerdem Wahlkreis Winfried Kretschmann) hat das gewusst und versucht, es publik zu machen. Aber da steht man dann auf dem Marktplatz und in den Köpfen der Menschen ist diese Wahrheit noch gar nicht angekommen. Da wäre eine verantwortungsbewußte Arbeit der Presse von Nöten. Ist Ihnen denn nicht aufgefallen, dass jetzt – also nach der Wahl – all diese Themen hoch kommen? Nun wurden aber schon wieder die Weichen für die nächsten Jahre gestellt. Ob die Insekten wohl so lange auf die Presse warten können? Oder läuft es bei der nächsten Wahl wieder so? Oh ja, die Flüchtlinge und der ganze Mist mit der AfD. Na ja, wenigstens haben die von der Pressearbeit profitiert. Schöner Artikel aber leider zu spät. – Petra Gudat


Leserbrief zu „Über Sexismus und das Ende der Kunst“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Vielen Dank! Nach den Interview mit Neo Rauch  hoffe ich verstärkt darauf, dass wir alle in dieser Gesellschaft es erreichen, nicht alle kulturellen Güter aus allen Epochen zu ’sprachreinigen‘ und es trotzdem schaffen, männliche Übergriffe aller Art auf Frauen zu verhindern. Sprachreinigung und Gesetzeswerke (Frau Barley von der SPD) sind nicht die geeigneten Mittel. Sehen wir uns die Zustände an amerikanischen Universitäten an, in deren Vorlesungen Bücher – z.B. Ovid – mit Gefahrenmeldungsbanderolen versehen werden, weil deren Inhalt ‚offensive‘- sei. Erziehung durch den Staat ist ein fragwürdiges Mittel, wenn der durchschnittliche Wähler sich nicht mal auf ein vegetarisches Menü  unter vielen fleischlastigen an einem Tag  in öffentlichen Kantinen einlassen kann. – Johanna Weber


Leserbrief zum Titelbild

Ich nehme an, dass diese Assoziation zu dem grausamen Film „Das Schweigen der Lämmer“ so gewollt ist. Ihre Metapher zur blutrünstigen kannibalischen Lust am Töten passt nicht. Man kann zu Frau Merkel stehen, wie man möchte. Man kann sie auch scharf kritisieren wegen ihrer verhaltenen oder zögerlichen Politik. Aber ich dachte immer, dass „Die Zeit“ eine gewisse Sachlichkeit in ihre Berichterstattung einbringt und nicht zur reisserischen Schlagzeilenpolitik wie die BILD greift. Auf Menschen, die Ihre Zeitung weniger kritisch betrachten, kann solch eine Fotomontage extrem wirken und eine üble Stimmungsmache auslösen. Viele begnügen sich damit, einen Aufmacher zu kommentieren. Weder beachten Sie Ihren Hinweis auf die Seiten 2 und 3, noch lesen nicht weiter. Vor allem folgt auf Seite 2 ein relativ sachter Bericht von Bernd Ulrich zum Thema „Insektensterben“  und über die „mittlere Vernunft“.  Und mir stellt sich jedoch nun die Frage, ob Frau Merkel nun auch für das Insektensterben verantwortlich gemacht werden kann?  Das Insektensterben ist nicht nur ein deutsches oder europäisches Problem, sondern eines der Welt.  Warum also muss Frau Merkel dafür herhalten, und auch noch auf diese üble Art der Darstellung. Menschen, die Texte schreiben und Fotos publizieren, sollten sich der Macht der Bilder und der Worte bewußt sein.  Sonst sind sie an beruflich falscher Stelle. Fake-News läßt grüßen.  Ich kann Ihre Vorgehensweise nicht nachvollziehen. Es tut mir leid, dann bin ich nicht mehr Ihre Leserin.  Schade, aber das wars dann wohl… – Katharina Goldbeck-Hörz


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Was Sie beschreiben ist eine schreckliche Dystopie, bei der es mir kalt über den Rücken läuft. Ist Ihnen bewusst, wie nahe Ihr Vorschlag dem Konzept der Sexualität in Orwell´s 1984 kommt? „Die Partei versuchte, das Sexualgefühl abzutöten, oder doch zu verbiegen und in den Schmutz zu ziehen.“ Als hätte Orwell Ihre „deklarierte[n] unsafe spaces“ beschrieben. Furchtbar! – Leonhard Riemer


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Der Artikel von Bernd Ulrich in der Zeit Nr. 44 behandelt mit dem Insektensterben ein wichtiges Thema und beklagt, warum es keinen Aufschrei gibt. Neben den Autoscheiben ist auch die Frage, wer sich noch an Maikäferjahre oder Massen von Eintagsfliegen, die Straßen blockierten, erinnern kann, ein guter Indikator, wie stark die Insektenpopulationen gesunken ist. Die Lösungen scheinen ja eindeutig zu sein. Verbot der Neonicotinoide und Glyphosat und Umstellen der Landwirtschaft auf ökologischen Landbau. Leider verhindert er gerade durch diese einfache, plakative Feststellung eine ernsthafte Auseinandersetzung zu diesem Thema. Schauen wir uns die Landwirtschaft mal an. Laut dem CORINE Land Cover Bericht von 2013, der auf der Webseite des Umweltbundesamtes zu finden ist, wurden im Zeitraum von 200 bis 2006 pro Bundesbürger 1,1 qm landwirtschaftliche Fläche und 0,21 qm Wälder und naturnahe Flächen aufgegeben. Laut dem statistischen Bundesamt von 2009 hat die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ebenfalls abgenommen, während die Größe der verbleibenden Betriebe gestiegen ist. Im gleichen Zeitraum weist das Umweltbundesamt eine Zunahme der verwendeten Pflanzenschutzmittel aus. Dies weist auf eine Intensivierung der Landwirtschaft auf den verbliebenen Flächen hin und könnte dazu führen, dass auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen tatsächlich die Biodiversität abnimmt. Das Ergebnis ist aber immer noch ein Plus an Fläche, die nicht bearbeitet wird und für die Biodiversität zur Verfügung stände.

Die Zahlen des CORINE Berichts zeigen aber auch, dass im gleichen Zeitraum 0,97 qm künstliche Oberflächen geschaffen wurden. Noch im Jahr 2011 wurden jedes Jahr fast 100 qkm Boden versiegelt, ein großer Teil davon für Verkehrsprojekte. Daraus folgt, die allgemeine Nutzung von Boden an sich muss überdacht werden. Wenn Wiesen oder Äcker für Siedlungen, Industriegebiete oder Straßen versiegelt werden, haben Insekten und alle anderen Tiere wesentlich schlechtere Karten, als auf (intensiv) landwirtschaftlich genutzten Flächen. Und wenn die Landwirtschaft auf ökologischere Produktion umstellt muss sie mehr Fläche verbrauchen, die sicherlich nicht aus den Siedlungen und Industriegebieten genommen wird.

Dazu kommen die Emissionen dieser Flächen. Privathaushalte emittieren wesentlich komplexere Chemikaliengemische als Agrarbetriebe und auch komplexere Gemische als noch vor zwanzig Jahren. Die Regulierung der Schadstoffe kann mit der immer schnelleren Folge neue Stoffe nicht Schritt halten. Und die Überprüfung der Umweltauswirkungen beruht auf direkten, schnell beobachtbaren Effekten. Effekte, die vielleicht erst nach Jahren auftreten, können momentan nicht bewertet werden. Beispielsweise können Chemikalien, die zum Informationsaustausch zwischen Lebewesen dienen, aktuell nicht bewertet werden obwohl die möglichen Folgen einer Störung des Informationsaustausches gravierend sein könnten. Weitere Emissionen sind beispielsweise Licht oder Lärm, deren Einfluss auf die Tierwelt weitgehend ignoriert werden.

Was bleibt als einfache Aussage? Wir verringern in Deutschland systematisch den Lebensraum von Insekten und andere Tieren. Die Restflächen werden von immer mehr Straßen zerschnitten wodurch Wanderrouten dieser Tiere unterbrochen werden. Allein das sind sicherlich wichtige Stressoren für die Biodiversität, die auf immer kleinere Restflächen zurückgedrängt wird. Dazu kommt noch ein zunehmender Eintrag von Schadstoffen mit unbekannten Langzeitwirkungen. Es reicht also nicht, auf einen Akteur zu zeigen und von Ihm ein Einlenken zu fordern. Die traurige Wahrheit ist, jeder von uns ist gefordert. Und dabei geht es nicht nur darum, ob wir jetzt Bio Lebensmittel kaufen, uns vegan ernähren oder exzessives Upcycling von Plastiktüten betreiben. Es geht darum ob wir wirklich ein Einfamilienhaus mit Garten und eigener Zufahrt benötigen, oder ob nicht eine kleinere Lösung reicht. Ob wir den Bürgermeister wählen, der großzügig neue Flächen für Industrieansiedlung freigibt und damit auch Arbeitsplätze schafft, oder den, der intelligent bestehende Flächen und Leerstände nutzt aber vielleicht auch eine höhere Arbeitslosigkeit riskiert. Und wir alle müssen uns bei der aktuellen Demographie fragen, wann wir in Zukunft vielleicht Siedlungen, Dörfer oder sogar Städte aufgeben und zur grünen Wiese zurückbauen. – Dr. Richard Bolek


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Herzlichen Dank für die Recherche zum Insektensterben und den Artikel von Bernd Ulrich: „De Wahrheit auf sechs Beinen“ in der heutigen Ausgabe der ZEIT. Ich habe ihn mit Genuss, Interesse, und Zustimmung gelesen und finde ihn nach allen Regeln der Kunst richtig gut. Danke! – Bertold Becker


Leserbrief zu „Sie belauern sich und sind hellwach“ von Peter Dausend und Mariam Lau

Die Wahl der linksextremen, als Deutschenhasser verschrienen C. Roth zur Vizepräsidentin des deutschen Bundestags ist eine Schande für die Mehrheit der Abgeordneten des Bundestags. Ein rechtschaffener Mann, der die Interessen der vernünftigen Bürger vertritt und das Wohl unseres Volkes im Auge hat, wird boykottiert und eine Frau, die Deutschland verspottet, wird an die Spitze der Volksvertretung gewählt. Die Mehrheit der derzeitigen Abgeordneten hat sich dem verbotenen Abstimmungszwang der Parteien unterworfen und ist nicht wert, weiterhin ihre Posten zu behalten. Die Bürger sollten sich dies bei den kommenden Neuwahlen merken. Das deutsche Volk ist weder masochistisch noch hirnverbrannt.. – Herbert Gaiser


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Glyphosat hätte niemals zugelassen werden dürfen. Seit Jahrzehnten wird es dennoch ganz selbstverständlich eingesetzt, weil die Diskussion um potentielle Gesundheitsschäden für den Menschen von den verheerenden Folgen , die dessen Verwendung für die Natur hat ablenkt. Sie sind gravierender als das berüchtigte DDT, dass auch nur deshalb verboten wurde, weil es dem Menschen schadet. Seit dessen Verbot ist  das Artensterben nicht geringer geworden sondern hat apokalyptische Ausmaße angenommen, weil es für Pflanzen und Tiere keinen Unterschied macht womit man sie vergiftet. Glyphosateinsatz in Tateinheit mit einer Bodendüngung, die das Trinkwasser verseucht und mehr Feinstaub freisetzt als im Verkehr, flankiert  von Monokulturen, in denen  Pflanzen als Energielieferanten missbraucht und geschändet werden, haben der Artenvielfalt den Garaus gemacht. Es ist dieser alltägliche Vernichtungsfeldzug vor unserer Tür, der die überlebenden Vögel und Insekten in die Städte, Vorstädte und Gärten fliehen lässt, weil sie hier nicht massakriert werden. Werden wir diesen Krieg beenden, solange es noch etwas zu bewahren gibt? – Jürgen Engel


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Vielen Dank für diesen Titel. Ich ärgerte mich schon während des Wahlkampfes, dass zum stummen Frühling, der dieses Jahr zum ersten Mal so deutlich wahrnehmbar war, eine völlig verstummte Politik kam. Ihre Analyse, dass die Grünen sich das um das Thema drückten aus Angst vor einem Erwachen der 5-Mark-für-den-Liter-Benzin-und-Veggie-day-Reflexe teile ich – wenn ich sie auch nicht so klar formuliert habe. Sie schreiben, der Umgang mit dem Thema erinnere an den mit dem Klimawandel vor 20, 30 Jahre. Einen Unterschied finde ich: Das Thema erleben alle selbst. Das war im Bezug auf den Klimawandel in den 1980er und 90er Jahren nicht so. Man merkt, dass man selbst im Hochsommer das Licht bei offenem Fenster brennen lassen kann – es fliegen keine Insekten ins Zimmer.

Natürlich muss die Gesellschaft jetzt schnell handeln und sich nicht das Feigenblatt des Unwissens der notwendigen Forschung vor die beschämenden Stellen halten. Allein: ich bin nicht sehr hoffnungsvoll, dass etwas passiert. Und dann auch das noch: nachdem ich die ersten Berichte über die neuesten Forschungen gehört habe, flog mir beim Fahrradfahren ein Insekt in den Mund. Ich habe es verschluckt. Und einem Vogel vielleicht die letzte Nahrung des Tages genommen. Es ist schwer in diesen Zeiten ein guter Mensch zu sein!! Wie gesagt. vielen Dank, dass Sie das Thema auf den Titel genommen haben und ihm endlich die Bedeutung geben, die es braucht. – Irene Dänzer-Vanotti


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Das Gebot der mittleren Vernunft oder, wie es an anderer Stelle heißt, Maß und Mitte zeigen ein zentrales Defizit der Ära Merkel. Es fehlt an Mut. Ohne mutige Menschen hätte es weder die Französische Revolution noch das Ende der DDR gegeben.

Vor diesem Hintergrund sorge ich mich um die Zukunft, weil die derzeitigen Koalitionsverhandlungen maßgeblich von Auslaufmodellen wie Merkel, Seehofer oder Trittin geführt werden. – Christopher Hagen


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Ein sehr wichtiges Thema: Das Sterben und Aussterben der Insekten. Ob Glyphosat einen wesentlichen  Anteil daran an? Ich denke schon. Ich schreibe gerade an einem gewagten, aber ebenfalls wichtigen Buchprojekt GLOBALISIERUNG Geschichte – Gewinn und Verlust – Angst oder Hoffnung. Darin wird dieses Thema sicherlich auch Berücksichtigung finden. Zur Information sende ich Ihnen meine vorläufige Gliederung zu. – Dr. Rüdiger Vossen


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Ich bin ein Anhänger der Printmedien und lese gern und oft verschiedene Zeitungen und Journale.Auch war  ich in früheren Jahren ein Anhänger der “ Zeit“. Was mich heute stört, ist das, was Sie vielleicht Vielfalt nennen. Ich meine damit die ausufernde Themenbreite, die es verbietet, wichtigen Fragen intensiver nachzugehen.Dazu gehört auch die Vielzahl der Beilagen, die erdrückend ist und den Papierkorb belastet. Die „Zeit“ hat so den Charakter eines Kramladens. Und ganz schlimm, weil ich es als beleidigend empfinde, die heutige  Köderfrage: Soll sexuelle Belästigung stärker bestraft werden? „Ja“ oder „Nein“ ! Das ist doch Bildzeitungsniveau ! Definieren Sie doch, was „sexuelle Belästigung“ in Ihren Augen ist, und fragen Sie dann den Leser differenziert! Wetten, dass ich keine Antwort bekomme, da ich in einer automatischen Werbeschleife bin, der  inhaltliche Kritik  völlig egal ist ! – Karl-Heinz Niechoj


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Sie sprechen ein Thema an, was mich seit Jahren beschäftigt. Kaum mehr Grashüpfer auf meinen Grundstück, keine Schmetterlings“plage“ mehr. Ich freue mich schon über jeden Kohlweißling, der Schmetterling der in meiner Jugend als Schädling galt. Besonders auffällig ist Folgendes: Es kleben nach langen Autofahrten keine Insektenspuren mehr an meiner Windschutzscheibe. Warum muss ich Ihnen nicht sagen. Mir macht das Sorgen. Und: ich bin ein eifriger Vogelfütterer in der kalten Jahreszeit. Früher fraßen mir die kleinen Saurier die Haar vom Kopf. Heute kann ich getrost auch mal eine Woche weg sein, ohne dass die (zugegebenermaßen sehr üppigen) Vorräte versiegen. Noch vor 10 Jahren musste alle zwei bis drei Tage aufgefüllt werden. Ich stelle mal die Hypothese auf, dass das mit dem Nahrungsangebot der Vögel zu tun hat. Und das sind halt mal u. a. Insekten, wenn die Vögelein nicht gerade in meinem Garten ein Festmahl abhalten können. Eigentlich kann es jeder sehen, der in meinem Alter ist. Na ja, und ländlich aufgewachsen ist. Ohne Insekten stirbt der Mensch. – Thomas Leitermann


Leserbrief zu „»Das Bewerten von allem, was wir nutzen und sehen, ist fast so üblich geworden wie Zähneputzen. Als gehöre Notenverteilen zu unserer Verbraucherpflicht«“ von Sandra Danicke

Schade, schade, Frau Danicke, dass Sie sich die sogenannte Bewertung des wunderbaren Domizils nicht verkneifen konnten! Auf der einen Seite wird dem kleinen Bürger im Alltag immer mehr Gestaltungsspielraum genommen, auf der anderen Seite wird uns durch Unmengen von Bewertungsportalen suggeriert, man sei an unserer Einschätzung interessiert. Allerdings darf man meist nur das äußern, was der Beurteilte auch hören will, oft fehlt Freitext, ich fühle mich nicht selten manipuliert. So bleiben immer Restzweifel, ob wirklich jemand meine Meinung wissen will, und Unzufriedenheit, weil ich einiges, was ich zu sagen hätte, nicht unterbringen konnte. Dazu kommt die Angst, mit schlechten Kritiken der beruflichen Laufbahn des Falschen zu schaden oder mit guten Kritiken Leistungsabbau zu fördern. Ist ja vielleicht nicht nötig, dass alle super zufrieden sind, kann man da nicht etwas einsparen?? Reicht doch, wenn die Kunden halbwegs zufrieden sind. Kaum findet man bei irgendwelchen Problemen einen Ansprechpartner, der bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen. Jeder würde ja gerne dem Missstand abhelfen, wenn er denn befugt wäre, aber…..Da trifft es sich doch gut, wenn man Entscheidungen mit dem Votum der anonymen Masse der Bewerter rechtfertigen kann. Und weiterhin findet man keinen Verantwortlichen. Warum spielen wir dieses Spielchen mit? – Susanne Sänger


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Der von den Autoren bemühte „Souverän“ h a t bereits gesprochen, nämlich in Form des Referendums vom Dezember 1978, womit die dann noch im gleichen Monat in Kraft tretende Verfassung mit großer, teilweise überwältigender Mehrheit nicht nur der Gerwählthabenden sondern auch der Gesamtheit der Wahlberechtigten angenommen wurde (ein kleiner aber feiner Unterschied zu der gerade durchgezogenen Referendums-Farce), und zwar auch und gerade in den Katalanisch sprechenden Landesteilen. Damit hat sich der „Souverän“ an diese Verfassung gebunden. Wenn sie ihm nicht mehr gefällt, dann muss er die für eine Änderung oder die Ausarbeitung einer neuen Verfassung vorgesehenen Wege der Artt. 166 ff gehen. Kompliziert aber nicht unmöglich; in welchem halbwegs demokratischen Land wäre das anders? – Ist den Autoren aber egal. Es hätte sich auch angeboten, dass die Autoren mal einen Blick auf Art. 8 der Verfassung geworfen hätten, wonach den Streitkräften die Wahrung der territorialen Integrität obliegt- was mehr beinhaltet, als Angriffe durch einen äußeren Feind abzuwehren.

Mit nicht allzu großer Fantasie kann man sich durchaus vorstellen, dass durch solche ebenso dummerhaftigen wie abenteuerlichen und verantwortungslosen separatistischen Umtriebe, wie sie gegenwärtig ablaufen, möglicherweise immer noch vorhandene putschistische Hunde in den Streitkräften geweckt und aktiv werden könnten, allerdings wohl eher gegen als mit dem König. Schließlich war da ja schon mal sowas, man erinnere sich an den Februar 1981 und den Mann mit der komischen Mütze.- Ganz gleich, welchen Ausgang eine derartige Intervention nähme: es wäre auf jeden Fall das -diesmal endgültige- Ende  der spanischen Monarchie und der Zusammenbruch der verfassungsmäßigen Ordnung.- Denselben Effekt hätte eine wie auch immer zustande gekommene Abspaltung Kataloniens, weil im selben Moment die spanische Verfassung obsolet würde, denn kein Mensch würde sich noch daran gebunden fühlen.-Ist den Autoren aber auch egal. Dass die spanische Verfassung nach weitverbreiteter Auffassung reformbedürftig ist und gerade die gegenwärtige Regierung bzw. der Partido Popular und ihnen nahestehende Kreise genau diese in Richtung einer echten Föderalisierung gehenden Bestrebungen von jeher ausgebremst haben und die, gelinde gesagt, unsensible Politik Rajoys gegenüber den Separatisten, stehen auf einem anderen Blatt.

Im übrigen wäre es verdienstvoll gewesen, wenn die Autoren einmal dargelegt hätten, inwieweit dieses Freiheitsgeschrei der Separatisten überhaupt begründet ist. Ich empfinde deren aufgedonnertes Opfer-Gehabe in Erinnerung an die jahrzehntelange frankistische Repression Kataloniens und des Kampfes dagegen nur als obzsön. Soweit ich das den Medien entnehmen konnte, waren es doch gerade die Separatisten, die die Freiheitsrechte anderer, nämlich der Unabhängigkeitgegner, angegriffen haben- durch persönliche Drangsalierungen, Beschmieren von Türen etc., Einschmeißen von Fensterscheiben. Das  scheint für die Autoren ein Zeichen gelebter Demokratie zu sein, wenn sie verlauten lassen: „Für Katalonien zu stehen, heißt für die Demokratie zu stehen“. Das ist nun wirklich der Hammer. Die Separatisten müssen sich endlich einmal darüber klar werden, dass ein Ausscheren aus dem spanischen Staatsverband das Ende der Zugehörigkeit zur EU bedeutet. Da Beitritte zur EU mit Einstimmigkeit der Mitgliedsstaaten beschlossen werden müssen, wäre Katalonien unwiderruflich draußen…es sei denn, es tritt dem spanischen Staat wieder bei. Sowas nennt man dann fachsprachlich: von hinten-durch die Brust-ins Auge. – Jürgen Wißner


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Ein beeindruckender Artikel, in dem Sie die Probleme und Widersprüchlichkeiten der Politik für unsere aktuelle Situation zusammenfassen. Letztlich wird es zu einem Problem, wenn Entscheidungen nach den Wünschen der Wähler und nicht nach möglichst gesicherter / wissenschaftlicher Einsicht getroffen werden. Aber darauf müsste man sich zunächst einmal einigen. Der Wähler hat keine vernünftige Alternative als in der Wahl eine Stimme abzugeben und ansonsten im Privaten möglichst vernünftig und moralisch zu handeln. Die Idee des Philosophenkönigs ist seit der Antike nur Wunschbild. Andererseits die Idee einer Regressierbarkeit auf politische Entscheidungsträger zumindest in Fragen globaler Auswirkung und ggf. drohender Unumkehrbarkeit anzuwenden, um nachhaltige Entscheidungen zu befördern – da diese bei der Bevölkerung und den Wählern erwartbar auf wenig Zustimmung treffen werden – wird wohl illusorisch bleiben. So wird das Ergebnis der Entscheidungen mit „mittlerer Vernunft“ doch leider uns alle – vor allem aber folgende Generationen –  treffen, und bei globalen Gegebenheiten das gesamte Ökosystem. – Dr. Haico Brüning


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Sie schreiben heute unter dem Eindruck der Zahlen (minus 75% Insekten in den vergangenen 25 Jahren) etwas „radikal“. Aber das Thema hat eher „Maß und Mitte“ nötig, wie es Ihr Kollege Marc Schieritz auf Seite eins der heutigen Ausgabe zu den Maßnahmen von Mario Draghi fordert. Zum Thema hier ein Artikel aus der Agrarpresse (klar: Lobby- aber trotzdem lesenswert): https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Insektensterben-Nur-22-Rueckgang-lueckenhafte-Daten-keine-eindeutigen-Ursachen-8784645.html

Die sicher wertvolle aber angreifbare und ganz offensichtlich sehr lückenhafte Untersuchung EINES  ehrenamtlichen Naturschutzverbandes  kann keine Basis sein für ein Niedermachen der Landwirtschaft in Deutschland allgemein sein. Speziell kann die Ursache nicht in der Aufbringung von Gülle oder in der Aufbringung von Glyphosat oder auch im übermäßigen Fleischverzehr gehen werden. Was hat das mit Insektensterben zu tun? Genau so könnte man behaupten, dass die Bewirtschaftung von Naturschutzgebieten (in denen diese Untersuchungen ja wohl stattgefunden haben) nicht naturschutzgerecht erfolgt. Die Bewirtschaftung solcher Naturschutzgebiete erfolgt häufig durch staatlich beaufsichtigte oder beauftragte Organisationen.

Ich persönlich – ich wohne auf dem Lande – hat der wohl in gewissem Maß tatsächlich stattfindende Rückgang der Insektenbestände damit zu tun, das wir immer weniger kleine landwirtschaftliche Betriebe haben. Früher hatte jeder Hof seine Mistplatte oder ein Mistlager auf der freien Fläche. Das waren wahre Brutstätten für Insekten. Aber die Gesellschaft wollte diese kleinen Bauern nicht mehr. Und im Rahmen des Gewässerschutzes wurden die Mistlager auf den Flächen verboten. Auf den Weiden ließen die Kühe ihre Fladen fallen, wo immer sie liefen. Auch diese Fladen waren Brutstätten für Insekten. Die draußen laufenden Kühe waren von Insekten umschwirrt. Heute werden die Kühe in Laufställen gehalten und kommen häufig nicht mehr auf die Weiden. Hygiene-Maßnahmen in den Ställen tun ein übriges. Kam man früher in einen Stall -egal ob Schwein oder Rind- schwirrte es von Fliegen. Das ist heute unerwünscht. Die Produktion muss clean sein. Der Verbraucher will es so. – Arnold Staggenborg


Leserbrief zu „Sabine, 52, heiratet Mahmoud, 25. Sie stammt aus Leer in Ostfriesland, er aus Damaskus in Syrien. Kann das Liebe sein?“ von Martina Kix und Paula Markert

Die Beilage Z hat sich leider noch nie durch hohen intellektuellen Inhalt ausgezeichnet. Weniger noch in dieser Ausgabe. Da wird dem Leser eine herzzerreißende Geschichte einer Deutschen im fortgeschrittenen Alter und einem Flüchtling mit dem Titel: Kann das Liebe sein? aufgetischt. Würde ich solche Herzschmerz-Geschichen lesen wollen, würde ich direkt die Bunte o.ä. abonnieren und nicht DIE ZEIT. Liebe ZEIT-Mitarbeiter, bitte widmen Sie Ihre Zeit und Ihre Arbeitskraft wieder anspruchsvolleren Themen. Sonst müsste ich mein Abo leider kündigen. – Heike Gulatz


Leserbrief zu „Über Sexismus und das Ende der Kunst“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Wieso kommt bei mir keine rechte Freude auf, wenn ich lese, dass Herr Gomringer mir im Gedicht die Option eröffnet, zusammen mit Beate Zschäpe, Andrea Nahles, meiner Mutter und allen anderen Frauen, baumgesäumten Straßen, Rosen, Tulpen und Nelken bewundert zu werden? Ich könnte doch eigentlich froh sein, dass er so großzügig ist und mich unbekannterweise grundsätzlich für bewunderungswürdig befindet. Nur kommt mir eine solche Generalbewunderung vor wie eine Tombola mit Gewinngarantie und Preisen, die ich nicht brauchen kann. Für den Notfall könnte ich mir einen Gedichtband solcher Verallgemeinerungslyrik kaufen und unters Kopfkissen legen. Wenn ich mich grade selber nicht leiden kann, kann ich ihn rausholen und sagen: Jesus liebt dich nur, bei Gomringers abstraktem Bewunderer im Alleen-Blumen-Frauen-Gedicht besteht darüber hinaus die Chance auf Bewunderung. Bedingungslos. Bestimmt richtet das mein Selbstbewusstsein wieder auf. Kunst, insbesondere im öffentlichen Raum muss sich der Kritik stellen. Das ist kein Eingriff in die Kunstfreiheit, sondern dafür ist sie unter anderem da.

Das von ihnen zitierte Heinegedicht finde ich zum Beispiel nicht so den Brüller. Kommt ziemlich oft vor, dass jemand einen ehemals begehrten Menschen später schlecht macht, oder? Andere dissen, um sich selbst aufzuwerten, ist ziemlich uncool. Real existierender Sexismus zeigt sich nicht nur in körperlichen Übergriffen, sondern auch in verallgemeinernden Zuschreibungen an ein Geschlecht. Kann „Frauen“ im Zusammenhang des Gedichts eine Abstraktion darstellen, weil da einer ist, der z.B. zwei oder drei Frauen toll findet und sie unter „Frauen“ zusammenfasst? Oder erscheint „Frauen“ in dem Zusammenhang als Objektkategorie, wie Blumen und Alleen? Ich finde, darüber darf gern diskutiert werden. Auf das Ergebnis bin ich gespannt. – Claudia Herbst


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE !!!!!!!!!!!!!!!!!! Noch nie war ich soooooooo dankbar für einen Zeitungsartikel! Ich habe an der Wahlarena mit A.Merkel teilgenommen und wollte genau dazu eine Frage stellen, leider ist es nicht dazu gekommen. Es hat mich sehr geärgert, dass es im Wahlkampf NICHT auch nur einmal Thema war. – Birte Abel


Leserbrief zu “EU, mon amour“ von Elisabeth Raether

Vielen Aussagen in diesem Artikel kann und sollte man aus guten Gründen widersprechen. Dazu kann ein Leserbrief nicht ausreichen. Das wirklich ganz Schlimme an diesem Artikel ist jedoch, dass die Autorin keinen Unterschied macht zwischen EU und Europa, was zur Folge hat, dass jede Kritik an der EU oder am Euro als Kritik an oder gar als Ablehnung der europäischen Einigung gilt, so dass Änderungsvorschläge zur EU oder zum Euro – auch wenn sie als Sanierungsmaßnahmen als nachhaltige Grundlage für eine weitere europäische Einigung vorteilhaft oder erforderlich wären – nach dieser Logik als antieuropäisch zu brandmarken wären, was ja leider auch regelmäßig geschieht. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Danke für die wissenschaftl. Zusammenfassung von Herrn Stefan Schmitt. Dieser Artikel hat mir gezeigt, wie in Berlin gedacht wird: Die Datenlage ist unklar, warten wir ab. Am Ende des Artikels könnte es allerdings auch lauten, Punkt 4: machen wir weiter so. Herr Ulrich u. Frau Pinzler sind mir in ihrem Artikel näher: Er zeigt am Ende möglich Lösungen auf. Gut so. Ob´s reicht werden wir sehen u. hören. Bei nur 7% ökologischen Landbau  ( d.h. 93% Lobby-Gegenwind der konventionellen Landwirte ) in D wird mir um die Insekten und Co. angst und bange. Durch die Landwirtschaft in D müsste ein Ruck gehen! (In Anlehnung an Alt-BP Herrn Herzog) – Hans-Joachim Schröder


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Erst Audi und Wahl, dann BMW und Insekt, das nächste Mal VW und Klimagipfel! Weiter so! – Hedi Reuther


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Mag sein, dass es Enthusiasmus war, der Christoph Menke und Alexander García Düttmann mitgerissen hat bei ihrer Beurteilung der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung. Wie der von den Autoren zitierte Kant in seinen „Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen“ darlegte, ist allerdings der Enthusiasmus ein „Zustand des Gemüts, da dasselbe […] über den geziemenden Grad erhitzt worden“ ist. Und im Anschluss an den kurzen Satz, den Menke und Düttmann zitieren, verweist Kant darauf, dass „jeder Affekt blind [ist], entweder in der Wahl seines Zwecks, oder, wenn dieser auch durch Vernunft gegeben worden, in der Ausführung desselben; denn er ist diejenige Bewegung des Gemüts, welche es unvermögend macht, sich nach freier Überlegung durch Grundsätze zu bestimmen“. Um diese wichtige Einschränkung verkürzen Menke und Düttmann Kants Darlegung, und so verdampft in der Hitze der Gemüter jede Möglichkeit zur „freien Überlegung“, auch über Grundsätze, die das Zusammenleben von nicht-katalanischen Spaniern und Katalanen ebenso wie von Katalanen und anderen in Katalonien lebenden Spaniern bereits bestimmen.

Beispielsweise räumt das derzeitige Autonomiestatut Katalonien als einer der spanischen Regionen politische Selbstbestimmungsrechte ein, die etwa denen der Bundesländer oder der kanadischen Provinz Quebec vergleichbar sind. Dies trifft trotz des Verfassungsgerichtsurteils von 2010 zu, in dem einige Bestimmungen des Status in der Fassung von 2006 widerrufen oder geändert wurden. Dass die indivduellen Freiheits- und Partizipationsrechte für alle Bürgerinnen und Bürger Spaniens dieselben sind, versteht sich von selbst. Auch ein „gelebtes Verständnis von Demokratie“, wie es die Autoren in der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung am Werke sehen, wird nicht ohne Grundsätze auskommen, die das Verhältnis der Mehrheit zur Minderheit bestimmen und Mehrheitsentscheidungen in bestimmten Fällen auch Grenzen setzen. Das gälte auch für die Minderheiten in einem unabhängigen Katalonien. Denn wohin ein katalanischer Nationalismus führen kann, ließ sich vor zehn Jahren in der ZEIT nachlesen: Auf der Frankfurter Buchmesse 2007 sollten nur die Autorinnen und Autoren das Gastland Katalonien vertreten, die Katalanisch schreiben, die (zahlreichen) Spanisch schreibenden sollten ausgeschlossen werden. – Dr. Matthias Tichy


Leserbrief zu „Das Märchen vom Brandstifter Draghi“ von Mark Schieritz

Der Kauf von 30 Mrd Staatsanleihen monatlich statt bislang 60 Mrd bedeutet immer noch eine ZUSÄTZLICHE Stimulierung der Geldmärkte. Ein Ende ist ebensowenig beschlossen wie eine Aufhebung der negativen Zinsen für Bankeinlagen. Die Anhebung von Zinsen bleibt eine Schimäre in der Amtszeit von Draghi. Die Verteilungswirkungen dieser ultraleichten Geldpolitik mit den Auswirkungen auf die Altersversorgung all jener Sparer, die nicht am Tropf staatlicher Renten hängen, bleiben fatal. Zudem stellt der Kauf von Staatsanleihen unzweifelhaft eine Staatsfinanzierung dar, die durch den Maastrichtvertrag ausgeschlossen werden sollte. Die Beugung des Rechts ist aber unabhängig von den Visionen eines Macron ein Irrweg nach Europa. – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Danke für ihren Mut, endlich mal ein wirklich relevantes Problem zum Schwerpunktthema zu machen, statt weiter endlos über die kleinen Eitelkeiten und Machtspielchen der politischen Klasse zu palavern! Weiter so! – Wilfried Rahe


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

VIELEN DANK für die Artikel und das Titelblatt dieser Ausgabe!!!  Ich bin noch dabei das alles zu lesen, aber es tut wirklich weh, wie hilflos man sich fühlt als einzelner Mensch, der Politik gegenüber, die Chemie-Unternehmen und deren Geldgier wichtiger einstuft,  als die Grundlagen und Vielfalt der Natur, ohne die wir nicht leben  können. Mal abgesehen,von der Schönheit, die ja sowieso nichts  gilt in Wirtschaft & Politik. Wenn die Verlängerung von Glyphosat    wieder durchgeht, ist das eine unglaubliche Katastrophe…  In China müssen die Blüten, seit Mao, von den Menschen per Hand bestäubt werden, damit sie etwas zu essen bekommen.  In Sachen Verdrängung ist die Menschheit groß!! – Cornelia Hoeck


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Jetzt muss ich auf meine alten Tage tatsächlich doch noch über die Kündigung meines Abos nachdenken. Als ein Mensch, der aus der landwirtschaftlich geprägten Region ‚Münsterland‘ kommt und seit Jahren die massive Zerstörung der Umwelt in Echtzeit beobachten kann, war der Artikel von Nils Wischmeyer schon harter Tobak: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-10/glyphosat-verbot-landwirtschaft-verlust Aber leider ist das ja nicht die einzige carnivore journalistische Glanzleistung. Da gibt es auch noch die Currywurst-Hynme für die angehenden StudentenInnen: http://www.zeit.de/campus/2017/04/kantinenessen-currywurst-arbeiter-mittagspause Oder der vollständig von naturwissenschaftlicher Sachkenntnis befreite Artikel von Ludwig Greven: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-06/parteitag-gruene-todessehnsucht-homo-ehe-als-koalitionsbedingung Vielleicht ist der ja schon im Giftschrank neben den redaktions-eigenen Glyphosat-Flaschensammlung eingeschlossen – daher hier mal zitiert aus dem wirren Gebirge an Textbausteinen zum Thema ‚Grüne Bundespartei‘: „Die Bundespartei dagegen bleibt ihrem Regulierungswahn treu. Sie will den Bürgern unverdrossen vorschreiben, wie sie zu leben haben, und der Wirtschaft, was und wie sie zu produzieren hat:…“ Christian Lindner hätte das nicht besser schreiben können. Der ist aber nur Vorsitzender einer neoliberalen Partei, die ‚Verantwortungslosigkeit‘ zur politischen Kernkompetenz erhoben hat.

Nun also Bernd Ulrich mit seinem Artikel. Der Einstige selbst deutet schon darauf hin, dass er wohl mit dem Krefelder Insektenverein zuviel Cannabis durchgezogen hat – illegalerweise (darf man sowas überhaupt in der ZEIT-Redaktion)? „Das Insektensterben ist eine Umweltkatastrophe. Doch die Politik verschließt die Augen, weil sie den Sinn fürs Radikale verloren hat: Breiter Konsens und mittlere Vernunft sind ihr wichtiger als das ökologisch Unausweichliche. Und was machen die Grünen?“ Ja – genau! Was machen eigentlich die Grünen? Sind diese Irren gendergestreamten Links-Faschisten mit dem Weltverbesserungsethos überhaupt noch in freier Wildbahn anzutreffen? Oder wurde denen von Herrn Greven höchstpersönlich Fußfesseln angelegt, damit die nicht aus dem Sicherheitsreservat für nachhaltige gesellschaftliche Visionen ausbrechen können? „Die Artikel sind gestanzt, doch alle Fragen offen“ – möchte ich angesichts dieser intellektuellen Irrfahrt einer Redaktion zurufen, die in Zeiten des Umbruchs völlig die Orientierung verloren hat. Ja – der Lotse ist von Bord, aber der hatte ja den Arztbesuch stets den Visionen vorgezogen.

Und jetzt? Übt das Hamburger Leitmedium die gleiche verantvortungsbefreite Haltungslosigkeit wie die Kollegen aus dem Frankfurter Frakturhaus, die mit linker Hand die wirtschaftliche Bedrohung durch verschlafene Digitalisierung beweinen, gleichzeitig aber protzig mit ihren Diesel-SUVs für die Autokolumne um die Bankentürme in Mainhatten cruisen? Ist die Welt noch zu retten oder geht es nur noch darum, so gewissenstechnisch die eigenen Schäfchen ins trockene zu bringen, damit man diese zum Einschlafen auf dem Ruhekissen auch noch durchzählen kann? Nein – jetzt mal Scherz bei Seite: Die Insekten sterben, die Menschheit ist in ihrem Fortbestand bedroht und der ZEIT-Redaktion fällt nichts besseres ein, als sich Gedanken um die Grünen zu machen? Spätestens jetzt gilt: „Ihr, die ihr hier weiterlest, lasst alle Hoffnung fahren!“ Und zum Abo – da müssen jetzt mal langsam Argumente kommen, warum ich dieses nicht kündigen sollte. – Jürgen Blümer


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Man muss Lars Weisbrod sicher zugutehalten, mit seinem Artikel über vertraglich geregelten Sex nur das Beste zu wollen. Aber das große Gegenargument, das den ganzen Gedanken unsinnig macht, lässt er im letzten Satz verplätschern: Zweifelt denn wirklich irgendwer daran, dass Männer wie Herr Weinstein, die sich aufgrund eines Machtgefälles sexuelle Hörigkeit verschaffen können, ebenso leicht in der Lage wären, das zugehörige Plazet zu erzwingen? Damit bleibt die Nötigung nicht nur weiter möglich, sie erhielte den Anschein der Legitimität: Bei einem öffentlichen Aufschrei wie dem aktuellen müsste der Beschuldigte nur die erpressten Beischlaferlaubnisse aus der Schublade holen. Weil Lars Weisbrod davon ausgeht, sexuelle Zweideutigkeit ginge stets zulasten der Frauen, übersieht er, wie hervorragend sich gerade der von ihm vorgeschlagene Vertrag als Werkzeug zur Unterdrückung eignet. – Klaus Koflattich


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Beim „großen“ Insektensterben geht mir die Berichterstattung quer durch alle Medien fürchterlich auf den Geist. Sehr schade, dass sich die ZEIT jetzt daran beteiligt. Ihre Seite 1 hat mich wirklich neugierig gemacht, auf einen gewohnten, ZEIT-üblich gut recherchierten Hintergrundbericht über eine olle Kamelle, die seit längerem immer wieder aufgekocht zu werden scheint. In den Artikeln auf Seite 2 und 3 geht es dann aber sehr schnell um Ursachensuche und dabei sehr einseitig in Richtung Landwirtschaft. Wo kommt dieser Reflex her? Es könnte ja auch am Feinstaub liegen, am Klimawandel, an Nanomaterialien, Microplastik oder Pilze wie beim Froschsterben – warum nicht sogar an einer Kreuzreaktion von an sich ungefährlichen Dingen, sagen wir zwei eingewanderte Arten wie etwa Pflanzen und Tiere ? Das Thema ist in der Tat zu wichtig um es so lax abzuräumen – warum bringt eigentlich das tolle Recht der Verbandsklage nichts? Die aussterbenden Arten könnten durch die Verbände durchaus Gewicht bekommen. Genau deshalb hätte mich interessiert warum stattdessen immer wieder die üblichen Verdächtigen herausgekehrt werden statt ordentlicher Grundlagenforschung zu betreiben, eben: „warum tut die Regierung nichts“? Die Titelseite stellt eine Antwort auf diese Frage in Aussicht, und dann stelle ich fest: Das Wort „Regierung“ kommt genau 1x in beiden Artikeln zusammen vor – als Datenquelle. Unwidersprochen bleibt der Satz Axel Hochkirch stehen:

»Wir können keineswegs warten, bis wir alles  erforscht haben, bevor wir mit den notwendigen Maßnahmen beginnen.« Das ist keine seriöse Forschung, das ist im wahrsten Sinne des Wortes „blinder“ Aktionismus mit allen ihm innewohnenden Risiken. Ohne diese Forschung wissen wir doch gar nicht was notwendig ist. Wir glauben es vielleicht nur zu wissen. Demzufolge wäre es sogar Fanatismus nach blindem Glauben zu handeln, aber ich will nicht übertreiben. Kurz: das Titelblatt ist eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Sie haben Glück, dass ich die ZEIT im Abo beziehe. Am Kiosk hätte ich sie zurückgegeben. Bei Produkten mit einer unrichtigen Inhaltsangabe spricht man von Betrug. Ich kann Sie nur eindringlich darum bitten Ihre Aufmacher mit mehr Sorgfalt an den Inhalt anzupassen, oder umgekehrt! Ach ja, und wenn ich heiße Luft will, dann kaufe ich die Bild am Sonntag. Ist auch ne Wochenzeitung, man kann genausogut Fisch drin einwickeln und günstiger ist sie obendrein. – Sebastian Fontaine


Leserbrief zu „Gefährliche Leere” von Josef Joffe

Ihr Autor Josef Joffe hat mal wieder gezeigt, wie gut er in seiner Analyse die tatsächlichen Verhältnisse in den Arabischen Ländern zu Papier bringt. Mein Freund, ein Syrier, der immer noch guten Kontakt zu seiner Verwandtschaft in Syrien hat, sagte mir ähnliches:  „Es ist wieder Land in Sicht.“  Dabei fällt mir ein, daß das Problem mit dem Familienzuzug nach Deutschland zu ihren Männern nicht mehr so dringlich erscheint. Ich würde die ganze Sache umdrehen wollen. Wie wärs, wenn die arabischen Männer zu ihren Familien zurückkehren würden. Damit wäre die Frage Einwanderung der Familien nach Deutschland halb gelöst. Und ausserdem werden sie dringend in Ihrem Heimatländern für den Aufbau ihres Landes benötigt. Das egoistische Handeln unserer Politiker hat mich schon immer gestört.  Ich weiß von meinem Freund, daß die eigenen Terroristen (Opposition) gegen das Militär nur wenig ausrichten können mit Hilfe der Russen. Ein Restrisiko besteht noch für manche Bürger. Aber das ist in anderen Arabischen Ländern nicht viel anders. Auch der Terror wird nicht verschwinden. Aber davon ist eher Europa betroffen. Und die Politik in Deutschland kann jetzt die Frage der Einwanderung neu bewerten. Damit hat sie wieder mehr Spielraum die unbeliebte Partei AfD kleiner zu machen. Die wird natürlich nicht verschwinden, weil die Politik immer noch über die Köpfe der Bürger hinweg regiert. Das muß sie noch lernen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Über naive Malerei“ von Peter Dausend im ZEIT Magazin

Dieser Brief ist eine spontane, emotionale Reaktion. Ich bin entsetzt und empört. Ihre ‚Gesellschaftskritik‘ : „Über naive Malerei“ erscheint mir in meinem Werteverständnis schlicht als eine zynische, beschämende und missbrauchende Art und Weise, einen Menschen mittels journalistischer Macht öffentlich zu entwürdigen. Auch gestehe ich, den Artikel nicht bis zu Ende bzw. im Detail gelesen zu haben. Der Grund dafür ist, dass ich mich nicht zur Verfügung stellen möchte, eine solche Bloßstellung, zu unterstützen. Aus meiner Sicht verletzen Sie auch die Persönlichkeitsrechte der Kinder dieser Frau. Mir wird übel dabei. Ich frage mich bzw. Sie: was ist der Sinn und Zweck Ihres Artikels? Was haben Sie davon einen solchen Artikel zu schreiben? Wirft nicht Ihr Artikel auch ein Licht auf Sie? Was soll der Leser von diesem Artikel haben? Woher nehmen Sie die Autorisierung einer solch eklatanten Deutungshoheit über diese Frau urteilen zu können? Mensch Dausend, ich glaub nicht, dass Sie so ein übler Kerl sind. An einer Antwort bin ich interessiert. – Christiane Thiel


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Hier in Südbaden und im Elsaß gibt es auf den Feldern fast nur noch Mais-Monokultur mit allen bekannten negativen Auswirkungen auf Ökosystem und Insekten. Nur ein geringer Teil des Ertrags wird als Futtermais für die Viehzucht verwendet, das meiste geht in Biogasanlagen und in die  Erzeugung von Biosprit. – Sabine Brandenburg-Frank


Leserbrief zu „Wie weit lässt Merkel sich nach rechts ziehen?“ von Matthias Geis

Freunde, wie soll das gehen? Wenn man sich die Parteiprogramme der jetzigen (Jamaika, dort Wort mag ich gar nicht) in Rede stehenden Parteien ansieht, dann sollten sie lieber in der Opposition bleiben. Wenn der Machttrieb allerdings so stark ausgeprägt ist, daß sie ihre eigene „Schwiegermutter“ verraten, dann mag das gehen. Bei Lindner kann ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen.  Auf Merkel werden die Grünen vielleicht eher hören.  Und wenn das doch Gelingen sollte, dann wird das nicht lange gutgehen. Die Karriere von Frau Merkel ist so oder so beendet. Dafür hat sie zuviel „Scheiße“ gebaut.  Sie hat das Volk nicht mitgenommen. Es drehte sich alles um die Flüchtlinge. Die eigenen Bürger waren Luft für Sie. So jedenfalls empfinden das die meisten Bürger.  Und die AfD ist die einzige Partei die davon profitieren wird. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wer kommt jetzt?“ von Mark Schieritz

Ihr Artikel erweckt den Eindruck, als habe ein Finanzminister nicht viel mehr zu tun als darauf zu achten, dass die Einnahmen und Ausgaben des Staates nicht zu stark voneinander abweichen. Wäre es so, hätte Schäuble Recht mit seiner Aussage, dass ein Finanzminister nicht viel mehr zu beherrschen braucht als die vier Grundrechen- arten, und der Postenschacher der Koalitionspartner in spe könnte, wie von Ihnen beschrieben, ausschließlichnach macht- und parteipolitischen Kriterien ausgetragen werden. Dabei zeigtdoch gerade die vergangene Legislaturperiode, was dabei herauskommt, wenn es an der Spitze des Finanzministeriums an steuer-, finanz- und währungs- politischer Qualifikation mangelt: Eine Steuerreform gibt es nicht einmal in Ansätzen, den Cum-Cum- und Cum-Ex-Geschäften mit einem Gesamtschaden von mindestens 32 Mrd. Euro wurde viel zu spät ein Riegel vorgeschoben, die Share-Deal-Transaktionen wurden überhaupt nicht eingeschränkt, den Target-Salden wurde kaum Beachtung geschenkt usw. Es wäre unverantworlich, wenn in Gestalt der von Ihnen benannten Kandidaten von der Leyen, Lindner, Altmaier oder Kubickiwieder ein Laie den Postendes Finanz- ministers übernehmen würde. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Danke für den (erstens) pointierten und (zweitens) zentral platzierten Beitrag aus der (drittens) Chef-Redaktion der ZEIT! Und (viertens) für das Timing. Und (fünftens) für die sehr klaren Schritte, die benannt werden, die überfällig sind und gelingen könnten! Bleibt zu hoffen, dass sich der Beitrag als erfolgreiche Intervention in die Koalitionsgespräche erweist und Frau Merkel (tolle Fotomontage!) den Mund aufmacht bzw. nicht länger ein Blatt vor den Mund nimmt. Vielleicht ist das die Hoffnung von Bernd Ulrich, dass die Kanzlerin sich zu einem „Basta“ bzw. zu einer Kehrtwende ähnlich wie nach Fukushima durchringt.

Das Insektensterben macht deutlich, wie sehr wir als Menschen Teil haben an der Kette des Seins – und uns selber zerstören und den Ast absägen, auf dem wir sitzen, wenn wir das vergessen und mißachten. Wir sollten uns angewöhnen, konsequent von Mitwelt statt Umwelt zu sprechen, mit Albert Schweitzer: Ich bin Leben inmitten von Leben, das Leben will. Auch die Erinnerung an Genesis 1 kann hilfreich sein: (1) Menschliches Leben kann sich erst entfalten als Folge und am Ende der Evolution, am „sechsten Tag“, (2) der Mensch wurde am gleichen Tag erschaffen wie die Tiere des Landes, ist also mit allen Säugetieren nah verwandt und für diese besonders verantwortlich, und ist (3) mitnichten die Krone der Schöpfung – das ist der 7. Tag, der Sabbat, auf Deutsch: der Tag des Aufhörens (von aller Arbeit und des Hörens auf die Schöpfung bzw. den Schöpfer). – Christoph Störmer


Leserbrief zu “EU, mon amour“ von Elisabeth Raether

Ihre Autorin schreibt, dass „ keine Volkswirtschaft derart vom Euro profitiert hat wie die deutsche“. Die Fakten würden für sich sprechen. Welche Fakten? Dass Deutschland durch den Wegfall der Wechselkursanpassung die Südeuropäer mit Waren überschwemmt, die sie letztlich nicht bezahlen -geschweige denn sich wirtschaftlich leisten können- , sondern in Billionenhöhe über die EZB von der deutschen Bundesbank (Targetsalden!) kreditiert werden? Im weiteren Text stellen Sie die deutsche „Regelhaftigkeit“ der französischen „Flexibilität“ gegenüber. Warum sagen Sie nicht statt „Flexibilität“ Regelverstoß? Sich z.B. an Verträge (Maastricht) und Regeln (Bankenrettung) zu halten, muss nicht dazu führen, dass man Rechtsbegriffe weit auslegt und uminterpretiert, sondern man kann trotzdem innerhalb eines vom Recht gesetzten Rahmens flexibel bleiben. Dass Deutschland auf „Austerität“ setzt und Frankreich auf „Investitionen“, ist eine völlig schwammige Annahme, die durch die letzten Jahre widerlegt ist. Hat Schäuble wirklich gespart? Werden nicht die stark sprudelnden Steuereinnahmen mit vollen Händen wieder ausgegeben und verteilt? Vergleichen wir hier nicht ohnehin Äpfel und Birnen, wenn sie die Entwicklung der einzelnen Länderhaushalte völlig unberücksichtigt lassen?

Natürlich sind die Kulturen des Wirtschaftens, der Lebensweisen völlig unterschiedlich! Aber lassen sich diese überhaupt angleichen? Ist das überhaupt erwünscht? Warum kann man denn den europäischen Völkern nicht ihre Eigenarten lassen? Warum muss man alles vereinheitlichen? Denn dies würde ja auch voraussetzen, dass die rechtlichen und sozialen Unterschiede in den einzelnen Ländern vollständig harmonisiert werden. Aber auf welcher Basis, auf welchem Niveau unter Aufgabe welcher nationalen Eigenheiten soll das wann und wo geschehen? Und wer soll letztlich darüber entscheiden, ein demokratisch gewähltes EU-Parlament (one man – one vote) oder ein Ministerrat, in dem Malta so viel Stimmrecht hat wie Frankreich oder Deutschland? EU, mon amour! Aber Liebe bleibt immer eine Sache des Herzens und nicht des Verstandes! – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Sie belauern sich und sind hellwach“ von Peter Dausend und Mariam Lau

Als langjähriger Zeitleser gibt es wieder viel zu kritisieren. Wie vielleicht noch nie. Nicht über diesen Beitrag, sondern überhaupt.  Frau Nahles soll zu einem Kollegen gesagt haben: „Jetzt gibt es auf die Fresse.“ Das wird eher auf die AfD zutreffen. Die werden nichts auslassen, um die etablierten  „Parteien vor sich herzutreiben“, wie Gauland getönt hat. Was wäre, wenn die CSU sich über die Grenzen von Bayern hinaus gewagt hätte.? Dann gäbe es das Problem gar nicht. Dann wäre doch alles Paletti.  Die Grünen sind für mich ohnehin keine vernünftige Partei. Die sind nie von ihrer Protesthaltung weggekommen. Die Umweltfrage haben längst die anderen Parteien verinnerlicht. Trittin, wie ich lesen konnte, will zwar den harten Schnitt, aber das ist reine Theorie. Das geht ohnehin alles nicht. Und die AfD wird sich dann auch etwas zahmer Verhalten. Und Herr Schäuble ist im richtigen Moment der richtige Bundestagspräsident. Solange keiner beleidigt wird, wird er alles zulassen. Er ist erfahren genug, um nicht parteiisch zu maßregeln. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Keiner weiß Bescheid. Aber zum Glück haben wir ja die ZEIT, die sofort DIE Lösung präsentiert: Veggie-Day sofort und nur noch Grüne wählen. Wirklich toll! Dabei ist gerade Grüne Politik höchstwahrscheinlich ein signifikanter Faktor: Immer mehr Landverbau durch Windkraftwerke mit schwerstlastfähigen Anfahrtwegen und Rangierzonen, auf denen weniger wächst als man nebenan mit Glyphosat erreichen kann, vom Luftverbau gar nicht erst zu sprechen. Sonnenfarmen, in denen zwangsweise auch nichts wachsen darf, Biospritfarmen, Biogasfarmen, jeweils verbunden mit noch intensiverer Landwirtschaft, und last not least ein möglichst ungehemmter Zuzug von Menschen aus allen Teilen der Welt, womit ausgerechnet die Bekämpfung der Kernursache allen Übels, die Überbevölkerung, sabotiert wird. Vermutlich richtig: weniger Chemie in der Landwirtschaft. Aber dann sind wir bei der EU und dem Welthandel. Wohin das führt, wenn statt Bauern, die den Boden kennen, Sesselpuper in Brüssel und anderswo aus wirtschaftlichen Überlegungen diktieren, wie Felder bestellt werden müssen, sehen wir ja täglich. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Ihr klüger und ironischer Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Es müsste angesichts der massiven Bedrohung unseres Ökosystems, unserer Lebensgrundlagen, eigentlich ein Aufschrei durch das Land gehen; ein tiefes Erschrecken und ein sofortiges Umdenken und – handeln in allen Bevölkerungsgruppen stattfinden! Wir haben keine Zeit mehr auf weitere Ergebnisse von Langzeituntersuchungen zu warten und die steuernde Politik darf sich nicht mehr mit taktischen Überlegungen und Nebenschauplätzen beschäftigen. Die Rücksicht auf Agrarindustrie und Firmen wie Bayer/Monsanto muss aufhören!! – Dorothee Oelrich


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Der starke Rückgang von Insekten, der sich sowohl auf die Zahl der Arten als auch auf die Individuenmenge (Biomasse) bezieht, ist in der Tat besorgniserregend. Dass dafür ein Bündel von Faktoren verantwortlich ist, ist unter Fachleuten unbestritten: Vernichtung von Hecken, Feldgehölzen und Rainen, Entwässerung von Feuchtgebieten, Ausbau von Fließgewässern, zu frühes und häufiges Mähen von Weg-, Straßen- und Gewässerrändern, noch dazu mit Rotationsmähwerken, die alles kurz und klein schlagen, Überdüngung der Landschaft, Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat und Neonicotinoiden, Umwandlung von Grünland (Wiesen und Weiden) in Ackerland, Dominanz von Mais in der Agrarlandschaft, Fragmentierung der Landschaft durch Verkehrstraßen, der tägliche Verbrauch von 70 Hektar Land für Straßen, Gewerbegebiete, Wohnhäuser etc., die riesige Zahl nächtlicher Lichtquellen, zunehmend naturfeindlich gestaltete Gärten (zum Beispiel mit Schotter) und manches andere wirken am Niedergang der Insekten (und anderer Arten!) mit.Einen herausragenden Anteil daran hat aber die immer intensiver gewordene Landwirtschaft. Wenn regelmäßig etwa 40 Prozent der Äcker unseres Landes mit dem Breitbandherbizid Glyphosat gespritzt werden, bedeutet das die nahezu komplette Vernichtung der Wildpflanzen auf dieser Fläche.

Und da sehr viele Insekten nun mal auf Futterpflanzen angewiesen sind, wird ihnen damit die Lebensbasis entzogen. Wie dreist oder ignorant muss man eigentlich sein, um das zu verleugnen? Die seit etlichen Jahren geführte Diskussion um die Neonicotinoide erinnert stark an die früheren Auseinandersetzungen um das Dichlor-Diphenyl-Trichloräthan (DDT), dessen insektizide Eigenschaft 1939 entdeckt und das dann über 30 Jahre lang massiv gegen Insekten eingesetzt wurde. Seine verheerende Wirkung auf die Tierwelt (und den Menschen!) stellte sich sehr schnell heraus und wurde vor allem von der amerikanischen Biologin und Umweltpionierin Rachel Carson in die Öffentlichkeit transportiert. Von seiten korrupter oder ignoranter Wissenschaftler, Vertretern der chemischen Industrie und Landwirtschaftsfunktionären, die das DDT in der Öffentlichkeit dreist verharmlosten, wurde sie dafür immer wieder persönlich diffamiert. Auch damals las und hörte man regelmäßig, es müsse noch geforscht werden. Der Kampf gegen das DDT dauerte lange, aber er war letztlich erfolgreich: 1971 wurde der Stoff verboten, nachdem der öffentliche Druck zu stark geworden war. Heute muss er gegen Pestizide wie Glyphosat und Neonicotinoide fortgesetzt werden! – Prof. Dr. Herbert Zucchi


Leserbrief zu „»Das Bewerten von allem, was wir nutzen und sehen, ist fast so üblich geworden wie Zähneputzen. Als gehöre Notenverteilen zu unserer Verbraucherpflicht«“ von Sandra Danicke

Generell gebe ich ihnen Recht. Auch ich werde – wenn ich wie diese Woche die Handy Ortung eingeschaltet hatte um das Restaurant überhaupt zu finden – von diesen Bewertungsemails verfolgt und genervt. Aber abgesehen davon, ziehe ich Bewertungen von Menschen, „die womöglich Kampfhunde züchten und ihrer Freizeit Uta Danella lesen“ den Bewertungen von Redakteuren vor, deren an Arroganz grenzender Schreibstil sicher nicht für eine lebensnahe , praktische Urteilsfähigkeit spricht. Ein kleiner Tipp: schalten Sie die Ortung am Handy aus, löschen Sie ihren Facebook ,Twitter etc. accounts und es wird ihnen besser gehen. Und wenn Sie dann Langweile haben, lesen Sie einfach ein Buch von Uta Danella!!! – Dorothea Gutekunst


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Die sich abzeichnende Ökokatastrophe, die ja nicht nur beim Insektensterben sichtbar wird, hat weder im Wahlkampf eine Rolle gespielt, noch tut sie es bei der derzeitigen Regierungsbildung. Ist es Ignoranz oder der Mangel an Courage, wie Bernd Ulrich nahelegt? Angesichts der Tatsache, dass wir dabei sind, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören, hegt er mit Recht Zweifel am „Gesundheitszustand von Politik und Öffentlichkeit.“ Die CDU braucht einen neuen Herbert Gruhl, der 1975 seine Partei mit „Ein Planet wird geplündert“ wachrütteln wollte. Die SPD braucht einen jungen Erhard Eppler, der im gleichen Jahr mit „Ende oder Wende“  die Ökologiebewegung vorantreiben wollte. Beide damals ohne durchgreifenden Erfolg. Und die Grünen? Haben sich zähmen lassen, so Ulrich. Wie lange noch wollen wir weitermachen wie gehabt, auf diese grob fahrlässige, zahme, mutlose und ideenarme Art? – Wolfgang Butzkamm


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Die Artikel von Bernd Ulrich und Stefan Schmitt machen deutlich, was mir seit vielen Jahren Sorge macht. Die Wahrheit der Winschutzscheibe. Nur kennen die jungen Leute eine mit Insekten verklebte Windschutzscheibe leider nicht mehr. Worüber sich also Sorgen machen? Politiker sind meistens nicht so jung und wissen um was es geht. Wie bringen wir diese Politiker dazu etwas wirsames gegen das Insektensterben zu unternehmen? Vorschlag 1: Die Rasenfllächen im Regierungsviertel mit Glyphosat behandeln. Vorschlag 2: Einen 40ter LKW-Gülleferntransporter mit seiner Ladung von ca. 24t Gülle vor dem Landwirtschaftsministerium entladen.  Dann würden die Herrschaften sehen und riechen wie unsere Landwirtschaftspolitik wirkt. Und vielleicht etwas aufmerksamer werden. Und ich wäre ruiniert. Deshalb müssen klügere Vorschläge her. – Rudolf Kiene


Leserbrief zu „Handeldefizit“ von Cathrin Gilbertim ZEIT Magazin

In dem Artikel wird die Wahrnehmung aufgegriffen, junge Erwachsene seien immer weniger bereit und fähig, Entscheidungen zu treffen und zu verantworten. Ein Einflussfaktor wurde nicht erwähnt. Spätestens seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts haben Kinder immer weniger Gelegenheit, Handlungskompetenzen im freien Spiel in der Wohnumgebung und in der Natur zu erwerben. Im frei gewählten Spiel in einer anregungsreichen Umgebung werden laufend Ziele gesetzt. Es wird verhandelt, Ziele werden modifiziert. Auf einen Handlungsimpuls folgt eine Reaktion, auf die wiederum reagiert wird. Dieses ständige Entscheiden findet im konsequenzarmen Raum des Spiels statt. So werden auf Spannung und Freude bringende Weise ständig Selbstwirksamkeitserfahrungen gemacht. Das heißt, das Kind erlebt sich gleichzeitig als wirksam und erhält Rückmeldungen und damit realistische Einschätzungen über seine Umwelt und seine eigenen Fähigkeiten. Diese Erfahrungen wirken mit beim Aufbau eines realistischen und optimistischen „Bauchgefühls“. Gefördert wird so die Selbsteinschätzung, dass man realistische Entscheidungen fällen und sie verantworten kann. In der heutigen Bildungsdebatte dagegen dominieren Ansätze, die Kindern jedes noch so kleine Handlungsfeld zunächst pädagogisch aufbereitet –  also unter Anleitung und Zielstellung von Erwachsenen- vermitteln. Selbstvergessenes, neugieriges Ausprobieren wird stark eingegrenzt und so „abgewöhnt“. – Christiane Richard-Elsner


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Das Schweigen der Politik wird sehr erfolgreich begleitet vom Schweigen der Medien. Die Verantwortung dieser Medien für das große Insektensterben und für die allgegenwärtige Tierquälerei ist aber weit größer als die der Politik. Den die Politik ist gefangen in einem Netzwerk von Freundschaften, Überzeugungen und Abhängigkeiten durch das sie korrumpiert wird und weil sie der Angst vor Nachteilen unterliegt. Dieses Netzwerk könnten die Medien mit Macht zerreißen. Man erinnere sich nur an die monatelange Kampagne gegen Präsident Wulff und an die Antiraucherkampagnen. Warum handeln die Medien nicht so moralisch wie sie gelegentlich in einzelnen Artikeln kommentieren? Auch Anne Will, Maybritt Illner, Hart aber fair, und die Printmedien befinden sich in einem Netzwerk, dass mit dem der Politiker engstens verknüpft ist. Gut, dass die ZEIT regelmäßig gute Artikel zum Thema anbietet. Aber wir alle wissen, das reicht nur für ein kurzlebiges Feigenblatt. Eine ausdauernde Kampagne, die die Bevölkerung weckt und politisch aktiviert, wäre rechtzeitig vor der Wahl sehr wirksam gewesen. Und da diese Themen keine plumpe Einmischung in die Parteipolitik wären, sondern langfristig der Würde und dem Überleben der Menschen dienen, sogar mehr als legitim. Aber offensichtlich haben alle Angst um ihr Netz, dass vielleicht sogar wie eine behagliche Hängematte funktioniert. – Klaus Lachetta


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Endlich ein brennendes ökologisches Thema auf der Titelseite! Man hat doch schon lange gesehen, dass etwas nicht stimmt. Ich bin in den 60er und 70er Jahren aufgewachsen. Ging ich über eine Wiese, sprühte es nur so vor hüpfenden Heuschrecken. Die Fronten der Autos waren im Sommer nach der Fahrt stark verklebt von Mücken und Fliegen. Unzählige Schmetterlinge belebten die Kulturlandschaft.Heute bekommen die Blaumeisen in unserem Garten manchmal die Brut nicht mehr satt. Die Imker klagen über schwache Bienenvölker.Und wann saß der letzte frisch geschlüpfte Maikäfer auf unserer Hand? Politik und Wirtschaft blenden die alarmierende Lage aus, und geschönte Naturfilme sedieren den Zuschauer und täuschen ihm eine noch in Teilen heile Natur vor. Digitale Netzwerke lassen uns ständig auf Bildschirme starren, die analoge Natur verlieren wir aus den Augen. Überspitzt gesagt: Wir kennen in unserer ökonomisierten Welt den Preis von allem, aber den Wert von nichts. – Steffen Walentowitz


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Hätte wirklich nicht geglaubt, dass die alte ZEIT-Tante noch zu so heftiger Selbstpersiflage fähig wäre. Verkehrsregelung per Privatvertrag – genial, das ist die spaßige Lösung/Losung, die uns hier, natürlich rein satirisch gemeint, präsentiert wird. Besser als jede „heute Show“! Trotzdem finde ich, dass uns treuen, wenn auch öfter gelangweilten Lesern der allen Neumoden hinterherwehende ZEITgeist mal wieder Schwarz- statt „Weisbrod“ anbieten könnte. Wir amüsierten uns sonst bestimmt noch zu Tode. – Dr. Michael Knittel


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Vertreten Sie in Ihrem Artikel nicht eine recht einseitige Sichtweise? In anderen Artikeln wird darauf hingewiesen, dass nicht nur Überdüngung, sondern auch Pestizide eine Rolle beim Insektensterben spielen könnten. Dieser Punkt wird ganz am Schluss in einem Satz abgehakt. Der von Ihnen so in den Mittelpunkt gestellte Fleischkonsum alleine wird das Problem auf jeden Fall nicht beheben.

1.) Ein Teil des aus der grausamen Massentierhaltung stammenden Fleisches wird exportiert und dieser Teil wird durch weniger Fleisch essen in Deutschland nicht automatisch reduziert.

2.) Pestizide werden nicht nur auf Äckern ausgebracht, auf denen Futtermittel hergestellt werden, sondern auch auf Äckern, deren Ertrag direkt in den Mägen der Menschen landet.

3.) Eine Umstellung auf biologische und umweltschonendere Produktion erfordert von den Bauern Mehrarbeit. Die Felder müssten wieder gepflügt werden, erfordern mehr Handarbeit und mehr Helfer und die Erträge werden niedriger sein als bei konventioneller Landwirtschaft.

Das bedeutet, nicht nur das Fleisch wird teurer, sondern auch Getreide (= Mehl = Brot), Gemüse und Obst. Das hat den Effekt, dass die Kosten für die ärmeren Bevölkerungsschichten selbst bei den Grundnahrungsmitteln deutlich steigen werden. Schon heute gilt Bio als Luxusgut für die Betuchteren. Um in der breiteren Bevölkerung Unterstützung für umweltschonenderes Landwirtschaften zu finden, müsste mehr gegen prekäre Verhältnisse unternommen werden, damit sich alle dann noch Essen leisten können. Davon abgesehen ist eine bessere und weniger Tierhaltung meiner Meinung nach nicht alleine durch Appelle an die Menschen hier in Deutschland zu erreichen, sondern durch klare Vorgaben zur Tierhaltung durch die Politik bei gleichzeitiger strenger Kontrolle der Fleischproduktionsmafia mittels unabhängiger Gutachter (bei gleichzeitiger Unterbindung des Imports von Massentierhaltungsfleisch). Sonst bleiben die Verhältnisse in den Ställen dieselben und das Fleisch wird dann woanders gegessen, wo man nicht so darauf schaut, wo es herkommt. Außerdem müsste die Gülle-Verschiebeindustrie unterbunden werden. Übrigens werden die Phosphat-Reserven, die für die Herstellung von Kunstdünger benötigt werden, auch irgendwann zur Neige gehen. Wenn alle auf vegan umsteigen und es keine Tierhaltung mehr gibt und keinen Kunstdünger mehr, muss man sich überlegen, ob man die Felder mit menschlichen Exkrementen düngt. Ohne Dünger funktioniert es jedenfalls nicht. Außerdem werden einige landwirtschaftlich genutzte Flächen der Erde wegfallen, weil wegen schlechter Böden oder ungünstiger Klimaverhältnisse dort nur Viehhaltung möglich ist. Es läuft auf den Umbau unseres gesamten Gesellschaftssystems hinaus und zwar weltweit. – Kerstin Hoef-Emden


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Ein Thema mit Handlungsbedarf. Allerdings ist mir die Darstellung zu sehr auf Deutschland bezogen, als ginge es um ein ausschließlich lokales Problem. Viele Passagen können ihr zweites Anliegen nicht vertuschen: Eine pauschale Abrechnung mit der Politik der Regierung Merkel. Zu guter Letzt dann noch das Plädoyer für den Veggie Day und einer Gesundheits-Ermahnung an alle Fleischesser. Das muss doch nicht sein. Chance vertan.

Quelle Statista

Lebenserwartung Norwegen bei Geburt 2005        80,0 Jahre
Lebenserwartung Australien bei Geburt 2005      80,8 Jahre
Pro Kopf Fleischverbrauch 2013
Norwegen                                                                 70,9 kg
Australien                                                              116,2 kg
Deutschland                                                              85,9 kg
Ganz so einfach und monokausal scheinen die gesundheitlichen Zusammenhänge nicht zu sein. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Selten konnte ich einem Beitrag so beipflichten: Hätte das beängstigende Insektensterben in den vergangenen Jahren die Politik ähnlich alarmiert wie die vermeintlichen „Ängste der Menschen“, so säße heute weniger faschistoide Biomasse im Bundestag, dafür mehr flatternde in Brombeerbüschen. – Birgit Kahle


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Der Artikel ist ein sehr gelungener Versuch, uns die Bedeutung des Insektensterbens nahezubringen. Warum das so schwer möglich ist, liegt an unseren Genen. Noch vor wenigen Jahrhunderten musste man ja eher Angst zum Beispiel vor einem Wolf haben als vor verpesteter Luft oder überhaupt Umweltgiften. Der Wolf konnte einem nämlich ein Schaf rauben, während man schlechte Luft nur auf der Toilette erlebte. Deshalb ist für unser Gefühl die Vorstellung, unsere Enkel könnten einmal an Umweltgiften sterben, nicht so schlimm wie die Idee, sie könnten einem Wolf begegnen, obwohl das viel weniger wahrscheinlich ist. Unser Gefühl ist nämlich fest in den Genen verwurzelt, und Gene ändern sich leider nur extrem langsam. – Norbert Oettinger


Leserbrief zu „Handeldefizit“ von Cathrin Gilbertim ZEIT Magazin

Hoppala, Hut ab vor dem Pionier und Pioniergeist Krebs, der – wie geschildert, offensichtlich im Alleingang – Entscheidungen auf Leben und Tod fällt. Nur, solch Vorgehen ist aus der Zeit: Man arbeitet in der modernen Medizin inzwischen anders, als dazumal die Herren Sauerbruch u.a. Pioniere der Chirurgie zwangsweise arbeiten mussten. Wir haben heute Möglichkeiten, Entscheide sorgsamer und differenzierter im Team vorzuverlegen um nicht erst im Operationssaal reagieren zu müssen. Wir haben heute bildgebende Möglichkeiten die Ausdehnung eines derartigen Tumors präoperativ zu bestimmen, wir haben heute die Möglichkeit eine frühe Diagnose zu stellen, wir haben heute die Möglichkeiten mit Radiologen und Onkologen gemeinsam eine genaue Diagnostik, evtl. eine präoperative Verkleinerung des Tumors anzustreben und wir haben heute die Möglichkeit gemeinsam mit diversen Spezialisten die Situation im Vorfeld zu besprechen, gemeinsame Entscheide zu fällen und dann gemeinsam ans operative Werk zu gehen. Vielleicht ist dies auch der Grund warum Herr Krebs Entscheidungsträger in unserer Gesellschaft vermisst. Denn, so wird heute – soweit wie irgend möglich – nicht mehr entschieden! Und das ist auch gut so! – Lutz von Laer


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Ich danke Gott, dass ich auf dem Höhepunkt der Frauenbewegung Mitte der 70er Jahre jung sein durfte. Einige Frauen wollten uns damals zwar die Schwänze abschneiden oder wollten uns nicht in ihre Kneipen lassen, andere haben aber dafür gesorgt, dass wir im Sitzen pinkelten, morgens duschten und in Gesprächen interessiert zuhörten. Der Sex hat sich noch spontan ergeben und wir haben uns in der konkreten Situation gegenseitig gezeigt, was wir mochten und was nicht. Jeder dafür sensibilisierte Mann hat sich dran gehalten. Arschlöcher gab und gibt es immer, da helfen auch keine Verträge. Nochmal jung sein? Ja, unbedingt. Aber nicht heute. – Klaus Lüßenhop


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Ich bin Bernd Ulrich dankbar, dass er das Thema Insektensterben mit Vehemenz und Schärfe anspricht und das Versagen der Politik – leider auch der Grünen – in dieser Hinsicht richtig analysiert. Was die Ursachen des großen Sterbens anbelangt, verstehe ich nicht, warum man darauf wartet, dass diese wissenschaftlich völlig zweifelsfrei und unwiderleglich erforscht werden und ansonsten so weiterwurstelt wie bisher. Man kann doch die Ursachen in evidenter Weise eingrenzen, indem man sich fragt: Was war vor 50 bis 30 Jahren anders, damit die Insekten seinerzeit besser und ungestörter leben konnten? Wenn man dann die Wandlungen in der Landwirtschaft, den vermehrten Einsatz von Insektiziden, die Mengen von Gülle, die seitdem auf den Feldern ausgebracht werden, etc. in Betracht zieht, dann wird man die Ursachen des Insekten- und Artensterbens mit ziemlicher Sicherheit erkennen können. Außerdem gibt es Langzeitstudien über die Veränderung der Tierwelt in der Agrarlandschaft bereits (zum Beispiel für die Agrarlandschaft westlich von Hardenberg in Brandenburg); man hat diese nur nicht richtig zur Kenntnis genommen, weil man natürlich Wichtigeres zu tun hatte. – Wolfgang Cojaniz


Leserbrief zu „»Die anderen haben aufgeholt«” von Petra Pinzler und Martin Spiewak

Im gespaech sagt frau krautzberger: „ man kann nicht mit billigfliegern durch die welt reisen – und glauben, das habe keine Auswirkungen auf das Klima“ diesen satz finde ich bemerkenswert: warum billigflieger, und nicht nur flieger? Ist der billigflieger etwa dreckiger als der luxusflieger? Ist vielleicht das billigauto auch dreckiger als das Luxusauto? Sicher nicht. Jeder flieger, jedes Auto macht dreck. Gut  fuer das Klima sind deshalb nur weniger fluege und weniger Autofahrten. Wenn man das Klima retten will, ist frage doch: soll man fliegen und autofahren so teuer machen, dass nur noch die (hoffentlich wenigen) reichen fliegen und autofahren koennen. Oder findet man andere (gerechtere) wege, dem einhalt zu gebieten, zum Beispiel verbote oder Kontingente. Auf die einsicht ausgerechnet der billigflieger und billigautofahrer zu setzen, ist wohl leider keine loesung. – Christian alberti


Leserbrief zu „Die Macht des Dinosauriers“ von Nadine Ahr et al.

Vor wenigen Jahren mitten in Manhattan, New York, an einem Vormittag zur späten Frühstückszeit in einem Restaurant. Nicht weit von mir entfernt sitzen an einem großen runden Tisch 10 Personen. Eine junge stylische Frau im business-Kostüm. Die anderen sind Männer, die Anzüge tragen. Nach kurzer Beobachtung ist klar, dass der Boss in der Runde mit dem Rücken zu mir sitzt. Der Kopf, die ganze Haltung der Oberkörper der anderen ist auf den Rückenmann gerichtet. Nach einer weitausholenden Armbewegung des Rückenmannes zu der Frau, sagt auch diese einige Sätze. Für mich findet ein „lockeres“ Arbeitsfrühstück außerhalb des Büros statt.   Verhalten wir uns alle so, ich auch? Müssen wir wissen, was die Macht sagt, um zu überleben?  An welchem Punkt müssen wir uns der Macht widersetzen, um zu überleben? Stellen sich die Fragen für eine Frau anders als für einen Mann? Sind die Antworten für jeden anders?   Weinstein mag ein besonders widerwärtiges Exemplar von Macht und Machtmißbrauch sein. Er ist aber kein Dinosaurier, der ausstirbt. Macht und Machtmißbrauch ist immer gegenwärtig. Es liegt an dem Mut und der Initiative von jedem von uns wie weit die Mächtigen ihren Mißbrauch leben können. – Margrit Weber


Leserbrief zu “EU, mon amour“ von Elisabeth Raether

Ich lese bewusst die Artikel der ZEIT ohne vorher zu wissen, wer sie geschrieben hat. Bei auffallend vielen, die mich wirklich beeindrucken und mir lange im Gedächtnis bleiben sind Sie die Autorin. Danke dafür und für Ihre einmalige Koch-Kolumne! – dr. agnes maria bitterlich


Leserbrief zu „Das Märchen vom Brandstifter Draghi“ von Mark Schieritz

Es stimmt ja, das der Kurs von Draghi bisher zu einer Stabilisierung der EU geführt hat. Ihnen dürften aber auch die Risiken bekannt sein, die mit seinem Kurs nach wie vor verbunden sind. Im Hinblick auf diese Risiken wäre es klüger von Ihnen, sich etwas vorsichtiger zu äußern. Ein Märchen ist übrigens etwas anderes. Märchen enthalten oft eine Portion Weisheit. Unbedarft könnte man auch meinen, Draghi hat vor, das die  nächste Generation die Rechnung bezahlt (damit wir heute gut leben können). – Reiner Püschel


Leserbrief zu „»Erst Arbeit macht dich zum Menschen«“ von Moritz Aisslinger

Der Klage des Autors über „die dunkle Seite der deutschen Willkommenskultur“ muss widersprochen werden, weil sie die geltende Rechtslage völlig ausblendet. Ein Aufenthaltsrecht und damit auch eine Arbeitserlaubnis haben nur anerkannte Flüchtlinge und Asylanten. Allein die Integration dieser Menschen zu ermöglichen  ist für den deutschen Staat eine extrem große Herausforderung, . Alle anderen Zuwanderer haben rechtlich gesehen keine Chancen auf einen Aufenthaltstitel  und wären zügig abzuschieben. Die Willkommenskultur kann daher in diesen Fällen nicht greifen, denn das würde bedeuten, dass jeder nach Deutschland kommen und dort bleiben könnte. Eine derartige Praxis würde aber nur dazu führen, dass die AFD viele Wähler dazugewinnt. Und auch der im Artikel angeführte Syrer geht es nicht schlecht, er lebt in Deutschland in Sicherheit in einer eigenen Wohnung und sein eigener – sicher bescheidener – Lebensunterhalt ist gesichert.

Die Unterstützung nach dem SGB II kann jedoch nicht so hoch sein, dass davon noch andere Personen unterstützt werden.  Es liegt in der Eigenverantwortung des Syrers seine offensichtlich unzureichenden Deutschkenntnissen zu verbessern, um Arbeit zu finden.  Ohne hinreichende Deutschkenntnisse gibt es nun einmal nur wenige Arbeitsmöglichkeiten. Die Hype im Herbst 2015, dass die Zuwanderer das nächste Wirtschaftswunder bewirken würden, beruhte leider auf einen völligen Fehleinschätzung des Ausbildungsstandes dieser Menschen.  Als Fazit ist zu bemerken, dass die Willkommenskultur auf Dauer nur gelingen kann, wenn auch die rechtlich gebotenen Abschiebungen durchgeführt werden. – Beate Hille


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Das Argument der Autoren, dass Demokratie nicht dasselbe ist wie Gesetzes- und Verfassungstreue, findet meine volle Zustimmung. Leider ist es in der Katalonien-Debatte und vor allem auch im Diskurs über die Zukunft der EU viel zu selten zu hören. Mein Lieblingsartikel im deutschen Grundgesetz ist der letzte, der Art. 146, in dem es lapidar heißt: „Dieses Grundgesetz […] verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die vom deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“ Der auf einer Verfassung aufruhende Staat, der die Grundrechte des freien und selbstbestimmten Lebens in den Grundrechtsbestimmungen garantieren soll, wird hohl und legalistisch ohne diese finale Möglichkeit, dass die Menschen aus freier Selbstbestimmung ihre Verfassung und damit ihren Staat hinter sich lassen können. Übrigens steckt in dieser radikalen Auffassung von Demokratie auch ein Schutz gegen völkische oder nationalistische Kräfte. Jedes völkische Denken muss sich nämlich vor der permanenten Möglichkeit einer Verfassungsrevision fürchten, mit der eben auch völkische Abzäunungen unterlaufen werden können. Den Katalanen irgendeinen völkischen Nationalismus zu unterstellen ist daher umso absurder. – Prof. Dr. Rainer Bayreuther


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Eines vorweg: Wenn der Insektenbestand tatsächlich um 76 % abgenommen hat, so ist das eine dramatische Entwicklung, der schleunigst gegen gesteuert werden muss. Als Landwirt eines bäuerlichen Familienbetriebes war es jedoch wieder niederschmetternd zu lesen, wie Herr Ulrich zum Ende seines Artikels mit den anscheinend sehr beliebten Worten Gülle, Fleisch, Glyphosat und Agrarsubventionen einen Absatz zusammen zimmern kann, der es in zehn Zeilen schafft einer ganzen Gesellschaft zu suggerieren das Landwirtschaft die Wurzeln allen Übels ist. Das Landwirtschaft, egal ob biologisch oder konventionell eine Eingriff in die Natur mit entsprechen Auswirkungen darstellt dürfte wohl jedem klar sein. Die Frage ist nur, wie gestalten wir einen Kompromiss zwischen diesem Eingriff und wirtschaftlicher Nahrungsmittelerzeugung.

Leider scheint es mir, dass beim Thema Landwirtschaft nur noch mit Gefühl und oberflächlichem Halbwissen argumentiert wird und der Weg einer sachlichen Diskussion schon lange verlassen wurde. Bezeichnend ist hier wohl die Auseinandersetzung um den Einsatz von Glyphosat.Wenn es wirklich gesellschaftlicher Konsens ist, das wir eine komplett veränderte Landwirtschaft in Deutschland möchten, dann muss vernünftig darüber gesprochen werden, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Nur die derzeitige Situation, das sich eine Medienlandschaft anscheinend geschlossen auf diesen Wirtschaftsbereich eingeschossen hat, während  weit über 90 Prozent der Konsumente zu konventionell erzeugten Lebensmittel greifen, lässt wohl die meisten Landwirte verzweifeln. Leider habe ich noch in keinem Zeitungsartikel oder Parteiprogramm einen durchdachten Fahrplan zur anscheinend gewollten  „Agrarwende“ gelesen. Um etwas zu verändern  bedarf es langfristiger Perspektiven für einen Landwirt. Bislang gab und gibt vielen Betrieben, vor allem in Nordwestdeutschland lediglich die Tierhaltung eine Möglichkeit ein ausreichendes Einkommen zu erzielen und so das Potential, die oft seit Jahrhunderten in Familienbesitz befindlichen Bauernhöfe als Lebensgrundlage zu erhalten. – Dr. Gregor Schulze Willbrenning


Leserbrief zu „Über Sexismus und das Ende der Kunst“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Als viel gereister Mensch frage ich mich immer wieder, was ist eigentlich in unserem Staat los. Woher kommen solche Menschen. Neulich frage ich einen Menschen, ob er ein Ausländer ist, nur um zu erfahren, ob er mir sagen kann wo was liegt – eine Firma zum Beispiel. In der Regel weiß das ein einheimischer Bürger eher als ein Ausländer. Er fragte zurück, was ich damit meine. Ich: Beantworten sie doch bitte nur meine Frage. Ja oder Nein. Er: was bilden sie sich eigentlich ein. Sind sie ein Ausländerfeind. Eher er weiter ausholen wollte, bin ich weitergefahren. So ähnlich ist es mit dem Sexismus. Mir reicht dafür meine Fantasie nicht aus, das mit dem Sexismus in Verbindung zu bringen. Verrückter Staat. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Über Sexismus und das Ende der Kunst“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Sie schreiben mir aus der Seele! Das Ende der Kunst naht nicht, deren Ende ist schon da. Aber wußten Sie, daß es in Italien (ausnahmsweise nicht in Asterix‘ Gallien) eine kleine Stadt namens Verona gibt, wo Mann, Frau und Kind in einen der Innenhöfe die Brüste von Julia (siehe Romeo) begrabschen dürfen? Weil das Glück bringe, wovon ich übrigens überzeugt bin, obwohl ich sie noch nie begrabscht habe! Bitte geben Sie diese Kunde nicht an die Berliner Studenten weiter, ansonsten dieser letzte der Kunst verbleibende „Kitsch“ auch noch „gegendert“ werden könnte. Große Hochachtung auch zum letzten Satz Ihres Essays: Ich trau mich mit meinen 62 Jahren nicht – über Jahre demontiert durch Feminismus und „Genderdumm“ – „Harvey Weinstein“ zu googeln! – Heimo H. Suntinger


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Ich habe den Artikel gelesen und mich gefragt, ob das eine Glosse sein sollte. Sollte der Autor das ernst meinen mit dem Arbeitsplatz als „safe space“  dann haben wir bald ein Bevölkerungsproblem, denn die meisten Ehen beginnen mit dem Kennenlernen am Arbeitsplatz. Wo bleibt denn das Spiel mit dem Senden und Empfangen von Hinweisen, das und ob mir das Gegenueber sympatisch ist? So ein, wie vom Autor angeregter „Vertrag“ kommt mir vor wie die ersten Versuche in der Pupertaet mit dem Zettel „Willst Du mit mir gehen? Ja,Nein, Vielleicht oder wie in manchen Partnerbörsen „willst Du mit mir poppen“. Dass nicht alle, Maenner wie Frauen das filigrane Spiel mit Andeutungen und Hinweisen beherrschen ist schade, aber nicht zu aendern. Allerdings bezweifle ich, daß dann nicht schon der Hinweis auf einen Vertrag als sexueller Uebergriff gewertet wird. Man sollte die Kirche mal im Dorf lassen und nicht jeder medialen Sau hinterherrennen. – Harald Lutz Faehrbruecker


Leserbrief zu „Wir statt Gier” von Uwe Jean Heuser

Na toll! Endlich haben wir den wissenschaftlichen Beweis, dass „Gehirnwäsche“ möglich ist. Das soll nicht despektierlich sein, beschreibt aber normalverständlich, dass man auch das Gehirn trainieren kann. Dank Frau Singer hat nun die Jahrtausende alte Praxis aus Religion, Militär und Politik endlich den Beweis, dass sie tatsächlich funktioniert. Und genauso toll: Altruismus ist im Menschen angelegt! Ein Narr, wer sich die ethymologischen Grundlagen anschaut und zu diesem Analyseergebnis kommt! Wissenschaftlich belegt ist das nur, wenn es von Ökonomen und anderen Wissenschaftlern festgestellt wird.

Begriffen haben diese Leute allerdings trotzdem nur einen Teil des Ganzen: Altruismus, ob natürlich oder durch Training verstärkt, ist immer auch eine Projektion auf die Zukunft. Helfe ich dir, hilfst du (oder ein anderer) mit, wenn ich es brauche, helfe ich nicht, werde auch ich vielleicht später abgestraft. Handlungen haben somit (als Zukunftsprojektion) Konsequenzen. Und genau da liegt das Problem: Für die so genannten Influenzer gibt es heute keine Konsequenzen. Ob es der Politiker oder der Manager ist, der mit riesigen Abfindungen und Diäten aus Sachen herauskommt, für die er für den ganzen Mist, den er angezettelt hat, eigentlich abgestraft werden müsste, oder der „Flüchtling“, dem man hilft, der im Gegenzug aber nur Verachtung oder Schlimmeres zeigt, statt sich im Sinne der Zukunftsvision zu verhalten. Die Zukunftsvision fehlt in entscheidenden Bereichen durch Fehlen der Konsequenzen, entsprechend fehlt die Bereitschaft zum Altruismus, und er schwindet auch an anderer Stelle. Leider sind die gesellschaftlichen Gruppen, die das ändern könnten, heute zu sehr in die Korruption eingebunden, als das sich viel tun könnte. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Ich bitte darum, satirische Beiträge künftig als solche zu kennzeichnen. Ansonsten könnte man als Leser noch auf die absurde Idee kommen, Artikel wie dieser wären ernst gemeint, was ja aber nicht sein kann, da Die Zeit ja ein seriöses Presseorgan ist. Oder nicht? Simon Chlosta


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Insekten sterben still, Medien berichten laut über Terrorismus. – Christa von Sengbusch-Speder


Leserbrief zu „Ist das Kunst, oder muss man das giessen?“ von Sascha Chaimowicz

Vielen Dank für diesen schönen Beitrag über die künstlichen Pflanzenvertreter. Er sprach mir aus der Seele. Ich bin gelernte Floristin aus Leidenschaft und bin selbständig. Spezalisiert habe ich mich auf künstliche Brautsträuße. Ich fertige täuschend echte Sträuße für die Ewigkeit an. Immer mehr Bräute lassen sich eine Kopie ihres original Straußes anfertigen, oder aber direkt für den großen Tag einen nach ihren Wünschen. Ich liebe natürliche Blumen und auch Sträuße, aber irgendwie ist es wirklich schade, wenn man frische Blumen als natürlich bezeichnet, wo Sie doch gespritzt und getrimmt aus den Gewächshäusern kommen. Ist das Artgerecht, ist es schön, sie abzuschneiden und in Vasen zu stellen, wo sie so schön im Garten blühen? Ich finde es immer sehr schade, wenn der Strauß in der Vase verblüht und ich weiß, dass alles würde draussen noch viel länger blühen. Ich fertige zwar  weiterhin frische Floristik an, aber spezialisiert habe ich mich auf die Dauerfloristik. Ich hätte nie gedacht das die Nachfrage so groß ist. Auf meiner Seite findet man viele Sträuße die eifnach wie die echten aussehen, nur duften diese halt auch nicht, so haben sogar Allergiker noch eine blumige Alternative. Ich freue mich immer wieder, mit meiner Arbeit die Bräute und Kunden glücklich zu machen und die Blumen können noch weiterhin draussen blühen :-) – Sabine Kaune


Leserbrief zu „Das Märchen vom Brandstifter Draghi“ von Mark Schieritz

Wenn Mark Schieritz feststellt, bei der übermäßigen Geldausweitung durch die EZB seien die Horrorszenarios der Kritiker bislang nicht eingetroffen, muss man ihm entgegenhalten, dass diese seine Meinung auch Bestandteil des „Märchens“ ist. Die beispiellose Geldausweitung ist und bleibt eine Droge. Das gute Wirtschaftswachstum und die gemilderten Probleme der Staatsverschuldung sind eine Folge der Geldausweitung. Jetzt den Schluss zu ziehen „klappt doch“ ist wie ein Drogenabhängiger der mitten in der Konsumphase verkündet „schaut her mir geht es glänzend, hat sich also gelohnt, das Zeug zu schlucken“. Den Preis der Geldvermehrung zahlen Andere zB Sparer, die um ihre (oft zur Altersvorsorge notwendigen) Erträge betrogen sind. Draghis Geldpolitik ist fahrlässig und gefährlich. Schlimm, dass besonnene, verantwortungsbewusste Geldpolitiker wie Bundesbankpräsident Weidmann sich im EZB Rat nicht durchsetzen können. Schlimm, dass die ZEIT Kritiker dieser Geldpolitik als Märchenerzähler abstempelt. – Wilfried Walter


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Ich lese bereits seit dreizehn Jahren mit Begeisterung Ihre Zeitung und war sehr erfreut, dass Sie in der dieswöchigen Ausgabe dem Insektensterben sogar den Aufmacher auf der Titelseite gewidmet haben! Ich stelle immer wieder fest, dass vielen Menschen gar nicht bewusst ist, wie dramatisch die Lage eigentlich ist. Es scheint nur wenigen aufzufallen, dass es immer weniger summt und brummt. Was mir in Ihrem Artikel fehlt, ist der Hinweis, dass nicht nur die industrielle Landwirtschaft und der hohe Fleischkonsum zum Insektensterben beitragen. Auch jeder Hausbesitzer, der seinen „Garten“ als lebensfeindliche Wüste aus Kiesflächen, Rasen und Thujahecken gestaltet, trägt dazu bei, dass der Insektenbestand zurückgeht. In unserem Neubaugebiet sieht man fast nur noch solche komplett sterilen Gartenanlagen ohne eine einzige Blüte.

Wenn noch nicht einmal mehr in den Privatgärten etwas blüht, ist es um Insekten und Vögel schlecht bestellt! Ich fände es schön, wenn die ZEIT ihren Leserinnen und Lesern praktische Tipps für einen insektenfreundlichen Balkon oder Garten geben würde (mein Buchtipp: Schwarzer, Elke (2017): Mein Bienengarten. Bunte Bienenweiden für Hummeln, Honig- und Wildbienen. Ulmer Verlag). Wenn sich die Situation ändern soll, müssen wir ALLE mit anpacken und die Verantwortung nicht immer nur bequem an die Politik abgeben. Ich versuche, auch meine Schülerinnen und Schüler für dieses Thema zu sensibilisieren. Im Sommer haben wir gemeinsam einen Insektengarten auf dem Schulgelände der Friedrich-Dessauer-Schule in Limburg angelegt. In den kommenden zwei Wochen stecken die Berufsfachschüler dort Blumenzwiebeln, damit unsere Insekten auch im Frühling nicht hungern müssen. http://fds-limburg.de/um-unsere-insekten-steht-es-schlecht/Lisa Boy


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Endlich!!!! Seit Monaten wartete ich auf einen Aufschrei in der ZEIT. Jetzt steht als nächster dringlicher Schritt der Aufruf zu einem Bürgerbegehren an, das die Politik in die Pflicht nimmt, unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der wenigen noch lebenden Insekten einzuleiten. – Manuela Herzog


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Es wird vorgeschlagen in einem Vertrag zu regeln, welche sexuelle Handlungen sich zwei (oder mehr) Menschen erlauben, die intim miteinander werden wollen. Das wird nicht helfen. Den entscheidenen Hinweis gibt der Autor selber: „Ein der BDSM-Welt entlehntes Regelwerk mache Ungleichheit akzeptabel.“ Das Hauptproblem ist die Unglechheit. Eine Frau, die nicht mündlich artikulieren kann, was sie will und was sie nicht will, und dies auch vermag durchzusetzen, wird das schriftlich kaum besser berwältigen. Ein weiteres Problem ist, dass Frauen nach wie vor ihren Körper wie eich Scheckbuch einsetzen und ganz selbstverständlich für körperliche Annäherungen Geld, Positionen und andere Vorteile einstreichen. Das muss seitens der Frauen aufhören. Bezahlt endlich eure Drinks selber und zwar mit Geld und nicht mit einem Grapscher an den Hintern. – Bettina Lemke


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Nicht einmal Satire, nur abstrus. – Elmar Drossmann


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Der Autor plädiert dafür, den privaten Geschlechtsverkehr dem Privatrecht zugänglich zu machen. Argumentiert wird hierzu mit der Vertragsfreiheit und der Privatautonomie, also mit Begriffen, die geeignet erscheinen, auch intime Vorgänge zu erfassen. Das lässt sich hören, allerdings nur scheinbar. Denn der Autor stellt schon nicht klar, zu welchem Zweck der private Geschlechtsverkehr privatrechtlich durchdrungen werden soll und wie man sich die Konsequenzen vorzustellen hätte. Deutlich wird nur, dass „Sicherheit und Transparenz“ erreicht werden sollen. Antworten darauf, ob und wie das Privatrecht dies leisten kann, bleibt der Artikel schuldig. Das Privatrecht regelt die Rechtsbeziehungen der am Rechtsverkehr teilnehmenden Personen, das sind in erster Linie Rechtsgeschäfte. Zwingende Bedingung einer privatrechtlichen Erfassung des privaten Geschlechtsverkehrs wäre also dessen Einstufung als Rechtsgeschäft. Was die Konsequenzen wären und ob diese denn wünschenswert sind, lässt der Autor offen. Dabei kann der Vorschlag ohne entsprechende Informationen nicht wirklich diskutiert werden.

Es wäre also ein Änderungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch vorstellbar, durch welches der „Geschlechtsverkehr“ in das Recht der Schuldverhältnisse neben Begriffe wie dem „Kauf“, der „Miete“ und dem „Dienstvertrag“ aufgenommen würde. Durch den Abschluss eines entsprechenden Vertrages begründen die Vertragsparteien also ein Schuldverhältnis, kraft dessen sie berechtigt sind, die jeweils vereinbarten Leistungen zu fordern. Sie sind gegenseitige Verpflichtungen eingegangen. Doch wie sähen die Folgen entsprechender vertraglicher Verpflichtungen aus? Wie so oft spielen dabei die Fälle, in denen alles gut geht und die Vertragsparteien zufrieden auseinandergehen, keine wirkliche Rolle. Von Interesse sind doch vielmehr die Fälle, in denen es zu Abweichungen vom gewünschten Ablauf kommt. Mit einem Augenzwinkern wäre zu prognostizieren, dass Generationen zukünftiger Jura-Studenten wohl darüber diskutieren dürften, ob der Geschlechtsverkehrsvertrag zu seiner Erfüllung die Erbringung eines konkreten Erfolges verlangt oder ob nicht bloß ein „redliches Bemühen“ geschuldet ist.

Ernsthaftere Fragen, die auch der Autor hätte ansprechen müssen, sehe ich in zwei anderen Fällen. Erstens wäre zu fragen, was sein soll, wenn eine Vertragspartei nach Abschluss des Vertrages – aber vor dessen Erfüllung – einseitig Abstand nehmen möchte von den getroffenen Vereinbarungen. Dies scheint gerade im hier diskutierten Rahmen nicht unvorstellbar, etwa weil eine bestimmte Praktik, der zuvor zugestimmt wurde, doch nicht gefällt. Könnte die andere Partei dann mit Erfolg auf Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen klagen? Nicht umsonst lautet ein zentraler Grundsatz des vom Autor ins Spiel gebrachten Privatrechts „pacta sunt servanda“ – Verträge sind einzuhalten. Ich werde mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, wenn ich mutmaße, dass diese Konsequenz vom Autor nicht gewollt sein kann. Noch größere Bauchschmerzen bereitet mir jedoch ein anderer Fall. Nämlich die einseitige Überschreitung des vertraglich Vereinbarten durch eine Person.

Hier nähern wir uns wohl dem Fall, den der Autor eigentlich vor Augen gehabt haben dürfte. Ob jedoch die Vorstellung, eine privatrechtliche Bindung könnte einseitige Übergriffe verhindern, zutrifft, ist in höchstem Maße fragwürdig. Denn auch bei Abschluss eines Vertrages findet der Geschlechtsverkehr regelmäßig im Privaten statt, Vertrag hin oder her. Und was wäre zu tun, was zu erwarten, wenn der Vertrag einfach gebrochen würde? Auch das Privatrecht erweist sich hier als ein schlechter Partner. Denn Konsequenzen im Sinne von „privatrechtlichen Sanktionen“, wie der Autor schreibt, sieht das Privatrecht von sich aus freilich nicht vor. Dies widerspricht sogar seinem Ansatz, denn es geht ihm in erster Linie um die Erfüllung der jeweiligen Interessen. Denkbar wäre es freilich, zuvor Vertragsstrafen für den Fall eines Vertragsbruchs festzulegen. Aber wohin führt das? Wird derjenige, der die vertraglichen Vereinbarungen überschreitet, freiwillig eine Vertragsstrafe begleichen? Dies erscheint mir eine fernliegende Vorstellung zu sein. Es bliebe auch hier nur der Weg vor ein Gericht, wo über intimste Vorgänge und Vertrauensbrüche zu verhandeln wäre. Die Hemmschwelle zu diesem Schritt liegt denkbar hoch. Und dort käme es vermutlich auch zu den bekannten Situationen der sich widersprechenden Aussagen. Nur, dass das Zivilprozessrecht die klagende Partei jetzt auch noch strukturell im Stich lässt, denn es gilt der Darlegungsgrundsatz. Die klagende Partei hat alle ihren Anspruch begründenden Umstände vorzutragen und gegebenenfalls zu beweisen. Wie häufig dürfte das gelingen?

Und selbst wenn es gelingt, wäre der ganze Sinn einer vertraglichen Festsetzung des Geschlechtsverkehrs in der entfernten Aussicht auf eine Vertragsstrafe zu sehen? Das kann nicht ernsthaft gemeint und gewollt sein. Dass diese – im Privatrecht doch zentralen – Fragen der Nichterfüllung und des Vertragsbruches sich nicht annähernd zufriedenstellend auflösen lassen, wirft die Frage auf, ob der Geschlechtsverkehr einer privatrechtlichen Durchdringung vielleicht schlicht nicht zugängig ist. Wenn die rechtliche Regulierung eines Lebensbereiches gefordert wird, ist zu begründen, zu welchem Zweck dies geschieht und ob das gewählte Mittel hierzu geeignet ist. Rechtliche Regelungen, die die Betroffenen, die sie zu schützen suchen, am Ende ratlos zurücklassen, sollten dringend vermieden werden. – Steffen Reuschel


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Der aufgebrochene Katalonienkonflikt ist ein Fallbeispiel für die Folgen nicht hinreichend aufgearbeiteter Vergangenheit. In seiner Genese ist dieser Konflikt durchaus vergleichbar mit anderen Krisenherden der Gegenwart und der Vergangenheit, die z.T. sehr lange vor sich hin schwelen können, um sich immer wieder neu zu entladen. Seit Jahren versuche ich die Friedensinitiativen zu erforschen, die  Trauma unterlegte, bedrohliche Konflikte erfolgreich  zu einer Lösung geführt haben. Die Charaktereigenschaften der handelnden Akteure spielten  dabei eine besondere Rolle. So  habe ich erst vor Kurzen den ehemaligen südafrikanischen Präsidenten de Klerk aufgesucht, um ihn darüber auszufragen, welche Charaktereigenschaften und Massnahmen er im Nachhinein als matchentscheidend für seine Mission zur Überwindung der Apartheid betrachtet. Aus diesen und anderen Begegnungen möchte ich nur diese  Einsicht weitergeben.

Der Schlüssel zu einer nachhaltigen Lösung liegt immer in der Hand des Stärkeren, in diesem Fall bei der  Zentralregierung in Madrid. Das Aufschliessen des Schlosses geschieht durch Menschen (Mariano Rajoy?),  die auf  Demonstration ihrer Macht  verzichten-, proaktiv und mit dem Mut zur Demut die Gegenseite suchen und die Offenheit zum Zuhören signalisieren. Es gibt durchaus anwendbare bewährte Versöhnungsstrategien, die ähnlich wie in Südafrika zum  Einsatz gebracht werden können. Für den Augenblick ist bei den Handelnden der nüchterne Mut zur Demut gefragt, bevor die Zeit eines Handlungsfreiraum abgelaufen ist. – Johannes Czwalina


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

In der Tat ist das Insektensterben ein ernstes Problem; Insekten können für sich nicht in Anspruch nehmen, hier „gut und gerne“ zu leben. Vielen Menschen war das schon vor Jahren klar, mir auch, wie dem Gedicht aus dem Jahr 2015 zu entnehmen ist.

Die Rettung: Insektenhotels

Sie können schön sein und gefräßig,

oder hässlich, und fressen mäßig.

Sie können Baumkronen besetzen,

und Kadaver zersetzen.

Sie befallen Blätter und Knollen,

sie sammeln Nektar und Pollen.

sie sind geschickte Betäuber

und nützliche Bestäuber.

Sie sind Meister der Verwandlung,

entschlüpfen mehrmals der Ummantlung.

Sie bauen sich ihr eignes Haus

oder nutzen ein fremdes aus.

Sie bilden richtige Staaten,

in denen sie sich beraten.

Sie übernehmen feste Rollen;

sie tun nur, was sie sollen.

Sie wissen, wie zu überleben:

Es ist ein Nehmen und ein Geben.

Sie sind aus enger Menschensicht

häufig Schatten, selten Licht,

und weil Milliarden an der Zahl

ziemlich wertlos allemal.

Der Mensch hat sie vertrieben,

behandelt wie die Pest,

bis dass nur wen’ge blieben:

ein kümmerlicher Rest.

Wir haben sie zu lang verbannt,

heute jedoch ganz klar erkannt:

Wenn wir sie nicht verstehen,

werden wir untergehen.

Und fragen: Was macht man bloß

mit Wesen, die jetzt heimatlos?

Wir bau’n an freien Flecken

Hotels mit Kammern und Ecken

und hoffen, das neue Leben

kann ihnen wieder Heimat geben.

Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Ist Harvey Weinstein verdammenswert? Ja klar. Sind sexuelle körperliche Anzüglichkeiten oder auch das verbale Eindringen in die Intimzone eines Menschen eine unverzeihliche Grenzüberschreitung? Ohne Frage. Aber Verträge sollen uns helfen, das in einer eigentlich normale Situation menschlicher Interaktion auf einer Party, einem Abendessen oder in einer Diskothek auszuschließen? Daran glaube ich nicht. Der Artikel zieht, wie viele Pressereaktionen aktuell, einen Teil seiner Legitimation aus der Reaktion auf den Hashtag #metoo. Und was beweist der Hashtag? Das es ziemlich viele miese Männer auf der Welt gibt. Würde ich einen Hashtag #robbery machen hätte ich den Beweis, dass es ziemlich viele Verbrechen und Überfälle auf der Welt gibt. Und was sagt mir das? Auf der rationalen Ebene nicht viel. Menschen begehen Verbrechen. Leider. Aber wenn auf den Hashtag gefühlt viele in der ganzen Welt reagieren – heisst das dann es gibt viele Verbrechen? Oder mehr als früher? Oder was eigentlich? Das es Verbrechen gibt, sollte uns nicht wirklich überraschen. Das es miese Männer (und Frauen) gibt, leider auch nicht. Also etwas mehr Emotionen raus und überlegen, wie wir damit umgehen.

Vielleicht uns als erstes klar machen, dass nicht „die Männer“ Frauen belästigen. Das sagt aber der Autor und beschreibt es so: „Die Hoffnung auf einen neuen Mann? Darauf können wir nicht warten!“ Ich habe ehrlich gesagt aber keine Lust mehr, nur weil ich ein Mann bin, mich in diese Schublade stecken zu lassen. Als potentieller Belästiger und Vergewaltiger. Und als zweites sollten wir uns klar machen, das es nicht „die Frauen“ gibt, die hilflose Opfer sind. Grenzen ziehen, wieweit ich jemanden an mich heranlasse – das ist eine immer noch sehr wichtige Aufgabe für beide Geschlechter, an der wir weiter intensiv als Gesellschaft arbeiten müssen. Glaubt denn wirklich jemand, Männer erleben Situationen von Grenzüberschreitung nicht? Und mutig, wirklich mutig mit allen Mitteln gegen jemanden vorgehen, der die Grenzen nicht akzeptiert. Am besten sofort und direkt. Klingt blöd? Lässt sich nur schwer umsetzen? Wer sagt denn, dass der Umgang miteinander immer nur konfliktfrei und einfach ist? Aber ein Vertrag kann das ändern? Warum? Wenn jemand meine Grenzen nicht respektiert, hält ihn dann ein Vertrag davon ab?

Ja, sagt der Autor Lars Weisbrod. Der wird akzeptiert wegen der drohenden Vertragsstrafe, wie z.B. Hausverbote, Geldstrafen oder öffentlicher Pranger. Am Anfang steht aber immer noch der Mut des Opfers, für seine Sache einzustehen und den Vertragsbruch anzuzeigen. Aber wo eigentlich? Wer „richtet“ denn zukünftig darüber, ob der Vertrag wirklich gebrochen wurde oder nicht? Wie werden Beweise ermittelt? Wer definiert zukünftige die Höhe von Vertragsstrafen? Müssen diese dann bundeweit vereinheitlicht werden? Ich sehe schon viele Anwälte, die sich auf ein neues lukratives Geschäftsfeld freuen. Und das ist die neue Form des menschlichen Umgangs, die es einfacher macht, eigene Grenzen zu ziehen und zu sichern abseits des heute schon „justiziablen“, wie der Autor das nennt? Auf mich wirkt es eher wie eine dystopisches Zukunftsbild. – Wigand Maethner


Leserbrief zu „Es gibt was zu feiern“ von Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Marx

Eine bessere Darstellung dessen, was “Kirche” in Deutschland unter Reformation versteht, konnten Sie kaum finden: Kardinal Marx und Ratsvorsitzender Bedford-Strohm, zwei alte Männer, sitzen, Händchen haltend, abgegrenzt durch zwei Säulen in einer Nische und stellen fest: „Es gibt was zu feiern“. Hervorgehoben dann: “Wir verpflichten uns, der Frage nach der sichtbaren Einheit nachzugehen…“ das ist nicht zu toppen. Es passt zu dem, was von kirchlicher Seite zum „Reformations-Jubiläums-Jahr“ in die Öffentlichkeit gebracht wurde. Was Luther und die Reformation damals war und was “Gedenken” inhaltlich ausmachen müsste, spielt keine Rolle: Nämlich Einspruch/ massiver Widerspruch gegen das Bestehende in Kirche und Gesellschaft, was damals ein Raum war und heute zwei verzahnte Bereiche sind. Einspruch nicht als formales Prinzip, sondern gegründet auf einem inhaltlichen Fundament: der Frage (und immer neu zu suchenden Antwort) nach einem befriedigendem Menschsein des Menschen in der Welt, wozu auch die Frage gehört, wie diese Welt/Erde zu verstehen sei.

Luther hat darauf, aus welchen Motiven und Befindlichkeiten auch immer – z.B. seine massive Angst vor grundlegendem Verlorensein – Antworten gesucht und auch gefunden; Antworten, die damals überzeugten und zu massiven Veränderungen in der Gesellschaft führten. Vieles davon war befreiend, was ist inzwischen daraus geworden? Z.B. aus jener massiven Subjektivität/Individualität, die mit Luthers Rechtfertigungslehre verbunden ist?

Genau diese Haltung und Praxis des Einspruchs gegen das Bestehende auf dem Fundament einer Suche für das befriedigende Menschsein in einer gefährdeten Welt wäre wirkliche Vergegenwärtigung von Luthers „Werk“ und der Reformation. – Aber dazu ist “Kirche” offenbar heute nicht fähig. – Christian Lange


Leserbrief zu „Wie weit lässt Merkel sich nach rechts ziehen?“ von Matthias Geis

Merkels Politik ist den Grünen Realos oder dem Seeheimer-Kreis näher als wertkonservativen CDU/CSU Positionen. Dies hat eine AfD in der heutigen Stärke erst ermöglicht. Gilt äquivalent für die Schröder-SPD und Linke. Das mag kurzfristige taktische Vorteile bringen. Eine gute, weil nachhaltige Strategie wird daraus trotzdem nicht. 25% der Österreicher pauschal zu unterstellen, sie seien rechtsradikal, ist ein starkes Stück. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Im Artikel stellen zwei Philosophieprofessoren die steile These auf, dass man sich undemokratisch verhält, wenn man einen eklatanten Verfassungsbruch einer knappen Regierungsmehrheit nicht gutheißt. In ihrer Sympathie für die katalanischen Separatisten übersehen sie allerdings, dass die Separatisten einen Grundpfeiler von Demokratie zerstören: das Vertrauen in die Einhaltung des (Verfassungs-)Rechts. Nur dieses Vertrauen macht es dauerhaft möglich, dass die Minderheit Entscheidungen akzeptieren kann, die eine Mehrheit getroffen hat. Ohne dieses Vertrauen gibt es keinen Konsens über das Wertefundament eines demokratischen Staates. Verfassungsänderungen bedürfen daher zurecht einer überwältigenden Mehrheit und dürfen nicht durch eine knappe Regierungsmehrheit bewirkt werden. Darüber hinaus: Wer in der Demokratie wäre denn befugt, zwischen einem „enthusiastischen“ demokratischen Verfassungsbruch und einem schlechten undemokratischen Verfassungsbruch zu unterscheiden? Sicher nicht die Philosophie, die die beiden Professoren lehren. – Ortlieb Fliedner


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Zunächst war ich der Meinung, der Beitrag sei eine Satire, bis mir aufgegangen ist, dass Weisbrod es wirklich Ernst meint. Also: vor der „Ausführung“ einer sexuellen Handlung sei ein (kurzer) zu späteren Beweiszwecken wohl schriftlicher  Vertrag über Inhalt und Grenzen der sogenannten Handlung abzuschließen. Als Volljurist komme ich jetzt doch ein wenig ins Grübeln. Gilt sein Vorschlag eigentlich auch für Eheleute oder sonst dauernd zusammenlebende? Ich erlaube mir mal vorzustellen, wie sie Abends vor dem „zu Bett gehen“ noch den Vertrag aushandeln. Oder wie es ist, wenn es sie auf der Wiese überkommt und sie kein Schreibzeug dabei haben. Und ganz schlimm, was ist, wenn einer der „Vertragspartner“ über das Vereinbarte hinausgeht, sagen wir mal vorsichtig, intimer wird? Wie beweist die oder der Verletzte diesen Vertragsbruch? Und welche Ansprüche hat sie /er dann, zur Not in einem Gerichtsverfahren? Schadensersatz in Form von Schmerzensgeld? In welcher Höhe etwa? Ich fürchte, Weisbrod hat seinen Vorschlag nicht ganz zu Ende gedacht. Trotzdem nichts für Ungut. Ich freue mich jeden Donnerstag auf die neue „Die Zeit“. – Josef Vogt


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Mit Ihrem aktuellen Artikel sprechen Sie uns aus tiefster Seele. Auch wir stellen seit Wochen konsterniert fest, dass dieses Thema anscheinend in den Jamaika-Verhandlungen und den aktuellen politischen Debatten keine Rolle spielt. Ihre Analyse ist bitter, aber überzeugend und wird hoffentlich von vielen politischen Entscheidungsträgern und nachdenkenden Bürgern gelesen. Aber was können wir tun? Darüber hinaus möchten wir Ihnen einmal mitteilen, dass wir jede Ausgabe der „Zeit“ zuerst nach Beiträgen von Ihnen durchsuchen, da Ihre politischen Analysen und Kommentare uns quasi immer einen hohen Erkenntnisgewinn vermitteln. Einen Artikel von Ulrich gelesen und schon hat sich das Wochenexemplar der „Zeit“ gelohnt. Mehr ist häufig zeitlich nicht drin. Das muss einmal gesagt werden. Falls Sie an unseren weiteren Lesegewohnheiten interessiert sind, hier der rituelle Ablauf:

  1. Titelseite
  2. Zeit Magazin Inhaltsverzeichnis (blöd, dass da die Artikel von der ersten Seite nicht draufstehen, wenn man später mal nach Artikeln recherchieren will)
  3. Martenstein
  4. Raether Rezept (lieben wir auch sehr)
  5. Zeit Inhaltsverzeichnis durchsuchen nach: Ulrich, Raether, Angela Köckritz, Jan Ross = alle super
  6. Die Artikel in dieser Reihenfolge lesen, dann ist die Woche garantiert um
  7. Was uns fehlt: regelmäßige politische Artikel über Italien

Was auch noch fehlt: regelmäßige Artikel über die Ursachen der zukünftigen Fluchtbewegungen z.B. aus Afrika. Eine andere Wirtschaftspolitik gegenüber diesen Ländern ist wohl auch keine großer Verhandlungspunkt bei Jamaika. Über dieses Thema muss u.E. mehr Aufklärung bei den Bürgern erfolgen. In diesem Zusammenhang begrüßen wir z.B. Beiträge von Pankaj Mishra in der Zeit. – Barbara Arens und Jochen Aengenheyster


Leserbrief zu „Wie der Faust aufs Auge“ von Daniel Haas

Danke, liebe Zeit-Redaktion, nun weiß ich endlich weshalb die Pflege in Deutschland ein so schlechtes Image hat. In dem Artikel schreibt Daniel Haas, wenn es zum Abitur und zum Studium nicht reicht, bleibt allenthalben noch der Weg zum Krankenpfleger oder Mitarbeiter eines Klärwerks. Während in fast ganz Europa und in der weiten Welt die Pflege ein Hochschulstudium ist, dürfen hier in Deutschland „Minderbemittelte“ diese Tätigkeiten ausüben. Dieser Gedanke eröffnet ganz neue Denkhorizonte. Vielleicht  tut sich die Politik mit den Pflegenden deshalb so schwer, weil sie die Ziele unseres gepriesenen Bildungssystems nicht erreicht haben? Darüber sollte man auch mal nachdenken. Sie schreiben explizit über den Krankenpfleger.

Ich nehme an, dass dies der Einfachheit halber passierte, weil im allgemeinen Sprachgebrauch von Krankenschwester/Krankenpfleger gesprochen wird. Oder doch nicht? Sie wissen aber schon, dass Krankenpfleger die gleiche Ausbildung wie Krankenschwestern absolviert haben. Außerdem werden seit 2003 keine Krankenpfleger sondern Gesundheits- und Krankenpfleger ausgebildet. Und dann diese Parallele zum Klärwerk. Wohl weil beide Tätigkeiten den ganzen Tag nur mit Fäkalien zu tun haben? Dabei hat mancher Laborarzt und Laborant mehr mit Fäkalien zu tun als manch Krankenpfleger. Bleibt zu hoffen, sollten sie eines Tages pflegebedürftig werden, dass sie nicht einem dieser „Minderbemittelten“ in die Finger fallen, der sie dann auf ihre Fäkalien reduziert. Sie sollten ihre Kenntnisse über diesen Berufsstand dringend aktualisieren. Übrigens, auch die Mitarbeiter von Klärwerken können ihnen sicherlich berichten welch anspruchsvolle Tätigkeit sie ausüben und es nicht damit getan ist dem großen Quirl im Rührwerk bei der Arbeit zuzuschauen. Die Qualität von Arbeit und ihren Wert für die Gesellschaft zu erkennen und zu wertschätzen ist leider nicht nur einigen Journalisten trotz “Bildung“ nicht gegeben. Hätten sie in ihrem Artikel statt Krankenpfleger und Mitarbeiter eines Klärwerks Elektriker, Kfz-Mechaniker oder einen anderen Handwerksberuf eingesetzt, hätten die jeweiligen Verbände ihnen ihren Artikel zu Recht um die Ohren geschlagen. Was ich hiermit auch tue. – Wolfgang Meyer


Leserbrief zu “EU, mon amour“ von Elisabeth Raether

Man sollte zunächst zwischen EU und Europa unterscheiden, denn das sind zwei semantisch unterschiedliche Terminologien, die zwar zusammenhängen, aber nicht als Synonym zu verwenden sind. Die wenigsten wollen die EU abschaffen, sondern die Intentionen gehen in Richtung Reform und Neuordnung, weil der eingeschlagene Weg zum Zentralstaat Europa mehr schadet als er den Mitgliedsstaaten nützt. Die Union ist letztlich so stark wie die Summe der Mitgliedsstaaten und wenn man allfällige Synergien besser nutzt, sogar noch stärker. Ein höheres Maß an Föderalismus und Subsidiarität ist angesagt. – Martin Behrens


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Zu diesem Artikel nur kurz folgende Bemerkung (aus etwas juristischer Sicht): Dass die (kommunikativen) Probleme bezüglich „des Unaussprechlichen“ gelöst wären, wenn man „die Sache“ und „kleine Details“ (gewissermassen die „Verkehrsbedingungen“) vertraglich regeln würde, ist blanke Illusion, denn (i) die Idee ist zwar im Ansatz gut, aber intellektuell (was Libido selbst bei angeblich Intellektuellen kaum ist), (ii) wäre der „übereinstimmende Parteiwille“ mit Blick auf die typischen Unschärfen der Kommunikation allgemein und in diesem „Verkehrsbereich“ ohnehin auch bei scheinbarer Übereinstimmung im Wortlaut kaum zweifelsfrei zu eruieren, wenn es denn doch zum Konflikt kommt (auch auf der Autobahn ist nicht das Tempo, sondern die Fehleinschätzung bzgl der Tempodifferenz das grösste Risiko), und (iii) endlich ist natürlich schon die Offerte zum Abschluss eines solchen Vertrags – jedenfalls ausserhalb eines klar als unsafe space deklarierten darkrooms – eine Annäherung, die in einem safe space eigentlich eine Watsche ohne weiteres rechtfertigen würde … Quintessenz: Wenn man schon darüber offenbar nicht sprechen kann, kann man auch keine Verträge schreiben; und wir können unser mangelndes kommunikatives Feingefühl nun mal nicht mit juristischen Floskeln zudecken! – Prof. Dr. P. Breitschmid


Leserbrief zu „Glänzende Aussichten“ von Katja Schönherr

Die eigentlichen Probleme werden, so lange ich denken kann, nicht angetastet. Dutzende Beiträge haben Sie über unsere Lehranstalten schon veröffentlicht. Fast alle vermeiden die wirklichen Probleme zu beschreiben. Dann ist mir eingefallen warum das so ist. Die meisten Autoren sehen gar nicht die Probleme, weil sie in einer Zeit Schüler waren, die das Unterrichten anders gar nicht kennengelernt haben. Es wird also unbewusst verschwiegen. In Erinnerung an einen Beitrag von Professor Dieter Lenzen der Freien Universität Berlin, der einer der Wenigen war, den Zustand Nach den 60er Jahren fing das Dilemma an. Um es vorweg zu nehmen, meine 3 Söhne waren alle auf einer Privatschule aber erst nachdem Sie in einer staatlichen Schule die Schulkultur kennengelernt haben. Einschließlich des Vaters, der im Elternbeirat mitgewirkt hat. Autoritäres Verhalten war verpönt,  Ohne Autorität kann man eine Lehranstalt nicht vernünftig führen.

Das ist Fakt. „Selbstfindung“ der Schüler war angesagt. Die Schüler sollten selbst herausfinden, wie was geschrieben wird. Diktate wurden abgeschafft. Um nur ein Beispiel zu nennen. Ich kann nur für NRW sprechen. Durch den Föderalismus und die autarke Stellung der Schulen kann es durchaus sein, daß in anderen Bundesländern eine andere Haltung praktiziert wurde. Ich weiß von Bayern, das dort der Unterricht autoritärer geführt worden ist.  Die Privatschulen sind in der Regel autoritärer aufgestellt. Das habe ich an meinen Kindern schnell feststellen können. Und wenn ein Schüler das ein oder andere nicht verstanden hat, dann bekam er von seinen Lehrern  Nachhilfe. In den staatlichen Schulen müssen die Eltern ausserhalb der staatlichen Schulen eine private Einrichtung für Ihre Schüler engagieren, die wie Pilze aus der Erde wuchsen.

Das hätte eigentlich ein Alarmzeichen für die Kultusminister sein müssen, Nichts, aber auch gar nichts wurde getan. Vergessen sie die Untersuchungen der von Ihnen angegebenen Organisationen. Das hat mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Hinzu kommen die katastrophalen baulichen Mängel. Die Toiletten mussten teilweise geschlossen werden, weil die Schüler das ganze Inventar zertrümmert hatten. Jetzt lese ich, für die Renovierung oder Sanierung der Schulen werden 10 Milliarden nötig werden.  Sie haben recht, wenn von Elite gesprochen wird. Das ist in der Tat so. Zu der Zeit meiner Kinder Ende 70er Anfang 80er Jahre war es jedenfalls so. Ich habe für meine Kinder zwischen  4 und  5 Tausend DM jeden Monat zahlen müssen. Aus heutiger Sicht hat sich das auch gelohnt. Ich habe viel Freude an meinen Kindern.  Wie das heute aussieht, weiß ich nicht. Es mag heute vielleicht durch die finanziellen Zuschüsse des Bundes und Ländern (zu der Zeit meiner Kinder gab es das alles nicht) auch Schüler geben, wo die Eltern über weniger Geld verfügen, die sich eine Privatschule leisten können.  Das ist sehr zu begrüßen.  Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit meiner Tätigkeit im Elternbeirat erinnern. Da gab es einen Schüler aus einer armen Familie, der Vater war ständig arbeitslos, der Junge war einer der Besten. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Plündern als Prinzip“ von Angela Köckritz

In den 2000er Jahren erging an einen Freund die Anfrage, ob er einen Weg wüsste, 60 Millionen Dollar Entwicklungshilfegeld der Credit Suisse (und von dieser gestempelt) in Europa zu waschen, die der geschasste Präsident der Elfenbeinküste, Bédié beizeiten beiseite gebracht hatte um damit nun sein politisches Comeback einzuläuten. Einen dieser 6 Trunks mit 10 Millionen Dollar hat man meinem Freund  in einem Pariser Stadtrandghetto vorgeführt (die anderen sollten sich in Hütten versteckt im Gebiet der Elfenbeinküste befinden). Wie ein an dieser Geschichte beteiligter ehemaliger deutscher Diplomat dazu bemerkte: „Afrika ist gesäumt von solchen Koffern.“ Vielleicht sollte daher die Entwicklungshilfe generell an die Bedingung geknüpft sein, den Weg des Geldes bis zum Endverbrauch verlässlich verfolgen zu können..andererseits wäre die Welt ohne solche abenteuerlichen Geschichten (und diese ist definitiv wahr!) ein ganzes Stück ärmer. – Weinberg


Leserbrief zu „Umdenken oder untergehen“ von Maximilian Probst und zu „Wir statt Gier” von Uwe Jean Heuser

In „Umdenken oder untergehen“ wird geistige Gleichschaltung propagiert. Die Menschen sollen nur noch das „Schöne“ wollen. In „Wir statt Gier“ wird gleich noch das Rezept zum Erreichen dieser Geisteshaltung geliefert: Gehirnwäsche, genannt Meditation, und Umerziehung. Ich sehe eine Welt, in der DAS KOMITEE das „Schöne“ beschreibt. Wer erwischt wird davon abzuweichen, erhält eine Einladung zur „Läuterungs-Meditation“. Ich hoffe, unsere Enkel werfen, wie unser früherer Außenminister Fischer, Steine auf die, die unter dem Vorwand, nur so sei die Menschheit zu retten (alternativlos!) ihnen ihre Freiheit nehmen wollen. Vielleicht wird es zu Enkeln jedoch gar nicht mehr kommen, weil, siehe „Regelt den Verkehr“, das Bundesverfassungsgericht im entscheidenden Moment aufgrund verfassungswidriger Widerrufsklauseln in den Beischlafverträgen unserer Kinder, diese für nichtig erklärt hat. War das Satire oder kann das weg? – Hans-Jörg Lindner


Leserbrief zu „Die Macht des Dinosauriers“ von Nadine Ahr et al.

Ein System funktioniert nur solange, wie alle darin mitspielen! Herr Weinstein trägt – wenn die Beschuldigungen stimmen – die alleinige Schuld an dieser ganzen widerlichen Affäre. Doch von „Opfern“ mag ich nicht sprechen, wenn ich an all die erniedrigten Frauen denke. Auch sie und viele andere waren Mitspieler; sie erhofften sich Vorteile, wenn sie stillhielten, hatten vielleicht auch nicht den Mut, sich aufzulehnen – wenn es mir auch schwerfällt, diesen letzteren Aspekt in dieser Häufigkeit nachzuvollziehen. Man kann das Phänomen des Mitspielens im System weiterdenken in autoritäre politische Strukturen (!) – oder in ganz alltägliche Gegebenheiten:

Ich saß in der S-Bahn. Etwas weiter von mir entfernt saß ein junges Mädchen, verhüllt in Hidjab und Abaya. Ein Betrunkener setzte sich neben sie, schlief ein, sein Kopf fiel auf ihre Schulter. Sie drückte sich so weit wie möglich an die S-Bahn-Wand, hielt den Körperkontakt mit niedergeschlagenen Augen aus. Ich ging dorthin, weckte den Betrunkenen, forderte ihn auf, sich so hinzusetzen, dass er nicht auf das Mädchen rutschte. Das tat er, brummelte, schlief wieder ein. Das Ganze wiederholte sich. Wieder weckte ich ihn, fragte das Mädchen, ob es sich nicht woanders hin setzen wollte, sie sah mich mit großen Opferaugen an und blieb sitzen. Ich war fassungslos! Da hüllt sie sich ein oder ihre Eltern tun es, um sie vor bösen Männern zu schützen und das Naheliegende bringen sie ihr nicht bei? Ich musste aussteigen. Da kam eine Dame auf mich zu, die gegenüber dem Mädchen gesessen hatte und bedankte sich bei mir, dass ich eingeschritten war – was mich wiederum verblüffte: Warum hatte sie das nicht getan? Mein Handeln finde ich selbstverständlich, doch das des Mädchens und der um sie herum Sitzenden überhaupt nicht.

Das ist es, was ich meine: Niemand sollte in miesen Systemen mitspielen, um sie nicht zu perpetuieren – auch wenn hier, genau wie Herr Weinstein – der Betrunkene (mit verminderter Zurechnungsfähigkeit) die alleinige Schuld trägt an der Grenzüberschreitung, so haben doch die Mitreisenden ihre Verantwortung als Solidargemeinschaft grob vernachlässigt. Im Übrigen war es schon in den 60er Jahren so, dass viele Männer in den USA nicht mit einer Frau allein im Aufzug fuhren, um einer möglichen Anklage- nebst Schadenersatzansprüchen- wegen versuchten sexuellen Missbrauchs zu entgehen. In diesem System möchte ich weder Frau noch Mann sein. – Dr. Ursula Augener


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Der wirklich gelungene Artikel von Bernd Ulrich spricht mir aus der Seele. Eine Korrektur habe ich dennoch: Es ist nicht irrational oder unvernünftig jetzt Glyphosat und die Neonicotinoide zu verbieten, den Fleischkonsum drastisch zu senken und ökologische Landwitschaft zu förden ohne genau zu wissen woran die Bienen nun genau leiden und was ihnen langfristig am meisten hilft. Es ist vielmehr irrational, große Monokulturen anzupflanzen und Insektizide einzusetzen, riesige Massen an Tieren zu mästen und die Gülle einfach auf die Felder zu kippen, ohne vorher durch Studien sicher auszuschließen, dass dies der Umwelt schadet. – Inga Goldammer


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Danke! Großartig. Artikel wie dieser bestätigen, dass ich seit über 40 Jahren die richtige Zeitung abonniert habe. Der von Ihnen geprägte Terminus „Mittlere Vernunft“ öffnet die Tür zur Diskussion über weitere „vergessene Umweltkatastrophen“, z.B. über den Mobilfunk. Kürzlich wurde in meiner Nachbarschaft ein neuer Mobilfunkmast in Betrieb genommen. Die durch ihn verursachten gesundheitlichen Auswirkungen haben die schlimmsten Befürchtungen übertroffen. Andere Strahlungsquellen sind praktisch auszuschließen. Ein WiFi-Analyzer zeigt in meinen fraglichen Räumen keine W-LANs an. Ich bin 63 Jahre alt. Die neue Strahlung stört massiv meinen Nachtschlaf und reduziert ihn im Extremfall auf etwas über ein Stunde. Arbeiten an meinem Schreibtisch im 2. OG sind praktisch nur noch mit Abschirmkapuzenpullover (Hoodie) und Abschirmkopftuch (Loop) möglich. Medizinische Effekte waren auch bei meiner Frau (54) zu beobachten. Nach zwei Nächten mit einer besonders starken Strahlungsbelastung Anfang August 2017 traten bei ihr Koordinationsstörungen auf: Versagen der Kontrolle über die Beine, Schwindel, Störung des Sehvermögens (keine Möglichkeit zur Koinzidenz des Augenpaare).

In den beiden genannten Nächten konnte sogar unser Mitbewohner (40) stundenlang nicht schlafen. Daraus ergeben sich viele Fragen: Warum werden die Bürger nicht vor Inbetriebnahme von Sendeanlagen informiert, welche gesundheitlichen Folgen zu erwarten sind, damit jeder sich rechtzeitig vor einer ungeschützten Strahlungsexposition schützen kann? Warum werden die Bürger nicht fachkundlich in technische Schutzmaßnahmen eingewiesen? Als erste Schutzmaßnahme habe ich Mitte August Schlafzimmer und Arbeitszimmer mit einer Schutzfarbe (Yshield Abschirmfarbe HSF54, HF+NF) gestrichen. Dieser Aufwand war im Nachhinein völlig sinnlos, weil a) bei HF-Strahlung ein Schutzanstrich nicht wirkt, der z.B. Türen und Fenster offen lässt, und b) die 37 dB der Farbe bei der aktuellen Funkmaststrahlung keine Schutzwirkung mehr entfalten. Warum werden die Bürger nicht fachkundig über die Zusammenhänge zwischen Strahlungsbelastung und Symptomen unterrichtet. Drei Beispiele seien genannt. Testweise habe ich an unserem LAN-Router die W-LAN-Funktion angeschaltet. Ein Messgerät zeigte zwar Ausschläge bis 1700 μW/m².

Eine Strahlungsbelastung habe ich aber nicht gespürt. Offenbar verursacht die reine Trägerwelle keine Reaktion meines Körpers. Im zweiten regelmäßig vorkommenden Fall dringt die Strahlung vom Funkmast mit weniger als 10 μW/m² in mein Arbeitszimmer und verursacht heftiges Herzklopfen und Engegefühl. Hier spielt offenbar die Modulation der Welle eine viel größere Rolle als die Intensität. Im dritten Fall werde ich nachts immer wieder geweckt. Ich schlafe unter einem Schutznetz mit Bodenunterlage (50 dB), habe die Bettdecke mit einem älteren Schutznetz bedeckt (Voile, 37 dB) und trage oft noch den Hoodie (50 dB). Trotzdem erreicht mich die Strahlung. Die Restintensität ist vermutlich sehr gering. Aber in der Strahlung sind eventuell Frequenzen enthalten, die mit den „Schwingungen der Zellen“ in Resonanz treten. Übrigens, die Schlafprobleme (Fall drei) hatte ich bei fünf Aufenthalten außerhalb Deutschlands nicht (Polen, Ukraine, USA im Zeitraum August bis Oktober 2017). Warum werden die Bürger nicht fachkundlich in medizinische Schutzmaßnahmen eingewiesen? Ich habe gewissenmaßen auf gut Glück einen Hoodie und zwei Loops (s.o.) erworben und trage diese nun.

Bei bestimmten Trageweisen wird das Herzklopfen deutlich gedämpft. Welche Körperbereiche nun aber besonders geschützt werden müssen, weil sie für das Auslösen des Herzrasens verantwortlich sind, ist mir bislang aber völlig unklar. Warum wird seitens des Staates überhaupt eine Strahlungsbelastung der Bevölkerung zugelassen, die die o.g. massiven kardiologischen und neurologischen Probleme verursacht?  Wie soll meine Familie ein gesundes Leben in strahlungsarmer Umgebung führen, wenn wir einerseits auf W-LAN, DECT-Telefon und ähnliches im Haus verzichten, andererseits uns aber von draußen eine um ein Vielfaches stärkere Strahlung ins Haus geschickt wird? In vielen Gesprächen habe ich erfahren, dass ich mit meinen Symptomen nicht allein bin, vor allem, wenn es sich um ältere Menschen handelt. Die bisher jüngsten betroffenen Gesprächspartner waren um die vierzig Jahre alt. – Wolfgang Kresse


Leserbrief zu „Die Macht des Dinosauriers“ von Nadine Ahr et al.

Ein wichtiger Beitrag zur Diskussion über (sexuellen) Mißbrauch in Abhängigkeitsbeziehungen. Ein ungutes Gefühl hinterläßt der Umstand, daß lediglich 3 von 50 SchauspielerInnen auf die Frage der ZEIT nach eigenen Erfahrungen antworteten. Wenn dann mit Verweis auf den Chef der Ufa gefolgert wird, dessen Aussage sei glaubwürdig, weil er ganz anders als Weinstein auftrete, dann muß man sich allerdings fragen, ob die AutorInnen des Beitrags das Problem wirklich verstanden haben. Denn die daraus resultierende Logik lautet: “Kerle, die auf Partys Champagner aus High Heels trinken, junge Frauen anbaggern und auf Tischen tanzen” sagen nicht die Wahrheit und – das ist die unterschwellige Botschaft – ihnen ist zuzutrauen, daß sie Frauen mißbrauchen. Genau damit wird aber das zentrale Problem verkannt und geleugnet: Mißbrauch geschieht alltäglich –  zumeist im Nahbereich, in ehelichen Schlafzimmern, Kinderzimmern, (Sport-) Vereinen, Kirchen, Schulen, Büros, ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen etc. statt.

Die Täter sind keineswegs “böse”, “fremde” Männer (und Frauen, deren mißbräuchliches Verhalten sich allerdings meist anders, subtiler äußert)  und sie sind auch eher selten so auffällige Menschen wie Weinstein, sondern “ganz normale” Menschen. Das ist eine unangenehme Einsicht, weil sie Fragen an uns alle stellt: Männer und Frauen, Väter, Mütter, Arbeitgeber, PsychotherapeutInnen, Priester … Sigmund Freud hat am Ende seines Lebens einmal sehr skeptisch über seine eigene Berufsgruppe, im Hinblick auf deren mangelnde Bereitschaft sich selbst zu verändern, geschrieben (1937c, GW XVI: 94f): „Es mag sein, daß dieser Vorgang dem Dichter recht gibt, der uns mahnt, wenn einem Menschen Macht verliehen wird, falle es ihm schwer, sie nicht zu mißbrauchen.“ Aber auch das kommt – und nicht so selten – vor! – Dr. Jürgen Thorwart


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Endlich, dachte ich beim Lesen des Zeitartikels von Bernd Ulrich, einmal an prominenter Stelle eine ausführliche Darstellung des Insektensterbens, und die angekündigte Antwort auf die Frage, warum „die Politik“ nichts tut, machte mich neugierig. Aber schnell drängten sich kritische Fragen und Anmerkungen auf: Erstens: Das Insektensterben isoliert zu behandeln, ist eine Verharmlosung der Problematik. Schon seit Jahren ist ein Artensterben katastrophalen Ausmaßes zu beobachten. Die Insekten stehen am Anfang der Nahrungskette, an deren Ende der Mensch steht. Seit Jahren beobachten wir, wie alle Arten, deren Nahrungsgrundlage Insekten sind (viele Amphibien, Vögel, Säugetiere…), immer weniger werden. Spätestens seit dem verdienstvollen Film „More than honey“ haben wir die Bilder der Chinesen, die in Obstbäumen stehen und mit Millionen von Pinselstrichen die Bestäubungsarbeit der ausgerotteten Insekten verrichten, vor Augen. Sind das die Arbeitsplätze der Zukunft!?

Zweitens: Die Frage nach der poltitischen Verantwortung : Der Autor bringt das Kunststück fertig, wortreich das Versagen der Grünen, ihre mangelnde Konsequenz aus Angst vor Stimmenverlusten (negative Erfahrungen aus früheren Wahlkämpfen : 5 DM für den Liter Benzin, „Veggieday“, Vorwurf der Ökodiktatur usw.) zu thematisieren, ohne auf die Rolle von Agrarindustrie und Chemieindustrie, CSU-Landwirtschaftsministerium, Bauernverbanden usw. einzugehen. Wer bestimmt denn seit Jahren die Landwirtschaftspolitik in Deutschland und Europa? Doch nicht die Grünen! Durchgesetzt haben ihre Interessen vielmehr immer wieder die Agrarindustrie und die Agrarchemieindustrie über ihre Lobbyisten und Netzwerke in Ministerien und EU-Bürokratie . Beraten durch deren Vertreter und unter immensem Konkurrenzdruck, spritzt die Landwirtschaft  seit Jahrzehnten tonnenweise Pestizide, Fungizide und Insektizide auf die Felder – Insektizide sind, das sagt schon der Name, dazu da, Insekten zu vernichten.

Muß man sich da wundern, daß „urplötzlich“ 80 % der Insekten verschwunden sind?! Im übrigen werden nicht nur die Insekten vernichtet, sondern auch die so erzeugten Lebensmittel, die Böden und das Grundwasser mit diesen Giften belastet. Wie wäre es, Herr Ulrich, wenn Sie Ihrem Artikel einen zweiten folgen ließen, in dem Sie mit eben dem  Mut und dem Engagement, dessen Mangel Sie den Grünen vorwerfen, die Verantwortlichkeiten für die katastrophalen Fehlentwicklungen benennen und die notwendigen Veränderungen  analysieren? Eine Agrarwende ist notwendig, und es könnte (s. der sich beschleunigende Klimawandel)  demnächst auch dafür zu spät sein, mindestens aber dürfte die Wende immer aufwendiger und teurer werden, je mehr  Vergiftung und Artensterben fortgeschritten sind. – Ingrid Wrase


Leserbrief zu “EU, mon amour“ von Elisabeth Raether

Warum taucht in diesem Text über Europa, das sich vor allem durch gemeinsame Werte wie Frieden, Freiheit und Menschenrechte definiert, am Ende nur die Frage nach dem Geld übrig? Gibt es denn nicht mehr, das uns zusammenhält? Reicht es nicht durch gemeinsame Ziele zusammen zu stehen? Reicht es nicht, befreundet sein? Das bedeutet nicht, dass alle Verwaltung zentralisiert werden muss. Das bedeutet nicht, dass jedes Land dem anderen gleichen soll, dass jedes Land nur den Entscheidungen von Europäischer Kommission und dem Parlament folgen muss. Reicht es nicht, sich auf das Gemeinsame zu besinnen und doch jedes Land selbst über den Alltag entscheiden zu lassen? Ein lebendiges Europa braucht Selbstverwaltung innerhalb der souveränen Nationalstaaten.

Gute Wirtschaftsbedingungen zwischen den einzelnen Mitgliedern zu schaffen, mag auch ein wichtiger Aspekt sein, aber eben nur einer unter vielen. Ich vermisse im Artikel die Gemeinsamkeiten aller Bürger in Europa. Auch gemeinsame Ängste zählen dazu. Trotzdem sollte man es jedem Land oder Landkreis selbst überlassen, wie es diese Probleme angeht. Auch Politiker sind nicht allwissend, warum sollten Europapolitiker über Einzelheiten unseres Alltags bestimmen? Ich bin ein begeisterter Anhänger der EU, allerdings sollten unsere Politiker, also Vertreter des Volkswillen, nicht den Fehler machen, sich für allwissend zu halten. Wenn es nur die Wahl gibt zwischen einem Europa mit kompletter Entscheidung von oben ohne direkte Volksbeteiligung oder von keinem Europa, ist es einfach zu wählen. Warum kann man nicht Europa befürworten und trotzdem Souveränität der Einzelstaaten fordern? In erster Linie dient das Konstrukt Europa doch ihren Bürgern. Dazu gehört auch Entscheidungsfreiheit über die eigene Zukunft. – Bea Riebesehl


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Das als  eine Reaktion auf den Globalisierungsprozess wachsende Bedürfnis nach Bewahrung von Eigenständigkeit ist nicht nur ein europäisches Phänomen. Die in diesem Beitrag bedenkenlose Rechtfertigung der Auflösung staatlicher Strukturen ist m.E. nicht ein  geeignetes Mittel dieses Problem zu lösen. Ist doch ein funktionierender Staat ja gerade die Voraussetzung für den Schutz demokratischer Prozesse (wie auch die alten Griechen schon leidvoll erfahren haben); natürlich gibt es hier eine Konkurrenz der Prioritäten – aber so einfach mit einem Slogan „Europa der Machthaber“ kann man es sich nicht machen. Diese „Machthaber“ sind von uns demokratisch gewählt und legimitiert! – Dieter Wurm


Leserbrief zu „Handeldefizit“ von Cathrin Gilbert im ZEIT Magazin

Sie haben den Zeitgeist treffend beschrieben! Als ich vor 36 Jahren eine Landarztpraxis übernahm, wollte ich nicht mehr abhängig im Krankenhaus arbeiten, wollte Entscheidungen selbst treffen. So sind meine Frau und ich einfach ins kalte Wasser gesprungen, im Vertrauen auf das Erlernte und auf unsere künftigen Patienten. Wir „entschieden“ uns auch für Kinder, ohne genau zu wissen, ob wir für ihre Erziehung ausreichend qualifiziert sind!  Drei Mädchen sind’s geworden, die uns wenig Kummer und viel Freude gemacht haben! Jeden Tag, mit jedem Rezept, muß ich sofort Entscheidungen treffen. Bei jedem Patienten, dessen Ende absehbar ist, muß ich mich für eine Weiterführung oder einen Abbruch der Therapie entscheiden – loslassen ist viel schwerer als disease-management nach Lehrbuch! Dabei hilft nur: was möchte ich, wäre ich in einer vergleichbaren Situation!

Man sollte einem Patienten nicht etwas zumuten, wozu man nicht selbst bereit ist! Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen liegen heute nicht mehr im Trend: lieber im Krankenhaus abhängig oder in einem Ärztezentrum mit geteilter Verantwortung arbeiten! Längst im Rentenalter wünschte ich mir auch jemanden, der, wie ich damals, ins kalte Wasser springt und einfach diese Arbeit der täglichen eigenverantwortlichen Entscheidungen weiterführt – die, ganz abgesehen davon, auch viel Freude macht! Entscheidungen werden heute nicht mehr getroffen, wenn die Zeit dafür reif ist, sondern in Konferenzen und Arbeitskreisen erst einmal hin- und hergeschoben, vertagt und verwässert, bis ihnen am Schluß das „Entscheidende“ fehlt! Verantwortung wird in kleinen Portionen auf möglichst viele Schultern verteilt, bis am Ende keiner mehr für irgendetwas verantwortlich bzw. „zuständig“ ist! Schöne neue, völlig demokratische, Arbeitswelt! – Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Im Beitrag redet der Autor der Einführung von Privatverträgen zur Regulierung sexueller Beziehungen das Wort, unter anderem mit Hinblick auf entsprechende Vereinbarungen in der BDSM-Szene. Dies geht am eigentlichen Ziel der #metoo-Debatte, der Sichtbarmachung und schließlich Verhinderung sexueller Belästigung in Alltagssituationen, meilenweit vorbei. Zentrales Merkmal sexueller Gewalt ist ja gerade dies: Übergriffigkeit. Wie verhindern Verträge den anzüglichen Kommentar auf der Straße, den Griff zwischen die Beine einer Frau im Club, die Vergewaltigung im Wald? Was hindert einen Filmproduzenten daran, weitere privatrechtliche Regelungen im Rahmen eines allgemeinen Beratungsvertrages auszuschliessen?

Im Gegenteil: indem ihr Autor hier eine ausschließlich sexuell definierte Subgruppe (BDSM) zum Maßstab sexueller Beziehungsgestaltung erhebt, fördert er implizit die weitere Sexualisierung der Debatte. Vielleicht sollte man ein entsprechendes Dokument in einer kommenden Ausgabe der Zeit einfach einmal abdrucken, um die Diskussion zu schärfen. Viele wäre überrascht. Wichtiger wäre, gerade Kindern, jungen Frauen und Männern wieder bewusst zu machen, dass Sexualität nicht unseren Alltag und unseren moralischen Kompass definieren darf. Und dass es zwischen Menschen immer eine Grauzone des Verhaltens geben wird, in der man lernen muss zu navigieren. Sex findet dort statt, aber auch Kunst – und Journalismus. Es ist eine Illusion und Testament der Angst, diese Grauzone durch Verträge einhegen zu wollen. – Christof Lenz


Leserbrief zu „Wer braucht Designpädagogen?“ von Manuel J. Hartung

Es gibt definitiv zu viele Studenten und zu viele Studiengänge. Um einen Gesamtüberblick und somit Entscheidungsfähigkeit mit daraus folgender Kompetenz zu erwerben, müssten wir uns in den Schulen wieder darauf besinnen, eine sinnstiftende Allgemeinbildung zu vermitteln. Um nicht elitär zu wirken, senken wir hingegen stetig das Niveau und gefallen uns zunehmend darin, unsere Universalgenies nicht mehr zu lesen und überdenken, sondern sie zu „ficken.“ Je lauter wir über mäßige „Fack-ju-Göte-Gags“ mit unterirdischem Sprachniveau lachen, desto inkompetenter werden wir in Zukunft sein. Das wird dann auch der 20.000. Studiengang nicht mehr ändern. – Bettina Oehmen


Leserbrief zu „Renaissance des Nordens“ von Evelyn Finger

Ist es Unkenntnis oder Verachtung, die Sie dem evangelischen Teil des Christentums entgegenbringen? Ich wundere mich immer mal wieder, wie oft Sie Ihr Ressort unter dem eher evangelischen Titel „Glauben und Zweifeln“ für innerkatholische Auseinandersetzungen und für die Reverenz vor dem derzeitigen Papst nutzen. Aber dass unter dem Untertitel „über die Bedeutung der Reformation für die Deutschen heute“ alles Wesentliche des evangelischen Christentums unerwähnt bleibt, finde ich denn doch so ärgerlich, dass ich dagegen protestieren muss.

Im Unterschied zur katholischen Kirche 1500 Jahre vorher findet sich die Evangelische bei Ihrer langsamen Konstituierung in einer christlichen Gesellschaft vor. Das hat die bekannten Schwächen der Intoleranz gegenüber allen Nichtchristen, der Ineinssetzung von Obrigkeit und Kirchenleitung und der daraus folgenden schwierigen Trennung von Kirche und Staat. Es hat aber auch zur Folge, dass das Evangelische Christentum existentiell bezogen ist auf die zeitgenössische Vernunft und ihre Plausibilität. Mit verheerenden Folgen in der Nazizeit. Mit segensreichen Folgen in der Aufklärung, die in der evangelischen Theologie und Kirche lange vor der katholischen aufgenommen und mit vorangetrieben wird. Mit all den Spannungen, die sich unvermeidlich damit verbinden entsteht so das moderne Konzept eines aufgeklärten oder erwachsenen Glaubens, als einer Chance für das Miteinander der Religionen. In der Humboldtschen Universität ist die Theologie die erste Fakultät und hält innerhalb der Wissenschaft Diesseits und Jenseits, Tod und Leben, Sinnhaftigkeit und Empirie zusammen. Das alles ist heute und für die Zukunft strittig. Es wäre gleichwohl oder eben darum ein paar Ausführungen Ihrerseits wert gewesen.

Die Reformation ist ein Programm der „Demokratisierung“ des Glaubens im Gegensatz zum katholischen Programm einer sakramentalen Kirche, die Anwalt oder gar Verwalter der Offenbarung ist. Das Priestertum aller Glaubenden setzt die Gemeinde in das Recht, über die Lehre ihrer Verkündiger zu urteilen. Damit sie das kann, entwickeln die protestantischen Kirchen und Staaten ein Schul- und Bildungsprogramm, dass es so bisher noch nicht gab und die katholischen Länder unter Zugzwang setzt. Weil die Kirche den Staat zur Bildung seiner Bürger antreibt, ist auch der Religionsunterricht Teil dieser Bildung. So wird die Religion zu dem entscheidenden Integrationsfaktor der Gesellschaft. Mit allen negativen Folgen, die das hat und die sich niemand zurückwünscht. Aber was dann unsere Gesellschaft integriert und wie die Religionen, Überzeugungen, Kulturen gut zusammengehalten werden können, ist eine Frage, über die es unter den Folgen der Reformation nachzudenken gilt.

Mir fehlt in Ihrem Artikel die Freiheitsthematik. Die Reformation setzt die Freiheit des vor Gott geklärten Gewissens gegen die Macht der Institution und protestiert gegen die Gewalt in Gewissens- und Überzeugungsfragen. Auch hier wieder: die Evangelischen Kirchen und Staaten haben ziemlich bald dieses eigene Anliegen wieder vergessen. Aber ihre zentrale Botschaft ist es dennoch. Wie ist das heute mit Freiheit und Wahrheit, mit Fake News und Transparenz, mit Freiheit und Zusammenhalt der Gesellschaft? Es geht auch nicht um eine Renaissance – also Wiedergeburt – des Nordens, wie der Titel Ihres Artikels behauptet. Sondern es geht um einen damals neuen Geist Nordeuropas, mit entscheidenden Impulsen auch für Nordamerika. Wo ist er geblieben?

Ich finde es unangemessen, das evangelische Pfarrhaus nur als Problem zu skizzieren und als Geburtsstätte der Kritiker des Christentums. Es hat über die Jahrhunderte viele heilsame und wichtige Impulse in die Gesellschaft hinein freigesetzt. Es hat diese Kirche in ihrer gesellschaftlichen Offenheit durch die Jahrhunderte am Leben erhalten und mit dazu beigetragen, dass wir nicht vom Priestermangel nahezu zerstört werden. Ich verstehe nicht, dass die Musik von Ihnen völlig unerwähnt bleibt. Die Choräle, der Gemeindegesang, die Oratorien, die bis heute Kultur prägen. Ich könnte Ihnen evangelische – auch katholische – Dichter und Schriftsteller nennen, die aus ihrem Glauben heraus bis heute glaubwürdige Zeugen gegen Diktatur, Nationalsozialismus, Faschismus und anderes Unrecht sind.

Und dass die Evangelischen nicht feiern können, kann nur behaupten, wer den rheinischen Karneval für die einzig mögliche Form des Feierns hält. Ich bin ein (pensionierter) evangelischer Kirchenmann, (der allerdings auch 2 Jahre katholische Theologie studiert hat). Ich weiß um viele Schwächen meiner Kirche. Und ich erwarte nicht, in der ZEIT fromme Hofberichterstattung zu lesen. Aber dass zu dem genannten Untertitel die zentralen evangelischen Anliegen gar nicht auftauchen, ist mir denn doch ärgerlich. Stattdessen wird ein katholischer Ministerpräsident sehr weitschweifig zum Zeugen für einen fragwürdigen evangelischen Feiertag gemacht und wieder der Papst ausführlich problematisiert. Ja, die Zukunft schaffen katholische und evangelische Christen nur gemeinsam. Sie sind dafür auf einem guten Weg. Aber Ihre Unkenntnis oder Verachtung für die Evangelischen hilft dabei nicht. – Klaus Kasch


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Mehr als 80 % der Mitglieder des spanischen Senats unterstützen die Maßnahmen der spanischen Regierung gegen eine Abspaltung der autonomen Region Katalonien. In Deutschland verfolgt die Bayern Partei, die bei den letzten Landtagswahlen gut 2 % der Wählerstimmen erhalten hat, eine Abspaltung. Rechtens könnte dies nur geschehen, wenn das gesamte deutsche Volk zuvor in freier Entscheidung beschlossen hätte, dass das Grundgesetz seine Gültigkeit verliert und eine neue Verfassung von vornherein ohne das Bundesland Bayern in Kraft tritt oder danach Bayern eine  Abspaltung gestattet (Art. 146 GG). Solange das Grundgesetz in Kraft ist, bestimmt Art. 20 den Fortbestand als Bundesstaat einschließlich des in der Präambel namentlich genannten Bayern. Artikel 20 GG kann gemäß Art. 79 GG nicht mal mit jeweiliger zwei Drittel Mehrheit von Bundestag und Bundesrat geändert werden.

Gegen jeden, der es unternimmt,“ diese verfassungsmäßige Ordnung „zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“ Vorrangig andere Abhilfe kann gemäß Art 37 GG wie folgt geschaffen werden: „Wenn ein Land die ihm nach dem Grundgesetz … obliegenden Bundespflichten nicht erfüllt, kann die Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrats die notwendigen Maßnahmen treffen, um das Land im Wege des Bundeszwanges zur Erfüllung seiner Pflichten anzuhalten.“ Wer die Bundesregierung in einer solchen Situation unterstützt, stellt sich nicht gegen die Demokratie, sondern ist Demokrat. – Frank Müller-Thoma


Leserbrief zu „Auf dunklen Ledersofas“ von Iris Radisch

Warum nur, frage ich mich als 75-jährige, regt sich alle Welt über dieses Verhalten von Chefs – in welcher Eigenschaft auch immer- , auf? War das nicht seit Adam und Eva so, daß im günstigsten Fall der männliche Teil der Gesellschaft um den weiblichen geworben hat, im ungünstigsten seine Macht mißbraucht, um sein Ziel zu erreichen? Solange es Menschen gibt, wird sich daran nichts ändern, gleichgültig, welche Vorschriften, Gesetze oder Maßnahmen erlassen werden. Da hilft nur eins: Frau muß – und zwar jede einzelne und immer wieder – Angriffe jeglicher Art abwehren.  Solange es aber „Schwestern“ gibt, die sich das gefallen lassen oder sogar diesen Weg für ihre Karriere wählen, werden die Streitbaren die Verliererinnen sein. – S.C. Baumgartner


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Danke für den informativen und ausgewogenen Artikel zu einem so wichtigen Thema ! Wir haben in unserem Kleingarten das Motto: einfach mal wachsen lassen. Das Ergebnis war überraschend schön : es wuchsen viele Wildblumen wie z.B. Disteln, Margeriten, weißer Klee, Schafgarbe, Bechermalven  und Nachtkerzen. Und mit den Blumen kamen die Hummeln und Bienen und viele andere Insekten, in  keinem der Nachbargärten war soviel los wie bei uns. Natürlich müssen die großen Probleme wie Pestizideinsatz, Massentierhaltung und Monokulturen so schnell wie möglich angegangen werden. Aber es kann auch jeder Gartenbesitzer etwas für die Insekten tun. Es wäre allerhöchste Zeit! – Katja Freund


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Ausgerechnet unter dem Titel „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ oder (siehe auch insbesondere „Ein ökologisches Armageddon“ – 18.10.2017) werden Sie elementaren Qualitätsstandards untreu und vervielfältigen einfach, was anderenorts zuvor berichtet wurde. Vorab: Ich mache mir Sorgen um das Insektensterben, insbesondere auch das Bienen- und Hummelsterben und ja auch das weiterer Insekten. Heuristisch beobachte ich das auch selbst. Die „Untersuchung in Schutzgebieten“ ist nun aber keine Vergleichsstudie. Die 63 (! Es sind wirklich so wenige !) Fallen wurden in keinem einzigen Fall wiederholt an derselben Stelle aufgestellt. Als erste wissenschaftliche Quelle, die die Untersuchung einer wissenschaftlichen Würdigung unterzieht, sei Ihnen Herr Gigerenzer – der „Risiko“- und Statistik-„Papst“ in Deutschland empfohlen. Er hat inzwischen zum zweiten Mal berichtet: http://www.rwi-essen.de/unstatistik/72/ .

Fragen Sie doch mal Herrn Gigerenzer, was er zu Ihren Artikeln sagt. Er ist ja – offensichtlich eher in anderen Ressorts – gerngesehener Gast in Ihrem Haus. Ich möchte Sie herzlich ermutigen dies zum Anlass zu nehmen, vermeintliche Fakten (hier stammen sie ja von Zeitungen – die Untersuchung selbst stellt keinerlei seltsame Behauptungen auf) grundsätzlich immer zu prüfen! Dies sollte Ihr Anspruch sein. Der klassische Weg wäre es – schlicht einmal die Studie selbst querzulesen. Ich würde mir wünschen, genau das weiterhin von Ihnen erwarten zu dürfen. Gestatten Sie mir noch den Hinweis, dass Sie eigentlich vor einem derartigen Bericht die Faktengrundlage anhand zweier voneinander unabhängiger originärer Quellen prüfen müssen.

Der Effekt, den Sie somit erzielen ist in mehrfacher Hinsicht sehr gefährlich. Ausgerechnet einem elementaren Nachhaltigkeitsthema erweisen Sie einen solchen Bärendienst. Zudem: Nehmen Sie sich ein Beispiel an der NY Times, die Kritik unterm dem unsäglichen #FakeNews mit einer beispiellosen qualitätsoffensive begegnet. Es ist auch Ihre Journalistische Verantwortung, die Standards mehr denn je hochzuhalten. Durch Ihre guten Verkaufszahlen und Reichweite haben Sie nämlich die seltene Chance mehr als Ihre kostenfreien ausschließlich werbefinanzierten Kollegen dem Trend zum unreflektierten „retweet“ zu trotzen. – D. Feuerbach


Leserbrief zu „Wir statt Gier” von Uwe Jean Heuser

Natürlich ist alles in Ihrem Artikel hoch plausibel. Wenig praktikabel erscheint es hingegen, das gesamte Wirtschaftsvolk nun einem Meditationstraining zu unterziehen. Billiger wäre es, wenn unsere Ökonomen einsähen, dass sie seit vielen Jahrzehnten das Wirtschaftsvolk falsch indoktriniert haben, weil ihre grundlegenden Theorien auf einem grundlegenden Irrtum beruhen: dem Irrtum nämlich, dass die Freiheit und Rationalität ihres Homo oeconomicus nicht Unabhängigkeit bedeuten muss, sondern auch in freiwilliger Abhängigkeit bestehen kann. Dann wäre die im Artikel beschriebene, so selbstverständliche Kooperation nicht ein nur schwer zu erreichendes theoretisches Mysterium, sondern ein ganz selbstverständliches individuelles rationales Optimum. Und das lässt sich ebenso in die von den Ökonomen so geliebten spieltheoretischen Formeln gießen wie ihre unzulängliche, aber leider festgefahrene Orthodoxie. – Prof. Dr. Wolfgang Spohn


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Vielen Dank für den großartig formulierten, deutlichen Artikel! Von solchen klar fordernden Texten brauchen wir mehr! Nicht nur dass Sie die Politik,sondern auch jeden Bürger ansprechen auf sachlich und auch emotional adäquate Art und Weise, finde ich sehr gelungen! Naturschutz muss dringend eine viel größere Rolle in Medien und Politik spielen, auch wenn es ein unbeliebtes, unbequemes und auch leider für viele vermeintlich uninteressantes Thema ist! Bildet doch die Natur die Grundlage unser ganzes Leben…ist Grundstein unserer Existenz…und in unserer Bequemlichkeit wollen wir uns nicht bewusst machen, welche Konsequenzen unser Treiben hat… die sozialen und finanziellen Dimensionen werden von uns gekonnt verdrängt…(Wollen wir steigende Wasserkosten aufgrund zunehmend komplexer werdenden Reinigungsprozesse?

Wie will die Landwirtschaft ihre Erträge halten, zertört sie doch ihre eigene Grundlage? Wer soll später für die Folgekosten der zunehmenden Wetterextreme aufkommen? Wohin sollen die Hungerflüchtlinge ziehen? Wie sollen die Konflikte um Wasserarmut ausgetragen werden? ….?) Es ist sehr unpopulär sich mit diesen Fragen zu beschäftigen – schieben wir die Verantwortung also einfach weg und machen einfach weiter wie bisher… Rütteln Sie bitte uns und unsere Poliitker auf – am liebsten jede Woche – beharrlich und unerbitterlich! Infizieren Sie uns und alle Verantwortlichen, die etwas bewegen können! Wir müssen von unserem Ross der Bequemlichkeit endlich runter! Traut euch Politker! Und wagt es euch doch einmal gegen die Wirtschaftsinteressen zu stellen! Vermutlich tun sich dann ganz neue Wege auf – neue populäre wirtschaftliche Türen!! Traut euch! – Julia Otten


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Zu den Unabhängigkeitsbestrebungen eines Teils der katalonischen Bevölkerung habe ich keine Meinung. Dazu fehlen mir Wissen und Informationen. Zu einem Beitrag wie jenem der Herren Düttmann und Menke habe ich aber sehr wohl eine Meinung: Ich frage mich, wie ein dermaßen schwacher, unreflektierter, undifferenzierter, unkritischer, keinem dialektischen Denkgebot folgender, einseitiger Propagandatext an der Redaktion einer Qualitätszeitung vorbei ins Blatt gelangen kann: Wer nicht bedingungslos die Geltung eines verfassungswidrigen und mit Gerichtsurteil als illegal gebrandmarkten Votums von nur 42% der Stimmberechtigten als verbindliche Richtlinie für die Zukunft Kataloniens anerkennen möchte, wird da nicht nur als Feind der Region, sondern allen Ernstes als Gegner der Demokratie denunziert.

EIne nur einigermaßen differenzierte Betrachtung des Problems müßte man sich sehr vielen Fragen stellen, hier nur drei Beispiele: Da die spanische Verfassung demokratisch legitimiertes Gesetz Kataloniens ist, und da jedes Erkenntnis des Verfassungsgerichts folglich auch in Katalonien ein demokratisch legitimierter Rechtsspruch ist, muß man sich zumindest kritisch mit der Frage auseinandersetzen, ob nicht die Veranstaltung des Votums selbst ein flagranter Angriff auf die Demokratie war. Dafür spricht leider sehr vieles. Aber selbst dann, wenn eine gewissenhafte Prüfung diese Frage verneinen wollte, wäre wohl – als zweite Frage – eine Abwägung zwischen den durchaus gleichwertigen Gütern Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, gesellschaftlicher und sozialer Friede vorzunehmen gewesen. Und als dritte Frage hätten kritische Autoren zu prüfen gehabt, ob das Votum nicht schon deshalb aus demokratischer Sicht irrelevant sein muß, weil ja alle gesetzestreuen Einwohner Kataloniens an der vom für Katalonien zuständigen Verfassungsgericht untersagten Abstimmung naturgemäß nicht teilnehmen wollten und konnten. – Keine dieser Fragen wird von den Herrn Düttman und Menke auch nur gestreift.

Stattdessen wird die brachiale Vorgangsweise der katalonischen Regierung als Sauerteig der Demokratie glorifiziert und die Gegener derartiger Verfahren als Feinde Kataloniens und der Demokratie diffamiert. Wenn sich StudentInnen in Berlin und Frankfurt solche Lächerlichkeiten von ihren Professoren gefallen lassen, ist das ihre Sache. Als Leser der Zeit erwarte ich mir, daß derartig schwache Denkleistungen von der Redaktion zur Verbesserung zurückgereicht werden: Die Politik ist nur demokratisch, wenn sie bereit ist, über Grenzziehungen zwischen ihrem Innen und ihrem Außen zu reflektieren und zu verhandeln, ihr Selbstverständnis also als ein dynamisches zu begreifen. – Läßt sich irgendjemand von raunendem Geschwurbel dieses Zuschnitts beeindrucken? – Sven Hartberger


Leserbrief zu „Lebt wohl“ von Stefan Schmitt und zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Der Artikel von Herrn Schmitt zitiert Daten aus Untersuchungen des entomologischen Vereins Krefeld aus den Jahren 1989 und 2016 mit einem Rückgang der gefangenen „Insektenmasse“ von 76 %. Die erwähnten Daten aus Meßreihen während  27 Jahren dazwischen werden jedoch nicht beschrieben bzw. analysiert, ebensowenig wie die Anzahl der Messstellen („in Schutzgebieten“) sowie deren inhaltliche und statistische Relevanz (z.B. Zustandsänderungen dort seit 1989? Übertragbarkeit?). Schmitt kommentiert dies mit „..ist also die Datenlage insgesamt noch ziemlich dürftig“. Dem ist – als interessierter jedoch nicht fachkundiger Leser des Artikels  – offensichtlich nichts als Dank für die offenen Worte hinzuzufügen. Allerdings fragt sich, welchen Zweck die dann folgende, anekdotische Beweisführung („…Einzelbefunde beunruhigend“) hat. Immerhin werden – als caveat? – weitere Quellen benannt (Klein) die schlußfolgern, daß „..die Befunde … nicht übertragbar seien.“ und „..für die Ursachenforschung taugen sie nur begrenzt“. Eine weitere Quelle (Settele) wird ähnlich zitiert („…Details der Landnutzung…lagen nicht vor…Aussagen diesbezüglich nicht möglich…“). Schmitt folgert richtig: „Bloß fällt es schwer, die Ursachen dingfest zu machen“. Dabei scheint das Thema doch sehr wichtig zu sein.

Herr Ulrich hat möglicherweise den Artikel von Herrn Schmitt nicht gelesen und/oder die dort widergespiegelten Zweifel reflektiert. Ein einziger Satz seines Artikels berührt Zahlen, Daten und Fakten (besagte 76 % Rückgang der eingefangenen Insektenmasse), der Rest ist eine Extrapolation und, Pardon, gewagte Eskalation auf dünner Basis: „..galoppierende deutsche Ökokatastrophe…“, „…Insektensterben ein dramatisches Demokratieproblem“, „Was ihn (Kretschmann) zerreißt ist der Widerstreit zwischen Demokratie und Ökologie.“ usw., usw. Diese Eskalation führt zum Postulat „Ökologische Politik muss darum immer mehr zur einer Art Generalprophylaxe auf empirisch wackliger Grundlage greifen“. Abgesehen davon, daß Empirie allein hilfreich aber nicht hinreichend für einen wissenschaftlichen Nachweis ist: Da wird man als Leser sprachlos! „Empirisch wacklige Grundlage“ als Maxime eines allgemeinen Gesetzes („Generalprophylaxe“)? Nur für die Ökologie? Oder auch in anderen Lebensbereichen? Wohin führt das? – Dr.-Ing. Werner Struth


Leserbrief zu „Sabine, 52, heiratet Mahmoud, 25. Sie stammt aus Leer in Ostfriesland, er aus Damaskus in Syrien. Kann das Liebe sein?“ von Martina Kix und Paula Markert

Ich lese in dem Artikel von Martina Kix „… In diesem Sommer, als Sabine wieder mal heimlich Mahmouds Handy kontrolliert, sieht sie es: Er hat mit anderen Frauen gechattet….“ Was veranlasst ein Medium wie die ZEIT solche Texte zu drucken? Solche Berichte groß aufzumachen, in denen ein Frauenbild gezeigt wird, das in islamischen männlichen Kreisen als Bestätigung ihrer Ansichten dienen kann und sie darin bestätigt, Frauen entsprechend zu behandeln? – Sonja Bankwitz


Leserbrief zu „»Erst Arbeit macht dich zum Menschen«“ von Moritz Aisslinger

Seit Beginn der Flüchtlingskrise bin ich, wie viele andere Mitbürger auch, engagiert, um den Menschen, die vor Not und Elend geflohen sind, zu helfen und Ihnen möglichst Perspektiven bei uns in Deutschland zu eröffnen. Aus meiner Sicht ist die Frage, ob Flüchtlinge eine angemessene, normal bezahlte und sozial abgesicherte Arbeit erhalten, ein Kernthema hinsichtlich einer gelingenden Integration. Von daher hat mich der im Beteff genannte Artikel sehr interessiert. Zweifllos wird die Situation der Menschen, die da zu uns gekommen sind, häufig in unzulässiger, teilweise unethischer Weise ausgenutzt. Nach vielen Erfahrungen, die ich selber erlebt habe, oder die mir von Freunden berichtet wurden, habe ich jedoch den Eindruck gewonnen, dass die Berichterstattung und Diskussion, nicht zuletzt mit Bezug auf Arbeit für Flüchtlinge duchaus ergänzungsfähig ist. So fehlt mir, offen gesagt, zunehmend Engagement auf Seiten betroffener Flüchtlinge, außerdem habe ich immer wieder von m. E. überzogenen Forderungen gehört bzw. diese selber erlebt. Beispiele:

* Ein befreundete Familie nimmt eine syrische Familie auf, die deshalb nicht in die Notunterkunft muss. Eine Begebenheit: der gebraucht Kinderwagen „geht gar nicht“, es muß unbedingt ein neuer sein.

* Alleinreisende Jugendliche aus einer Gemeinschaftsunterkunft auf dem Land bekommen verschiedene Freizeitangebote, u. a. können Sie eine nahegelegene Fitness-Einrichtung nutzen. Zunächst möchten Sie unbedingt dieses Angebot warhnehmen, die nahegelegene Möglichkeit ist ihnen aber nicht gut genug, zu altmodisch, sie möchten in die nächste Stadt. Die dafür angebotenen Fahrräder werden abgelehnt, stattdessen wird Taxitransport verlangt.

* Anderen Jugendlichen werden große, neu eingerichtete Zimmer angeboten – Schönheitsfehler: kein WLAN, die Zimmer werden abgelehnt, allerdings nach Hinweis auf eine alternative Unterbringung in einer Notunterkunft doch noch „akzeptiert“.

* Ich selber habe über die Zeit rund einem Dutzend Flüchtlingen, denen ich im Rahmen meiner Tätigkeiten begegnete, Angebote gemacht, ein Praktikum in meinem Büro zu machen. Mein Gedanke dabei war und ist, der häufig geäußerten Langeweile und der ebenfalls geäußerten, zu geringen Deutsch-Übungsmöglichkeit entgegen zu wirken, PC-Kenntnisse zu erwerben und ggf. über Projekte in Arbeit zu kommen. Das Interesse war bei den meisten sehr groß, zumindest solange, wie ich zu Gesprächen einlud, Exkursionen organisierte, etc. In dem Moment, wo ich darum bat, mit Praktikumsarbeiten zu beginnen, erlosch das Interesse der Beteiligten immer umgehend.

* Der ggb. Flüchtlingen immer wieder wiederholte Hinweis, wie wichtig Deutsch lernen sei, auch im Rahmen des TV-Konsums, etc., wurde meist –  nicht immer – mit Antworten beschieden wie: der Unterricht sei zu schlecht, es gäbe keine Anwendungs- bzw. Übungsmöglichkeiten, man hätte soviel zu tun, es würde sicher auch ohne oder mit weniger gehen oder schlicht man sei zu alt bzw. „zu dumm“.

* Meine Erfahrungen in einer ehrenamtlichen Fahrradwerkstatt waren ähnlich. Die Idee, teilzunehmen, ebenfalls mitzuhelfen (gegen Langeweile, zum Üben der deutschen Sprache, Kompetenzen im Rad reparieren erwerben, das eigene Rad fit machen) sind bislang auf keinerlei Echo gestossen.

Derlei Beispiele gibt es noch viele. Wie meine Freunde und Bekannte, sind meine Frau und ich der Meinung, dass derartige Erfahrungen an sich nicht nach draussen gelangen sollten, da sie eher Wasser auf z. B. AfD-Mühlen wären. Als langjähriger und sicher auch künftiger Grünenwähler habe ich die Frage des mglw. fehlenden Engagements auf Seiten von Flüchtlingen und wie dieses befördert werden könnte, bei einer Bundestagswahlkampf-Veranstaltung von B90/Die Grünen vorgebracht; Ergebnis: „Dazu wissen wir auch nichts.“ Fazit: Es gab und gibt glücklicherweise viel Engagement, auch um Flüchtlinge in Lohn und Brot zu bringen, wobei es zweifelsohne ebenso viel Mißbrauch gibt. M. E. bedarf es aber auch durchaus mehr Engagement auf Seiten von Flüchtlingen. Auch wenn dieser Punkt zweifelsohne nicht an einer Handvoll Beispielen festzumachen und zu verallgemeiner ist, würde ich mich freuen, wenn es in den Medien eine Diskussion gelingender Beispiele in dieser Richtung – die es sicher auch gibt – gäbe. – Dr. Lars Wohlers


Leserbrief zu „Plündern als Prinzip“ von Angela Köckritz

„In Interviews mit mehreren kongolesischen Parlamentsabgeordneten, so zeigt eine Studie, gaben diese ohne Ausnahme zu, sich ihrer Aufgabe „wegen des Gehalts“ angenommen zu haben, „aber auch, um zu netzwerken und geschäftliche Deals abzuschließen“. So steht es in dem Artikel (Zeit Nr. 44/2017, S. 30). „Typisch Afrika?“ fragt der Untertitel. Nein. Zu Deutschland fallen mir da Namen ein: Matthias Wissmann, Dirk Niebel, Gerhard Schröder. Diese und möglicherweise ein paar mehr dürften bei ihrer parlamentarischen Tätigkeit auch ans netzwerken zum eigenen Wohl gedacht haben. – Christine Herrmann


Leserbrief zu „Über Sexismus und das Ende der Kunst“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ich finde es erheiternd, erfrischend und mutig zugleich, wie sie über das Thema schreiben. Der Artikel hat mir das Wochenende gerettet. Sie werden bestimmt viele Drohbriefe kriegen von verklemmten Zeitgenossen. Weiter so. – Max Weber


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Das wurde aber auch höchste Zeit, liebe ZEIT, dass sich eine große Zeitung endlich des Themas ’Insektensterben‘ annimmt und hoffentlich doch den ein oder anderen Leser mit dem gelungenen Artikel wachrüttelt. Schon seit ein paar Jahren bemerken wir als Umweltpädagogin und Hobbyornithologin diese Entwicklung, um wieviel stiller es draußen geworden ist. Insbesondere in diesem Frühjahr ist uns der rasante Rückgang der heimischen Vögel, auch von ansonsten häufig vorkommenden Arten wie Schwalben, Feldlerchen und Schwarzkehlchen schmerzlich bewusst geworden. Und auch der Rückgang der Insekten hat sich auf’ das Dramatischste  gezeigt, wenn die Schüler bei umweltpädagogischen Veranstaltungen immer weniger Arten und immer weniger Individuen auffinden können. Was uns jedoch die ganze Zeit über sehr sehr erstaunt hat, ist, dass niemandem dieser Verlust aufzufallen oder zu beunruhigen scheint, obwohl doch draußen schon fast ein Szenario wie ‚der stumme Frühling‘ zu beobachten ist.Darum danke sehr für Ihr Titelthema.

Die Entwicklung der Insekten lief parallel zu der der Blütenpflanzen. Diese Co-Evolution hat die Insekten während der letzten 570 Millionen Jahre(!) so ungemein erfolgreich und vielfältig gemacht. Wenn die Menschen es schaffen innerhalb von 20 Jahren die Bestände zu 75 % zu reduzieren, werden die übrigen letzten 25 % wohl auch in den nächsten vier bis fünf Jahren verschwunden sein. Da aber mehr als 70 % unserer Obst- und Gemüsepflanzen von der Bestäubung durch oftmals spezialisierte Insekten abhängig sind, hätten wir neben der ökologischen auch eine ökonomische Katastrophe. Daher sollte jede Frau und jeder Mann sich überlegen, welchen Beitrag er oder sie zu einer nachhaltigeren Lebensweise leisten kann, die die Umweltbelastungen reduzieren würden. Die Möglichkeiten sind vielfältig, z.B. bei Kaufentscheidungen vermehrt nachhaltig erwirtschaftete Produkte kaufen, einen naturnahen Garten  mit heimischen Pflanzen und vielerlei Strukturen gestalten entgegen der ansonsten beliebten Rasen-Sterilität, weniger Fleischkonsum, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Aber einen besonderen Appell zu dringendem Handeln und sofortigen Gegenmaßnahmen möchten wir an alle Verantwortlichen in Wirtschaft genauer gesagt Landwirtschaft und Politik richten. Bitte verzichten Sie sofort auf alle Stoffe, die auch nur im Verdacht stehen könnten, das Insektensterben zu verursachen und geben Sie diese erst wieder frei, wenn durch unabhängige wissenschaftliche Belege erwiesen ist, dass diese den Rückgang der Insekten nicht zu verantworten haben. Neben der Gewinnmaximierung ihres Unternehmens sollten die Manager der großen Agrarkonzerne sich nicht der Verantwortung für künftige Generationen entziehen dürfen!!!! Zum Schluß noch eine Bitte an die ZEIT bzw. an die verantwortlichen Macher der ZEIT-Akademie. Bitte verlegen Sie eine neue Ausgabe der ZEIT-Akademie zum Thema ‚Natur, Ökologie, Naturschutz und nachhaltiges Leben‘. Nur wenn die Zusammenhänge in der belebten Natur so vielen Menschen wie möglich näher gebracht werden, kann über ein solches möglichst breit aufgestelltes Wissen Natur- und Umwelterhalt ein gesellschaftliches Anliegen werden. – Sybille Drenker-Seredzus und Sabine Jüttner


Leserbrief zu „»Ich bin ein alter Clown«“ von Petra Kipphoff

Im Feuilletonartikel über die Bremer Beckmann Ausstellung erwähnen Sie auch das Werk „Argonauten“ und schreiben, dass dieses die Reise des Odysseus und seiner Gefährten zur Rückeroberung des Goldenen Vlieses zum hintergründigen Anlass hat. Odysseus hat mit der Argonautensage nichts zu tun, der Anführer der Agronauten war Jason. – Dr. Peter Güldenpfennig


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Endlich!!!! Seit Monaten wartete ich auf einen Aufschrei in der ZEIT. Jetzt steht als nächster dringlicher Schritt der Aufruf zu einem Bürgerbegehren an, das die Politik in die Pflicht nimmt, unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der wenigen noch lebenden Insekten einzuleiten. – Manuela Herzog


Leserbrief zu „Die Macht des Dinosauriers“ von Nadine Ahr et al.

Widerstand lohnt sich – zwei weitere Lehren aus dem „Fall Weinstein“

Die Selbstverständlichkeit, mit der der US-amerikanische Filmproduzent Harvey Weinstein über Jahrzehnte hinweg Frauen sexuell misshandelte und sogar vergewaltigte, zeigt beispielhaft das Sexismus auch in der modernen westlichen Gesellschaft zu genügen vorhanden ist. Aber abgesehen von dem Scheinwerfer auf dieses Thema können zwei weitere Lehren aus dem „Fall Weinstein“ gezogen. Zunächst eine erschreckende Erkenntnis: Auch in einer demokratischen Gesellschaft können sich problemfrei autokratische Parallelwelten bilden, in denen selbstherrlich Tyrannen willkürlich die Regeln bestimmen dürfen. Weinstein konnte über Jahrzehnte die Intimsphären von Schauspielerinnen verletzen, ohne das ihm dies schadete. Weltberühmte Regisseure und Drehbuchautoren wie Quentin Tarantino und Scott Rosenberg wussten davon. Aber keiner kritisierte Weinberg dafür. Eine Zusammenarbeit deswegen einzustellen kam erst Recht nicht in Frage.

Weinstein konnte tun und lassen was er wollte, weil er in der umkämpften und konkurrenzgeladenen Fernsehindustrie von Hollywood alles hatte, was ein Alleinherrscher braucht. Erfolg (81 Oscars für seine Produktionen), Geld (über seine Produktionsfirma Weinstein Company) und einen hervorragend Ruf als Förderer von Talenten. So schaffte er Abhängigkeitsnetze, die keiner auch nur zu hinterfragen wagte. Hinzu kam die Unterstützung für die demokratischen Präsidentschaftskandidaten und sein Wunsch nach einer weiblichen Präsidentin. Fertig war der Schein des respektierten Mäzens, der jedoch hinter der Fassade nach Belieben einen Markt dominiert und sich Wort wörtlich alles nahm was er wollte. Erschreckend am „Falle Weinstein“ ist, dass diese Parallelwelt fasst unbemerkt bestand.

Zurückzuführen ist dies auch auf den Umgang Weinsteins mit seinen Kritikern. Wer es wagte ihn zu Kritisieren, wurde kaltgestellt und hatte auch bei der Konkurrenz keine Chance mehr. Wer nicht für mich ist, ist nichts. Davon träumen wohl die Herren Orbán und Kacyinski, während sie allmählich alle politische und ökonomische Macht auf sich vereinen. Der „Fall Weinstein“ muss daher als Warnung verstanden werden, dass sich auch in einer Demokratie jederzeit autokratische Systeme bilden, die den demokratischen Grundgedanken des freiheitlichen Miteinanders untergraben.

Die zweite Lehre ist hingegen eine Positive. Widerstand, auch noch so kleiner, lohnt sich. Es hatte immer wieder Berichte gegeben, dass Weinstein übergriff geworden war. Allerdings dauerte es bis Anfang Oktober 2017, dass das Thema in konzentrierte mediale Aufmerksamkeit erhielt. Auf einen Zeitungsbericht der New York Times hin meldeten sich Opfer Weinsteins. Sie fassten den Mut sich gegen das Machtnetzwerk zu stellen und nahmen mögliche berufliche Nachteile in Kauf. Nur durch ihre persönlichen Geschichten erreichte das Thema bis Mitte Oktober die Weltöffentlichkeit und löste die #metoo Kampagne aus. Das Machtkonstrukt von Harvey Weinstein brach in wenigen Tagen wie ein Kartenhaus zusammen.

Hierüber konnten sich die ersten Opfer, die sich öffentlich bekannten nicht sicher sein. Allgemeine Vorwürfe und Gerüchte über Weinstein hatte es schon in den Jahren davor gegeben. Diese hatten ihn aber nie zu Fall gebracht. Die Schauspielerinnen leisteten tatsächlichen Widerstand gegen ein mächtiges System und stießen so dessen Verfall an. Der Fall zeigt somit auch, dass Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Willkür Erfolg haben kann und Änderungen bewirken kann. Er ist geradezu eine Ermutigung Widerstand gegen diese Systeme zu leisten, da konkret gezeigt wurde, wie schnell ein anfangs übermächtiges Konstrukt in sich zusammenfallen kann.

Der „Fall Weinstein“ hat den abstrakten Vorwürfen des Sexismus in der Gesellschaft ein Gesicht gegeben. In der Filmindustrie, und hoffentlich auch darüber hinaus, wird als Folge der Sexismus in seiner Quantität und in seiner Qualität als alltägliches Phänomen zurückgehen. Darüber hinaus dient der „Fall“ auch als Warnung davor, dass willkürliche und tyrannische System jeder Zeit um uns herum entstehen können oder bestehen, aber das diese nicht als gesetzt angesehen werden müssen, sondern durch Widerstand in die Knie gezwungen werden können. Mut zum Widerstand – denn Widerstand lohnt sich. – Florian Kriener


Leserbrief zu „Renaissance des Nordens“ von Evelyn Finger

Gerne würde ich glauben, dass Deutschland rechnerisch eher christlich als dem Fußballgott gläubig ist. Dass nur 436000 Stadienbesucher gezählt werden, liegt auch daran, dass einige Stadien ausverkauft sind. Dass in den Kirchen nicht genug Platz ist, kommt leider nur Heiligabend oder gestern im Reformationsgottesdienst vor (aber wann ist man auch schon mal zu einem 500sten Geburtstag eingeladen). Zählt man noch die Fernsehzuschauer hinzu, sieht es für den Fußballgott noch besser aus. Sport Bild hatte Sky-Zuschauerzahlen aus  2011 nur für die Bundesligisten von 5,74 Mio ermittelt. Im Vergleich dazu hat der Tagesspiegel am 18.2.2012 die durchnittlichen Zuschauerzahlen der Fernsehgottesdienste in 2011 mit 680.000 beziffert. Aktuellere Daten könnte ich auf die Schnelle nicht finden. Aber zum Reformationstag sei es den aktiven Gläubigen gegönnt, sich in der Mehrzahl zu wähnen. – Anke Gresbrand


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Können Verträge wirklich helfen? In jeder Beziehung zwischen Menschen müssen Regeln etabliert und Grenzen gezogen werden. Dies geschieht durch Kommunikation. Darf ich die Butter meines Mitbewohners benutzen, weil ich vergessen habe einzukaufen? Darf ich mit meiner Freundin spezielle sexuelle Praktiken durchführen? Solche Dinge wurden im besten Falle explizit besprochen, häufiger kann man sich aus bereits bestehenden ungeschriebenen Regeln eine Regel für den Spezialfall ableiten. Menschen sollten offen darüber reden, wie sie ihr Zusammenleben gestalten wollen. Anscheinend geschieht dies nicht immer. Der Vertrag soll jetzt der Ausgang des Menschen aus der selbst verschuldeten Sprachlosigkeit sein. Da einige Menschen es nicht schaffen über das zu reden, was sie wollen und was sie nicht wollen, soll der Vertrag das Gespräch ersetzen. Ist es so schwer zu kommunizieren, was man möchte und was nicht? Es gibt tatsächlich Frauenzeitschriften, die Beiträge mit dem Titel „Wie sage ich meinem Partner, dass …?“ beinhalten. Offensichtlich haben die Leserinnen solcher Beiträge die Fähigkeit zur klaren Kommunikation verloren. Ob diese Frauen dann einen Vertrag aufsetzen könnten bleibt abzuwarten. Vielleicht müsste man zuerst bei diesen Frauen ansetzen, damit sie wieder befähigt werden ihre Meinung zu äußern und anschließend durchzusetzen. Dies ist noch aus einem zweiten Grund sinnvoll:

Der Vertrag wäre das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben würde. Es gibt immer Menschen, die Regeln übertreten, Verbrechen begehen und auch Verträge brechen, wenn diese Taten nicht entsprechend bestraft werden. Es ist also mehr als fraglich ob die Männer, die gerne Frauen angrabschen und damit ohnehin schon die Regeln unserer Gesellschaft übertreten, sich an einen solchen Vertrag halten würden. Im Prinzip weiß jeder Mann, welches Verhalten gesellschaftlich akzeptiert ist und welches nicht. Das Problem im status quo liegt vielmehr darin, dass Fehlverhalten einiger Männer gegenüber Frauen nicht angemessen sanktioniert wird. Wenn ein Filmproduzent eine Vielzahl von Frauen belästigen kann, bevor eine damit an die Öffentlichkeit geht, läuft etwas ganz gewaltig schief. Hätte die erste Frau bereits „Stop!“ gesagt und dieses Verhalten öffentlich gemacht, wäre es zu keinem zweiten Fall gekommen. Ähnlich ist es in allen anderen Bereichen: Frauen, die sich belästigt fühlen, sollten nicht Jahre später unter dem Hashtag #metoo ihre Geschichte erzählen sondern vielmehr #notwithme sagen und das Fehlverhalten sofort ansprechen. Bei starken Grenzüberschreitungen kann man das Verhalten des Mannes mit einer Backpfeife quittieren, öffentlich machen oder sogar zur Anzeige bringen. Möglichkeiten gibt es genug und die Unterstützung der meisten Männer ist jeder Frau sicher. Schließlich haben wir alle Partnerinnen, Töchter, Mütter oder Freundinnen, die wir vor solchen Menschen, die sich nicht an die normalen Regeln des Zusammenlebens halten, schützen wollen. – Peter Croonenbroeck


Leserbrief zu „Abgewürgt“ von Simon Kerbusk

Mehr Konfusion geht nun wirklich nicht mehr! In jedem deutschen Kindergarten geht es hoffentlich verbindlicher zu. Der Dieselbetrug von 2015, dem Jahr der Veröffentlichung, noch in allen Köpfen, schon kommt der nächste Knaller der Bundesregierung. Es lohnt sich nicht, Namen zu nennen, denn über die Jahrzehnte waren zu viele Regierungen und Aufsichtsbehörden zu Lasten der Verbraucher verstrickt. Grenzwerte, die keine Grenzwerte sind, da die Emissionen doppelt so hoch in die Umwelt gelangen dürfen und zudem noch zulässig sind. Gesundheitsschutz, Umweltbelastung, Klimaschutz, Verbraucherschutz, keine Werte, die es zu schützen gilt. Stickoxide, CO2, nichts was zum Fürchten ist!? Es geht munter weiter in der Demontage des Siegels „Made in Germany“ oder war das schon immer nur eine Schimäre!? Wer entschädigt die Konsumenten, Verbraucher in der Zukunft, wenn Euro 6 (d) doch wieder ein Flop wird? Mein Vorschlag: Endlich das Verbraucherrecht ändern, um die erneut Angeschmierten voll zu entschädigen. Die bisherige Vorgehensweise der Bundesregierung war die, die Betrüger unbehelligt zu lassen und die Verbraucher zu enteignen. Das arrogante Verhalten der Vorstände der Deutschen Automobilindustrie lässt vermuten, dass Regierung und Industrie wieder im gleichen Boot sitzen. Hoffentlich verschätzen sich einige nicht hier fundamental und das kleine Boot (Deutschland) kentert in rauer See, denn die Konkurrenz schläft nicht.    – Klaus Liebscher


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Danke für Ihren Artikel zum Insektensterben, der längst überfällig war. Danke, dass Sie dieses Thema endlich in den Fokus nehmen. Aber meine große Frage an Sie: Warum haben Sie damit so lange gewartet? – Michael Cöllen


Leserbrief zu „Plündern als Prinzip“ von Angela Köckritz

Vielen Dank für diesen Artikel. Ich bin sehr gespannt auf die angekündigte Fortsetzung. Besonders würde mich interessieren, wo all das Geld landet. Werden Sie darüber schreiben? Wo sind die 7 Milliarden Dollar von Herrn Zuma. In welche Steueroasen genau fließen die Gelder aus Botswana? Wo legen die korrupten Behördenchefs des Kongo ihr Geld an? Wohin wird Herr Jammeh (Gambia) nach seiner Absetzung gehen, um seine Reichtümer zu genießen? Wir sehen teils mitleidig auf das korrupte Afrika. Das ist scheinheilig. Fließt nicht die Beute der Potentaten auch und gerade in unsere Finanzkreisläufe? Sind wir zumindest als Europäische Union willens, keine korrupt erworbene Gelder anzunehmen? Das ließe sich regeln, wenn man nur wollte. Aber ich bezweifle, dass „man“ es will. Bei allem Respekt vor den Kräften, die vor Ort die Korruption zu bekämpfen suchen: Wenn die reichen Länder nicht aufhören, die Korruption durch das Angebot guter Geldanlagen zu fördern, sind diese Kräfte chancenlos. Den Verbleib der Gelder zu klären wäre ohne Zweifel die spannenste Fortsetzung Ihres sehr schönen Berichts. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Abgewürgt“ von Simon Kerbusk

In Ihrem Artikel ist von einer Irreführung die Rede, „die die Behörden über Jahre hinweg hinnahmen“. Ihnen dürfte bekannt sein, dass die Behörden an gesetzliche Regeln gebunden sind, die nicht von Beamten erlassen, sondern von Politikern (und Lobbyisten) formuliert werden. So auch die Regeln und Grenzwerte für die Zulassung von Kraftfahrzeugen. An die von den Parlamenten erlassenen Bestimmungen haben sich die Behörden zu halten, auch wenn sie blödsinnig sind. Anderenfalls landen sie vor Gericht. Auch hat mit Sicherheit nicht das Kraftfahrtbundesamt Ihre Anfrage „über Wochen ignoriert“. Die Entscheidung in dieser politisch brisanten Angelegenheit wird nach aller Erfahrung die Leitung des vorgesetzten Verkehrsministeriums getroffen haben.  In allen Behörden gelten für die Kontakte von Mitarbeitern mit den Medien strikte Regelungen, die schriftliche oder mündliche Äußerungen von der Zustimmung der zuständigen Presseabteilung abhängig machen, die stets dem Stab der politischen Leitung angehört.  Kein Beamter wird  diesen Bestimmungen zuwiderhandeln, wenn er nicht seinen Job riskieren will. Aber Behördenschelte kommt bei den Lesern meist gut an. – Hartwig Beeken


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Entsetzlicher Inhalt, aber schön geschrieben. Der mutige Text unter der toten Biene wirft nicht nur ein klares Licht auf furchterregende Ergebnisse einer Langzeitstudie, sondern auch auf überraschende Zusammenhänge zwischen dem Insektensterben und einem dramatischen Demokratieproblem, und das mit prägnanten Formulierungen (etwas verkürzt):

  • Unheimlich ist nicht das Verstummen der Insekten, sondern das Schweigen der Menschen,
  • Fragen weniger zum Gesundheitszustand der Natur als zum Gesundheitszustand von Politik und Öffentlichkeit,
  • Das eiserne Gebot der mittleren Vernunft verhüllt einen extremen Wahnsinn.

Oder über die schwarze Pädagogik gegen den Veggie-Day der Grünen:

  • Die Ökodiktatur wurde verhindert, aber der Fleischkonsum ist gleich geblieben.

Nun muss ich mich als alter Ökofundamentalist und Müslifresser nicht länger verstecken. Für die nächsten Diskussionen über Glyphosat, Entomologen und Neonicotinoide bin ich gerüstet. Vielen Dank, lieber Bernd Ulrich – Friedrich Thimme


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Im Stillen habe ich gejubelt, als ich „DIE ZEIT“ Nr.44 mit dem Titelbild „Das Schweigen der Politik“ in den Händen hielt, gleich habe ich mich auf Ihren Artikel gestürzt. Endlich! Auch mich treibt die Ökokatastrophe des Insektensterbens (besser: Insektentötens) um. Doch Ihr Artikel hat mich leider etwas ratlos zurückgelassen, mehr Fragen als Antworten. Was verstehen Sie unter dem so schwammigen Begriff „mittlere Vernunft“? Und Fremdworte wie Chiliasmus (bei denen ich im Fremdwörterbuch nachschlagen mußte) sind nicht förderlich. Ich hatte den Eindruck, dass sie schwanken zwischen Polemik und Ironie. Heimatliebe – wenn ein be-Scheuer-ter Generalsekretär davon spricht, denkt er bestimmt nicht an Bienen! Die Radikalität der AfD spiegelt doch keineswegs die Realität wider und seinerzeit 5 DM-Benzinpreis oder Veggie-Day sind zwar gut gemeint, doch grottenschlecht gemacht!

Sicher gibt es keine Patentrezepte und genau so sicher ist Eile nötig. Doch was ich als Einzelperson tun kann oder sollte, erschließt sich mir nach der Lektüre Ihres Artikels nicht. Ich möchte aber wissen, was ich tun könnte. Reicht es aus, da ich die Neonicotinoide schon nicht verbieten kann, meinen Fleischkonsum von geschätzten 500 Gramm pro Woche nochmals zu halbieren? Aus meinem Gartenrasen ein bunte Wiese zu machen, wie es Susanne Dohrn in ihrem Buch: „Das Ende der Natur“ vorschlägt und selbst versucht. Das kann sicher auch nicht die Lösung sein. Oder sollte ich dafür „kämpfen“, die Feldraine etwas zu verbreitern, damit neben Monokulturen wieder Korn- und Mohnblumen wachsen? Lassen Sie sich doch bitte einmal von Herrn Lanz einladen, damit in dieser lockeren Plauderstunde auch einmal ein wichtiges Thema besprochen wird. – F. Uhlich


Leserbrief zu „»Die anderen haben aufgeholt«” von Petra Pinzler und Martin Spiewak

Neben einigen Fakten dieses Gespräches, die ich gut teilen kann, haben mich verschiedene Aussagen zur Dieselproblematik sehr befremdet. Vorweg die Anmerkung, dass es beim heutigen Stand der Technik keinen Grund gibt, den Dieselmotor gegenüber dem Benzinmotor als umweltschädlicher zu verteufeln. Mit Rußpartikelfiltern und SCR-Technik, die nicht nur für LKW, sondern auch für PKW, wenn ernsthaft gewollt, problemlos einsetzbar ist, sind weder Feinstaub, noch Nox-Emissionen gegenüber Benzinmotoren ein Nachteil, und der Wirkungsgrad ist zudem höher. Insoweit ist die öffentliche Berichterstattung zu dieser Thematik, geprägt vom Dieselskandal, auch in obigem Artikel, teilweise alles andere als sachgerecht.

Wie kann es sein, dass Frau Krautzberger meint, zwar sei „der Diesel in der Vergangenheit bei gleicher Motorleistung leicht klimafreundlicher als ein Benziner“ gewesen, das sei aber längst nicht mehr so. Das ist natürlich auch heute noch so, vorausgesetzt man vergleicht weiterhin Motoren gleicher Leistung miteinander, was ja wohl für eine sachgerechte Aussage zwingend ist. Wenn „die Hersteller immer mehr Diesel mit immer stärkeren Motoren bauen- und die verursachen mehr CO2“, dann ändert das nichts an dieser Tatsache. Würden diese stärkeren Motoren benzingetrieben sein, würden sie folgerichtig noch mehr CO2 emittieren als ihr dieselgetriebenes Pendant. Und genau das ist der Grund, warum starke Motoren auf Dieselbasis gebaut werden. Im Bereich der Lastwagen gibt es sie folgerichtig ausschließlich. Eine völlig andere Frage ist es, warum in Kenntnis unserer Klimaprobleme die Autoindustrie derartig hochmotorisierte PKW überhaupt produziert (produzieren darf) und es genügend viele Käufer dafür gibt.

Gegen Ende des Gesprächs meint Frau Krautzberger, zugegeben mit Hinweis auf die Schwierigkeit einer Vorhersage, dass sich der Diesel in 10 bis 15 Jahren erledigt haben könnte und dass die Zukunft vermutlich elektrisch sein werde. Diese Aussage impliziert, dass es in 10 bis 15 Jahren auch keinen Biodiesel mehr geben wird, was angesichts der wenigen Alternativen, die wir bisher für fossile Energieträger haben, schon bemerkenswert ist. Aber die viel grundsätzlichere Frage ist doch: Gibt es auch nur einen einzigen Hinweis darauf, wie es technisch gelingen kann, auf Dieselmotoren in einem absehbaren Zeitraum in relevantem Umfang zu verzichten? Spätestens im Bereich der großen Motoren für LKW zeichnet sich doch nicht im geringsten ein erfolgversprechender Weg ab. Die permanent beschworene Zukunft der Elektroantriebe hat nicht nur das generelle Problem der ausreichenden und kostenverträglichen Energiespeicherung, sondern darüber hinaus das Problem der Bereitstellung des Stromes. Noch werden in Deutschland zwei Drittel des Stromes aus fossilen Rohstoffen gewonnen. In fünf Jahren, nach dem Ende der CO2-freien Atomenergie, werden die Kraftwerke bei der Erzeugung des Stromes für die Fahrzeugmotoren mindestens genauso viel CO2 emittieren wie bisher die Verbrennungsmotoren. Einziger Unterschied: Das CO2 fällt nunmehr im Bereich der Kraftwerke an und nicht mehr in den Ballungsräumen, was für diese zweifellos ein Gewinn ist. Dem Weltklima ist das allerdings ziemlich egal. Und selbst der größte Optimist kann doch nicht allen Ernstes davon ausgehen, dass in den nächsten Jahrzehnten nicht nur der bisherige Strombedarf CO2 -frei gedeckt wird, sondern ganz und gar auch noch dessen erheblicher Zuwachs für die Elektromotorik, wenn sie denn exzessiv zunimmt.

Frau Krautzberger stellt fest, dass „die Chinesen alle Zeichen auf Ausstieg gesetzt“ haben und ohne dass sie es weiter ausführt, meint sie damit die Beschlüsse Chinas, Elektro-Fahrzeuge in Millionen-Stückzahl zu produzieren. Wenn das der globale Trend ist, von dem sie spricht, dann wird der wohl kaum dazu beitragen, den Anstieg des CO2 auf unserem Planeten zu reduzieren. Der Anteil an Kohlestrom in China, bei dessen Erzeugung bald doppelt so viel CO2 entsteht wie in einem Gaskraftwerk, liegt derzeit bei über 70%, womit klar ist, dass jede kWh Strom für ein Elektroauto aus der Kohle stammt, denn im Umkehrschluss könnten diese Kraftwerke in dem Maße zurückgefahren werden, wie Strom nicht benötigt wird. Nun hat China seit Jahren extreme Smogprobleme in den Städten. Dagegen werden ohne Zweifel Elektroautos ein probates Mittel sein. Nur wird daraufhin saldiert die chinesische CO2- Emission höher werden, als wenn weiterhin alle Fahrzeuge Diesel- oder Benzinmotoren hätten. Damit haben die Chinesen leider nur den Teufel Smog mit dem Beelzebub höherer CO2- Ausstoß vertrieben.

Abgesehen davon, dass perspektivisch weltweit völlig neue, sicher nicht nur schmerzfreie Konzepte nötig sind, um der Klima- und Umweltprobleme grundlegend Herr zu werden wie Verringerung des Individualverkehrs, deutliche Erhöhung des öffentlichen Personenverkehrs und Verlagerung von Fracht von der Straße auf die Schiene, frage ich mich, warum nicht als sofort machbare Lösung im großen Stil von Benzin und Diesel auf Erdgasantrieb übergegangen wird. Bei gleicher Motorleistung wird nicht mehr, eher weniger Erdgas benötigt, als wenn man erst in einem Kraftwerk das Gas für den Elektromotor verstromt. Und das wäre schon die umweltfreundlichste Variante der Stromerzeugung, da bei Erdgas die geringste CO2- Menge pro erzeugte Energie anfällt. In Wahrheit wird der Strom in einem Kraftwerksmix produziert, bei dem das CO2- günstigste Erdgas man gerade bei etwa 10% liegt. Ein weiterer Vorteil von Erdgas: Da es wie bisher in einem Verbrennungsmotor im Fahrzeug eingesetzt wird, kann die Abgaswärme zum Nulltarif für die Fahrzeugheizung genutzt werden. Im reinen Elektrofahrzeug kann das leider nur mittels zusätzlichen Stromes erfolgen. Auch darüber hätte ich gern etwas in obigem Artikel gefunden…. – Dr.Horst Bendix