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21. März 2019 – Ausgabe 13

 

Leserbriefe zum Titelthema „Ausgebremst – Frauen in der Arbeitswelt“ von Kerstin Bund et al.

Ihr Artikel spricht mir aus dem Herzen! Wie schlecht es um die Gleichberechtigung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt bestellt ist, erlebe ich gerade schmerzhaft am eigenen Leib. Nach der Geburt meines ersten Kindes möchte ich ins Berufsleben zurückkehren – und zwar in Vollzeit, als Familienernährerin, während mein Partner mir den Rücken freihält und sich um unseren Sohn kümmert. In der Realität leben wir seit dem Auslaufen des Elterngelds von meinem Arbeitslosengeld und sitzen zu dritt zu Hause. Mit meinen Bewerbungen renne ich, promovierte Naturwissenschaftlerin, gegen eine Wand. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der wirtschaftliche Druck meinen Partner zurück in die Vollzeiterwerbstätigkeit und mich in die Mütterfalle treibt, in Teilzeit hinter Kasse, Tresen, Telefon. Solange die Verschwendung von 9 Jahren Universitätsausbildung offenbar gesellschaftlich mehr gewünscht ist als eine vollzeit erwerbstätige Mutter im MINT-Beruf, kann der Fachkräftemangel kein ernsthaftes Problem sein. Ich würde mich freuen, wenn Sie diesem wichtigen Thema auch weiterhin eine Bühne geben. Vielen Dank für Ihren Artikel! – Dr. Marie Gienger

Dank für den aufschlussreichen Artikel. Bisher ging ich davon aus, es liegt an meiner Qualifikation, dem Anschreiben, dem Lebenslauf…. Nach 7 Jahren in meinem Job als Personalreferentin war ich auf der Suche nach einer Stelle mit breiterem spannenderem Aufgabengebiet. Ich habe meine zwei Kinder nicht im Bewerbungsschreiben angegeben, weil ich es für uninteressant hielt. (1. Kind Elternzeit 0 Monate, 2. Kind Elternzeit 8 Monate) Ich schrieb diese eine Bewerbung und wurde direkt eingeladen. Beim Bewerbungsgespräch erzählten mir die Personaler als Erstes, dass sie a) jemanden aus meinem bisherigen Unternehmen kennen und b) meine Vorgängerin aufgrund der Kinder nicht bereit war Überstunden zu machen. Daraufhin hatte ich definitiv keine Lust, die Kinder zu erwähnen. Bisher ist nicht klar, ob meine Qualifikation überhaupt je Thema des Gesprächs war. Ich habe die Stelle aufgrund des vermeintlichen, von mir nicht beabsichtigen „Vertrauensbruchs“ nicht bekommen. Mit einem späteren Anruf habe ich mit der Firma dankenswerterweise über die Situation sprechen können. Man riet mir, die Kinder ruhig anzugeben, das wirke ehrlicher. Seitdem ich das mache wurde ich nie mehr eingeladen. – Ein/e Leser/in

Mit Verlaub: Es liegt am Feminismus. Ihre drei Autoren mögen das nicht verstehen, was ich durchaus verstehen kann. Es kommt noch schlimmer; auch die ständige Forderung nach Quote hat dazu beigetragen. Die Damen haben sich selbst damit keinen gefallen getan. Das mag man kritisieren – ist aber so. Ich selbst habe eine Banklehre hinter mir, ehe ich studiert habe. Das Studium habe ich allerdings geschmissen, weil mir der ganze Laden zu dröge war. Heute kann ich sagen, es war die richtige Entscheidung. Bei einer Frau wäre das bestimmt anders gelaufen. Ich kenne eine Frau, die ein Weltunternehmen führt: Nancy McKinstry, die ausgerechnet Schulbücher verkauft. Eigentlich Niederländerin, heute aber Amerikanerin. Ich kenne ganz gut ihre Biographie. Die hat den Feminismus immer abgelehnt. Es gibt aber auch noch andere Frauen die es in die Weltspitze gebracht haben. Keine kommt aus Deutschland. Ich lebe vorwiegend in Singapur, wie die Leserredaktion weiß. Auch dort gibt es eine Frau die ein internationales Unternehmen leitet. Singapur ist ein sehr wohlhabender Staat, der weit höher liegt als in Europa. Warum ist das so – die Frage stellt sich ja: Weil dort der Nachwuchs streng und autoritär geführt wird. Das wäre bei uns undenkbar. Wenn sie mich persönlich fragen würden, was müßte sich in unserem Land ändern: Die Politik, kurz und knapp gesagt. – Gunter Knauer

„Gleicher Lohn für ungleiche/unqualifizierte Arbeit im öffentlichen Dienst“
Aus eigener Erfahrung eines promovierten Ingenieurs empfehlenswert wäre hierzu die Betrachtung des öffentlichen Dienstes. Da sind/waren im Forschungsministerium – dort wurden lange Zeit 80% der Neueinstellungen an junge Frauen mit“ gleicher Qualifikation !!“ vergeben – Lehrerinnen zuständig für „innovative Arbeitsprozesse in der Industrie“, unqualifizierte Ref.-Leiterinnen bekamen einen Wissenschaftler aus einer Forschungseinrichtung bei Seite gestellt, damit noch was lief. Im Verkehrsministerium wurden von Juristinnen/Politologinnen dem Minister weisgemacht, dass E-Autos keine Getriebe benötigen. Im Wirtschafsministerium wurde im zuständigen Autoreferat von Damen die kluge Erfindung der gewichtsbezogenen Effizienzklasse kreiert. Auf den Hinweis, dass dann aber der Q5 und vor allem der LEOll die beste Effizienz zeigen, folgte die nichtsahnende Frage, was ist ein LEOll? Und das bei gleichem Gehalt im öffentlichen Dienst, der nachweislich erhebliche Probleme beim qualifizierten Nachwuchs hat. – Ein/e Leser/in

Eigentlich hatte ich keine Lust, diesen Artikel zu lesen. Zu viel Angst davor, mit klischeehafter, nicht recherchierter und einseitiger Berichterstattung konfrontiert zu werden. „Und sie werden aus dem Job gedrängt, sobald sie Kinder kriegen.“ Gleich am Anfang wird die argumentative Linie abgesteckt.
Na gut, nun habe ich den Artikel doch gelesen. Ging gleich gut los: „Frau mit behinderten Kindern wird benachteiligt.“ Dann Geschichte zum Stichwort „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“. Passt zwar nicht so ganz rein, aber zieht immer und regt auf. Dann kommt der Waldorf Kindergarten: Zwar sind alle Vorgesetzten der gekündigten Erzieherin weiblich, aber es finden sich ja doch noch ein Anwalt und ein Richter männlichen Geschlechts, die als böse Buben her halten können… Bei der gegenwärtigen Arbeitsmarktlage würde mich mal interessieren, wann genau sich diese Geschichte abgespielt haben soll. So reiht sich Beispiel an Beispiel. Irgendwann in der Mitte steht ja wenigstens, dass es nicht allein die Schuld des Patriarchats sei, dass Frauen deutlich seltener Chefinnen werden… Vielen Dank dafür. Jetzt fühle ich mich ein wenig besser. Dann steht dort auch, dass viele Frauen gar nicht denselben Karrierewunsch haben wie Männer. Und vielleicht ergibt sich daraus auch die Erklärung für viele der angesprochenen Probleme. Hier hätte man mal ein wenig nachhaken können… Es gibt auch eine weibliche Geschäftsführerin des Waldorfkindergartens, möchte ich mal mutmaßen, die die Kündigung mitunterschrieben hat. Auch hier hätte man einmal tiefer einsteigen können… Ein Vorschlag zur Güte. Vielleicht sollten wir uns darauf einigen, dass selbstverständlich Frauen und Männer dieselben Karrierechancen garantiert bekommen müssen. Bei häufigerer Teilzeitarbeit und dem häufigeren Wunsch, sich um die Kinder zu kümmern, wird aber ein Unterschied in der Bezahlung verbleiben. Bitte quält mich nicht mehr mit der Zahl „21 % weniger Gehalt“. Diese Zahl scheint falsch zu sein. Ich kann es nicht ändern, dass 6 % Gehaltsunterschied leider nicht mehr so eindrucksvoll wirken. – Dr. H. Frenzel

Wie heißt es so schön: Eher wird eine Frau Papst in Rom als Vorstandsvorsitzende in der BASF. – Peter Dodel

Obwohl schon lange mehr Studentinnen das Medizinstuduum mit besseren Noten als ihre Kommilitonen abschließen, kommen in deutschen Unikliniken auf zehn leitende Positionen gerade mal eine Frau. Hier hilft nur die Quote. Fast ein bisschen überzogen frech verkündet der Herzprofessor der renommierten Münchner Uniklinik, wie er Bewerberinnen im Vorstellungsgespräch unerlaubte Fragen stellt und seine Vorträge mit Folien knapper Bikinihosen-Popos „catchy“ gestaltet. In dieser von Steuerzahlenden finanzierten Klinik steckt die Gleichberechtigung noch in den Kinderschuhen. A propos: um die“Unwägbarkeiten“ im Zusammenhang mit ‚Kinder bekommen‘ gleichmäßig zu verteilen, schlage ich gleich lange dauernde Elterzeit für Mütter und Väter vor. „Nichts kommt von selbst, weniger hat Bestand“ sagte schon Willy Brandt. – Danielle Baral

Die Lösung ist einfach und wird gehütet wie ein Geheimnis: Männer müssen sich signifikant mehr als heute bei Kindererziehung und Haushalt beteiligen, sonst wird sich am großen Unterschied nichts ändern. Die Wirkung ist zweierlei, erstens halten damit Männer ihren Frauen den Rücken für Erwerbsarbeit frei, zweitens sind Männer dadurch weniger verfügbar für Erwerbsarbeit und werden für Arbeitgeber (ähnlich) attraktiv wie Frauen. Wie jede einzelne Familie die Lösung konkret für sich ausgestaltet, kann ganz unterschiedlich sein, abhängig von persönlichen Vorlieben, Berufen, Alter der Kinder, usw. Aber, die Arbeitswelt und Gesellschaft wird sich in jedem Fall grundlegend wandeln. Es wird Erwerbsarbeit auf mehr Köpfe verteilt werden. Es wird mehr Chirurgen (männliche und weibliche) geben und diese werden weniger Stunden arbeiten: Möglicherweise ist eine Operation ebenso erfolgreich, wenn sie von einem weniger talentierten, aber ausgeschlafenerem Chirurgen durchgeführt werden im Vergleich zu der, von einem mehr talentierten, am Ende seiner zweiten Doppelschicht. Eine gleich wirksame Alternative gibt es nicht. Eine Verlagerung von Kindererziehung und Haushalt auf Erzieherinnen, Teilzeitkolleginnen, Au-Pairs, weibliche Haushaltshilfen und Omas beseitigen den großen Unterschied naturgemäß nicht.Manuela Blaicher

Ich finde Ihren leistungsstarken Beitrag großartig, und dankenswert, dass Sie dieses gesellschaftlich drängende, heiße Thema anfassen. Unabhängig vom Geschlecht müssen wir Menschen – in welchem Zusammenhang auch immer – uns gegenseitig würdig und gerecht behandeln. Bei der Realisierung dieser Forderung stellen sich hoch komplexe Probleme, die zunächst transparent analysiert und um dann – trotz größten Aufwands für unsere Gesellschaft – adäquate, einsichtige Lösungen zu erarbeiten, mit denen sich – im Dienst unserer Gesellschaft – die Politik befassen muss. Ihre (DIE ZEIT) Publikation stellt eine Komponente des komplexen Problems heraus. Eine zweite Komponente – mit der ich mich in den letzten Jahren intensiv befasse – muss in den Blick genommen werden. Es geht um die bedeutsame Weitergabe des menschlichen Lebens und authentischer Liebe.Heinz Schmitz

Der Artikel hat mit vielen gut recherchierten Beispielen gezeigt wie schwierig es ist für Frauen, unbezahlte Fürsorgearbeit bzw. Hausarbeit mit Karriere zu vereinbaren. Eine neue Entwicklung hat uns erfreut: Herr Prof. Hagel war anfangs “irritiert” von Vätern, die auch Elternzeit genommen haben. Internationalen Studien zufolge planen Arbeitgeber anders und es gibt weniger Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern, wenn Männer mehr Elternzeit nehmen und mehr Teilzeit arbeiten. Als Gesellschaft müssen wir hier in Deutschland hinterfragen warum es “selbstverständlich” ist, dass unbezahlte Fürsorgearbeit nicht besser aufgeteilt wird zwischen den Geschlechtern. Ein bisschen “Irritation” am Anfang ist oft nötig für eine gute Heilung. – Dr. David A. Magezi

Die Welt wäre eine völlig andere, wenn Chefetagen, Parteispitzen und Parlamente zur Hälfte mit Frauen besetzt wären. Die Welt ist mehr als bereit dafür – die Menschen leider nicht. – Mia Heiartz

Sie sprechen mit Ihrem Artikel ein nach wie vor wichtiges Thema des Arbeitslebens an. So relevant das Thema nach wie vor ist, so engstirnig wird es aus meiner Sicht weiterhin und auch in Ihrem Artikel betrachtet. Hintergründige Ursachen für Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau werden angeschnitten, um gleich wieder darüber hinwegzuschreiten. Eine solche Oberflächlichkeit beginnt schon in den Zahlen, die Sie in dem Artikel anführen und die teilweise regelrecht falsch sind. Sie behaupten: “21 % Stundenlohn erhält eine Frau im Schnitt weniger als ein Mann.” Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Eine durchschnittliche Lohnlücke von 21 % zwischen Mann und Frau kommt dadurch zustande, dass Frauen öfters halbtags arbeiten als Männer. Daher erhält eine Frau nicht 21% weniger Stundenlohn, sondern 21 % weniger Monatslohn im Schnitt. Sie merken sogar selbst an, dass in Ihrer Zahl diverse Faktoren wie unterschiedliche Qualifikationen je nach Job alle in einen Topf geschmissen werden. Ein solcher Umgang mit Zahlen ist unseriös und unprofessionell. Ich möchte mich nicht an den Zahlen festbeißen. Die Reduzierung von Lohn- und Karriereunterschieden auf das Geschlecht spiegelt schlicht die heutige Realität bei weitem nicht mehr differenziert genug wider. In vielen Unternehmen werden Frauen in Führungspositionen massiv gefördert. Maßnahmen der Frauenförderung wie zum Beispiel Frauenquoten führen nicht selten sogar zu einer Umkehr der Karrierechancen, bei der Nachbesetzung bzw. Neubesetzung von Führungspositionen sind Männer dann sogar klar im Nachteil.

Egal ob Mann oder Frau, Führungskräfte sollen sich dem Unternehmen aufopfern und müssen dafür die Familie nachrangig behandeln. Wenn Frauen diesen Weg wählen, können sie genauso erfolgreich nach oben kommen wie Männer, vieleicht sogar noch leichter. Im Kern geht es nicht um Mann oder Frau, sondern um die Balance zwischen Arbeit und Privatleben und damit insbesondere Familie. Würde ein Mann seinen Arbeitsumfang wegen Familie/Kindern reduzieren wollen, würde seine Karriere mindestens einen solchen Knick machen wie bei Frauen oftmals zu beobachten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wären die Folgen bei einem Mann sogar noch negativer als bei einer Frau, denn bei einer Frau wird Elternzeit u.ä. “notgedrungen” akzeptiert, während die Firma einen Mann dafür schief ansähe. Mir wurde von einem Mann in einem anderen Unternehmen erzählt, der konsequent 9 Monate Vaterzeit nahm. Die Entscheidung des Mitarbeiters führte bei den Vorgesetzten zu einem Nasenrümpfen. Als der Mitarbeiter aus der Vaterzeit zurückkam, konnte er dann auch gleich seinen Schreibtisch räumen. Wer will das aber den Unternehmen verübeln? Ein Unternehmen ist kein Wohlfahrtsverein, sondern muss Gewinn erzielen. Je mehr Angebot an Arbeitnehmern dann noch aufeinander trifft, desto weniger muss sich das Unternehmen durch z.B. soziale Maßnahmen um diesen Arbeitnehmerpool bemühen. Ich wünsche mir in Ihren Artikeln wieder weniger tendenziöse Berichterstattung und mehr Sachlichkeit. Das passt auch besser zu Ihrem Image, für das ich bislang weiterhin die Treue halte. – Björn Reetz

Ein interessanter und etwas deprimierender Artikel. Ein moeglicher radikaler Ausweg ware die Eltenzeit verpflichtend gleich auf beide Elternteile zu verteilen, d.h. eine Mutter koennte nur noch so viel Elternzeit nehmen wie auch der Vater nimmt (und umgekehrt). Das haette den Vorteil, dass Arbeitgeber nicht mehr nur das „Risiko“ Frau im gebaehrfaehigen Alter haetten, sondern auch das Risiko Mann im zeugungsfaehigen Alter (was bekanntermassen laenger dauert). Es wuerde ausserdem die Gleichverteilung der Aufgaben in Haushalt und Kindererziehung unterstuetzen. Aber ich bin mir nicht sicher ob eine Mehrheit von Maennern *und* Frauen fuer eine solche radikale Loesung zu haben waere. – Sabine MOehler

Der große Unterschied – steckt dahinter ein System? JA!
Liebe, sehr geehrte Frauen, liebe DIE-ZEIT-Leserinnen, Sie machen da einen riesengroßen Fehler: Sie verwechseln Ursache und Wirkung, so etwas dürfte heute nicht mehr passieren, schade. Kümmert sich unsere Politik um unsere Schwangeren? Nein, die entstehenden Kosten übernimmt nicht der Staat, nein, sie wurden den Arbeitgebern aufgebrummt. Unser Staat, also unseren Politikern ist ihre persönliche Besoldung halt wichtiger als deutsche Schwangere, dämliche überflüssige Behörden, Stuttgart 21, und der Berliner Flughafen sind wichtiger. Die Kosten, die eine Schwangere verursacht, übernimmt heute der Arbeitgeber, wobei dieser Schwachsinn als sozialer Fortschritt verbreitet wird, grauslich, und keiner merkt etwas, die betroffenen Schwangeren leider nicht, noch grauslicher. Und während sich unsere Politiker über die dummen Wählerinnen kaputtlachen, kämpfen betroffene Frauen mit ihrem Arbeitgeber, auf verlorenem Posten: der Sinn einer Firma ist es preiswerte Dinge zu produzieren oder preiswerte Dienstleistung zu erbringen, auch wird der CEO nach Firmenprofit bezahlt, da sind Schwangere Kosten, die es zu vermeiden gilt. Erst recht wenn es der Firma nicht mehr so profitabel geht. Und der Konkurrenzkampf mit den Mitbewerbern entscheidet sich daran, wer das optimalste Produkt vermarktet und die wenigsten Schwangeren auf der Kostenseite hat. Das Worst-Case-Szenario ist: wenn mehrere Angestellte schwanger werden, dann droht der Konkurs. Ein guter CEO blickt voraus, hat die zukünftige Wirtschaftslage im Blick, heute ist der Konjunkturabschwung bereits sichtbar: also die Kosten konsolidieren wenn machbar, also alle Schwangere raus aus der Firma. Verstanden?

Einen Kurpfuscher nennt man einen Arzt, der an den Symptomen herumdoktert und nicht die Ursache sieht, was macht die Politik: das Allgemeine Gleichstellungsgesetz ist das herumdoktern an Symptomen, seit der Einführung dieses Gesetzes sind Firmenkosten, die Schwangere verursachen um nichts zurückgegangen, um gar nichts, ganz im Gegenteil: die Bürokratiekosten der Personalführung sind happig gestiegen, und für was das Ganze? Für nichts. Liebe Frauen, das Allgemeine Gleichstellungsgesetz hat 0,01% der Beschäftigten etwas geholfen, Tendenz: sinkend, aber 99,99% der Beschäftigten nur geschadet: die Personalabteilungen haben juristisch gewaltig aufgerüstet, ein Arbeitsgerichtsprozess heute: vergeblich. Aber: die gewaltigen Bürokratiekosten schultern doch alle Arbeitnehmer, klar, heute bei Vollbeschäftigung ist so etwas machbar, aber der nächste Konjunkturabschwung ist bereis sichtbar: dann Wehe, wehe, wehe.

Heute, nach Einführung dieses Gesetzes erhält ein Jobsuchender keinen Grund genannt, der zu seiner Ablehnung führte, schade, ein Beispiel: ein Nordafrikaner frankiert hundert Bewerbungsmappen und erhält alle hundert kommentarlos zurück, die Firmen dürfen in ihren Inseraten nicht schreiben: keine Nordafrikaner, aber da es Firmen gibt die auch Nordafrikaner einstellen, dürfen die auch nicht schreiben: auch Nordafrikaner, und unser Nordafrikaner sitzt zwischen den Stühlen und verplempert frustriert sein Porto. Da haben doch Alle verloren, und dieser Schwachsinn von Gesetz wird als soziale Wohltat beworben. Grauslich. Dringen abraten kann ich allen Personen, einen Arbeitsgerichtsprozess zu diesem Thema anzuzetteln: zur juristischen Aufrüstung der Personalabteilungen gehört auch die deutschlandweit vernetzte Minderleisterdatenbank, in der man dann unweigerlich auftaucht, und darauf alle Jobbewerbungen kommentarlos zurückerhält, sofern sie überhaupt zurückgeschickt werden. Merke: Sie brauchen einen Arbeitgeber, ein Arbeitgeber braucht Sie nicht unbedingt. Verstanden? Liebe Frauen, liebe Schwangere, hört auf, auf den Arbeitgebern rumzuhacken, die Arbeitgeber sind nicht schuld an der Misere. Unsere großen Parteien erleben gerade einen Mitgliederschwund, die einst stolze SPD dümpelt mit ihren lumpigen xyz% der Wähler nur so dahin, da liegen die Nerven blank. Geht an die Öffentlichkeit: die Kosten einer Schwangerschaft sind Kosten der Öffentlichkeit, also des Staates, der Steuerzahler. Wenn Ihr Arbeitgeber vom Finanzamt eine angemessenen Ausgleich für jede eingestellte Schwangere erhält, können sich alle Schwangere vor Jobangeboten nur so retten. Slang: https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t
https://de.wikipedia.org/wiki/Chief_Executive_OfficerUlrich Bosshammer

Ich habe mich schon nach den ersten Zeilen über Ihren Artikel geärgert. Haben die erwähnten Kleinkinder der diskriminierten Mutter vielleicht zufällig auch einen Vater, der im Betrieb seine Kinderkrankentage einfordert? Das Beispiel Waldorfkindergarten ist besonders abstrus. Die wirtschaftliche Situation eines Kleinstbetriebs verkraftet so manches nicht – genau so wie Schulen, die als frauenlastige Betriebe die familien- oder sollte ich besser schreiben: väterunfreundlichen Arbeitszeiten anderer Arbeitgeber permanent ausbaden. Ein Drittel Frauen an der Spitze – die Lösung? Das glauben Sie doch nicht im Ernst, das führt schon Ihr Waldorf-Beispiel ad absurdum. Entscheidungen fallen durchaus rational – in Betrieben wie in Familien. Die Kulturbaustelle ist nicht die Diskriminierung von Frauen, sondern der Statusverlust von Männern, die sich ernsthaft in die Kinderbetreuung einklinken. Frauen haben die besseren Abschlüsse , und ihre biographischen Möglichkeiten sind ausgereizt. Ihr Artikel strotz von Konservatismus und rationalitätsfreier Moral, triefenden Einzelschicksalen (ist ja Mode im Journalismus geworden), und fasst das Thema von der falschen Seite an. Mit 64 habe ich einfach keine Lust mehr auf solche “Dämlichkeiten”. – Dr. Martina Rummel


 

Leserbriefe zu „Sie kämpft für Freiheit – Sie kämpft für Regeln“ von Marc Brost et al. und zu „Liebesgrüße aus dem Silicon Valley“ von Jaron Lanier

Neutralität von Wikipedia ?
Ein „zentrales Grundprinzip der WIKIPEDIA ist die Neutralität“ (Wikipedia: Grundprinzipien). Hiergegen wurde klar verstoßen, als die deutschsprachige Wikipedia aus Protest gegen die Artikel 11 und 13 der geplanten EU-Urheberrechtsreform den gesamten 21. März abgeschaltet wurde. Grundlage für die weitreichende Entscheidung „der Autoren der Wikipedia“ war ein „Meinungsbild“, an dem 233 angemeldete Benutzer (von den über 200.000 angemeldeten Benutzern der deutschsprachigen Wikipedia) teilgenommen und sich 139 Aktivisten für die komplette Abschaltung entschieden haben. Ein wesentliches Ziel der EU-Urheberrechtsreform ist es, für ein faires Gleichgewicht zwischen den Rechten und Interessen von Urhebern und anderen Rechteinhabern auf der einen und denen der Nutzer auf der anderen Seite zu sorgen. Mit ihrem Protest wollen die „freien Autoren“, die nicht von ihren Beiträgen leben wollen oder müssen, – auf Kosten der Autoren, die von den Honoraren für ihre Werke leben wollen oder müssen, – für ein freies Internet kämpfen, was ganz im Sinne der Netz-Giganten ist.

Auch das Schlagwort von den „wohl notwendigen“ und in der Richtlinie nicht genannten „Upload-Filtern“ überrascht, wenn man berücksichtigt, dass YouTube – zur Vermeidung von Urheberrechtsklagen – mindestens seit 2010 ein System Content ID benutzt, das von Urheberrechtsinhabern verwendet werden kann, um ihre Werke auf YouTube „im Handumdrehen zu identifizieren und zu verwalten“. Wenn sich dies bei den Urheberrechtsinhabern noch mehr herumspricht und die Provider mit der Reform gezwungen werden, die unautorisierte Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Inhalte zu verhindern, ist zu erwarten, dass es rasch verbesserte und preiswertere Systeme geben wird, um die urheberrechtlich geschützten Inhalte auf der Grundlage von Verfahren der Musterkennung, der Künstlichen Intelligenz od. dgl. zu erkennen. – Jürgen Betten

Ich bin enttäuscht. Da muss ich so ehrlich sein, ich habe viel Vertrauen verloren. Die Zeit war für mich immer eine Zeitung, die fundiert und sachlich über Themen berichtet. Von vielen Seiten ein Thema beleuchtet, eine gute Grundlage bildet, um sich eine Meinung über ein Thema zu bilden oder seine Meinung zu überdenken. Der Umgang mit der Thematik „Urheberrechtsreform“ lässt mich allerdings and dieser Ansicht zweifeln. Ein Gastbeitrag von Jaron Lanier, ein offensichtlich großer Befürworter dieser Reform“, der hetzerischer fast gar nicht sein könnte und sich fast nahtlos einreiht in den teils skandalösen Umgang mit der immer größer werdenden Menge an Reform-Gegnern. Aber manchmal ist ein derart kritischer Beitrag, auch in der überzogenen Version ja ein Denkanstoß in einer Debatte, ein neuer Gedanke. Hätte man hier wenigstens eine Möglichkeit gegeben, eine Debatte zu eröffnen. Aber nein, auf einen Gastbeitrag eines Befürworters hat man verzichtet und ich bin mir sicher, hier hätte es genug gegeben, die dazu bereit gewesen wären. Gerade diese Art des Umgangs der Zeit mit Themen, zwei Extreme Positionen sprechen zu lassen, mochte ich immer. Ich erinnere da an die beiden Artikeln zum „Gendern in der deutschen Sprache“.

Der Artikel über die beiden Politikerinnen sollte ja zumindest ein Versuch sein, beide Seite zu Wort kommen zu lassen. Allerdings hört man relativ schnell heraus, welche Seite die Autoren bevorzugen. So werden nicht bestätigte Fakten einfach übernommen oder falsch wiedergegeben, was nicht dafür spricht, dass man sich mit der anderen Seit intensiv auseinandergesetzt hat. Verstehen Sie mich nicht falsch, es geht mir hier nicht darum, dass das Ergebnis ist, die Urheberrechtsreform ist eine gute Sache, sondern es geht um die Art und Weise, wie mit der Debatte umgegangen wird. Man wird einfach das Gefühl nicht los, die Printzeitungen sind in dieser Thematik nicht so neutral, wie sie es sein sollten. Dem Leser wird breit vermittelt, dass viele nennenswerte Gegner gekauft seien, während fast in einem Nebenabsatz erwähnt wird, dass auch viel Lobbyarbeit betrieben wird. Allerdings muss ich dennoch sagen, dass im Vergleich zu Anderen (FAZ) wenigstens auf die Gegenseite, hier in Person von Julia Reda, eingegangen worden ist. Ich hatte mir gewünscht, dass wenigstens die Zeit in dieser Debatte so arbeitet, wie ich es gewohnt bin, nachdem bereits die FAZ jede Seriosität aufgegeben hat und klar gemacht hat, dass sie hinter der Reform sehen und die zumeist jungen Gegner ins Lächerliche gezogen haben. Ob das wohl mit Artikel 11 zusammen hängt…
PS: Nein, ich bin kein Bot und wurde auch nicht gekauft. Ich bilde mir meine Meinung auch nicht, indem ich mir Youtube-Videos anschaue, in denen das Ende von Youtube propagiert wird. Ich bin einfach ein 20-jähriger Student, der eigentlich immer gerne die Zeit gelesen hat, jetzt aber so seine Zweifel hat, wie neutral und sachlich die Zeit wirklich ist. Ich bin gespannt, wie weiterhin mit dieser Debatte umgegangen wird. – Raffael Becker

Auch geistiges und kulturelles Eigentum verpflichtet. Den Schöpfenden, dieses Eigentum mit der Gesellschaft zu teilen und die Gesellschaft, den Schöpfenden für seine Arbeit angemessen zu entlohnen. Jedem Netzwerker und User muss spätestens mit der alerten Diskussion um die EU-Urheberrechtsreform die erhebliche Bedeutung der sich stellenden Problematik und der damit einhergehende Verantwortung, die Meinungs- freiheit zum einen und die Rechte Dritter zum anderen zu wahren, klar geworden sein Das Austarieren marktwirtschaftlicher Kräfteverhältnisse in der digitalen Welt ist und bleibt also eine gesamt- gesellschaftlich überaus wichtige, rechtlich und demokratisch höchst anspruchsvolle Aufgabe. Nicht zuletzt in Zeiten zunehmender Macht und Meinungsdominanz der Internetkonzerne, Fake News und sachlicher Leere. – Ira Bartsch

Reichlich spät! Endlich kommt er, der ausführliche Artikel zur Urheberrechtsreform der EU :“Sie kämpft für Freiheit – sie kämpft für Regeln“ . Insgesamt halte ich diesen für gut und relativ ausgewogen. Falsch ist aber die Bemerkung, das „das Thema seit einigen Wochen in die Öffentlichkeit drängt“ und vorher ein Nischenthema war. Jeder, der mit Jugendlichen zu tun hat, z.B. als Politiklehrer, wurde seit Monaten mit fast keinem anderen Thema konfrontiert! Selbst „Fridays for future“ fiel dahinter zurück. In der „Zeit“, von mir seit langem geschätzt, fiel das Thema faktisch aus. Ein frühzeitiger und ausgewogener Bericht hätte es nicht nur dem Lehrer im Unterricht leichter gemacht. Im Hinblick auf die Zukunft unsrer Demokratie müssen wir alle schneller und kompetenter auf Anliegen von Jugendlichen reagieren! Eine Woche vor der entscheidenden Abstimmung kam dies nun reichlich spät! – Stefan Stegbauer


 

Leserbriefe zu „Sie kämpft für Freiheit – Sie kämpft für Regeln“ von Marc Brost et al.

Der Artikel fing insgesamt vielversprechend an, vor allem, wenn man im Hinterkopf behält, dass die EU-Urheberrechtsreform sehr stark die Interessen von Die Zeit und der dahintersteckenden Medienhäuser tangiert. Wo war eigentlich die Offenlegung dieses möglichen Interessenkonflikts? Immerhin stürzen sich die Autoren auf jedes noch so kleine Indiz einer möglichen äußeren Beeinflussung auf Seiten der Gegner.
1. Wenn man bedenkt wie schwer die Lobbyschlacht geschlagen wird, im speziellen durch den Springerverlag auf Seiten der Befürworter, ist die Übernahme von Reisekosten eine legitime Unterstützung von Menschen, die nicht für Lobbying bezahlt werden.
2. Wenn Parlamentarier E-Mail-Aktionen als übergriffig empfinden, muss man wohl zu Kommunikationsmitteln greifen, die direkter sind. Ein Brief oder ein Telefonat sind doch eine wunderbare Art, seine Meinung zu äußern, aber die Autoren sehen diese als verdächtig an. Sollten sich die Parlamentarier nicht freuen, wenn jemand direkt mit ihnen in Dialog treten will?
3. Vielleicht sollten die Autoren auch erwähnen, wofür Mozilla steht: Vor allem für den Webbrowser Firefox und das Geld wird als Gegenleistung für Google als Standardsuchmaschine in selbigem gezahlt. Soll ich Der Zeit unterstellen, dass sie nicht mehr vernünftig über die Zustände in der Schuhindustrie berichten kann, weil auf der Seite des Artikels für den Schuhhersteller „Tod’s“ geworben wird?
4. Die Kronzeugin Yvonne Hofstetter ist meiner Meinung ungeeignet für diese Rolle. Ihre Fachrichtung ist Jura und ihr Technologieunternehmen ist wohl in der Liquidation, der Erfolg gibt ihr hier nicht recht. Die große Mehrheit der Experten bezweifelt, dass Uploadfilter gut funktionieren werden, da die Trefferquote zu schlecht sein wird, die Autoren behaupten zwar das Gegenteil aber ohne ein Argument.
5. Die Gegner sprechen sich zumeist gegen zwei Artikel der neuen Richtlinie aus, aber erkennen an, dass der restliche Inhalt richtig und nötig ist, selbst Julia Reda sieht das so.
Alles in allem enttäuscht der Artikel speziell in der zweiten Hälfte sehr stark. – Christian Faulhammer

Zwei Seiten Artikel, sechs Redakteure, und doch so viele Dinge, die sie völlig übersehen haben und zu denen Sie kein einziges Wort verlieren: Du liebe ZEIT, Qualitätsjournalismus geht anders. Statt den Argumenten der an der Diskussion beteiligten Parteien nachzuspüren, versuchen Sie mit der Brechstange, die Personen und Organisationen in ein schlechtes Licht zu rücken. Seltsamerweise aber einseitig, und zwar ausschließlich bei den Gegnern von Artikel 13. Kann das Zufall sein, daß gerade die letzte Ausgabe vor der Abstimmung im EU-Parlament so tendenziös ist? Ulrich Kelber war zwar Staatssekretär, aber bis zu seinem Ausscheiden (mittlerweise schon ein ganzes Jahr her) war sich die Koalition noch einig, Uploadfilter abzulehnen. Das haben Sie wohl übersehen, und halten seine jetzige Warnung für „kurios“. Was er selbst zu diesem Kuriosum sagt schreiben Sie nicht – haben Sie ihn etwa nicht dazu befragt? EDRi (war das die Autokorrektur, die die Organisation nicht kennt und daraus dann „Edri“ macht?) kriegt 21.000 Euro: das ist so wenig, daß es kaum der Rede Wert ist. Die Mozilla Foundation arbeitet übrigens hart daran, das Werbegeschäft im Internet zu ruinieren, was nicht ganz in Googles Interesse ist. Die kriegen zwar viel Geld von Google (dafür, daß Google beim Firefox-Browser die voreingestellte Suchmaschine ist), sind aber ganz offensichtlich nicht Googles Agenten. Auch EDRi nicht. Hätte man sich nur ein wenig Mühe gegeben, hätte man das schon anhand der Artikel auf deren Website sehen können (Pro-Tipp: im Suchfeld auf edri.org einfach mal „Google“ eingeben) Doch dazu in der ZEIT: kein Wort. Zu den entsprechenden Lobby-Geldern auf Seiten der pro-Artikel13-Agenten: kein Wort.

Die Reisekostenerstattung für Aktivisten ermöglicht der Zivilgesellschaft überhaupt erst die Teilnahme an der Meinungsbildung der Abgeordneten. Die werden sonst nämlich nur von den Lobbyisten mit der fetten Kriegskasse intensiv befönt. Der ZEIT scheint die Zivilgesellschaft vergleichsweise unangenehm zu sein. Das hat auch Tradition, im Bereich der digitalen Bürgerrechte war die ZEIT schon immer eher unterbelichtet. Bei Ihnen wird ja sogar noch Zensursula verteidigt! Zur Erinnerung: was sie damals vorhatte, wäre schon in Gesetzesform auf triviale Weise verfassungswidrig gewesen. Ein Eingriff in Grundrechte hat nämlich gewisse Anforderungen: er muß wirksam sein (wären die Blockaden nicht gewesen), und es darf keine vergleichbare Maßnahme mit geringerem Grundrechtseingriff geben (gab es: Löschen statt Sperren). Allein für diesen handwerklichen Murks hätte man sie sofort entlassen sollen. Doch das reichte ihr noch nicht: sie hat sogar von den Providern verlangt, daß sie blockieren sollen, noch bevor es überhaupt ein Gesetz gab, denn für ein Gesetz war die Zeit bis zu den Wahlen zu knapp. Da musste ausgerechnet die Telekom, als einziger der beteiligten Provider, Frau von der Leyen darauf hinweisen, daß das so nicht funktioniert, denn ohne ein entsprechendes Gesetz würden sie sich wegen Eingriffen in die Telekommunikation strafbar machen. Während des Wahlkampfs simulierte Dringlichkeit, nach dem Wahlkampf Schnee von gestern. Doch die ZEIT: immer voll auf Ministeriumslinie. Die Kritiker hätten Frau von der Leyen damals „niedergemacht“ schreiben Sie. Aber dazu, daß Frau von der Leyen elementare Verfassungsgrundsätze niedermachen wollte: kein Wort. Dazu, daß „Löschen statt Sperren“ seit Jahren wirksamer ist und auch grenzüberschreitend hervorragend funktioniert: kein Wort. Die Piraten mögen ihren Zenit überschritten haben, aber hat die CDU das nicht auch? Die Piraten haben es aber geschafft, eine engagierte Frau mit Sachverstand ins Parlament zu entsenden. Das haben die übrigen Parteien nicht hingekriegt.

Zum eklatanten Sachkenntnisvorsprung von Frau Reda gegenüber Frau Trüpel oder Axel Voss: kein Wort. Von Helga Trüpel sind bislang keine qualifizierten Äußerungen zum Thema überliefert, auch in diesem ZEIT-Artikel nicht. Sie lässt sich von ihrem Gesangslehrer übers Urheberrecht aufklären. Wenn das ihr qualifiziertester Berater ist, wundert man sich über nichts mehr. Axel Voss: obwohl er der Berichterstatter ist, und wenigstens im Lauf seiner Arbeit etwas über das Thema hätte lernen sollen, schliddert er von einer Peinlichkeit in die nächste und redet sich um Kopf und Kragen („Zeitungsartikel darf man bei Facebook hochladen“). Man hat leider keinen Rechtsanspruch auf begabte Parlamentarier. Daß sich die Befürchtungen der digitalen Bürgerrechtler bei vielen Regelungen der vergangenden Jahre (noch?) nicht alle erfüllt haben, wird von Ihnen breitgetreten. Aber folgt daraus denn, daß die Befürchtungen nicht doch noch eintreffen können? Diese Gesetze selbst enthalten da keinerlei Schutzmaßnahmen. „Et is noch immer joot jejange“ passt als Motto denn auch besser zum Karneval als zu Gesetzen wider die Meinungsfreiheit. Zur Differenz zwischen behauptetem Effekt der EU-Richtlinie („nur die Großen“) und den tatsächlichen, sehr vagen Formulierungen mit in der Folge breiter Streuwirkung im vorliegenden Text: kein Wort. Ja, die Vokabel „Uploadfilter“ ist in der letzten Version gestrichen, aber implizit sind sie immer noch gefordert. Dazu, daß das wahrheitswidrig geleugnet wurde, auch von Axel Voss selbst: kein Wort. Dazu, daß er das kurz vor Schluß doch noch eingeräumt hat: kein Wort. Und schließlich darf als Kronzeugin wieder die unvermeidliche Frau Hofstetter auftreten. Sie könnte mit Upload-Filtern ein gutes Geschäft machen. Doch zu ihren geschäftlichen Eigeninteressen in dem Bereich: kein Wort. Wenn sie glaubt, bessere Filter zu machen als Facebook und Google, kann sie denen gerne ihre Dienste anbieten. Hilfe könnten die durchaus gebrauchen: die Videos vom Christchurch-Massaker zu filtern war wohl irgendwie nicht ganz leicht (siehe ZEIT-Dossier in der gleichen Ausgabe), obwohl doch alles nur minimal voneinander abweichende Varianten von ein und derselben Aufnahme waren. Wenn sie dann bitte auch noch nebenbei das viel schwierigere Problem lösen könnte, Satire, Kontext und Kunstfreiheit algorithmisch zu ermitteln? Wenn sie das alles nur genauso gut oder genauso schlecht hinkriegt wie Google und Facebook, dann ist noch keinem geholfen, außer vielleicht Frau Hofstetters Umsätzen. Gleiche Ausgabe, anderer Artikel, zum gleichen Thema, der Hauptartikel im Feuilleton: da darf ein berühmter Name (ein Datenhandschuh scheint ihn zugleich für die Themen Datenschutz und Urheberrecht zu qualifizieren) die Artikel-13-Gegner diffamieren, daß sich die Balken biegen. Herr Lanier hat noch nicht einmal den Unterschied zwischen Piratenpartei und The Pirate Bay begriffen (kennt denn die Redaktion den Unterschied?). Aber eine mühsame Begegnung mit Fakten mutet man dem Feuilleton-Publikum wohl lieber nicht zu. Sicherlich auch dies nur ein bedauerlicher Zufall, daß dieser inhaltsleere Tiefpunkt ausgerechnet in der letzten ZEIT-Ausgabe vor der Abstimmung im EU-Parlament erscheint. Mangelhafte Recherche und schlecht versteckte Parteilichkeit: das sollte bei der ZEIT eigentlich nicht vorkommen, wenn sie für sich reklamiert, Qualitätsjournalismus zu betreiben. – Matthias Ferdinand


 

Leserbriefe zu „Liebesgrüße aus dem Silicon Valley“ von Jaron Lanier

es scheint tatsächlich möglich zu sein, weltweit filtersysteme zu bestimmen, um urheberrechte zu schützen. es scheint, als ob dies ein herzensanliegen von politikern ist auf internationaler ebene. in der selben ausgabe liest man, es sei kaum möglich, „massenmord auf livestream“ zu filtern, zu stoppen. seit vielen jahren liest und hört man, es sei nicht möglich, gewalt im internet zu stoppen, sexuelle gewalt, kinderpornographie, nazi-hetzereien und dergleichen. unsere politiker haben genug zeit, um sich um urheberrechte zu kümmern, aber sie haben keine zeit und finden keine einigkeit, die klimakatastrophe anzugehen, für friedliche lösungen in der welt zu sorgen. es scheint, als ob genug geld fleißen kann, um auf politischer ebene geld und macht (urheberrechte…) zu schützen und zu mehren, aber es scheint kein geld zu fließen, um menschenrechte zu schützen. bei allen debatten um „unsere werte“, hier zeigt sich, was in der welt tatsächlich „wert“ ist und wer die art der werte bezahlt und wer auf deren gehaltslisten steht. – elke grözinger

Ich war sehr enttäuscht als ich den Artikel gelesen habe. Ich bin 20 Jahre alt und verfolge die Debatte um die neue Urheberrechtsreform schon seit einiger Zeit und mir ist schon vor ein paar Wochen aufgefallen wie sehr es beiden Parteien ein persönliches Anliegen scheint allen zu zeigen, dass sie recht haben. Es wird versucht die Gegenseite weniger durch Argumente als vielmehr durch Vorwürfe des Lobbyismus, der Instrumentalisierung durch große Konzerne oder der Unkenntnis über die Funktionsweise des Internets zu entkräften. In diese unsachliche und unproduktive Diskussionskultur stellen Sie nun einen Artikel, der genau diese Form aufgreift. Statt verschiedene Politiker, Interessensverbände oder Professoren zu Wort kommen zu lassen um Ihre Leser über die Thematik und Problematik aufzuklären, die jeden Internetnutzer betrifft, springen Sie auf den Zug der Verunsachlichung auf.

Hier werden die Aktivisten gegen die Reform schon als naiv bezeichnet und damit entmündigt. Der Autor muss sich garnicht mit deren Argumenten außeinandersetzen, da diese wegen ihrer Gutgläubigkeit nicht ernst genommen werden können: „Manchmal reißen wir Witze darüber“. Dass zu diesen „Kids“, die sich gegen die Reform aussprechen, auch Anwälte, Professoren, IT Experten, Webseitenbetreiber von z.B. Wikipedia, eine große Menge an Urhebern aller Art und sogar Abgeordnete der CDU gehören wird nämlich einfach übergangen. Stattdessen wird vorallem die Piratenpartei genannt, eine Partei deren Programm sich gut dafür eignet anderen Leuten, die sich gegen die Reform aussprechen, zu unterstellen, sie seien gegen die faire Bezahlung von Kreativen und den Schutz ihrer Werke. Dass dem nicht so ist zeigt sich eindeutig u.a. daran, das der #yestocopyright von „Artikel 11,12 und 13 – Gegnern“ für ihre Aktionen genauso genutzt wird wie von Befürwortern. Darüber dass es eine Reform geben muss herrscht zwischen beiden Seiten Einigkeit! Worum es bei der Diskussion wirklich geht oder gehen sollte ist die konkrete Umsetzung. Denn wenn schon ein Vertreter der Vereinigten Nationen öffentlich bekannt gibt, dass die EU-Urheberrechtsreform eine Gefahr für die allgemeine Meinungsfreiheit darstellt, ist es wirklich nicht mehr daran deren Gegner als naiv abzutun. – Mathis Siebert

Wo finde ich denn die englische Originalversion dieses Artikels? – Wolfgang Schindler


 

Leserbriefe zu „Man schützt das Klima am besten, indem man kinderlos bleibt, 58,6 Tonnen CO2 pro Jahr lassen sich so einsparen, heißt es. So ein Unsinn!“ von Gregor Walter-Drop

Eine wissenschaftlich fundierte Antwort. Das Buch und der Öffentlichkeitsdrang von Verena Brunschweiger sollten auf den eigentlichen Kern reduziert werden: Provokation als Marketinginstrument. Es ist schon bizarr und zynisch, die Ökologie gegen Kinder in Stellung zu bringen. Obendrein auch noch denkgesetzlich absurd, da bei einer schrumpfenden Bevölkerung wie der hiesigen Nachwuchs kein ( zusätzliches ) Ökoproblem hervorrufen kann. Jenseits aller wissenschaftlichen Implikationen: Zu Ende gedacht bleiben ohne Kinder am Ende die Alten, und dann? Wer mag wohl das Licht ausknipsen? Das Buch mE eine hedonistisch inspirierte Verirrung einer Lehrerin, die es wohl auf kinderfreie Klassen abgesehen hat, damit endlich ( Grabes- ) Ruhe einkehrt. – Christoph Schönberger

Kinderlos bleiben,um das Klima zu schützen ? Das glaubt selbst Greta nicht, denn wo soll denn dann der Nachwuchs herkommen für ihre Schulsxhwänzereien.Strikt befolgt würde diese These den Planet entvölkern, und in der Tat:Problem gelöst.Ohne Menschen kein Klimatrouble mehr. Tja Greta, nun kannst Du wählen. – Hans-Emil Schuster

Der Artikel zeigt (erneut), dass Menschen das glauben, was sie gerne glauben möchten. Die wichtige und hilfreiche Erwiderung von Herrn Walter-Drop weist auch auf weitere Schwächen der Umweltdebatte hin, die immer noch vorrangig als persönliche Verzichtsdebatte geführt wird: Menschen sollen doch bitte das richtige Bewusstsein entwickeln und Maß halten. Das vernachlässigt, dass individuell eingesparte Rohstoffe an anderer Stelle begeistert verbraucht werden (Reboundeffekte), teilweise von den gleichen Menschen, Bewusstsein hin oder her. Wer Rohstoffverbräuche und Emissionen senken will, kommt um eine gesamtgesellschaftlich organisierte (institutionelle) Deckelung nicht umhin. Viel effektiver als eine CO2-Steuer wäre dafür ein Lizenzhandel für die Ausgangsstoffe des Verbrauchs, also Rohöl, Kohle, Stahl, Kupfer usw. Ein solcher Lizenzhandel würde den Menschen über Preisgestaltung die Freiheit lassen zu entscheiden, wo sie sich zurückhalten, und doch die Einhaltung einer gesamtgesellschaftlichen Verbrauchsobergrenze sicherstellen. Eine CO2-Steuer hingegen deckelt nicht die Menge und setzt willkürlich einen Preis. Das kann ein Markt für Mengenlizenzen besser. – Andreas Siemoneit

In Ihrem Artikel bezeichnen Sie die Logik, durch die bewusste Entscheidung, kein Kind zu zeugen, einen Beitrag zum Klimawandel zu leisten, als Unsinn. Ich folge Ihrer Kritik an der Schätzung der 58,6 t CO2-Einsparung pro nicht geborenen Kind. Die Höhe des Wertes ist wohl sicherlich angreifbar. Meines Erachtens ist jedoch die Höhe der Einsparung nicht entscheidend für Sinn oder Unsinn der Argumentation. Der Klimawandel wurde durch die CO2-Emissionen der auf der Welt lebenden Menschen verursacht – und jeder zusätzlich auf diese Welt geborene Mensch verursacht derzeit mehr CO2. In einem Industrieland wie Deutschland im Übrigen derzeit noch mehr als in einem Entwicklungsland. Dass vielleicht in Zukunft die Emission pro Kopf sinken wird, bedeutet vielleicht, dass in Zukunft unser Planet mehr Menschen beherbergen kann. Derzeit bedeutet jedoch noch jeder zusätzliche Mensch auf dieser Welt zusätzliches CO2, und jede Tonne zusätzliches CO2 ist derzeit zu viel.

Im zweiten Teil Ihres Artikels argumentieren Sie, wir würden in Deutschland aufgrund des demografischen Effektes ökonomische und soziale Probleme bekommen. Das mag ja sein – deshalb ist die Logik, ein neu geborener Mensch sei für mehr CO2 auf dieser Welt verantwortlich, doch noch immer kein Unsinn. Es handelt sich bei Ihrer Argumentation schlicht um die weit verbreitete Meinung, dass Klimaschutz nur in Einklang mit wirtschaftlichen und sozialen Interessen funktionieren kann. Auch ich möchte das gerne glauben, doch bislang haben immer wirtschaftliche Interessen gesiegt. Vielleicht sollten wir auch über eine Umverteilung der auf dieser Welt geborenen Kinder sprechen – die Adoption oder Migration von elternlosen Kindern aus Entwicklungsländern nach Deutschland könnte das demografische Problem doch vermindern, hier hätten Sie nur ggf. einen negativen Effekt, dass ein Kind, welches in Deutschland aufwächst, mehr CO2 verursacht, als ein Kind in den Hungerzonen Afrikas. – Matthias Matt

Endlich …
geht’s in einer Regensburger Schule richtig fundamentalistisch zu. Und angesichts der genialen Philosophie der Philosophin Brunschweiger (Fachgebiet Fanatismus) werden sich ihre Erkenntnisse rasch europaweit verbreiten und die Welt retten. Die (Zitat)„unreflektierte pronatalistische Bevölkerungspolitik“ (Stichwort Kindergeld) muss endlich ins Gegenteil verkehrt werden! Schließlich – und das hat die Philosophin messerscharf erkannt – ist ein Kind „das Schlimmste, was man der Umwelt antun kann“. Denn (Zitat) „jedes nicht in die Welt gesetzte Kind bedeutet eine CO2-Einsparung von 50 Tonnen im Jahr“ – ein Vielfaches der Umweltverpestung eines Autos! Logisch, Kinder sind die denkbar größten Luftverpester und schuld am Weltuntergang. Man sollte sie durch Autos ersetzen. Überhaupt muss die Bevölkerung der westlichen Industrieländer möglichst schnell verschwinden, jedes westliche Kind ist eins zu viel! (Orban lässt grüßen.) Der deutschstämmige Nachwuchs (ohne Migrantenkinder) mit 1,1 Kindern pro Frau (!) wuchert viel zu stark und trägt lediglich dazu bei, unseren Nachwuchs in jeder Generation zu halbieren – viel zu langsam für die Weltrettung! Die Jugend der nordafrikanischen Länder (7 Kinder pro Frau) muss ja schließlich auch irgendwo hin. Zudem hätte der Totalverzicht auf Kinder dank der heldenhaften „kinderfreien Rebellinnen“ weitere kolossale Vorteile:

  • Wenn die Kinder verschwunden sind, brauchen sie auch nicht mehr teuer ausgebildet zu werden. Somit gäbe es bald auch keine Facharbeiter, Ingenieure, Ärzte oder Lehrer mehr, die ja auch alle ständig(!) CO2 ausatmen, sodass
  • endlich die den „Planeten maßlos ausbeutende“ Industrie abwandern würde.
  • Wir könnten also das ökologisch höchst schädliche Konsumieren und das CO2 produzierende Schnaufen einstellen und das Ganze noch beschleunigen, indem wir uns selbst abschafften. (Möglicherweise hat Frau Brunschweiger aus ökologischem Pflichtgefühl schon damit angefangen.)
  • Renten, Pensionen oder Buchtantiemen wären überflüssig.
  • Für völlig Uneinsichtige: Sie könnten sich im Alter endlich selbst versorgen und pflegen. (Produkte, Medikamente und Lebensmittel würden wie Manna vom Himmel fallen.)
  • „Eine vernünftige Genderpolitik ist mit der Vorstellung, dass Frauen Kinder bekommen, nicht vereinbar!“ (Zitat)
  • Alle Frauen könnten endlich „kinderfrei“ leben, (= die wahre Freiheit!). Sie wären voll emanzipiert und des „Mutterkults“ ledig!
  • Zumindest beim Nachwuchs wäre die geschlechtsspezifische Ungleichbehandlung und die ewige Sexualisierung voll eliminiert!
  • Wir Lehrer müssten uns mit den Flegeln nicht mehr rumärgern und könnten uns selbst abschaffen.

Frau Brunschweiger ist Gymnasiallehrerin!! Bisher war ich als Ex-Lehrer der altmodischen Meinung, eine unabdingbare Voraussetzung für jeden guten Lehrer – abgesehen von Fachkompetenz – sollte sein, dass er Kinder mag. Die Thesen dieser Frau aber haben mich überzeugt, dass man besonders erfolgreich mit Kindern arbeiten kann, wenn man die bloße Existenz jedes einzelnen Kindes für eine ökologische Katastrophe hält und sich bewusst ist, dass Kinder eigentlich gar nicht da sein sollten! Sie sollte den unverantwortlichen Eltern endlich klarmachen, dass „hinter ihrem Kinderwunsch oft egoistische und narzisstische Motive“ stecken. (Zitat) Und sicher ist sie stocksauer auf ihre eigenen Eltern, weil diese sie , ungefragt und verantwortungslos, einfach in die Welt gesetzt, in egoistischer aufgezogen und ihr Bildung aufgezwungen haben.
PS: Ihr neuestes Werk scheint mir nobelpreisverdächtig zu sein, und zwar bzgl. Literatur und Philosophie.Bernhard Schweiger

Sie haben im Detail und bezüglich Deutschlands bzw. Europas und hinsichtlich der wissenschaftlichen Mängel sicherlich recht, denn in Deutschland gibt es sowieso einen Bevölkerungsrückgang und das Versagen beim Klimaschutz gründet im übermäßigen Konsum von Energie, Mobilität, Fleisch, Wohnraum, Kleidung usw. sowie in der mangelhaften Vermeidung von Kohlenstoffdioxid, Methan, Lachgas etc. Aber hinsichtlich Afrikas und Asiens hat Frau Brunschweiger durchaus im Prinzip recht, wie Sie selbst ziemlich am Ende des Artikels einräumen: Das Bevölkerungswachstum in Afrika und Asien ist viel zu hoch und dort wäre ein Verzicht auf viele Kinder wirklich sinnvoll. – Dr. Ulrich Willmes

Sich an der Zahl 58,6 festzubeissen finde ich weing hilfreich. Dass mehr Menschen mehr verbrauchen als weniger Menschen ist doch klar. Interessant ist doch ein Punkt, den Sie nur kurz streifen: Bevölkerungswachstum in Afrika und Teilen Asiens. Das sind spannende Konflikte zwischen Ethik und rationaler Weltökologie und es spielt auch noch ein Stück Nach-Kolonialismus mit hinein, wenn aus entwickelten Ländern Tips nach Afrika zur Geburtenkontrolle gegeben werden. Ich selbst habe mich mit dem Thema auseinandergesetzt und unterstütze die Stiftung Weltbevölkerung dsw.org, die Aufklärung betreibt um ungewollte Schwangerschaften zu reduzieren. – Christian Voss

Wie der Autor dieses Artikels halte auch ich die 58,6 Tonnen CO-2 -Einsparung pro Jahr und Kind, wenn nicht für Unsinn, so doch für stark übertrieben. Nach meiner in der Silvesternacht 2018 begonnenen Langzeitstudie beträgt die jährliche Einsparung tatsächlich nur 42,85 Tonnen.
Für die Berechnung habe ich mich eines vom soziologischen Institut der Universität Eriwan entwickelten Simulationsmodells bedient. Diese Methode zeichnet sich durch völligen Verzicht auf mathematisch-naturwissenschaftliche Grundlagen aus und ist damit Zeitgeist-konform. Allerdings suchen mich zunehmend Zweifel an der Sinnhaftigkeit meiner wissenschaftlichen Tätigkeit heim. Ich beginne mich zu fragen, für wen ich denn das Klima retten soll, wenn es zukünftig auf der Welt keine Kinder mehr gibt. Aber möglicherweise überleben ja die Bienen, Kaulquappen, Hufeisenfledermäuse etc. Hat denen nicht Karin Göring-Eckardt nach den gescheiterten Jamaika-Sondierungen zugerufen, sie könnten sich auch weiterhin auf die Grünen verlassen? Verlassen auch darauf, daß wir ihnen am Ende aller Tage eine zwar unbewohnte, dafür aber schadstofffreie Welt übergeben. – Ernst-Peter Hoffmann

Ich finde es rührend, dass Sie sich mit dem Unsinn der CO2-Belastungen durch Kinder beschäftigen. Nur ganz kurz: Keine Kinder, keine Menschheit, kein CO2-Problem. Warum propagiert eigentlich niemand Zyankali für alle, um das Umweltproblem zu lösen? Wenn eine Lehrerin sich den Ast absägt, auf dem sie sitzt, macht das wirklich Sinn. Da sieht man aber auch wieder, dass Lehrer entgegen der eigenen Einschätzung offenbar massenhaft Zeit haben, um viele Seiten mit Blödsinn zu füllen. Und es spricht nicht unbedingt für die Medienlandschaft, wenn die solchen Unsinn dankbar aufgreift und wieder viele Seiten füllt, damit sich das blödsinnige Buch der Lehrerin auch möglichst gut verkauft. Ich dachte, die Zeiten seien so unruhig? Wie kann man sich da ernsthaft mit solchem Blödsinn befassen? – Dr. David Wolff

Da ich mich massgeblich aus ökologischen Gründen entschieden habe, kinderlos zu bleiben, interessiert mich schon, wie viel es ausmacht, z.B. bezüglich CO₂. Dass es kaum 58,6 Tonnen pro Jahr ausmacht glaube ich schon, aber wie viel tatsächlich, je nach verschiedenen Annahmen? Könnten Sie eine Tabelle oder eine Ihrer tollen Grafiken dazu machen? – Theo Schmidt

Konkrete Zahlenwerte hin oder her – das Problem liegt meiner Meinung nach ganz woanders. Wollen wir wirklich die Existenz der Nachkommen auf die CO2-Bilanz ihrer Eltern anrechnen? Wenn man diese Argumentation einmal weiterdenkt: Warum sollten wir nicht auch unsere eigene Existenz mit einrechnen? Die logische Konsequenz müsste dann der Aufruf zum kollektiven Suizid sein. Jeder Mensch weniger wäre schließlich ein Segen für das Klima. Klingt absurd? Finde ich auch. – Christiane Plociennik

Die Kritik von Herrn Walter-Drop scheint mir am Kern des Problems vorbeizugehen. Selbstverständlich muss man mehr oder weniger willkürliche Annahmen machen, wenn man den individuellen CO2-Ausstoß eines einzelnen Menschen berechnen will. Es geht aber doch nicht um die Genauigkeit dieser Berechnung, so wenig, wie es vor fünfzig Jahren in der berühmten Studie des Club of Rome darum ging zu berechnen, wann genau welcher Rohstoff erschöpft sein würde. Es geht vielmehr darum zu zeigen, dass kein anderer Parameter so gravierende ökologische Auswirkungen hat, wie die Bevölkerungsdichte. Meiner Ansicht nach sollten wir uns klarmachen, dass das nicht nur für Länder der Dritten Welt mit starkem Bevölkerungswachstum gilt, sondern eben auch für Länder mit einem extremen ökologischen Fußabdruck – uns! Dass wir Nachhaltigkeit bei einer Bevölkerungsdichte von 230 Einwohnern/km2 erreichen können, erscheint mir völlig illusorisch. Natürlich führt ein allzu drastischer Bevölkerungsrückgang zu sozialen Problemen und selbstverständlich kann niemand eine kinderfeindliche Gesellschaft wünschen oder gar eine staatliche Anti-Kind-Politik. Es wäre aber schon viel gewonnen, wenn wir den demographischen Wandel nicht mehr nur als Problem, sondern vor allem als Chance für kommende Generationen sehen würden. – Dr. Friedrich Buck

„Wenn auf ein Kind verzichtet wird, dann erspart dies der Atmosphäre 58,6 Tonnen CO2 pro Jahr.“ Selbstverständlich ist diese Aussage falsch aber trotzdem kein „Unsinn“! Diese Aussage ist wahrscheinlich als eine Art Stolperstein gedacht und damit als eine Aufforderung, sie selber auf ihren Wahrheitsgehalt hin nachzurechnen. Das dafür nötige Zahlenmaterial findet sich leicht im Internet. Weiter werden die Grundrechenarten und ein wenig Prozentrechnung benötigt. Verständnis für exponentielles Wachstum ist nicht notwendig, aber hilfreich. Fasst man das Nachrechnen als eine „Fermiaufgabe“ auf und bildet dafür Modelle bezogen auf verschiedene Volkswirtschaften und Lebensgewohnheiten, dann ergeben sich für den Verzicht aufs Kind und damit auch auf Enkelkinder Einsparungen von CO2, die deutlich unter dem genannten Wert aber auch deutlich höher liegen können als die genannten 58 ,6 Tonnen, z.B. in den USA. Wie oben schon gesagt, ist diese Aussage nicht allgemein gültig, kann aber im konkreten Einzelfall wahr sein. Die Beschäftigung mit der in die Welt gesetzten Größe „58,6 Tonnen CO2“ zeigt uns sehr deutlich, vor welcher gewaltigen Herausforderung wir Menschen stehen, wenn wir als Art überleben wollen. Wachstum jeglicher Art stößt auf unserer begrenzten Erde auf natürliche Grenzen; ist uns das wirklich bewusst? – Wolf Lübcke

Ein Artikel, erfrischend und aufbauend in einer Welt voller dummer Wichtigtuer. Die Art wissenschaftliche Arbeiten im Schneeballsystem zu kreieren, zu veröffentlichen und zu verwenden haben wir vor 60 Jahren in meiner Kindheit gespielt und uns köstlich über die Resultate amüsiert. Wir nannten es Stille Post. Allein in der BRD werden, Stand 2011, jährlich rd. 20.000 Dissertationen gefertigt nach ca. 4 Jr. höchstem persönlichen Aufwand. Weltweit könnte es das 30-fache sein. Es ist absehbar, dass da viel Schrott dabei ist, weniger wert als das Papier auf dem es steht. Wie Sie selbst erklären sind die Motive eine Dissertation zu schreiben eher Eitelkeiten denn wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn. Wir werden heute mit einer Informationsflut zugemüllt und haben keine Zeit und Muße mehr darüber nachzudenken. Schade ist das, aber leider kaum zu ändern. Persönlich helfen kann da eine Infodiät oder -Fastenkur. Derweil unsere Intelligenz in Eitelkeiten schwelgt und unsere Obrigkeit weiterhin nicht viel anderes tut, wird die Natur es selbst richten und unseren CO2-Fußabdruck auf Null setzen. Den Weg dahin zu ermitteln wäre sicher das Papier einiger Dissertationen wert. – Hans-J. Giller

Frau Verena Brunschweiger könnte ihr achtenswertes Engagement zur co2 Reduzierung auf eine vernachlässigte Institution lenken, die weltweit der „nachhaltigste“ Produzent von Schadstoffen für das Klima ist: der militärisch industrielle Komplex. Es ist dieser von Männern geführten, globalen Berufgruppe bisher gelungen, bei der Suche nach den Ursachen der Klimakatastrophe nicht genannt zu werden. Seit uralter Zeit wenden die Militärs das Gesetz der Vergeltung an. Wir wissen aus schmerzlichen Erfahrungen, dass dieses Gesetz heillos versagt hat. Und wir müssen die verheerenden Auswirkungen endlich stoppen. – Dr.med Dipl. Theol. Ludwig Brüggemann

Solange man alle vernünftigen Argumente zerredet, um unser nicht nachhaltiges Wirtschaftssystem zu verteidigen, kann sich Greta Thunberg zu Tode demonstrieren, ohne das Geringste zu bewirken. Diesen kurzsichtigen und einseitigen Artikel hätte sich DIE ZEIT wirklich sparen können! Ich warte auf eine Kompensation! –Karola Messner

Der Autor wirft den Medien und Wissenschaftlern Ungenauigkeit vor und argumentiert dann an vielen Stellen in seinem Artikel ähnlich unpräzise. Ein Beispiel: In Punkt vier seiner Argumentation behauptet der Autor, die Pro-Kopf-Emissionen in Schweden sind deutlich niedriger als die der USA – und deshalb könne man von Schweden lernen und zuversichtlich sein, dass auch die USA wie andere Länder diese Zahlen erreichen. Dabei begeht der Autor den Fehler, nur die in Schweden bzw. den USA ausgestoßenen CO2-Werte zu berücksichtigen. Im- und Export wird einfach vernachlässigt. CO2-intensive Industrieprodukte importiert Schweden pro Kopf deutlich mehr als die USA und auch der Konsumstandard ist höher. Hinzu vermarktet Schweden seinen fast CO2-neutralen Wasserkraftstrom ins Ausland, der für den niedrigen Pro-Kopf-Wert zum großen Teil verantwortlich ist, und bezieht im Gegenzug ausländischen Kohlestrom. So liegt Schweden bei dem im Inland ausgestoßenen CO2-Wert-Pro-Kopf zwar bei niedrigen rund vier Tonnen (und die USA liegen bei rund 15 Tonnen). Doch wenn das oben genannte Konsumprinzip zu Grunde gelegt wird, dann klettert Schwedens Wert auf 23 Tonnen und der der USA auf gut 27 Tonnen. Von einem deutlich niedrigeren Wert, kann jetzt also nicht mehr die Rede sein. Das Argument, ein Land hat es schon geschafft, klimavernünftig zu leben, ist hinfällig. Wie so viele andere in diesem Artikel. – Dipl.-Ing. Achim Michael Hasenberg

Zunehmend fallen mir Artikel in der Zeit unangenehm auf, wie :“Man schützt das Klima am besten …“. Wer redigiert solche Artikel? Und was ist die Botschaft? Wir können eh nichts ändern, also einfach weiter so? Unglaublich die Akribie, mit der sich der Autor an dieser (für mich fiktiven) Zahl abarbeitet, gefühlt taucht sie oder Kohlendioxid in jedem zweiten Satz auf. Auf drängende Fragen, ob Klimawandel oder gerade aktuell Stickoxide, finden sich offenbar immer sogenannte Experten, die alles relativieren. Die Begrenzung des Bevölkerungswachstums und mittel- bis langfristig eine Abnahme der Weltbevölkerung wird essenziell für das Überleben auf diesem Planeten sein. Für diese wissenschaftliche natürlich hanebüchene Hypothese braucht man meiner Meinung nach nicht Experte zu sein, da reicht einfacher Menschenverstand. Wenn die Welt erneuerbare Ressourcen nach nicht mal zwei Dritteln des Jahres verbraucht (wir in Deutschland übrigens schon nach vier Monaten), dann sollte man alles tun, was diese Missverhältnis wieder ändert. Da würde ich mir von der Zeit mehr zu wünschen. – M.Pfeiffer


 

Leserbriefe zu „Keiner will Lücke sein“ von Angelika Klüssendorf

Meine eigenen Erfahrungen zu diesem Artikel: Als Raucher kann ich die Nichtrauchenzone in den U-Bahnhöfen der BVG betreten, ohne Ärger zu riskieren – als Rauchender bliebe mir dies verwehrt. Solange mich Bus und Bahn zu Spielenplatz und Schwimmenbad bringen, soll mir das recht sein. Immerhin vermeide ich so, auf den Straßen Berlins den toten Radfahrenden zu begegnen, vor denen mich die Verkehrslenkung auf großen Schildern eindringlich warnt. Diese kleinen und absurden Alltagsbetrachtungen nur als Beispiel dafür, wie wichtig es ist, bei allem Bemühen um sprachliche Gleichberechtigung den Bogen nicht zu überspannen. Und wenn Schrifterstellende die sprachliche Vergewaltigung anprangern, dann sollten wir das ernst nehmen – egal, ob wir gerade Sprechende, Schweigende oder Lesende sind. – Severin Höhmann

Denken Sie jetzt nicht an einen rosaroten Elefanten.
Und sofort haben wir ein Bild im Kopf. Genauso verhält es sich mit anderen sprachlichen Bildern – der Arzt und die Krankenschwester sind ein Beispiel, oder sind Ihnen die Ärztin und der Krankenbruder ebenso geläufig? Wir sehen, dass unsere Sprache sowohl Realität abbildet als auch Wirklichkeit gestaltet. Unsere Sprache wandelt sich wie wir Menschen uns wandeln. Der einfache Weg ist in beiderlei Hinsicht nicht immer der beste. Auch wenn so manche gendersensible Formulierung zunächst umständlich wirkt und wir sicherlich noch einen holprigen Weg vor uns haben, wird es sich lohnen. Gendersensible Sprache mag nicht immer einfach sein, doch sie ist ein unverzichtbares Puzzleteil auf unserem Weg zu einer gleichberechtigten Gesellschaft. – Sabine Härtl

Natürlich bin ich auch gegen diese seelenlosen technischen Sprachkonstruktionen von Gender-Stern(chen) und Binnen-I und ich lehne es entschieden ab, einen Sprachkurs bei Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch zur Vervollkommnung des gendersensiblen „stimmlosen glottalen Verschlusslauts“ (schade, dass Loriot nicht mehr lebt!) zu absolvieren. Der Aufruf der verehrten Monika Maron u. a. ist sicher gut gemeint, aber leider sehr schlecht begründet, die paar aufgeführten Beispiele sind dürftig und werden niemand zu einer Verhaltensänderung bewegen. Die Ausführungen von Angelika Klüssendorf betreffen zum Teil ein anderes Thema (Verfälschung historischer Gegebenheiten der Literatur) – hier stimme ich ihr zu. Das eine ernstzunehmende Schriftstellerin (wie auch ihr männliches Pendant) in ihren (seinen) Büchern alle sprachbeleidigenden Formulierungen und grammatischen Fehlleistungen vermeidet, halte ich für selbstverständlich (der Aufruf richtet sich auch nicht an Schriftsteller!). Und sonst? „… ein sterbender Studierender stirbt beim Studieren, ein sterbender Student kann auch im Schlaf oder sonst wo sterben.“ Die Autorin beklagt die Verschwendung von „Millionen unserer Steuergelder“ durch die Verwendung des Begriffs „Studierende“. Wie meint sie das? Bei vernünftiger Betrachtung möchte man glauben, dass der ganze unselige „Krieg der Sterne“ usw. durch die rechtliche Anerkennung des dritten Geschlechts ein abruptes „alternativloses“ Ende findet. Oder? – Ludwig Engstler-Barocco

Ihr Autor Angelika Klüssendorf muß damit leben. Ich habe mich nach Singapur aufgemacht. Deutschland ist nur noch etwas für hartgesottene Bürger*innen. Wer noch einigermaßen bei gesunden Menschenverstand ist, kann die Verblödung nur noch im Tiefschlaf ertragen. Der Verstand der Autorin ist eine Ausnahmeerscheinung in Deutschland. – Gunter Knauer

Das ein Artikel, der so herablassend auf respektvolle Sprache schaut wie der von Angelika Klüssendorf neben einem Antirassistischen Artikel, eigentlich dass so etwas überhaupt abgedruckt wird, finde ich extrem uncool. Zum einen was die Sprache von Astrid Lindgren und Co. angeht. Es kann schon sein, dass diese Begriffe damals nicht negativ konnotiert waren. Das macht sie aber nicht weniger rassistisch. Der Gedanke hinter der Neubenennung ist, Rassismus nicht zu reproduzieren und Worte wie das N – Wort nicht in den gängigen Sprachgebrauch aufzunehmen, sowie durch „Zensierungen“ wie N – Wort klar zu machen, dass es ein Wort ist, das man nicht benutzen sollte. Was gegenderte Sprache angeht, geht es darum Gedankenwelten zu schaffen. Stellen sie sich mal einen Handwerker vor. Wer hat da eine Frau vor Augen? Wenn es aber Handerwerker*in heißt, wird klar gemacht, dass diese Person jedes gender haben kann. Veränderung fängt immer im Kopf an. Man muss Frauen, Inter-, Trans- und nichtbinäre Personen im Sprachgebrauch sichtbar machen. Es tut nicht weh zu gendern. Aber es tut weh nicht angesprochen zu werden. Vor allem wenn das von einer anderen Frau kommt. Wenn eine Person sich verletzt von etwas fühlt, sollte das Grund genug sein, etwas zu ändern. – Ein/e Leser/in

Warum äußert sich Frau Klüssendorf zu allem möglichen, vermeidet es aber, sich zum Thema zu erklären: Wieso ist geschlechtergerechte Sprache aus ihrer Sicht denn nun überflüssig? – Moritz Both

Ich kann Frau Klüssendorf gar nicht genug für ihren Mut, sich öffentlich gegen die „Vergenderung“ unserer Sprache zu positionieren, danken. Hoffentlich fiel der allfällige Shitstorm moderat oder sogar ganz aus, vielleicht weil die Apologeten der gendergerechten Schreibweise sich schon ihres Sieges gewiss sind. In meinem Beruf, der Wissenschaft, ist das jedenfalls so und beim stetigen Kampf um Geld und Stellen, wagt es natürlich niemand, sich öffentlich so zu positionieren wie Frau Klüssendorf (und ihre immerhin 50000 Mitstreiter). Gerade durfte ich an zentraler Position an der Verfassung eines 400-seitigen Forschungsantrags mitwirken, wobei schon das gendergerechte Schreiben eine Qual war und das Lesen dieses Unfugs (ich meine nicht den Inhalt!) kaum leichter fallen dürfte. Ich sage es nur zur Sicherheit: ich bin kein reaktionärer Typ, für den ein Klaps auf den Hintern schon ok ist. Ich finde es auch nicht gut, dass Frauen häufig weniger Geld verdienen als Männer. Aber was bitte schön hilft uns bei all diesen Problemen die Zerstörung unserer Sprache? – Ein/e Leser/in

Nach der Lektüre des Artikels von Angelika Klüssendorf habe ich sofort die Petition des Vereins Deutsche Sprache gegen das gendergerechte Neusprech unterzeichnet. Ich schreibe für eine regionale Zeitung, die das Gendersternchen zum Glück noch nicht verlangt. Trotzdem vermeide ich manche Formulierungen und schreibe beispielsweise „Bürgerinnen und Bürger“ oder „Zuhörerinnen und Zuhörer“, ein Zugeständnis an die Political Correctness, das sich noch einigermaßen mit meinem Sprachgefühl vereinbaren lässt. Die zunehmende Ideologisierung der Sprache wirkt sich also bereits auf mein Schreiben und Denken aus. – Dr. Sabine Brandenburg-Frank

Dieser Essay hat mir aus dem Herzen gesprochen ! Natürlich beeinflusst Sprache das Denken. Aber Worte und Begriffe, die in der Vergangenheit zum allgemeinen Sprachgebrauch gehörten, zu „verdammen“, indem sie als „politisch nicht (mehr) korrekt“ stigmatisiert werden, ist eine für mich nicht akzeptable Vorgehensweise. Insbesondere, da m.W. keine Instanz die Berechtigung von der deutschen Gesellschaft zugesprochen bekommen hat, welche Worte und Begriffe, ob gender-bezogen oder mit – aus der Vergangenheit begründet – „negativem“ oder „falschem“ Zungenschlag aktuell als nicht mehr opportun aufgefasst werden. Die *innen- oder /in- „Kultur“ und die damit einhergehende Unaussprechlichkeit und Schwer-Lesbarkeit bringt keinen erkennbaren Nutzen, genausowenig, wie die Euphemisierung des „stark Pigmentierten“, des „Wohnungssuchenden“ Obdachlosen usw. Man sollte erwarten können, dass sich der gesunde Menschenverstand an Begriffen der Vergangenheit nicht plötzlich verletzt. Ebenso sollte man erwarten können, dass Sprache sprechbar bleibt und nicht persönliche Befindlichkeiten, insbesondere für die offenbar inzwischen bedeutsamen verschiedensten, einer Inklusion zu unterziehenden, Geschlechtervarianten die ständige Veränderung unserer lebenden deutschen Sprache steuern. Die Rechtschreib“reformen“ blieben mangels Akzeptanz und erkennbarer Sinnfälligkeit auf halbem Weg stecken. Ähnliches wird auch mit den Gentrifizierung der Begriffe passieren. Niemandem ist doch damit gedient, vor jeden Artikel einen Satz wie „die Verwendung des männlichen, weiblichen oder sonstigen Begriffs schließt auch die entsprechenden Personengruppen der jeweils anderen Geschlechter mit ein“ oder „der nachfolgende Text kann Spuren von politischer In-Correctness enthalten“ zu setzen. Was machen wir denn beispielsweise mit den Begriffen „Der Löffel, Die Gabel, Das Messer“, um sie gendertauglich zu neutralisieren ? – Dr.-Ing. Wolfgang Ißler

Es ist wirklich zum aus-der-Haut-fahren! Wie lange kann man eigentlich noch ein Problem daraus machen, ein paar Worte mehr zu sagen oder zu schreiben? Ist es wirklich so anstrengend in einem Satz dafür zu sorgen, dass er und sie sich angesprochen fühlen? Jetzt braucht es da eine Petition? In Wirklichkeit ist das Ganze kein Problem, sondern mit ein bisschen Respekt schnell und einfach gelöst. Ich unterrichte. Drei bis vier mal pro Woche sehe ich eine neue Gruppe an Menschen. Ich heiße alle herzlich willkommen und bitte alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich bei Fragen zu melden. Bei Aufgaben bitte ich darum, dass er und sie sich angesprochen fühlen. Ich spüre keinerlei Zeitverlust und freue mich über erstaunte Gesichter, die mir versichern, dass gendern auf diese Art und Weise unaufgeregt und angenehm ist. Also endlich mal halblang mit der Aufregung. Frau Klüssendorf soll weiter ihre Bücher schreiben, wie sie will. Und der Verein für deutsche Sprache wird sich damit abfinden müssen, dass Sprache ein Prozess ist und sich permanent in Wandlung befindet. Das Gender-Thema ist alt. Sprechen wir einfach alle an, sind wir höflich und respektvoll in unserer Anrede! Machen statt nörgeln wäre hier endlich angebracht! – Johanna Rosenleitner

Dem wundervollen Beitrag von Frau Angelika Klüssendorf ist nichts hinzuzufügen! Außer einem herzlichen Dankeschön für die klar formulierten Ausführungen sprachlicher Irrungen und Verwirrungen und dem Mut, sich gegen den Mainstream zu stellen. DANKE!!! – Hanne Bollwin

In der ZEIT führen Sie aus, warum Sie die Petition „Schluss mit dem Gender-Unfug“ unterschrieben haben. Ich teile Ihre Sorge, dass rückwirkende Sprach- und Literaturkorrekturen die Gefahr des Geschichtsverlustes bergen. Literatur bedient sich der Kunstfreiheit, insofern darf sie alles. Und Sie haben Recht: Die Anpassung einer diskriminierenden und abwertenden, männerdominierten Sprache (die uns seit Jahrhunderten Begleitet) an heutige soziale und gesellschaftliche Dynamik bedarf der Auseinandersetzung, es geht um Inhalte und nicht allein um die äußere Form. Aber da endet dann auch mein Verständnis. Da beginnen die inhaltlichen Schwächen: Obdachlose sind natürlich nicht automatisch als „Wohnungssuchende“ bezeichnet, wie Sie unterstellen – in der Fachsprache sind sie ohne festen Wohnsitz, nichtsesshaft, wohnungslos. Ihr Beispiel beruht auf Ihrer Unkenntnis der Sprache. Jeder Mensch soll sich „bei Sprache gemeint fühlen“ – was heißt denn das? Durch Sprache, Ansprache, ja. In der Sprache, okay. Aber „bei Sprache“? Diesen Ausdruck gibt es nicht. Allenfalls gedeckt durch Kunstfreiheit… Und was bedeutet es überhaupt, dass sich jeder gemeint fühlen soll? Wer persönliche Kenntnis davon hat, in welche Nöte Transmänner und -frauen auf gegenderten Autobahntoiletten geraten, um nur ein gängiges Alltagsbeispiel zu nehmen, der wird nicht so vollmundig raten, wenn sie hungrig seien, sollten sie doch Kuchen essen. Eine grundlegende Unkenntnis der Transszene beweist auch ihr Vorwurf, gegen die kosmetische Umoperation von Kindern protestiere niemand, alles drehe sich immer nur um Gender. Fragen Sie mal nach bei der queeren Beratungsstelle Ihres Vertrauens, es gibt sie mittlerweile an vielen Orten, wie weit verbreitet dort die ohnmächtige Wut darüber ist, dass die Gender-Selbstbestimmung immer noch so mit Füßen getreten wird. Die Missachtung basaler Kinderrechte im Namen einer bürgerlichen Geschlechter-Fixierung ist unerträglich. Und natürlich hat Herr Stefanowitsch keine Stimmlippenakrobatik „angeordnet“, um Genderdifferenzierung in der gesprochenen Sprache zu verdeutlichen, sondern er hat eine mittlerweile weit verbreitete Praxis beschrieben – er hat einen Vorschlag gemacht. Dass Sie das in die Vorurteils-Kiste stopfen, progressive Kreise könnten immer nur mit Vorschriften agieren, spricht nicht für Ihre Differenzierungsfähigkeit.

So viele Fehler, so viel Unsinn und so viel irrationale Verwirrung legen die Vermutung nahe, dass es auch bei Ihnen (wie bei so vielen Protagonisten der antiqueeren Ideologie vor allem rechtsaußen, Ihrem rechtspopulistischen Mitunterzeichner Peter Hahne beispielsweise) um andere, affektive Hintergründe geht. Das macht mir Sorgen, weil diese unterschwelligen Ressentiments unberechenbar sind. Irgendwie passt Ihnen die ganze Richtung nicht, scheint es. Und weil man so das nicht gut schreiben kann, stricken Sie krause Geschichten. Oder machen Sie sich wirklich so viele Gedanken darüber, wie viele Steuergelder für gendergerechte Sprache ausgegeben werden? Haben Sie sich auch Gedanken darüber gemacht, wie viel Leid und Elend seit Jahrhunderten durch die in männerdominierter Sprache symbolisierte Ungleichheit entstanden ist? Welchen Wechselkurs schlagen Sie vor, damit die Summe der investierten Steuermittel mit dem Leid in der Balance bleibt? Am Ende wollen Sie den Verfechtern einer flexiblen und humanistisch ausgerichteten Gender-Gerechtigkeit auch noch in die Schuhe schieben wollen, sie seien dafür verantwortlich, dass an den Universitäten Lobbyangelegenheiten und Partikularinteressen um sich greifen. Das hat Ihnen Ihr Mann erzählt. Sicher ist Machtpolitik im Haifischbecken Universität schon immer im Mittelpunkt gewesen. Kein Thema ist davor gefeit, in diesen Machtkämpfen missbraucht zu werden. Spricht das gegen eine nicht-autoritäre, demokratische Sprachentwicklung? Natürlich nicht. Sie aber fühlen sich aufgerufen, Ihre krude Mischung aus Halbwahrheiten und Vorurteilen öffentlich auszubreiten. Die Gesellschaft aber entwickelt sich weiter, ob es Ihnen passt oder nicht. – Ingo Engelmann

Es fällt schwer, wenn einem parolenhafte Geschosse wie die der Pertition „Schluss mit dem Gender-Unfug“, die ich seit ihrer Veröffentlichung verfolge, entgegenkommen, nicht ähnlich flapsig zurückzuschießen. Allein, dass ich dafür eine Metapher des Waffenkampfes verwende, lässt mich erschrecken vor der Wirkung der Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit dieses Vorhabens. Ich nehme einen Schluck Kaffee, lehne mich zurück, lasse eine Lücke entstehen zwischen Angelika Klüssendorfs Rechtfertigung und meiner Wut über die undifferenzierte Betrachtung der Debatte um gendergerechte Sprache und stelle in dieser Lücke den Verusch an zu verstehen, was mich an diesem Text so stört. In der Debatte um geschlechtergerechte Sprache geht es nicht darum, dem Literarischen Vorschriften zu machen. Im Gegenteil: Lassen Sie Ihren Raucher bitte einen Raucher bleiben, Frau Klüssendorf! Ist doch das Magische an literarischen Texten, dass ich mich angesprochen fühlen kann ohne angesprochen zu werden. Weil ich an das Erzählte andocken kann, mich darin wiedererkenne, daran reibe, darin spiegle. In dem was dieser Raucher tut, denkt, sagt, kann ich ihm nah sein, obwohl uns mindestens zwei Dinge unterscheiden: Ich rauche nicht und ich bin eine Frau. Frau Klüssendrofs Rechfertigung ist ein Rundumschlag und dadurch undifferenziert und willkürlich in seinen Zusammenhängen. Da wird die Verschwendung von Steuergeldern für den „Gender-Unfug“ angeprangert und nebenbei in besserwisserischem Ton erklärt, dass wir mit dem Begriff Studierende einer grammatischen Fehlleistung anheim gefallen sind. Wie so oft wird hier an einer Oberfläche argumentiert, in deren Tiefen sich die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen der Petition vermutlich nicht wagen wollen. Denn dort müsste ein Dialog und keine gegenseitige Hetze stattfinden. Ich möchte nicht mitgemeint werden soll, liebe Frau Klüssendorf. Ich möchte gemeint sein. Ich möchte angesprochen sein als das, als was ich mich identifiziere. Ich möchte ja auch nicht Praktikantin sein, wenn ich freie Mitarbeiterin bin, ich möchte nicht Schülerin genannt werden, wenn ich studiere. Nun habe ich das Glück, dass für mich als cis Frau, die Sprache es (meist) einfach zulässt mich voll anzusprechen. Beim Dazwischen ist es schwieriger und deshalb wil ich weiter mit der Lücke experimentieren, um sie nicht einfach zu übergehen. In meiner Vorstellung ist die Debatte um gendergerchte Sprache kein Kampf der Ideologien sowohl von Seiten der Befürworter*innen als auch der Gegner*innen, sondern ein gemeinsamer Versuch, die deutsche Sprache in ihrer Form- und Wandelbarkeit zu erforschen, kritisch zu hinterfragen, zu reflektieren, auf ihre Pratikabilität hin zu überprüfen. Denn Sprache ist auch, liebe Frau Klüssendorf, Material, mit dem wir die Welt gestalten. Als Autorin sollte Ihnen das aber bekannt sein. – Corinna Huber


 

Leserbriefe zu „Taktik und Therapie“ von Matthias Geis

Vorsichtig tastend versucht Matthias Geist herauszufinden, ob es Frau Kramp-Karrenbauer gelingt, sich von Frau Merkel abzusetzen und wenn ja, ob sie überzeugt. Vielleicht hilft zum besseren Verständnis ihrer Rollen ein Vergleich: Die Kanzlerin war in ihren besten Zeiten eine Modehändlerin, die marktgängige Textilien fast kostenlos erwarb, die fremden Labels gegen ihr eigenes (A&M) austauschte und sie als Unikate mit Gewinn verkaufte – Umtausch ausgeschlossen. Frau Kramp-Karrenbauer ist die Änderungsschneiderin, die diese Kleidung verschönert, verändert, verkleinert, vergrößert, also anpasst. Nun sind Händler und Handwerker nicht nur ehrenwerte Berufe; ohne sie würde unsere Wirtschaft nicht funktionieren. Aber, wo sind die Modeschöpfer, die über den Tag hinausblicken, wo die kreativen Designer, die Angebote für „die Zeit danach“ entwerfen? Mit Händlern und Handwerkern allein ist kein Staat zu machen. – Johannes Kettlack

Die „Zeit“ sorgt immer wieder dafür, daß die Ideologien gleichmäßig zu Wort kommen. Bei der AfD macht sie eine Ausnahme. Ausgerechnet bei einer Partei, die als wirkliche Opposition angesehen werden kann. Mit der immer wieder eingeschworenen Demokratie scheint es auch bei der „Zeit“ nicht weit her zu sein. Jetzt hat man Annegret Kramp-Karrenbauer ausgesucht als sie zur Vorsitzenden ihrer Partei gewählt worden ist, die genau das machen möchte, was in der CDU verloren gegangen ist. Sie möchte ihre Partei wieder mehr ein konservatives Gesicht geben. Wer das Buch „Die Diktatur der Dummen“ von Professor Brigitte Witzer gelesen hat, wird nicht umhin kommen, die Umerziehung der Bürger durch die Linken als ein dramatisches Unglück zu bezeichnen. Erst wenn Fehler als Fehler, Irrungen als Irrungen und Tatsachen als Tatsachen gewürdigt werden, erfüllt die Geschichtsschreibung ihre Aufgabe. So habe ich das gelernt. Ihr Autor scheint nicht davon begeistert zu sein. Er sollte zur Kenntnis nehmen: Die öffentliche Sicherheit, Recht und Ordnung kann nur noch bedingt garantiert werden.

Manche gehen davon aus, daß das alles auch vorsätzlich geschah. Ich halte unsere Demokratie ohnehin nur als eine Attrappe. Die funktioniert nämlich nur, wenn alle in dieselbe Richtung laufen. Sobald die Richtung nach rechts geht, wird gnadenlos zu geschlagen. Die Linken Zeitgenossen haben auf der ganzen Strecke, die sie gelaufen sind, nur Fehler über Fehler produziert. Das ist doch nun wirklich nicht mehr zu leugnen. Die Österreicher machen uns das vor, wie man Politik gestaltet. Davon sind wir noch weit entfernt. Die Armut wie bei uns suchen sie in Österreich vergeblich. Also Freunde, bleiben sie schön auf dem Boden und akzeptieren sie, das Irren auch eine menschliche Seite hat. Bedenken sie auch, sie wird es in circa 20 Jahren nicht mehr geben. Die Printmedien sind dann nur noch eine Randerscheinung. Ich kann ihnen aber auch versichern; ich bleibe ihnen als Leser erhalten – wenn ich dann noch lebe. Die 5,-€ wären ihnen sicher….. – Gunter Knauer

Der Autor fragt, ob die CDU als dominierende Kraft nicht die Partei sein müsste, die hinsichtlich Klimaschutz/Ökologie für einen breiten gesellschaftlichen Bewusstseinswandel sorgt. Bitte nicht! Äußerungen wie: „Einschränkungen müssen Maß und Mitte haben“ (AKK) oder die Wunschvorstellungen Altmaiers von einer Klimapolitik ohne Wohlstandseinbußen spiegeln doch die Philosophie der gescheiterten, ökonomiedominierte Klimapolitik der Vergangenheit wieder. Die Gesetzmäßigkeiten der Erde orientieren sich nicht an Wunsch- und Anspruchsvorstellungen der Menschen. Der Bewusstseinswandel muss eine neue Balance zwischen diesen Gesetzmäßigkeiten und der menschlichen Freiheit finden. Es gibt keine Anzeichen die darauf hinweisen, dass entsprechende Impulse von der CDU (der Politik?) zu erwarten sind. – Peter Vollmer

Gute Stimmung zu verbreiten ist Parteintern von AKK die richtige Wahl. Noch ist Angela Merkel Bundeskanzlerin und bis dahin ist die Welt da draußen rauh und ungemütlich. Die EU Wahl am 26. Mai ist eine Reifeprüfung für die Demokratie in Europa. Sicherheit der Aussengrenze und die Umwelt und die Klimaschutzziele haben einen symbolischen Wert. Die E Mobilität wird von China angeführt, nicht von Daimler und Co. Die CDU Marktwirtschaft Philosophie ist verhaftet in der Zeit von Ludwig Erhardt.Wir leben schon länger im Digitalen Zeitalter. Die 5 G Technologie beherrschen Huawei und Amerika das Internet. Wo bleibt die moderne Wirtschaftspolitik der CDU? Ein Friedrich Merz im Wartestand hilft der CDU nicht weiter Der konjunkturelle Abschwung steht vor der Tür und die Schuldenbremse ein echtes Hindernis für die Lösung der Wohnungsnot in den Kommunen und Städten. Der Föderalismus sorgt nicht für eine umfassende Finanzielle Ausstattung zur Herstellung gleicher Lebensverhältnisse in Ost und West ,Stadt und Land Die CDU blockiert sich selbst und bleibt was sie ist die Partei der treuen Wähler aus der Zeit von Adenauer und Ludwig Erhardt. – Thomas Bartsch-Hauschild

Ihr Hr. Geis verharmlost die Geisteshaltung von AKK: Ihre Sprüche zum dritten Geschlecht seien nur ein Witz im Karneval gewesen. Wie mögen sich die Betroffenen wohl gefühlt haben? Auch verniedlicht er, dass die Parteivorsitzende der CDU , die immerhin Bundeskanzlerin werden will, sexuelle Minderheiten seit jeher verunglimpft. Sie lehnt auch die gleichgeschlechtliche Ehe ab, da dann bald auch Inzucht und Vielweiberei (und Sodomie?) erlaubt seien. Geht es noch rückwärtsgewandter? Dann doch lieber einen strammen Kapitalisten wie Merz an der Spitze. Fazit: Die CDU hatte die Wahl zwischen drei Kandidaten und hat eine Niete gezogen. – Jürgen Neunaber

In Ihrem Artikel nennen Sie rund ein Dutzend Mal Frau Kramp-Karrenbauer mit der, die Namens- und Persönlichkeitsrechte verletzenden Abkürzung „AKK“, einmal sogar in der, in meinen Augen noch verwerflicheren Genitiv-Form „AKKs“. Was würden wohl die Herren Giovanni di Lorenzo oder Moritz Müller-Wirth oder Hanns-Bruno Kammertöns sagen, wenn sie sich in einem Ihrer Artikel, sehr geehrter Herr MG, als „GdL“ oder „MMW“ oder „HBK“ wiederfänden? Was also erlaubt Ihnen, sehr geehrter Herr Matthias Geis, die Verballhornung des Namens einer Person in politisch wichtiger Funktion mit internationaler Ausstrahlung in einem seriösen Textbeitrag auf eine Weise zu verwenden, die allenfalls zum Stil der BILD-Zeitung passt? Ich jedenfalls finde es empörend und bitte alle Journalisten, künftig aus Respekt vor Annegret Kramp-Karrenbauer auf diese Art der Nennung zu verzichten. – Dr. Mechtild Hobl-Friedrich

Ich empfehle Frau AKK dringend, sich möglichst schnell mit dem Klima ins Einvernehmen zu setzen, damit sich das Klima mit seinen Veränderungen auf die Grenzen der Akzeptanz der deutschen Bevölkerung hinsichtlich klimarelevanter Maßnahmen einstellen kann. – Friedrich Sin

Ihr Artikel im Bereich Politik erzürnt mich, nicht nur, daß Sie Frau Kramp-Karrenbauer eine ganze Seite widmen, was aus meiner Sicht nicht angemessen ist, eineSpalte hätte es auch getan. Bitte, Sie machen möglicherweise ungewollt für die Dame der Frau Merkel Werbung, das gehört sich nicht. Sie sind ebenso zur Neutralität verpflichtet wie auch andere Medien. Zum Artikel selbst, es genügt schon, wenn man die ersten 15 cm liest und daraus resümiert daß die Dame wohl Ihren Beruf verfehlt hat. Wie kann man denn, „die deutschen Bürger zum verkrampftesten Volk, das auf der Erde rumläuft“ bezeichnen, wenn man selbst versucht, etwas zu bewegen dem man nicht gerecht wird. Beruf verfehlt heißt, besser Sie wäre bei der Verteidigungsministerin beschäftigt, da Könnte Sie sich besser ausleben, da müßte Sie dann nicht verkrampft um Anerkennung sich bemühen, denke das bringt dann der Dienstgrad mit sich. PS Diese oben genannte dumme Bemerkung von Frau Annegret Kramp-Karrenbauer wird sich im Wahlverhalten der Bürger auswirken! – Oskar Boser


 

Leserbriefe zu „Im Blut der Mutter“ von Ulrich Bahnsen und Martin Spiewak

Ich selbst war mit 36 Jahren schwanger mit Zwillingen. Man hatte mir eine Nackenfaltenmessung angeboten, die über die Darstellung im Ultraschall ermöglicht wird. Damit gehen keinerlei der beschriebenen Risiken einer Fehlgeburt, wie sie bei der Entnahme des Fruchtwassers gegeben sind, einher. Ich habe die Untersuchung durchführen lassen. Ich verstehe daher nicht, warum über die neue Methode als Kassenleistung gestritten wird. Es gibt zuverlässige Alternativen, die bezahlt werden und risikolos sind.

Im Übrigen hätte ich keinesfalls abgetrieben, wenn eines meiner Kinder ein Down-Syndrom gehabt hätte. Wahrscheinlich auch nicht, wenn sie beide es gehabt hätten. Aber ein positives Testergebnis hätte mir schon während der Schwangerschaft ermöglicht, mich mit den Folgen des Gen-Defekts auseinanderzusetzen und vielleicht andere Vorbereitungen für mein Leben und das meiner Kinder zu treffen als ich sie nach einem negativen Testergebnis getroffen habe. Insofern kann ein Test dabei helfen, all die Unwägbarkeiten, die mit der Geburt eines Kindes auf einen einprasseln, ein bisschen zu reduzieren. Hieran finde ich nichts Schlimmes. – Katja Förster

Man muss immer wissen, bevor man einen Test macht, ob man das Kind abtreiben wird, aufgrund eines Ergebnisses, dass mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit – aber eben nur einer Wahrscheinlichkeit – ein Down-Syndrom angibt. Ich will nicht wissen, wie viel tausende Kinder schon abgetrieben worden sind, die gesund waren. Und ich will genauso wenig wissen, wie viele Kinder abgetrieben worden sind, die eine Krankheit oder ähnliches hatten. Am besten sollte man vor der intimen Begegnung mit einem anderen Menschen sich darüber im Klaren sein, dass dabei potenziell ein Kind gezeugt werden kann. Ein Kind ist ein kleiner Mensch. Ein Kind ist Leben. – Ein/e Leser/in

Als Großmutter eines Enkelkindes mit Down-Syndrom bin ich entsetzt über die Einstellung, die heute vorherrscht. Es ist nun schon so weit gekommen, dass sich eine Mutter verteidigen muss, wenn sie bereit ist, ihr Kind mit Down-Syndrom aufzuziehen. Unsere Tochter hat das vielfach erlebt. Und wenn ich mein Enkelkind sehe, bricht es mir fast das Herz, dass Kindern wie ihm das Recht auf Leben abgesprochen werden darf. Wie weit ist unsere Gesellschaft gekommen? Und das nach 1945. Ich fasse es nicht. Darum dieser Lesebrief. – Christa Schellhammer

Als Mutter einer 10jährigen Tochter mit Down-Syndrom berate ich ehrenamtlich werdende Eltern, die die Diagnose Down-Syndrom für ihr Kind erhalten haben. Sie schreiben über den Abgrund, in den eine solche Diagnose werdende Eltern stürzt und stellen berechtigt die Frage, wie in Zukunft damit umgegangen werden kann oder muss. Ein erster Schritt wäre meiner Erfahrung nach, die Beratung der betreuenden Ärzte zu neutralisieren. Ich erlebe häufig geschockte Eltern, die über den Schrecken der Diagnose hinaus im Folgenden von Ärzten durch äußerst pessimistische Zukunftsprognosen in Richtung Schwangerschaftsabbruch beraten werden und das selbst dann, wenn sie gar nicht vorhaben, die Schwangerschaft abzubrechen. Im Sinne angeblicher Aufklärung vermitteln sie teilweise ein Zukunftsbild von Folgeerkrankungen, was mit neutraler und Beratung und Unterstützung bei der Entscheidungsfindung nichts zu tun hat. Dieses Verhalten wird mir gegenüber von den Ärzten als rechtliche Verpflichtung gerechtfertigt – was sie damit anrichten, scheint sie nicht zu interessieren. – Dorothea Meyer

In der Zeit-Ausgabe mit dem Datum 21. März, also zum Welt-Down-Syndrom-Tag, veröffentlichen Sie einen Artikel zum NIPT, der sehr deutlich zeigt, wie im Sprechen über das Down-Syndrom die Akzeptanz der Menschen, die damit leben, unterlaufen wird. Das sichtbarste und grundlegendste Stereotyp, das Sie kolportieren, ist die Gleichsetzung des Down-Syndroms mit einer Krankheit („Babys mit Down-Syndrom“ werden als „konkret[es]“ Beispiel für kranke Kinder genannt, der Test als ein „Beitrag für ein gesundes Kind“ hingestellt; in einem Kasten informieren Sie über „Fehler“ im Erbgut und über „Krankheitssymptome“). Ist erst einmal diese (sachlich falsche) Basis gelegt, können daraus logisch die Notwendigkeit der Behandlung und das Recht auf ‚Heilung‘ hergeleitet werden. Behandlung und Heilung liegen aber im Töten des Embryos, was Sie explizit nicht schreiben. Es ist von „keine[n] Zweifel[n]“ am „Nutzen des Tests“ die Rede, Nutzen wohl aber doch nur für jemanden, der das Kind, wenn es hart auf hart kommt, nicht haben will. Für alle anderen ist der Test schlicht überflüssig. Das schreiben Sie auch nicht. Gleich zu Beginn formulieren Sie die Prognose, nach der das Down-Syndrom als „Konstante der Menschheitsgeschichte“ nun „zu Ende gehen könnte“. Das hört sich so an, als könne das Down-Syndrom ausgerottet werden. Aber ohne konstantes Töten ist sein Verschwinden nicht zu haben, denn es ist ja kein Virus, sondern die Folge einer spontan auftretenden Variante der Zellteilung. Die wird es solange geben, bis wir in die Zellteilung am Ursprung des Lebens selbst eingreifen können und wollen. Die Sprache Ihres Artikels wirft zahlreiche Fragen auf, von denen ich Ihnen einige stellen möchte:
1. Sie schreiben, mit dem Test könne man „Behinderung im Mutterleib“ suchen. Worin besteht bitte die Behinderung im Mutterleib? Das dritte Chromosom 21 ist in der Regel kompatibel mit dem Leben und behindert weder Mutter noch Kind. Was Sie im Mutterleib suchen können, ist ein drittes Chromosom, mehr nicht.
2. Die G-BA soll bewerten, ob eine „Arznei“ bzw. eine „Behandlung“ medizinisch notwendig bzw. wirtschaftlich ist. Unter welche der beiden Kategorien, Arznei oder Behandlung, fällt der Pränataltest?
3. Ein Wissenschaftsethiker findet „die Sache“ [d.h. die Anwendung des NIPT und dessen Bezahlung durch die Krankenkasse] auch „moralisch keineswegs klar verwerflich“ und nennt den Embryo mit Down-Syndrom einen konkreten Grund für eine soziale Notlage. Welche Notlage führt das dritte Chromosom bitte konkret herbei? Es verrät nichts über das zukünftige Lebensglück des Trägers und nichts Belastbares über das zukünftige Lebensglück seiner Bezugspersonen. Oder meint der Experte, vorhersehbare fehlende kognitive Leistungen oder höhere Risiken eines Herzfehlers seien konkrete Ursachen sozialer Notlagen? Wer in der Bevölkerung wäre dann auch betroffen?
4. Haben Sie wirklich geschrieben, dass sich die betroffenen Eltern die Frage stellen müssen, welches Leben für sie lebenswert ist? Mussten andere Eltern vor der Geburt ihrer Kinder darüber entscheiden, ob deren Leben (und Ihr Leben mit Ihnen) voraussichtlich lebenswert sein wird? Sollen Eltern anhand von Vorstellungen und Zukunftsprojektionen eine so große Frage beantworten?
Falls Ihr Artikel ergebnisoffen über den Pränataltest berichten wollte, hat er sein Ziel verfehlt. – Prof. Dr. Susanne Hartwig

In Ihrem Beitrag zu NIPD beschreiben Sie die Sachlage zu den Beratungen der Bluttests im Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen. Leider ist die Darstellung des Fazit des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen fehlerhaft. Sie fassen den Bericht mit dem Satz zusammen, das IQWiG habe den Test auch für junge Frauen positiv bewertet. Der Bericht ist jedoch die Darstellung der wissenschaftlichen Evidenz, und hält fest, dass die Ergebnisse auf „insgesamt 22 Studien zu diagnostischen Eigenschaften, von denen 17 ein hohes Verzerrungspotenzial haben.“ beruhen. Außerdem seien die Testversager, die je nach Methode bei 1,6 – 6,4 % liegen, nicht berücksichtigt (siehe auch Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe). Das Fazit schließt mit den Worten „Bei schwangeren Frauen mit geringerem Risiko würden zusätzliche invasive Untersuchungen anfallen, die Gesamtzahl der invasiven Untersuchungen bliebe unter den betrachteten Szenarien unterhalb des Status quo. Unter Berücksichtigung von Testversagern kann sich diese Einschätzung jedoch umkehren, d. h. es kann nicht notwendigerweise von einer Verringerung der invasiven Untersuchungen im Vergleich zum Status quo ausgegangen werden.“

Hieraus zu machen, der Test sei auch für junge Frauen positiv bewertet worden, verkennt den Charakter des Abschlussberichtes, der ja auch die Zahl von ca. 17% falsch positiven Ergebnissen bei der Anwendung für alle Frauen enthält, vorletzte Zeile auf Seite 15.
Zum Abschluss noch ein letztes – über Menschen mit Down-Syndrom schreiben Sie „Heute kümmert sich ein halbes Dutzend medizinischer Spezialisten (…) um den Patienten.“ Auch wenn, wie in 40% der Fälle, ein Herzfehler vorliegt, sind Kinder und Jugendliche mit Trisomie 21 zumeist einfach Kinder und Jugendliche, die mit einer Beeinträchtigung leben und aufwachsen, nicht von einem Heer Spezialisten umgebene Patienten. – Prof. Dr. med. Jeanne Nicklas-Faust

Alle sollen am medizinisch-technischen Fortschritt teilhaben, lautete im Jahr 2007 die Begründung der Bundeskanzlerin bei Einführung einer allgemeinen Versicherungs- und Zahlungspflicht in die ‚Neue Gesundheitsversicherung‘. Über die Ausgestaltung des Leistungskatalogs entscheidet mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss ein kleines, demokratisch nicht legitimiertes Interessengremium. Seit dem Jahr 2013 gehört zum Angebot ein ‚erweitertes Ultraschallscreening‘ im letzten Schwangerschaftsdrittel, was zu einem deutlichen Anstieg der Spätabtreibungen führte. Im vergangenen Jahr war diesbezüglich ein trauriger Höchststand von 655 Fällen zu verzeichnen, und da die Winzlinge ab der 22. Schwangerschaftswoche bereits überlebensfähig sind, erfolgt i.d.R. eine vorherige gezielte Giftinjektion ins Herz des Ungeborenen. Das Erprobungsverfahren für den rein diagnostischen frühen Praena-Test auf Antrag des Herstellers (ergänzend zur Fruchtwasseruntersuchung) hätte gar nicht erst eingeleitet werden sollen und es bleibt sicher nicht bei der Suche nach Trisomien. Wer zu diesem Themenkomplex schweigt, stimmt einer inhumanen Entwicklung zu. – Annette Hund

Die nicht invasiven Pränataltests sind einfach anzuwenden, risikoarm und weisen optimale Gütekriterien auf. In einer Metaanalyse der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2017 (Genomics‐based non‐invasive prenatal testing for detection of fetal chromosomal aneuploidy in pregnant women) wurde eine Sensitivität von 99,7% und eine Spezifität von 99,9% ermittelt. Das bedeutet: 0,3% aller Down Syndrome werden „übersehen“; andererseits liefert der Test bei einer von 1000 nicht betroffenen Frauen fälschlicherweise einen positiven Befund. Diese Werte suggerieren eine sehr hohe Testqualität. Tatsächlich ist bei einem negativen Befund das Vorhandensein einer Trisomie 21 quasi ausgeschlossen. Einer Frau, die ein positives Ergebnis erhält, stellt sich jedoch eine ganz andere Frage: Inwieweit kann sie sich auf diesen beunruhigenden Befund verlassen? Insbesondere in der Gruppe der jungen Frauen, bei denen die Prävalenz mit 1/1000 vergleichsweise gering ist, ist die Interpretation eines positiven Testbefundes keineswegs unproblematisch. Ein einfaches Rechenbeispiel mag dies verdeutlichen: Bei 10.000 schwangeren Frauen dieser Altersgruppe haben durchschnittlich 10 Kinder ein Down Syndrom. Aufgrund des hohen Wertes für die Sensitivität ist anzunehmen, dass der Test in allen zehn Fällen (richtig) positiv reagiert. Allerdings ist bei den restlichen 9.990 nicht betroffenen Frauen ebenfalls mit 10 (falsch) positiven Befunden zu rechnen. Demnach sind nur 50% der positiven Ergebnisse korrekt! Anders stellt sich die Situation in der Hochrisikogruppe der 48-jährigen Frauen dar: Bei einer Prävalenz von 1/11 ergibt sich rechnerisch ein positiver Vorhersagewert von 99%. Nicht allen potentiellen Anwenderinnen dürften diese Zusammenhänge bekannt sein. Sie sollten klar kommuniziert werden, ehe der Test allen Schwangeren kostenlos angeboten wird. – Christel Weiß


 

Leserbriefe zu „Hier gibt es nichts zu sehen“ von Moritz Aisslinger et al.

Es gibt ein sehr wirksames, allerdings für die Unternehmen Facebook, Google, Twitter, YouTube, Instagram etc. teures Mittel, die Flut von Gewalt, Hass, Beleidigungen, Fake-News, Verschwörungstheorien etc. zu stoppen, nämlich alle (!) Beiträge durch Redakteure (!) zu überprüfen, bevor (!) sie veröffentlicht werden. Facebook und Google haben genug Geld, um das zu bezahlen. Jeder kleine Websitebetreiber achtet auf die Inhalte seiner Website und jede Zeitung veröffentlicht – hoffentlich – nur Leserbriefee, die keine Unwahrheiten, Beleidigungen, Aufrufe zur Gewalt etc. enthalten. Wie lange wollen wir noch tatenlos zusehen, wie Facebook, Twitter, YouTube etc. Lügen, Verbrechen, Terrorismus und Völkermord begünstigen oder sogar erst ermöglichen, die Demokratie schwächen oder sogar zerstören und die Menschenrechte missachten sowie ihre Missachtung fördern? Vgl. Sie zu Facebook und Google bitte auch http://www.ulrich-willmes.de/konzerninteressen.html. – Dr. Ulrich Willmes

Geradezu erschüttert lese ich Ihren Artikel verfasst von 14 Autoren über den terroristischen Anschlag in Christchurch. Aber ebenso erschüttert bin ich über die Wortwahl, die Namensgebung, die die Autoren diesem Monster in Menschengestalt geben. „EINSAMER WOLF—LEITWOLF“, wie verharmlosend, wie diskriminierend, wie leichtfertig den „Wolf“ so abzukanzeln. „EINSAMER WOLF—LEITWOLF“ ist ein positiv besetzter Begriff. So nennt man einen Menschen, der beherzt, entschlossen und mit Durchsetzungsvermögen, auch zum Schutz und im Interesse Anderer (LEITWOLF) handelt. Wo leben denn diese Autoren, dass sie solchen haarstraübenden Unsinn „verzapfen“ und die Terminologie eines verrückten amerikanischen Rechtsradikalen übernehmen (Tom Metzger). Kopfschüttelnd lese ich diese abstruse Fehlinterpretation in einer—ach so—angesehenen Wochenzeitung und greife ebenfalls zu einem Begriff der zur Fehlinterpretation einlädt „Armes Deutschland“! „Hier gab es wahrlich nichts zu sehen“! – B. Oberhof

Der letzte Satz in ihrem berührenden Artikel anlässlich des Attentats von Christchurch lautet: Der Täter von Christchurch, ein Namenloser .
Und ich meine , und sie nehmen in ihrem Artikel ja auch kurz Bezug darauf, das in diesem letzten Satz tatsächlich ein großer Teil der Lösung liegt und man diesen Verbrechern durch weitgehendstes Ignorieren in den Medien womöglich tatsächlich den Boden unter den Füßen wegziehen könnte, den worüber nur in einer Randnotiz berichtet wird , ist Ihnen die Möglichkeit genommen ihren Hass in die ganze Welt zu tragen , und diese Verbrechen würden für potentielle Täter möglicherweise keinen Sinn mehr ergeben . Dieser Gedanke wurde auch im Zuge der Analyse der Terroranschläge in Europa in ihrer Zeitung schon mal aufgegriffen, aber mir ist auch klar das dies zu bewerkstelligen eine Illusion bleiben wird , doch seine Richtigkeit ist glaube ich nicht zu verleugnen – Mayrhofer Herbert

Das digitale Phänomen Candace Owens kann man nicht damit abtun, dass man behauptet, dass erst nach dem Anschlag von Christchurch „ihre Feinde alte Tweets von ihr hervorkramten“. Ms Owens hat am 8. Februar 2019 in London Hitler bagatellisiert: “If Hitler just wanted to make Germany great and have things run well, OK, fine. The problem is that he wanted, he had dreams outside of Germany” (https://twitter.com/existentialfish/status/1093923658446323712), was vier Wochen vor dem Anschlag eine heftige Diskussion auslöste. Im übrigen ist sie eine Anführerin des Online-Kulturkampfs der Neuen Rechten, sie lebt für die und von der Verbreitung Ihrer Ansichten im Internet. Als Inspirationsquelle für Brenton Tarrant kann daher sehr wohl gedient haben, was sie vor vier Monaten getwittert hat: “If France wants to build an army to defend itself against anything, it ought to be the declining birth rate of its people. All signs indicate that it will be a Muslim majority country in just 40 years! Defend your culture first, Emmanuel Macron.” Wenn das nicht von Islamophobie zeugt, was dann?! Pikanterweise ist sie Teil der russischen digitalen Kriegsführung: https://www.thedailybeast.com/russian-propaganda-veterans-push-candace-owens-blexit-campaign Anläßlich ihres Besuchs beim britischen Ableger von Turning Point traf sie sich in London auch mit den Brexiteers Jacob Rees-Mogg and Steve Baker, die mit denselben Schreckensbildern von einer angeblichen Überfremdung der Völker Europas durch muslimische Migranten Politik betreiben. – Jürgen Thiede

Ich möchte nur kurz etwas bzgl. des Dossiers von dieser Woche bemerken. Sie nennen die Internetseite „8chan“ in dem Artikel rechtsradikal. Das ist leider nicht richtig. Bei 8chan handelt es sich um ein Imageboard, auf dem jede*r etwas schreiben kann, der möchte. Es ist sicherlich eine kranke Seite, das ist nicht zu leugnen, aber es ist keine rechtsradikale Seite, dass sie ideologisch geleitet und gesteuert wird. Ich bin ein begeisterter Leser Ihres Dossier und möchte mich noch bedanken für die tollen Artikel jede Woche. – David Meyer

Wie hätten Facebook, Youtube ect. das Problem in den Griff kriegen können? Durch Deaktivierung der Upload-Funktion. Aber damit hätten sie kurzfristig ein paar User verloren. Man fragt sich, was ist wichtiger? Die Antwort ist wurde uns klar gegeben. Danke für den Artikel! – Keplinger

Diesen Artikel zum Attentat in Christchurch, Neuseeland mit „einer Pflicht zur Berichterstattung“ zu begründen, ist mehr als Heuchelei und Fadenscheinigkeit. Wer entscheidet eigentlich „diese Pflicht der Berichterstattung“, vor allem in dieser Art und Weise, gewissermaßen in Form einer Homestory? Daher verbleiben Sie nicht im Konjunktiv: Mit diesem Artikel spielen Sie nicht nur die Rolle, die der Attentäter für Sie als Teil der Medien vorgesehen hat, sondern verfehlen auch Ihren selbstgewählten Auftrag, „die Logik der Spaltung durch die neuen Formen der medialen Vervielfachung aufzuzeigen“, um bestenfalls Nachdenken und Reflexion bei den Leser*innen zu ermöglichen.

Wenn Sie sich als selbsternanntes Qualitätsmedium schon eine Pflicht auferlegen, dann ist meines Erachtens primär die Pflicht des politischen Journalismus sachlich aufzuklären statt weiter Emotionalität zu erzeugen und Stimmungen anzuheizen. Was ist bloß aus dem ZEIT-Dossier geworden; einst für mich das qualitative Schwergewicht der ZEIT des politischen Journalismus auf höchstem Niveau ist es, wie mir seit Längerem schon aufgefallen ist, mit vielen Beiträgen in das Brackwasser des Boulevards abgetaucht. Hätten sich die anderen Rubriken der ZEIT ähnlich unterirdisch entwickelt, hätte ich mein Abo schon gekündigt und meine weit über 30-jährige Verbundenheit zur ZEIT als jetzt 49-jähriger Leser gelöst. – Andreas Kusserow


 

Leserbriefe zu „Was hinter den Nachrichten steckt“

  • zu „OSTQUOTE – Verhilft sie Ostdeutschen zu mehr Chancengleichheit?“ von Martin Machowecz

Ich selber wurde 1981 in Sachsen-Anhalt geboren, sprich eindeutig zu Zeiten der DDR. Und ich konnte dann auch tatsächlich noch 3 Jahre Schulbildung der DDR genießen. Ich bezeichne mich aber dennoch nicht als Ossi, aber auch nicht als Wessi. Ich bin schlichtweg ein Deutscher, fertig, aus, Ende. Ich finde diese ständige Debatte und Diskussion mittlerweile unsäglich und einfach nur noch nervig. Wir müssen doch fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung endlich mal damit aufhören, in Ossis und Wessis zu unterscheiden. Sonst werden wir nie mit diesem Trauma fertig, sonst werden wir für immer und ewig in dieser Schleife hängen. Eine Ostquote wird es nicht besser machen. Wir sollten uns bundesweit darauf einigen, dass wir alle, die in diesem schönen Land leben, wohnen und arbeiten, Deutsche sind. Basta.

Übrigens bin ich zusammen mit meiner Frau 2005 nach Baden Württemberg gezogen. Was wäre ich dann? Ein Wossi? So ein Quatsch. Zudem werden alle jetzt Geborenen weder in Westdeutschland noch in Ostdeutschland geboren, sondern in Deutschland. Das kann doch eigentlich nicht so schwer sein, dies so zu verstehen und zu akzeptieren. Ein sehr emotionales Thema! – Yves Pulst

Zu dem Thema, dass Führungskräfte mit Geburtsorten in Ostdeutschland wesentlich unterrepräsentiert sind, habe ich eine These, der Sie vielleicht einmal nachgehen sollten.
Als ich in den Siebzigerjahren in den Beruf einstieg, waren auffällig viele Führungskräfte (80%?) solche mit Herkunft aus dem Osten Deutschlands, zum Teil Vertriebene, zum Teil Geflohene, zumindest alles Personen mit Tatkraft, Entschlusskraft und dem Willen es zu etwas zu bringen. Der Osten ist dabei ausgeblutet, was Führungskräfte betrifft. Die Kinder und Enkelkinder dieser Zuwanderer sind dann natürlich im Westen geboren und zählen zur den West-Führungskräften, da die Gene mit ausgewandert sind. Um die Unausgewogenheit der Besetzung von Führungspositionen realistisch zu beurteilen, müsste man die Geburtsorte der Väter und Großväter heranziehen. Sie werden vermutlich feststellen, dass es da viele Rückwanderer gibt. Diese Verschiebung von Ost nach West ist ja auch an den Sitzen der Firmenzentralen zu erkennen. Die sind überwiegend (90%?) im Westen der Republik angesiedelt und haben damit zur Führungskräftekonzentration hier gesorgt. – Ernst v. Ledebur

Hier steht mal wieder,, Neue Länder “ .Seit wann ist etwas ,fast 30Jahre altes ,neu ? Ich kann das nicht mehr lesen, genauso wenig wie Ossi und Wessi. Das muss doch mal aufhören , sonst kriegen wir die Einheit nie. – Dieter Mey

Ihren Artikel „Ostquote“ schließen Sie mit dem Satz, dass alle „Quoten-Befürworter zuerst“ die Frage beantworten müssten, ob „nur eine Ungerechtigkeit durch die nächste ersetzt“ würde. In dem Zusammenhang sehe ich auch das „Maas“ für junge Männer als voll an. Die Forderung von Heiko Maas: „Außenpolitik muss weiblicher“ werden, muss nicht falsch sein. Aber der Weg dies mit einer paritätischen Quote erreichen zu wollen, ist der falsche und führt akut zur Diskriminierung der Männer zwischen 30 und 45. Auch „die Zeit“, die ich fast jede Woche lese, berichtet aus meiner Sicht nicht immer objektiv und zu einseitig, auch wenn im Artikel „der große Unterschied“ ungewöhnlich ausgewogen berichtet wurde: ob nun Männer oder Frauen in Elternzeit gehen, wer in der Medizin über ein Jahr aus der alltäglichen Versorgung heraus war, hat qualitativ viel aufzuholen und eine Gleichbehandlung ggü. den in der Zeit durchgehend beschäftigten KollegInnen wäre weder ggü. diesen, aber vor allem ggü. den Patienten unfair. Es entspricht einfach nicht der Realität, dass genauso viele Frauen in Führungspositionen streben wie Männer (Testosteron mag dabei eine Rolle spielen), aber eine Quote, die verlangt Führungspositionen so lange mit Frauen aufzufüllen bis Parität erreicht ist, ist diskriminierend ggü. Männern meiner Generation. Eine Quote die besagt, jede neue frei werdende Stelle soll ab jetzt zu dem Anteil der im Betrieb/Ministerium beschäftigten Frauen bzw. Männer (Beispiel BMW) besetzt werden, wäre aus meiner Sicht akzeptabel.

Wenn bei der Neubesetzung einer Stelle intern Fragen aufkommen wie, „welche Frau können wir denn nun für die Stelle finden?“ (genauso scheint es ja gerade im Außenministerium proklamiert worden sein), läuft etwas falsch und man kann sicher sein, wenn mir das als FES-Stipendiat und langjährigem Genossen so aufstößt, ist das bei fast jedem Mann meines Alters ebenso und mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit wird ein solcher keine Partei mehr aus dem linken Spektrum wählen und das fände ich persönlich schade. Das Geschlecht sollte bei der Besetzung einer Stelle eigentlich gar keine Rolle spielen. Wenn eine Quote denn sein muss, gelingt vielleicht ja im Kompromiss eine integrativere Variante einer Quote die nicht Parität fordert! Für die SPD bei 40%-Frauenanteil – müsste man sich wegen mir auch nicht auf 1zu1-Männer-zu-Frauen-Quote festlegen. Wir könnten gerne auch diskutieren, ob anteilig nicht zu viele Lehrer und Rechtsanwälte für uns im Parlament vertreten sind und ob das wirklich repräsentativ ist. Man könnte dann auch diskutieren, ob dann konsequenterweise nicht Quoten für andere Berufsgruppen gelten sollten, um die Quotendiskussion mal zu pointieren und um tatsächlich Vielfalt der Qualifikationen und Repräsentation des Volkes ernst zu nehmen. – Dr. med. Fabian Loy

In Spitzenpositionen von Unternehmen und politischen Ämtern sollte man nur durch Fähigkeiten und Durchsetzungsvermögen kommen. Artikel 3 des Grundgesetzes sagt, dass niemand wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung……., seiner Heimat und Herkunft…….benachteiligt oder b e v o r z u g t werden darf. Nach der Frauenquote nun also die Diskusion über eine Ostquote. Da lassen weitere Forderungen nach Quotenanteilen in Wirtschaft und Politik von Gruppen,die sich nicht ausreichend vertreten sehen, nicht lange auf sich warten. Das wird eine seitenlange Auflistung! Und das Bundesverfassungsgericht wird zu tun bekommen. Wenn diesen Forderungen nach Quoten nachgegeben wird, werden wir in einem Quotensumpf versinken ! – Udo Bauer

Es scheint, wir stecken in einem Dilemma. Einerseits besteht die herrschende Erzählung weiterhin, dass wir in einer Demokratie leben, die jedem Individuum die politische und wirtschaftliche Teilhabe garantiert. Andererseits zeigen immer mehr Untersuchungen, dass in unterschiedlichem Maß weder eine Chancengleichheit der Teilhabe am gesamtgesellschaftlichen Vermögen oder der politischen Macht für die unterschiedlichsten Gruppen aus den verschiedensten Gründen gegeben ist: Unvermögende, Ungebildete, Alte, Frauen, Ostdeutsche, Migranten etc. Wer sich zur Behebung dieses Zustandes nicht an die Grundwidersprüche herantraut, der plädiert eben für Quoten. Das führt aber geradewegs in eine Art Kastensystem, wo jeder bei Geburt jeweils Punkte bekommt, die seine Zukunft regeln. Im Parlament wird noch eine Frau aus Ostdeutschland aus einer Arbeiterfamilie gesucht und ein Behinderter mit Migrationshintergrund aus dem Westen, wer bietet mehr? – Dieter Schöneborn

  • zu „VERTEIDIGUNG – Ist der neue Wehretat zu niedrig?“ von Peter Dausend

Gemäß Artikel 73 des Grundgesetzes gehört die Verteidigung einschließlich des Schutzes der Zivilbevölkerung zu den Aufgaben des Bundes. Diese gliedert sich in eine militärische und eine zivile Verteidigung. Letztere hat ein breites Aufgabenspektrum: Der Bevölkerungsschutz mit den Fahrzeugen für Hilfsorganisationen und Feuerwehren gehört dazu, aber zum Beispiel auch der Schutz kritischer Infrastrukturen wie Elektrizitäts- und Wasserwerke, der Kulturgutschutz oder die Unterstützung der Streitkräfte durch zivile Einrichtungen.

Mein Vorschlag also: Wenn schon eine Etaterhöhung für die Verteidigung gefordert wird, dann böte die Erhöhung des Etats für die zivile Verteidigung eine gute Gelegenheit, einen doppelten Nutzen zu erzielen: nämlich um in Friedenszeiten wie heute mehr Ressourcen für Gesundheit und Wirtschaft zu haben und gleichzeitig auch zur Stärkung der Verteidigung im Krisenfall. Übrigens: Wir sehen seit Jahren einen eklatanten Mangel der Zahl an orangefarbenen Rettungshubschraubern des Zivilschutzes. Also: Da haben wir doch eine gut angelegte Möglichkeit, zwei Ziele mit einer Maßnahme zu erreichen! Lasst uns den Zivilschutz fördern und zum Beispiel die Flotte der „orangenen Luftretter“ unterfüttern. Und Herr Trump hat seine Ruhe mit Vorhaltungen, wir würden zu wenig für die Verteidigung tun. – Frank Marx

Mich erstaunt immer wieder die Diskussion um das „2 Prozent-Ziel“ in der Wehretat-Debatte. Es geht offensichtlich nur um die Zahl, nicht um die Inhalte! Die zwei Prozent ließen sich doch bestimmt auch mit der Einrichtung von etlichen Tausend neuer Kindergärten für Bundeswehrfamilien erreichen. Oder? Wäre es nicht sinnvoller, zu überprüfen wie man mit dem vorhandenen Geld und durch Vereinheitlichung der Waffensysteme und deren Entwicklung allein in Europa auskommen oder sogar noch Milliarden an Steuergeldern einsparen könnte? Wie locker werden im Wehretat die Milliarden durchgewinkt, während z.B. bei Pflege und im Krankenhausbereich die Bedenkenträger auf die Kosten verweisen, die sie im Zweifelsfall auf die Betroffenen abwälzen. – Reinhard Kniepkamp

Hochenttäuscht musste ich zur Kenntnis nehmen, dass nun auch in der Zeit in das wirklich verwunderliche und nervende Horn geblasen wird, welches seit Beginn der Haushaltsdiskussion auffallend oft auf DLF, NDR Info und Co kundgetan wird.
‚die Welt geht unter! Der Wehretat ist zu klein! Der böse Herr Scholz! Was denken die anderen bloß von uns! Aber die Zusagen! Was denken die anderen bloß!?! Oh mein Gott!‘
Wie heuchlerisch sind Sie eigentlich? All die Jahre unter Schäuble, nie einen Mucks gemacht. Weder aus Politikreihen noch Medien. Kaum sitzt da wer anders, wird vergessen, dass der Verteidigungshaushalt so hoch wie nie in den letzten zehn Jahren ist. Die sollen einfach das Geld sinnvoll verwalten und nicht für Berater ausgeben und sinnlos verprassen. Bitte Ihr Hirn wieder einschalten. Geld das nicht da ist kann nicht ausgegeben werden. Im Koalitionsvertrag steht eindeutig, dass die Ziele und die genannten Zahlen nur für prioritäre Punkte gelten. Das andere kann nur umgesetzt werden, wenn Geld da ist. Wie in den letzten Jahren auch. Welchen Bereich möchten Sie denn weniger finanzieren um Ihre niemanden interessierenden zusagen an das Ausland einzuhalten? Bildung? Soziales? Investitionen? Familien? – Stefan Sczuka


 

Leserbriefe zu „»Das Volk wird glorifiziert«“ von Adam Soboczynski

Das waren endlich einmal Fragen und Antworten von einer Frau, die zwei Seelen ach in ihrer Brust trägt! Keine von beiden hatte gegenüber der anderen Skrupel oder Vorteile! Fragen, die auch beantwortet wurden und nicht wie bei unseren Politikern, da auf etwas antworten, das sie gar nicht gefragt wurden!
Chapeau!
Franzosen hören Revolution …… und eilen auf die Straße …… Deutsche kaufen eine Bahnsteigkarte! Werde mir gleich ihr Buch kaufen, nicht nur wegen der Vergangenheits-bewältigung einer französischen Seele, sondern auch wegen der eindeutigen und klaren Einschätzung des Handelns anderer europäischer Staatsregierungen während der Nazi-Zeit! Vielen Dank für dieses Interview! – Dr. Wolf Günther

Wie wohltuend das Interview von Géraldine Schwarz zu lesen! Als Französin seit 1977 in Deutschland lebend, habe ich mich nicht mehr getraut, mich kritisch über u.a. Didier Eribon zu äußern. Ich wurde von meinen deutschen Freunden sofort als „rechts“ gestempelt. Eine Meinung zu haben scheint nur mit einer politischen Farbe einher zu gehen! Und meine französischen Freunde kannten ihn überhaupt nicht! Auch ihre Aussagen über Frankreich und das „nicht verarbeiten“ unserer Kollaboration mit den Deutschen während des zweiten Weltkriegs. Sehr mutig! Denn vergessen wir nicht: Alle Franzosen gehörten den Résistance! – Nathalie Meinecke

Das das Volk so glorifiziert wird in Frankreich nehme ich nicht in den Medien wahr . Leider gibt es wenig gute ausgewogene Berichte über die Gelbwesten und den Zustand Frankreichs insgesamt . Seit heute gibt es endlich mehr deutsch französischen Austausch der notwendig ist . Schön wären mehr Gastbeiträge von französischen Schriftstellern. – Hilke Ruschmeyer

Als Deutschfranzösin kann Geraldine Schwarz kritisch, ohne dabei ein nationales Filter vorzuschalten, Vergangenheit und Gegenwart beider Nachbarländer unter die Lupe nehmen. Die Gelbwesten haben ihr politisches Gesicht seit dem Beginn im November 2018 bis heute so rasant verändert das man von einer Umwandlung von relativer Harmlosigkeit zu radikaler Gewaltanwendung sprechen muss. Viele Franzosen sehen in den Gelbwesten eine Fortsetzung ihrer revolutionären Geschichte -was natürlich Unsinn ist. Geraldine Schwarz macht den geschichtlichen Selbstbetrug der Franzosen in Bezug auf das Vichy-Regime und damit ihrer zu kurz gekommenen Vergangenheitsbewältigungie deutlich. Auch die typisch französische Unterscheidung zwischen der immer schuldigen Elite und dem hehren, untadeligen Volk sollten Intellektuelle und revolutionäre Träumer dort für immer in der Mottenkiste ablegen. Was auch klar wird in dem Interview, ist die enorme Anzahl von politischen Denkern in Frankreich und die fast völlige Abwesenheit dieser Spezies in Deutschland. Ist der Grund etwa die gewaltige Aufgeregtheit die Politik in den Köpfen der Franzosen auslöst und die von einem Heer von politischen Denkern zum Wohle des Volkes kanalisiert werden muss ? – Klaus Reisdorf

Dieses Gespräch ist interessant, und unbestritten sind viele Aussagen von Geraldine Schwarz zur Situation in Frankreich richtig, v.a. diejenigen, die die rechtsextremen intellektuellen Strömungen oder den EU-feindlichen Opportunismus eines Jean-Luc Mélenchon betrifft. Was die « Gelbwesten » und deren « zivilen Aufstand » gegen die Regierung und Präsidentschaft von Macron betrifft, der nun schon fünf Monate andauert und Frankreich erschüttert, irrt sie jedoch, wenn sie sie – vermutlich unter dem schockierenden spontanen Eindruck der Videos von den Ausschreitungen der « Black Blocks » auf den Champs-Elysées vom 16. März in Paris – die von den « Gelbwesten » geduldet und leider nicht verhindert werden konnten – ausschliesslich auf die Extreme von « Hass und Gewalt », auf « Chaoten, Antisemiten, Rechtsradikale und Linksradikale » reduziert. Gewiss sind diese – als radikale gewaltbereite Minderheit – bei den Demonstrationen der « Gelbwesten » präsent und haben insgesamt schon sehr viel Schaden angerichtet, der in die Millionen Euros geht ; aber dies ändert nichts an der Tatsache, dass die grosse Mehrheit der « Gelbwesten » Männer und Frauen aus der unteren Mittelschicht sind, die sehr hart von Marcons’s neo-liberaler Wirtschafts- und Sozialpolitik betroffen sind und die durchaus friedlich für ihre erklärten politischen Ziele : das Ende von Macrons Steuerpolitik des « Sozialabbaus », die Wiedereinführung der Reichensteuer, die Abschaffung der Steuererhöhung für die Rentner, für ein « Referendum der Bürgerinitiativen »( R.I.C.) und für die Einführung der « direkten Demokratie » kämpfen und demonstrieren. Mit « Chaoten » haben diese nun wirklich nichts zu tun und sie sind mitnichten für die Plünderungen von Geschäften, die Brände in Banken und Cafés auf den Champs-Elysées (und z.T. auch in der französischen Provinz) verantwortlich. Richtig stellt Geraldine Schwarz jedoch fest, dass 14 % der Franzosen unter der Armutsgrenze leben und dass die Anffälligkeit der Franzosen für den Populismus von Extrem-Rechts, aber auch von Extrem-Links (Mélenchon) relativ gross ist. (In den Meinungsumfragen liegt jedoch Marine Le Pen mit 22 % weit vor Mélenchon, der auf 8 % abgestürzt ist.)

Nicht ganz nachvollziehbar ist jedoch in diesem Zusammenhang die Polemik von Geraldine Schwarz gegen die « linken » zeitgenössischen französischen Intellektuellen und Schriftsteller, die die Aktionen der « Gelbwesten » unterstützen bzw. sich mit ihnen solidarisch erklärt haben, wie z.B. Annie Ernaux, Edouard Louis oder der inzwischen in Deutschland in den Rang eines « Stars » unter den Soziologen erhobene Didier Eribon (notabene : mein ehemaligen Kollege an der Universität Amiens). G. Schwarz zufolge « stehen sie für einen « Miserabilismus », der in Frankreich seit Emile Zola eine gewisse Tradition hat » und ihre Kritik am Zustand der Republik sei « völlig masslos » ! Das kann so jedoch nicht unwidersprochen hingenommen werden. Gewiss beruht Didier Eribons stark von Michel Foucault und Pierre Bourdieu beeinflusste Soziologie und kritische Sozialphilosophie auf einem sozialen Determinismus und einem Immantentismus, den niemand abstreiten kann. Ob es sich dabei jedoch, wie G. Schwarz unterstreicht, wirklich um eine « hyperdeterministische Vision in der Soziologie » handelt, wo « jede individuelle Verantwortung negiert wird, wo jedes Scheitern, jede Gewalt, jede moralische Fehlbarkeit des Einzelnen mechanisch mit sozialer Ungleichheit und Ausgrenzung erklärt und damit entschuldigt wird », das bleibt dahingestellt. Ist dies wirklich die erklärte Absicht, die reale Vision von Eribon’s Soziologie ? Sieht man sich Eribons Werk einmal näher an, so kann man über solche polemische Fehlurteile wohl nur den Kopf schütteln, geht es Eribon doch primär – zu verweisen wäre hier nur auf die Einleitung zu seinem Buch « Principe d’une pensée critique »(Paris, Fayard, 2016) – um nichts Anderes als um die Analyse und Kritik der Mechanismen der Herrschaftsstrukturen in unserer Gesellschaft und um die Formen des (kollektiven und individuellen) Widerstands dagegen, mit anderen Worten, um das Aufzeigen der Unterwerfungs- und Unterdrückungs- und Ausgrenzungsmechanismen im Spektrum der gespeicherten individuellen Erfahrung der Individuen (Familie, Schule, Gesellschaft, Institutionen, etc.) Des Näheren geht es ihm in dieser Perspektive um eine Psychoanalyse des « sozialen Unbewussten »(a.a.O., S. 11), die auch (trotz seiner Distanz zu Marx und zum Marxismus) die Klassenzugehörigkeit mit berücksichtigt, aber v.a. in eienr libertären Perspektive die Kategorien der hierarchischen Struktur und Verfassung der Gesellschaft erforschen will. Und in diesem Kontext orientiert er nachdrücklich auf das Ideal einer « radikalen Demokratie » sowie auf Widerstandsformen einer emanzipatorischen Praxis, sowohl im kulturellen Bereich wie im Bereich der Politik. Ähnlich wie Deleuze und Guattari will er die Psychoanalyse « ent-oedipianisieren « , d.h. von ihrem ausschliesslichen Rekurs auf den « Oedipus-Komplex » befreien, mit einem gleichzeitigen Plädoyer für eine « Anti-Oedipus »-Politik und eine « anti-oedipiale » demokratische Ethik der «Generosität ».(a.a.O., S. 190). Anders ausgedrückt : eine demokratische Ethik ohne (soziale) Grosszügkeit ist keine : Die Grosszügkeit (Generosität) muss die « Ethik der Demokratie » sein. Dazu gehört aber u.a. – und gerade dies erklärt Eribons explizite Sympathie für die « Gelbwesten » -, dass man « denjenigen zuhören muss, die man nie hört, die keine Stimme haben » : die Ausgegrenzten, die Diskriminierten (Homosexuelle, rassistisch Diskriminierte, etc.), die in diesem System des globalisierten Kapitalismus Schlechtweggekommenen, die auf die Strasse gehen, weil sie nichts mehr zu verlieren haben….. – Arno Münster

Wen hat Herr Soboczynski denn da ausgegraben? Eine Halbfranzösin, die sich offenbar in Berlin-Mitte und auf den Champs-Elysées besser auskennt als in Saint-Etienne oder Bochum, aber trotzdem eine kategorische Meinung zu den grauenhaften „Gelbwesten“ hat. Die sich als stolze Demokratin hinstellt, aber dem Volk nicht über den Weg traut, das in Frankreich leider „glorifiziert“ werde. Die die deutsche „individuelle und kollektive Verantwortung“ für den Nationalsozialismus bewundert, aber allen Ernstes behauptet: „Hitler kam bekanntlich durch Wahlen an die Macht“. Hitler also ein Produkt der Demokratie? Und weiter: „Anders als in Frankreich gibt es in Deutschland ein historisches Bewusstsein dafür, dass nicht jeder Aufstand, nicht jede Massenbegeisterung zwingend sinnvoll oder weise ist.“ Das hören gewisse Kreise sicher gern. Und dann kommen intellektuelle Miesmacher wie Didier Eribon, die in Deutschland völlig überschätzt würden: Von ihm hat die Dame überhaupt erst gehört, als man ihn hierzulande zum „Großintellektuellen erklärte“! Offenbar frequentiert sie also schon lange keine französischen Buchhandlungen mehr, und von dem Philosophen Foucault, über den Eribon 1989 eine bahnbrechende Biographie veröffentlichte, kennt sie wohl auch nur die „sexuelle Orientierung“, über die so gern getuschelt wurde. Selten habe ich eine so ressentimentgeladene Suada über unser Nachbarvolk gehört, dem wir seit mehr als zwei Jahrhunderten immer wieder demokratische, ja „populäre“ Impulse verdanken. – Prof. Peter Schöttler


 

Leserbriefe zu „Aufstand ohne Gewissen?“ von Sophie Von Bechtolsheim

Mit ihrer Kritik an der Stauffenberg Biografie von Thomas Karlauf hat Sophie von Bechtolsheim Recht. Karlauf geht weder auf die Zugehörigkeit der Familie Stauffenberg zum oberschwäbischen Adel noch auf die dezidiert katholische Einstellung der Brüder Stauffenberg näher ein. In einem leider entlegen publizierten Aufsatz (Claus Schenk Graf von Stauffenberg und die Herzöge von Württemberg. Überlegungen zu den Motiven des Attentats vom 20. Juli 1944. In: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 47, 48 (2012). S. 225-261) habe ich anhand relativ unbekannter Quellen auf die Verbindungen zur nicht weit von Lautlingen entfernten Benediktinerabtei Beuron im Donautal und zum herzoglichen Haus Württemberg aufmerksam gemacht. Von Beuron aus, wo der Erzabt Raphael Walzer dem Nationalsozialismus kritisch gegenüberstand, lief ein feines Netz des Widerstands durch Oberschwaben. Der Vater Alfred Graf Stauffenberg arbeitete nach dem Tod des württembergischen Königs Wilhelm II. für den katholischen Herzog Albrecht von Württemberg. Diese Tatsache wurde bislang völlig übersehen. Der jüngste Sohn des Herzogs, Pater Odo (Herzog Carl Alexander von Württemberg) wurde schon 1933 wegen seines aktiven Widerstandes aus Württemberg ausgewiesen, 1934 aus dem Deutschen Reich verbannt. von der Schweiz aus, wo er sich aufhielt, emigrierte er in den 1940-er Jahren in die USA. Claus Graf Stauffenberg kannte also schon seit dem Beginn des „Dritten Reiches“ Menschen, die aktiv Widerstand leisteten. Als Offizier bejahte er den Krieg, denn dafür war er ausgebildet worden. Als er sich dann jedoch zum Widerstand entschloss und schließlich sein Leben riskierte, spielten dabei sicher verschiedene Motive eine Rolle. Neben dem adeligen Selbstverständnis und der religiösen Überzeugung ist die Bewunderung für Stefan George lediglich ein weiteres Motiv. Es erscheint mir aber signifikant, dass die Brüder Stauffenberg Vorbilder hatten, die wegen ihres Widerstands gegen den Nationalsozialismus schon in den 1930-er Jahren Leib und Leben riskierten. – Dr. Eberhard Fritz

Ich danke Ihnen für den klärenden Artikel zur Th. Karlaufs Stauffenberg-Biographie, und dass Sie Ihrem Gewissen gefolgt sind. – Andreas Hornemann

Mein Motto zum Artikel; Sine Ira et studio (Tacitus,Ann.1.1.3) : Der weg zum 2o.Juli 44 beginnt am 3.2.1933:Hitler erklärt vor den Generälen der Reichswehr sein Programm zum Lebensraum im Osten(Liebmann-aufzeichnung) 2 am 15.9.1935 werden die Juden aus der deutschen Gesellschaft ausgestoßen (Nürnberger Gesetze) 3.11.38 in der Reichskristallnacht beginnt die offene Vernichtung der jüdischen Gemeinden im Reich 4 mit dem Angriff auf Polen beginnen die Kriegsverbrechen der Wehrmacht in Polen (Reemtsa-Untersuchungen) 5 am 31.7.1940 verkündet Hitler den Generälen seinen Entschluß,die Sowjetunion anzugreifen (R.D.Müller:der Feind steht im Osten,S.130-37, 216-21) 6 der Angriff auf die Sowjetunion mit millionenfachen Kriegsverbrechen (Ch.Hartmann,Wehrmacht im Ostkrieg,Kap.5.: Verbrechen) 7 6.6.44 Landung in der Normandie durch die Alliierten , anfang Juli l 44 die sowjetarmeen erreichen die Reichsgrenze Fazit zum 20.Juli 1944 : H.U.Wehler,Deutsche Gesellschaftsgeschichte Bd 4,S.911-15 ) laut wehler: „ die Militärs und die Konservativen wollten fast bis zum Schluß auf die deutsche Hegemonialstellung in europa nicht verzichten…zu lange wollten die Militärs und die Konservativen auf einen großteil der eroberten Gebiete nicht verzichten…(insgesamt 6 punkte) Fazit 2 ein langer weg bis zum Aufstand des Gewissens am 20.7.1944 – Dr.Wolfgang Miege

Als Zeitzeuge kann ich mich noch an die kontroversen Diskussionen über das Attentat 1944 im Verwandten- und Bekanntenkreis erinnern. Stauffenberg und seine Gesinnungsgenossen sahen die deutsche Bevölkerung in schlimme Abgründe stürzen, wenn der von seiner Ideologie bis zum Wahnsinn (totaler Krieg!) erfüllte oberste Kriegsherr Hitler so weiter agierte wie bisher. Rückkehr zur Vernunft erschien aus soldatischer Sicht nur bei seiner Beseitigung erreichbar. Doch: Wer sollte dieses „Werk“ vollbringen, dessen Brisanz darin lag, dass Hitler dank profihafter Propaganda – wie die angekündigte Wunderwaffe – ein Faszinosum darstellte und sich derjenige, der handelte, dem Verdacht von Verrat aussetzte? Entschluss und Tat, als sich Stauffenberg dazu bereitfand, zeugen von Verantwortungsbewusstsein und Mut; sie sind in ihrer charakterlichen Größe nicht weniger rühmens- und bewunderungswürdig, wenn Stauffenberg sich dem Stefan George- Kreis zugeneigt fühlte und auch zu Anfang die von Hitler angeführte nationalsozialistische Bewegung positiv sah. – Gisela Wohlgemuth

Die heutige Sorge der Enkelin Claus von Stauffenbergs um „das wichtige Erbe“, das „uns der 20. Juli 1944 hinterlassen hat“, teile ich. Als Sohn eines Vaters aus einer deutsch-nationalen Herkunftsfamilie (mit ihrer besonderen Verantwortung für die „demokratische“ Wahl und damit ‚Machtergreifung‘ Hitlers) ergänze ich hier (vielleicht auch für nachfolgende Generationen): Meine Sorge gilt darüber hinaus dem Erbe all jener, die damals (lange vor dem 20. Juli 1944 und danach) nicht immer gleich „Aufstand“ oder gar „Tyrannenmord“, wohl aber – im Rahmen ihrer persönlichen Möglichkeiten sowie der jeweiligen Zeit- und Ortumstände – „Widerstand“ geleistet haben. Und das im Namen eines (mit)menschlichen Gefühls, das sie sich – je nach ihrer Herkunft, Bildung, Erfahrung usw. – unter vielen Namen (nicht nur dem des meist religiös-moralisch konnotierten „Gewissens“) höchst unterschiedlich bewusst gemacht haben, um für sich und andere handlungsfähig zu bleiben.

Wer unter diesem Aspekt, also bei möglichst vorurteilsfreier Sicht, die Stauffenberg-Biografie von Thomas Karlauf liest, kann von all den hier vorgetragenen Pauschalurteilen, Unterstellungen, Faktenlücken oder gar -verdrehungen usw. in diesem Buch kaum etwas finden. Jedenfalls habe ich die Lektüre im Bewusstsein der Subjektivität meiner Wahrnehmungen als mitreißend, faktenorientiert, ja bewegend erlebt, was menschliche Formulierungs- oder gar Urteilsfehler auch aus meiner Sicht nicht ausschließt. Meine Hochachtung vor dem Attentäter ist durch Karlaufs Buch nicht gesunken, sondern um ein Vielfaches gestiegen. Das gilt besonders für die Schlussphase, die ihn in fast völliger Einsamkeit zeigt. (Beinahe wie in der christlichen Überlieferung Jesus am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wie es allerdings Stauffenberg vor seiner Erschießung nun eben nicht gesagt hat, sondern in spezifisch deutscher, national-romantischer Tradition mit christlich-katholischen Wurzeln, die ihn in der Übermittlungsform Stefan Georges von seinem 16. Lebensjahr bis zum Tod begleitet hat und heute wieder mit der AfD in neuer „zeitgemäßer“ Version fröhliche Urständ feiert.) Im Sinne einer allen „Parteien“ offenbar gemeinsamen Sorge um ein besseres „zeitgemäßes“ Verständnis „des“ Widerstands wäre es hilfreich, wenn z. B. die Enkelin (als „Malerin“ mit kreativ-einfühlsamer Sicht ebenso wie als faktenorientierte „Historikerin“) in einem Gespräch mit dem Buchautor gegenseitigen „Faktencheck“ betreiben würde. Vielleicht sogar unter Mithilfe eines ZEIT-Moderators, der sich zugleich in der ZEIT-Geschichte zum Thema auskennt (nicht zuletzt den Anfängen unter Bucerius und der langjährigen Mitarbeiterin, Chefredakteurin und Herausgeberin der ZEIT, Marion Gräfin Dönhoff, oder der Geschichte jener „üblen Nachrede“ vor und nach 1945 über Stauffenberg als dem „kühnen“ oder „politischen Wirrkopf“, die jetzt Karlauf unterstellt wird: Vgl. DIE ZEIT 11/2019 und dazu das Kapitel in Karlaufs Buch „Die Würfel rollen“, besonders Anmerkung 444!). – Eckhard Heumann


 

Leserbriefe zu „Im tödlichen Winkel“ von Petra Pinzler

In Ihrem Beitrag ist heute von einem tödlich verunglückten Radfahrer die Rede, der rechts abbiegen wollte. Ganz offenbar ist damit allerdings der Lkw als Rechtsabbieger gemeint. Diese brenzlige Situation ist m. E. kurzfristig nicht anders zu bewältigen, als dass Radfahrer ihrerseits nicht, wie Kraftfahrer, und die ja vorzugsweise auch nur auf einer mittleren Fahrspur, mit vollem Tempo auf eine Grüne Ampel zufahren und die Fahrbahn überqueren sollten. Ich bin selbst Radfahrerin und bedaure oft, dass mir sich das ganz und gar nicht empfiehlt und mir so – auf Innenstadtstrecken u. U. alle paar Hundert Meter – eine zusätzliche Wartezeit beschert wird. Solange aber Rechtsabbieger und geradeaus Radelnde gleichzeitig Grün haben, sollte einem Kraftfahrer nicht ernsthaft zugemutet werden, sich minutenlang den Hals zu verrenken, um eventuell doch noch heranzischende (gelegentlich!) Radler rechtzeitig zu sehen. Mittelfristig sind getrennte Phasen erforderlich, denke ich. Und sowieso hat auch der Radfahrer die Pflicht, andere Verkehrsteilnehmer im Blick zu halten. Zumindest ist ja er es, der im schlimmsten Fall mit dem Leben zahlen muss. Die konkreten Umstände des erwähnten tragischen Unfalls kenne ich nicht, meine Anmerkungen beziehen sich auf die Gesamtsituation.

Ganz allgemein würde ich eine verpflichtende Fahrradprüfung sinnvoll finden. Mich selbst halte ich (natürlich!) für eine versierte und quasi fehlerfreie Verkehrsteilnehmerin, bin das allerdings trotz 55 Jahre alter Fahrradprüfung durchaus nicht. Beispiele wenig intelligenten Verhaltens von Radfahrern gibt es zuhauf. Für mich als Radlerin sind andere auf einem Zweirad der größte Stressfaktor, weil sie mir räumlich am nächsten sind und ihr Verhalten oft wenig vorhersagbar ist, im Gegensatz zu dem der meisten Autofahrer. Auch die Pflicht zur regelmäßigen Nachschulung für Inhaber eines Kfz-Führerscheins könnte helfen: Zum Beispiel fährt kaum jemand mit PS unterm Fuß „Langsam!“ genug (wie wenig darf das sein? Das ist nirgends angezeigt. Auch ich weiß es nicht!) auf der so genannten „Fahrradstraße“ Harvestehuder Weg. Die Straße wird vom Kraftverkehr im Gegenteil überwiegend als ampfelfreie Alternative zu Mittelweg und Rothenbaumchaussee genutzt. Über die Regeln auf einer neuen Kategorie von Straße wurde zumindest ich als Halterin eines Pkw nicht informiert. – Gesa Pansch

Die Forderung nach Abbiege-Assistenten für LKW ist sicher nicht falsch. Aber sie greift bei Weitem zu kurz. PKW sind ebenso lebensgefährlich. Und da sitzen bisweilen sogar Polizisten drin, wie mir schon passiert ist. Wenn der Verkehrsminister nicht will, warum will dann z.B. die Justizministerin auch nicht? Warum steht nicht im Strafgesetzbuch, dass, wer jemanden beim Abbiegen zu Tode bringt, seine Fahrerlaubnis unwiderruflich auf Lebenszeit verliert? Das hätte Wirkung. LKW-Fahrer würden sich von sich aus um einen simplen Spiegel bemühen, mit dem sie den Raum neben sich überblicken können … und sie hätten einen starken Anreiz, auch hinein zu schauen. Immerhin stünde die Berufsausübung auf den Spiel. Aber gegenüber Radfahrern fehlt es an jedwedem guten Willen, sei es beim Abbiegen, beim Überqueren von Rad-Fußwegen oder beim Parken. Und die Polizei sowie die Ordnungsämter schauen weg. Systematisch. Liegt dann schließlich eine Leiche rum, werden Krokodilstränen vergossen. – Ein/e Leser/in

Irgendwann kann ich das nicht mehr lesen. Seit Monaten sind die Medien voller Berichte über den tödlichen Winkel. Vor allem aber Radfahrer scheinen den Inhalt kaum wahrzunehmen. Sie fahren gedankenlos hinein, in den doch abschreckend und aufrüttelnd als „tödlich“ bezeichneten Winkel. Und sie staunen vielleicht sogar noch, wenn sie der tödlichen Wirkung des nicht einsehbaren Winkels am LKW zu nahe kommen. Wer glaubt, als Radfahrer an den Reifen eines LKW, immerhin 80 bis 100 Zentimeter hoch, vorbeifahren zu können oder zu müssen, ist dumm, tollkühn oder beides. „Bleibt weg“ kann ich ihnen nur zurufen. Lasst den LKW fahren. Dann kann jeder Radfahrer von dieser Stelle ungefährdet weiter fahren. Aber: Ich habe doch das Recht! Tolle Antwort. Manchmal ist es klüger, nachzugeben; und in diesem Fall auch sicherer. Die Forderung nach einem Abbiegeassistenten erinnert ungut an die Abstürze der Boeing 737-Flugzeuge. Hier gibt es einen Assistenten, auf den sich die Piloten verlassen (haben). Verlassen sich in Zukunft LKW-Fahrer und Radfahrer auf den Assistenten, schaut niemand mehr in Spiegel, noch denken beide über die konkrete Situation nach, in der sie sich befinden. Das ist sehr bequem, sich keine eigenen Gedanken machen zu müssen. Die Technik wird’s schon richten. Wenn sie mal ausfällt …? Dann herrscht rasch tödliches Schweigen. Darum hieß es früher: Augen auf im Straßenverkehr und sei Dir Deines Risikos bewußt. Die vielen Assistenzsysteme wiegen uns in eine trügerische und falsche Sicherheit. Die eigenen Sinne sollten häufiger benutzt werden. Im eigenen Interesse und zum eigenen Schutz. – Klaus Stöckmann

Ich fahre seit 35 Jahren ca. 3000 km pro Jahr mit dem Fahrrad in Hamburg. Meine Beobachtung ist, dass die Menschen unvorsichtiger, sorgloser und gedankenloser geworden sind. Dazu kommt die fatale Haltung der Deutschen zu sehr auf ihre vermeidliche Vorfahrt zu vertrauen. Passend dazu habe ich genau dieses erlebt: Eine Fahrradfahrerin wurde nur deshalb nicht von einem rechts abbiegenden LKW überrollt, weil der im letzten Augenblick noch gebremst hat. Darauf angesprochen, dass das doch sehr gefährlich gewesen sei, sagte sie nur „Aber ich hatte doch Vorfahrt.“ und war im Gegensatz zu mir kein bisschen erschrocken. Ich verstehe nicht, dass immer nach aufwändiger Technik gerufen wird, statt erst einmal an die Verkehrsteilnehmer zu appellieren: LKW-Fahrer dürfen einfach nicht blind abbiegen und wenn, dann sollten sie sich nur langsam vortasten; und die Radfahrer: meine Güte, schon der Selbsterhaltungstrieb sollte sie davon abhalten vor einen LKW zu fahren. – Uwe Dieckmann


 

Leserbriefe zu „»Die höfischen Rituale müssen weg«“ von Marc Brost und Manuel J. Hartung

In Anlehnung an das Mantra seines Parteivorsitzenden möchte ich Herrn Sattelberger zurufen: Besser gar nichts sagen, als Sprechblasen von sich zu geben! “ open spaces, Inspiration, Trends erkennen, schneller … “ das klingt, als wolle der newcomer Thomas S. (69) den Bundestag in ein startup verwandeln. Und ja, egoistische Parteien können ziemlich anstrengend sein. Aber – hey – sagte nicht bereits A. Smith, der Vordenker der FDP, daß Egoismus die Voraussetzung dafür ist, um auf lange Sicht das Beste für alle zu erzielen ? – Thomas Schulte

Mit großem Interesse habe ich das Interview gelesen. Ich teile die Meinung von Herrn Sattelberger auf ganzer Linie. Viel zu selten gibt es Leute, die das Kind beim Namen nennen. Auch bei den Medien vermisse ich leider oftmals die kritische Auseinandersetzung mit Themen, die die politische und bürokratische Landschaft Deutschlands betreffen. Beruflich habe ich immer wieder mit Ministerialbeamten und Politikern zu tun. Die von Herrn Sattelberger beschriebenen Strukturen kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Leider habe ich auch mit Pressevertretern ähnliche Erfahrungen gemacht. Aus Angst vor persönlichen Nachteilen (möglicherweise nicht ganz unbegründet) werden bestimmte Themen nicht angefasst, weil sie nicht dem politischen Willen entsprechen. Obwohl der unabhängigen (?) Presse gerade in diesem Bereich große Bedeutung zukommen sollte. Ich ärgere mich beispielsweise immens, wenn eine Rentenerhöhung von 3 Prozent auf häufig nicht mehr als 900 Euro in den Medien als große Errungenschaft kommuniziert wird und gleichzeitig die Erhöhung der Beamtenpension um 5 Prozent auf einen weitaus höheren Betrag klein gedruckt als Randnotiz zu finden ist. Deshalb: Gratulation zu dem gelungenen Interview. – Ein/e Leser/in

Auf die Frage, wie viele Abgeordnete seiner Analyse der Zustände im Bundestag wohl zustimmen würden, sagte Herr Sattelberger: „Wahrscheinlich mehr, als ich vermute“. Diese schöne Formulierung hätte einen Ehrenplatz in jeder Liste von Paradoxa verdient. – Werner Wehnert

Hoffentlich erhält Herr Sattelberger möglichst bald eine „Aufgabe mit Gestaltungsspielraum“. Das könnte viele „Hofschranzen“ in Berlin auf Trab bringen, oder wenigstens zu aktiver Parlamentsarbeit anregen. – Horst Völker


 

Leserbriefe zu „Geht mit Gott“ von Ulrich Ladurner

Nicht die Engländer sind verrückt, eher die EU. Es gibt in der Tat wichtigere Probleme, wie ihr Autor richtig schreibt. Die Engländer haben unseren Staat mit aufgebaut. Sie haben uns keinen Agrarstaat verordnet. Das alles wird von der EU nicht gesehen. Ein Blick in die Vergangenheit würde den Horizont erweitern. Großbritannien wird von den Unwissenden völlig falsch beurteilt. Es treibt mir die Schweißperlen auf die Stirn, das verhalten der EU mit ansehen zu müssen. – Gunter Knauer

Momentan, da gibt es leider nichts Wichtiges in der EU, nur den, auf der Herdplatte leicht vor sich hinköchelnden „ollen Brexit-Brei“. Falls der, irgendwann einmal fertig gekocht sein sollte, vielleicht am berühmten Sankt-Nimmerleins-Tag, dann könnte es in der EU ziemlich fade werden; mit oder ohne „UK“! – Klaus P. Jaworek

England ging schon immer „mit Gott“. Auch in den allerbittersten Kampf gegen Nazi-Deutschland. Und Gott ging mit England, nicht Nazi-Deutschland. Und nun schon wieder erhabene Töne! „Aber gehen sollen sie.“ Mich schaudert´s. Und auch davor: „Danach (nach dem 1. Juli) seid ihr draußen“. Ist das noch die gute, alte ZEIT? „Die EU hat Wichtigeres zu tun, als den Brexit zu verhandeln“. Richtig, sich mit Victor Orban herumplagen. Oder dem wachsenden Rechtspopulismus in anderen EU-Staaten. Und in Deutschland bricht heuer die AfD mit Erfolg die Lanze für Rechts. Als ob wir nicht die Nase voll davon hätten. „Der Brexit macht mich ganz verunsichert“, meinte ein Freund unlängst. „Das bin ich schon länger hierzulande“, antwortete ich ihm. Und: „Ich weiß nicht mehr, was und wen ich noch wählen soll.“ Ich beneide die Briten. Sie müssen sich nicht länger mit dem wachsenden Rechtspopulismus in Europa, drohendem Demokratieabbau oder dem Unvermögen der EU, die Klima- und Umweltkatastrophe abzuwenden, herumärgern. Ganz zu schweigen von den Demütigungen durch Donald Trump. Sie gehen mit Gott. Der sie noch nie in ihrer langen Geschichte im Stich gelassen hat. Es wird ihnen draußen nicht schlechter gehen als drinnen. Es wird für sie nicht kälter, unwirtlicher, ärmer werden. Es war noch nie so. Deutschland aber durfte sich schon zwei mal warm anziehen, es war grausam unwirtlich. Es sollte sich wieder mehr in Demut üben. Weil Hochmut noch immer vor dem Fall kommt. – Axel Spellenberg

DIE ZEIT hat in jeder Ausgabe dieSpalte mit der Aufforderung „Frag mich mal“.Was würden Engländer wohl für eine Antwort bekommen,fragestellend ihren Verbleib in der EU zu bezweifeln? Genau, „Geht mit Gott“. Wobei in diesem Fall der Zusatz nicht fehlen darf,“aber geht“.Das sollte euch leicht fallen,mit euren Extrawürsten und Genörgel seid ihr doch sowieso immer nur auf dem Papier Mitglied der EU gewesen.Haut endlich ab. – Hans-Emil Schuster


 

Leserbriefe zu „So herrlich unlocker“ von Moritz von Uslar

„Der Islam“ gehört kulturgeschichtlich nicht zu Deutschland, „das Christentum“, „das Judentum“ und „der Buddhismus“ ebenfalls nicht, sondern sie gehören zum Nahen bzw. fernen Osten. Auch Deutschland ist ja, wie ein großer Teil der westlichen (und afrikanischen) Welt irgendwann einmal missioniert worden. Insofern ist sowohl der entsprechende Ausspruch des damaligen Bundespräsidenten Murks wie auch die gesamte folgende Diskussion darüber, die, Gott seis geklagt!, immer noch anhält. Außerdem werden durch die Formulierung (wie es leider so oft passiert) die Menschen, die dahinter stehen, komplett aus- gespart. Die Frage sollte also vielleicht eher lauten, ob Muslime zu Deutschland gehören. Man liest ja des Öfteren, das diese nicht so empfinden. Der Glaube wird als Schranke benutzt, schaffen wir sie doch ab und beschäftigen wir uns mit den Menschen! – Tobias Hänschke

Der Artikel von Herrn von Uslar bestätigt nur die Arroganz der vorherrschenden „öffentlichen Meinung“ in unserer so pluralitischen Medienwelt und lässt mich am Abonnement dieser ZEIT zweifeln ! Herablassend von der ersten Zeile „muss noch lernen“ bis „alles nicht so uninteressant“; Häme und bourgeoise Besserwisserei „Sonaten Wagners“ …in seinem Internat im Schwarzwald kann er diese Respektlosigkeit nicht gelernt haben! Ein Blick in`s internet zeigt einen selbstgefälligen Bohemien und Freiherrn, dem sein Job bei der ZEIT die geeignete Spielwiese für seine elitären Ergüsse bietet. Was ist der Antrieb für solch einen Artikel ? Informationen über einen gewählten Bundestagsabgeordneten, der zu seinen wertkonservativen Überzeugungen steht ? Nein – es es ist ja feuilletonistisch; laut Duden unterhaltend bzw. abwertend gemeint: oberflächlich, halbwissenschaftlich! Das Zweite trifft auf jeden Fall zu – nur dafür habe ich die Zeit nicht abonniert! Ein Gutes hat der Artikel: ich habe den bis dato mir nicht bekannten Herrn Amthor kennen gelernt; es hat aber sehr viel Papier gebraucht, um auf einer ganzen ZEIT Seite wenige aber wichtige Merkmale seiner politischen Überzeugungen herauslesen können. Merci von U. – Peter Würth

Der Artikel von Moritz von Uslar ist an Einfalt kaum zu überbieten. Der Autor meint, Phillip Amthor „herrlich unlocker“ portraitiert zu haben. Für einen Journalisten, der für die „Zeit“ arbeitet, eine Enttäuschung ! Herr von Uslar hatte vor einigen Wochen im Interview Herrn Söder Fragen gestellt, die von Herrn Söder souverän beantwortet wurden, während Herr von Uslar sehr blaß aussah. Die Schreibweise des Autoren ist gewöhnungsbedürftig, da er immerfort Beisätze in Klammern verfaßt. Vielleicht sollte man den ganzen Artikel in Klammern drücken. Für mich war der Inhalt des Artikels unbefriedigend und unter Niveau (besonders die Beschreibung von Kleidung und Aussehen). – Jürgen Lungwitz

Zitat Philipp Amthor: „. .im Kern ist die Vorstellung der Grünen immer das Umerziehen.“ Irrtum, Herr Amthor. Die Argumente der Grünen sind ein Hinwirken auf die zwingend notwendige Erkenntnis, dass die überkommene Ideologie des Marktes mit ihrem endlosen Wirtschaftswachstum und „weiter so“ nicht konservativ (werterhaltend), sondern destruktiv (wertzerstörend) wirkt. Selbst unsere Schüler haben dies mittlerweile Gott sei Dank verstanden. Ich, 65 Jahre alt, bin nicht Mitglied der Grünen. – Norbert Klenke

Nun ist hinreichend bekannt, daß ihr Kollege ein linksextremer Geselle und  mit verantwortlich ist, für den moralischen Sumpf in unserem Land. Damit das nicht so auffällt wählt er in seinem Beitrag die sanfte Tour seiner rhetorischen Keule. Vielleicht hat er zu viele Eier vertilgt. Philipp Amthor ist das von den linken Journalisten gewohnt. Er nimmt das gelassen zur Kenntnis und lässt sich nicht provozieren.  Der Mann hat Zukunft. – Gunter Knauer


 

Leserbriefe zu „Wozu brauchen Kinder noch Bücher?“ von Katrin Hörnlein

Eine provozierende Frage. Eine breite Schicht der Kinder ist doch heute schon verblödet. Wer nicht liest ist dumm und bleibt dumm. Versuchen sie sich doch Mal mit den Kindern zu unterhalten. Das Handy fördert die Dummheit, wenn das Gerät rund um die Uhr benutzt wird, und das ist bei den meisten Kindern der Fall. Wer das nicht verstehen will, hat wahrscheinlich selbst Probleme mit seiner Intelligenz. – Gunter Knauer

Danke für diesen erhellenden Artikel! Immer wieder staune ich über die Ignoranz unserer Bildungspolitiker gegenüber der Wissenschaft. Wir erfahren in Ihrem Artikel, dass sich seit 2014 200 Wissenschaftler aus mehr als 30 Ländern damit beschäftigen, welche Folgen die Digitalisierung auf das Lesen hat. Die Ergebnisse zeigen klar, dass Kinder analoge Bücher für ihre kognitive Entwicklung brauchen. Vor diesem Hintergrund ist es für mich nur schwer nachvollziehbar, dass die niedersächsische Politik stolz auf ihre sechs Hannoveraner Tablet-Pilotschulen ist, in denen nur noch digital gelernt wird (vgl. HAZ vom 22.3.2019).
Gehören unsere Politiker auch zu den 20% der Zehnjährigen, die nicht mehr richtig lesen können?
Digitalisierung, ja, aber bitte auf Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen und nicht auf Gutdünken. – Gabriel Behrens

Die Antwort auf Ihre Frage wann und wo Kinder und Jugendliche mit Literatur (Belletristik wie Sachliteratur) in Verbindung kommen können, lässt sich sehr einfach beantworten. In Schulbibliotheken. Wir bieten für 2250 Schüler im Schulzentrum Süd in Wuppertal 14. 000 Titel (keine Schulbücher) auf die die Schüler von morgens bis nachmittags zugreifen können. Alleine das Gymnasium mit 600 Oberstufenschülern, 200 Fach- bzw. Projektarbeiten pro Schuljahr braucht fortlaufend aktuelle Sachliteratur. Wenn unser Bestand mal nicht ausreicht, ist die Unibibliothek in 10 Minuten erreichbar. Ob digitale Recherche per I-Pad oder analoge Recherchen anhand von Büchern, Handapparaten, Zeitschriften, bei uns wird alles möglich gemacht. Voraussetzung ist natürlich eine systematisch und inhaltliche Erfassung, OPACs, finanzielle Absicherung für den Bestandsaufbau durch den Verein der Freunde des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums, die fachliche Leitung und die absolute Unterstützung durch Schulleitung und Kollegium.

Die Bibliothek kann zur Freiarbeit oder zum Schmökern genutzt werden; Unterrichtseinheiten in der Bibliothek werden von Lehrern vorab gebucht und finden täglich statt. Schreiben Sie doch mal eine Reportage über moderne Schulbibliotheken. Es gibt uns!! Gerne laden wir Sie zu uns nach Wuppertal ein. Übrigens: Wenn unsere Lehrer / Lehrerinnen Leseprojekte starten, dann lassen sie sich vom Bibliotheksteam über aktuelle Literatur beraten und gehen mit einem Stapel unterm Arm in den Unterricht. – Ein/e Leser/in

Wozu brauchen Kinder noch Bücher – ist das überhaupt die richtige Frage? Dass Kinder Bücher brauchen, heute im digitalen Zeit womöglich sogar mehr als je zuvor, scheint wohl auf der Hand zu liegen. Dass die modernen Medien die Berührungsangst vor dem Buch am meisten wachsen lassen, ist wohl ebenso offensichtlich. Dennoch – auch ich als Digital Native wuchs mit Fernsehen, Handspielkonsolen und dem aufkommenden Internet auf. Sicher kann man die 2000er nicht gänzlich mit unserer heutigen Welt vergleichen – doch ein Aspekt scheint signifikant zu sein: Gibt es heute noch die Vorlesekultur, mit der meine Geschwister und ich groß wurden? Denn vielleicht liegt es nicht nur an Erziehungsstätten wie Kindergarten und Schule, sondern nun auch an den Eltern, das Buch den Kindern wieder näherzubringen. Für uns gab es vor fünfzehn, zwanzig Jahren keine Nacht, in der wir zu Bett gingen, ohne vorher die Geschichten von Michel aus Lönneberga, dem Kleinen Gespenst oder dem Kater Findus gehört zu haben, und wir nach einem weiteren, wirklich nun auch allerletzten Kapitel bettelten, und unsere Mutter erneut auf die Uhr blickte, und seufzend nachgab. Ich erinnere mich noch lebendig an die Urlaube, in denen es zwei Tage am Stück ununterbrochen regnete und unsere Eltern mit drei kleinen Kindern in einem Hotelzimmer mehr oder weniger eingesperrt waren. Sicher, wir hatten auch einen Fernseher auf dem Zimmer. Doch wir verbrachten diese zwei Tage in dem großen Bett, wir drei Kinder um unseren Vater in Decken gekuschelt, und lauschten ganz gespannt, ganz eingenommen, ein wenig verängstigt und zum Teil traurig der Geschichte der Brüder Löwenherz, während draußen die Wege und Straßen vor Regen überliefen.

Ja, sicher, auch in der Grundschule oder im Kindergarten wurde immer wieder gelesen. Aber diesen Moment der Magie, diesen Raum des absoluten Schutzes, um in einer Welt zwischen den Seiten zu verschwinden, fand ich nirgendwo so sehr wie zu Hause. Meine Eltern öffneten die Tür zu dieser Welt durch das Vorlesen, durch das Teilen der Erfahrung, gemeinsam in Charaktere und deren Leben zu schlüpfen. Und womöglich war es eben genau diese Vorlesungskultur, dieses Ritualisierte, sich jeden Abend fünfzehn Minuten gemeinsam Zeit zu nehmen, das später Lust machte, allein auf Entdeckungsreise zu gehen, sobald diese schwarzen Zeichen auf dem Papier Sinn ergaben. Das Lesen war Teil des Alltags, das Buch das, womit jeder Tag abgeschlossen wurde. Sicher, unsere Gesellschaft ist im Wandel, die Arbeitswelt, Familienstrukturen und die Art innerhalb der Familie zu kommunizieren ändern sich – doch 15 Minuten am Abend? Können wir die noch reinschieben? Und vielleicht stellt uns das schon wieder die Frage nach dem Erziehungwandel, in den kommenden zwanziger Jahren des 21. Jahrhunderts. – L.C. Rommel


 

Leserbriefe zu „Rassisten, wir werden euch besiegen!“ von Can Dündar

Leider ist auch Can Dündar dem Attentäter von Christchurch auf den Leim gegangen, indem er die Kategorie des „Religionskriegs“ übernimmt. Wieso müssen sich Muslime von 9/11 und Charlie Hebdo distanzieren und Christen im Gegenzug auf Bottrop, Essen, Quebec reagieren? Anders Breivik hat sich als Ziel keine Muslime oder Ausländer ausgesucht, sondern Norweger, die für eine offene Gesellschaft eintraten. Für die meisten muslimischen Terroropfer sind keine Christen oder Europäer verantwortlich, sondern andere Muslime, die wir Islamisten nennen. Nach der Verschwörungstheorie, die Brenton Tarrant, aber auch Viktor Orbán vertritt, sind die Feinde Europas nicht nur muslimische Einwanderer, sondern auch deren angebliche Hintermänner, jüdische Mäzene wie George Soros und christliche Demokraten wie Angela Merkel und Jean-Claude Juncker. Entsprechend verüben Rassisten im Westen Anschläge auf Moscheen, Synagogen, Kirchen von Farbigen, demokratische Politiker und demokratische Bürger – Religion spielt dabei keine Rolle. Terror kennt keine Religion. Und ich bestreite dem Attentäter von Christchurch wie dem von Pittsburgh (der im November 2018 elf Juden tötete) oder dem von Charleston (der im Juni 2015 neun farbige Christen tötete) eine christliche Motivation. – Jürgen Thiede

Zunächst möchte ich mich bei Ihnen nicht nur in aller Form, sondern wirklich ehrlich entschuldigen. Dafür, daß ich Ihnen nicht schon viel früher geantwortet habe auf Ihre wöchentlichen Beiträge in der ZEIT, vorwiegend zur politischen Lage in Ihrem Heimatland, in der Türkei und zu den Schikanen und Gefährdungen, denen Ihre Kollegen und Kolleginnen dort ausgesetzt sind. Daß ich nicht früher und deutlich Stellung bezogen habe zu den Inhaftierungen kritischer Geister und Zu den Ausweisungen ausländischer Korrespondenten. S‘ ist manchmal seltsam bei mir: Je selbverständlicher und je weiter verbreitet in der Bevölkerung eine Gegenmeinung, eine Antihaltung ist, desto weniger fällt mir dazu ein. Ich bin selber mehrmals eingesperrt worden. Auch aus fadenscheinigen Gründen. Ich w e i ß, wie schlimm es für einen Menschen ist, seiner Freiheit und seiner Sprache beraubt zu werden Und kann nicht verstehen, daß es irgendjemanden gibt auf der großen weiten Welt, der das nicht versteht. Es scheint aber so zu sein. Oder doch nicht ? Kann jemand so grausam sein schuldlosen freien Menschen gegenüber, dem das Maß seiner Grausamkeit bewußt ist? Und, mehr noch: Ist die Grausamkeit dieses Potentaten seinen Anhängern nicht bewußt ? Denkt da keiner daran, daß es auch ihn treffen kann eines Tages ? Erst kürzlich hörte ich in einer Lesung Ihres Chefredakteurs von seinem Besuch beim türkischen Präsidenten. Mut, sehr viel Mut hat sicher dazu gehört, sich in diese gefährliche Gesellschaft freiwillig zu begeben. Fragt sich nur, wer mehr Angst hatte: Der Journalist oder der Präsident, der um seine Macht fürchten muß. A n g s t – ich habe die Angst vor Machtverlust und die brachialen Mittel, zu denen der Machthaber greift, um schwindenden Einfluß aufrechtzuerhalten, aus nächster Nähe kennengelernt. Arm dran sind diese Menschen im Grunde. Menschlich gesehen. Nur daß das nicht rechtfertigt, was sie tun. Da sitzt dann so einer, alt geworden, wenn ihm die Frau weggestorben ist und die Kinder weggelaufen sind Und die alten Freunde nicht mehr kommen, sitzt in steifer Haltung, mit Krawatte, morgens um 6 Uhr alleine am Frühstückstisch. Machtlos einem trostlosen Alter ausgeliefert.Beate Schwärzler

Pünktlich nach dem Welt-Down-Syndrom-Tag am letzten Donnerstag hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GB-A) am Freitag ein Stellungnahmeverfahren zur Frage „Bluttest als mögliche Kassenleistung in der gesetzlichen Schwangerenvorsorge?“ eröffnet. Eine komplexe Frage, die nur schwer mit einem klaren „ja“ oder „nein“ zu beantworten ist! Als Vertreter von Menschen mit Down-Syndrom und ihren Angehörigen begrüßt der Verein KIDS Hamburg e.V. – Kompetenz- und Infozentrum Down-Syndrom jede öffentliche Debatte zu dieser Frage. Es sollte ein Bewusstsein für die möglichen Auswirkungen pränataler Diagnostik in der Gesellschaft auf möglichst breiter Basis geschaffen werden! Der Berichterstattung in der Presse kommt dabei eine wichtige Aufgabe zu. Daher freut es uns besonders, dass Sie das Thema bereits aufgenommen und in den letzten Tagen darüber berichtet haben (und ebenso in der Elbvertiefung über unser Hamburger Video zum Welt-Down-Syndrom Tag)! KIDS Hamburg e.V. fordert ein Recht auf Nicht-Wissen! Es sollte jeder Schwangeren und ihrer Familie überlassen bleiben, wie viele Informationen sie über ihr noch nicht geborenes Kind erhält. Sie muss die Möglichkeit haben, sich ohne Druck von außen für oder gegen ihr Kind zu entscheiden, ohne sich zur Frage „Hast du das denn nicht vorher gewusst?“ für ihr Kind rechtfertigen zu müssen. – Telse Rüter


 

Leserbriefe zu „Das ist ’ne Bank“ von Mark Schieritz

Und die Herren Ackermann und Jain halten sich vermutlich immer noch für bedeutende Universalbankiers bzw. Investmentbanker, nachdem man ihnen goldgeränderte und bonushaltige Kränze geflochten hat, obwohl unter ihrer Ägide die Talfahrt der Deutschen Bank so richtig Fahrt aufgenommen hat. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

Wenn sich zwei Fußlahme gegenseitig unterhaken sollten, ob die dann gleich beim „Challenge 2019 in Roth“, einen Start-Ziel-Sieg hinlegen könnten? – Klaus P. Jaworek

Das ist ’ne Bank. Stimmt. Und jede Bank, ob im Inland oder im Ausland, kann bankrottgehen. Die Einzigen, die an einer Bankenfusion verdienen würden, wären erneut die sogenannten Top-Manager der Geldinstitute. Deren Arroganz, Ignoranz und Unfähigkeit kosten Arbeitsplätze, Steuergelder und Wirtschaftskraft. Der angedachte Zusammenschluss von DeBa und CoBa, vermeintlich die Transaktion zu einem „nationalen Champion“, hat also beste Aussichten auf einen gesamtwirtschaftlichen und politischen Rohrkrepierer. Nicht zuletzt im Bankensektor gilt: Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen. – – Ira Bartsch


 

Leserbriefe zu „Drei Tage heiliger Rausch“ von Francesco Giammarco

In der Schwäbisch-Mann alemannischen Fasnet gibt es die Narrenmesse die gewöhnlich am Schmutzigen Donnerstag, zur Eröffnung der Hauptzeit abgehalten wird. Dort kommt es darauf an dass alle viele Spass haben, tlw. im leicht berauschen Zustand, und nach … Spiritus sancti ( das wird gerne als: der Sprit sei uns heilig interpretiert), folgt entweder Prost, oder „glückselige“ ( Fasnet). Also auch bei uns, zumindest bei den Alemannen… – Reiner Marquart

Ja, das jüdische Purim-Fest könnte beispielgebend für „heilige Räusche“ in anderen Religionen sein. Aber auch aus umgekehrter Perspektive ergäbe sich Sinn: Im hedonistisch Rauschhaften sollte auch im säkularen Bezug gelegentlich etwas Gottesdienstliches als Menschendienliches spürbar sein und bewusst werden – um uferlos rauschhafte Exzesse zu vermeiden. Im Übrigen schreibt der Autor, wenn auch nachträglich relativierend: „Im Islam ist Alkohol weitgehend verboten.“ So wird es zwar in vielen islamischen Gesellschaften propagiert – wahrscheinlich aus Angst vor Kontrollverlust –, aber das stimmt nicht mit dem Koran überein. Dort heißt es nämlich in Sure 16,67 (zitiert nach der Übersetzung von Rudi Paret): „Und wir geben euch von den Früchten der Palmen und Weinstöcke zu trinken, woraus ihr euch einen Rauschtrank macht, und außerdem schönen Unterhalt. Darin liegt ein Zeichen für Leute, die Verstand haben.“ So steht es nun mal da, auch wenn das in anderen Suren weniger begeisternd dargestellt wird. – Christoph Müller-Luckwald

Der Artikel ist enttäuschend niveaulos – ohne Respekt, ohne philosophisch-psychologischen Tiefgang, mit wenig sachlichen Informationen! Als satirischer Beitrag – ok, aber nicht unter der Überschrift „Glauben und Zweifel“! – Marianne Dommermuth


 

Leserbriefe zu „Hauptsache, dabei“ von Charlotte Parnack

Über die Wirksamkeit der Schwerkraft auf der Erde oder mathematische oder tausendfach bewährte Ingenieur-Regeln kann man kaum diskutieren und auch nicht darüber, wie ein Stromnetz funktioniert. Falls weder über die Naturgesetze noch die politischen selbst beschlossenen Spielregeln mangels Wissen (bei Politikern, Journalisten, …) Unklarheit herrscht, wird es beliebig schwierig. Die komplexen Sachgrundlagen zur Kenntnis zu nehmen, ist anstrengend, und zudem könnte manches davon „die Bürger verunsichern“. Erst von da ausgehend kann man eine sinnvolle „Meinung“ oder „Bewertung“ sowie Zielkonflikte von verschieden auszugestaltenden Lösungen diskutieren. In einem solchen i.d.R. gut informierten „Main­stream“ hatte ich das Glück, jahrzehntelang als Wissenschaftler zu arbeiten. Dort hat das Diskutieren alle weitergebracht, weil es neue Anregungen, Korrekturen von Irrtümern oder andere Bewertungen klar machte. Politiker und Journalisten dürfen heute Naturgesetze weg reden und betreiben mangels detaillierter Physik- Ingenieur- und Chemiekenntnisse lieber auf der Basis von bequemerem „Fake-Wissen“ reale Politik; sichtbar z.B. in der deutschen „Energiewende“. In der Dummheit liegt der Hund begraben. – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele

Sehr kurz gefaßt ging es wohl hierum: ein Lob auf den (verbreiterten) Mainstream/Toleranzmaß: >legitime politische Standpunkte< = selber eine offene Frage, auf Basis der Verfassung/der Widersinn: >den Mainstream zu kritisieren ist inzwischen Mainstream< äußert sich (un-)wesentlich im >’rumnörgeln< (Angst vor Enge bricht auf) … Notizen dazu:

  1. Zu allem&nichts eine Meinung haben zu können u. zu dürfen, müßte ganz >alt-europäisch< zumindest den Anstoß kennen, sich selbst- wie fremdreflexiv verhalten zu wollen u. zu können (viel nachfragen, die Dinge abwägen, Irrtumsbewußtsein, vor allem auch&gerade: sich etwas sagen lassen, geradezu als eine Habitusnorm in der ungezwungenen Anerkennung von auch vertikalen Unterschieden abseits jeden Vorsprungsmißbrauch)(frühbürgerlich vertraute man den sogen. Mandataren des frei, ohne Zwang u. Zensur versammelten Publikum).
  2. Genau daran mangelt es aber offenkundig allenthalben, egal wo man/frau hinkommt – >Die Zeit< selber schrieb ganz trefflich-entlarvend vor Jahr&Tag von so etwas wie >Ü b e r g e r e i z t h e i t< als d e r Kennmarke z.Zt. (stürmisch, ungestüm – egal, wer, wie, wann); man müßte vielleicht flächendeckend unübersehbare Spruchbänder als Imitate des Delphi-Orakels postieren – notgedrungen in der deutschen Übersetzung: >erkenne Dich selbst!<; denn freimütig konzediert, wird wohl kaum noch irgendwer behaupten können, er/sie sei mehr oder minder n i c h t von der ganzen Nörgelei affiziert, ggfs. gar affektiert.
  3. Diese kritischen Dinge müssen gar nicht hoch-erhaben umschrieben werden – der Volksmund (daß ich d e n loben muß, fällt mir allerdings schwer, weil zumal der deutsche >common sense< selten entschieden vernünftig daherkommt) nennt dies: >überall seine/ihre dreckige Nase ‚reinstecken< (Nasen putzen, reicht als zivil-kulturelle Lösung nicht!) – umgekehrt: >einfach ‚mal das Maul (alias die Schnauze/die Gosch’n/die Klappe) halten<, hülfe sehr oft u. fundamental weiter; frei nach H.-D. Hüsch sind mitnichten Alle Niederrheiner, u. doch gilt leider in hohem Maße: >Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären<.
  4. Mehr >zeit-diagnostisch< besehen, also um von Grund auf zu kapieren, was wie warum >los ist<, gälte m.E. dies: es herrscht u.a. ein Syndrom der >Distanzlosigkeit< vor – erschreckend viele Leute (egal, ob Nächste/Fernere/Wildfremde/Unbekannte) >kleben< (quasi der Mensch als Uhu) symbiotisch aneinander (so’was ist nur kurz nach der Geburt bestens nötig), i.e. sie sind de facto exzessiv narzißtisch (man kennt keinen Abstand, es fehlt der Takt, man nimmt sich nicht zurück, man kennt niemals ein Pardon, man hält sich für fehlerlos, man wähnt sich wahnwitzig wichtig, man macht einen Kult um die Wertelosigkeit,Schuld sind per se die je Anderen, das Lieblingstier ist der Schweinehund, Kompromißdenken gilt als feindselig).
  5. Folglich kann, wie Frau Parnack in ihrem kl. Essay schreibt, nichts daran überraschen: >Weil überall alles voller Meinung ist.< Kontrastiv könnte man sich diese (früher) oft so gewitzten Kleinode in Karikaturen (auch nach Art von minimalistischem Theater, in >Polt-Plots< etwa, u.ä.) vor Augen halten; z.B. da sagt der Eine fast nichts, worauf der Andere verblüfft reagiert: Sie reden ja noch weniger als ich …; fast analog dazu machte der große alte Hanseat Schmidt (SPD, Die Zeit) vor bald 40 J. (Generation 55+ hat dies wohl noch aus Echtzeit im Ohr) den weithin applaudierten Vorschlag, sich auf 1 tv-freien Tag je Woche zu verpflichten (i.e. eine Variante von >(Schmidt-)Schnauze halten< (siehe oben) – so’was würde längst durch die 24h-online-Mehrheit (schweigende?) . als lachhaft perzipiert (Sendepausen, Null-Empfang, Stillezeiten, sich die endlos debilen likes verkneifen).
  6. Wenn es für jenes Lob auf >den< Mainstream zureichend gute praktische Vernunftgründe geben sollte, käme es auf den Begriff von >Kommunikation, idealiter< (sehr frei nach Habermas) als >Hinterkopfidee<, aber abseits von Illusionen oder Überforderungen an – ein gehöriger Teil davon wäre eben eine Streit-Kultur, deren großexperimentelles Gelingen in unseren Zeiten aber abhinge von zumindest 4 großen Rahmensetzungen: a) die Erfahrung einer intakten Kinderstube lieferte den Fundus für spätere Zeiten (alias: wie populär sind heutzutage klare Reglements?)/b) damit verbunden: man müßte entschieden wegkommen von hochgepuschter Emotionalisierung von allem&nichts (die Dinge tiefer hängen, abrüsten, zuhören usw.)/c) seien die Umstände im je konkreten Mainstream noch so schwierig: man kommt um die Selbstverantwortlichkeit, daß die Dinge gut-verständig laufen, nicht herum (abschieben auf die da oben u. die Anderen, gilt allenfalls unter Vorbehalt)/d) weitflächige >crash courses< in vernünftigem Reden&Zuhören (per coaching, training, in vivo etc.) machten Sinn (weil die Dinge z.Zt. so arg-widerlich sind).
  7. Der hier wesentliche Punkt ist aber die im Essay-Text m.E. fehlende Erklärung, warum es derzeit zugespitzt u. längst verschärft kaum irgendwo um echten Streit geht, vielmehr fast unisono um Kampf u. sich bekämpfen; Frage: wiesoweshalbwarum? Und hier kommt, ohne irrational zu pauschalisieren, der fatal regulären Funktionsweise von audiovisueller u. digitaler Massenkommunikation ein gehöriges Schuldgewicht zu: a) obenan: seit über 1/4 Jh. läuft abseits aller Null-Effekte der Block Unterschichten-tv incl. Sogeffekte auf die Alteingesessenen (z.B: Trend >RTL-isierung< von ARD/ZDF, vox in-humana) – die Gesellschaftsfähigkeit von niederschreien, Proll-Manieren, Kult um Minimalwortschatz, vulgäre Anmache, pauschale Verdächtigung (bes. im Topos von >den< Politikern: die Politikverdrossenheit unter Massen kommt stark aus diesen Ecken), enthemmte >Meinungen< (man wird doch noch …) usw.; b) zudem: wie unter Zwang >arbeitet< die endlose Aufmerksamkeitsspirale, i.e. die Sucht nach Sensationen, Skandalisierung, >Schmutzeleien<, >Showdownsyndrom<, Selbstinszenierung, Selfies&Likes als Basisoperationen non-stop für alles&nichts -zur >d´eformation professionelle< im Spektrum: Journaille/Journalistik zählt, daß die hierin verstrickten Kasten samt ihrer angezüchteten User-Massen davon nicht lassen können u. wollen (was dabei herauskommt, ist eben Palaver, durch den Brei drehen, alle Welt hält sich für meinungskompetent, eigenen Senf dazutun gilt als das neue/alte gesellschaftliche Schmiermittel, man repetiert endlos irgendwo längst Gesagtes u. schätzt sich obendrein als originell oder original ein, Lieblingsbeschäftigung: sich über A bis Z aufregen, nur ja nichts verpassen, ganz versessen darauf sein, wo ‚was los ist, usw.). – Konrad Böhle

Ja sicher, das Mittelalter war düster. Das 20.Jhdt war in manchem düsterer. Die Atombomben auf Japan, vor allem aber die effizienten Massenmörder Stalin, Hitler, Mao…. Sie waren wertvolle Instruktoren die uns eine Lektion erteilten: Wie es ganz sicher nicht funktioniert! Wer heute noch „den Arm zum Hitlergruß strecken“ oder die hochgereckte Kommunistenfaust zeigen mag, hat irgendwas nicht ganz mitgekriegt. Es ist schon wahr: Die Geschichte wäre eine excellente Lehrerin, aber sie hat leider eine Menge dementer Schüler.Das 20.Jhdt. hat aber auch eine Lichtgestalt hervorgebracht die sich in einer ganz neuen Disziplin bewegte: Gewaltlosigkeit inmitten einer gewaltsamen Unterdrückungspolitik und Anerkennung anderer religiöser Überzeugungen. Es sollte einen Mahatma- gedenkstein in jeder EU -Hauptstadt geben! – Rudi Filz


 

Leserbriefe zu „Darf ich meinen Sparkassendirektor beschimpfen, weil ich über den Tisch gezogen worden bin?“ von Ella

Oh Mann, ist diese Ella klasse! Ihre Antwort an das „Liebe Lieschen Loserin“ ist ja pure Literatur! Gut, dass diese späte Schwester von Jerome David Salinger ihr Psychologiestudium an den Nagel gehängt hat, um sich in herzbewegender Aktion den Bedrückten und Betrogenen unter den Zeitlesern zuzuwenden. Dass sie bei ihren unmissverständlichen Handlungsanweisungen keine halben Sachen duldet, ehrt sie. Und es geht bewundernswert weit über jeden erwartbaren therapeutischen Einsatz hinaus, dass sie sich selbst am Eierwerfen gegen den schamlosen Sparkassendirektor beteiligen will und sogar ihre Mutter als mögliche Wandergenossin der 76jährigen Waldurnengrabstättenbesitzerin und Gelbwestensympathisantin avisiert. Das liebe Lieschen Loserin wird’s zufrieden sein, und mir hat’s auch geholfen. Danke, liebe Ella. – Ludwig Engstler-Barocco

Frag mich mal,da fühle ich mich auch angesprochen.Also,wenn Sie glauben, der Direktor Ihres Geldinstituts hätte Sie über den Tisch gezogen, da hilft gar nichs.Woher wollen Sie`wissen ,dass es nebenan besser ist.Bloss nicht wechseln.Ganz was anderes ist , wenn der Direktor SIE im Wortsinn über den Tisch gezogen hat,jm Sie von anderenseiner Qualitäten zu überzeugen.Das wird er aber nicht.Wir sind hier nicht in Gottes eigenem Land,wo man dem Präsidenten so was zutrtaut. Das heisst ,nichts tun, ertragen wie es ist. – Hans-Emil Schuster


 

Leserbriefe zu „Betrügerische Diagnosen“ von Bettina Malter

Da liegt der beschriebene Patient in Absatz vier Ihres Artikels „narkotisiert auf einer Bahre“. Wer auf einer Bahre liegt, benötigt keine Narkose mehr, er ist nämlich bereits gestorben! „Von der Wiege bis zur Bahre …“ Der Mann wird entweder auf einer Untersuchungsliege oder, eher behelfsmäßig, auf einer Trage gebettet worden sein! Dem Inhalt Ihres anschaulichen Artikels schadet das jedoch eher nicht! – Dr. Martin Lindig

Alles ganz lange her. Mein alter Urologe ging in seinen wohlverdienten Ruhestand. Seinen Nachfolger, den fand ich, sehr sympathisch und auch ganz nett. Dieser neue Urologe stellte eines Tages bei mir, Nierensteine fest, die sofort, und das hieß, gleich im Handumdrehen, im Krankenhaus weggelasert werden müssten. Diese Prozedur, die wiederholte sich dann in den darauffolgenden Jahren, jedes Jahr, immer wieder aufs neue (Privatpatient). Irgendwann übermannte mich doch ein Zweifelsgefühl, all das scheint dann doch etwas seltsam; und ich holte mir bei einem anderen Urologen eine Zweitmeinung ein. Dieser stellte prommt keine Nierensteine fest und auch alle anderen Werte seien voll im „Gutbereich“. Ob diese ganze Laserei im Krankenhaus, und deren Folgekosten, wirklich nur reiner „Fake“, und reinste „Geldschneiderei“ waren, das kann ich im Nachhinein, nicht beurteilen, und als medizinischer Laie, schon gar nicht. Ich rate daher jedem, und ich mach das auch selbst bei mir, im Zweifelfalle, immer eine Zweit- oder gar Drittmeinung einzuholen. – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „»Germany first«“ von Josef Joffe

Als IT-Entwickler und Sicherheitsexperte JG 1968 weckt Ihr Beitrag bei mir nach Art eines verstörenden Deja-Vu Assotiationen an die düsteren, in den damaligen Leitmedien regelmäßig verbreiteten Weltuntergangsszenarien der 1980er Jahre. Mich verstört, wie Sie die Verortung eines „strategischen Gleichgewichtes“ nach den geographisch-machtpolitischen Kategorien „Ost und West“ zum übergeordneten Maßstab ernennen, an die sich die Bundesregierung unbedingt zu halten habe, quasi nach Art eines nicht infrage zu stellenden, alles überstrahlenden Prinzips, dessen Spielregeln den Bürger nicht zu interessieren haben:

Denn einen Ansprechpartner gibt es nicht: Der US-Botschafter, Sinnbild des „Westens“, tritt ja, wie Sie selber sagen, brachial auf, liegt aber richtig. Das bedeutet, übersetzt in lesbare und klare Sprache nichts anders als daß der US-Botschafter kein Ansprechpartner für Rückfragen auf Augenhöhe ist, sondern daß es anonyme Machtzirkel hinter dem Botschafter gibt, die westliche Politik gegen deutsche Interessen durchzusetzen beabsichtigen. Ich würde DIE ZEIT bitten, sich künftig deutlich klarer, distanzierter und vor allem frecher dieser aufgeworfenen Frage zuzuwenden: Wer eigentlich ist es, dieser Westen, der um strategisches Gleichgewicht ringt. Dieser Westen, der kleine Fragen aus Deutschland beantwortet, der keinen Ansprechpartner nennt. Dieser Westen, der es nicht nicht nötig hat, den US-Präsidenten Obama auf die Frage nach NSA – Spionage vernünftig antworten zu lassen, was für ein unheimliches Wesen ist er, warum redet er nicht mit den Menschen, warum versteckt er sich hinter den Masken unnahbarer Mediengeschöpfe? – Urs Kinzelbach

Northstream ist ein Zankapfel in der EU und der NATO. Herr Schröder hat gute Lobbyarbeit geleistet. Frau Merkel hat aber auch Recht mit ihrer bei der SiKo vertretenen Meinung, dass die Russen das Gas ja auch verkaufen wollen, es ihnen also nichts bringt, den Hahn zuzudrehen. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Jedenfalls hätte die EU sehr lange Zeit gehabt, sich auf eine gemeinsame Energiepolitik festzulegen. Sämtliche guten Ansätze (Desertec, Solarstrom in Spanien, Ausbau der Windenergie, Atomstrom statt Braunkohle) wurden wegen nationaler Eitelkeiten nicht weiterverfolgt. Wenn Deutschland eine Pipeline baut, dann ist das zwar als politischer Alleingang nicht schön, es hätte den Polen jedoch auch niemand verboten, ihren Kohlestrom zugunsten anderer Techniken abzuschaffen. Und realpolitisch ist die Ukraine nun wirklich kein Zugewinn für die EU.

Was Huawei angeht, so verstehe ich zwar sicherheitspolitische Bedenken. Andererseits weiß ich nicht, ob es besser ist, wenn Deutschland von sog. Freunden wie den USA oder dem bald eigenständigen Großbritannien abgehört und ausspioniert wird. Die USA machen hier vor allem aus eigenen wirtschaftlichen Interessen Druck auf die EU/Deutschland. Ich kann mir nämlich kaum vorstellen, dass es interessierten Staaten oder Organisationen tatsächlich schwerfallen würde, sich in ein Ericsson-Netz einzuhacken. Die NSA zapft uns alle seit Jahren an und keiner regt sich auf. Deutschland ist im Bereich Netzauf- und -ausbau Entwicklungsland. Hier ist es mit der Netzabdeckung schlechter als in weiten Teilen Afrikas. Ich will gar nicht wissen, wie viele Flüchtlinge freiwillig in ihre Heimatländer zurückkehren, weil sie im Bereich ihrer Unterkünfte in Brandenburg oder im Westerwald nicht mit ihren Familien kommunizieren und keine Streams gegen die Langeweile gucken können. Man sollte sich also überhaupt mal die Frage stellen, wie viel man in ein vernünftiges Netz investieren will und da ist man in Deutschland wirklich noch in den 80ern. – Dr. David Wolff


 

Leserbriefe zu „Über Verkehrspolitik“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Da wird Harald Martenstein viel Häme einstecken müssen. Er hat ja sooooo recht! Die Umweltfanatiker werden Rotz und Galle spucken, wenn sie den Beitrag lesen sollten. Die schicken jetzt die Kinder an die Front. Eine davon soll sogar den Bambi bekommen. Vergessen wird dabei, daß sie es sind, die rund um die Uhr am Handy hängen und dabei die Umwelt vergessen. Was für eine Verlogenheit. Der CO2 Ausstoß kennt dabei keine Grenzen. Da ist der CO2 Ausstoß der Kraftfahrzeuge ein Fliegenschiss. – Gunter Knauer

Der gute Herr Martenstein ist sicher schon lange nicht mehr mit der Bahn gefahren. Zuletzt wahrscheinlich als wir noch mit Dampf mit 120 km/h fuhren. Inzwischen fahren wir 300! Und die allermeisten Züge sind auch nach wie vor ziemlich pünktlich. – R. Wittig


 

Leserbriefe zu „Her mit der CO2-Steuer!“ von Claas Tatje

Wo und wann kann man zuverlässlich diesen Ökostrom tanken ? Das wo lässt sich -ohne das Attribut „zuverlässig“ -lösen. (Die Dimension einer solchen Tanke kann ich mir allerdings nicht vorstellen. Benötigt eine solche Tanke gar ein eigenes Kraftwerk ?) Unmöglich wird Ihre Empfehlung bei der Lösung des „wann“: Wer die Stromerzeugung Deutschlands verfolgt , muss erkennen, dass dieser 100 % Ökostrom nur an einigen Tagen in wenigen Stunden verfügbar ist und sein wird. Zuverlässigkeit in Abhängigkeit von Wetter ist nicht zu haben! Selbst bei Vervielfachung der Windräder: Ohne Wind kein Strom. Vermuten Sie, dass eine CO2-Steuer den Wind verstetigen könnte ? Fazit: Eine Elektrifizierung mit CO2-armer Stromproduktion ist nur mit (Atom)-Kernstrom denkbar. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Natürlich könnte es funktionieren, wenn wir nicht mehr fahren würden…….. – Dipl. Ing.W. Eckardt

Herr Claas Tatje hat Recht. Regierung und Autoindustrie sollten sich zusammentun und gemeinsam für den Klimaschutz kämpfen. Sonst wird Deutschland seine Klimaschutzziele nie erreichen. — Aber dieses wird ggf. m.E. niemals ausreichen. Nur der Durchschnitts-Konsument kann die deutschen Klimaschutzziele vielleicht noch rechtzeitig erreichen. Der Durchschnitts-Konsument hat m.E. doch die Wahl. 8 Beispiele :
1. Strom aus fossilen Energieträgern oder Ökostrom ohne Strom aus Biomasse. Und Windgas für Haushalte sowie Speicherung zwecks Stromerzeugung. — 2. Auto oder Bahn-ÖPNV-Fahrrad-notfalls Taxi. Autohersteller können auch mehr und bessere öffentliche Verkehrssysteme produzieren. — 3. Hausbau mit Landschaft-Versiegelung oder Wohnung in Bahn-ÖPNV-Nähe. — 4. Flug-Schiff-Auto-Reisen oder Bahnreisen ohne Klimagase und Giftgase, also mit BahnCard. — 5. Tiere essen oder Pflanzen essen. — 6. Mode oder langlebige Qualitätskleidung. — 7. Plastik oder tägliche Aktivität pro Pappe, Papier und Stoff. — 8. Erwerbsarbeit für Überfluss/Luxus oder mehr Zeit für Wesentliches.

Bürger, die sagen, dass man nichts ändern kann, wollen nichts ändern. Diese Bürger müssen den Enkeln und Urenkeln heute und später sagen : “ Kind, wenn wir das damals gewusst hätten, dann hätte doch niemand … “ – Volker Freiesleben


 

Leserbriefe zu „»Stimmt es, dass Sie sich während der Pariser Modewochen zweimal am Tag die Haare machen lassen?« »Nein, nur einmal«“ von Khuê Pham und Elisabeth von Thurn und Taxis

Ihr Interview mit Frau Wintour habe ich mit großem Interesse gelesen. Ich fürchte auch ich gehöre zu jenen, die dem Mythos der Anna Wintour verfallen sind. Am meisten überrascht hat mich jedoch der Kommentar, dass die Fragen Karl Lagerfeld betreffend nachträglich schriftlich von Frau Wintour beantwortet wurden. Diese Fragen stehen in der Mitte des Interview. Ich würde sagen der Text ist geschnitten – wenn ich mich der Sprache des Films bedienen darf. Mich überrascht dies sehr, insofern, dass ich davon ausging, dass die Präzision eines Interviews ähnlich der der wörtlichen Rede sei. Wie muss ich mir den Prozess vorstellen? Muss der fertige Text von der Interviewten freigegeben werden bzw. gibt diese ihr Einverständnis an welcher Stelle die Passagen eingefügt werden? Ist es auch in anderen Interviews so, dass die Reihenfolge der Fragen nicht der zeitlichen Reihenfolge entsprechen muss? – Simon D. Leimkühler

Ich habe interessiert angefangen, das Interview mit Vogue-Chefin Anna Wintour im Zeit-Magazin zu lesen. Bei den Ticket-Preisen für die Met-Gala habe ich aufgehört. Wie können Sie unkommentiert so etwas schreiben? Kein Normalverdiener wird in seinem Leben je 275.000 Dollar oder Euro sehen – und so viel kostet ein Tisch bei dieser Veranstaltung? Das ist pervers! Bei all dem Elend und der Armut auf der Welt wird mir schlecht, wenn ich so etwas lesen muss. Nicht nur, dass diese Menschen völlig abgehoben vom Rest der Welt ihr Dasein fristen, nein, sie schmeißen auch noch Unsummen für ein solches Vergnügen zum Fenster raus. Mit diesem Geld könnte man ein afrikanisches Dorf jahrelang ernähren! So exklusiv dieses Interview auch ist, über so eine Person möchte ich dann nicht mehr erfahren. Es gibt auch Modemacher, die inzwischen auf diesen Zirkus verzichten, weil an einem Abend so viel Geld rausgeballert wird, um irgendwelchen Kram zu präsentieren, den sich eh niemand leisten kann. Darüber sollten Sie mal schreiben. Über Menschen, die sich Gedanken über die Welt machen. Nicht über solche, die sie ignorieren oder denen das Fußvolk egal ist, weil sie keine Berührung mehr mit ihm haben. Die Frau ist auch nur ein Mensch und offensichtlich kein sehr bewusster. – Katrin Freudenberg


 

Leserbriefe zu „Wie macht man die Economyclass zum Erlebnis?“ von Thilo Mischke

Toller Artikel! Sie haben leider nicht erwähnt, dass man nicht größer als 1,70m sein sollte. Ich bin 1,90m, da gibt es immer „Entfaltungsprobleme“. – Lutz Grützner

Ich bitte Sie den Artikel zu revidieren. In diesem Artikel wird die Einnahme von Schlaftabletten empfohlen, was grob fahrlässig ist. Als langjährige Mitarbeiterin einer Fluggesellschaft habe ich mehrere medizinische Notfälle aufgrund der Einnahme von Schlaftabletten, ohne einen Arzt zu konsultieren, an Bord erlebt. Ganz abgesehen davon, dass Sie das Erschleichen von Mahlzeiten an Bord bewerben. Ein unglaublich unseriöser und zudem gefährlicher Artikel. Hinsichtlich der gesundheitlichen Angelegenheit sehe ich mich gezwungen rechtliche Schritte gegen Sie einzuleiten, sollten Sie keine öffentliche Stellung dazu beziehen. – Nada Benariba


 

Leserbriefe zu „Souverän reingequatscht“ von Lars Weisbrod

BLÖD VORBEIGEQUATSCHT! Gottschalk hatte ein “ bisschen“ gelesen, wollte ein „bisschen“ wissen. Aber nicht zu viel, denn das Wichtigste an der Sendung war ja er mit seinem ach so tollen Gequatsche. Anders kann man das nicht bezeichnen! Der arme v. Schirach tat einem richtig leid. G. hatte kein Gespür für das, was v. Schirach sagen wollte. Oder er sollte es gar nicht sagen. Es passte nicht in den Kram. Literatur kommt so genauso wenig zur Geltung wie die Autoren!! Voll daneben die Sendung!! – Inge Daniels

Zugegeben, ich bin etwas voreingenommen an die Sendung rangegangen! Eigentlich sollte so eine Sache doch eine Nummer zu groß für einen Gottschalk sein! Hat er nun die Hürde zum Literaturkritiker genommen? Bedingt! Gottschalk ist und bleibt ein Selbstdarsteller, eine Diva. Bücher und Autoren waren Beiwerk für seinen Auftritt. Mit weiblichen Autoren kann er flirtend herumschäkern, vor dem arrogant-klugen von Schirach hatte er Muffe, über dessen Buch wurde dann ja auch kaum gesprochen. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass von Schirach nur gekommen war, um den Moderator auf den Arm zu nehmen, als er z.B. sagte, die Gottschalk-Suite im Münchener Bayerischen Hof habe er abgelehnt, weil zu bunt und schrill, ein kleines bescheidenes Zimmerchen sei ihm lieber gewesen. Ich möchte mit der Volksweisheit enden, die da sagt – Schuster bleib bei Deinen Leisten!Volker Krause


 

Leserbriefe zu „Ganz liebe Grüße“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Da bringen Sie also einen Bericht über die verloren gehende Kultur des Handschriftlichen. Das ist doch ein verdienstvolles Thema. Aber wieso, bitte, muß das mit Uhren verbunden werden – und mit (Schleich-)Werbung für dieselben?? – Klaus Brake

Die Zeit von Tillmann Prüfer mit seinem ungewöhnlichen Vornamen, lebte in meiner Zeit. Ich war einer der besten im Schönschreiben, mit der Grammatik dafür nicht so gut. Die Benotung hat meinen Vater missfallen. Er hätte es lieber umgedreht. Ich habe leider meine Briefe der Müllabfuhr überlassen. Ich bedaure sehr, daß das alles Vergangenheit ist. Ich musste auch ein paar Mal die Handrücken für den Rohrstock hinhalten. Das tat verdammt weh. Hat aber bei den Schülern gefruchtet. Ich wünschte mir in manchen Situationen diese Erziehung wieder zurück. Obwohl ich bei meinen Kindern großzügiger verfahren habe, wäre es heute auch nicht verkehrt. Aber das nur am Rande. Meine Handschrift ist heute noch gut leserlich. Laptops und im besonderen der Handygebrauch ist das Ende der Zivilisation. Diese Verblödungsgeräte können nicht die Zukunft sein. Das wird ihr Autor anders sehn, wenn ich das richtig einschätze. Aber, vielleicht wird er es auch verstehen. – Gunter Knauer


 

Leserbriefe zu „»Eine Woche voller Albträume«“ von Andreas Krämer

Die Frage:,“Würde die Appeasmenthaltung von Chamberlain heute auch ins Unglück führen?: Sollte einer ihrer Redakteure beantworten. Für meine Begriffe unterstelle ich der heutigen Regierung und der EU eine ähnliche Haltung. – Gunter Knauer

Im Zusammenhang mit Berichten über Chamberlain und „München“ stelle ich immer wieder eine historische Wissenslücke bei den Schreibenden fest. In dem spannenden Buch von Willi Berthold „Die 42 Attentate auf Adolf Hitler“ wird im Kap. „Stoßtrupp gegen die Reichskanzlei“ von einem damals 1938 präzise vorbereiteten Staatsstreich berichtet (u.a. mit Halder, Canaris, v.Witzleben, Gördeler). Wenige Kilometer von der Reichskanzlei saß über Tage ein einsatzbereiter und zu allem entschlossener, gut bewaffneter „Stoßtrupp Heinz“, um Hitler zu verhaften, im Notfall auch zu erschießen. Truppen um Berlin standen für die militärische Machtübernahme bereit. Der Staatsstreich wurde abgesagt, als Hitler das Münchner Abkommen unterschrieb, gedrängt von Mussolini. Die Gestapo deckte diese Planungen erstaunlicherweise erst 1944 auf. Sehr geehrte Zeitgeschichte-Redaktion, ich finde es wirklich an der Zeit, wenn Sie hiervon in einem großen Artikel berichten, liegt der doch in senen Grundzügen schon in dem Buch von Herrn Berthold vor. – Thomas Schöpel


 

Leserbrief zur Grafik „Fußball in Zahlen“ von Pia Bublies und Jan Schweitzer

…wenigstens auf einer Seite der ZEIT ist die Gender- Welt noch in Ordnung:
Bei „Fußball in Zahlen“ geht es ausschließlich um den deutschen Herrenfußball. Es versteht sich anscheinend von selbst, das es sich bei „den Bundesligisten“ um Männer handelt; auch wenn die Damen zeitweise erfolgreicher gekickt haben als die Herren. Ich erlaube mir den Hinweis, dass auch die Damen eine Bundesliga haben. Die Seite von Herrn Schweitzer kann ich nur als klassisches Eigentor bezeichnen. Es wundert mich, dass der Grafikerin nichts aufgefallen ist… – Marlies Weidenfeller


 

Leserbrief zu „Lebenskunst“ von GRN

Mit der Stechuhr, im Job „Kunst am Bau“ den Anwesenheits-Beweis anzutreten, ist unvereinbar mit dem Künstlerberuf. Das Angebot hier ehrt den Künstler, ist jedoch vermessen in seiner Reglementierung und eines Künstlers unwürdig. Von Berufs wegen der Freiheit verpflichtet, ein Kunstwerk zu schaffen, wie hier am neuen Göteborger Bahnhof, basiert auf hoher künstlerischer Eignung und verträgt sich keineswegs mit der herkömmlichen Korrektheit des staatlichen Auftraggebers. Die Schaffung eines Kunstwerks erfordert fließende Zeit, kein Tag ist wie der andere. Der Gestaltungsprozess erweist sich als hochkonzentrierte Lebenszeit des Künstlers selbst und die gleichzeitige Erweckung neuen Lebens in der Kunst durch den Künstler. Er entsteht konträr zu taktischem Arbeiten. So ist er auch nicht vergleichbar mit der Produktion gewöhnlicher Dinge. Die Stechuhr ist hier fehl am Platz und der Auftrag gehört in dieser Form abgelehnt. – Dagmar Löbert


 

Leserbrief zu „Spotify: Warum legt sich der populäre Musik-Streamingdienst jetzt mit Apple an?“ von Felix Rohrbeck

Ich habe auf Internetredios umgestellt und war überrascht, dass da irgendeine Spotify-Anzeige aufschien. Alle Sender, die ich höre, kann man über einen Browser aufrufen und hören: DLF, WDR5, SRF2, NDRinfo usw. Aber Spotify hat die Hand auf die Radio-Hersteller gelegt und man muß sich erst registrieren, um seine Sender auswählen zu können – mit einer merkwürdig rückständigen Technik. Die Speicherung der eigenen Senderauswahl könnte eleganter auch im Radio gespeichert werden. Aber – da unterscheidet sich Spotify nicht von Apple & Co. – sie wollen Kontrolle über die Nutzung. Wieso ist Spotify eigentlich populär? – Gerhard Schroeder


 

Leserbrief zu „Als Amerika die Welt noch begeisterte“ von Matthias Nass

Ben Rhodes hat von seinem Chef eine ehrliche Antwort abgegeben. Ich glaube, das der schwarze Obama nur (für mich war er eher braun) so denken kann, weil er dieser Rasse angehört. Ihr Leben in Nordamerika hat sie so stark gemacht. Diese ständigen Demütigungen hat Obama stark gemacht. Nicht nach der Waffe zu greifen sondern den Weisen zu zeigen, das alle Menschen gleich dumm oder gescheit sind. Wenn einer den Friedenspreis verdient hat, dann ist er es. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Damals“ von SEB

In den Werbespots des Fernsehens war lange Zeit ein gewisser Dr.Best für das dentale Zubehör verantwortlich. In etwas dröger Manier bot er seine Mittelchen an, Da ist der Elefant überzeugender.Aber dann haben die Werbefuzzies ein Problem. Wie soll das Rüsseltier Zahnseide benutzen?Allein schon die Stärke, Bindfäden oder Wäscheleinen ? Daher, Dr.Best übernehmen Sie bitte. – Hans-Emil Schuster


 

Leserbrief zu „Schund oder Schatz“ von Katrin Hörnlein und Johanna Schoener

Der deutsche Jugendliteraturpreis fördert das Lesen in Buchclubs gibt diesen die Chance, sich für eine Jugendjury zu bewerben. Seit vielen Jahren prämieren diese Jurys durchaus anspruchsvolle Kinder- und Jugendliteratur aus, wie ich in meinem jüngsten Buch aufgezeigt habe. – Dr. Rita Zellerhoff


 

Leserbrief zu „Der Spahn der Woche“ von Harro Albrecht

Vielen Dank für diesen Artikel in der ja doch meist eher ärztekritischen ZEIT. Ihrer Liste der ganz und gar unpopulären Maßnahmen füge ich gerne noch eine weitere, ganz radikale, hinzu: Patienten sagen nicht benötigte Termine rechtzeitig ab, anstatt einfach nicht zu erscheinen! Das hätte in meiner Facharztpraxis im Jahr 2018 ca. 200 Patienten einen Termin ermöglicht, ganz ohne Mehrbelastung für irgendwen! Selbst für die durch Terminvergabestellen teuer vermittelten Akut-Termine (hier geht es um Millionenbeträge, finanziert durch alle Beitragszahler) gilt: bis zu 20% werden unentschuldigt nicht wahrgenommen. Was könnte populärer (i. S. von „volksnah“ & „gemeinverständlich“) sein, als die Menschen hierüber aufzuklären und steuernde Maßnahmen auch auf dieser Seite zu ergreifen? – dr. med. christian kiefer


 

Leserbrief zu „Elite-Unis: Kann man die Plätze kaufen?“ von Heike Buchter

Hat ihre Autorin Heike Buchter auch richtig recherchiert? Für seinen Sohn hat mein Bruder zur Yale-Uni keinen Cent bezahlt. Das ist allerdings 20 Jahre her. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Digitale Anfänger“ von Jens Tönnesmann

Sie treffen mich ins Mark. Keine Ahnung vom digitalen Leben hat mich und meine Familie gesund gemacht. In meinem Unternehmen kommen nur Menschen der alten Schule. Mit meinen Kunden werden die Geschäfte nur persönlich und über Telefon gemacht. Und das sehr erfolgreich. Heute wird ja geglaubt, so wie ihr Autor, ohne digitales Leben kann nichts mehr funktionieren. Das wird den Menschen tagtäglich suggeriert. Eine Macht hat sich da aufgebaut, die, die Menschen alle psychisch krank gemacht hat. Wo leben wir denn. Bewahrendes gilt es zu erhalten und die Globalisierung wird als gegeben hingenommen. Wo sind wir denn. Ziehaufmännchen -,so nun lauf Mal schön. Und ich sage ihnen noch etwas: Die Weltunternehmen oder die Unternehmen die international unterwegs sind, wir übrigens auch (Bauzubehör), verfahren nicht anders. Wenn die Organisation digital eingerichtet wird, ist das ihre Sache. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Auf verlorenem Posten“ von Claas Tatje

Den Bericht im Wirtschaftsteil derZEIT veranlasst mich nachzufragen, warum es bei der Recherche ähnlicher Themen keine Nachschau gibt. Ich erinnere mich an Reportagen in Ihrer Zeitung, die den von der IG- Metall dominieren Betriebsrat bei VW wie auch be Daimler betrafen. Wie sind die Verhältnisse heute? – Dr. Peter Steinig


 

Leserbrief zu „Auf verlorenem Posten“ von Claas Tatje und zu „Der große Unterschied“ von Kerstin Bund et al.

Es wird Zeit, das wir unsere Stimmen erheben. Es wird Zeit, dass wir endlich Politiker wählen, die unser Land entwickeln, statt es zu bremsen indem sie vor der Wirtschaft kriechen. Und es wird Zeit, dass wir Leute, die sich wehren, unterstützen und diese Dinosaurier und ihre ihnen nacheifernden Ziehsöhne in die Wüste schicken. – Regina Kaiser


 

Leserbrief zu „Boeing: Finden Fluggesellschaften Ersatz für die 737 Max?“ von Ingo Malcher

Zu geringe Redundanz bei der Ausstattung des Flugzeuges mit Sensoren und Fehler in der Software, durch die Wechselwirkungen zwischen Autopilot (KI) und dem Piloten (menschliche Intelligenz) nicht hinreichend berücksichtigt wurden, sind wohl die konkreten Ursachen für die BOEING 737Max-Abstürze. Dazu kommt, dass die personelle Situation bei den Prüf- und Zulassungsbe-hörden nahezu immer so ist, dass bei der Produkt-(Fluggeräte-)Prüfung auch die Fachkompetenz des Produkt-Herstellers in Anspruch genommen werden muss. Dadurch sind die Abnahme- und Zulassungsprüfungen von Flugzeugen nicht vollkommen unabhängig von den Angaben der Flugzeug-Hersteller. Die 737-Abstürze sind mögliche, daraus folgende Ereignisse. Falls diese Prüf- und Zulassungs-Situation weiter so bestehen bleibt, lassen sich neue KI-Anwendungen künftig nicht bedenkenlos einführen. Der Begeisterung etwa für „Autonomes Autofahren“ oder gar „Lufttaxi“ kann man dann nicht folgen! – Dr.-Ing. Bernhard Wiegele


 

Leserbrief zu „ICH HABE EINEN TRAUM“ von Dalad Kambhu

Ich bin ich immer wieder erstaunt, wenn ich das Magazin durchblättere und in der Rubrik „Ich habe einen Traum“ hängen bleibe. Die Fotos sind einfach jedes Mal phänomenal. Das ging mir bis jetzt jedes Mal so und ich finde, dann wird es mal Zeit ein außerordentliches Kompliment an den Fotografen auszusprechen, dass ihn hoffentlich erreicht :) – Bernhard Schekatz


 

Leserbrief zu „Es ist angerichtet“ von Jochen Bittner

Wer den Artikel von Jochen Bittner gelesen hat, muß begriffen haben, daß es keine EU-Außengrenze zwischen Nordirland und der Republik geben darf. Da gibt es nichts auszusitzen oder auf „spätere“ Einfälle zu hoffen. Die Frage ist nur, warum niemand von den entscheidenden Politikern wagt, das Problem auf der Ebene zu thematisieren, wo es angesiedelt ist und lösbar wäre, wodurch andererseits aber auch die immensen Kosten deutlich würden. Die Optionen sind nämlich:
a, Nordirland trennt sich von Großbritannien und verwaltet sich selbst autonom – wir haben noch mehr staatliche Gebilde dieser Größenordnung (Malta, Slowenien).
b, s.o., es bleibt aber im Status der Suzeränität mit Großbritannien verbunden, was die Außenpolitik betrifft.
c. Es gibt ein gesamtirisches Referendum, worauf Bittner mit dem Hinweis, daß das Friedensabkommen von 1998 dies ja nicht ausschließe, anspielt. Das Problem damals war, daß die empathisch vom Süden beschworene und besungene „one nation once again“ eine extrem konservative – nicht nur in der Abtreibungsfrage – geworden wäre, vor der es dem liberaleren Norden, der auf die britische Lebensart nicht verzichten wollte, abgrundtief graute. Auch wenn sich dieser Widerspruch durch die gemeinsame Zeit in der EU und die damit verbundene Durchlässigkeit abgeschwächt hat, ohne eine föderalistische Garantie weitestgehender Eigenständigkeit Nordirlands würde die Abstimmung mit den erwartbar klaren Mehrheitsverhältnissen für die Einheit keine politische Stabilität schaffen.
d, Das gleiche würde erst recht für ein rein nordirisches Referendum gelten, in dem Nordirland entscheidet, ob es zur Republik oder weiter zu Großbritannien gehören möchte. Fällt die Entscheidung zugunsten Großbritanniens, was ebenso gut denkbar ist wie das Gegenteil, sorgte dies für ein Wiederaufleben der Kämpfe, weil das Grenzproblem nicht gelöst wird.

In Wirklichkeit gibt es nur eine Lösung:
e, Wir halten Großbritannien in der EU, unter Aushandlung von Bedingungen, die dem Land eine gesichtswahrende Rückkehr in die europäische Familie erleichtern. Statt der Versuchung nachzugeben, ein Exempel zu statuieren, um andere Mitglieder, die ebenfalls mit dem gegenwärtigen Kurs Europas nicht einverstanden sind, abzuschrecken, ließe sich die aktuelle Problematik nämlich auch als Chance für eine längst fällige Kurskorrektur begreifen. Man könnte einen großzügigen Brexit-Delay dafür nützen, erst einmal in einem gesamteuropäischen Diskurs gemeinsam und demokratisch zu klären, wie wir unser Europa so gestalten wollen, daß es überlebensfähig bleibt und die Freiheit und Individualität ihrer Nationen wahrt. Dies setzte allerdings voraus, daß die Entscheider in der EU endlich einmal in sich gehen und darüber reflektieren, was sie falsch gemacht haben und was so verkehrt gelaufen ist, daß man heute mit populistischen Thesen und Separationsbestrebungen Wahlen gewinnen kann. Europa täte gut daran, die nach dem verheerenden Weltkrieg mit viel gutem Willen aller Beteiligten gefundene Balance zwischen seinen Staaten und Völkerschaften mit ihren sehr unterschiedlichen politisch-kulturellen Physiognomien und Animositäten zu wahren. Ein Austritt Großbritanniens, dessen Verlust in mehr als ökonomischer Hinsicht sehr schmerzlich für Europa ist, würde dieses Gleichgewicht ganz empfindlich stören und den tragenden Prozeß noch mehr auf die Dualität Deutschland-Frankreich verlagern und zuspitzen, was den anderen, vor allem den kleineren Mitgliedern nicht gefallen kann und – je mehr sich das gesamte Machtzentrum Börse, Banken, die militärischen Grundlagen unserer Verteidigung – wie von manchem Verbündeten gewünscht – an die Seine verlagert, auch wieder alte Rivalitäten erwecken könnte. Für politische Schwergewichte wie Adenauer oder Schmidt, die aus der Geschichte zu lernen bereit gewesen waren und Entscheidungskraft, Weitsicht und Besonnenheit in sich vereinten, war ein friedliches „Europa der Vaterländer“ ein achtbarer Begriff und ein ernsthaft anzustrebendes Ziel gewesen, das sie über fast ein halbes Jahrhundert zäh und beweisbar mit Erfolg vorangetrieben haben. Diejenigen, die dabei sind, hinter dem Rücken ihrer Völker die rechtsstaatlich verfaßten und demokratisch legitimierten Nationalstaaten in supranationale Strukturen aufzulösen, sind die Bewährungsprobe vor der Geschichte noch schuldig. – Felicitas Englisch


 

Leserbrief zu „Pünktlich erst 2050“ von Matthias Gastel

Wie schön, daß die ZEIT Ihnen Raum gegeben hat für Ihre Vorschläge zur Sanierung der Bahn, wenn schon die Regierungsparteien nach wie vor und allen Protesten zum Trotz festhalten an ihrer Auto- und Fluzeugfreundlichen Politik, die den Klimawandel immer noch mehr beschleunigt. Als vor Wochen diese unsägliche Debatte über Dieselfahrverbote und Tempolimit die dümmsten Kommentare von Autofahrern und auch vom Herrn Verkehrsminister persönlich hervorbrachte, – Da hatte Huawei gerade meinen Laptop lahmgelegt und mir den Internetzugang verbaut mit einer Unerwarteten Änderung des Programms, Zufall ? So hat sich meine Wut über das Freiheitsgeschwätz der Autofahrer, mit deren geradezu brutalen Rücksichtslosigkeit ich schon in jungen Jahren konfrontiert wurde, verbal entladen. Daß wir uns nicht schämen, tagelang und ergebnislos um erlaubte km/h zu feilschen, während Anderswo auf der Welt Tropenstürme toben, auch durch unser Verhalten ausgelöst, die Todesopfer Fordern und unzählige Menschen in Verzweiflung treiben. S o l i d a r i t ä t – das Wort möchte ich von manchem Politiker nicht mehr hören. I c h, selbst alte Bahnfahrerin, schimpfe selten über die Bahn. Eigentlich fast gar nicht. Gerade erst bin ich von einer Reise zurückgekehrt, die ich ohne Den zuverlässigen, pünktlichen, sehr bemühten und allzeit freundlichen Mobilitätsservice der Bahn So nicht hätte machen können. Ganz entspannt. „Faire Wettbewerbsbedingungen unter den Verkehrsträgern“ fordern Sie, Herr Gastel. „Faire Wettbewerbsbedingungen unter den Parteien“ bei der Präsentation in den Medien fordere ich, nachdem sich nun wieder die groß spreizen, die während der Klimakonferenz in Katowice vorwiegend mit ihrer Profilierung beschäftigt waren und, schlimmer noch, uns von Wichtigerem abzulenken versuchten. – Beate Schwärzler


 

Leserbrief zur Fotokolumne „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

Auch ein behindertes Kind ist in erster Linie ein Mensch, hat ein Recht auf eine Intimsphäre und eine Würde. Im Gegensatz zu gesunden Kindern wird dieses Kind nicht gegen seine Eltern klagen können. Die Bilder sind in der Öffentlichkeit, seine Schwächen werden analysiert und an die Oberfläche gezerrt. Besonders das Bild (13) ist komplett verstörend, voyeuristisch und ohne jede Schamgrenze. Nicht nur dass man den Penis sieht, man sieht die Hilflosigkeit und die Wehrlosigkeit dieses menschlichen Geschöpfes. Ich selbst habe zwei Kinder und diese auch – für mich – nackt fotografiert. Aber nie würde ich die Bilder weitergeben oder hochladen. Ich selbst war mir nicht sicher, ob ich als Mutter das Recht habe das zu tun. Es stellt sich doch die Frage, darf man einen Menschen erst dann fotografieren, wenn er zustimmen kann. Bitte stellen Sie die Serie ein, Herr Jaenicke kann soll sich eine anständige Arbeit suchen: Pizza backen oder Gärten anlegen – Sabine Horn