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3. Januar 2019 – Ausgabe 2

 

Leserbrief zu „Über Totschweigen und Pressefreiheit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Als 1. Artikel der ZEIT erfreut mich Martenstein jeden Donnerstag. Erwiesenermaßen gibt es aber auch sonst noch Lesenswertes in dem Papierhaufen. Weiter so. – Klaus Timmerbeil


Leserbrief zu „Unter Deck“ von Miguel Helm und Anne Kunze im ZEIT Magazin

Mir waren die Werbeseiten für Kreuzfahrten in Ihrer Zeitung aus ökologischen Gründen schon immer zu wider, aber nach dem Artikel UNTER DECK in Ihrem Zeit-Magazin würde ich es sehr begrüßen, diese gar nicht mehr in Ihrer renomierten Zeitung finden zu müssen. – Gudrun Follner


Leserbrief zu „»Ich kriege mein Leben zurück«“ von Sabine Rückert

Wirklich großes Respekt mit welcher Offenheit und Klarheit sich Herr Kachelmanm zurückgekämpft hat – gleichzeitig auch traurig wie schnell man ein gereiftes Leben zerstören kann. – Sebastian Linkewitz


Leserbrief zu „Von wegen Ponyhof“ von Marcus Rohwetter

Es schockiert mich immer wieder das so wichtige Berufe dermaßen ausgebeutet werden, gleichzeitig wundert man sich über Nachwuchsmangel – man geht nicht in einen sozialen Beruf um massig Geld zuverdienen und das ist ganz schön traurig. Geschrieben von einem tätigen in einem sozialen Beruf. – Sebastian Linkewitz


Leserbrief zu „Ein Blick in den Spiegel„ von Giovanni di Lorenzo

Es ist doch schon lange bekannt, dass „Spiegel“-Journalisten bei Reportagen mit Tatsachen eher lax umgehen. Gehen wir zurück zum Mai 2011. Damals erhielt der „Spiegel“-Redakteur René Pfister für seine Reportage „Am Stellpult“, eine Nahaufnahme des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, den Henri-Nannen-Preis. Diese Reportage beschreibt zu Beginn den Keller von Seehofers Ferienhaus in Schamhaupten, in dem dieser eine Märklin-Eisenbahn aufgebaut habe, „ein Modell von Seehofers Leben“, das seit Jahren erweitert werde, in dem auch Angela Merkel Platz finde – als Plastikfigur auf einer Diesellok. Das Problem: Pfister hat nie im Leben einen Schritt in diesen Keller getan. Die Reportage war eine Vortäuschung falscher Tatsachen. Sie war nicht echt. Weil der Autor nicht das aufgeschrieben hat, was er gesehen hat. Eben weil er nichts gesehen hat. Die Informationen für den Einstieg beruhten auf Gesprächen. Noch einmal: Nicht nur sah der Autor sich den Keller, der Fundament seiner Geschichte wurde, nicht an. Er übernahm einfach ungeprüft Beschreibungen anderer Menschen. Claas Relotius hat diesen laxem Umgang mit Tatsachen nun konsequent weiterverfolgt – indem er ganz auf diese verzichtet hat. – Michael Pfeiffer


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Ich bin keine gelassene Person, noch nie gewesen. Also wäre es vermutlich gelogen, zu sagen, mich hat noch nie etwas so aufgeregt wie der Artikel, um den es geht, aber ich kann zumindest eines sagen: Mir war noch nie so klar, wie tiefgreifend die rassistische Ideologie ist, vor allem in ‚liberalen‘ Kreisen. Der Artikel soll sich ‚neutral‘ mit dem Vers 34 aus der Koran-Sure 4 auseinander setzen. (Die berüchtigte Koran-Sure, die es dem Ehemann erlaubt, seine Ehefrau zu schlagen) Angeblich. Es geht im Artikel aber tatsächlich, und wie sollte es auch anders sein, um Gewalt an muslimischen Frauen durch ausschließlich muslimische Männer.

Zu diesem Thema möchte ich kurz etwas sagen: Mir ist bewusst, das es in der muslimischen Community Probleme mit Gewalt (vor allem an Frauen und Kindern) gibt. Ich kenne das Mindset, das dahinter steht. Ich kenne die Strukturen, die die Wiederholung dieser Taten ermöglichen. Und ich erkenne diese Problematik. Ich erkenne auch die Schuld, die bei der Mentalität liegt, aber auch, und das vergessen Journalist*innen wie die der Zeit sehr gerne, die Schuld, die die Mehrheitsbevölkerung und die rassistischen Strukturen unserer Gesellschaft tragen. Dazu später mehr.

Das erste was ich immer wieder faszinierend finde, ist, dass Redaktionen von Magazinen und Zeitungen (wie die Zeit) immer wieder darauf bestehen, Themen wie diese, ungeeigneten Journalisten zuzuteilen. Auf der Seite 14 steht: „(…) sind auch wir keine Experten. Wir haben nicht Islamwissenschaften studiert und sprechen nicht Arabisch“. Ja tja. Sie klingen auch nicht wie muslimische Frauen. Später auf Seite 16 steht auch, das die Journalisten Probleme hatten Zugang zur Community zu finden. Niemand wollte reden. Tatsächlich kriegen im ganzen Artikel weiße, nicht muslimische Männer und Frauen, mehr als die doppelte Anzahl an Zeilen gewidmet als muslimische Frauen, also die Gruppe, um die es in diesem Artikel angeblich gehen soll. Die Unfähigkeit der deutschen Presse, muslimische Frauen als vollwertige Menschen darzustellen, die eigenständig agieren und für sich selbst sprechen, ist erbärmlich und reproduziert einfach nur das Bild der unterdrückten nicht-westlichen Frau, die von den bösen, nicht-westlichen Ehemännern misshandelt wird. Übrigens, es sind ja alles muslimischen Frauen verheiratet, ne? ;) Nein, wieso tatsächlich über die Gruppe berichten, um die es eigentlich geht, wenn man den Artikel auch mit einem Erlebnis von einem deutschen Mann beginnen kann. Der Text erzählt von dem Polizei-Pressesprecher Andreas Loepki und seiner Erfahrung als er eine Pressemitteilung zu der umstrittenen Sure veröffentlichte. Davor wird auf seine Vergangenheit als Polizist und seine super-krassen Erfahrungen eingegangen, und, dass nichtsdestotrotz diese Pressemitteilung natürlich den heftigsten ‚Shitstorm‘ seiner Karriere ausgelöst hat. Also irgendwie dachten die Journalist*innen der Zeit, das dieser Herr (ich möchte nicht ihn schlecht reden, es geht ja nicht wirklich um ihn – was genau mein Punkt ist) genauso viele Zeilen bekommt wie, ZWEI muslimische Frauen die erst auf Seite 16 erwähnt werden. Dann ist der erste ‚Experte‘, der zitiert wird natürlich Tilman Nagel. Der wird zunächst als Forscher dargestellt und erst nachdem er eine halbe Seite gewidmet bekommt, finden es die Journalist*innen erwähnenswert das Tilman Nagel auch für die AfD arbeitet und mit Thilo Sarrazin sympathisiert. Ich frage mich, wie irgendwer darauf kommt bei einem angeblich neutralen Beitrag über Islam jemanden zu zitieren, der rassistisch ist. Und das natürlich ganz am Anfang vom Artikel und ohne seine Integrität ehrlich anzuzweifeln.

Zwischen Herr Loepki und Herrn Nagel gibt es einen Absatz der mich besonders stutzig gemacht hat. Es ist ein pseudo-reflektierter Einschub darüber, das die Journalist*innen ja wüssten, das sie eine eigene ‚Wirklichkeit‘ kreieren, wenn sich dazu entscheiden über Gewalt an Frauen in muslimischen Gemeinschaften zu reden. Er dient lediglich dazu dem Leser Unsicherheit vorzuheucheln, wenn tatsächlich eine glasklare Positionierung zwischen den Zeilen zu lesen ist. Wenn sie alle wirklich so sehr gehapert hätten, hätten sie den Artikel vielleicht an geeignetere Kolleg*innen weitergegeben. Im Koran steht wortwörtlich, zumindest nach den meisten Übersetzungen, das der Ehemann das Recht hat, die Ehefrau zu schlagen. Gut. Aber darum geht es den Autoren dieses Artikels nicht wirklich. Es handelt sich nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung eines religiösen Texts sondern inwiefern die Religion heute gelebt wird. Es soll darum gehen, wie muslimische Gemeinschaften heute Leben. Aber der Islam nach wie vor eine Religion ist und keine Ethnie, die sich in verschiedenen Ländern anders entwickelt und nicht einfach zu einer großen Masse zusammengefasst werden kann. Und ja, diese Sure existiert zwar, aber im 21. Jahrhundert in Deutschland existieren gewichtigere Gründe warum Frauen Opfer häuslicher Gewalt werden. Was auch so gesehen wird, wenn weiß Deutsche ohne Migrationshintergrund Gewalt antun. Denn dann geht man auf folgende Dinge ein: sozialer Status, psychische Gesundheit, Bildungsstand, Kindheitstraumata etc.

Ich sage nicht, das all diese Dinge Gewalt an Frauen rechtfertigen, versteht mich nicht falsch, aber sie scheinen nur dann absolut keine Rolle zu spielen, wenn wir über ethnische Minderheiten sprechen. Es gibt Probleme mit Gewalt in den Communities von ethnischen Minderheiten. Nicht nur an Frauen. Aber haben weiß-Deutsche Frauen ohne Migrationshintergrund schon ihre eigenen Geschichte vergessen? Erst 1997 wurde eheliche Vergewaltigung verboten und 1928 (wie auch in dem Zeit Artikel erwähnt) das Züchtigungsrecht des Mannes abgeschafft. Aber was er Artikel nicht erwähnt ist, das Männer in Deutschland nicht eines Morgens aufgewacht sind und gesagt haben: ‚Oh krass, das ist aber Scheiße, was wir bisher gemacht haben. Lass das mal ändern!‘. Sondern, dass sich die Frauen in Deutschland, vernetzt, organisiert und gekämpft haben. Hart gekämpft. Sie haben ihren sozialen Status riskiert, ihre Jobs und ihre Leben und dann gab es Veränderung. Diese Möglichkeit haben Frauen aus ethnischen Minderheiten oft nicht. Die Mehrheitsbevölkerung grenzt sich aus. Ich kann aus Erfahrungen sagen, das ‚feministische‘ Kreise nicht frei sind von Rassismus und Islam-Hass, dass sie durchwachsen sind von Ignoranz. Frauen von ethnischen Minderheiten sind isoliert und stehen im Fall von Gewalt auch meistens allein da und vor allem ohne Perspektive. Mangelnde Integrationshilfen und Offenheit der Mehrheitsbevölkerung liefern diese Frauen schutzlos aus. Aber das ist nicht ihre Schuld und die Weigerung von Presse-Riesen wie der Zeit diese Seite der Medaille aufzuzeigen und stattdessen über eine Seite einem eigentlich unwichtigen weiß-deutschen Mann wie Loepki und einem Rassisten wie Nagel zu überlassen, stellt die Integrität der deutschen Presse nicht in Frage sondern untergräbt sie. Denn eines haben muslimische Männer, die ihre Frauen schlagen und die ‚liberale‘ deutsche Presse definitiv gemeinsam: Sie haben muslimische Frauen am liebsten wenn sie vor allem eins sind: Stumm. – Jona Zhitia


Leserbrief zu „Nicht Mann, nicht Frau – sondern Person“ von Jochen Bittner

In der ersten Januar-Ausgabe (2009/2), die ich heute erhalten habe, musste ich mit Erstaunen feststellen, dass sich Ihr Artikel wohl mit der falschen Personengruppe beschäftigt; wie sonst kommen Sie auf die Feststellung, dass „jedes 500. Neugeborene intersexuell ist, also dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Gescchlecht zuzuordnen sind“

Diese Statistik beschreibt aus meiner Sicht eindeutig die Gruppe der Männer mit KLINEFELTER Syndrom mit dem Chromosomensatz 47,XXY, aber nicht die Gruppe der Personen mit diversen Störungen der Geschlechtsentwicklung (DSD Personen), die statistisch weitaus weniger vorkommen (1:15000 bis 1: 20000). Sie haben nun keine Personengruppe genannt; somit kann natürlich auch „nur“ Ihre statistische Informationsquelle falsch sein. Wie auch immer, ich lade Sie hiermit ein, sich in Zukunft aus wissenschaftlichen Quellen zu informieren, oder auf den zahlreichen Websites der Betroffenen. Wenn es Ihnen Schwierigkeiten machen, diese zu finden, unterstütze ich Sie gerne dabei. Aber Ihre Schlussfolgerung, dass man Intersexuelle so rasch mal nebenbei in der Schule oder der Uni kennenlernen kann, ist dann einfach falsch. Und das ist schade, weil dieses Thema wie auch das Thema der Häufigkeit von Klinefelter Männer viel zu wenig in den seriösen Medien –und dazu zähle ich auch die „Die Zeit“ ausführlich und vor allem viel differenzierter zur Sprache kommen sollte. – Peter Vogt


Leserbrief zu „Amtsmüde“ von Niclas Seydack

Ihr Artikel zum Digitalisierungsstau in Deutschland spricht mir in vielerlei Hinsicht aus der Seele. Nach 15 Jahren im Ausland lebt unsere Familie seit einem knappen Jahr wieder in Deutschland und wir sind regelmäßig erstaunt, wie das einstmals in vielerlei Hinsicht so fortschrittliche Deutschland nach wie vor im 20. Jahrhundert stecken geblieben scheint. So werden von Universitätsverwaltungen Akten nach wie vor von Hand angelegt, abgearbeitet und (inklusive ausgedruckter E-Mails) händisch in Archiven abgelegt, da stehen den meisten Schulen nur wenige und zumal völlig überaltete Laptops mit antiquierten Programmen zur Verfügung, da werden Fahrkartenautomaten für den städtischen Nahverkehr wieder auf reine Bargeldnutzung umgestellt, weil bei der Nutzung mit EC-Karten Sicherheitslücken entstehen.

Digitalisierung ist kein „Neuland“, wie dies die Bundesregierung mit der Einrichtung eines Digitalisierungsrats im vergangenen August zu suggerieren versuchte. Sie ist anerkannte Praxis in vielen – wenn nicht den meisten Industriestaaten. Dabei erstreckt sie sich – anderes als in Deutschland – in diesen Ländern vor allem und gerade auf den Bildungsbereich und trägt damit sehr wesentlich dazu bei, dass die jungen Menschen dort zunehmend besser digitale Kompetenzen nutzen und weiterentwickeln können. Gleichzeitig trägt gerade diese intensive Nutzung der Digitalisierung im Bildungsbereich dazu bei, dass andere Länder diesen Kompetenzvorsprung immer weiter ausbauen und Deutschland hier zunehmend Gefahr läuft, von Platz 21 innerhalb der EU auf einen den allerletzten Platz verwiesen zu werden.

Einige Beispiele: im Flächenland Australien ist die regelmäßige Nutzung von Computern in Kindergärten üblich und bereits an Grundschulen Standard (z.B. zur eigenständigen Recherche von zu bearbeitenden Themen); spätestens mit Beginn der High School – ab der siebten Klasse – nutzen die Kinder eigene Laptops für ihre tägliche Arbeit und erarbeiten für ihre Referate Präsentationen oder bearbeiten Hausarbeiten online. Dass die schöne Handschrift dann weniger zählt, als an den hiesigen Schulen, fällt da nicht weiter ins Gewicht im Wissen darum, dass es darauf im Berufsleben nicht ankommen wird! Auch die Interaktion mit den Eltern läuft über eine Computerplattform, inklusive App, die nicht nur für Krankheitsmeldungen (oder Schulschwänzalarm) sondern auch zur Information über anstehende Elternabende und Klassenfahrten oder die Bezahlung von Teilnahmegebühren genutzt werden. Ich war einigermaßen überrascht, als ich hier an der örtlichen Gesamtschule erfahren musste, dass Krankheitsmeldungen nicht vom Sekretariat verwaltet sondern vom Kind jeder einzelnen Lehrkraft gesondert vorgelegt werden müssen und – welch ein Aufwand – jede/r Lehrer/in ein zusätzliches privates Konto einrichten muss, auf das die Gelder für Klassenfahrten etc. eingezahlt und verwaltet werden müssen. Hier ließen sich durch die Digitalisierung der Schulverwaltungen sehr einfach Lehrkräfte von vielen Aufgaben entlasten, die nicht im eigentlichen Sinne mit ihrer Lehrtätigkeit zu tun haben, um sich verstärkt auf die Qualität des Unterrichts zu konzentrieren. Gleichzeitig entlastet sie Eltern, die davon befreit sind, Schulränzen nach Notizen durchforsten zu müssen, stets auf die Gefahr hin, dass ein wichtiger Zettel verloren gegangen ist.

Auch an den Universitäten in Schweden und Australien (zwei Beispiele, mit denen wir gut vertraut sind) nutzen sowohl die Lehrkräfte als auch die Studierenden Digitalisierung selbstverständlich in einem sehr hohen Maße. Dabei sind es oft Kleinigkeiten, die hier den Unterschied ausmachen, wie z.B. die Ausrüstung der Vorlesungsräume mit genug Beamern, um auch bei Gruppenarbeit jedem einen Blick auf die Präsentation zu ermöglichen, die Positionierung von Computern so im Raum, dass der/die Lehrende gleichzeitig die eigene Präsentation und das Publikum im Blick behalten kann etc. Weitere Standards sind Uni-Clouds, die Studierenden und Forschenden eine ortsunabhängige Bearbeitung von Dateien ermöglichen, digitalisierte Verwaltungsprogramme und Forschungsförderplattformen, welche die weltweite Kooperation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern per Mouseclick ermöglichen. So wie es die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für viele Programme immer noch vorsieht, die postalische Einreichung von Anträgen mit beigefügten Originalunterschriften zu verlangen, erscheint da nicht nur anachronistisch sondern nachgerade verschroben und als nachhaltige Gefahr für einen zukunftsweisenden Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort, der Deutschland ja immer noch gerne sein möchte. Ich würde mich freuen, wenn die ZEIT zu diesem Thema insgesamt ausführlicher berichten könnte. Digitalisierung ist keine Zukunftsmusik, auf die wir uns nun ganz gemächlich einstellen müssen, sondern die Digitalisierungswelle ist längst hier und weite Teile der Welt surfen darauf bereits kräftig mit. Und in diesen Teilen der Welt – auch dies eigene Erfahrung – ist die digitale Verwaltung bereits Realität; von der Interaktion mit der Stadtverwaltung, die jährliche Steuererklärung, über die Verlängerung des Führerscheins per Mouseclick, bis hin zur Beantragung der Einbürgerung – ebenfalls online :-) – Katrin Steinack


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Nach den unendlichen Mühen beim Studieren der Koran-Exegese bleibt das kurze Fazit: Natürlich können Männer Frauen schlagen, aber sie dürfen es nicht! Genau so wie bei Gewalt gegen Kinder und gegen Ehemänner (öfter als allgemein bekannt!) liegt es an der Vigilanz von uns Mitbürgern, Gewalt zu bannen und zu sanktionieren – wo immer wir sie antreffen. – Dr. Hans-Georg Fritz


Leserbrief zu „Über Totschweigen und Pressefreiheit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Wenn die Lolunistin Mely Kiyak in ihrem Buch „Haltung“ vorschlägt, den Rechtspopulismus zum Schweigen zu verdonnern, Demonstrationen sofort aufzulösen, sobald ein Regelverstoß stattfindet, dann sehe ich darin eine demokratiefeindliche Grundhaltung. Wenn Alard von Kittlitz fordert, die AfD einfach totzuschweigen, dann erkenne ich hier ebenfalls eine demokratiefeindliche Haltung. Beiden Journalisten sollte Nachhilfe in Sachen Demokratie und Journalismus erteilt werden. Die Friedrich-Ebert-Stiftung bietetsicher Weiterbildungskurse zu diesem Thema an. Allein ein Blick in die „Europäische Charta für Pressefreiheit“, insbesondere Artikel 3, hilft so manchem, der ein Selbstverständnis als des Volkes Vormund bzw. als Volkserzieher versteht, hat. – R. Schmolling


Leserbrief zu „Eine Leonarda hätte keine Chance gehabt“ von Jörg Scheller

Danke für Ihren Artikel. Es hat mich amüsiert und auch Ihre Wortwahl ist richtig gut. Wow. Inspirierend. Danke. – Eva Maria Horstick


Leserbrief zu „Kanzlerinnenwechsel schwer gemacht: Wie ein Machtübergang nach dem Grundgesetz funktionieren kann“ von WFG

Der Verfasser des obigen Artikels ist zu Beginn des Procederes zu einem Kanzlerwechsel m.E. sehr sehr oberflächlich. Er schreibt: „ zu Art.67 GG: …kann der Bundestag mit Mehrheit einen anderen Kandidaten an die Regierungsspitze wählen…“ Wie Sie hoffentlich alle wissen, gibt es bei Mehrheiten Unterscheidungen in einfache-, absolute- (qualifizierte-), 2/3- Mehrheit… Art.67 GG (Konstruktives Mißtrauensvotum) spricht hier von der absoluten Mehrheit indem es heißt: „Der Bundestag kann dem Bundeskanzler das Mißtrauen nur dadurch aussprechen, dass er mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wählt… Mir ist unbegreiflich wie der Verfasser dies unterschlägt, wobei er im weitergehenden Text bezüglich der Vertrauensfrage die jeweils erforderlichen Mehrheiten benennt. – Werner Stäbler


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Der Artikel enthält viele interessante Informationen zum Thema, thematisiert meines Erachtens aber kaum das Hauptproblem, nämlich dass meines Wissens mindestens 99 Prozent der Muslime zumindest in den mehrheitlich muslimischen Ländern den Koran für eine wortwörtliche und unfehlbare Äußerung Gottes halten und nicht etwa für das in den Kontext seiner Zeit und Kultur einzuordnende und historisch-kritisch zu hinterfragende Glaubens- und Sittenzeugnis des fehlbaren Menschen Mohammed. Mit ihrer Meinung, „dass man kein Wort [des Korans] wörtlich nehmen muss“, dürfte Frau Tamer-Uzun innerhalb der islamischen Theologie leider eine krasse Außenseiterin sein. Und jeder Muslim, dem der Koran als unmittelbare Äußerung Gottes gilt, fühlt sich dann halt berechtigt oder sogar aufgefordert, seine Ehefrau zu schlagen, wenn sie ihm trotz Ermahnung und Liebesentzug nicht gehorcht, und damit gegen das Grundgesetz und die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland zu verstoßen. Und das ist nicht der einzige Koranvers, der mit dem Grundgesetz und den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland unvereinbar ist. Kurzum: Die in Deutschland lebenden Muslime müssen, wie von mir bereits vor Jahren auf http://www.ulrich-willmes.de/islam.html und http://www.ulrich-willmes.de/dschihadabwehr.html angemahnt, das in der islamischen Welt bislang von kaum jemandem bezweifelte Verständnis des Korans als wortwörtlicher Äußerung Gottes in eine historisch-kritische Sicht des Korans als kulturell determiniertem Glaubenszeugnis des fehlbaren Menschen Mohammed ändern, wenn der Islam mit dem Grundgesetz und den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland vereinbar werden soll. – Ulrich Willmes


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Den Weg, den Malte Henk und Henning Sussebach aufklärend gegangen sind, kann ich sehr gut mitgehen. Es ist den Beiden zu danken, dass sie das Thema beherzt ausgelotet haben. Ich profitiere davon, weil mir manches zu meinen bruchstückartigen Einblicken ergänzt wurde. – Rolf Füßer


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Vielen Dank für den Versuch alte Texte heute zu verstehen. Alte Texte kann man nur aus ihrer Entstehungszeit beurteilen und verstehen. Bei dem Neuen Testament soll die Ursprache Griechisch sein? Jesus sprach aber aramäisch, eine vieldeutbare Sprache. Eine Übertragung ist Geisteskunst, Gedankenspiel mit verschiedenen Denkmöglichkeiten. Der Koran entstand 600 Jahre später. Auch er hat seine eigene Fachsprache aus seiner Entstehungszeit. Bei Beiden sind die Gedankengänge und Ideen des Zusammenlebens wichtiger. Einiges ist revolutionär in ihrer Entstehungszeit. Die heutigen Entwicklungen gab es damals nicht. Es ist Neuland, nicht vorhersehbar. Ich erkenne in zwei Bibelstellen ( Wunder ) auch Beschreibungen von Depressionen. Die gab es damals auch schon. ( Blindenheilung und Heilung eines Lahmen ) Das Schlagen in der Familie: Auch beim heutigen polarisieren zur Weihnachtzeit gibt es Männer die ihr Zuschlagen auf Frau und Kinder nicht verlernt haben. Die Bibel und der Koran beschreiben keine Nachrichten, sondern sind Erzählungen mit Beschreibungen von Ideen der Mitmenschlichkeit zum besseren Zusammenleben. Die meisten Mächtigen haben es nicht gelernt, mit anderen Meinungen friedlich umzugehen. Freiheit und Meinungsvielfalt ist aber wichtig. – Josef Francken


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Ich verstehe die Aufregung um Sure 4 nicht – es ist gleichgültig was darin steht. In Deutschland sind glücklicherweise Kirche und Staat getrennt. Es gibt Gesetze, die Gewaltanwendung verbieten – übrigens auch gegen Männer und Kinder. Verstößt jemand gegen diese Gesetze liegt ein Straftatbestand vor, es kommt zu einem Strafverfahren und einem Urteil. Man kann allen Frauen nur raten, Gewalterfahrungen anzuzeigen – und Männern, gleichgültig ob Migranten oder nicht, bewußt machen, was sie erwartet. Was ohne Anzeige im privaten Bereich passiert, kann leider nicht verfolgt werden. Auch was in anderen Ländern passiert liegt bedauerlicherweise nicht in unserem Einflußbereich. Die Rechtslage ist zu beachten, nicht irgendeine Religion. – Adelheid Demmer


Leserbrief zu „Über Totschweigen und Pressefreiheit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ja, Toleranz und Bekenntnis zu den demokratischen Grundwerte halten unsere Gesellschaft zusammen: Damit erklärt es sich von selbst, dass wir der „größten Oppositionspartei“ einen Persilschein ausstellen, um das Bundesverfassungsgericht zu desavouieren, in KZ-Gedenkstätten zu pöbeln, Minderheiten zu verunglimpfen, nur „deutsches Theater“ zulassen zu wollen, die Arbeitslosenversicherung abzuschaffen, den Faschismus zu relativieren und den Klimawandel zu leugnen. Und, und, und. Was für eine zukunftsorientierte Politik?! Wir werden staunend zuschauen, wie ein Prozess der Faschisierung sich entwickelt, breitere populistische Zustimmung schließlich zu neuen Koalitionen führen wird und wir werden eines Tages die weitsichtigen Propheten der vierten Gewalt rühmen, die einst vor der Ausgrenzung einer Partei warnten, die lediglich „dem Volk“ eine Stimme gab. Selten war mehr Blauäugigkeit… – Dieter Pienkny


Leserbrief zu „Über Totschweigen und Pressefreiheit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Bisher hatte ich manchmal Schwierigkeiten mit Ihren Artikeln. Bei diesem ist es abere nicht so. Bitte lassen sie mich folgendes voraus schicken: Ich bin weder ein Afd Sympathisant noch ein Afd Wähler noch ein Anhänger; aber es wurde endlich einmal Zeit, zu versuchen, die Auseindersetzung mit dieser Partei in vernünftige Bahnen zu lenken. Mit Totschweigen oder Ablehnungsparolen ist niemanden außer dieser Partei, deren Anhängern und deren Wählern geholfen. Ich bin der Überzeugung, dass wir alle aufpassen müssen, damit die Ablehnung der „Kartellparteien“ nicht in eine Ablehnung unserer Staatsform umschlägt. Solche Artikel wie der Ihre sind daher unbedingt notwendig. Gerade deswegen danke ich Ihnen, Bitte weiter so! – Ulf Hanel


Leserbrief zu „Was passiert, wenn…“ von Matthias Geis

Da ich keine charmante Eröffnung finde, gehe ich direkt in medias res: Ihr Artikel zu den möglichen Szenarien für einen Bruch der Groko und einen Neustart der Regierung ist Anlaß für mich, Sie stellvertretend für viele Ihrer Kollegen zu fragen, welchen Zweck solche Artikel verfolgen. Wie Sie selbst zu Beginn des Artikels schreiben, sind die Verhältnisse unübersichtlich und präzise Vorhersagen daher schwierig, aber warum beschäftigen Sie sich dann so lange mit den möglichen Szenarien? Der Spiegel zitiert in den letzten Tagen mit Blick auf den Fall Relotius immer wieder Rudolf Augstein mit den Worten „Sagen, was ist“. Das ist ein hehres Ziel, sicher nicht immer erreichbar, aber leider finde ich als Leser immer häufiger Beschreibungen, wie es sein könnte: Die Groko könnte zerbrechen, AKK könnte Kanzlerin werden, gegen Donald Trump könnte ein Amtsenthebungsverfahren angestrengt werden usw. usf. Bei vielen dieser Artikel scheint der Wunsch der Vater des Gedankens zu sein, nach dem Motto „wenn Donald Trump doch bloß nicht mehr Präsident wäre“. So verständlich ich diesen Wunsch finde, weil ich ihn teile, so ärgerlich finde ich es, wenn immer und immer wieder Szenarien entwickelt werden, wie dieser Wunsch Wirklichkeit werden könnte. Natürlich könnten die Demokraten Trump jetzt vor sich hertreiben und natürlich könnten die Russland-Ermittlungen ihn zu Fall bringen – aber wenn man die Presse seit seiner Wahl verfolgt, schreibt man sein Ende seitdem unablässig herbei, und Trump? Ist immer noch im Amt. Ähnlich war es zu Zeiten der „Flüchtlingskrise“ 2015: Allenthalben wurde prophezeit, daß Angela Merkel darüber stürzen würde – und heute ist Merkel weiter Kanzlerin (glücklicherweise), und trotz aller Unkenrufe ihr Rücktritt nicht so wahnsinnig viel wahrscheinlicher geworden.

Ich kann nachvollziehen, daß ein Mensch, der sich beruflich mit der Berliner Regierungspolitik beschäftigt, solche Gedankenspiele interessant findet. Aber ich als Leser finde solche „Was wäre, wenn“-Artikel ermüdend, weil keiner wirklich wissen kann, was passiert. Es ist ja, gehe ich auf Ihren Artikel zurück, noch nicht einmal sicher, daß die aktuelle Regierung nicht über das Jahr 2019 hinaus besteht – warum sich dann damit lang und breit befassen? Ich würde wirklich gerne verstehen, warum es so oft in der Presse um mögliche weitere, häufig möglichst dramatische Entwicklungen geht. Giovanni di Lorenzo lobt auf der ersten Seite der aktuellen „Zeit“ die Selbstkritik der Medien am Beispiel des Falls Relotius. Zu einer tieferen Selbstkritik würde es für mich auch gehören, sich der Frage zu stellen, warum Journalisten sich so oft als Propheten versuchen? Wie Sie vielleicht merken, beschäftigt mich diese Frage schon länger, und die aktuelle Ausgabe der „Zeit“ ist für mich nun der Aufhänger, die Frage auch einmal zu stellen – stellvertretend an Sie, im Grunde aber an Ihren gesamten Berufsstand (dessen Arbeit ich im übrigen sehr schätze, das sei last but not least noch gesagt). – Jens König


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Dank für die sehr anschauliche Darstellung, wie aufwändig eine ernsthafte Annäherung an die Interpretation von Koranversen sein kann. Wenn dies bereits für Fachleute gilt, die Arabisch können, die arabische Geschichte kennen und sich Jahrzehnte mit dem Koran befasst haben – was ist dann von einem Thilo Sarrazin zu halten, der für sein letztes Buch angibt, er habe sich einen Monat mit einer deutschen Übersetzung des Korans beschäftigt und jetzt wisse er Bescheid? Kombination von Ignoranz und Arroganz? In der guten anschaulichen Darstellung fehlen m.E. jedoch für die politische Diskussion und die polizeiliche Praxis in Deutschland zwei wichtige Gedanken:

  • In Deutschland ist im letzten Jahrhundert gesetzlich geregelt worden, dass Schlagen und Vergewaltigung in der Ehe strafbar sind. Diese Rechtslage gilt unabhängig von der Religion. Man kann darüber hinaus einen Muslim, der seine Ehefrau schlägt, auch darauf hinweisen, dass er sich nach überwiegender Auffassung islamischer Rechtsgelehrter an die Gesetze des Landes zu halten hat, in dem er lebt, wenn er dort nicht daran gehindert wird, den fünf Grundpflichten eines Muslims nachzukommen (Anerkennen eines einzigen Gottes, regelmäßiges Gebet, Almosen für Arme, Fastenzeit, einmal Wallfahrt nach Mekka). Das Schlagen der Ehefrau gehört eindeutig nicht dazu. Also hat ein Muslim sich auch nach islamischem Recht an das in Deutschland geltende Verbot zu halten – unabhängig von der Interpretation von Sure 4, Vers 34.
  • Generell zur Gewaltanwendung über Sure 4, Vers 34 hinaus: Es gibt seit Jahrhunderten unter muslimischen Gelehrten Diskussionen darüber, inwiefern der Koran Gewaltanwendung außerhalb der Selbstverteidigung ablehnt bzw. zulässt oder gar gebiete. Letztere Position wird von islamistischen Terroristen vertreten, die ihre Terroranschläge durch Verweis auf einzelne Verse im Koran legitimieren wollen. Es ist eigentlich absurd, dass die Sarrazins und Pegida immer wieder Koraninterpretationen propagieren, mit denen sie sich auf die Seite der Fundamentalisten oder gar Terroristen stellen und gegen diejenigen Muslime argumentieren, die unter Verweis auf den Koran Gewaltanwendung ablehnen. Merken sie nicht, dass sie damit den IS etc. ideologisch unterstützen? – Ulrich Waas

Leserbrief zu „Ein Blick in den Spiegel„ von Giovanni di Lorenzo

Als ich die Überschrift Ihre Artikels las, dachte ich zunächst, dass bei Ihnen und der ZEIT Einsicht eingezogen sei und Falschmeldungen, die durch Schwindler wie Herrn RELOTIUS herbeigeführt wurden, ohne Umschweife zugegeben würden. Stattdessen erfolgen wieder die selbstgerechten, oberlehrerhaften Parolen, mit denen uns die wunderbare Welt der ZEIT und der Mainstream Presse nahe gebracht werden soll. Warum hatte Herr RELOTIUS so viel Erfolg?,Weil er genau auf der Linie lag, mit der uns sei 2015 der von Gott gesandte Zuwachs von hoch gebildeten, hoch qualifizerten, weltoffen und toleranten Zuwanderen gepriesen wurde. Ich will nicht bestreiten, dass Sie gewisse Überteibungen selbstkritisch eingeräumt haben. Das hat Sie aber nicht daran gehindert, solche absurden Artikel wie von Herrn von Kittlitz über die AfD in Z ( ein begeistertes Plädoyer für Pressezensur) und den von Herrn Breuner absurden über die Schuld als Grundlage für unseren Patriotismus drucken zu lassen. Die hoch gejubelte Einrichtung von Parlamenten der Freunde der ZEIT führt in diese gleiche Richtung. Im übrigenemp finde ich es als Zumutung, als Freund der ZEIT bezeichnet zu werden, auch wenn ich seit fast 60 Jahren Leser Ihre Blattes bin. – Ulf Hanel


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Danke für diese ausführliche Betrachtung, Würdigung, Einordnung eines so alten Textes. Ich bin weder Muslim noch Christ, weder Historiker noch Theologe, erlauben Sie mir dennoch zwei kurze Bemerkungen:

  1. Dank gebührt Herrn Bobzin für den erneuten Versuch, den Koran in „aktuell verständliches“ Deutsch zu übertragen. Ich habe bei seinen (wenigen im Artikel angegebenen) Zitaten eine sehr große Ähnlichkeit gesehen zu der 1998 von Murad Wilfried Hofmann bearbeiteten Übersetzung von Max Hennings (1901).
  2. Zu Sure 4:34 gibt es Stimmen, die sagen, diese Aussage rufe zur Zurückhaltung auf. Es soll damals durchaus üblich gewesen sein, die Ehefrauen willkürlich zu schlagen (und schlimmeres). Dahingegen sei die Anweisung, erst zu reden, dann mit sexueller Abstinenz zu strafen und dann erst (leicht?) zu schlagen eine erhebliche Verbesserung für die Frauen. Gerade der finale Hinweis „… unternehmt nichts weiteres gegen Sie..“ deutet für mich darauf hin, dass es damals wohl zahlreiche weitere „Strafen“ gegeben haben dürfte. – Michael Koehn

Leserbrief zu „Räume keinesfalls deinen Platz“ von Zeruya Shalev

Einer der bedeutensten politischen Literaten der Welt – AMOS OZ – ist gestorben und hinterlässt ein großes Vakuum! Für seinen Nachruf blieb auf der unteren Seite noch ein wenig Platz übrig, da es anscheinend wichtiger ist, eine Rezension über Houellebecq’s neusten Roman zu veröffentlichen. Erst war ich entsetzt und dann wütend! Warum bekommt Houellebecq eine so große Plattform? mit großem Foto. Für Amos Oz blieb nur noch eine winzige Abbildung übrig. Ich habe Lesungen von Houellebecq erlebt, bei denen er betrunken und völlig desinteressiert am Dialog war. Er trat nur als Egomane auf, über Inhalt und Stil seiner Bücher kann man streiten., doch als politischen Literaten würde ich ihn nicht bezeichnen. Seine Provokationen sind einfach platt. – Sigrid Anft


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Dieser quälende Versuch einer Exegese liefert erwartungsgemäß wieder mal kein Ergebnis. Denn Exegeten verstehen es seit Alters her prächtig, die Bedeutung des geschriebenen Wortes je nach Laune vom direkten Wortlaut bis hin zum exakten Gegenteil auszulegen und als alleinige Wahrheit zu verkünden. Bleibt bitte realistisch. Religionen sind und bleiben soziokulturelle Erscheinungen ! Und wenn in einem wissenschaftlich fundierten Kulturvergleich heraus kommt, dass in Kultur A Frauen weniger Gewalt ausgesetzt sind als in Kultur B, dann gilt es das zunächst einmal neutral zur Kenntnis zu nehmen und einen konstruktiven gesellschaftlichen Dialog darüber anzuregen, wie mit solchen Kulturunterschieden innerhalb einer multikulturellen Gesellschaft umgegangen werden soll. – Till Buchmann


Leserbrief zu „Im Universum des Meisters“ von Leonardo Da Vinci

Ich bin unregelmäßig-regelmäßiger Leser Ihrer sehe gute Zeitung, die ich sehr schätze. Und ich freue mich, dass es sie gibt! Vielen Dank für Ihre aktuelle Ausgabe mit dem Titel übet Leonardo da Vinci. Eine kleine Anregung hätte ich. Wenn sie Aphorismen eines einen so geistrechen Menschen wiedergeben und auf dem klein gehalten Platz zwei Zitate mit „Arsch“ und „Scheißhaus“ auswählen, was bezwecken Sie damit? Wollen Sie die um sich greifende Tendenz zur Fäkaliensprache unterstützen? Es gibt doch so viele Zitat von Leonardo, die uns zum Nachdenken inspirieren können, wie z. B. Ich habe schon in jüngsten Jahren dem Essen von Fleisch abgeschworen, und die Zeit wird kommen, da die Menschen, wie ich, die Tiermörder mit den geleichen Augen betrachten werden, wir jetzt die Menschenmörder. Leonardo da VinciEckhart Wunderle


Leserbrief zu „Amtsmüde“ von Niclas Seydack

Es mag ja sein, dass in Estland vieles moderner ist und der Föderalismus trägt sicher seinen Teil dazu bei, dass in Deutschland manches hinterherhinkt, aber Steuererklärungen können auch in Deutschland seit einigen Jahren online eingereicht werden. In vielen Fällen sind die Bürger sogar gesetzlich dazu verpflichtet. – Gebhard Völker


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Ich habe aufmerksam Ihren Artikel im Dossier zur Sure 4, Vers 34 gelesesen. Das Thema ist ernst, der Artikel sicher ehrlich recherchiert. Doch im Ergebnis bleiben leider alle wichtigen Fragen offen:
1. Welche religiösen Lehrmeinungen sind in der islamischen Welt, sowohl der sunnitischen wie der schiitischen, zur Sure 4 Vers 34 heute im Jahr 2019 tonangebend?
2. Was für eine Exegese dieser Sure wird von den Korangelehrtern weltweit, also auch in deutschen Moscheen, gepredigt?
3. Welche Fatwas haben in der gesamten muslimischen Welt anerkannte Muftis zur Sure 4, Vers 43 gesprochen?
4.Wie haben sich die Flüchtlingsbewegungen von Muslimen nach Europa seit 2015 auf die Lebenswirklichkeit von Musliminnen in Deutschland ausgewirkt?
5. Wie zutreffend ist die Empfehlung innerhalb der „muslimischen Community“, mit „Ungläubigen“ nie über Religion, Familie und Sex zu sprechen?
6. Welche konkreten Auswirkungen haben die Ansichten der im Artikel zitierten deutschen „Islamexperten“ auf aktuelle Gerichtsentscheidungen und die Lebenswirklichkeit von Millionen Frauen in islamischen Ländern? Kennt dort jemand diese Experten überhaupt?
DAS sind die Fragen, auf die ich gerne Antworten gelesen hätte, die ich in Ihrem Artikel leider nicht bekomme. Solange ein Qualitätsmedium wie die ZEIT diese Fragen nicht beantwortet, werden es eben weiterhin andere tun. Schade. – Stephan Giering


Leserbrief zu „Frische Luft im Kopf“ von Anna von Münchhausen

Gestern las ich Ihren Artikel “Frische Luft im Kopf”. Da ich seit vielen Jahren Yoga praktiziere und nebenbei aus Oberbayern komme, ist mir beim betrachten des Fotos folgendes in den Sinn gekommen. Der gepriesene Zenmeister und Yogalehrer hatte wohl eine grundlegende Anleitung vergessen. “ Das Gesicht zeigt ein Lächeln”.Wenn es nicht natürlicherweise erscheint, kann man sich dadurch helfen, dass in der Vorstellung die Mundwinkel und die Augenwinkel leicht nach oben zeigen. Ein kleiner Tipp für die nächste Session! – Rosa Maria Berger


Leserbrief zu „»Merkel kann man vertrauen«“ von Giovanni di Lorenzo

Conte: Wir haben bereits eine Steuersenkung vorgenommen für alle Selbstständigen, deren Einkommen unter 65.000 Euro liegt, sie zahlen jetzt nur noch 15 Prozent.
ZEIT : In Deutschland greifen da längst Spitzensteuersätze von über 40 Prozent!
Lieber Herr Lorenzo, ich lese die Zeit seit ca. 40 Jahren aus Überzeugung mit Vergnügen, früher Second Hand in Papierform, heute online auf dem Tablet. Nun muss ich Sie kritisieren! Ihre obige Aussage ist missverständlich, nein sie ist falsch. Wie auf den Seiten der Oberfinanzdirektionen unter der Rubrik Steuern – Interaktiver Abgabenrechner bequem, gänzlich ohne Kenntnisse der Mathematik zu ermitteln ist, beträgt die tarifliche Einkommensteuer 2019 bei 65.000,00 € zu versteuerndem Einkommen bei Einzelveranlagung 30,06% und beträgt der Grenzsteuersatz 42 %, bei einer Zusammenveranlagung liegt die tarifliche Einkommensteuer bei 19,67 % und beträgt der Grenzsteuersatz 31,85 %. Bei einem zu versteuerndem Einkommen eines Alleinstehenden in Höhe von € 710.000,00 beträgt die Einkommensteuer 44,99% und die Grenzbelastung 45%. Der Spitzensteuersatz in der BRD lag zwischen 2004 und 2018 konstant bei 45 %. Da stellt sich die Frage, nach dem Leistungsprinzip ( wer mehr kann, soll mehr geben!) und empfiehlt sich die Lektüre von Borcherts “ Sozialstaatsdämmerung“! Entscheidend für den realistischen Vergleich der europäischen Steuersätze ist die präzise Definition von Steuer- und Grenz- und Spitzensteuersatz. Manchmal ist eine Beispielsrechnung hilfreich. – Dr. C. Fuhrmann


Leserbrief zu „Bulldozer im Bauch“ von Anja Rützel

Gestern las ich Ihren Artikel. Was sofort ins Auge fiel, war das Foto mit dem Hund im Bett! Ich glaube nicht, dass darüber im Hotel “Die Wasnerin” bei diesem Anblick helle Freude herrschte. Das “Hundelager” dürfte auch kaum im Zimmerpreis inkludiert gewesen sein. Sicher werden das so manche Hundefreunde-u.innen zum Leidwesen der Hoteliers ebenso praktizieren aber dann gleich ein großes Foto in die Zeitung! Ich könnte mir vorstellen, dass Sie vom Hotel noch eine Nachberechnung für Hundeübernachtung im Bett erhalten. Ich hätte volles Verständnis dafür. – Rosa Maria Berger


Leserbrief zu „Keine Lust auf Frust“ von Martin Machowecz

Leider kommt genau dieser Frust bei mir auf und das schon beim Lesen der Titelseite. Ich werde mit dem Begriff AfD bombardiert, achtmal in diesem Artikel, sechsmal in der ersten Spalte. Das Ergebnis ist, das sich der Begriff in meinem Kopf festsetzt, ob ich das will oder nicht. Muss man der Partei eine derartige Plattform bieten ? Ist die kritische Berichterstattung zielführend, wenn sie das Unterbewusstsein des Lesers derart einseitig polarisiert? Ich verstehe ja das es ein Problem mit der „ד gibt und will das auch gar nicht verdrängen, aber ich finde die geschätzten Journalisten könnten die Verwendung dieses Begriffes durchaus etwas runterfahren ohne das der Leser Gefahr läuft, wichtige Informationen zu verpassen oder etwas misszuverstehen. Es gibt weitaus berichtenswertere Dinge und die Gefahr des Stimmenfanges wird sicher nicht damit verringert, das man den Begriff „x“ permanent und überall in die Welt hinausposaunt. Man sollte eher wie mit Gefahrengut damit umgehen. Und das einzige Mal, das der Autor einen anderen Parteinamen erwähnt, versteckt er diesen auch noch in einer Klammer – (CDU). Die „ד scheint eindeutig auf dem Vormarsch zu sein und es bleibt zu hoffen, das sie nicht durchmarschieren wird. – Gunnar Walther


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Bereits das Alte Testament hatte nahegelegt, unter Feinden Auge um Auge und Zahn um Zahn zu vergelten. Das war schon ein Fortschritt gegenüber Blutrache, die ganze Clans vernichtet hatte. Es ging also um weniger Gewalt. Aber es ging noch immer um Legitimierung von Gewalt. Auch das Neue Testament liest sich nicht völlig gewaltfrei. Nun zur Sure 4, Vers 34 im Koran:

Ca. 600 Jahre n. Ch. gab es offenbar Frauen, die denken und sprechen konnten, wenn dieser Vers nötig schien. Häufig standen wohl außerdem zu Mohammeds Zeiten mehrere Ehefrauen einem einzigen Ehemann gegenüber, vertraten auch mal gegenteilige Meinungen zu der seinen. Sicher schwierig. Damit aber Frauen Männern weiterhin unterstellt blieben, musste die Gewalt der meist größeren körperlichen Kraft des Mannes als „letztes Mittel“ legitimiert werden. Heute decken sich diese Denkansätze nicht mehr mit den Auffassungen, die unserer Gesetzgebung zugrunde liegen. Kein Anhänger der drei „ Buchreligionen“ kann sich mehr berufen auf die Gewalt legitimierenden Stellen seines jeweiligen Glaubenswerkes, ebensowenig auf die Unterordnung eines Geschlechts! Stattdessen Diskussion auf Augenhöhe und Bereicherung des jeweiligen Blickwinkels. Mehr gibt es nicht zu sagen. – Susanne Pettau


Leserbrief zu „DIE 500. WISSEN-INFOGRAFIKSEITE“ von Tin Fischer et al.

Ich habe rund gerechnet 20 Jahre eine medizinische Zeitschrift herausgegeben. Dazu musste ich viele medizinische Zeitschriften lesen, New England Journal of Medicine, Lancet, JAMA, und wie die großen alle heißen. Ich musste viele Sachen überfliegen. In medizinisch-wissenschaftlichen Artikeln steht das Meiste und das Wichtigste in Grafiken. Das erste, was ich mir ansah, waren diese. Das Wichtigste an ihnen, um sie richtig und schnell zu verstehen, ist, dass die Ordinate und die Abszisse eindeutig gekennzeichnet sind. Also nicht etwa % , sondern z.B. % der Erkrankten in der Ordinate und Tage der Dauer der Erkrankung auf der Abszesse. Hat man begriffen, was auf der Ordinate und Abszisse steht, ist alles klar. Diese Konsequenz und damit gute Lesbarkeit habe ich bei der ZEIT, die ich seit 1966 lese. Rein grafisch sind die Grafiken vorzüglich. Zum schnellen Lesen und Begreifen ungeeignet. Können Sie das nicht verbessern? Ist doch ganz einfach! – Prof. Dr. med. D. Höffler


Leserbrief zu „Sie sieht mich einfach nicht“ von Sven Behrisch

Lisa del Giocondo, war eine junge Frau um die 20 Jahre, eher noch jünger. Sie war auf diesem Porträt schwanger, etwa jenseits der 30.Schwangerschaftswoche. Einige Wochen später hatte sie eine Totgeburt. Wir sehen das Bild einer Schwangeren mit EPH-Gestose, die sich stark einer Präeklampsie nähert. Die typischen Zeichen sind Wassereinlagerungen im Gewebe, Eiweiß im Urin und Bluthochtruck. Auf dem Gemälde sieht man die stark wassereingelagerten Hände / Finger. Ebenfalls sind im Gesicht Wassereinlagerungen, vor allem um die Augen, was diesen typischen präeklamtischen Gesichtsausdruck hervorruft. Bei einer schweren EPH-Gestose bzw. Präeklampsie sterben die Kinder intrauterin an einer Placentainzuffizienz. Ich lese Ihre Zeitung etwa seid 36 Jahren. Manchmal wundere ich mich, wie man , auch wenn man nichts zu sagen hat, viele Seiten mit leeren Wörtern füllen kann. Seite 39 war mal wieder ein Artikel mit lauter geschwollenen Adjektiven ohne Inhalt.
P.S. nicht bewiesen: vielleicht hat die Familie Giacondo das Bild einfach nicht abgeholt, weil das Gemälde an ein totes Kind erinnerte. – Rita Greis-Jakobs


Leserbrief zu „Über Totschweigen und Pressefreiheit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Die meisten ihrer Kolumnen finde ich vorzüglich. Die über die Bekämpfung der Fluchtursachen habe ich als Kopie in meinem ganzen Freundeskreis herumgeschickt. Nun zu ihrer neuen Kolumne:
Gerne wird von Voltaire zitiert: „Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen.“ Oder „Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, daß Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen.“ Über die genaue Formulierung dieser Äußerung wird gestritten. Man kann in Google nachschauen. Der Kern aber stimmt. Ich halte es mit Voltaire. – Prof. Dr. med. D. Höffler


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Dieser mit viel interkulturellem Verständnis und Ergebnisoffenheit geschriebene Beitrag verdeutlicht, wie problematisch die Übersetzung bzw. die Übertragung einzelner Texte, Textstellen oder Worte sein kann. Zum “Begreifen“ der Entstehungsgeschichte dieser – aus Sicht von Muslimen und Musliminnen – von Gott übermittelten Botschaften gehört der historische Kontext: Seinerzeit war das heutige Saudi-Arabien durch ethnisch unterschiedliche Stämme besiedelt, die vorrangig nomadische oder halbnomadische Viehhaltung betrieben und im mobilen lokalen oder regionalen Handel und den damit verbundenen Transport-Dienstleistungen , aber auch im Fernhandel ihre wirtschaftliche Lebensgrundlage fanden. Das Land bestand weitgehend aus lebensfeindlicher Wüste mit wenigen Oasen und einigen Städten. In dieser Zeitperiode vor rund 1400 Jahren fanden sich urbane Hochkulturen oder -Zivilisationen mit fortschrittlicher Wissenschaft und Technik und hochentwickelten landwirtschaftlichen Landnutzungs- und insbes. Bewässerungssystemen nördlich von Saudi-Arabien in Ländern des heutigen Irak, Syriens oder Irans.

Grundsätzlich: Für gläubige Muslime und Musliminnen hat Gott durch den Erzengel Gabriel Botschaften an den Propheten Mohammed gesandt: Diese „ offenbarten Worte des einzigen Gottes“ sind daher aus einer solchen Überzeugung unumstößlich, unangreifbar, nicht diskutierbar oder interpretierbar. Fragen zum Inhalt oder dem Prozess der Vermittlung dieser Botschaften sind – in diesem Verständnis – unzulässig, so z.B. die Fragen, warum ausgerechnet der Gesandte Gottes nicht wusste, dass der Prophet Mohammed nicht lesen konnte, wie auf Pferden Himmelsritte oder fliegende Fernritte stattfinden konnten, und warum – vor allem – Botschaften übermittelt wurden, die im Grunde sämtlich schon im Alten und Neuen Testament bzw. der Thora enthalten sind. Bezogen auf monotheistische Religionen oder Glaubenssysteme ist allerdings festzuhalten, dass „Heilige Schriften“ Generation von Menschen seit Jahrtausenden oder Jahrhunderten beglücken und verführen. Vielleicht hätten die Autoren auch Gespräche mit weiteren Wissenschaftlern oder Autoren führen können, wie z.B. mit Frau Prof. Gudrun Krämer, Prof. Dr. Abdel-Hakim Qurghi oder Hamed Abdel-Samad. – Dr. Diethard Mai


Leserbrief zu „Denken ist keine Sünde“ von Thomas Assheuer

Meinen Glückwunsch und Dank zum Spezial über Leonardo da Vinci an das Gesamte Autoren-Team der ZEIT. Ein Leuchtturm in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte:offen,respekt-und niveauvoll von Journalisten kompetent und undogmatisch aufgeklärt und auf der Höhe der Zeit geführt. Anders als Journalisten dürfen nur Schriftsteller/Literaten Dinge erfinden und benennen:z.B. einen „Weißen Wal“oder „Killer-Hai“,ein Mädchen im Wunderland oder einen „kleinen Prinzen“ sogar. Was gute ,ernsthafte Journalisten aber nicht dürfen,sind „das penetrante/subversive Ineinanderfließen von eigner Meinung/Gesinnung und Fakten“!(Aussage des eignen Chefs). Ihr Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hat völlig recht,wenn er das als Auswüchse/Fehler mancher Medien anklagt und beklagt(Hier passiert dasselbe jedoch im eigenen Hause) Für mich als wachsamer Leser ist das,dass eigentliche „verbale Gift“ im selbstherrlichen Teil des Journalismus ,der zwar eine Annäherung am Abbild der Welt sucht,sich jedoch die Realität in Echtzeit durch Vermischung von eigner Meinung/Gesinnung mit den Fakten selbst zu streamen versucht,um es lesbar und verdaulich zu gestalten.(siehe Fall Relotius) Der geschriebene Journalismus darf aber nicht Dramaturg und Theater-Direktor in einer Person simulieren wollen.(Was die Journalisten -Schulen angeblich als Zeitgeist predigen) Wissenschaftlicher Journalismus zeichnet sich allein durch scharfe,ausgewogene Analysen in Reflexionen der Verhältnisse und Entwicklungen in Gegenwart und Vergangenheit allein bloß aus.

Ihre Meinungen dazu sind überhaupt nicht gefragt.Nur das führt zu neuen Selbstfindungsprozessen von Dynamiken in unserer Zeit. Ihre Behauptungen als „entseelter Welterkenner und Nichtsünder“,lieber Goethe Kenner ,sprechen Bände für mich: „Heute ,ein halbes Jahrtausend später ,existiert die Leonardo-Welt nicht mehr,(Warum beschäftigt sich dann ein ganzes Team damit?) die Vorstellung einer beseelten Schöpfung ist passe`´(Todesurteil für alle Gläubigen).Im Anthropozän,das ist unser Zeitalter,verschwindet die Grenze zwischen Natur und Zivilisation,weil ein chinesischer Forscher die Gensubstanz manipuliert und ihre Natur zu seinem Produkt macht“(Zweckbehauptung) Das ist für mich ein Musterbeispiel für eine gezielte Vermischung von eigner Meinung/Gesinnung mit der Faktenlage.! Der chinesische Forscher hat doch lediglich alias Leonardi da Vinci den“Schmutz der Unwissenheit herausgewaschen“. Daraus sollten wir keine falschen Schlüsse ziehen mit „Die Modernen fabrizieren dieses Kunstwerk künftig selbst“.Und damit ist die Vorstellung einer beseelten Schöpfung doch keinesfalls passe´und aus der Welt katapultiert(nur Ihre eigne Vision allein).Auch die Trennung von Natur und Zivilisation kann nicht aufgehoben werden .Sie ist unauflösbar ,weil diese selbst ein Schöpfungsakt darstellt und die Zivilisation Menschenwerk darstellt. Die beseelte Schöpfung ist nur eine Glaubens-Haltung /bürgerlich -humanistische Lebensauffassung .! Hieran scheiden sich die Geister,das dürfte auch unser Goethe dazu sagen. – Lothar Hantel


Leserbrief zu „Du siehst aus, wie ich mich fühle“

Gerade habe ich die beiden divergierenden Leserbriefe zur o.g. Kolumne in der ZEIT No. 2 gelesen. Als Fan dieser Kolumne, auf die ich mich jede Woche freue, weil sie mich wirklich immer köstlich amüsiert, möchte ich die Frage der ebenfalls begeisterten Leserin wiederholen: Gibt es ein Buch zu dazu? Wenn ja, würde ich es sofort kaufen. Wenn nein: Warum eigentlich nicht? – Ilona Daiker


Leserbrief zu „Ich liebe Handball“ von Sophie Passmann

Wenngleich ich die Passion für Handball mit Sophie Passmann nicht in gleicher Weise teile, so fand ich den Artikel in seiner überzeugenden Begeisterung für diese Sportart grandios. Schade nur, daß er nicht anstelle der ‘Fußballseite’ stand. Gegen eine Sportseite in der ‘Zeit’ ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Es gibt noch unendlich viele Sportarten, über die sich in ähnlicher Weise berichten ließe. Nur bitte nicht weiterhin über Fußball. Wer sich dafür interessiert, möge sich doch den ‘Kicker’ kaufen; macht er wohl sowieso. – Bernd Bornhoff


Leserbrief zu „Nicht Mann, nicht Frau – sondern Person“ von Jochen Bittner

Herr Bittner begrüßt die Bereitschaft des Staates, ‚intersexuellen Personen‘ die entsprechende Anerkennung zu gewähren. Dem ist sicherlich zuzustimmen. Dennoch verkennt der Artikel die eigentliche Problematik der Intersexualität. Sie besteht eben darin, dass ein geschlechtliches ‚Zwischen‘ als ein solches keinen Identität verleihenden Inhalt trägt. Wir können zwar sagen, wer ‚Mann‘ und wer ‚Frau‘ ist oder wie es ist, sich als ‚weiblich’oder ‚männlich‘ zu fühlen. Aber wer ist man eigentlich, wenn man weder Mann noch Frau ist? Dieser quälende Leerzustand geschlechtlicher Identität wird auch nicht durch den geschlechtsneutralen Begriff der ‚Person‘ aufgehoben oder dadurch, dass der Staat ihn als ‚divers’anerkennt. – Dr. Roland Schürmann


Leserbrief zu „Ein Blick in den Spiegel„ von Giovanni di Lorenzo

Nicht der SPIEGEL wurde von Herrn Relotius betrogen, sondern die Leserinnen und der Leser vom SPIEGEL. Die „Selbstaufklärung“ war nicht frei von Aufgeblasenheit und erfolgte zur Schadensbegrenzung in eigener Sache. Der Baron von Münchhausen konnte sich am Schopf aus dem Sumpf ziehen, dem SPIEGEL wird es nicht gelingen, wenn er sich nicht für Diskurse öffnet. Gesinnungsjournalismus findet bekanntlich in geschlossenen Systemen den besten Nährboden. Mit einer Mixtur aus Krokodilstränen, Selbstmitleid und Arroganz kann er nicht überwunden werden. Kommen zur Einsicht nicht Demut und Reue hinzu, werden Überheblichkeit und der Wunsch nach „weiter so“ im Vordergrund bleiben, egal welche Untersuchungen noch folgen. – Lüder Stipulkowski


Leserbrief zu „Amtsmüde“ von Niclas Seydack

Vielen Dank für Ihren Artikel! Ich würde gern mit der “Zeit” zusammen einmal über einen jungen eritreischen Flüchtling berichten, der durch das kafkaeske Mürbemachen der Behörden – und die mangelnde Unterstützung seines Jugendhilfe-Trägers – so verzweifelt war, dass er Richtung England weitergeflohen ist. Er lebte drei Monate auf der Straße und wurde in Calais immer wieder von Spürhunden aus seinen Verstecken geholt, sodass die Überfahrt nach England misslang. Erst als sein Geld gestohlen wurde, meldete er sich und nach weiteren Wochen des Zuredens konnte ich ihn überzeugen nach Hückeswagen zurückzukehren. Am Vorabend von Silvester haben meine Frau und ich ihm vom Hbf Düsseldorf abholen können! Zurück in Hückeswagen verwehrte man ihm in der Jungendhilfe jede Unterstützung! Ob sich ein Sozialamt seiner erbarmt, ist noch völlig offen. Der Flüchtling wäre bereit, von seinem Schicksal und der Flucht nach der Flucht zu berichten! – Marcel Haldenwang


Leserbrief zu „Ein Blick in den Spiegel„ von Giovanni di Lorenzo

Relotius an den Pranger stellen und allgemeine journalistische Stilkritik helfen nicht weiter. Warum es ausgerechnet vor allem den SPIEGEL traf, und warum so viele mitgemacht haben, darüber gilt es nachzudenken. – Lüder Stipulkowski


Leserbrief zu „Was passiert, wenn…“ von Matthias Geis

Ich wünsche mir Szenario Neustart 2. Mit der Minderheitsregierung unter AKK bekäme das Parlament endlich wieder die Verantwortung und Macht, die ihm im Sinn der Gewaltenteilung zusteht. Zuletzt trat das Parlament ja als Abnickgremium der Regierung in Erscheinung. Da passt es auch gut dass AKK dem Parlament gar nicht angehört. – Christian Voss


Leserbrief zu „Mein Neujahrswunsch“ von Ulrike Gastmann

Als Mitglied der Europa Union schließe ich mich Ihrem Neujahrswunsch für Deutschland/Europa sehr gern an. Die ZEIT hat sich auch schon im vergangenen Jahr herausragend gegen mediale Hetze engagiert. Ja, „wir brauchen eine freundliche Sprache.“ Dies haben auch Frank Plasberg und alle seine Gäste betont, als es in der letzten Sendung von „hart aber fair“ um „Diskriminierungen“ zulasten von AKK in Tageszeitungen ging, wie etwa die wenig „freundlichen“ Bezeichnungen „Merkel Klon“ oder „Mini-Merkel“. Gewiss macht „DIE ZEIT“ ihre „inspirierende“ Schreibe auch geltend, wenn es etwa im Presserat darum geht, verbalen Exzessen zu begegnen.* Der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin sind mit den Ansprachen zum Neuen Jahr auf Ihrer Seite.
* Im Herbst 2018 verbreitet eine renommierte deutsche Tageszeitung in einem Leitartikel: „Angela Merkel ist die am tiefsten gehasste Politikerin in Deutschland“ Frank Müller-Thoma


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Allein schon die übervorsichtigen, ja geradezu ängstlichen Recherchen der Autoren zu diesem brisanten Dossier halte ich für besorgniserregend. Und es sollte ein Alarmzeichen sein, dass es viel Mut braucht, um über eine Sure im freien Europa tabufrei zu diskutieren. Eine weitere, äußerst bedenkliche Sure ist die Sure Nr. 2, Vers 191: „Tötet die Ungläubigen, wo immer ihr sie findet.“ – Maria Schmuckermair


Leserbrief zu „Ich liebe Handball“ von Sophie Passmann

Zu Ihrer neuen Kolumne: Geradeaus, komplex und mit guter Länge! – so hieß es auf dem Etikett des Lieblingsweins meines Vaters ;-) Solch einen Vergleich hören Sie als Autorin vielleicht nicht so gern. Bitte sehen Sie mir das nach. Ich freue mich darauf, wie Sie die Daunenjacken in die Pfanne hauen. – Moritz von Woellwarth


Leserbrief zu „DIE 500. WISSEN-INFOGRAFIKSEITE“ von Tin Fischer et al.

„Kein Land in Europa hat so viele Flüchtlinge aufgenommen wie Deutschland.“ Das mag durchaus stimmen und soll hier auch nicht klein geredet werden, aber die blaue Grafik auf Seite 35 ist eine jener oft zu beobachtenden „Gefälligkeiten“, mit der ein positiver Eindruck erweckt oder noch verstärkt werden soll. Hier wird Deutschland – in absoluten Zahlen – mit Staaten verglichen, die gerade mal 1/10 so groß sind. Ehrlicher – und aussagekräftiger – wäre ein Vergleich Deutschlands mit Frankreich, Italien, England und Polen gewesen. – Günther Lettau


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Es geht nicht um Heuristik, sondern um Politik – nicht um den Koran, sondern um die AfD. Heiligen Schriften aus ferner Vergangenheit werden nicht ausgelegt, sondern missbraucht – auf der einen Seite, zum Aufruf zur Gewalt, auf der Anderen, für politische Zwecke. Hier spielt Sachkenntnis keine Rolle: antisemitische Kreise, wie die amerikanischen Evangelikalen, treten für Israël ein, weil sie aus der Apokalypse ersehen, dass das Jüngste Gericht den Juden den Sieg zusprechen muss. Und die AfD empört sich über das Unrecht, das islamistischen Frauen erleiden, ohne sich ansonsten für Feminismus zu engagieren. – Louis Hay


Leserbrief zu „Was passiert, wenn…“ von Matthias Geis

Kürzelwahn
Wann hören Sie – und die Medienlandschaft insgesamt- damit auf, den Namen der neuen Vorsitzenden der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, auf das Kürzel AKK zu reduzieren? Die „Zeit“ hat es nicht nötig, auf dieser Welle des vermeintlich hippen Minimalismus mitzuschwimmen. Überzeugen Sie weiterhin durch seriösen, respektvollen und von Empathie geprägten Journalismus. – Willi Funke


Leserbrief zu „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ von Franz Alt

Ein ganz wunderbarer Artikel. Hoffe, er erreicht den Vatikan ganz schnell. Danke, Franz Alt ! – Ruth Florio


Leserbrief zu „Amtsmüde“ von Niclas Seydack

Selten hat mir ein Artikel so aus dem Herzen gesprochen, wie der über die nicht vorhandene Digitalisierung der Verwaltung in Deutschland. Zum heutigen Stand der Technik existiert kein vernünftiger Grund, aus dem Bürger zur Anmeldung eines Autos oder zur Beantragung eines Passes persönlich in einem Bürgeramt erscheinen müssten. Die durchaus sensible Steuerklärung lässt sich doch auch schon seit Jahren abgeben, ohne persönlich auf einem Finanzamt antanzen zu müssen. Ich frage mich ernsthaft, was wir Bürger eigentlich verbrochen haben, dass wir derart mit der Inkompetenz und Ignoranz von Politik und Verwaltung gestraft werden. Ach ja, Digitalisierung heißt übrigens nicht, dass ich mir ein paar Formulare herunterladen und dann zu Hause ausfüllen kann, um sie schließlich ausgefüllt persönlich wieder abzugeben. Das nennt sich Steinzeit. – Priv.-Doz. Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Andreas Zabel


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Vielen Dank für den hervorragenden Artikel von Malte Henk und Henning Sussebach bezüglich Koran – Sure 4,Vers 34.Da ich selbst viele Jahre in muslimischen Ländern gelebt habe,habe ich den Artikel mit besonderem Interesse gelesen.Die 1052 Seiten von Tillmann Nagel habe ich mir nicht angetan, verweise aber auf das Buch „Mohammed. Eine Abrechnung“ von Hamed Abdel-Samad im Drömer Verlag und andere von ihm über den Islam geschriebene Bücher. – Ulrich Zilkens


Leserbrief zu „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ von Franz Alt

Welche Logik liegt denn bitteschön der These zugrunde, die Evangelien müssten, um den Inhalt in ihrem ursprünglichen Sinn wiederzugeben, ins Aramäische übersetzt werden? Das ist doch, gelinde gesagt, Humbug; es gab nie eine Aufzeichnung der Worte Jesu in aramäischer Sprache. Die Bücher des Neuen Testaments waren von Anfang an griechisch. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Wenn Günther Schwarz und Franz Alt nun einen Text in eine Sprache transferieren, die sich ebenfalls im Laufe der letzten 2000 Jahre verändert hat, erst dann ergibt sich eine gefährliche Inhaltsverfälschung. Diese Praxis entfernt sich eher vom sowieso kaum greifbaren historischen Jesus, als dass sie sich ihm annähert. – Ralph Manhalter


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Richtig! Der Koran ist nicht vereinbar mit dem deutschen Grundgesetz, das in Kapitel 3 festschreibt: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“. Aber die Bibel auch nicht! Da belehrt der Apostel Paulus die Gemeinde in Ephesus: „Die Frauen sollen sich ihren Männern unterordnen, als gälte es dem Herrn; ist doch der Mann das Haupt der Ehefrau.“ (Eph. 5,22) Und in fünf anderen Briefen wiederholt er dieses Gebot. Den Frauen der Korinther schreibt er vor, beim Beten den Schleier zu tragen, „denn nicht der Mann kam aus der Frau, sondern die Frau aus dem Manne; auch ist der Mann nicht um der Frau willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen.“ (1 Kor 11,8f.) Aber niemand kommt auf den Gedanken, die Gewalt deutscher Ehemänner gegenüber ihren Frauen und die offensichtlich unausrottbare Benachteiligung der Frauen durch deutsche und wohl zumeist christliche Männer mit dem Hinweis auf die Bibel zu erklären. Da fällt mir nur Goethes Ratschlag ein: „Ein jeder kehre vor seiner Tür, und rein ist jedes Stadtquartier.“ – Dr. Lutz Hoffmann


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Das Dossier von Malte Henk und Henning Sussebach ist verdienstvoll. Denn die Diskriminierung des weiblichen Geschlechtes im Islam ist nun einmal ein Faktum. Selbst die klügste Exegese oder besonders intelligente Übersetzungen können nicht diesen Tatbestand vernebeln. Der Koran ist in Schrift und Sprache gegossenes Patriarchat! Nur dürfen sich eben christlich geprägte Kulturen nicht einbilden, frei von männlichem Überwahn zu sein. ^Der jetzt wieder virulent gewordene Widerstand radikaler männlicher Hindus dagegen, daß auch Frauen hinduistische Tempel nunmehr aufsuchen wollen, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Intoleranz bestimmter religiöser Bekenntnisse , insbesondere was die Ablehnung der Gleichberechtigung der Geschlechter anbelangt. Ist eigentlich die Tatsache, daß in der Bundesrepublik nur Männer in Moscheen gemeinsam beten mit dem GG überhaupt vereinbar ? Wie ist die ganz offenbare Diskriminierung von Mädchen und Frauen bei ultra- orthodoxen Juden zu bewerten? Große Teile des offiziellen Islams bestreiten im Übrigen , daß es allgemeine Menschenrechte gibt. Die Scharia gehe Allem voran !! ^^ Es ist überfällig, daß der Koran bzw. die herrschenden Versionen des Islams eine Art von Reformation von innen heraus erfahren. Von außenläßt sich dies aber nicht aufzwingen. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Was passiert, wenn…“ von Matthias Geis

Seit dem Bestehen der Koalition wird konstant darüber spekuliert, wie sie wieder enden könnte. Dies liegt zweifellos an den Krisen, die sie hatte und den schlechten Umfragewerten der SPD und der Union, weswegen man der Spekulation eine gewisse Legitimität zusprechen kann. Dennoch bedient der Artikel ein in der öffentlichen Meinung weit verbreitetes Narrativ der sich nur um sich selbst drehenden, untätigen großen Koalition, die – wie Sie schreiben – „geringe Lust am Regieren habe“ und bloß wie eine „Notregierung“ wirke. Trotz ihrer Probleme übertönt dieses Narrativ die faktischen Regierungsleistungen der GroKo: Fachkräfteeinwanderungsgesetz, Teilzeitgesetz, paritätische Krankenversicherungsbeiträge, Baukindergeld, Gute-Kita-Gesetz, Musterfeststellungsklage und Vorhaben, die auf dem besten Weg sind 2019 verabschiedet zu werden. Sicherlich gibt es in der Presse auch ein erhöhtes Interesse an Dauerspannung in der Politik, aber ich erwarte von einem Blatt wie der ZEIT, sich nicht an dem unverhältnismäßigen Geläster über die GroKo zu beteiligen, sondern die Fakten in den Mittelpunkt zu stellen und sich mit den tatsächlichen Problemen der Politik zu beschäftigen. Eine vermeintlich regierungsunwillige Koalition ist keines davon. – Julian Danker


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Bei der Auslegung des Koran sollte sich der Autor vorzugwseise islamischer Quellen bedienen, wie z.B. dem anhängenden Koran-Auszug(Sure 4, Vers 34). Besonders wenn diese Auslegung unseren heutigen Vorstellungen weitestgehend entspricht. – Erdmann Pfuhl


Leserbrief zu „Ein Spezial zum 500. Todestag von Leonardo da Vinci“ von Hanno Rauterberg et al.

Bei dem informativen Schwerpunkt über Leonardo da Vinci fehlt leider ein Aspekt, der im Selbstverständnis des Genies eine wichtige Rolle gespielt hat: da Vinci als spirituell Suchender. Er war bewandert in vielen Disziplinen, hatte Kontakt zu esoterischen Zirkeln und schätze vor allem die Astrologie. Ausdruck davon ist unter anderem „Das letzte Abendmahl“. Schaut man die zum Teil sehr seltsamen Bewegungen und Haltungen der zwölf Jünger unvoreingenommen an, wird schnell deutlich, dass es sich dabei um eine allegorische Darstellung des astrologischen Tierkreises handelt, vom dynamischen Widder (Simon) ganz rechts bis zum Fisch (Barthalomäus), der mit einer gewissen Gelassenheit dem hektischen Treiben zuschaut, ohne wirklich beteiligt zu sein. Die akademische Kunstgeschichte tut sich schwer mit dieser Erkenntnis, dabei müsste sie nur auf Aby Warburg hören, der schon vor 100 Jahren erkannt hat, dass viele Werke großer Künstler ohne fundierte astrologische Kenntnisse nicht wirklich zu erfassen sind. – Klemens Ludwig


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Ich möchte mich bei Ihnen und bei der Zeit für dieses Dossier ausdrücklich bedanken. Ein Artikel über ein wichtiges Thema (darf ein Muslim seine Muslima schlagen), sehr differenziert dargestellt, versucht historisch und linguistische korrekt zu bleiben, ein modernes zeitnahes, auch ein sehr politisches und für manche auch ein sehr persönliches Thema, immer auch kleine Zeitbezüge einblendend. Sie haben mit vielen Personen aus angrenzenden Gebieten (Kriminologie, Geschichte, Religionswissenschaften) gesprochen und zum Ende einen konkreten Fall eingeblendet, was gut und wichtig war. Sie hatten immer die Differenziertheit und die Komplexität des Themas im Auge und verloren sich nicht in Details. Sie haben den Leser vor vorschnellen Argumenten und Urteilen abgehalten oder es zumindest versucht. Vor allem haben Sie nie den Leser vergessen, der ja jetzt lebt und liest und um Aufklärung und Entscheidung ringt oder ringen muss. So war auch immer ein wenig Humor zur Stelle, wenn es sein musste und es musste doch häufig sein. Dafür sei Ihnen Dank. Weiter so und viel Erfolg bei der Aufklärung. – Hans Lazarus


Leserbrief zu „Käse für den Präsidenten“ von Alice Bota

Endlich jetzt einen Beitrag, der einmal exemplarisch darlegt was man an Positives erkennen kann, wenn ein Land verhindert, dass der eigene Markt mit Billigprodukten von woanders überschwemmt wird. Ich warte darauf, bis Afrika es Russland gleichtut. Zum Beispiel billige Tomaten aus Europa würden den Markt dort nicht mehr überschwemmen. Mehrmals haben in der Zeit Geschichten gestanden über die Hemmschuhen der afrikanischen Entwicklung: Wie heimische Tomaten, aber auch Industrieprodukte irgendwann nicht mehr in afrikanischen Ländern angebaut bzw. gefertigt werden, komplett mit den Niedergangszenarien, die sich daraus gebildet haben: Der Tomatenbauer, der ruiniert ist, und zusammen mit anderen „Tausende Kilometer weit gereist sind, die die Wüste durchquert und das Meer bezwungen haben, um in Europa genau dasselbe zu tun wie zu Hause: Tomaten zu pflücken. Dieselben Tomaten, die schließlich nach Afrika verschifft werden und dort die Preise drücken“ – so war 2015 zu lesen. Wenn man diesen Satz auf der Zunge zergehen lässt, kann man nur sagen: Bescheuert! In 2018 ging es um einen afrikanischen Textilhändler, der zu Geld gekommen war „und der eine Fabrik hat bauen lassen mit den besten Maschinen aus Europa, um die teuren Stoffe künftig selbst herzustellen“. Er musste am Ende aufgeben, Sie raten schon, weshalb. Skandalös ist es geradezu, dass es sich teilweise um Prdukte handelt, „die in Europa so stark subventioniert werden, dass sie am Ende billiger sind als die afrikanischen Waren“, wie Andreas Eckert 2018 in einem Zeit-Interview gesagt hatte. Wenn man will, kann mann daraus konstruieren: EU-Subventionen befeuern Migrantenströme aus Afrika, Tote im Meer inklusive! – Rob Maris


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Ähnlich beispielhaft ausgewogen und rücksichtsvoll wie Henks und Sussebachs Artikel zur Koran-Sure 4,34 über das Geschlechterverhältnis würde ich mir auch eine Annäherung an Sure 5,51 (Verbot der Freundschaft von Muslimen mit Christen) und 3,28 (Verbot der Freundschaft von Muslimen mit „Nichtgläubigen“) wünschen und außerdem eine Erinnerung daran, dass „alle Evangelien … den Geist der Dankbarkeit an Frauen und der liebevollen Zuwendung zu Frauen [atmen]“ (Klaus Berger, Jesus, S. 230). Auch wenn die Männer-dominierte christliche „Standardtheologie“ (dito) dies jahrhundertelang vernachlässigt oder gar verleugnet hat, mag es einen Beitrag zur langsam voranschreitenden Befreiung und Gleichberechtigung der Frauen geleistet haben, von der viele Gesellschaften, auch die Männer schon massiv profitiert haben. Diese Befreiung und Gleichberechtigung ist Menschenrecht und nicht verhandelbar. – Andreas Goletz-de Ruffray


Leserbrief zu „Jetzt wird es ernst“ von Iris Radisch

Es wäre wirklich schön, wenn sich die Literaturkritiker der ZEIT wieder abgewöhnen könnten, in ihren Rezensionen nebenbei die gesamte Handlung und auch gleich noch den Schluss nachzuerzählen – ein Trend, der nun schon seit längerer Zeit und bei fast allen Rezensenten zu beobachten ist. Für Menschen, die Bücher in ihrer Freizeit lesen, ist die Spannung ein nicht unerheblicher Genussfaktor (auch bei einem Roman von Houellebecq). Wer sie verdirbt, verdirbt das Lektüreerlebnis und damit die Freude am Lesen. Das sollte nicht im Sinne guter Literaturkritik sein. – C. Held


Leserbrief zu „Ein Blick in den Spiegel“ von Giovanni di Lorenzo

In Zeiten von Fake News ist anscheinend alles erlaubt! Sowohl die schwarzen, als auch die weißen Schafe weiden sehr gierig in den Weltgeschichten herum, ganz ungeniert und immer unfiltriert, aber immer online. Aber wo zum Teufel, liegt den nur die (sogenannte wahre) Wahrheit begraben? – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Was passiert, wenn…“ von Matthias Geis

Kommt Zeit kommt Rat, wozu denn, den Ausnahmezustand erst langweilig lange proben, der Ausnahmezustand kommt doch irgendwann auch völlig ungeprobt zu uns, und das noch von ganz alleine. Wer sagt denn überhaupt, dass dieser Ausnahmezustand gar so schrecklich daherkommen wird und noch alptraum-schrecklicher aussehen soll? Einfach einmal abwarten und Kaffeetrinken, ganz im Sinne der Kanzlerin; kommt Zeit, dann kommt vielleicht auch Rat! Die Kaffeeautomaten sind jedensfalls mit bestem Kaffeepulver randvoll gefüllt, und der benötigte Wasservorrat, der köchelt sich langsam bis zum Siedepunkt, siedend heiß hinauf! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Mit Interesse habe ich Ihr Dossier gelesen. Leider blieben Sie den interessantesten Part schuldig und haben diesen ausgeblendet. Tamer-Uzun ergreift das Wort. »Also. Ich merke: Dieses Schlagen, das passt nicht zu eurem Bild vom Islam. Das freut mich sehr.« Und dann entschärft diese fröhliche muslimische Schwäbin, das beste Minenräumkommando, das man sich vorstellen kann, Schritt für Schritt Sure 4, Vers 34. Eifriges Mitschreiben, eifriges Kopfnicken, als Tamer-Uzun die Argumente an die Wand wirft. Dass man die vielen Suren der Liebe beachten muss, außerdem das Beispiel des Propheten und den Kontext einer längst versunkenen Epoche. Und: dass man kein Wort wörtlich nehmen muss. Selbst dann nicht, wenn es im heiligen Koran steht. Wirklich interessant wären tatsächlich Frau Tamer-Uzuns „Schritt-für-Schritt-Erklärungen“, die, so vermute ich, Ihr episch breites Dossier verzichtbar gemacht hätten. Ist es Narzissmus, dass Sie gerade das dem Leser vorenthalten, gerade deswegen habe ich den Artikel zu lesen begonnen. Eigentlich erwarte ich dringend, dass Sie das nachholen oder mir Kontaktdaten von Frau Tamer-Uzon senden, damit ich sie selbst darum bitten kann. – Dr. Brigitte Groihofer


Leserbrief zu „Unter Deck“ von Miguel Helm und Anne Kunze im ZEIT Magazin

Die Herausforderung, in diesem Investitionsgüterbereich schnell den break even zu erreichen und gleichzeitig diejenigen, die ihn schaffen müssen, so zu behandeln, dass alle Seiten zufrieden sind – das wird nicht gelingen. Vielleicht könnten die Missstände reduziert werden, wenn die Reedereien „Vertrauen ist gut – Kontrolle auch“ nicht als „Augen zu und durch“ definieren würden. Es beginnt mit der Einstellung von qualifiziertem Führungspersonal (teuer) und einer implantierten Durchführungskontrolle gelebter Unternehmensziele für den Erhalt der Würde (teuer). Es gilt wie überall im wirtschaftlichem Streben: wenn einer gewinnt, dann gibt es immer einen, der verliert. Der Tourist ist nicht das Handlungsregulativ, er versucht ohne Schaden an der Seele die eigene, wenn auch zweifelhafte Freude zu genießen. Verdienen wollen die Reedereien, verdient hätte es auch das menschliche Fundament der schwimmenden Kolosse. – Norbert Geithner


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Das war nicht nur ein überaus interessanter, sondern ebenfalls ein sehr ausgewogener Bericht. Besonders gut hat mir gefallen, dass Sie auch Ihre eigenen Zweifel und Gedankengänge offenlegen. Dies ist meiner Meinung nach vor allem deshalb angebracht, weil „den Medien“ ja gern vorgeworfen wird, „die Wahrheit“ lediglich nach ihrem Gutdünken darzustellen … und damit schlussendlich zu verdrehen. Bei Ihrem Artikel kann/darf eigentlich niemand in diese Kerbe schlagen. Klasse – machen Sie weiter so! – Dominik Göhmann


Leserbrief zu „»Merkel kann man vertrauen«“ von Giovanni di Lorenzo

Die Ausfälligkeiten & Unflätigkeiten der beiden Minister und Vice-Premiers Matteo Salvini und Luigi di Maio gegenüber der EU-Kommission und auch gegenüber der Bundesrepublik haben den Blick dafür verstellt, daß Giuseppe Conte als Regierungschef in Rom nicht mit dem Säbel rasselt, sondern vielmehr rhetorisch das Florett zu fechten versteht. Das Interview mit der ZEIT ist das Umwerben der deutschen öffentlichen Meinung, dabei tatkräftig mitzuhelfen, daß zwischen Rom und Berlin wieder eine kollegialer, partnerschaftlicher Ton angeschlagen wird. Allerdings bleibt es subkutan wohl weiter wohl so, daß man in Italien mit germanophoben Sprüchen ( siehe auch schon vor Jahrzehnten Giulio Andreotti) populistische Meinungsgewinne einfahren kann. Aus schwer auszudeutenden Gründen pflegen viele Italiener gegenüber den DeutschenMinderwertigkeitskomplexe , die wahrscheinlich historische Wurzeln haben, die bis in die Anfänge des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zurück reichen. ^^ Rom ist ja bekanntlich auch ein scharfer Gegner des Berliner Bestrebens, daß die BRD einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat erhält. Was die italienischen Haushaltsprobleme angeht, meint Giuseppe Conte, daß nicht öffentliche Verschwendung, sondern mangelndes Wirtschaftswachstum die italienische Dauermisere einer zu hohen Staatsschuldenlast verursacht hat. Der em. Prof. Hans-Werner Sinn sieht dies aber völlig anders (FAS v.6.1.2019) . Laut Sinn hat der italienische Staat sein Geld einfach verprasst und nicht nur immense Schulden angehäuft , sondern auch die italienische Wirtschaft dauerhaft geschwächt. Auch in der Frage illegaler Immigration über das Mittelmeer nimmt Rom gegenüber Berlin eine ziemlich aggressive Haltung ein, indem gefordert wird, daß sich die Bundesrepublik maßgeblicher an der Aufnahme der Flüchtlingen beteiligen solle. Es fehlt dann nur noch die Forderung, deutsche Marinesoldaten italienischen Admirälen zu unterstellen. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Streit ums Sonnenvitamin“ von Harro Albrecht

Da ich mich nicht in Einzelheiten verlieren möchte, verweise ich auf den sehr interessanten Vortrag von Prof. Jörg Spitz „Hype oder Hope“ (YouTube) zu Vitamin D. Auch für Laien sehr gut verständlich! Demnach sind wir fast alle unterversorgt und benötigen bei einem Durchschnittsgewicht von ca. 70 kg 4000 i.E. pro Tag! Vitamin kann aber u.a. nur gebildet werden, wenn der Winkel der Sonneneinstrahlung mind. 45 Grad ist (also nicht unbedingt um 10 Uhr morgens) und wenn man sich NICHT mit Sonnenschutz einreibt. Dieses und viel mehr im Vortrag… Dass dies nicht aus der Luft gegriffen sein kann, wird schon fast dadurch bewiesen, dass immer mehr seriöse Arzneimittelhersteller dazu übergegangen sind, Vitamin D Präparate mit 2000 oder 4000 oder höheren Vitamin D Einheiten herzustellen. Ich bitte Sie sehr, sich diesen Vortrag (1,5 Std.) einmal anzuhören und dann vielleicht erneut zu berichten. – Beate Schweikert


Leserbrief zu „Von wegen Auslaufmodell“ von Jens Nordalm

Das Zusammen-Denken von Demokratie und Nation ist ein Gebot der Stunde. Jens Nordalm“s Analyse kommt zur richtigen Zeit, denn nationale Selbstbestimmung ist genauso unerläßlich wie partnerschaftliche Zusammenarbeit in Europa. Das Nationale lebt ja sowieso in maßgeblichen Lebensbereichen wie der Sprache und Kultur , aber auch im Sport und auf der gesamten politischen Weltbühne fort. Daß nach dem 2. Weltkrieg in der damaligen Bundesrepublik ein überhobener Patriotismus verpönt war, kann wegen der Hitler-Verbrechen doch nicht erstaunen. Interessanterweise erwachte auch in der untergegangenen DDR mit einer Rückbesinnung auf die zweifellos vorhandenen positiven Seiten des Preußentums relativ früh ein Bedürfnis nach nationaler Selbstvergewisserung, allerdings seinerzeit geschönt mit dem sozialistischen Gedankengut. Die Darlegungen von Jens Nordalm sollten den Kern der präzisen Ausarbeitung des Inhaltes von national verfaßter Subsidiarität bilden.^ Der redaktionelle Platz in der besten deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT reichte nicht aus, noch einige Ausführungen zum Verhältnis Nationalstaat und regionaler Föderalismus anzufügen. So könnte man an den Beispielen Südtirol und Katalonien zeigen, daß es möglich sein muß, auch regionale Nationalidentitäten zu zulassen .Jens Nordalm formuliert:“es geht um die Nation nicht als das nach außen Monumentale, Blockhaft-Eine ,sondern als das nach innen Plurale“. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Streit ums Sonnenvitamin“ von Harro Albrecht

Einen aus meiner Sicht sehr wichtigen Aspekt haben Sie in Ihrem Artikel nicht berücksichtigt: Die Fähigkeit zur Resorption des mit der Nahrung aufgenommenen Vitamin D im Darm lässt bei vielen Menschen mit dem Alter deutlich nach, und zwar bis zu 70 %. Entsprechend sollte die Zufuhr dieses Vitamins bei den betroffenen Personen erhöht werden. Dies können Sie nachlesen in einem Beitrag des Gesundheitsamts Bremen (WWW.Gesundheitsamt.Bremen) mit dem Titel „Vitamin D-Mangel im Alter“ . Ich würde es begrüßen, wenn Sie Ihre Leser ergänzend zu Ihrem oben genannten Artikel über diesen wesentlichen Aspekt informieren würden. – Dr. Rudolf Menke


Leserbrief zu „Essen und streiten lassen“ von Bernd Ulrich

Ich finde die Aktion eines Frank Zanders grandios, und von wegen Fleischorgie! Wer Vegetarier ist, der hat eben vorerst bei „Zander“ (nomen est omen) noch Pech gehabt. Ein Frank Zander wird auch irgendwann einmal, die bedürftigen Vegetraier, mit vegetarischem Essen, an seinem Tische (nicht nur zur Weihnachtszeit), so richtig nach Herzenslust verwöhnen. – Riggi Schwarz


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Einziger negativer Kritikpunkt des insgesamt sehr gut recherchierten Dossier-Artikels ist die lapidare Gegenüberstellung von „Mittelalter und Moderne“. Damit wird das gängige Mittelalter-Klischee bedient, wonach Gewalt hauptsächlich bzw. ausschließlich Charakteristikum dieser Epoche ist. Dies ist historisch höchst fragwürdig (siehe dazu nur die Statistik zu Kriegen in der Infografik der selben Ausgabe). Die Autoren widersprechen sich zudem mit dieser Formulierung selbst, da sie zuvor im Text richtigerweise hervorheben, dass das „Züchtigungsrecht des Mannes in Deutschland“ erst 1928 abgeschafft wurde. Offenbar dauerte das (imaginierte) Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert an. – Philippe Gieseler


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

In jeder Religion ist Gott ein Mann. Noch Fragen? – Sabine Theile


Leserbrief zu „Der Ajatollah kehrt zurück“ von Bahman Nirumand

Der Autor hat den Iran ja als Kind bereits verlassen und wurde mit einem anderen Gedankengut in Deutschland vertraut. Es war das Gedankengut der Nachnazizeit, man rief nach Freiheit, wollte demokratisch sein und gebärdete sich entsprechend. In den deutschen Landen wurde aber erst 1989 ein Teil mit den Wonnen der Demokratie vertraut. Wäre er in der DDR zur Schule gegangen, dann hätte er die 1979 im Iran beginnende Ära als Befreiung betrachtet. Prägung sieht halt so aus. Jede Revolution hat seine Grausamkeiten, die französische, die russische, die deutsche und all die anderen im Verlauf der Geschichte stattfindenden Revolutionen. Die französische hat Teile der Bewegung aufgefressen, ebenso gibt es Enttäuschte immer wieder bei jeder stattfindenden Revolution.. Es ist viel zu kurz gesprungen, Khomeini als Ursache allen Übels anzuprangern. Natürlich hat er Fehler gemacht, natürlich wurde er manipuliert durch die Geschehnisse. Aber: Den Menschen geht es heute sehr viel besser als zur Shahzeit. Vergleicht man die Freiheit in der DDR mit der Freiheit im Iran wird man den Iran als das gelobte Land bezeichnen.

Der Hauptvorwurf über seine immer wieder auffallende negative Berichterstattung ist nicht gerechtfertigt. Sie wird auch in weiten Kreisen der intelligenten Bevölkerung nicht akzeptiert. Beweise: Bei der Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn 2017 gab es einen Riesenansturm der Bevölkerung, die Öffnungszeiten und die Dauer der Ausstellung mußten verlängert werden, der Katalog war schon vorher ausverkauft. Ebenso wird es bei der Ausstellung 2010 im Landesmuseum Karlsruhe sein. Wenn es erlaubt ist auf das Land seiner Herkunft stolz zu sein, dann ist es der Iran. Der wahrscheinlich älteste Bergbau der Welt und der Metallverarbeitung. Die Domestizierung der Tiere und der älteste Anbau von Getreide. Die Herkunft des Weins, der Rose, des Knoblauchs, des Safrans und des Spinats (um nur einiges zu nennen), sowie möglicherweise der ältesten Kultur vor den Sumerern. Um Die Wassermassen des Euphrat und Tigris bändigen zu können, mußte man vorher klein anfangen, und die Sumerer waren kein semitisches Volk.

Um diese Dinge beurteilen zu können, benötigt man Beobachtungswillen und eine gewisse Menge an Verständnis für historische Fakten. Ich wurde in Breslau (heute Polen) geboren, mein Vater starb im Krieg 3 Tage vor Kriegsende (ich kenne meinen Vater nicht), meine Kindheit verbrachte ich in der DDR, beruflich tätig war ich in der Shahzeit im Iran und jetzt mache ich dieses Jahr meine 12. private Reise (immer mit ca. 20 Mitreisenden) in den Iran. Der Autor kann die günstige Gelegenheit nutzen und mit mir die Reise starten. Es geht nach Teheran (Reza-Abassi und Melek-Museum), Kerman, Bam, Jiroft, Yazd, Shiraz, Isfahan ( 4 Tage und die schönste Stadt des Orients), Kashan und Qom das Heiligtum. Es ist sehr preiswert, da ich keine Gewinnabsichten habe. Das ist keine Werbung, sondern ich kann dem Autor die Schönheiten seines Landes und die Begegnung mit dem Menschen zeigen. – Bodo Malige


Leserbrief zu „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ von Franz Alt

Der Text von Franz Alt über Jesus passt zur Reportage im Dossier über den Umgang von Muslimen mit der Koran-Sure über das Schlagen von Frauen: Man rückübersetzt und interpretiert so lange, bis das herauskommt, was man gern hätte. Was Franz Alt nicht mag, kann nicht von Jesus stammen. Ein offener und ehrlicher Umgang mit den heiligen Schriften würde zugeben, was da steht, und dann sagen, ob man selber das für richtig hält oder nicht. Glaubt Alt wirklich, die Jugend würde zur Kirche zurückströmen, wenn sie den aramäischen Jesus zu lesen bekäme? Es erinnert an Verschwörungstheorien. – Dr. Heinz Lorenz


Leserbrief zu „Mein Neujahrswunsch“ von Ulrike Gastmann

Ulrike Gastmann aus Leipzig sei erwidert, daß „the political speak“ von morgens bis abends doch die Notwendigkeit sozialer Kohäsion und von Solidarität beschwört. Empathie, Aufrichtigkeit, klare Worte, nicht Alles wollen können etc. etc. sind zweifellos Tugenden. Aber zu viel schwätzen und dann auch noch in Leerformeln ist genauso schlimm wie Sprachlosigkeit. Außerdem sind leider Humor und Ironie nicht allen Mitbürgern so gegeben. Wo und warum und in welcher Gestalt die „große Wut“ im Land herrscht- diese Wut herrscht vielleicht gerade in Frankreich – verrät uns Ulrike Gastmann aber nicht ! – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „»Ich kriege mein Leben zurück«“ von Sabine Rückert

Mit Enttäuschung habe ich die von mir sehr geschätzte Recht und Unrecht Seite aufgeschlagen. Statt der sonst detailliert erarbeiteten und gut geschriebenen Artikel zu Justizskandalen und Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft, die wahrscheinlich viel Recherche und Vorarbeit kosten, machen Sie es sich dieses Mal einfach und führen ein Interview. Dagegen spricht zunächst nichts, aber: Egal wie man zu Hrn. Kachelmann steht, ein Interview in dieser Art verorte ich eher in anderen Blättern, nicht in der ZEIT. Eine Darstellung der Verarbeitung der Folgen seines Falles im Rahmen eines Artikels über Gerichtsurteile, bei denen Menschen zu Unrecht beschuldigt werden, hätte mit Sicherheit seine Berechtigung.

Die Schaffung einer Plattform für Werbebotschaften zu seinem TV Auftritt, seinen Aktivitäten in den Sozialen Medien und zu seiner Firma hingegen passt für mich nicht in das ZEIT Konzept. Nach der aus meiner Sicht verunglückten Seite drei neulich mit einem Interview mit Norbert Blüm (ich hatte mir erlaubt, Frau Stuff einen Leserbrief zu schreiben, sie hat dankenswerterweise geantwortet), kommt nun der nächste medienaffine, alle Nase lang in den schlechten Gazetten stehende Typ um die Ecke. Hoffentlich war es das für dieses Jahr mit solcher „Niemand ist perfekt, aber ich versuche, immer besser zu werden.“ (Zitat!) Papierverschwendung. Ich freue mich sehr auf Ihre nächsten guten Beiträge – ohne irgendwelche Hirschhausens, Bosbachs und Schulz` dieser Welt, die uns mit ihren Weisheiten zumüllen. – Lutz Jäger


Leserbrief zu „Du siehst aus, wie ich mich fühle“

Ich bin enthusiastische ZEIT Leserin und freue mich schon auf den Donnerstag! Bei allen Besorgnis-erregenden Nachrichten ist das tolle Bild „Du siehst aus wie ich mich fühle“ das Highlight, daß der Seele gut tut! Bitte machen Sie ein Buch daraus! Ich bestelle schon mal zehn Stück… Eins für mich als Coffee Table Buch und die anderen zum Verschenken! – Claudia Carbo


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Ich habe mit großem Interesse o.g. Artikel gelesen. Leider wurde meine Erwartung enttäuscht. Neben den in dem Artikel sehr ausführlich beschriebenen Deutungsarten des Verses 34 hatte ich erwartet, dass ich auch informiert werde über den Umgang unseres deutschen Rechtssystemes mit Straftaten, deren Täter sich auf genannten Vers berufen. Zumindest hätte zu einer vollständigen Beschreibung der Straftat um Frau Selena Djamel auch das Ergebnis der Verurteilung durch unser Rechtssystem gehört. Erst dann hätte ich verstanden, was konkret mit der erwähnten „Abendlandisierung des Islam“ gemeint ist. Wie so oft wird das Kernproblem bei der Integration des Islam in unsere freiheitliche und demokratische Gesellschaftsordnung nicht benannt. M.E. bietet der Islam mit Scharia ein breites Auslegungsspektrum mit gefährlichen Grauzonen bis hin zu Verstößen gegen unsere Rechtsordnung. Es gibt nicht „den Islam“ im Allgemeinen. Deshalb müssen die Grenzen für einen integrationsfähigen Kern des Islam unmissverständlich von der Politik benannt werden. Es ist die Aufgabe unseres Rechtssystemes streng und kompromisslos darauf zu achten, dass diese Grenzen nicht verletzt werden. Dabei sind alle in unserem Land wirkenden Religionsführer des Islam in der Ausübung ihres Amtes zur Einhaltung dieser Grenzen zu verpflichten. – Dr. Robert Heß


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Ein großartiger Artikel: vielschichtig und differenziert, ohne zu verschleiern. Gerade deswegen halte ich ihn (anders als die zitierte Leiterin eines Frauenhauses) für den richtigen Artikel zu dieser Zeit. – Dr. Daniel Brenner


Leserbrief zu „Von wegen Ponyhof“ von Marcus Rohwetter

Ein interessanter Bericht über Tierärzte, nicht zuletzt über die geringe Bezahlung als Angestellte in normalen Praxen, von der ich schon hörte. Es scheint sich nur zu lohnen, wenn man als Selbstständiger die „Selbstausbeutung“ mit anderen Augen betrachtet. Ich arbeite in einer Behörde (Kreisverwaltung) und wir schreiben regelmäßig Tierarztstellen aus, u.a. im Bereich Fleischbeschau aber auch für den Bereich Tierhygiene sowie Tierschutz, wo die Fallzahlen in wenigen Jahren explodiert sind. Von Bewerbungen werden wir nicht überflutet, obwohl die Bezahlung für den öffentlichen Dienst recht gut ist. Die Arbeitszeiten sind aber auch hier nicht so ganz „beamtenhaft“, sondern sehen auch Bereitschaftsdienste an Wochenenden vor. Übrigens ist der Bereich der Tierärzte unser erster Bereich in der Verwaltung, wo wir von 2 Jahren Schutzwesten (Polizeistandard) für die Ärztinnen eingeführt haben. Tierwegnahmen im Bereich Tierschutz sind sehr emotional und haben wiederholt in Deutschland sogar zu lebensbedrohlichen Angriffen geführt. Diesen Umstand und die erhebliche Schreibtischarbeit ohne Bezug zu den Tieren dürften die junge Veterinärinnen neben den von Ihnen schon genannten ökonomischen Aspekten aber ebenfalls nicht im Blick haben bei der Studienwahl. – Werner Nüse


Leserbrief zu „Amtsmüde“ von Niclas Seydack

Nein, Herr Seydack, ich möchte keine „estischen Verhältnisse“ hier in Deutschland und hoffe inständig, dass die Phantastereien solcher Internet-Traumtänzer wie Sie niemals Realität werden. Ich möchte mein Auto nicht „online“ anmelden oder den Personalausweis „online“ beantragen. Ich möchte auch nicht „online“ wählen und mache kein „Online-Banking“. Warum? Einen der Gründe können sie gerade in diesen Tagen in den Medien nachlesen: „Daten Hunderter Politiker gestohlen – Hacker veröffentlichen Angaben zu Kreditkarten und Ausweisen, sowie E-Mails und Fotos. Betroffen sind auch Bundespräsident und Kanzlerin. Nur die AfD blieb bislang verschont“
Weitere Gründe gibt es zuhauf. Wahlen über das Internet sind fälschungsanfällig. Durch Umstellung auf „Online-Dienste“ werden, wie man seit langem bei Banken sehen kann, Service und Arbeitsplätze abgebaut. Bankfilialen schließen Filialen und bieten in den verbleibenden keine Kassendienste (Wechselgeld, Devisen, …) mehr an, sondern stellen Automaten auf. Die Banken werben mit der neuen „Bequemlichkeit“ (und finden leider Dumme, die das glauben) aber wollen nur eins: Kosten sparen. Gleiches passiert in allen Bereichen, in denen auf „online“ umgestellt wird (z.B. Flugabfertigung), und es wird dann auch auf den Rathäusern passieren. Die Umstellung aller Behördengänge auf das Internet ist außerdem menschenfeindlich gegenüber Bevölkerungsgruppen, die aus welchen Gründen auch immer diese „Dienste“ nicht in Anspruch nehmen wollen oder können. Sie dient allenfalls dazu, den Umsatz von Apple & Co zu steigern. Was hilft die „Inklusion“ an Schulen, wenn im öffentlichen Bereich Menschen „exkludiert“ werden? Ich nutze Rechner und Datenverarbeitung berufsbedingt mein ganzes Leben lang und das Internet, seit es existiert, und ich schätze die damit verbunden Möglichkeiten. Aber ich möchte nicht mein ganzes Privatleben dieser Technik unterwerfen. – Wolfgang Brocks


Leserbrief zu „Amtsmüde“ von Niclas Seydack

Ist ja alles schön und gut mit Estland, aber bei mir ist es:“Bedenken first, Digitalisierung second!“ (Das war ein selten blöder Spruch von der FDP). Ich will nicht elektronisch wählen! Ich will ein Stück Papier ankreuzen, das dann dezentral ausgezählt wird und schwer zu manipulieren ist (und wieviel schneller soll es denn noch gehen am Wahlabend? 5 Milisekunden früher die Hochrechnung dank „Digitalisierung“?). Ich weigere mich, daß meine Krankenakte digitalisiert wird und jeder Dödel-Hacker dann meine Daten verkaufen kann. Wer die Berichte vom Chaos Computer Club gelesen hat, wie einfach die Bitcoin-wallets zu knacken sind und wie problemlos bei der Authorisierung durch Venenerkennung getrickst werden kann, der liebt jede einzelne Stunde, die er auf dem Amt wartet, weil nur da, abgeschieden von der Welt, seine Daten lagern… – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ von Franz Alt

Franz Alt behauptet, dass die griechischen Texte des Neuen Testaments zum Teil Falschübersetzungen der Worte Jesus seien, der als damalige Volkssprache Aramäisch gesprochen habe. Um zu dem wahren Jesu zu kommen, müsse man folgerichtig den griechischen Text zurück ins Aramäische übersetzen. Aramäisch ist bis heute in der Tat eine lebendige Sprache von Christen, die bis heute in Bereichen Syriens und der Türkei leben, durch Verfolgungen und Vertreibungen in den letzten Jahren dort aber fast ausgerottet sind. Viele aramäische Christen leben deshalb heute auch in Deutschland. Allerdings ist es ein Trugschluss, durch eine Rückübersetzung der griechisch geschriebenen Evangelien ins Altsyrische oder Aramäische dem historischen Jesus näher zu kommen. Denn bereits die ältesten gefundenen und uns überlieferten Schriften der Evangelien in altsyrisch sind bereits Übersetzungen aus den griechisch verfassten Evangelien. Wir kommen hinter den griechisch überlieferten Urtext der Evangelien mit solchen Versuchen einer Rückübersetzung nicht zurück. Einen aramäischen Urtext gibt es nicht. Dies ist bis heute die nahezu einstimmige wissenschaftliche Erkenntnis. Die syrisch-aramäischen Christen benutzen bis heute weithin die Peschitta als ihr gottesdienstliches Textbuch. Die Peschitta geht zum einen auf die Evangelienharmonie„Diatesseron“ des Tatian um 170 n. Chr. zurück wie die Zusammenfassung verschiedener altsyrisch überlieferten Übersetzungen des Neuen Testaments aus dem Anfang des 5. Jahrhunderts.

Sie ist quasi die Vulgata des syrisch-aramäischenRaumes (siehe B.M. Metzger, Der Text des Neuen Testaments, deutsch 1966). Die Peschitta enthält auch weithin den Kanon der hebräischen Bibel in der Form der Targume, der Übersetzungen ins Aramäische. Eine Rückführung zum Ursprung, zu demhistorischen Jesus durch eine Übersetzung des griechischen Neuen Testaments ins Aramäische ist also gar nicht möglich,da es keinen aramäischen Urtext gibt. Das Aramäische ist eben nicht, wie Alt behauptet „das Original“. Aber natürlich sind wie bei jeder Übersetzung, je nach Intention und Verständnis,Veränderungen möglich, die den Übersetzern eben einleuchtender waren, die vielleicht der Intention nach sogar Jesus näher kommen, weil er dem gleichen Sprach- und Kulturraum mit den je eigenen Bildern angehörte. Das gilt auch für heutige Kritik, die dem jeweiligen Zeitgeist entspricht und in der Person Jesu denjenigen sieht, den man gerne sehen möchte. Sicher hilfreich wäre es aber, wenn es tatsächlich eine wissenschaftlich anerkannte Übersetzung der Peschitta gäbe, um dadurch in der Tat vielleicht auch neue biblische Erkenntnisse für die wissenschaftliche und kirchliche Diskussion zu gewinnen. – Klaus Stolze


Leserbrief zu „Essen und streiten lassen“ von Bernd Ulrich

Vielen Dank für den Artikel. Ich finde Sie sprechen einen wichtigen Punkt an. Ich finde Ihre Entscheidung Veganer zu sein löblich. Ich selbst bin ein Mensch, der seinen Fleischkonsum deutlich verringert hat. Weiter möchte ich noch nicht gehen, zu sehr schmeckt mir z.B. das jährliche Weihnachtsessen bei meinen Eltern. Eine Frage habe ich mir selbst gestellt. Wäre die Welt wirklich ein besserer Ort wären alle Menschen zumindest Vegetarier? Wieviel Pflanzen müssten wir z.B verzehren um alle satt zu werden? Wie sähe dann die Ressourcenbilanz aus?…. Möglicherweise wäre dies für Die Zeit ein interessantes Thema? Ich selbst würde diesen Artikel sicher lesen. – Marko Becker


Leserbrief zu „Unter Deck“ von Miguel Helm und Anne Kunze im ZEIT Magazin

Dieser Artikel war wirklich überfällig. Ihr Bericht über die katastrophalen und unmenschlichen Arbeitszustände auf Kreuzfahrtschiffen zeigt die Doppelbödigkeit unserer Gesellschaft und auch Ihrer Zeitung. Einerseits beschreiben Sie richtigerweise die Mißstände auf diesen Kreuzfahrtschiffen, andererseits findet man wöchentlich dafür werbende Beilagen für Kreuzfahrten jeder Couleur in Ihrer Zeitung und fördern somit die von Ihnen beschriebenen ausbeuterischen Mißstände. Folgten Sie den Erkenntnissen Ihrer eigenen Recherchen, müßten Sie logischerweise das Bewerben von Kreuzfahrten einstellen. – Almut Freiberg & Rainer Gebauer


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Langsam bin ich es leid, immer wieder politische Diskussionen oder Abhandlung über den Islam zu lesen. Religion sollte jedem seine Privatangelegenheit sein. Deutschland ist ein säkularer Rechtsstaat, dessen oberste Gesetze und Richtlinien im Grundgesetzt festgelegt sind. Jeder, der Bürger dieses Landes werden möchte, muss dieses Grundgesetz anerkennen und sollte dies auch schon mit seinem Asylantrag unterschreiben!! Religionsfreiheit bedeutet nicht, dass eine Religion, welche auch immer, über dem Grundgesetz steht. So sind irgendwelche religiösen Vorschriften nicht einklagbar bzw. Taten aus religiösen Gründen, die mit Grundgesetz oder anderen Gesetzen unseres Landes nicht vereinbar sind, Straftaten. Es wird niemand mehr gezwungen, in unserem Land zu leben. Wozu dann die ewigen Diskussionen, ob der Islam zu Deutschland passt oder nicht. Auch andere Religionen haben sich reformiert um zu überleben. – Dr. med. U. Rossbach


Leserbrief zu „Unter Deck“ von Miguel Helm und Anne Kunze im ZEIT Magazin

Ausdrücklich möchte ich mich bei Ihnen für Ihren Bericht und Recherche bedanken! Es stimmt mehr als traurig, wenn man sieht wie der Billigpreis durch Leid anderer ermöglicht wird – wenn man es auch vermutet hat. In Ergänzung zu Ihrem Bericht möchte ich anregen, die Verdienstspannen auf anderen Schiffen zu veröffentlichen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass auf den Schiffen die von Zeitreisen gebucht werden dieselben Bedingungen herrschen? (oder z.B.Hurtigruten?) Diese Informationen wären sicher für einen großen Teil von Reiseenthusiasten entscheidend, welche Reederei oder Schiff man für eine Reise bucht. – Manfred Sengenberger


Leserbrief zu „Nicht Mann, nicht Frau – sondern Person“ von Jochen Bittner

Der Artikel von Jochen Bittner greift ein zentrales Thema auf. Es ist gut, dass unser Staat die Einträge ins Personenstandsregister neu ordnet. Ich hätte mir gewünscht, dass statt des Eintrags „divers“ der Eintrag „anders“ gewählt worden wäre. Als (katholischer) Pfarrer erlebe ich in vielen Begegnungen den positiven Wert des Anders-seins! Wer den Anderen als Anderen ernst nimmt baut Beziehung auf, die die Gesellschaft ver-änder-t. Die Wertschätzung des Anderen einüben und lernen – ist das Thema der Gesellschaft und ebenso auch der Kirche. – Wilfried Hagemann


Leserbrief zu „Von wegen Auslaufmodell“ Jens Nordalm und zu „Zurück zum Hurra“ von Josef Joffe

Der Begriff der Nation kann jenseits allen Pathos auch als soziologische Organisationseinheit und Identifikationshilfe in einer überaus vielgestaltigen Welt verstanden werden. Hingegen tendiert der Nationalismus wie andere “ismen”, sei es Sozialismus, sei es Kommunismus, zu ideologisch fixierten Perversionen primär diskutabler Grundideen. – Wolf-Rüdiger Palmer


Leserbrief zu „Ein Blick in den Spiegel„ von Giovanni di Lorenzo

Der Blick (zurück) in den Spiegel sollte kein selbstgerechter sein und dies ist, so möchte ich meinen, den meisten Journalisten im Umgang mit dem Fall Relotius auch gelungen. Wer, ob nun als Kollege oder Leser, ein Haar in der Suppe, ein Zuviel oder Zuwenig an Kritik, Selbstgerechtigkeit oder Verständnis sucht, der wird es freilich ohnehin finden. Cui bono? Um mit Henry Ford zu sprechen: „Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen.“ In diesem Sinne ist nicht zuletzt der Leser (respektive Zuschauer, Zuhörer) selbst dazu angehalten, sich klarzumachen, was genau er von einem Medium erwartet und sich danach bewusst entscheidet, welchen Raum er der ganz persönlichen Informations- und Meinungsfreiheit gewähren will. Wer die Welt gerne ausschließlich in schwarz-weiß sieht und denkt sollte indes mit Leitmedien nichts anfangen können. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Nachwuchs von gestern“ von Frederik Mittendorff

Der Artikel bemängelt – grob zusammengefasst -, dass viele Jugendorganisationen von Parteien ein Problem mit dem Nachwuchs haben. Denn dieser sei zu wenig weiblich und zu akademisch, obwohl die Bundesparteien genau das Gegenteil forderten. Ich bin männlich, 17, komme aus Chemnitz (Sachsen) und gehe in die 12. Klasse eines Gymnasiums. Ich habe die Absicht, später zu studieren. Und ich bin Mitglied der Grünen Jugend, wenn auch zugegebenermaßen nicht sonderlich aktiv. Als ich den Artikel gelesen habe, konnte ich dabei ein ungutes Gefühl nicht vermeiden. Ich kann natürlich verstehen, dass Volksvertreter und damit auch deren Nachwuchs möglichst eine breite Masse der Bevölkerung abbilden sollen. Und ich bin mir des Problems bewusst, dass überproportional viele männliche Akademiker politisch aktiv sind. Deswegen halte ich es auch für wichtig, möglichst viele Menschen für Politik zu begeistern, um die Vielfalt in den Parteien zu erhöhen. Was ich für problematisch halte, ist aber, dass ich mich schlecht fühle, männlich, gut gebildet und politisch aktiv zu sein. Und ich nehme an, so geht es einigen jungen Männern, die den Artikel gelesen haben und politisch aktiv sind. Denn es wird so oft von Quoten und Zahlen und Statistiken gesprochen, dass ich mir wie eine Verzerrung eines sonst sehr schönen Tortendiagramms vorkomme. Mit weniger Menschen wie mir könnte diese Statistik für die Grünen besser aussehen, sie hätten in diesem Artikel mit vorbildlichen Quoten glänzen können. Dabei sind die Zahlen vollkommen nebensächlich. Es ist vollkommen egal, ob in einem Parlament 100 oder 300 Frauen sitzen, solange die Abgeordneten ihrer Aufgabe nachkommen, Politik zum Wohle der Bürger zu machen – auch dem Wohle des anderen Geschlechts. Die Konzentration auf Zahlen impliziert doch, dass nur Frauen verstehen, was Frauen wollen und deswegen nur Frauen Frauen vertreten könnten. Denn ansonsten würde man die Quote ja nur der Quote Willen einhalten.

Wenn sich aber nicht so viele Frauen oder Auszubildende für die Politik begeistern, dann hilft es nichts, Parteien Quoten aufzuzwingen oder die Anteile verschiedener Bevölkerungsgruppen zu vergleichen. Ich finde auch nicht, dass Parteien sich ändern müssen, um Mitglieder anzuwerben. Viel mehr sollten sich interessierte Mitglieder finden, die die Partei ändern, denn das ist Demokratie. Wenn mehr Frauen Mitglied einer Partei würden, müsste sich die Partei an sie anpassen, da diese größere Bedeutung hätten. Ich halte diese Fixierung auf Quoten deshalb für Unsinn. Zwar dürfen wir den Umstand, dass Parlamente in Deutschland nicht die Bevölkerungsanteile widerspiegeln, nicht vergessen. Aber gleichzeitig muss das nicht bedeuten, dass Männer keine Politik für Frauen machen können und Studenten keine Ahnung vom Leben eines Auszubildenden haben. Wer sich für Politik interessiert, sollte ohne Quoten beteiligt werden und seinen Beitrag zu unserer Demokratie leisten. Je mehr Menschen das sind, umso besser. Ich danke trotz anderer Meinung für den Artikel und hoffe, dass ich weiterhin derart hochwertige Texte lesen darf. – Tobias Brendel


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Der Bericht legt ein Denken offen, dessen Ende mit dem Grundgesetz endgültig besiegelt schien. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist eine Erkenntnis, das Ergebnis humanistischer Genese. Unsere Gesellschaft garantiert allen Menschen Freiheit im Glauben und der Ausübung ihrer Religiosität, aber:
Die Postulate in den alten Büchern, sei es die biblische Ursünde der Eva oder eine Sure im Koran, sind unseren gesellschaftlichen Regeln, unserer Verfassung immer nachrangig; sie verlieren jede Bedeutung, sobald sie dem Grundgesetz widersprechen.
Ihre Recherche, Ihr Artikel ist aus journalistischer, vielleicht wissenschaftlicher Sicht, hochinterressant, zumindest zeigen sie ein weites, bisher offenbar zu wenig beackertes Feld für die politische Arbeit, als Bericht aus unserer Gesellschaft aber ist diese Debatte schaurig. – Arne Pleyer


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Es ist bizarr zu lesen, welche verzweifelten Kapriolen fortschrittsbewusste Theolog/inn/en vollführen, um einen hoffnungslos frauenfeindlichen Koranvers zu retten und gar in sein Gegenteil zu verkehren. So aber geht es, wenn man einen literarischen Text, wie poetisch er auch sein mag, als Verkündigung göttlicher Wahrheit ansieht. Täte man das nicht, so wäre alles leicht erklärlich. So aber sind diese Exegeten in ihrem Glaubenskäfig gefangen und stoßen sich an seinen Gitterstäben die Köpfe wund. – Hermann Engster


Leserbrief zu „Frische Luft im Kopf“ von Anna von Münchhausen

Beim Lesen des Artikels fragte ich mich, haben Sie den Artikel geschrieben oder hat der ehemalige Spiegelredakteur Relotius die Feder geführt. Was mich irritiert hat war die Beschreibung wie Sie zu zwölft ….stapfen wir…unter unseren Füssen knirscht der Schnee, aus den Bäumen tropft es unablässig. Diese beiden Ereignisse bekomme ich schlecht unter meinen Hut. Wenn der Schnee knirscht, dann hat es Minusgrade bei ca. 5 Grad (das Knirschen kommt von den Eiskristallen, die sich ab dieser Temperatur ineinander verhaken). Dann tropft es nicht aus den Bäumen! Weiter bin ich skeptisch, dass Sie nach zwei Meditationsübungen bereits einen Meditationsflow erleben ohne vorherige Meditationspraxis. Jedenfalls nett geschrieben und sicherlich stammt der letzte Satz nicht von Ihnen, das mit dem großen Zeh ins Meer tauchen….sondern vom Meister. Wenn ich mich irre, dann bitte werden Sie Meditaionsmeister und bringen anderen Meditation bei. Macht mehr Spaß als Journalismus. – Rehberg-Pawlowski


Leserbrief zu „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ von Franz Alt

Das hört sich alles logisch an, aber warum haben die Kirchen an diesen Erkenntnissen dann kaum ein Interesse? Die evangelische Kirche müsste doch z. B. froh sein, die Stellung des Papstes als nicht biblisch begründbar erweisen zu können. Oder ziehen die Kirchen einfach das bekannte Falsche den neuen Erkenntnissen deshalb vor, weil diese Erkenntnisse unvorhersehbare Folgen für die eigene Position haben könnten? – Ulrich Willmes


Leserbrief zu „Keine Lust auf Frust“ von Martin Machowecz

Dieser Artikel schafft Frust statt Lust!
Da soll man noch Verständnis haben, dass die wütenden Bürger ihre Wut über die Sprache der AFD nach Berlin transportiert sehen? Diese Sprache hat doch schon längst die Grenzen des Erträglichen überschritten. Und der Anlass? Wegen Fragen der Migration und inneren Sicherheit? Weil sie sich wegen Chemnitz „generalpathologisiert“ fühlen? Weil es im Osten soviele westdeutsche Hausbesitzer gibt? Oder weil sie eine neue Bevormundung sehen, wenn westdeutsche Politiker, von Habeck bis AKK, versuchen, die „Ostseele“ zu ergründen. Ist das alles? Geht’s noch? Als Wessis haben wir nie in Frage gestellt, dass meine Frau und ich u. a. bis dato mehr als 25000 Euro Solidaritätszuschlag für den Aufbau Ost gezahlt haben, auch weil offensichtlich war, welche Lasten die ostdeutsche Bevölkerung in Folge der Wiedervereinigung zu tragen hatte. Aber es fällt mir mittlerweile sehr schwer, und es macht mir wirklich Angst mit anzusehen, wie unverhohlen sich die Nazis und deren Gedankengut, von den ostdeutschen Bundesländern ausgehend, ausbreiten und sich auch die verstreuten Nazis bei uns im Westen aufgefordert fühlen, aus ihren Löchern hervor zu kriechen und sich legitimiert fühlen, ihre kruden, faschistischen und menschenverachtenden Vorstellungen mit Hass und Gewalt heraus zu grölen und auszuleben.

Nach 30 Jahren ist es an der Zeit die Versuche einzustellen, den Ossis freundlich über den Kopf zu streicheln, wie es wohl auch Michael Kretschmann der Ministerpräsident von Sachsen als geduldiger Zuhörer macht. Vielleicht sollte man mit ihnen mal eine Rundfahrt durchs Ruhrgebiet machen, oder durch strukturschwache Regionen im Westen der Republik. Vielleicht wird es mal Zeit zu hinterfragen, ob überhaupt die Politiker und ihre Politik, oder gar der ganze Staat, für die schlechte Laune vieler Bürger in den östlichen Bundesländern verantwortlich sind. Wieso wird kaum hinterfragt, im Osten wie im Westen, welche Bürde eine Bevölkerung in vielfältiger Hinsicht mit sich trägt, die in einem totalitären Staat gelebt hat? Wo sind beispielsweise die vielen Familien der Nutznießer und Träger dieses Staates geblieben? Wie schwer musste es sein, nicht mehr vom Staat gegängelt zu werden und Verantwortung zu übernehmen in demokratischen und marktwirtschaftlichen Strukturen. Wieso gab es nach der Wiedervereinigung das Phänomen der auffälligen Nazigrüppchen unter den ostdeutschen Jugendlichen, und wo war ihr Nährboden? Man erinnere sich nur an diese unsäglichen Tage in Rostock Lichtenhagen. Da haben die Eltern ihre gewalttätigen jugendlichen Ausländerhasser über Tage hinweg angefeuert, auch wenn sie Brandsätze geworfen haben! Und der NSU? Er hat sich im Osten entwickelt und musste sich seine Hassobjekte und Opfer schon im Westen suchen, da es im Osten kaum Ausländer gab, und Flüchtlinge sowieso nicht. Dieser deprimierende Artikel gibt mir die endgültige Gewissheit. Der Osten macht mir Angst. Für mich wird der 9.9.2019 kein Grund zum Feiern sein. Und er wird auch gewiss kein Festtag der Demokratie sein. Unsere weltoffene, freiheitliche, soziale, demokratische und rechtsstaatliche Grundordnung wird mehr denn je auf dem Spiel stehen. – Peter Appelrath


Leserbrief zu „Von wegen Auslaufmodell“ von Jens Nordalm

Ich kenne den politischen und gedanklichen Hintergrund des Autors nicht, das Raster seines Gedankenexperiments zu den Arbeitsbegriffen „Demokratie – Nation“. Seine Argumentation halte ich jedoch für leichtfertig, falsch und deshalb gefährlich. Wir Bundesbürger haben aufgrund des nationalsozialistischen Missbrauchs mit historisch nationalen Begrifflichkeiten und einer daraus resultierenden verbrecherischen Politik bis auf den heutigen Tag die Gedankenfreiheit verwirkt, mit Wortfeldern wie „Nation“ leichtfertig zu hantieren. Alle in diesem Sinne verwendeten Begrifflichkeiten sind außer im kritischen Gebrauch vergiftet und zu recht in der Sprach- und Gedankenwelt deutscher Demokraten tabuisiert. Desweiteren zeigt die gegenwärtige politische Praxis am Beispiel von England und USA wieder einmal, wohin der exessive Gebrauch nationaler Wahnideen führen kann. Brexit und First America sind hierfür Beispiele. Wieder einmal setzt eine Clique Verblendeter zum Schaden des eigenen und aller Völker das Glück ihrer Nationen aufs Spiel. Die Aussage des Autors: „Heute heißt Nation Demokratie“ ist falsch. Wenn überhaupt, beschreibt das Sprachbild eine Denkfigur der ersten, noch sehr autoritär ausgerichteten Jahre der neu gegründeten Bundesrepublik. – Peter Stolper


Leserbrief zu „Unter Deck“ von Miguel Helm und Anne Kunze im ZEIT Magazin

Ich darf Sie erstmal beglückwünschen zu diesem Bericht. Leider haben Sie , aus irgend einem Grund , nur das Servicepersonal in Ihren Betrachtungen einbezogen. In der Tat hat die nautische und die technische Crew mit enormen ähnlichen Problemen zu tun. Die Bezahlung erfolgt individuell. Ein Tarifvertrag wie bei deutschen Seeleute gib es nicht. Beiträge zur Krankenversicherung und Rentenversicherung werden nicht abgeführt. Wenn ein Nautischer-Offizier die Gangway verlassen hat, mit seinem Koffer ist er nicht mehr krankenversichert und auch nicht rentenversichert. Eine enorme Belastung tritt für diese Menschen auf. Wenn das Schiff unterwegs ist müssen Offiziere und Ingenieure 56 Stunden pro Woche arbeiten. Zusätzlich fallen noch Überstunden bei Revierfahrten etc an die nur pauschal vergütet werden, D.h. eine 60-70 Std-Woche ist Standard. Die Nautiker die in Deutschland ihr Kapitänspatent machen haben fast keine Möglichkeit die noch zusätzlich geforderte Seefahrtszeit zu erfüllen da den Reedern die Kosten zu hoch sind. Ein Studium von 4 Jahren ist fast für die Katz. .Vielleicht können Sie mal eine neue Story schreiben. Die Ingenieure haben an Land eine verhältnismäßig gute Möglichkeit. Wie Sie es beschrieben haben müssen die Reisen billig sein eben zu Lasten der Besatzungen. Die Reeder sind teilweise brutal. Nochmals vielen Dank für das beschriebene Thema. – Klaus Schöneberg


Leserbrief zu „Unter Deck“ von Miguel Helm und Anne Kunze im ZEIT Magazin

Als jemand, der vor Jahren als Pastor an Bord eines Kreuzfahrtschiffes häufig als „seelsorgerliche Begleitung“ wie auch im „Entertainment“ (Lesungen, Vorträge, Begleitungen) unterwegs war, muss ich sagen; Dieser Artikel ist doch eine ziemliche Schwarzmalerei! Grundsätzlich ist doch anzumerken, dass wir es bei den fraglichen Arbeitsplätzen mit Strukturen der Globalisierung der Arbeit in vielen Sektoren der Wirtschaft zu tun haben. Da sind dann eine ganze Reihe von Unternehmungen mit Maßstäben zu messen, die „Gerechtigkeit“ und „Menschenwürde“ heißen. (Selbst bei der DP in unserem Lande ist mehr noch als der moralische Zeigefinger zu heben!) Meine Erfahrungen sagen mir, dass auf einem Kreuzfahrtschiff eine sehr differenzierte Mitarbeiterschaft unterwegs ist- mit entsprechend spezifizierten Kosten bzw. Verdiensten. Wer etwa im passagiernahen Service arbeitet darf zumeist auch noch mit gutem Trinkgeld rechnen – während die „Künstler“ oftmals sehr knapp abgespeist werden (mit Ausnahmen wie U. Lindenberg und anderen Promis der Branche). Jedenfalls sind die, die „unter Deck“ hausen, mit einem Arbeitsplatz versehen, den sie in ihrer Heimat nicht haben. Dort sind sie für viele Familien die einzigen Versorger/innen. (Das könnte sich ja auch mal zum Besseren ändern!) Wer als Tourist diesen Menschen an Bord freundlich und respektvoll begegnet hat schon Vieles für deren Zufriedenheit getan. (Und dazu gehört auch immer ein ordentliches Trinkgeld!)

Als Bordseelsorger habe ich es auch immer zu meinen Aufgaben gezählt, einen „Gottesdienst unter Deck“ für die Mitarbeitenden aus vielen Nationen zu halten. Das waren große Ereignisse. Auch damit haben sie Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Mit dem Wachstum des weltweiten (aber auch des lokalen) Tourismus sind auch dessen Strukturen den Kräften der Globalisierung ausgeliefert; es sei denn, wir krempeln dieses ganze System – gegen alle großen Kapitalinteressen – um. Dann wäre es gut, die Kreuzfahrtschiffe mit und in „gelben Westen“ zu besteigen. Allerdings mit der Folge, dann auch alle Serviceleistungen selber in die Hand nehmen zu müssen. Und wer dann nörgelt, der fliegt raus! – Robert Cachandt


Leserbrief zu „Käse für den Präsidenten“ von Alice Bota

Russland bewegt viel. Viel Positives. Viel Negatives, was zumeist abdämpfend in Humor verpackt wird. Mögen Sie russischen Humor ? Letztens nahmen meine Freunde in Glebovskoje – das ist ein kleines Dorf, in dem durch seine fruchtbaren Böden bekannten Opolje gelegen, nahe Susdal – zu unseren Sorgen über ihre Ernährung mit folgender „anekdot“ Stellung : „Ein russischer Tourist bekam auf einem Rotterdamer Käsemarkt die Vielfalt europäischer Käsesorten vorgeführt. Auf seine Frage, ob man auch russischen Käse habe, lautete die Antwort :Nein. Aber wir ! ,entgegnete der Russe.“ Die russische Käsequalität, da mögen Sie zum Teil recht haben, war bisher nicht gerade überragend. Sonst wäre wohl auch nicht z.B. finnischer Käse in besonderem Maße im Angebot. Natürlich ist man in Russland sehr erfreut, wenn mittels Sanktionen die Eigenherstellung attraktiver Käsesorten (siehe Oleg Sirota /Parmesan) angestoßen wird. Meine Freunde vom Dorf verstehen Ihre Zweifel nicht, ob die unternehmerische Kraft bei den Kleinbauern auch von Dauer sein könnte. Die Vermutung liegt nahe, nicht nur bei diesen Dorfbewohnern – meine Freunde selbst bestreiten ihren Lebensunterhalt zum großen Teil durch Selbstversorgung auf ihrem Grundstück- dass die Enttäuschung hier im Westen- ausgedrückt z. B. durch russlandkritische Journalisten- über das Verfehlen „erzieherischer“ Sanktionsziele groß ist. Zu groß scheint doch die Mühe, russischen Selbstbehauptungswillen verstehen und nachvollziehen zu können. Manche Meinungsäußerungen verwundern außerdem zutiefst, z.B.: „Putin jedenfalls stellt seine Wähler darauf ein, dass die Sanktionen nur ein Versuch seien, Russland klein zu halten.“ und noch mehr die Ihres Kollegen Joffe : “ Putin herrscht über eine scheiternde Wirtschaft….. aber das Volk steht hinter dem Mann, der Russland wieder die alte Glorie schenken will..“ Die Antwort meiner Freunde, Akademiker wie Sie, pauschal wiedergegeben : „Wir wollen nur akzeptiert werden, auf Augenhöhe mit euch reden dürfen und wenn dieser Putin nicht wäre, würden wir uns genau so einen, vielleicht noch härteren, suchen.“ Ich möchte in diesem Zusammenhang auf eine Bemerkung Giovanni di Lorenzos hinweisen (in der gleichen ZEIT-Ausgabe,betr. SPIEGEL) : „….es gibt andere Auswüchse, die vielen Lesern weiß Gott mehr Unmut bereiten, etwa das manchmal penetrante Ineinanderfließen von Meinung und Fakten „. – H. Koop


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Umfangreiche Passagen des Korans bilden interessengeleitete Varianten der Bibel bzw. der Thora ab. So hat Sure 4, 34 eine Entsprechung in 1. Mose 3,16. Gott an Eva: „Du hast Verlangen nach deinem Mann, er aber wird über dich herrschen.“ Unabhängig von zeitgemäßen Deutungen besteht der Konflikt entsprechender Texte in der Rechtfertigung von Aussagen durch die Berufung auf Gott als unwiderruflicher Instanz. Es sollte aber jedem Juden, Christ und Moslem klar sein, dass das ein aus heutiger Sicht: Trick ist, mit dem Werte und Botschaften bezüglich gesellschaftlicher Angelegenheiten jeglicher Hinterfragung und Relativierung entzogen werden sollen. Und was die koranische Aussage, widerspenstige Frauen schlagen zu dürfen angeht, sollte man das aus der Perspektive heutigen Wissens betrachten: Wer zu primärer Gewalt greift, reduziert sich selbst auf einen Gewaltausübenden. Er wird manipulierbar – und das ist durch keine Berufung auf religiöse Werte zu rechtfertigen. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ von Franz Alt

Franz Alts Engagement und Pathos für die „Gute Sache“ einer Kirchenreform allen Ehren, aber mit dieser Neujahrspredigt verlässt er den Bereich seriöser religiöser Rede – wie schon in seinen beiden Büchern zum gleichen Thema. Unkritisch folgt er den z.T. abenteuerlichen Rückübersetzungen der Evangelien aus der Feder des wissenschaftlich isolierten und offenbar darüber persönlich verbitterten Privatgelehrten Günther Schwarz (1928 – 2009). In dessen Arbeiten dient immer wieder ein vorgefasstes Jesusbild („Das kann Jesus unmöglich gesagt haben…“) zur Entscheidung philologischer Sachfragen. Auch Franz Alt verfällt in Schwarz-Weiß-Malereien und Verschwörungstheorien. Das dient weder der Reform des Christentums noch wird es dem Niveau von „Glauben & Zweifeln“ gerecht. – Klaus Kiesow


Leserbrief zu „Keine Lust auf Frust“ von Martin Machowecz

Nach 40 Jahren in der DDR und nunmehr fast 30 Jahren in NRW lebend und bis vor ein paar Jahren auch hier arbeitend, habe ich mich intensiv mit der Frage des so schweren inneren Zusammenwachsen auseinandergesetzt. Ein Schlüsselsatz ist in Ihrem Artikel: „Dass auch der Westen sich neuerdings infrage stellt, ist der beste erste Schritt:“ Da ich seit drei Jahrzehnten im beruflichen und sozialen Umfeld einer der wenigen „Ossis“ war und bin, ist aus meiner Erfahrung dies ein entscheidender Grund, dass immer noch eine große Kluft zwischen Ost und West besteht. Ein Dilemma besteht z.B. darin, dass Menschen wie ich eben eigene unmittelbare Erfahrungen sowohl aus der DDR als auch aus der „NachwendeBRD“ haben. Diese „Wessis“ meiner Generation zu vermitteln, ohne dabei die DDR zu glorifizieren, ist ungemein schwierig. Weil eben den meisten „Wessis“ die eigene Erfahrung mit dem Alltag in der DDR fehlt. Nur damit Sie mich nicht falsch verstehen, ich habe seit meiner Abiturientenzeit durchaus kritisch das Geschehen in der DDR gesehen, habe nicht nur durch Ausreiseantrag mit meiner Familie auch berufliche Diskriminierung erfahren. Gleichwohl sehe ich z.B. mit -wenn auch später- Genugtuung, dass z.B. die Poliklinik eine Renaissance erfährt (nur heißt sie jetzt MVZ), dass der Anspruch auf einen Kitaplatz in das Grundgesetz aufgenommen werden soll (was hat man anfangs über die Kinderkrippen in der DDR gelästert). Ist es wirklich für einen „Wessi“ so schwierig, den grünen Pfeil zum Rechtsabbiegen zu akzeptieren (Was wurde in entsprechenden Reportagen von Fahrlehrern darüber gelacht)? Über das Bildungssystem wäre noch zu streiten. Mein Abitur von 1967 möchte ich auf keinen Fall mit dem meiner Söhne auf Schulen in NRW tauschen! Mal abgesehen von gesellschaftspolitischen Indoktrinationen (Staatsbürgerkunde, z.T. Geschichte) war es naturwissenschaftlich und sicher auch geisteswissenschaftlich wesentlich umfangreicher und allgemeinbildender als das meiner Söhne. Ganz abgesehen von dem unsäglichen Theater der Nichtanerkennung von Schul- und Universitätsabschlüssen beim Wechsel von einem in das andere Bundesland. Föderalismus ja, aber z.T. lächerliche Kleinstaaterei, nein.

Dass die DDR 1989 ökonomisch, politisch und moralisch am Ende war und schon viel früher (hätte nicht Strauß nicht zuletzt auch aus eigenem Interesse mit Kredit geholfen), ist zweifelsfrei. Der November 89 war für meine Generation und für die Generation unserer Kinder ein Glücksfall. Nicht nur die Treuhand (siehe viele Dokumentationen) hat Fehler gemacht, auch psychologisch wurde so manches falsch gemacht. In Gesprächen mit Interessierten erzähle ich immer eine Metapher:
1989 fuhren ein Trabbi und ein Mercedes auf der Autobahn. Der Trabbi stank, qualmte und konnte nicht mehr weiter fahren. Er bat den Mercedesfahrer um Hilfe. Dieser warf ein Seil aus dem Fenster und rief: „häng dich an, ich nehme dich mit zur nächsten Werkstatt und dann verschrotten wir dein Auto und in ein paar Jahren kannst du dir dann auch einen Mercedes kaufen“. Klug und vielleicht mit einer gewissen Beruhigung oder Genugtuung wäre es gewesen, wenn der Mercedesfahrer erst mal auf einen Parkplatz gefahren wäre, um sein eigenes Auto gegangen wäre und nach dem einen oder anderen Kratzer, nach dem Ölstand, nach Gebrauchsspuren geguckt hätte. Und vielleicht wäre dann auch Gelegenheit gewesen, den erschöpften Trabbifahrer zu fragen: „Zeig doch mal, was hast du denn so alles dabei, was können wir denn vor dem Verschrotten noch umladen, vielleicht kann ich das eine oder andere auch gebrauchen?“
Übrigens, mit das Erste was der Trabbifahrer nach der Verschrottung gemacht hat: er hat sich ein Abo der ZEIT bestellt und liest diese bis heute… – Dr. Bernhard Genzel


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Dieser Artikel demonstriert eindrücklich diverse Möglichkeiten einer Textinterpretation. Leider zeichnet er aber lediglich ein Stimmungsbild, konkrete Angaben zu einer mehrheitlichten Auffassung der Muslime in Deutschland fehlen. – Dr. Regine Fischer


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Wirkt sich ein jahrhundertealter Satz auf das deutsche Hier und Jetzt aus? Na hoffentlich gar nicht. Ich habe bisher geglaubt, dass in Deutschland die deutschen Gesetze gelten, die u.a. das Schlagen und malträtieren von Mitmenschen seit einigen Jahren bei Strafe untersagen. Egal, auf welche religiöse oder sonstige Ausrede man sich als Rechtfertigung beruft. Auch dachte ich, dass alle Menschen, die in Deutschland leben, sich an diese Gesetze halten müssen. Und interessant (ehrlich) fand ich den Artikel von Franz Alt ein paar Seiten weiter, der darauf hinweist, wie wenige Theologen Aramäisch (die Sprache Christi) beherrschen und sich dennoch mit Auslegungen der Frohen Botschaft überschlagen. Dieses Dossier ist ungefähr so interessant wie die regelmäßig wiederkehrenden Berichte über Schneestürme im winterlichen New York. Bitte lieber mehr Dossiers über die Lage der Menschen in Landgrabbing-Regionen, in Soja-Anbaugebieten (für unsere Veganer), über miserable Arbeitsbedingungen nicht nur im Ausland, über die mangelnde Vision für Städte (teuerste Wohnungen, leere Geschäfte, dafür verstopfte Straßen mit Lieferautos, gefahren von Niedriglöhnern, die aus Zeitmangel in 2. Spur parken, über die Klärung der Frage, wer bei fahrerlosen Autos bei Unfällen haftet, wer überhaupt bei irgendwelchem Unsinn haftet, z.B. bei Datenklau wegen Digitalisierung, die uns ständig eingeredet wird. Bisher höre ich da nur, der User muss eben besser aufpassen, wer sich eine Stadtwohnung nicht leisten kann, muss halt aufs Land ziehen (dort hat man dann eh ein Shopping-Center vor der Tür) und der Lieferservice ist doch soo bequem! Aber bitte keine drei Seiten über Steinzeitmentalitäten, das sollte Europa hinter sich gelassen haben, es lebe der säkulare Staat! – Mag. Afra Margaretha


Leserbrief zu „Von wegen Auslaufmodell“ von Jens Nordalm

Ich finde es beruhigend, dass Jens Nordalm in „Von wegen Auslaufmodell“ die Nation nicht als einen Wert an sich verkaufen möchte. Vielmehr scheint er der Meinung zu sein, dass sie ein Mittel – seiner Meinung nach, das beste Mittel – zu einem höheren Zweck darstellt. Sie sei nämlich das „beste Getriebe für die Demokratie“ und nötig, um international etwas zu bewegen. Beruhigend ist das insofern, als dass es demnach offenbar eine Untergruppe der Freunde des Nationalen – das böse Wort Nationalisten würde diesen Menschen wohl nicht gerecht – gibt, die vielleicht eines Tages von der Nation lassen mögen, wenn an ihrer Statt ein funktionales Äquivalent gefunden ist. Leider schließt der Autor aber die Möglichkeit eines solchen funktionalen Äquivalents kategorisch aus: so hätten „Freiheit und Demokratie allein eine Zukunft“ in den Grenzen der Nation. Eine Begründung für diese steile These bleibt er aber schuldig. Und das aus gutem Grunde, denn sie ist schlicht falsch. Demokratie lässt sich nämlich auf vielen Ebenen effektiv organisieren. In der Familie, im Betrieb, in der Gemeinde, auf Ebene des Gliedstaates, der Nation, und, ja, auch auf supranationaler Ebene, wie die Europäische Union beweist. Sicher mag es effektivere Demokratien geben als die Europäische Union, aber ein guter Teil der diesbezüglichen Defizite ist gerade der Obstinanz ihrer ach-so-demokratiefreudigen Mitgliedsnationalstaaten geschuldet. Man darf wohl auch mit Fug und Recht feststellen, dass die Europäische Union demokratischer als so manche Nation – in- und außerhalb Europas – ist.

„Die politischen Aufgaben beginnen vor Ort. Die Schulen sind hier.“ begründet der Autor die Notwendigkeit der Nation. Das geht grandios am entscheidenden Punkt vorbei. In der Tat macht internationale Schulpolitik wenig Sinn. Nationale aber eben auch nicht unbedingt viel mehr. Meiner Ansicht nach völlig zu recht ist Bildungspolitik in Deutschland Kompetenz der Demokratien der Gliedstaaten. Der entscheidende Punkt ist nämlich, dass sich bestimmte politische Probleme auf unterschiedlichen Ebenen unterschiedlich gut lösen lassen. Schulpolitik ist ein Beispiel eines politischen Problems, das unterhalb der Ebene des Nationalstaats gut aufgehoben ist. Das andere Beispiel des Autors, Klimapolitik, dagegen eines, das sich auf globaler Ebene besser lösen ließe. Eine – auch noch so große – „nationale Anstrengung“ führt da nicht weit und ruft, im Gegenteil, Trittbrettfahrer auf den Plan, die die Bemühungen ineffektiv machen können. Supranationale Politik kann Trittbrettfahrerprobleme dagegen bekämpfen. Zugegebenermaßen ist supranationale Politik schwierig zu organisieren – aber das heißt nicht, dass sie unmöglich oder gar nicht erstrebenswert ist. Wer weiß – vielleicht ist die Nation doch zwischen kommunaler, regionaler, europäischer – und eines Tages globaler – Demokratie ein Auslaufmodell. Mich würde es freuen. – Kai Spitzer


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Ein ausführlicher Artikel zu der Frage, ob der Koran erlaubt, die eigene Frau zu schlagen, bringt wenig Klarheit: Einigkeit , dass man seine Frau (möglicherweise) schlagen dürfe ( aber sanft), und akademische Interpretationen, die diesen Vers als Fortschritt verklären ( immerhin besser, als sie zu töten). Und das alles muss herhalten, um einen etwas vagen Verdacht zu bestätigen : Muslimische Frauen werden von ihren Männern geschlagen. Leider gibt es in diesem Artikel keine Aussagen darüber wie in anderen Gesellschaften eheliche Auseinandersetzungen geführt werden, also wo überall und wie häufig und wie stark geprügelt wird. Wird aggressives Verhalten speziell vom Koran erlaubt oder liegt es vielleicht daran, dass in auch manchen anderen Ländern weniger diskutiert und stattdessen häufiger mal zugelangt wird (wie bei uns noch vor wenigen Jahrzehnten )? Oder haben die Muslime einfach nur einen Koranvers gefunden, der ihr Verhalten sanktioniert ? Wie natürlich auch bei uns, es gab z.B. das Verhalten des Herrn Onan (Genesis, Kap.38) die Rechtfertigung für abstruse moralische Forderungen.

Viel wichtiger erscheint mir die Frage, wie wir und die Muslime oder andere Migranten mit der eigenen kulturellen Selbstbestimmung umgehen, wenn wir zusammen leben –wo müssen sie verzichten, wieviel müssen wir tolerieren (wie beim , bei uns eigentlich verbotenem Schächten und Beschneidungen )? Wo sind bei uns rote Linien, die zwingend einzuhalten sind, wo müssen wir fremdes Verhalten als ungewohnt, vielleicht befremdlich , aber vielleicht auch bereichernd ansehen ? Wir können nicht einfach fordern, dass sich ein Mensch aus einem andern Kulturkreis in einen perfekten Mitteleuropäer verwandelt, wir müssen ihm in seinen Eigenheiten respektvoll begegnen. Wir müssen ihm schon Eigenes zugestehen, wie z.B. dass er Forderungen aus dem Koran befolgt, soweit – und das ist entscheidend – nicht Konflikte mit unseren Menschenrechten auftreten. Es ist für uns in unserem säkularem Staat aber nicht bindend, was der Koran oder die Bibel sagt, sondern nur ,was bei uns als Recht und Gesetz verstanden wird. – Dr. Johann Henrich Vietor


Leserbrief zu „Sie sieht mich einfach nicht“ von Sven Behrisch

Zum Betrachten der „Mona Lisa“ kann ich mit einem guten Schülerspruch beitragen. Kunstunterricht in der Oberstufe des Gymnasiums. Mit einem Dia erklärt der etwas bizarr aussehende Kunsterzieher die „Mona Lisa“. Er sagt: „Überall wo ich hingehe, folgt mir der Blick der Mona Lisa.“ Zwischenruf eines Schülers aus dem halbdunklen Raum: „und wenn sie Sie sieht, dann lächelt sie.“ – Maria Lenz


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Welch ein Aufwand zu diesem Thema! Bei der Gewalt gegen Frauen – begangen von Muslimen – hilft uns doch der Rückgriff auf den Koran nicht weiter. Wir haben das Grundgesetz und daraus abgeleitet die Zivilgesetzgebung; Polizei und Justiz haben die Aufgabe, diese durchzusetzen unabhängig vom kulturellen Hintergrund und der religiösen Überzeugung des Täters. – Klaus Buchenau


Leserbrief zu „Keine Lust auf Frust“ von Martin Machowecz

Der Geburtsfehler des geeinten Deutschlands hält sich von Anfang an durch, ja verschärft sich gegenwärtig: dass es 1990 lediglich einen Beitritt des Ostens nach Art. 23 GG gegeben hat, aber keinen von der Verfassung eigentlich für diesen Fall vorgesehenen Neuanfang (Art. 146 GG) für eine umgestaltete und auf deutlicheren Gerechtigkeitsprinzipien basierende Berliner Republik. Die pure Ausdehnung der Bonner Republik nach Osten musste misslingen. Die grundsätzliche Neuausrichtung auf eine gemeinsame Zukunft des gesamten Landes steht noch aus. Mit einem „Anschluss“ ist übrigens Deutschland bereits früher einmal schlecht gefahren. – Ludger Gaillard


Leserbrief zu „Von wegen Auslaufmodell“ von Jens Nordalm

Hat die Ideologie-Werkstatt der ‚konservativen Revolution‘ von Jens Spahn und Alexander Dobrindt nichts Besseres zu liefern als diese Anhäufung von Worthülsen, Plattitüden und Argumenten, die längst widerlegt worden sind? Nachsitzen in Geschichtswissenschaft! Oder nachlesen bei Hans-Ulrich Wehler, Nationalismus. Geschichte – Formen – Folgen, München 2001! – Jürgen Thiede


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Einerseits war ich erschüttert, wie sich einige Gläubige des Korans und und hier insbesonders solche, die die 4:34 und deren mit Wortlaut ( vergleichsweise wie Zeugen Jehovas) Wort für Wort verinnerlichen und meinen ihn in die Tat umsetzen. Andererseits Schreiben Sie in ihrem Dossier über etliche stellen im koran, die dem 4:34 Komplett entgegenstehen. Es hat mich – als Naturwissenschaftler und Nutzer von Statistiken – gewundert, dass Sie diesem 4:34 nicht einfach alle diejenigen Stellen im Koran gegenübergestellt haben ( und zwar als Tabelle oder Liste), welche offensichtlich die 4: 34 außer Kraft setzen. Für den interessierten Leser wäre dies eine exorbitante Chance, auch die guten Botschaften zum Verhalten gegenüber Frauen wahrzunehmen und zu verinnerlichen. – Peter Neuling


Leserbrief zu „Opfer der Leidenschaft“ von Merle Schmalenbach

Ergänzend wäre auch auf das Verhältnis von Idealismus und Anerkennung zu verweisen, das bei uns mehr und mehr auseinanderklafft: Man kann berufliche Leidenschaft auch nicht verlangen, wenn man einem Beruf die Aura des Professionellen nimmt, weil weite Gesellschaftskreise die Anerkennung versagen.
Beispiel: Wie sollte jemand noch Lehrer achten, wenn er längst in die Bildungskritik abgedriftet ist und von einzelnen Politikern darin bestärkt wird, nur noch seine persönlichen Egoismen durchzusetzen? Verzicht wird ja nur noch von statusniederen Berufsinhabern verlangt. Dabei sollte fuer alle Berufe gelten:
„Genieße, was dir Gott beschieden,
entbehren gern, was du nicht hast.
Ein jeder Stand hat seinen Frieden, ein jeder Stand hat seine Last.“ (Gellert) – Dr. Karg


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Man kann in solche „Worte Gottes“ ja offensichtlich hineininterpretieren, was immer der Zeitgeist gerne herauslesen möchte. Und wenn man aus „Die Männer stehen über den Frauen …“ ein „Die Männer stehen für die Frauen ein …“ machen kann, dürfte es auch möglich sein, zu gegebener Zeit zu deuten, dass mit den Worten „… und schlagt sie!“ in Wahrheit „… und erschlagt sie!“ gemeint ist. – Margot Neuser


Leserbrief zu „Bulldozer im Bauch“ von Anja Rützel

Zu dem Artikel von Anja Rützel drucken Sie ein Foto der Autorin in ihrem Hotelbett, auf dem man auch einen Hund im Bett sieht. Was ist nur mit den Grundformen von Anstand und Verhalten geworden? Hunde gehören nicht ins Bett – schon gar nicht in ein Hotelbett, das auch von anderen Gästen genutzt wird.
Außerdem möchte ich anmerken, dass sich die Reiseberichte und noch extremer die Reiseangebote in der ZEIT leider zum überwiegenden Teil an eine Klientel richten, die über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügen muss. – Annette Ziegler


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Drei Seiten ZEIT-Dossier verschwendet für den misslungenen Versuch einer Koran-Weichspülung! Der Leser, dem nicht längst klar war, dass der Koran ebenso wenig wörtlich und ernst zu nehmen ist wie das Alte Testament, wird auch durch niedlich-ästhetische Bobzin-Übersetzungen nicht klüger. Entscheidend ist doch, wie der Koran in die Köpfe des muslimischen Durchschnitts-Mannes transportiert wird und was er dort anrichtet. Dazu empfehle ich den Autoren Henk und Sussebach die Lektüre des Artikels ihres Kollegen und ständigen ZEIT-Mitarbeiters Can Dündar „Wie soll man seine Frau schlagen“ vom 8.März 2018 in der ZEIT. – Dr. Frank Doerbeck


Leserbrief zu „Ein Blick in den Spiegel„ von Giovanni di Lorenzo

Schon lange wollte ich Ihnen schreiben, was mir an der ZEIT zunehmend stinkt. Nämlich: „das manchmal penetrante Ineinanderfließen von Meinungen und Fakten.“ Besser ,als Sie das geschrieben haben, kann ich es nicht sagen. Vielleicht hauen Sie diesen Satz Ihrer gesamten Politikredaktion“ um die Ohren“? Von der erfährt man seit Jahren nur noch Meinung und wenig Fakten. Ich habe deswegen schon mal mit Frau Hildebrand korrespondiert . Bei Herrn Ulrich klingt alles mächtig schlau, aber was erfährt man an Fakten und Hintergründen? Eigentlich nur die Meinung des Redakteurs zu diesem und jenem. Dabei möchte ich zuerst inhaltlich informiert werden und, gerne davon getrennt, eine pointierte Meinung lesen. Meine Lokalzeitung, die Nordsee-Zeitung , kann das noch. Auch die SZ bemüht sich. Die FAZ lässt tüchtig nach, aber die Krone der „Ausgewöhnlichgutinformiertenkreisenblablaundwaserwächstsichdaraus“ hat sich Ihre ZEIt aufgesetzt. Spiegeln, Spiegeln, an der Wand: Wer ist die penetranteste Zeitung im ganzen Land? – Hartwig Block


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Wir wissen,daß die enorme Verbreitung der Psalmen dadurch geschah,daß sie gesungen und in Sprechgesängen vermittelt wurden.Wir erinnern uns an traditionelle orientalische Märchenerzähler,deren Eigentum nicht nur die Erzählungen waren,sondern vor allem der modulierende Singsang,den vor allem man hören wollte.Nicht zu vergessen die“Großen Propheten“aus dem Alten Testament.Sie tönten gut artikuliert vor vielen Zuhörern und dies eindringlich wiederholt aus dem Gedächtnis.Fehler in der Tradierung kamen,und das vermehrt,erst mit der Verschriftlichung auf. Auch Mohammed in seiner Selbststilisierung als Prophet konnte sich,situationsentsprechend,zunächst nur „Gehör“verschaffen.Anfangs hätte ein Warten auf Verschriftlichung seinen beginnenden Siegeszug strategisch nur gebremst.Vorauszusehen war also,daß Interpretationsdebatten seiner Botschaft erst mit deren behaupteter Verschriftlichung beginnen würden.Eine Unmenge von Schulbildungen bis heute war die Folge mit hierarchisch organisierten Dauerscharmützeln. Jesus ist deshalb das klassische Beispiel dafür,wie befreiende Botschaft zu machtorientierter Konfession mutierte.Die akribische Bemühung,eine einzelne Sure(Koran 4,34)tagesaktuell zu verschriftlichen,scheint mir deshalb eher nur trendy als sie suggeriert,o h n e Interpretationsspielräume laufe unser Zusammenleben kommunikativer. – Prof. Rosenberg


Leserbrief zu „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ von Franz Alt

Übersetzen heißt, die Bedeutung eines Textes so exakt wie möglich in einer anderen Sprache wiederzugeben: Wenn also Zitate, die auf Griechisch überliefert sind, nach einer Übertragung in das Aramäische einen völlig neuen – bemerkenswerterweise ziemlich gefälligen – Sinn aufweisen, dann stimmt etwas mit der Übersetzung nicht. Daraufhin den Ausgangstext als manipuliert zu werten, ist schon ziemlich dreist. Man stelle sich vor, ein Schüler in der Abiturprüfung würde so argumentieren. Weshalb verleiht die ZEIT solch offensichtlichem Unsinn den Anschein von Seriösität? – Christoph Schmidt


Leserbrief zu „Über Totschweigen und Pressefreiheit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Bis vor einigen Jahren hatte ich angenommen, dass das Martensteinsche Demokratieverständnis konstitutiv für die westdeutsch geprägte deutsche Republik sei. Demokratie würde dabei den geordneten Wettstreit unterschiedlicher Meinungen ermöglichen. Aber nein, die aus der DDR bekannten Verhaltensmuster haben offenbar universellen Charakter: Im Namen einer sog. liberalen Demokratie werden Andersdenkende ebenso dikreditiert wie in der damaligen sog. sozialistischen Demokratie, Haltung ersetzt heute den Klassenstandpunkt, Gendergerechtigkeit und Antirassismus sind die aktuellen Formen der vormaligen antiimperialistischen Ideologie. Natürlich ist heute alles weniger scharf und existenzgefährdend. Aber die gleichen Grundmuster erschrecken mich nachhaltig. Zugleich ist es beruhigend: Es gibt Dogmatiker, Verschlagene und Opportunisten. Aber es gibt auch – und zwar auf allen Seiten! – ernsthaft Interessierte, wirkliche Demokraten (Martenstein!) oder wenigstens Diskursbereite (wie sogar mein früherer Staatsbürgerkundelehrer). Man sollte doch wenigstens das verinnerlichen: Demokratie ist nur ohne Adjektiv eine wirkliche Demokratie. – Andreas Mehnert


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Ich habe mich über Ihren interessanten Artikel sehr geärgert. Dass allein eine dürre Sure zur Gewalt anstiftet, ist zweifelhaft, ob Muslime in Deutschland oder der Welt tatsächlich besonders gewalttätig gegen ihre Frauen sind, lässt der Text unbeantwortet. Ich fürchte, Ihr Artikel hat dennoch das Misstrauen gegenüber Muslimen gesteigert. Warum? Geheimnistuerisch raunen Sie vom „Kern“ des Streits („Verführt der Koran Männer zu Gewalt?“). Sie kreieren ein Tabu und inszenieren Ihre Scham. Der Polizist Loepki sucht schon nach einer „Lösung“, bevor dem Leser das Problem klar ist. Die Politik will Sie aufhalten, doch Sie ergattern die alte Statistik, für die auch 397 türkischstämmige (ergo muslimische?) Frauen befragt wurden. Es entsteht der Eindruck: Da muss was dran sein, diese liberalen Journalisten fürchten nicht länger die Wahrheit, sondern sprechen sie aus. Schlimm sind die Aussagen der fünf Imame. Aber sprechen die denn für alle Muslime? Bei all der Nebelwerferei geht unter, dass Sie den Koran als widersprüchlich („Barmherzigkeit“) und die Gesamtheit der Muslime am Beispiel Ihrer eigenen Bekannten als heterogen darstellen. Wer Gewalt gegen seine Mitmenschen ausübt, tut etwas Falsches. Und wer den Koran liest, ist nicht notwendig gewalttätig. Die einfache Wahrheit ist, dass man seinem Gegenüber als Individuum begegnen soll. Es wird schwerer, dieser Maxime zu folgen, wenn der Fokus auf „typische“ Charakteristika vermeintlich einheitlicher Gruppen gerichtet wird. – Cornelius Bohl


Leserbrief zu „Streit ums Sonnenvitamin“ von Harro Albrecht

Am Beispiel Vigantol Öl 20.000 1.E./ml, Tropfen zum Einnehmen, Lösung (Merck Selbstmedikation GmbH, Darmstadt)
Was ist Vigantol Öl und wofür wird es angewendet?
Vigantol Öl ist ein Vitaminpräparat: Vigantol Öl enthält Colecalciferol (entspricht Vitamin D3).
Vigantol Öl wir angewendet:
– zur Vorbeugung gegen Rachitis (Verkalkungsstörungen des Skeletts im Wachstumsalter) und Osteomalazie (Knochenerweichung bei Erwachsenen)
– zur Vorbeugung bei erkennbarem Risiko einer Vitamin D-Mangelerkrankung bei ansonsten Gesunden ohne Resorptionsstörung (Störung der Aufnahme von Vitamin D im Darm) bei Kindern und Erwachsenen
– zur unterstützenden Behandlung der Osteoporose (Abbau des Knochengewebes) bei Erwachsenen
– zur Vorbeugung gegen Rachitis (Verkalkungsstörungen des Skelettes im Wachstumsalter) bei Frühgeborenen
– zur Vorbeugung bei erkennbarem Risiko einer Vitamin D-Mangelserkrankung bei Malabsorption bei Kindern und Erwachsenen
– bei der Behandlung von Rachitis (Verkalungsstörungen des Skeletts im Wachstumsalter) und Osteomalazie (Knochenerweichung bei Erwachsenen)
– bei der Behandlung von Hypoparathyreoidismus bei Erwachsenen
Über Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, oder gleich beide! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ von Franz Alt

Darf es ein bisschen mehr Jesus sein, Herr Alt? Dass Jesus Gewaltlosigkeit und Liebe gepredigt hat, wusste ich schon. Mehr Jesus in die Kirche und mehr Aramäisch in das Denken der Prediger, gerne! Sie erinnern mich jedoch an einen Pfarrer, der immer sagte: Hier steht zwar A, es muss aber eigentlich (nach meiner Übersetzung) B heißen. Die Aramäisch-Rückübersetzungen von Jeremias haben m.E. gezeigt, dass sie wertvolle Hinweise geben, aber keine andere Bibel. – Markus Orth


Leserbrief zu „Nicht Mann, nicht Frau – sondern Person“ von Jochen Bittner

Auf Seite 1 der ZEIT präsentiert Herr Bittner unreflektiertes Halbwissen, welches dem Laien einen katastrophal falschen Eindruck von Art und Häufigkeit der „Intersexualität“ vermittelt. Beispielsweise weist ein Mensch mit nur einem Geschlechtschromosom (Turner-Syndrom) weder genetisch noch körperlich irgendein männliches Merkmal auf: Kein Penis, kein Hodensack; dafür ein eindeutig weibliches äußeres Genital sowie eine Scheide, eine Gebärmutter und 2 Eierstöcke. Da die Betroffenen in der Regel keine sekundären Geschlechtsmerkmale entwickeln und unfruchtbar sind, liegt eine Störung der weiblichen Geschlechtsentwicklung vor, die jedoch keinerlei „intersexuellen“ Charakter hat. „Vanja“ klagte als vom Turner-Syndrom betroffene Person das Recht auf die Eintragung „divers“ im Geburtenregister durch. Korrekt müsste man „Vanja“ als weibliche Person mit gestörter Geschlechtsentwicklung und medikamentös herbeigeführten männlichen Merkmalen bezeichnen. Vanjas Bart war beispielsweise kein Zeichen von Intersexualität sondern Zeichen einer Hormonbehandlung.

Herrn Bittners unkritisch abgeschriebene Behauptung, jedes 500. Neugeborene sei intersexuell, erweckt einen grauenhaft falschen Eindruck in der Bevölkerung. Ich habe weit über 10.000 Neugeborene untersucht. Ich hätte über 20 intersexuelle Kinder finden müssen. Tatsächlich deckt sich aber meine persönliche Zahl mit der aller ähnlich erfahrenen Neonatologen und mit der aktuellen Studienlage: ungefähr 1 von 5000 Kindern weißt uneindeutige Geschlechtsmerkmale auf. Herrn Bittners Zahl (1:500) resultiert aus einer terminologischen Verwirrung. Sie bezieht sich allenfalls auf eine gestörte Geschlechtsentwicklung. Aber nicht jeder Mensch mit einer gestörten Geschlechtsentwicklung ist „intersexuell“. Im Extremfall müssten Sie dann auch einen unfruchtbaren Mann als intersexuell bezeichnen, da ihm ein bedeutsames männliches Merkmal fehlt. Die Zahl von 1:500 resultiert aus einem 2-zeiligen, inhaltlich veralteten Eintrag im medizinischen Wörtenbuch „Pschyrembel“ und wurde von Juristen und Ethikern völlig unkritisch in ihre jeweiligen Gutachten übernommen, die zeilweise auch als Quellen in der Begründung des Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (2017) angeführt sind.

Menschen mit einem uneindeutigen Geschlecht haben es nicht leicht. Sie brauchen unser aller Solidarität. Aber dies allein rechtfertigt nicht das völlig falsche Bild, welches in vielen Medien (einschließlich der ZEIT) von Art und Häufigkeit der „Intersexualität“ präsentiert wird. Wer sich die Mühe macht, sich die Quellen für die Häufigkeitsangabe 1:500 im Urteil des Bundesverfassungsgerichtes genauer anzuschauen, der merkt, dass weder ein Neonatologe noch ein (pädiatrischer) Endokrinologe noch sonst eine relevante Fachrichtung zu Wort kommt. Als Quellen angeführt werden im Urteil der „Pschyrembel“ (welcher keine Datenquelle für seinen lakonischen Eintrag nennt und diese Zahl auch seit Jahrzehnten nicht aktualisiert), im Weiteren nicht-medizinische Gutachten (die sich auf den Pschyrembel beziehen) von Juristen und Ethikern sowie ein etwas älteres Lehrbuch der Pathologie, welches mir nicht einsichtig war.

Als Kinderarzt und Neonatologe kann man sich über Art und Weise, in der dieses brisante Thema medial präsentiert wird, nur wundern. In meiner bislang 20-jährigen Arbeit als Kinderarzt und Neonatologe sind intersexuelle Kinder und Jugendlich sehr selten. Das Wort „intersexuell“ ist zudem in der Fachwelt zunehmend verpönt, es wird recht allgemein von „Störungen der Geschlechtsentwicklung“ gesprochen. Daraus entstehen terminologische Missverständnisse. Menschen mit einer Störung der Geschlechtsentwicklung lassen sich in den meisten Fällen eindeutig einem Geschlecht zuordnen. Aus ärztlicher Sicht unverständlich (zumindest für ausnahmslos alle Kollegen, mit denen ich darüber gesprochen habe), ist z.B. die Einordnung von Personen mit nur einem x-Chromosom (Turner-Syndrom) als „intersexuell“. Der Wortbestandteil „inter“ bedeuted, dass das Geschlecht sich „zwischen“ Mann und Frau befindet. Wenn sich aber kein einziges Merkmal findet, welches als spezifisch männlich gilt, andererseits aber alle primären weiblichen Geschlechtsmerkmale vorliegen (auch wenn die Eierstöcke morphologisch auffällig sind), so wird nicht ersichtlich, aus welcher Überlegung heraus hier eine Uneindeutigkeit bestehen soll. Es gibt bei der „Intersexualität“, wie überall, Grauzonen, die von Experten heterogen beurteilt werden. Diese unscharfe Grenzlinie zwischen „eindeutig“ männlich/weiblich und „uneindeutig“ erschwert die Diskussion. Die medial sehr offensiv präsentierte Häufigkeit der Intersexualität von 1:500 und die Einstufung von Personen mit Turner-Syndrom als „intersexuell“ sind jedenfalls hahnebüchen. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Schlechte Noten“ von Hannah Schmidt

Mit Verwunderung haben wir den mit dem Titel „Schlechte Noten“ überschrieben Artikel von Hannah Schmidt zur Situation der Ausbildung an den deutschen Musikhochschulen zur Kenntnis genommen. Irritiert sind wir v.a. deswegen, weil aus dem Artikel nicht zu erkennen ist, dass Hannah Schmidt tatsächlich an den Musikhochschulen in Deutschland recherchiert hat. Stattdessen hat sie sich offensichtlich in wesentlichen Punkten auf die Untersuchung von Esther Bishop aus dem Jahre 2014 bezogen, die unser Vorstandsmitglied Heinz Geuen bereits in seinem Beitrag im VAN-Magazin Nr. 170 vom 5.9.2018 geradegerückt hat. Offensichtlich ist dieser Text von Ihrer Autorin aber nicht zur Kenntnis genommen worden.

Die im ZEIT-Artikel angesprochenen Aspekte der Berufschancen von Absolventinnen und Absolventen unserer Hochschulen sind natürlich nicht alle vollkommen aus der Luft gegriffen, zumal sowohl in der Ausbildung als im Berufsfeld von Musikerinnen und Musikern Wettbewerb und Konkurrenz nun mal seit jeher konstitutiv sind und auch bleiben werden. Gleichwohl wäre es angebracht gewesen darauf hinzuweisen, wie die deutschen Musikhochschulen in den letzten Jahren auf Employability-Herausforderungen reagiert haben und welche Rolle dabei z.B. das Netzwerk Musikhochschulen für Qualitätsmanagement und Lehrentwicklung spielt. Gerade in diesem Netzwerk, einem Zusammenschluss von derzeit 11 Musikhochschulen, wurden eine Reihe von hochschuldidaktischen Maßnahmen und Beratungsstrukturen entwickelt, die inzwischen auf vielfältige Weise an den Hochschulen Wirkung entfalten. Dies wird leider nicht einmal erwähnt.

Inhaltlich kann im Rahmen eines Leserbriefs nur schlaglichtartig deutlich gemacht werden wie die deutschen Musikhochschulen mit den in dem Artikel angesprochenen Herausforderungen umgehen. So pflegen wir einen intensiven und vielfältigen Austausch mit der „freien Szene“, entwickeln innovative Konzertformate und unterstützen Studierende bei der Gründung von Ensembles und in der Realisierung von Projekten. Zudem ist das immer wieder zitierte „Orchestersterben“, wie im Artikel am Ende auch erwähnt, seit beinahe zehn Jahren quasi zum Stillstand gekommen. Und nach wie vor verfügt Deutschland über eine weltweit einzigartige Orchesterlandschaft. Ein „Überangebot“ an Instrumentalstudierenden gibt es natürlich – und muss es geben. Der „Überschuss“ an Studierenden über den konkreten Bedarf in den Kulturorchestern hinaus ist aus Qualitätsgründen notwendig, will man nicht schlicht für Planwirtschaft plädieren. Und gibt es nicht ein ebenso nachvollziehbares Recht auf professionelle musikalische Bildung, so wie es Menschen gibt, denen nicht abgesprochen wird, Kunst, Philosophie oder Byzantinistik zu studieren?

Das zitierte Plädoyer von Esther Bishop für einen Musiker, der „im universitären Sinn ‚gebildet`“ ist, mag man gerne unterschreiben. Die Umsetzung ist gleichwohl alles andere als trivial. So braucht man für die Orchesterarbeit spezielle Kompetenzen, die Studierende nun einmal erwerben sollen und übrigens auch wollen. Zugleich sollen (und müssen) Studiengänge im Sinne einer breiten Berufsbefähigung polyvalent qualifizieren. Abgesehen davon, dass reine Orchesterstudiengänge weniger als ein Drittel des Studienangebots der deutschen Musikhochschulen ausmachen, bedeutet dies, dass in den Curricula unserer Studiengänge längst erkannt wurde, dass Ausbildung und Bildung keine Gegensätze sein dürfen. Daher bieten wir Studierenden in unseren Professionalisierungsmodulen in der Tat verschiedene „Werkzeuge“ an, damit sie sich als Musiker/innen weiterentwickeln oder sich für andere Bereiche weiterbilden können. Dies impliziert auch eine breite Einbindung in pädagogische Arbeitsfelder, womit nicht nur das Unterrichten gemeint ist, sondern wozu auch Kompetenzen im Vermitteln und Kuratieren in größtmöglicher Breite gehören. Auch im künstlerischen Einzelunterricht hat sich viel getan: Es gibt Teamteaching innerhalb und zwischen verschiedenen Klassen, offene Unterrichtsformen, Feedbackformate, kollegiale Beratung und Hospitation, klassenübergreifende Projekte, Evaluationsgespräche – alles sicher nicht flächendeckend, aber doch in erwähnenswertem Ausmaß. Dies wirkt sich übrigens auch hinsichtlich der Berufungspolitik aus, denn in Berufungsverfahren spielt die Unterrichtsqualität heute eine deutlich höhere Rolle als das Renommee auf dem Podium – wobei sich beides natürlich nicht ausschließt. Warum also wird in Ihrem Artikel ein wohlfeiles Zerrbild gezeichnet, statt auf der Basis von Recherche vor Ort der Wirklichkeit in diesem anspruchsvollen und herausfordernden Studien- und Berufsfeld auf die Spur zu kommen? – Der Vorstand des Netzwerks Musikhochschulen: Hans Bertels (Hochschule für Musik Detmold), Prof. Dr. Heinz Geuen (Hochschule für Musik und Tanz Köln), Prof. Rico Gubler (Musikhochschule Lübeck)


Leserbrief zu „Sie sieht mich einfach nicht“ von Sven Behrisch

Ob die x-te Wiederholung der Beschreibung eines Besuches bei der Mona Lisa für den Leser noch interessant ist darf jeder Leser für sich beantworten, und natürlich kann auch die Wiederholung interessant sein, kann sie doch neue Aspekte ergeben. Was mich persönlich aber hier stört, ist der in leider zu vielen Artikeln anderer Publikationen schon gelesene (und daher einfach nur abgeschriebene) Versuch über optisch-emotionale Eindrücke einen Distinktionsgewinn zu erzielen. Zitat: „..das die Mona Lisa einem tatsächlich mit den Augen folgt-ein virtuoser Trick aber eben ein Trick…“ Das ist m.E. eben Abschreibeniveau auf Provinzblattebene (Herr Dr. Meyer hat mit einem suggestiven en face Bild seiner Frau den VHS-Wettbewerb gewonnen, die Augen…), denn jeder Versuch mit jedem Bild/Foto etc. aus dem ich vermeintlich direkt angesehen werde, zeigt, wenn ich mich ihm gegenüber bewege den gleichen Effekt. Zur Begründung des Effekts empfehle ich Rücksprache mit Optiker oder Psychologe. – Thomas Steinbach


Leserbrief zu „Unter Deck“ von Miguel Helm und Anne Kunze im ZEIT Magazin

Ihr Beitrag zu den üblen Arbeitsbedingungen des einfachen Schiffspersonals auf den Kreuzfahrtschiffen ist ernüchternd. Es ist löblich, dass Sie das Thema so umfangreich beleuchten. Hoffentlich geht wenigstens einigen der 2 Mio. deutschen Touristen, die jährlich mit solchen Schiffen verreisen, ein Licht auf, wie es hinter den glänzenden Fassaden solcher moderner Arbeitsgaleeren zugeht. Die günstigen Reisepreise sind ein allzu großer Anreiz dazu, so zu verreisen. Leider besteht wenig Hoffnung, dass sich da etwas grundsätzlich bessert. Es wäre auch gut, den enormen ökologischen Schaden einmal näher zu beleuchten, den die Armada der Kreuzfahrtschiffe verursacht. – Stefan Kaisers


Leserbrief zu „Sie sieht mich einfach nicht“ von Sven Behrisch

Vielen Dank für den Artikel. Leicht und luftig zu Lesen und zum Lachen. Geschichtliches mit Mut zur eigener Interpretation und sehr dicht gewoben. Gerade das was Marcel Duchamp betrifft, finde ich schön getroffen. Mit Ihrer eleganten und farbigen Sprache haben Sie, wie das Gemälde auch, nicht ausgesprochen, mit was wir beim Betrachten konfrontiert sind. Angeregt (als Künstlerin) nehme ich die Mona-Lisa-Geschichte in meinen Alltag und freue mich sehr über die Bereicherung! – Helene Sperandio


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Mit Abstand das beste dass ich seit langem über den Islam gelesen habe. Ich hoffe Sie erhalten dafür irgendeinen Journalisten Preis. Well done! – Carl – H. Schwinges


Leserbrief zu „Unter Deck“ von Miguel Helm und Anne Kunze im ZEIT Magazin

Wir haben in den beiden letzten Jahren jeweils eine Kreuzfahrt (Donau und Norwegen) gemacht und werden keine Kreuzfahrt mehr unternehmen. Wir wussten vorher nicht, um welche Arbeitsbedingungen es sich an Bord handelt. Keiner der Touristen würde für sich derartige Arbeitsverträge akzeptieren, die kostengünstigen Touren sind nur möglich, weil die “Seeleute”, die den Alltag an Bord sichern, ausgebeutet werden. Gut, dass der Magazin-Artikel dies deutlich macht. Es ist Urlaub auf Kosten Dritter und es bleibt die Frage offen, warum die Politik derartige Zustände nicht verbietet. In deutsche Häfen bzw. in Häfen in der EU dürften keine Kreuzfahrtschiffe einfahren, die gegen jede arbeitsrechtliche Vernunft und jeden menschlichen Anstand Mitarbeiter beschäftigen. Hinzukommt das nicht thematisierte Problem des Umweltschutzes, gegen den der überbordende Kreuzfahrtgigantismus bekanntermaßen verstößt. – Josef Zolk


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Koran und Bibel zu vergleichen ist legitim, bringt uns aber nicht weiter. Die Bibel ist 4 geteilt. Das Alte Testament zeigt die Geschichte des Volkes Israel auf. Das Neue Testament beschreibt das Leben Jesus Christus, das Wirken der Apostel und als letztes das Buch der Offenbarung. Die Bibel ist ein Buch des Christentums und der Kirche. Der Koran ist auch politisch. In manchen Staaten ist es Gesetz. Was heißt das für die gläubigen muslimischen Männer hier in Deutschland? Diese Frage wurde nicht gestellt. Meiner Meinung nach wurde ein wenig drum herum gefragt. Es gibt noch andere Tretminen, die man angehen sollte. Wie sieht der Koran die „Ungläubigen“? Wer sind Ungläubige und wie sehen gläubige Muslime uns Deutsche? Die Frage ist es wert, aus der Sicht des Korans mal anzugehen – traut Euch. – Rolf-Dieter Prochnio


Leserbrief zu „Aus erster Hand“ von Fritz Habekuss

Ihr Artikel greift ein sehr altes Thema auf, das endlich einer Lösung bedarft. Ich habe mich beruflich vor rund 40 Jahren in Westafrika mit Baumwolle befaßt. Es gibt in Afrika, besonders in der Sahelzone, viel und gute Baumwolle, die als Rohware exportiert und dann als billige Textilien zurück nach Afrika kam. Es gab damals in einige Ländern Anläufe, die Baumwolle lokal zu verarbeiten – fast immer ohne Erfolg. Die großen Hindernisse waren: Infrastruktur, schlechte und teure Energieversorgung, schlechtes Management. Die Folge waren zu hohe Preise. Deshalb sind die Alttextilien so begehrt und notwendig. Der Aufbau einer effizienten Textilindustrie wäre doch eine beispielhafte Herausforderung für Entwicklungshilfe: Der Rohstoff ist reichlich vorhanden, Arbeiter können ausgebildet werden, und natürlich muß die Infrastruktur verbessert werden. Das ist doch eine naheliegende praktische Lösung, besser als das augenblickliche Herumgeeiere in der Entwicklungspolitik. Ob die amerikanische AGOA noch zeitgemäß und sinnvoll ist, bezweifle ich, aber darauf haben die Europäer ja keinen Einfluß. – Klaus Haack


Leserbrief zu „Von wegen Auslaufmodell“ Jens Nordalm und zu „Zurück zum Hurra“ von Josef Joffe

Zu dem von Ihnen schon früher diskutierten Begriff des Gemeinwohls gehört insbesondere das Wohlbefinden in der Gemeinschaft, in der Nachbarschaft, das Wohlsein im sozialen Umfeld, befreit von Angst. Angst haben Deutsche, Ihre Kinder in die Schule zu schicken, die keine Freunde mehr finden, weil „ungläubige“ Christen verprügelt werden, weil kleine Mädchen mit Ihrer Kleidung den rechten Glauben demonstrieren und denen von ihren Eltern verboten ist, sich mit „Deutschen“ einzulassen. Bei einem Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund von z. T. größer 90 % in der Grundschule haben wir ein Problem! Die Frage ist, ob unsere durch Einbürgerung erweiterte Wählerschaft überhaupt noch demokratiefähig ist. Worauf sollen wir eigentlich stolz sein? Wir bewegen uns sehenden Auges auf eine Mehrheitsgesellschaft zu, die die geschichtlichen, kulturellen Errungenschaften mit Füßen tritt und ihr ablehnend oder mindestens gleichgültig gegenübersteht und ihr Recht auf die eigene mitgebrachte Kultur und ihr eigenes „Demokratieverständnis“ einfordern.

Die „Integration“ von Zuwanderern aus z. T. archaischen Gesellschaften in unserer Denk- und Lebenswirklichkeit, die durch eine geschichtliche Entwicklung von Jahrhunderten geprägt ist, kann nicht gelingen. Wir fördern deshalb in unseren Ländern – ob wir wollen oder nicht – Parallelgesellschaften, die das Kollektivbewusstsein der traditionellen Gesellschaftsordnung überrollen. Das von Ihnen schon früher besprochene Bürgertum schrumpft zu einer Minderheit. Ich fürchte mich sogar vor dem Hass vieler sogenannter Demokraten in der Parteienlandschaft auf „Deutschsein“, die – so scheint es – eine Vernichtungsstrategie u. a. mittels Redeverboten betreibt. Bin ich rechts, weil ich unsere Kultur, unsere Dichtung, unsere Musik, unsere Architektur, unsere Kunst und unsere Demokratie (meiner Jugend) liebe, die uns letztlich mit unseren Nachbarländern zutiefst verbindet. Ich bin Kultureuropäer und im Ausland weiß man deutsche Tugenden noch zu schätzen.

Ich halte es sogar für ein Verbrechen, die Zuwanderer aufzufordern Ihren eigenen kulturellen Hintergrund zu vergessen und sich uns anzupassen. Die Integration wird schon aufgrund der zunehmenden Mehrheit der Zuwanderer nicht mehr gelingen. Wir machen diese als Folge unserer Anpassungsüberforderung heimatlos. Unsere demokratische Verantwortung und unsere Pflichten werden nicht verstanden. Ich klage die politische Kaste an, die Zugewanderten größten Teils mit unserer Integrationserwartung zu überfordern und damit auf lange Sicht Slums mit hoher Kriminalität zu fördern oder aber Teile unseres Landes oder zumindest von Städten (siehe Kreuzberg-Neukölln) an die Selbstjustiz der Parallelgesellschaften zu verlieren, in die sich schon heute keine Polizei mehr wagt und Richter aus Angst vor Drohbriefen nur mildeste Urteile sprechen. Zudem werden wir diese Menschen dauerhaft durch unsere Sozialsysteme alimentieren müssen. Man spaltet unsere Gesellschaft zutiefst, wenn man Menschen, die aufgrund von Beobachtungen und Erfahrungen ähnliches Gedankengut befällt, als Rechtsradikale diffamiert! – Dr.-Ing. Helmut Köster


Leserbrief zu „Bulldozer im Bauch“ von Anja Rützel

Ein Tee aus Faulbaumrinde ist ein effektives Abführmittel bei Verstopfung und sollte nicht zum „Entschlackungsmittel“ verharmlost werden. Die beschleunigte Darmbewegung führt zusammen mit einem Wassereinstrom aus dem Körper in den Darm zur gewünschten „Verflüssigung“. Leider verliert man mit dem Wasser auch wertvolle – basische! – Mineralstoffe, zudem hat der Darm keine Zeit, die zugeführte Nahrung vollständig zu verdauen. Übelkeit, Bauchschmerzen und Krämpfe („Bulldozer im Bauch“?) sind eher Symptome einer zu hohen Dosis an Abführmittel als einer „Schlacken-Intoxikation“. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte nicht Ihre Rezeptionistin! – Beate Sames


Leserbrief zu „Heu-Noon im Norden – Halm ist nicht gleich Halm“ von Fabian Franke

Es wäre schön, wenn Sie bei Bezeichnungen aus der Landwirtschaft nicht nur niederdeutsche Begriffe (Krummet) angäben, sondern auch die entsprechenden oberdeutschen (Öhmd). Das ist ja das Vielfältige am Deutschen, dass es ober- und niederdeutsche Begriffe in die Standardsprache aufgenommen hat: Metzger/Fleischer, Schreiner/Tischler, Küfer/Böttcher, (Schlag-)Rahm/Sahne und viele andere. Übrigens dürfte in der Schweiz Krummet kaum jemand verstehen – haben Sie das bei Ihrer Schweiz-Ausgabe berücksichtigt? – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Die neue Marianne“ von Georg Blume

In Ihrem Beitrag werden Erklärungen des Phänomens der Gelbwesten in Aussicht gestellt. Dass es für dieses Phänomen keine einfachen und bisher hinreichenden Erklärungen gibt, war Leser/-innen, die sich schon mehr oder weniger mit diesem Thema beschäftigt haben, bereits klar. Umso mehr sind sie an Berichten interessiert, die vielleicht auch nur einen Teilaspekt des Phänomens erklären, also auch an Ihrem Portrait der Gelbwesten-Aktivistin Ingrid Levavasseur. Vielversprechend ist der Untertitel: „… weil sie das Leid der unteren Mittelschicht beschrieben kann“ und die Bildunterschrift: „Kaum einer kann die Gründe für den Protest so gut erklären wie Ingrid Levavasseur“. Man ist nun bereits gespannt. Es beginnt mit Bekräftigungen der oben genannten Ankündigungen („… den Präsidenten an die Wand geredet“, „… sehr oft im Fernsehen“). Was aber folgt, sind Charakterisierungen (schwierige familiäre Verhältnisse, tüchtige Krankenpflegerin, jeder will sie heiraten) und nicht sehr sachliche Äußerungen nahestehender Personen über Levavasseur („… auf Ingrid besonders stolz“), kein Wunder, schließlich kommen hier auch Verwandte zu Wort. Wo bleiben nun die Erklärungen? Nun, die beschränken sich im Großen und Ganzen auf die Slogans, die Levavasseur auf Ihre Gelbweste geschrieben hat. Sogar dem Slogan, den die Mutter auf ihre Gelbweste geschrieben hat, werden drei Zeilen gewidmet.

Das einzige Zitat, in dem Levavasseur vielleicht nicht das gesamte Phänomen (das wäre vielleicht für das Format eines Portrait auch verlangt), jedoch sich selbst und ihre Motivation erklärt, findet sich dann doch in dem Text. Da es sich um ein inhaltlich überwältigendes Zitat handelt, gebe ich es an dieser Stelle vollständig wieder: „Die Menschen um mich herum leiden. Sie können nicht in den Urlaub fahren. Sie können ihren Kindern keine neuen Kleider kaufen Sie essen oft nur eine richtige Mahlzeit pro Tag, Sie schalten auch im Winter selten die Heizung an.“ Diese Aussage beschreibt einen ungeheuren Sachverhalt, nämlich den, dass es in Frankreich, einer der reichsten Wirtschaftsnationen, einem Gründungsmitglied der Europäischen Union mit höchst ausgeprägten sozialen Sicherungssystemen, Menschen gibt, die so arm sind, dass sie hungern, frieren und abgewetzte Kleidung tragen. Nimmt man diese Aussage als gegeben an, hat man tatsächlich Bilder der sozialen Verhältnisse im vor-revolutionären Frankreich vor Augen und hält einen Sturm auf die Bastille geradezu für zwingend. Es ist jedoch klar, dass Levavasseurs Aussage in alleinstehender Form generalisierend und pauschalisierend und damit schlicht falsch ist, denn „die Menschen“ in Frankreich leben nicht so wie im Jahr 1798. Diese Aussage erfordert eine Begründung, Einordnung und Differenzierung. Davon ist jedoch nichts zu finden. Man erfährt nicht, in welchem Zusammenhang Levavasseur ihre Sätze gesagt und vielleicht selbst differenziert hat oder ob sie das nicht getan hat. Beides wäre für die Bewertung dessen, was die Gilets jaunes umtreibt, immens wichtig. Im ersteren Falle würde man vielleicht etwas über tatsächliche soziale Probleme bestimmter Bevölkerungsgruppen erfahren, im zweiten Falle müsste man eine völlige Fehleinschätzung bei Levavasseur vermuten und sich weiter fragen, was das zu bedeuten hat.

Die Leser/-innen erfahren hierzu nichts. Im Gegenteil, Levavasseurs Behauptung wird – in abgeschwächter Form – einige Zeilen oberhalb des Zitates sogar mehr oder weniger bekräftigt („Aus ihrer Sicht (der Gelbwesten) reichen die heutigen Niedriggehälter…“). Illustriert wird dies durch den Titel des Portraits, den mehrfachen Hinweis, dass die Gelbwesten-Bewegung von Dauer sein wird und natürlich das Foto: entschlossen blickende Frau mit Gelbweste unter wehender Tricolore. Nur mit Wohlwollen kann vielleicht eine gewisse (ironische) Distanzierung von Levavasseur und ihrer Bewegung in den Text interpretiert werden. Der Haupteindruck aber ist, dass die Gelbwesten-Bewegung als begründetes und relevantes Phänomen vorausgesetzt wird, ohne dass die Begründung ausgeführt wird. Die in Aussicht gestellten Erklärungen bleiben aus. Es ist eine Mischung aus Homestory und Polemik. Das geht doch in der ZEIT besser. – Silvia Darb-Esfahani


Leserbrief zu „Vorsicht, wenn das Stadion murrt“ von Jörg Kramer

Waren Sie in den letzten Monaten mal bei einem Spiel der Eintracht? Alles, was Sie in England beschreiben, finde ich da wieder 😊 – trotz (oder wegen?) Gesängen. – Carola Kamuff


Leserbrief zu „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ von Franz Alt

Eine äußerst interessante Perspektive auf die mutmaßliche Botschaft des Wanderpredigers aus Nazareth, die Herr Alt hier aufzeigt. Nur fürchte ich, lassen sich solche intoleranten Jesus-Worte wie „Wer da glaubt und getauft wird, der soll selig werden, wer aber nicht glaubt, der soll verdammt werden.“ (Markus 16,16) oder diverse Höllendrohungen (z.B. Matthäus 13,41ff.) nicht durch Fehlübersetzungen aus dem Griechischen wegerklären.Ebenso dürfte es schwer fallen, den biblisch bezeugten, heute befremdlichen Dämonenglauben inklusive Exorzismuspraxis des „wundervollste[n] Mensch[en] der Weltgeschichte“ (Franz Alt über Jesus) in einem milderen Licht erscheinen zu lassen.

Von daher bleibt es dabei, kritischen Theologen wie Heinz-Werner Kubitza zuzustimmen, der von der Bibel als vom „am meisten überschätzten Buch der Weltliteratur“ spricht, welches für moderne Menschen des 21. Jahrhunderts in weiten Teilen eine äußerst zweifelhafte Ethik bereithält. Ganz abgesehen davon, dass spätestens seit Charles Darwins Erkenntnissen hinsichtlich der Rolle des Zufalls innerhalb der Evolution aller Lebewesen der „letzte Sargnagel des Schöpfergottes“ (Gottfried Beyvers) eingeschlagen worden sein dürfte. Franz Alts Ansinnen, den „wilden Mustang“ Jesus von Nazareth zu zähmen, gleicht also eher dem berühmten Versuch, ein totes Pferd zu reiten! – Michael Haß


Leserbrief zu „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ von Franz Alt

Es ist ja gut und schön, literarische Archäologie zu betreiben, um die Entwicklungsgeschichte von Texten zu beleuchten. Aber auch die aramäische Fassung des Neuen Testaments bleibt Literatur. Es gibt weiterhin keinen Hinweis darauf, dass man hier auf die authentischen Aussagen Jesu gestoßen wäre. Wirklich neue Erkenntnisse liefert auch der aramäische Text nicht: Auch bisher konnten man das Neue Testament als Ganzes bereits in der von Franz Alt beschriebenen Weise interpretieren. Das eigentliche Problem liegt denn auch woanders:

Beim Alten Testament ist es schon lange theologischer Konsens, es nicht wortwörtlich nehmen zu dürfen. Warum also tut man beim Neuen Testament immer noch so, als würden Tatsachen wiedergegeben? Warum also bestehen die Kirchen weiterhin auf einem Glaubensbekenntnis, das kein Mensch, der alle Fünf Sinne beieinander hat, mit gutem Gewissen sprechen kann? Das Glaubensbekenntnis ist zum reinen Traditions- und Treuebekenntnis den Kirchen gegenüber verkommen. Warum brauchen wir weiterhin eine Jungfrauengeburt, warum brauchen wir weiterhin eine „Auferstehung der Toten“, warum Ostern und Himmelfahrt im wörtlichen Sinn? Ein Glaube, der gesichertem Wissen widerspricht, ist Aberglaube. Warum also konzentrieren sich die Kirchen nicht auf die frohe Botschaft, die die Bibel in wunderbarer Weise oberhalb der wortwörtlichen Ebene und mit einer viel tieferen Wahrheit erzählt? Das würde die Kirchen auch wieder für Menschen attraktiver machen, die keine Hardcore-Pietisten oder -Dogmatiker sind. – Volkmar Heitmann


Leserbrief zu „Bulldozer im Bauch“ von Anja Rützel

Ich glaube gerne, dass der Autorin die Tage im Hotel Wasnerin gut getan haben, auch die Anwendungen und die basische und sonstige Kost, wenn auch z.B. glutenfreie Kost für einen Gesunden keinen Nutzen hat. Aber die Detoxikation von verkrusteten Schadstoffen und der Übersäuerung gehört in die Märchenwelt. Vielleicht abgesehen von Ablagerungen in Lunge und Bronchien bei Rauchern gibt es keine „Schlacken“ im Körper. Jedenfalls habe ich sie in 40 Jahren Arzttätigkeit mit Einblick ins Innere von tausenden Menschen nicht gesehen. Und nichts hütet der Körper mehr als einen konstanten Säure-Basen-Wert um pH 7,4. Wer wirklich übersäuert ist , bedarf dringendst ärztlicher Behandlung, meist sogar auf einer Intensivstation. Die für unseren Körper unbrauchbaren Ausscheidungen werden übrigens in der Natur rückstandslos wiederverwertet. Entgiftung ist Alltagsarbeit des Körpers, und wenn das nicht mehr ausreichend gelingt, ist man schwer krank und braucht z.B Dialyse oder eine Organtransplantation. Die mittlere Lebenserwartung der Menschen hängt weltweit mit dem Pro-Kopf-Einkommen zusammen und nicht mit einem reziproken Verschlackungsgrad – außer bei Rauchern vielleicht. – Dr. med. Hans Joachim Schmeck-Lindenau


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

So wird seit Jahrtausenden versucht zu verstehen, was Menschen gedacht, gesagt, aufgeschrieben, vielleicht auch gelebt haben, um anderen Menschen zu raten, wie sie die Probleme des Zusammenlebens untereinander regeln bzw. rechtfertigen können. Gerne wird dann auf Ratgeber zurück gegriffen, die auch noch behaupten, von höheren Geistwesen Worte und Gedanken zu empfangen. Bei der übersetzten Koran Sure 4 Vers 34 geht es mal wieder um die Rechtfertigung der Gewaltausübung der Männer gegenüber den Frauen. Hier soll also dem schwachen Mann, der anscheinend nicht in der Lage ist, sich mit den Strukturen und Regeln einer gewaltfreien Streitkultur auseinander zu setzen, die Absolution erteilt werden Wenn es Koran-Gläubige in Deutschland gibt, die diese Sure des Korans abfragen, kann ich nur empfehlen, einfach unser Grundgesetz zu studieren und ihr Zusammenleben mit Menschen auf Werte wie: Ausdrucksfähigkeit, Selbstreflexion, Achtung und Liebe aufzubauen. Dann könnte ein gewaltfreies, friedvolles Zusammenleben gelingen. – Gisela Halfen


Leserbrief zu „Sie sieht mich einfach nicht“ von Sven Behrisch

Dass die Mona Lisa den Betrachter mit den Augen folgt, wenn der sich seitlich abdrängen lässt, wie der Autor schreibt, soll ein virtuoser Trick sein? Man mache den Versuch mit dem Foto eines beliebigen Menschen, der zum Zeitpunkt der Aufnahme ins Objektiv schaut. Ganz gleich, ob man frontal von vorne oder schräg von der Seite dieses Foto anschaut – die abgebildete Person wird einen immer direkt in die Augen sehen. Alles andere wäre tatsächlich ein virtuoser Trick, denn ganz gleich, wo ich mich im dreidimensionalen Raum befinde, das Bild bleibt zweidimensional und behält auch seine zweidimensionalen Qualitäten. Das Wunder der folgenden Augen beruht auf der wohl unbewussten Annahme, das Bild würde, wenn ich meine Position zu ihm veränderte, zu einem dreidimensionalen Objekt. Wird es aber nicht, und dieses Gerede vom angeblichen Wunder wird laufend gedankenlos nachgeplappert. – Martin Breuer


Leserbrief zu „Ein Blick in den Spiegel“ von Giovanni di Lorenzo

In jeder „Faktenlage“, die übernommen wird ist Subjektives enthalten. Faktenlagen, die ergänzt werden durch Historische Romane sind nicht unbedingt falsch. Jede“Tages-schau“ ist ausgesucht. Eigentlich subjektiv ergänzt. Eine völlig erfundene angebliche Faktenlage ist: Literatur. (Eine Erklärung von Relotius habe ich noch nicht gelesen, vielleicht habe ich sie übersehen. – Christine Weihermüller-Curylo


Leserbrief zu „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ von Franz Alt

Franz Alt sollte wissen: Kaum andere Metaphern im biblischen Zeugnis sind so ambivalent wie die von der Liebe Gottes und wie die vom guten , menschlichen Herzen; da hilft auch kein Rückübersetzen ins Aramäische. Jesu Religion ist theozentrisch, sein Gottesglaube gründet darin, auf „Mose und die Propheten“ zu hören ( Lukas 16, 19-31) , auf den „Gott Abrahams , Isaaks und Jakobs“ (Markus 12,18-27) , auf Gottes Güte und Gerechtigkeit (Matthäus 9,13 und 12,7). – Helmer-Christoph Lehmann


Leserbrief zu „Denken ist keine Sünde“ von Thomas Assheuer

Auch die die Machtverhältnisse heute sind klar, wenn es großer Anstrengung bedarf, einen hohen Priester seiner pädophilen Neigungen zu überführen. Ihr Artikel mal wieder exakt in der Recherche, genial in der Analyse. Bei einem Satz muß ich allerdings schlucken: …….die Vorstellung einer beseelten Schöpfung ist passe. Richtig ist allerdings, daß sich der Mensch heute gefährlich weit vom seelisch, geistigen oder gar vom göttlichen entfernt. Allerdings sind heute großartige und auch mächtige Individualitäten unterwegs, die den Beweis bringen werden, dass die Schöpfung doch beseelt und göttlicher Natur ist. Zarteste Versuche bei Peter Wohlleben, der noch von der Forstwissenschaft belächelt wird. Wir können doch ihren letzten Satz nicht als unumstößlich hinnehmen, das wäre ja Selbstmord. DENKEN IST KEINE SÜNDE; HANDELN AUCH NICHT – Hans Joachim Hühner


Leserbrief zu „Lohnt sich das?“ von Clemens Bomsdorf

Joseph Beuys, der „olle Allrounder“, der hatte bestimmt alles menschenmögliche getan, um keine Kunst machen zu müssen! Er hatte aber auch zu gerne die Verpackung seiner Lebensmittel signiert, und so mancher Kunstliebhaber und Sammler, der dachte bestimmt: „Wo Beuys drauf steht, da muss wohl auch Beuys drinnen sein!“ – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Unter Deck“ von Miguel Helm und Anne Kunze im ZEIT Magazin

Gerne würde ich Ihren Artikel an begeisterte Kreuzfahrer im Freundeskreis weitergeben, aber dazu ist mir die Einordnung der genannten Reedereien als Billig-Kreuzfahrer sprachlich zu direkt. – Susanne Sänger


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Vielen Dank für diesen spannenden, ausführlichen Artikel. Wir machen Sie aufmerksam auf eine weitere Übersetzung: erschienen 1999 in Kairo, unter dem Titel „Al-Muntakhab“. Es handelt sich um eine vereinfachte Koraninterpretation, die vom Obersten Rat für Islamische Angelegenheiten veröffentlicht wurde und die der ägyptische Germanist Prof. Dr. Moustafa Maher in die deutsche Sprache übersetzt hat. Die Texte des Buches sind keine wörtliche Übersetzung, sondern beruhen auf Koraninterpretationen. Die Textübersetzung für Sure 34.4 lautet dort wie folgt:

Die Männer haben in voller Verantwortung für die Frauen aufzukommen, weil Gott den einen gegenüber den anderen Vorzüge gewährt hat und weil sie von ihrem Vermögen (das sie durch ihre Arbeit erworben haben) für die Familie ausgeben. Die guten Frauen sind gottergeben und verschweigen, was Gott zu verschweigen gebietet. Die Frauen, bei denen ihr fürchtet, sie könnten im Umgang unerträglich werden, müsst ihr beraten. Wenn das nichts nützt, dürft ihr euch von ihren Schlafstätten fernhalten, wenn dass nichts nützt, dürft ihr sie (leicht)strafen (ohne sie zu erniedrigen). Haben sie sich gefügt, so dürft ihr nicht ungerecht sein. Bedenkt stets, dass Gott erhaben und mächtig ist! – M. & S. Fouad


Leserbrief zu „Schlechte Noten“ von Hannah Schmidt

Musikhochschul-Bashing
Der „Schlechte Noten“ betitelte Beitrag von Hannah Schmidt lässt ein Zerrbild vom Studium an den Musikhochschulen in Deutschland entstehen. Es wird der Eindruck erweckt, die Ausbildung sei nicht zielführend und bereite die MusikerInnen zu wenig auf die Berufstätigkeit vor. Das Gegenteil ist der Fall. Daran ändern auch die angeführten Fallbeispiele einer Geigerin in der entmutigenden Bewerbungsphase um eine Orchesterstelle und eines nach dem Studium freischaffenden Tubisten sowie Gespräche mit Gerald Mertens, dem Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, und Esther Bishop, die seit 2014 über den Verbleib von Musikhochschul-Absolventinnen und Absolventen forscht, nichts. Besonders ärgerlich ist die Behauptung, das „Curriculum der meisten Hochschulen sei konservativ ausgelegt“. Im Sinne „alle bösen Dinge sind drei“ wird neben den Schreckgespenstern „keine Stelle“ und „konservativ-marktferne Ausbildung“ dann noch das geringe Einkommen der Musikhochschul-AbsolventInnen thematisiert, um den Musikhochschul-Bashing-Sack wieder einmal zuzubinden – und das unter der Rubrik „Chancen“, so dass allen „Zeit“-Lesenden suggeriert wird, wie chancenlos es ist, Musik zu studieren.

Worin liegt das Interesse, Musikhochschulen auf diese Weise „schlecht“ zu schreiben? Das Curriculum der Musikhochschulen ist im Bologna-Prozess grundlegend reformiert worden, es sind neue Studiengänge entstanden, die auf freiberufliche künstlerisch-pädagogische und musikvermittelnde Lebensläufe vorbereiten. In den Hochschulen, im „Netzwerk Musikhochschulen. Qualitätsmanagement und Lehrentwicklung“ wie auch in der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen (RKM) wird reflektiert und diskutiert, wie die Studiengänge mit Blick auf die sich verändernde Kultur zu reorganisieren sind.

Dies alles nicht beachtend wird vielerorts, einmal mehr in Hannah Schmidts Beitrag, ein Zerrbild von den Musikhochschulen bedient und mit Zahlen „belegt“: Als Bezugsgröße wird die Gesamtzahl der an den deutschen Musikhochschulen Studierenden verwendet. Errechnet man darauf bezogen Prozentzahlen derjenigen, die Stellen in Orchestern antreten, dann scheint die Musikwelt vollkommen chancenlos. Das Beispiel der von mir geleiteten Hochschule zeigt: Nur für ca. 500 von gut 1500 Studierenden ist das Berufsbild „Orchester-MusikerIn“ von Belang, alle anderen studieren in Studiengängen mit guten Chancen auf dem späteren Arbeitsmarkt: 400 in musikpädagogischen Studiengängen, 250 in Medien- und Kommunikationswissenschaft, weitere in Gesang, Klavier, Komposition, Dirigieren, Chorleitung oder Kammermusik als dem Gebiet, auf dem – mit Blick auf den Abbau von Orchesterstellen – an den deutschen Musikhochschulen viele neue Studienangebote entwickelt worden sind. Bezöge man sich auf diese differenzierten Zahlen, wäre das Salz aus der Suppe, die die Medien seit einiger Zeit über die berufsmarktbezogene Verantwortungslosigkeit der Musikhochschulen zusammenrühren.

Es wird Zeit, andere Geschichten zu erzählen, dabei die Rubrik „Chancen“ ernstnehmend und ansetzend bei dem Foto im Artikel: Es zeigt keine Cello-Orchester-Gruppe, sondern eine Kammermusik-Formation. Das haben die Musikhochschulen längst begriffen: Die Studienangebote der deutschen Musikhochschulen eröffnen ein weites Spektrum von Chancen für vielfältige, verschiedene Stränge zwischen Konzertieren und Vermitteln individuell verknüpfende Berufswege für ihre AbsolventInnen in Deutschland, in Europa und in der Welt. Im Wissen um die sich wandelnde Musikkultur geht es in den Musikhochschulen längst um eine neue künstlerische Kreativität, was sich z.B. auch in der Formierung eines neuen Wettbewerbsformats (D-bü) dokumentiert.

Dass es daneben an den deutschen Musikhochschulen weiterhin darum gehen muss, Nachwuchs für das Weltkulturerbe deutsche Orchesterlandschaft auszubilden, versteht sich von selbst. Auch darüber ließen sich Geschichten über gute Chancen erzählen und gute Noten verteilen. Die Absolventen der Tuba-Klasse an der Hochschule in Hannover, um Hannah Schmidts Fallbeispiele um ein positives zu ergänzen, sind über Jahre hinweg bis auf einen einzigen musikfern arbeitenden Absolventen auf Orchesterstellen in ganz Europa gelandet oder lehren in Hochschulen oder anderen Musikausbildungsstätten. – Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann


Leserbrief zu „Streit ums Sonnenvitamin“ von Harro Albrecht

„ZEIT DOCTOR Alles, was der Gesundheit hilft“ ist die Seite überschrieben, auf der Ihr Artikel „Streit ums Sonnenvitamin“ steht. Haben Sie mit Ihrem Artikel der Gesundheit Ihrer Leser geholfen ? Oder haben Sie ihr einen Bärendienst erwiesen ? Als Aufhänger benutzen Sie einen Artikel der „New York Times“ um die Ineffektivität von Vitamin D (und Fischöl) zu „beweisen“. Liest man diesen Artikel tatsächlich, heisst es darin aber: „The results hinted at some potential benefits, which would have to be explored in separate trials. Secondary analysis of the data found, for example, a reduction in cancer deaths for people who took vitamin D for at least two years, and fewer heart attacks in people who took fish oil.“ Schreiben Autoren der ZEIT jetzt schon Artikel, ohne die Quelle zu Ende gelesen zu haben ? Weniger Krebstote und weniger Herzinfarkte, ist es nicht in Wirklichkeit dass, wovon die Medizin träumt? Die Tatsache, dass Sie, der Autor, praktizierender und promovierter Kollege sind, macht die Sache peinlich.

Die von Ihnen zitierte Studie hat riesige methodische Schwächen (zitiert nach Raimund von Helden, dem wirklichen Experten in Deutschland):
-In der Therapie-Gruppe wurden 2000 IE Vitamin D täglich gegeben, nur doppelt so viel wie für Babys. Unterdosierung ist eine klassische Strategie, um Unwirksamkeit vorzutäuschen.
-Sonnenbaden (20.000 IE pro Bad) und Tbl. mit 800 E täglich waren allen Teilnehmern freigestellt. Jeder weiß, dass Vitamin D auch durch Sonnenstrahlen gebildet wird, nur die Studienautoren scheinbar nicht, denn es wird den Teilnehmern freigestellt.
-Der Vitamin-D-Spiegel wurde nur 1 x bestimmt und zwar zu Beginn (!), nicht am Ende der Studie. Wieso wurden die Teilnehmer der Studie nicht im Bezug auf ihren Vitamin-D-Spiegel ausgewertet? Der Vitamin-D-Spiegel wäre ein perfektes Kriterium dagewesen, um den Nutzen des besseren Vitamin-D-Spiegels zu erkennen, so wie dies andere Studien bereits gezeigt haben.

Was folgt in Ihrem Artikel, sind
1. massenhaft tendenziöse Formulierungen („Mytos“, „Die Meldung platzte…“, „…Vitaminmangel um sich greife“, „selbst junge Leute“, „pauschal festgelegter Zielwert“ „England-extreme Überdosierungen“,
2. das Herunterspielen des bundesdeutschen Status Quo durch scheinbare Experten: Frau Rabenberg : Vitamin D-Henne oder Ei, Matthias Orth : „…jeder Dritte einen Mangel…“,“nur eine klare medizinische Indikation : eine Nierenschwäche.“ (nebenbei : dieser Satz ist so schwachsinnig, dass ihn ein Medizinstudent im 1. Semester entlarven könnte, wollten Sie hier Ihren „Experten“ oder sich selbst ins Messer laufen lassen?), Mathias Weber: 800-1.000 IE „nach Gefühl“ (wer eine Babydosis für richtig erklärt, kann genauso vom Erstsemester entlarvt werden (Pharmakologie!))
3. gewagte medizinische Drahtseilakte (Rachitis heute selten, trotzdem geben Kinderärzte Vitamin D, Vitamin D hilft nicht gegen Osteoporose) (Haben Sie mitbekommen, dass dies seit Jahrzehnten nicht mehr diskutable Therapierealitäten in Deutschland sind?)
4. Das immer mal wieder ohne wissenschaftliche Belege zitierte „Nierenstein-Märchen“
5. Und schliesslich das „15 Minuten an die frische Luft“-Märchen.

Ihr Artikel reiht sich ein in eine lange Reihe von untauglichen Versuchen, Vitamin D in der öffentlichen Wahrnehmung zu diskreditieren. Tatsächlich haben aber 2016 bereits 4 Millionen Bluttests in Deutschland zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung mit einer anschließenden Verordnung von DEKRISTOL 20.000IE stattgefunden. Die betroffenen Menschen erzählen wieder anderen von den gesundheitlichen Veränderungen nach der Vitamin D-Einnahme, die sie erlebt haben, so wie die Patienten in meiner Praxis auch. Meiner Einschätzung nach stimmen die Patienten, also Ihre Leser, hier mit den Füßen ab, also wem wollen Sie als Autor nutzen ? Cui bono ? Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht. Dr.med.dent. Thomas Hager


Leserbrief zu „Räume keinesfalls deinen Platz“ von Zeruya Shalev

Der Nachruf zum Tod von Amos Oz von Z. Shalev ist grossartig, voller Hochachtung und Wertschätzung. Ich bin trotzdem sehr erstaunt, dass Sie der Rezension des neuen Houellebecq-Romans einen so grossen Raum einräumen – zwei Drittel der Seite – und dem wichtigen, so bedeutenden und in seiner Zeitzeugenschaft erschütternden Amos Oz gerade mal das letzte Drittel dieser Seite überlassen. Wäre dieser wichtige Autor nicht einer Gesamtwürdigung seiner Werkes würdig gewesen, auf einer ganzen Seite z.B.? – Elisabeth Haag


Leserbrief zu „Opfer der Leidenschaft“ von Merle Schmalenbach

In Ihrem Artikel stolperte ich über die Formulierung, dass man als Psychologe würdevoll arbeiten kann. Als Personal- oder Schulpsychologe trifft das zu. Aber im Zugang zum Beruf des Psychotherapeuten nutzen Kliniken und Gesundheitssystem ebenfalls die Leidenschaft und den Idealismus junger Psychologinnen, um Masterabsolventinnen zum Praktikantinnenlohn arbeiten zu lassen. Die Landesprüfungsamter gewährleisten, dass diese Zeit der Ausbeutung 1 1/2 Jahre betragen muss, während die Therapeutinnen in Ausbildung nach dem Studium die Ausbildung an privaten Instituten finanzieren müssen, um die staatliche Erlaubnis zur Ausübung des Heilberufes zu erlangen. Ich bin mitten drin und fühlte mich in ihrem Artikel sehr ertappt. Nur würde ich mir wünschen, dass der Weg zum ausgebildeten Psychotherapeuten als das dargestellt wird, was er ist – keinesfalls würdevoll. – Britta Röwer


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Die Herren Henk und Sussebach haben umfangreich das offensichtlich Unmögliche versucht, die Wucht (oder Unwucht) der Aussage der Koran-Sure 4, Vers 34 auch nur annähernd zu ergründen und zu interpretieren. Und das zudem aufklärungskonform in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext. Soweit, so aussichtslos. Doch bevor ob der notwendigen Einsicht, dass vieles auf der Welt beim besten Willen nicht zu verbindlichem Wissen definiert werden kann, unangemessener Fatalismus ausbricht: Schlagen wir nach in unserem Grundgesetz. Und bedienen wir uns (Kant bekannt) des eigenen Verstandes. Mit weltlichen Gesetzen und Mut zum mündigen (Mit-)Menschen und zur mündigen Gesellschaft; dieser Weg sollte allenthalben breit genug sein für mehr Verständnis, Freiheit und Gewaltlosigkeit. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Wer bringt uns mehr bei der Aufklärung des Islams ? Ist es die wachsende Zahl arabischsprachiger, deutsch-orientalischer Islamgelehrter (darunter auch viele kluge Frauen) , die durchweg den Islam und seine Auslegung kritisieren und vor mangelnder Integration warnen, wie z.B. Ahmad Mansour, Prof. Korchide u. a. ? Oder sind es deutschsprachige Islamgelehrte wie Professorin Angelika Neuwirth oder auch Professorin Pink, Frauen, die ganz offensichtlich Islamgeschichte aus einer tiefen Sehnsucht für Orientalistik heraus studiert haben, und die Theorie von der Praxis nicht unterscheiden können ? Natürlich kann man den Islam verklären bis zum „geht nicht mehr“. Ich verstehe darüber hinaus sehr gut, dass man (und frau), die Islamgeschichte aus einer inneren Berufung heraus studiert haben, sich schwer tun, die perversen Auswüchse des zeitgenössischen „agressiv gelebten“ Islams kritisch zu betrachten. Das darf aber m.E. nicht dazu führen, dass man mit verzweifelten Erklärungsversuchen alles zu rechtfertigen versucht, was ganz offensichtlich im globalen Islam falsch läuft. Der kritische Betrachter findet seine Meinung in Bezug auf die inneren Widersprüche dieser Religion, die ihre Gläubigen in einer einmaligen Weise lebenslang versklavt (bis hin zur Fatwa beim Verlassen deder Gemeinschaft) doch eher Bei Sarrazin vertreten als bei Neuwirth oder Pink. – Thomas Schröder


Leserbrief zu „Keine Lust auf Frust“ von Martin Machowecz

Wie kann es zu so einem Satz kommen: «Die Frage, die sich jetzt stellt, ist viel grösser als die, ob Sachsen irgendwann von der AFD regiert werden könnte (wovor die meisten Sachsen übrigens auch gerne bewahrt würden) …»? Wenn die Mehrheit vor etwas bewahrt werden will, dann wird sie dieses Etwas doch wohl nicht wählen, oder? Und dann kann es auch nicht eintreten. Wenn doch, dann wollen sie es eben so. Da muss man nicht in Gönnermanier ihnen etwas «Besseres» zutrauen. Einfaches Demokratieverständnis, oder Volksschul-Logik. – Gerhard Schwab


Leserbrief zu „Essen und streiten lassen“ von Bernd Ulrich

Danke für diesen kurzen Artikel der es auf den Punkt bringt. Lasst uns streiten aber bitte zivilisiert und demokratisch. Mein Fleischkonsum (ich zähle also du dieser Fraktion) hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert in Qualität und Quantität und zwar durch gute Gespräche mit Freunden die Vegetarier oder Veganer sind. Aber beide Seiten akzeptieren sich und können auch gemeinsam an einer Tafel sitzen, essen und lachen. – Timo Harms


Leserbrief zu „»Ich kriege mein Leben zurück«“ von Sabine Rückert

Ich fürchte, Frau Sabine Rückert als Interview-Führerin hat übersehen, das die Schlammschlacht nur von denen aktiv beendet werden kontte, die sie führten, d.h. den betroffenen Medien. Herr Kachelmann hat m.E. das seine zur Beendigung derselben getan, er hat selbige dazu vor Gericht verklagt. Oder hätte Herr Kachelmann nach Auffassung von Frau Rückert darauf verzichten sollen und den Vorwurf der Vergewaltigung duldsam hinnehmen sollen? Zum Trost für Frau Rückert hat nicht nur Herr Kachelmann, sondern zuvorderst die Staatsanwaltschaft auf eine Verfolgung der Falschaussage von Frau Dinkel verzichtet.. Sie wollte ja nur die Existenz von Herrn Kachelmann vernichten. Mit solchen Nichtigkeiten sollte sich ein Rechtsstaat nicht befassen! – Dr. Erken Schmidt


Leserbrief zu „Opfer der Leidenschaft“ von Merle Schmalenbach

Sehr interessiert habe ich Ihren Artikel über die „Opfer der Leidenschaft“ gelesen. Die Herleitung über das „sinnstiftende“ der Arbeit, von der Reformation, die den Menschen befreite, ihm aber gleichzeitig die allein zu beantwortende Sinnfrage stellte, bis hin zum heutigen gesellschaftlichen Phänomen der Millenials, der Generation Praktikum, hat mir sehr gut gefallen und mich zu folgenden Gedanken angeregt. In der „Leidenschafts-Falle“ sitzen nicht nur die jungen Menschen, die „alles wissen und können, aber nichts wollen“ sondern auch gerade die alten, die „nicht mehr so können, aber immer noch viel wollen“. Wenn Sie schreiben, dass die Leidenschaft, das brennen für den Job, als sinngebend empfunden wird und sich damit als Waffe gegen die „Leidenschaftlichen“ richtet, so ist dies richtig, da es der Nährboden für Ausbeutung sein kann, dafür, sich und seine Leistung unter Wert zu verkaufen. Wie wird jedoch diese Ausbeutung empfunden, wenn man erfüllt ist von dem, was man tut? Da fand ich ein Buch sehr gut, welches unterstützende Argumente liefert und genau diesen offensichtlichen Widerspruch, adressiert. Volker Kitz:“ Feierabend, warum man für seinen Job NICHT brennen muss“. Er nimmt in der Argumentation ebenfalls den Bogen über die Religion, kommt dann über den positiv besetzten Begriff der Arbeit und dem eher negativ empfunden Verb „arbeiten“ und geht so weit zu sagen: wenn der Job so toll ist und man so viel Erfüllung durch ihn bekommt, warum wird man dann überhaupt dafür bezahlt? Genau hier ist der Punkt, den Sie angesprochen haben: wird uns von der Gesellschaft vorgegeben, dass wir noch nicht richtig im Beruf angekommen sind, wenn wir nicht dafür brennen, dafür keine Leidenschaft entwickeln. Wird hier ein Schuldgefühl injiziert um die Menschen in der jeweiligen Situation gefügiger zu machen? Was hat sich denn verändert von der Arbeit hin zum „vollwertigen, leidenschaftlichen Arbeiten“?

Aus meiner Überzeugung ist dies definitiv eine gesellschaftliche Vorgabe, die viel Leiden schafft. Ein Abgleich mit der umgebenden Realität wird häufig durch die Leidenschaft vernebelt. Wie viele start-ups, die leidenschaftlich begonnen wurden, finden keinen langlebigen business-angel, der sie durchfüttert…und dies zu Recht! Leidenschaftlich in den Sand gesetzt, können sicherlich viele dieser start-ups von sich behaupten. Trotzdem gibt es einen Ausweg aus diesem offensichtlichen Dilemma. Es geht doch letztendlich um die individuelle Zufriedenheit, das eigene Glück und darum, wie weit man diese „Leidenschaftsanforderung“ an sich herankommen lässt. Wieweit trifft man eine eigenständige Entscheidung, mit der aktuellen Situation zufrieden zu sein und sein inneres WARUM gefunden zu haben.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Motivation ein intrinsischer Antrieb ist, der von sich heraus kommt. Dieser Antrieb hat sehr viele unterschiedliche Ursprünge. Meiner Meinung nach geht es in der Motivationsfrage und dem eigenen Glück in der jeweiligen Umgebung und Situation mehr darum den Arbeitgebern und Vorgesetzten aufzuzeigen, dass Menschen auch zufrieden sein können, mit dem was sie tun, dass es eben auch solche Menschen geben muss, ja diese Menschen sogar die Voraussetzung dafür sind, dass die Unternehmen laufen. Es ist nicht die ausschließliche Aufgabe der Manager, immer mehr Steuermänner heranzubilden, die das nur durch Unzufriedenheit in der aktuellen Position erreichen können, sondern es geht darum, Menschen, Kollegen, Mitarbeitern die Wertschätzung in der jeweiligen Position entgegen zu bringen um einen inneren, im jeweiligen Menschen angelegten Antrieb zu unterstützen, jeden Morgen aufzustehen und entweder genau das zu tun, was verlangt und notwendig ist, oder um über sich hinauszuwachsen und etwas außerordentliches zu leisten. Das kann man übrigens auch, ohne sich leidenschaftlich zu engagieren nämlich indem man die gegebenen Fähigkeiten einsetzt und ausschöpft. Dies muss aber aus der Person selbst kommen und sollte nicht aus Regelungen und Vorgaben des Arbeitgebers erfolgen. Nur dann ist die Person selbstbestimmt.

Das andauernde beharren darauf, die Stärken zu stärken, sich ewig und immer weiterzubilden, fördert ebenfalls Stress und Angst, eben diesen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können. Die Umwelt, die Situation gibt jedoch vor, wie der einzelne sich engagiert, wie „leidenschaftlich“, besser: beharrlich, das Ziel verfolgt wird. Beharrlichkeit sehe ich als die rationalere Prägung der Leidenschaft, da dem Wort die Emotionalität fehlt und die Herangehensweise überlegter, abwägender klingt, das Wort aber noch immer positiv besetzt ist. Natürlich kann man auch beharrlich in die falsche Richtung fahren, bevor man sich nach dem Weg erkundigt, nur merkt man dies im Vorfeld, bekommt ein ungutes Gefühl und verrennt sich nicht leidenschaftlich um dann aus der nächsten Kurve getragen zu werden. Man muss auch nicht in allem eine „Herausforderung“ sehen. Da bietet Volker Kitz interessante Beispiele: wollen Sie sich von einem Chirurgen operieren lassen, der dies OP als „Herausforderung“ sieht oder mit einem Piloten im Flugzeug sitzen, der sich der „Herausforderung“ stellt, den Flieger zu starten und zu landen? Leidenschaft und die Forderung, Ziele entsprechend leidenschaftlich zu verfolgen und die tägliche Arbeit leidenschaftlich zu verrichten, führen unweigerlich zu erhöhtem Stress, da der Einzelne meint, sich diesem Schema fügen zu müssen, will er den gesellschaftlichen und beruflichen Anforderungen genügen.

Frage: wie fühlen Sie sich, wenn Sie kritisiert werden?
Antwort: nicht wertgeschätzt.
Frage: …und wie fühlen Sie sich, wenn Sie gelobt werden?
Antwort: unterbezahlt.
Frage: …was motiviert Sie dann?
Antwort: von der Regierung werden so kleine, rechteckige Scheine produziert, davon hätte ich gerne mehr!*

Manchmal kann es wirklich sehr einfach sein, Menschen zu motivieren. Glück kann in diesem Fall auch einfach nur bedeuten, seine Arbeit gut zu machen und gerecht dafür entlohnt zu werden. Arbeit haben und arbeiten sind dann durchaus positive Begriffe, wenn man gerne arbeitet und mit sich zufrieden ist und dies auch von seinem Umfeld bestätigt bekommt. Leidenschaft und die fortgesetzte Suche nach der absoluten Erfüllung lassen einen da nicht ankommen. Dies müssen auch Vorgesetzte erkennen, denn… vielleicht sind viele ihrer Mitarbeiter schon dort angekommen, wo sie hinwollten und sind sogar glücklich damit?

*vielleicht etwas holprige Übersetzung eines Dilbert Cartoons, in dem der Chef mit seiner Mitarbeiterin über das Thema Motivation spricht. – Jens D. Bredendieck


Leserbrief zu „Bulldozer im Bauch“ von Anja Rützel

Es wäre ja mal ganz schön, wenn sich der Erfolg dieser Detox-Behandlung in Ihrem Artikel wiederfinden ließe. Die basischen Mahlzeiten und Tees haben sich doch hoffentlich auch auf dem „eingespeichelten Papierchen“, das Sie zu Beginn der „Therapie“ benutzten, niedergeschlagen!! Diese Quälerei – abgesehen von den Ruhepausen – muss doch dokumentierbar sein. – Dr. C. Tautenhahn


Leserbrief zu „Unter Deck“ von Miguel Helm und Anne Kunze im ZEIT Magazin

Jetzt weiß ich endlich, was ich irgendwie schon immer gewusst habe, dass ich niemals zu „Kreuze“ fahren und zu „Kreuze“ reisen werde. Die Arbeitsumstände und Zustände, für die Mitarbeiter an Bord, die sind schlichtweg skandalös. Die einen, die müssen für nichts und wieder nichts ihren „Buckel krummmachen“, und „zu Kreuze kriechen“, während die anderen, sich einen „schönen Lenz“ zum Billig-Spott-Preis genehmigen. – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Zeitgleich mit dem Erscheinen Ihres Dossiers, hatte ich das inspirierende Buch von Elif Shafa, „Die Vierzig Geheimnisse der Liebe“ gelesen. Ich bin weder mit dem Islam noch mit dem Koran vertraut und ich möchte in diesem Zusammenhang zwei Stellen aus diesem wunderbaren Buch rezitieren:

  1. 76: Jeder Leser versteht den heiligen Koran auf seine eigene Weise, je nach Tiefes seines Verstandes. Es gibt vier Stufen der Erkenntnis. Die erste ist die äußere Bedeutung mit ihr geben sich die meisten Menschen zufrieden. Die zweite ist Batini, die innere Stufe darauf folgt die Innere der inneren Stufen .Und die vierte Stufe liegt so verborgen dass sie sich nicht in Worte fassen lässt und daher unbeschreiblich bleibt. Gelehrte die nur die Scharia im Blick haben kennen die äußere Bedeutung. Sufis wissen um die innere Bedeutung. Heilige kennen die innere der inneren Stufe. Die vierte ist nur den Propheten zugänglich und denen die Gott am nächsten stehen.

S.287 und ff: Zwei unterschiedliche Übersetzungen/Interpretationen der al-Nisa:
Die Männer sind die Versorger der Frauen war Allah die einen von den anderen ausgezeichnet hat undeil sie von ihrem Vermögen gegeben; deshalb sind gute Frauen gehorsam und hüten das Ungesehende wie Allah es gehütet hat; und diejenigen, von denen ihr Ungehorsam erwartet, sollt ihr ermahnen und allein lassen an ihren Schlafstätten und sie schlagen; wenn sie euch dann gehorchen sucht nicht nach Gründen gegen Euch. Allah is hoch, groß.

Die andere Übersetzung:
Die Männer sind die Unterstützer der Frauen denn Gott rüstet manche besser aus als andere und weil sie aus ihrem Reichtum geben (um für die Frauen zu sorgen); Deshalb sind tugendhafte Frauen gehorsam gegenüber Gott und hüten das Verborgene, wie Gott es gehütet hat. Mit Frauen aber, die ihr als gegen euch eingestellt empfindet, solltet ihr sanft reden; dann lasst sie allein im Bett (ohne sie zu belästigen) und teilt mit Ihnen das Lager (wenn sie es wollen). Wenn sie sich euch öffnen, sucht nicht nach Vorwänden, um zu rügen. Gott ist erhaben und gross.

Es gibt noch viele weitere Stellen in diesem Buch, die sicherlich eine bereichernde Interpretation darstellen, aber besonders diese beide Passgen sind mir im Zusammenhang mit Ihrem Bericht wichtig. Zum einen verstehen wir nur, dass was wir bereit sind zu erkennen. Auch bin ich ganz der Tamer-Uzun. Wenn wir den Koran oder auch die Bibel mit dem Filter der erwartungs- und bedingungslosen Liebe wahrnehmen, öffnen sich wahrlich neue Horizonte. Es scheint die Sufis sind da bereits weit in Vorleistung gegangen. Anstatt aber den Kern des Korans zu suchen und Ihn als Ganzes wahrzunehmen, werden einzelne bestimmte Suren herausgesucht, und geben ausschließlich den göttlichen Geboten Vorrang, mit denen Sie Ihren ängstlichen Geist im Einklang glauben. – Michael S.


Leserbrief zu „Unter Deck“ von Miguel Helm und Anne Kunze im ZEIT Magazin

Im September 2018 haben wir (mein Mann und ich) eine 11tägige Kreuzfahrt mit dem MSC Schiff Magnifica unternommen. Ich habe mit erlichen Stewardessen und Stewards gesprochen, zum Teil haben sie in den Bars bedient oder beim Abendessen, zum Teil waren sie Reinigungspersonal. Es stimmt, sie sprechen auf jeden Fall Englisch, einige sogar sehr gut. Die meisten kamen aus Indonesien, andere aber auch aus Südafrika oder von den Philippinen.

Die Reederei betont in den Reiseunterlagen, dass sie für das Trinkgeld für die Crew sorgt. Leider habe ich die Unterlagen nicht mehr, sie haben, glaube ich, pro Tag und Passagier etwa € 10 angesetzt, für uns insgesamt 2 Passagiere x 11 Tage x 10 = ca. € 220. Der Betrag wurde automatisch unserem Reisekonto hinzugebucht. Die Reederei wollte das einbehaltene Geld dann der Crew zukommen lassen. Ich habe mehrere Stewards darauf angesprochen – davon hatten sie noch nie gehört, geschweige denn, je etwas erhalten. Daraufhin bin ich zum Purser gegangen und habe gefragt, wer das einbehaltene Geld bekommt. „Die Stewards, Kellner am Tisch und in den Bar, die Köche“ war die Antwort. Ich habe dann gesagt, dass ich das Geld lieber persönlich verteilen möchte und er bitte den Betrag bei uns stornieren soll – € 220 für 2 Personen, 11 Tage. Ihm war anzumerken, dass er mich nur für sparsam hielt… Wir haben das Geld dann persönlich verteilt und damit viel Freude ausgelöst. Alle Crewmitglieder haben damals berichtet, dass sie 7 Tage die Woche durcharbeiten, ihre Verträge sollten noch bis November 2018 laufen. Warum der Termin für alle Crewmitglieder, mit denen ich gesprochen habe, der gleiche war, weiß ich nicht – vielleicht eine zufällige Auswahl. Und alle hatten großes Heimweh, vor allem nach ihren Familien und Kindern, die sie schon so lange nicht mehr gesehen hatten. – Astrid Winkle


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Kompliment für Ihre ausgewogene, sachliche, und ideologiefreie Auseinandersetzung mit dem Koranvers 4, 34! Erlauben Sie mir als Islamwissenschaftlerin und Mitglied von Terre des Femmes dazu wenige Bemerkungen. In frühislamischer Zeit finden wir innerhalb der Gesellschaft sowohl stark patriarchalisch ausgerichtete als auch von Frauen geprägte Kreise, die beide innerhalb der frühen umma Einfluss haben. Der Vers spricht sich für die patriarchale Vormachtstellung des Mannes (aufgrund des Vokabulars ist anzunehmen, dass die Position als Familienoberhaupt gemeint ist) einschließlich eines Züchtigungsrechts über die Ehefrau aus. Liest man den Koran als historischen Text, der in dieser Passage Parallelen zu zeitgleich verbreiteten Gesetzesschriften aufweist, ist das nichts Ungewöhnliches und in ähnlicher Form auch in anderen religiösen Texten anzutreffen. Und wie in anderen Religionen bemühen sich auch viele muslimische Theologen um zeitgemäße Interpretationen.

Für moderne, aufgeklärte Musliminnen und Muslime stellt Gewalt gegen Frauen selbstverständlich genauso wenig eine Option dar wie für moderne, aufgeklärte Menschen anderer Weltanschauungen. Es ist zu begrüßen, dass Sie in Ihrem Dossier diesen Menschen eine Stimme gegeben haben. Gewalt gegen Frauen ist nicht primär ein Problem der Religion, sondern des Frauenbilds. Aus genau diesem Grund aber sind Frauen in patriarchalischen Systemen besonders gefährdet, und diese Systeme werden oft durch Religion gestützt. Im Islam hat der Fundamentalismus das Problem massiv verschärft. Verse wie 4, 34 werden in diesem Kontext tatsächlich zur Rechtfertigung für Gewalt gegen Frauen gebraucht. Schließlich ist der Koran auch eine Rechtsquelle des islamischen Rechts („Scharia“). In manchen muslimisch geprägten Ländern ist in den letzten Jahrzehnten eine Islamisierung der Judikative eingetreten, sichtbar etwa im algerischen Familienrecht (1984, reformiert 2005), Fundamentalisten versuchen immer wieder, auf Rechtssysteme Einfluss auszuüben, und Islamisten agitieren auch in deutschen Moscheen.

Anders als die im Dossier zitierte Leiterin eines Frauenhauses denke ich daher, dass eine Tabuisierung des Themas keine Lösung sein kann. Diese würde auch keineswegs verhindern, dass rechte Gruppen sich des Themas annehmen, sondern diese vielmehr bestärken. Die Debatte darf nicht den Rechten überlassen werden, sie betrifft deutsche Gerichte unmittelbar – etwa wenn geflüchtete Frauen auf den Schutz des Gesetzes angewiesen sind und dabei Fragen des internationalen Privatrechts aufgeworfen werden. Ihr Beitrag erinnert an eine eigentlich selbstverständliche, aber wichtige Tatsache: Das Gesetz und die Menschenrechte stehen in jedem Fall über religiösen Texten. Den Bestrebungen fundamentalistischer Gruppen, die verfassungsmäßig garantierte Gleichberechtigung der Geschlechter auszuhebeln – sei es über das Rechtssystem, sei es über häusliche oder sexuelle Gewalt – muss entschieden entgegengetreten werden. – Dr. Agnes Imhof


Leserbrief zu „Bloß keine Kinder mehr!“ von Alexandra Rojkov

Endlich einmal ein Artikel, der das Kernproblem der afrikanischen Misere, die Bevölkerungsexplosion, am Beispiel Nigers mit der höchsten Geburtenrate weltweit in den Fokus nimmt! Sie gefährdet die Entwicklung und führt zu steigendem Migrationsdruck und damit auch zu großer sozialer und politischer Instabilität. Daraus resultiert auch, dass Jugendliche für islamistische „Arbeitgeber“ wie z.B. Boko Haram in Nigeria oder anderswo anfällig werden, weil diese Beschäftigung und Sinnstiftung leisten. Unterentwicklung und Bevölkerungswachstum stehen dabei in unheilvoller Wechselwirkung. Heute leben in Afrika 1,26 Milliarden Menschen und für das Jahr 2050 lauten die Prognosen der Stiftung Weltbevölkerung (DSW) 2,53 Milliarden, also eine Verdoppelung. Es war kein Zufall, dass die „Arabellion“ in den nordafrikanischen und arabischen Ländern Anfang 2011 ausbrach, weil der Jugendüberschuss dort besonders groß war. In den islamisch geprägten Staaten Afrikas ist Polygamie üblich, und es gilt als erstrebenswert, viele Kinder zu haben. Das steigert das Prestige des Mannes. Für Frauen bildet die eigene Kinderzahl den Zugang zu Existenz und Status mangels Ausbildung und Arbeit. Nach Angaben der DSW kann jede vierte Frau in Entwicklungsländern heute noch immer nicht verhüten, obwohl sie das möchte. Würde dieser Bedarf gedeckt, würde sich das derzeitige jährliche Bevölkerungswachstum um ein Viertel verringern. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat bei seinem Besuch im Dezember 2017 in Niger gesagt, er wisse, dass das größte Problem von Niger die Demografie sei. Frankreich werde also dem Land bei der Geburtenkontrolle helfen.

Es ist lobenswert, aber längst nicht wirksam genug, wenn die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) und Hilfsorganisationen auch mit Geld aus Deutschland sich um die Verhütung afrikanischer Frauen und Männer verdient machen. Der Ansatz, durch intensivere Bildungsmaßnahmen und Schaffung von finanziellen Anreizen zu verhüten, scheint am erfolgversprechendsten zu sein, um die traditionellen sozialen und religiösen Hindernisse bei der Geburtenkontrolle zu überwinden. Denn langfristig hilft den Afrikanern nur eine rigorose Familienplanung, damit das international geförderte Wirtschaftswachstum die Demografie überwinden kann. Eine engere Zusammenarbeit der deutschen und französischen Regierung wäre hierbei sicher zielführend. – Hans-Henning Koch


Leserbrief zu „Unter Deck“ von Miguel Helm und Anne Kunze im ZEIT Magazin

Ich habe mit Interesse Ihren Artikel im Zeitmagazin über die Arbeitsbedingungen auf Kreuzfahrtschiffen gelesen- Völlig zu Recht kritisieren Sie die miserablen Arbeitsbedingungen mancher Reedereien. In Teilen beeindruckt Ihr Bericht auch durch engagiert geschilderte Sachlichkeit, nur verfallen Sie zwischenzeitlich in einen Tonfall, der Ihrer Sache nicht dienlich ist („Gebücktes gehen“, „lächerliche Uniform“). Völlig daneben ist dann die Schilderung der romantischen Liebe zwischen einem philippinischen Seemann und einer deutschen Lehrerein: „sie halten sich aneinander auf einer weißen Couch fest, von der aus man die Hügel der Schwäbischen Alb sieht…“ „.. das alte Fachwerkhaus, in dem die Dame mit ihren Eltern und ihrer Schwester lebt, seit sie geboren ist“, „er hatte auf das Bett in ihrer Kabine ein Herz aus Rosen gelegt..“ In meiner Jugend konnte man solch romantisch pointierte Schilderungen von zwei gegensätzlichen Welten in Groschenromanen lesen. Abgesehen davon- was soll diese seichte Geschichte aussagen über die Arbeitsbedingungen unter Deck?

Leider fällt mir eine solche – Ihrer Zeitschrift unangemessene- Schilderung und vor allem der Ton öfters in der letzten Zeit auf- ich erinnere mich an einen Bericht über ein Altersheim im Wirtschaftsteil der ZEIT, bei dem Ihnen wichtig war darauf hinzuweisen, dass die Tochter, die ihre demente Mutter schweren Herzens ins Altersheim bringt, einen Seidenschal um den Hals trug und ihren Kaffee aus zierlichen Porzellantässchen trank (ich hatte Ihnen damals auch einen Leserbrief geschrieben und mit Herrn P. telefonischen Kontakt dazu). Ganz allgemein gesprochen glaube ich, dass diese Art der Schilderung unangemessen, dem Stil Ihrer Zeitschrift, die ich seit 45 Jahre lese, zuwider läuft und Ihrem Anliegen abträglich ist. Etwas mehr Sachlichkeit und wenn Emotion, etwas weniger tendenziös und nicht so klischeebesetzt ,wäre sicherlich besser. – Helga Schneider


Leserbrief zu „Unter Deck“ von Miguel Helm und Anne Kunze im ZEIT Magazin

Selten habe ich in der „Zeit“ einen derart einseitigen und an negativen Klischees überladenen Bericht gelesen. Es beginnt schon mit den dunklen, Unheil suggerierenden Fotos und dem wiederholt verwendeten Adjektiv „billig“, also minderwertig, was Kreuzfahrten weder vom Reiseerlebnis noch vom Preis sind; die genannten € 499,- pro Person und Woche sind keineswegs repräsentativ. Vor dem Hintergrund einer rührenden Beziehungsgeschichte zwischen einem philippinischen Schiffskellner und einer deutschen Lehrerin skizzieren die Autoren das gesamte Leid der Kreuzfahrt- Besatzungsmitglieder, angefangen von der monatelangen Trennung von Angehörigen („Gefängnis“) über schlechte Arbeitszeiten bis zu Mobbing durch Vorgesetzte. Immerhin verweisen die Autoren darauf, dass die Einkommen der Mitarbeiter an Bord um ein Vielfaches über denen in der philippinischen Heimat liegen (vielleicht ist mir deswegen noch noch nie ein philippinisches Crewmitglied mit verweinten Augen entgegengekommen?). Und dann kommt, wie kann es anders sein, auch noch die Feststellung, dass Kreuzfahrtschiffe „tonnenweise Schweröl verbrennen“. Eine objektive Berichterstattung würde allerdings darauf hinweisen, dass die Zahl der Kreuzfahrtschiffe weltweit gerade mal 1% aller Schiffe der Handelsmarine ausmacht. Mir fällt auf, dass diese üble Miesmacherei zum Thema Kreuzfahrt fast immer wieder von Menschen kommt, die noch nie einen Fuß auf ein Kreuzfahrtschiff gesetzt haben. Oder sind es jene Misanthropen, die als ewige Besserwisser und Bedenkenträger ihren Mitmenschen die Freude an einer besonders schönen Form des Reisens nehmen wollen? – Michael Deil


Leserbrief zu „Opfer der Leidenschaft“ von Merle Schmalenbach

Was für ein toller Artikel! Er trifft genau den Kern dessen, weshalb ich mich aus der Wissenschaft verabschiedet und Grundschullehrerin geworden bin (keine einfache Karriere in meiner akademischen Familie). Ich verdiene ehrliches Geld, werde für meine gute Arbeit gewertschätzt und habe Zeit für meine drei Kinder. Nur an einem Satz über den Pressereferenten im öffentlichen Dienst störe ich mich: „Nebenbei dreht er Filme.“ Der Anspruch des Leidenschaftsgebots wird vom Beruflichen ins Private verlagert. Und wenn er das nicht täte? Wenn er „nur“ Job und Kinder machen würde und vielleicht zweimal die Woche Sport? Er wäre deswegen ja nicht notwendigerweise ein leidenschaftsloser Mensch. Nein, es muss etwas Authentisches sein mit Niveau: Filme. Der Selbstverwirklichungsstress geht im Freizeitbereich weiter. Wenn schon kein Traumjob, dann doch bitte ein extravagantes Hobby. Dagegen wehre ich mich, und zwar mit Leidenschaft! – Imke Winestock


Leserbrief zu „Ein Blick in den Spiegel„ von Giovanni di Lorenzo

Das ist ein scharfer Pfiff in einem ganz dunklen, kalten (Blätter)Wald! Hoffentlich verirren Sie sich da nicht! – Peter Janssen


Leserbrief zu „KORAN-SURE 4, VERS 34“ von Malte Henk und Henning Sussebach

Die Auseinandersetzung wird auf den „fiesesten“ Teil dieses Verses gelegt, auf die Aussage: „Wenn ihr fürchtet, dass sie sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie.“ Es ist bezeichnend und manchmal schon etwas bedenklich, wie die ganze Debatte allein auf das Schlagen gelenkt wird und auf die teilweise absurden Versuche, dieses Schlagen zu verniedlichen. Dabei ist doch dieser ganze Vers ein schrecklicher Ausdruck der generellen im Koran ausgedrückten Haltung gegenüber Frauen:

  1. Wie üblich, werden im Koran grundsätzlich nur die Männer angeredet.
  2. Allein die Männer haben ein Recht, gegen die sich auflehnenden Frauen vorzugehen. Für die Frauen gibt es ein solches umgekehrtes Recht im ganzen Koran nicht.
  3. Das zeigt schon einmal von vorneherein in welcher Richtung das Machverhältnis ausgeübt wird – der Mann allein hat die Macht gegenüber der Frau, und sonst gilt gar nichts.
  4. Gegenüber dieser grundlegenden Festlegung ist gerade nachrangig, ob jetzt zusätzlich zu den Bestrafungsmaßnahmen wie Einsperren und Ausschluss vom sexuellen Genuss auch noch Schläge verabreicht werden sollen.
  5. Denn, und das will ich hier in der Kürze eines Leserbriefes als letztes anführen, der zweite Teil des Verses ist, wie große Teile des Korans, im Imperativ abgehalten, also in der Befehlsform. Im Zweifelsfalle muss der Mann die Frau schlagen.

Ich denke als ein Mensch, der Grundsätzlich die Macht von Religionen ablehnt, muss ich jedoch gegenüber dem Koran speziell nach meiner Kenntnis sagen: Alle Passagen im Koran, diese aber besonders, über Frauen, gehen von der grundsätzlichen Unterwerfung und Niedrigerstellung der Frau aus und sind deswegen mit unserer grundgesetzlichen Auffassung unvereinbar. Man müsste sich jetzt eigentlich ausführlicher mit verschiedenen Passagen des Korans zu den Frauenrechten und den Rechten Andersgläubiger befassen, was aber der Kürze eines Leserbriefs schaden würde.

Es ist eine wichtige Aufgabe, den Muslimen aller Schattierungen in unserer Gesellschaft einen würdigen Platz zu geben. Das kann aber doch niemals erfolgen, wenn bedeutende diskriminierende Passagen des Korans nicht als reformierwürdig betrachtet werden. Wenn es um den Schutz der Person geht, hat meines Erachtens das Recht der Person auf Unversehrtheit ganz eindeutig Vorrang vor dem Recht auf Ausübung religiöser Gebote. – Rüdiger Biedermann