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24. Januar 2019 – Ausgabe 5

 

Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Es kann doch nicht sein, dass wir die Grundlagen der Physik zu einer gesellschaftlichen Debatte machen müssen. Eigentlich sollte jeder in der Schule mitbekommen haben, dass z.B. der Luftwiderstand mit dem Quadrat der Geschwindigkeit zunimmt. Wenn man die Geschwindigkeit um 30 % erhöht ( 170 : 130 ), steigt der Luftwiderstand um 70 %. Dazu kommen Energieverluste beim ständigen Beschleunigen und Bremsen, die mit dem Gewicht des Fahrzeugs auch immer größer werden, usw., nicht alles quadratisch, aber Tendenz nach oben. Wenn Herr Scheuer meint, diese Erkenntnis verstoße gegen jeden Menschenverstand, dann fehlen mir die Worte. Welche Grundlagen darf man von einem Minister erwarten? Besser nicht weiterschreiben, man kann nur staunen über so viel …… – Karlheinz Martin


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Beide Leitartikel übersehen, dass Treibstoffverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß nur ein Aspekt eines Tempolimits sind. Wer allerdings weiss, wie stark der Luftwiderstand mit steigender Geschwindigkeit zunimmt, der weiss auch, dass langsames Fahren weniger Treibstoff verbraucht – auch ohne eine neue Studie. Davon aber abgesehen ist unstrittig, dass es weniger schwere Verkehrsunfälle gibt und weniger Verkehrstote! Und wer in einem Land mit Tempolimit jemals lange Strecken gefahren ist, der hat erlebt, dass man selbst nach stundenlangen Fahrten ausgeruht ans Ziel kommt! Schließlich zu Herrn Scheuer: da fällt mir nur Lichtenberg (1742 – 1799) ein: „Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?“ – Hansjörg Hahn


Leserbrief zur „Serie: Der Zustand der Welt“ von Tim Kalvelage et al.

Jeden Donnerstag mache ich den Wohnzimmertisch frei von allem „Gerödel“, um , die Zeitung weit ausbreiten zu können, die neue Ausgabe zu zelebrieren. So auch heute. und da trifft mich der Schlag, als ich die Seite 22 aufschlage. Meine Fragen: Waren Ihre Layouter besoffen? Ist die neue Serie: „Der Zustand der Welt“ eine neue Rubrik – etwa Satire? – Claus Marquardt


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Zu Nein: Da hat Herr Willeke die Schwäche aller Kontraargumente gut zusammengefaßt. Wie kann man gegen Staatsmoral oder Bevormundung sein, wenn man gleichzeitig Einbauvorschriften für z.B. Gasheizungen akzeptiert? Wenn man die Krankenversicherungspflicht hinnimmt und anstandslos den vorgeschriebenen Sicherheitsgurt anlegt. Die Kette läßt sich endlos fortsetzen. Irgendein schlauer Mensch sagte mal: Freiheit ist das Akzeptieren von Regeln. Was gab es für ein Geschrei als Ende der siebziger Jahre der Katalysator in Kalifornien Pflicht wurde. Arbeitsplätze in Gefahr, Untergang der Industrie etc. Und heute? Standard. Bitte Kalifornien, verbiete Autos, die schneller als 130km/h fahren. Mal angenommen es gäbe eine Geschwindigkeitsbegrenzung in Deutschland seit 1970. Wie anders hätte die dt. Autoindustrie Autos entwickelt. Vielleicht wäre Deutschland jetzt führend bei sparsamen, sauberen Autos anstatt die hochgezüchteten Motoren nur noch durch Betrug „sauber“ zu bekommen und „Made in Germany“ und dt. Ingenieurskunst zur Lachnummer der Welt zu machen. (Abgesehen davon, daß es mitunter lebensgefährlich ist, mit 100-120km/h auf der MITTLEREN Spur einen LkW zu überholen). Und das Argument der Autoindustrie, sie müsse schnelle Autos und SUV produzieren, weil der Kunde es so wolle, wird jeder Werbefachmann mit Leichtigkeit vom Kopf auf die Füße stellen. Nein, das Argument der Staatsmoral zieht nicht. Wer den Unterschied zwischen entspanntem Fahren und Rasen erleben möchte, fahre länger in Frankreich und dann über die Grenze z.B bei Saarbrücken. Aus dem „Savoir vivre“ in den „Blitzkrieg“. – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Dr. med. Schamane“ von Thomas Fischermann

Vielen Dank für Ihren interessanten Artikel. In Europa haben wir eine alte alchemistische und auch druidische Tradition. Es wird gerade versucht, seitens der Medizin und Pharma Industrie zu verschweigen mit verheerenden Folgen für die Patienten. In Europa sind allerdings auch einige zweifelhafte Schamanen unterwegs. Ich bin jetzt 70 und habe als Heiler immer versucht, die Brücke zur Schulmedizin zu schaffen, leider mit wenig Erfolg. Notwendig wäre die Diskussion in Europa unbedingt. Die Frage, warum Jesus mit 12 Jahren ohne Schulbildung die Pharisäer unterrichten könnte, scheint nicht von Interesse. – Hans J. Hühner


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Zu Nein: Die Argumente Hrn. Willekes sind alles andere als faktenbasiert: Gelten für Schnellfahrer die Gesetze der Physik nicht? Höhere Geschwindigkeiten generieren überproportional viel Energieverbrauch. Das hat sich in 23 Jahren nicht verändert (das Alter der u.a. von ihm erwähnten UBA-Studie ) und wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Für die Ökobilanz macht es keinen Sinn (vollkommen unabhängig vom Einkommen), ein voll funktionsfähiges Fahrzeug mit geringer Laufleistung vorzeitig zu verschrotten. Erst wenn ALLE mehr für Energie bezahlen, wird weniger davon verbraucht (s. CO2 Emissionen in 2008, als das barrel Öl 200 US-Dollar kostete). Und die vordringlichste Umverteilungsmaßnahme ist extrem preiswerter Nah- und Bahnfernverkehr. – Dipl.Ing. Jürgen Kuhr


Leserbrief zu „»Parität erscheint mir logisch«von Jana Hensel

Nun wissen wir es endlich: Bundeskanzler(in) ist ein Ausbildungsberuf. Dabei ist es mit der Autorität ganz einfach. Entweder man hat Autorität oder ist eine, wie uns Erich Fromm den Unterschied erläuterte. Merkels Habens-Autorität kommt bloß aus dem Amt, mit der sie Deutschland auf eine Art DDR 3.0 degradierte. Forscht man ihre Seins-Autorität aus, stößt man indes auf kapitale Fehler, bspw. die illegale Fukushima-Entscheidung 2011, Flüchtlingschaos 2015. Dasselbe gilt für eine ihrer weiteren „Autoritäten“. Obschon kinderlos, feiert die CDU sie als „Mutti“, auch wenn das Feuilleton darin eine Schmähung vermutet. Das Gegenbeispiel war und bleibt Helmut Schmidt. Weil dessen Seins-Autorität nie bezweifelt wurde, folgte daraus wie selbstverständlich seine Habens-Autorität. – Dr. Gustav W. Sauer


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Ja“ von Bernd Ulrich und zu „Zukunft kommt erst später“ von Christiane Grefe

Die Artikel von Herrn Ulrich auf Seite 1 und von Frau Grefe auf Seite 2 lesen sich wie aus dem Parteiorgan der GRÜNEN entnommen. In Zukunft bitte weniger Parteienideologie. – Dr. Klaus Eberbach


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Nein“ von Stefan Willeke

Der Beitrag von Stefan Willeke hinterlässt bei mir nur Irritation. Etwas zur Sache und ein wenig zur Physik: Um die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs zu halten, ist Energie zur Überwindung der Reibungen nötig. Die Luftreibung wächst quadratisch, die übrigen Reibungen (innere und Reifen) wachsen gering, wenn man die Geschwindigkeit erhöht. Ein kleines Beispiel. Mit einer Begrenzung auf 130 km/h sinkt die Durchschnitts-Geschwindigkeit auf 125 km/h, ohne Begrenzung betrage sie 145 km/h. Jetzt etwas Mathe (125/145)² = 0,74; das wäre eine Verringerung um 26 %. Wegen der übrigen Reibungen sei geschätzt: Eine Geschwindigkeitsbeschränkung spart 20 % Energie, Kraftstoff und somit CO2-Ausstoß. Das könnte noch höher ausfallen, das wäre ein überzeugender Betrag zum Klimaschutz, gleich ob man nur 15 % oder sogar 30 % erzielt. Um eine wirksame Einsparung festzustellen, braucht man gar keine Studien, die brauchte man nur für deren Höhe. Nachbemerkung: Ich würde mich nie trauen vorzuschlagen, der Staat möge einen hohen Reifendruck zwingend vorschreiben; der verringerte nämlich die Reibung nochmals. – Dr.-Ing. Hanspeter Harries


Leserbrief zu „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke

Ich finde die neue Foto-Kolumne von Florian Jaenicke über seinen Sohn Friedrich ganz und gar großartig und werde sie aufmerksam verfolgen. Kinder wie er sind viel zu wenig präsent und die unaufgeregte Erzählweise trifft voll ins Herz, schafft eine emotionale Nähe und klärt gleichzeitig auf. Toll!! – Suse Multhaupt


Leserbrief zu „Ein Ausflug ins Grauen“ von Emilia Smechowski

Allein dieser Beitrag einer offenbar gebürtigen Polin genügt, um DIE ZEIT nicht zu abonnieren, denn die derzeitige Unterwerfung des offiziellen Merkellandes unter die linksliberalen Herren des Geldes auf Kosten unserer tapferen Kriegsgeneration ist unerträglich geworden. Die beinahe 90 jährige Frau Ursula Haberkorn wollte wissen, wo man in Auschwitz die 6 Millionen Juden angeblich vergast hat und wurde als Antwort darauf immer wieder verhaftet und eingesperrt. Es vergeht auch kein Tag, an dem das zwangsfinanzierte Fernsehen nicht über angebliche Greueltaten unserer Kriegsgeneration hetzerisch berichtet, um sich bei der Geldlobby Liebkind zu machen. Das sehe ich nicht als Ausflug, sondern tägliches Wühlen im journalistischen Gruselkabinett von so genannten Presstitutes. – Peter Christian Vogl


Leserbrief zu „Wünsch dir was“ von Josef Joffe

In Ihrer Ausgabe vom 24. Januar schreibt Josef Joffe in seiner Kolumne „Wünsch dir was“ über Putins Machtgebaren in der jüngeren Zeit. Leider verwechselt er – wie alle Leitmedien in unserem Land – Ursache und Wirkung. Gern schlage ich allen Politikern und Verantwortlichen vor, mit Putin direkt zu reden, ihn einzuladen und ein ständiges Vier-Augen-Prinzip zu pflegen. Das war sein Herzenswunsch in seiner in deutscher Sprache gehaltenen Rede vor dem Deutschen Bundestag im September 2001, in der er eindringlich darum bat, als Dialogpartner und Freund ernstgenommen zu werden. Seitdem haben Russlands vermeintliche Freunde alle von Putin angesprochenen Themen missachtet oder mit Füßen getreten; wenn sich dann Russlands Präsident wehrt, ist dies in meinen Augen keine Aggression, sondern eine Reaktion auf Aggressoren. Also: Mehr Russland wagen! Ansonsten wird Europa nicht nur Amerika und Südostasien, sondern auch noch Russland als Partner verlieren und somit isoliert dahinvegetieren. – Brigitte Martens-Stüwe


Leserbrief zu „Ein Ausflug ins Grauen“ von Emilia Smechowski

In Ihrem aktuellen Magazin widmen Sie Oswiecim / Auschwitz Ihre Titelgeschichte. Ergänzen möchte ich, dass im „Zentrum dialogu“ (Dialogzentrum) der katholische Pfarrer Dr. Manfred Deselaers seit vielen Jahren alle Besuchergruppen einlädt, mit den letzten noch lebenden Zeitzeugen in den Dialog zu treten. Somit kommt zu den erschütternden Besuchen ein entscheidendes Merkmal hinzu: Versöhnung. Tagsüber zeigen die Überlebenden die Stätten des Grauens, und abends sitzen Überlebende und Gäste beisammen, trinken Wein und versöhnen sich. So haben wir als Schüler der Wilhelm-Wisser-Schule in Eutin bereits 2005 mit unserem katholischen Kaplan und Lehrer Tränen vergossen, als wir im Dialogzentrum abends mit Zeitzeugen und Pfarrer Deselaers alles Erlebte aufarbeiteten. – Halkert Sach


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Zum Thema Tempolimit gibt es verschieden klare Faktoren: Vor Jahren gab es bereits eine Studie der ETH Zürich, in der herauskristallisiert wurde, dass , um minimale Stauhäufigkeit bei optimaler Auslastung der Autobahnen (also optimale Kapazität) zu erreichen, die optimale Autobahngeschwindigkeit bei 96 km/h läge! Es liegt auf der Hand, dass gleichzeitig weniger (Auffahr)Unfälle passieren würden. Der Mechanismus von Auffahrunfällen und Staubildungen ist der gleiche! Ausserdem sinkt bei dieser Geschwindigkeit der Benzinverbrauch erheblich. Dies abzustreiten oder zu verharmlosen, ist schlicht und einfach dumm. Wer dies nicht wahrhaben will, soll doch einmal mit Tempomat (und GPS wegen der Genauigkeit) eine längere Strecke, z.B. 200 km mit Tempo 120 (!) fahren, wieder 200 km mit Tempo 100 fahren und dann nochmals 200 km mit Tempo 80 fahren.

Ich habe dies selbst schon vor Jahren ausprobiert, mit 2 Fahrzeugen ( 4-Zyl. 2,2l bzw. 1,6l-Motor), sicherlich nicht wissenschaftlich genau, aber doch mit dem Resultat von 1,5l/100km weniger (120>100 km/h) und nochmals 1l/100km weniger (100>80 km/h). Es gibt eine neuere Studie der ETH Zürich (optimale Geschwindigkeit gegen Stau, 30.5.2016, Tagesanzeiger.ch) die empfiehlt in Agglomerationen eine maximale Geschwindigkeit von 8o km/h. Ich bin viele Jahre viel und gerne schnell gefahren und habe mein Fahrverhalten verändert. Ein erstes Licht ging mir 2010 auf, als ich auf einer 750 km langen Strecke, auf der ich mein 200PS-Fahrzeug immer prügelte, mit Anhänger fahren musste( ich fuhr 100 statt 80 km/h). Ich brauchte nur 1 Stunde länger als sonst, deutlich weniger Benzin und kam entspannt ans Ziel. – Olaf Greiner


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Danke für das JA und NEIN der beiden Artikel auf der Titelseite. Die Gegenüberstellung macht die Grenzenlosigkeit und Hybris eines fragwürdigen Teils der Mittel- und Oberschicht gegenüber den Grenzen der Wirklichkeit besonders deutlich. Was nur, wenn die Grenzenlosigkeit zurückschlägt? Brennende Autos, angezündet von randalierenden jungen Menschen, sind da nur ein kleines Zwischenspiel. Die Gewalt von Naturkatastrophen, durch den CO2-Ausstoß der Industrienationen vorangetrieben, zeigen ein ganz anderes Vernichtungsspotenzial. Ja, Herr Minister Scheuer, da wegzusehen und diese Wirklichkeit in zynischer Weise herunterzuspielen ist ohne „jede Menschen- verstand“! – Walter Moritz


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Ich bin bei Stefan Willeke. Bernhard Ulrich spricht von Öko-Spinner – das sind sie doch auch. Es wird alles nur hoch gespielt, das zeigt auch jetzt die Ärzteschaft. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Lieber Herr Willeke, ich lebe auf dem platten Lande. Eine handvoll Linienbusse am Tag und die Geschäfte sind schon vor Jahrzehnten den Supermärkten in den Nachbarorten zum Opfer gefallen; der Ort ist quasi abgehängt worden. Seit über einem Jahr habe ich kein Auto mehr. Meine Job ist zehn Kilometer entfernt und ich erreiche ihn täglich pünktlich. Lebensmittel liefert der Bio-Hofliefer-Service wöchentlich, in vorzüglicher Qualität. Bei Bedarf könnte ich auf ein geliehenes Fahrzeug zurückgreifen. Ich verzichte also auf nichts! Mein Fazit: Mit der nötigen Einsicht und kreativer Gelassenheit braucht man selbst hier bei uns kein eigenes Auto! Verzicht bei uns reine Kopfsache, keine Frage des Angebotes. Dass die meisten Autos also überflüssig sind, ist nur ein Grund sich von diesem ineffizienten, Ressourcen verschwendenden Techno-Fossil zu verabschieden. Oh weh, jetzt kommt bestimmt das mit den Arbeitsplätze… Das verzweifelte Festhalten an einem technisch überholten Industrieprodukt, ist die Analogie zum „Heizer auf der E-Lok“.

Sie beginnen ihren Artikel polemisch und reden von Sanktionen, das ist falsch. Oder sind die restlichen Europäer*innen alle sanktioniert? Niemand wird sanktioniert, wenn der Staat endlich einen Ordnungsrahmen setzt, der meiner Enkelin eine lebenswerte Zukunft sichert. Versuchen Sie doch mal den systemischen Blick auf ein Tempolimit: weniger Ölverbrauch, weniger Verschleiß und Emissionen, weniger Tote und vllt. weniger Verkehr, weil Menschen auf Busse und Bahnen umsteigen. Der Autobranche würde endlich der Anreiz genommen, weiterhin völlig überflüssige, Tonnen schwere PS-Zombies zu bauen (Gruß an die Anzeigenredaktion) und damit die Ressourcen meiner Enkelin zu verschwenden. Stimmt: Abwrackprämien sind auch kein geeignetes Mittel. Nicht für die Reichen, nicht für die Armen und nicht für die dazwischen, denn wir haben nur ein gemeinsames, quasi sozialistisches Einheits-Klima, das uns allen gehört. Wir haben weltweit ein ebenso gemeinsames absolut endliches Kohlenstoffbudget. Wir im globalen Norden haben unseren Anteil -unsolidarisch wie wir sind- schon vor vielen Jahren aufgebraucht; uns steht nichts mehr zu!

Schalter umlegen geht leider nicht, also müssen wir uns überanstrengen, um unseren eh schon geklauten Anteil so gering wie möglich zu halten und so zu nutzen, dass die Menschen im globalen Süden davon profitieren. Vorschlag: Zurück zum Verursacher-Prinzip. Wer viel klima- und umweltschädliches verbraucht -z.B. Kohlenstoff- muss dafür aufkommen. Also müssen Gas, Öl und Kohle deutlich stärker durch den Staat mit Abgaben belegt werden. Die Abgaben fließen als in einen (z.B. Gemeinwohl-)Fonds und werden zu gleichen Teilen an alle Bürger*innen ausgeschüttet. Große Familien bekommen also effektiv (und weniger wohlhabende Familien auch relativ) mehr als andere (s. ökologisches Grundeinkommen). Also Herr Willeke, Spritpreis rauf, Mehreinnahmen in den Fonds und monatliche oder jährliche Fonds-Ausschüttungen, Tempo runter. Danach schau mer mal. – Frank Brust


Leserbrief zu „Genug gespielt. Jetzt wird’s ernst“ von Martin Machowecz

Es ist schon erstaunlich, wie sich einem die Ähnlichkeit zwischen dem, was Herr Lösch verabscheut und ihm, förmlich aufdrängt. Wenn der Bühnentechniker aus Angst vor Folgen seiner Meinungsfreiheit nicht mit richtigem Namen und Foto in die Zeitung möchte, ist längst etwas im Argen. Schon bei der Beschreibung von Lösch (..man hat den Eindruck, besser zu tun, was er sagt, auch wenn er nicht brüllt) wird klar, er lässt ebenso wenig Andersdenkende zu wie seine Bühnenfiguren (Nur dass Brüller oft weniger gefährlich sind als die Stillen). Und der letzte Akt, bei dem sich „Rechte Ossis und Gotteskrieger“ verbrüdern frage ich mich unverblümt: Tickt der Mensch noch richtig? Vielleicht sind die letzten Zeilen des Textes auch nur noch als Satire gedacht, was leider dann aber nicht erkennbar ist. – Steffen Kaufmann


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Danke liebe Redaktion für den Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Zeit. Mein Lesernerv wurde direkt stimuliert als ich das Titelthema heute sah und zwar so intensiv, dass ich mich selber zügeln muss, um nicht zu subjektiv und emotional zu reagieren. Wir gehören zu den 600.000 Haushalten, die ein 9jähriges Mädchen in der vierten Klasse einer Grundschule in der Nähe von Düsseldorf haben und genau vor dieser Entscheidung standen. Ja, standen und nicht mehr stehen, denn wir sind dem Wunsch unseres Kindes gefolgt, das uns angefleht hat, nicht auf das Städtische Gymnasium gehen zu müssen. Wir als Eltern haben beide die Universität durchlaufen; der Vater mit Promotion. Voraussetzung dafür lieferte die allgemeine Hochschulreife, die mein Mann ohne nachzudenken durchlaufen hat, weil es bei ihm in der Familie immer so gewesen ist und etwas anderes nicht in die Tüte kam. Bei mir sah das anders aus, da ich als Pflegekind in einem Arbeiterhaushalt mit vier Schwestern aufwuchs und die Pflegeeltern der Kriegsgeneration angehören, wurde mir allein aufgrund meines sozialen Milieus das Gymnasium verwehrt. Ich ging auf die Realschule. Nach einem schlecht betreuten Schulpraktikum war mir klar, dass früh Arbeiten zu gehen auch nicht toll ist, weshalb ich das Abitur machen wollte. Heute redet man davon, dass wir ein prima durchlässiges Schulsystem haben, wo jeder Realschüler und auch manche Hauptschüler mit entsprechender Leistung später das Abitur machen können. Meine Realität damals sah anders aus, denn auf dem Gymnasium in der Nähe von Münster (nicht das „Annette“ Gymnasium aus dem Artikel) wurden die Neuankömmlinge in der Oberstufe mal ordentlich von den Lehrern gemobbt. Meine Freundin, die mit mir zum Gymnasium wechselte, bekam Bulimie und brach ab und die Hauptschüler schafften alle die Orientierungsstufe in der Oberstufe nicht. Ich weiß noch genau, wie wenig ich mich zugehörig fühlte und von Selbstzweifeln befallen war. Am liebsten wäre ich zur Sparkasse gegangen, weil diese Ausbildung stand für Zukunftssicherheit und Ansehen. Doch auch die Sparkasse wollte nur Abiturienten und eigentlich waren Zahlen auch gar nicht meine Sache. Ich weiß nicht mehr genau, wie und wer mir von AFS – American Field Service – einem weltweiten Schüleraustausch und Freiwilligendienst erzählt hat. Jedoch die Flucht vor der gymnasialen Oberstufe schien das einzige Entkommen zu sein. Das war 1989, wo ein Auslandsjahr in er 11. Klasse noch exotisch gewesen ist und besonders für mich, einem Pflegekind in einer Arbeiterfamilie. Wobei ich an dieser Stelle auch vor dem Klischee einer Arbeiterfamilie warnen muss, denn tägliches Zeitungslesen war ein Ritual sowie die Nachrichten um 20:15 Uhr diskutiert wurden. Meine Pflegeeltern, wovon die Mutter mit 93 Jahren noch lebt, waren und sind herzensgebildet und darin weltklasse. Nur diesem Aufenthalt in den USA, nicht New York oder irgendwas Schickes in Kalifornien, sondern in Kansas City, Missouri, habe ich es zu verdanken, dass ich die Hochschulreife mit einem Durchschnitt von 2,5 ohne größere Anstrengung erlangt habe. Und zwar an dem selben Gymnasium, was mich zuvor als Realschülerin stigmatisiert hatte. Was hatte sich verändert in dem Jahr? Einfach mein Selbstbewusstsein und natürlich machte mir Englisch nicht mehr soviel Angst. Obwohl ich in der Sekundarstufe der Realschule kein Unterrichtsfach wie Philosophie hatte, absolvierte ich meine mündliche Philosophieprüfung über Kants Erkenntnistheorie mit 15 Punkten, was einer Note sehr gut + entspricht. Der „Deal“mit den Pflegeeltern war, dass ich eine „anständige“ Ausbildung machte, da keiner in meiner Familie darauf vertraute, dass man mit einem geisteswissenschaftlichen Interesse Geld verdienen kann. Also, erstmal in die Versicherung, weil dort das Ausbildungsgehalt ordentlich war. Danach hatte ich meinen Teil erfüllt, ich wäre auch vom Betrieb übernommen worden, doch ich ging nach Berlin an die Freie Universität um Kunstgeschichte zu studieren. Das zweite Hautfach Kulturwissenschaften schloss ich an der Humboldt Universität ab. Insgeheim fühlte ich mich in den renommierten Hallen der Wissenschaft wie ein Betrüger, der hier eigentlich nichts zu suchen hat. In manchen Vorlesungen wurden soviel Fremdwörter verwendet, dass ich nicht mal mitschreiben konnte, weil ich einfach nicht wusste, wie die Wörter geschrieben wurden. Aber auch das gehört zur Bildung dazu, dass man manchmal von dem Universum an Wissen übermannt wird und sich verloren fühlt. Es ist alles gut und mehr als gut gegangen, denn niemand fragte nach meiner Herkunft, meiner gymnasialen Oberstufe, die so elitär gar nicht war. Weit entfernt von einer Junior-Universität. Pubertierende Jugendliche halt, die von normalen Lehrern in Schach gehalten wurden. Abgesehen von zwei, drei Ausnahmen vielleicht, waren alle anderen Mitschüler meiner Meinung nach eher mittelmäßig begabt. Trotzdem haben alle das Abitur bekommen. An der Universität musste ich erstmals meinem eigenen Denken vertrauen und das Problem der Fachtermini löste sich auch mit zunehmenden Semester. Schließlich beginnt man ja auch hier von vorn. Meinen Universitätsabschluss habe ich mit dem guten alten Magister gemacht und zwar mit sehr gut. Ich habe bereits ab dem 2. Semester in einer angesagten Berliner Galerie gearbeitet und Geld verdient.

Mit unserer Tochter haben wir ein Prachtexemplar an Mensch erhalten. Lustig, einfallsreich, mit einem untrüglichen Gespür für Gerechtigkeit und wir konnten zusehen, wie der Druck des letzten Jahres in der Grundschule aus diesem Kind ein zu tiefst verunsichertes Wesen machte. Die Entwicklung von dem Kind, was voller Vorfreude auf die Schule war, bis zum lethargischen Burnout gefährdeten Persönchen, was uns anfleht, nicht auf das 10 min. entfernte Gymnasium gehen zu müssen, ist gewaltig. Wobei ich der Schule nicht einmal einen Vorwurf machen kann, denn die schreiben ja nicht das Curriculum für den Unterricht. Phonetisches Anlautverfahren ist großer Mist bis zur zweiten Klassen, wenn dann ab der 3. Klasse alles korrekt geschrieben werden muss und der Kuschelkurs dann vorbei ist. Ab der 3. Klasse wurde selektiert, die Guten fürs Gymnasium und die Anderen für die Realschule. In der Klasse meiner Tochter gehen auffällig viele Mädchen auf die Realschule. Aus meiner Sicht nicht, weil sie nicht gymnasialfähig wären, sondern weil sie verunsichert sind. Wenn man als Mutter der Meinung ist, dass man es doch auf dem Gymnasium versuchen möchte, weil eben das Kind, außer in Mathe, keine größeren Probleme hat und es wach, intelligent, stark und wissbegierig ist, dann werde ich unter Generalverdacht gestellt, dass mein Ehrgeiz auf das Kind projiziert wird. Typisch Akademikerhaushalt mit Helikoptermutter oder Trophäenvater mit den gefüllten Bücherregalen und der kunstsinnigen Geisteshaltung. Achtung auch hier vor Gemeinplätzen. Obwohl in NRW nach Ihrem Artikel die gymnasiale Empfehlung nicht mehr rechtsverbindlich ist für die Schulwahl, gibt es den Zirkus, der alle Eltern und noch viel schlimmer die Kinder verrückt macht. Für eine 9jährige bricht eine Welt zusammen, wenn ihre Lieblingslehrerin keine volle Liebeserklärung abgibt und in ihr nicht das Kind sieht, das zum Gymnasium gehen darf. Widersetze ich mich der Entscheidung, die trotzdem auf dem Zeugnis „als eingeschränkte gymnasiale Empfehlung“ testiert und niedergeschrieben wird, dann ist es widerborstiger Elternwille, die sich über die Institution und deren Autoritäten hinwegsetzt. Auf einer Informationsveranstaltung der verschiedenen weiterführenden Schulformen wurde ordentlich nochmals damit gedroht, dass, wenn es keine volle Empfehlung gibt, man besser nicht probieren sollte, das Kind auf das Gymnasium zu schicken, denn, obwohl Niemand genaue Zahlen nennen konnte, das „Abschulen“ für die Kinder hart ist. Bei meiner Tochter ist es so tief im Inneren angekommen, dass es besser ist, auf die Autorität der Lehrerin zu hören, die sie nicht für fähig hält. Die eingeschränkte Empfehlung haben wir uns am D-Day – dem Entscheidungsgespräch – erpresst, denn wir haben deutlich gemacht, dass wir anderer Meinung sind, was auch ziemlich schnell erfolgreich war. Nur das Kind wollte nicht dran glauben, weil die Lehrerin ihr das nicht zugetraut hat. Und die Freundinnen auf die Realschule gehen. In eine katholische Realschule, die früher eine reine Mädchenschule war, wo eine Klasse nur mit Jungen parallel zu den Mädchenklassen unterrichtet wird. Eine Schule, wo die größten Räume für Hauswirtschaft und der Kapelle reserviert sind. Könnte ich nochmals entscheiden, würde ich mein Kind nicht mehr in den offenen Ganztag einer Grundschule geben, denn ich habe den Zeitpunkt verpasst, wo meine Stimme nicht mehr gehört wird, sondern die Institution die Deutungshoheit übernommen hat.

Ich frage mich, was daran verwerflich ist, dass wir eine Gesellschaft haben, in der offenbar alle Eltern das Beste und die bestmöglichen Chancen für ihre Kind haben möchten. Warum nicht nur noch Gymnasien? Vertiefte Bildung für alle! Was soll diese frühe Selektion? In den letzten Monaten wurde ich häufig unter vorgehaltener Hand von anderen panischen Müttern und Vätern gefragt: „und, wohin geht Eurer Kind?“ Zwischen den Noten im ersten Halbjahr der 4. Klasse und der Fähigkeit ein Abitur, ein Studium oder sonst wie Verantwortung in unser Gesellschaft zu übernehmen, liegen doch Entwicklungsmöglichkeiten. Die Sekundarstufe 1 auf einem Gymnasium ist eine Orientierungsstufe, in der die Kinder sich erstmal auf dem Gymnasium einrichten können und nicht Sitzenbleiben dürfen. Erst dann kommt die Zäsur. Ich hätte mir für meine Tochter gewünscht, dass sie sich auf einem vollen Schulhof mit unterschiedlichen Kindern, guten wie nervigen Lehrern, behaupten lernt. Ich bin mir sicher, dass sie eine hervorragende Schülerin auf einem Städtischen Gymnasium geworden wäre. Nichts und auch wirklich gar nichts half, ihr die Angst zu nehmen und das eingeschränkte Prädikat ungeschehen zu machen sowie sich gegen die Gruppendynamik, dass die Freundinnen zur Realschule gehen, zu stellen. In meiner Welt zählt die Individualität des Einzelnen sowie das gute Gelingen der Gemeinschaft. Lernen im eigenen Takt als Konzept eine großartige Alternative, die leider in der Schublade liegt. Seit Gedenken wird das Schulsystem in Deutschland reformiert und es gibt sicher viel Gutes. Dennoch, was bringt es, darüber zu klagen, dass alle nur das Gymnasium wollen, wo offenbar nicht einmal die Mindestanforderungen von so vielen Kindern erfüllt werden? Ich wage zu bezweifeln, dass dem so ist. Ich wage sogar eine vielleicht noch absurdere These, die sich zugegeben nach Verschwörungstheorie anhört, jedoch fehlen Krankenschwestern und Pflegepersonal in unserem Land. Die Bedeutung der MINT Fächer als Geheimformel des gymnasialen Erfolges geht mir persönlich auf die Nerven. Ach ja, unsere Tochter hat sich eine teure Privatschule mit Schuluniform ausgesucht, einfach, weil man sie dort als Individuum gesehen hat und ihr erfolgreiches und motivierendes Lernen in Aussicht gestellt. Mein Wunsch war das nicht und ich finde die Lösung furchtbar undemokratisch, aber jetzt werden wir doch zu bildungsaffinen Eltern, die ihr Kind mit Geld in die richtigen Kanäle setzt. Übrigens die Privatschule war schon vor ihrem Tag der offenen Tür bis auf einen Platz ausgebucht. Der Direktor bestätigte uns, eine ständig steigende Nachfrage. – Katharina Hohenhörst


Leserbrief zu „Wird Wohnen etwa noch teurer?“ von Mark Schieritz

Die Geschichte des „Preisschildes“ ist arg kurz geraten. Eine Grundsteuer gab es schon im 2.Deutschen Kaiserreich, für meinen Geburtsort bei Hannover wurde die sogenannte Mutterrolle 1876 erstellt. Die Einheitsbewertung als Grundlage für die Grund-, Vermögens-, Erbschafts- und Schenkungssteuer (und weitere Dinge) wurde in der Weimarer Zeit alle 3Jahre neu durchgeführt, zuletzt 1931. Die Nazis führten 1935 eine umfassende Neubewertung durch, die 1936 in Kraft trat (u.a. wurden alle landwirtschaftlichen Grundstücke nach der natürlichen Ertragskraft bonitiert); danach hatten sie „Wichtigeres“ (=Krieg führen) zu tun. In der Bundesrepublik wurde zum Stichtag 1.1.1964 für das „Grundvermögen“ (u.a. Wohngrundstücke) die längst überfällige „Hauptfestsetzung“ durchgeführt, unter anderem alle Wohnräume zentimetergenau vermessen. Dies dauerte mehrere Jahre. Die neuen Werte traten 1974 in Kraft, allerdings für Wohngrundstücke mit einem pauschalen Aufschlag von 40% (für landwirtschaftliche Grundstücke mit einem geringen Abschlag). Laut Bewertungsgesetz hätte man nun alle 10Jahre eine erneute Hauptfestsetzung durchführen müssen. Aber es war ja viel einfacher, dass die Kommunen alle paar Jahre den Hebesatz erhöhten, um höhere Grundsteuer-Einnahmen zu generieren. Wenn in der Zwischenzeit kein Anlaß, keine Baugenehmigung z.B. für einen Anbau oder Dachgeschossausbau bestand, so wurde ein seit vor 1964 bestehendes Wohngebäude vom Finanzamt nicht neubewertet, der Einheitswert basiert dann unter Umständen immer noch auf der Ausstattung „Ofenheizung, kein Badezimmer“. Bei der Einkommensteuererklärung vorgelegte Rechnungen für Heizung, Badewanne, Fliesen etc. führten – in vielen Fällen – weder zu einer Aktivierung dieser Baumaßnahme noch zu einer Meldung an die Bewertungsstelle (und damit zu keiner Neubewertung des Grundstückes). Dadurch ist die Grundsteuerbelastung pro m² WF gegenüber einem vor oder nach 1964 mit Badezimmer und Heizung erricheten Gebäude in der selben Gemeinde deutlich geringer – bei gleicher heutiger Ausstattung. Bei einer 2020-25 durchgeführten Hauptfestsetzung würde dieser Unterschied aufgehoben.

Als 1990 die Eingliederung der DDR bevorstand, wurde das Bewertungsgesetz um Extra-Paragraphen für das Beitrittsgebiet ergänzt. Für das Beitrittsgebiet liegt die Hauptfestsetzung also noch nicht solange zurück. Als das Bundesverfassungsgericht hinsichtlich der Erbschaftssteuer eine Bevorteilung des Grundvermögens gegenüber dem Finanzvermögen feststellte, wurde 1997 unter Finanzminister Weigl ebenfalls das Bewertungsgesetz erweitert, das Grundvermögen neu bewertet: Grundstücksfläche, Wohnfläche, aktuelle ortsübliche Miete fließen dort ein. Dies gilt für die Erbschafts- und Schenkungssteuer und für die Vermögenssteuer (letztere wurde aber 1998 ausgesetzt). Doch dies ist eine Bedarfsschätzung, wenn also eine Schenkung/ Erbschaft tatsächlich durchgeführt wird. Gesetzestechnisch ließe sich dies leicht auf alle Wohngrundstücke ausdehnen. Allerdings hätten Grundstückseigentümer, Steuerberater, Grundeigentümervereine, Finanzbeamte etc. eine Menge Arbeit.

Zu Ihren Bewertungsmodellen eines rechteckigen Einfamilienhauses auf einem quadratischen Grundstück will ich nichts Grundsätzliches sagen, sondern auf das Problem der Wertermittlung hinweisen. Meinen Sie Sachwert oder Ertragswert? Bei Miets-Grundstücken zählt nur der Ertragswert (Netto-Jahreskaltmiete x Faktor), es sei denn, der Grundstückswert ist höher. Die Baukosten (abzüglich Abnutzung) interessieren dabei nicht. Wie wird der Bodenwert ermittelt? Nun, die Katasterverwaltung errechnet jedes Jahr aus den Kaufverträgen unbebauter Grundstücke einen „Bodenrichtwert“ (nach dem sich keiner richten muss), bei bebauten Grundstücken werden andere Werte einschließlich Gebäude (z.B. Mehrfamilienhaus) errechnet. Was ist der Wert eines vieleckigen, vielgestaltigen, aber überall schmalen, bebauten Grundstücks, wenn nach heutigen Bauvorschriften keine andere Bebauung möglich ist (als die vorhandene), eine energetische Sanierung des alten Gebäudes aber nicht möglich ist? Zu Zeiten des „Beton-Goldes“ in den 1970er Jahren (kennen Sie die noch?) schätzte ein Makler besagtes Grundstück auf Bodenrichtwert x m² + Zuschlag für Gebäude. Auch mit erheblichem Abschlag war das Grundstück letztlich nicht verkäuflich. So blieb es in der Familie und das Problem vererbt sich in die nächste Generation. Im Vererbungsfalle ist das Bewertungsproblem bei den hohen Freibeträgen und mehreren Erben ohne praktische Auswirkung. Bei der Grundsteuer zählt aber jeder Tausender. – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Wird Wohnen etwa noch teurer?“ von Mark Schieritz

Herr Schieritz weiß, wie die Grundsteuerreform tatsächlich nicht kompliziert geregelt werden kann. Nur: er verrät es dem Leser nicht! Warum? Weiß er es, entgegen seiner Einlassung im ersten Satz, doch nicht? Zudem teilt er mit, „in Wahrheit (geht es) um die Frage, ob Vermögen stärker besteuert werden sollen“. Dazu führt er konkret aus, dass das Aufkommen gedeckelt, also nicht erhöht, werden soll. Im Übrigen ergeht sich der Autor in Mutmaßungen. Ich beanstande nicht zum ersten Mal die Qualität, sogar Richtigkeit, der Ausführungen des Autors, jedoch bisher in Korrespondenz mit ihm. Derartige Qualität, wie sie Herr Schieritz bietet, gehört auch nicht in DIE ZEIT. – Gerd Wichmann


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Ja“ von Bernd Ulrich

Nein, Herr Ulrich, wer spürbare Maßnahmen zum Umweltschutz fordert, ist kein Öko- Spinner! Das Problem bei dieser Thematik ist leider nur, dass die „geforderten Maßnahmen“ nahezu ausnahmslos eben nicht zu spürbaren, also messbaren Verbesserungen führen. Und weil diese beratungsresistenten Retter der Menschheit unverdrossen mit der Vehemenz einer Abrissbirne versuchen, ihre unwirksamen Forderungen durchzudrücken, würde ich sie eher als Öko- Demagogen bezeichnen, die sich selbst und leider auch ihre Mitmenschen belügen.

Dazu gehören u.a. Tempolimits in der Stadt wie auf der Autobahn, Durchfahrverbote für Dieselfahrzeuge, der unsinnig niedrige NOx- Grenzwert, der unerschütterliche Glaube, das E- Mobil sei umweltfreundlich, allesamt falsche weil erwiesenermaßen unwirksame Maßnahmen zur Rettung der Erdatmosphäre! Die Grenzen der Öko- Demagogie werden überschritten, wenn auch noch frei erfundene („empirisch errechnete“) Horrorzahlen über Hunderttausende Umwelttote beklagt werden. Das zu Recht kritisierte Verfehlen des CO2- Zieles („minus 40% bis Ende 2019“) ist nicht dem Straßenverkehr geschuldet sondern der dilettantischen Energiepolitik der Bundesregierung (überstürzter Atomausstieg seit Fukushima führt zu höheren CO2- Emissionen dank höherem Kohlestromanteil). Positiv: Der NOx-Anteil in der Atemluft hat sich in Deutschland seit 1990 trotz steigender Verkehrsdichte lt. Umweltbundesamt um 60% reduziert, und das trotz stetig gestiegener Verkehrsdichte und Dieselzulassungen! – Dipl. Ing. Michael Deil


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Mit Interesse, aber auch mit einem Anflug von Langeweile, nehme ich mit ihrer Ausgabe vom 24. Januar 2019 zur Kenntnis, dass wieder einmal die Gymnasien in all ihrer Vielfalt, ihrer Bedeutung und ihrem Wandel thematisiert werden. Natürlich ist das deutsche Gymnasium für ihre Leserschaft die relevanteste Schulart. Jedoch wird oftmals vergessen, dass die Mittelschulen (also die klassischen Hauptschulen) gesamtgesellschaftlich mindestens eine ebenso große Rolle spielen. Wir Lehrkräfte an Mittelschulen führen natürlich nur in den seltensten Fällen Hochbegabte der Gesellschaft zu. Jedoch fangen wir am so genannten „unteren Ende“ unserer Gesellschaft jene Menschen auf, die in der Regel mehr als alle anderen unsere Hilfe benötigen. Diejenigen, denen zwar nicht immer, aber öfter als man denkt, durchaus zu helfen ist, sind für das Gelingen und friedliche Vorankommen unseres Staates ebenso relevant wie die Abgänger der – durchaus nachvollziehbar – so beliebten Gymnasien. Um ihren Lesern, die in der Regel sicherlich selbst ein Gymnasium besucht haben, ein möglichst ausgewogenes Bild davon vermitteln zu können, wie vielfältig das Leben und damit auch die Bildung in Deutschland ist, würde ich mir wünschen, dass sie den Blick über den gymnasialen Tellerrand richten. Wir Lehrer an Mittelschulen fangen Tag für Tag Menschen auf, die von Armut, Migration, in vielerlei Hinsicht prekären Familienverhältnissen, Gewalt und vielfältigen Traumata geprägt sind. Diese oftmals vergessenen Kinder haben auf unseren Staat eine ebenso enorme Auswirkung wie gebildete, zumeist behütete Gymnasiasten. Die Mittelschule ist mehr denn je nicht nur ein Auffangbecken für die übrig geblieben und vergessenen, sondern hat an dem bereits erwähnten „unteren Ende“ der Gesellschaft einen eben so hohen Stellenwert wie das Gymnasium am „oberen Ende“. Es wäre schön, die Mittelschule nicht nur im Kontext von Gewalt, Ghettoisierung und Brennpunkt-Vierteln zu thematisieren, sondern ihren Lesern zu zeigen dass auch aus unseren Mittelschulen für das Leben in unserem Staat äußerst wertvolle, liebenswerte und sympathische Menschen hervorgehen. Ich lade Sie herzlich ein, sich selbst ein Bild davon zu machen und mich bei meiner täglichen, nicht immer leichten, aber zutiefst erfüllenden Arbeit zu begleiten. – Dr. Peter Scharl


Leserbrief zu „Wird Wohnen etwa noch teurer?“ von Mark Schieritz

In der Diskussion um die verschiedenen Modelle für eine Grundsteuerreform taucht dann auch die Frage auf, ob ein Verbot der Abwälzung der Grundsteuer auf die Mieter notwendig sei. Die Vemieter würden in so einem Falle versuchen, das Geld mit einer Kaltmieterhöhung wieder hereinzuholen. Heißt im Umkehrschluss: solange die Vermieter die Grundsteuer über die Nebenkosten abrechnen können, halten sie sich bei Mieterhöhungen tendenziell zurück. Das gleiche abwegige Argument wurde schon bei der Streichung der Maklercourtage angeführt. Nichts davon hat sich bewahrheitet. Jede Grundsteuer ist eine Eigentumssteuer auf den Wertzuwachs einer Immobilie. Sie hat in den Betriebskosten für Mieter nichts zu suchen und muss dort verschwinden. – Stefan Kaisers


Leserbrief zu „»Als hätten wir fünf Planeten«“ von Marcus Rohwetter und Kolja Rudzio

Sie sagen: „Wenn wir Fleisch, Kaffee, Rosen oder andere Produkte kaufen, die mit viel Wasser produziert wurden, sind wir alle mitverantwortlich“. Wieso eigentlich? Äthiopien ist ein souveränes Land. Es ist für sich und seine Exporte selbst verantwortlich. Es soll, kann und muß selbst entscheiden, ob und wie viel Kaffee es uns verkauft. Es wird uns nur dann und solange Kaffee verkaufen, wie es selbst einen Nutzen und Vorteil darin sieht. Ihre Bemerkung verstehe ich als eine besserwissende Bevormundung. Und wie wollen Sie die Verantwortung des Verkäufers und des Käufers von einander trennen? – Albrecht Trautmann


Leserbrief zu „Schnell raus hier: Aber wann?“ von Petra Pinzler

Ihre Autorin sollte sich andere Themen aussuchen. Es wird zu viel gelogen, daß die Heide wackelt. Mit der Luft ist es nicht viel anders. Diesel war gut jetzt ist er der große Luftverpester. Die gemessenen Werte taugen alle nichts, wie man jetzt festgestellt hat. Es wird für mich darauf hinauslaufen, daß, egal wer was untersucht, keiner es verbindlich sagen kann. Die „Zeit“ sollte sich zunächst davon fernhalten, bis eine Organisation oder Kommission in die Zukunft sehen kann…. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Meinen Respekt für Herrn Willeke, dass er den schweren Part des „Nein“ auf sich genommen hat. Das war bestimmt nicht einfach… Trotz aller Anerkennung ist es dennoch nahezu unerträglich, wie in seinen Ausführungen die „Armen“ einmal mehr dafür herhalten müssen, eine lösungsorientierte Diskussion abzuwürgen. Er spielt das stereotype Spiel der „Reichen“: Mache den „Armen“ Angst, wecke ihre Sorgen, wiegle sie auf, dann kannst Du hoffen, selbst ungeschoren davon zu kommen. Die Anleitung für dieses Spiel wurde jüngst an höchster Stelle (USA) überarbeitet und veröffentlicht. Ein Großteil dieser „wuchtigen“ Argumente wird Gott-sei-Dank gleich nebenan von Herrn Ulrich ohnehin auf´s Trefflichste als Stammtisch-Geschwätz entlarvt. Deswegen nur ein paar Extras:
Wer nicht weiß, wieviel CO2 man durch ein Tempolimit einspart, sollte am besten seinen Spritverbrauch messen. Ich empfehle einen Feldversuch: beim nächsten Besuch der Dortmunder Messehalle mit 170 Sachen hin (wenn alles frei ist gerne auch mehr) und mit maximal 130 zurück. Wenn Sie vor Fahrtbeginn, in Dortmund und bei Ihrer Rückkehr volltanken und jeweils den Kilometerstand notieren, dann können Sie (hoffentlich) den Spritverbrauch ausreichend genau messen.
Wenn Sie „Glück“ haben, stehen Sie auf einer Strecke komplett im Stau und können den Versuch deswegen nicht werten. Bei freier Fahrt in beide Richtungen könnte Ihnen nämlich der relative Mehrverbrauch bei hoher Geschwindigkeit einen ersten aber ziemlich konkreten Hinweis auf das CO2-Einspar-Potential eines Tempolimits geben, meinen Sie nicht? Ich hoffe, Sie finden das nicht allzu profan.
Wer den Sinn einer Maßnahme nicht verstehen will, dem kann man ihn auch nicht erklären. Jeder, der einen Wahlzettel ausfüllen kann, sollte nachvollziehen können, dass man dem rasanten Tempo, mit der die atmospherische CO2-Konzentration ansteigt, nur dadurch entgegenwirken kann, dass man die CO2-Emissionen reduziert (gegenwärtige 38 Milliarden Tonnen pro Jahr). Ein Tempolimit gehört da sicher zu den eher angenehmen Einschränkungen. Wussten sie übrigens, dass unsere Demokratie das moralische Gebot des Minderheitenschutzes beinhaltet? Wenn sich eine Mehrheit der unausweichlichen Logik einer aktuell sehr gefährlichen Entwicklung entzieht und es schlicht zu mühsam findet, neue Spielregeln aufzustellen, so sollte dennoch diejenige Minderheit geschützt werden, die den Lebensraum Erde für uns und für unsere Nachkommen bewahren will. Auch das wäre Aufgabe einer Regierung. In dieser Hinsicht von einer „rasenden Staatsmoral“ zu reden ist nicht ganz unkomisch.
Lieber Herr Willeke,
Ich hoffe, Sie haben einfach das kurze Streichholz gezogen und mussten es tun. Aber auch im Namen der Dialektik sollte man sich nicht für alles hergeben. Das nächste Mal sollten Sie sich wehren, selbst wenn es Sie den Job kostet und sie dann befürchten müssen, als armer Mensch die Hauptlast der Weltrettung tragen zu müssen! – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Nein“ von Stefan Willeke

Genau, also auch weg mit dem absoluten Halteverbot in Feuerwehrzufahrten! Wo ist denn die Studie, die beweist, dass diese unzumutbare Einschränkung unserer Freiheit der Brandbekämpfung nutzt? Absence of Evidence Is Not Evidence of Absence, Herr Willeke. Es gibt eine physikalische Gesetzmäßigkeit, die besagt, dass die bremsende Kraft des Luftwiderstandes proportional zum Quadrat der Geschwindigkeit wächst. Das ist der Grund, warum Sie um so mehr Kraftstoff verbrauchen, je schneller Sie fahren. Ja, und wo kommt denn Ihrer Meinung nach dieses vermaledeite CO2 her? Doch nicht vom Reifenabrieb oder der Lautstärke des Autoradios- nein, je mehr Kraftstoff pro gefahrenem Kilometer Sie verbrennen, desto mehr CO2 pusten Sie in die Luft. Wo ist noch Erklärungsbedarf? Ein bisschen weniger Bauchgefühl und Emotion und ein klitzekleines Bisschen Vernunft in Fragen, die mit dem Fetisch Auto zusammenhängen würden unsere Kinder sicherlich goutieren, die auf diesem verdrecken Planeten weiterexistieren müssen, wenn Sie und ich längst in der Kiste schlummern. – Dr. Christian Schmidt


Leserbrief zu „Hauptsache, starke Bilder“ von Thomas Assheuer

Wenn ich mich an der Debatte über Symtome unserer Zeit(Wofür steht Literatur oder Film) beteilige,so tue ich dass ,in Sorge um den neuen Umgang mit der Vergangenheit und immer neuen SINN-SUCHE bei linker Kunst /Literatur und linkem Fortschrittsdenken bloß allein. Hier soll im heutigen Beitrag Ästetik und Moral definitiv der Vergangenheit angehören?? Dazu bemühen Sie im Einstieg sogar Friedrich Nietzsche mit „Antiquar ohne Pietät“;denn für literarisches Antiquar ist die Weltgeschichte ein gigantischer Themenpark zum Kombinieren und Arrangieren:aus Geschichte macht man eben einfach Geschichten.(Relotius läßt grüßen) -„Damit verschiebt sich gerade das Verhältnis der Gegenwart zur Vergangenheit mit Erklärung der Vergangenheit(hier Nazi.Zeit)zur Verfügungsmasse ,zum illustrativen Material,zur Kulisse.“(starke Bilder ,starke Gefühle).

-„Diese Machart versteht sich in der vornehmsten Aufgabe der Kunst,Geschichten und Metaphern in die Welt zu setzen,ästetisch eindringliche Bilder ,die der ebenso flüchtigen wie ungreifbaren Moderne einen fassbaren Sinn geben“.(Welch ein Selbstbekenntnis) -„Menschen ,so heißt es ,bräuchten orientierende Bilder,denn im Gegensatz zum Tier ,haben sie einen angeborenen Nachteil-sie hungerten pausenlos nach Sinn.“ -„Kunst dient in der postmodernen Kunstlehre fortan nicht mehr der Wahrheitsfindung sondern der Sinnbeschaffung,der Produktion von wohltätigem Schein.Sie schenkt der entzauberten Welt dramatische Vergangenheiten und kompensatorische Mythen“(dank für das linke Glaubensbekenntnis) Mein Fazit :Selbst in intellektuellen Zeiten nennt man auch das eine Endlosschleife einer Links-Ideologie im Ereignistheater der Literatur-Geschichte. Mit Blick in den dunklen Abgrund des Lebens nur allein-in die angebliche Wahrheit.

Ich als Antipode und Optimist dieser negativen Geisteshaltung stelle ganz andere Fragen an Literatur und Kunst.: -Hat das Leben überhaupt einen Sinn,einen Zweck? -Liegt der Sinn und Zweck nicht einfach darin,am Leben zu sein,zu leben? -Warum wollen wir mehr? Weil wir so unzufrieden mit unserem Leben sind; unser Leben ist so leer ,so schäbig,so eintönig und geistlos.Wir machen immer und immer wieder das Gleiche und kritisieren und verurteilen bloß den anderen allein bloß. Unser Problem ist,dass wir einen Sinn im Leben finden wollen und und danach streben,weil unser Leben so leer ist. Ein solcher Lebenssinn kann aber nur eine intellektuelle Vorstellung sein,ohne jegliche Realität(damit nur geistiger Missbrauch darstellen) Denn wenn ein einfältiger ,abgestumpfter Geist und ein leeres Herz nach dem Sinn des Lebens suchen,wird auch dieser Sinn inhaltlos bloß sein können.! – Lothar Hantel


Leserbrief zu „Viel besser als Fußball“ von Cathrin Gilbert

Ein lesenswerter Beitrag ihrer Autorin Cathrin Gilbert. Hoffentlich lesen das auch viele Politiker. Die Menschen, die hinter dem Handball stehen, spüren genau das, was die Politik nicht mehr wahr haben will. Die Menschen und Fans fühlen sich beim Handball nicht mehr als Heimatlose. Und die Aktiven wachsen über sich hinaus. Auch dem Fernsehen sei dank, daß sie die Gefühle hautnah einfängt. Unsere Bundeskanzlerin wäre gut beraten gewesen, wenn sie Mal vorbei geschaut hätte. Bei einer Fußball-Weltmeisterschaft im eigenem Lande wäre ihr das nicht passiert. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Ihre Kommentare sind wunderbar erhellend. Herrn Ulrichs in seiner Sachlichkeit. Und Herrn Willekes in seiner Unsachlichkeit. Wenn es keine besseren Argumente gegen ein Tempolimit gibt als die genannten – ich habe auch sonst noch keine gehört – dann muss es kommen. Möglichst bald. Mit Tempolimit gäbe es auch weniger Staus: In Hessen ist in den frühen 80ern nach der Übernahme der Regierung durch die CDU das Tempolimit zwischen Bensheim und Darmstadt aufgehoben worden (120). „Freie Fahrt für freie Bürger“ :-). Ab diesem Zeitpunkt – und zwar taggenau – gab es dort täglich Stau. – Fritjof Möckel


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Zu behaupten,daß ein Tempolimit klimatechnisch eh kaum was bringt widerspricht nicht nur dem Physikunterricht sondern auch jeder Alltagserfahrung:gerade die heute so beliebten 4-rädrigen Reihenhaussiedlungen namens SUV (warum hat wohl noch nie jemand diesen in sich widersprüchlichen Begriff mit dem Potential zum geistigen Offenbarungseid vernünftig übersetzt?) mit ihrer vergleichsweise riesigen Frontfläche können der elementaren Regel ,daß der Luftwiderstand im Quadrat zur Geschwindigkeit steigt nicht entkommen. Und wenn die Fahrt -ganz entspannt,weil man nicht permanent im Rückspiegel auf „Recht-habende“ freie Bürger bei ihrer freien Fahrt aufpassen muß – ein paar Minuten länger dauert kann man sich ausmalen wie viel Sprit wohl ein bei Bremsen, Reifen ,Sicherheits-und Assistenzsystemen abgespecktes Auto brauchen könnte – mit modernen Motoren, maximal 1500 Kg aber eben nicht auf Tempo 250 ausgelegt sondern mit altmodisch steilgestellter Windschutzscheibe sogar 10 Monate im Jahr ohne Klimaanlage!

Der amerikanischen Autoindustrie in den `70ern schien ein Verzicht auf ihre V8-gas-guzzlers auch gegen jeden „gesunden Menschenverstand“. Wenn die deutsche Autoindustrie nicht bald zu ihrem Glück gezwungen wird geht´s ihr genauso wie Cadillac,Lincoln&Co. Dies allerdings von unserem Verkehrsministerium zu erwarten,das seit 10 Jahren der CSU und ihren stammtischschenkelklopfertauglichen Ausländermaut-Phantasien ausgeliefert ist, erscheint unrealistisch.Es sei denn Frau Merkel merkt auf der Zielgerade ihrer Kanzlerschaft,daß man sich das Renommee einer „Klimakanzlerin“ nicht allein durch ein Photo im roten Daunenanorak vor abschmelzenden Eisbergen verdient.

Nicht ,daß man mich falsch versteht: eine stringent-sauber gefahrene Runde auf der Nürburgring-Nordschleife bringt einem schwer zu steigernde Glücksmomente ,aber wer über die NRA und die Schußwaffen im US-Alltag den Kopf schüttelt-obwohl die Amis sich im Normalfall damit nur selber umnieten – muß den ADAC/BMW/BoaEy !- Mythos von der „freien“ Fahrt und seine Apologeten in Politik,Industrie und Fachpresse als das anklagen,was sie 2019 nunmal sind: aus der Zeit gefallen! – Dr.Bernd Amling


Leserbrief zur „Serie: Der Zustand der Welt“ von Tim Kalvelage et al.

Ihre Reportage über den Zustand unserer Erde, zuletzt über das Wasser möchte ich hinzufügen, das wir selbst, die Menschen, Wasser in uns tragen. Der Anteil liegt bei etwa 95% – 70%, des Körpergewichtes, je nach Alter des Menschen. Wasser ist eine endliche Resource wenn wir nicht sorgsam damit umgehen, wie zum Beispiel das Öl, Kohle, oder Gas. Und wie man sich Resourcen sichert, das hat der Krieg im Irak, unter dem Schlagwort „ Blut für Öl „ gezeigt. Zu welchen apokalyptischen Szenarien es kommen könnte, daß kann man sich nur in den allerdüstersten Farben ausmalen, wenn der Kampf um das versiegende, aber lebensnotwendige Wasser jemals stattfinden sollte. Denn ohne Öl könnten wir ja weiterleben, und haben es ja auch lange genug getan, aber ohne …Wasser??? Jeder Tropfen davon ist kostbar. Das, so hoffe ich, konnten sie ihren Lesern eindringlich durch ihren Report vermitteln, wenn auch die Graphiken suggerieren es sei ja ( noch ) genug davon vorhanden. Wer nicht mindestens täglich zwei bis drei Liter davon zu trinken hat ist in wenigen Tagen tot. – Gert Besner


Leserbrief zu „»Ich bin zutiefst beunruhigt«“ von Stefan Willeke

Danke für das Interview von Stefan Willeke mit dem internationalen Strafrichter Christoph Flügge. Die darin enthaltenen Informationen fördern unsere Wachsamkeit und unterstreichen die Notwendigkeit, als Demokraten noch aktiver für Freiheit und Gerechtigkeit einzustehen. In den letzten Jahrzehnten wurde unser Rechtsbewusstsein immer mehr aufgeweicht. Es gilt, in Familien und Schulen, Universitäten und beruflichen Einrichtungen wieder mehr Wert auf Basistugenden zu legen. Nur so kann sich echte Zivilcourage entwickeln, ohne die wir auch nationales Recht im Bedarfsfall nicht schützen können. – Bettina Oehmen


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Erstklassiger Beitrag von Bernd Ulrich! Der Beitrag von Stefan Willeke dagegen gehört für mich nicht in eine verantwortungsvolle Zeitung wie die Zeit – und auf gar keinen Fall auf die Titelseite. – B. Thomas


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

2 Meinungen gegenüberzustellen um damit eine breite Diskussion anzustoßen, wird dann gelingen, wenn beide Positionierungen logisch nachvollziehbar sind. Der Beitrag von Stefan Willike riecht förmlich danach, künstlich eine Gegenposition zu Bernd Ulrich formulieren zu wollen – und ist damit unglaubwürdig. Ein Leitartikler der ZEIT, der in seinem Statement zum Tempolimit nicht auch die Unfallstatistik des Bundesamtes für Statistik liest und in seine Kommentierung einfließen lässt, hat kräftig daneben geschrieben. Ein Drittel aller tödlichen Verkehrsunfälle, parallel gehört die Anzahl der Schwerverletzten dazu, sind nämlich auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen. Zitat: „Im Jahr 2017 kamen 1 077 Menschen bei Geschwindigkeitsunfällen ums Leben, 60 079 wurden verletzt. Damit starb mehr als jeder Dritte (34 %) aller im Straßenverkehr Getöteten bei Unfällen aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit“. Wer diese Zahlen kennt und „bei Verstand ist“, wird niemals schreiben, „… ich will nicht, dass sich der Staat als Anstalt zur Erziehung der Bevölkerung aufspielt“. – Dirk Hartwich


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Wenn ich seinen Beitrag gegen das diskutierte Tempolimit lese, dann frage ich mich schon, ob das Argument, dass die Reduzierung des Treibhauseffektes durch ein Tempolimit nicht wissenschaftlich bewiesen ist, nicht vorgeschoben ist. Wer Auto fährt und ab und an mal seinen Verbrauch in Relation zur Fahrweise setzt, der merkt doch sehr wohl, dass eine Strecke mit Bleifuß wesentlich mehr Treibstoff braucht als wenn ich ruhiger fahre. Vielleicht sollte er mal eine Strecke im Vergleich fahren? Brauche ich da wirklich noch 5 wissenschaftliche Studien?

Die hysterische Diskussion erinnert mich doch ein Stück weit an die Argumentation der Waffenlobby in den USA, die wir hier in Europa ja oft nicht nachvollziehen können. Man ersetze einfach mal Tempolimit durch freien Waffenkauf… Im Übrigen finde ich, dass man doch auch mal die Qualitäten eines Tempolimits sehen kann: Wenn wir in anderen Ländern mit Tempolimit auf der Autobahn unterwegs sind, dann muss ich mir schon eingestehen, dass das Fahren deutlich weniger anstrengend ist, wenn nicht immer wieder von hinten ein Auto ranbrettert und Druck macht. Und das Verschrotten von an sich noch fahrtüchtigen Autos ist natürlich ökologischer Wahnsinn und bringt im Kampf gegen den Treibhauseffekt durch die verschleuderte graue Energie natürlich nichts bzw. ist sicher kontraproduktive Wirtschaftspolitik. Aber genau das zeigt doch, dass wir unser Verhalten ändern müssen und Probleme nicht nur durch technische Verbesserungen ändern können. Die gebauten Wagen müssen so genutzt werden, dass auch die Luft in unseren Städten ausreichend gesund ist, d.h. der Verkehr muss reduziert werden.

Und wie Herr Ulrich schreibt kann das Tempolimit ja nur endlich (!) ein Anfang in dem dringend gebotenen Kampf gegen den Treibhauseffekt sein. Die Maßnahmen die ohne Veränderung unseres Lebenswandels gehen, sind wohl weitgehend erschöpft. Die Frge ist aber, ob damit wirklich Qualitätseinbußen verbunden sind oder ob nicht am Ende das Leben in vielen Bereichen durch die notwendigen Veränderungen auch an Qualität gewinnen kann? Wir müssen uns nur auf die Veränderungen einlassen und sie gestalten! Aber eine Stadt mit weniger Autos birgt unglaubliche Lebensqualitäten, man gehe mal nur in die einschlägigen italienischen Städte! Das schreibt jemand, der durchaus auch gerne schnell fährt und den Reiz darum weiß und gerade deswegen es befürwortet, wenn wir als Bürger in einem Staat uns hier zivilisiert eine gemeinsame Regel aufstellen! (Ein Tempolimit ist im Übrigen nicht unsozial, da es für alle gilt.) – Christoph Manderscheid


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Der interessierte ZEIT-Leser freut sich immer über kontroverse Ansichten von ZEIT-Redakteuren. Während die Argumente und die Feststellungen von Bernd Ulrich durchaus nachvollziehbar sind, erstaunt der etwas unkonventionelle Beitrag von Stefan Willeke zu dem Thema. Möglicherweise kommt man einer Erklärung auf die Spur, wenn man aus dem Impressum erfährt, dass Dr. Willeke als Chefreporter Mitglied der Chefredaktion ist. Ist sein Beitrag möglicherweise der Widerhall von Gesprächen, die er in seiner Eigenschaft als Chefreporter mit Mitgliedern der Regierungskoalition in Berlin führt? – Klaus Grieshaber


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Die Debatte um Tempolimits ist typisch deutsch. Hier wird aus allem ein Glaubenskrieg gemacht. Dass die Geschwindigkeit über den Energiebedarf für eine Strecke mit entscheidet, kann jeder nachrechnen, die Gesetze der Physik gelten auf dem ganzen Planeten gleichmäßig. Wer nicht rechnen kann, setze sich aufs Fahrrad und fahre in der Ebene mal 5 km weit langsam. Am nächsten Tag (nach gründlicher Erholung) fahre er die gleichen 5 km so schnell es geht. Wer es dann noch nicht begriffen hat, begreift ohnehin nichts. Aber es ist nicht nötig, ein Tempolimit vorzuschreiben. Es genügt völlig, dem Kohlenstoffanteil im Brennstoff den Preis zu verpassen, der seiner Schadwirkung entspricht. Das hätte den marktwirtschaftlichen Vorteil, dass das übliche Geschäft zulasten Dritter aufhört. Wer schadet, zahlt. Die Marktwirtschaft verträgt es nicht, dass jemand den Vorteil nimmt und anderen die Lasten aufhalst, das müsste sogar die FDP verstehen. Was hat das mit dem Tempo zu tun? Na, der Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Kraftstoffverbrauch bildet sich in der Geldbörse ab. Das wirkt, da bin ich sicher. Ganz nebenbei muss dann niemand genötigt werden, sein altes Auto zu verschrotten und sich ein (für viele unbezahlbares) neues zu kaufen. Jeder kann selbst entscheiden, ob er lieber den Motor anwirft und zahlt, oder andere Möglichkeiten nutzt, das Ziel zu erreichen. Und Ziel ist nicht immer der Ort, zu dem man fährt, es kann auch das sein, was man an diesem Ort bewirken will. Oft geht das heute auch, ohne dass man dort ist. Und wenn der Spritfresser von SUV stehen bleibt, richtet er auch keinen Schaden an, während der Kleinwagen, der dauernd unterwegs ist, laufend Schadstoffe ausstößt. Und wer schadet, … siehe oben.

Ja, der Effekt, dass der Verkehr ruhiger läuft, wenn es illegal ist, schneller als … zu fahren, ist bekannt. Aber auch hier hilft der Realpreis anstelle des Dumpingpreises für den Sprit. Es geht erheblich mehr von dem teuren Zeug durch den Motor, wenn man im alltäglichen Ziehharmonika-Verkehr von Stillstand zu Stillstand mit Vollgas sprintet, statt mit gemäßigter Geschwindigkeit dort hin zu rollen. Und das schlägt sich wiederum in der Brieftasche nieder. Gerade die Gegner der verbotsbesessenen Grünen pochen immer auf die Selbstregulierung des Marktes. Hier ist ein Paradebeispiel, an dem diese treffend bewiesen werden kann. Aber was wollen die Marktprediger? Einen „Preismechanismus“ statt einen Preis für den Kohlenstoff. Eine staatliche Festlegung des Preises für Kohlenstoff im Brennstoff ist des Teufels, die gewillkürte Zuteilung von (handelbaren) CO2-Verbreitungsrechten dagegen soll freier Markt sein. Mir scheint, es kommt denen vor allem auf das „handelbar“ an, ein ganz neues Feld für Finanzdealer. – Hans List


Leserbrief zu „Im Tollhouse“ von Jochen Bittner

Seid ihr sicher, dass dieser Artikel wirklich von Jochen Bittner verfasst wurde? Ich glaube eher das war der Herr Öttinger. Solch kreativer Duktus im Titel, das kann doch nur der. – Wolfgang Roller


Leserbrief zu „Hauptsache, starke Bilder“ von Thomas Assheuer

Im Zusammenhang mit der Diskussion um Würger’s „Stella“ wäre es vielleicht nützlich, auf „Stella“ von Peter Wyden, Simon & Schuster, New York 1992 hinzuweisen. Dazu auch book review in der New York Times vom 11. November 1992. Der Autor Peter Wyden war in Berlin der 30-er Jahre Mitschüler von Stella Goldschlag und liefert in seinem mehr auf seine persönliche Biografie abgestellten Buch eine interessante, eher an den historischen Fakten orientierte Geschichte der Stella Goldschlag. – Roland Bischoff


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Ich bin schon ein wenig entsetzt. Bisher war ich der Meinung, dass Ihre Zeitung eher seriös berichtet. Doch das, was der Herr Willeke da von sich gibt, haut einen glatt um! Hat er wirklich noch nicht bemerkt, dass bei höheren Geschwindigkeiten der Spritverbrauch unverhältnismäßig steigt? Und ist ihm nicht klar, dass damit erhöhte Schadstoffemissionen auftreten? Ist ihm weiter wirklich unklar, dass höhere Geschwindigkeiten zu mehr und schwereren Unfällen führen, was u.a. durch längere Bremswege bedingt ist? Beispiel: Der Bremsweg verlängert sich bei 170 km/h im Vergleich zu 130 km/h um das 1,7-fache. Und Unfälle führen letztendlich auch zu Umweltschäden. Was die unmäßige Fleisch-Esserei betrifft, liegt Herr Willeke wohl auch daneben. Schließlich gibt es hier lediglich Empfehlungen, keine Verbote. Und Empfehlungen sollte eine Regierung im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung schon aussprechen. – Dieter Schuster


Leserbrief zu „»Mein Gott, was war mit uns los?«“ von Frank Bajohr

Nach Ausstrahlung der Holocaust-Serie endete bereits Versuch eines Gesprächs mit meinen Eltern (Vater Jg 1922 im Krieg einfacher Marinesoldat, Mutter Jg. 1928 im Krieg zweifach ausgebombt) in einer Sackgasse. Auf die Frage, was sie denn von der Judenverfolgung mitbekommen hätten, reagierte insbesondere mein Vater mit einer zornigen Gegenfrage: „Und was haben die Engländer und Amerikaner mit der Bombadierung von Hamburg und anderen deutschen Städten gemacht?“ Damit endete der Versuche, die eignen Eltern als autentische Zeitzeugen zu gewinnen. Auch ohne persönliche Schuld an den von Deutschen begangenen Verbrechen im Dritten Reich, war die moralische Last vermutlich zu groß. So lautete jedenfalls meine Spekulation vor 40 Jahren. Ein Dialog über dieses Aspekt der Naziherrschaft war auch zu einem späteren Zeitpunkt leider nicht mehr möglich. – Joachim Kasten


Leserbrief zu „»Meine Sicherheit hängt von Salvini ab«“ von Ulrich Ladurner

Totalitarismus im Kleinen wie im Großen: Von Worten und Hetze über Ausgrenzung und Unterdrückung bis zu offener Gewalt ist ein kurzer Weg. Ist in Benitos Land der Geist wieder aus der Flasche, oder sind es nur Auswüchse Salvinis persönliche Machtgeilheit? – Hans-J. Giller


Leserbrief zu „»Mein Gott, was war mit uns los?«“ von Frank Bajohr

Ich erinnere mich an die Sendung und das Gefühl einen sentimentalen, amerikanischen Schinken zu sehen. Aber unsere ganze Familie schaute sie damals. Meine Eltern waren betroffen und stellten sich ihrer Scham (meine Mutter erzählte wie jeder „davon“ wußte damals, der Spruch „Sei still, oder Du kommst nach Dachau“ war allgegenwärtig und sie mochte zeit ihres Lebens keine Schäferhunde, waren es doch die Nazi-Hunde) Mir war vieles bekannt, hatten wir doch in der Schule (eine Gesamtschule in Frankfurt’s Nordwesten – ich Abi 1979) die Nazizeit ausführlich , mit Dokumentarfilmen belegt, besprochen. Schon damals fiel mir die „Distanzierung“ der Deutschen auf. Ich sagte immer, die Nazis waren keine Aliens aus dem Weltall, das waren Deutsche. – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Genug gespielt. Jetzt wird’s ernst“ von Martin Machowecz

Das ist so bezeichnend. Der Autor/Regisseur schreibt ein Stück über/gegen die AfD, weigert sich aber mit einem AfD-Mann am Haus zu diskutieren. Wie abgehoben kann man denn sein? Wahrscheinlich gehen die, die dieses Stück nachdenklich machen sollte – nämlich AfD und Pegida Anhänger – sowieso nicht ins Theater und das Publikum, das geht, ist dann sowieso schon gegen AfD. Wie effektiv. „Preach to the converted“, sagt man. Ich war selbst kurze Zeit Souffleur an einem Stadttheater (allerdings Oper/Operette) und habe das feudalistische Gehabe von einigen „Kulturschaffenden“ erleben „dürfen“. Und die Unmut im Ensemble, wenn sie mit einer Inszenierung nichts anzufangen wußten und das nicht ausdiskutieren konnten/wollten. Insofern ist das nächste Projekt von Lösch über Machtstrukturen im Theater der Brüller. Der autoritäre Feudalist hinterfragt die Machtstrukturen im Theater und das Ensemble muß natürlich nach seiner Pfeife tanzen. Ich lach mich weg. – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Wird Wohnen etwa noch teurer?“ von Mark Schieritz

Die Grundsteuer ist eine Gemeindesteuer. Die Gemeinde kann den Hebesatz bestimmen (in Deutschland von 80% – 800 %. Wie wollen Sie zu gleicher Zahlung für ein Grundstück oder Immobilie kommen. Außerdem gehen Sie nicht auf Grundsteuer A und B ein. Was soll diese Information für den Leser bringen? – Kurt Helberg


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Hier zusammengefasst die Argumente von Stefan Willeke:
Weil der Autor einmal auf ein paar radikale Tierschützer traf, muss Tierschutz per se Schwachsinn sein. In Deutschland muss es weiterhin billiges Fleisch und schmutzigen Diesel geben, denn Verzicht wäre unfair gegenüber den Schlechtergestellten. Die Politik darf nicht regulierend im Sinne seiner Klimaziele eingreifen, da sonst Populisten profitieren. In den ca. 200 Ländern mit allg. Tempolimit spielt sich der Staat als „Anstalt zur Erziehung der Bevölkerung auf“.

Was der Autor dabei verschweigt: Unter unserem übermäßigen Konsum leiden zuvorderst die Armen – nämlich im globalen Süden. Nicht die Diesel-Käufer sollten jetzt büßen, sondern die Autoindustrie sollte die Nachrüstungen bezahlen und der Staat sollte in Bahn-, Bus- und Radinfrastruktur investieren. Nicht die Schlechtergestellten, sondern alle Schichten sollten Verzicht üben: beim Fleisch, beim Fliegen und beim Fahren.

Ich stimme dem Autoren sogar zu, dass der rein ökologische Nutzen eines Tempolimits begrenzt ist. Aber warum dieser Rundumschlag gegen jegliche umweltpolitischen Maßnahmen? Wenn eine Regierung Maßnahmen ergreift, ihre selbstgesteckten Klimaziele zu erreichen, ist das nicht „rasende Staatsmoral“, sondern einfach nur: ihre Pflicht. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Ein Ausflug ins Grauen“ von Emilia Smechowski

Ich danke für das Themenheft „Auschwitz verstehen“ mit dem ausgezeichneten Beitrag über die Arbeit von Elzbieta Pasternak, die als polnischer Guide viele Führungen gestaltet. Ich kann aus eigener Anschauung und eigenem Erleben nur bestätigen, dass der Besuch der Gedenkstätten in Oswiecim wegen des wachsenden historischen Abstands immer schwieriger wird. Umso notwendiger sind solche Vorbilder wie Elzbieta Pasternak, die kompetent und mit großem Einfühlungsvermögen den Besucherinnen und Besuchern einen angemessenen intellektuellen und emotionalen Zugang zu diesem dunklen Ort und dessen bleibender Bedeutung für uns ermöglichen. Selbst wenn keine Zeitzeugen mehr leben, werden solche Begegnungen mit kundigen Begleiterinnen und Begleitern zu der Erfahrung führen, dass Lernen aus der Geschichte und Verantwortung für die Zukunft möglich sind. Ob wir allerdings „Auschwitz verstehen“ können, ist zweifelhaft. Verstehen heißt ja nachvollziehen. Das ist an diesem Ort kaum möglich. Übrigens wurde die Gedenkstätte bereits zu Zeiten des Kommunismus von Ausländern besucht (entgegen der Recherche von Emilia Smechowski) – auch aus der damaligen Bundesrepublik. Und auch der jüdischen Häftlinge wurde gedacht – freilich standen sie als Opfer nicht im Zentrum. Leider wird in dem Beitrag die Internationale Jugendbegegnungsstätte, in der Elzbieta Pasternak auch noch als Pädagogin arbeitet, nur kurz erwähnt: Seit über 30 Jahren treffen sich dort in Zusammenarbeit mit der Aktion Sühnezeichen Friedendienste Jugendliche aus aller Welt, um im Diskurs mit dem Ort Auschwitz Versöhnung zu lernen. Als ein „heilsames Haus“ ist die Jugendbegegnungsstätte bezeichnet worden! – Christian Buchholz


Leserbrief zu „Im Tollhouse“ von Jochen Bittner

„Indem die Abgeordneten den Weg dafür eröffneten, über Verbleib oder Ausstieg aus der EU in einer Volksabstimmung zu entscheiden, hat sich das Parlament vom Souverän unsouverän machen lassen.“ Dies ist der größte demokratische Fehler des Brexit Vorhabens und muss dringend korrigiert werden. In der ältesten parlamentarischen Demokratie sollte weiterhin das Parlament entscheiden und nicht „das Volk“. Darüberhinaus geht es um ein höheres Gut, nämlich den Frieden in Irland, und den sozialen Frieden und die Zukunft eines gemeinsamen Europas. Es gibt nur eine Antwort an das britische Volk: „Wir haben Euren Wunsch gehört, aber er läßt sich bei bestem Willen aus Gründen der Vernunft nicht „blind“ umsetzen“. Das Parlament hat die Verantwortung für ganz Groß Britannien und nicht nur für die 51%, die im Mai 2016 unvollständig informiert und irregeleitet, zufällig für den Brexit gestimmt haben. Es ist an der Zeit für eine Abstimmung ohne Fraktionszwang im britischen Unterhaus über den „Exit vom Brexit“. – Dr. Charles Woyth


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Wenn in fünfzig Jahren Historiker untersuchen, warum die Menschen den Klimawandel ignorierten, dann wird Stefan Willekes Artikel auf der Titelseite der 5-ten Ausgabe des Jahres 2018 zur Fundgrube. Der Autor beruft sich auf „die Wissenschaftler, die kaum messbare Effekte prophezeien“. Leider nennt er diese Stimmen nicht mit Namen. Man kann sie weder überprüfen noch hinterfragen. Genau das wäre aber der Job von Stefan Willeke gewesen. Stattdessen wirft er den Tempolimit-fans Faktenignoranz vor, was in diesem Fall gar nicht das schlechteste ist, denn er argumentiert mit fragwürdigen Fakten. „Die Ebene profaner Fakten“, auf der der Autor sich wähnt, ist kein „Expertenwissen“, sondern einfache Physik. Ihre unbestreitbaren Gesetze sagen uns:

Der Energiebedarf steigt mit zusätzlicher Geschwindigkeit aufgrund höherer Luftreibung exponentiell an. Auf der Autobahn wird der Benzinverbrauch zu 75% von der Luftreibung verursacht. SUVs mit ihrer großen Stirnfläche sind bei 180 km/h nicht nur gefährliche Impulsträger, sondern echte Klimakiller. Ein Tempolimit bewirkt also auf jeden Fall eine CO2-Reduktion. Hohe Geschwindigkeiten erfordern außerdem Autos mit mehr Knautschzonen um einen Crash von 160 km/h abzumildern. Also werden alle Autos schwerer, was sie wiederum zu Spritfressern bei jeder Stadtfahrt macht, da hier viel beschleunigt werden muss. Und in einer Welt ohne Tempolimit ist die Optimierung der Motoren im kleineren Geschwindigkeitsbereich für die Hersteller sowieso uninteressant. Wenn das dem Autor zu theoretisch ist, so könnte er ganz praktisch bei der nächsten längeren 170 km/h Spritztour zur nächsten Messehalle mal seinen Verbrauch ablesen und mit der 100 km/h Rück- fahrt vergleichen. Und das mit dem Luftwiderstand leuchtet jedem ein, der (bitte als Beifahrer) bei 170 km/h die Hand aus dem Fenster hält.

Studien zu diesem Thema sind Geldverschwendung und dienen nur jenen, die Zeit gewinnen wollen, denn eine Untersuchung kann allein aus methodischen Gründen kein klares Ergebnis zeigen. Sie müsste ja in einem abgeschlossen System stattfinden. Wen wundert es da, wenn das Umweltbundesamt keine in Auftrag gibt. Und noch ein physikalisches Faktum: Bei vollständiger Energieproduktion mit regenerativen Energien kommen wir nicht drum herum mit weniger Energie auszukommen (nachzulesen in Erneuerbare Energien ohne heiße Luft von Gaukel, Holler). Leider findet kein Politiker den Mut diese Notwendigkeit auszusprechen. Das Bremsen des Klimawandels, den der Autor mit keinem Wort erwähnt, wird nur mit einem kritischen Nachdenken über unseren Energiekonsum gelingen. So werden die Historiker aus dem Jahr 2068 urteilen: Die meisten Menschen – wie Stefan Willeke -wollten sich mit dem eigenen Energiekonsum nicht wirklich auseinandersetzen und flüchteten in die Sackgasse einer Moraldebatte. – Dr. Gereon Rogoß


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Ich bin entsetzt darüber, dass die ZEIT eine halbe Titelseite darauf verwendet, eine Scheindebatte zu führen über „Tempo 130“. Der Versuch, ja- und nein-Positionen gegenüberzustellen, muss daran scheitern, dass es kein einziges sachliches Argument für unbegrenzt schnelles Fahren und damit gegen ein Tempolimit gibt. Entsprechend billig fällt auch die Gegenrede Ihres Autors Stefan Willeke aus, der zwar von „profanen Fakten“ redet, aber selbst nicht ein einziges Faktum anführt. Entsprechend verwurstet er in seinem Artikel aber auch alles, was ihm so zum Thema einfällt, von der Kritik an der Deutschen Umwelthilfe und den Dieselfahrverboten über die Not weniger begüterter Dieselfahrer und die vielen Staus in Deutschland (werden die denn durch Rasen weniger?) bis hin zur Polemik über das Recht auf billige Steaks. Was hat das alles mit Tempo 130 zu tun?

Jeder Autofahrer, der einen Bordcomputer hat, kann sofort nachvollziehen, dass langsameres Fahren weniger Sprit verbraucht. Ob der Effekt davon klein oder groß ist, sei dahingestellt. Wir leben jedoch in einer Zeit, in der wir auf den einen großen Wurf wohl kaum warten können und es auf jede kleine Stellschraube ankommt, um die ambitionierten Klimaziele noch zu erreichen. Sonst würden ja auch alle sonstigen Bemühungen wie z.B. die Reduzierung von Fleischkonsum, die Förderung des ÖPNV oder die Begrünung von Innenstädten genauso wenig Sinn machen. In der Summe aber zählt dann doch jede Maßnahme. Dass Tempo 130 neben Klimaeffekten auch noch andere Vorteile bietet, verschweigt Herr Willeke. Wer einmal auf holländischen Autobahnen unterwegs war, weiß, was es bedeutet, nicht von Rasern bedrängt zu werden. Und weniger Sprit zu verbrauchen, heißt ja auch, Ressourcen zu sparen.

Als einziges Argument gegen das Tempolimit sehe ich die Beschneidung der individuellen Freiheit der wenigen Raser. Gern will ich diesen die Lust am schnellen Fahren zugestehen, ich weiß, wovon ich rede. Aber darf man in demokratischen Gesellschaften von „vorauseilender Bevormundung“ reden, sobald ordnungspolitische Maßnahmen zum Wohle der Gemeinschaft erwogen werden? Ich würde mir von der liberalen ZEIT wünschen, dass für ihre Autoren ebenfalls gilt: die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo die der anderen beginnt. Lassen Sie doch Herrn Willeke seine Polemik lieber bei der Bild oder ADAC-Zeitung ausbreiten. – Norbert Vooren


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Wenn sich Experten duellieren, dann geht es immer nur um das eine: „Wer wird am Ende des Tages auf dem „Stockerl“ stehen?“ Die „Grenzwerte“ sind da schon längst zur Nebensache geworden; und wir ahnungslosen „Laien“ bleiben wunderlich, dumm und angefressen zurück. – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Im Tollhouse“ von Jochen Bittner

Ihre versammelte Redaktion soll doch endlich zugeben, daß die EU eine Utopie ist. Das Unglück fing mit der Währungsumstellung seit 2002 an. Es gab keinen Grund die DM abzuschaffen. Viele Bürger sind dadurch arm geworden. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Normalerweise stehe ich Verboten oder Vorschriften, die der oder sagen wir ein Staat ausspricht skeptisch gegenüber. Zu groß ist mein Misstrauen und ja auch zu groß meine Angst, dass aus einem Verbot mehrere werden und aus mehreren viele. So dass das Volk als Souverän am Ende keine Gewalt mehr besitzt. Nur empfinde ich die Debatte und Diskussion im Moment als eher pervers. Sobald es um das Deutsche Auto geht, sobald dem Deutschen Auto etwas droht, gibt es keine Grenzen. Verbote werden verteufelt, Maßnahmen werden diskreditiert. Dabei geht es doch nur um unsere Umwelt. Es geht um unser Leben. Es geht um unseren Planeten. Ich lebe in Heilbronn, arbeite in Stuttgart. Gäbe es endlich ein Tempolimit, Autobahn 130 und Stadt maybe 30, würden vielleicht endlich die aufgemotzten PS Boliden von Porsche, Daimler und Co von den Straßen verschwinden. Denn wieso sollte ich auf 400PS sitzen wenn ich nur 130 bzw 30 fahren darf.

Zudem verbraucht jedes Auto nachweislich weniger Kraftstoff wenn langsamer gefahren wird. Daraus würde ein geringer Verbrauch an fossilen Brennstoffen folgen. Die Kausalkette ist doch so simpel. Und vielleicht kann der Deutsche Autofahrer nur so überzeugt werden, mit einem Verbot oder einer absoluten Vorschrift wie dem Tempolimit, das Deutsche Auto auch einfach mal stehen zu lassen und mit der auch Deutschen Bahn oder dem Bus zu reisen. Der Deutsche Autofahrer ändert sich nicht aus freien Zügen. An dem Sprichwort, dass das Auto des Deutschen liebstes Kind ist, ist in der Tat etwas dran. Aber Kinder müssen in Schranken gewiesen werden, sie brauchen Regeln und klare Grenzen. Daher sage ich: Tempolimit jawoll! – Yves Pulst


Leserbrief zu „Ein Ausflug ins Grauen“ von Emilia Smechowski

Die Reportage über das Konzentrationslager Auschwitz begnügt sich mit der Schilderung des Verhaltens der Guides, der Besucher sowie des Zustands der Gebäude. Kaum etwas erfährt man über die Ursachen des Antisemitismus, der dieses Grauen verursachte. Müsste man einen solchen Beitrag nicht durch eine gründliche Analyse der zur Vernichtung führenden Argumentationsmuster sowie der psychischen und charakterlichen Strukturen der Täter ergänzen, will man mehr als nur eine gefühlsmäßige Betroffenheit bewirken? Die Schlusssätze von Elzbieta Pasternak: „Wir wollen den Holocaust unbedingt verstehen (…), „Aber wir schaffen es nicht, wir werden nie an ein Ziel kommen“, sollten auch insofern berücksichtigt werden, dass der Antisemitismus Hitlers nicht nur wegen des von ihm angezettelten Kriegs im Massenmord endete, sondern auch psychotische Ursachen gehabt haben könnte. Denn trotz mittelalterlicher und auch neuzeitlicher Pogrome und der langen Tradition des religiösen Antisemitismus ist der massenmörderische, der auf einem abstrusen Rassebegriff beruhte und die Ursachen für alle Übel bei den Juden suchte, kaum normalpsychologisch zu erklären. Bei paranoider Schizophrenie ist allerdings die Persönlichkeit gewöhnlich gut erhalten und die schwere Störung wird nur in sog. psychotischen Inseln sichtbar. U.a. verfasste ein früherer Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie und Psychotherapie in München ein Buch darüber, das möglicherweise weitgehend unbeachtet blieb, weil man dann die Schuld Hitlers hätte einschränken (, nicht jedoch völlig negieren) müssen. Übrigens erscheint mir das Besuchsverbot für Höcke in Auschwitz eher kontraproduktiv, zumal er mit der Formulierung „Denkmal der Schande“ – wie wohl die meisten wissen – wörtlich Rudolf Augstein bzw. Martin Walser zitiert hatte, was man bei ihm jedoch anders interpretierte. – Karl Seegerer


Leserbrief zu „»Parität erscheint mir logisch«von Jana Hensel

Die Argumentation von Angela Merkel führt im wichtigsten Punkt noch nicht weit genug. Denn eine wesentliche Achillesferse beim Zusammenwachsen zwischen Ost und West besteht ebenso in einer gewissen Doppelmoral im öffentlichen Denken der alten Bundesrepublik, da man dort die Erfolge des Ostens nach der Wiedervereinigung für sich gepachtet hat, indem zum Beispiel die Medaillen bei Olympia sofort zusammenaddiert wurden, während hingegen negative Aspekte wie die Anzahl der Arbeitslosen noch etliche Jahre bzw. Jahrzehnte weiter getrennt ausgewiesen wurden. Deshalb gehört dringend eine Kommission eingesetzt, die insbesondere die psychologischen Fehler nach 1990 aufarbeitet, zumal ebenfalls von West-Technokraten viele gute Einrichtungen wie etwa das damalige Jugendradio DT64 abgewickelt wurden, die gerade der verunsicherten jungen Wende-Generation einen wichtigen demokratischen Halt hätten geben können, damit sie nicht ins radikale Millieu abrutschen! – Rasmus Ph. Helt


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Fürchterlich,diese Aneinanderreihung von Palattitüden. Die Logig: seit 40 Jahren wird nur diskutiert, es gibt falsche oder keine Gesetze, keine Belege. Vor allem werden immer Arme oder Beschäftigte in Benachteiligten Branchen getroffen. Wenn es menschengemachte Umeltzerstörung mit ihren Folgen gibt, kann die Forderung nur lauten: Ende mit der populistischen Laberei in Presse und Politik. – Friedhelm Werner


Leserbrief zu „Heißer Typ“ von Antje Joel

Da war Gillette also opportunistisch-kapitalistisch-schlau, hat gezielt ein paar Männer verprellt, damit die Wirkung des Spots kostenlos multipliziert und bei der Gelegenheit das Markenimage aufgefrischt. Werbepsychologisch brillant, keine Frage, dieses Surfen auf der #MeToo-Welle. Aber ist so ein Aufregerchen nun zwei ganze Seiten der ZEIT wert? Oder tut die ZEIT damit das, was Gillette tut: Schaum schlagen und mitsurfen? – Sebastian Gruben


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Ich halte eine Begrenzung der Geschwindigkeit für überaus sinnvoll, nicht nur wegen geringerer CO2-Emissionen, sondern auch wegen der Verringerung der Unfallgefahr, der Erhöhung der Kapazität u.a.. Das Fahren auf deutschen Autobahnen könnte so viel entspannender sein. Was bringt ein Tempolimit, bei all den Baustellen und den Staus? Es tut mir leid, ich halte das für ein jämmerliches Argument. Wenn wir so anfangen, können wir gleich aufhören und warten bis die Nordsee in Hamburg anfängt. Bei der Debatte zum Stickoxidgrenzwert ist man sich nicht zu schade auf den höheren US-Grenzwert zu verweisen, umgekehrt schweigt man still zum dortigen niedrigeren Grenzwert der maximal erlaubten Geschwindigkeit. Warum ist die Debatte um das Auto so emotional? Warum ist das Auto in Deutschland so unangreifbar, wie es die Waffen in den USA sind?

Für mich ist die Einführung eines Tempolimits auf der Autobahn der Lackmustest, ob die Politik Willens ist, auch gegen eine Mehrheit eine überaus vernünftige Entscheidung durchzusetzen, bzw. ob die Gesellschaft grundsätzlich bereit ist, eine Reform durchzuführen, die weder viel Geld kostet, noch Wohlstandseinbußen mit sich bringt. Der Verweis auf den ach so freien Bürger ist hier einfach nur lächerlich. Die Härten, die sich aus einer höheren Mineralölsteuer oder die sich aus dem Ausstieg aus der Kohleverstromung ergeben, werden jedenfalls um ein Vielfaches größer sein. Wie sollen Reformen zur CO2-Reduzierung überhaupt möglich sein, wenn noch nicht einmal die Einführung eines Tempolimits möglich ist, egal wie groß die CO2-Einsparung letztlich ist? Was wird erst in diesem Land wohl los sein, wenn erst die Diskussion zur Reduzierung des Individualverkehrs losgeht? Ich kann nicht erkennen, wie die Bundesregierung, sofern sie überhaupt den Willen hat, zu einer Reduzierung der CO2-Emissionen kommen will. Aus meiner Sicht hat sie, wie die britische Regierung zum Brexit, keinen Plan. Offenbar ist der vorhandenen „Menschenverstand“ (vor allem jener im Bundesverkehrsministerium) nicht ausreichend, die drohende Klimaveränderung (an)zuerkennen. – Till Borchert


Leserbrief zu „»Parität erscheint mir logisch«von Jana Hensel

Was liefern Sie uns da ab? Frau Hensel führt ein Interview im Stil eines furchtbaren „PILCHER“-Journalismus. Das ist fast nicht auszuhalten. Zitat: „Sind Sie im Amt zur Frau geworden? – Nein, im Amt sicherlich nicht, ich war ja schon vorher eine Frau“. Zitatende. An unserer Kanzlerin lag es nicht. Im Gegenteil, sie hat die im „Personenkult- berauschte“ Interviewerin mehr als einmal korrigiert. Immerhin hat man von Frau Merkel ein paar erhellende Einsichten aus ihrer Sicht als Frau und Arbeitnehmerin in der DDR auf die DDR-Vergangenheit erhalten – Klaus Prinz


Leserbrief zu „Automatische Bequemlichkeit“ von Francesco Giammarco

Das war nicht ernst gemeint – oder? War eine Glosse, sie wollten nur mal sehen ob sich dazu jemand meldet. Wenn es ernst gemeint war, kann man Herrn Gianmarco nicht mehr ernst nehmen. Aber geben sie dem Autor trotzdem das Interview mit Margaret Boden zu lesen, Zeitmagazin v. 30 August 2018. – Norbert Nowotsch


Leserbrief zu „Schnell raus hier: Aber wann?“ von Petra Pinzler

Die dominierende Frage nach dem „Wann?“ der Abschaltung des letzten Kohlekraftwerks in Deutschland hat m. E. eine ebenso wichtige Frage in den Hintergrund treten lassen: Da Kohlekraftwerke nicht nur Treibhausgase, Stickoxide und Feinstaub sondern auch Unmengen von elektrischem Strom produzieren, sollte doch wohl auch klar sein, wie Kohlekommission bzw. Bundesregierung gedenken, diese gewaltige Energielücke sicher zu schließen. Derzeit erzeugt unser Land immer noch knapp 60% der elektrischen Energie durch Verbrennen fossiler Energieträger. Das Verfehlen des Klimazieles „minus 40% CO2 für 2020“ ist ja bekanntlich infolge des überstürzten Atomkraftausstiegs auf das (zunächst notwendige) Festhalten an den Kohlekraftwerken zurückzuführen. Angesichts des gewaltigen Energiehungers der Wirtschaftsnation Deutschland wäre es wohl höchst naiv zu glauben, man könne die entstehende Versorgungslücke durch Forcierung alternativer Energien wie Windkraft oder Photovoltaik schließen. In vielen Regionen Deutschlands stehen für den Ausbau weiterer Windparks an Land kaum weitere Flächen zur Verfügung, somit sind Baugenehmigungen kaum noch zu bekommen. Auch Offshore- Möglichkeiten sind begrenzt, z.T. aus anderen Gründen, abgesehen von deren enormen Kosten. Also: Wie soll die Lücke geschlossen werden? – Dipl. Ing. Michael Deil


Leserbrief zu „Gefährliche Seelenführer“ von Doris Wagner

Frau Wagner hat meine Hochachtung für ihren Mut, die Dinge offen beim Namen zu nennen. Es bleibt zu hoffen, dass ihr persönlich kein Schaden zugefügt wird. Ich verfolge die täglichen Nachrichten. Selbst die obersten Funktionsträger der Kirche werden angeklagt – sind Straftäter oder Verbrecher! Die katholischer Kirche scheint ein einziges Lügengebäude zu sein. Ich habe vor einiger Zeit einen katholischen Priester kennen gelernt, Mitte 40, mit eigener Gemeinde, restlos am Boden zerstört. Der Mann kann keine eigene Meinung mehr bilden, das Einzige was kommt: mein Lehrer hat mir das oder das gesagt. Frau Wagner hat Recht: Wer sich von der Dikdatur der Kirche nicht befreit geht vor die Hunde. Ich wünsche Frau Wagner viel Kraft und viel Glück für Ihre Arbeit. – Immo Richter


Leserbrief zu „Endlich ein schlanker Staat!“ von Heike Buchter

Das Bild über dem Artikel sagt mehr aus als viele Worte. Donald ist so stolz auf sein fast-food wie auf seine fast-policy. Mogelpackungen: Billigware billig verpackt. – Hans-J. Giller


Leserbrief zu „PRÜFERS TÖCHTER“ von Tillmann Prüfer

Senden Sie meine liebsten Grüße an Luna, vielleicht ist ja ein geisteswissenschaftliches Studium ein erster Schritt auf dem Weg der Antwortenfindung? Soziologie, Ethnologie, Kulturwissenschaften – sie alle interessieren sich sehr für Menschen und ihren Alltag und warum sie tun, was sie tun. Ihre Perspektive nimmt dabei nicht die einzelne, individuelle Person in den Blick (das wäre eher die Psychologie), sondern verschiedene Gruppen, Gesellschaften, Organisationen, Kulturen. Was für ein Beruf im Sinne eines bezahlten Jobs am Ende dabei rausspringt ist zunächst ja zweitrangig. Zuerst gilt: Mut zum Perspektivenwechsel, auf zum Durchbrechen der Nebelwand, voran mit der Persönlichkeitsbildung. Ich persönlich kann die Uni Passau und den Studiengang „European Studies“ (europäische Ideen- und Kulturgeschichte) sehr empfehlen ;) – Henriette Seydel


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Sie haben leider völlig unerwähnt gelassen, daß die Zustände an unseren Gymnasien so wie sie sind politisch und gesellschaftlich gewollt sind. Da wäre zuerst die Forderung der Industrie, des Handels der Wirtschaft, der Verwaltung usw usw. zu nennen, daß fast in deren sämtlichen Anforderungsprofilen ihrer Berufe ein Abitur erforderlich zu sein scheint, wo „normalerweise“ ein guter Realschulabschluß genügen würde. Spricht man Verantwortliche darauf an, so lautet die Anwort, daß das Niveau des „normalen“ Realschülers aufgrund verschiedener Nivellierungen im Leistungsbereich eben nicht mehr ausreiche und man daher gezwungen ist, nur noch Abiturienten einzustellen. Woran liegt denn das nun bloß? Was war nun zuerst da? Die Anforderung der Wirtschaft oder das – aus diversen Gründen, auf die ich nicht näher eingehen möchte – sinkende Leistungsniveau der Schüler?

In meiner Heimatstadt Göttingen gibt es nach Durchlauf der Grundschule nur noch Gesamtschulen und Gymnasien, Hauptschule und Realschule=Fehlanzeige. Auf welche Schule sollen denn nun bitteschön die geneigten und genervten Eltern ihren Nachwuchs schicken, wenn sie eine wie auch immer geartete Gesamtschule nicht wünschen und das Kind die Voraussetzungen für ein Gymnasium nicht erfüllt? Was das für Gymnasien und für das Leistungsniveau bedeutet, dürfte allen bekannt sein, zumal bestimmte Eltern, die ansonsten vollmundig sich für das Eine oder Andere „engagieren bzw ganz weit aus dem Fenster lehnen“ mit den Füßen abstimmen, wenn es um den eigenen Nachwuchs geht. – A. Jeske


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Wann immer Bildungsexperten oder Bildungspolitiker diskutieren, wird die Abitursprüfung voraussetzungslos als gegeben hingenommen; in Ihrem aktuellen Artikel wird sogar vom „heiligen Abitur“ gesprochen. Bestenfalls werden Prüfungsinhalte erörtert, niemals wird der praktische Wert dieses Examens in Frage gestellt. Dabei sehe ich gute Gründe, diese unnötige Prozedur ersatzlos zu streichen. Was sagt sie eigentlich über Schüler und Schülerinnen über das hinaus aus, was diese nicht schon innerhalb von zwölf Jahren in unzähligen Tests nachgewiesen haben? Bestenfalls etwas über die Stressfähigkeit der Probanden, wie sie mit Prüfungsangst umgehen können. Schlechtestenfalls verzerrt sie (durch eben diese Prüfungsangst) den Blick auf die Leistungsfähigkeit und die Kompetenz von Schulabgängern, deren jahrelange Bemühungen sie an einem einzigen schlechten Tag abwerten kann.

Fest scheint mir zu stehen, dass sie die Schüler ein ganzes Lebensjahr kostet. Das 13. Schuljahr dient kaum mehr dem Erwerb von zusätzlichem Wissen und Kompetenzen und teilt sich in die Prüfungsvorbereitungen und die langwierige Prüfung auf. Wäre es da nicht besser, den Schülern nach dem 12. Schuljahr ein Abgangszeugnis (ein wahres Ab-itur) auszustellen, das ihnen die Hochschulreife bescheinigt? So würde G 8 sogar Sinn machen und vermutlich erhöhte Akzeptanz finden. – Uwe Algner


Leserbrief zu „Hauptsache, starke Bilder“ von Thomas Assheuer

Vorab: Die profunden Texte von Thomas Assheuer, nämlich Oberflächen (Zeitzeichen auf-lesen) u. Tiefenstrukturen (was drückt dies wesentlich aus?) bestens zu relationieren (plus Debatten anzustoßen), sind m.E. ein hinreichender Grund, Die Zeit zu lesen, wie jüngst auch (dies wäre zu wenig für einen Leserbrief); Anmerkungen: 1. Kontrastiv zum fast inkriminierten pseudo-literarischen Abwehrobjekt (u.a. Zitat >frivoler Kitsch<, >die Nazi-Zeit wird zum Themenpark<), sollte sich alle Welt eigentlich ausgangsweise die historisch dokumentierten sowie repräsentierten Bilder mehr als die Texte zum unsäglichen, massenhaften Menschenleid (>Auschwitz< als Codierung, Unikat u. Zäsur) vergegenwärtigen/nachempfinden (abseits jeder fatal-frechen sogen. Schlußstrichideologie)/sinnvergewissern – es reichte in sich bereits für eine totale Anti-Nazi-Haltung (ohne jedes Aber) aus. 2. Was sich auf der Ebene der literaturkritischen Publizität wohl unisono abtut (das Machwerk vom >Würger< sei, Zitat >ein Debakel für alle Beteiligten<), ist zum Glück ein Zeichen von u. für Hoffnung/Mut/Trost/Widerständigkeit; nur steht es m.E., aus Daten der Medienforschung gestützt, für das längst furchtbar bröckelnde Drittel einer qualifizierten kulturellen Minorität (plus pi mal Daumen einem eher schweigenden, aber überzeugungsfähigen Drittel von Neinsagern gegen grobe Unverschämt- heiten): eher eine Frage von Charakter als von Bildung – mit oder auch ohne >Kanon<, jedenfalls immun gegen eine naiv-dreist normale Motivik, wonach ganz zeitmodisch Literatur samt sonstigem >Kulturkonsum< einzig spaßig/unterhaltsam/sentimental u. sonstwie kollektiv normal-debil sein dürfe. 3. Fast im Umkehrschluß wird man wohl nicht behaupten dürfen, daß die aktuellen Rekordzahlen zu Besuchermengen von KZ- Gedenkstätten (weit über Auschwitz hinaus) dazu herhalten könnten, mit der Erinnerungskultur zum >NS< stehe fast alles zum Besten; denn es häufen sich ja auch hierzu die Erfahrungsdetails, daß gehörige Teile von >Auschwitz-Touristen< sich u.a. so beweisen: Sensationen erheischen/total un-informierte Fragen, obendrein stolz wie frech/gaffen statt schauen/Leid entwerten etc.. 4. Genau hierin (pars pro toto) ist m.E. symptomatisch wie vom Syndrom her offenkundig ablesbar, daß >wir< im Begriff sind, einer Art Zäsur u. Verschärfung der Geschichtszeit quasi zuzuschauen (sie muß nicht per se geschrieben werden, wenn sie vorbei ist?!) – es geht um eine sich normalisierende Massierung von Warnzeichen (Kriterium: Leidempfindlichkeit u. ein Lehrstück zur Totale der Naziverbrechen vorausgesetzt); man könnte darum u.a. dies aussagen: >die (Post-)Postmoderne frißt ihre Kinder< (Zitatanleihe) bzw. stopft sie voll mit einer Monopolwahrnehmungsform: es zählt immer nur die >human interest story< mit nach unten hin offenen Geschmacksgrenzen; vor Jahren bereits ritt im >zdF< (wo sonst, außer im Proll-TV) eine Galionsfigur namens >Furtwängler-Burda< (post-nomina sunt omina; total restringierter Maschencode im Schauspielern – trotzdem oder deswegen sehr populär: dem choque mit chic beikommen – Ressentiment statt Empathie; Verzählstoff statt Stofferzählung; verkappter Schluß- strich statt Schlußfolgerung u. Lehrstück; die Nazi-Grauen bzw. >das Braune< ohne die Abgründe, dafür im Muster der soap opera) so spät durch die Nacht von Ost nach West – einer von vielen Testballons, wieweit die alte wie neue Schuldabwehr der Verstrickung (statt sich echt-verantwortlich zu fühlen) im auf Hyperkompensationen zur Chiffre der totalen Gereiztheit unserer Akutzeit begierigen Massenpublikum quer durch Generationen/Geschlechter/Lebensstile/Klassen etc. heruntergekommen war u. ist. 5. M.a.W.: >der Schoß ist (nach wie vor) sehr fruchtbar (u. vor allem furchtbar) noch, aus dem (die schrecklich normalen u. normal schrecklichen, braunen Abgründe) kroch-en< (frei nach Brecht); denn ein oder der Hauptstrang zur Erklärung, wieso so ein Schund- kitsch markt-, medien-, moden- u. meinungstauglich daherkommt u. damit das fatale Verbundsystem zum bestenfalls halbherzigen >Verstehen-Mögen< (vorgeblich, schutzbehauptet, abgerungen, lemmingsmäßig usw.) via Kinderstube/Medienhypes/Schulanstalt/ >common sense< (Primärsatz: >man wird doch noch …<)/notorischer Straßenumfragen &Talgschauformaten (>Echolalie< als Lern- taktik, einzig vorgestanztes Allerweltsbreizeugs) auf- wie verstockt, ist die selber allzuoft ignorierte Großtatsache der sogen. 3+x- Generationensymptomtradierung (Widerstand gegen den Faschismus war äußerst minoritär/gestaffelt hat fast alle deutsche Welt >Leichen im Keller<: Opa&Oma waren auch dabei – >es soll gar nicht alles so schlimm gewesen sein< samt naiv-schamloser Einerseits- u. Andererseits-Muster/Apologien im Spektrum von dümmlich über gerissen bis brutal – nachweislich überhäufig im kon- servativ-liberalen Spektrum (also im übergangslos schwarz-braunen Farbspektrum); anders gesagt: man will u. wollte nie&nirgends an’s Eingemachte heran – von daher sind gar nicht mehr überraschend als Signal einer neuen Welle von Mediendauerkitsch derlei Machwerke wie die vom >Würger< (ist es ein Pseudonym oder gar ein PR-T(r)ic(k) von Hanser-Burda (weiß man, ob Augstein sich jüngst wieder im Grabe herumgedreht hat?)…) als Partikel eines endlosen Ablenkungs-, Verkleisterungs- u. Täuschungsmanövers sicher willkommen; dies entspräche ganz der im- wie expliziten Lightcooltour im Rahmen der neo-liberalen Hyperdoktrin für alle materialiter Nicht-Interessierten an (echter) Kultur samt Kunst/Geschichte/Philosophie/Religion: >Ich (ver-)kaufe mich/Andere/etwas – also bin ich/sind wir (‚was)?!< 6. Der massive wie fatale Zäsurcharakter innerhalb solcher zeitkritischen Diagnostik umfaßt demnach auch dies: die Antennen, daß solche Fundamentalkritiken an einer weitläufig irrigen wie irren Zeit/Sozialität/Historizität/Medialität/Alltagskultur überzeugend ankommen könnten, sind längst oft flächendeckend im Schwund bzw. verloren – alle Aufklärung ist oder wäre vertan, müßig, sinn- los – was zählt, ist für den Standardtypus: Narziß – im Verbund mit Nazi’s (c’est la >differ-a-nce<, frei nach Derrida), wie er in der Anmarschzeit des ganzen Neo.Lib. noch in >paränetischer Rede< markiert wurde, einzig so etwas wie >Es-Getriebenheit<, was von vornherein wie im Nachhinein Gewissensappelle (daß da etwas mächtig-widerlich daneben läuft) u. dergleichen aussichtslos geraten ließe; hier kommt das >Buch< un-widersprochen nur als Ware u. Fetisch vor (irgend’was stattdessen oder darüberhinaus erscheint obsolet) – wenn es sich verkauft (gar als Bestseller/Ramsch/>Ersatz-Klassiker<), gälte dies in sich als Legitimationsbeweis (die Marktzyniker verhalten auch zu diesen Kultursegmenten ungehemmt obsessiv – Literaturkritik gerät hier zur >Wadenbeißerei<: >der neue Würger ist da – oh‘ S(c)hre(c)k laß‘ nach!<); die zentrale Rezeptionsfrage hieße demzufolge: >Wie fühlt sich das für mich an u. was macht das mit mir?< – dies ist die Umschreibung von Motiv/Niveau/Wertigkeit/wirkungsfrage … – Konrad Böhle


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Nein“ von Stefan Willeke

Willeke ignoriert einfachste physikalische Gesetze. Nur ein Beispiel: Luftwiderstand eins mittleren Autos: Ab Tempo 80 überholt der Luftwiederstand den Rollwiderstand des Fahrzeuges. Mit zunehmender Geschwindigkeit ist der Luftwiderstand die maßgebliche Größe für den steigenden Kraftstoffverbrauch. Beträgt in meinem Beispiel
bei Tempo 100 km/h beträgt der Luftwiderstand rund 280 F-Luft (N),
bei Tempo 200 km/h beträgt der Luftwiderstand schon 1110 F-Luft (N).
Das ist der vierfache Wert. Kein wunder, denn der Luftwiderstand steigt im Quadrat der Geschwindigkeit! Das Auto benötigt also bei doppelter Geschwindigkeit, allein um gegen den Luftwiederstand anzukämpfen, die vierfache Energie, die vierfachen Menge an Kraftstoff. (Daraus folgt auch: Bei dreifacher Geschwindigkeit eben das Neunfache) Allein dieser eine Aspekt zeigt schon wie viel Kraftstoff und damit auch Abgase durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingespart werden können. (Die Konstante für Luftwiderstand ist hier nicht zu berücksichtigen, da es um das Verhältnis von V zu N geht.)

Weitere gründe will ich hier nur andeuten: Wenn vor einem ein LKW überholt oder man durch eine Baustelle kommt, so muss sowohl der 120km/h fahrende als auch der 240 km/h fahrende auf rund 80 km/h abbremsen. Dieses Bremsen bedeutet für den schnell Fahrenden eine größeren Energieverlust und einen entsprechen größeren Schluck aus dem Tank, um wieder die Reisegeschwindigkeit zu erreichen. Dieses unvermeidlich Verzögern und Beschleunigen hat auch zur Folge, dass der doppelt so schnell Fahrende niemals in der halben Zeit ankommen kann. Der Zeitgewinn rechtfertigt weder die Energieverschwendung noch das in Kauf genommene höhere Risiko. Eine Autobahn für schneller als 200km/h fahrende Autos zu bauen ist erheblich teurer, als eine mit Beschränkung auf Tempo 130 km/h.

Erhöhter Bauaufwand bedeutet auch erhöhte Umweltbelastung. Eine Kollision mit mehr als 200 km/h hat bedeutend schlimmere Folgen als mit Tempo 100 km/h. Die Insassen des leichteren und kleineren Fahrzeugs werden meist schwer, wenn nicht sogar tödlich verletzt. Zum Abschluss eine Aussage eines ausländischen Freundes: „Niergens auf der Welt, außer Deutschland, wo in Massen die verrückt schnellen Autos gebaut werden, darf jeder so verrückt schnell fahren wie er will und kann. Ist das nicht verrückt?“ – Heinz Horst


Leserbrief zu „»Parität erscheint mir logisch«von Jana Hensel

Dort hat die Kanzlerin, offenbar aus Unkenntnis, eine fehlerhafte Angabe gemacht, als sie sagte, „dass es in der DDR keine Kombinatsleiterin gab“ (S. 4). Wie ich mich erinnere und wie auch in der ZEIT 46/1978 zu lesen war, gab es im Strumpfkombinat ‚Esda‘ die Generaldirektorin Elisabeth Walther (siehe Joachim Navrocki: Konzerne können auch rot sein). – Dr. Toni Hahn


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Mit großem Interesse habe ich Ihr Pro und Contra auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe gelesen und möchte Ihnen gern meine Gedanken hierzu mitteilen: Ist es nicht mal genug….? Haben wir nicht schon enorm viel für unsere Umwelt getan? Luft und Wasser sind in den letzten Jahrzehnten viel besser geworden, unsere Energieverbräuche aus fossilen Quellen sinken, wir sind auf einem sehr hohen Niveau des Umweltschutzes angekommen. Ja, wir müssen unbestritten noch mehr tun. Doch Bitteschön: Die Bundesrepublik Deutschland wird – bei allen denkbaren Tempolimits und höheren Spritpreisen – die Welt nicht allein retten.Unser Beitrag zur Rettung dieses schönen blauen Planeten ist in der Öko Bilanz der Erde kaum spürbar, wenngleich dennoch sehr wichtig.

Was nützt uns jedoch eine verschärfte weitere – von oben mit Erlassen und Gesetzen verordnete – Umweltfreundlichkeit wenn das Volk sich nur noch ausgenutzt fühlt? Schauen wir doch mal nach Frankreich: die gelben Westen zeigen was die Bevölkerung denkt und wie sie unter der „erzieherischen“ Haltung der Regierung leidet.

Nein, wir sollten mit der Bevormundung in Sachen Umweltschutz mal eine Pause machen. Der deutsche Michel ist nicht dumm, er arbeitet auch selbstständig und ohne Lehrer an einer Verbesserung der Umwelt. Und wir sollten unser bisher erworbenes Wissen in Sachen Umweltschutz nutzen und den Ländern im fernen Osten wie auch in Südamerika und Afrika vermitteln. Denn gerade dort werden unsere Fehler der 60iger, 70iger, 80iger und 90iger Jahre derzeit eifrig kopiert: Energiegewinnung gern aus fossilen Quellen, Plastikmüll ist scheinbar Ausdruck des wachsenden Wohlstandes und die Umwelt wird als Ressource ohne natürliches Ende betrachtet. Der angenehme Nebeneffekt könnte die Generierung von Arbeitsplätzen in Deutschland sein. Unser Wissen ist wertvoll und kann uns neue Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen – welche wiederum das Bewusstsein für Umweltprobleme in unserer eigenen Bevölkerung schärft. Und schon schließt sich der Kreis. Ohne Erlasse, Verordnungen und Gesetze….. – Martin Achatzi


Leserbrief zu „»Parität erscheint mir logisch«von Jana Hensel

Meine Frau abonniert Ihre Zeitung und gibt mir von Zeit zu Zeit mal einen Artikel. Heute handelt es sich um das Interview mit der Bundeskanzlerin, welches von Ihrer Mitarbeiterin Jana Hensel geführt worden ist. Das Interview erscheint unter der Rubrik „Politik“. Hier ist der Artikel völlig falsch platziert, weil Ihre Mitarbeiterin ausschließlich ostdeutsche Fragen stellt. Die Fragen, die Ihre Mitarbeiterin stellt, finde ich dem Niveau Ihrer Zeitung völlig unangemessen. Es werden ausschließlich endlos durchgekaute Klischees abgefragt. Mich macht der Artikel einfach nur ärgerlich! Zum Glück reagiert die Kanzlerin gelassen und souverän auf die Fragen. Versuchen Sie sich doch einfach mal in einen Hamburger oder Recklinghausener Leser hinein zu versetzen. Welche der Fragen könnte diese Leser interessieren? Ich glaube Frau Hensel sollte die DDR mal verlassen und ihren Horizont erweitern. Vielleicht fallen Ihr dann ein paar Fragen ein, die wirklich zur Aufarbeitung der gemeinsamen deutschen Geschichte beitragen. – Hans Feldmeier


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Das beschriebene „neue Gymnasium“ ähnelt in auffälliger Art und Weise einer Schulform, die bereits existiert, im Artikel aber mit keinem Wort bedacht wird: Einer gut funktionierenden Gesamtschule. In den meisten Hamburger Stadtteilschulen wird beispielsweise schon lange in Jahrgangsteams gearbeitet. Diese Teams haben zum Teil eigene Lehrerzimmer und – man stelle sich vor – es herrscht reger Austausch, Unterricht wird zusammen geplant, auch fächerübergreifend. Tatsächlich gibt es dort Absprachen über Verhaltensregeln und Leistungsstandards, ganz wie Sascha Lieneweg es für das „neue Gymnasium“ vorschlägt. In vielen Gesamtschulen sind diese Maßnahmen nicht wegzudenken. Es scheint also, als könne das „neue Gymnasium“ noch einiges von diesen Schulen lernen. – Anni Meyer


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Sie erwähnen es nebenbei, was ich etwas deutlicher ausdrücken möchte. Der tendenzielle Zeitgeist ermöglichte es der Bildungspolitik nicht , ehrlicher miteinander umzugehen. Wenn 3O% der Schüler/Innen auf Wunsch der Eltern das Gymnasium besuchen, dann ist die Bildungspolitik kritisierbar. Wir sollten auch öffentlich eingestehen, dass nicht über 44% studieren können. In Ihrem Bericht wird übersehen, dass das bildungsferne Elternhaus darin besteht, dass Kindern sprachliche und gedankliche Kenntnisse nicht mitgegeben werden können. Aber die veröffentliche geistige Atmosphäre besteht darin, dass Menschen mit Abitur mehr wert sind. Ob die so genannte Bildungselite stets die Lebensleistung erbringt, wie tendenziell angenommen wird, darf bezweifelt werden. Denn das vorrangig naturwissenschaftliche Denken hat u.a. zur Folge, dass die geistige Allgemeinbildung nicht selten unbewusst zu wenig beachtet wird. Die Bildungspolitik sollte in gesellschaftlicher Verantwortung fragen und beantworten: Wie vermitteln wir der Mehrheit, dass jeder lediglich geistige und reale Leistungsgrenzen besitzt. Ihr kleines Bild ist zeittypisch ( es ist klar, dass ich nicht die ZEIT meine), Sie zeigen zwei Schülerinnen, wie sie in der Pause am Smartphone spielen. Wie viel Zeit stehlen sich Heranwachsende selbst, wenn sie diese multiplen Spielgeräte zu lange benutzen? Es sollte ihnen vermittelt werden, dass persönliche Bildung auch Zeit kostet. – Hubert Laufer


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Nein“ von Stefan Willeke

Der Beitrag, der sich in der ZEIT No 5 gegen ein Tempolimit positioniert, hilft sehr in der Auseinandersetzung mit diesem heiklen Thema. Er fasst viele der oft genannten Argumente zusammen. Allerdings: Die meisten sind schon gefühlte vierzig Jahre alt und mit den Jahrzehnten nicht plausibler geworden. Vor allem aber offenbart der Text, worum es vielen Gegnern eines generellen Tempolimits auf Autobahnen geht: Um sich! Und das sind in der Regel Männer, genauer: gut verdienende Männer, die es sich leisten können und wollen, das Doppelte an Spritkosten auszugeben. Diese männliche, ego-zentrierte Haltung wird auch in dem Beitrag der ZEIT deutlich. Dazu zählt die rhetorische Selbstgeißelung des Autoren oder sein Standpunkt, 160 oder 170 km/h fahren zu wollen, wenn er es denn möchte. Es wird ihn wie alle anderen Gegner eines Tempolimits überraschen: Es geht gar nicht um sie. Es geht um Größeres, Bedeutenderes. Es geht um Luft, Klima, Zukunft. Und es geht ganz konkret auch um Leben. Wie viele Tonnen Abgase pro Jahr letztlich weniger die Umwelt belasten, ist dabei gar nicht entscheidend. Jede Tonne zählt. – Ulrich Fey


Leserbrief zu „Und ihr so?“ von Stefan Beuse

Ich bin fassungslos! In einer Zeitung, in der Sie vorne über die größten Herausforderungen seit Menschengedenken, nämlich anthropogenen Klimawandel und Umweltzerstörung auf unserem Planeten, schreiben, drucken Sie im Reise-Teil einen Artikel, in dem der Autor einzig und allein aufgrund eines persönlichen Minderwertigkeitskomplexes für EINE Woche gut 10.000 km je Richtung fliegt. Sie schreiben damit dem Lebensstil das Wort, der unseren Planeten unumkehrbar verändert. Ich kann mich dem Leser Herrn Seevers nur anschließen; es besteht ein krasser Widerspruch zwischen Worten und Taten. Sie sind Heuchler erster Güte und scheinen ohne Scham Wasser predigen und Wein trinken zu können. Wie vernunftbegabte Menschen diese Widersprüche aushalten können, ohne innerlich zu zerreißen ist mir schleierhaft. Ich werde Ihren Artikel aufheben. Wenn mein jetzt sieben Wochen alter Sohn mich dereinst fragen wird, warum die Welt aus den Fugen geriet, dann wird er lesen und verstehen.Volker Eilrich


Leserbrief zu „Automatische Bequemlichkeit“ von Francesco Giammarco

Die „Künstlichen Intelligenten“, die haben die (meisten) Menschen bereits voll im Griff. Wenn es die „Künstlichen Intelligenten“ merken sollten, dass sich auch ohne den „ahnungslosen Menschen“ auskommen könnten, dann werden sie wohl alles daransetzen, um den ahnungslosen Menschen auf der Stelle, aber auf eine sehr intelligente Art und Weise, loszuwerden. – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Das könnte evt. die Frage aller Fragen sein, oder vielleicht auch nicht so ganz: „Schreinert eigentlich eine Schreinerin mit Abitur, (wesentlich) besser, als eine Schreinerin ohne Abitur?“ – Riggi Schwarz


Leserbrief zu „Was wir nicht wissen“ von Tim Kalvelage

Statt Bulldozer bzw. Planierraupen o.ä. als Kollektor zu benutzen, die großflächigen Schaden auf dem Meeresboden für Jahrzehnte verursachen, sollte es möglich sein Schreitroboter einzusetzen, die die Manganknollen einzeln pflücken und zu Sammelstellen bringen. Von dort können sie an die Oberfläche verbracht werden. Wie das genau realisiert werden kann sollte genauer erforscht werden. – Thomas Miesel


Leserbrief zu „Wie geht es dem Wasser?“ von Tim Kalvelage et al.

Mit Interesse lese ich ihre Serie über den Zustand der Welt. Am 24.01. 2019 ging es um das Wasser. Ich las die ersten 2 Seiten und dachte mir: So kann das doch alles nicht weitergehen! Dann kam der Hammer: Ich schlug die Seite um und sah eine einseitige, schöne, bunte Anzeige der Linie Hurtigruten. Dort stand in großen Lettern geschrieben: DIE BESTEN MOMENTE WARTEN NICHT. Direkt neben der Seite “Bedrohte Ressource”! Bin ich ein Schelm der der böses dabei denkt ? Ja ! Jeder informierte Mensch weiß das diese “Kreuzfahrtschiffe” Drecksschleudern sind und sie schalten eine Anzeige direkt neben ihrer Analyse zum Wasser unserer Erde. Sie zeigen damit das Dilemma zwischen seriösem Journalismus und Abhängigkeit par excellence. – Dietmar Krohn


Leserbrief zu „»Assad will keinen Ärger mit uns« von Jörg Lau und Holger Stark

Die Iraner sind selbst schuld an ihrer Misere. Der Schah wollte sein Land in die westliche Demokratie führen, dafür wurde er aus seinem Land geworfen. Fast die ganze Nation hat lieber den Lügen von Chomeni in Paris geglaubt. Diese Schuld haben sie sich selbst aufgeladen. Und das Ausland hat auch keine gute Figur abgegeben. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Zukunft kommt erst später“ von Christiane Grefe

In meinen Augen kann es nicht sein, dass Deutschland als eine der größten Volkswirtschaften der Welt, auf der einen Seite tierische Produkte ins ferne China exportiert und weiterhin mit Glyphosat unsere Insektendiversität zerstört, auf der anderen Seite aber von einer Bundesministerin geführt wird, deren Kompetenzbereich sich augenscheinlich außerhalb des Landwirtschaftssektor befindet und jede Entscheidung oder Aussage scheut. Ich bin 20 Jahre alt und wir können unsere Umwelt nicht weiter runterwirtschaften und den Forderungen großer Argraindustrieller folgen. Die Politik muss Verantwortung für die nächste Generation übernehmen und das am besten schon vorgestern. – Jan Klüter


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Kaum ein Satz in dem Beitrag, der nicht wörtlich auch für Mittel-, Real-, Ober-, Haupt- und Förderschulen gelten würde. Da es auf Jahre nicht genug Lehrernachwuchs gaben wird, um diese Aufgaben zu lösen, muss die Frage beantwortet werden, wie man die vielen Fachleute, die es in der Gesellschaft gibt, ergänzend in die Schulen holen kann und für die Aufgaben dort qualifizieren. Ich. Sehe leider nicht, dass Politik und Schulbehörde sich darüber ernsthaft Gedanken machen. Zumindest nicht on meinem Bundesland. – F. Möckel


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Mit Interesse habe ich Ihren Bericht gelesen. Die lokale Zeitung meiner Heimatstadt Ludwigsburg feierte letztes Jahr ihr 200jähriges Jubiläum. afür habe ich im Zeitraum von 5 Jahren alle alten Zeitungen ab 1818-1918 durchgearbeitet, Seite für Seite, und alles was für Ludwigsburg interessant war, herausgeschrieben. Es entstanden daraus eine Zeitungsserie und ein Buch. Nun las ich Ihren oben genannten „Schul-Bericht“ und erinnerte mich sofort an einen ähnlichen Artikel, der mir in der alten Ausgabe der Ludwigsburger Zeitung aus dem Jahr 1901 ins Auge fiel und den ich Ihnen zusenden möchte, um Ihre Aussage zu bestätigen: „So war es 2018 und 2008 und 1958. So war es fast immer, seitdem es „höhere Schulen“ gibt“.
Aus der Ludwigsburger Zeitung: Samstag 16. Februar 1901

Was sollen unsere Kinder werden?
Ein Handwerk soll der Bub“ nicht treiben, denn dazu ist er viel zu gut;
er kann so wunderniedlich schreiben, ist ein so junges feines Blut.
Nur ja kein Handwerk! – Gott bewahre! Das gilt ja heute nicht für fein!
Und wenn ich’s vom Munde spare, es muss schon „etwas Bess’res“ sein!

Das Handwerk hat noch goldenen Boden, hält es nur mit dem Zeitgeist Schritt,
folgt es den Künsten und den Moden und bringt man Liebe zu ihm mit.
Wenn Bildung sich und Fleiß vermählen, und tut der Meister seine Pflicht,
mögt ihr es zum Beruf erwählen, es ist das Schlechteste noch nicht.“

Das ist der wunde Punkt der Zeiten, ein jeder will aufs hohe Pferd,
ein jeder will sich nur bekleiden, doch niemand seinen Schneider ehrt.
Der Hände Arbeit geht zuschanden, der Arbeitsbluse schämt man sich.
Das rächt sich noch in deutschen Landen, dass rächt sich einmal bitterlich. – Christa Lieb


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Der letzte Satz im Artikel Tempolimit „ja“ ist ein Schlag ins Gesicht eines Mittelständlers. Ich fahre 60.000 KM im Jahr, beruflich zu meinen Kunden. Wenn ich 600KM zum Kunden fahren muss, ist es wesentlich ob ich 130 oder 160 km/h fahre. Für mich 1,5 Std mehr Lebenszeit außerhalb des Autos. „…im Namen der Armen dieses Land in die ökologische Krise rasen“ werde ich damit wohl nicht. Ich fliege auch zu Kunden und das einzige was am Flughafen nervt sind die tausenden Urlaubspassagiere. Und in die ökologische Krise „essen“ tun sich die Armen – wenn man diese Menschen so nennen darf- mit Billigfleisch selbst. Wenn das Kilo Fleisch an der Theke weniger kosten darf als das Hundefutter für Ihre Lieblinge oder die Kippen, ist jemand wie ich nicht angesprochen vom letzten Satz in Ihrem Artikel, sondern erzürnt. – Jutta König


Leserbrief zu „Der Name der Brote“ von Marcus Rohwetter

IdR kann ich Ihrer Meinung folgen. Zu Ihrem letzten Artikel hätte Sie sich jedoch besser informieren können.
1.) „Brötchen“ bedeutet kleines Brot, ist also auch bereits „infantilisiert“ (den Begriff würde ich nur dem Schokowuppi zuordnen).
2.) Ein Röggelchen ist keine neumodische Erfindung, sondern ein in Köln traditionelles Zwillingsroggenbrötchen, welches sogar schon seit dem 15. Jh. bekannt sein soll.
P.S.: Vielleicht für viele kein appetitliches Thema, aber Binden mit „bis zu 100% Saugfähigkeit“ sind auch Bockmist. Das trifft sogar auf Kunststoff zu, der kann auch 0-100% aufsaugen. – Kerstin Hoef-Emden


Leserbrief zu „Lasst die Entwickler ran!“ von Eva Wolfangel

„Experten“ sollten zumindest versuchen nachzudenken, bevor sie dem Nutzer belehren, jeder sei es heute selber schuld, wenn er sich seine Daten klauen lasse. Mein PC ist mit einem der besten Sicherheitsprogramme ausgestattet. Laufende Updates und die jährliche Anpassung auf die jeweils neueste Version. Ich nutze im Netz grundsätzlich andere Passworte. Sie bestehen aus Zahlen, Zeichen und Buchstaben, groß und kleingeschrieben. Trotzdem sind meine Daten in der bekannt gewordenen Liste zu finden.

Warum? Weil Adobe, wohlgemerkt ein IT-Unternehmen, sich in 2013 seine Daten hat klauen lassen. Die Daten waren schlecht verschlüsselt, die Kryptographie war miserabel, also fast in Klarschrift geschrieben, und entsprechend schnell zu knacken. Somit können meine Passworte 50stellig sein und stündlich gewechselt werden. Machen sich andere nicht die Mühe die Daten in ihren Systemen richtig zu sichern, ist das sinnlos. Ich kann viel tun, damit mir so etwas nicht passiert – richtig. Aber ich muss mich im Netz auch auf andere verlassen können. – André Trumpa


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Es ist ja lobenswert, wenn sich an deutschen Gymnasien etwas ändert: wenn sie sich um ihre Schüler*innen kümmern und nicht nur um ihre Fach- und Leistungsstandards. Sie haben ein paar Gymnasien und ein paar Lehrer*innen gefunden, die das engagiert tun, und einige andere, die sich, subjektiv davon überfordert, maulig dreinfinden. Die Gymnasien hören es gern, dass sie weiterhin Spitze sind, dass man ihnen aber zuviele Aufgaben aufbürdet. Wie die schwierigen Aufgaben im deutschen Schulwesen aber wirklich verteilt sind, davon berichten Sie nicht: Es sind nicht die Gymnasien, die die Hauptlast der Integration der Migranten tragen, sondern die Hauptschulen, Oberschulen, Sekundar- oder Gemeinschaftsschulen und Gesamtschulen. Diese sind es auch – und nicht die Gymnasien -, die die Inklusion der besonders Förderbedürftigen hauptsächlich schultern, seitdem die getrennt geführten Sonderschulen zurückgefahren werden. Ich habe Zahlen nur für Oldenburg in Niedersachsen, aber das dürfte in Hamburg und Berlin, in Münster und Ravensburg nicht viel anders sein: Nach der Grundschule gehen hier etwa 45 % der Schüler*innen aufs Gymnasium; unter ihnen haben aber nur 9 % einen Migrationshintergrund, bei den Schüler*innen der Oberschulen dagegen 55 %. Fünf Jahre nach dem Start der Inklusion der sonderpädagogisch Förderbedürftigen machen diese hier bei den Gymnasien weniger als 1 % der Schüler*innen, bei den Oberschulen aber mehr als 10 % aus.

Auch bei den Oberschulen – so heißen in Niedersachsen die ehemaligen Haupt- und Realschulen – ist es noch nicht so, dass alle sich begeistert und gekonnt in die neuen Aufgaben dreingefügt hätten; aber hier klagt man mit mehr Recht über die unzureichenden Bedingungen bei dieser Arbeit. Zu beklagen ist hier auch die fehlende gesellschaftliche Anerkennung ihrer Arbeit – und Ihr Artikel ist auch ein Ausdruck davon.

Sie und ich gehören zu denen, die selbst auf dem Gymnasium waren und ihre Kinder auf Gymnasium geschickt haben. Sie und ich gehören zu der bürgerlichen Schicht, für die das Gymnasium erfunden wurde und die das Gymnasium immer wieder reproduziert. Trotzdem aber sollten wir uns nicht der Einsicht verschließen: Das Gymnasium ist gegenwärtig nicht nur die Hoffnung der Bildungsaufstiegswilligen, sondern besonders auch derjenigen Eltern, die ihren Kindern eine Schule mit Belastung durch Migration und Inklusion ersparen wollen, damit sie möglichst ungestört ihren Weg in der Ellenbogengesellschaft nach oben finden. Wir sollten mit den kleinen sozialen Reformbemühungen an Gymnasien nicht zuwischen, dass das Gymnasium ein Schulsystem der gesellschaftlichen Desintegration und Exklusion ist. – Hansjürgen Otto


Leserbrief zu „Heißer Typ“ von Antje Joel

Natürlich fiele es schwer, dem Fazit der Autorin nicht zuzustimmen: das Verhalten von Männern allgemein, insbesondere gegenüber Frauen, ist häufig unter der Gürtellinie angesiedelt. Frau Joels Text jedoch provoziert Widerspruch. Mit statistischen Prozentangaben, wild und wahllos herangezogen, läßt sich jeder Standpunkt untermauern. Mit solchen Totschlagargumenten wird bestimmt kein Betroffener erreicht und umgestimmt. Das Verhalten der angesprochenen Männer zu verurteilen geschieht völlig zu Recht. Es sind aber doch die Frauen selbst, die dies größtenteils bewirken. Denn sie sind schließlich diejenigen, die Jungen und Mädchen rollenspezifisch erziehen. Hier ließe sich also geradewegs eine Absicht vermuten. – Bernd Bornhoff


Leserbrief zu „Lasst die Entwickler ran!“ von Eva Wolfangel

Sie beschreiben sehr gut ein seit Jahren bekanntes und ständig nervendes Problem, das jeden irgendwann trifft und neben Ärger auch noch Kosten verursacht. Ich vermisse jedoch Hinweise auf Ursachen und Hintergründe: Der Entwickler wird es nicht lösen. Eine Softwarefirma will mit minimalstem Aufwand maximal Geld machen. Das steckt den Firmen, oft sog. startups und deren Geldgebern quasi in den Genen. Dort herrscht oft Gier und Selbstkontrolle funktioniert nie. Lösen kann es nur ein funktionierendes rechtsstaatliches Ordnungssystem. Das gibt es weder für Internet, Software und manch weitere Branchen. Sie werden sagen das haben wir doch. Dann vertauschen Sie den Softwareentwickler mit, z.B. einem Dachdecker und Sie sehen das Problem. Einen Dachdecker der uns ständig undichte Dächer liefert und dafür nicht haften muss gibt es nicht.

Mit diesem Rollentausch können Sie das Defizit hinter jedem großen Skandal leicht erkennen. Es liegt nicht wirklich am Fehlen eines funktionierenden rechtsstaatlichen Ordnungssystems, sondern am Willen es durchzusetzen. Sich mit den Großen (Automobilindustrie, Banken, Tollcollect, Google, Facebook, ect.) arrangieren ist einfacher als sich mit ihnen anzulegen. Lidl-Verkäuferinnen, Schuldner und Verkehrssünder sind die bequemsten weil kleinen Opfer, die sind kaum in der Lage sich wirklich zu wehren. Ich kenne nur eine Ausnahme die EU-Wettbewerbskommisarin Fr. Vestager, das ist aber keine deutsche Institution. Vielleicht liegt es auch an der skandinavischen „Kultur „, die ist offensichtlich eine andere. – Hans-J. Giller


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Noch nie wurde in der ZEIT in einer Ja-Nein-Diskussion ein JA (Bernd Ulrich) so überzeugend und ungewollt durch ein NEIN (Stefan Willeke) bestätigt. Das Lamento des sich in der Opferrolle wähnenden Willeke ist absurd und traurig. Nicht eine von ihm befürchtete, „rasende Staatsmoral“ oder ein uns drohender Staat, der sich bei einem Tempolimit zu einer Erziehungsanstalt seines Volkes aufspielen würde, ist zu beklagen, sondern das „gegen jeden Menschenverstand“ von Willeke und Minister Scheuer eisern verteidigte Raserprivileg und die in Deutschland weiterhin gültige, “rasende Staats(un)moral“. – Dr. Peter Dresen


Leserbrief zu „Genug gespielt. Jetzt wird’s ernst“ von Martin Machowecz und zu „»Mein Gott, was war mit uns los?«“ von Frank Bajohr

Besten dank dafür, dass es zwei Beiträge in der aktuellen Zeit gibt, die sich gegenseitig ergänzen: Einmal zum „was-wäre-wenn“ – eben das etwas gewagte Theaterstück von Volker Lösch in Dresden; und einmal zum „was-war-genau“ – die Rückschau zur filmisch dargestellten Holocaust-Erzählung aus den USA 1978 und den Erdrutsch im Diskurs zum Thema, die diese in Deutschland auslöste. Letzteres sollte einen dämpfenden Effekt auf die zu erwartende Polemik beim Ersteren bewerkstelligen, leider wohl nur bei denen, die sich die hässliche Geschichte der Deutschen vergegenwärtigen. Denn die Mechanismen, die dem Holocaust und z.B. den Erfolg des IS ermöglicht haben (beides ein „effektives“ Bürokratiemonster) sind im Prinzip immer quicklebendig unter uns. Da braucht es nur ein Ventil, und … hoppla! Stichwort Eigendynamik. – Rob Maris


Leserbrief zu „Wie geht es dem Wasser?“ von Tim Kalvelage et al.

Es grenzt schon an Realsatire, wenn in der ZEIT auf mehreren Seiten ausführlich über die Folgen unseres Lebenswandels berichtet wird und auf den selben Seiten großformatige Anzeigen zu Arktiskreuzfahrten für wohlhabende Bildungsbürger einladen. Motto: schnell noch mal anschauen, was in wenigen Jahrzehnten wohl auf Nimmerwiedersehen verschwunden sein wird. Ich mache hier niemandem daraus einen Vorwurf. Es zeigt vielmehr auf sehr plastische Art und Weise, wie wenig wir alle miteinander bereit sind, unseren Lebenswandel radikal umzustellen. Heiliger Sankt Florian, steh uns bei. – Till Buchmann


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Krasser hätte man den Unterschied zwischen intelligenter Argumentation und Polemik nicht demonstrieren können. Hier der wie immer kluge und geistreiche Bernd Ulrich, der die lautstarken Proteste der Verhaltensegoisten gnadenlos vorführt, dort Stefan Willeke, der nichts zu bieten hat als allgemeines Schimpfen auf staatliche Eingriffe, Leugnen von wissenschaftlichen Erkenntnissen, Missbrauch des Begriffs „liberal“ und das heuchlerische „Bemühen des Sozialen“, wie Bernd Ulrich es nennt. Seinem eindrucksvollen Schlusssatz: „Ohnehin könnten Mittel- und Oberschicht mal damit aufhören, im Namen der Armen dieses Land in die ökologische Krise zu rasen, zu essen und zu reisen“, könnte man noch die Inkaufnahme einer beträchtlichen Anzahl von Verkehrstoten hinzufügen. – Sven Herfurth


Leserbrief zu „Gefährliche Seelenführer“ von Doris Wagner

Ganz selten nur findet man einen theologischen Text, der gedanklich so klar und durchdacht ist, der so unkompliziert und so zugänglich formuliert ist, und der doch so voller Verständnis und Wärme ist. Chapeau, Doris Wagner! – Professor Dr. Jürgen Schnakenberg


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Zu dem Artikel möchte ich zwei Dinge sagen: Den Teil von Stefan Willeke finde ich ziemlich schwach. Zuerst einmal vernachlässigt er die Hälfte der Frage, da in seiner Antwort nie die Rede von den Spritpreisen ist. Dazu leitet er sie mit Beschreibungen seiner Persönlichkeit ein, die wenig mit dem Thema zu tun haben. Aber generell ist die Leitfrage dieser Debatte auf der Titelseite viel zu eingeschränkt gestellt. Es mag sein, dass der Vorschlag eines Tempolimits zuletzt im Hinblick auf den Klimaschutz geäußert wurde, aber es gibt wesentlich mehr Argumente (Pro oder Contra) zu dem Thema. Was ist mit der Verkehrssicherheit? Es ist beinahe unverantwortlich, auf 2×2-spurigen Autobahnen kein Tempolimit zu haben, wenn die rechte Spur von LKWs, die kaum über 100 km/h fahren, beschlagnahmt wird. Was ist mit der Freiheit derer, die nicht über 200 PS unter der Abdeckhaube verfügen? Sie müssen sich gut überlegen, bevor sie auf die linke Spur wechseln. Das führt zum nächsten Punkt: manche Leute fühlen sich gezwungen, einen dickeren und schnelleren Wagen zu kaufen, als sie bräuchten, damit sie im Unfall nicht zusammengequetscht werden. Es verfälscht den Automarkt, indem immer größere, schwerere und schnellere Autos produziert werden. Autos, die kaum weniger verbrauchen als vor Jahrzehnten, weil Effizienzgewinne, etwa bei Motorisierung oder Aerodynamik, von steigendem Gewicht zunichte gemacht werden. Mit Tempolimits wäre der Weg frei für vernünftigere Fahrzeuge, kleiner und leichter, was sehr wohl einen direkten Einfluss auf den Verbrauch und den CO2-Ausstoß hätte. Ein verteuerter Sprit sollte auch den Markt dahin lenken, sparsamere Autos zu produzieren. Aber so eine Entwicklung würde gar nicht zu der DNA der deutschen Autobauer passen, und deswegen ihre Marktanteile mitsamt Arbeitsplätzen gefährden. Eine interessantere Debatte wäre für mich: soll sich Deutschland länger von seiner Autoindustrie an der Nase herumführen lassen? – Benoît André


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Es erstaunt, wie verzweifelt Kommentare von vorwiegend männlichen Redakteuren gegen ein Tempolimit klingen. Die Argumente fehlen, darum ist der Ton umso weinerlicher. Autos verbrauchen nun mal mehr Sprit, je schneller sie gefahren werden. Jeder eingesparte Liter Sprit bedeutet aber direkt weniger klimaschädliche Gase und muss überdies nicht umweltschädlich als Erdöl gefördert, von Tankern mit hohem Energieeinsatz nach Europa transportiert und hier ebenfalls umweltschädlich raffiniert werden. Im Übrigen ist bekannt, dass ein Tempolimit den Verkehr flüssiger macht und Staus verhindert. Tempo 130 rettet das Klima sicher nicht alleine, aber es tut nicht weh und wäre ein Beitrag mit vielen weiteren Vorteilen: weniger Lärm, weniger Reifenabrieb, weniger Unfälle. Was hat das alles mit dem „Staat als Anstalt zur Erziehung der Bevölkerung“ zu tun? Dann müsste Herr Willeke beispielsweise Gurtpflicht und Tempo 50 innerorts auch in Frage stellen. Was die Forderung nach weniger Fleischkonsum anbelangt, da sind nicht die selbstgeangelte Forelle oder das selbst geschossene Reh gemeint. Das müsste ein Zeit-Redakteur eigentlich wissen. – Barbara Rau


Leserbrief zu „»Als hätten wir fünf Planeten«“ von Marcus Rohwetter und Kolja Rudzio

In letzter Zeit häufen sich die Reaktionen auf das offenbare Missverhältnis zwischen den realen Problemen dieser Welt, und der etwas abgehobenen Perspektive, die Ihr Blatt hierzu einnimmt. Den Vogel abgeschossen haben Sie mit der Serie zum „Zustand der Welt“. Wie kann es sein, dass ein durchweg ernster und alarmierender Artikel, dessen Kernaussage es ist, wir leben „als hätten wir fünf Planeten“ zur Verfügung, auf der selben Seite mit einer teuren Kreuzfahrt in die Arktis beworben wird? Merken Sie noch was? – Mario Willmann


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Folgender Vorschlag zum Kompromiss beim Tempolimit: Tempo 130 für alle Verbrennungsmotoren und kein generelles Tempolimit für Alternativmotoren. Gemäss dem Motto: „Freie Fahrt für saubere Bürger.“ – Dr. Georg Boeck


Leserbrief zu „»Und der Frank?« – »Is tot.«“ von Peter Kümmel

Mit dem normalen (und immer noch gesunden) Menschenverstand meiner bald achtzig Jahre war ich ein Leben lang der Meinung, das höchste Lob für eine Souffleuse sei, dass man sie überhaupt nicht gehört (geschweige denn gesehen) hat. Für Ihren Rezensenten von Brechts „Galilei“ in der Inszenierung von Castorf ist sie jedoch neben dem großen Jürgen Holtz das einzige Ensemblemitglied, das namentlich erwähnt wird, und zwar als „geheime, demütige Regisseurin“, die hin- und her „ huschend“ den „an Textlückenfraß leidenden Darstellern“ zur Seite steht. Bitte helfen Sie mir: Ist sowas jetzt normal oder ist das pervers? – Dr. Hanspeter Plocher


Leserbrief zu „Genug gespielt. Jetzt wird’s ernst“ von Martin Machowecz

Natürlich darf ein Theater zu den aktuellen Problemen und politischen Auseinandersetzungen – insbesondere in Dresden – Stellung beziehen und ein Stück dazu auf die Bühne bringen. Allerdings müssen die dafür Verantwortlichen um Den Regisseur Volker Lösch dann auch mit entsprechenden Reaktionen leben. Was ich befremdlich finde, ist die Tatsache, dass das Theater beim Auftritt von Herrn Höcke – dessen Aussagen man nicht in allen Themen zustimmen mag – durch das zeitgleiche öffentliche laute Einspielen von Gegenreden vom Balkon des Theaters öffentliche Mittel für politische Propaganda nutzte. Herr Lösch als Zugereister aus de alten Bundesrepublik verwendet eine Sprache, die nicht eint, sondern ausgrenzt und seine schon plump wirkenden propagandistischen Aussagen gegen eine auf dem Boden des Grundgesetzes stehende und von einem nicht unerheblichen Teil der Bürger gewählten Partei ist einfach nur peinlich.Ich bin gespannt, wie die Besucher das Stück sehen und ob das Theater voll ist… – Claus Hörrmann


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Die Argumente beschränken sich leider auf die Klimadiskussion. Das ist es ja nicht alleine: Entspannteres Fahren auf der BAB, weniger Tote und Schwerverletzte. Sehr wahrscheinlich besserer Verkehrsfluss mit weniger Staus. Wer braucht dann noch mehr als 100 PS? Kein Vernünftiger. Es gibt noch mehr: Eigentlich jeder beklagt sich über die Egomanie Einzelner in der Gesellschaft. Wenn Rettungskräfte attackiert werden, dann hat das damit zu tun. Wenn Radfahrer mit Fußgängern Konflikte haben gleichfalls. Schule der Rücksichhtslosigkeit ist der Straßenverkehr mit seinen wettgerüsteten Boliden. Was manchem Ami seine Schusswaffe ist manchem Deutschen sein Auto. Entziehen wir den Egomanen doch mit gesetzlichem Tempo 130 diese Möglichkeit der Selbstverwirklichung auf Kosten anderer. Das soll gegen jede Vernunft sein? Lächerlich! – Dr. Wolfgang Thiel


Leserbrief zu „Schnell raus hier: Aber wann?“ von Petra Pinzler

Das Ganze ist doch wie eine Posse zu bewerten: da empfiehlt die 28köpfige Kohlekommission den Ausstieg aus der Kohle bis zum Jahr 2038. So weit so gut. Ich denke, diese Symbolhandlungen sollten einer realistischen Sicht weichen. Sinngemäß: das Eine tun ohne das andere zu lassen. Worauf will ich hinaus ? Deutschland sollte all die Technologien fördern, die den Kohleausstieg nicht zur Bedingung machen, sondern ihn geradezu perfekt und wesentlich viel schneller aber eben pragmatischer und marktwirtschaftlicher umsetzen lassen. Ich denke dabei an den ganzen Komplex der Produktion von „grünem Wasserstoff“ und all den Anwendungen der Brennstoffzelle, die den H2 in Strom wandelt. Wasserstoff selbst ist das ideale Speichermedium von regenerativen Energieträgern und hat so viele Vorteile gegenüber Batterielösungen. – u.a. das Speichern von H2 und der Rückverstromung dann, wenn man es braucht. 400.000 Gasleitungen lassen gut 20 % H2 als Ergänzung zu, zudem gibt es eine Reihe von Tavernen. Hierdurch wird nicht nur die Luft sauberer, sondern all das schafft Arbeitsplätze (geschätzt 150 – 200.000 nur im Bereich von Elektrolyseuren, die mittels Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff splittet; je leistungsfähiger umso günstiger der Wasserstoff…..US $ 2/KG in 12 Jahren ?(Toyota) und lässt sich weltweit sehr gut vermarkten. Deutschland mit Insellösungen, wo doch weltweit über 100 Kohle-Kraftwerke im Bau sind, zu belasten ist einfach nur Schwachsinn und schadet unserem System = moralisch mag es gut sein, pragmatisch und sinnvoll ist all das mitnichten ! – eher eine Art Selbstkasteiung/Masochismus.

Die ganzen Phantomdebatten vor allem der GRÜNEN sind Makulatur. Man nimmt einfach Statistiken, wonach der Anteil der regenerativen Energien xx Prozent vom Ganzen ausmacht ohne zu erwähnen, dass große Mengen dieser Stromart weder gespeichert noch zum richtigen Zeitpunkt an den Ort der Nutzung gelangen plus saisonale Einflüsse (Sonne und Wind) wie auch Fragen der Grundlast unseres gesamten Energiesystems im Raum stehen. Wir wollen doch bitte keinen Kohlestrom aus Polen beziehen, wenn unser System Schwächen zeigt, oder ? Mittels Brennstoffzellenkraftwerken lassen sich ja nicht nur Strom und Kälte erzeugen sondern auch wichtige Fernwärme wie auch ergänzend CO2-Abscheidung (Methanisierung) damit verbunden werden kann. Über 8ß % Wirkungsgrad ist möglich ! Unser ganzes System profitiert davon, u.a auch die KFZ-Industrie, wenn sie Elektromobilität nicht einseitig mit der reinen Batterielösung gleich setzt, sondern synergetisch mit der Brennstoffzelle (u.a. als Mischform = Hybrid). Einziges Hemmnis ist leider die Politik, die unsinnige EEG-Abgaben u.a. bei Power-to-Gas/X/heat etc. erhebt und damit sich selbst blockiert – mangels Wissen, Erkenntnis, Ideologie ??????? Ich weiß es nicht – wohl ein Mix aus all dem. – Sven Jösting


Leserbrief zu „Wünsch dir was“ von Josef Joffe

Vergebliche Mühe: die deutsche Außenpolitik war und ist kleinkariert und impotent. Mehr noch – betrachtet diese “Eigenschaften“ als ihr Vorteil. – Marek Pelc


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Sehen wir doch mal das nicht vorhandene Tempolimit im Zusammenhang mit den vielen Unfällen, die ewig lange Staus verursachen. Tempolimit ja, weniger Unfälle, weniger Staus und weniger Verkehrstote. Die Wirtschaft müsste doch dafür sein – Lieferung „just in time“. Das Lager befindet sich seit Jahren auf den Straßen statt in Hallen. – Ursula Bloch


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Nein“ von Stefan Willeke

Wenn ich Ihren Artikel auf der Titelseite richtig verstehe, wollen sie machen, was ihnen Spaß macht, der Staat soll Sie nicht mit „unnötigen“ Regeln einschränken, gleichzeitig soll aber der CO2-Ausstoß gesenkt werden. Das ist genau das irrationale Wunschdenken, das es so schwer macht, weiter zu kommen. Nur weil sie ihr Verhalten in Ihrer Einleitung kultivieren wird es nicht gesellschaftsverträglicher. Ich denke, wir sollten uns als Gesellschaft überlegen, welche schädlichen Verhaltensweisen wir schnell ablegen können und sollten, um möglichst viel von unserer komfortablen Lebensweise weiter behalten zu können. Vielleicht ist die letzte Studie zu den Auswirkungen des Tempolimits 23 Jahre alt, weil sich am eigentlichen Sachverhalt nur wenig geändert hat. Wozu brauchen Sie eine aktuellere Studie? Reicht es nicht, auf ihren unterschiedlichen Benzinverbrauch bei Tempo 120 und bei Tempo 180 zu schauen, um die Auswirkungen dieser Fahrweise zu verstehen? Es gibt aber noch weiter Probleme mit den hohen Geschwindigkeiten:
• Die Unfallfolgen (oft auch für Unschuldige)
• Die Lärmbelastung.
• Die vielen Staus, die durch die hohen Geschwindigkeitsunterschiede entstehen
• Der erhöhte Stress durch die hohen Geschwindigkeitsunterschiede: es fühlt sich sehr unangenehm an, wenn man mit 130 km/h überholt und dann plötzlich im Rückspiegel jemand mit 200 auftaucht.
Über ein „ich will will aber nicht von meinen Gewohnheiten abrücken“ hinaus sehe ich in der aktuellen Diskussion eigentlich keine vernünftige Argumente gegen ein Geschwindigkeitslimit. – Thomas Schwerdtner


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Da ist er wieder, der allfällige Artikel über die Misere des deutschen Gymnasiums. Schon früher, im Jahre 1991 titelte die ZEIT am 13. 12. 1991: „Das Gymnasium – Hauptschule der Nation“. Der aktuelle Artikel ist zu Glück etwas anders. Es steht viel Gutes und partiell Neues darin; es ist die Rede vom Aufschwung vieler Gymnasien, die sich dazu entschlossen haben, sich wie weiland Münchhausen am eigenen Zopf aus dem Sumpf zu ziehen (oder ist dieser Vergleich schon zu bildungsbürgerlich?). Es sind die Lehrkräfte bzw. die Schulleitungen, die neue Wege gehen, teils am Rande der erlassmäßig vorgesehenen Regularien. Ja, die gymnasiale Schullandschaft hat sich verändert, sie ist vielfältiger geworden. Dies liegt nicht zuletzt auch an einem Personal, das inzwischen deutlich jünger ist als in früheren Jahren und das selbst andere als sog. traditionelle Zugänge zum Lernen und Vermitteln entwickelt hat. Der Artikel zitiert Bildungsforscher, die zum Teil wieder einmal Altbekanntes wiederholen und auf internationale Vergleichsstudien der Schulsysteme hinweisen, ohne dazu zu sagen, dass es sich hierbei vielfach um unvergleichbare Kategorien handelt, die aber im Interesse der wissenschaftlichen Erforschbarkeit standardisiert worden sind. Mentalitätsbedingte Unterschiede in Hinblick auf Lernverhalten und Bildung zwischen beispielsweise europäischen und asiatischen Bildungseinrichtungen werden nicht thematisiert. Und: NEIN, es stimmt nicht, dass der Lernerfolg eines Schülers davon abhängt, aus welchem Elternhaus er (sie?) stammt! So absolut kann man das nicht formulieren! Sicher, es gibt eine Korrelation zwischen den Voraussetzungen, die Kinder aus bildungsbewussten Elternhäusern mitbringen, und den Anforderungen gymnasialen Lernens. Aber dazu braucht es nicht den Hinweis auf die sog. „privilegierten Sprößlinge“, die prallen Bücherwände usw., denn auf diese Weise gerät das Ambiente des Elternhauses gewissermaßen zum Vorwurf. Und auch in diesen gesellschaftlichen Schichten gibt es genug Kinder und Jugendliche, die alles anders als die Leistungsträger oder gar Elite (dieses pauschale Wort muss natürlich auch noch auftauchen!) sind. Stattdessen wäre zweierlei zu sagen:

  1. ich würde mir wünschen, dass man auch die Elternhäuser – unabhängig vom Milieu – auf eine Bringschuld verpflichtet, denn JEDE Situation, die Jugendliche erleben, ist eine Lernsituation: ob am Esstisch über den Klimawandel oder Literatur gesprochen wird oder ob die Türen fliegen oder der Fernseher rund um die Uhr läuft; ob die Kinder ihren Fernseh- und PC-Vorlieben und sich selbst überlassen werden oder ob ihnen von seiten der Eltern Angebote darüber hinaus gemacht werden, usw.. Wenn Eltern dies als Aufgabe und Voraussetzung für Persönlichkeitsbildung, Bindungen, Sprachkompetenz und Sozialverhalten begreifen, ist es weniger davon abhängig, aus welchem Elternhaus sie stammen! Vielleicht ändert sich dann auch die verquere Anspruchshaltung, die darin besteht, „gut bis zum Abitur zu kommen“!
  2. Der zaghafte Schluss des Artikels geht in die richtige Richtung. ABER: seit Jahren hinken indolente Kultus- und Schulbehörden den notwendigen Innovationen hinterher. Seit Jahren bietet die erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische Literatur, bieten Studiengänge, Lehrerseminare und Fortbildungsinstitutionen Vorschläge an, die die im Artikel beschriebenen Anstrengungen legitimieren. Alles dieses ist von den Verwaltungsebenen nicht hinreichend zur Kenntnis genommen worden, denn das hätte u.U. Geld und Personal erfordert. Die Lehrkräfte dieses Artikels geben dennoch Anlass zur Hoffnung. – Heinrich-Otto Hannemann

Leserbrief zu „Wahnsinnsfern und tückenlos“ von Max Goldt

Was hat Ihr Lektor geraucht? Nach dem Lesen des ersten Satzes ist mir jegliche Lust weiterzulesen vergangen. Im Feuillton der ZEIT, die im Deutschen nur umgangssprachlich zu ertragende Verlaufsform! Es fällt auf, dass dieser umgangssprachliche Gebrauch der Verlaufsform immer öfter in Ihrer Zeitung zu lesen ist. Bedauerlich. In einem Artikel des Feuilleton, der sich über einen Begriff echauffiert, geradezu absurd. – Gisela Winzen


Leserbrief zu „Genug gespielt. Jetzt wird’s ernst“ von Martin Machowecz

Mit der letzte Zeile haben Sie es dem Herrn Lösch aber richtig gegeben. Ich kann mir förmlich vorstellen, wie Sie nach dem Schreiben der letzten zwei Sätze einen Mic Drop (Pencil Drop? Tastatur Drop?) gemacht haben. Den ganzen Text über immer wieder die Machtstruktur und Debattenkultur in dieser Inszenierung autoritär beschrieben, um dann mit dieser Erkenntnis zu enden. – Maik Niederstein


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Die „Pro- und Contra-Debatten“ sind ja manchmal durchaus erhellend. Aber das diesmalige Contra zum Tempolimit stellt für mich einen Gipfel an Dümmlichkeit in der ZEIT dar. Ich nehme an, die ZEIT will mit diesem Beispiel deutlich machen, mit welchen unsachlichen Argumenten die Tempolimit-Debatte geführt wird. Es schauert mich aber sehr, wenn ich mir vorstellen muss, dass solche Ignoranten auch in der ZEIT-Redaktion sitzen. – Dr. Axel Schilling


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Wie wär’s mit einem Limit von 150 km/h? Mir mißfällt diese Fixierung auf 130 oder weniger! Warum? Die lockere Geschwindigkeitsbegrenzung würde meines Erachtens das Beste aus beiden Welten vereinen: Man käme immer noch flott voran, müßte aber nicht mehr mit „lichtschnellen BMW“ (ein Brite) im Rückspiegel rechnen, sparte als früherer Schnellfahrer Sprit, Verschleiß, Geld und – nach Eingewöhnung – in vielen Fällen Nerven. Ob es außerdem Leben rettet, könnte ein einjähriger wissenschaftlich begleiteter bundesweiter Großversuch klären. In Polen und Bulgarien gilt inzwischen Maximum 140. De facto kann man dort straflos echte 150 Sachen fahren. Mein Vorschlag wird hier nie ausprobiert werden, da bei uns der Verkehrsminister traditionell die Interessen der Automobilindustrie vertritt. Doch schrumpft dieses Reizthema langsam, aber sicher zum Detailproblem: Baustellen übersäen die Autobahnen; die Verkehrsdichte steigt unerbittlich weiter; das Mitte-oder-links-Gondeln wird man wohl nie ausrotten; beim E-Auto kann man bei hoher Geschwindigkeit zuschauen, wie sich der Akku leert; etc. pp. – Johann Felix Guilino


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Das deutsche Gymnasium ist in seiner Substanz seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts durch politisch motivierte gravierende Manipulationsvorgänge, die einerseits die Abwertung der bis zu diesem Zeitpunkt verpflichtenden Abiturfächer Deutsch, zwei Fremdsprachen, Mathematik, deren quantitative Reduzierung und Surrogat durch frei wählbare Nebenfächer betrafen, andererseits vor allem durch eine generalisierende Niveauabsenkung von seinem ehemaligen Anspruch der Selektions-und Elitenbildung enthoben. Als weitere Glanznummer möge folgende Kehrtwendung angeführt werden: Bayern führte vor einigen Jahren einen teilweise aus Kernfächern (früher Hauptfächer) bestehenden verpflichtenden Abiturkanon ein, allerdings auf dem Niveau der früheren Grundkurse!!! Das Ergebnis ist an den Universitäten zu betrachten: l’invasion des imbéciles. – Dr. Gernot Peter


Leserbrief zu „Heißer Typ“ von Antje Joel

Ich habe Ihren Kommentar mit großem Interesse gelesen. Vielen Dank für Ihre Arbeit. Erst durch Ihren Artikel habe ich mir das Video überhaupt einmal angesehen, weil mich Rasierklingen- Werbung nicht sehr interessiert. Auch benutze ich No-Name Klingen, weil ich durch das Rasieren kein besserer Mann werde. Für mich sind traditionelle Männer keine Schläger, Grapscher…. oder schlimmeres. Ich finde Sie benutzen den Begriff Traditionell falsch. Ich definiere diesen so. Traditionelle Männer übernehmen für sich und andere Verantwortung. Ja, sie wollen sich im Wettbewerb behaupten. Aber unter traditionell verstehe ich dann fair. Selbst unsere soziale Marktwirtschaft fusst auf einem fairen Wettbewerb. Das ist zumindest das Ideal. Ich finde traditionelle Männer fügen sich sinnvoll in die Gesellschaftl ein und schaden dieser nicht. Ich stelle mir zudem zwei Fragen.
1. Glauben Sie das ist ein echtes Anliegen des Unternehmens?
Ich glaube es nicht, dieses Unternehmen möchte indirekt Gewinne maximieren.
2. Ja, viele Männer reagieren beleidigt.
Aber woher wissen Sie, der Grund ist sie möchten so weiter machen? Vermuten Sie dies oder haben Sie es recherchiert? – Marko Becker


Leserbrief zu „»Parität erscheint mir logisch«von Jana Hensel

Das Interview von Frau Hensel mit der Kanzlerin ist ein Tiefpunkt in vielerlei Hinsicht. Schwelgend im Beginn und beim Einschenken lassen. Anbiedernd beim Fragestellen und Plattitüden in den Antworten. Als in der DDR groß Gewordener lege ich das Blatt angewidert zur Seite. Frau Hensel empfehle ich nach diesem Werk und zuvor ihrem Artikel im Oktober voller Gefühle die Lektüre des Gedichtes „Dem Ewiglebenden“ von Johannes R. Becher für Stalin. Gute Basis für ihre nächsten Arbeiten. – Thomas Schossig


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Nein“ von Stefan Willeke

Leider kann ich Ihnen bei Ihrer Argumentation nicht folgen. Es ist doch bei jeder Maßnahme so, dass sie für sich betrachtet wenig bis gar nichts bringt. Erst die Summe aller (kleinen) Schritte macht es aus. Erst wenn all jene Menschen ihren ökologischen Fußabdruck verkleinern, die den Planeten überdurchschnittlich belasten, wird es in Summe einen Unterschied ausmachen. Der Energieaufwand steigt mit der Geschwindigkeit proportional. Daß eine niedrigere Höchstgeschwindigkeit eine sinnvolle Maßnahme zur Verbrauchsreduktion ist, steht wohl außer Streit. Die ganze Welt hat sich auf eine Höchstgeschwindigkeit von 120 bis 140 km/h geeinigt, obwohl es die Leute wohl überall gleich eilig haben. Warum sollte da Deutschland auf immer eine Ausnahme bilden? Es ist doch so: wir alle haben uns an Annehmlichkeiten des modernen Lebens gewöhnt und jeder Einschnitt, egal wo er passiert, ist schmerzhaft. Aber nur wenn überall schmerzhafte Einschnitte passieren wird sich spürbar etwas verbessern lassen. Die Betonung liegt dabei auf “überall”. – Alexander Kratochwil


Leserbrief zu „Soll man gegen Masern impfen?“ von Jan Schweitzer

Ich habe starke Zweifel an der Plausibilität der Zahlen in dem Artikel „Soll man gegen Masern impfen?“. Nach den Angaben des Artikels sterben an Masern ein bis zwei von 1000 Menschen, die an Masern erkranken. Weiter heißt es in dem Artikel, dass die Masernimpfung seit der Jahrtausendwende „mehr als 20 Millionen Menschenleben gerettet“ habe. Passen diese beiden Zahlen zusammen? Wenn beide Angaben stimmen, müsste man durch Impfungen seit der Jahrtausendwende zehn Milliarden Masernfälle verhindert haben, um zu erreichen, dass tatsächlich 20 Millionen Menschen weniger an Masern sterben. (Dabei habe ich schon den Höchstwert von zwei Todesfällen pro 1000 Erkrankungen angenommen.) Man müsste also mindestens zehn Milliarden Menschen seit der Jahrtausendwende geimpft haben – mehr als es Menschen auf der Welt gibt. Kann das sein? (Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass ich die Tatsache außer Acht gelassen habe, dass nicht jeder Nicht-Geimpfte auch tatsächlich erkrankt. Dies mitbedacht müsste die Zahl der Impfungen nochmals höher sein als die errechneten 10 Milliarden.) Es würde mich freuen, wenn Sie den Sachverhalt aufklären könnten. Danke im Voraus! – Ludwig-Michael Cremer


Leserbrief zu „Heißer Typ“ von Antje Joel

Die Würdigung eines „Shitstorms“ gegen einen als sexistisch empfundenen Werbespot hätte ich eigentlich in der Kategorie „Prominent ignoriert“ erwartet, schließlich ist so etwas mittlerweile in schöner Regelmäßigkeit zu beobachten – wenn auch nun, und da wird’s dann doch interessant, mit vertauschten Geschlechterrollen. Als überzeugter Vertreter der klassischen Rasierhobel-Methode gehöre ich nicht zur Gillette-Zielgruppe. Dennoch fordert Ihr Artikel, nachdem man den Spot nun zum ersten Mal gesehen hat, zu einigen Gedankenexperimenten heraus. Erstens: Würde der Spot typische Frauen- anstatt Männerbilder thematisieren, empfänden Sie ihn als sexistisch? – Zweitens: Hat die zurückliegende metoo-Debatte mit ihrem vereinfachten Täter/Opfer-Rollenschema das gereizte Klima für die Kritik und die teilweisen verbalen Ausfälle wie in den Kommentaren unter diesem Spot erst geschaffen? – Drittens: Wie viel glaubwürdiger wäre Ihre Kommentierung des Themas, käme sie ohne berüchtigte Halbwahrheiten wie die des 21-prozentigen „Gender Pay Gap“ (der, wie Sie sicher wissen, unterschiedliche Berufsbilder sowie Voll- und Teilzeit hinkend miteinander vergleicht) aus? – Daniel Kemper


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Nein“ von Stefan Willeke

Da Sie nur über 23 Jahr alte Daten verfügen, stelle ich Ihnen meine taufrischen Daten zur Verfügung : wenn ich hier in Frankreich die 130-km/h Beschränkung ausfahre, plus die 5 % Toleranz bevor die Radarfalle zuschnappt, dann verbraucht mein Skoda Super 2 l Diesel 6,5 l pro 100 km, einschliesslich Stadtverkehr bis ins Zentrum von Paris. Wenn ich den Tempomat auf 120 stelle und nur beim Überholen von Lastern mal kurz beschleunige, dann sind es 6l/100km. Konstant seit knapp 5 Jahren. Ob moderates Fahren eine Frage von Freiheit ist oder von Grips, das soll jeder für sich entscheiden. – J. Müller-Borle


Leserbrief zu „Wie geht es dem Wasser?“ von Tim Kalvelage et al.

Der Bericht über die Meeresverschmutzung ist zutiefst empörend und beängstigend. Schauen wir tatenlos zu, wie die Lebensgrundlage des Planeten zu Grunde gerichtet wird? Es geht ums Ganze, begreifen wir das eigentlich? Oder nehmen wir es als gegeben hin, als Schicksal als „wir können nichts machen“? Es gibt Möglichkeiten, den Dreck zu entfernen. Zumindest an der Meeresoberfläche. Damit grenzt man den Zerfall des Mülls in kleine Teile ein. Die Organisation „THE OCEAN CLEANUP“ hat ein Verfahren entwickelt, den Plastikmüll abzufischen. Bedauerlicherweise haben sich technische Probleme ergeben. Diese sind aber zu beheben. Jede neue Erfindung hatte mit Problemen zu kämpfen. Ich startete im Oktober 2018 eine Petition auf <change.org>, in der ich die deutsche Bundesregierung auffordere, sich finanziell am Projekt „ THE OCEAN CLEANUP“ zu beteiligen und deutsche Hochseefischer finanziell so auszustatten, dass auch diese den Plastikmüll abfischen können. Sollte sich zeigen, dass diese Vorgehensweisen nicht praktikabel sind, sollen Forschungsgelder für ähnliche Projekte freigemacht werden. Man darf und kann den Müll nicht in den Meeren belassen. Ich bin 73 Jahre alt und habe das Glück, noch einen 6 jährigen Sohn bekommen zu haben. Ich will dass dieses Kind in einer Welt groß wird, die ihm eine möglichst gesunde und lebenswerte Zukunft bietet. Es muss gehandelt werden. Echte, handfeste Hilfe ist notwendig. – Carl-Thomas Wiese


Leserbrief zu „Viel besser als Fußball“ von Cathrin Gilbert

Die Handball-WM war in der Tat ein tolles, mitreißendes Event. Denn der Handball hat wieder einmal wahren Sportsgeist und Charakter bewiesen, hat maximale Leistungen bei minimalem Anspruch auf Heldenverehrung und exorbitanter Entlohnung abgeliefert. Mit den Akteuren ist, über nationale Befindlichkeiten hinaus, ein als ehrlich und fair empfundenes Verhältnis zwischen Sportlern und Publikum, eine „gesunde“ Identifikation, möglich gewesen. Und obschon die deutsche Mannschaft am Ende ihr sportliches Ziel verpasst hat, Respekt und Anerkennung sind ihr sicher. Weil die Mannschaft um Trainer Prokop es mit leidenschaftlichem Einsatz verdient hat. Und weil wir Zuschauer auch gerne den Richtigen zujubeln. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Genug gespielt. Jetzt wird’s ernst“ von Martin Machowecz

Das Theater krankt schon seit Jahren an diesen Feudalherren, wie Lösch es einer ist. Niemand zwingt diese Altherren-Regisseure dazu so zu arbeiten. Aber sie genießen es das Sagen zu haben und entscheiden zu dürfen wessen Meinung sie interessiert und welche nicht. Wie schrecklich ist die Vorstellung, dass ein Regisseur dieses Kalibers nun als nächstes ein Stück über die Macht-Struktur am Theater erarbeiten wird, die er ja ganz offensichtlich genau so weiterlebt. Wären die Herren Intendanten wenigstens hier einmal mutig gewesen! – Johanna Rosenleitner


Leserbrief zu „Heißer Typ“ von Antje Joel

Mich wundert immer wieder , wie Attacken gegen „die Männer“ mit dem 21 % geringeren Durchschnittsverdienst der Frauen befeuert werden, die z.T. freiwillig , z.T. unfreiwillig Teilzeit arbeiten oder sich nieder dotierte Arbeitsplätze aussuchen. Des weiteren klagt Antje Noel über das frauenfeindliche Selbstbild der Männer, wobei die Alleinerziehenden, die Erziehenden in Kitas, Grundschulen und Schulen bis zum Abitur,doch in der Mehrzahl Frauen sind. Haben diese etwa den Heranwachsenden ein falsches Bild eingepflanzt? – Alois Lienhard


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Sich auf 4 Seiten mit dem Thema Abitur und dem Umgang mit einer veränderten Schülerschaft zu beschäftigen, ohne auch nur zu erwähnen, dass das Abitur auch an Gesamtschulen mit einer gymnasialen Oberstufe abgelegt werden kann, ist nicht nur hochgradig ignorant, sondern lässt auch fachlich viele Fragen offen. Enthalten z.B. die Zahlen über die Unterschiede in den einzelnen Bundesländern nur die Daten der Gymnasien? Eine derartige Behandlung dieses Themas ist der Zeit nicht würdig! – Alice Graschtat


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Wer wie ich häufig auf ausländischen Autobahnen unterwegs ist, wird es zu schätzen wissen, wie stressfrei das Fahren mit Tempolimit ist. Und ob unsere Enkel es mal cool finden werden, dass wir tonnenschwere, PS-starke Autos mit Tempo 180 über Autobahnen gehetzt haben, obwohl wir es besser wussten? – Joachim Konrad


Leserbrief zu „Schnell raus hier: Aber wann?“ von Petra Pinzler

Die Zukunft ist jetzt
Sie schreiben die Kohlekommission berät, um die selbstgesteckten Ziele bis 2020 zu erreichen. Das ließt sich so, als hätten sie den Artikel nicht 2019 verfasst, denn 2020 wäre schon nächstes Jahr! Interessanter als die Beschreibung des Geplänkels wäre auch gewesen anzugeben, wieweit wir denn noch von den selbst gesteckten 40% weniger (vgl. 1990) sind. Deutschland muss dann wohl nicht in 10 Jahren zugeben die Klimaziele nicht erreicht zu haben, sondern schon nächstes Jahr! – Philipp Sadler


Leserbrief zu „Zukunft kommt erst später“ von Christiane Grefe

Der Artikel über Frau Klöckner ist zu einseitig. Bedenken Sie doch die andere Seite: Das Wirken der Frau Ministerin spart der Agrarindustrie Millionen und Abermillionen an Kosten für den Lobbydienst. Dieses hat zur Folge, dass sich die Ertragslage der Agrarindustrie deutlich verbessert. Sie ist dadurch international wettbewerbsfähiger und kann erfolgreicher ihre Produkte, etwa nach Afrika, exportieren. Im Gegenzug bekommt die Agrarindustrie via Mittelmeertransfer billige Arbeitskräfte. Es kommt immer auf die Perspektive an. – Helmut Schmitz


Leserbrief zu „Hauptsache, starke Bilder“ von Thomas Assheuer

Wann werden Sie Chefredakteur? Die Redaktion der ZEIT kann sich glücklich schätzen, einen so kritischen Geist in ihrer Mitte zu haben wie den Ihrigen. Ihr Artikel „Hauptsache, starke Bilder“ brachte es wieder voll auf den Punkt und hat in angemessene Worte übersetzt, was ich schon lange dumpf ahnte (heutzutage dient die Kunst nicht mehr einer Wahrheitsfindung, sondern einer dekorativen „Sinnfindung“). Kann es nicht mehr von Ihresgleichen geben, die ein Geschichtsbewusstsein besitzen, Zusammenhänge herstellen und das auch noch alles so unaufdringlich formulieren können? Menschen, die ihren Verstand noch nicht in ihrem Smartphone geparkt haben? – Ulrike Burbach


Leserbrief zu „Heißer Typ“ von Antje Joel

Warum schreien Sie die Männer an, die die Gillette-Kampagne kritisieren? Es überrascht wohl niemanden, dass nicht jeder Mann die Veränderungen des Männlichkeitsbildes in unserer Gesellschaft begrüßt. Weiterhin frage ich mich, ob Sie glauben, diese Männer mit einem Artikel in der ZEIT zu erreichen und ob Anschreien sie wohl umstimmen wird. Schade, dass Sie mit keinem Wort erwähnen, dass es ein sehr positives Zeichen der Veränderung (und ein ziemlich beeindruckender Schritt ist), wenn Gillette so eine Kampagne startet. Ich kann mir die harten Diskussionen im Vorstand von Gillette gut vorstellen, die dieser Entscheidung vorausgegangen sein müssen. Können Sie sich vorstellen, dass eine Bank sich derart kritisch (und auch witzig) mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt? Oder ein Automobilunternehmen? Eher nicht. Von daher: Hut ab! Gratulation an Gillette. – Dr. Axel Sprenger


Leserbrief zu „Grundriss für eine globale Gesellschaft“ von Sebastian Buckup

… es gibt keinen fertigen Bauplan..? Eine globale Ordnung die Naturgesetze außer Kraft setzt? Ich denke, das Gegenteil trifft zu: Es braucht die Einheit in der Vielfalt. So wie der menschliche Körper aus Milliarden verschiedenen Zellen besteht, die in völligem Einklang zusammenwirken, so kann und muss die Menschheit zusammenarbeiten und dabei die Individualität des Einzelnen wertschätzen. Wie das funktionieren kann? Indem ein gemeinsamer Werterahmen für alle zugrunde gelegt wird. Das heißt, jeder Mensch sollte die gleiche Werteerziehung erfahren, um so die gemeinsame Handlungs- und Beziehungsebene zu schaffen. Es geht um Wahrhaftigkeit, Vertrauenswürdigkeit, Demut, Dienst für die Menschheit etc. Macht wird nicht mehr definiert von „oben“ nach „unten“, sondern die Basis trägt die Struktur- so wie in der Architektur! Ja, es gibt sie bereits – die dazugehörigen Baupläne, die eine neue Weltarchitektur ermöglichen und die bereits weltweit von Millionen Menschen angewendet wird: Nachzulesen unter www.bahai.de oder www.bahai.org – Marion Claus


Leserbrief zu „Erfurter Erinnerungen“ von Ulrike Gastmann

Die Geschichte ihrer Autorin geht mir sehr nah, weil ich eine ähnliche Biographie habe Stammend aus Dresden, aber Erfurt ist mir auch bestens bekannt. Wenn man das alles erlebt hat, wird man politisch sehr sensibel und was ich heute mit der unsrigen Politik erleben muß, läßt mich wiederum verzweifeln. Deswegen lebe ich heute vorwiegend in Singapur, in einem Land das über vernünftigere Politiker verfügt. Deswegen ist auch der Wohlstand um ein vielfaches höher als in Westeuropa. Und das Erlebnis ihres Protagonisten mit Willy Brandt kann ich gut nachvollziehen, obwohl ich mit seiner Politik ganz und gar nicht einverstanden war. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten wir heute immer noch zwei Staaten. Das Bild von Willy Brandt wird in den Medien gern verzerrt dargestellt. Das hatte alles Methode. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Übers Tempolimit wird bei uns in ähnlich kurioser Weise gestritten wie in den USA über das Recht, Waffen zu tragen. Das Recht zu rasen kommt mir vor wie unser Second Amendment: eine unantastbare, mit Freiheitssymbolik aufgeladene nationale Eigenart, die der Rest der Welt nicht verstehen kann. Ein Tempolimit «bringt nichts»? In unserem Wagen zeigt die Verbrauchsanzeige bei 120 km/h eine 5,5, bei 160 km/h schon eine 8. Die physikalische Gesetzmäßigkeit dahinter heißt Luftwiderstand, ihr sind alle Autos gleichermaßen unterworfen. Weshalb sollte ich meine Beobachtung nicht für repräsentativ halten?

Die Legitimation von kostspieligen Klimaschutzgesetzen -z. B. der regelmäßig verschärften Energieeinsparverordnung für Gebäude- leidet darunter, dass der Gesetzgeber nicht zunächst kostenlose Sparpotenziale aktiviert hat. Ein Tempolimit kostet nichts; die Autofahrer würden durch den gleichmäßigeren Verkehrsfluss mehr oder minder entlastet. Die Legitimation von auf die Spitze getriebenen gesetzlichen Sicherheitsstandards -Beispiel Brandschutz- leidet darunter, dass der Staat es unterlässt, die Menschenleben zu schützen, die er allein durch einen legislativen Federstrich retten könnte. Spaßbremse Tempolimit? Wer fragt mich, ob es mir Spaß macht, bei «Richtgeschwindigkeit» von der linken Spur abgedrängt zu werden, um mich in die LKW-Kolonne einbremsen zu müssen? Wieso wird nur das Vergnügen der Schnellfahrer als schützenswertes Rechtsgut gefeiert? Kann nicht auch einmal die Freude von uns Durchschnittsfahrern am stressfreien und unheroischen Dahingleiten in die politische Abwägung einbezogen werden? – Erich Frank Pössl


Leserbrief zu „Und ihr so?“ von Stefan Beuse

Also als ich letztes Jahr auf Mauritius aus dem Flugzeug gestiegen bin, war der Flughafen noch am anderen Ende der Insel.. – Jana


Leserbrief zu „Schnell raus hier: Aber wann?“ von Petra Pinzler

Ich finde Ihren Artikel über die Arbeit der Kohlekommission ausgezeichnet. Das kann man in Aussage und Stil nicht besser machen, was schon Ihre Reportagen über den Hambacher Forst ausgezeichnet hat. Ich möchte allerdings auf einen Lapsus hinweisen, der Ihnen im fünften Absatz unterlaufen ist. Er beginnt mit: „Die Vertreter der Industrie wollen sich […].“ und fährt im zweiten Satz fort: „[…], ab wann wie viel Gigawatt Kohlestrom weniger produziert werden darf.“ In einem Kraftwerk wird elektrische Arbeit produziert. Das ist das Produkt aus elektrischer Leistung und Zeit, das sind in diesem Fall also Gigawattstunden. Ich bin sicher, Sie wissen, dass Sie in Ihrem Haushalt den Verbrauch an elektrischer Energie in Kilowattstunden (kWh) bezahlen. Das wars schon. – Dr. Imhof


Leserbrief zu „Hauptsache, starke Bilder“ von Thomas Assheuer

Ein wenig irritiert bin ich angesichts Ihrer Aussage, die postmoderne Lehre sehe die Hauptaufgabe der Kunst in der Schaffung von Sinn. Die Definition des Postmoderne ist seit dem Aufkommen des Begriffes bereits unmöglich, die Verkürzung auf einen Satz daher bereits in sich schwierig. Aber angesichts Lyotards „guerre au tout“, eklektizistischem Zitieren, der Idee, Absage an die vorherrschende Macht der menschlichen Vernunft, Derridas Dekonstruktion, das Hinterfragen der Zeichenhaftigkeit der Welt (Baudrillards Simulacrum)… die Liste könnte noch weiter fortgeführt werden, aber ich glaube, die Tendenz ist klar. Ich sehe schon, dass zum Ende Ihres Artikels der Sinn dekonstruiert wird. Aber heißt das, dass deshalb Ihr gesamter Artikel Sinn zerstören muss? – Gesine Heger


Leserbrief zu „Heißer Typ“ von Antje Joel

Ich habe gerade die Zeit zum Entdecken gelesen und mich über den Beitrag zur Gillette Werbung geärgert. Geärgert, weil ich das Gefühl hatte, nichts Neues zu erfahren. Weil der Blick auf die Youtube Kommentatoren von so weit oben kam. Wie mutig wäre es gewesen, wenn die Autorin zumindest auseinander genommen hätte, was diese Kommentare bei ihr alles auslösen (Wut? Angst? Hilflosigkeit? Frust?) Noch viel mehr hätte mich allerdings ein Gespräch mit den Kommentatoren interessiert. Was bewegt sie? Wovor haben sie Angst? In kurz, ich hätte mir mehr Empathie und Perspektivwechsel gewünscht und weniger Wiederkauen von dem, was die eigene Filterbubble nicken lässt. – Tina Röbel


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Danke für das Expose von Bernd Ulrich. Sachlich und frei von Polemik nimmt er sich des Themas an. Seine positiven Argumente will ich noch ergänzen. Wer viel im Ausland unterwegs ist und den Verkehrsfluss in den 20 Nachbarstaaten mit einem Tempolimit beobachtet, stellt fest, dass der gleichmäßige Verkehrsfluss durch Wegfall der sehr großen Geschwindigkeitsunterschiede zu mehr Gelassenheit, mehr Fairness, weniger Unfällen und auch geringeren Unfallfolgen führt; letztlich auch zu weniger Staus, was auch Untersuchungen und eigene Beobachtungen bestätigen. Untersuchungen des Umweltbundesamtes von 1999 besagen, dass der Ausstoß von CO2 bei Tempo 120 um 9 % zurückging. Nun sind 20 Jahre vergangen; ich kann mir vorstellen, dass bei den heutigen größeren, schwereren und leistungsstärkeren Fahrzeugen ein noch günstigerer Wert heraus käme. Aber darauf kommt es gar nicht an. Da an vielen Stellschrauben gedreht werden muss, um die 55 % weniger CO2 bis 2030 zu erreichen, müssen verschiedene Möglichkeiten zur Erreichung dieses Zieles genutzt werden. Dazu gehört auch ein Tempolimit von 130 km/h auf den Autobahnen ! Ich will mich nur auf das Thema Tempolimit beschränken und auf Herrn Willekes Polemik antworten. Er will nicht, dass der Staat „Symbolpolitik“ betreibt und macht selbst welche ! Außerdem, mit Symbolen wurde immer gearbeitet. Ich antworte Herrn Willeke mit einer Symbolik aus dem 17. Jahrhundert im Gemälde von Jan de Veldes mit dem Thema Luxus, Ausschweifung und der Nichtigkeit irdischer Güter : Die Symbolik trägt den Titel „Wir sitzen oft im Luxus, während der Tod näher ist, als wir ahnen“ ! Es geht auch nicht um die Rettung der Welt – diese kommt auch ohne die Menschen aus – sondern darum, das Leben für unsere Nachkommen noch erträglich zu machen. Und deshalb müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Immerhin sind 51 % der befragten Bürger für die Einführung eines Tempolimits, nur 47 % dagegen. Da müsste doch ein Konsens möglich sein. Auch wenn der Verkehrsminister der Mehrheit den „Menschenverstand“ abspricht. Ich sage das, obwohl ich als Dipl.-Ing. aus der Autobranche komme – und in der Mitte der 80ger stehend, sei mir ein Anflug von Altersweisheit gestattet ! – G.Pape


Leserbrief zu „»Mein Gott, was war mit uns los?«“ von Frank Bajohr

Frank Bajohr schildert das Fernsehereignis des Jahres 1977 mit vielen Details und zutreffenden Beobachtungen. Aber seine Betrachtung bezieht nicht alle Facetten ein. Es ist müssig, alle Einzelheiten aufzuführen, die damals der Ausstrahlung von Holocaust vorausgingen. Aber der Tenor des Beitrags verlangt einige Korrekturen. Zureffend ist, dass die Serie zwar weitgehend In Deutschland gedreht worden war, aber davon hatte so gut wie keiner er deutschen Medienjournalisten etwas mitbekommen (Der Autor dieser Zeilen war damals bei der Süddeutschen Zeitung zuständig für diesen Bereich.) Erst nach der Ausstrahlung im amerikanischen ‚Fernsehen im April 1977 erschienen auch in Deutschland einige Meldungen. In einigen von Ihnen war der in Deutschland unübliche Begriff von der Soap opera verwendet worden. Nicht zuletzt mit dem Unterton, dass die Amerikaner mit ihrem schrillen kommerziellen Fernsehen sicher nicht in der Lage wären, die Naziperiode der deutschen Geschichte angemessen aufarbeiten könnten. Die ersten nachdenklicheren Stimmen waren nach der Ausstrahlung in Israel zu vernehmen. Es war dann der WDR, der in der Programmkonferenz der ARD den Vorschlag machte, den Vierteiler anzukaufen. Helmut Oeller, der Programmdirektor des Bayerischen Fernsehens sträubt sich am heftigsten dagegen. Er drohte tatsächlich, sich aus dem Gemeinschaftsprogramm der ARD auszublenden, wenn die Serie dort plaziert würde.

Gleichzeitig gab es eine Reihe von Programmverantwortlichen und Redakeuren, die den Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen wollten , das deutsche Fernsehen hätte sich gescheut , das Thema des Judenmords zu behandeln. Immer wieder wurde auf die NDR-Produktion „Ein Tag“ verwiesen, in der der Regisseur Egon Monk einen Tag in einem der KZs dramaturgisch rekonstruiert hatte. Und es gab tatsächlich auch noch viele andere Beiträge. Es war vor allem der damalige Fernsehspielchef des WDR Günther Rohrbach, der seinen Sender davon überzeugte, die Serie zu kaufen, ohne zu wissen, auf welchem Weg man sieh dem Publikum zeigen kann. Man einigte sich dann, zum ersten Mal die fünf Dritten Programme, die es damals gab, für vier Abende zusammen zu schalten und jede Folge mit einer Diskussionsrunde zu ergänzen. Das Gerangel um den Kompromiss hatte einen großen Vorteile, der nicht unbedingt in der Absicht ihres Schöpfers lag. Das Interesse an „Holocaust“ stieg beachtlich, obwohl die deutsche Fassung noch gar nicht fertig war. Allerdings war der Ausstrahlungstermin inzwischen festgelegt. . In großer Zeitnot bereitete der WDR eine große Pressevorführung in Köln vor. Mehr als hundert Journalisten reisten in Köln an, um an zwei aufeinanderfolgenden Tagen alle vier Folgen anzuschauen. Als einer der Experten war auch Eugen Kogon dabei, der als betroffener KZ-Häfling schon 1945 das erste Buch über den „SS-Staat“ geschrieben hatte.

Und dann kam die entscheidende Wende. Die Journalisten und Kritiker (der Autor eingeschlossen)waren fast alle in dem Bewusstsein angereist, ein typisch amerikanisches Massenprodukt vorgeführt zu bekommen, dessen Dramaturgie auf den Geschmack der amerikanischen Zuschauer ausgerichtet ist. Nach der Vorführung der ersten zwei Folgen, war von dieser Überheblichkeit kein Funken mehr zu spüren. Und in diesem Fall kann man von einem Versagen der Presse kaum mehr reden. Günther Rühle, der damalige Feuilleton-Chef des FAZ nutzte eine ganze Seite, um seinen Lesern „Holocaust ans Herz zu legen. Ich selber habe auf der Rückfahrt nach München einen Plan entworfen, wie wir an jedem der vier Ausstrahlungstage das Programm auch in der Zeitung angemessen begleiten konnten. Belohnt wurden wir von den Zuschauern, deren Zahl von Folge zu Folge stieg. Alle Journalisten, die an der Vorführung teilgenommen hatten, haben ihren Beitrag dazu geleistet, dass die Reihe ein solcher Erfolg wurde. Den größten Beitrag haben aber die Zuschauer selber geleistet, die ebenso wie die Journalisten gespürt haben, dass ihnen „Holocaust“ die Chance gab, sich mit der schrecklichen Wahrheit zu befassen.

Ein Nachsatz; Als einen Beitrag zur Begleitung in der Ausstrahlungswoche hatte ich einen Aufsatz des Kollegen Heiner Michel gewählt, der auch als Drehbuchautor tätig war. Unter dem Titel „Warum haben wir „Holocaust“ nicht geschrieben?“ hatte er sich mit den Schwierigkeiten der Deutschen im Umgang mit ihrer Vergangenheit befasst. Als Beispiel stellte er in seinem Artikel die Frage, warum in der deutschen Buchausgabe von „Holocaust“ein Absatz fehlte, der sich mit dem Einsatz von Zwangsabeitern bei der deutschen Firma Siemens beschäftigte. Zwei Tage später teilte mir Chefredakteur Hans Heigert mit, dass der Pressesprecher von Siemens sich beschwert habe, dass es eine solche Passage in der amerikanischen Ausgabe nicht gebe. In der einzigen Münchner Buchhandlung, die englisch-sprachige Bücher anbot, besorgte ich mir die Ausgabe. Und ich fand den Satz. – Karl-Otto Saur


Leserbrief zu „Über das Kranksein“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Bitte sterben sie nicht! Es wäre ein grosser Verlust für ihren Hund, ihre Frau, ihr Kind, die Leserschaft des Zeitmagazin und die ganze Welt. Bitte, bitte nicht. – Max Weber

Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Ich frage mich, wie es kommt, dass mir beim Namen Andreas Scheuer im Zusammenhang mit dem Tempolimt auf Autobahnen immer Puh der Bär einfällt, von dem es heißt: „Denn wenn man ein Bär von sehr wenig Verstand ist und sich etwas ausdenkt, merkt man manchmal, dass dieses Etwas ganz anders aussieht, wenn man anderen davon erzählt“. Nur dass Andreas Scheuer es nicht eimal merkt! (Im englischen Original klingt das noch viel treffender). – Sven Herfurth


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Ja“ von Bernd Ulrich

Ich sage ganz klar Ja zum Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Selbst wenn man, wie leider auch Herr Scheuer, CO2 und Feinstaubemissionen ignoriert, gibt es viele weitere Aspekte, die deutlich dafür sprechen. Nein, der Staat hat nicht die Aufgabe, seine Bürger zu beschränken, aber sehr wohl die Aufgabe sie zu schützen. Weniger Tempo bedeutet weniger Lärm, weniger Stau, weniger und weniger schwere Unfälle. Wer es nicht glaubt, fährt auf den Autobahnen in NL: Das Fahren ist viel entspannter, wenn alle mit etwa der gleichen Geschwindigkeit unterwegs sind. Da gibt es kein aggressives Verhalten, keine Nötigung, keine Drängelei, kein Hoppen zwischen den Spuren. Mein Eindruck ist, dass Stockungen und Staus vermieden werden und der Verkehr auch in Spitzenzeiten zumindest fließt. Es ist nicht einzusehen, warum nicht auch in Deutschland die Vernunft einkehren darf. Wir sind auch viel zu zimperlich, wenn es um das Strafmaß bei Verstößen gegen Tempolimits geht. Hier lohnt sich der Blick zu unseren Nachbarn ebenfalls. – Sylvia Kuper


Leserbrief zu „»Mein Gott, was war mit uns los?«“ von Frank Bajohr

Für mich – Jahrgang 1953 – hat die Serie “Holocaust” nichts Neues gebracht. Habe mich gewundert, dass viele Zuseher schockiert waren. In Gesprächen fand sich rasch die Erklärung. Im Geschichtsunterricht wurde damals wenig über den 2. Weltkrieg und kaum etwas über die Judenverfolgung berichtet. Mein Wissen bezog ich ganz komfortabel über das hören eines wertvollen Radioprogrammes – ORF Oe1! In Deutschland hätte man wahrscheinlich durch hören von DLF denselben Informationsstand gehabt. Es bestätigt sich damit, dass manche Themen nicht über normale Informationen, sondern nur über spektakuläre Filme einer breiten Schicht nahe gebracht werden können. Damit werden leider viele demokratischen Prozesse zu einem Spielball der Unterhaltungsindustrie. – DI Manfred Uttenthaler


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Verbindliche Schulformempfehlungen können vor Fehlentscheidungen bewahren. Ob sie aber dem individuellen Leistungsvermögen der einzelnen Kinder schon allein aufgrund des breiten Altersspektrums gerecht werden können, ist zu bezweifeln. Da gibt es Schüler, die erst kurz vor dem Ende des 4.Schuljahres 10 Jahre alt werden. Sie konkurrieren dann mit denen, die bereits zu Beginn des neuen Schuljahres ihren 11. Geburtstag feiern. Diese Altersspanne von fast einem Lebensjahr kann sich negativ auf die Leistungen auswirken, hat sie doch Einfluss auf die Reife und damit zusammenhängende Qualifikationen wie Arbeitsverhalten und zum Teil auch intellektuelle Fähigkeiten.

Hinzu kommen zusehend überhöhte Anforderungen der Eltern. Warum nutzen sie nicht das gute Angebot an Schulformen in unserem Land und schicken ihren Nachwuchs auf eine zu ihm passende Schule? Mit noch so viel Engagement, individueller Förderung der Lehrer oder auch privater Nachhilfe können nicht alle Begabungsunterschiede aufgefangen werden. Ein Blick in die Zukunft könnte manchem zu denken geben: Wir haben über 40%Studienanbbrecher. Also: Gymnasium und Abitur sind nicht die einzige Option. – Gabriele Gottbrath


Leserbrief zu „Genug gespielt. Jetzt wird’s ernst“ von Martin Machowecz

Der Regisseur Lösch hält vor 50 Linksaktivisten, die er als Gleichgesinnte auf die Bühne lädt, ein Plädoyer gegen Meinungskontrolle. Linksaktivisten sind ja bekannt dafür, daß sie die Meinung anderer gelten lassen. Was Rösch von der Meinungsfreiheit seiner Mitarbeiter hält, wird durch den Artikel auch deutlich. Nämlich gar nichts, wenn sie andere Auffassungen als er haben. Der stets systemkritisch auftretende Regisseur sollte einmal über sein eigenes Unterdrückungssystem nachdenken. Was von einem solch ideologisch verblendeten Menschen allerdings nicht zu erwarten ist. – Karl-Heinz Eckert


Leserbrief zu „Genug gespielt. Jetzt wird’s ernst“ von Martin Machowecz

Ihren Artikel,- sowie den damit verbundenen Beobachtungen der Inszenierung am Dresdner Staatsschauspiel,- werden hoffentlich in Deutschland viele Leser zur Kenntnis nehmen. Dass wir uns nicht schon längst fragen müssten, – wohin diese Partei „uns“ führen soll,- ist für mich ein Beispiel mangelnden Bewusstseins, – verbunden mit der Vorstellungskraft, – was da auf uns zukommen könnte, wenn die AfD zunächst (später womöglich auch in anderen Bundesländern) nur in Sachsen eine deutliche Mehrheit erhalten sollte. Ich will hier nicht über Versäumnisse der Politik – gerade auch in Sachsen , – und deren Folgen wir längst spüren, – sprechen. Ein erschreckendes Lehrstück war für mich, – der Artikel im Dossier über den Holocaust,- der die damaligen Hintergründe und Reaktionen der Menschen im Nachkriegsdeutschland thematisierte ,- und einige Menschen, – sehr viele Jahrzehnte später, – weinend ihr Fehlverhalten in der Zeit des Nationalsozialismus erkannten! Ich denke,- es ist höchste Zeit, – dass Dinge deutlicher benannt werden,- und es ist sehr wichtig, – dass der Regisseur Herr Lösch mit seiner Zuspitzung des Stückes – dieses Thema aufgreift. Genauso wie es B.Brecht zu seiner Zeit getan hatte! Ich danke Ihnen!

P.S.Im Jüdischen Museum Berlins, – berichtete ein ältere Dame in New York lebend,- in einer Aufzeichnung,- wie sie sich als Kind geschämt hatte,- dass der Großvater, – dem die Firma Levy gehörte, – der mit vielen BAUHAUS Architekten gearbeitet hatte,- und dessen Eisengussarbeit „DEM DEUTSCHEN VOLK“ im Giebel des Haupteingangs des Reichstages noch heute zu lesen ist, – als JUDE nur auf „gesonderten“ – gelben – Parkbänken sitzen durfte! Er war schwer herzkrank! Als Erwachsene, – so ihre Aussage „habe ich mich geschämt, – dass ich mich geschämt hatte!“ – Marion Detzler


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Nein“ von Stefan Willeke

Als Lehrer, der diese Gegendarstellung als Aufsatz zu benoten hätte, gäbe ich die Note 5 mit dem Kommentar: „Thema verfehlt“. Es geht nicht um den Autor Stefan Willeke, der von sich und seinem Auto und dessen Benutzung als Jugendlicher schwafelt. Es geht um die Gründe, die gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 130 auf Autobahnen sprechen. Es gibt keinen vernünftigen Grund gegen diese längst überfallige Maßnahme. Frankreich, Schweiz, Österreich als direkte Nachbarn machen uns das vor. – Dr. Friedrich Münscher


Leserbrief zu „Schnell raus hier: Aber wann?“ von Petra Pinzler

Ein Pyrrhussieg für die Zukunft – München macht vor, was getan werden müsste
Der Ausstieg aus der Kohleverbrennung bis 2038 ist weder an den Möglichkeiten noch an der vertraglichen Vereinbarung von Paris und schon gar nicht an den Notwendigkeiten des Klimaschutzes orientiert, sondern an den Mindestlaufzeiten der neu zugebauten Kohlekraftwerke, d.h. an den Profitinteressen der Energiekonzerne. Zugleich wird deutlich, dass es an einem zukunftsfähigen Gesamtkonzept fehlt: So viel Wind und Sonne kann gar nicht zugebaut und gespeichert werden, um allein den gigantischen Energiebedarf der Industrie 24 Stunden am Tag sicher zu decken. Und was ist mit den 20 Millionen Öl- und Gasheizungen und den rund 47 Millionen Kraftfahrzeugen allein in Deutschland, die überwiegend weiter fossil betrieben werden? Schlimmer noch: Offenbar plant die Bundesregierung die Kohleverbrennung durch den – teureren – fossilen Energieträger Erdgas zu ersetzen. Dies machte Bundeskanzlerin Merkel parallel auf dem „Weltwirtschaftsforum“ in Davos deutlich: „In Deutschland werde angesichts des geplanten Kohleausstiegs in den kommenden Jahrzehnten Erdgas eine größere Rolle spielen. … Das Gas werde weiterhin aus Russland kommen, möglicherweise aber auch als Flüssiggas aus den USA und anderen Ländern. Die Infrastruktur werde in alle Richtungen ausgebaut,“ erklärte Frau Merkel. Mit „Infrastruktur“ ist die zweite, von ihr persönlich auf den Weg gebrachte Erdgaspipeline aus Russland, „Nordstream II“, gemeint, sowie neue Anlandeterminals für Flüssiggas in der Elbmündung. Und natürlich neue Gaskraftwerke für eine sichere Strombereitstellung. Ergänzend fördert die Bundesregierung den Ersatz von Ölheizungen durch Gasheizungen mit Steuermillionen. Es geht also gar nicht um den dringendst benötigten schnellstmöglichen Ausstieg aus der fossilen Verbrennung, sondern um deren langfristige Absicherung. Auf diese Weise wird das hochgradig Energie verschwendende wie CO2-trächtige Geschäftsmodell der Energiekonzerne mit seiner getrennten Strom- und Wärmeerzeugung bzw. die überteuerte und damit extrem renditeträchtige zweifache Verbrennung fossiler Energieträger strukturell abgesichert. Gleichzeitig werden die tatsächlichen Alternativen, die Kraft-Wärme-Kopplung und die Tiefenerdwärme, seit Jahrzehnten zum „Wohle“ der Energiekonzerne planwirtschaftlich be- und verhindert. Die Stadtwerke der Millionenstadt München machen zur Zeit vor, wie die Komplettumstieg auf Kraft-Wärme-Kopplung und Tiefenerdwärme trotz restriktiver Rahmenbedingungen innerhalb weniger Jahre bewerkstelligt werden kann. Berichtet wurde darüber weder auf den Weltklimakonferenzen noch in der Kohlekommission. Dabei könnte und müsste München schon lange und weltweit überall sein. Einschließlich des dadurch ermöglichten Ersatzes von Erdgas, Benzin, Diesel und Kerosin durch regenerativen Wasserstoff. – Während draußen tausende Schüler für ihre Zukunft demonstrierten, haben sich schlecht informierte Umweltverbände drinnen von den Lobbyisten über den Tisch ziehen lassen und einen Pyrrhussieg für den Klimaschutz eingefahren, als Teil einer insgesamt dramatisch verantwortungslosen Politik. – Heidger Brandt


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Die Problematik ist mehrdimensional zu interpretieren. Entweder sind die Anforderungen zu hoch oder die Ausführungen der Protagonisten zu schlecht. Vermutlich eine Mischung aus beiden Phänomenen mit einer stärkeren Ausrichtung zur Leistungsschwäche und Überforderung. Dafür würde auch sprechen, dass sich, im Gegensatz zu früheren Zeiten, als man sich auf die „Abiturientenqualität“ noch verlassen konnte, immer mehr Hochschulen mit Zugangsbeschränkungen schützen und auch Aufnahmetests für Jobs wesentlich aufwändiger wurden. Alle Klassiker von Aufnahmetests in Gymnasien über herkömmliche Benotungen und Leistungsgruppen bis hin zum Wiederholen einzelner Klassen, die sich bewährt haben, aber von „fortschrittlichen“ Pädagogen abgeschafft wurden, werden wieder andiskutiert oder erleben bereits eine Renaissance. Wenn dann noch alle von ihren Eltern bestens auf den Schuleintritt vorbereitet werden und jedes Kind in den Schultyp geht, der den individuellen Begabungen und Fähigkeiten optimal entspricht, wird sich die Lage entschärfen. – Mag. Martin Behrens


Leserbrief zu „»Als hätten wir fünf Planeten«“ von Marcus Rohwetter und Kolja Rudzio

Kellner zum Gast: „Sie müssen sich jetzt entscheiden? Entweder sie essen ihr Steak, dann nur ohne Wasser; oder sie trinken ihr Wasser, dann nur ohne das Steak!“
„Sie müssen sich jetzt entscheiden? Entweder oder, oder sie werden auf der Stelle Vegetrarier oder Veganer, dann haben sie „noch“ leichte Vorteile bei uns im Lokal!“
Gast zum Kellner: „Ich nehme trotzdem das Steak und einen strohtrockenen Rotwein dazu! Von wegen Vegetarier oder Veganer; vielleicht kommt ja bald ein zweiter „Herr Jesus Christus“, und verwandelt Wein zu Wasser!“
Kellner zum Gast: „Oder so! Steak und Rotwein sind schon unterwegs!“
Gast zum Kellner: „Ihr Lokal werde ich meinen Freunden und Bekannten weiterempfehlen!“ – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Als bekennender Autofahrer sind Sie gegen ein allgemeines Tempolimit. Sie wollen nicht, „dass sich der Staat als Anstalt zur Erziehung der Bevölkerung aufspielt.“ Wahrscheinlich, was auch konsequent wäre, sind in Ihrem Auto auch keine Airbags und Gurte installiert. Der Nutzen Sprit, Co2 u.a. zu sparen mag gering sein. Aber mit ein wenig Recherche wären Sie auf Colleteralnutzen gestoßen. So gibt es eine große Wahrscheinlichkeit, dass durch ein Tempolimit der Verkehr gleichmäßiger läuf, weniger Staus sich entwickel und auch weniger schwere Unfälle geschehen. Ein Paar Tote weniger würden es schon sein. Dazu noch ein Zitat als Bumerang. Auch ein Auto fahrender Journalist: „… lässt sich auf die Ebene profaner Fakten ungern herab.“ Da Sie zwei Spalten füllen mussten und Ihnen zum Thema Tempolimit nichts weiteres einfiel, haben Sie sich der ergiebigeren Dieselproblematik und der „sozialen Problematik“ zugewandt. Da sind durch die Autoindustrie tatsächlich viele Probleme geschaffen worden unter anderem auch soziale. (Aber war das Thema nicht Tempolimit und höhere Spritpreise? Thema verfehlt?) Hat es sich noch nicht zu ihnen rumgesprochen, „…dass sich ärmere Menschen ..“ schon immer daran gewöhnen mussten in einer Marktwirtschaft, sei sie ökologisch angehaucht oder nicht, “ … zu den Verlierern zu zählen.“ Ich muss gestehen bzw. schreiben, dass ich enttäuscht und verärgert bin so ein ………… Stück Journalismus auf der ersten Seite der Zeit zu lesen. – Günter Schulte


Leserbrief zu „Grundriss für eine globale Gesellschaft“ von Sebastian Buckup

Die Globalisierung hat gezeigt, daß die armen Länder in die reichen Länder flüchten. Das damit automatisch mehr Sicherheit erforderlich wird sollte eigentlich jedem klar sein. Ich wohne in einer Gegend wo Wohnungseinbrüche fast an der Tagesordnung stehen. Ergo: Die Eigentümer bauen Schutzwälle und höhere Mauern. Manche sichern sich durch zusätzlichen Personenschutz ab. So wie in der Politik. Das hat die Politik fahrlässig missachtet. Was erwarten den die Medien und die Politik von den Bürgern. Sollen sie dieser Tatsache freien lauf lassen. Ich bin in Deutschland nicht mehr frei. Überall lauern Gefahren. Wenn man in die Oper oder ins Schauspielhaus möchte, muß man Umwege in Kauf nehmen. Besonders dann wenn der Heimweg nur im dunkeln zu erreichen ist. In Deutschland hat die Politik schlicht und einfach versagt, und die Medien passen sich diesem Versagen an. Ihr Autor scheint auch nichts verstanden zu haben. Er schwelgt in der Vergangenheit und macht den heutigen Zustand an der Vergangenheit fest. Und bestraft die Verantwortlichen, die genau das verhindern wollen. Aber das ist kein Einzelfall. Dieses Menschenbild wird uns vor noch größeren Herausforderungen stellen, die dann nicht mehr zu lösen sind. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wer hat den längsten?“ von Lisbeth Schröder

Die Einsiedlerkrebs-Frauen, legen bei den Einsiedlerkebs-Männern keinen erhöhten Wert auf eine ausgeprägte Höflichkeit oder auf besonders gute Tischmanieren; bei den Einsiedlerkrebs-Frauen, da zählen bei den Einsiedlerkrebs-Männern, nur die Größe ihrer „Krebs-Immobilie“, noch wichtiger ist jedoch ein reichlich (über)langes Gemächt. – Riggi Schwarz


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Jeannette Otto und Martin Spiewak riskieren einen sehr weiten Spagat: sie kritisieren das Gymnasium, wie es sich jetzt darstellt, preisen gleichzeitig sein „intellektuelles Niveau, die fachliche Stärke…“, fordern einen konstruktiven Umgang mit einer diverseren Schülerschaft – und wiederholen immer wieder penetrant alte Klischeevorstellungen über das Gymnasium: „Nicht nach jeder Stunde gehen alle mit dem gleichen Wissen raus. Manche haben nichts kapiert“ – ich bin Abiturjahrgang 1962, damals gelangten in Berlin 9% der Jugendlichen zum Abitur und das war auch nicht anders, bei mir besonders in Mathematik… Oder die Vorstellung, eine Gymnasialempfehlung der Grundschule nach der vierten Klasse könnte feststellen, wofür ein dann zehnjähriges Kind geeignet sein könnte: sind Grundschullehrkräfte Hellseher? Oder fließt in die Empfehlung nicht eher das soziale Umfeld des Kindes ein?

Und dann die Beispiele für ein neues Gymnasium, das den Anforderungen einer geänderten Schülerzusammensetzung gerecht wird: das sind alles Ansätze und pädagogische Verfahren, die seit etwa 50 Jahren in zahlreichen deutschen Gesamtschulen entwickelt und praktiziert worden sind. Diese und in der Regel nicht Gymnasien haben dafür auch Preise und Auszeichnungen gewonnen. Da wundert schon ein wenig, warum das Wort Gesamtschule nicht einmal erwähnt wird. Spätestens wenn Kanada als Vorbild benannt wird, könnte man ja mal andeuten, dass es dort keine Gymnasien gibt, sondern nur eine Schule für alle. Ich will nicht unterstellen, dass Frau Otto und Herr Spiewak davon nichts wissen. Beide sind schließlich ausgewiesene Fachjournalisten. Warum sie nun meinen, den mindestens dem Anspruch nach bildungsorientierten Zeit – Leserinnen und Lesern dies nicht zumuten zu können? Das sollten sie mal im Sinne der Humboldt’schen „Selbstbildung“ klären! – Thomas Isensee


Leserbrief zu „Wochenmarkt“ von Elisabeth Raether

Röschen im Luxusbad – es sind ja schon einige von Frau Räthers Rezepten in meiner Mappe „Lieblingsrezepte“ gelandet – aber diese Rosenköhlchen verdienen wirklich höchstes Lob! Einfach, schnell und LEKKER. Ganz vielen Dank! –  Christine Ahrens


Leserbrief zu „Hauptsache, starke Bilder“ von Thomas Assheuer

Wie traurig, ja erbärmlich fällt doch die Kritik am Buch von Takis Würger „Stella“ aus. Da wird die „Machart“ kritisiert, die Danksagungen als Argument gegen das Buch, vor allem den Autor, bemüht. Spekulationen über den Vorschuss müssen her. Und dann wird das Buch vom Verlag „in den Markt gepeitscht“, ohne Hinweis darauf,  dass es eben das Feuiletton und die Literaturkritik ist, die dies bewerkstelligt. Legt man die Kritiken verschiedener Qualitätszeitungen nebeneinander, dann wird  augenfällig, dass einer vom anderen abschreibt und vor allem versucht, den Autor und seine Motive zu diskreditieren.  Inhaltlich geht es fast ausschließlich darum, wie man über ein so unerhörtes Leben einen  Roman schreiben darf. In jeder Besprechung Mauern, Tabus und Gesinnungshürden. Die Skandalisierung von Autor und Roman scheinen mir das eigentliche Symptom unserer Zeit zu sein. Ganz anders beim Roman „Serotonin“ von Michel Houellebecq, der lobend besprochen wird, obwohl Houellebecq Donald Trump lobt, die demokratische Ordnung in Europa zerstören möchte und in widerlicher Art und Weise über Frauen schreibt. Dieses Buch ist eine Skandal und einfach Schund. Traurig, dass auch meine geliebte „DIE ZEIT“ dieses Spiel des Messens mit zweierlei Maß mitspielt. – Karl Giebeler


Leserbrief zu „Und ihr so?“ von Stefan Beuse

So schnell werdet ihr mich nicht los.  Dieser Artikel ist wieder ein Beispiel für die Schizophrenie der ZEIT.  Zum einen Artikel über Klimawandel und Klimapolitik, dann wieder Artikel, in denen sich Schreiber gseltener Schreiberinnen – auf weite Reisen begeben und schwärmen vom Reiz weit entlegener Winkel der Welt.   Der Grund für diese Reise ist allerdings selten dämlich (entschuldigen Sie das Schimpfwort). Es Freundinnen und Nachbarn, fie sonst dreimal im Jahr zum Ballermann oder zum Shoppen nach Mailand fliegen, mal so richtig zu zeigen: „Bätsch, ich bin auf Mauritius!!!“  Ich würde mir wünschen, wenn die CO2-Bilanz bei jedem Reiseartikel berechnet werden würde, um das transpatent zu mschen und Bewusstsein zu schaffen.   Weil ich nicht alle Argumente wiederholen will hänge ich den Brief an Herrn Heuser an. Ich glsube, ich brauche ihn noch oft.   Außerdem ein Vorschlsg: Reden Sie mal mit Greta Thunberg, der schwedischen Schülerin und Klima-Aktivistin, sie fuhr nach Davos mit dem Zug.  – Astrid Ahlers


Leserbrief zu „Grundriss für eine globale Gesellschaft“ von Sebastian Buckup

Hr. Sebastian Buckup hat sich sicher viel Mühe gegeben und ein Sammelsurium von Schlagworten, Zitaten, Sprachbildern und wahllosen Fragen zusammengestellt .  Alles hat mit Allem und Nichts mit Nichts zu tun.  Es ist keine Analyse zu erkennen, die zu der These seines Untertitels führt „weltweit zertrümmern Populisten die alte politische Ordnung.“ Die These ist auch vollkommen falsch.   Er meidet es, wie leider viele andere auch in den seriösen Medien, auch in der Zeit, den Dingen auf den Grund zu gehen. Was da sichtbar würde ist schlicht fatal.   Unsere politische Ordnung wird von unseren Volksvertretern und deren Vasallen an die Wand gefahren. Sie sind zu einem Büttel des Kapitals und machtvoller Einzelinteressen verkommenen. Sie folgen immer mehr zwielichtigen Horden von Lobbyisten und Beratern. Zu eigener politischer Arbeit im Sinn ihres Wählerauftrages und des Wohles der breiten Bevölkerung scheinen sie kaum noch fähig.   Sie fühlen sich als Elite, unangreifbar und weit über den Dingen stehend. Dabei haben sie jegliche Bodenhaftung verloren. Die breite Masse fühlt sich nicht mehr vertreten, sie fühlt sich betrogen, es wird beständig von unten nach oben umverteilt. Die Kleinen hängt man (wegen einem herrenlosen Bons über 84 ct ), die Großbetrüger (Automobilindustrie ect..) werden ob ihrer Größe geschont oder gar gefeiert. Wo Umweltschutz draufsteht ist Umweltfrevel drin, z.B. gelber Sack, ect. …  Die politische Ordnung ist ein Müllhaufen aus Geld- und Machtgier ohne jeglichem Anstand. Der Bürger sucht im Müll nach Resten an die er sich noch halten könnte, die Populisten stehen wie Rattenfänger am Rand und werben erfolgreich um Anhänger.   Die Populisten sind nicht die Zerstörer der politischen Ordnung, sie sind die Totengräber der zerstörten Ordnung.   Was kann an die Stelle der zerstörten Ordnung treten?  Wir brauchen keine neue Ordnung, was wir brauchen in der Politik sind andere Menschen, solche mit Anstand und Moral, dazu Transparenz und ein paar neue Regeln bürgerlicher Mitsprache.  Wir werden keinen Heilsbringer finden, eine politische Ordnung kann man auch nicht wie eine baufällige alte Hütte abreißen und neu aufbauen, sie muss von innen heraus mühsam saniert werden.  Es ist zu hoffen, dass unser politisches System es zulässt, die richtigen Menschen an die richtigen Hebel zu lassen.   Die Zeiten des Herumschwafelns und -schwadronierens sind vorbei, es könnte schneller ernst werden als uns lieb ist. – Hans-J. Giller


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Ein jeder Menschenverstand ist ja angeblich im Spiel, wenn es in Deutschland um den Straßenverkehr im Allgemeinen und um dessen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt im Besonderen geht. Der meine gibt mir da Zweifel in der Sache auf; ganz abgesehen von meiner Überzeugung, dass Herr Scheuer als Bundesverkehrsminister offensichtlich überfordert ist. Ein Tempolimit rettet Leben; direkt bei Unfällen, indirekt bei Emissionen. Wer das ernsthaft bestreitet, ignoriert schlichtweg die physikalischen Grundgesetze. So zum Beispiel das Verhältnis von Bewegungsenergie (ggf. über Bremsweg) zu Aufprallenergie, oder etwa die quadratische Beziehung zwischen Luftwiderstand und Geschwindigkeit.

Abgesehen davon sind die Emotionen ab Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h-Grenze gewiss alles andere als entspannend, bleibt einem doch der „Freie Fahrt für freie Bürger“-Euphemismus bisweilen in Mark und Bein stecken. Nicht zuletzt erinnert mich die vernunftmäßig recht inkonsequent geführte Diskussion pro und contra Tempolimit (freilich unter Aussparen künftiger Mobilitätstechnologien und elektronischer Verkehrsführung) doch sehr – und immer mehr – an den destruktiven Diskurs der US-Amerikaner betreffend das dortige Waffenrecht. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Sie fahren mit 170 km/h zur Messe „Jagd und Hund“ mit gleichem Verbrauch und Schadstoffausstoß wie die „Weltretter, die mit 120km/h die Autobahn blockieren? Ja, wo schweben Sie denn? Ich vermute über den“ profanen Fakten „.  – Wolfgang Stürmer


Leserbrief zu „»Als hätten wir fünf Planeten«“ von Marcus Rohwetter und Kolja Rudzio

Ich will kein Abonnent einer Zeitung sein, die zwar einerseits gut über die Folgen des durch Menschen verursachten Klimawandels berichtet, aber gleichzeitig, sogar auf der selben Seite!  (Seite 21, ZEIT Nr. 5) Werbung für Reisen veröffentlicht, die Leser dazu verlocken soll, einmal um die Erde zu fliegen, um dann in eine Art Kreuzfahrtschiff zu steigen und die „unberührte“ Natur und die „Artenvielfalt“ zu bewundern. Diese Reisen verursachen riesige Mengen an CO2 Ausstoß und beschleunigen somit massiv die Zerstörung der „unberührten“ Natur, führen zu Artensterben und zu menschlichem Elend, wie ich ihren Artikeln entnehmen konnte. Indem man dorthin fliegt, zerstört man also genau das, was man sehen will und wenn man dafür wirbt unberührte Natur und Artenvielfalt am anderen Ende der Welt zu besichtigen, zerstört man eben diese. Das ist, wie wenn ich sagen würde, kommt wir besuchen meine Tante Ilse. Sie ist so lustig und backt den besten Kuchen und wenn wir gegessen haben, bringen wir sie um.

Wie können Sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren mit so einer Anzeige Geld zu verdienen und auf der gleichen Seite in einem Artikel die schwerwiegenden und irreparablen Folgen unseres Handelns darzustellen? Es ist sehr wichtig, aber es reicht nicht, über die verheerenden Folgen unseres Lebensstils zu berichten. Wir müssen endlich Erkenntnisse aus diesen Informationen gewinnen. Wir müssen unser Handeln ändern und selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Dazu könnte zum Beispiel gehören, dass eine Zeitung entscheidet keine Anzeigen mehr zu schalten die Produkte bewerben, die so massiv Leben zerstören. Was sagen Sie dazu? Ich glaube, dass Sie keinen einzigen Leser damit vergraulen würden, vielleicht würden Sie aber welche dazu gewinnen. Nur im Bauch der Gesellschaft liegt die Möglichkeit zu einer Veränderung und als viel gelesene Zeitung haben sie Einfluss auf eben diesen Bauch. Bitte werden Sie sich dieser Verantwortung bewusst. Bitte sein sie konsequent. Bitte sein Sie ein positives Vorbild und handeln Sie. Was sagen Sie dazu? – Felix von Bredow


Leserbrief zu „Im Tollhouse“ von Jochen Bittner

Ein Tollhouse ist ein Zollhaus. Das Wortspiel mit Tollhaus funktioniert nicht gut. – Alfred Burgstaller


Leserbrief zu „Mit mir in Reimen“ von Francesco Giammarco und Alexander Krützfeldt

Rapper rappen,
wie verrappte Deppen.
Rappen Rapper einmal nicht,
leiden Rapperfinger (an) „Reimegicht“! — Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Warum ist es in Deutschland nicht an der Zeit, genauso wie in anderen europäischen Staaten endlich ein Tempolimit einzuführen? Selbst wenn man die Emissionen ignoriert, sprechen die Reduzierung der Zahl der Unfälle und eine geringere Schwere klar dafür. Die Debatte wird genauso irrational geführt, wie in bestimmten Kreisen der USA die Debatte um Obama Care. Auch ein Tempolimit hat nichts mit der Einschränkung der Freiheit der Bürger und des Recht auf Selbstbestimmung zu tun. Dieser Bezug ist armselig. – Sylvia Kupers


Leserbrief zu „Kopfnoten und Trillerpfeifen – Meine vier Gymnasien“ von Sabine Rückert

Die Lehrer waren ältlich, innerlich weit weg von uns, manche trugen eine sichtbare Kriegsverletzung oder hatten eine Alkoholfahne schon zur ersten Stunde. Es tut mir leid, Frau Rückert, aber dieser Satz, in dem der Kriegsversehrte in einem Atemzug mit dem Alkoholiker erwähnt wird, um die Tristesse ihres Schulalltages zu charakterisieren, stört mich auch beim vierten Lesen immer noch. Ist es nicht vielleicht nur die „Gnade der späten Geburt“, die unsere Generation vor beidem bewahrt hat? – Arndt Snakker


Leserbrief zu „»Parität erscheint mir logisch«von Jana Hensel

Wenn die Bundeskanzlerin jetzt so ausführlich über ihre ostdeutsche Biographie und das Regieren als Frau, über „die mangelnde Anerkennung für die Lebensleistung vieler Ostdeutscher“  und die u.a. daraus resultierende Frustration spricht, hat sie sicherlich auch schon die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg im Hinterkopf. Denn CDU und SPD als Regierungsparteien nähen flugs vor dem Hintergrund besorgniserregender Umfragewerte mit heißer Nadel „Ost-Konzepte“ mit zum Teil altbekannten Forderungen, um aus Angst vor der AfD Versäumtes bei der Behebung vorhandener Strukturschwächen in den neuen Bundesländern nachzuholen. Denn 30 Jahre nach der Wiedervereinigung stellt sich nun leider heraus, dass das Ziel, „gleichwertige Lebensverhältnisse herzustellen“, auch nicht annähernd erreicht wurde. Dies muss man Angela Merkel als ostdeutscher Kanzlerin nach so langer Kanzlerschaft und boomender Konjunktur mit Recht vorwerfen und das wird sich auch in den Wahlergebnissen mit  entsprechend negativen Folgen für die Bundespolitik widerspiegeln und auch das Ende ihrer so langen Kanzlerschaft überschatten! – Hans-Henning Koch


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Den Unsinn aus dem CSU geführten Verkehrsministerium und insbesondere von Herrn Scheuer kann man langsam nicht mehr ertragen! Ein Tempolimit auf Autobahnen, so wie es viele andere Staaten auch haben, muß endlich auch in Deutschland verfügt werden. Mit der vorgegaukelten Freiheit, die der Autofahrer beim schnellen Fahren angeblich empfindet, kann man keine vernünftige Politik machen. Wann  setzt sich endlich einmal der gesunde Menschenverstand durch und akzeptiert die wissenschaftlichen Studien, die schon lange ein Tempolimit fordern, weil es für die Sicherheit und das Klima wichtiger ist, als das Machogehabe einzelner Autofahrer, die mit ihren schnellen Autos nur ihre Macht über andere dokumentieren wollen?! – Thomas Henschke


Leserbrief zu „Wird Wohnen etwa noch teurer?“ von Mark Schieritz

Einfach nur ein kurzes Lob an Herrn Schieritz: toller Artikel, das Wichtigste verständlich erklärt – ich fühle mich jetzt bereichert mit mehr Wissen und kann sicher in die Diskussion um die Grundsteuer einsteigen. So geht guter Journalismus!  Vielen Dank, dafür bleibe ich gerne treuer Zeit-Abonnent!   – Mert Dinçer


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Warum fehlt in der Diskussion um ein Tempolimit das entscheidende Hilfsargument pro Tempo 130, die mit geringerer Geschwindigkeit signifikant steigende Verkehrssicherheit? Für Herrn Scheuer ist es offenbar gegen jeden Menschenverstand, durch vernünftige Richtungsentscheidungen Wählerstimmen zu riskieren. – Dr. Christopher Woitkewitsch


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Ein Lob vorweg: Die Texte machen die Situation an Gymnasien in ihrer Vielfalt gut  nachvollziehbar. Aber: Der Aufmacher (auf S.1) und der Titel lenken die Aufmerksamkeit nur  auf „Überfüllt und überfordert“. Dass es durchaus beeindruckende Ideen und gute Praktiken  gibt, wird dann kaum vermutet. Wer die Situation ändern oder geändert haben möchte, kann  den Beiträgen aber viele Anregungen entnehmen. In einem weiteren Bericht sollte über  nicht-gymnasiale Schulen informiert werden, die in ähnlicher bzw. anderer Weise „überfordert“  sind und diese Herausforderungen kreativ und erfolgreich meistern. Leider kommt in den  Texten – hoffentlich ungewollt, aber eben unbedacht – die verbreitete einseitige Hoch-Wertung  jener zum Ausdruck, die es „nach oben“ schaffen“, was eine Niedriger-Wertung derjenigen wie  selbstverständlich erscheinen lässt, die sich und ihre Position in der Gesellschaft (aus welchen  Gründen auch immer) nicht über „Bildung“ definieren wollen oder können. Schwierig ist  allerdings nicht nur die quantitative Attraktivität der Gymnasien, sondern die starke  Neben-Funktion von „Bildung“. Diese ist nämlich im Grunde schon seit Humboldt immer  zugleich ein Medium der gesellschaftlichen Abgrenzung zwischen oben und unten. Dabei  wollen die einen die „Schleusen“ von unten nach oben dicht halten, die anderen sie öffnen,  also abgrenzen und abschulen oder individualisieren und fördern. In der immer noch weit  verbreiteten Praxis mit Stofffülle, Durchnehmen, Prüfen und Vergessen verliert Bildung ihren  einst gemeinten und immer noch wünschenswerten Sinn: nachhaltige Kompetenzen zu  erarbeiten, die für die persönliche Entfaltung und die gesellschaftliche Entwicklung wichtig sind.  Wir sollten (und könnten) ein Verständnis von „Bildung“ erarbeiten, in dem alle(!)  Heranwachsenden die ihnen jeweils möglichen Fähigkeiten entfalten und für den Beitrag, den  sie zur gesellschaftlichen Arbeit erbringen können, gleichberechtigte Anerkennung und  Wertschätzung erfahren. – Prof. Dr. Jörg Schlömerkemper


Leserbrief zu „Heißer Typ“ von Antje Joel

Der letzte Satz Ihres Beitrags bringt es doch noch auf den Punkt und lässt auch in Bezug auf die Neigung der Autorin zur Pauschalisierung hoffen: „Männer, eure Feinde sind diejenigen, die nichts Besseres von euch erwarten.“ Leider muss man fürchten, dass diesen Satz nach der (Unter-)Titelzeile niemand mehr gelesen hat, den es betrifft. „Viele Männer reagieren beleidigt, weil sie lieber an ihrem Scheißbenehmen festhalten wollen.“ Wer kann danach noch Besserung erwarten? Wer will denn da noch hoffen, dass hier nicht, verallgemeinernd, den Männern grundsätzlich Übles unterstellt wird? Bei der gendergerechten Sprache gerieren sich die Feminist*innen noch um kleinste Nuancen bemüht, während bei der Bewertung von „Männlichkeit“ die blödeste Pauschalisierung legitim zu sein scheint.

Dasselbe gilt für die in Rede stehende Gilette-Werbung. Und die Kritik daran, die ich gelesen habe, war jedenfalls nicht so undifferenziert, wie die Autorin es vielleicht einigen Kommentarspalten entnahm. Denn auch in ihr geht es darum, Männern als erstes mal das zu unterstellen, was Ihre Titeltexter mit analytischem Tiefgang als „Scheißbenehmen“ bezeichnen. Wir sehen die Ballermann-Saufkollektive vor uns oder Männergruppen, die ein ganzes Bahnwaggon beschallen und aus der Gruppe heraus Anzüglichkeiten ausstoßen. (Dass es das alles längst auch mit weiblichen Vorzeichen gibt – geschenkt!) Die Kritiken an Gilette thematisierten genau das: Dass hier gleich alle wegen ihres (männlichen!) Geschlechts für solches Verhalten verhaftet werden; dass Mann sich aber auch berappeln kann, aus seiner offenbar angeborenen Niedertracht herauszutreten und „a better man“ zu werden.

Man muss sich gar nicht notwendigerweise „enttarnt“ fühlen, um diese Pauschalisierung ärgerlich zu finden. Es reicht mir schon, dass hier Klischees gepflegt und pauschalisiert werden, in denen die meisten Männer sich nicht wiedererkennen – und die sie doch in Mithaftung nehmen.  Wie nennt man das gleich? „Gruppenbezogenes Denken“: in der Regel die Grundlage von Rassismus – und Spielarten des Sexismus, von denen nicht ganz so oft die Rede ist. – Joachim Bell


Leserbrief zu „Gefährliche Seelenführer“ von Doris Wagner

Es ist dringend an der Zeit, das Kirchenrecht und manche Ordensregeln aus ihrem nach außen abgeschotteten rechtsfreien Raum zu zerren. Rechtsfrei, da sie dem Einzelnen nicht wirklich Schutz bieten, sondern in vielerlei Hinsicht gegen Grundrechte verstoßen, ganz besonders gegen das Recht auf physische und psychische Unversehrtheit. Frau Wagner bietet in ihrem Artikel ein überzeugendes Beispiel aus dem Katechismus: Da wird einerseits die Gewissensfreiheit grantiert, um sie sogleich im nächsten Schritt zu widerrufen: „Das Gewissen muss geformt und das sittliche Urteil erhellt werden.“ Diese Formulierung ist an Tücke und Hinterlist nicht zu überbieten. Zugleich zeigt sie, mit welcher Anmaßung und Arroganz man dem Individuum gegenübertritt, indem man sein Gewissen formen müsse. Und am Ende stellt sich mal wieder die alles entscheidende Frage: „Was hat das noch mit Jesus zu tun?“ – Gerhard Lambertz


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Tatsächlich droht das Gymnasium infolge des massenhaften Andrangs zu ersticken. Folgendes halte ich  angesichts dieser Gefahr an einer der wichtigsten Schaltstellen unserer Gesellschaft  für vordringlich: Erstens, eine Verlängerung des gemeinsamen Lernens in der Grundschule um mindestens zwei Jahre, um solider entscheiden zu können, für welchen Bildungsweg ein Kind geeignet ist. Zweitens als wichtigste Voraussetzung dafür,  einen großzügigen Aus- und Aufbau der ja ebenfalls überlasteten Grund- und Mittelschulen mit modernstem Material, mit den entsprechenden Lehrinhalten und bestens ausgebildetem Personal. Drittens, eine im öffentlichen Bewusstsein starke Aufwertung der praxisnahen Berufsausbildung: In der bald digitalisierten Berufswelt wird  z. B. das Handwerk wieder einen goldenen Boden haben. Und viel angesehener als bisher werden die Berufe sein, die eine direkte menschliche Zuwendung erfordern. – Joachim Jankowsky


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Abstand hilft. Zumindest dabei typisch deutsche Dauerdiskussionen mit frischen Einflüssen zu vermengen und aufs Neue zu betrachten. Da kaum ein Thema so sensibel ist wie die Hoffnungen, die wir in unsere eigenen Kinder und deren Bildung legen hat hat mir der freie Blick des europäischen Auslandes geholfen meine deutsche Bildungsverbissenheit ein wenig hinter mir zu lassen. Aber fangen wir von vorne an. Als im Ausland – genauer gesagt im ganz nahen Holland – lebende Deutsche fiel mir in den letzten Jahren oft auf wie wenig wir mit dem geographischen Blick nach links und rechts vor allem im Bereich der Bildung beschäftigt sind. Ich arbeite, lebe, liebe und erziehe hier nun schon seit vielen Jahren und habe die Holländer nach einem holprigen Start für vieles schätzen gelernt: Vor allem für ihre humorvolle Ehrlichkeit und ihren gutgelaunten Pragmatismus. Heimlich vermisse ich unsere unglaubliche deutsche Ordnung und die braven vollen Teller meiner Heimat manchmal. Das Dorf in mir befindet Amsterdam auch oft genug noch als fremden Ort. Aber gut, Urlaube in Deutschland müssen nun als Ersatzbefriedigung herhalten.

Allerdings haben mich die Holländer in eine komplette Verwirrung gestützt als die elfjährige Tochter meines Lebensgefährten sich vor kurzem für eine weiterführende Schule entscheiden musste. Sie ist fantastisch, lernt selbstständig, denkt mit, hatte also die höchstmögliche Schulempfehlung – das ist hier aber weit komplexer als wir dreigliedrigen Deutschen uns das vorstellen können. HBO, HAVO, VMBO, MBO: das Sammelsurium der Abkürzungen ist zum Haare raufen. In einem Anflug deutschen Überlegenheitsgefühles dachte ich mir: warum nicht schön Holländisch makkelijk – einfach? Dreigliedrig ist doch okay und wir wollen doch sogar am liebsten Richtung Gesamtschule – warum also alles noch komplizierter machen?

Bri genauerer Betrachtung beweist sich das vielgliedrige Schulsystem Hollands mit dem man auch auf verschiedenen Wegen zum Studium kommt schnell als cleverer als erwartet, denn es bietet vielen Schülern was sie brauchen. Vielseitigkeit. Es stellt sich auf ihre Bedürfnisse ein. Genauso wie wir mit der Universität und der Hochschule zwei Wege zum abgeschlossenen Studium haben, ein theoretischer und ein etwas praktischer angelegter hat das holländische Schulsystem zwei Wege zum Studium.

VWO ‚voorbereidend wetenschappelijk oderwijs’ also der vorbereitende wissenschaftliche Unterricht ist ganz klassisch konservativ Gymnasium – Pflichtlatein, viel Fokus auf Mathematik und Sprachen, selbstverantwortetes Lernen – ganz schön hart für eine Elfjährige, aber man unterschätzt sie ja schnell. Der etwas praktischere HAVO Weg, also der ‚hoger algemeen voorbereidend onderwijs’, also die höhere allgemeine vorbereitende Bildung, führt im Allgemeinen häufiger zum Hochschulstudium. Für die Spätzünder wird auch noch gesorgt: wer einer VMBO Schule zugeordnet wird hat bis 14 noch die Chance sich zu beweisen und Richtung HAVO durchzusteigen. Natürlich sind auch hier Übereinstimmungen mit unserem System zu finden, doch vor allem das zweigeteilte Gymnasium war mir neu. Klingt kompliziert, ist es auch. Bringt aber einen großen Vorteil mit sich: es nimmt den Druck vom Gymnasium der scheinbar einzige Weg zum Erfolg zu sein und gibt ihm so die Möglichkeit seinen Standard zu halten ohne praxisbezogenere Bildungswege zu entwerten. Lena Widmann


Leserbrief zu „Genug gespielt. Jetzt wird’s ernst“ von Martin Machowecz

Ich habe bislang noch nie von Volker Lösch gehört. Er mag ein großer Regisseur sei, was auch immer „groß“ bedeutet.  Ich habe über Lösch und sein Stück „Das blaue Wunder“ erstmalig uns ausschließlich in der ZEIT gelesen.  Ich bin Lösch gegenüber null vorgeprägt  Ich habe einen zutiefst deprimierenden Eindruck davon, wie hier das Dresdner Staatschauspiel als Bühne höchst subjektiven, politischen Aktivismus` instrumentalisiert wird.  Ich habe das Empfinden, dass der ehrenwerte Herr Lösch in ehrenwerter Mission (wie immer bei gnadenlosen Missionaren) einen Akt selbstgefälliger Selbstbefriedigung auf der Bühne vollzieht, den die arbeitsrechtlich verpflichteten Mitwirkenden wie gedungene Transporteure seines ego über die Rampe zu bringen haben.  Ich stelle fest, dass der spiritus rector dieses theatralischen Wutausbruchs in das vertraute Hamburg entschwindet, ohne sich ernsthaft und elementar der Reaktion auf seine künstlerische Hinterlassenschaft vor Ort zu stellen.  Ich schlussfolgere, Lösch ist ein Herrenmensch, der seine, von des Gedankens Blässe ungetrübten, absoluten Wahrheiten, auf Kosten des Volkes ins Parkett schleudert; er ist ein Titan an Selbstgewissheit und im Rechthaben.  Das ist grandioses Theater! Pur!  Ich bin sicher, das Stück wird die „Anständigen“ noch anständiger machen und die „Unanständigen“ noch unanständiger. Gewonnen ist damit gar nichts. Im Gegenteil. – Lutz Bauermeister


Leserbrief zu „Kopfnoten und Trillerpfeifen – Meine vier Gymnasien“ von Sabine Rückert

Da erkennt man vieles wieder. Im Gymnasium haben wir gelernt, wie man durchs Gymnasium kommt. Und von einzelnen, zufällig genialen Lehrern Dinge, die heute noch nützlich sind und man immer noch weitergibt. – Dr. Wolfgang Jakob


Leserbrief zu „Genug gespielt. Jetzt wird’s ernst“ von Martin Machowecz

Das Dossier von Martin Machowecz fand ich sehr gut, da manche Auswüchse im „Kampf gegen rechts“ eher ärgerlich sind. Ich hoffe, der Autor bekommt nicht nur Kritik aus der Leserschaft der „Zeit“. Oder, schlimmer noch, Beifall von der falschen Seite. Auch die Sympathisanten der AfD (die mir verhasst ist) sind nun mal Menschen. Um beim Artikel zu bleiben: Wie „kämpft“ man denn – zum Beispiel – gegen seine eigene Oma?! (Der Schauspieler Matthias Reichwald scheint sich in dieser Situation zu befinden.) Was nötig ist, ist ein sachlich-argumentatives (und echt ergebnisoffenes) Ausfechten von unterschiedlichen Meinungen, im Wechsel von Reden, Zuhören und Nachdenken. (Und das ist eben kein „gefühliges Verständnisgerede“, wie der Regisseur Volker Lösch sagt.) Ich freue mich, wenn die „Zeit“ mich dabei mit klugen, nachdenkenswerten Artikeln unterstützt. Texte, deren Schwarz-weiß-Meinung bereits vor der Recherche feststeht, kann ich dagegen nicht gebrauchen. – Claudia Klingen


Leserbrief zu „Gefährliche Seelenführer“ von Doris Wagner

Meine spirituelle Befreiung war die Loslösung von Gott. – Carlo Vernimb


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Der Artikel bedient leider die gleichen Klischees wie so viele Artikel zur deutschen Schullandschaft in den letzten 20 Jahren: Einerseits werden vorbildliche Musterschulen präsentiert mit tollen, innovativen Konzepten und hochmotivierten Pädagogen, andererseits der Eindruck erweckt, an den tausenden restlichen Gymnasien würden bornierte Einzelkämpfer und Fachidioten frontal unterrichten wie seit eh und je und sich jedem Fortschritt verweigern.

Eine bemerkenswerte Tatsache wird dabei nur im Nebensatz erwähnt: Der „Sturm aufs Gymnasium“ habe „zu keinem nennenswerten Leistungseinbruch geführt“. Steckt darin nicht eine riesige Integrationsleistung der ganz normalen Gymnasien überall im Land? Wäre es nicht an der Zeit, das hohe Engagement der allermeisten Gymnasiallehrer und ihrer Schulleitungen zu würdigen, trotz zunehmend widriger Umstände und heterogener Schülerschaft das Niveau insgesamt zu halten? Vielleicht liegt das Erfolgsgeheimnis ja gerade darin, dass viele Gymnasien behutsam neue Konzepte und Methoden einführen, die ihrer Schülerschaft gerecht werden, ohne gleich jedem pädagogischen Trend hinterherzulaufen. Daneben trägt ein durchaus selbstbewusstes Festhalten an fachlichen Inhalten und Ansprüchen sicher dazu bei, dass sich immer mehr Kinder aus Migrantenfamilien oder mit „bildungsfernem“ Hintergrund durch den Besuchs des Gymnasiums ein Studium oder eine anspruchsvolle Ausbildung zutrauen. – Thorsten Eßeling


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Nein“ von Stefan Willeke

In seinem Kommentar zum Thema Tempolimit und höhere Spritpreise warnt Herr Willeke vollkommen zurecht vor gefährlichen Vorurteilen in denen die Schuld an der gegenwärtigen Klimakrise „‚[denen] da oben‘ in der Hauptstadt“ gegeben wird, die „Politik auf Kosten von ‚denen da unten‘“ machten. Von solchen Haltungen würden sich „Populisten politisch ernähren“. Vor diesem Hintergrund hat es mich etwas stutzig gemacht, dass Herr Willeke drei Absätze zuvor den wissenschaftlichen Wissensstand bzgl. der zu erwartenden Wirksamkeit von Tempolimits – ob zurecht oder nicht vermag ich nicht zu beurteilen – als nicht aktuell kritisiert und dabei mit folgendem Satz schließt: „Doch wer die Rettung der Welt vor Augen hat, der lässt sich auf die Ebene profaner Fakten ungern herab.“

Meine Frage an Herrn Willeke lautet: Worin unterscheidet sich dieses Vorurteil, das Sie selbst verbreiten von dem Vorurteil, dass Sie wenige Zeilen später als „gefährlich“ bewerten? Ganz ähnlich wie in besagtem Vorurteil scheren Sie den Großteil der Bevölkerung über einen Kamm, denn ich möchte meinen, dass die Mehrheit der Deutschen die „Rettung der Welt vor Augen hat“ – einschließlich Ihnen selbst –, auch wenn die Meinungen über den Weg dorthin freilich auseinander gehen können. Zusätzlich unterstellen Sie jedem ihrer inhaltlichen Widersacher mangelnde Bereitschaft sich mit wissenschaftlichen Fakten auseinanderzusetzen. Das ist zum einen überaus arrogant und zum anderem sehr gefährlich, da es Populisten politisch in die Hände spielt. Dass sich solch polemische Texte, die zudem keinerlei Argumentationswert besitzen, auf der Titelseite der Zeit finden, empört mich zutiefst. Auf diese Weise tragen Sie keinesfalls zu einer Versachlichung der Debatte bei – obwohl dies dringend notwendig wäre. – Simon Dröge


Leserbrief zu „»Als hätten wir fünf Planeten«“ von Marcus Rohwetter und Kolja Rudzio

Ich vermisse leider sowohl im Interview mit Benjamin Adrion als auch auf der von Anne Gerdes und Marcus Rohwetter gut zusammengestellten Seite Fakten zu einem weiteren Problem: obwohl das Recht auf einwandfreies und sauberes Trinkwasser ein (von der Generalversammlung der UN) anerkanntes Menschenrecht ist, darf NESTLE in Gebirten die Rechte an Trinkwasservorkommen erwerben und anschliessend diejenigen von der Versorgung abschneiden, die die NESTLE-Preise nicht zahlen können. Des Weiteren verdiente auch der DANONE Konzern wenigstens eine Erwähnung: unter anderem hat dieser in der frz. Auvergne regional komplette Mineralwasserbestände aufgekauft und anschliessend die betroffene Gemeinde aufgefordert, ihren Wasserbedarf doch gefälligst in der Nachbargemeinde zu decken. Solange solche Geschäftspraktiken nicht allgemein bekannt gemacht werden, wird auch der Widerstand bedeutungslos bleiben, d.h. der Ausverkauf und die Ausbeutung gehen weiter. – Martin Hansen


Leserbrief zu „Grundriss für eine globale Gesellschaft“ von Sebastian Buckup

Grundsätzlich soll in einer globalisierten Welt im 3. Jahrtausend jeder das Recht haben, dort leben können, wo er möchte, unter den Bedingungen der Selbsterhaltung, ohne der Allgemeinheit und dem Sozialsystem zur Last zu fallen, und der Anerkennung der Leitkultur mit allen Axiomen. Und genau an diesen Schnittstellen liegen die Grenzen der von vielen ideologischen Seiten propagierten „Offenen Gesellschaft“, wobei die Semantik von „weltoffen“ nicht bedeutet, für die ganze Welt offen zu sein, sondern gedanklich Pluralität und alternative Kulturen zu akzeptieren. Grenzenlose Massenmigration und Offene Gesellschaft sind nicht nur faktisch inkompatibel mit den Grundsätzen des Sozialstaates, sondern korrodieren ihn. Und wenn man Politik mit Architektur vergleicht, so sollte an die Statik erinnert werden, denn jedes Gebäude würde ohne exakte Planung des Fundaments früher oder später in sich zusammenstürzen. – Mag. Martin Behrens


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Angenommen, Trump hätte Recht und der Klimawandel existierte nicht: Wären wieder bewohnbare, verkehrsreduzierte Innenstädte dann kein erstrebenswertes Ziel? Wären weniger Verkehrstote wegen reduzierter großer Tempodifferenzen auf den Autobahnen kein erstrebenswertes Ziel? Selbst wenn durch Temporeduzierung die CO2-Einsparung relativ gering wäre: viele kleine Schritte führen auch ans Ziel. Und die betrügerische deutsche Autoindustrie sollte man nicht durch mäkelige Kritik an den Schadstoff-Grenzwerten in Schutz nehmen, sondern die Politik sollte endlich handeln, statt andere Meinungen als jenseits des Menschenverstandes zu diffamieren. Letzteren wünsche ich in großen Mengen dem Bundesverkehrsminister. – Klaus Philipp


Leserbrief zu „Kopfnoten und Trillerpfeifen – Meine vier Gymnasien“ von Sabine Rückert

Bislang habe ich Ihre Artikel gerne gelesen. Nach Ihrem Beitrag in dem Artikel habe ich jedoch erhebliche Zweifel an dem Wahrheitsgehalt Ihrer Veröffentlichungen bekommen. Der Fall Rebolius ist Ihnen sicherlich entgangen. Vermutlich waren Sie gerade krank, als Herr di Lorenzo auf die Sorgfaltspflicht von Journalisten aufmerksam machte. Ich wurde 1959 in München geboren, müsste den Gymnasialeintritt also 2 Jahre vor Ihnen vollzogen haben. Bei mir gab es keine Lehrerempfehlung oder einen angesagten Nptenschnitt: wir mussten alle eine Aufnahmeprüfung machen. Ich gestehe zu, dass sich zwei Jahre später geändert haben könnte. Ich besuchte ein sehr konservatives Mädchengymnasium. Ja, es gab einige, kurz vor der Pensionierung stehende, Lehrkräfte die den Krieg erlebt hatten. Diese waren allerdings hervorragend und brachten uns die schrecklichen Erfahrungen des Weltkrieges nahe. Ich bezweifle stark, dass Sie unter kriegsversehrten, alkoholisierten Lehrern zu leiden hatten. Mit Sicherheit stolzierte keine Sportlehrerin, wie Sie es beschrieben, in der Sporthalle umher. Die Kollegstufe, die Sie lobend erwähnen und dabei den Eindruck erwecken sie wäre Ihnen bis dahin verwehrt gewesen , gab es erstens erst seit ca. 4 Jahrgängen und betraf auch nur die letzten 2 Schuljahre. Was sollen also Ihre überflüssigen Sätze?

Nun zum Vergleich damals mit der Schulzeit Ihrer Tochter: Vermutlich ist der Stundenplan und auch der Unterrichtsablauf inzwischen an allen Schulen anders als vor 40 Jahren. Ich zumindest habe ein ungemein umfangreiches Allgemeinwissen, politisches Bewusstsein und soziales Engagement vermittelt bekommen. Fächerübergreifend wurden aktuelle politische Themen angesprochen. Falls dies bei Ihnen nicht gelang, finde ich das schade. Die Verallgemeinerung über bayrischen Unterricht ist , wie ich bisher dachte, Ihrer nicht würdig. Vor 40 Jahren gab es bei Weitem nicht so viele Migranten wie in den letzten Jahren. Da war es eher eine Sensation, wenn man die Chance bekam mit einem Schüler mit Migrationshintergrund in Kontakt zu kommen. ( das hatte nichts mit ungleichen Chancen zu tun, denn wenn Sie sich erinnern: zumindest in der Grundschule musste man seine Sprengelschule besuchen) In meiner Schulzeit erinnere ich mich nur an 2 Mitschüler mit Migrationshintergrund. Diese Schüler wurden bewundert, erzählten in den unterschiedlichen Schulstunden von Ihren Ursprungsländern und stießen nur auf Interesse und nicht auf Ablehnung. Es ist mit ein Rätsel was Sie bewegt diesen Verriss zu schreiben: Wollen Sie sich bei Ihren nicht-bayrischen Kollegen einschleimen? Ist es das übliche Bayern Bashing oder wollten Sie nur Klicks erzielen? Leider musste ich in letzter Zeit häufig feststellen, dass meine geschätzte Wochenzeitung in der Niveaulosigkeit versinkt. Sie haben nun einen weiteren Beitrag dazu geleistet. – Sabine Spielmann


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Der Artikel ist sehr schön geschrieben und auch wenn er größtenteils von Herrn Clasing aus Hamburg berichtet, zeigt dieser Artikel das aktuelle Dilemma unserer Schulen auf. „Reaktoren, die mit Mut und Eigensinn ihre Schule zur Marke machen. Lehrer, die nicht mehr bloß Fächer unterrichten, sondern die Schülerschaft, die vor ihnen sitzt.“ Ich bin selber Lehrer. Ich Unterrichte zwar in einem etwas anderem Sektor (ähnlich Berufsschule), aber auch bei uns wird immer wieder überlegt, wie der Stoff an die Schülerschaft kommt.

Wir Lehrer haben Grobziele in unserem Lehrplan und wissen wo der Schüler, wann zu stehen hat. Der Weg dort hin ist prinzipiell jedem Lehrer freigestellt. Genauer gesagt muss jeder Lehrer die Analyse der Didaktik für die angemessene Methode finden. Ich denke aber, dass genau das das Problem der letzten Jahre in unserem allgemeinen Bildungssektor geworden ist. Vom Staat vorgegebene Schulformen bzw. -Abschlüsse, werden mit so vielen unterschiedlichen Methoden versucht zu erreichen. Antiautoritäre Formen der Mira Montessori, der „gute, alte“ Frontalunterricht und der „neueste“ Schrei das kompetenzorientierte Lernen. Manche Schulen verlangen die alten Schulbücher, unterrichten an Tafeln bzw. Whiteboard und andere Schulen legen fest, dass Schüler ein Apple IPad nutzen müssen und den Weg zu ihren Lernzielen in eigenem Zeit management zu erreichen haben. Der Wahn der „eigenen“ Marke führte in Celle schon soweit, dass eine Schule, die auf ihrem Hof Oberschule und Gymnasium beherbergen, den Oberschülern verbaut den Bereich (WC, Kiosk, Schulhof) der Gymnasiasten zu betreten, obwohl das Schulgelände offen ist.

Individualität ist gut und auch das Überdenken alter Lehrstrukturen, aber diese vielfache Individualität lässt mich fragen, inwiefern es da noch möglich ist einheitliche, und vor allem vergleichbare Abschlüsse zu erzielen. Das Ziel der Schulen sollte doch sein, das Handwerkzeug für ein selbständiges Leben zu geben, den kritischen Umgang mit unserer Umwelt zu schulen, aber vor allem eine länderübergreifende Chancengleichheit zu schaffen. Ich denke nicht, dass wir auf dem Markt Griffindors und Slitherins brauchen, sondern endlich wieder interessierte, selbstdenkende, kritische junge Menschen. Ich weiß, dass in meinem Leserbrief nicht ganz klar Stellung zu etwas beziehe, aber ich denke, dass ich doch den Gedanken sehr vieler Menschen auffassen, wenn ich frage, wann unsere Schulen endlich wieder eine klare Struktur erhalten und unseren Schulleitungen nicht mehr die Managementaufgaben unseres großen Bedarfsträgers, dem Staat, erledigen muss. Wir brauchen mehr Einheitlichkeit, Klarheit, Führung und erst wenn das gegeben ist kann durch Individualität ergänzt werden. – Hendrik Wendland


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Nein“ von Stefan Willeke

Die Einführung eines allgemeinen Tempolimits = Umverteilung von unten nach oben? Auf eine solche geistige Volte muss man erstmal kommen. Das Gegenteil ist der Fall: Durch ein Tempolimit würde endlich das Recht auf Nutzung des öffentlichen Raumes Autobahn zurückverteilt, von den Fahrern PS-starker Wagen hin zu Otto Normalverbraucher(in). – Prof. Dr. Marion Eggert


Leserbrief zu „Heißer Typ“ von Antje Joel

Ich fühlte mich besonders von Ihrer Frage angesprochen, wovor denn wir starken Männer die schwachen Weibchen beschützen sollen, wenn nicht den anderen Männern. Denn genauso fühle ich mich. Wenn ich mit meiner Freundin des Nachts unterwegs bin halte ich ausschließlich nach anderen Männern Ausschau, die typisch aggressiv-maskulines Verhalten an den Tag legen. Gäbe es diese nicht, müsste ich meine Freundin auch vor nichts beschützen (Und das mache ich nicht, weil mir dieses Beschützer-Beschützte-Rollenbild so Spaß macht, sondern weil meine Freundin 1,63 und ich 2 Meter groß sind, das ergibt sich dann automatisch). Ich jedenfalls kann mich mit der angesprochenen Werbung zu 100 Prozent identifizieren und habe Gänsehaut beim Anschauen bekommen. Gillette sollte unbedingt weiter so machen. Wenn auch nur um den Schaden auszugleichen, den sie und andere Unternehmen jahrzehntelang mit klassischen Rollenbildern in Werbung angerichtet haben. – Maik Niederstein


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Nein“ von Stefan Willeke

Die aktuelle Studie ist 23 Jahre alt.Eine aktuellere gibt es bis heute nicht.Die aktuellste lässt auf sich warten.Veraltet mit ihren Rezepten sind die Herren Seebohm bis Ramsauer.Veralteter ist Herr Dobrindt.Am veraltetsten ist Herr Scheuer. – Prof.Dr.med.J.Thomas Lambrecht


Leserbrief zu „Gefährliche Seelenführer“ von Doris Wagner

Also jetzt hat die katholische Kirche, und auch jede andere Religionsgemeinschaft, noch ein gravierendes Problem. Standen bisher sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen und deren jahrzehntelange Vertuschung durch die hohe Geistlichkeit im Mittelpunkt einer sich ständig ausweitenden Kritik an den Kirchen, kommt jetzt ein anderer Missbrauch endlich zur Sprache, die der „gefährlichen Seelenführer“. Es ist ein seit menschengedenken bekannter Missbrauch an Menschen, die sich aus Überzeugung oder Angst den Vertretern mächtiger Institutionen, sei es Kirche oder autoritäre politische Systeme, unterwerfen. In der Kirche oder einer Sekte ist es der Seelenführer in Gestalt von vorgesetzten Geistlichen oder dem Guru, der bedingungslose Unterwerfung und Gehorsam verlangt. Die Autorin, die als Theologin die Feinheiten des katholischen Unterwerfungsapparats gut kennt, zeigt Mut, wenn sie die verheerende Wirkung solcher Mittel des Machtmissbrauchs an jungen Gläubigen an den Pranger stellt. Der Kirche, als uralte Institution von Menschen für Menschen erschaffen, fehlt die Koppelung an den Mittelpunkt des Glaubens : Gott selbst. Wie kann es die auch geben wenn die Existenz Gottes lediglich eine Frage des Glaubens ist. Jesus und seine Jünger lebten als Menschen und ihre Überlieferungen wurden wieder nur von Menschen im Neuen Testament festgehalten. Nur das ist das Fundament der christlichen Kirchen, was leider dazu führt, dass ein Menschenwerk wie die Religion von einem totalitären Anspruch befallen ist. Deswegen ist die penetrante Überheblichkeit der Religionsführer in Fragen der Moral oder Glaubensgewissheit nur noch ein Stück Abfall, der auf den Müllplatz der Religionsgeschichte gehört. Nur wenn das Individuum beginnt, sich seinen Glauben an Gott selbst vorzustellen, ohne die Nötigung oder dem Diktat der Kirche, kommt er Gott hoffentlich näher. – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu „»Mein Gott, was war mit uns los?«“ von Frank Bajohr

Da ich als Kleinkind 1944 Körperkontakt mit einem Wehrmachtsbajonette hatte und nach dem Maurerbau als Student 3 x „Gespräche“ mit StaSi-Mitarbeitern hatte, habe ich eine besondere Interesse an die neuere deutsche Geschichte. Es hat mich immer gewundert, dass obwohl am 8.Mai fast alle Deutsche Widerstandskämpfer waren, so viele Nazi-Chargen geschafft haben, auch mit Hilfe der Kirchen, ihre gerechte Strafe zu entgehen. Man könnte es fast als noch größer als „das Wunder von Lengede“ bezeichnen, dass so viele aus unerklärbaren Gründe schafften nach Spanien und Süd-Amerika zu landen. Heute bekommt man wieder die selbe Verlogenheit bei den Pegida Mitwanderer zu hören „Wir wollen nur gegen irgendetwas protestieren“. Was für ein Unfug, jede einigermaßen demokratisch denkender Mensch würde nach ein oder zwei maliges mitwandern merken, was für ein Nazibrut da rumschreit und, dass nur die Kleidung und ein paar Wörter (z. B. Merkel statt Juden) sich von den Aufmärschen die in den 30er Jahren unterscheiden. Denn wenn die Leute so demokratisch wären wie sie behaupten, wie so bekommen AfD so viele Stimmen, hier ist ein großen Diskrepanz zwischen Aussagen und Stimmzettel! – Stein-Erik Greter


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Nach langer Zeit habe ich mal wieder eine Printausgabe der Zeit gekauft – wegen des Titelthemas „Hauptsache aufs Gymnasium“. Gespannt blätterte ich die Ausgabe durch, Seite um Seite…..NICHTS zu finden zum Titelthema. Schließlich eine Zeitschriftenbeilage mit dem Wort Schule auf dem Titelblatt und ein paar zusammenhangslosen Beiträgen (Inklusion, Historie des Gymnasiums). Aber zum Titelthema: NICHTS. 5,20€ für die Katz. Bei der Themenstellung hatte ich eine facettenreiche Beleuchtung der Problematik erwartet! Pro/Contra, Lebensläufe verschiedener Schulformabsolventen, Expertenmeinungen, Blick ins Ausland, Arbeitsmarktanalyse. Kritische Kommentare „Jeder Depp geht aufs Gymnasium, jeder Depp bekommt Abitur?!“ etc.pp. Schade. – René Marx


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

„Die Überschrift (auf S. 1 !?) weckte bei mir die Erwartung weiterer Argumente pro und contra Tempolimit (die Spritpreise sind für mich eher ein Stammtischthema, weil sie nicht für alle Bürger die gleiche Bedeutung haben und auch vielen anderen Einflüssen unterliegen). Da schon viele Leserbriefe zum Thema – insbesondere zu der Abhängigkeit des Energieverbrauchs von der gefahrenen Geschwindigkeit und zu vielen positiven „Nebenwirkungen“ eines Tempolimits – geschrieben wurden, kann ich mich „kurz“ fassen:

  1. Ulrich befürwortet das (Autobahn-)Tempolimit, um die Klimaziele zu erreichen. Die Politik hat diese Maßnahme jetzt abgelehnt(!?), obwohl sie von zahlreichen Debatten über maßgebliche Grenzwerte und Messverfahren überlagert wird und „endgültige“ Ergebnisse noch ausstehen. Der gesunde Menschenverstand sagt uns allerdings, dass mit einem Tempolimit auch eine Abnahme des Reifenabriebs (Feinstaub) verbunden ist. Die Beurteilung unseres Verkehrsministers Andreas Scheuer „gegen jeden Menschenverstand“ ist kein Argument – eher ein nahtloser Übergang zu einer Aussage seines Amtsvorgängers Alexander Dobrindt (die SPD solle nicht die „hirnlose“ Bürgerversicherung aus der Mottenkiste mit den alten Kamellen holen)! Wir wissen jetzt auch, dass ihn „die ständige Gängelung nervt“.
  2. Willeke begründet seine Ablehnung des Tempolimits u. a. mit dem Fehlen von aktuellen Studien. Es gibt keine Studien, die seine Auffassung bestätigen! Im Übrigen geht es ihm ausschließlich um seine „Freiheit“. Hat er denn kein „echtes“ Gegenargument? „Offizielle“ Gegner und Befürworter müssen überzeugende – auf recherchierten Fakten basierende – Argumente liefern! „Meine Meinung“ – frei nach dem Mann mit dem Morgenmantel (Olli Dietrich):

Schnelles Fahren kann Spaß machen. Vorrangige Aufgabe des Staats ist es aber nicht, dies (weiterhin) zu ermöglichen. Auch wenn jegliche „Bevormundung“ abgelehnt wird, muss der Staat für die möglichste Unversehrtheit aller seiner Bürger sorgen! Für das Tempolimit spricht außerdem, dass viele Autobahn-Unfälle glimpflicher verlaufen würden. Dieses Argument wird durch den Aspekt, dass auf der Landstraße mehr Unfälle passieren, nicht entkräftet (das gilt auch für die Tatsache, dass nur noch wenige km „unbegrenzt“ sind). Verkehrsleitsysteme leisten zwar bereits Einiges, können aber ein allgemeines Tempolimit nur ergänzen. Der Aufwand für die Einführung des Tempolimits wäre gering – Ersatz der „Richtgeschwindigkeit“ durch „Höchstgeschwindigkeit“. Dass nur Deutschland (sowie Nordkorea und Afghanistan) bisher kein Tempolimit haben, ist übrigens kein stichhaltiges Argument dafür! Es beweist aber, dass ein Leben mit dem Tempolimit möglich ist. Es soll sogar angenehm sein! Mögliche „Opfer“ haben unser Mitgefühl. Sich ernsthaft mit unseren Lebensumständen auseinanderzusetzen kann irgendwann auch „Verzicht“ erfordern! Etwas Polemik kann ich mir nicht verkneifen: Muss(te) das Verkehrsministerium mit unfähigen CSU-Politikern besetzt werden?“ – Helmut Lenhart


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Ich bin Gymnasiallehrerin, arbeite aber seit 8 Jahren an einer Stadtteilschule in Hamburg. Natürlich gibt es Momente, in denen ich mich nach den artigen, leistungsorientierten Klassen aus meinem Referendariat in Bayern zurücksehne und die Möglichkeit, fast ausschließlich frontal Unterrichtsstunden abzuspulen. Aber ich bin von der Schulform Gymnasium und von einem zwei- bzw. dreigliedrigen Schulsystem nicht mehr überzeugt, weil es, wie der Artikel deutlich macht, nicht die Realität der Bevölkerung abbildet und die Chancengleichheit torpediert. Die Herausforderungen, die jetzt an das Gymnasium gestellt werden, haben die Stadtteilschulen (oder in anderen Bundesländern Gesamtschulen) längst angegangen. Trotzdem wird in der Presse und vor allem in Elternrunden noch zu oft von Resteschulen gesprochen oder die Alternative zum Gymnasium nicht ernsthaft in Betracht gezogen. Im Artikel „Überfüllt und überfordert“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak wird die Alternative zum Gymnasium noch nicht einmal erwähnt. Dabei passiert an den Stadtteilschulen genau das, was laut den Autoren als nächstes für die Gymnasien auf der Agenda steht.

Die Bereiche in denen das Gymnasium Erneuerung und finanzielle Unterstützung braucht, sind die, die an den Stadtteilschulen bereits eingeführt worden sind: Ganztagsunterricht, Begabtenförderung, Differenzierung, Fortbildung, multiprofessionelle Teams und Lehrerstunden für Kooperationen. Leider hat die Politik immer noch nicht begriffen, dass diese Bereiche die dringendsten Posten sein sollten, wenn es um Investitionen geht. Es fehlt immer noch an Ressourcen, auch an den Stadtteilschulen. Wenn wir die Schullandschaft nicht dahingehend verändern, geht das Potenzial der Schüler und der Lehrer verloren. Das gilt unabhängig von dem äußeren Label „Gymnasium“. In diesem Zusammenhang wäre aus meiner Sicht noch zu nennen, dass die beiden Schulformen von Synergieffekten profitieren könnten, würde man die vorhandene Expertise zusammenführen und Kooperationen schaffen.

An unserer Stadtteilschule bekommen wir in Jahrgang sieben meistens mindestens eine ganze Klasse sogenannter „Rückläufer“ vom Gymnasium. Die Eltern hatten sie dort angemeldet. Sie wollten die besten Chancen auf einen möglichst hohen Schulabschluss für ihr Kind. Das ist verständlich, aber das Gymnasium ist dafür nicht immer die beste Wahl. Kinder, die in Jahrgang 5 und 6 die bittere Erfahrung machen mussten, nicht zu genügen oder nicht gut genug zu sein, verlieren die Lust an der Schule und vor allem: es wird nachhaltig auf ihrem Selbstwert herumgetrampelt. Gerade in dieser entscheidenden Entwicklungsphase ist das fatal und das merken wir an der Stadtteilschule in eben diesen Klassen. In den Parallelklassen hat dann schon zwei Jahre soziales Lernen stattgefunden, die Klassen haben einen engen Bezug zu dem Tutorenteam und durch individualisierte Lernzeiten werden die Unterrichtsinhalte differenziert. Die SchülerInnen gehen dadurch so stark wie möglich in die Pubertät. Mit dem Gefühl des Versagens in die Pubertät zu starten, ist dagegen vollkommen kontraproduktiv für jede Entwicklung.

Es kann doch für die Eltern von Schülern mit Gymnasialempfehlung nur wünschenswert sein, wenn ihr Kind in einer Klasse von Anfang an zu den Leistungsträgern gehört und nicht nur durch Noten sondern auch dadurch Bestätigung erfährt, Teil einer starken Klasse zu sein in der alle zusammen zu ihren individuellen Zielen kommen. Wenn es darum geht, Persönlichkeiten zu bilden, die die „Problemlöser von morgen“ werden und „Verantwortung übernehmen für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ dann geht das nur in einem gesamtgesellschaftlichen Umfeld. Wir können uns als Gesellschaft eine derart veraltete Schulform nicht mehr leisten, sondern müssen dafür sorgen, dass die Schulen, die wir entwickeln für alle das Beste zu bieten haben. Das Beste bekommt man in diesem Fall nicht an einer alten, einsamen Spitze. – Lydia Lach


Leserbrief zu „Dr. med. Schamane“ von Thomas Fischermann

Ich freue mich ja immer, wenn es in ihrer Zeitung Berichte mit ethnologischen Themen gibt, und bin dieses Mal wirklich schockiert wie unreflektiert und exotisierend ihre Berichterstattung ist. Sie wählen Ausdrücke wie `Die Weißen` oder `die Eingeborenen Völker` ohne sich damit auseinanderzusetzen, welche kolonialen Ursprünge und Ideologien dahinterstecken, und von Ihnen weitertransportiert werden. Die Art und Weise wie sie über ´die Indianer` berichten, die kaum Kontakt zur `privilegierten` Gesellschaft haben und in ihrer Lebensweise `unterentwickelt` sind, da sie `abgeschottet` leben und mysteriöse Heilmethoden und ominöse Schamanen besitzen, ist stark veraltet und tief kolonial. Es basiert auf Gedankengut aus dem 19. Jahrhundert, das im Zuge einer Legitimationssuche für die Kolonialpolitik, Missionierung und Beherrschung der neubesetzten Gebiete, die Indigenen Menschen als `primitive, einfache Naturvölker´ diffamierte. In Ihrer Berichterstattung wird weniger tatsächliches Wissen über schamanistische Medizin und die Kontroverse in Brasilien dazu, als kolonialistisches Gedankengut im 21. Jahrhundert wiedergeben und damit an die Leser*innen vermitteln. – Marietta Meier


Leserbrief zu „Freiheit des Ostens“ von Stephan Wackwitz

Der Autor will die Leser glauben machen, er sei – mehr als die von ihm ironisch karikierte „hochgestellte“ deutsche Expat-Persönlichkeit in Tbilissi – thematisch und gefühlsmäßig näher am Puls der einheimischen Bevölkerung in Polen, der Slowakei und Georgiens, also der Länder, für die er das jeweilige regionale Goethe-Institut leitete. Dies ist mitnichten so. Bleiben wir bei Polen, dem von ihm mit der Ermordung des Danziger Stadtpräsidenten gewählten Beispielland. Es hat in Polen nie einen liberalen Katholizismus gegeben, weder in der kommunistischen Zeit bis 1989 noch danach. Auch der lächelnde Karel Wojtyla hat als Papst seine Kirche in Polen selbst immer als Hemmschuh von Reformen bezeichnet und war offensichtlich zufrieden damit. Warum wohl? Die entscheidende Schwäche der polnischen Gesellschaft und des Parteiensystems ist das Fehlen eines linken, sozialdemokratischen Gegengewichts zum nationalkonservativen Spektrums. Nach dem Debakel der Postkommunisten zielt die Mehrheit speziell der ländlichen, katholisch-konservativ eingestellten Bevölkerung mangels Alternativen in Richtung PiS. Die besser gestellte Mittelschicht in den Städten hingegen tendiert eher zum KOD-Komitee, aber in überschaubarer Größenordnung.

Der Autor ermahnt den Leser abschließend einerseits, die reformerischen Kräfte in den drei genannten Ländern zu unterstützen, warnt aber andererseits davor, unsere westlichen Werte dorthin zu exportieren. Seine Idee einer eigenständigen, anderen, östlichen Moderne scheint mir einer typisch westlichen laissez-faire-Kultur zu entspringen. Sie verkennt, dass die reaktionären Entwicklungen in Osteuropa den kurzen westlich orientierten Abschnitt von 1990 bis ca. 2005 längst abgelöst und anscheinend irreversibel gemacht haben. Die Zukunft der ehemaligen RGW-Staaten wird wohl eher anti- als europäisch orientiert sein. In diesem Sinn sind leider alle europäischen Staaten eher nationalistisch geprägt. Woher der Autor seinen Optimismus nimmt, dass es ausgerechnet in „seinen“ Ländern nur ein Interregnum solcher Tendenzen gibt, erschließt sich mir jedenfalls nicht. Er ist eben auch nur ein westintellektueller Ex-Pat, der sich „beleidigt“ eine Entwicklung ansehen muss, die ihm intellektuell und politisch nicht passt. – Hans Georg Binder


Leserbrief zu „Hauptsache, starke Bilder“ von Thomas Assheuer

Das Buch „Stella“ von Herrn Würger wird nun seit Wochen durch die Feuilletons getrieben und Autor und Verlag werden mit schwerem Geschützfeuer belegt. Das ist aus meiner Sicht nicht ganz fair. Herr Würger ist ja eigentlich Journalist und die Story an sich ist natürlich ein Reißer: Hübsche Jüdin wird von den bösen Nazis erpresst und verrät jüdische Mitbürger. Das Problem ist nicht das Thema, wie vielfach zu lesen war, sondern es ist die Perspektive, an der Würger scheitert. Und da ist er nicht der erste. Um ein solches Buch zu schreiben, müsste man entweder aus der Ich-Perspektive erzählen, was schon daran gebricht, dass Männer selten erfolgreich sind, wenn sie aus Frauensicht erzählen, oder man muss auktorial ganz nah ran an das Seelenleben der Protagonistin. Und hier kommt der deutsche Skrupel in puncto Juden ins Spiel. Wie soll der deutsche Autor die Ambivalenz einer deutschen Jüdin so erzählen, dass er sich nicht des Antisemitismus oder des Mittäteranscheins der Juden verdächtig macht?

Hierzu müsste man einen Schritt zurücktreten und sich die (reale) Situation der Stella Goldschlag vor Augen führen: Sie muss, um ihre Eltern und ihren Mann vor dem Tod zu bewahren, Verrat üben. Nur wen verrät sie? Sie verrät Juden. Was hat sie außer der Religion mit diesen Menschen im alltäglichen Leben jedoch gemein? Der Denkfehler der Deutschen im Umgang mit ihrer Vergangenheit ist der, alle Juden als Juden zu sehen. Aber was hatte Stella mit einem Ultraorthodoxen gemein, was hatte sie mit einem Juden zu tun, der am anderen Ende Berlins lebte? Die Perspektive hätte demnach der zynische Blick wie auf Tony Soprano sein müssen, der eben noch seine Kinder in der Schule abgesetzt hat, um nun Knochen zu brechen oder zu morden. Stella Goldschlag verrät ja nicht ihre Angehörigen, um sich selbst zu retten, sie verrät andere in Lebensgefahr schwebende, um ihre Angehörigen zu retten. Und dann werden ihre Eltern und ihr Mann doch deportiert, aber sie macht weiter, auch, um sich selbst zu retten. Sie hat die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ist es da nicht angemessen, diesen inneren Orkan auch entsprechend zu schildern, unabhängig von der ex-post-Betrachtung des Holocaust? Claude Lanzmann hat einen Film über Rabbi Murmelstein gedreht, der als Rabbiner in Wien und später als Judenältester in Theresienstadt mit den Nazis „zusammenarbeiten“ musste. Hier zeigt sich der grauenhafte Zynismus der Nazis, die sogar noch ihre Opfer instrumentalisierten, um ihr tödliches Werk in die Tat umzusetzen. Man kann deshalb Stella keinen anderen Vorwurf machen als den, es geschafft zu haben zu überleben, ein Vorwurf, der selbst in Israel gegen die Überlebenden erhoben wurde, da sie sich nicht genug gewehrt hätten.

Den Vorwurf, den man Würger deshalb machen muss, ist der, nicht radikal genug gewesen zu sein. Die Täter bleiben ja die Täter und die Opfer bleiben Opfer, auch wenn man sie zu Mittätern macht. Die Soldaten des Exekutionskommandos in „Wege zum Ruhm“ erschießen ihre Kameraden, obwohl sie ihnen viel näher sind als den Offizieren, die die Hinrichtung befehlen. Würger hat vielleicht ein schlechtes Buch geschrieben, aber da gibt es viel Schlimmeres. Wie viele unsägliche Bücher sind in den letzten Jahren erschienen, die sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinandersetzten und dabei natürlich zeigten, dass es ja so viele gute, unverstandene Deutsche gab, die doch alles anders wollten und die doch auch selbst so sehr unter dem Naziterror leiden mussten. Man muss dabei auch Julia Francks Roman Die Mittagsfrau nennen, der von der zerstörten Liebe zum Juden und der grausamen Ehe mit dem grausamen Nazi handelt. Das ist Klischee bis hin zur Beschreibung des schönen, beschnittenen Penis im Vergleich zum dicken, unförmigen Nazischwengel. Dazu gehört auch das Buch der Enkelin von Amon Göth, das lediglich auf der unerwarteten Tatsache aufbaut, dass die Enkelin des Lagerleiters von Plaszow eine Farbige ist. Solche Geschichten haben alle ein Problem: Es fehlt an Entwicklung. Das zeigt sich auch beim Film Der Untergang von Oliver Hirschbiegel. Es geht um Hitler, der, ähnlich wie bei Würger, vom großen Schweizer Bruno Ganz verkörpert wird. Welchen deutschen Schauspieler hätte man wohl für die Rolle gewinnen können? Nur wie soll man einen Film über Hitler machen? Womit soll sich der Zuschauer bei einer Hauptperson Hitler identifizieren? Es wäre wie ein Film, der Hannibal Lecter bei der Zubereitung von Menschenfleisch zeigte. Ein Film über Hitler hätte keine Entwicklung. Nicht einmal Gerhard Polt war in der Lage, sich dieser Problematik in der ihm eigenen Art und Weise filmisch zu nähern.

Was passiert im „Untergang“? Man dreht den Film aus der Perspektive von Hitlers Sekretärin, gespielt von der wundervoll rehäugigen Anna Maria Lara. Nur hilft dieser Trick kein bisschen weiter. Man will Hitler brüllen hören, will das Irre in seinen Augen sehen, will einfach nur bestätigt bekommen, dass der Mann größenwahnsinnig und verrückt war und deshalb quasi eine Märchengestalt aus vergangener Zeit. Man kann sich Hitler nicht mittels Drama nähern. Der beste Hitler war Charlie Chaplin. Es ist im „Untergang“ wie beim Eichmann-Prozess: Es kommt nichts, weil der Mensch genauso ist, wie er war. Hannah Arendt verkannte Eichmann, als sie die Banalität des Bösen schrieb. Da war nichts banal. Eichmann war ein kalter Massenmörder. Er war quasi der Pate, der mit einem Blick, mit einer Unterschrift den Tod von Millionen besiegelte. Im Prozess in Jerusalem, im Angesicht des eigenen Todes, wollte er sich – wie viele andere vor ihm – als kleines Licht in einer endlosen Befehlskette darstellen, das für nichts etwas konnte und sich selbst schützen musste. Hier besteht jedoch der Unterschied zu Stella: Bei ihr ging es tatsächlich um Leben und Tod, bei Eichmann nur um das Ego. Der vergebliche Versuch, sich dem Bösen zu nähern, ist überflüssig, weil von vornherein zum Scheitern verurteilt. Ein Film mit Hitler wird ein Kassenschlager. Es geht also um Verkaufe und nicht um Erzählung. Das gilt auch für Donnermarcks Richter-Film. Die Geschichte eines farbenblinden Malers wäre an sich eine großartige Idee. Es wäre wie ein Beethoven der Malerei. Nazi- und DDR-Uniformen sind nur dazu da, das im Ausland gewollte Deutschlandbild zu kommunizieren. Nur mit dem Nazi-Bezug gibt es eine Oscar-Nominierung. Das weiß Donnersmarck. Und nur mit Oscar-Nominierung verdient er was mit dem Film. Das ist verwerflich, weil so die Geschichte der Deutschen ihre Verantwortung für die Zukunft aufgibt. Da spielt der eigene Umgang Richters mit seiner Familiengeschichte keine Rolle.

Das gilt auch für verklärende Machwerke wie Unsere Mütter, unsere Väter. Ein PR-Spektakel mit schlechter Story und voller Geschichtsklitterung. Der „böse“ Soldat rennt in das MG-Feuer der Russen, der gute überlebt, um seine große Liebe zu heiraten. Es stirbt die Affäre des fiesen SSlers, der selbst natürlich auch in der BRD Karriere macht. Der Jude schließt sich den antisemitischen polnischen Partisanen an und überlebt natürlich, in Deutschland darf kein Jude von deutscher Hand im Fernsehen getötet werden. Der ganze Film meidet alle wirklichen und echten von deutschen verübten Gräuel. Natürlich darf die Erschießung von Frauen nicht fehlen, dafür werden aber ausführlich die Massenvergewaltigungen der Russen thematisiert. KZs kommen nicht vor, die Polen sind ja antisemitisch genug, um die Juden in den Viehwaggons ihrem Schicksal zu überlassen. Man braucht weder Höcke noch Gauland, um Geschichtsrevisionismus im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bestaunen zu können. Doch zurück zum Anfang: Würger hat ein schlechtes Buch über ein gutes Thema geschrieben. Das ist kein Grund, über ihn herzufallen. Ich muss aber sagen, dass mit Frau Baums Buchkritik insgesamt gefallen hat, weil sie ehrlich und persönlich war. Herrn Soboczynskis Kritk über Houllebecq war dagegen daneben. Er setzt den Autor mit dem Buch gleich. Das ist ein üblicher Fehler. Das bedeutet dann aber auch, dass man den Demokratieverächter T. Mann als Autor der Buddenbrooks nicht mehr lesen sollte und dass man den SS-Schergen G. Grass endlich als den Antisemiten wahrnehmen sollte, der er war.

Houllebecq vertritt eine andere Meinung in Sachen Politik als Herr Soboczyinski. Das ist meiner Meinung nach sein gutes Recht. Er ist nicht der einzige auf der Welt, der den Nationalstaat für eine gute Idee und der Trump für einen großen Präsidenten hält. Das nennt man Meinungsfreiheit. Hier geht es auch nicht darum, ob man einen Nationalstaat gut findet, der keine Minderheiten duldet oder sie diskriminiert und ob man Hitler oder Stalin als den größten Politiker aller Zeiten sieht. Hier geht es schlicht um unterschiedliche Sichtweisen der derzeitigen Themen. Herrn Houllebecqs Bücher deshalb quasi auf den Scheiterhaufen zu werfen, weil sie von einem Salonrassisten geschrieben seien, ist dann doch deutlich over the edge. Hat nicht Herr Soboczynski neulich über die Grostadtweltbürger und die Kleinstadtkleinbürger philosophiert? Ist er also selbst ein kleiner Spießer, der die Meinung anderer schlicht deshalb nicht akzeptiert, weil sie nicht der seinen entsprechen? – Dr. David Wolff


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Nein“ von Stefan Willeke und zu „Hauptsache, starke Bilder“ von Thomas Assheuer

Ich bin erschüttert. Erschüttert darüber, dass es ein so oberflächlicher Kommentar wie der von Stefan Willeke auf die erste Seite einer so angesehenen Zeitung schafft. Da verteidigt einer in Stammtischmanier seinen Way of life. Erkenntnisse und Studien wischt er mit einem polemischen Seitenhieb beiseite. So habe ich Herrn Willekes Beiträge bislang nicht wahrgenommen. Übrigens: Zu dem Zeitpunkt, als ich die Kommentare pro und contra las, war ich selbst noch unentschieden, ob ein Tempolimit sinnvoll ist oder nicht. Daher hatte ich mich über das Pro und Contra gefreut, hätte mir aber beim Contra mehr Substanz gewünscht. Erschüttert hat mich auch der Beitrag „Genug gespielt. Jetzt wird´s ernst“. Hier drängt sich mir der Eindruck auf, als habe der Autor mit Theater – oder besser: mit dem Theatermachen wenig Erfahrung. Ihm gelingt es nicht, die Äußerungen der Befragten und das, was er wahrnimmt, einzuordnen. So bleibt der Beitrag auf dem Niveau eines gehobenen Schulaufsatzes. Ganz anders Thomas Assheuers Beitrag „Hauptsache, starke Bilder“. Da spürt man in jeder Zeile die tiefe Kenntnis und ernsthafte Auseinandersetzung mit der Materie. Er zeigt Haltung und lässt doch Raum, sich einen „eigenen Reim“ auf das Thema zu machen. Einfach klasse! Das ist „meine“ ZEIT. – Anja Martin


Leserbrief zu „Mr. Big Applause“ von Roland Lindenblatt

Wirklich ein prima Artikel. Die Energiewende bringt den Betrieben der Heizungs- und Klimatechnik gute Geschäfte. Wir dagegen wohnen wieder in einer Höhle, umgeben von den Lagerfeuern der Einzimmerkamine (ab ca. 400 € in jedem Baumarkt) mit ihren Löchern in der Außenwand und den davor gebauten Metallkaminen. Diese pusten, einmal angefeuert, Feinstaub, CO2 und einen fürchterlichen Rauchgeruch in die Atemluft. Allerdings gewollt, da diese Kamine klimaneutral sind (wer weiß schon was die Eigentümer solcher Kamine darin verbrennen). Wir können an manchen Tagen nicht einmal beim Kochen die Terassentür zum Lüften öffnen, da unsere Wohnung sonst wieder zu der Höhle mit Feuerstelle ohne Abzug wird, aus der wir einmal gekommen sind. Mittlerweile haben wir sogar verstanden, dass der Rauch so tief über dem Boden wabbert, dass wir beim Lüften erst einmal auf die Knie gehen (vor Ehrfurcht des Umweltschutzes) und riechen, bevor wir die Tür aufstehen lassen. – Hans-Peter Krakor


Leserbrief zu „Mit mir in Reimen“ von Francesco Giammarco und Alexander Krützfeldt

Für mich war das Interview mit Herrn Dendemann sehr aufschlussreich. Mir fiel dazu folgender Reim ein:
Dendemann, oh Dendemann,
es kommt auch auf’s Gelände an,
in dem man sich derzeit bewegt
und sich langsam die Schuh‘ zerlegt.
Dr. D. Kleemann


Leserbrief zu „Heißer Typ“ von Antje Joel

Wieder einmal bin ich begeistert von der Klarheit und dem Mut, die Antje Joel in ihrem Text an den Tag legt. Zuerst bin ich etwas zusammengezuckt wegen der ungewöhnlich scharfen Sprache („Scheißbenehmen“), doch während ich weiterlas konnte ich immer mehr nachvollziehen, wie notwendig solche deutlichen Worte sein können. Es gibt den Begriff der „heiligen Wut“ – die hat auch mich beim Lesen erfasst! Ich habe mir den Gilette-Werbespot angeschaut und war tief getroffen. Auch wenn Gilette natürlich vor allem sein Produkt verkaufen will – die Botschaft im Spot könnte gesellschaftskritischer nicht sein. Nicht weniger wird hier gezeigt als die innermenschliche Ursache von Gewalt und Krieg. Und das betrifft in der praktischen Ausführung mehrheitlich die Männer. Wenn man schon den Begriff „männlich“ benutzen will, der auch nicht völlig klar zu bestimmen ist: Was könnte also „männlicher“ sein als für Menschlichkeit einzutreten, als Schächere zu schützen, als mutig einzuschreiten, wenn Unrecht geschieht? Alle diese Männer im Spot sind die „neuen Männer“! So geht gelebter Frieden, so geht Vorbild sein für die Kinder, so geht MENSCH SEIN. Wer darüber lacht oder abfällig lästert, der hat wohl den eigenen Schmerz gut genug verdrängt. Den Schmerz, nicht geliebt, nicht geschützt, nicht geachtet worden zu sein. Wie viele Väter habe ich schon beobachtet auf der Straße, auf dem Spielplatz oder im privaten Umfeld, die die Seelen ihrer kleinen Söhne kaputtmachen mit ihrer Unfähigkeit zu Empathie?? Das Leid fängt genau an diesem frühen Punkt im Leben schon an. Der Spot zeigt die Kindergesichter am Ende mit ihren noch offenen Gesichtern und Blicken und sagt es wie es ist: Aus diesen Jungs werden die Männer von morgen. Diese Kinder sind Menschen mit Seelen, die sich entfalten wollen, mit Gefühlen, die gelebt werden wollen, in all ihren Facetten. Es sind Kinder, die einen Vater brauchen, auf den sie mit Liebe und Hochachtung blicken können. Der Spot zeigt genau, wie das aussehen könnte. Das Gleiche gilt natürlich genau so für Frauen bzw. Mütter. Hoffentlich kommen wir irgendwann dahin, die engen Konzepte von Männlichkeit und Weiblichkeit zugunsten unserer Menschlichkeit beiseite zu legen, damit solche Spots nicht mehr nötig sind. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zur „Serie: Der Zustand der Welt“ von Tim Kalvelage et al.

Ich bin so verdammt froh, dass Sie der extrem brenzlig gewordenen Lage, in der sich unser Planet befindet, so viel Raum geben. Es ist das wichtigste Thema von allen mit Konsequenzen für alle Lebensbereiche der Menschen in allen Ländern. Und die Lage ist irrsinnig komplex. Ihre Zeitung leugnet das nicht, aber Sie bemühen sich darum, ihre Vielgestaltigkeit aufzudröseln. Danke! Der Leitartikel von Bernd Ulrich in der Zeit Nr. 5 gab mir den letzten Anstoß, Ihnen dies endlich einmal zu schreiben. – JA! Jeder und jede und jede einzelne Institution und erst recht die Politik muss alles tun, was sie kann. Jetzt. Sofort. Egal wie klein der Impact der einzelnen Handlung ist. „Jeder Cent zählt,“ heißt es doch, wenn wir für den guten Zweck sammeln. Vielleicht haben wir dann eine Chance, etwas von der Erde, wie wir sie kennen, zu retten. Bitte machen Sie weiter so. Rufen Sie weiter laut, wie es aussieht, sodass jeder es hört. – Anna Fuy


Leserbrief zu „»Als hätten wir fünf Planeten«“ von Marcus Rohwetter und Kolja Rudzio

Herr Paetow bedient sich eines alten Missverständnisses. Seine Aussage „öffentliches Geld für öffentliche Güter!“ S. 21, verdreht die Sachlage und das Rechtsempfinden. Anstatt diejenigen, die öffentliche Güter schänden per Strafe daran zu hindern, verlangt man eine Förderung dafür, dass man damit aufhört. Die Verschlechterung der Grundwasserqualität durch die Überdüngung der Böden, der überproportionale Bodenverbrauch zur agrarwirtschaftlichen Nutzung, schändet das Recht der Menschen und Tiere auf ein unbeschadetes Leben. Wenn wir das Richtige zu tun zum Geschäftsmodell erheben, fördern wir damit letztlich nur, dass Menschen das Falsche tun. Sich dafür bezahlen zu lassen, dass man aufhört etwas zu tun das anderen schadet, macht schädliches Verhalten profitabel. Das Problem ist nicht, dass ein öffentliches Interesse an sicherem und und unbeschadetem Lebensraum vorherrscht sondern dass die, welche diesem Interesse aktiv und mutwillig entgegenwirken irriger Weise glauben, sie hätten das Recht dazu. Anstatt über Förderungen zu sprechen sollte die Gesellschaft schädliche Geschäftspraktiken und Verhaltensweisen konsequent bestrafen. – Dr. M. Culka


Leserbrief zu „Freiheit des Ostens“ von Stephan Wackwitz

Die so differenziert dargestellte andere kulturelle/politische Wirklichkeit erhellt meinen Blick auf die osteuropäischen Kulturen und relativiert die sonst eher blockhafte Berichterstattung über die reaktionären Kräfte dort. So wirkt Presse unterstützend und stärkend für die in die Gesellschaft. – Charlotte Bossinger


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Ich weiß, das Für und Wider gehört zur DNA der ZEIT. Und zum initiierten verbalen Schlagabtausch wohl auch eine Portion Polemik. Aber die des „Unmenschen“ Willeke in seinem Artikel ist mir zu billig und zu viel. Ein Beispiel ist der scheinbar sachlich in eine Frage gekleidete Vergleich vom Stickoxid emittierenden Gasherd und der „herüberwehenden“ Dieselwolke. Vielleicht meinte er, „seriöse“ Experten diskutieren über den Gasherd an der Hauptverkehrstrasse und das Dieselauto im Kinderzimmer. Noch kurz zu seiner sozialen Dimension. Meine Kinder und deren Kinder wohnen in einem Hamburger Stadtteil so zwischen Unter- und Mittelschicht, für die Herr Willeke sich ja verbal stark macht. Sie freuen sich über gesundheitsvorsorgende und nicht nur proklamierte Maßnahmen unseres Staates, zur Vermeidung von Luftverschmutzung und weniger über rasende Reporter. Nun versucht auch wieder unser höchster Verkehrsexperte Scheuer – like Trump – mit seinem verbalen Furz, Deutschland hätte weltweit die sichersten Autobahnen, die Dieseldebatte zu befeuern (Bitte Faktencheck!). Apropos Trump. Der ZEIT-Artikel „Endlich ein schlanker Staat!“ ist sehr lesenswert. Es fehlt Trumps Asbest-Erlass, für den er wohl auch ein paar seriöse Experten gefunden hatte. – Uwe Meyer-Gross


Leserbrief zu „Gefährliche Seelenführer“ von Doris Wagner

Als Mitglied einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde möchte ich mich dagegen wehren, dass Freikirchen mit Sekten und der katholischen Kirche in einen Topf geworfen werden, wenn es um Missbrauch geht. Missbrauch ist in Freikirchen nicht unbekannt, aber die Machtstrukturen, die es in Sekten und der katholischen Kirche gibt, sind in Freikirchen nicht zu finden. So ist der Ausmaß des Missbrauchs nicht zu vergleichen. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Ja“ von Bernd Ulrich

Sie schreiben, dass es längst Steuermodelle gibt, die eine Rückverteilung der Abgaben pro Kopf der Bevölkerung vorsehen. Schön, dass Sie diese Idee aufgreifen, die bereits Frau Kerstin Bund in einem Artikel in der ZEIT N° 42 ansprach. Auf der von Ihnen erwähnten Internet-Seite wird die Kampagne dargestellt, die laut Wall Street Journal vom 16. Januar 2019 von Ben Bernanke, Alan Greenspan und 27 Nobelpreisträgern vorgestellt wurde. Diese Initiative dürfte gerne auch von der ZEIT der deutschen Leserschaft vorgestellt werden. Dazu ein paar Anmerkungen von mir:

Das Wort „Carbon Dividend“ oder „Klimadividende“ wie es in Deutschland genannt wird, suggeriert, dass aus einer (Geld-)Anlage eine Ausschüttung (einer Erfolgsprämie) stattfindet. Es sollte deshalb das Wort „Rückverteilung“ gewählt werden. Auch sollte man von Abgaben sprechen, denn Steuern sind laut Definition Einnahmen der Öffentlichen Hand zur nicht zweckgebundenen Verwendung, während Abgaben grundsätzlich auch rückverteilt werden dürfen. Es ist mir ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass die Rückverteilung pro Kopf der Bevölkerung (Eltern bekommen den Betrag für ihre Kinder) einige sehr wichtige Ansätze bereithält:

  • Der durchschnittliche Nutzer bekommt soviel Rückverteilung wie er (in den Preisen versteckte) Abgaben bezahlt hat. Überdurchschnittliche Nutzer zahlen netto, unterdurchschnittliche bekommen einen „Bonus“ für ihr Verhalten. Somit erhält jeder einzelne Bürger direkten, monetären Anreiz für umweltfreundliches Verhalten.
  • Sowohl die Abschöpfung der Abgabe bei Inverkehrsetzen fossiler Energieträger (bei Förderung oder Import) als auch die Auszahlung zu gleichen Teilen ist ohne großen bürokratischen Aufwand umzusetzen.
  • Durch die gleiche Höhe pro Kopf der Bevölkerung kann vermittelt werden, dass die CO2-Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre ein natürliches Gut ist, das allen Menschen gleichermaßen zusteht. – Hannes Eichinger

Leserbrief zu „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke

„Wer bist Du?“ fragt Dich Dein Vater, lieber Friedrich. Du kannst ihm nicht antworten. Nicht mit Worten. Sprechen kannst Du auch mit zwölf Jahren noch nicht. Deshalb macht er sich ein Bild von Dir. Denn Dein Vater Florian Jaenicke ist Fotograf. Mit seinen Fotos sagt Dir Dein Vater „Ich liebe Dich!“ Dem Betrachter zeigen sie stolz: „Seht her, das ist mein Sohn!“ Du kannst die Fotos Deines Vaters nicht lesen. Doch Du kannst Dinge lesen, die Dein Vater nicht sehen kann. Seine Frage „Wer bist Du?“ verstehst Du nicht. Dein Blick ist Deine Antwort. „Wer bist Du?“ antwortest Du dem Betrachter. Deine Augen sehen uns nicht an, und scheinen uns doch zu durchschauen. Freundlich, neugierig und vorbehaltlos. Du strahlst Zuversicht aus und Selbstvertrauen. Lebensfreude und eine Klugheit jenseits sprachlicher Vernunft. Dein Blick stellt uns eine Frage. Dein Blick stellt uns in Frage.

Ich erkenne keine Spuren von Leid, keinen Hinweis auf Schmerz, keinen Ausdruck von Mangel in Deinem Gesicht. Obwohl ich weiß, dass Du mehr Schmerzen durchlebst als andere und viele Dinge nicht kannst, die für die meisten Menschen selbstverständlich sind. Wie sitzen, laufen oder sprechen. „Wer bist Du, dass Du Dir ein Bild von mir machst?“ fragst Du zurück. Und „Was Du in mir siehst, bist Du das nicht selbst? Ist es nicht Deine Angst vor eigenem Verlust, Versagen und Schmerz; letzten Endes vor dem Tod?“ Florian Jaenickes Fotos von seinem schwer mehrfachbehinderten Sohn Friedrich zeigen uns, was wir nicht sehen wollen. Sie halten dem Betrachter den Spiegel vor. Genau das macht sie zum Skandal. Denn Begegnungen mit Kindern wie Friedrich rühren an die Wurzeln unserer eigenen Existenz. Und stellen zugleich unsere moralischen und gesellschaftlichen Werte in Frage.

Körperlich und geistig schwer beeinträchtigte Kinder setzen dem Leistungsgedanken als Motor des Kapitalismus ihre umfassende Hilfsbedürftigkeit entgegen. Dem Machbarkeits-Wahn der modernen Wissenschaftswelt den maximalen Kontrollverlust. Und der Spaß-und-Event-Gesellschaft ihre Schmerzen und ihr unverdientes Leid. Für Kinder wie Friedrich gehören Freude genauso wie Schmerzen ganz selbstverständlich zu ihrem Leben. Sie durchleben beides mit der gleichen überwältigenden Intensität, die uns als Betrachter sprachlos macht. „Was für ein schweres Schicksal“, sagt unser Verstand. Unser Wissen macht uns blind. Blind für das, was Kinder wie Friedrich uns voraus haben. Ihre ansteckende Lebensfreude, ihre unstillbare Neugier auf das Hier und Jetzt, ihr fragloses Bei-sich-sein in jedem einzelnen Moment. All das kann man auf den Fotos von Friedrich sehen, die sein Vater Florian Jaenicke uns von ihm zeigt. Denn Jaenickes Fotos bestätigen nicht das, was wir von Kindern wie Friedrich schon zu wissen meinen. Sondern sie richten unsere Wahrnehmung auf das, was diese Kinder uns geben können. Das macht sie so einzigartig und wertvoll. – Michaela Schmitz


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise?“ von Bernd Ulrich und Stefan Willeke

Zunächst ist der Individualverkehr ein demokratisches Grundrecht und entspricht dem Grundsatz der Freiheit. Der zunehmende Mobilitätsbedarf geht auf Irrtümer und Fehler in der Raumplanung zurück, wenn etwa die Grundfunktionen Wohnen, Arbeit, Einkauf und Freizeit immer stärker räumlich getrennt werden und der öffentliche Verkehr keinen zufriedenstellenden Ausgleich herstellen kann. Auch die positive Korrelation zwischen Einkommen und Autobesitz ist der Politik bekannt, wobei die organisierte Behinderung des motorisierten Individualverkehrs schon fast als „Klassenkampf“ anzusehen ist.

Vorgeschoben werden allerdings wissenschaftliche Fakten, doch Studien zum gleichen Thema liefern in Abhängigkeit vom Auftraggeber und dessen Vorgaben unterschiedliche Ergebnisse ebenso wie etwa Autoren mit einem gestörten Verhältnis zum motorisierten Individualverkehr. Es gibt die natürliche Klimaveränderung, die vom Menschen nicht beeinflussbar ist und auf minimale Änderungen astronomischer Parameter, wie etwa die Verschiebung der Ekliptik oder Veränderungen der Sonnenaktivitäten, zurückgeht. Erst dann kommt die vom Menschen generierte Klimabeeinflussung, wobei der Individualverkehr und da wieder der private Autoverkehr, wissenschaftlich nachgewiesen, eine untergeordnete Rolle spielen. Wenn man mit grenzenloser Naivität – oder Berechnung – behauptet, das Weltklima dadurch zu retten, dass man einige Kilometer mehr mit dem Rad als mit dem Kfz fährt, ist man auf dem Holzweg. Da spielt die systematische Abholzung der Regenwälder durch Brandrodung trotz angeblicher Verbote eine wesentlich größere Rolle, denn durch die Einschränkung der Photosynthese können immer weniger Schadstoffe absorbiert werden. – Mag. Martin Behrens


Leserbrief zu „Wenn die Pappdose gackert“  von Peter Dausend

Wer ist eigentlich ihr Kollege Dausend.? Der Mann haut Beiträge raus die herzerfrischend aber auch sehr beleidigend sein können. Hat der Mann kein Gewissen oder ist er ein Neutrum oder nichts von beiden. Ist er nur ein wortgewaltiger Sadist…… – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Unsere Lehranstalten haben es in sich. Alles was ich zu diesem Thema lese ist ein guter Querschnitt unserer Schulkultur.  Ich falle gleich mit der Tür ins Haus: Es ist ein wildes Durcheinander der nur ganz wenigen hilft. Die Masse der Schulen taugen nichts. Der Grund liegt an der Ideologie der 68er Generation. Und das wird leider nicht öffentlich gemacht.  In NRW ist die Vorgängerregierung auch deshalb abgewählt worden, weil die Grünen die Lehranstalten gegen die Wand gefahren haben. Frau Wöhrmann (Grüne) war die Bildungsministerin. Diktate waren verboten, Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer waren nur Randfächer. Die Schüler haben alles mögliche gelernt nur nicht das, was sie weiter gebracht hätte. Das Zauberwort war „Selbstfindung“. Im Klartext heißt das: Die müssen selbst herausfinden wie was geschrieben und gerechnet wird. Vereinfacht gesagt. Ohne Autorität können sie keine Lehranstalt vernünftig führen. Alles andere ist Kokolores.  Der frühere Präsident der Freien Universität in Berlin, Dieter Lenzen hat schon Anfang des neuen Jahrhunderts gesagt: „Wenn wir endlich begreifen: Bildung heißt zuerst Selbstdisziplin, Anstregung, Verantwortung und Fairniss gegenüber anderen“. Ich war im Elternbeirat einer Realschule in Düsseldorf, hatte selbst 3 Söhne, was ich in dieser Zeit erlebt habe, spottet jeder Beschreibung.  Heute lebe ich vorwiegend in Singapur, das Vorzeigeland nicht nur in der Bildung. Einer der wohlhabendsten Länder auf unserem Planeten. Vor etwa einem Jahr war eine Schuldelegation in Singapur. Das hätte sich wohl zwischenzeitlich auch in Deutschland herum gesprochen. Ergebnis wie ein Delegierter sagte: „Das lässt sich in Deutschland alles nicht durchsetzen“. Und warum wohl: Weil in Singapur eine strenge Schulkultur das gute abschneiden garantiert hat.  Die haben das alles von den Schülern verlangt, was schon Professor Lenzen verlangt hat.  Ihr Beitrag zeigt eigentlich den ganzen Wirrwarr nicht nur in den Gymnasien, sonderten an allen Schulen.  Bayern, wie ich damals erfahren hatte, war die rühmliche Ausnahme.  Auch einige Ostdeutsche Länder wie zum Beispiel Sachsen kann auf eine bessere Schulkultur zurückblicken.  Warum wohl!? – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Automatische Bequemlichkeit“ von Francesco Giammarco

Ich bin empört. Da äußern Sie in aller Gemütsruhe, wie Sie angetrunken Auto fahren (`[…]ich war sehr müde und versuchte, das Bier vom Abendessen aus meinem Kopf wegzukonzentrieren.´(sic!)) und dabei einen unbeteiligten kleinen Fuchs totfahren. Das Ganze versuchen Sie umständlich mit dem Nichtbesitz eines selbstfahrenden Autos zu entschuldigen. Sie sollten einfach Ihr Trink- und Fahrverhalten überdenken – vielleicht das nächste Mal, wenn Sie bei der Teezubereitung `drei Minuten an die Wand […] starren´. Nebenbei bemerkt: Tee lässt sich auch wunderbar in der Tasse aufbrühen. – Jens Klaper


Leserbrief zu „Tempolimit und höhere Spritpreise? – Nein“ von Stefan Willeke

Mit Interesse habe ich Ihren Diskussionsbeitrag in der “ Zeit” auf Seite 1 gelesen . Kontra Tempolimit. Sollten das wirklich Ihre Argumente sein, so schreibe ich Ihnen hierzu: Freiheit und freie Entscheidung bedeutet auch, die Verantwortung für die Folgen seiner Handlungen zu übernehmen. Am Beispiel des Fahrverhaltens heißt dies aber nicht, weiter zu rasen, weil es ja seit 23 Jahren keine Umweltstudie mehr zum Thema Klimaauswirkung des Autoverkehrs gibt. Es ist schon Schande genug für unsere Politiker. Aber es ist auch sehr bequem so zu argumentieren, sämtliche Sinne auszuschalten und weiterzumachen wie bisher. Dabei ist es so einfach: schalten Sie Ihre Spritanzeige auf Momentanverbrauch , schauen Sie auf den Kraftstoffverbrauch bei 100 km/h , dann auf selber Strecke bei 130 km/h und dann bei z. B. 170 km /h . Und -welch Wunder- er steigt ständig an. Proportional hierzu steigt natürlich auch der Schadstoffausstoß, CO2, Feinstaub, …

Was das für die Klimasituation bedeutet, kann nicht klar beziffert werden, aber müssen wir das beziffern? Sie wollen Studien um Ihr Verhalten zu ändern. Es gibt keine Möglichkeit hierzu eine unabhängige kontrollierte randomisierte Multicenter-Doppelblindstudie durchzuführen. Kontrolliert geht nicht, weil wir nur diese eine Erde für uns zur Verfügung haben, es gibt keinen Kontrollplaneten ohne Umweltzerstörung. Und doppelblind sind allenfalls die Politiker, die sich zu großer Zahl überhaupt nicht ernsthaft mit den Problemen der Umweltzerstörung auseinandersetzen. Aber der Wechsel von Politik zu Wirtschaft und zurück findet ja allzu reibungslos statt. Fakt ist: rasende Autofahrer auf unseren Straßen bedeuten mehr Schadstoffe! Wir brauchen aber dringend eine Schadstoffverminderung. Und wenn auch jeder von uns gerne die Schuld auf andere schiebt : jeder von uns ist in der Verantwortung, natürlich auch die Fleischesser, die Weltenbummler (wenn sie’s denn täten , das bummeln, mit dem Fahrrad vielleicht) , die Profitmaximierer, die lieber in Indien als in Europa produzieren lassen und so viele mehr. Wer nichts tut, macht sich mitschuldig. Wir alle stehen in der Verantwortung für unsere Kinder und künftige Generationen. – Sven Bily


Leserbrief zu „Genug gespielt. Jetzt wird’s ernst“ von Martin Machowecz

Ich finde Ihren Artikel außerordentlich gut gelungen. Die Geschichte über das Dresdner Staatsschauspiel zeigt wie unter dem Brennglas die Zerrissenheit des ganzen Landes und die Unfähigkeit zum Dialog. Sie haben das sehr schön herausgearbeitet, und Ihnen sind ungewöhnlich tiefe Einblicke in das „Innenleben“ des Dresdner Ensembles gelungen. Danke dafür! – Christiane Plociennik


Leserbrief zu „Wie geht es dem Wasser?“ von Tim Kalvelage et al.

Auf einer Doppelseite erfahren wir von den schrecklichen Zerstörungen der Natur, insbesondere der Meere, durch den Menschen. Auf eben dieser Seite findet sich dennoch eine Werbeanzeige für eine Entdeckungskreuzfahrt, die ironischerweise eine Reise in die „unberührte Natur“ mit einem CO2-intensiven Schiff verspricht. Wann fangen Sie endlich an, Ihre Werbepartner zu überdenken? – Vera Huwe


Leserbrief zu „Ganz schön voll hier“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Ein AUFRUF
Mit Erstaunen habe ich Ihr Artikel gelesen. Erstaunen, weil die Diskussion sich unaufhörlich im Kreis bewegt. Zurzeit hat die BRD ein weltfremdes Bildungssystem: In einer Zeit, in der Studierende sich flexibel in dem Erasmus-Programm durch Europa bewegen (Stichwort Kompatibilität) bekommt die Bundesrepublik es noch nicht einmal hin, innerhalb ihrer eigenen Grenzen eine Kompatibilität herzustellen. Studiert man z.B. Schulmusik in Hamburg, wird das Abschlusszeugnis im Freistaat Bayern nicht anerkannt und man wird nie eine Stelle in München antreten können. Absurd, grotesk und weltfremd. Die Bildung hierzulande ist zu einem politischen Instrument geworden. Langsam habe ich in meinen 31 Jahren Erfahrung als Professor in Hamburg verstanden, dass das große Übel die „Länderhoheit“ ist. Und Bildung ist Ländersache. Genau wie z.B. die Polizei. Sehr zum Vorteil von Verbrechern: Falls ein Vertreter dieser Berufsgruppe vom einen Bundesland in das andere flieht, braucht die Polizei kostbare Zeit, nach ihm zu fahnden, da die Kommunikationssysteme nicht korrespondieren. Ähnlich chaotisch ist es mit der Bildung. Intermezzo: Wenn alle von „Bildung“ reden, meinen sie eigentlich „Ausbildung“. Es gibt große Unterschiede zwischen beiden (siehe, z.B., Peter Bieri’s vorzügliche Rede Wie wäre es, gebildet zu sein?).

Warum nicht lernen vom Ausland? Sowohl Frankreich als auch die Niederlande haben ein nationales Abitur (genauso wie national koordinierte Eignungsvoraussetzungen für das Gymnasium). Das funktioniert in den genannten Ländern bestens. Man könnte auch noch anmerken, dass 4 Klassen Grundschule hierzulande viel zu wenig sind, um danach eine fundierte Selektion ausüben zu können. Vorschlag n°1: 6 Jahre Grundschule und anschließend 6 Jahre Gymnasium. Die Entscheidung, in welchem Schultypus ein Kind nach der Grundschule landet, ist damit wesentlich fundierter. Übrigens gehört diese Entscheidung nicht den Eltern sondern wird von einer Eignungsprüfung abhängig gemacht, z.B, einem nationalen Test am Ende der (6-jährigen) Grundschule, wie es in den Niederlanden mit Erfolg praktiziert wird. Die Vorteile, die Martin Spiewak im letzten Absatz seines Artikels erwähnt (das deutsche System ist im Vergleich zum französischen viel breiter) halten sich in Grenzen, sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Damit Vorschlag n°2: Die Leistungen aus den letzten zwei Jahren Gymnasium fließen zu 50% in die Abiturnote ein; das zentrale schriftliche Abitur liefert die restlichen 50%. So, wie es an International Schools weltweit Gang und Gebe ist. Nur so können wir, Lehrende an Hochschulen und Universitäten, wieder auf ein angemessenes Eingangsniveau hoffen. AUFRUF: BRD, schafft die Länderhoheit ab ! Sie ist antiquiert und war 1949 aus politischen Gründen installiert worden. (Aus)Bildung ist zu wichtig, um als politischer Spielball benutzt (missbraucht) zu werden! – Prof Peter Holtslag


Leserbrief zu „»Ich bin zutiefst beunruhigt«“ von Stefan Willeke

So, Richter „Flügge wirft hin, weil auch westliche Staaten die Unabhängigkeit der Justiz bedrohen“. Das merkt er reichlich spät, hätte es schon sehen müssen beim Jugoslawien-Tribunal ICTY, dessen Legitimation zweifelhaft ist und das im besten Falle als Siegerjustiz, realistischer als Abteilung der NATO-Pressestelle bezeichnet werden muß (daß es sich nicht um ein Gericht handelt erkennt man bei Lektüre der im Internet einsehbaren Gerichtsprotokolle). Für die völkerrechtswidrige Bombardierung Jugoslawiens, auch absichtlich auf zivile Ziele, wird sich niemals einer der Täter vor irgendeinem Gericht rechtfertigen müssen. Nicht Serbien, sondern Richter wie Flügge „beschädigen das internationale Recht“. Jahre nach seinem ungeklärten Tod in der Haft in Den Haag wurde im Karadzic-Urteil die Unschuld des früheren jugoslawischen Präsidenten Milosevic nebenbei eingeräumt. Einmal mehr wird durch die ZEIT das sog. Massaker von Srebrenica kolportiert, der größte Medienfake des 20. Jahrhunderts, wie man gut dokumentiert z.B. in „The Srebrenica Massacre“ von Ed Herman nachlesen kann, das als Letztrechtfertigung eines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs durch die NATO aber gebraucht wurde. Sollte das von Flügge befürwortete Syrien-Tribunal kommen und dem Beispiel des ICTY folgen, wird es dort nicht um Wahheitsfindung gehen! – Ole Pederson