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31. Januar 2019 – Ausgabe 6

 

Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Um es vorweg zu nehmen, ich bin 80 Jahre alt, also in einem Alter, in dem viele schon Pflege benötigen. Glücklicherweise bin ich davon noch nicht betroffen. Ich bin gesund, kann noch alles selber machen, fahre Auto und habe stets einen vollen Terminkalender. Ich habe also viel Glück, und meine Kinder müssen sich nicht um mich sorgen. Trotzdem mache ich mir Gedanken, was wird, wenn ich einmal altersschwach werde. Ich finde es rührend,wie sich viele Kinder um ihre gebrechlichen Eltern kümmern. Und es gibt in meinem Bekanntenkreis kaum eine Familie, in der die Kinder nicht bereit sind , für ihre alten Eltern zu sorgen. Das geht oft bis zur Selbstaufgabe. Ich frage mich , kann ich das von meinen Kindern verlangen? Gehen ihnen dadurch nicht wertvolle Jahre verloren? Sie werden auch nicht jünger. Es soll ja nicht der Kontakt einschlafen. Ich habe sehr guten Kontakt zu meinen Kindern, und wenn ich Hilfe brauche, sind sie für mich da.

Meine Mutter hatte Alzheimer, das echte: motorische Unruhe, zunehmende Aggressivität, Persönlichkeitsverlust. Sie kannte mich nicht mehr, redete mich mit „Sie“ an. Ich gab sie in ein Pflegeheim, weil ich sonst meine Persönlichkeit und meine Familie geopfert hätte. Das wollte ich nicht. Ich finde, jeder hat das Recht , etwas Egoismus zu entwickeln, vor allem, wenn man älter wird. Man hat nur ein Leben. Ich habe aus den Erfahrungen heraus eine Vorsorgevollmacht notariell verfasst: darin sind meine Kinder verpflichtet (!) , mich bei Pflegebedürftigkeit in ein Heim zu geben. Sie brauchen dann auch kein schlechtes Gewissen zu haben, es ist ja mein Wunsch! – Ingrid Grenzmann


Leserbrief zu „Gefängnisbesuch in Katalonien“ von Can Dündar

Nun ist auch Ihr Kolumnist Can Dündar auf die meisterliche Propagandakunst der Independentisten Kataloniens hereingefallen. Natürlich gilt auch in Spanien die Habeas Corpus-Akte, das spanische Grundgesetz ähnelt in weiten Teilen dem Deutschen GG und selbstverständlich auch den Verfassungen aller übrigen EU-Länder. Dem zufolge darf eine fest genommene Person nicht länger als 72 Stunden in Haft bleiben, wenn sie nicht einem Haftrichter vorgeführt wird. Und der erlässt dann den Haftbefehl. Nach der illegalen Abstimmung in Katalonien vom Oktober 2017 wurden die verantwortlichen Anführer dieses „Referendums“ festgenommen, einige Politiker wie Puigdemont und fünf seiner Minister und andere flohen vor ihrer Festnahme früh genug ins Ausland, wo sie sich auch heute noch aufhalten. Das war der Grund für die Richter, die in Haft befindlichen Verantwortlichen wie Jordi Cuixart nicht bis zur Verhandlung am 5. Februar 2019 freizulassen. Zu vermuten war, dass sie sich schleunigst nach Belgien aufmachen würden, wo Puigdemont die „Casa de la República“ bezog, ein Treffpunkt für alle Politiker der Abtrennung von Spanien wie etwa Premierminister Quim Torra.

Im Übrigen erinnert mich die Debatte des Unabhängigkeitsbestrebens der Katalanisten verblüffend an die Entwicklung des Brexit: es werden Fake News in die Welt gesetzt wie „Espana ens roba“ (Spanien raubt uns aus), die Bevölkerung aufgestachelt und entzweit, sodass der Riss jetzt durch ganz Katalonien geht, ja sogar durch Familien. Falls Sie einen neutralen Fachmann zu Rate ziehen wollen: Professor Dr. Walter Bernecker, Erlangen-Nürnberg. – Günter Pesch


Leserbrief zu „Hundert Jahre Warten sind genug“ von Mariam Lau

Das muss man verstehen lernen. Da engagieren sich 18-38 Prozent Frauen in den Parteien (und überlassen damit den Männern den Mehrheitsanteil), und jetzt soll möglicherweise per Gesetz festgelegt werden, dass mindestens 50 Prozent Frauen in die Parlamente zu wählen sind ( wie auch immer das Wahlvolk dazu gebracht werden kann, so zu wählen, dass die gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden können). Wenn das Argument gelten soll, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland Frauen sind und dementsprechend auch in den Parlamenten vertreten sein sollten, was ist denn dann mit den Minderheiten in unserer Gesellschaft, die auch nicht in den Parlamenten ihrem Bevölkerungsanteil entsprechend vertreten sind (ersparen wir uns die seitenlange Auflistung dieser Gruppen)? Können dann die Ansprüche dieser Gruppen vom Gesetzgeber ignoriert werden ( das Bundesverfassungsgericht wird zu tun bekomen!)? Wenn Quotengesetze die Zusammensetzung unserer Parlamente vorgeben, dann werden auch sofort die Vertreter des Proporzdenkens ihre Ansprüche anmelden. Was soll denn dann passieren, wenn bei Direktwahlen die Quoten- und Proporzvorgaben nicht erüllt werden? Müssen dann die Landeslisten korrigiert werden? Eine ganze Menge Fragen tun sich auf. Die Vorderung nach Frauenquote dient ausschließlich den Interessen und dem Anspruch auf Mitspracherecht und Machtanteilen von Frauen. Umsetzung gesellschaftlicher Ausgewogenheit sieht anders aus. – Udo Bauer


Leserbrief zu „7 Euro/m^2 – Geht das?“ von Felix Rohrbeck und Marcus Rohwetter

In Ihrer vierspaltigen, zum Teil nichtssagenden Prosa, blitzt nur in der letzten Spalte, 1. Absatz Ihres Artikels, kurz auf, warum die Kaltmieten deutlich über 7€ / qm liegen müssen. In einer einfachen Kalkulation, die Sie hätten unbedingt bringen müssen, kann man leicht die geforderten hohen Kaltmieten bei Neubauprojekten nachvollziehen. Bei Erstehungskosten von 3.000€ pro qm (die hier in Bad Kissingen bzw. Scheinfurt mindestens bezahlt werden müssen) muss ein Privatvermieter mindestens 13€ vom Mieter verlangen, damit er nicht selbstlos aus eigener Tasche zuschießen muss. Bei einer Wohnung von 100qm, einem Tiefgaragenstellplatz und einem Beleihungswert von 80 % ergibt sich folgende Aufstellung:

Kaufpreis: 300.000€
Tiefgaragenstellplatz: 20.000€
Notar und Grunderwerbssteuer(5%): 16.000€
Erstehungskosten: 336.000€
Zu finanzierendes Fremdkapital:
Beleihungswert bei Bank 80%: 270.000€
Eigenkapital: 66.000€
Jährliche Ausgaben für den Vermieter:
Annuität für Bank 5%: 13.5000€
nicht umlegbare Kosten wie Verwaltung, Instandhaltungsrücklage, Reparaturen, anteilig Hausmeister usw.: 2.000€ Gesamtausgaben, die ein Investor an die Bank bzw. an die Verwaltung zahlen und die durch Kaltmiete gedeckt werden muss: 15.500€ pro Jahr
Dies entspricht einer monatlichen Kaltmiete von 1.292€ bzw. ca. 13€ pro qm!! Dabei ist das Eigenkapital von 66.000€ noch nicht verzinst, d.h. der Investor steckt dieses Eigenkapital in die Wohnung in der Hoffnung, dass sich diese Investition einmal auszahlen wird / könnte. – Kurt Blaschke


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Seit ca. 40 Jahren beziehe ich „Die Zeit“ im Abonnement. Ich habe Sie (und Ihre Kolleg*innen) bisher mit Kommentaren verschont, obwohl Sie das „r“ in meinen Nachnamen seit Jahrzehnten hartnäckig ignorieren😊. Aber im Ernst: Ihr Artikel veranlasst mich jetzt zu einer Reaktion. Ihre sehr lesenswerte Analyse der Schadstoffdiskussion im Verkehrssektor gipfelt letzten Absatz in der Feststellung:
„Kommen also weder öffentlicher Nahverkehr noch E-Mobilität infrage, ist das beste Auto für Umwelt und Klima ein möglichst kleiner Diesel“
Nehmen Sie es mir bitte nicht übel. Aber Sie unterliegen damit einer Fehleinschätzung. Diese liegt allerdings nicht darin, dass ein Diesel mit SCR-Kat und Partikelfilter etwa einem Benziner unterlegen wäre. Ganz im Gegenteil: Er wäre sogar einem (Batterie basierten) Elektroauto (well to wheel) überlegen, wenn man auch die CO2-Emission der Akku-Herstellung berücksichtigt. Die Fehleinschätzung liegt (leider im Einklang mit Politik und Mainstream-Medien) darin, dass die Elektromobilität als einzige Alternative zum Benzin- oder Dieselmotor gesehen wird. Dabei gibt es seit Jahrzehnten den Erdgasantrieb (CNG), der mit dem aus Rest- und Abfallstoffen oder synthetisch mit „Überstrom“ erzeugten Kraftstoff Biomethan weitgehend klimaneutral ist. Er ist einem „kleinen Diesel“ in jeder Beziehung haushoch überlegen. Das beste Auto für Umwelt und Klima ist also noch auf Jahrzehnte (bis zu einem weitaus überwiegend regenerativen Anteil am Strommix) ein möglichst kleiner PKW mit CNG-Antrieb. Es wäre sehr verdienstvoll, wenn Sie dies in einer der künftigen Artikel über die Klimawende im Verkehr in den Focus rücken würden. – Norbert Worth


Leserbrief zu „Billig muss nicht monoton sein!“ von Philipp Meuser

Das Ende des interessanten Artikels von Philipp Meuser macht mich wütend und resigniert: Schlägt er doch allen Ernstes vor, Baustandards zu reduzieren und auf „nicht lebensnotwendige“ Technik wie Fotovoltaik, Lüftung- oder Wärmerückgewinnungsanlangen zu verzichten?? Billiger bauen auf Kosten der Umwelt (Klimaschutz) und der Gesundheit (ein energieeffizientes Haus benötigt in der Regel eine Lüftungsanlange damit es nicht schimmelt!)? Natürlich sind die Technikkosten in den vergangenen 20 Jahren (dank verschärfter Wärmeschutz- bzw Energiesparverordnung) im Verhältnis zu den Hochbaukosten gestiegen- aber gestiegen sind dadurch auch Wohnqualität, Sicherheit und ein kleiner Beitrag zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit. – Dr. Tanja Wolf


Leserbrief zu „DIE UNBEIRRBARE“ von Khuê Pham

Im Juni 1740 schrieb der junge Preußenkönig Friedrich II. in einer Rundverfügung an sein General-Direktorium: Alle Religionen seindt gleich und guht und wenn nur die Leute so sie professieren Ehrliche Leute Seindt, und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land Pöplieren, so Wollen wieir sie Mosqueen und Kirchen bauen. Die Abschiebung eines „Unehrlichen“ (Mehrfachstraftäter, rechtskräftig verurteilt) erzeugt häufig einen deutschlandweiten Aufreger mit allen Begleiterscheinungen. Die Abschiebung von „Ehrlichen“, die sich fleißig um Berufsausbildungen bemühen, vielleicht auch schon berufstätig sind, deren Kinder erfolgreich Schulen besuchen, die sich anpassen, deren Familien ggf. sogar getrennt werden, wird von der Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen. Diesen Rückkehrern droht zwar keine Lebensgefahr, jedoch mit ihren Familien das ökonomische Nichts. Ich bin in diesem Bereich ehrenamtlich tätig und das sind leider meine Erfahrungen. – Werner Arndt


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

Herr Wefing argumentiert mit den diversen juristischen Argumenten, die mir vielfach einleuchtend erscheinen. Allerdings wird es im unteren Teil meines Erachtens unlauter: Denn während er am Anfang noch schreibt, dass Frauen die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, wird unten wieder damit argumentiert, dass man dann theoretisch auch andere Bevölkerungsgruppen berücksichtigen müsste. Es ist nicht mehr zu ertragen, dass Frauen, die die Mehrheit in der Bevölkerung darstellen, immer wieder unter „andere Bevölkerungsgruppen“ subsummiert werden. Frauen sind genau wie Männer nicht einfach eine „andere Bevölkerungsgruppe“. Vielmehr repräsentieren sie als Frauen und Männer alle Bevölkerungsgruppen außer „divers“. Oder sind die Mitglieder der „anderen Bevölkerungsgruppen“ keine Frauen und Männer??? Wie kann Mann oder Frau nur immer wieder auf diesen Kardinalfehler der Argumentation hereinfallen? – Irmgard Hofmann


Leserbrief zu „Böse Buben“ von Josef Joffe

Ich muss zugeben, dass ich mich nicht zu den klassischen Leserbriefautorinnen zähle (wenn es diese überhaupt gibt). Ich bin unterdurchschnittlich alt (28) und profitiere deshalb auch nicht von einer renten- oder pensionsbedingten Muße, die es mir erlauben würde einen durchdachten und sauber artikulierten Brief zu schreiben. Zum einen, weil ich momentan meine Masterarbeit schreibe, in der ich versuche die diskursive Verschränkung von Masse und Geschlecht in einer literaturwissenschaftlichen Analyse offenzulegen, andererseits weil ich die restliche Zeit damit fülle zwei Jungs großzuziehen. Sie sehen: trotz und gerade wegen dieser kleinen und großen Zeitfresser, fühle ich mich genötigt auf ihren Zeitgeist-Kommentar zu den „Bösen Buben“ eine Antwort zu liefern.

Sicherlich ist Männlichkeit mit genauso vielen Klischees beladen, unter denen die Betroffenen leiden, wie es bei Frauen der Fall ist, auch wenn dies in Zeiten von #metoo und einer erstarkenden Feminismusbewegung unterzugehen scheint. Als Mutter von zwei (biologischen) Söhnen und als Kulturwissenschaftlerin, die eine hohe gender-Sensibilität pflegt, frage ich mich tatsächlich häufig, welche Auswirkungen die gesellschaftlichen Anforderungen und Rollenvorstellungen auf meine Kinder haben und haben werden. Denn – und hier möchte ich Ihnen vehement wiedersprechen – nur weil das Rollenrepertoire des Mannes in den letzten 70 Jahren minimal an Umfang gewonnen hat, heißt das nicht, dass die Inhalte, die damit vermittelt werden positiv sind. Zumeist sind es nämlich die gleichen Tugenden mit neuer Etikettierung: ob Soldat oder Pazifist, der Mann zeichnet sich durch seine Prinzipien aus, denen er treu ist und die er mit aller Standfestigkeit verteidigt. Es gibt Grundmuster an stereotypen Eigenschaften und Handlungsweisen, die sich seit der Etablierung von so genannten „Geschlechtscharakteren“ im 19. Jahrhundert kaum verändert haben, obwohl sich die Welt in so vielem weiterentwickelt hat (Ich empfehle Ihnen die Lektüre von Friedrich Ehrenberg: „Der Charakter und die Bestimmung des Mannes“ von 1808). Ein Mann, der seine Gefühle unterdrückt, weil er den Eindruck von Stärke und Selbstbeherrschung nicht verlieren will, kann diese auch nicht kommunizieren. In einer Gesellschaft, die von Vätern regiert worden ist, mag dieses System funktioniert haben. Doch eine immer globalere und diversere Wertegemeinschaft braucht eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und diese kann nicht über 200 Jahre alte Rollenbilder funktionieren. Diese Art der Männlichkeit ist also auf zwei Ebenen durchaus als „toxisch“ zu verstehen: zum einen durch eine emotionshemmende Wirkung nach innen und zum anderen durch die daraus resultierenden Schwierigkeiten eine kommunikative Gemeinschaft aufzubauen.

Meine Söhne sind, und das wird Sie sicherlich erfreuen, klassische Jungs, die auf Maschinen und Fahrzeuge stehen. Immer Krach, Krawall und Remmidemmi. Doch diese Oberflächlichkeiten, wer mit welchem Spielzeug spielt oder welche Vorlieben hat, geht am Problem der „toxischen Männlichkeit“ vorbei. Ein Mann zu sein wird in dieser Gesellschaft mit einer großen Freiheit assoziiert, da es angeblich sehr viele Entscheidungsmöglichkeiten gibt, was für ein Mann man sein möchte. Doch die Anforderungen, die wir an die Männer stellen, wie sie diese Rolle zu füllen haben, folgt einem sehr engen Raster, unabhängig von jeglicher sozialen Schichtung. Wenn meine Söhne also irgendwann erwachsen sind und den Drang haben in der Öffentlichkeit zu weinen, würde ich mir wünschen, dass es nicht darum geht, was ein Mann tun würde, sondern darum, was ein Mensch tun würde. Und Hoffentlich reagiert das Umfeld dementsprechend. – Lisa Vetter


Leserbrief zum Titelthema „Schüler aus aller Welt fordern die globale Elite heraus“ von Karin Ceballos Betancur et al.

Jeder denkende und emphatische Mensch, besonders wenn er Kinder/Enkelkinder hat, ist aufgefordert dieses junge, sehr mutige Mädchen zu unterstützen und sich den Kindern, auch auf der Straße, in ihrem Protest anzuschließen, statt am warmen dänischen Kaminofen zu sitzen, eine Tasse Sencha zu schlürfen und in stiller, vielleicht zustimmender Entrüstung über die in den Artikeln zu Greta Thunberg angesprochenen Gründe des Klimawandels zu lesen. Auch unter den ZEIT-Lesern sind Menschen, die zu der angesprochenen globalen Elite gehören oder ein Teil von ihr sind. Eine gedankliche Assoziation zu mehr Verantwortung für UNSERE Welt, liefert DIE ZEIT auf der Titelseite gleich nebenan: „Eine Quote für die Politik“. Es kann angesichts des Zustandes unserer Erde nur eine Forderung geben, die zu einem radikalen und sicher für sehr viele zu einem unbequemen Umdenken führen wird: 50 Prozent junge Menschen unter 35 Jahren in allen Parlamenten (der Welt), davon die Hälfte Frauen (die andere Hälfte bei den übrigen Parlamentarier/nnen) und ein Wahlrecht ab 16 Jahren. Eine Quote könnte die Erfolgsaussichten der jungen Bevölkerung stärken und sie motivieren ihre Zukunft in den Parlamenten selbst in die Hand zu nehmen. Dazu brauchen sie dringend unsere Unterstützung. – Irene Kämpf-Konrad


Leserbrief zu „Ganz im Ernst“ von Ursula März

Beim Lesen des Artikels von Ursula März „Im Ernst“ ist mir aufgefallen, wie wenig man in Ihrem Wochenmagazin zu lachen hat. Diesmal hat es geklappt! Herrlich! – Inge Frese


Leserbrief zu „Nimm das, Empire!“ von Jörg Lau

Bei mir hat sich mittlerweile die Regel eingestellt, dass man seit mindestens einem Jahr anlässlich irgendeiner Information oder eines Berichtes über den anstehenden Brexit entweder mit komplettem Nicht-Verstehen oder auch mit sprachloser Fassungslosigkeit zurückbleibt. Dass es aber immer noch Nachrichten gibt, die alle vorhergehenden in den Schatten stellen, hätte ich bei meiner Naivität nicht gedacht. Wenn ich jetzt lese, dass der Herr Jacob Rees-Moog Teil des Investmentfonds ‚Somerset Capital Management‘ ist, und dieser Fond dabei ist, sich angesichts des ‚No-Deal-Brexits‘ nach Dublin abzusetzen, dann verschlägt es mir erneut die Sprache. Es ist ja geradezu eine Binsenweisheit, dass es bei jeder politischen Veränderung Verlierer und Gewinner gibt. Nun wird aber deutlich, dass die, die am lautesten für den Brexit votieren, schon jetzt dafür sorgen, dass sie nicht dabei sein wollen, wenn es ans Bezahlen der Zeche geht. – Wenn man bei allem, was man über den Brexit hört und liest, dennoch etwas verstehen möchte, dann wird man wohl nicht umhin kommen, eine Wissenschaft hinzuzuziehen, die sonst eher im medizinisch-klinischen Bereich zu Haus ist: die Pathopsychologie. – Dieter Rogge


Leserbrief zum Titelthema „Schüler aus aller Welt fordern die globale Elite heraus“ von Karin Ceballos Betancur et al.

Dass auch die „Zeit“, deren langjährige Abonnentin ich bin, sich nun nicht mehr zu Schade ist mit der Abbildung eines kranken Kindes auf der Titelseite, Aufmerksamkeit zu erregen, entsetzt mich sehr. Greta hat Asperger attestiert und Menschen mit Asperger-Syndrom sind in der Regel sehr ängstlich. Sie schildern selbst, wie groß Gretas Angst nach dem Film über die Meeresverschmutzung war, ihre Essstörung, ihr Aussehen (“ man würde sie jünger schätzen“). Wenn Greta sagt, sie sei ohne Hoffnung, meint sie das ernst und braucht Hilfe. Sie dokumentieren Missbrauch und machen eine Schlagzeile daraus! Was wird wirklich aus diesem Mädchen, wenn der Hype vorbei ist?

Zu den tausenden Schülern, die ihr folgen: Ich frage mich ernsthaft, ob es in der „Zeitredaktion“ niemanden mehr gibt, der sich an seine eigene Schulzeit erinnern kann? Für einen unterrichtsfreien Tag, hätten sowohl meine Freunde, als auch ich im Alter von dreizehn oder vierzehn Jahren, natürlich an jeder erdenklichen Demo teilgenommen! Ich spreche nicht von einer 19jährigen Emma Gonzales oder einer Malala, der man in den Kopf geschossen hat. So etwas passiert in Davos und bei uns, Gott sei Dank, eher selten und ich finde es schrecklich, dass sie deren Erlebnisse als Beispiele anführen. Ich habe großen Respekt vor dem Auftreten dieser jungen Menschen. Was einige unserer gepamperten Kinder vor den Schulen oder in Berlin veranstalten, halte ich für bloße Langeweile. Sollten sie selber Kinder haben, fragen sie doch mal nach und verlangen sie, dass die Handys 24 Stunden aus bleiben und keine Powerbank aufgeladen wird. Spart Strom und schont die Umwelt! In ihrem Artikel „Sie retten jetzt die Welt“ wollen sie uns alle aus der Verantwortung nehmen, indem sie einer Minderheit Geschäftsinteressen vorwerfen, die großen Schaden anrichtet. Letzterem pflichte ich auf jedenfall bei, jedoch glaube ich schon lange nicht mehr an unsere Politik und muss gerade deshalb meinen Kindern an erster Stelle erklären, welche Auswirkungen unser Konsumverhalten, unser Lebensstil, hat. Wir sind Verbraucher und haben damit Macht! Warum ist eine Billigflugreise ein Problem? Brauche ich wirklich alle zwei Jahre ein neues Handy. Wie viele tausend Liter Wasser werden verbraucht, um es herzustellen. Warum bemühen wir uns in der Familie um Bioprodukte und essen nämlich gerade keine Erdbeeren im Winter? Versteht Greta die Zusammenhänge? Auch unsere eigenen Kinder versuchen wir zum Fahrradfahren zu nötigen und verbieten ihnen zu „Primark“ zu gehen. Eine Entschuldigung, um auf einer Demo mitzumachen, bekommen sie von meinem Mann und mir nicht. Irgendwie erinnert mich diese Story an die von „Knut dem Eisbären“. Hauptsache niedlich, das gibt Schlagzeilen, ist aber auch schnell tot. – Judith Kunzmann


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Ich habe Ihren Artikel aus der Sicht der älteren Generation gelesen, und ich bin der Meinung, dass Sie sich viel zu viel zumuten. Ich selbst hatte das Glück, dass meine Eltern mit wenig Hilfe (die für mich auch kein Problem war, da sie nur 50 km von mir entfernt lebten) bis ins hohe Alter und bis zu ihrem Tod in ihrer eigenen Wohnung leben konnten. Ich habe aber in meinem Freundeskreis erlebt, wie hilfsbedürftige Eltern das Leben ihrer Kinder beeinträchtigen und schwerst belasten können. Ich habe schon damals für mich beschlossen, dass ich meinen Kindern so etwas auf keinen Fall zumuten möchte – sie haben auch nur ein Leben. Ich bin 77 Jahre alt und zum Glück noch fit genug, selbständig in meinem Haus zu leben. Weil sich das aber von einem Tag auf den anderen ändern kann, habe ich mich in einem Pflegeheim in unmittelbarer Nähe des Hauses meiner Tochter (zu der ich ein sehr gutes Verhältnis habe) angemeldet. Natürlich wird es dann auch Dinge geben, um die sie sich kümmern muss (mein Sohn und meine Schwiegertochter wohnen 700 km entfernt), ein verwilderter Garten oder ein verstopftes Rohr in der Gästetoilette sollten aber wirklich nicht dazu gehören.

Warum wird Ihnen schlecht, wenn Ihre Geschwister für Ihre Eltern ein Heim vorschlagen? Das heißt doch nicht, dass Sie sich nicht mehr um die alten Leute kümmern. In den wesentlichen emotionalen Dingen bleiben Sie doch Ansprechpartner und natürlich besuchen Sie sie häufig, aber die Organisation banaler Alltagsdinge fällt doch weg. Und wenn Ihre Eltern gern noch etwas vom Leben hätten, so wird in Heimen durchaus manches organisiert bis hin zu Theaterbesuchen inklusive Bustransfer. Glauben Sie wirklich, dass das Mehr an Lebensqualität, das Ihre Eltern dadurch haben, dass sie in ihrem Haus bleiben können, die Minderung Ihrer Lebensqualität auch nur annähernd aufwiegt? Schaffen Sie es überhaupt, einmal in Urlaub zu fahren? Ihr Mann und ihre Kinder haben doch auch ein Recht auf eine nicht ständig überlastete Partnerin und Mutter. Das Alter bringt Einschränkungen, und ich verstehe wirklich Menschen nicht, die deren Bewältigung komplett ihren Kindern überlassen. Ich liebe meine Kinder und möchte, dass sie ein zufriedenes und selbstbestimmtes Leben führen. Ich wäre todunglücklich, wenn eines meiner Kinder in einer Situation wäre wie Sie. – Evelin Zembrod


Leserbrief zu „Hundert Jahre Warten sind genug“ von Mariam Lau

Es tut mir leid für die Frauen, die werden weitere Hundert Jahre warten müssen. Vor allen Dingen dann, wenn die Quote verbindlich eingeführt wird. Schöne Demokratie wäre das. Die Frauen müssen sich schon selbst qualifizieren. Was denn sonst. Die Männer müssen das auch. Das Märchen von Bevorzugung hält einer näheren Überprüfung nicht stand. In anderen Ländern geht das auch. Ich behaupte auch, das der Probandus nur dann demokratisch denkt, wenn es ihn zupass kommt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Abstieg – Geht die Erfolgssträhne der AfD zu Ende?“ von Matthias Geis

Was denkt sich ihr Autor dabei.? Die AfD wird verstärkt aus den nächsten Wahlen hervorgehen. Wird die AfD weiterhin diskriminiert, wird sie noch größeren Erfolg verbuchen. Die etablierten Parteien kriegen das nicht mehr hin, solange Frau Merkel bestimmt wie was gemacht wird. Ihr Autor sollte Peter Sloterdijk lesen, die Instanz des gesunden Menschenverstandes, der noch ganz andere Sachen über unsere Gesellschaft zu Papier gebracht hat. So souverän kann nur er denken. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

Keineswegs war Heide Simonis die erste Regierungschefin eines deutschen Landes. Diese Ehre gebührt Louise Schroeder, die 1947/48 Oberbürgermeisterin von Berlin war, des Landes wider Willen, das nach der Auflösung Preußens und der Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen und die Viersektorenstadt Berlin entstanden war. – Torsten Berndt


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Es gibt unter Ärzten gar keinen „Expertenstreit“ zum Thema Luftschadstoffe sondern ähnlich wie bei den Klimaleugnern eine verschwindend kleine Gruppe von Lungenärzten, die über keinerlei umweltmedizinische Qualifikation verfügt und lautstark a la Trump ihren Blödsinn in der Welt verbreitet. – Dr. Michael Parys


Leserbrief zu „Über Fußball und Rassismus“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

wie gut, dass harald martenstein in seiner kolummne sich auch über aufgaben von journalisten gedanken macht. er ist leider mittlerweile eine rühmliche ausnahme von journalist, der sich seinen objektiven blick nicht vernebeln lässt, nicht einem haltungsjournalismus das wort redet, sondern andie möglichst objektive berichterstattungsaufgabe von journalisten erinnert. es ist bedauerlich, dass h.m. da eine erwähnenswerte ausnahme darstellt.ich hoffe, die zeit leistet sich h.m. auch weiterhin. er ist einer der gründe, warum ich mein zeitabonnement noch nicht gekündigt habe. – anna miederer


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Die Stickoxid-Messstellen messen hierzulande offenbar in einer Höhe von etwa 3 m. Kleine Kinder, die besonderen Schutz verdienen würden, atmen aber auf einen Höhe von etwa 1 m. Wir verhalten sich denn die Stickoxide in 1 m Höhe zu den gemessenen und diskutierten in 3 m Höhe? – Hansjörg Hahn


Leserbrief zu „Gretas Welt“ von Karin Ceballos Betancur

Tolle Greta, tolle Reportage, gespickt mit Zitaten, die ins Schwarze treffen. Dann ist man aber doch traurig, dass der Veranstalter anscheinend von Greta nichts gelernt hat. Er schneidet Gretas Satz aus dem Twitterbeitrag heraus: „Ich glaube, einige von Ihnen gehören zu dieser Gruppe.“ Nur nicht anecken. Damit zeigt er genau das Duckmäusertum und die Leisetreterei, gegen die Greta so bewundernswert angeht. – Wolfgang Butzkamm


Leserbrief zum Titelthema „Schüler aus aller Welt fordern die globale Elite heraus“ von Karin Ceballos Betancur et al.

Eigentlich schwirrt mir ein sehr langer Leserbrief durch den Kopf, doch der würde eh nicht veröffentlicht und ich bin schreibfaul. Daher fasse ich mich knapp. Greta Thunberg regt zum Nachdenken an und bewegt. Daher sind alle ihre Aktionen unterstützenswert obwohl sie irrt. JEDER Mensch hat die Verantwortung für sein Handeln und Unterlassen. Nicht nur Politiker und Wirtschaftsbosse. Ich verfolge seit 45 Jahren die Dsikussion um Umweltschutz und sehe seit 45 Jahren, dass sich alles zum Schlechteren entwickelt. Weil die Konsumenten ihr Geld weiter denen geben, die die Umwelt belasten. Geld ist die größte Macht in unserer Gesellschaft und (in Abwandlung einses bekannten Zitats) Jeder hat nur soviel Geld, wie die Anderen ihm geben.

Ich habe in den 45 Jahren gelernt, dass eine wesentliche Änderung nur von außerhalb des (politischen) Systems kommen kann. Die 68er sind am Marsch durch die Institutionen gescheitert. Die Grünen auch. Jetzt entsteht mit den Schülerdemonstrationen eine neu APO, die jede Unterstützung verdient hat. Auch die durch umweltbewusste Kaufentscheidungen durch die Eltern. – Iman Schwäbe


Leserbrief zu „Gehalt: Warum bekommen Frauen nach der Geburt eines Kindes so viel weniger als Männer?“ von Kerstin Bund

Ich lese jeden Artikel gerne, in denen es darum geht, dass Männer zu Hause bleiben und die Kinder betreuen. Denn scheinbar komme ich aus einer superkrass exotischen Welt.Als ich 1983 als erstes Kind geboren wurde, hat mein Vater sich entschieden komplett zu Hause zu bleiben, damit meine Mutter erst ihr Studium abschliessen kann und dann aufgrund ihrer besseren Ausbildung (Tierärztin vs. Bildhauer) einen Job finden kann, der die Familie ernährt. 1985 und 1991 kamen noch 2 Brüder dazu und immer und ständig hatten wir mindestens 3 Haustiere. Mein Vater ist erst als Minijobber arbeiten gegangen, als ich 18 wurde. Es war sicherlich nicht immer einfach für ihn, vorallem auf dem Dorf, ich habe einige Anfeindungen in der Schule einstecken müssen. Meine Mutter wurde gerne schlecht gemacht, da sie ja offensichtlich ihre Kinder nicht liebt, sonst würde sie ja zu Hause bleiben! Ich bin meinem Vater sehr dankbar, dass er sich dazu entschieden hat, und Kinder JEDEN Mittag etwas selbstgekochtes auf den Tisch gestellt hat, uns beigebracht hat wie man Brot mit dem Messer schneidet, einen Schlagbohrer benutzt und richtig den Fussboden wischt! Ich bin als Frau/Mädchen mit dem besten Beispiel erzogen worden, dass das Geschlecht irrelevant ist bei deinen Handlungen. Bringt doch mal mehr Reportagen über diese Männer. Denn sie leisten unglaubliches!!! – Leona Ehrler


Leserbrief zu „Was ist jüdisch?“ von Michael Wolffsohn

Wenn Herr Wolffsohn von Zerr- und Idealbildern spricht, dann geht er offenbar davon aus, dass es richtige Bilder vom Menschen gebe. Die Forderung, man solle sich kein Bild von Gott machen, drückt aber die grundlegende Erkenntnis aus, dass Bilder und die Wirklichkeit zwei völlig verschiedene Dinge sind und man beides nicht miteinander verwechseln darf. Die Kriege und Massenmorde der Vergangenheit zeigen, welch verheerende Folgen eine solche Verwechslung haben kann. Im so genannten Dritten Reich verloren Millionen von Menschen ihr Leben, weil man sich nicht bewusst war, dass „deutsch“ und „jüdisch“ nur Bilder im Kopf sind und nicht reale Wesensunterschiede von Menschen. – Dr. Jens Lipski


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Sie machen das Richtige, ich bin überzeugt davon! Geht es um die Fürsorge unserer Nächsten, erweist sich unsere Gesellschaft als erstaunlich untauglich. Dass ein Kind umsorgt sein muss, „eingebunden in Bindung“ ins Leben geführt werden muss, ist Konsens. Das „Alleinlassen“ ist dann eine Straftat. Und doch scheint dieses Grundbedürfnis des Menschen für den letzten Lebensabschnitt nicht mehr gültig zu sein. Den Vater, die Mutter „ins Heim geben “ kann es nicht sein – auch wenn es der richtige Ort wäre. Dorthin begleiten, ja, an der Seite bleiben, Bindung bieten. Übrigens nicht nur dem Angehörigen. Das Pflegepersonal muss als Partner verstanden werden, der eine unschätzbare Leistung erbringt. Meine Mutter und ich haben dieses große Glück erfahren. Bald jährt sich der Todestag meiner Mutter. Meine Gedanken sind oft bei ihr und nicht nur durch Trauer bestimmt. Große Dankbarkeit erfüllt mich, wenn ich an die letzten zweieinhalb Jahre denke, die meine demente Mutter am richtigen Ort verbringen durfte. Dort in Möhrendorf, in der „WG“ im 1. OG. Was vor ihrem Einzug lag, ist mit Odysee gut beschrieben. Als 88-Jährige vom eigenen Sohn mit einem Koffer vor die Tür gestellt zu werden, von der amtlich eingesetzten Betreuerin eben nicht betreut zu werden, ist auch mit einer beginnenden Demenz spürbar und nicht zu verarbeiten. # Zum Glück gab es diesen WG-Platz, zum Glück hatte meine Mutter einen weiteren Sohn. Dieser Bruder hat uns nicht allein gelassen, wenn auch nicht vor Ort,so doch immer erreichbar, mit Rat, Verständnis und unterstützender Frau an seiner Seite. Es geht nur gemeinsam, das ist meine Erfahrung. Das Sich-Herausstehlen aus der Verantwortung hinterlässt Ungelöstes, leiten Sie dies bitte weiter an Ihre Geschwister. Sie tun das Richtige! – Bärbel Rhades


Leserbrief zu „Was ist jüdisch?“ von Michael Wolffsohn

Bedauerlicherweise ist es gar nicht so selten, dass wir Menschen andere erniedrigen, um uns – in unseren eigenen Augen und den Augen der von uns Betörten – selbst zu erhöhen. Die abstoßenden Zerrbilder und die Ausgrenzung von Juden sind überhaupt nicht zu rechtfertigen, wenn man den gesamten Heilsplan Gottes betrachtet, wie Er ihn im Alten und Neuen Testament darstellt. In Römer 9-11 warnt Paulus die Heidenchristen vor Überheblichkeit, weil nicht sie die Wurzel (Israel) tragen, sondern die Wurzel trägt sie. Der Schöpfer hat den Menschen in Seinem Ebenbild und zu sich hin geschaffen und mit einem freien Willen, mit dem er sich für oder gegen Gott entscheiden kann. Im Garten Eden hat er sich gegen Gott, gegen seine verantwortliche Freiheit in der Nähe Gottes und für eine absolute, illusorische, Tod und Leid verbreitende und letzten Endes selbstzerstörerische Freiheit entschieden, für die er nicht geschaffen wurde. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Das sagt Jesus, als Gottes Sohn und der im jüdischen Alten Testament verheißene Messias, bei seiner Kreuzigung. Er lehnt keine Menschen ab, weder Juden noch Nichtjuden. Er ist die personifizierte Wahrheit, und weil alle Menschen nicht wirklich in der Wahrheit leben, kann er der Wahrheit nur zum Sieg verhelfen, indem Er als der Wahre für alle Menschen in die Bresche springt.

Wenn wir etwas als ethisch böse beurteilen, was wir ja ständig machen, muss es auch das Gute geben, sonst gäbe es das Böse nicht, und es muss ein gültiges Moralgesetz existieren, nach dem Gut und Böse unterschieden werden können. Wenn es im Menschen ein von der Schöpfung her angelegtes Moralgesetz gibt, muss es auch einen Moralgesetzgeber geben. Es gibt eine letzte moralische Instanz für Gut und Böse. Es gibt einen obersten Richter. Es ist der Gott, der sich in der ganzen Bibel mitgeteilt hat – ein Gott der Gerechtigkeit und Wahrheit, der den Menschen, den Er zur freiwilligen Liebe zu sich hin geschaffen hat und der sich gegen Ihn entschieden hat, wieder zu sich zurückbringen will, der einen Heilsplan innerhalb der menschlichen Geschichte entwickelt hat, in dem Juden und Nichtjuden eine Funktion haben. Es ist völlig abwegig, einen Keil zwischen Juden und Christen zu treiben, wie es in oberflächlicher, teilweise machtpolitischer Selbstgerechtigkeit leider in der Geschichte viel zu oft geschehen ist. Gott, der Gott der Gerechtigkeit und Liebe, gibt uns Menschen trotz unserer Verkehrtheit nicht auf. Er liebt uns. Und deshalb gibt es eine Stelle in der Menschheitsgeschichte, wo Wahrheit und Liebe ein Rendezvous haben – Gott selbst erniedrigt sich unendlich tief, um uns alle unvorstellbar hoch zu erhöhen, so dass wir niemanden mehr erniedrigen müssen, um uns in unseren Augen selbst zu erhöhen. Das ist am Kreuz von Golgatha geschehen, wo der gerechte Gott den Gott-Menschen Jesus, wie es im Alten Testament, z.B. in Jesaja 53, Jahrhunderte zuvor angekündigt worden war, für uns sterben ließ. So blieb er seinem Wahrheitsanspruch als moralische Instanz des Universums gerecht, bestrafte unser aller Vergehen, völlig unabhängig davon, wer wir sind, und wir gehen frei aus und werden gerecht gesprochen, wenn wir unsere Schuld einsehen, diese Liebestat für uns annehmen und Ihm in tätiger Dankbarkeit und Liebe folgen. – Gerhard Jahnke


Leserbrief zu „Wahnsinnige Ehe“ von Lisa Nienhaus

Auch ohne marktwirtschaftliche Prinzipien überzustrapazieren, muß man der Absicht der Bundesregierung, eine Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank anzuregen, mit erheblichen Bedenken begegnen. Natürlich ist es bedauerlich, daß eine Exportnation wie die Bundesrepublik kein Bankinstitut mit internationaler Bedeutung hat. Die seit Jahren anhaltende negative wirtschaftliche Entwicklung von Deutsche Bank und Commerzbank ist jedoch auf hausgemachte Probleme zurückzuführen. Eklatante Managementfehler verbunden mit unklarer Strategie haben bis heute wertverzehrende Spuren hinterlassen. Eine Fusion würde abgesehen von eventuellen Kosteneinsparungen keinen strategischen Mehrwert schaffen. Die Integration von zwei großen Bankinstituten ist abgesehen von unvermeidbaren Personalfragen ein äußerst schwieriger und komplexer Prozess. Die Erfahrungen der beiden Institute in dieser Hinsicht sind nicht ermutigend (s. Deutsche Bank mit Morgan Grenfell, Bankers Trust; Commerzbank mit Dresdner Bank und Hypothekenbank Essen )

Wenn die beiden Banken nicht aus eigener Kraft ein wirtschaftlich tragbares Geschäftsmodell umsetzen können, wird es mit der Bundesregierung im Rücken auch nicht gelingen. Die schmerzhaften Erfahrungen mit mehreren Landesbanken haben deutlich gezeigt, daß Politik und Bankgeschäft keine sinnvolle Partnerschaft begründen. Hier haben Management und Aufsichtsgremien kläglich versagt. Die Politik sollte sich darauf beschränken, passende Rahmenbedingungen für Banken im internationalen Wettbewerb sicherzustellen. Eine Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank wäre eine Einladung öffentliche Mittel zur Aufrechterhaltung eines Instituts mit systemischer Bedeutung einzufordern. Der deutsche Steuerzahler hat aber als Folge der Bankenkrise bereits genug bluten müssen. – Dr. Bernd Boecken


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Ein guter fundierter Artikel. Leider blitzt wieder die Sentkersche Anti-Agrarideologe durch. Zitat Sentker: „Wenn sich Stickstoffoxide mit ammoniakhaltigen Gasen aus der Landwirtschaft verbinden, bilden sich Ammoniumsalze, sogenannter sekundärer Feinstaub. Fachleuten gilt Feinstaub als das größere, vor allem immer noch unterschätzte Risiko.“ Da bereitet einer schon mal ein neues Feld vor, dass er nicht richtig beackern kann. Am besten er informiert sich vorher fundiert, z.B. im Forschungsbericht der Tänikon ART, Zürich, siehe Anlage. Die Relevanz von Ammoniak in Bezug auf Feinstaub ist ein Witz….ich hoffe, dass journalistische Kompetenz nicht doch eine ideologische Verknüpfung hat. Hat man „Souffleure der Mediengesellschaft“ gelesen, wundert es einen nicht, dass der Journalismus einer ideologischen Linie folgt und sich doch mit einer Sache gemein macht. – R. Seevers


Leserbrief zu „Sorry, liebe Wessis“ von Martin Machowecz

Allerin schon der Untertitel „Die Ossis werden eigen bleiben – mental wie sozial. Warum auch nicht?“ zeigt das Problem, das wir seit der Wiedervereingung haben. Wir sehen „unseren“ Osten mit unseren Augen und fragen gnädig „warum auch nicht“. .. Umgekehrt wird das Paar Schuh. Tatsächlich ist viel verloren gegangen im Umgang untereinander und in der Bereitschaft, einander zu helfen. Die materielle Not hat zusammengeschweisst. Das ist verlorengegangen und ohne die Not ist es wohl schwierig, diesen Status zu bewahren. Aber das wird, denke ich, mehr vermisst, als die Frage, ob der Osten im Lebensstandart angeglichen ist. Umgekehrt. War man nicht glücklicher trotz der finanziellen Unterschiede. Und jetzt werden sie angeglichen, das hat man gewollt, aber der Preis ist zu hoch gewesen und die Enttäuschung gewaltig, das es eben nicht um die Kaufkraft geht. Die AfD leistet etwas anderes und die hiesigen Altparteien verstehen es nicht. Ich denke manchmal, die Bayern haben im Bundestag ihre Landesgruppe. Warum gibt es keine Landesgruppe der Ostländer, die endlich einmal eigenständig formulieren, wo der Schuh drückt. Sie können das, das haben sie auch in DDR-Zeiten gelernt! Und als Landesgruppe können sie deutlich machen, wo die Unterschiede und die Wünsche liegen. – Dipl. Kfm. Johannes Barth


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Bei allem Respekt vor Ihrer persönlichen Situation und den verantwortungsvollen Aufgaben, die Sie übernehmen: Erlauben Sie mir bitte diese kritischen, evtl. zunächst provokanten Anmerkungen zu Ihrem Artikel. Sie haben ein festes Bild von einer sog. guten Familie im Kopf, bei der die Kinder „auf der Matte stehen“, wenn die Eltern zum Pflegefall werden. Klar, dass es dann peinlich ist, wenn die Pflegerin nach nicht zu Besuch kommenden Familienangehörigen fragt. (Sonst müsste es ja auch nicht in Großlettern über dem Artikel stehen…) Die Gründe, warum sich bspw. Ihre Schwester nicht so verhält, wie Sie es sich wünschen, werden von Ihnen völlig ignoriert (wenngleich im Artikel beispielhaft konkret benannt!). Viele Kinder haben ein gestörtes Verhältnis zu Ihren Eltern. Das kann von Kind zu Kind sehr variieren, zum Teil erst nach vielen Jahren und in unterschiedlicher Form zum Vorschein treten. An diesem gestörten Verhältnis ist nicht das Kind schuld. Es soll auch gar nicht um eine Schuldzuweisung gehen. Mein Vorschlag: Nehmen Sie die Situation zum Anlass, sich ernsthaft mit Ihren Geschwistern auszutauschen. Über unterschiedliche Sichtweisen, die stattgefundenen Verletzungen, die Möglichkeiten für gegenseitige Hilfe in der Gegenwart. Und wer weiß: Vielleicht ergibt sich etwas daraus, dass Sie wieder als gute Familie empfinden können. Mit dem Anprangern von Familienmitgliedern verbessert sich jedenfalls weder Ihr Verhältnis zu selbigen, noch die Pflegesituation für Ihre Eltern. – St. Neubauer


Leserbrief zu „Was ist jüdisch?“ von Michael Wolffsohn

Mit Begeisterung habe ich als Nichtjude das Plädoyer von Michael Wolffsohn gelesen, in dem er für ein Realbild von Juden jenseits von Zerr- oder Idealbildern eintritt. Vielen Dank! Für mich gehören zum Realbild die große Treue und Liebe, mit der das Judentum seine Traditionen bewahrt. Dafür bin ich sehr dankbar. Denn die Menschheitsgeschichte wäre ohne sie ärmer und kälter. Was wären wir ohne die leidenschaftliche Freiheitserzählung des Exodus, die in jedem Pessachfest lebendig wird? Was wären wir ohne die ethische Klarheit des Dekalogs? Was wären wir ohne die wache Widerständigkeit der Nebiim? Ja, ein Jude bleibt in seinem Leben immer wieder hinter den eigenen Überlieferungen zurück – wie ein Christ oder ein Muslim oder ein Atheist. Das Scheitern verbindet uns Menschen. Wie uns die Möglichkeit zur Umkehr als täglich neuer Auftrag und Chance eint: zu einer Menschheitsfamilie. Die jüdischen Traditionen geben Orientierung und machen Mut. Meine Bitte: Geben Sie jüdischem Leben und Denken, jüdischem Glauben und Zweifeln mehr Raum in unserer ZEIT. Denn im Kampf gegen Antisemitismus und für eine lebendige Demokratie ist dies für mich das wesentliche Element: Jüdische Traditionen als ein Fundament der Menschheitsgeschichte dankbar zu achten und wertzuschätzen – ganz im Sinne des jüdischen „SCHAMOR“ und „SACHOR“: „HÜTE!“ und „GEDENKE!“ – Volker Dörflein


Leserbrief zur Serie „Der Zustand der Welt – Teil 4“

Vielen Dank für Ihre aktuelle Serie „Status Erde“, die Sie unter der Rubrik „Wissen“ veröffentlichen. Sie bringen das Thema mit vielen Fakten und sorgfältig recherchiert. Als Ergebnis bleibt: wir Menschen zerstören mit unserer „Kultur“ den Planeten Erde und damit unsere Lebensgrundlage. Sie geben auch Hinweise auf zahlreiche Hilfsmaßnahmen. Und dennoch fehlt mir der entschlossene Hinweis auf 1 Thema : Die Menschheit zerstört nicht nur immer erfolgreicher unseren Planeten, sondern sie wird sich in diesem Jahrhundert um ca. 30% auf etwa 11 Milliarden Menschen weiter vermehren ! Bei allen Hilfsmaßnahmen, dies ist der entscheidende Punkt, warum wir eigentlich keine Hoffnung für unsere Enkel und Urenkel haben können. Der alles entscheidende Punkt ist: wir müssen die Anzahl der Menschen in diesem Jahrhundert unbedingt vermindern !! Biologisch sind wir mit der Empfängnisverhütung dazu seit 60 Jahren in der Lage. Das was fehlt, ist der politische Wille: – Entwicklungshilfe durch Bildung der Frauen in den Ländern mit hoher Geburtenrate – Entwicklungshilfe durch Gabe der Mittel für die Empfängnisverhütung – medizinische Betreuung in diesen Ländern . Dieses Thema müßte aufgenommen werden von unserem eigenen Staat, von allen westlichen Ländern, und es müßte auch unbedingt Thema in der UN sein ! Geben Sie doch bitte in den nächsten 20 Jahren Anstoß zu diesem Thema „Weniger Menschen“ durch eine jährliche Artikelserie, entsprechend der jetzigen Artikel – Serie „ Status Erde“ – Dipl.-Phys., Dr. med. Norbert Möllers


Leserbrief zu „Was ist jüdisch?“ von Michael Wolffsohn

Der Autor hält ein Plädoyer für die „Realität“- und meint doch nur genau das, was er dafür hält. Schade darum, wenn intellektuelle Qualität (ohne Zweifel vorhanden) sich durch „Ideologie“ selbst entwertet. Ich habe ihn vor einigen Jahren bei einem Vortrag hier in Bamberg zum „Nahostkonflikt“ erlebt- von einer ausgewogenen Darstellung, von auch nur einer Spur von Empathie für das seit 70 Jahren entrechtete und gedemütigte Volk der Araber in Palästina war das weit entfernt – und so kann ich dann seine Ausführungen hier auch leider nur ebenso einordnen. Wahrlich kein fruchtbarer Beitrag in der ZEIT, die ihm dafür unverständlicherweise ein Forum geboten hat! – Karl-Heinz Grau


Leserbrief zum Titelthema „Schüler aus aller Welt fordern die globale Elite heraus“ von Karin Ceballos Betancur et al.

Schüler schwänzen die Schule, weil sie meinen, für den Klimaschutz demonstrieren zu müssen. Offensichtlich sind sie nicht richtig informiert. Es gibt nicht einen einzigen wissenschaftlichen Beweis, dass CO2 das Klima tatsächlich beeinflusst. Es gibt nur „Berechnungen“ und „Modelle“. Aber es gibt zahlreiche einfache, von jedem demonstrierenden Schüler wiederholbare Beweise, die zeigen, dass CO2 keinerlei Einfluss auf das Klima hat. – Detlef Rostock


Leserbrief zu „Ausstieg … aus der Kohle: Wem er nützt. Was er kostet. Und wie er funktioniert“ von Petra Pinzler und Mark Schieritz

  1. Der Streichholztest

Seit Jahren wird den Menschen die Vorstellung der UN-IPCC-Klimaforscher eingeredet, dass eine Verdoppelung des Kohlenstoffdioxidgehaltes, also von CO2, an der Luft von 0,028 Prozent in vorindustrieller Zeit auf 0,056 Prozent zu einer Klimakatastrophe führen werde. Eine CO2–Verdoppelung werde zu einer schlimmen Verstärkung der (angeblich existierenden) Wärmestrahlung des CO2 aus der Atmosphäre Richtung Erdoberfläche führen. Je nach Klimamodel komme es im Jahr 2100 zu einer Erderwärmung um zwei, vier, sechs oder auch mehr Grad Celsius. Einen wissenschaftlichen Beweis, dass CO2 tatsächlich das Klima beeinflusst, gibt es nicht. Es gibt nur „Berechnungen“ und „Modelle“. Ein brennendes Streichholz. Man gehe gedanklich in den „Brennpunkt“ der Flamme. Durch die große Hitze wird das Holz des Streichholzes vergast und zusammen mit Sauerstoff aus der Luft zu CO2 verbrannt. Es ergibt sich ein kleiner Feuerball rund um das brennende Streichholzstück, der zu mehr als sechs Prozent aus CO2 besteht. (Sauerstoffanteil an der Luft 21 Prozent). Die CO2-Konzentration ist mehr als hundertmal größer als die 0,056 Prozent, die angeblich eine Klimahölle bringen sollen. Mit der freien Hand kann man sich der Flamme von oben bis auf etwa 15 cm nähern, von der Seite und von unten bis auf einen Zentimeter, dann wird es jeweils zu heiß. Das glühende Holzstück und das heiße CO2 senden ihre Wärmeenergie fort durch Wärmestrahlung, aber wie man mit der freien Hand fühlen kann, ist diese Wärmestrahlung nur über eine sehr kurze Distanz wirksam. Die Wärmestrahlung wird abgefangen von in der Nachbarschaft befindlichen CO2– und H2O-Molekülen. In der Atmosphäre in Bodennähe mit ihrem hohen Luftdruck, der alle Luftmoleküle eng zusammenschiebt, geben die CO2– und die H2O-Moleküle die soeben empfangene Wärmeenergie nicht durch eigene Wärmestrahlung weiter sondern durch Molekülanstoßen an die umgebenden, so zahlreichen anderen Luftmoleküle. Die relativ große Menge an Wärmeenergie, die die CO2– und die H2O-Moleküle aufgenommen haben, bewirkt, dass die die Wärmeenergie übernehmenden, nachbarlichen Luftmoleküle sehr viel rascher ihren Platz wechseln mit den neben ihnen platzierten kühleren Luftmolekülen. Das Vergasen des Holzes und das Verbrennen des Gases zu Kohlenstoffdioxid führt zu blitzartiger Ausdehnung rund um das brennende Streichholzstück. Der fortwährend mit neu entstehendem Holzgas gefütterte Feuerball wird umströmt von Luftmolekülen, die die Wärmeenergie durch Molekül-Anstoßen rasch übernehmen, sich ausdehnen, leichter werden und nach oben streben. Die Konvektion, der sehr schnelle Luftstrom formt die Streichholzflamme, gibt ihr ihr elegantes, Luft-stromlinienförmiges Aussehen. Ein CO2-Anteil an der Luft von 0,056 Prozent soll angeblich zu einer Klimakatastrophe führen. Der Streichholztest zeigt, dass selbst eine mehr als hundertfach stärkere CO2-Konzentration nicht in der Lage ist, irgendwelche Wärmeenergie über mehr als wenige Zentimeter in Richtung Erdoberfläche zu transportieren. Damit ist die CO2-Klima-Theorie der UN-IPCC-Klimaforscher widerlegt.

  1. Der Glasscheibentest

Für die meisten Bürger sicherlich überraschend, aber die UN-IPCC-Klimaforscher behaupten tatsächlich, dass fast zweimal (!) soviel Wärmeenergie, wie von der Sonne aus die Erdoberfläche erreicht (168 Watt pro m2), von den „Treibhausgasen“ in der Atmosphäre, vor allem Wasserdampf, H2O, und Kohlenstoffdioxid, CO2, durch Wärmestrahlung auf die Erdoberfläche gesandt wird (324 Watt pro m2, ein auf sehr eigenartige Weise errechneter, nicht etwa irgendwie gemessener Wert). Das sei der „natürliche Treibhauseffekt“. Ein Gartentisch unter blauem Himmel. Man stelle vier Becher, 12 bis 15 cm hoch, auf den Tisch und lege eine Glasscheibe so auf die Becher, dass sie ein erhebliches Stück über den Tisch hinausragt. (Sonnen-) Licht geht durch Glas hindurch. Wärme, langwelligere elektromagnetische Strahlung, wird, wenn es sie denn gibt, vom Glas abgefangen, wird absorbiert. Über dem Tisch wird die Glasscheibe rasch sehr warm. Der Teil der Glasscheibe, der über den Tisch hinausragt, bleibt kühl, wird niemals wärmer als die umgebende Luft, auch nach vielen Stunden nicht. Eugen Ordowski, Dipl.-Ing., der die Glasscheiben – CO2 – Klima – Idee entwickelt hat: „Es war ein windstiller Tag im Juni. Beginnend um 10 Uhr habe ich quer über den Tag Temperaturen gemessen. Die Tischplatte unter der Glasscheibe erreichte gegen 11 Uhr 57 Grad Celsius. Um etwa 13:30 ergaben sich an der Glasscheibe über der Tischplatte als Tageshöchstwert 54 Grad. Der über den Tisch hinausragende Teil der Glasscheibe wurde über den ganzen Tag nicht wärmer als 24 Grad.“ Offensichtlich gibt es keine Wärmestrahlung (durch CO2 und H2O) von oben aus der Atmosphäre, die – wenn es sie gäbe – die komplette Glasplatte rasch erwärmt hätte, auch über die Lufttemperatur hinaus. Der Teil der Glasscheibe, der über den Tisch hinausragt, wird nur durch die umgebenden Luftmoleküle erwärmt und das dauert eine Weile und das erklärt, warum die Glasscheibe niemals wärmer wird als die Lufttemperatur. Dass dieser Teil der Glasscheibe rasch tüchtig warm wird, wenn Wärmestrahlung tatsächlich gegeben ist, lässt sich leicht demonstrieren, in dem man eine traditionelle 60 Watt Glühlampe (5 Prozent Lichtstrahlung, 95 Prozent Wärmestrahlung) auf das Glas scheinen lässt. Frage an die UN-IPCC-Klimaforscher und die Professoren Hans Joachim Schellnhuber, Mojib Latif, Stefan Rahmstorf usw., an all die grünen NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen), an all die Länder, die dem Pariser Klimaabkommen zugestimmt haben, an alle Deutschen Politiker: „Warum wird der Teil der Glasscheibe, der über den Tisch hinausragt, nicht richtig warm? Wo ist die angeblich existierende Wärmestrahlung durch CO2 und H2O aus der Atmosphäre in Richtung Erdoberfläche?“ Sie ist nicht vorhanden. Ein natürlicher Treibhauseffekt existiert nicht.

  1. Der Schirmtest

Die Sonne scheint. Man nehme einen Schirm und spanne ihn auf. Unter dem Schirm ist es kühler. Der Normalmensch denkt, ein wesentlicher Teil des Sonnenlichtes wurde abgeschirmt, deshalb wurde es kühler. Folgt man den Vorstellungen der UN-IPCC-Klimaforscher, dann hat der Schirm nicht nur die Lichtstrahlung sondern auch die Wärmestrahlung aus der Atmosphäre hervorgerufen durch H2O und CO2 abgeblockt. Man klammere die Lichtstrahlung aus. Dazu begebe man sich in den Schatten eines Hauses, den blauen Himmel über sich. Sonnenlichtstrahlung gibt es hier nicht. Man spanne den Schirm auf. Die Temperatur bleibt unverändert. Offensichtlich gibt es keine Wärmestrahlung durch CO2 und H2O aus der Atmosphäre in Richtung Erdoberfläche, die ein Schirm abfangen würde. Die CO2-Klima-Theorie der UN-IPCC-Klimaforscher ist widerlegt. CO2 hat keinen Einfluss auf das Klima. Der Normalmensch hat recht. – Das Verbrennen von fossilen Brennstoffen ist Klima-harmlos. Die Pflanzen freuen sich. – Detlef Rostock


Leserbrief zu „»Das hat sehr, sehr wehgetan«“ von Cathrin Gilbert und Holger Stark

In Zeit Nr. 6 mal nicht FUßBALL. Toll, ich gratuliere. Bleiben Sie dabei. Fußball wird überbewertet. Lassen Sie das Thema BILD und Konsorten. Ich bin für eine Seite SPORT. – Dr. Wolfgang Thiel


Leserbrief zu „Kann das weg?“ von GRN

Akute Kunstgefahr: Wenn Gerhard Richter auf der Mülltonne steht, dann kann auch nur „Gerhard Richter“ drin sein! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Abstieg – Geht die Erfolgssträhne der AfD zu Ende?“ von Matthias Geis

Vielleicht hat der „Wähler“ jetzt genug von seinen Extra-Eskapaden, und er denkt einfach wieder nach. Vielleicht wird bei der nächsten Wahl alles wieder ganz anders kommen, wer weiß; vielleicht ist eine neue Wahl, auch wieder ein neues (Un)Glück! Jeder Wähler, der seine Stimme abgibt, der darf bei der Wahl, nach der Wahl, auch wieder „voten“, obwohl er doch vor der Wahl seine Stimme abgegeben hat. – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Ausstieg …aus dem ökologischen Konsens zwischen SPD und CDU“ von Peter Dausend und Bernd Ulrich

Stell dir vor es gibt nur noch E-Fahrzeuge, und keiner fährt damit! Alle „Stromerzeugerfabriken“ (AKW´s, Windräder, endlose Solarfelder, Braunkohlekraftwerke, Wasserkraftwerke…) stehen nutzlos in der Gegend herum; und alle die nutzlosen Steckdosen erst! Trotzdem ist ein Ziel erreicht, die totale „(Anti)Mobilität“; extrem feinstaubfrei und umweltfreundlich. – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „»Das hat sehr, sehr wehgetan«“ von Cathrin Gilbert und Holger Stark

Aus, das Spiel ist aus! Das Finale wurde verpaßt, und sogar Platz Drei wurde gnadenlos vergeigt! Die „Auf-einmal-muss-es-Handball-sein-Eventgeilen-Fans“, die ziehen einfach, mit ihrer Event-Karawane weiter, zur nächsten „Event-Oase“! – Riggi Schwarz


Leserbrief zu „Ganz im Ernst“ von Ursula März

Ihr Beitrag ist absolut wohltuend. Gerade in diesen Tagen, in denen eine öffentliche Debatte um die Verleihung des Karl-Valentin-Ordens an einen Menschen, dessen Namen ich bis dato nicht kannte, heftig wallt, ist es Zeit an einen Ausspruch des großen Komikers zu erinnern: alles hat drei Seiten. Eine gute, eine schlechten und eine komische. Dass wir diese dritte Seite immer mehr aus dem Blick verlieren, ist ein echter Verlust.

In der Vergangenheit wurde die Grenze dort gezogen, wo Menschen umgekommen waren. So verbat es sich, die schreiende Komik des Gladbecker Geiseldramas herauszuarbeiten, da dabei drei Menschen zu Tode gekommen waren. Aber schon das war falsch! Das Leben hört nicht auf komisch zu sein, wenn jemand stirbt und es hört nicht auf Ernst zu sein, wenn jemand lacht. Ich fand das Aussehen der Terroristen saukomisch, die die Zeichner von Charlie Hebdo umbrachten. Denn wie sie herumliefen: das waren doch viel schlechtere Mohammad-Karrikaturen als die, wegen derer sie Menschen töteten. Lassen Sie uns doch auf diese Idioten reagieren, wie es sich für aufgeblasene, halbstarke geistige Tiefflieger ehört: lachen wir Sie aus vvollem Herzen aus! – Holger App


Leserbrief zu „7 Euro/ – Geht das?“ von Felix Rohrbeck und Marcus Rohwetter

In Ihrem informativen Artikel fehlt mir ein Gesichtspunkt: das Wohnen wird seit fast einem Jahrhundert subventioniert und die Menschen haben sich daran gewöhnt. In der Folge der Hyperinflation von 1923 wurde 1924 in Deutschland die Hauszinssteuer eingeführt, aus deren Einnahmen zinsgünstige Kredite für den Neubau von Wohnhäusern vergeben wurden. Nach dem 2.Weltkrieg war das Wohnraumproblem wesentlich größer als nach dem 1.Weltkrieg. Massiv unterstützte der Staat den Neubau, später auch die Sanierung mit Eigenheimbeihilfen (im Zeitablauf in unterschiedlicher Ausprägung), Vergünstigung bei der Grundsteuer, zinsgünstigen Darlehen im sozialen Wohnungsbau, direkten Zuschüssen, erhöhten Abschreibungsmöglichkeiten, bis 1974 günstigen Werbungskosten-Regelungen (die Anfang der 1970er Jahren den „Betongold-Boom“ befeuerten; nachzulesen unter „Securius“ in diversen Ausgaben der ZEIT der damaligen Zeit)… Ende der 1970er Jahre erlaubten die Rechtsprechnung und die Praxis der Finanzverwaltung eine großzügige Auslegung der Instandhaltung: Ersatz von Ofenheizung durch Zentralheizung, Einfachverglasung durch doppelt verglaste Fenster, Waschbecken durch Waschbecken+Wanne/Dusche etc. können als Instandhaltung angesetzt werden; dadurch sind die Ausgaben oft höher als die Mieteinnahmen, der Verlust aus der Vermietung wird mit anderen Einkunftsarten verrechnet, die daraus resultierende Steuererstattung kann eine Finanzierungsquelle für weitere Instandhaltungen sein…

Zusammen mit der Real-Einkommensteigerung konnten sich dadurch die Menschen eine größere und komfortablere Wohnung leisten. Eine Wohnung, in der über Jahrzehnte eine 4-köpfige (oder auch mehrköpfige) Familie lebte, ist heute – bei geringem Anspruchsniveau – noch ausreichend für einen Single. Eine Wohnung in einem Neubau kann sich diese Person aber nur leisten, wenn der Bau oder die Miete wiederum subventioniert wird. Hinzu kommt die enorme Steigerung der Baukosten seit 1914: gemessen an dem Brandkassenindex fast das 30-fache. Die Vervielfachung der Wohnfläche ist dabei noch nicht berücksichtigt. Dadurch sind die Eigentümer von Wohngebäuden und die „Besitzer“ von preisregulierten Wohnungen zunächst Inflationsgewinnler. Bei preisgebundenen Wohnungen zahlt der Mieter einen immer geringeren Anteil seines Einkommens für die Miete. Bei freifinanzierten Wohnungen erzielt der Vermieter mit jeder Mieterhöhung eine höhere Rendite – bis größere Reparaturen oder gar ein Neubau anstehen; dann ist kaum Kapital angesammelt, um die Kosten zu zahlen.

Wohin die ganze Reguliererei führen kann, hat die „Neue Heimat“ gezeigt: 1988 war der Eigentümer, der Gewerkschaftsbund, bereit, diese für 1DM zu verkaufen; der Ertragswert der Gebäude war genauso hoch wie die Valuta der Kredite. Gestückelt brachte der Verkauf dann doch einige Millionen, aber nur wenige Prozent des Werts der Aktiva. Nun sind diese Wohnungen im Besitz von Einzelpersonen, überwiegend aber von großen, internationalen Gesellschaften… – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „»Des Bauern wichtigstes Gut« – »Wenn es so wäre!«“ von Christiane Grefe und Urs Willmann

Die Behauptung des Bayer-Managers, dass es nicht funktioniere, die wachsende Weltbevölkerung ökologisch zu ernähren, ist Zweckpropaganda und nicht haltbar. Der Öko-Landbau könnte die Weltbevölkerung ernähren, jedoch muss hierzu der Anteil tierischer Lebensmittel deutlich gesenkt werden und die Verteilungsprobleme gelöst werden. Die meisten Bauern weltweit sind Kleinbauern, die den Großteil aller Lebensmittel produzieren. Es gilt daher, die kleinen Betriebe mit regionalen Bezug zu fördern. Gerade Kleinbauern profitieren von der ökologischen Wirtschaftsweise, da standortbezogene Verfahren, Pflanzen und Tiere eingesetzt werden und die Bauern nicht von Agrar-Industrie abhängig sind – also kein Saatgut und synthetische Dünger und Pestizide teuer einkaufen müssen. An diesen Bauern verdient die Agro-Industrie allerdings kaum etwas. Bei einer standortangepassten ökologischen Wirtschaftsweise ernten Öko-Bauern nicht selten sogar mehr als konventionelle Kollegen – gerade an problematischen Standorten. – Stefan Kaisers


Leserbrief zu „Mehr Experimente wagen!“ von Uwe Jean Heuser

Schön wär’s. Es traut sich nur keiner. Die Parteien beschäftigen sich lieber selbst. Wer bringt den großen Wurf zur Veränderung? Ich behaupte niemand. Es könnte ja Wählerstimmen kosten. Die AfD könnte es vielleicht. Das wollen aber nur wenige. Die Politik aber auch die Medien wollen beinhart das alle Menschen in eine Richtung laufen. Wer abzweigt, der wird gnadenlos nieder gemacht. So wird das alles nichts. Es fehlen die großen Persönlichkeiten, auch die werden entsorgt. Die Bildung wäre die Geburt für eine vernünftige Politik, aber die wurde sträflich vernachlässigt und politisch einseitig beeinflusst. Obwohl unsere Verfassung das nicht zulässt, setzt man sich darüber hinweg. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Ausstieg … aus der Kohle: Wem er nützt. Was er kostet. Und wie er funktioniert“ von Petra Pinzler und Mark Schieritz

Das ganze Verfahren, wie über das Ende der Kohleverstromung – angeblich endgültig – entschieden wird, erstaunt mich. Wann die Stromerzeugung aus Kohleverbrennung tatsächlich enden kann, wird doch letztlich dadurch bestimmt, dass genügend elektrische Energie aus anderen Quellen zur Verfügung steht, denn der Bedarf an elektrischer Energie wird sich in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten nicht wesentlich ändern – sicherlich nicht abnehmen. Alle möglichen Teilnehmer an der großen Debatte propagieren je nach politischer oder wirtschaftlicher Interessenlage den Ausstiegszeitpunkt, aber wie die Stromversorgung dann gesichert werden soll, erfährt man nicht. In ihrem Artikel steht ein entlarvender Satz: “ Wenn es gelingt, Ökostromkraftwerke, Speicher und Leitungen schnell auszubauen, und Strom von den Windkraftwerken im Norden zu den Verbrauchern im Süden fließen zu lassen….” Was geschieht aber, wenn bis zum Jahr 2038 das nun eben nicht gelingt? Wenn man sich die Größe dieser Aufgabe und die vielen möglichen Hindernisse vorstellt, dann kann man angesichts der vielen Großprojekte, die in Deutschland nicht wie geplant fertiggestellt werden, schon berechtigte Zweifel in dieser Richtung haben. Die Regierungskommission hält das offensichtlich nicht für bedenkens- oder gar erwähnenswert?! Mir erscheint das leichtfertig, oder könnte es auch daran liegen, dass die heutigen Großsprecher zum größten Teil 2038 gar nicht mehr in der Verantwortung stehen?

Noch eine Anmerkung zum Hambacher Forst: Das Hochjubeln zum zum Symbol bewegt ja viele Menschen in Deutschland so sehr, dass sie wirklich glauben sein Bestand sei so wichtig, dass die Erhaltung auch schwere Straftaten – selbst wenn sie leichtfertig, gefährlich und unsinnig sind – rechtfertigt. Tatsächlich ist es für die wirkliche Erreichung der Ziele unseres Bemühens um eine Verlangsamung der Erderwärmung völlig belanglos, ob von den 100.000 qkm Wald in Deutschland nun 2 qkm an einer ganz bestimmten Stelle (wo die berühmten Fledermäuse längst vertrieben oder geflohen sind.) stehen bleiben oder nicht Für die Sicherheit der Stromversorgung ist das unerheblich, nur dass eben das Stehenlassen sehr viel Geld kostet. – Ludwig Fensch


Leserbrief zu „Josh wuchs behütet auf. Mit 15 verfiel er den Drogen. An Stoff zu kommen war nicht schwer. Er hatte ja Facebook“ von Isabell Beer

Vorab: der Artikel war (mal wieder) dringend fällig; er ist sehr behutsam mit den Protagonisten umgegangen. Zum Glück kein erhobener Zeigefinger und keine allfälligen Schuldzuweisungen. Dennoch blieb dem Leser nichts erspart. Denn das Geschilderte ist eigentlich kaum auszuhalten. Ganz bestimmt nicht für Familien, die dies am eigenen Leib erfahren mussten – und das sind viel zu viele. Diese Hilflosigkeit im Angesicht der vor den eigenen Augen stattfinden Katastrophe; die zermürbende Selbstbefragung, was man wohl falsch gemacht hat; das bedauernde Schulterzucken (Versagen) von Behörden und Politik usw. ist zum Himmel schreien absurd. Die Eiseskälte, die uns aus dem Netz entgegenfällt, ist unerträglich. Zwei Seiten vorher wird ein Artikel über das „wirklich brennende“ Thema der gendergerechten Sprache gedruckt und auf weitere Absurditäten zu diesem Thema hingewiesen. Mir drängte sich spontan auf: „Sind wir jetzt alle wahnsinnig geworden, dass das ein wichtiges gesellschaftliches Problem darstellt?“ Was ist denn dann das oben Beschriebene? – Roland Schmidt


Leserbrief zu „Demokratiehülse“ von Ulrike Gastmann

Passend zu den geschilderten Erfahrungen der Autorin mit einer Versicherungsfirma in den Neunzigerjahren, kann ich von folgender Episode berichten: Anfang der 90er Jahre war ich, Ostberliner, als Softwareentwickler in einer Westberliner Technologiefirma angestellt. Der Geschäftsführer hatte gleichzeitig eine Professur an der TU Berlin. Eines Tages kam er nach einem Kundengespräch zu uns, drei Softwareentwickler aus den Osten, und meinet uns motivieren zu müssen mit dem Spruch: Ihr habt bisher den Kapitalismus in der Theorie gehabt, hier lernt ihr ihn in der Praxis kennen! Wir sollten seinen dem Kunden gegenüber zugesagten Termin unbedingt einhalten. Unser inoffizieller Projektleiter war eine junge Frau mit zwei Kindern, sehr kompetent und vor allem gut strukturiert. Was in der Firma damals die Ausnahme war. Und sie kam auch aus dem Osten. Da sie der Kinder wegen, früh anfing und dafür schon um 16Uhr ging, war sie beim abendlichen Rundgang (ca. 19 Uhr) des Chefs nie anzutreffen. Die Folge war, sie wurde zum Ende der Probezeit entlassen. Die sie als Projektverantwortliche auch die Detailabstimmungen mit dem Kunden vornahm, lernte er ihre Qualitäten zu schätzen. Die Folge: Der Kunde, ein großer Mobilfunkprovider, entzog der Firma den Auftrag und animierte meine damalige Kollegin dazu, sich mit ihm als Kunden selbständig zu machen. Es wurde eine Erfolgsgeschiche. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Erfindungen sind nicht zu rechtfertigen!“ von Andreas Wolfers

Als Journalist leuchtete bei mir rund 40 Jahre lang immer die Alarmlampe auf, wenn ich Purismus wahrnahm. Ob bei Religiösen, Politikern oder den mit Sprachakrobatik argumentierenden Gralshütern der Objektivität. Objektivität? Die erklärte ich meinem mir gegenübersitzenden kleinen Sohn mal so: Ich stellte Pfeffer und Salz vor mich hin und behauptete das Salz stehe rechts. Er meinte, es stehe links. Beides richtig aus der jeweiligen Blickrichtung. Aber objektiv? Ich verweise wieder darauf, dass des einen Terrorist des anderen Freiheitskämpfer ist. Natürlich liefert das kein Argument fürs Fälschen. Es ist sicher wahrheitsverstärkend, seine Recherchewege so gut wie möglich darzulegen. Viel schlimmer als süffige Ausschmückung einer Reportage, einer Story, die so nicht stimmt aber realistisch sein könnte, ist also euphemistische oder malphemistische Formulierung scheinbar sachlicher Texte, die die eigenen Ansichten als objektiv erscheinen lassen. Jeder mag nun nachdenken, ob Andreas Wolfers ein Gralshüter oder Purist ist. Mir fehlen in seiner Analyse zumindest Begriffe wie Auflage, Einschaltquote, Wettbewerb (der Medien ud Autoren) und (a)soziale Medien, also Fake-fördernde Elemente. – Wolfgang Frings


Leserbrief zu „7 Euro/m^2 – Geht das?“ von Felix Rohrbeck und Marcus Rohwetter

Mein Spezialgebiet. Mehr Menschen weniger (bezahlbare) Wohnungen. Alter Hut. Europa wird es noch ganz anders zu spüren bekommen. Die Wanderung nach Europa tut ihr zusätzliches. Das hatte unsere Bundeskanzlerin gar nicht auf ihrer Rechnung. Das eigentliche Problem wird kaum oder überhaupt nicht öffentlich. Alles kann wachsen nur der Grund und Boden nicht. Der bleibt bis zur bitteren Neige. Es sei denn, wir machen es wie die Golfstaaten: aus Wasser Land generieren. Das geht bei uns nur bedingt. Eine andere Möglichkeit wäre höher bauen. Die einzige machbare Lösung. Aus 4-geschossigen Wohnungsbau 30 Etagen oder noch höheren Wohnungsbau zu erstellen. Warum nur im gewerblichen Sektor, der könnte durchaus abgebaut werden. Im Zuge der elektronischen Medien wird ohnehin weniger Büroraum benötigt. Es gibt immer irgendwelche Möglichkeiten die Kuh vom Eis zu kriegen. Es müssen nur Macher rann und keine Beamten. Damit möchte ich nicht alle Beamte über einen Kamm scheren. Diese „Spezis“ haben auch andere Qualitäten von denen ich keine Ahnung habe. Etwas salopp gesagt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Gehalt: Warum bekommen Frauen nach der Geburt eines Kindes so viel weniger als Männer?“ von Kerstin Bund

Ihre Autorin Kerstin Bund hat sehr gut recherchiert. Da passt alles zusammen. Genau so sieht die Wirklichkeit aus. In Schweden, darf ich ergänzend hinzufügen, sind die Männer nicht so karrierebewußt wie in Deutschland und die Familie hat in Schweden auch einen höheren Stellenwert. Das ist mir auch viel sympathischer. „Eine Gesellschaft ohne Familie ist eine Gesellschaft ohne Zukunft.“ Wer hat das gesagt? – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wahnsinnige Ehe“ von Lisa Nienhaus

Danke,für den bildhaften Vergleich: „Zwei Pinguine können auch dann nicht fliegen, wenn sie einander an den Flügeln halten „. Gleichwohl sähe jedoch das gemeinsame Watscheln wohl ähnlich denen von Pinguinen aus. – Wolfgang Burkhardt


Leserbrief zum Titelthema „Schüler aus aller Welt fordern die globale Elite heraus“ von Karin Ceballos Betancur et al.

„Dieses Mädchen fordert die Welt heraus“ als Titelschlagzeile oder „… Tat, die weltweit für Entsetzen sorgte. Mit Verlaub – dieser Stil ist nicht weit von „Wir sind Pabst“ und von wem das stammt, wissen Sie selbst. Und was kommt dann? Da ist ein junges – schulpflichtiges!- Mädchen, das die tolle Idee hatte, am Freitag die Schule zu schwänzen. Natürlich zu einem guten Zweck (ähnlich wie die Ice bucket challenge seinerzeit), nämlich die globalen Eliten anzuklagen. Und Tausende Schüler in aller Welt nehmen die Chance wahr und benutzen diesen Vorwand auch. Im Zeitalter asozialer Medien keine Kunst.

Ein „oldschool“-Mann, wie ich einer bin (Sie wissen schon: böse alte weiße Männer) fragt sich da schon, weshalb dieses Tun geduldet wird: „Schulstreik“, was immer das sein soll, ist eine klare Pflichverletzung. Soweit ich weiß, ist das Bildungswesen zudem steuerfinaniert, somit stellt dieses Verhalten einen Diebstahl gesellschaftlichen Eigentums dar; jeder Arbeitnehmer hätte mit Sanktionen zu rechnen. Greta Thunberg dagegen wird noch „gehyped“, und das von einem Blatt, das doch zumeist immer noch für seine differenzierten Artikel bekannt ist – oder war. Um den Preis einer billigen Schlagzeile – verkauft sich gut! – wird hier ein inakzetables, weil dyssoziales Verhalten angepriesen; und sekundiert von einigen (Berliner) Schuldirektoren mit dem Verweis, man könne ja einen Projekttag draus machen.

Schulstreik ist – grober Unfug! Und Greta ist keine Aktivistin (wieder so ein Schlagwort, gleiche Ebene wie Influencer), sondern ein Mädchen, daß aus der Gemeinschaft der Mehrzahl der lernwilligen Schüler ausschert und dabei noch anderen zu dys-sozialem Verhalten ermuntert. Die (mediale) Unterstützung derartiger Aktivitäten ist eine Ursache für das allseits vernehmbare Klagen über unzureichend gebildete Schulabgänger. Ich kritisiere nicht das Anliegen, wohl aber die Methode. Und in dem Zusammenhang auch die Art und Weise der Berichterstattung. Besser ist es gewiß, eine kleiner Münze zu verwenden – Superlative sind nun einmal nicht steigerungsfähig und nutzen sich schnell ab. – Matthias Passon


Leserbrief zur Deutschlandkarte „Alte Fabriken“ von Laura Edelbacher und Matthias Stolz

Da Ihre Landkarte für den norddeutschen Raum nur einige wenige alte Fabriken vermeldet, erlaube ich mir, auf eine Branche hinzuweisen, die nicht nur die frühe Entwicklung der Prozessindustrie wesentlich geprägt hat, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des ländlichen Raums geleistet hat: Die Zuckerindustrie. 1838 war das Gründungsjahr der ersten, noch heute bestehenden Zuckerfabrik in Klein Wanzleben. Ab 1865 wurden weitere Werke gegründet, die noch heute bestehen: Nordstemmen (1865), Clauen (1869), Schladen (1870) und Uelzen (1883). Gründer, Eigentümer und Rohstofflieferanten damals wie heute: Bäuerliche Aktionäre. – Dr. Arend Wittenberg


Leserbrief zu „Mehr Experimente wagen!“ von Uwe Jean Heuser

Gute Idee, das! Leider finden sich bei jedem Experimentiervorschlag Argumente, warum sie sinnlos sind. So wie Herr Heuser schon weiß, daß ein Grundeinkommen ein Experiment nicht lohnt. Vielleicht wäre es das, was man in den Braunkohlerevieren probieren könnte? In einer Region von vllt. 50 km um Kraftwerke und Tagebaue. Für alle. Bedingungslos für 15 Jahre. Dazu den Mindestlohn aussetzen. Und gucken was wirklich passiert. Das wäre mal ein spannendes Experiment. Wird nicht passieren wegen der Abermenschen. Aber das war doch noch nie so, aber das kann doch nicht funktionieren … Aber, aber. – Fritjof Möckel


Leserbrief zu „Steuersatz 70 Prozent – das ist die Höhe!“ von Mark Schieritz

Die neue US-Abgeodnete Alexandria Ocasio-Cortez kann schwerlich wissen, was Le Monde (Paris) 2015 und 2016 zu ihrem Vorschlag eines Spitzensatzes der Einkommensteuer von 70 % ab 10 Millionen Dollar Jahreseinkommen schrieb: Der Spitzensatz von 75 % ab einer Million Euro in Frankreich 2013/4 brachte jedem Bewohner Frankreichs nur etwa einen Cent pro Tag an Steuermehreinnahmen. Filmstar Gerard Depardieu war wohl der bekannteste Steuerfluechtling. Umverteilung von Reich zu Arm geht anders. Fuer Deutschland schlage ich vor knapp 60 % Steuer ab knapp 100.000 Euro Jahreseinkommen, dafuer Streichung von Solidaritaetsbeitrag, Reichensteuer oberhalb 260.000 Jahreseinkommen und Vermoegensteuer. So ungefaehr entspricht das den Steuersaetzen, die ich als Gutverdiener unter den Kanzlern Schmidt und Kohl zahlen musste, weit mehr als was jetzt Finanzminister Scholz (SPD) fuer gerecht haelt. So kann die Einkommens-Ungleichheit auf das Schmidt-Kohl-Niveau reduziert werden. Saez und Piketty-Schueler Zucman (New York Times, Jan. 2019) wollen mit den 70 % f“ur die oberen 16.000 mehr Demokratie in den USA, nicht mehr Umverteilung. F“ur Deutschland ist das weniger dringend: der reichste Deutsche ist wohl Lidl-Besitzer Dieter Schwarz mit seiner Stiftung, ohne Druck auf die Politik. – Dietrich Stauffer


Leserbrief zur Serie „Der Zustand der Welt – Teil 4“

Was den Verlust an Landwirtschaftsflächen weltweit betrifft: lassen Sie doch mal endlich den dämlichen Vergleich mit Fußballfeldern! Ist es nicht viel eindrücklicher zu schreiben: 10 Mio ha Verlust an Ackerflächen/Jahr weltweit, das entspricht rd. 2/3 der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Deutschland oder rd. 1/3 der Gesamtfläche der BRD? – Lippold von Steimker


Leserbrief zu „Steuersatz 70 Prozent – das ist die Höhe!“ von Mark Schieritz

Gut, dass Schieritz die Leser informiert, wie hoch die Einkommenssteuer einmal war. Kann gerne hoch. Aber Piketty schreibt nicht nur über Einkommens-, sondern auch über Vermögensungleichheit. Unter 400 000 EUR zahlt in Deutschland kein Kind Erbschaftsteuer. Im stinkreichen Kanton Zürich ist der Freibetrag etwa ein Drittel davon. Aber keine Angst, Deutschland! Kein Firmenerbe muss hier deswegen verkaufen und ins Armenhaus. Also ran an den Speck! – Matthias Meindl


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

Vielen Dank für den Artikel! Aus dem berechtigten Wunsch nach Gleichberechtigung ist inzwischen eine systematische Benachteiligung von Menschen männlichen Geschlechts geworden. Dass im Fall des brandenburgischen Gesetzes aus „Frauen werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt“ ein „Männer werden auch bei besserer Qualifikation benachteiligt“ wird, zeigt das aktuelle Ausmaß. Es stellen sich aber auch an anderer Stelle Fragen: Warum wird der absolut überproportionale Anteil von Studierenden weiblichen Geschlechtes im Medizinstudium nicht als die Chancenungleichheit wahrgenommen, die es in Ingenieursstudiengängen bei umgekehrten Vorzeichen ist? Warum sind in meinem Betrieb – mit einer Frauenquote von ca 80% – männliche Mitarbeitende explizit von der Wahl der Gleichstellungsbeauftragten (hier gibt es kein Gendersternchen) ausgeschlossen? Dass eine systematische Ungleichbehandlung bislang nicht zu einer nennenswerten Erhöhung des Frauenanteils in Chefetagen oder zu einer grundlegenden Verbesserung der unzweifelhaft schwierigeren Situation von Frauen im Berufsalltag geführt hat, spricht eher für die Ineffektivität des Ansatzes als für seine weitere Notwendigkeit. Die im Grunde genommen biologistische Fixierung bei der Definition von benachteiligten Gruppen ignoriert die Probleme von anderen benachteiligten Gruppen wie z.B. Alleinerziehenden (wie hoch ist eigentlich deren Anteil unter den Parlamentariern?!?). Durchaus problematisch ist die moralische Überhöhung mit der diese Ungerechtigkeit gegen jede Kritik gefeit erscheint. Wer gegen die Quote, den „girls day“ etc. ist, ist automatisch gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau und damit ein ewig gestriger. Die AfD hat Übung darin, Wähler zu finden, indem sie auf dogmatische Ungerechtigkeiten und Doppeldenk des „politischen Mainstream“ hinweist und hat beim „Kampf gegen den Genderwahn“ nicht nur die eigene Kandidatenliste im Blick. Dass die Proble der biologistischen Quotenpolitik nicht nur von den „angry white men“ sondern auch in der ZEIT angesprochen werden, finde ich daher ausgesprochen beruhigend. – Micha Bergner


Leserbrief zu „Hundert Jahre Warten sind genug“ von Mariam Lau

Wenn es so ist, dass die männlichen Abgeordneten nur die Interessen der Männer vertreten, dann ist die jetzt angestrebte Parité nichts Halbes und nichts Ganzes. Und wenn mein Eindruck zutrifft, dass die Männer zunehmend auf allen Gebieten als Feinde betrachtet werden, dann ist die paarweise Aufstellung von Direktkandidaten für alle eine Zumutung. Jeder und Jede wird genötigt auch einen Feind zu wählen. Mal davon abgesehen, dass die paarweise Aufstellung von Direktkandidaten das Direktmandat massiv entwertet. Ich entscheide mich als Wähler ja gerade für diese oder jene Person. Wenn ich zwangsweise noch eine andere Person mit ins Amt hieve, dann wird meine Entscheidung schon auf dem Stimmzettel entwertet. Darüber hinaus habe ich den Eindruck, dass viele der genannten Beklägnisse nicht der Feindschaft zwischen Frau und Mann entspringen, sondern dem Listenwahlrecht und der Überrepräsentation von Parteien in den Parlamenten. „Die Parteien wirken an der politischen Willensbildung mit“, heißt es im Grundgesetz. Faktisch dominieren die Parteien die politische Willensbildung.

Warum lässt man es also bei Halbheiten? Wäre es nicht konsequent, wenn gar keine Listen mehr zur Wahl stünden, sondern nur noch Personen? Für mich als Wähler war es seit je eine Zumutung, Listen hin geklatscht zu bekommen, und nicht mal die Möglichkeit zu haben, alle abzulehnen, wobei diese Ablehnung bei der Sitzverteilung mitgezählt wird. Ich kann allenfalls ungültig oder gar nicht wählen. Sehr unbefriedigend. Und noch unbefriedigender ist, dass der über die Direktmandate geäußerte Wählerwille durch Überhang- und Ausgleichsmandate wieder zum Parteienwillen gemacht wird. Auch noch mit dem Nebeneffekt, dass die Parlamente aus allen Nähten platzen. Die logische Konsequenz aus allem wäre, wenn es nur noch Direktmandate gäbe, wobei Frauen nur Frauen wählen dürfen und Männer nur Männer. Dann werden die Parlamente nicht 1:1 besetzt, sondern im wirklichen Zahlenverhältnis der Geschlechter in der Bevölkerung. Die Gesellschaft altert, und Frauen leben signifikant länger als Männer. Bei 1:1 sind sie immer noch unterrepräsentiert.

Dem Umstand, dass Männer nur Männer repräsentieren und Frauen nur Frauen sollte mit einer Umbestuhlung der Parlamente sichtbarer Ausdruck verliehen werden. Ähnlich dem britischen Unterhaus sollten sich die chromosomalen Ausstattungen frontal gegenüber sitzen. Dies wäre nur der erste Schritt. Ich fühle mich als Angehöriger eines Berufsstandes von all den Juristen und Pädagogen im Bundestag schon lange nicht mehr wirklich vertreten. Auch diesem Mangel muss eines Tages Rechnung getragen werden. Aber auch die weiteste Reise beginnt mit dem ersten Schritt: Geschlechtertrennung in der Politik. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Josh wuchs behütet auf. Mit 15 verfiel er den Drogen. An Stoff zu kommen war nicht schwer. Er hatte ja Facebook“ von Isabell Beer

Eine gefühlte Ewigkeit lang gingen „sie“ jeden Morgen mit ihren Eltern zur Arbeit in den Wald – nie der eigene, gingen „sie“ mit zur Arbeit aufs Feld – nie das eigene, gingen „sie“ mit zur Arbeit in die Küche – nie die eigene, und gingen „sie“ mit zur Arbeit in den Stall – nie der eigene. Generationen später verrichten Roboter und Maschinen viele dieser Arbeiten, verzehren so Rohstoffquellen und natürliche Ressourcen nachhaltig und unwiderruflich. Heute gehen „sie“ jeden Morgen, alleine oder auch miteinander, in die Schule, suchen im Bildungsweg eine neue Identität oder finden, vornübergebeugt auf der Toilette, ihren frühen Tod. Kreativität folgt keiner Norm! – Michael Reisner


Leserbrief zu „Sie retten jetzt die Welt“ von Maximilian Probst

Hier macht die „Zeit“ sich zum Handlanger von Interessen. Kinder zu instrumentalisieren halte ich für keine gute Idee. Ich weiß, wovon ich spreche. Hat man doch in der DDR mit den Initiativen der Jugendorgabisationen ähnlich agiert. Das Mädchen aus Schweden schaut nicht aus, wie junge Leute in ihrem Alter aussehen sollten. Hat man ihr die Hoffnung geraubt, die doch angeblich zuletzt stirbt? Nein, es ist ungehörig, Kinder für die eigenen Ziele, mögen sie noch so „guten Werten dienen, zu missbrauchen. Die Erde kann an vielem zugrunde gehen, auch an militärischen Auseinandersetzungen. Sie schreiben von „Ent-Ideologisierung“. Wie kommen Sie darauf? Dieses Thema ist sehr ernst, auch Wim Wenders hat es auf seine ganz eigene Art schon viel eher bearbeitet. Darum Hände weg von Kinder-Ideologisierung.

Das hieße ja, wir schaffen es nicht. Aber es ist unsere Aufgabe, Konzerne an der Abholzung zu hindern, Reedereien in die Verantwortung zu nehmen, wenn sie immer größere Touristenströme in kleine feine Städte senden, wenn Plastik überall landet, und wenn das alles so weitergeht, wenn Menschen in ungesicherten Minen arbeiten, die Liste ist endlos. Kurz, wir müssen uns kümmern, dabei helfen Weltkonferenzen eher wenig, da ein Konsenz meist schon in viel kleineren Einheiten scheitert. Diese enden meist bei dem kleinstmöglichen Nenner. Für mich sieht es eher so aus, als ob man etwas sehr Wichtiges zum Thema macht, damit man am Ende sagen kann, dass man darüber gesprochen hat. Damit kauft man sich ein gutes Gewissen. Aber wie es wirklich aussieht, zeigt der Prozess mit „KIK“. Kindern ein Szenario vorzugaukeln, als hätten sie keine Zukunft, finde ich mehr als problematisch. Damit lenkt man den Blick fort vom Hier und Jetzt, das kann es nicht sein. – Lieselotte Schuckert


Leserbrief zu „»Das hat sehr, sehr wehgetan«“ von Cathrin Gilbert und Holger Stark

Mein Land ist ein anderes. Deutschland erstickt regelrecht an Übertreibungen und an Wehleidigkeit. Was macht das mit einem Land das ständig als Maßstab die Extreme liebt: Sie verliert mit der Zeit die Übersicht mit Schmerz und wahrer Freude umzugehen. Ohne Umarmung läuft heute keine Begrüßung. Eine Heuchelei ersten Ranges ist in Deutschland festzustellen. Umarmen in der Familie und der näheren Verwandtschaft lässt sich noch erklären, wenn auch ein liebes Verhältnis besteht. Im Sport ist der Makel dieser Empfindungen besonders ausgeprägt. Früher nannte man das: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.“ Auch die anormale Tierliebe neigt ins Extreme. Woher kommt die altruistische Frömmelei der Deutschen? Das wäre ein Thema für die Wissenschaft. Auch ihr Blatt meint, sich daran beteiligen zu müssen. In der „Zeit“ möchte ich davon verschont bleiben. Wenn ich mich über Sport informieren möchte lese ich die entsprechende Fachpresse. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Ausstieg … aus der Kohle: Wem er nützt. Was er kostet. Und wie er funktioniert“ von Petra Pinzler und Mark Schieritz

Verschaukelt werden Steuerzahler und Umwelt einmal mehr, da der Tschechische Milliardär Daniel Kretinsky mit seiner Wette gegen die Energiewende https://www.welt.de/wirtschaft/article158468256/Tschechischer-Milliardaer-wettet-gegen-die-Energiewende.html

Erfolg hat. Horrende „Entschädigungen“ wird ihm der deutsche Staat auf seine Panamakonten überweisen. Als der schwedische Staatskonzern Vattenfall, der sich auf großen Plakaten als „Partner der Region“ sah, die Lausitz 2016 sang und klanglos verlassen hat, hätten die Landesregierungen Brandenburgs und Sachsens ihn schon damals zu großen Aufwendungen für den Strukturwandel verpflichten müssen und den Ausstieg Vattenfalls zum Beginn des Ausstiegs aus der Braunkohle machen müssen. Aber man hat zugeschaut, wie ein dubioser tschechischer Privatmann die Arbeitsplätze der Lausitzer Bergmänner als Geiseln nimmt und ihm dafür auch noch den roten Teppich ausgerollt: 1,5 Millionen € hatte z.B. Vattenfall noch der Gemeinde Spreetal als jährliche Steuern überwiesen. Ich glaube 34.000 € überweist Herr Kretinsky der Gemeinde jetzt!

„Modellregion für gelungenen Strukturwandel“ soll die Lausitz nach dem Willen der Spremberger Bürgermeisterin Herntier werden: Und dazu sollen Umweltauflagen bei der Ansiedlung neuer Industrien und nutzloser Infrastruktur auf dem platten Land entfallen! Anstatt das man sich besonders smart und nachhaltig entwickeln möchte und seine Basis für einen sanften Tourismus eben nicht durch aufgeblasene Straßen-Neubauprojekte zerstört wie z.B. durch eine nutzlose Verbindungsstraße zwischen den beiden Braunkohlekraftwerksstandorten Schwarze Pumpe und Boxberg mit einer 500 m langen Brücke über einen der schönsten Abschnitte der Spreeaue. Aber wie sollen auch die Lokal- und Regionalpolitiker, die den Einstieg in den Strukturwandel 25 Jahre lang verschlafen haben auf einmal wirklich neue, nachhaltige und innovative Ideen für die Region entwickeln? Kein von der Idee her: Weiter so! sondern ein echtes „Die Lausitz neu denken“ tun m.E. Not. Die alte Garde der „Braunkohlepolitiker“ müsste komplett ausgetauscht werden, damit die Lausitz eine Chance hat. – Sebastian Koerner


Leserbrief zu „Der bittere Frieden“ von Jörg Lau

Okay – Wir Europäer (stolz darauf es zu sein) sind also in der Neuzeit (nach dem Mittelalter) ausgezogen uns den Rest der Welt untertan zu machen („vermehret euch und macht euch die Welt untertan“ Bibel?), haben Leid ohne Ende verbreitet und uns gigantisch bereichert. Und – sind überall wieder rausgeflogen bis auf Amerika. Nach erfolgreicher Kolonisation – 90% der indigenen Bevölkerung Nordamerikas wurden vernichtet – haben sich die Europäer von den Europäern befreit, sich nunmehr Amerikaner genannt und sich in einem Bürgerkrieg von den schlimmsten Folgen des Kolonialismus , der Sklaverei befreit. Sie haben sich in europäische Machtkämpfe eingemischt und nach dem großen Sieg (2. Weltkrieg ) im postkolonialen Rest der Welt eigemischt um den Kommunismus zu verhindern und eigene Einflußgebiete zu schaffen, wie umgekehrt die Russen…

Alles gescheitert – Die „dummen Barbaren“ haben sich überall befreit und sind dabei ihre Befreiung unter dem Banner des Islam zu vollenden. Sie wollen gerne ihre eigenen grausamen Vernichtungskriege gegeneinander führen ohne Einmischung der Fremden. Wir werden ohnmächtig zusehen müssen bis es irgendwann sein Ende gefunden hat. Einige allerdings wollen Rache für das was wir ihnen angetan haben und immer noch antun (Einmischung). Einige größenwahnsinnige wollen sogar die Weltherrschaft des Islam und die Vernichtung aller Ungläubigen. Militärisch hoffnungslos unterlegen gibt es für sie alle nur den Weg des Terrors. Wir werden diesen Terror aushalten (müssen) als Folge unserer Geschichte und wir werden ihn bekämpfen aber wir sollten es in unseren Ländern tun mit polizeilichen, geheimdienstlichen und grenzpolizeilichen Mittel. ENDE DER EINMISCHUNG; PUNKT.

Bleibt dieses furchtbare Ding, das wir da erfunden haben und von den Amerikanern schon einmal in Japan eingesetzt wurde – die A-Bombe! Und Japan gibt es immernoch. Das soll nicht verharmlosen aber es heißt für alle Dschihadisten und Rächer Ihr könnt uns nicht vernichten und wenn ihr es versucht ist es euer Ende. Nur – bei religiös verdrehten Barbarenhirnen (neue Definition für Barbarei: Nichtbeachtung der Menschenrechte), die glauben im Himmel belohnt zu werden nützt auch das nicht viel also bleibt uns nur vorzubeugen und das sollten wir mit allen Mittel tun. Spionage mit Satelitten und Drohnen und man-power. Wir müssen wissen wer versucht sie wo zu bauen und Produktionsstätten gegebenenfalls mit militärischer Macht (Kampfeinsätze) zuvernichten so wie Israel dies angekündigt hat sollte der Iran jeh in der Lage sein das Ding zu bauen. Bleibt noch die Hoffnung, dass Putin und Li nicht zum Islam konvertieren. – Dieter Herrmann


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG sagt: Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. Etwa 50% der Deutschen sind Frauen. Gleichzeitig sind aber nur etwa 31% der Mitglieder des 19. Deutschen Bundestages Frauen. Dennoch stellt sich bereits die Frage, ob hierdurch überhaupt ein Nachteil im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG besteht. Denn in der bisherigen Diskussion wird regelmäßig übersehen, dass die Abgeordneten nicht durch das Deutsche Volk, sondern die im Bundestag vertretenen Parteien entsendet werden. In Deutschland sind etwa 1,1 Mio. Menschen Mitglied einer der im 19. Deutschen Bundestag vertretenen Parteien. Davon sind etwa 326.000 Frauen. Das entspricht etwa 29,5%. Berücksichtigt man die Sitzverteilung der Parteien und den Anteil von Frauen untern deren Parteimitgliedern ergibt sich ein durchschnittlicher Frauenanteil von knapp 28%.

Frauen sind somit im Verhältnis zu den die Abgeordneten entsendenden Parteien mit 1,5-3% im aktuellen Bundestag leicht überrepräsentiert. Eine Frau, die Mitglied einer im Bundestag vertretenen Partei ist, hat daher statistisch eine höhere Chance, Mitglied des Deutschen Bundestages zu sein als ein Mann. Die Zahlen geben daher keinen Anhaltspunkt dafür, dass eine Frau, wenn sie sich parteipolitisch engagiert, bei der Vergabe von Bundestagsmandaten benachteiligt wird. Der entscheidende Grund für den im Verhältnis zur Bevölkerung geringen Frauenanteil scheint viel mehr der erheblich geringere Anteil von Frauen in den deutschen Parteien zu sein.

Es spricht also viel dafür, dass mit einem steigenden Anteil von Frauen in den Parteien auch der Anteil der Frauen unter den Mitgliedern des Deutschen Bundestages zunehmen würde. Die Überlegungen, den Frauenanteil im Bundestag durch eine Änderung des Wahlrechts zu erhöhen, sind somit nicht nur verfassungsrechtlich problematisch, sondern setzen schon am falschen Punkt an. Vielmehr wären die Parteien in der Pflicht, sich um einen höheren Anteil von Frauen in ihren eigenen Reihen zu bemühen. Das ist freilich schwer und unbequem. Denn es hängt eng mit der Frage zusammen, warum sich Frauen im Gegensatz zu Männern seltener parteipolitisch engagieren. An den Voraussetzungen kann es nicht liegen. Man braucht weder Geld noch „Netzwerk“, um zur nächsten Sitzung des Ortvereins/Ortsverbandes zu gehen – nur Geduld und Nerven. – Julius Wieske


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Kritische Klärung der Grenzwerte nötig
Der ZEIT-Bericht über die Stickoxid-Grenzwerte stellt Hintergründe und Zusammenhänge übersichtlich dar und hebt sich dadurch positiv von vielen reflexhaft vorgetragenen Kommentaren ab – wirklich gut. Ich vermisse jedoch einen wichtigen Aspekt, der mir beim Lesen von sog. Meta-Studien aufgefallen ist. (Studien, die die Ergebnisse vieler anderer Studien zusammenfassen und bewerten)
Es handelt sich um Folgendes: Bei Untersuchungen zu Schadstoffeinwirkungen und gesundheitlichen Folgen ist es offensichtlich wichtig, die verdächtigten Schadstoffzusammensetzungen und Konzentrationen dort zu kennen, wo sich Menschen mit Krankheitsmerkmalen hauptsächlich über längere Zeit aufgehalten haben. Wie aber wurden diese Daten ermittelt für die Studien, mit denen der geltende Stickoxid-Grenzwert begründet wird? Das wird in den Studien nicht nachvollziehbar behandelt. Dies ist erstaunlich, da hier ein ganz erheblicher Aufwand für korrekte epidemiologische Studien liegt. Verschiedene Indizien könnten zur Vermutung führen, dass man sich bei den Studien zu Stickoxid diesen Aufwand weitgehend gespart und sich mit vageren Abschätzungen begnügt hat. Das wäre dann allerdings für die Beurteilung der Langzeitwirkung niedrigerer Stickoxid-Konzentrationen sehr problematisch, da je nach Randbedingungen in den Wohnungen (z.B. Gasherde, Rauchen etc.) die Stickoxid-Konzentrationen um mehr als den Faktor 100 variieren können. Man würde dann ein Krankheitsregister mit etwas korrelieren, was man nicht ausreichend kennt.

Dies würde die wissenschaftliche Grundlage des geltenden Stickoxid-Grenzwerts deutlich infrage stellen. Deshalb habe ich einen der Autoren der von mir gelesenen Meta-Studien angeschrieben, der auch das Bundesumweltministerium zu Stickoxid beraten hat. Meine Frage: Wie ist von den aus der Umgebung vorliegenden vereinzelten Messdaten auf die Belastungen in den Wohnungen geschlossen worden? Hierzu habe ich bisher keine Antwort erhalten. Im Übrigen scheint mir die in dem ZEIT-Bericht geäußerte Kritik an dem von Prof. Köhler gebrachten Hinweis auf Raucher unberechtigt. Wie dem zweiseitigen Denkanstoß Köhlers an seine Fachkollegen zu entnehmen ist, wendet er sich gegen die vom Umweltbundesamt plakativ verbreitete Zahl von 6000 Toten pro Jahr durch Stickoxide aus Dieselmotoren. Sein Argument: Wenn diese Zahl angesichts des begrenzten Beitrags von Dieselfahrzeugen zu der Stickoxid-Belastung der Menschen stimmen würde, müsste bei den Rauchern die Sterblichkeitsrate viel höher sein, als sie tatsächlich sei, da sie – auch im Tagesmittel mit Pausen zwischen Zigaretten – nicht nur einer deutlich höheren Stickoxidbelastung ausgesetzt sind, sondern auch noch einer viel höheren Feinstaubbelastung im Rauch. Dieses Argument Köhlers ist wohl zutreffend. – Dipl.-Phys. Ulrich Waas


Leserbrief zu „Nimm das, Empire!“ von Jörg Lau

Nordirland – wo ist das Problem
 Beim Referendum in 2016 haben sich die Nordiren mehrheitlich für den Verbleib in der EU entschieden. Es wäre doch eine Lösung sich vom “Vereinigten Königreich” zu trennen und als autonome Teilrepublik Nordirland sich der Republik Irland anzuschließen. Dann gäbe es keine Grenzprobleme, der größere Teil der Bevölkerung wäre zufrieden ohne Angst vor neuen Unruhen. Diskussionen über “Backstop” und spätere Fristen entfallen. Die EU-Außengrenze ist das offene Meer und alle irischen Häfen sind EU-Häfen. – Wilhelm Baulig


Leserbrief zu „Was ist jüdisch?“ von Michael Wolffsohn

Professor Dr. Michael Wolffsohn schreibt u.a.: „Solange Christen noch wortgläubige Christen und Muslime wortgläubige Muslime sind, gibt es kaum eine andere Seinsrechtfertigung für die eigene, jüngere Religion als eine Abgrenzung gegen die ältere monotheistische Religion der Juden…“
Der Monotheismus, der Glaube an einen einzigen Gott, der zudem noch männlich sein soll, gehört dringend auf den Prüfstand. Es gibt eine für jeden Erdenbürger unterschiedslose kosmisch-religiöse Urquelle, für die es keinen Namen gibt. Die spirituelle Erfahrungsdimension hat der deutsche Dominikanermönch und Mystiker Meister Eckhart im 13. Jahrhundert großartig beschrieben: „Das Auge, mit dem ich Gott anschaue und das Auge, mit dem Gott mich anschaut, ist ein und dasselbe Auge!“
Hier entfällt jede Diskussion über Monotheismus und Wortgläubigkeit, weil das kontemplative Erlebnis, das innerste Betrachten ohne ein Gegenüber/Objekt jede konfessionelle Grenze überschreitet und den Raum für wahrhaftige Religion öffnet. Leider haben wir zu wenig spirituell erfahrene Lehrer. – Roland R. Ropers


Leserbrief zu „Was ist jüdisch?“ von Michael Wolffsohn

Der Beitrag spiegelt die ganze Widersprüchlichkeit der Sicht auf die Juden, das Jüdische – und unsere Sicht darauf. Prinzipiell sind das Judentum und dessen vielschichtige Theologie die Grundlage des Christentums. Auge um Auge, Zahn um Zahn hat die Rachsucht des a.t. Gottes abgelöst, der vordem postulierte: „Einen Mann erschlage ich für eine Wunde und einen Knaben für eine Strieme.“ (Gen.4/23) Die sogenannten Geschichtsbücher des A.T. bezeugen einen rachsüchtigen, eifersüchtigen Gott, der alle anderen auslöschen will, denn der Monotheismus, der den Juden unabdingbar ist, war da noch nicht so eindeutig. Die frühen Christen stießen sich daran und erfanden als Gegensatz zum Schöpfergott den „Demiurgen“ als drittklassigen Gott der Juden. Dennoch beruht der Kern christlicher Theologie auf der des Deutoro-Jesaja. Nach dessen Sicht ist Gott keineswegs großzügig, gnädig und barmherzig. Er schenkt seine Gnade nicht, sondern verkauft sie fast wie ein Krämer: Zu bezahlen ist sie mit dem Blut des „leidenden Gottesknechts“, von Matthäus eins zu eins auf Jesus übertragen. Jüdisch oder christlich? „Wann bist du eigentlich lieb, lieber Gott?“ (Borchert) Er war es nicht, als Christen! in den KZs eifrig am Werk waren. Er war es nicht, als sie unter dem Deckmantel der Mission die halbe Welt kolonialisierten. Und heute? Die Juden haben nie missioniert; das widerspäche ihrem Selbstverständnis. Jesus hat keinen! Missionsbefehl erteilt. Aber er hat den Aussagen des A.T. widersprochen: „Ich aber sage euch…!“ Sie haben ihn nicht verstanden, und die Christen können oder wollen ihm nicht folgen. Warum also sollten die Juden von ihrer eindeutigen Sicht abgehen? Und für uns gilt: Jüdisch ist, egal was und wie wir es sehen. – Christine Preyer


Leserbrief zu „Steuersatz 70 Prozent – das ist die Höhe!“ von Mark Schieritz

die Milliarden, die vielen Leuten zur Verfügung stehen, haben nichts mit Leistung zu tun, sie entstehen aufgrund der Zinseszinsformel mit der Zeit automatisch, deshalb müsste die Politik diese Spitzen-„einkommen“ entweder per Steuersatz kassieren oder diese Milliardäre müssten verpflichtet werden, jedes Jahr die neu dazugekommenen Milliarden sozialen Zwecken zur Verfügung zu stellen – bernd roth


Leserbrief zu „Ganz im Ernst“ von Ursula März

Über Verbrechen, wie vom „Hauptmann von Köpenick“ begangen, zu lachen ist eine Sache, über Verbrechen von Bombenlegern und Mördern zu lachen ist eine ganz andere Sache. Lachte der Mann auch, welcher durch Arno Funkes Bombe verletzt wurde? – Gerhard Zugmaier


Leserbrief zu „Sie retten jetzt die Welt“ von Maximilian Probst

Es steht uns älteren Zossen gut an, das zu unterstützen. Manchmal verschieben sich die Gewichte, manchmal zu Recht. Dass Schülerinnen und Schüler für einen effektiven Klimaschutz auf die Straße gehen, zeigt, dass sie etwas begriffen haben, was die verantwortlichen Politiker bislang nicht ernsthaft aufzugreifen bereit sind: Ihre Verantwortung reicht über die nächste Wahlperiode und über die Interessen ihrer Partei hinaus hinaus. Es geht mit der entgleitenden Klimastabilität um unser aller Zukunft. Und um die der Jungen vor allem.

Dass dräuende Einschränkung und drohender Rückbau von geistigen und materiellen Bequemlichkeiten gegen das Wohl der jetzigen und zukünftigen Kinder ängstlich abwehrend beschworen werden, eben das ist „irre“ und nicht Tempo 130, wie es die Bildzeitung am 19.1. fett titelte und dann Verkehrsminister Scheuer dankbar aufgriff. Die verantwortungsbewusste Zivilgesellschaft, eingeschlossen der Politikeranteil mit Rückgrat und Fernblick, sollte sich nachdrücklich auf die Seite der Schüler stellen, die zur Unterrichtszeit und damit sichtbar ihre Zukunftsrechte einfordern. Eine durchhaltende bundesweite, europaweite, gerne auch weltweite Schülerprotestbewegung in Sachen Klimaschutz wäre zu wünschen. – Dr. Wolfgang Scholz


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

In jüngster Zeit ( siehe auch der Beschluß des Brandenburger Landtages ) wird wieder verstärkt die Thematik der Unter-Repräsentanz des weiblichen Geschlechts in wichtigen gesellschaftlichen Funktionen auf den Feldern Wirtschaft, Politik , Gesellschaft und Kultur diskutiert. Dabei wird – wie Heinrich Wefing , Redakteur in der ZEIT völlig richtig hervor hebt- eine vereinseitigte , rein auf das Geschlecht als solches abstellende, quasi allein statistische, Betrachtungsweise untergeschoben und verkannt, daß personalpolitische Auswahlakte sich an einer Vielzahl von Kriterien auszurichten haben, die nicht unmittelbar an das Geschlecht, sondern an Qualifikationskriterien anknüpfen, anzuknüpfen haben. Außerdem sieht das GG die Freiheit der Berufswahl vor. Sollte es z.Bsp. so sein, daß Frauen signifikant mehr ehrenamtliche Ämter als Männer anstreben und auch für sich gewinnen, dann wäre dies ein Indikator dafür , daß Frauen, tatsächlich, ein normaler Aufstieg in wichtige gesellschaftliche Positionen immer noch sehr erschwert wird. Richtig ist wohl eindeutig , daß die Kompatibilität von Familie und Beruf für Frauen ein größeres Problem als für Männer darstellt.- Die Tatsache der Unter-Repräsentation von Frauen in vielen Berufen und gesellschaftlichen Funktionen ergibt sich aber auch aus dem Umstand, daß Frauen insgesamt mehr Optionen für die Gestaltung ihrer Lebensentwürfe haben als Männer. Dies gilt natürlich nicht für streng patriarchalische Gesellschaften , etwa Saudi-Arabien und Persien. In modernen, westlichen ,Gesellschaften sind aber die Bildungszugänge und die zu besetzenden Arbeitsplätze prinzipiell auch dem weiblichen Geschlecht doch völlig geöffnet. ^Es wäre interessant, wenn einmal ein seriöses Umfrageinstitut eine Enquete unternähme, wie ein repräsentatives °sample° der bundesdeutschen, weiblichen, Bevölkerung eigentlich die Wünschbarkeit von Frauen- Quoten einschätzt?? Eine Schwerbehinderten-Quote ist ein sinnvolles Instrument, wenn anstelle der Einstellung eines Schwerbehinderten auch eine Schwerbehinderten-Abgabe entrichtet wird. Frauen sind aber nicht generell schwerbehindert !! – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Recht vielen Dank für Ihren sehr berührenden Artikel. Ich habe leider bis zum Tod meiner Eltern ähnliche Erfahrungen mit meinen Geschwistern und der übrigen Verwandtschaft machen müssen. Dabei ist es doch ganz einfach. Unsere Eltern haben uns mit viel Mühe und einer großen Portion Liebe und Geduld großgezogen, so gut sie es eben konnten und niemand ist natürlich perfekt. Sie waren für uns da, wenn wir klein waren, gestürzt waren – es gab immer mehr als nur ein Pflaster, es gab Trost und Geborgenheit. Waren wir größer, wer wohl hat uns über den ersten Liebeskummer hinweggeholfen?

Irgendwann können aber die eigenen Eltern nicht mehr, weil die Kraft nicht mehr da ist. Jetzt benötigen sie die Liebe, Geduld und Zuwendung, die sie uns einst geschenkt haben. Einfach mal eine liebevolle Umarmung, ein zärtliches „Die Hand nehmen“, Gespräche über „Früher“ ist für Demenzkranke Menschen sehr wichtig, die Angst vor der Zunkunft oder gar dem Tod nehmen, einfach das Wissen vermitteln: ich bin jetzt zwar älter, aber nicht allein. Sie tun das hervorragend Frau Brandt und ich wünsche Ihnen weiterhin viel Geduld und Kraft in Ihrem Umfeld. Liebe Frau Brandt, nichts aber auch gar nichts ist an Ihrem Handeln falsch. Sie haben einfach nur ein Herz und das am richtigen Fleck. – A. Jeske


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Die von der WHO und EU festgelegten Grenzwerte für NO2 in der Atem-und Aussenluft wurden bekanntlich auf 40 Mikrogramm pro m3 als geltendes Recht festgelegt mit dem Ziel, Menschen und Umwelt zu schützen. Zu dem NO2 Wert kommt der für die Gesundheit bedeutende Feinstaubgehalt und der CO2 Gehalt der Luft hinzu,der durch die Verbrennung von Kohle,Holz und Öl entsteht.Hinzu kommen NH4 -Gas aus der Landwirtschaft sowie Methan aus der Tierhaltung. Der Anstieg der Weltbevölkerung auf über 7,5 Milliarden Menschen bedeutet mehr O2 -Verbrauch und mehr CO2 Ausstoß(sog.Treibhausgas). Bemerkenswert ist der Unterschied der NO2 Grenzwerte für die Aussen-und Arbeitsluft. Er beträgt 40 Mikrogramm in der Aussenluft und 950 Mikrogramm in der Arbeitsluft ! Die Differenz liegt bei dem 24- fachen Wert !! Die gesundheitliche Belastung durch Feinstaubgehalt der Luft geht in diese Berechnung nicht ein. Polemik und Schuldvorwürfe ändern daran nichts. Eine technische Korrektur an den beschuldigten Dieselmotoren und eine sinnvolle Korrektur der Grenzwerte könnten diese Probleme lösen. – Dr. Hans-Bernd Roleff


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

Welch ein Gezänk um die paritätische Teilnahme von Frauen an der Volksvertretung. Ja, Frauen sind anders als Männer, die Natur hat uns unterschiedlich gestrickt. Wir besitzen kein Y-Chromosomen, verantwortlich für Muskelkraft, Aggression und Gebrüll, dümmer sind wir aber nicht. Wir tragen die Kinder aus, gebären sie, bilden eine biologische Einheit mit ihnen, auch nach der Abnabelung. Wir haben eine andere Sicht auf die Dinge des Lebens, setzen andere Prioritäten. Es ist an der Zeit, dass diese weibliche Perspektive in der Politik mehr Aufmerksamkeit erfährt. Auch wir sind das Volk. Da es kein Selbstläufer ist, gehört dieses Anliegen in der Verfassung verankert. Laut Art. 5 des Einigungsvertrages vom 31.08 1990 ist eine Verfassung innerhalb von zwei Jahren vorgesehen, legitimiert durch einen Volksentscheid. Wer immer auch dies zu verhindern sucht, sollte durch den Rechtsstaat in die Schranken gewiesen werden. Wir fordern doch kein Matriarchat, obwohl wir die Mehrheit der Bevölkerung bilden, wir möchten nur gleichberechtigte Teilhabe und Mitsprache. – Annebärbel Jungbluth


Leserbrief zu „Das komplizierteste Kleidungsstück der Welt“ von Sophie Passmann

Sophie Passmann ist eigentlich wirklich zu beneiden. Für die meisten Menschen wird diese globalisierte Welt immer komplizierter. Nicht so für Frau Passmann. Für sie ist das alles ganz einfach. Entweder hasst sie, oder liebt sie die Dinge. Die Welt ist entweder schwarz, oder weiß. Das aber ist gerade das Problem! Alles muss entweder schwarz, oder weiß sein, dazwischen gibt nichts. Keine unterschiedliche Meinungen, Weltanschauungen, keine unterschiedlichen Jacken, nichts. Daunenjackenmenschen sind von der Gesellschaft auszuschließen, sie zu umarmen ist nicht zu empfehlen, denn: „… sie haben es nicht verdient…“ eine Daunenjacke zu tragen ist ja nicht „cool“. Frau Passmann hat „leider keine Ahnung welche innere Werte die Daunenjackenmenschen zu vermitteln“ versuchen, aber sie weiß, dass, zumindest in ihren Augen, diese sicherlich scheitern werden. Jetzt werde ich übermütig, und oute mich. Die Welt soll es endlich erfahren: mea culpa, ich trage eine Daunenjacke! Mein Geheimnis: das tragen der Jacke hat mit den Außentemperaturen zu tun, nicht mit meinen inneren Werten. Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, liebe Frau Passmann, inzwischen gibt es ziemlich schick geschnittene Daunenjacken in schönen Farben, nicht mit Plastik, sondern mit echten Daunen gefüllt. Man muss nicht unbedingt wie eine verunglückte Michelin-Reklame darin herumlaufen. Selbstverständlich wünsche ich Ihnen, fröhliches Weiterfrieren! Ich trage lieber meine Daunenjacke, denn wir haben endlich einen richtigen Winter mit Minusgraden! Noch etwas. Ob Sie es glauben, oder nicht, jaaa, ich werde umarmt! Mitsamt meiner uncoolen Daunenjacke! – Maria Linke


Leserbrief zu „Demokratiehülse“ von Ulrike Gastmann

Haben Sie, liebe Frau Gastmann, mal darüber nachgedacht, dass auch Westdeutsche „westdeutsche Chefs, Behördenleiter oder Vermieter“ haben? Ja, dass darüber hinaus auch im Westen z.B. der Boss von woanders ist, der Vermieter in Hamburg, Berlin, München oder Frankfurt residiert und nicht direkt nebenan? Die Thematik, die Sie schildern ist einfach keine Frage des Längengrades sondern ein vertikales Problem, nämlich dass Geld und Besitz Macht bedeuten und diese Macht ausgenutzt werden kann und wird, dass Marktwirtschaft vieles erreicht, aber eben nicht automatisch Wohlergehen für alle schafft. Am Ende aber wird eine ‚ausbeuterische und unterdrückende‘ Firmenleitung wohl gut damit leben können als „böser Wessi“ geschimpft zu werden, beim ganzen Rest jedoch erzeugt sich selbstgerechte Wut da und ebensolche Reaktanz dort. Und dann werden wir sie haben, die Demokratiehülse, die Oligarchie, bei der nur noch interessiert, wer wo gerade die Mehrheit ist. – Hermann Thomsen


Leserbrief zu „Gehalt: Warum bekommen Frauen nach der Geburt eines Kindes so viel weniger als Männer?“ von Kerstin Bund

Der Artikel brachte sofort wieder den Satz eines Chefs zum klingen (auch wenn da unsere drei Kinder schon 18, 16, 11 waren): „Wieso wollen sie mehr arbeiten, ihr Mann verdient doch genug?“ – Bettina Koch


Leserbrief zum Titelthema „Schüler aus aller Welt fordern die globale Elite heraus“ von Karin Ceballos Betancur et al.

Am 1. Februar haben weltweit hunderttausende Schüler*innen gegen die Zerstörung der Umwelt demonstriert. Wenn sich die Protestbewegung weiter vernetzet, werden es in den kommenden Wochen Millionen junge Menschen sein. Ihre Solidarität könnte der Politik und Wirtschaft deutliche Grenzen aufzeigen, wie es die Welt noch nicht erlebt hat. Die Schulen sollten den Freitag zum Umwelt-Projekt-Tag und Think Tank der Kinder und Jugendlichen und ihrer Visionen einer friedlichen Weltgemeinschaft erklären! – Walter Moritz


Leserbrief zu „Ein Reich kippt“ von Xifan Yang

„Hysterie über eine neue gelbe Gefahr“?Ist nicht euer Ernst, oder? 2019 fällt euch nichts besseres ein, als eine rassistische Anspielung auf die Hautfarbe, um die angebliche Gefahr für die Weltwirtschaft zu charakterisieren? Kleine Info: die Hautfarbe „gelb“ gibt es nicht, außer vielleicht in Comics und bei fragwürdigen Fashingskostümen. – Gregg Frost


Leserbrief zu „»Meine Frau sagt: Welcher Unfug!«“ von Uwe Jean Heuser

Da kann ich nur Erfolg wünschen bei dem Versuch, aus einer Ideologie zur Verteidigung von wirtschaftlichem Individualismus und krassem Materialismus wieder eine vorurteilsfreie Wissenschaft zu machen! Und da mir selbst neben genügend Geld für ein angenehmes Leben auch ein bisschen Selbstwirksamkeit wichtig ist, möchte ich auf meinen Text „Paradigmenwechsel“ (http://www.ulrich-willmes.de/paradigmenwechsel.html) hinweisen, in dem ich u. a. für eine Neudefinition und Kontrolle der Unternehmenszwecke und -ziele plädiere. – Dr. Ulrich Willmes


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Ich habe ihre Geschichte gelesen und wie sehr sie sich um ihre Eltern kümmern. Ich wollte Ihnen nur sagen Sie sind ein unendlich kostbarer Mensch , vielleicht klingt es naiv aber ich bin überzeugt davon das sie schätze sammeln an einem Ort wo sie nicht vergehen und nicht vergessen werden
Alles liebe und viel Kraft – Herbert Mayrhofer


Leserbrief zu „»Des Bauern wichtigstes Gut« – »Wenn es so wäre!«“ von Christiane Grefe und Urs Willmann

Alles, was in diesen Beiträgen und dem Interview angeführt wird, war schon Inhalt meines Landwirtschaftsstudiums vor 35 Jahren. Vielleicht hat sich das Detailwissen noch vermehrt, aber die Grundeinsichten waren damals schon lange vorhanden und bekannt. Sie werden in manchen der „Ur-Schriften“ des ökologischen Denkens schon vor 100 Jahren erkannt und zum Ausdruck gebracht. Erstaunlich ist, wie langsam Entwicklung fortschreitet, wenn nicht sogar rückwärts. Dabei würde ein sauberes Studium der Phänomene des Lebens schon völlig hinreichen, um zu sehen, was zu tun ist:
Leben ist Vielfalt: es erscheint lokal und in der Zeit immer in einer situations- und standortbedingten Vielfalt. Wenn durch irgendwas oder durch den Menschen Einfalt entsteht, wird das Leben immer wieder Vielfalt herstellen. Trifft dieses Bestreben des Lebens auf die Monokulturen, die aus dem einfältigen Denken des Menschen angelegt werden, nennen wir dieses Bestreben „Schädlinge“ oder „Krankheiten“ und bekämpfen diese erneut einfältig.

Der Mensch ist das einzige Wesen auf der Erde, daß einfältig denken kann (nicht muß!) und daraus auch einfältig handeln kann. Dabei hätten wir alles zur Verfügung, um der Vielfalt des Lebens gerecht zu werden und dann aus dieser Vielfalt zu schöpfen – nicht nur für uns, sondern für Welt, Natur und Menschengemeinschaft. Das würde ein Denken fordern, daß dieser Vielfalt gerecht wird. Solches Denken ist allerdings mühsam. Nur eine Konsequenz wäre sicher unter anderem ein achtsameres Verhalten. Das Thema an sich ist zu umfangreich, um es hier ausführlich zu erörtern – ich weiß noch, daß ich schon vor über 30 Jahren einen Leserbrief an DIE ZEIT geschrieben habe, der sich auch mit dieser Thematik befasst hat. (Ich bin Abonnent der Zeit seit rund 40 Jahren!) Ich habe damals darauf hingewiesen, daß es eine Vielzahl wirklich kluger Menschen gibt, die weitgehend frei von Ideologie diese Inhalte und Zusammenhänge sehr gut vermitteln können. Nach wie vor würde ich es als eine wesentliche Aufgabe Der ZEIT sehen, solche Ausführungen regelmäßig zu Wort kommen zu lassen. – Michael Weiler


Leserbrief zu „Wahnsinnige Ehe“ von Lisa Nienhaus

Jetzt sind die Werbefuzzies gefragt. Wie soll das neue Geldhaus heissen? Deutsche Commerz,CommerzDeutsche ,usw? Wie auch immer,das Konstrukt lässt an das Sprichwort von dem Lahmen und dem Blinden erinnern. – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „7 Euro/m^2 – Geht das?“ von Felix Rohrbeck und Marcus Rohwetter

Gut gemeint, aber wie realisieren ? Die Sache wird an der Grundstücksfrage scheitern.Wer baut diese Hütten,sagen wir mal mit Schlichtwohnungen (von irgendwoher klingt mir dieses Wort noch in den Ohren),auf astronomisch teure Stadtlagen? Schlichtwohnungen also in die Pampa ? Das kann es doch auch nicht sein .Pampös statt pompös.Und wie steht es mit Infrastrucktur in diesen Gegenden ? – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „Josh wuchs behütet auf. Mit 15 verfiel er den Drogen. An Stoff zu kommen war nicht schwer. Er hatte ja Facebook“ von Isabell Beer

Ich hätte mir bei einem gravierenden Thema wie dem Zusammenhang von Drogensucht und Facebook/Online-Foren, wie es in dem Dossier-Text der jüngsten Zeit-Ausgabe behandelt wurde, mehr Differenziertheit gewünscht. Ich weiß nicht, ob es LeserInnen für diese ernste Problematik sensibilisiert, wenn der Artikel den Fall von Josh chronologisch und wie einen Krimi nacherzählt – ohne dabei die Persönlichkeit des Drogensüchtigen näher zu beleuchten. Stattdessen fallen prononcierte Sätze, die mehr Dramatik erzeugen als zur Reflexion anregen, wie „Josh verliebt sich neu, in Drogen.“ Ist es bei dieser Thematik relevant, minutiös einzelne Drogen-Bestellungen und Posts aufzuführen, aber Joshs individuelle bzw. psychische Situation, die doch einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, ob jemand drogensüchtig wird oder nicht, lediglich randständig darzustellen? Bis auf zu Beginn gestreuten Informationen zu einer gescheiterten Beziehung (die Drogensucht bestand da aber bereits), erfahren die LeserInnen kaum etwas darüber, wer Josh war. An einer Stelle heißt es beiläufig, dass Josh und ein Freund „nächtelang zockten und Josh dabei in sein Headset brüllte.“ Dies klingt nach einer gewissen Emotionalität und Freude, wofür es ansonsten in dem gezeichneten Bild keine Anzeichen gibt. Wie kann die Frage, ob Facebook ein Generator oder ein Multiplikator von Drogensucht ist, so adäquat beantwortet werden?

Die Eigentypik des Online-Austausches wird doch so auf die Aussage reduziert: „Man sollte solche Gruppen im Internet verbieten; sie sind Schuld an dem Tod zahlreicher Drogenopfer.“ Wie schwierig es ist, im Internet Dinge zu verbieten, ist uns allen bekannt. Wäre an dieser Stelle nicht eine Diskussion darüber angemessen gewesen, ob man sich Foren im Internet nicht erst zuwendet, wenn man bereits zu den Drogen gegriffen hat? Dadurch, dass kein Bild der Persönlichkeit von Josh gezeichnet wird, wird die Multifaktorialität der Drogensucht ausgeklammert und es wird nicht deutlich, welche Rolle Facebook bzw. das Internet hier spielt. Mehr Hintergründe und Differenzierung anstatt Tatsachenberichte und Kriminalistik wären aus meiner Perspektive wünschenswert gewesen. – Timo Rouget


Leserbrief zu „Ausstieg …aus dem ökologischen Konsens zwischen SPD und CDU“ von Peter Dausend und Bernd Ulrich

Ist Deutschland Vorbild oder Nachahmer? Für wen? Und warum? Für die FPÖ in Österreich. Weil die CSU das Spiegelbild der FPÖ – und vice versa – in der jeweiligen Regierung abgibt. Dobrindt/Scheuer vs. Strache/Kickl – zwei Paare, die sich quantenmechanisch verhalten: spukhafte Fernwirkung (©️A. Einstein); wie die einen agieren, so gerieren sich die anderen und das über ein paar hundert Kilometer… und nahezu synchron! Angesichts dieser Zustände bleibt nur zu hoffen, dass die vernunftbegabten Teilnehmer der jeweiligen Koalitionen sich dieser Vernunft standhaft besinnen und nicht dem kurzfristigen Gewinn (Wählerstimmen?) die langfristige Nachhaltigkeit (intakte Umwelt – in allen Belangen!) opfern. – Wolfgang Sauer


Leserbrief zu „Hundert Jahre Warten sind genug“ von Mariam Lau

Kaum wird die Parität in der Politik diskutiert, ist die Sorge groß, der Wähler könnte gezwungen sein, eine Frau zu wählen. Skandalös! Eine Gefahr für die Demokratie! Wie steht es denn um den Zustand unserer Demokratie, wenn Direktmandate in weitaus überwiegender Zahl zugunsten von Männern besetzt werden? Bin ich als Wählerin dann nicht gezwungen, einen Mann zu wählen? Ach, das ist etwas anderes? Na das soll mir mal jemand erklären. – Prof. Dr. Claudia Reuter


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Den Artikel fand ich sehr gut recherchiert und dargestellt. Nur leider kann ich der Schlussfolgerung am Ende nicht ganz zustimmen.“ Das beste Auto für den Umwelt- und Klimaschutz“ ist eher ein Kleinfahrzeug mit Gasantrieb (CNG). Es ist schade, dass diese Technik in Deutschland lediglich ein Nischendasein fristet – als Übergangslösung hin zu einer vollständigen E- und Wasserstoffmobilität könnte sie uns weiterhelfen. Siehe hierzu auch https://www.unece.org/info/media/news/sustainable-energy/2015/natural-gas-vehicles-can-nox-your-sox-off/natural-gas-vehicles-can-nox-your-sox-off.htmlDr. Martin Schultz


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

In Ihrem gerne gelesenen Artikel führen Sie aus, Artikel 3 GG (gemeint ist Absatz 2, Satz 2) sei das stärkste Argument der Paritätsbefürworter. Ich glaube aber, dass diese Vorschrift natürlich auch unter dem Vorbehalt des von Ihnen nicht zitierten, viel wichtigeren und älteren Absatz 3 steht, während Absatz 2 Satz 1 historisch lediglich eine Ergänzung zu Absatz 3 darstellt. In diesem Absatz 3 heißt es: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Dies bedeutete früher, dass im und gegenüber dem öffentlichen Dienst die in dieser Vorschrift genannten Eigenschaften keine Rolle spielen durften. Inzwischen gilt dies zu Teilen auch im Privatrecht. Die eventuell zulässigen Maßnahmen, die getroffen werden können, um Gleichstellung (nicht Gleichberechtigung – das ist etwas anderes) herzustellen, dürfen also nur im Rahmen dieser Bestimmung getroffen werden. Die starre Quote, wie Papier sie nennt, gehört nicht zu diesen erlaubten Maßnahmen, denn sie lässt ja gerade das Geschlecht und nur das Geschlecht entscheiden, wer wo auf der Wahlliste steht. Ich denke, dass schon aus diesem Grunde eine wie auch immer geartete Quotenreglung unzulässig ist. – Reiner Bühling


Leserbrief zu „Sie müssten in der Schule sein“ von Felix Schröder

Kürzlich geriet ich in die Demonstration in der Innenstadt von Freiburg im Breisgau. Aus Plakaten und Transparenten erkannte ich, dass ich einigermassen auf der Höhe bin: höchst selten Fleisch, gelegentlich Fisch, Vermeidung von Plastikverpackungen, Kfz beim Abgang in die Rente vor 16 Jahren abgeschafft, RVF-Jahreskarte, BahnCard50, Halbtax-Abo Schweiz.

Sehr missfallen hat mir,
– dass u.a. Schwerbehinderte sich zur Freiburger Innenstadt quälen mussten, weil die Demonstration ausgerechnet am zentralen Bertholdsbrunnen genehmigt war, was zum Unterbruch der Strassenbahn führte; muss das sein? Es hat in der Freiburger Innenstadt wirklich genügend für Demonstrationen geeignetere Plätze, an denen der ÖPNV nicht beeinträchtigt wird; aus anderen deutschen und europäischen Städten wird ähnliches berichtet;
– dass immer wieder die Schulpflicht gegen das Demonstrationsrecht ausgespielt wird; in Leserbriefen wurde die Einhaltung der Schulpflicht gar als „Duckmäuserei und Feind der Demokratie“ diffamiert. Das ist rechtlich eindeutig falsch und unhistorisch obendrein. Die Pflichtschule ist ein Ergebnis der Reformation (Luthers Brief an Ratsherren aller Städte deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“ 1524). Das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken führte 1592 als erster Staat weltweit die allgemeine Schulpflicht für Jungen und Mädchen ein, gefolgt 1598 von Strassburg; dies zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Zwangsarbeit und zugunsten ihrer Bildung. Viel später wurde die Schulpflicht von anderen übernommen, in der Zeit der Aufklärung vor allem von Preussen 1717 und 1763, und in der Weimarer Verfassung und im Grundgesetz bekräftigt;
– dass bei Verstetigung der freitäglichen Streiks der ausgefallene Stoff etwa in Fremdsprachen, Mathematik und Naturwissenschaften kaum nachgeholt werden kann, und dass das den demonstrierenden Schülern egal zu sein scheint;
– dass immer wieder von einem Streikrecht gesprochen und geschrieben wird; Schüler sind keine Tarifpartner in Lohnverhandlungen, folglich können sie allenfalls ein Demonstrationsrecht beanspruchen; dieses während der Schulzeit zu praktizieren ist rechtswidrig und inakzeptabel; an unterrichtsfreien Nachmittagen und am schulfreien Samstag ist wirklich genug Zeit für solch löbliches und beeindruckendes Unterfangen. Gelegentliche Solidarisierungen von Lehrern und gar Schulleitern ist ebenso inakzeptabel und disziplinarisch zu ahnden. – Wolfgang Heinz


Leserbrief zu „7 Euro/m^2 – Geht das?“ von Felix Rohrbeck und Marcus Rohwetter

Ich habe selten einen Artikel in der ZEIT gelesen, der so einseitig die Sichtweise einer Lobby wiedergibt. Ihre Aufgabe wäre es gewesen, alle Argumente für und gegen eine Deckelung zusammenzutragen und gegeneinander abzuwägen. Stattdessen übernehmen Sie zB unkritisch den Betrag von 55.000 Euro für die energetische Sanierung für jeden Vermieter. Vorher differenzieren Sie zwischen privaten und institutionellen Vermietern, hier werfen Sie alles in einen Topf ohne zu sagen wie der Betrag zustande kommt. – Rüdiger Weigel


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

In der Auflistung „Die Ersten“ haben Sie noch meine Großmutter Else Zimmermann vergessen. Sie war die erste Landrätin der Bundesrepublik Deutschland. Und das war erst 1963! – Petra Heldt-Bertrand


Leserbrief zu „»Meine Frau sagt: Welcher Unfug!«“ von Uwe Jean Heuser

Snower: „Die Makroökonomie ist das Resultat einer Wechselwirkung zwischen individuellen Entscheidungen und sozialen Kräften.“ Einfach genial diese Erkenntnis! DDR-Staatsbürgerunterricht in der 9. oder 10 Klasse: Der Mensch ist die Einheit seiner Biologie/Individualität und der gesellschaftlichen Verhältnisse. Dem könnte eine Litanei von entsprechenden Marx-Zitaten zugefügt werden. Es ist dennoch ein interessantes und aufschlußreiches Interview. Vielen Dank! – Joachim Oelßner


Leserbrief zu „7 Euro/ – Geht das?“ von Felix Rohrbeck und Marcus Rohwetter

Selbstverstaendlich ist ein Zeitungsartikel keine Vorlesung in VWL. Allerdings sind gerade in dieser Ausgabe die Bemuehungen um bessere Journalistik und die Interpretation von Daten und Forschungsergebnissen sichtbar. Daher ist sind aus dem Kontext gerissene Fakten besonders kritikwuerdig. In diesem Fall der aufgezeigte Zusammenhang zwischen Mietpreisbremse und Anteil der in der Eigentumswohnung lebenden Bevoelkerung. Eine Anmerkung der Stabilitaet (oder besser gesagt ihrer Abwesenheit) der Pesete zwischen ’64 und ’94 waere ein Anfang. Nur damit der Durchschnittsleser eine Idee bekommt. Ein anderer Ansatz ist die durchschnittliche Verfuegbarkeit einer Bankfinanzierung. In anderen Worten: Die zwischen ’64 und ’94 sprunghaft gestiegenen Moeglichkeiten haben den Trend zum eigengenutzten Wohneigentum erst ermoeglicht. Und dann, bis 2008 ungehindert, ausufern lassen… In anderen Worten: die Mietpreisbremse an sich hat nur einen geringen Anteil am jetztigen – katastrophalen – Zustand auf dem spanischen Wohnungsmarkt. Um auf den Sinn des Artikels zurueckkommen: Wenn die Preisentwicklung des Mietzinses in den Grosstaedten positiv beeinflusst werden soll…sollte man mal ein bisschen aus der Box denken. Wie laendliche Gebiete, Klein- und Mittelstaedte oder auch nicht metropolartige Grosstaedte wieder attraktiv gemacht werden koennen. Ich koennte mir eine sachliche und ganzheitliche Diskussion nur wuenschen. Schlussendlich stehen hier fast alle Grundrechte zur Debatte. Vom Anspruch auf eine bezahlbare Wohnung ueber die Zukunftschancen der jungen Generation bis hin zum Erhalt der Kulturlandschaft. Also die soziale Marktwirtschaft und der Rechtsstaat als Ganzes. – W. Goerler


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Ihren Artikel habe ich mit Interesse gelesen, und möchte Sie auf eine gravierende andere Sichtweise der Thematik aufmerksam machen. Fallbeispiel: Ein Ehepaar, er 79, sie 75 Jahre alt. Der Mann leidet an fortschreitender Demenz und hat außerdem seit vielen Jahren einige andere Gesundheitsprobleme, wie z.B Bipolare Störungen, COPD, Herzerkrankung, usw. usw. Er besucht seit einigen Monaten von Montag bis Freitag eine Tagespflege. Die Kinder leben weit entfernt und sie beschränken den Kontakt auf das allernotwendigste. Sie haben ihr eigenes Leben zu regeln. Freunde und Bekannte gibt es nicht mehr. Der Mann hat PG 3. Die Frau konnte das alles bisher alleine bewältigen, ist aber durch die Belastungen ernsthaft erkrankt und auch am Ende ihrer Kräfte. Der Hausarzt empfiehlt und befürwortet die Heimeinweisung des Mannes. Das würde folgende finanzielle Folgen für das Ehepaar haben:

Die Pflegekasse bezahlt zwar den Heimaufenthalt, aber es bleibt ein Restbehalt, der von dem Ehepaar monatlich aufgebracht werden muß, wie folgt : ( bis einschl. 2018) Beispiel: bei PG 3 = 1.612 €, bei PG 5 = 2005 €. Ab 2019 sind es ca. 58 € mehr im Monat. Wie soll das ein Ehepaar mit einer durchschnittlichen Rente machen ? Man kann finanzielle Hilfen beantragen und auch bekommen. Aber wie, und was das für die alten Menschen bedeutet, finanziell und organisatorisch , diesen Weg zu schildern, erspare ich Ihnen hier. Ich wollte nur einmal klarstellen, dass es sehr oft nicht die Kinder sind, die den Eltern hilfreich zur Seite stehen und dabei sicherlich hohen Belastungen ausgesetzt sind, sondern dass die Eltern sich oft selbst überlassen werden und sich am Ende ihres Lebens auch noch finanziell ruinieren müssen.

Nur nebenbei: Wenn die Frau aus meinem Beispiel wegen Ihrer Erkrankung und Erschöpfung von der Krankenkasse eine Reha genehmigt bekommt, ist auch das nicht umsonst. Der pflegebedürftige Mann kann während dieser Zeit ja nicht alleine zu Hause leben und muß in eine Kurzzeitpflege gehen. Die Kosten übernimmt die Pflegekasse aber es bleibt ein Selbstbehalt für das Ehepaar zu zahlen von ca. 40 € pro Tag für, man nennt es wirklich so, Hotelkosten. – Karin Irene Lange


Leserbrief zu „»Ich will das allermeiste!« von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Wer erzieht hier wen ? – Ein/e Leser/in


Leserbrief zum Titelthema „Schüler aus aller Welt fordern die globale Elite heraus“ von Karin Ceballos Betancur et al.

Ein Hoch unseren demonstrierenden Freitagskindern! Sie beschämen uns satte Erwachsene, unsere profitorientierte Industrie und unsere versagenden Politiker! Deshalb ein Lob, ein Weiter so, ein Hoch unseren Freitagskindern! Unterstützen wir sie, helfen wir Ihnen zum Erfolg zu kommen. – Friedel Leßmann


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

In der Debatte um das Thema „Frauenquote“ wird stets der Artikel 3 des Grundgesetzes herangezogen und auf eine sich daraus angeblich abzuleitende Verpflichtung zur Einrichtung einer Quote verwiesen, weil man sonst im Parlament keine Gleichverteilung der Geschlechter erreichen kann. Für eine solche Gleichverteilung mag es Argumente geben, eine rechtliche Verpflichtung sie herzustellen existiert jedoch nicht. Der Bundestag ist keine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung, sondern ist das Ergebnis einer Vielzahl von Wahlentscheidungen und Prozessen, die es zu respektieren gilt. Engagiert sich eine Person in der Politik oder nicht? Kann sie Mehrheiten für sich in den Parteien gewinnen, weil man sie für geeignet hält, oder nicht? Wird sie vom Wähler gewählt oder nicht? Das Geschlecht ist dabei lediglich ein soziales Merkmal unter vielen. Im Artikel 3 findet sich das Wort „gleichberechtigt“, wenn es um Frauen und Männer in unserer Gesellschaft geht. Gleich berechtigt zu sein heißt nicht gleich verteilt zu sein. Der Staat hat nicht für Gleichverteilung zu sorgen, sondern Artikel 3 Satz 2 verpflichtet den Staat, rechtliche Beeinträchtigungen von Frauen gegenüber Männern – oder auch umgekehrt – abzuschaffen. Dazu gehört die Verpflichtung, für gleichen Lohn bei gleicher Arbeit einzutreten, Gleichstellung zum Beispiel im Scheidungsrecht schaffen, Zugang zu Ämtern ohne rechtliche Einschränkungen zu gewährleisten, die freie Berufswahl sicherzustellen und vieles mehr. Dazu gehört nicht, eine Geschlechterparität beispielsweise bei den Hebammen, bei den in der Stahlindustrie Arbeitenden oder bei den in der Politik Arbeitenden zu erzwingen. – Klaus Keßler


Leserbrief zu „Der bittere Frieden“ von Jörg Lau

Darf ich es positiv formulieren? Ich hoffe, dass in ZEIT Nr. 7 ein ausführlicher Artikel darüber folgt, was ein Rückzug des Westens aus Afghanistan für die afghanischen Frauen bedeuten kann, In den vorliegenden Beiträgen kann ich trotz großer Mühe das Wort „Frauen“ kein einziges Mal entdecken; nur einmal ist von Mädchen die Rede. Wir alle erinnern uns, dass die Intervention / Invasion der NATO auch mit der Wiederherstellung der Frauenrechte begründet wurde. Wie viele andere fand ich genau diese Begründung damals völlig gerechtfertigt. Also: Welche Optionen liegen auf dem Tisch, wenn überhaupt? Was sollten /könnten die westlichen Staaten den afghanischen Frauen anbieten, wenn sie die vorgebliche moralische Basis ihrer politischen Handlungen nicht völlig diskreditieren wollen? Ich bin gespannt. – Claudia Peter


Leserbrief zu „Zweifelhafte Herkunft“ von Peter Dittmar

In der fast vergnügt kommentierten „Zweifelhafte(n) Herkunft“ der teuersten Gemälde der Welt (Zeit vom 31. 1.) findet sich der Hinweis, dass Göring 1942 für den gefälschten Vermeer „Christus und die Ehebrecherin“ angeblich 1,65 Millionen Gulden bezahlt hätte. Dies ist unrichtig. Die Zeitzeugin Rose Valland, französische Spionin im besetzten Paris, Nancy Heide, Herausgeberin des Bestandsverzeichnisses Göring, und schließlich der 2015 herausgegebene französische Katalog der Sammlung Göring bestätigen, dass Göring, Reichsmarschall und auch in Kunstdingen ein Großkrimineller, das genannte Spitzenstück gegen mindestens 150 Alte Meister eintauschte. Dies entspricht ohnehin seinem bekannten Geiz, seine immense Sammlung durch dubiosen Tausch statt durch Geld zu vergrößern. Mit dem kolportierten Preis von 1,65 Millionen Gulden wäre Göring ohnehin leicht in Konflikt mit Hitler geraten. Denn dieser kaufte bereits 1940 einen allerdings echten Vermeer zum Vorzugspreis von 1,65 Mio. Reichsmark. Dieser Vermeer, nämlich die „Malkunst“ hängt heute im Kunsthistorischen Museum in Wien. – Malte Sprenger


Leserbrief zu „Demokratiehülse“ von Ulrike Gastmann

Ihrer Forderung, der Ablehnung der Demokratie als bestmögliche Staatsform eine Wertschätzung entgegenzubringen, kann ich leider nicht nachkommen. Ihre geschilderten Erlebnisse in der Versicherungsfiliale sind Teil unseres Arbeits-, Werte- und Gesellschaftssystems und nicht beschränkt auf Vorkommnisse im deutschen Osten nach der Wende. Sie bemängeln Vorgänge, die nicht punktuell im Osten Deutschlands auftraten sondern Teil unserer Lebenswelt sind. Im Osten kannte man solche Verhaltensweisen zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch nicht, im Rest der westlichen Welt wurden sie über die Jahrzehnte so durchgesetzt und zur Normalität, ob man sie gut fand oder nicht.

Man kann und soll solche Verhaltensweisen kritisieren, man kann und soll das System, welches hinter diesem Umgang miteinander steht, kritisieren und man kann und soll zur Besserung beitragen, aber weder im Westen noch im Osten kann und darf solch ein Verhalten eine Begründung für eine antidemokratische Einstellung sein. – Harry Koerber


Leserbrief zu „Billig muss nicht monoton sein!“ von Philipp Meuser

Bei dem, was der Architekt Philipp Meuser über das zukünftige Wohnen in der „flächenoptimierten Kleinstwohnung mit digitaler Vollausstattung“ schreibt wird mir Angst und Bange. Wohnen ist für mich auch: mit Freunden kochen, dann lange beim Essen zusammensitzen, den Abend verquatschen und ja, dabei auch eine zu rauchen. (Was in Gemeinschaftsräumen zuverlässig verboten sein wird.) Wohnen ist doch mehr als Duschen, Schlafen und vorm Laptop sitzen! Wohnen ist Lebensqualität. Die ist bei Herrn Meuser vollständig wegoptimiert. – Bernhard Beutler


Leserbrief zu „DIE UNBEIRRBARE“ von Khuê Pham im ZEIT Magazin

Als Jugendlicher hätte ich die schwedische „Heldin“ wahrscheinlich ebenso beklatscht wie einige der Fluggäste. Nun, im vorgerückten Alter, wo ich reichlich Vergangenheit erlebt habe und über das Jetzt hinaus blicke, denke ich anders darüber, vermutlich politisch inkorrekt! Wäre es nicht naheliegend (im wahren Sinne des Wortes), wenn ein Afghane, der sich in seiner Heimat bedroht fühlt, in den Iran, die Türkei oder nach Pakistan fliehen würde? Dort leben Menschen der gleichen Religion, ähnlicher Herkunft, Prägung, Lebensart. Wäre ein Deutscher in seiner Heimat bedroht (möge dies ein ewiger Konjunktiv bleiben!), würde auch er nicht eher nach Frankreich oder Polen emigrieren als in ein asiatisches Land? Wie hätten die Mütter und Väter des Asylrechts wohl reagiert, hätten sie auch nur erahnen können, daß wir heute versuchen, mit Hilfe ihrer Gesetze eine Völkerwanderung aus Asien und Afrika krampfhaft zu regeln? Richten wir unseren Blick doch einmal in die Zukunft unseres Landes, unserer Gesellschaft – bei fortdauernder Immigration, spärlicher Ausweisung, Familiennachzug, demografischer Entwicklung: die gebetsmühlenartige Aufforderung unserer Gesinnungsethiker zu immer mehr „Buntheit“ und „Vielfalt“ könnte dann einer religiösen, kulturellen, ethnischen „Einfalt“ oder aber Beliebigkeit gewichen sein! Dies zu erahnen, braucht man nur einmal ohne rosarote Brille durch bestimmte deutsche Schulen und Stadtteile zu gehen. Einer, der solch jedermann/-frau Offensichtliches sich aber auch auszusprechen erlaubt, kann in Deutschland nur ein Mitglied einer „rechtspopulistischen“ Organisation sein! Was aber, wenn Millionen ähnlich denken? – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Erfindungen sind nicht zu rechtfertigen!“ von Andreas Wolfers

Natürlich ist es im Prinzip für ZEIT-Leser völlig unerheblich, ob in Freiburg ein afghanischer Flüchtling eine Joggerin oder eine Studentin auf dem Fahrrad ermordet. Wenn aber Herr Wolfers aus den fakes des Reporters Relotius Lehren ziehen und Vertrauen zurückgewinnen will, sollte er nicht ausgerechnet in seiner „beispielhaften Geschichte“ die beiden Morde vertauschen: die Joggerin wurde im nahen Endingen von einem rumänischen LKW-Fahrer ermordet. – Dieter Besuch & Rosemarie Ziegler


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Dem informativen und ausgewogenen Beitrag zur Wertedebatte kann die Meinung hinzugefügt werde, die von vielen Kinder- und Jugendärzten vertreten wird. Im Positionspapier von Professor Köhler und Kollegen steht: Lungenärzte sähen in ihren Praxen nie Tote durch Feinstaub und Stickoxide. Ich selbst habe in meiner langjährigen Kliniktätigkeit ebenso nie ein zu früh oder untergewichtig geborenes Kind gesehen, dessen Problem ich Feinstäuben oder Stickoxiden hätte zuschreiben können. Aber Achtung: diese Aussagen sind unwissenschaftlich und irreführend. Sorgfältig durchgeführte epidemiologische Studien aus vielen Ländern haben ergeben: Früh- und Mangelgeburtlichkeit sind häufiger in Gebieten mit erhöhter Luftschadstoffbelastung, und zwar bereits bei Konzentrationen, wie sie in unseren Städten vorkommen. Die von Professor Köhler eingeräumte „sehr geringe Risikoerhöhung in staubbelasteten Gebieten, meistens nur um einige Prozent“ bedeutet, dass wir es statt mit hundert Früh- und Mangelgeburten mit 103 oder 105 solcher Neugeborenen zu tun haben. Das betrifft in Deutschland jährlich mehrere tausend Kinder. Es gibt weitere, gut dokumentierte Assoziationen bei Kindern zwischen Luftschadstoff-Belastung und Asthma, Atemwegsinfekten und wahrscheinlich auch weiteren Krankheiten (Diabetes, Adipositas u.a.). Eine Aufgabe der Wissenschaft ist es, Gefährdungen und Risiken zuverlässig zu quantifizieren und mitzuteilen. Der Umgang damit und mit der Frage, was akzeptiert werden muss, was zugemutet werden kann, ist eine gesellschaftliche, eine politische Aufgabe. Präventivmedizinisch denkende Kinderärzte halten eine Risikoerhöhung von 3 oder 5% für betroffene Kinder in Städten, sofern sie vermeidbar ist, nicht für akzeptabel. Die Beibehaltung der derzeitigen Grenzwerte ist erforderlich, um wenigstens im bisherigen (nicht immer zureichenden) Maße die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu schützen. – Professor Dr. med. Karl Ernst von Mühlendahl


Leserbrief zu „Böse Buben“ von Josef Joffe

Herr Joffe wundert sich über Verlautbarungen der APA zu ‚toxischer Männlichkeit‘. Er würde sich weniger wundern, wüsste er, dass dieselbe APA noch vor kurzem Homosexualität als Krankheit klassifizierte. Das läuft ähnlich wie beim Duden; auch dessen Normen werden von Zeit zu Zeit den geltenden Denkweisen angepasst. Dass es schlecht zu Herrn Joffes Denkweise passt, als männlich reklamierte Tugenden zu kritisieren, muss nicht verwundern, wen ihn je in Podiumsdiskussionen erlebte: vordringlich ist, Redezeit und das letzte Wort zu haben, statt gemeinsam interessante Perspektiven zu entwickeln – also, sich durchzusetzen. Und so behauptet er nun polemisch ‚Stoizismus‘ als das Gegenteil von ‚Hysterie‘, ohne sich um mangelnde Vergleichbarkeit von Konzepten zu scheren, deren Herkunfts- und Assoziationsbereiche aus griechischer Philosophie bzw. klassischer Psychoanalyse völlig inkommensurabel sind (wobei es dann ganz gut passt, dass umgangssprachlich ‚hysterisch‘ abwertend ist und nur auf Frauen bezogen wird). Joffes darauf folgendes Loblied des Helden passt übrigens ganz gut zu Vorstellungen ‚traditioneller Weiblichkeit‘: Leid gefasst zu tragen, sich dem Ganzen (Familie) zu unterwerfen… Aber dass der ‚feinere Bruder‘ der Aggressivität ‚Mut‘ hieße, hat er sich wohl nicht so gut überlegt. Aggressivität als emotionaler Impuls kann Risiko-Erwägungen allenfalls hinwegfegen und ist weit entfernt vom klaren Bewusstsein der Gefahr, das es braucht, um sich – trotz begründeter Furcht! – mutig zu verhalten. Entsprechend beweist Mut eher, wer sich einer halsbrecherischen und ansonsten absolut sinnlosen ‚Mutprobe‘ qua Initiation verweigert, die ihm der Gruppendruck aufzwingen will. Gegen besseres Wissen Scheiße bauen, um dazuzugehören und anerkannt zu werden, um ‚jemand zu sein‘ – DAS ist der toxische Modus (der auch dem ISIS funktional zugrundeliegt). Das zu sehen, braucht niemand ‚Gutdenk‘ zu praktizieren (müssen Sie das auch noch einführen, nachdem schon der ‚Gutmensch‘ überall ausgiebig geschmäht wurde?). Und über Ergebnisse der Genderforschung sollten Sie sich dringend mal informieren: die sind nämlich überwiegend kontraintuitiv, Herr Joffe. Danach empfinden Sie dann auch das Beispiel von ‚Mami- und Baby-Truck‘ nicht mehr als komisch, geschweige denn als brauchbares Argument. – Dr. Marlene Müller


Leserbrief zu „Zurück in die Selbstständigkeit“ von Christian Heinrich

Warum wurde zu diesem Thema die Auswahl des Fotos so gedankenlos getroffen? Geradezu widersprüchlich: Foto und Titel. Leider hilft der Seniorin die gezeigte Hilfestellung nicht in die Selbstständigkeit zurück. Dazu müsste sie sitzend eine zusätzliche Fußbank benutzen und mit einer Anziehhilfe Klettverschluss-Schuhe anziehen. Stattdessen sieht man eine Seniorin auf einem Bein stehend, leicht vorn übergebeugt, beide Hände das Hosenbein haltend. Die hockende Position der pflegenden Person ist genauso erschreckend: vor der alten Dame kniend, Rücken und Knie werden nicht geschont. Die ganze Situation ist sehr bedenklich, weil die Seniorin sturzgefährdet ist. Das schreit nach professioneller Hilfe. Denn das was man sieht, ist alles andere als zielführend und hilft nicht in die Selbstständigkeit zurück.Sieglinde Nitsch


Leserbrief zu „Wer darf hier schreiben?“ von Gunter Hofmann

Vielen Dank für den Abdruck dieses Kapitels aus dem Buch von Guter Hofmann. Gräfin Dönhoff hat zu Recht gegen Carl Schmitt gekämpft. Allerdings muss ich dem Artikel in Teilen widersprechen. Tüngel, von dem Rede ist, war von den Nazis aus dem Amt gejagt worden. Auf die Verstrickung von Buccerius im 3. Reich wird zumindest in dem Artikel dagegen nicht eingegangen. Er hatte aber jüdische KZ Häftlinge in seinem Unternehmen arbeiten lassen. Buccerius starb 1995. Bis heute habe ich noch immer keine Antwort auf meine Frqge erhalten, ob diese Häftlinge zum Krepieren, Sterben kann man das nicht nennen, ins KZ zurückgeschickt wurden. Hat sich der ZEIT Verlag an dem 10 Md. DM Fonds beteiligt, mit dem jüdische Zwangarbeiter in den 90 er Jahren für ihre Leiden entschädigt wurden? Wen n ja mit welcher Summe? Auch der Hinweis auf Josef Müller – Marein erscheint mir, sofern nichts anderes im Buch erwähnt wird, unvollständig. Hatte er doch seine Ausbildung als Reporter für DAS REICH und den VÖLKISCHEN BEOBACHTER erhalten. Im übrigen bleibt er mir mit seiner schwachsinnigen Kampagne gegen die Alkohol Promille Grenze in Erinnerung. Wenn ich mir den Artikel so ansehe und an die über Helmut Schmidt denke, dann kann ich mich de Eindrucks nicht erwehren, dass nach seiner „Heiligsprechnung “ die der Gräfin dran ist. Letztendlich habe ich an Herrn Hofmann die Frage, ob er auch erwähnt hat, dass Gräfin Dönhoff gegen die Strafen für NS -Wirtschaftsführer wie den für Deutschland und die Bundesrepublik “ hochverdienten Flick Senior“ polemisiert hat. Sie haben die Aktion Freunde der ZEIT gegründet. Unter Freunden sollte aber Ehrlichkeit üblich sein. Wie bei Ihnen üblich, werde ich nie eine Antwort auf diese Fragen erhalten. Solange das nicht der Fall ist, kann ich die Aktion „Freunde der ZEIT“ nur als Kokolores bezeichnen. – Ulf Hanel


Leserbrief zu „Böse Buben“ von Josef Joffe

Jens Jessen macht einen abenteuerlichen logischen Spagat, wenn er einerseits Männlichkeit auf „klassische Tugenden“ und Zeitgeist-bestimmte Stereotypen wie den Stoiker und den Gentleman zurückführt, ihr andererseits abspricht ein gesellschaftliches Konstrukt zu sein. Er übersieht bei dem Versuch Männlichkeit in dieser Weise zu verabsolutieren völlig, dass seit der Antike, genauer: Aristoteles, auch Mut und Aggressivität nur im rechten Maße tugendhaft galten: Mut als die Mitte zwischen Feigheit und Übermut. Die Dosis macht das Gift. Seine Gegenüberstellung von [männlichem] Stoizismus und Hysterie wirkt vor dem Hintergrund der gezielten Pathologisierung der weiblichen Hysterie im 18. und 19. Jahrhundert geschichtsvergessen und gestrig. Seine pauschale Verallgemeinerung männlichen Heldentums über alle Kulturkreise hinweg rundet das Bild ab: Jens Jessen ist nicht auf der Höhe des Diskurses sondern hinkt ihm mindestens 50 Jahre hinterher. – G. Stefer


Leserbrief zu „Mehr Experimente wagen!“ von Uwe Jean Heuser

Herr Heuser spricht sich also für politische Experimente aus – schön! Aber über ein Grundeinkommen soll man gar nicht erst debattieren, da es „so verschieden vom status quo gar nicht wäre“. Nicht so verschieden? Für Herrn Heuser vielleicht, er verdient bestimmt gutes Geld damit, substanzarme Meinungsartikel zu schreiben. Doch fragen Sie mal die Millionen Hartz-IV-Empfänger*innen, armen Renter*innen oder Leute, die aus rein materiellen Zwängen in Bullshit-Jobs festhängen, ob es wirklich so wenig ändern würde. Hierfür muss das Grundeinkommen natürlich hoch genug sein! In Finnland ist vor kurzem ein Modellversuch zum Grundeinkommen zu Ende gegangen, bei dem sich für viele Betroffene radikale Veränderungen ergaben. Wäre das nicht genau so ein Experiment in Herrn Heusers Sinne, um einen ganz konkreten politischen Vorschlag zu erproben, statt nur wolkig daherzureden? – Lukas Nickel


Leserbrief zu „Über Fußball und Rassismus“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Mal wieder eine brillante Kolumne von Harald Martenstein. Er seziert mit großer Präzision die Wiedersprüche zeitgeistiger, oft mit einem moralisch absolutistischen Anspruch vorgebrachten Überzeugungen und Wertvorstellungen von Prominenten (wie in diesem Fall Samy Deluxe, den ich als Musiker sehr schätze), von Politikern oder von uns allen als Gesellschaft. Seiner Kolumne immanent ist daher ein Streit- und Polarisierungspotential, dass mich immer wieder in der vorgetragenen Vehemenz verblüfft. Ich erinnere mich eigentlich auch nur an negativ konnotierte Leserbriefe über Martenstein, wie zuletzt auf seine Kolumne aus Zeitmagazin Nr. 3 (Martenstein und das Glück). Ich lese Martenstein offensichtlich anders und hoffe, ich bin damit nicht alleine. Er schreibt in einer Art, die mich zum Schmunzeln oder Lachen bringt und mich am Ende amüsiert darüber nachdenken lässt, ob ich nicht selber einem von ihm sezierten Wiederspruch aufgesessen bin. So auch geschehen in seiner aktuellen Kolumne „Über Fußball und Rassismus“. Wunderbar aus der Welt des Fußballs hergeleitet, führt er uns von dem Anspruch „keine Gruppe darf sich der anderen überlegen fühlen“ in die Realität, dass selbst diejenigen, die es propagieren, sich damit wiederum in der Gruppe derer, die so denken, den anderen überlegen fühlen. Ach wie herrlich. Wir sollten alle herzlich darüber lachen und in uns hineinhorchen, ob wir uns ein bisschen ertappt fühlen. Wie immer bei Martenstein. Und wie immer einfach gut. – Wigand Maethner


Leserbrief zum Titelthema „Schüler aus aller Welt fordern die globale Elite heraus“ von Karin Ceballos Betancur et al.

Kinder und Jugendliche machen uns vor, wie es gelingt Aufmerksamkeit zu erreichen, gehört zu werden. Eine riesige Bewegung ist entstanden, und sie wächst weiter! Ich erachte die Demos und Aktionen dieser jungen Menschen als sehr bemerkenswert und überaus wichtig. Greta Thunberg sagt: „Ich will, dass ihr handelt wie in einer Krise. Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen. Denn es brennt!“ Felix Finkenbeiner meint, Kinder seien Anpacker, Erwachsene leider nur Quassler. Gebt den Kindern das Kommando lautet eine Textzeile bei Herbert Grönemeyer. Und er hat recht. Denn Kinder entscheiden nach ihrem Gefühl. Bei Ihnen geht es nicht um Macht und Geld… – Achim Bothmann


Leserbrief zu „Mit 48“ von Jochen Schmidt

Mit Interesse und Schmunzeln habe ich Ihren Artikel über die Bahnfahrt mit einigen Ihnen – bis dahin – unbekannten älteren Damen gelesen! Aber vielleicht hatten Sie doch etwas zu viel Hasch oder Sekt, denn: waren es nun sechs oder acht Damen? Oder saßen zwei schon vorher in Ihrem Abteil? – Editha Rochow


Leserbrief zu „Was ist jüdisch?“ von Michael Wolffsohn

Tacitus schreibt nicht im 2. Jh. vor Christus: Tacitus schreibt 90 nach Christus! – Heinz Schienle


Leserbrief zu „Was ist jüdisch?“ von Michael Wolffsohn

Eigentlich sind wir Juden, die die Römer vor langer Zeit irgendwo zwischen Jaffa und Jerusalem gefangen genommen haben. Auf den Kriegsschiffen der Römer mussten wir Sklavenarbeit leisten. Weil die Römer uns ausgebeutet haben, haben wir uns in Rom in den Katakomben vor ihnen versteckt. Als die Römer nach Germanien zogen sind wir ihnen gefolgt, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Im Rheinland waren wir die Ersten die Wein angebaut haben. Man hat uns ausgegrenzt, gepeinigt und vertrieben, deshalb sind wir nach Polen und in die USA geflüchtet. Wenn wir nicht geflohen sind, dann durften wir unser Land nicht mehr bestellen und unseren Beruf nicht ausüben, deshalb sind wir zum Christentum konvertiert. Heute wissen wir gar nicht mehr, dass wir eigentlich jüdisch sind.

Noch eine kurze Anmerkung zum Text:
Es hat mal jemand mir gegenüber die Bemerkung gemacht ich würde jüdisch aussehen. Diese Bemerkung hat mich nicht mehr losgelassen und ich habe in meinem Stammbaum nach Juden gesucht. Leider bin ich nicht fündig geworden und große Dichter und Denker waren bei meinen Vorfahren unglücklicherweise auch nicht dabei. Dagegen bot mir mein Stammbaum viele Lücken, hier und da kam ein Kind unehelich zur Welt und der Vater war nicht mehr zu ermitteln. Außerdem reichte unser Familienstammbaum nur bis ins 17. Jahrhundert zurück. Was davor war lässt sich leider nicht mehr rekonstruieren. So ist der Text entstanden. Weil ich gar nicht wissen kann, wie jüdisch ich eigentlich bin. – Michaela Dierolf


Leserbrief zu „Gretas Welt“ von Karin Ceballos Betancur

Greta Thunberg auf der ersten Seite der ZEIT groß und ernst abgebildet und dazu eine nicht mehr zu überbietende Schlagzeile:
Dieses Mädchen fordert die Welt heraus
„Wer ist sie?“ Der Beitrag über sie beschreibt einen jungen Menschen, der sich allergrößte Sorgen über den Bestand der Menschheit macht. Mit dieser Zukunftsangst steht sie nicht alleine dar, wie der wissende Teil der Menschen weiß. Die Journalisten der ZEIT rechne ich zu den Menschen, die die Ursachen der sich scharf abzeichnenden Klimakatastrophe für die Menschheit genau kennen und auch über das Wissen verfügen, was die Menschheit zu leisten hätte, wenn sie ihre Art auf diesem wunderbaren Planeten erhalten möchte. Greta hat keine Hoffnung auf Besserung und da liegt sie mit ihrem Gefühl völlig richtig, weil die westlichen Eliten ihren Lebensstil nicht dauerhaft thematisieren und dann auch die notwendigen Konsequenzen daraus ziehen. Die Menschheit mit gegenwärtig 7,6 Mrd. und in wenigen Jahrzehnten auf 10 Mrd. angewachsen kann nur überleben, wenn der Ressourcenverbrauch in den Industriestaaten drastisch und sofort um ca.75% reduziert würde. Gleichzeitig müssten die noch nicht Industriestaaten ihr Bevölkerungswachstum stoppen, am besten sogar umkehren. Wenn wir Greta Hoffnung geben wollten, müsste der Staat lenkende Maßnahmen ergreifen, so dass niemand mehr verbrauchen kann, als ihm zusteht, an Energie maximal ca. 1.500 ltr. Erdöleinheiten. Wenn Sie bei DIE ZEIT Greta unterstützen wollen, dann schreiben Sie auch darüber; so ist der Beitrag zu Greta einer Boulevardzeitung angemessen, aber nicht der ZEIT. – Wolf Lübcke


Leserbrief zu „Josh wuchs behütet auf. Mit 15 verfiel er den Drogen. An Stoff zu kommen war nicht schwer. Er hatte ja Facebook“ von Isabell Beer

Der erschütternde Bericht von Frau Isabell Beer über Josh, mit 15 verfiel er den Drogen mag in der Darstellung des leichten Zugangs auf Drogen einen Schwerpunkt haben eine andere Facette im Leben von Josh scheint aber zu kurz zu kommen. Die gewählte Überschrift „Josh wuchs behütet auf“ und die kurze Beschreibung seiner Jugend bis zur Pubertät bleiben im Raum stehen sollten aber besser als Blindheit von einer Journalistin hinterfragt werde. Ich erwarte, dass das Wissen von Alice Miller heute schon zum Allgemeinwissen zählen sollte. – DI Elfriede Fuhrmann


Leserbrief zu „Gretas Welt“ von Karin Ceballos Betancur

Ein einfühlsamer Bericht über Greta Thunberg, einen jungen Menschen, der in kurzer Zeit mit seinem Protest gegen die Unfähigkeit, den Klimawandel zu stoppen, weltweite Bekanntheit erlangte. Gretas Sicht auf die Welt lässt sie kompromisslos sein, ihre Hoffnungslosigkeit ist erschreckend eingedenk ihres jugendlichen Alters. Ihre Betroffenheit und ihr Engagement werden medial gefeiert, in der Hoffnung sie könne etwas bewegen, unterstützt von weltweit solidarischen Schülern, die sich ihrem Schulstreik anschließen. Ihre zentrale Botschaft – so im Artikel zitiert – ist einfach: Manche Leute sagen, wir alle hätten die Klimakrise gemeinsam verursacht, Doch das ist nur eine bequeme Lüge. Denn wenn alle schuldig sind, ist niemand schuldig zu sprechen. Aber es gibt Schuldige, Einige Leute, einige Unternehmen, vor allem einige Entscheidungsträger wussten genau, welche unbezahlbaren Werte sie opfern, um weiterhin unglaublich viel Geld zu verdienen. Nun, wir hören die Botschaft gern, denn danach sind nicht wir, die Schuldigen, sondern mächtige Institutionen und hochrangige Personen. Ist es wirklich so einfach? Den Test kann jeder für sich selbst durchführen: Man nehme die Seite 53 aus „Die Zeit“ mit dem Artikel „Gretas Welt“ und lege daneben die Seite 52 mit der Werbung für eine Reise nach Patagonien. Welchen Beitrag leistet sie zur Finanzierung dieses sehr interessanten Beitrags über Greta Thunberg, und wie viele zusätzliche Reisen können mit ihrer Hilfe verkauft werden. – Dr. Hans-Günther Vieweg


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

Die Forderung von Rot- Rot- Grün nach einer gesetzlich vorgeschriebenen 50%- Frauenquote in den Parlamenten läßt die Frage nach dem eigentlichen Sinn dieser Forderung völlig offen: Ist die Mission der fordernden Feministinnen bei Erreichen der 50%- Quote quasi als Selbstzweck vollendet oder erwartet man z.B. eine politische Leistungsexplosion durch Erhöhung des Frauenanteils von derzeit 31 (Bundestag) auf 50%? Letzteres läßt bei Betrachtung der aktuellen politischen Situation allerdings Zweifel aufkommen. Es gibt meines Erachtens drei wesentliche Vorbehalte gegen die 50%- Quote.

Erstens sind es die vom Verfasser umfangreich beschriebenen rechtlichen Einwände. Die für eine gesetzliche Quote notwendigen Eingriffe in das Parteiengesetz oder Wahlrecht kollidieren mit dem Grundgesetz und werden somit das Bundesverfassungsgericht beschäftigen müssen.

Zweitens ist es doch wie in der freien Wirtschaft: Die Auswahl zur Besetzung von verantwortlichen Positionen erfolgt logischerweise nach dem Grad der Qualifikation, nicht jedoch nach äußeren Merkmalen wie Geschlecht, Alter, Religion, usw. So kann z.B. ein technikgetriebenes Unternehmen niemals eine 50%- Quote erreichen wenn man berücksichtigt, dass der Anteil der weiblichen Studierenden an technischen Hochschulen im unteren einstelligen Prozentbereich liegt. Wenn nun die Frauenquote im Bundestag z.Z. 31% beträgt, liegt dies mit Sicherheit am fehlenden Potential, nicht jedoch weil Frauen unqualifizierter sind oder gar zurückgedrängt wurden. Wie im Artikel erwähnt, stünde es hierzu den Parteien doch frei, zu versuchen, mehr weibliche Mitglieder zu rekrutieren und vor allem zu fördern. Könnte es nicht auch sein, dass zahlreiche Frauen eine andere Lebensplanung bevorzugen als Karriere in Politik oder Wirtschaft zu machen? Das Geschlecht ist eben kein „soziales Konstrukt“ sondern Gottseidank ein biologisches Merkmal, auch wenn radikal- feministische Kampfverbände das nicht wahr haben wollen.

Drittens: Will man die z.Z. vorhandenen Quoten durch ein Quotengesetz auf 50% anheben, so entspräche dies einer echten Diskriminierung von Frau und Mann! Das Einschleusen im Reißverschlussverfahren von Quoten- Frauen und -Männern in die Parlamente wäre kein Beitrag zur Pflege der politischen Kultur und ganz sicher auch kein Qualitätsmerkmal.
Fazit: Ein Quotengesetz würde nach Beurteilung von Rechtsexperten mit dem Grundgesetz kollidieren, es würde bei Bewerbermangel die Quantität der Qualität vorziehen und es wäre eine klare Diskriminierung von „Quotenpersonal“ und somit alles in allem keine Maßnahme zum Wohle des Volkes. Also: Zurück an die Absender! – Michael Deil


Leserbrief zu „Mann aus dem Nichts“ von Thomas Fischermann

Thomas Fischermann meint, dass „5000 troops so Columbia“ zu übersetzen sei mit „5000 Truppen nach Kolumbien“. Und niemandem fällt auf, dass das ein haarsträubender Unsinn ist? Was sollte das denn heißen? Aber wenn man nicht weiß, dass „troops“ (auch) Soldaten heißt … – Thomas Höhne


Leserbrief zu „Über Fußball und Rassismus“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Sie sagen, das Bedürfnis sich mit einer Gruppe zu identifizieren, steckt in uns drin. Heißt das, wer nicht identifiziert ist, hat keine Bindungen? Wenn ich mich „dazu gehörig“ fühle, muss ich mich dazu „identifizieren“? Die Identifikation bedeutet doch, dass ich mich persönlich angegriffen fühle, wenn meine Gruppe, meine Sache oder Meinung angegriffen wird und die reflexartige Reaktion auf einen solchen „Angriff“ erfolgt sofort. Ist es nicht diese Identifikation, die zu Prügeleien und anderen Auseinandersetzungen führt? Zu sehen bei Fan-Gruppen, bei Religionen oder auch Nationen. – Eduard Prosch


Leserbrief zu „Hundert Jahre Warten sind genug“ von Mariam Lau und zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

Erst 100 Jahre Frauenwahlrecht. Und die reale Gleichberechtigung der Geschlechter ist noch immer eine relativ narrative Fiktion. Ob sich Frauen wie Anita Augspurg, Marie Juchacz, Helene Lange oder Clara Zetkin als politische Wegbegleiterinnen für das Wahlrecht der Frauen, oder die vier Mütter unseres – nicht zuletzt wegen ihnen – großartigen Grundgesetzes, Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel (sie bestanden auf den Wortlaut des Art. 3 GG „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“), oder auch Rosa Luxemburg, die ihren Kampf um politische Freiheit und soziale Gleichheit vor 100 Jahren mit dem Leben bezahlte, den heutigen gesellschaftlichen Status so erträumt hätten? Ob sie erwartet hätten, dass sich unsere hochgelobte, westlich-aufgeklärte Vernunft derart lange von paternalistischen Denk- und Handlungsweisen indoktrinieren lassen würde? Dabei ging und geht es selbstverständlich mitnichten um die bisweilen leider recht reaktionär interpretierte Gleichmacherei der Geschlechter, der Negierung biologischer Unterschiede.

Es ging und geht um die Anerkennung und Achtung der Menschenwürde der Frauen, eines jeden Ranges und Talents gleich welchen Geschlechts. Der verständige Konsens des 21. Jahrhunderts muss endlich sein, dass es gedeihlichen gesellschaftlichen Frieden, zumal in einer Demokratie, nur auf der Grundlage vollumfassender Emanzipation geben kann; denn nur dann ist die Freiheit nicht immer nur die Freiheit der Andersdenkenden (nach Rosa Luxemburg), sondern – am verlässlichsten und tatsächlichsten – auch die eigene Freiheit. Im Übrigen ist zu erwarten, dass die Gegensätzlichkeit von Wahlfreiheit und Quotierung annäherungsweise in dem Maße gemindert werden kann, in dem die Gleichberechtigung sodann in allen Lebensbereichen effektiv umgesetzt und verbessert wird. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Ausstieg … aus der Kohle: Wem er nützt. Was er kostet. Und wie er funktioniert“ von Petra Pinzler und Mark Schieritz

Es ist mir unverständlich, wie man am Bericht der Kohlekommission so viele gute Haare lassen kann. Die entscheidende Frage ist doch: Wie viel Flatterstrom aus Wind und Sonne verträgt unsere Netzstabilität? Da ist die Rede von neuen Speicherkapazitäten, von Power-to-Gas-Systemen und von intelligentem Netz (Smart Grid), alles Schlagworte und spekulative Zukunftsmusik. Der Ausstieg aus der Kernenergie läuft bereits und der Kohleausstieg soll schon morgen beginnen. Die Gefahr von Stromausfällen wächst. Am 10. Januar sind wir schon wieder haarscharf an einem Blackout vorbeigeschrammt. – Dr.-Ing. Ulrich Tillessen


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

Mit der Geschlechterparität in den Parlamenten, wie sie aktuell diskutiert wird, werden zwei Ziele verfolgt: einerseits die gerechte(re) Verteilung von Macht zwischen den Geschlechtern und andererseits eine bessere, weil auch weiblichere Politik. Beides sind wichtige und richtige Ziele, wobei zu Recht gefragt wird, ob der Preis der Freiheit und der Gleichheit der Wahl nicht zu hoch ist, um sie mittels verordneter Parität auf Parteilisten und anderem zu verwirklichen. Ein viel innovativeres Konzept könnte hier Abhilfe schaffen, nämlich die Konsultative (die ZEIT hatte dem Thema schon ein Dossier gewidmet). In einem Gremium auf Zeit, das sich aus zufällig ausgewählten Mandatsträgern so zusammensetzt, dass es nicht nur im Blick auf das Geschlecht ein Spiegel der Gesellschaft ist, erarbeitet zu Zukunftsfragen echte Lösungskonzepte, die im Geist der Kooperation – und nicht der Konkurrenz – entstehen. Die politischen Entscheidungsträger werden verpflichtet, sich zu den Vorschlägen zu verhalten. So würde man die Entwicklung von guten Konzepten (guter Politik) und die Ausübung von Macht trennen. Die Konsultative legt gute und konsensfähige Konzepte vor, die die politischen Entscheidungsträger (unabhängig von Geschlecht und Herkunft) nicht ignorieren dürfen und können. Politische Entscheidungen würden dadurch besser. Ob die Parlamente dadurch auch weiblicher würden? Wenn die Politik stimmt, interessiert sich dann vielleicht niemand mehr dafür. – Albert Sperber


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Ihr Bericht über die Pflege Ihrer Eltern hat mich sehr berührt. Sie spiegeln darin, die Verstrickungen und Ungerechtigkeiten, die in vielen Familien Realität sind. Ich bin dankbar, dass meine Eltern noch alleine zurecht kommen, glaube aber, dass Schwierigkeiten, die den Ihren ähneln sind auf mich zukommen könnten. Aus der Ferne umarme ich Sie und sage Ihnen, dass Sie alles richtig machen und ein Vorbild sind. Passen Sie gut auf sich auf und verbessern Sie Ihre eigenen Bedingungen, vielleicht durch das Reflexionsgespräch mit einem Psychotherapeuten. – Ullie Bobin


Leserbrief zu „Josh wuchs behütet auf. Mit 15 verfiel er den Drogen. An Stoff zu kommen war nicht schwer. Er hatte ja Facebook“ von Isabell Beer

Die Frage, die dem Artikel vorausging (Werden Jugendliche in sozialen Netzwerken wie Facebook zum Drogenkonsum verführt?) muss wohl mit „Ja“ beantwortet werden. Das ist nicht sonderlich erschreckend. Wir kennen die Geschichten von Usern anderer Internetforen und Facebookgruppen, deren Interesse durch den einseitigen Austausch gesteigert wird und extreme Richtungen annimmt. Wie kommt es dazu? Warum fühlen sich Josh und all die anderen bei Facebook und Co. wohler, als in der „echten Welt“ ? Wer sich viel in sozialen Netzwerken herum treibt, ist meist nicht mit vielen Freund*innen gesegnet, fühlt sich oft unverstanden und nicht akzeptiert. Sie, die sich im Internet zusammen tun, sind anders, „komisch“, ausgeschlossen: Wo in der Schule die Nase über das Hobby gerümpft wird, findet sich im Internet zu jedem Thema eine Gruppe von Gleichgesonnenen. Gefährlich wird das, wenn dadurch die zweite und dritte Meinung unterschlagen wird. Josh kann nur über seine Lehrerin lachen, die einen Joint schon als gefährlich einstuft. Auch seine Eltern haben wahrscheinlich noch nie „wirklich“ Drogen konsumiert. Alle um Josh herum scheinen für ihn keine Ahnung zu haben und das stimmt wahrscheinlich sogar. Was sich manche Menschen unter Drogen vorstellen sei etwas, das man einmal anfasst, und schon „fällt man irgendwie halb tot“ um, schreibt er. Alkohol, eine kaum weniger gefährlichere Droge, konsumieren viele tagtäglich, aber alles andere gilt als hochgradig gefährlich. Wie soll jemand wie Josh noch die Grenzen erkennen, die zwischen Neugier, Spaß und Gefahr liegen? Die einzigen, die ihn überhaupt verstehen, sind die Menschen in den sozialen Netzwerken. Aber ob die die Grenzen kennen, scheint fragwürdig. – Nele Ketels


Leserbrief zu „Über Fußball und Rassismus“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Harald Martenstein hat es in seiner jüngsten Kolumne geschafft, gleich zweimal die stellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen zu erwähnen – und Sie konsequent Janina Schäfer genannt. Die mir bekannte Vizechefin der Partei trägt allerdings den Vornamen Jamila. Eine solch schludrige Recherche ist der Glaubwürdigkeit seiner vor Empörung strotzenden Ausführungen doch eher abträglich; jedenfalls entwertet es die sonst so lesenswerte Kolumne. Finden Sie nicht? – Achim Wolters


Leserbrief zu „»Das hat sehr, sehr wehgetan«“ von Cathrin Gilbert und Holger Stark

In Ihrem Artikel zeichnen Sie das empathische Porträt des bescheidenen, familären und loyalen Kapitäns und Sympathieträgers der deutschen Handballnationalmannschaft, Uwe Gensheimer, wie es für viele Spitzensportler dieser aktuellen Trendsportart typisch ist. Hintergrundsinformationen zur gerade vergangenen Handball WM ergänzen dieses Bild auf interessante Weise. Damit gelingt Ihnen ein vielversprechender Start in die neue Rubrik der ZEIT, in der Sie hoffentlich über die multiplen Breite des Sports mit seinen vielen Facetten und Sportarten berichten werden. Der nicht nur fußballaffine Teil der Zeitleser wird es Ihnen danken. – Jochen Marx-Stölting


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Sie machen das Richtige, ich bin überzeugt davon! Geht es um die Fürsorge unserer Nächsten, erweist sich unsere Gesellschaft als erstaunlich untauglich. Dass ein Kind umsorgt sein muss, „eingebunden in Bindung“ ins Leben geführt werden muss, ist Konsens. Das „Alleinlassen“ ist dann eine Straftat. Und doch scheint dieses Grundbedürfnis des Menschen für den letzten Lebensabschnitt nicht mehr gültig zu sein. Den Vater, die Mutter „ins Heim geben “ kann es nicht sein – auch wenn es der richtige Ort wäre. Dorthin begleiten, ja, an der Seite bleiben, Bindung bieten. Übrigens nicht nur dem Angehörigen. Das Pflegepersonal muss als Partner verstanden werden, der eine unschätzbare Leistung erbringt. Meine Mutter und ich haben dieses große Glück erfahren. Bald jährt sich der Todestag meiner Mutter. Meine Gedanken sind oft bei ihr und nicht nur durch Trauer bestimmt. Große Dankbarkeit erfüllt mich, wenn ich an die letzten zweieinhalb Jahre denke, die meine demente Mutter am richtigen Ort verbringen durfte. Dort in Möhrendorf, in der „WG“ im 1. OG. Was vor ihrem Einzug lag, ist mit Odysee gut beschrieben. Als 88-Jährige vom eigenen Sohn mit einem Koffer vor die Tür gestellt zu werden, von der amtlich eingesetzten Betreuerin eben nicht betreut zu werden, ist auch mit einer beginnenden Demenz spürbar und nicht zu verarbeiten. # Zum Glück gab es diesen WG-Platz, zum Glück hatte meine Mutter einen weiteren Sohn. Dieser Bruder hat uns nicht allein gelassen, wenn auch nicht vor Ort,so doch immer erreichbar, mit Rat, Verständnis und unterstützender Frau an seiner Seite. Es geht nur gemeinsam, das ist meine Erfahrung. Das Sich-Herausstehlen aus der Verantwortung hinterlässt Ungelöstes, leiten Sie dies bitte weiter an Ihre Geschwister. Sie tun das Richtige! – Bärbel Rhades


Leserbrief zu „Ganz im Ernst“ von Ursula März

Blättert man nach der Lektüre von U.März‘ Artikel einige Seiten weiter, so erhält man von Juliette Binoche die angemessene Antwort: „Man kann nicht über alles lachen. Und vor allem nicht, wenn ein Leid dahintersteckt.“ Was U.März über die Tragikomödie schreibt, ist richtig. Nur verwechselt sie Kunst und Wirklichkeit. Darüber tauschten sich Goethe und Schiller vor mehr als 200 Jahren im intensiven Gespräch aus. Sie nannten diese Verwechslung: Dilettantismus. – Karl-Heinz Eckert


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Allen, die die Pflege der eigenen Eltern aus beruflichen, zeitlichen oder physischen Gründen nicht mehr selbst bewältigen können, kann ich aus eigener Erfahrung nur empfehlen, sich professionell beraten und unterstützen zu lassen. Mein Vater hat seine letzten Lebensjahre in einem Seniorenheim verbracht und wurde dort tagsüber und vor allem auch nachts empathisch betreut. Er hatte stets Gelegenheit, an einem umfangreichen Betreuungsprogramm teilzunehmen, neue Kontakte zu knüpfen, war nie allein und in allen Lebensbereichen umfassend versorgt. Bei meinen Besuchen freute ich mich auf unser gemeinsames Mittagessen, unsere Spaziergänge im Park, Stadtbummel, Gespräche und Cafébesuche. Durch die gute Betreuungsituation meines Vaters konnte ich mich dabei also auf für ihn schöne Dinge konzentrieren und war auch beim Verabschieden sehr entspannt, da ich ihn auch ohne meine Präsenz gut umsorgt wußte. – Jochen Marx-Stölting


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Vielen Dank fuer diesen ausgezeichneten Beitrag! Endlich findet man einen sachlichen Beitrag, der die Staerken, Schwaechen und Bedeutung der verschiedenen Werte sauber diskutiert. Zu Ihrer Empfehlung am Ende habe ich noch eine Frage. Sie schreiben dort, dass ein kleiner Diesel einem Benziner unter oekologischen Gesichtspunkten ebenbuertig bis ueberlegen ist. Ich hatte den Text zuvor so verstanden, dass Feinstaubausstoss ein Problem hoch-motorisierter Benziner ist. Ich selbst fahre einen 10 Jahre alten Peugeot 107, der mit 50kW/68PS vermutlich eher nicht in diese Kategorie faellt und dessen Jahresmittelwert von 4,3 Liter/100km mir immer sehr gering erschien. Waere ein kleiner Diesel trotzdem besser fuer das Klima (wenn der derzeitige Wagen ersetzt werden muss)? – Sabine Moehler


Leserbrief zu „Abschied von der gleichen Höhe“ von Jörg Kramer

Im Artikel „Abschied von der gleichen Höhe“: …Die Firma heißt Hawk Eye, „Adlerauge“… Das ist falsch: Hawk ist der Falke, der Adler heißt Eagle. – Thomas Miesel


Leserbrief zur Serie „Der Zustand der Welt – Teil 4“

Da ich selbst Bodenkundlerin bin, freue ich mich besonders, dass Sie das Thema Boden in eine breitere Öffentlichkeit bringen! Vielen herzlichen Dank dafür! Besonders die beiden Artikel auf S. 32 sowie die Wissensseite zum Boden auf S. 34 der Ausgabe 06/2019 haben mir gut gefallen. Allerdings hat sich bei einer Infografik im Titel ein Fehler eingeschlichen:
„Eine Hälfte Acker, ein Drittel Wald“ Die Zahlen in der Deutschland-Grafik sowie die Legende sind richtig, 51,1 % landwirtschaftliche Nutzfläche – das sind aber nicht alles Ackerflächen, ca. 28 % davon sind Dauergrünland, so dass die Überschrift mit „Eine Hälfte Acker…“ in die Irre leitet. Ein paar Anmerkungen möchte ich Ihnen auch zu S. 32 geben:
Danke für die auch für Laien gut verständliche Darstellung der Funktionen, Vielfalt und Gefährdung der Böden! Den Abschluss mit dem Wort „erneuern“ finde ich persönlich etwas schade, weil ein Problem der Böden ist, dass sie nicht wirklich „erneuerbar“ – und wenn, dann nur in geologischen Zeiträumen gedacht (10 cm Boden brauchen mehrere Jahrhunderte bis 1.000 Jahre, um sich zu bilden) – sind. Auf Deutschland bezogen sehe ich als Hauptproblem für die Böden die Flächeninanspruchnahme für Siedlung und Verkehr an. Die Bundesregierung hat zwar im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie ein Ziel von max. 30 ha/Tag im Jahr 2020 ausgegeben, davon sind wir aber mit derzeit 62 ha/Tag extrem weit entfernt. Um eine Verringerung der Flächeninanspruchnahme „auf der grünen Wiese“ tatsächlich zu erreichen, bedarf es Anstrengungen in vielen Bereichen. Bislang besteht beispielsweise ein hohes Vollzugsdefizit bei der Betrachtung des Schutzguts Boden in Planungsprozessen.

In der strategischen Umweltprüfung bzw. der Umweltverträglichkeitsprüfung in den verschiedenen Planungs- und Zulassungsverfahren werden die Eingriffe in die verschiedenen Schutzgüter (Flora, Fauna, Luft, Wassr, Boden, Klima, Fläche) bewertet, Planungsalternativen gesucht und der Ausgleich ermittelt. Böden werden hier systematisch nicht gesetzeskonform betrachtet und stellen in den meisten Fällen gar keine Abwägungsgrundlage für Planungsalternativen dar, schlichtweg weil sie nicht oder fachlich unzureichend betrachtet und bewertet werden. Dieses Vollzugsdefizit besteht mindestens seit der Novelle des Baugesetzbuches bzw. des Umweltverträglichkeitsgesetzes 2004! Die Folge davon ist, dass wir immer mehr unserer besten Böden versiegeln, ohne echte Planungsalternativen zu betrachten, ohne Folgekosten für Ausgleich etc. Wie wenig ernst es der Politik und dem behördlichen Vollzug mit dem Schutz der Böden ist, zeigt dieses langjährige Defizit, aber auch Gesetzesnovellen wie das Baugesetzbuch 2017, das mit seinem neuen § 13b eine Flächeninanspruchnahme an Ortsrändern („auf der grünen Wiese“) für Wohnbebauung bis 1 ha Größe ohne eine systematische Umweltprüfung erlaubt! – Ricarda Miller


Leserbrief zu „Gretas Welt“ von Karin Ceballos Betancur

Die Jeanne d´ Arc des 21. Jahrhunderts
Mit Freude las ich in Ihrer letzten Ausgabe über Greta Thunberg. Ihr kompromissloses Handeln ist zu bewundern. Sie erinnert mich an Jeanne, die Bauerntochter aus Lothringen, der das Unmögliche gelang: Die Engländer aus Frankreich zurückzudrängen, den französischen Thronfolger zu krönen, nur indem sie ihm und ihren Landsleuten neue Hoffnung gab. Auch Jeanne war 16. Jahre alt, als sie erstmals öffentlich auftrat. Auch sie war anders als andere Mädchen und konnte deshalb ihrer Mission folgen. Welche Hoffnung für uns alle, wenn viele, viele Schüler*innen und Studierende Greta Thunberg zum Vorbild nehmen und für die Zukunft des Planeten kämpfen, die ja letztlich ihre Zukunft ist. – Eva- Maria Göbel


Leserbrief zum Titelthema „Schüler aus aller Welt fordern die globale Elite heraus“ von Karin Ceballos Betancur et al.

In der Überschrift auf Seite 1 Ihrer aktuellen Ausgabe sprechen Sie vom „Mädchen“, das die Welt herausfordert. Dieses „Mädchen“ macht das, was eigentlich Journalisten machen sollten und seit Jahrzehnten nicht tun: Die Aufmerksamkeit auf das wichtigste Problem der Menschheit lenken. Was aber machen die Journalisten der „Zeit“? Sie personalisieren das Problem und „verniedlichen“ es dadurch. Nicht Frau Thunberg fordert die Menschheit heraus, sondern die Klimakatastrophe. Das passt in das Bild:

Wie kann es z.B. sein, dass der FDP-“Mann“ Wolfgang Kubicki in einer Tageszeitung davon sprechen kann, dass die Nutzung von SUVs nicht eingeschränkt werden dürfe, weil dies zur Freiheit dazugehöre, ohne dass ihm dafür journalistisch „die Hosen ausgezogen werden“? Ansonsten funktioniert die Emfindlichkeitsindustrie bei relativen Kleinigkeiten doch auch vorzüglich. Kann es sein, dass auch den Journalisten das Problembewusstsein fehlt? Oder ist der Klimawandel zu abstrakt? Oder stellt er zu konkret den eigenen Lebensstil infrage? – Christian Finck


Leserbrief zu „Die Kita-Challenge“ von Antonia Baum

Ich kann nur schwer hoffen, dass diese Elternteile, sowie diese Erzieher der Kita, an keiner chronischen Ausdrucksschwäche, sowie an keiner chronischen Argumentations-Unterversorung leiden. Vielleicht doch noch mal alles zurück auf Start! – Riggi Schwarz


Leserbrief zu „Das gehört nicht ins Feuilleton“ von Jonas Seufert

„The joy of painting“ ist ein uraltes Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Einige Folgen waren ganz passables und unterhaltsam, jedoch nicht sehr viele. Der selige Bob Ross hatte das großes Talent, seine zugegebenen tollen Bilder, mit überflüssigem Kitsch total zu verkitschen. – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

In der Ausgabe vom 31.1.19 kritisieren Sie zu Recht das „Raucherbeispiel“ von Prof. Köhler. Leider weisen sie aber nicht auf die primitiven Rechenfehler hin, von denen es in Prof. Köhlers Ausführungen nur so wimmelt und die auch von medizinischen Laien leicht entdeckt werden können. So befindet sich beispielsweise seit März letzten Jahres auf dieser Website:

www.welt.de/wirtschaft/article174334804/Diesel-Woran-es-Studien-ueber-die-toedlichen-Folgen-mangelt.html

eine Berechnung Prof. Köhlers, die einen simplen Rechenfehler enthält, der dazu führt, dass die von ihm genannte Stickstoffoxidbelastung eines Rauchers um den Faktor 100 zu groß angegeben wird. Offensichtlich hat diesen Fehler in seiner auch momentan noch aktuellen Argumentation bis heute kaum jemand bemerkt- oder bemerken wollen. Dort steht, Zitat:
„„Man kann die Studie vergleichsweise einfach dadurch widerlegen, dass man die NO2-Menge im Zigarettenrauch als Vergleich nimmt“, sagt Dieter Köhler. Die liege bei rund 500 Mikrogramm (also 500 Millionstel) pro Zigarette. „Nimmt man zur Konzentrationsberechnung ein Atemvolumen beim Rauchen einer Zigarette von zehn Litern an, so inhaliert man 50.000 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Bei einer Packung am Tag wäre das eine Million Mikrogramm“, rechnet Köhler vor.“ Zitat Ende.

Also eine Zigarette emitiert 500 Mikrogramm NO2. Eine Packung enthält 20 Zigaretten. Damit emitieren diese 20 Zigaretten logischerweise 20 x 500 Mikrogramm NO2, das macht nach Adam Riese 10 000 Mikrogramm, und nicht die von Köhler angegebene eine Million Mikrogramm. Um diesen Wert zu erreichen, müsste eine Zigarettenpackung 2000 Stück enthalten. Solche Packungen gibt es aber nicht. Der Fehler entsteht offensichtlich dadurch, dass die 20 Zigaretten einer „Packung“ (versehentlich?) nicht mit der Stoffmenge pro Zigarette, sondern mit der Konzentration pro Kubikmeter multipliziert werden, deren Berechnung an dieser Stelle eigentlich völlig überflüssig ist. Durch diesen Fehler ist somit auch die von ihm gezogene Schlussfolgerung falsch. Die da heisst, Zitat:

„Selbst wenn nur die halbe Zigarette geraucht würde, hätte der Raucher im Vergleich zu einem Nichtraucher, der lebenslang die Grenzdosis von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft einatmen würde, bereits nach wenigen Tagen die gleiche Dosis.“ Köhlers Fazit: „Demnach müssten, so wie das UBA rechnet, nach ein bis zwei Monaten alle Raucher allein durch das NO2 gestorben sein. Das passiert aber nicht.“ Zitat Ende.

Wenn wir überschlägig nachrechnen, dann hat ein Nichtraucher der lebenslang (etwa 80 Jahre) die Grenzdosis einatmet am Ende seines Lebens eine Masse von 40µgr/m³x 10m³ x 365 x 80 = 11 680 000 µgr eingeatmet. (Mindestens, wenn er sich ein bisschen bewegt, dann ist der tägliche Atemluftbedarf bedeutend größer als 10m³). Das entspricht 11 680 000/500 = 23360 Zigaretten. Ein Raucher der jeden Tag ein Päckchen raucht, bräuchte also nicht „wenige Tage“ sondern mehr als drei Jahre um auf diese Anzahl zu kommen. Somit entbehrt die Behauptung, dass jeder Raucher nach „ein bis zwei Monaten“ tot sein müsste, wenn das Umweltbundesamt recht hätte, jeglicher Grundlage. Trotzdem wiederholt er sie in der ARD- Fernsehdokumentation „Das Diesel Desaster“, ausgestrahlt am 07.01.2019, einsehbar in der ARD Mediathek ( www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3JlcG9ydGFnZSBfIGRva3VtZW50YXRpb24gaW0gZXJzdGVuLzM1MTU2NTRhLTFiOWMtNDQ0MC1iYjg1LWUxMzNhMzdkMTdlNA/), sogar noch in verschärfter Form (aus „nach ein bis zwei Monaten“ wird „sofort“) , Zitat ab 00:13:20:

„Wir haben den Raucher. Und der Raucher inhaliert große, große Mengen an Stickstoff Mono- und Dioxid, er kommt auf Dosen von fünfhunderttausend bis zu einer million Mikrogramm pro Kubikmeter, also der Grenzwert wird um viele, viele Zehnerpotenzen überschritten.“ Zitat Ende

Diese Zahlen stehen im Widerspruch zu seinen eigenen Angaben in der „Welt“, wo er von einer Belastung von lediglich 50.000 µgr/m³ ausgeht, die er aus einer Dosis von 500µgr pro Zigarette und einem Atemvolumen von 10 Liter Luft pro Zigarette, beides plausible Werte, dort so weit korrekt ermittelt. Berechnen wir mit diesen Zahlen die mittlere Jahresbelastung, auf die sich der Grenzwert von 40µgr/m³ bezieht, so ergibt sich, ausgehend von einem Konsum von 20 Zigaretten täglich und einem Atemluftverbrauch von 3650m³ im Jahr, eine gemittelte Konzentration von 500µgr x 20 x 365 / 3650m³. Das sind 1000 µgr/m³. Der Grenzwert wird also nicht um „viele, viele Zehnerpotenzen“ überschritten, sondern lediglich um das 25-fache. Was dann auch bereits zu einer signifikant verringerten Lebenserwartung der Raucher führt. – Harald Winkler


Leserbrief zum Titelthema „Schüler aus aller Welt fordern die globale Elite heraus“ von Karin Ceballos Betancur et al.

Schön das die Schüler jetzt die Welt retten. Allein diese Aussage müsste alle , die die katastrophalen Umwelt – und Klimadiagnosen in grossartig angelegten Konferenzen diskutieren , vor Scham in Grund und Boden versinken lassen. Alle , aber auch wirklich alle bisherigen Beschlüsse sind doch lediglich Schall und Rauch. Ich selbst bin keiner mit Asperger-Syndrom wie Greta, aber ich fordere das alle Plastikherstellenden Länder dieser Erde , ein sofortiges Produktionsstop veranlassen , und die Strände , Flüsse , Seen und Meere von allem Plastik – und sonstigen Abfall säubern , auf deren Kosten natürlich . Allein das in Deutschland die Abfallentsorgung privatisiert wurde, führte zu einer gigantischen Müllexplosion, vor allem Plastik wurde im Übermass produziert , für die völlig Sinnbefreite Wegwerfgesellschaft , und den hochprofitablen Entsorgerbetrieben irrsinnige Umsätze und Gewinne bescherte und immer noch beschert . Hier hat der Staat doch einfach „machen lassen“

„Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das Vernunft besitzt.
Aber kein anderes Lebewesen würde jemals so unvernünftig handeln.“ Peter Rosegger

Dieses Zitat zeigt wie verantwortungslos , angeblich „Erwachsene“ Menschen , die Umwelt verdrecken. Da hilft es wenig wenn im grossen Stil recycelt wird , der dumme und gierige Mensch kauft jeden Mist , umständlich und sicher verpackt in Plastik , um erst die Verpackung und wenig später den Inhalt wegzuwerfen. Das der private Verbraucher immer noch den Abfall den die Produzenten herstellen , zum grössten Teil für die Abholung der Entsorgung selbst bezahlen muss , ist schlichtweg ein Konzept zum immer mehr Müll produzieren , sprich Geld drucken. Und diesen Müllberg hinterlassen wir unseren Nachkommen , ist doch klar das die Greta’s irgendwann anfangen zu maulen. Mit recht und noch… mit zu harmlosen Anklagen.

Die bisherige Umwelt- und Müllpolitik ist , in anbetracht der mageren Ergebnisse, bisher grandios gescheitert. Eine Umkehr zum Verursacherprinzip , das der, der den ( Verpackungs )-Müll , herstellt , Komplett für die ökologisch einwandfreie Entsorgung mit eigene Kosten tragen muss , würde sehr schnell zu den in den Schubladen liegenden ökologisch sinnvollen selbstrecycelten Verpackungen und sonstigen Produkten führen . Und die Mär das Abfall ein wertvolles Recyclingprodukt ist , glauben wirklich nur die ewig gestrigen. Erst die Müllvermeidung und für alle Produkte , von der Planung, über die Herstellung und der späteren Entsorgung durchorganisiertes differenziertes Verfahren der ökologisch unbedenklichen Entsorgung , wird eine saubere Welt entstehen. Man kann seine Zeit auch mit anderem füllen als Müll – trennen oder – recyceln . – Ezio Bernaroli


Leserbrief zu „Josh wuchs behütet auf. Mit 15 verfiel er den Drogen. An Stoff zu kommen war nicht schwer. Er hatte ja Facebook“ von Isabell Beer

Traurig und zugleich schwer zu ertragen. Am Ende einer behüteten Kindheit steht ein pubertierender Junge vor der Aufgabe, seinen Platz in der Welt der Erwachsenen zu finden. Als „Träumer“, als „sehr, sehr netter, lieber Junge“ sucht er seine „Reifeprüfung“ lieber in der virtuellen Welt, wo er(!) sich seine „Weggefährten“ aussuchen kann. Zu was der „liebe“ Junge fähig ist, kann er dann allen zeigen. Seinen realen Mitmenschen, wie hartnäckig man sich verweigern, und wie perfekt man täuschen kann. Seinen virtuellen Freunden, wie „unkaputtbar“ sein Körper die gruseligen Selbstversuche übersteht, und wie „souverän“ er sich mit der Chemie der Drogen und der seines Gehirns auskennt. Und wie verstand er wohl das, auf was es in der Welt der Erwachsenen ankommt? Leistung, Härte, mehr geht immer? „Es gibt kein zu viel nur zu wenig“. Den eigenen Körper, einschließlich des Gehirns, als optimierbar und modellierbar zu betrachten, gehört längst zum Selbstbild des „modernen“ Menschen, und dient der individuellen Karriere. Und Privat: Schönheit als Wettbewerb, Reichtum als Wettbewerb, und auch Drogenkonsum als Wettbewerb. Die Welt von Facebook erleichtert dies. Aber anders ist sie nicht. Und was stand da noch: „Josh war extrem“. Danke an Frau Beer für die umfangreiche Recherche und die eindrucksvolle Darstellung. – Jürgen Pilz


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Der Grenzwert für Stickoxide ist das Ergebnis eines politisch-gesellschaftlichen Aushandlungsprozesses. Gesundheitswissenschaftliche Aspekte haben dabei eine Rolle gespielt, aber nicht die alleinige. Heißt das, der Grenzwert ist willkürlich, wie Professor Jäger behauptet? Keinesfalls. Ein gutes Beispiel für solche Grenzwertfindungen ist unser Trinkwasser. Bevor 2001 die Trinkwasserverordnung (TVO) rechtswirksam wurde, forderte die Mehrheit der Fachleute und Gesundheitspolitiker das Nullprinzip für Pestizide aus der Landwirtschaft. Und so wurde gefragt, wo bei den damaligen Laborbedingungen die Nachweisgrenze lag. Die technische Antwort lautete: bei 0,1 Mikrogramm pro Liter Wasser. Genau dieser Wert wurde in die TVO übernommen und gilt seither. Gesundheitlich lässt er sich nur über das Vorsorgeprinzip begründen. Ärzte wie Professor Jäger müssten nun lospoltern und von Willkür reden. Deutschland ist mit seiner TVO bisher aber gut gefahren. Jeder kann unbesorgt den Wasserhahn aufdrehen. Sogar für Säuglinge kann man mit unserem Trinkwasser bedenkenlos Nahrung zubereiten. Man würde der Debatte um Stickoxide eine ähnlich entspannte Perspektive wünschen. – Martin Enderle


Leserbrief zu „»Pärchen können schlimm sein.« »Vor allem, wenn die Frau besser fährt«“ von Georg Cadeggianini und Merten Worthmann

Den Artikel las ich im Skiurlaub, in Todtnauberg, einem kleinen Dorf im Hochschwarzwald. Anfangs war das Interview mit fünf Skilehrern äußerst interessant; und dann kam es: Deutsche Skilehrer – gäbe es so was? Traurig und enttäuschend. Es gibt schöne deutsche Skigebiete, Hochschwarzwald, Allgäu, Erzgiebige und einige mehr. Dort lernen diejenige Ski fahren, die später in St. Moritz oder Kitzbühel fahren. Die ZEIT, eine deutsche Wochenzeitung, die ich persönlich sehr schätze, interviewt ausschließlich österreichische Skilehrer (gut, einer stammt aus den USA). Herr Cadeggianini und Herr Worthmann begeben Sie sich doch mal auf eine Deutschlandreise. Meine sechsjährige Tochter geht morgen wieder zur Skischule Todtnauberg und trifft dort auf nette und äußerst kompetente, gut ausgebildete Skilehrer. Übrigens: Es gibt hier im Hochschwarzwald unzählige schweitzer Gäste, nicht nur der Preisen wegen. – Mag. Marta Peterziel


Leserbrief zu „Steuersatz 70 Prozent – das ist die Höhe!“ von Mark Schieritz

Als langjährige ZEIT-Leserin weiß ich Ihre in der Regel sorgfältig recherchierte und ausgewogene Berichterstattung zu schätzen. Deshalb bin ich sehr irritiert darüber, wie Sie unseren Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Ende des o. g. Artikels und dann in der rechten Spalte nochmals wörtlich (!) zitieren: „Wenn aber für sehr hohe Einkommen der Spitzensteuersatz moderat um drei Prozentpunkte auf 45 anstiege, fände ich das nur gerecht.“ Wie Sie aus § 32a EStG entnehmen können, beträgt der derzeitige Spitzensteuersatz exakt 45 %. Er gilt für zu versteuernde Einkommen ab 260.533 € pro Jahr (Alleinstehende). Diesen Betrag würde ich selbst als „sehr hohes Einkommen“ bezeichnen. Wie ist also der Bundesfinanzminister zu interpretieren, falls er sich denn tatsächlich so ausgedrückt hat? Ich sehe folgende Möglickeiten:

  1. Er kennt den aktuellen Steuertarif nicht (halte ich für unwahrscheinlich).
  2. Er möchte niederige zu verteuernde Einkommen als den o. g. Berag mit dem derzeit gültigen Spitzensteuersatz belegen. Dann sollte er Farbe bekennen und in Zahlen darlegen, wo für ihn ein „sehr hohes Einkommen“ beginnt. Außerdem ist dann sein Zitat irreführend.
  3. Er beabsichtigt gar keine Änderung des Steuertarifs und möchte sich nur bei bestimmten Leser- und damit auch Wählerkreisen anbiedern.

Was mich besonders wundert, ist, dass hier von der ZEIT-Redaktion offensichtlich kein Faktencheck vorgenommen wurde. Meiner Meinung nach hätten Sie an dieser Stelle nachhaken müssen und darüber hinaus auch fragen müssen nach dem Zusammenhang zu dem meines Wissens laut Koalitionsvertrag geplanten Wegfall des zurzeit auf die Einkommensteuer erhobenen Solidaritätszuschlags für „Steuerpflichtige mit unteren und mittleren Einkommen“. – Gudrun Reichert


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

„Ich vermiß die Statistik „Anteil der Frauen in den jeweiligen Parteien“ Entsprechend dieser Verteilung sollten Frauen in den Parlamenten vertreten sein. Jede Frau kann Parteimitglied werden und dann in der jeweiligen Partei mitarbeiten.Frau muß es nur Wollen.“ – Dr.Peter Röschlau


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

„Kümmert euch“
Ich bin ein moderner 38-jähriger Mann, welcher die Pflege von seinem Papa übernommen hat. Man(n) erhält Bewunderung und Unverständnis, aber Hilfe ist selten. Dankbarkeit der einzige Lohn. Ich bin ein moderner 38-jähriger Mann, welcher im Beruf gerne zurücksteckt und auch gerne in der Kindererziehung Verantwortung übernimmt. Hier erhalte ich Bewunderung und Unverständnis, aber Hilfe ist selten. Dankbarkeit der einzige Lohn. Ich bin ein moderner 38-jähriger Mann, der vom Leben überfordert ist, ich erhalte für meine ehrlichen Worte Bewunderung und Unverständnis, aber Hilfe ist selten. Dankbarkeit, ein Tabu anzusprechen, der einzige Lohn

„Rechtfertigung“
Dieser kurze Text entstand, zwischen Mittagessen und Klogang, an einem Sonntag ohne Telefonate mit der Pflegeversicherung, Ärzten, Pysiotherapeuthen oder Bestellungen von Heil- und Hilfsmitteln.

„Kranke Gesellschaft“
Ich versuche mich in unserer Leistungsgesellschaft zu rechtfertigen für einen dahingekritzelten Text. Ich gelte als krank, da ich mit „Burn out-Depression“ behandelt wurde und werde. Aber ist nicht eigentlich unsere Gesellschaft krank. Wer steckt wen an? Christian Trunzer


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

„Die Zeit“ schreibt in ihrem Artikel, „Freiheit oder Quote“: „Es gibt niemand, der sich derzeit dagegen ausspricht“. Meine Frage ist: Ist das wirklich so? Wird in der aktuellen Diskussion nicht übersehen, dass Männer Mitte 30, sich von den aktuell diskutierten Quoten durchaus bedroht fühlen können. Wenn man gegen diese Quotenregelungen ist, besteht dahingehend eigentlich nur noch die Wahl zwischen FDP und AFD. Es entspricht einfach nicht der Realität, dass genauso viele Frauen in Führungspositionen streben wie Männer (Testosteron und andere biologische Faktoren mögen dabei eine Rolle spielen, darauf darf ich als Arzt vielleicht hinweisen), aber eine Quote, die verlangt Führungspositionen so lange mit Frauen aufzufüllen bis Parität erreicht ist, ist diskriminierend ggü. Männern meiner Generation. Ob in Parlamenten oder Betrieben macht dabei aus meiner Sicht in der Diskussion wenig Unterschied: Eine Quote die besagt, jede neue frei werdende Stelle soll zu dem Anteil der im Betrieb beschäftigten Frauen bzw. Männer besetzt werden, wäre aus meiner Sicht akzeptabel. Parität bei BMW zum Beispiel wäre in meinen Augen diskriminierend ggü. den Männern meiner Generation (ich persönlich bin als Oberarzt übrigens sehr zufrieden mit meinen sehr kompetenten 3 vorgesetzten Frauen). Wenn bei der Neubesetzung einer Stelle intern Fragen aufkommen wie, „welche Frau können wir denn nun für die Stelle finden?“, läuft etwas falsch und man kann sicher sein, wenn mir das als FES-Stipendiat und langjährigem Genossen so aufstößt, ist das bei fast jedem Mann meines Alters, dem zweimal eine Stelle nicht gegeben wird, mit der Begründung „Quote“ ebenso und mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit wird dieser keine Partei mehr aus dem linken Spektrum wählen und das fände ich schade. Das Geschlecht sollte bei der Besetzung einer Stelle eigentlich gar keine Rolle spielen. Wenn eine Quote denn sein muss, gelingt vielleicht ja im Kompromiss eine integrativere Variante einer Quote die nicht Parität fordert!

Für die SPD bei 40%-Frauenanteil – müsste man sich wegen mir auch nicht auf 1zu1-Männer-zu-Frauen-Quote festlegen. Wir könnten folgerichtig gerne auch diskutieren, ob anteilig nicht zu viele Lehrer und Rechtsanwälte für die SPD im Parlament vertreten sind und ob das wirklich repräsentativ ist. Man könnte dann auch fragen, ob konsequenterweise nicht Quoten für andere Berufsgruppen gelten sollten, um tatsächlich Vielfalt der Qualifikationen und Repräsentation des Volkes ernst zu nehmen. Die SPD (ich bin übrigens seit gut 20 Jahren Genosse) hat wesentlich dazu beigetragen (mit enormem Anteil an Regierungsbeteiligungen in den letzten 20 Jahren) jung gegen alt (z.B. Rentenerhöhungen bei nicht-Beendigung von Ausbeutung von Praktikanten, Nicht-Beendigung von Befristung von Anstellungen selbst an staatlichen Einrichtungen wie Universitäten, etc. ) sowie arm gegen reich aufzubringen (keine ausreichende Umverteilung). Nun ignoriert sie, dass große Teile der Gesellschaft diese Art der paritätischen Quote nicht möchte und könnte damit nun auch noch mit verantworten, einen „Geschlechterkampf“ auszulösen. – Dr. med. Fabian Loy


Leserbrief zu „Josh wuchs behütet auf. Mit 15 verfiel er den Drogen. An Stoff zu kommen war nicht schwer. Er hatte ja Facebook“ von Isabell Beer

Was soll dieses Jammern und Klagen über Facebook? Die Menschen wollten es haben, die Menschen haben es bekommen- und nun haben sie es. Wollen Sie nächstens über jeden Alkohol- Nikotin- und Strassenverkehrstoten ebenso berichten? Oder eher nicht, denn diese haben ja vorher dafür reichlich Steuern gezahlt- jene aber nicht. – Wolfgang Burkhardt


Leserbrief zu „»Ich habe unsere Plattencover gehasst!«“ von Christoph Dallach

Vor cirka 50 Jahren, da war ich wahrlich kein Fan der „Carpenters“! Rockmusik ala The Kinks, The Who, Led Zeppelin, Black Sabbath, CCR, Deep Purple, Wishbone Ash, The Rattles, Guess Who, die waren bei mir „in“. Dann sang Drafi Deutscher, das „Marmor, Stein und Eisen bricht“, und er war damit der erste „Deutsch-Rocker“, noch vor Udo Lindenberg, der immer noch „panikrockt“! Der „Beat Club“ mit Uschi Nerke, ist heute „Kult“, damals brachte er die Hits aus der großen, weiten Welt, direkt hinein in die Wohnküche. Die Carpenters, die waren ein „Schmuse-Geschwister-Duo“ aus den USA, Musik eben nur für Weichlinge und Warmduscher.

Die Carpenters-Songs kommen mit heutzutage, eigentlich gar nicht so übel vor; mittlerweile besitze ich sogar eine „Greatest-Hits-CD“ von ihnen. Im „Offenen Haus Roth (OHA)“, da spielten kürzlich „Goodly & her Goodlingers“, und sie hatten „Carpenters-Songs“ mit im Repertoire, und ich war begeistert von ihren Versionen. Vielleicht nimmt gerade die „Altermilde“ in mir Platz, na und, was soll´s, dann nur zu. – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Zurück in die Selbstständigkeit“ von Christian Heinrich

Zur Aussage dieses Artikels hätte ich mir ein Photo gewünscht, auf dem die Patientin von der Pflegekraft freundlich aufgefordert wird, zum Schuheanziehen auf einem Stuhl Platz zu nehmen. Das wäre angemessene Hilfe zur Selbständigkeit. – Hiltrud Jung


Leserbrief zu „Was ist jüdisch?“ von Michael Wolffsohn

den römischen geschichtsschreiber tacitus haben sie etwas zeitversetzt!

er lebte nicht im 2. jahrhundert vor christus, sondern von etwa 58 bis 120 nach der zeitrechnung/christus.bereits mein alter deutschlehrer wusste: ,,…verallgemeinerungen sind immer falsch…,,.danke für den artikel, eine wichtige korrektur üblicher klischees. bitte um fortsetzung. – w.wolf


Leserbrief zu „Sie retten jetzt die Welt“ von Maximilian Probst

Zu Recht fordern die streikenden Jugendlichen weltweit „Climate Justice“, denn was für eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist es, dass sowohl diejenigen, die sich freiwillig um einen kleinen ökologischen Fussabdruck bemühen, als auch diejenigen, deren wirtschaftliche Not gar nichts anderes zulässt, unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben. Klimaschutz ist kein privates Hobby. Der freiwillige Verzicht engagierter Klimaschützer auf Fleischverzehr und Flugreisen reicht erstens nicht aus, um die Welt zu retten, und ist zweitens ungerecht, weil die wahren Schuldigen nicht belangt werden. Und besonders unsinnig ist die Forderung, die jungen Demonstranten müssten selbst jeglichem Konsum entsagen, um glaubwürdig zu sein. Nur verbindliche politische Regeln, die für alle gelten und an den richtigen Stellen ansetzen, können Klimagerechtigkeit schaffen: eine CO2-Steuer, die – wie in dieser Zeitung bereits beschrieben – klimafreundliches Verhalten belohnt, Subventionierung von artgerechter Tierhaltung statt industrieller Landwirtschaft, und die Verteuerung von Flügen in einem Umfang, der ihrer Klimaschädlichkeit entspricht. Die persönliche Freiheit endet da, wo andere geschädigt werden. Dieser moralphilosophische Gedanke hat in viele Bereiche unserer Gesetzgebung Eingang gefunden. Höchste Zeit, dass er es – in geeigneter Form – auch beim Klimaschutz tut. – Anja Dolder-Gerhard


Leserbrief zu „7 Euro/m^2 – Geht das?“ von Felix Rohrbeck und Marcus Rohwetter

Auf 3 Seiten geben Sie dem äußerst akuten, wie grundlegenden Wohnungsproblem eine angemessene Plattform. Ich finde das sehr gut. Das Thema ist auch besonders aktuell bezüglich der Glaubwürdigkeit unserer Volksvertreter. Das Thema verfolge ich schon lange. Die „Mieterhilfe“ unserer Politik wird letztlich wieder als Kapitalistenbeihilfe enden, wenn nicht Grundsätzliches geschieht. Die Lösungen mögen sie als noch so radikal betitelt werden, werden wie stets kompliziert und bürokratisch unüberschaubar so enden, dass nur die Immobilienlobby ihren Nutzen daraus ziehen und ihren Anteil am Wohnungsmarkt ausbauen wird. Sie wird weiter über ihre politischen Stellvertreter in Berlin die Regeln bestimmen. Radikal und erfolgversprechend wird am Ende nur eine Lösung sein, die Grund und Boden für Wohnbebauung jeglicher Spekulation entzieht. Eine ausnahmslose Kommunalisierung zu einer Wertbasis von Außenbereichsflächen zw. 0,5 und 2€/qm. Der Mehrwert der bebaubaren Grundstücke basiert auch ausschließlich auf kommunalen Leistungen, finanziert mit öffentlichen Mitteln, es gibt keinen vernünftigen Grund, dass unser Gemeinwesen auf diesen Mehrwert verzichten soll zugunsten Dritter. Angemessene Übergangslösungen sind machbar und es würde unseren politischen Vertretern viel des verloren Vertrauens zurückgeben. Schauen wir mal, ob es die Politik begreift. – Hans-J. Giller


Leserbrief zu „Huawei: Hat der Konzern spioniert?“ von Heike Buchter

Seit den Neunzigerjahren arbeite ich für diverse Unternehmen, die Netzwerk-Ausrüstung von Cisco verkaufen, installieren und warten – das Grundgerüst des Internets. Von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr ist die Funktionsvielfalt (Befehlssatz) des dazugehörigen Betriebssystems IOS und die Fähigkeiten der Hardware langsam, aber stetig gestiegen. Und plötzlich steht da jemand auf dem Markt, der Geräte mit einer seltsam ähnlichen Hardware-Architektur und fast demselben riesigen Befehlssatz für ’nen Appel und en Ei auf den Markt wirft. In Dübendorf bei Zürich hatte die Zentrale von Huwawei mehrfach Besuch von der Polizei, weil dort Huawei-Mitarbeiter mit Touristenvisum gearbeitet haben (ich arbeitete damals im Gebäude schräg gegenüber). Mit diesem Trick konnten auch noch die üblichen Stundensätze der wenigen und teuren Netzwerk-Spezialisten massiv unterboten werden. Die Geräte von Cisco sind teils derart komplex, der Befehlssatz zum Konfigurieren der Geräte dermassen umfangreich, dass auch ein chinesisches Unternehmen mit unendlichen menschlichen Ressourcen nicht in wenigen Jahren eine komplette Produktreihe designen und herstellen kann, für die Cisco 20 Jahre gebraucht hat. Kein Konzern entwickelt innerhalb von wenigen Jahren fast identische Kopien der halben Produktreihe von VW, Airbus oder Microsoft – es sei denn man hat sehr sehr gute Kenntnis davon, wie das innen drin funktioniert. Und man hat auch noch Interesse daran, welche Daten über diese Netzwerk-Geräte übertragen werden. – Andi Pfaff


Leserbrief zu „Josh wuchs behütet auf. Mit 15 verfiel er den Drogen. An Stoff zu kommen war nicht schwer. Er hatte ja Facebook“ von Isabell Beer

Ich habe Ihr Dossier sehr interessiert gelesen und finde Joshs Entwicklung gut beschrieben. Auch die Hilflosigkeit der Eltern ist sehr gut beschrieben. Was mir fehlte, ist die Aussicht auf mögliche Hilfe sowohl für Betroffene als auch deren Familien. Dafür fand ich den Vermerk auf mögliche Beratungsstellen zu wenig. Ich arbeite als Psychotherapeutin auf einer kinder- jugendpsychiatrischen Station mit Suchtschwerpunkt https://www.tsi-hannover.de/startseite/ und arbeite genau mit solchen Jugendlichen und Familien. Aus meiner Arbeit weiß ich, wie wichtig es gerade am Anfang ist, allen Beteiligten Hoffnung auf Veränderung zu ermöglichen. Ihr Artikel könnte aus meiner Sicht bei Eltern anderer Jugendliche zu dem Eindruck führen, dass man gegen Drogen und durch den Vertrieb übers Internet nichts ausrichten kann. Ich hätte mir gewünscht, dass vielleicht ein Interview mit jemanden einer Beratungsstelle hinten angestellt oder Aussagen eingearbeitet werden, die Aussicht darauf geben, was man an welcher Stelle noch hätte tun können. – Vera Jordan


Leserbrief zu „Was ist jüdisch?“ von Michael Wolffsohn

Die (schöngefärbte) Innenschau des jüdischen Autors ist m. E. unbedingt zu ergänzen mit folgenden Aspekten: Der Mut, die Offenheit und Bereitschaft von Juden, in dem Land zu leben, in dem vor ca. 80 Jahren so schrecklich viele ihrer Vorfahren von meinen Vorfahren gezielt umgebracht wurden; etwas, wofür ich mich als Deutscher heute noch schäme. Jüdisch und gleichermaßen unentschuldbar ist die bis 8m hohe Grenzanlage, die der jüdische Staat Israel völkerrechtswidrig und menschenverachtend zwischen seinem Land und Palästina errichtet hat. Ein Zeugnis brutaler Machtanwendung, was viel zu viele Juden – wenn nicht fordern, so doch – akzeptieren, denn sonst wäre dieser grausame, Unfrieden produzierende Kondensationskern schon längst wieder abgerissen. – Falko Radewald


Leserbrief zu „7 Euro/m^2 – Geht das?“ von Felix Rohrbeck und Marcus Rohwetter

Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen. Wenn der deutsche Wohnungsbestand bis 2050 klimaneutral sein soll, ist noch viel zu tun. Sehr viel! Und teuer wird es auch. Mit dem Bauen, insbesondere mit dem Bau von zusätzlichen neuen Wohnungen ist es nicht getan. Wir kommen nicht darum herum, den Wohnflächenkonsum in den Blick zu nehmen, der sich über die Jahre nach dem II. Weltkrieg vervielfacht hat. Heute sind es bundesweit 46,5 qm pro Kopf. Die Gesamtmiete netto/kalt ergibt sich nicht zuletzt aus der Wohnfläche, dazu kommen die Betriebskosten und selbstverständlich auch die Modernisierungskosten als Aufschlag auf die Grundmiete.. Sie fragen nach der Angemessenheit von Eingriffen in den Wohnungsmarkt. Ein Mietenstopp löst keines der angesprochenen Probleme. Vielleicht aber eine Abgabe auf überproportional hohen Wohnraumkonsum. Vielleicht eine ökologisch-soziale Wohnflächenabgabe? – Helgo Klatt


Leserbrief zu „Was ist jüdisch?“ von Michael Wolffsohn

Michael Wolffsohns Versuch, den römischen Historiker Tacitus mit der Behauptung „Schon im 2. Jahrhundert vor Christus beschrieb Tacitus die Juden als Seuchenüberträger, die ebendarum aus Ägypten vertrieben worden seien“ in eine historische Kontinuitätslinie der antisemitischen Stereotypen einbeziehen, ist in zweifacher Weise unrichtig. Bereits die zeitliche Einordnung ist falsch. Tacitus schrieb nicht im 2 Jahrhundert VOR, sondern im 2 Jahrhundert NACH Christus. Aus einem Abstand von etwa 30 bis 40 Jahre berichtet Tacitus auch über den Aufstand in Judäa, der in einen erbittert geführten Krieg mündete, an dessen Ende die Zerstörung des Tempels in Jerusalem 70 n. Chr. stand. Der für Rom über weite Strecken nicht eben rühmliche Krieg bildet den historischen Kontext der Äußerungen Tacitus.

Vor diesem Hintergrund zeigt Tacitus zwar eine deutlichen Widerwillen gegen die jüdische Religion und bestimmte ihrer Praktiken. Der von Woffsohn erhobene Vorwurf, Tacitus habe „die Juden“ als Seuchenüberträger bezeichnet, ist aber falsch und basiert auf inhaltlicher Verkürzung bzw. Uminterpretation von Tacitus Aussagen. Vor seinem Bericht die Belagerung Jerusalems fügt Tacitus einen Exkurs über Herkunft und Besonderheiten des Gegners ein (Hist., V, 5). Er listet eine Reihe damals kursierender Abstammungstheorien der Juden auf, die eine erstaunliche Spannbreite von Mythologie bis zu verschwommenen historischen Erinnerungen an die Hyksos-Invasion Ägyptens umfassen. Dann trägt er die – nach seinen Worten – von der Mehrzahl der Autoren seiner Zeit favorisierte Theorie vor. Danach seien zur Erfüllung einer Orakelanweisung sämtliche Leprakranken Ägyptens zusammengetrieben und außer Landes gebracht worden. An ihrem Internierungsort in der Wüste organisierten sich diese Menschen unter Führung Moyses und gelangten nach einem ungezielten Aufbruch eher zufällig nach Judäa. Um seine eigene Herrschaft in der neuen Heimat abzusichern, führte Moyses anschließend eine ganz neue, eigene Religion ein, die von allen anderen verschieden sei.

Tacitus beschreibt also einen grundsätzlich anderen Sachverhalt, als Wolffsohns Formulierung suggeriert. Mitnichten wurden „die Juden“ als Seuchenüberträger diffamiert und auf Grund der Diffamierung aus Ägypten vertrieben. Folgt man Tacitus, war das Kriterium für die Vertreibung einer nicht näher spezifizierten Personengruppe der Infektionsstatus der Einzelperson, nicht die Religions- oder Stammeszugehörigkeit (nebenbei bemerkt war und ist die Isolierung von Leprakranken ein gängiges Phänomen). Eine als jüdisch identifizierbare und damit auf Grund ihres Judentums auswählbare Gruppe gab es noch nicht, da laut der von Tacitus wiedergegebenen Erzählung das entscheidende Identifikationskriterium, nämlich die neue Religion, erst nach der Vertreibung erfunden wurde. Antisemitische oder antijüdische Gründe für die Vertreibung können angesichts dieses zeitlichen Ablaufs aus Tacitus Schilderung nicht abgeleitet werden. Im übrigen bezeichnet Tacitus bei aller Ablehnung vieler jüdischer Sitten und Gebräuche auch im weiteren Text die Juden nicht als Seuchenüberträger. Implizit unterstellt er sogar eine besondere Vorsicht gegenüber Seuchen, wenn er feststellt, wegen der Rolle des Schweins als Träger der Leprainfektion befolgten die Juden ein Schweinefleischverbot.

Sicherlich ist die behauptete Abstammung von – in der damaligen Terminologie „Aussätzigen“ – weniger schmeichelhaft als die von antiken Heroen oder Halbgöttern. Aber Tacitus verschweigt die Existenz anderer, positiver besetzte Theorien auch nicht, sondern erklärt lediglich, dass diese nicht die überwiegend akzeptierten sind. Insofern hält sich Tacitus ganz manierlich an die Anforderung an heutige Historiker, zu ihrem jeweiligen Thema auch den derzeitigen Forschungsstand und eventuelle Kontroversen darzustellen. Der Vorwurf, er bezeichne seine jüdischen Zeitgenossen als Seuchenüberträger, und damit eine Nähe zu allerübelsten Stereotypen kann Tacitus nicht angehängt werden. – Arndt-Berthold Janssen


Leserbrief zu „7 Euro/m^2 – Geht das?“ von Felix Rohrbeck und Marcus Rohwetter

Der Artikel beschreibt sehr gut die Dilemmata des Wohnungs- und Miet-„Marktes“ und es wird klar, daß jeder (!) dirigistische und direkte Eingriff auf die Mietpreise seitens des Staates oder der Kommunen deutliche Nachteile mit sich bringt und die Vorteile fragwürdig sind. Allerdings scheuen die Autoren, die Konsequenzen aus ihrer Analyse explizit zu ziehen und daraus klare Forderungen an die Politik abzuleiten. Diese liegen vor allem auf zwei Feldern: erstens die Grundstückspreise. Der Grundstücksmarkt ist definitiv kein „normaler“ Markt auf dem sich die Kapitalisten zum Zwecke ihrer Gewinnmaximierung (Spekulation!) austoben können, sondern er bedarf ganz besonders der staatlichen Steuerung und Regulierung; was natürlich nicht ausschließt, daß auch Fehler gemacht werden können, aber merke: Eigentum ist dem Gemeinwohl verpflichtet (Art.14, Abs.2, GG)! Und Wohnungseigentum ganz besonders. Das zweite Feld: die Rein-Gewinne der Wohnungseigentümer (nach Abzug der Wartungs- und Renovierungskosten und möglicher Investitionen in Neubau) müssen gedeckelt werden. Die Besitzenden dürfen sich nicht schamlos an der Wohnungsnot der Besitzlosen bereichern, sondern müssen im Falle zu hoher Gewinne eben ihre Mietpreise auch mal senken. Das Thema der reinen Baukosten erscheint mir dagegen drittrangig, wobei die Überlegungen von Herrn Meuser ( „Billig heißt nicht monoton“ ) hochinteressant sind und es wert wären, weiter vertieft zu werden – auch anhand von Beispielen. – Wolfgang Heckl


Leserbrief zu „Der bittere Frieden“ von Jörg Lau

Abgesehen davon, dass die Bundeswehr ab 2001 zunächst ca. 1 1/2 Jahre in Kabul stationiert war und dort sehr gute Kontakte zur einheimischen Bevölkerung hatte, argumentieren die Autoren in ihren Analysen primär auf der Basis von Strategie und Diplomatie. Das ist zwar unerlässlich, was aber an einem Gesamtkonzept zur Lösung der verfahrenen Situation in Afghanistan fehlt, ist, dass nicht nur die sich religiös gebärdenden Extremisten von der Sinnlosigkeit ihrer Eroberungsphantasien und Absolutheitsansprüche überzeugt werden müssten, sondern die gesamte Bevölkerung zur Hinterfragung ihrer Kulturen, ihres Religionsverständnisses und ihrer Traditionen aufgefordert werden sollten. Aussichtslos? Unabhängig von den jeweiligen Umständen kann es doch nur um lösungsorientierte Ansätze unter Berücksichtigung aller Aspekte gehen. NGOs sind da vielfach weiter als die oft von exklusiven Interessen geleiteten Verhandler. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Herzlichen Dank für Ihren überwiegend sehr schönen Artikel, der die Diskussion über den NO2 Grenzwert von 40 µg/m3 sehr kenntnisreich zusammenfasst. Darin verweisen sie auf den Artikel von Alexander Kekule, der in der Zeit Nr. 46/18 die Entstehung des Richtwertes der WHO von 40 im Detail rekonstruiert habe. Dieser Artikel von Kekule wird oft herangezogen, um zu belegen, wie komplett aus der Luft gegriffen dieser Richtwert sei. Ich habe nun meinerseits rekonstruiert, wie dieser Wert entstanden ist und muss sagen, der Artikel von Kekule ist sehr missverständlich und polemisch. Die gutachterliche Ableitung des Richtwertes von 40 µg/m3 als Jahresmittelwert ist in dem Umweltkriterienband der EPA/WHO von 1997 detailliert beschrieben (EHC 188, 1997, im Internet frei verfügbar). Spätere Zusammenstellungen der WHO berufen sich auf die damals getroffene Festlegung. Grundlage ist eine Meta-Analyse von 9 Studien an Kindern, in denen der Zusammenhang zwischen der NO2 Belastung in den Wohnungen und dem Auftreten von Atemwegssymptomen (Attacken von Kurzatmigkeit und pfeifenden Atemgeräusche, chronisch pfeifende Atemgeräusche und chronischer Husten mit Auswurf) untersucht wurde.

Kekule schreibt: „Die in der Metaanalyse ausgewerteten Studien enthielten keine geeigneten Messwerte für Stickstoffdioxid“ Diese Behauptung ist sehr missverständlich, 4 Studien enthielten durchaus Messwerte für NO2:In der Studie von Neas et al 1991 z.B. mit Palmes Tubes gemessen jeweils 2 Wochen zu verschiedenen Jahreszeiten, in verschiedenen Räumen. Warum er diese für ungeeignet hält, beschreibt er nicht. Aus der Meta-Analyse ergab sich ein Odds Ratio von 1,18 (95% CI 1,09-1,27) pro 28,3 µg/m3 (krummer Wert, weil aus amerikanischen 0,015 ppm umgerechnet).

Im hier vorliegenden Fall (Grundrisiko über 10%) ist ein Odds-Ratio nicht dasselbe wie ein relatives Risiko, daher als Erläuterung: Ein OR von 1,18 bedeutet: Haben ohne Zusatzbelastung durch NO2 beispielsweise 20% der Kinder im letzten Jahr die oben genannten Symptome, so haben es 23% der Kinder nach mittlerer Zusatzbelastung von 28,3 µg/m3 NO2. Diese 28.3 entsprechen in etwa der Zusatzbelastung durch einen Gasherd. Eine Abweichung von einer linearen Expositions-Wirkungsbeziehung ließ sich nicht feststellen. Ein Schwellenwert, unterhalb dessen sich kein Effekt zeigt (das Ideal für einen Richtwert), lässt sich daher nicht angeben.

Die WHO geht in solchen Fällen folgendermaßen vor: Sie nimmt ein kleines Zusatzrisiko in Kauf (neuerdings dann Benchmark Risiko genannt) und legt den Richtwert so fest, dass dieses nicht überschritten wird. Die Gutachter halten das Zusatzrisiko (OR 1,18, oben erläutert) für die oben genannten Atemwegserkrankungen und Symptome, das durch eine Zusatzbelastung mit 28,3 µg/m3 NO2 entsteht, offenbar für vertretbar. Dann kommt man zu einem mittleren NO2 Wert von 43,3 [15(=unterster gemessener Wert) + 28,3]. Dieser Wert wird auf 40 abgerundet. Dies ist dann der Langzeitrichtwert für NO2 in µg/m3. Dies ist kein Null-Risiko Wert. Ich finde das ist ganz was anderes, als Kekules entsprechende Zusammenfassung nahelegt:

„Mangels brauchbarer Daten schätzten die Gutachter kurzerhand, dass ein Gasherd die mittlere jährliche NO2 Konzentration im Haushalt auf ungefähr 40 Mikrogramm erhöht, und schlugen diese Größe als Richtwert vor. Bis heute gibt es keinen Beleg dafür, dass die Zahl irgendwas mit den gesundheitlichen Auswirkungen von NO2 zu tun hätte.“ Wann eine Zahl denn dann ein Beleg wäre, schreibt er nicht.

Interessant erscheint, dass in der qualitativ besten Studie (Neas, 1991 im Rahmen der Harvard Six-City Studie), das OR für den Zusammenhang deutlich größer ist (1,4 statt 1,18). Misklassifikation der Exposition in den anderen Studien unterschätzt vermutlich den Effekt. Selbstverständlich kann man das Verfahren kritisch hinterfragen, und vieles dazu steht auch schon im Kriterienband, aber so völlig aus der Luft gegriffen, wie es Kekules Artikel nahelegt, ist die Ableitung des Richtwertes von 40 ja nun doch nicht. Mein Fazit: Kekules Artikel ist keine objektive Rekonstruktion des WHO Verfahrens sondern eine zu Missverständnissen einladende Polemik. – Prof. Dr. Ursula Krämer


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Zu Ihrer trefflichen Feststellung, dass eine Rehabilitierung des Diesel dringend geboen ist: Sorge der Schüler in aller Welt
Als VW-Boss Diess im vergangenen Jahr beim TV-Talk verspricht, VW werde Maßnahmen ergreifen, welche die überproportionalen Wertverluste der Diesel beheben, mag auch er für den Moment erkennen, dass es „dringend geboten“ ist, den Diesel zu rehabilitieren. Bei den Kleinlastern will man mehr als drei Jahre nach Offenbarung der US-Straftat zumindes für besonders kritische Großstadtbereiche jetzt eine Nachrüstung „angehen“. Für das Gros der Euro-5-Diesel, deren Fertigung 2015 eingestellt wurde, käme eine Nachrüstung selbst dann zu spät, wenn die Hersteller hierzu selbst bereit wären oder wenigstens fremden Werkstattbetrieben eine Rückgarantie für die exorbitante KBA-Forderung einer Funktionsgewährleistung von 100 000 km und 5 Jahren (je nachdem welcher Fall früher eintritt) gäben.

Statt dessen erklärt der VDA-Präsident weiterhin, dass die Hersteller gegen die PkW-Nachrüstung sind. Tatsächlich ist man nicht mal bereit, eine Gewährleistung für etwaige Folgeschäden von Software-Modifikationen zu vereinbaren. Der selbsternannte „gesunde Menschenverstand“ meint, es gehe bei der Wählergunst primär um das Problem, dass die Straftat in USA und die jahrelange Abwehr der Nachrüstung Fahrverbote zur Folge hat. Hingegen machen die weltweiten Freitags-Demos der Schüler deutlich: Die vorrangige Sorge gilt dem Klimawandel.Frank Müller-Thoma


Leserbrief zu „Demokratiehülse“ von Ulrike Gastmann

Enttäuschte Hoffnung: Demokratieunzufriedenheit in Ostdeutschland
Die Worte der ehemaligen DDR-Bewohnerin Angela Merkel (30 Jahren DDR-Lebenserfahrung) im ZEIT-Interview vom 24.1.19 und der westdeutschen Leipzigerin Ulrike Gastmann (ZEIT 31.1.19) sollten wir alle ernst nehmen – bevor wir die Demokratie-Unzufriedenheit der Ostdeutschen beklagen. Ja – das Allensbacher Institut hat festgestellt, dass nur 43 Prozent der Ostdeutschen angegeben haben, dass „die in Deutschland gelebte Demokratie die beste Staatsform“ sei. Warum sind sie so undankbar? Bei den Westdeutschen sind es doch 77 Prozent. Warum dieser riesengroße Unterschied? Ich sehe vor allem zwei Gründe. 1) Die Kanzlerin erinnert daran: 1989 war und bleibt für die Ostdeutschen eine Zäsur in ihrem Leben. Die Realität vieler: massenhafte Arbeitslosigkeit und Entwertung der Berufsbiografie – und damit der Persönlichkeit. Angela Merkel bringt ein Beispiel: von den rund 11 Prozent, die in der DDR in der Landwirtschaft tätig waren, konnten danach nur noch 1,5 bis 2 Prozent weiterarbeiten. Die Demokratie 1990 erlangt und errungen zu haben war mit so viel Hoffnungen und Erwartungen verbunden – und diese wurden bei so vielen Menschen nicht erfüllt. 2) Die Westdeutschen haben seit 1949 Erfahrung mit der deutschen Demokratie. Die Hoffnungen und Erwartungen nach 60 Jahren Demokratieerfahrung sind längst geschrumpft. Sie sind längst demokratisch ernüchtert in der Realität angekommen. Der materielle Wohlstand wuchs stetig für die Allermeisten. Allein diese Tatsache erzeugt – so meine Vermutung – die hohe Zufriedenheit der meisten Westdeutschen mit ihrer Demokratie. 2) An dem Vertrauen in die Politiker, die dieses Land demokratisch repräsentieren kann es jedenfalls nicht liegen. Laut der neuesten repräsentativen GFK-Studie „Trust in Professions 2018“ haben nur 14 Prozent der Ost – UND Westdeutschen Vertrauen in die Politiker. Sogar den Versicherungsvertretern (23 Prozent) und Werbefachleuten (25 Prozent) schenken die Deutschen mehr Vertrauen als den Politikern. Diese Zahlen sind die wirkliche Alarmsirene für die Demokratie – in West- und Ostdeutschland! – Dr. Rainer Schneider-Wilkes


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Wie bedrückend…. aber was ist es, das vor meinen Augen ein so trauriges Bild entstehen lässt? Ist es wirklich die fehlende Unterstützung von verschiedenen Seiten, die die Autorin beklagt, weil sie versucht den Status quo ihrer Eltern aufrecht zu erhalten? Oder entsteht vor meinen Augen ein so trauriges Bild, weil ich lesen muss von einer Ehefrau, die sich aufgeopfert hat und zusammen gebrochen ist, und von einer Tochter, die sich –in meinen Augen- selbst aufs Spiel setzt. Meine Schwester und ich lieben unsere Eltern ebenfalls sehr und sind gerne mit ihnen zusammen. Wir leben 100 km bzw. 250 km von ihnen entfernt. Vor wenigen Jahren erhielt meine Mutter mit 72 J. eine Diagnose, in deren Folge sie mehr u. mehr körperlich eingeschränkt sein wird. Mein Vater war da schon 85J. alt. Bereits seit langem nervte ich meine Eltern mit der Frage, wann sie von ihrem Eigenheim in eine Seniorenwohnung umziehen würden. Die alles und nichts sagende Antwort war stets:„Wenn es soweit ist“. Dann die Diagnose meiner Mutter, und die Gedanken meiner Eltern kreisten immer noch ausschließlich darum, wie sie das Leben in ihrem eigenen Haus nun gestalten könnten. In einem Haus, dass mein Vater 1965 mit eigenen Händen umgebaut hatte und das weit entfernt von „barrierefrei“ ist. Meine Schwester und ich tun alles für unsere Eltern, aber wir spüren ganz klar unsere Grenzen und das ist in unseren Augen ein Selbstschutz, der sein darf. Der Umzug unserer Eltern in diese seniorengerechte Wohnung fand statt, stets mit Unterstützung durch uns beiden Töchter und unseren Ehemännern. Und: O Wunder – es ist ein Glück: unsere Eltern haben in dieser barrierefreien Umgebung Lebensqualität zurückgewonnen. Sogar die Freunde aus der alten Umgebung machen sich zu Besuchen auf in den etwas weiter entfernten Stadtteil und freuen sich mit unseren Eltern. Für meinen Vater war immer unvorstellbar, sein Haus zu verlassen. Der Verlust schien gleichbedeutend mit dem Tod. Jetzt sitzt er auf seinem Balkon und schaut, von großer Last befreit, bei gutem Wetter in den Himmel und bei schlechtem Wetter dem Hausmeister zu und ist froh, keinen Bürgersteig mehr fegen zu müssen. Beide Eltern genießen die sozialen Kontakte, die losen Begegnungen im Fahrstuhl, das „Guten Morgen, wie geht ́s?“ auf dem Weg in den Keller. Für den „Novemberblues“, der meine Eltern regelmäßig in den letzten Jahren im eigenen Häuschen überfallen hat, ist in dieser Umgebung keine Zeit mehr. Die Leistung der Autorin ist enorm. Sie hat diesen Weg für SICH gewählt. Die Frage, die ich mir stelle: Hat sie auch ihren Geschwistern, den Freunden, Nachbarn und Bekannten die Wahl gelassen? Oder hat sie ihre ToDo-Liste (wie beim geschwisterlichen Krisentreffen) vorgelegt. Ich urteile nicht! Ich will berichten, dass meine Schwester und ich zusammen mit unseren Ehemännern eine Vorstellung über die Begleitung unserer Eltern entwickelt haben, dabei feststellten, dass sich unsere Vorstellungen zum Glück decken und wir nun gemeinsam freiwillig unseren Weg beschreiten. Wir tun alles in unserer Macht stehende, aber wir nehmen uns das Recht, uns selbst zu schützen. Unseren Eltern ist nicht damit geholfen, wenn wir irgendwann zusammen brechen würden. So war es nie eine Option, dass wir Kinder den elterlichen Garten übernehmen oder Reparaturarbeiten. Das haben wir vor Jahren schon zum Thema gemacht – es war ein Entwicklungsprozess! Vielleicht hat unserer Familie etwas geholfen, was ich in dem Bericht der Autorin so nicht ablesen kann: Die Bereitschaft zum Wandel. Nach unserer Erfahrung war die Bereitschaft meiner Eltern sich zu wandeln (rein äußerlich durch den Wohnungswechsel) unser aller Gewinn. Jetzt gibt es bei meiner Mutter ein Rezidiv. Wir haben nun alle Zeit, uns ausschließlich auf sie und ihr „Gehen“ zu konzentrieren und sie im Sterben zu begleiten. Wir müssen uns nicht mehr abrackern an diesen Fragen der Alltagsbewältigung, das ist mit dem Umzug in gute Bahnen gelenkt worden. Wir sind noch nicht am Rande der Erschöpfung angekommen und haben jetzt noch Kraft für den letzten gemeinsamen Weg. Dafür bin ich dir, mein Schwesterherz, dankbar. – Christiane Worring


Leserbrief zu „Ein Reich kippt“ von Xifan Yang

„Ein Reich kippt“, mit Hoffnung las ich diesen Beitrag und mußte am Ende feststellen:“Da war der Wunsch der Vater des Gedanken“. Seit 1981 besuche ich regelmäßig China, halte Vorträge und Vorlesungen (Physik), kenne viele Universitäten und Kollegen, zwei meiner ehemaligen chinesischen Doktoranden sind in führenden Positionen in China tätig. Trotzdem ist meine Einsicht beschränkt, denn ich bin ein Ausländer und spreche kein chinesisch. Aber Ihre Ausführungen halte ich von der Hoffnung beflügelt, ich wünsche, Sie hätten recht. Im Reich der Mitte wankt nichts, trotz aller Probleme.
# Einem Großteil der Bevölkerung geht es sehr viel besser als bei meinem ersten Besuch.
# Es geht sehr vielen Chinesen noch schlecht, was aber, ähnlich wie in USA, nicht zur Unzufriedenheit mit der Regierung oder zu Neid führt, sondern ein Ansporn ist. Man sieht die Erfolgreichen und weiß, daß man aufsteigen kann.
# Der größte Teil der Bevölkerung ist unpolitisch und zufrieden mit der Regierung. Die zunehmende Überwachung wird akzeptiert. Chinesen sind keine Individualisten, sondern Mitglieder einer Gruppe, Danwei, Familie. Wichtig ist es sich einzufügen und sich für Harmonie einzusetzen. Konfuzius hat noch immer einen starken Einfluss. Die Überwachung garantiert Sicherheit, Anpasung und Harmonie!
# Solange es der Bevölkerung gut geht, wird sie nicht aufbegehren. Die Regierung hat das Mandat des Himmels.
# Es gibt keine Opposition. Einige wenige Interlektuelle sind aufmüpfig, aber das ist unchinesisch und wird von der Regierung als Narrenfreiheit weitgehend geduldet. Wer zu weit geht wird ohne großes Aufsehen eingesperrt. Ich erinnere nur an Falun Gong. Natürlich gibt es gravierende Probleme, aber die führen nicht zum Wanken der Regierung.
# Die Regierung hat durch Überwachung, die zunehmend verbessert wird, die Bevölkerung fest im Griff.
# Die Minoritäten sind ärgerliche Randerscheinungen, die aber unter Kontrolle gehalten werden können. Außerdem werden diese in ein bis zwei Generationen in den Han untergegangen sein, was ich bei meinen Tibet-Besuchen erleben konnte und was gerade bei den Uiguren erzwungen wird.
# Es gibt wirtschaftliche Probleme. Die Seilschaften (Guanxi) sind nicht zu verwechseln mit der Korruption bei uns. Einige schlimme Auswüchse wird man ausmerzen, der Rest ist Volksbrauch und wird kaum kritisiert. Kritische könnte die hohe Verschuldung der Provinzen sein. Falls die Zunahme des Bruttosozialprodukt zu gering ist, und die Investionen in Bahn und Autostrassen sich nicht rentieren, wird es viele Insolvenzen bei Firmen und Kommunen geben, aber der Staat wird ein Desaster verhindern. Es sind ja keine Auslandsschulden, sondern die Ersparnisse der Einheimischen, die dann verloren sind.
# Kritisch sind Erziehung und Ausbildung. Es wird zuviel auswendig gelernt und junge Chinesen sind sehr autoritätsgläubig. Das hat ein Tradition von über 2000 Jahren und hat dazu geführt, dass die Chinesen bisher wenig innovativ sind. Das ist anerzogen, denn auch Chinesen haben schon Nobelpreise bekommen (Lee + Yang, Physik). Hier liegt für die Regierung ein Probem vor. Die Forscher sollen alles hinterfragen und in Frage stellen, an der Autorität der Älteren zweifeln, aber an die Weisheit der Partei und Regierung glauben. Viele meiner älteren Kollegen erinnern sich noch an „Laßt 1000 Blumen blühen“.

Sie kennen sicher das Buch von Theo Sommer, China First und vielleicht die exzellente Beschreibung Chinas von P. Hessler, Country Driving. Ich ich fürchte Theo Sommers Beschreibung ist realistischer als Ihre Hoffnungen. – Prof. Dr. H. Weber


Leserbrief zu „Wie geht es dem Boden? – Was wir wissen …und was nicht“ von Christiane Grefe und Urs Willmann

Ich schreibe Ihnen diese Email weil ich den Artikel „Wie geht es dem Boden“ von Christiane Grefe und Urs Willmann gelesen habe. Darin werden Experten wie Bodenökologen zitiert mit Aussagen wie
Zitat: „Fatal ist das, weil die Erneuerung dieser Lebensressource historischer Zeiträume bedarf. „Es braucht manchmal Jahrtausende, um einen fruchtbaren Oberboden entstehen zu lassen“, sagt die Hamburger Bodenökologin Eva-Maria Pfeiffer, „aber nur wenige Stunden eines starken Regens oder Sturms, um ihn unwiderruflich zu verlieren“.
Ich bin kein noch größerer Bodenexperte als Frau Pfeiffer, diese Aussage ist wohl wahr. Es gibt aber links und rechts dieser Erkenntnisse noch mehr. Diese Erkenntnisse links und rechts könnten zu einem Wandel hin zu Nachhaltigkeit ganz wesentlich beitragen. „Die Umwelt geht kaputt“ ist Allgemeinwissen. Jetzt muss etwas weiteres zu Allgemeinwissen werden: Mit umfassender Systemanalyse können für die Natur Bedingungen geschaffen werden mit der sich die Natur selbst viiel schneller erholen kann als wenn man die Bedingungen so läßt wie sie sind. Es gibt auch bei Boden dazu ein Beispiel: Terra Preta. Tropischer Urwald ist im allgemeinen bekannt dafür nur im sich selbst überlassenen Zustand artenvielfältig und fruchtbar zu sein. Ich selbst habe im Erdkundeunterricht seinerzeit gelernt, platt auf den Punkt gebracht „Im Urwald gibt es nur 10cm Humus. Ohne Urwald zwei Jahre Ackerbau und dann Wüste“ Nun – es gibt Bereiche im Urwald in denen die Humusschicht 100cm = 1 Meter dick ist! Wenn sie davon die Hälfte wegnehmen, dann bildet sie sich innerhalb von Jahren nicht Jahrhunderten oder Jahrtausenden nach!! Humus der nachwächst!! Klingt ja supertoll. Wo ist der Haken? Es gibt einen Haken. Aber nicht im Sinne von Widerhaken sondern von Haken der etwas trägt. Das funktioniert weil dort besondere Bedingungen herrschen. Sehr kluge von Menschen geschaffene Bedingungen denen systemisches Denken zugrunde liegt: Terra Preta.

Das näheres was Terra Preta genau ist können Sie über dieses Stichwort selbst nachlesen. Das ist nur ein singuläres Beispiel für etwas das für alle „Systeme“ gilt. Wenn man das System als ganzes versteht ergeben sich neue Möglichkeiten. Ich finde der Journalismus hat auch die Aufgabe durch das Bekanntmachen von Lösungen und Lösungsansätzen dazu beizutragen, dass die Gesellschaft das Anwenden von wirklichen – weil systemischen Lösungen – einzufordern. Es ergbit sich doch eine ganze andere Lage wenn Allgemeingut ist „Durch Anwenden von Systemanalyse und Kybernetik werden Lösungen gefunden die tatsächlich nachhaltig sind“ Kybernetik in die Tiefe zu verstehen ist in der Tat sehr anspruchsvoll, das ist wohl mit ein Grund warum es noch nicht Allgemeingut ist. Man kann aber die prinzipielle Vorgehensweise leicht verständlich erklären. Stichwort hierzu http://www.ecopolicyade.info/index.php?lang=de Diese Email ist schon ziemlich lang. Trotzdem Bitte ich Sie um weitere drei Minuten das folgende Gedankenexperiment nachzuvollziehen:
Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor Autos hätten keinen Rückwärtsgang. Was hätte das für Konsequenzen? Nun vermutlich gäbe es weniger Sackgassen und die die es gäbe hätten auf jedenfall eine Wendeplatte. Autos hätten womöglich nicht nur hinten sondern auch vorne eine Anhängerkupplung um Anhänger rangieren zu können. Oder jeder Anhänger hätte eine kleine Zugmaschine (nur mit Vorwärtsgang) die Zugmaschine wäre aber sehr wendig so dass man den Anhänger doch in jede Richtung bewegen könnte. Wenn es denn unbedingt sein müsste könnte man am Auto gar keinen Gang einlegen und das Auto rückwärts schieben. Kurzum das moderne Leben / die Gesellschaft würde immer noch funktionieren wenn auch an manchen Stellen deutlich umständlicher. Jetzt möchte ich noch auf einen anderen Aspekt zu sprechen kommen:

Der Rückwärtsgang ist keine Alternative zu irgendetwas anderem am Auto. Er ist keine Alternative zum Motor, Airbag, Navigationssystem, Karosserie ja selbst zu den Vorwärtsgängen des Getriebes ist er keine Alternative. Die Vorwärtsgänge durch den Rückwärtsgang zu ersetzen macht keinen Sinn. Was ist er dann: Eine Ergänzung die die Maneuvrierfähigkeit und Steuerbarkeit eines jeden Autos ganz beträchtlich erhöht. In Bezug auf Kybernetik verhält es sich ähnlich Kybernetik ist keine Alternative zu irgendetwas vorhandenem. Es ist eine Ergänzung – eine ganz eigene Klasse die die Steuerbarkeit von Organisationen aller Art beträchtlich erhöht. Genau deshalb weil es keine Alternative zu etwas ist sondern eine Ergänzung finde ich es wichtig sie zu kennen. Wenn dann sollte man wenigstens aus vollem Wissen was man da weglässt seine Entscheidung evtl. dagegen treffen. Ich meine damit vor allem die Art und Weise wie man Kybernetik in lebenden Systemen (und nicht in technischen Systemen) nutzen kann. – Stefan Ludwig


Leserbrief zu „Wie geht es dem Boden? – Was wir wissen …und was nicht“ von Christiane Grefe und Urs Willmann

Ich denke in der Zeit Nr 6 S 32 ist ihnen ein kleiner Rechenfehler unterlaufen. Wenn die Landmasse der Erde ca 150 Mio Quadratkilometer ist und man mit 7,5 Milliarden Menschen rechnet ergeben sich 20.000 Quadratmeter pro Person und nicht 2000. Oder meinten sie nur die fruchtbaren Flächen? – Wolfram Leonhardt


Leserbrief zu „Sorry, liebe Wessis“ von Martin Machowecz

Die neuen Töne von CDU/CSU und SPD in Richtung der Ossis (diese Formulierung ist schon ignorant nach fast 30 Jahren !) von einer Anerkennung der gebrochenen Erwerbsbiografien und der Achtung der Lebensleistung sind nicht Ausdruck eines neuen Konzeptes zur Haltung gegenüber dem Osten unseres Landes. Sie sind Ausdruck der Ratlosigkeit gegenüber politischen Entwicklungen in Ost und West und in hohem Maße unehrlich. „Blühende Landschaften“, Anpassung der Lebensverhältnisse, höhere Renten und bessere Löhne sind Schlagworte der Entwicklung der letzten Jahrzehnte und trotz beachtlicher Erfolge würde zur Ehrlichkeit gehören, dass man die Unterschiede als Ergebnis einer langen Entwicklung akzeptiert. Den Mitbürgern sagen, dass es auch in 70 Jahren BRD nicht gelungen ist die Unterschiede im Lebensstandard zwischen Nord- und Süddeutschland annähernd auszugleichen und folglich es auch Unterschiede zwischen Ost und West geben wird, dass wäre eine realistische Herangehensweise und würde auch als politische Ehrlichkeit bei allen Bürgern gut ankommen. Das gegenwärtige Getöse der Regierungsparteien im Vorfeld der Landtagswahlen beruht wesentlich auf der Zielstellung Gewinnung von Wählern aus dem AFD-Umfeld und der Mobilisierung von bisherigen Nichtwählern. Es erinnert mich an den alten Witz von dem Mitbürger der an der zweiten Million spart, da er die erste Million nicht vollbekommen hat. Wenn aber unter dem Druck der Neuausrichtung der CDU/CSU unter ihren neuen Führungsgremien die AFD in ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz halbiert ist, die Wahlergebnisse in den Ländern einigermaßen den politischen Einfluss populistischer, links- und rechtsextremer Kräfte eingedämmt haben und die Konjunktur unter dem Einfluss der weltpolitischen Lage sich spürbar abgekühlt hat, dann kommt die Stunde der Wahrheit. Denn dann werden alle die schönen Versprechungen, die das Blaue vom Himmel sind, auf den Prüfstand der „Finanzierbarkeit“ kommen und auf ein realistisches Maß zusammengestrichen. Denn immer noch ist die Politik, wenn sie realistisch ist, nicht das Wünschbare sondern das Machbare. – Klaus-Dieter Busche


Leserbrief zu „Böse Buben“ von Josef Joffe

In Ihrer Zeitgeist-Kolumne vom 31.1.2019 fragen Sie
Warum gilt plötzlich als „toxisch“, was einst klassische männliche Tugenden waren?
und beziehen sich auf die Guidelines der American Psychiatric Association für den Umgang mit Jungen und Männern. In der Kolumne sind mir einige Missverständnisse aufgefallen. Zum einen wird in diesen Leitlinien nicht unterstellt, dass alle Jungen traditionellen Maskulinitäts-Normen nacheifern. Zum anderen wird schon in der Einleitung darauf hingewiesen, dass Maskulinität auch positive Aspekte birgt. Zum Dritten wird sehr genau dargestellt, was unter traditioneller maskuliner Ideologie verstanden wird – hier ist eben kein Wegwischen von Evolution und Biologie zu sehen (deren Befunde zu Geschlechterrollen übrigens ausgesprochen dünn sind), sondern es wird der Bezug zu vielen Jahren handfester Forschung hergestellt. Es gibt zum Glück keinen biologischen Determinismus, der Männer zwingt, aggressiv und gewalttätig zu sein, als weiblich empfundene Regungen zu unterdrücken oder Schwule zu hassen. Es zeigt sich eindeutig, dass das rigide Festhalten an dieser Art maskulinem Selbstverständnis mit negativen Folgen verbunden ist – auch, und darum geht es hier vor allem – für die Jungen und Männer selbst: Ja, eine rigide, übersteigerte Anpassung an ein Männlichkeitsideal, dass auf rücksichtsloses Durchsetzen und emotionale Verkümmerung setzt, schadet auch uns Männern. Um nur eines von vielen Beispielen zu nennen: Männer haben weltweit vier Mal so hohe Suizidraten wie Frauen. Es gibt genügend Forschung, die Zusammenhänge zwischen Suizidabsichten und verschiedenen Aspekten traditioneller Maskulinität aufzeigt. Die APA bietet Handreichungen, um dort, wo es angezeigt ist, „Jungen und Männern zu helfen, restriktive Definitionen von Männlichkeit zu überwinden und ihre eigenen Konzepte davon zu entwickeln, was es heißt, männlich zu sein.“ Das kann Leben retten! Und das ganz ohne die Notwendigkeit, dass sich hypermaskuline Helden hypermaskulinen Finsterlingen in aufopfernder Manier entgegenwerfen. Das funktioniert vielleicht in Marvel-Comics. In der Realität nennt man das Krieg. In der Realität beschert es uns toxisch maskuline Gestalten wie Putin, Erdogan, Maduro, Orbán und – in dem Land, von dem Sie so große Kenntnis besitzen – Trump.

Es sei noch angemerkt, dass die Kolumne auf einer Doppelseite erscheint, die vielfache, interessante Maskulinitäts-Bezüge aufweist: Auf dem rechten Bild unter „Heute“ ist angeblich ein gutes Dutzend spielender Kinder in Bangladesh zu sehen. Wenn mich meine Vorstellung von Kleidungs- und Frisurennormen in diesem Land nicht täuscht, handelt es sich ausschließlich um spielende Jungen. Darunter behandelt der Artikel „Sorry, liebe Wessis“ die Angst der demokratischen Parteien vor der AFD (Anteil männlicher Mitglieder: 87%) angesichts der Landtagswahlen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen, Ländern mit hohen Suizidraten unter Männern (in Sachsen kamen im Jahr 2015 laut statistischem Bundesamt 24,4 männliche Suizide auf 100.000 Einwohner; in NRW betrug die Quote im gleichen Jahr 12,7). Daneben kommen im Artikel der geschätzten Frau Gastmann außer ihr selbst offenbar ausschließlich Männer vor, und in mehrfacher Hinsicht rechts davon redet Peter Dausend dem Kampfbegriff vom „Genderwahn“ das Wort. Folgerichtig beschließen die Torten der Wahrheit die Seite mit „Wenn da nicht mehr nur die maskuline Form steht, ist das nicht mehr mein Land“. – Digo Chakraverty


Leserbrief zu „Steuersatz 70 Prozent – das ist die Höhe!“ von Mark Schieritz

Mit Empörung habe ich die “Analyse” Ihres Herrn Schieritz gelesen. Sehr viele Bürger verstehen unter “Spitzensteuersatz” den Steuersatz für Spitzenverdiener. Diesen Irrtum verfestigt Herr Schieritz in Überschrift und Absatz 1: “Spitzensteuersatz …. bedeutet, dass von j e d e m Dollar 70 Cent abgezogen werden”. Da er weiß, dass das unwahr ist, stellt sich die Frage nach dem Manipulationsmotiv. Zwar wird im übernächsten Absatz mit “Schwellenwert” der Fehler, für aufmerksame Leser erkennbar, korrigiert, doch obwohl die “radikale” Steigerung von 37 auf 70 nur 1 bis 2 % mehr bringt, wird das als (nur) “etwas weniger dramatisch” dargestellt. Kaum jemand wird nach einer derartig inszenierten “Dramatik” verstehen können, wie Sachverständige einen –doch wohl geradezu irrsinnig hohen- Spitzensteuersatz von 80% befürworten können und in den USA jahrzehntelang ein Spitzensteuersatz von 91% eine gute wirtschaftliche Verfassung erzeugte. Was ist auch mit Herrn Fuest, der den Spitzensteuersatz von 42 auf 40% “erhöhen” will ?

Nach dieser Leserverwirrung ist es eine dringende Aufgabe der ZEIT, in einem gründlicheren, die deutsche Wirklichkeit betreffenden Artikel die steuerrechtlichen Begriffe und Steuersätze, auch den für Einkünfte aus Kapitalvermögen, welcher von Bismarcks sozialem Progressionstarif durch “Sozial”demokrat Schröder zum Einheitssatz für Arm und Reich mit 25% Spitze herabgesetzt wurde, für Laien verständlich zu erläutern und Realsteuern für Jahresgesamteinkommen aus den verschiedenen Einkommensarten von z.B. einmal 50.000, einmal 200.000, einmal 1 Mio.€ nach Abzug statistisch ermittelter Abschreibungen und Absetzungen und Anwendung des Tabellensteuersatzes auf das danach steuerpflichtige Einkommen mit dem sich ergebenden Realsteuersatz darzulegen. Vielfach kann man lesen, ein Millionär mit einem guten Steuerberater zahle weniger Steuern als seine Sekretärin. Was ist unsere Realität? Jedenfalls fehlen uns viele Milliarden, und es läuft arg vieles schief! Wenn es nach mir ginge, wäre der Spitzensteuersatz, auch für Kapitalerträge, 85%, würden Erbschaftssteuern verdoppelt u.a.m. Dann könnten die Wahlversprechen erfüllt und auch jährlich 1% der lastenden, Altersruhegeldsparen verhindernden Billionenschulden getilgt werden. Aber ich weiß, dass ich wohl der einzige bin, der das so sieht. – Rolf Bachmann


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Ich bin kein Pneumo- , oder Epidemio-, oder Allergologe, sondern ein eher stringent und pragmatisch denkender Chirurg – allerdings auch mit etwa zwei Jahrzehnten Erfahrung in klinischer Forschung. Zitat aus dem aktuellen Dtsch.Ärzteblatt ( V.Zylka-Menhorn, D.Grunert, 1.Febr. `19, s. 202) : „ Grenzwerte sind daher nicht „in Stein gemeißelt“: mit fortschreiten- dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand können/sollen sie revidiert werden, wobei sowohl Absenkungen als auch Anhebungen möglich sind.“

Aus Sicht der zu schützenden Bürger- darunter ja auch Risikopersonen wie chronisch Lungen-kranke, Alte, Kinder – sollte doch die Schadstoffbelastung der Umwelt so gering wie möglich sein. Wenn Sie schreiben:“ Stickoxide sind so ein Indikator für Schadstoffbelastungen aus der Verbrennung,….“, liegt es doch auf der Hand, im Zweifel sich auf der niedrigeren, der damit sicheren Seite zu bewegen.

Ein Wort zur Finanzierung : Selbst bekennender Automobil-Fan und passionierter BMW -Fahrer wurde ich voriges Jahr hellhörig bei der Zahl von 1 Milliarde Euro an Dividende, die die BMW-Group an die beiden Hauptaktieneigner, die Familie Quandt und Klatten ausschüt- ten konnte. Die Volkswagen-AG, gebeutelt von Milliardenstrafzahlungen in USA, kann 15 Mrd. Euro bis 2022 investieren in Elektromobilität. Die Hardwarenachrüstung für einen Alt-Diesel kostet 1.500,-€ . Betroffen sind theoretisch etwa 13 Mill. Autos ( ADAC 2018). Summa summarum: = 19.5 Mrd.€ . D.h. 50 % , oder knapp 10 Mrd.€ in der Diskussion für die gesam -te Deutsche Autoindustrie – wo ist das Problem ? – Prof. Dr.med. Ulrich Krause


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

Die Bemühungen, die Einführung einer Frauenquote von 50% ab absurdum zu führen, sind z.T. schwer verständlich. Warum soll die strikte Parität die Männer benachteiligen? Sie haben doch ihre 50%, obwohl sie in der Bevölkerung eigentlich in der Minderheit sind (rund 2 Millionen Männer weniger als Frauen). Weiterhin kann eine grössere Beteiligungen von Frauen auch vereitelt werden, indem man die Rechte der hundertsten Minderheit einklagt, um nicht erst einmal das grösste Problem der Ungleichheit zu lösen. – Prof. Michaela Böhmig


Leserbrief zu „DIE UNBEIRRBARE“ von Khuê Pham im ZEIT Magazin

Ich war erschüttert, beim Lesen obigen Beitrags, leider aber, aus eigener, leidvoller Erfahrung, nicht erstaunt über die darin geschilderte (Be-)Handlungsweisen durch schwedische Behörden. Dadurch, dass diese sich nun auch gegen eigene Landsleute richtet, die Ausländern helfen, die in Not sind, wie es Elin Ersson tat, erfährt das Ganze eine noch negativere Ausprägung. Seit 1976 besuchte ich Schweden regelmäßig für mehrere Monate, überwinterte in 1980ern mehrfach in Lappland, zog, sozusagen als „Klimaflüchtling“ 2017, dauerhaft in dessen Mitte.

Nie hätte ich erwartet, Ende 2018 und zu Beginn 2019, in diesem Land auf so viel Intoleranz, geradezu Rassismus, und Unmenschlichkeit zu stossen – „Nein! Du bist kein Schwede, da helfen wir dir nicht!“ bekam ich von allen Behörden und Diensten wiederholt zu hören, dies als EU-Bürger, wie ergeht es da erst Menschen aus anderen Regionen. Vielleicht war es ein Wink des Schicksals, auch vor dem Nichts zu stehen, wie jene aus Afghanistan, aus Syrien oder sonstwo, um die gesamte Bandbreite an Ablehnung zu erfahren, die Schweden nun leider Ausländern (und ihren Helfern) entgegenbringt – dies ist wohl die erschütterndste Erkenntnis beim Lesen dieses Berichts… – Peter Georg Dums


Leserbrief zu „Wer darf hier schreiben?“ von Gunter Hofmann

Das ist ein wirklich spannender und detaillierter wie direkter Einblick in die geistige Auseinandersetzung in der Nachkriegszeit. Eine Zeit, die mir (Jahrgang 195o) vielleicht in eher plakativen Ansätzen aus den 68er-Zeiten bekannt ist. Aber hier wie auch die NS-Zeit erschließt sich diese in der Konkretion und plastischen Darstellung. Ich denke, da kann Ihre Redaktion mit Ihrem Archiv noch viel zur Aufarbeitung beitragen! Bitte mehr davon. – Eckart Schermuly


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Es tut mir leid, das schreiben zu müssen, aber meines Erachtens haben Ihre Eltern und Sie nicht das objektiv Richtige getan: Wenn Ihre Eltern nach Hamburg gezogen und Ihr Vater in ein gutes (!) Pflegeheim in Ihrer Nähe gekommen wäre, wäre es Ihrem Vater wahrscheinlich nicht besser und nicht schlechter gegangen als jetzt, aber Ihre Mutter wäre wohl nicht wegen Überlastung psychisch erkrankt und Sie selbst hätten nicht die Stelle – und die Rentenansprüche – reduzieren müssen und wären jetzt nicht völlig erschöpft. Von den Nachbarn und Freunden Ihrer Eltern zu erwarten, dass sie sich regelmäßig und intensiv um Ihre Eltern kümmern, halte ich für weltfremd. Haben oder hätten sich denn Ihre Eltern regelmäßig und intensiv um demente Nachbarn und Freunde gekümmert? Mein Mann und ich hätten ein viel profaneres Problem, wenn einer von uns schwer pflegebedürftig werden sollte, nämlich die hohen Pflegeheimkosten zu finanzieren. Wir würden in kurzer Zeit völlig verarmen und an „Ins Kino gehen, Gäste bewirten und in den Urlaub fahren.“ wäre nicht im Traum mehr zu denken. Eine private Rundumpflege mit polnischen Pflegerinnen könnten wir uns natürlich erst recht nicht leisten. – Dr. Ulrich Willmes


Leserbrief zu „Sie retten jetzt die Welt“ von Maximilian Probst

AN ALLE ELTERN:
schreibt Euren Kindern Entschuldigungen für die Freitagsdemos:
zB.
– mein Kind hatte Wichtigeres zu tun
– mein Kind war in Sachen learning by doing unterwegs
– mein Kind hat sich weiter gebildet – suse v schwanenflugel


Leserbrief zur Fotokolumne „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

Als Leser der „Zeit“ bin ich im Magazin der Zeit auf Ihre Fotokolumne gestossen. Ich bin ein 36 jähriger Vater (unser Sohn ist heute 8 Monate alt) und wohne mit meiner Frau bei Basel in der Schweiz. Nachdem mich bereits das allererste Foto Ihrer Kolumne auf unbeschreibliche Weise berührt hat, wollte ich Ihnen heute, nach langem Betrachten von „wer bist Du ?“ (6), sagen, dass ich Ihnen für diese Kolumne wahnsinnig dankbar bin. Ich kann nicht in Worte fassen, was genau es ist, das mich Ihre Bilder immer und immer wieder betrachten lässt, aber Ihre Fotos sind überwältigend. Ich hoffe sehr, dass es Ihrem Sohn Friedrich recht ist, dass Sie die Fotos veröffentlichen. Sollten Sie sich wieder einmal die Frage stellen, vielleicht bekräftigen Sie diese Worte ja darin, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Vielen Dank! – Martin Preisig


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Wenn das Kind schon ganz tief in den Brunnen gefallen ist, tun wir so – als kletterten wir in den Schacht, dürfen endlich umfangreiche Tatsachen auf den Tisch. Industriepolitik!? – suse v schwanenflügel


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Vielen Dank für den offenen und ehrlichen Artikel über die zeitintensive, kraftaufreibende und emotional belastende Pflege und Betreuung Ihrer Eltern. Dass sie ein Pseudonym gewählt haben kann ich voll und ganz verstehen. Ich betreue meine 79 und 83 Jahre alten Eltern. Mein 83 Jahre alter Vater ist zusätzlich seit Geburt an schwerbehindert. Ich kann Ihre Erlebnisse mit Geschwistern, Freunden und Bekannten bestätigen und nachvollziehen. Vor allem aber kann ich sie nachfühlen.

Es gibt aber leider irgendwann einen Moment, da sind dann alle wieder da. Nämlich dann wenn es ans Erben geht. Sie werden staunen wer dann wie geholfen und sich engagiert hat und daraus einen Erbanspruch ganz selbstverständlich ableitet. Das wird dann für die die sich wirklich gekümmert haben nochmal besonders hart und emotional kräftezehrend. Das weiß ich aus familiärer Erfahrung. Ich wünsche Ihnen viel Kraft. Halten Sie Ihre Werte (für sich) hoch und bleiben sich bitte treu. – Andreas Müller


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Ich habe gerade mehrere Monate meinen Vater während seiner Krebserkrankung unterstützt. Meine Mutter hat ihn gepflegt und ich habe den Kampf um Informationen von Krankenhäusern, Ärzten und um externe Hilfe geführt. Das war für mich, genau wie bei Ihnen selbstverständlich. Weil ich meinen Vater sehr geliebt habe und meine Eltern sehr viel für uns Kinder getan haben. Mein Vater hat mich früher immer beschützt und nun wollte ich ihn beschützen. Es war grosser Stress, da meine Eltern 150 km entfernt leben, ich einen vollzeitjob und ein haustier habe. Dazu war ich immer in Angst vor der Zukunft. Jedes Telefonklingeln konnte ein Notruf sein. Meine Schwester hat auch immer mal was gemacht, mein Bruder hat noch nicht einmal gefragt, was er beitragen könnte. Er hätte sich zum Beispiel um meine Mutter kümmern können, die ja auch Zuspruch brauchte. Letzte Woche ist mein Vater gestorben und es ist schon ein Trost, dass ich alles getan habe, was ich konnte, um ihm zu helfen. Und dass er wusste, dass ich für ihn da war. Wenn das nicht so wäre, könnte ich damit jetzt sehr schlecht leben. – Sabine Haugg


Leserbrief zu „Was ist jüdisch?“ von Michael Wolffsohn

In seinem brillanten Artikel zitiert Michael Wolffsohn aus den Historien, 5, 3 des Tacitus – verlegt diese aber aus dem 2. Jh. nach Chr. in das 2. Jh. vor Chr.! Handelt es sich hier um eine ZEIT-Verschiebung durch Wolffsohn oder um eine Daten-Verschiebung durch DIE ZEIT? – Michael Dammann


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Na bitte, liebe ZEIT, geht doch! Nun hat sich Herr Sentker also mal die Mühe gemacht und tatsächlich zu NOx recherchiert. Und siehe da: Kein eindeutiger wissenschaftlicher Nachweis bzgl. der negativen Auswirkungen. Unklarheiten bei den Begriffen „Richtwert“ vs. „Grenzwert“. Das eigentliche Problem ist jetzt der Feinstaub. Nur kommt der nicht vom Diesel allein, sondern von allem möglichen.

Wäre es für eine seriöse Zeitung nicht angebracht gewesen, bereits am Anfang der Debatte über Wesen und Herkunft des angeblich krank machenden Stoffes zu recherchieren? Stattdessen wird brav blockflötenhaft mitgedudelt im allgemeinen Empörungsgeschrei und Großstädte werden zu Groß-Birkenaus erklärt, weil da angeblich reihenweise die Menschen wegen der schlechten Luft sterben. Recherche mag anstrengender sein als moralische Artikel zu schreiben, deren Themen einem am Herzen liegen. Aber Journalismus ist eben zunächst Recherche und dann Meinung. Es wäre wirklich hilfreich, wenn Sie das in Zukunft mehr beherzigen würden. – Dr. David Wolff


Leserbrief zu „Erst kaputt ist es so richtig Kunst“ von Hanno Rauterberg

Alle, auch die finanziellen Erfolge seien Banksy vergönnt. Und der Jahrmarktstrick, den sich die PR-Abteilung von Sotheby’s ausgedacht hat, war ja nun wirklich irrsinnig komisch. So ist es auch zu verstehen, dass eine „europäische Sammlerin“, ich tippe auf jemanden wie Tita von Thyssen-Bornemisza, sich dadurch reich beschenkt fühlt. Merkwürdig wird es, wenn die Sammlung Frieder Burda den Hype neben DIE BRÜCKE stellen muss. Und peinlich schließlich, wenn sich die Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart mit dem Erwerb der Leihgabe brüstet. Kulturdezernenten und -politiker finden das sicher „spannend“, die Medien haben ihre Eintagsfliege und Hauptsache, die Besucherquote stimmt: Das Museum als Fußballstadion, der Künstler als nackter Flitzer und der Bildwissenschaftler als Eventmanager …- Prof. Dr. Ulrich Schneider


Leserbrief zu „Josh wuchs behütet auf. Mit 15 verfiel er den Drogen. An Stoff zu kommen war nicht schwer. Er hatte ja Facebook“ von Isabell Beer

Die Form dieser Reportage lässt mich wütend und fassungslos zurück. Wenn dieser Text nicht in der ZEIT zu lesen wäre, würde ich am liebsten den Begriff „Sensationsjournalismus“ bemühen. Nach dieser Lektüre weiß ich zumindest, wie böse facebook &Co sind. Der Autorin würde ein Grundkurs Menschenkunde und Empathie gut tun. Ein Haus auf dem Land, ein Garten, Spielzeug, ein eigener Hund sind also die Aushängeschilder für eine „behütete“ Kindheit? Der Junge hatte doch alles, oder? Was also ist wirklich passiert in dieser Familie? Statt diese scheinbar glatte Oberfläche einmal zu hinterfragehn, tummelt sich die Autorin lieber in facebook-Gruppen und findet das noch besonders mutig. Immerhin erfährt man nebenbei, dass die Eltern sich getrennt haben, dass die Freundin den Jungen verlassen hat. Und dass er nicht redet. Ich bin überzeugt, meine Kinder würden auch nicht mehr mit sprechen, wenn ich sie so behandeln würde wie diese Eltern ihren Sohn. Nur diese Beispiele: Der Sohn strauchelt, fällt hin beim gemeinsamen Kochen mit dem Vater – der Vater hilft ihm nicht, zückt das Handy und filmt sein todkrankes Kind. Wie bitte? Die Mutter zeigt das eigene Kind an, als „Lehre“. Wer das tatsächlich für hilfreich hält, hat nicht mehr alle Sinne beisammen. So viele Fragen wirft diese Geschichte auf – für mich bleiben sie alle unbeantwortet. In jedem Fall finde ich: Wer seinem eigenen Kind Liebe, Fürsorge und elterliche Zuwendung verweigert, braucht selbst dringend Hilfe. Und das Umfeld lässt all das geschehen. Was für eine unfassbar tragische Geschichte. – Dana Marietta Schuster


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Die Berichterstattungen über pflegende Kinder, die sich allein um die bedürftigen Eltern kümmern müssen, weil die Geschwisterschar weit verstreut und nicht nicht willig ist, findet leider immer nur aus der Sicht des sich zuständig fühlenden Kindes statt. Aber wie fühlen sich die „Raben“Kinder? Ein Interview auch mit dieser Seite würde zur Vervollständigung eines verzerrten Bildes führen. Wir möchten auch, wir dürfen oft nicht. Die alleinige Herrschaft der pflegenden Schwester (meist sind es ja die Töchter) über die Eltern verbietet es zu oft. Es hat mit Macht zu tun und Alleinstellung, die man nicht gern abgiebt. Allein Entscheidungen treffen, allein den Kontakt bestimmen, die Eltern für sich haben in ihrer Abhängigkeit. Und schwupps ist auch das Vermögen der Eltern zu Lebzeiten verschenkt. Elder (financial) abuse durch Familienangehörige wird in den USA bereits als „crime of the21 Century“ beschrieben. Also bitte: auch zulassen, dass die Pflege immer auf alle Familienmitglieder verteilt wird! – Ute Klasen


Leserbrief zu „Sie retten jetzt die Welt“ von Maximilian Probst

Die jungen Menschen werden wieder politischer und setzen sich für ihre Themen ein – diese Erfahrung haben auch wir bei der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie gemacht. Wir verleihen am 20. Februar 2019 den FAIRWANDLER-Preis an junge Menschen, die sich nach einem Auslandseinsatz für eine faire und gerechte Welt engagieren. Sie sind aufgerüttelt von dem, was sie erlebt haben, wollen selbst fairändern, nehmen Dinge selbst in die Hand, kreativ und innovativ. Die für den Preis nominierten Teams zeigen stets eine klare Haltung, z.B. bei den Themen Visavergabe und Mitspracherecht der Jugend. Wir begrüßen diesen Einsatz sehr und bestärken die jungen Erwachsenen in ihrem Engagement für eine gerechtere Welt. – Ralf Tepel


Leserbrief zu „Josh wuchs behütet auf. Mit 15 verfiel er den Drogen. An Stoff zu kommen war nicht schwer. Er hatte ja Facebook“ von Isabell Beer

Vielen Dank für dieses Dossier. Man hofft natürlich immer dass die eigenen Kinder hiervon verschont bleiben und unternimmt in der Erziehung alles um sie zu sensibilisieren wie gefährlich Drogen sind. Ihr Artikel enthielt für mich viele neue Details über aktuelle „Drogentrends“ und wie sich Jugendliche hierzu austauschen. Das hilft sicherlich vielen Eltern bei der Aufklärung. Danke. – Timo


Leserbrief zu „Die Wertedebatte“ von Andreas Sentker

Ganz kurz: der Artikel ist ganz große Klasse. Jeder, der in der fürchterlichen öffentlichen Diskussion um Grenzwerte mitmischt, sollte ihn gelesen haben. Vielen Dank dafür. – Andreas Matt


Leserbrief zu „Josh wuchs behütet auf. Mit 15 verfiel er den Drogen. An Stoff zu kommen war nicht schwer. Er hatte ja Facebook“ von Isabell Beer

Im Dossier der sechsten Ausgabe diesen Jahres schrieben Sie über Josh, welcher einen völlig unverantwortlichen Umgang mit Drogen hatte und diesen mit anderen Menschen im Internet teilte. Als Vorbild dieser Gemeinschaft nannten Sie u.a. den Youtuber Simon Ruane aka OpenMind. Damit unterstellen Sie Simon Drogenkonsum zu verherrlichen und ebenso unverantwortlich mit Drogen umzugehen. Dass Simon sich jedoch von den allermeisten Drogen in Ihrem Artikel klar distanziert (wie beispielsweise Heroin, aber auch sämtlichen Research Chemicals), regelmäßig Minderjährigen davon abrät Drogen zu nehmen, sich generell auch immer wieder kritisch mit übermäßigem Drogenkonsum auseinandersetzt und selbst regelmäßige Konsumpausen zwischen seinen Drogenerfahrungen einlegt, lassen Sie dabei entweder bewusst völlig außer acht oder haben sich nicht die Mühe gemacht dies ordentlich zu recherchieren. Auch seine Zuschauer stellen Sie damit kollektiv in ein schlechtes Licht. Dementsprechend bezweifle ich auch, dass die von Ihnen beschriebene Gemeinschaft Simon zu ihrem Vorbild erklärt und selbst wenn sie es doch tut, ist die von Ihnen gewählte Darstellung zumindest irreführend. Der Autor des Artikels disqualifiziert sich damit leider durch unnötige Stimmungsmache oder mangelnde Recherche. Diesbezüglich bin ich von Ihnen besseres gewöhnt. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Kümmert euch!“ von Hanna Brandt

Dieser Artikel war „so überflüssig wie ein Kropf“. Aber die Selbstdarstellungsberichte ( Vegan Leben, Leben ohne Zigaretten, ect.) sind eine Geschmackssache, müssen nicht allen gefallen und auch nicht von allen gelesen werden. Nun habe ich den Artikel aber doch gelesen, statt ihn gleich zu entsorgen und habe eine tolle Idee und eine Bitte an Sie. Greifen Sie das Thema doch noch mal auf, aber aus einer anderen Perspektive.

Es geht doch darum, was sich in einer Familie verändert, wenn Eltern aus ihrer Rolle raustreten und selber Hilfe bedürfen oder Pflegebedürftig werden. Die Kind – Eltern Rolle verändert sich, aber auch das eingefahrene Zusammenspiel zwischen den Geschwistern. Das kann unter Umständen zu Konflikten führen und scheint weit verbreitet. Hier würde bestimmt ein Gespräch mit Familientherapeuten ein bisschen Erhellung bringen, vielleicht auch Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Damit wäre sicher eine breitere Leserschaft angesprochen und ein Artikel in dieser Richtung könnte zum Nachdenken und diskutieren anregen.

Ich bin selbst Mutter von drei Kindern und und mache mir so meine Gedanken. Es könnte zu einer „Überversorgung“ kommen, aber auch zu einer „Untervesorgung“ oder zu einem Streit um Gunst der „Mutterliebe“. Im Moment sehe ich das noch ganz entspannt, aber ich habe mir vorgenommen, zwischendurch mal mit meinen Kindern über die auf uns zukommende Situation zu reden. In dem Sinne, dass sie nicht alles selber machen müssen, sondern auch delegieren dürfen. Dass sich jeder nach seinen Fähigkeiten einbringen darf und dass wir als Familie so tolerant sind und bleiben, dass wir uns gegenseitig mit unseren Schwächen und Stärken akzeptieren. Die Frage ist für mich auch, was können wir / ich als Eltern dazu beitragen, damit ein friedlicher Umgang erhalten bleibt. Wie Sie sehen, hat der Artikel doch einiges bei mir ausgelöst, aber er war keine Hilfe und auch keine Anregung. Vielleicht können Sie das Thema ja noch mal aufgreifen. Aber bitte unter dem Aspekt der Familiendynamik. Was alles schlecht läuft im System lese ich jeden Tag in der Zeitung. Eine Verbesserung hilft in diesen Fällen auch nicht weiter. – Marlies Wenzel


Leserbrief zu „Ware Schönheit“ von Jana Gioia Baurmann

Was macht so ein Artikel in der ZEIT? Das ist doch bezahlter Content, oder? Sieht aus wie Journalismus, ist aber pure PR. Natürlich kann auch die ZEIT über Boulevard-Menschen berichten. Aber warum? Um für ihre neusten Kollektionen zu werben? Ihren Markenwert zu steigern? Bitte nicht! – Anja Martin


Leserbrief zu „Freiheit oder Quote“ von Heinrich Wefing

Interessiert habe ich Ihren Artikel über die „Gleichstellung“ gelesen („Freiheit oder Quote“). Der Versuch, Frauen und Männer gleichermaßen in die Parlamente zu bringen, scheint vertrackt. Da ist es wirklich nett, wie Sie die Schwierigkeit der beiden meist diskutierten Modelle (Ansatz bei der „Kandidatennominierung“ vs Eingriff in das „Wahlrecht“) gegenüber stellen. Besonders interessant wird Ihr Artikel aber im achten Absatz, wo Sie in einer beiläufigen Bemerkung Ausnahmeregeln für das „dritte Geschlecht“ als Möglichkeit einfließen lassen. In Zeiten fluider Geschlechtsidentitäten ist ja jede Person frei, das Geschlecht selbst zu definieren. Das macht aber den Versuch, Geschlechtergerechtigkeit in Parlamenten herzustellen, erst richtig kompliziert. Denn wie will der Gesetzgeber damit umgehen, wenn ein Abgeordneter, einst als männlich in ein Parlament gewählt, plötzlich feststellt, er sei eine Frau, oder vielleicht doch eher queer. Und wenn solch eine Umorientierung kein Einzelfall bleibt, sondern zunehmend Nachahmer findet? Schon schwindet die mühsam per Dekret hergestellte Geschlechtergerechtigkeit.

Meines Erachtens stoßen hier unvereinbare Paradigmen aufeinander: Wenn richtig ist, dass Geschlechteridentitäten fließend sind, dann muss kein Versuch unternommen werden, eine wie auch immer definierte „Geschlechtergerechtigkeit“ herzustellen. Er ist nicht nur nicht notwendig, er ist schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt. Denn es ist schlicht irrelevant, welche Geschlechtsidentität das gewählte Mitglied eines Parlamentes sein eigen nennt. Wenn richtig ist, dass Frauen und Männer notwendig verschieden aber gleich wertvoll sind, dann sind sie von einander unterscheidbar und als solche nominier- und wählbar. Und dann haben sie in ihrer Verschiedenheit jeweils einen unverzichtbaren eigenen Beitrag zur Gesellschaft beizutragen.

Und wenn jetzt gleichermaßen Anhänger der traditionellen Geschlechterrollen, der diversen Geschlechtsidentitäten als auch das Grundgesetz (das ja „die Gleichstellung“ will) aufschreien, so möchte ich einen anderen Weg vorschlagen: Wie wäre es, wenn Gesellschaft und Parteien den Versuch unternähmen, Menschen heranzubilden, die sich nicht als Vertreter und Kämpfer für geschlechtsdefinierte Partikularinteressen verstehen, sondern als Diener aller. Dann wäre es nämlich unerheblich, wie viele Frauen, Männer oder wie auch immer definierter Geschlechter im Parlament sitzen. Alle würden in der Aufgabe, dem Gemeinwohl zu dienen dafür kämpfen, dass niemand unterdrückt und ausgebeutet wird und alle leben können. Klingt utopisch. Ja. Aber Jesus Christus hat es vorgelebt und seine Nachfolger (sie nennen sich heute „Christen“) darauf verpflichtet, es ihm gleichzutun. Lassen Sie es mich mit Paulus sagen: „Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus“ (Galater 3:28). Und Jesus selbst sagt ergänzend zu den Parlamentariern: „Wenn jemand der Erste sein will, soll er der Letzte von allen und aller Diener sein“ (Markus-Evangelium 9:35). Je länger ich darüber nachdenke, desto lohnender erscheint mir dieser Weg. – Thomas Kobabe


Leserbrief zu „Was ist jüdisch?“ von Michael Wolffsohn

Eine Kleinigkeit in dem ansonsten sehr instruktiven Artikel ist korrekturbedürftig:
„Schon im zweiten Jahrhundert vor Christus beschrieb Tacitus die Juden als Seuchenüberträger…“
Er kann das allenfalls schon im ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus zu Papier gebracht haben. Das mir vorliegende Nachschlagewerk gibt sein Geburtsjahr mit „ca. 55“ an und sein Todesjahr mit „nach 116“, Wikipedia lässt ihn „um 58“ geboren werden und „um 120“ sterben. Hätte er vor der Zeitenwende gelebt, dann hätte er sich beispielshalber nicht zu Kaiser Domitian äußern können. – Robert Meßmer