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16. Mai 2019 – Ausgabe 21

 

Leserbriefe zum Titelthema „Kollegen“

Wieder haben Sie ein sehr aktuelles Thema als „Aufmacher“ gewählt, mit vielen interessanten Artikeln aus allen Ressort, wirklich lesenswert! Verwundert bin ich über das Titelbild. Die Überschrift „Die Kollegen – Fluch und Segen“ wird mit zwei Frauen bebildert. Hier kann ich keine „Geschlechtergerechtigkeit“ erkennen, weder in der Sprache noch im Foto. Inklusive oder geschlechtergerechte Schreibweise ist manchmal schwierig, das stimmt. Aber ein „geschlechtergerechtes“ Foto zu finden vermutlich nicht. Schade, dass hier die Redaktion so wenig sensibel war. Denn „Fotos sind schnelle Schüsse ins Gehirn“ sagte schon vor Jahrzehnten ein Marketing-Professor zum Thema Werbung. Warum also zwei Frauen zu diesem Thema? Dachte man unbewusst an „Zickenkrieg“ zwischen Kolleginnen? Ich hoffe nicht. Meine Bitte: Beim Titelbild künftig „geschlechtergerecht“ auswählen, wenn das Leit-Thema beide Geschlechter (oder m, w, d) gleichwertig betrifft. Das Ziel, inklusive Schreibweise und geschlechtergerechte Bilder zu finden, sollte der ZEIT doch gelingen. – Dr. Anneliese Mayer

 

Kollegen, die kann man/frau sich leider nicht aussuchen, das klingt ganz ähnlich, wie die Sache mit der „buckligen“ Verwandtschaft! – Riggi Schwarz

 

 

zu „Frau Wagner macht Stress“ von Anne Hähnig

Wer es liebt, jungen Leuten zu begegnen, sie zu erziehen und zu unterrichten, lässt sich von ein paar missgünstigen Kollegen nicht davon abhalten, dies möglichst lange zu tun. Stattdessen veröffentlicht die Früh-Ruheständlerin Wagner lieber eine ebenso faktenarme wie gehässige Anekdotensammlung über ehemalige Mit-Lehrende, die andere Empörte und Frustrierte unterhalten mag, aber zu einem reifen, professionellen und menschlichen Umgang miteinander in der Schule – und, ja, das gibt es ziemlich oft – wenig beitragen dürfte. – Andreas Goletz-de Ruffray

 

Ich finde es überaus löblich, das Thema KOLLEGEN über die ganze Ausgabe der neuen ZEIT in unterschiedlichen Kontexten zu beleuchten. Allein was die Autorin über Frau Wagner schreibt, scheint mir irgendwie deplaziert. Wenn man über Inhalte eines Buches schreibt, sollte man es eigentlich gelesen haben – ich habe Frau Wagners Buch nicht gelesen und beziehe mich deshalb lediglich auf den Artikel in der ZEIT. Hier kommt ein frustriertes „Lehrermuttchen“ zu Wort, das es wohl an keiner ihrer Schulen länger als gut ein Jahr ausgehalten hat. Diese Bandbreite nimmt Frau Wagner zum Anlass, über einen Berufsstand pauschalisierend und despektierlich herzuziehen, dass einem die Haare zu Berge stehen. Ich war selbst 40 Jahre Gymnasiallehrer in Baden-Württemberg und kann keine einzige dieser Beobachtungen auch nur im Ansatz bestätigen. Inkompetenz, Neid und Machtmissbrauch gibt es überall, aber dass dies den Alltag in deutschen Lehrerzimmern beherrscht, wage ich zu bezweifeln. Ich war selbst immer ein überaus engagierter Lehrer, mich hat aber keiner meiner Kollegen jemals ausgebremst, behindert oder gar gemobbt – dazu hätte ich es auch gar nicht kommen lassen. Ich habe auch nie erlebt, dass in einem Lehrerzimmer „viel geheult“ wurde. Man kann doch nicht einfach behaupten, dass „die Falschen“ den Lehrerberuf ergreifen.

Aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung in der Lehrerausbildung und als Vorsitzender bei Lehramtsprüfungen habe ich so meine eigenen Prozentzahlen entwickelt: Aus meiner Beobachtung gibt es im Lehrerberuf 20% exzellente und begnadete Pädagogen, die eigentlich „direkt vom Himmel gefallen“ sind, weitere 60% sind Lehrer, die ihre Arbeit anständig machen und die durch das Referendariat entsprechend gut auf den Job vorbereitet wurden. Allein 20% sind echte „Pfeifen“, auf die manche Beobachtungen von Frau Wagner durchaus zutreffen und die das negative Bild unseres Berufsstandes in der Öffentlichkeit allzu oft prägen. Aus Frau Wagner spricht eine frustrierte Rentnerin, der es offensichtlich gelingt, das Bild der „verbitterten, älteren Kneifzange“ hinter ihren netten „kleinen Lachfältchen um die leuchtend blauen Augen“ zu verstecken. Als Anglistin wird sie ja ein Latinum hinter sich gebracht haben, deshalb bleibt hier nur das Fazit: „Si tacuisses philosophus mansisses“. – Franz Schneider

 

Zu meiner Person: Ich bin Lehrerin und hätte mit meinem Abitur damals auch Medizin studieren können, ich wollte aber unbedingt Lehrerin werden. Ich bin seit 25 Jahren im Schuldienst und habe an verschiedenen Schulen und in unterschiedlichen Schularten unterrichtet, teilweise in sehr schwierigen Klassen. Ich habe nirgends ein Kollegium angetroffen, das aus einer Ansammlung misanthropischer Narzissten bestand, es gibt immer das komplette Spektrum, wie überall übrigens. – Anne Deißler

 

Wer schlechte Erfahrungen mit seinen Kollegen gemacht hat, kann die verschiedenen Kritikpunkte sicher nachvollziehen. Hat man dagegen sehr engagierte Lehrpersonen erlebt, erinnert man sich gern an sie, wäre sogar bereit, eine Hommage an diese Berufsgruppe zu verfassen. Im Laufe meiner 42 – jährigen Tätigkeit als Lehrerin und Schulleiterin konnte ich sehr viele Lehrer kennenlernen, mit ihnen zusammenarbeiten, sie im Unterricht, auf Schulveranstaltungen, auf Konferenzen und bei der Zusammenarbeit mit der Elternschaft etc. erleben. Meine Erfahrungen waren in der Regel positiv. Wichtig ist, dass jeder Einzelne sich um ein gutes Miteinander bemüht, wozu der Schulleiter in besonderer Weise beitragen kann. Hätte Frau Wagner sich um eine Leitungsstelle bemüht, hätte sie wahrscheinlich weitaus mehr Möglichkeiten gehabt, einen positiven Einfluss auf das Verhalten ihrer Kollegen auszuüben, statt „Stress zu machen“. – Gabriele Gottbrath

 

Dieser ganze Artikel ist doch ein ausgekochter Schwachsinn. Frau Wagner ist eine verbittterte, frustrierte Person, die wegen ihrer Inkompetenz besser Tierpflegerin geworden wäre. Sie selbst sagt von sich, dass sie den Beruf nur aus Verlegenheit ergriffen hätte. Lehrer kann eben nicht jeder werden. Ein guter Lehrer muss über vielseitige fachliche, pädagogische und emotionale Kompetenzen verfügen, die Frau Wagner gerade nicht hat. Kein Wunder, dass sie von ihren Schülern und Kollegen kaum Anerkennung erhalten hat. Was ich aber überhaupt nicht verstehe: Warum erscheint ein solcher Artikel in der Zeit? Er ist das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt wurde. Ich nehme mal an, dass Sie noch eine leere Seite im Z-Teil füllen mussten. Aber jetzt mal im Ernst: Warum berichten Sie nicht über Lehrer, die von ihren Schülern zum besten Lehrer des Jahres gewählt wurden oder über Schulen, die in der Digitalisierung schon weiter fortgeschritten sind als manche Zeitungsredaktion usw. Ich von mir kann nur sagen: Ich bin seit 5 Jahren im Ruhestand und unterrichte trotzdem seit drei Jahren vertretungsweise an 3 bis 4 Tagen in der Woche und Sie werden es nicht glauben: Ich habe nette Schüle und ich habe engagierte, sympathische Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich sehr gut zusammen arbeiten kann. – Joachim Keller

 

Ich schreibe Ihnen heute als Vertreterin des Berufsstandes, den Sie als unfähig, intrigant, inkompetent, neidisch und machthungrig bezeichnen. Und ich schreibe Ihnen, weil ich Ihnen sagen möchte, dass es mir aufrichtig leid tut, dass Sie nach 22 Jahren und 14 Schulen so über Ihre Kolleginnen und Kollegen denken. Wenn man Ihnen und Ihrer bitteren Sicht auf Deutschlands Klassen- und Lehrerzimmer glaubt, muss man unweigerlich zur Ansicht kommen, dass unsere Kinder und Jugendlichen verloren sind. Sie müssen unter dem Regime böser, ignoranter, unfähiger Diktatoren lernen und leben. Diese wollen ihnen nur Schlechtes, sie demotivieren und demütigen ihre Schüler, booten ihre Kollegen aus, hassen ihren Beruf. Sie sind unsicher und unglücklich und heulen ständig über ihren schrecklichen Beruf. Liebe Frau Wagner, ich habe mir nach dem Lesen dieses Artikels so meine Gedanken gemacht. Als Lehrerin kann ich durchaus einiges darin finden, was ich so unterschreiben würde – zum Beispiel, dass Schule und Bildung in Deutschland ein großes Systemproblem haben, dass viele Lehrerinnen und Lehrer sich überlastet und überfordert fühlen, dass uns die Zusammenarbeit mit Kollegen manchmal fehlt und wir häufig mit den täglichen Problemen und Herausforderungen alleine gelassen werden. Sie beschwören aber eine düstere Welt herauf, die mir völlig unbekannt ist, und ich frage mich, woran das liegt. Daran, dass Sie in 22 Jahren an 14 unterschiedlichen Schulen unterrichtet haben, ständig wechseln mussten und sich so nie irgendwo eingewöhnen konnten? Daran, dass Sie – obwohl Sie genau das vielen Lehrern vorwerfen – selbst „Lehrerin aus Verlegenheit“ wurden? Daran, dass Sie sich selbst als Opfer einer übermächtigen, ungerechten und desinteressierten Lehrerschaft sehen, die Sie, die hochbegabte Schülerin, in jungen Jahren so demotivierte, dass Sie beschlossen, sich nun, Jahre später, am gesamten Berufsstand zu rächen? Oder daran, dass ich noch jung und nicht „im Herzen demoralisiert“ bin?

Ich kann bisher nur vier Schulen in meiner „Karriere“ aufweisen, inklusive Referendariat. An einer dieser vier Schulen war ich, so wie Sie, nur für einige Zeit angestellt, als Krankheitsvertretung. Diese Schule ist die einzige, an der ich mich nicht vollkommen wohl gefühlt habe. Dort war ich scheinbar nur zu Gast, nicht richtig integriert, weil ich nur an wenigen Tagen da war, vielen Kollegen unbekannt. Vielleicht ging es Ihnen ja deshalb an Ihren Schulen auch so. Befristete Verhältnisse sind ungerecht und sorgen nicht dafür, dass man sich in einem Kollegium zuhause fühlt. Ihre Sicht auf das Lehrerzimmer als eine Art Vorhölle, in der permanent Krieg, Mobbing und Konkurrenz herrschen, ist mir jedoch unverständlich. Trotz knapper Pausen, die keine sind, weil immer ein Schüler etwas braucht, man mit seinen Kollegen etwas besprechen oder organisieren muss, ist das Lehrerzimmer für mich der Ort, an dem ich mit meinen Berufsgenossen zusammenkommen, mich austauschen, lachen und ja, lustige oder frustrierende Geschichten über Schüler erzählen kann. Meine Kolleginnen und Kollegen unterstützen und helfen sich gegenseitig. Die von Ihnen beschriebenen Machtkämpfe erlebe ich nicht, ebenso wenig wie Dauerkrieg oder die Ausbremsung motivierter Kollegen durch resignierte. Im Gegenteil – es wird gelacht, gearbeitet, geholfen und auch gerne mal zusammen gefeiert. Liebe Frau Wagner, es tut mir aufrichtig leid, was Sie in Ihrer Laufbahn erlebt haben. Dass diese Erfahrungen sehr subjektiv und möglicherweise sehr emotional aufgeladen sind, müssen Sie doch aber zugeben. Dass Ihre „Argumentation“ kaum belegbar ist, da Sie immer nur von Erinnerungen und verschwommenen Szenen berichten, macht Ihre Sicht zwar ganz interessant, aber nicht allgemeingültig. Was genau Sie nun kritisieren, wird mir auch nicht ganz klar. Die Lehrer und ihr Umgang mit den Schülern? Das Verhalten der Lehrer untereinander? Das Bildungssystem? Sie bieten hier eine Pauschalabrechnung mit allem und jedem und stützen sich dabei lediglich auf Ihre persönlichen Erfahrungen. Das mag nachvollziehbar und verständlich sein, wenn Sie mit Freunden, Bekannten und Verwandten Ihre Schulkarriere Revue passieren lassen. Dass Sie aber Ihren und damit meinen gesamten Berufsstand so pauschal und bitter verurteilen, das ist unfair und selbstgefällig. Genauso unfair und selbstgefällig, wie Sie uns Lehrer bezeichnen. –Hanna Gegner

 

Da ich ähnlich wie Frau Wagner an mehreren Schulen als Lehrer und an fünf Gymnasien bzw. Auslandsschulen als Leiter tätig war, habe ich über 400 Kolleginnen und Kollegen kennen gelernt. Auch ich habe mit Pädagogen zusammengearbeitet, die autoritär waren oder anbiedernd, fachlich hervorragend, aber schlechte Vermittler; überlastet, reformmüde, resigniert, verunsichert. Es gibt Lehrer, die in einem Sportverein Großes leisten, aber an der Schule über reine Pflichterfüllung nicht hinauskommen; Kolleginnen, die morgens verängstigt das Schulgebäude betreten und am Ende in der Psychiatrie landen; Kollegen, die man nicht länger als ein Jahr in einer Klasse einsetzten kann, weil sich Eltern schon nach drei Monaten über ihre Erziehungsmethoden beklagen usw. Frau Wagners Einzelbeobachtungen klingen glaubwürdig, zeichnen aber ein verzerrtes Bild vom deutschen Lehrer insgesamt und haben ihren wahren Grund in der keinesfalls neuen Erkenntnis, dass Schulen zu Sammelbecken gesellschaftlich nicht gelöster Probleme geworden und Lehrer zu Alleskönnern verdammt sind: Sie sollen helfen, erziehen, unterrichten, reformieren, evaluieren, kommunizieren, administrieren (HEUREKA!). Ich habe Pädagogen angetroffen, die auch die Extrameile gegangen sind, die ihre Schüler gut kannten und so behandelten, die gerecht waren und Leistung von Verhalten trennten, die Unterricht didaktisch und methodisch gekonnt vorbereiteten und durchführten und deren Tafelbilder kleine Kunstwerke waren. Sie traten Schülern und Eltern gegenüber verständnisvoll, aber selbstbewusst auf. Es waren Persönlichkeiten, die von ihrer Arbeit überzeugt waren und sich auch von einflussreichen Eltern ihre Maßstäbe nicht vorschreiben ließen. Sie waren Reformen gegenüber skeptisch, aber arbeiteten an ihrer Umsetzung engagiert mit, wenn sie darin Verbesserungen erkennen konnten. Sie gingen mit ihren Klassen so um wie Klaviervirtuosen mit ihrem Instrument: Sie vergriffen sich nicht, trafen den rechten Ton und bereiten sich und den Zuhörern Freude. Gott sei Dank gibt es davon sehr viele.

Ich erinnere mich an acht Lehrerzimmer. Nur in einem wurde wenig gelacht, wenn der Chef mit am Tisch saß. Natürlich gab es Konflikte, vor allem dann, wenn neue Lehrer am liebsten den ganzen Laden umkrempeln wollten mit dem Hinweis, an ihrer alten Schule sei alles besser gewesen. Es ist richtig, dass es im Lehrerzimmer oft hektisch zuging; gerade weil viele Pädagogen kollegial zusammenarbeiteten, Verabredungen trafen, Probleme erörterten, Schülerfragen beantwortet u.a.m. Die ruhige Erholungspause mit Zeitung und Kaffee war eher die Ausnahme, aber man traf sich ja auch privat und hatte dann Zeit, die von Frau Wagner beklagte Kontaktarmut zu überwinden – wenn man wollte. Wer wie Frau Wagner als Aushilfskraft und Springerin im Schnitt nicht einmal zwei Jahre an ein und derselben Schule unterrichtet hat, aber offenbar jeden wissen ließ, wie Schule auszusehen hat, hatte nie die Chance, Vertrauensverhältnisse aufzubauen und nachhaltige Erziehungsarbeit zu leisen. Erziehung ohne Zeit ist wie Schwimmen ohne Wasser. Vielleicht wäre die Kollegin eine gute Privatlehrerin geworden. Nicht jeder Solist ist für den Chor geeignet. Ihre Aussage „Vor der Klasse standen Menschen, die sie nicht respektierten“ kann auch so verstanden werden, dass Schüler die Lehrer nicht respektierten. Das ist oft dann der Fall, wenn Eltern mit ihrer eigenen Schulzeit unzufrieden sind, Lehrer grundsätzlich verachten und ihre Kinder mit dieser Einstellung in die Schule schicken. – Johannes Kettlack

Alles Verschwörung.
Nun ist es also raus: Lehrer sind inkompetent, neidisch, arrogant, unmotiviert, träge, selbstgefällig, und sie missbrauchen ihre Macht. Ihr bevorzugtes Mittel: die Demütigung. Durch die Art der Demütigung entsteht ein Trauma bei Kindern, das vererbt wird (Beweis: Frau Wagners Söhne mussten jeweils eine Klasse wiederholen). Frau Wagners Diagnose: Die Falschen werden Lehrer. Aber an diesem Punkt irrt sie: Dahinter steckt ein Plan. Das Ziel der Lehrer ist es, die gesamte Menschheit in den Wahn zu treiben (bei Frau Wagner ist es bereits gelungen). Nun wissen wir also, was wir seit unserer Kindheit ahnten: Lehrer sind Monster und nicht von dieser Welt. Danke, liebe ZEIT-Redaktion, dass diese Verschwörung nun endlich aufgedeckt wurde. – Stephanie Harkcom

 

Diese Frau hat all ihre Wut über den Schulalltag herausgelassen. was auch ich schon seit vielen Jahren beklage.Nichts passiert. Der Unsinn geht weiter. Brauchbares lernen findet nicht statt. Und die Schüler werden von den Lehrerinnen ( Männer gibt es kaum) zu Dummköpfen erzogen. Ich kann nur für Nordrhein-Westfalen sprechen, wo wir mit drei Kindern leben (heute erwachsen).Es braucht keine Gegenrede, wie ihre Autorin versucht hat, das Gesagte abzuschwächen.Es ist noch viel schlimmer als das, was Frau Wagner zu Papier gebracht hat. Die Lehrerinnen beeinflussen auch politisch die Schüler.Man muß wissen, sehr viele Lehrerinnen sympatisieren mit der Grünen Partei. Auch das wird nicht öffentlich gemacht.Es fehlen einen die Worte, um den Zustand in Gänze zu beschreiben. In 2018, wie ich lesen konnte, gab es über 5.500.000 Straftäter.Eine Bankrotterklärung für unseren Staat. – Gunter Knauer

 

Frau Wagners Bericht ist einseitig,negativ überladen und bietet m.E. in keiner Weise ein Abbild der Wirklichkeit. Es ließe sich leicht ein ebenso umfangreiches Buch erstellen mit positiven Ergebnissen,geglückten Unternehmungen und gelungenen Entwicklungen .Hierüber findet sich kein Satz, kein Wort bei Frau Wagner und so frage ich mich, ob bei einer solchen negativen Grundhaltung die Entscheidung für den Lehrberuf die richtige war.Mir fehlt die Menschenfreundlichkeit. – F.Leßmann

 

Ich kann nicht nachvollziehen, wie jemand, der schon in jungen Jahren so viele Voruteile gegenüber der Einrichtung „Schule“ eingesammelt hat, sich ausgerechnet dort seinen Berufsweg sucht. Auch hätte Frau Wagner ihren Blick nicht vorwiegend auf „die anderen Lehrer“ richten sollen, sondern auf die Kinder, die erwartungsvoll jedem neuen Lejrer entgegenblicken. Die Schüler sind die wichtigsten Personen in einem Lehrerleben, nicht die anderen Lehrer. Und man kann nur dann fruchtbare Kontakte mit den jungen Menschen aufbauen, wenn man über einen längeren Zeitraum mit ihnen zusammenarbeitet. In 22 Jahren an 14 verschiedenen Schulen zu unterrichten, schafft keine sinnvolle Grundlage für einen schulischen Erfolgsweg, weder für die Schüler, noch für den Lehrer selbst. Die Frau hat den falschen Beruf gewählt! – Eva Maria Urbanetz

 

 

zu „»Gnadenlos gegen mich selbst«“ von Hanns-Bruno Kammertöns

1982, ich war 15, damals großer Fan des FCK, Toni Schuhmacher war einer meiner Helden, war dieses Halbfinale der WM in Sevilla. Damals hatte ich mich gefreut, dass der Schiedsrichter nicht pfiff und dass Deutschland ins Finale kam, (und diese unglückselige WM zu Ende spielen musste). Aber heute, mit 51, kommen, wann immer von der WM82 oder von Toni Schuhmacher die Rede ist, diese Bilder in mir hoch, wie Schuhmacher den Franzosen Battiston einfach so niedermäht. Und jetzt lese ich in der Zeit einen Artikel über Schuhmacher mit der Überschrift „Gnadenlos nur zu sich selbst“ und mit einer Bildunterschrift „Kollegial nur zum Gegner“, ohne dass dieses Ereignis, was mehr war als nur eine grobe Unsportlichkeit, irgend eine Erwähnung in einem eine Seite langen Artikel fand. – Till Borchert

 

Die Beweihräucherung des Idols meiner Kindheit kann man so machen. Aber den letzten Absatz hätten Sie sich sparen können, ja müssen. Wie kommen Sie dazu, ein satzungsgemäß konstituiertes Gremium des 1. FC Köln 01/07 e.V. als „sogenannten Mitgliederrat“ zu bezeichnen? Das ist schlecht recherchiert bzw. dem porträtierten Helden nach dem Mund geschrieben. Das Wort „Mobbing“ ist in diesem Zusammenhang geradewegs skandalös. – Sandra Krüger

 

 

zu „Für diesen Chef gaben sie alles“ von Kilian Trotier

Das ist das Außergewöhnliche bei den Evangelien, dass normale Menschen mit normalen Reaktionen geschildert werden, keine erfundenen Heiligenfiguren, sondern Menschen mit ihren Schwächen und anderen typisch menschlichen Eigenschaften. Aber es wird auch deutlich, wie der Sohn des Höchsten, der aus einer anderen, höheren Dimension kommt, als Mensch mitten unter ihnen lebt und entscheidende Sichtweisen und Veränderungen in ihnen bewirkt.

Und sogar durch die scheinbar größte Niederlage, seiner Hinrichtung als angeblicher Gesetzesbrecher, schreibt er in Wahrheit die größte Erfolgsgeschichte, weil er wieder lebendig wird und seinen Nachfolgern körperlich erscheint. Die ihm vertrauenden Menschen können auch heute noch Vergebung ihrer Schuld von ihm erhalten. Er gibt ihrem Leben eine völlig neue Ausrichtung. Sie bleiben gewöhnliche Menschen, mit beiden Beinen mitten auf der Erde, mit Menschlichem und Allzumenschlichem. Aber sie haben eine neue Basis, weil sie einen neuen Herrn haben. Sie leben persönlich, jeder einzelne, gemeinsam mit dem Planer, Realisator und Erhalter des Universums und werden auf dieser Basis verwandelt und verwandeln im Laufe der Jahrhunderte die Welt mit einem weitergefassten Realitätssinn. Liebe und Wahrheit sind die treibenden Kräfte dieses erweiterten Erfassens der Wirklichkeit. Gerade die Ecken und Kanten, Fehler und Versagen der Christen, ihre Schulderkenntnis und Vergebung, Umkehr und Änderung sind deutliche Zeichen für die schöpferische, unsterbliche Kraft, die mitten unter sterblichen, fehlerhaften Geschöpfen wirkt. – Gerhard Jahnke

 

Der Beitrag hat mir sehr gut gefallen. Von dieser Seite aus habe ich die Apostelgeschichte noch nicht erfahren dürfen. Die Apostel waren also auch Menschen mit Stärken und Schwächen. Mir wurden die 12 Apostel und die Jünger im Religionsunterricht immer als „Heilige“ (Auserwählte) dargestellt mit zwei Ausnahmen“ Judas und Petrus“, weil sie Jesus verraten und verleugnet haben. Ich habe eine Anregung: Könnte Herr Trotier nicht einmal einen Beitrag in dieser lockeren und verständlichen Form zu der Frage verfassen, wieso es eigentlich Jesus, den Aposteln und seinen späteren Nachfolgern damals nicht gelungen ist, die neue Lehre ihren eigenen Landsleuten erfolgreich nahezubringen und sie zu „bekehren“. Ich sehe da nicht einmal Ansätze, sie vom neuen Glauben zu überzeugen. Vielmehr konzentrierte sich die Missionsarbeit der Apostel auf Kleinasien, Griechenland und Rom. – Peter Bleutge

 

Für diesen Chef gaben sie alles, insbesondere ihren Verstand auf. Auferstehung, jungfräuliche Geburt, Brotvermehrung und dergleichen mehr hätte man auch schon zur damaligen Zeit als Sinnestäuschung oder Fake News erkennen können. Auch sollte man bedenken, dass die meisten Apostel Fischer waren. – Margot Neuser

 

 

zu „Emotionale Analphabeten“ von Louis Lewitan

Mobbing muss nicht zwingend persönlich werden. Es reicht, wenn einem über Jahre gesagt wird, dass MANN unzufrieden mit der Leistung sei. Wissend das der Arbeitnehmer auf diesen Job angewiesen ist. Selbstverständlich ohne Gehaltserhöhung. Im Nachhinein frage ich mich immer noch, warum ich dann nicht entlassen wurde. – Inge Klein

 

Haben Sie vielen Dank für das Aufgreifen des brisanten Themas im Kontext Arbeitswelt. Nach 9 Jahren war das mehr überfällig! Louis Lewitan bringt es sehr gut auf den Punkt: Inkompetente Führung stresst einzelne Mitarbeitende und Teams. Machtmissbrauch durch Vorgesetzte verursacht enormes Leid für die Betroffenen und horrende Kosten für Arbeitnehmende, Unternehmen und die Sozialversicherungen.Am Arbeitsplatz gilt die Verfassung offenbar nicht. Das verfassungsmässige Recht auf freie Meinungsäußerung (GG Artikel 5) bezieht sich auf den öffentlichen Raum. Personalmangel, nicht funktionierende Arbeitsprozesse, Rollenüberschneidungen, Entscheidungsstaus, dauerhafte Überlastung, Belästigung, Konflikte oder andere Probleme am Arbeitsplatz gegenüber Vorgesetzten oder persönliche Angriffe anzusprechen, wird zu oft als unangemessen betrachtet, mancherorts gar tabuisiert. Wer sich darüber hinwegsetzt, wird viel zu oft mit Ausschluß bestraft, wenn Vorgesetzte die Deutungsmacht über das Geschehen für sich alleine beanspruchen anstatt Vielfalt zuzulassen, Mitarbeitende ernst zu nehmen und Verbesserungspotenziale zu nutzen!Aus meiner Sicht ist dieses „Nicht-ernst-genommen-und-nicht-gehört-Werden“ bei gleichzeitig hoher Arbeitsbelastung eine Erklärung dafür, dass so viele insbesondere gut qualifizierte Arbeitnehmende vorzeitig in Rente oder Ruhestand gehen. Das ist häufig keine Flucht in den Hedonismus, sondern reiner Selbstschutz.

Reagiert der Chef oder die Chefin auf fachlich-inhaltliche und organisatorische Verbesserungsvorschläge, auf eine eigenständige Sicht der Dinge, auf Feedback, auf Abgrenzungsbemühungen im Sinne einer Verteidigung der eigenen Erholungszeiten (keine Sitzung in der Mittagspause oder nach 18:00 Uhr) und Integrität aggressiv, so hat das gravierende Konsequenzen für abhängig Beschäftigte. Verfügt eine vorgesetzte Person nicht über ein stabiles Selbstwertgefühl, hört sie Mitarbeitenden nicht offen zu, wenn diese Fehlentwicklungen im Unternehmen und Ursachen hilfesuchend ansprechen, sondern fühlt sich die vorgesetzte Person unterlegen bzw. angegriffen und etikettiert die Mitarbeiterin als „problematische Persönlichkeit“, so setzt das eine verhängnisvolle Beziehungsdynamik in Gang.Schliesst eine inkompetente vorgesetzte Person im Konfliktfall jede Verhandlung aus und strebt keinen Konsens mit Mitarbeitenden an, dann zerstört das auf Dauer deren Motivation, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit sowie deren Vertrauen in die Kollegen und den Arbeitgeber. Oft verurteilt die vorgesetzte Person den vermeintlichen „Störenfried“ oder die „Rebellin“ relativ rasch zum Ausschluß aus der Arbeitswelt. Die Konsequenzen für die Gesundheit oder Erwerbsbiografie und somit Existenz der betroffenen Person sind der entscheidenden Person bestenfalls gleichgültig. Ganz zu schweigen von den Folgekosten für die übrige Belegschaft, die Kunden, das Unternehmen oder das Kollektiv aller Sozialversicherten.

Die Möglichkeit, vermeintlich „problematische“ Mitarbeitende hart zu bestrafen, weil sie einen mit den eigenen Defiziten konfrontieren oder einfach nicht belastbar oder resilient genug sind, geniessen narzisstische oder überehrgeizige Vorgesetzte nach meinem Eindruck geradezu als besonderes Privileg und Statussymbol. Inkompetente Vorgesetzte statuieren bewusst Exempel, die andere Mitarbeitende abschrecken sollen, ihrerseits Probleme, Stress und deren Ursachen anzusprechen. Daher halten sich diese entweder zurück, beobachten das Geschehen nur, schweigen und schämen sich. Oder sie beteiligen sich an den ausgrenzenden Praktiken, um die vorgesetzte Person gewogen zu stimmen oder ihrerseits einmal ungestraft so richtig Druck abzulassen.Die Personalabteilung trägt diesen Machtmissbrauch durch die Führungskraft oft mehrfach mit, anstatt diese Praxis zu hinterfragen, zu unterbinden oder gar zu sanktionieren. Fürsorgepflicht des Arbeitgebers? Fehlanzeige! Die Personalexperten haben in der Regel extra Budgets, die sie für die „Entsorgung“ von missliebigen Fachkräften oder Ausgebrannten einsetzen, anstatt für professionelle Mediatoren und Konfliktlösung sowie die Förderung der Selbstreflexion auf Seiten der Vorgesetzten durch Coaching, Supervision oder kollegiale Beratung. Die Betriebs- oder Personalräte schauen oft genug weg.

In Deutschland sind abhängig Beschäftigte meines Erachtens nicht hinreichend vor inkompetenter Führung und daraus resultierenden Formen des Machtmissbrauchs geschützt: Bossing, Mobbing, Diskriminierung und unangemessene Kündigung. Im Zweifel werden ganze Organisationseinheiten „betriebsbedingt“ aufgelöst, damit bestimmte Mitarbeitende ‚entsorgt‘ werden können. Einige Wochen später werden diese dann unter neuem Namen und in leicht veränderter Besetzung und Form wieder aufgebaut und mit den gleichen Aufgaben betraut.Wenn die Unternehmen ihre Fürsorgepflicht nicht wahrnehmen und Machtmissbrauch nicht wirksam verhindern: Warum gibt es keine Schlichtungsstellen wie etwa für das Bankgewerbe oder Telekommunikationsanbieter etc.?Vielleicht könnte die Zeit dieses Thema noch einmal aufgreifen und berichten, wie die aktuelle Rechtslage zum Schutze der Arbeitnehmenden in Schweden, Frankreich oder anderen Ländern Europas aussieht. Und welche Erfahrungen dort inzwischen gemacht werden: Gibt es messabre Effekte (Empirie)? Vielleicht existieren ja auch vorbildliche Maßnahmen und Instrumente gegen Bossing und Mobbing in deutschen Unternehmen, über die sie berichten könnten? Oder darüber, wie sich Betroffene nach und nach wieder von ihren Erfahrungen erholten und anderswo Fuß erneut fassen und erwerbstätig werden konnten. Das Thema Mobbing greifen Sie in letzter Zeit ja häufiger auf, mir fehlt jedoch der positive Journalismus, der Fokus auf die Lösungsansätze in der Zeit. – Ute Linder

 

„Wer mobbt, hat es nötig“ Diese kurze Formel brachte einer meiner Realschüler mit großen Let­tern an die Stecktafel, als hier im Unterricht das Thema akut war und diskutiert wurde. Damit machte er der schweigenden Mehrheit der Mitschüler deutlich, dass der Mobber eben nicht aus ei­ner Position der Stärke heraus handelt. Sondern um seine Schwächen zu kaschieren, sucht er sich als Zielobjekt eine noch schwächere Person. Immerhin veränderte das die Atmosphäre in der Klas­se entscheidend. Allein das Wissen darum reichte aus, dass die sich die duckenden Klassenkameraden/Innen mit anderem Selbstbewusstsein in Position brachten. Auch bei den Mobbern selbst führte die Erkenntnis offensichtlich zur Selbstreflektion und daraus resultierend zu mehr Zurückhaltung. Die Erkenntnis, dass der mobbende Chef oder der ellenbogen-führende Kollege gerade keine star­ken Persönlichkeiten sind, könnte in dem einen oder anderen Betrieb vielleicht auch was ändern. – Anton Wiechmann

 

 

zu „Geiler Job“ von Nina Pauer

Ich finde es ausgesprochen traurig, unwürdig und niveaulos, dass sich die ZEIT dem Zeitgeist und dem Jugend- und Prollsprech anbiedert und zum wiederholten Mal das hässliche Wort „geil“ im Sinne von toll in einer Überschrift im Feuilleton druckt. Ich schäme mich für meine Lieblingszeitung und die Autorin (wenn sie denn für diesen sprachlichen Niedergang verantwortlich zeichnet). – Sven Herfurth


 

Leserbriefe zu „Auf der deutschen Protestlinie“ von Laura Cwiertnia

Mit Enttäuschung haben wir den Artikel zur geplanten Stromtrasse Südlink gelesen. Wir waren neugierig auf die inhaltlichen Standpunkte der Gegner und hatten gehofft, dass ihre Sorgen aufgegriffen und Argumenten von Befürwortern gegenübergestellt werden. Stattdessen referiert der Artikel weitschweifig Pauschalbehauptungen voller Misstrauen, die in der Sache kaum nachvollziehbar sind. Er fördert Stimmungsmache und Unvernunft. Es gibt kaum Information über Pro und Kontra der Stromtrassen. Die kritische Haltung der Energieexpertin Frau Kämpfer wird erwähnt, gegensätzliche Überzeugungen aber nur angedeutet. Diese Art Journalismus bleibt nur an der Oberfläche detaillierter Darstellungen einzelner Personen hängen und lässt uns als Leser frustriert zurück. Wir erwarten von 2 ganzen Seiten Ihrer Zeitung Einblick in verschiedene Perspektiven und Fachinformationen! Sonst bleibt das Gesagte im Raum stehen, als wären es die einfachen Wahrheiten unserer Welt, auf die sich dann alle zurückziehen können. „Wann schafft der politische Journalismus den Absprung in die Realität?“. Diese Frage zitierten wir aus dem Zeitartikel „Informiert Euch“ von Luisa Neubauer in der Ausgabe 20/2019, den wir der Autorin herzlich empfehlen können. – Peter und Bärbel Graaf

 

66 lenze zähle ich mittlereile. Solang ich denken kann drohen die AN mit Standortverlegung von Betriebsteilen oder ganzen Betrieben zwecks Erhaltung Ihrer Wettbewerbsfähigkeit.- Die Trasse bringt den Strom zu den Unternehmen in Süddeutschland. Wie wäre es relevante Betriebe nach Norddeutschland zu verlegen…dieseTrassegröße oder die Trasse überhaupt wäre evtl. nicht notwendig? – Ein/e Leser/in

 

Nicht erst seit Adam Smith weiß jeder, dass Fabriken mit großem Energiebedarf möglichst nah an Energiequellen stehen müssen, um konkurrieren zu können. Demnächst soll dieses ökonomische „Naturgesetz“ nicht mehr gelten. Statt dessen sollen die Energiequellen zu den Großverbrauchern kommen. Wer soll das bezahlen, mit Geld oder Verlust an Lebensqualität? Ökonomischer Vernunft folgend kann das Gebot nur lauten: Alle süddeutschen Großverbraucher ab an die Küste! BMW, Daimler, MAN, Wacker und wie ihr alle heißt: Packt eure Sachen, nehmt euer Personal mit und sorgt dort zuvor für attraktive Infrastruktur. Der arme Norden würde sich freuen, der reiche Süden hätte genug Zeit und Möglichkeiten, sich derweil auf eine zukunftsfeste „Wirtschaft 4.0“ umzustellen. Streit in riesigem Ausmaß ist so oder so nicht vermeidbar – Hobeln macht Späne. Die Regierung muss dafür sorgen, dass dieser Streit nicht zulasten der Schwachen ausgetragen wird. Und zwar bald, damit die großen Energieerzeuger beizeiten wissen, wo sie künftig ihr Geld verdienen können. – Stefan Musch

 

Ich verstehe nicht, warum die Stromtrasse nicht unter oder neben bestehenden Strassen, Bahnlinien oder Autobahnen realisiert wird. Es bräuchte keinen neuen Boden und man könnte zusätzlichen Mehrwert schaffen. Zum Beispiel eine überirdische Stromtrasse als Lärmschutzwall neben der Autobahn. Oder die Trasse unter den Strassen verteilen, um zukünftige Elektroautos auch berührungslos während der Fahrt mit Energie zu versorgen. – Martin Novotny

 

Das Energieleitungsausbaugesetz von 2009 beschleunigt den Ausbau von „vordringlichen“ Leitungsbauvorhaben, die für „die Integration von Windenergie und neuen, hocheffizienten konventionellen Kraftwerken sowie für den EU-weiten Stromhandel erforderlich sind.“ Dabei geht es nicht nur um Höchstspannungsgleichstromübertragung, sondern auch um den flächendeckenden Ausbau des 220 kV-Wechselstromnetzes auf 380 kV. Gleichzeitig wird durch schrittweise Reformen des ursprünglich sehr erfolgreichen Erneuerbare-Energien-Gesetzes der Ausbau derselben ohne Not massiv behindert, gedeckelt und so gezielt die dezentrale Umsetzung der Energiewende verhindert. Die aber wäre nötig, um die Energieversorgung sicher, wirtschafts- und sozialverträglich aufzustellen. Da es nicht möglich ist, ganz Deutschland mit norddeutschem Windstrom zu versorgen und von Speichern, die auch für ein solches Modell notwendig wären, gar keine Rede ist, sollte die Frage erlaubt sein, welche Art Strom die neuen Leitungen im Falle des nahenden Kohle- und Atomausstiegs transportieren soll. Die Antwort auf diese Frage bleiben Vorhabenträger und Politik schuldig. Die hohe Aktivität der Netzbetreiber beim Ausbau des europäischen Strommarkts, die hohe Eigenkapitalrendite beim Leitungsbau, das Zögern beim Ausstieg aus der Kohleverstromung sowie die Auslegung des Netzes auf bestehende Strukturen – Kohlereviere und Atomkraftwerke – lassen zusätzlich Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Leitungen für die Energiewende aufkommen, nicht nur bei Claudia Kemfert, sondern auch bei vielen anderen Wissenschaftlern, Verbänden / Vereinen und Bürgerbündnissen, die sich konstruktiv für eine dezentrale Energiewende einsetzen und auch längst Modelle vorgelegt haben, wie diese sinnvoll umzusetzen ist. Netzausbaukritik ist durchaus fachlich begründet und sollte von der Presse nicht immer nur auf das not-in-my-backyard-Motiv reduziert werden. Schließlich wird das Netz für die nächsten Jahrzehnte gebaut – mit dem Geld der Bürger. – Sabine Driehaus

 

Mir haben in dem Artikel zwei kritische Auseinandersetzungen gefehlt. Einmal, was es denn wirklich für negative Langzeitfolgen haben könnte, wo so eine Untergrundtrasse verlegt wird. Stimmt das Argument, dass die Bodenstruktur nachhaltig gestört wird, und dass viele alte Wälder zerstört würden? Zweitens wurde auch nicht ausreichend diskutiert, wie das Argument der dezentralen Energiegewinnung zur Vermeidung langer Trassen einzuordnen ist. Nur mit diesen Informationen kann ich einschätzen, ob die Proteste der Bürger nachvollziehbar sind. – Milena Grünewald

 

Warum nicht einfacher? Hat eigentlich schon jemand daran gedacht, die Südlink-Stromtrasse neben der Autobahn zu verlegen – ober- oder unterirdisch? Meines Erachtens hätte das nur Vorteile:
1. Der Boden links und rechts der Fahrbahnen gehört in einem breiten Streifen bereits dem Bund, kaum jemand müsste enteignet werden.
2. Wohnhäuser, in denen Menschen Angst vor Elektrosmog haben könnten, wären meist weit genug von einer solchen Autobahn-Stromtrasse entfernt.
3. Planfeststellung- und Genehmigungsverfahren könnten vereinfacht und beschleunigt werden, die Kosten gesenkt.
4. Auch stromsensible Autofahrer würden sich der vermeintlichen Gefahr nur kurzfristig aussetzen müssen.
Was spricht gegen eine Autobahn begleitende Stromtrasse? – Dr.Hanns-W. Hey

 

Ihr Beitrag war sehr interessant zu lesen. Aber mein bisheriger Eindruck bleibt bestehen: Die Menschen, die gegen Auswirkungen der Energiewende protestieren, tun dies ueberwiegend, weil ihr Leben betroffen oder eingeschraenkt wird oder werden koennte. Zunaechst die Proteste gegen die ueberirdischen Monstertrassen, nun gegen die unterirdische Verlegung. Ehrlich die Aussage der Lehrerin „Ich habe Angst, dass mein Paradies zerstoert wird“. Das wird es aber auch wenn die Energiewende nicht stattfindet. Ein Klischee m.E. die Beschreibung derLandwirtin, „die jeden Tag mit den Haenden in der Erde graebt“. Die meisten LandwirtInnen, die ich so sehe, tun dies eher nicht. Ich gebe sofort zu, dass der Eingriff in ihrem Fall extrem ist. Aber waeren Windraeder, Solar- oder Biogasanlagen im Blickfeld der Lehrerin oder auf den Feldern der Baeuerin wirklich erwuenschter? Die erwaehnte Sorge um den Tourismus laesst auch vermuten, dass Windraeder eher unwillkommen waeren. Und wenn nicht, was stellen sich diese Menschen unter einer dezentralen Energiewende vor? Es soll auch Menschen geben, die Solaranlagen auf den Daechern alter Haeuser ablehnen. Ja, der Energiebedarf der Staedte ist hoch. Aber sollen sich die ca. 80 Millionen Menschen in Deutschland alle in doerflichen Siedlungen verteilen? Ein solcher Flaechenverbrauch waere wohl auch unerwuenscht und unsinnig. Uebrigens beweist der Zusammenschluss der AkivistInnen zur Vehinderung der Trasse insgesamt mitnichten, dass das St Florians-Prinzip nicht herrscht. Das ist erst bewiesen, wenn diese Menschen entsprechenden Massnahmen wie Windraedern etc. vor ihrer Haustuer zustimmen. Und es bleibt das Problem, dass Staedte ihren Energiebedarf wahrscheinlich nicht lokal erzeugen koennen. Man koennte vielleicht energieintensive Industrien in laendliche Gegenden umsiedeln. Aber waere das dann lokal benoetigte Volumen an Energieerzeugung der Baeuerin, der Lehrerin und dem Tourismus-Manager wirklich lieber? – Sabine Moehler

 

Ich finde, Ihr Bericht stellt die Gemütslage der betroffenen Aktivisten gut dar. Ich habe dazu folgende Meinung:
Es ist nachvollziehbar, dass niemand den Verlauf des Südlinks vor seiner Tür haben möchte. Genau wie niemand an einer Bundesstraße, einer Schweinemastanlage oder einem Flugplatz wohnen mag. Niemand will in seiner Wohnqualität eingeschränkt werden. Zuerst mal sollen andere mit dieser Restriktion leben. Aber alle benötigen Energie und Nahrung oder wollen in den Urlaub fliegen. Die Diskussionen werden eher emotional ausgetragen oder sind von Egoismus geprägt. Sie sind daher nicht unbedingt zielführend. Andererseits haben wir z.B. ein Autobahnnetz, dass gerade ausgebaut/verbreitert wird. Hier wurde m.E. die Chance vertan, zumindest Teilabschnitte der dicken Kabel unter diesen Fernstraßen zu versenken. Und als Anregung: Es sollte geprüft werden, inwieweit vielleicht Wasserstraßen als Leitungstrassen genutzt werden könnten. Schließlich gibt es ja auch Seekabel. – Achim Bothmann

 

Den empörten Bürger der dünnbesiedelten Gebiete durch den diese Trasse doch wohl größten Teils verläuft ist offenbar nicht bewußt dass es sogenanntes Übergeordnetes Interresse der Allgemeinheit gibt. Dass in Deutschland nicht alle 80Mio. Menschen weiterhin die Gefahr der Kernkraft bzw. die dreckige Braunkohle-Verstromung zu Gunsten einer kleinen Minderheit auf einem schmalen Streifen auf dem Land in kauf nehmen wollen und können ist doch wohl klar. Nur zur Erinnerung: das Ruhrgebiet hat 40 Jahre lang zu Gunsten des ganzen Landes auf eine weitere technologische Entwicklung der Industrie verzichtet und statt dessen Bergschäden für die übrigens die Anwohner größten Teils selber aufkommen in Kauf genommen. In NRW stehen auf engstem Raum mehr Überlandhochspannungsleitungen als sonst wo, und niemand beschwert sich hier über dieses übergeordnete Interesse der Allgemeinheit. Diese geplante Trasse wird nun mit unseren Steuergeldern für wesentlich mehr Geld als es eine Überlandleitung gekostet hätte in den Boden vergraben, und dennoch beschweren sich Anwohner darüber und liefern der neuen braunen Rechten in der Politik neuen Zündstoff. Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. – S. Burda

 

Vom 24./25. Januar 2019 lag an 31 von 36 zusammenhängenden Stunden die Verfügbarkeit aller erneuerbaren Stromerzeuger unter 10 % der installierten Kapazitäten, d.h. unter 11.500 MW. Was machen wir 2025 bei einer Last teils deutlich über 60.000 MW? Dann helfen weder die „dezentrale Erzeugung“ noch „Südlink“ und auch keine Pumpspeicherwerke. Warum ist Frau Kemfert auch gegen die Erdgas-Pipeline Nordstream 2: Nach ihr brauchen wir weder Kernenergie, noch Kohle- oder Erdgaskraftwerke. Was dann? Der einzige Ausweg bestünde ab 2023 in großen Lieferungen aus belgischen und französischen Kernkraftwerken und tschechischen und polnischen Kohlekraftwerken. Aber diese Igitt-Erzeugung ist ja dann Gott sei Dank keine deutsche Stromerzeugung mehr. Ist das politische Dummheit oder Klima-Bigotterie? – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele

 

Als Elektroingenieur finde ich die Meinungen der Stromtrassengegner in Ihrem Beitrag erschreckend! Eine Frau Israel, die Stromtrassen mit der Kernenergie gleichsetzt….. oder andere die sich enteignet fühlen… oder in einem totalitären System…… Leute – gehts noch????? Ja… wenn es sein müsste, dann würde ich die Trasse unter meinem Garten akzeptieren… Lieber vergraben im Boden und wieder Gras drüber – besser als Hochspannungsmasten! Das Argument denzentrale Energieerzeugung ist die Lösung nehme ich diesen Damen und Herren auch nicht ab… Dann würde ja gleich die nächste Bürgerinitaive gegründet … gegen Windkraft! – Fridtjof Schüssler

 

Glauben, fühlen, zweifeln. Verben wie diese ziehen sich durch die Reportage, und natürlich kommt das Wort „gegen“ mehrmals vor. Kein Vorwurf an die Autorin, schließlich sind es alles Zitate der besorgten Bürger, mal positiv ausgedrückt. Aber in Wirklichkeit macht sich in dem Bericht ein dumpfer Populismus und das richtigerweise erwähnte Sankt-Florians-Prinzip breit in der Forderung gipfelnd, „wir könnten den grünen Strom genauso gut dezentral produzieren“. Wenn`s nicht so traurig wäre, wär´s zum Totlachen: Denn es sind genau die gleichen Leute, die dann vor Ort und der eigenen Haustür gegen Solaranlagen und Winkräder protestieren und Bürgerinitiativen gründen. – Florian Müller

 

Sie haben mein Verständnis, die Bürgerinnen und Bürger, die gegen die sog. Südlinktrasse über ihre Grundstücke kämpfen. Aber sie haben noch aus einem zweiten, vielleicht wichtigeren Grund Recht: Der Südlink ist unnötig! Das Problem ist doch, dass im windreichen Norden so viel Strom anfällt, dass die Windräder wegen Überkapazitäten und fehlender Abnahmemöglichkeit stillstehen müssen. Diese überschüssige Energie kann man probemlos mittels Elektrolyse zur Erzeugung von Wasserstoff, welcher als Energieträger auf der Erde nahezu unbegrenzt verfügbar ist, nutzen, diesen entweder durch vorhandene Rohre als Methan wie Erdgas in den Süden leiten oder verflüssigen und mit der Bahn oder Tankwagen transportieren; im letzteren Fall bietet sich ebenfalls die Umwandlung in das weniger explosive Methan an oder die Anlagerung an ein Industrieöl, z.B. flüssige organische Wasserstoffträger (sog. LOHC), welches nahezu gefahrlos transportiert werden kann. Der Wasserstoff kann dann klimaneutral in Heizungen, mit Brennstoffzellen betriebenen Fahrzeugen, ja sogar in Kraftwerken verbrannt werden. Hoffentlich halten die Bürger durch, bis sich auch die Politiker dieser klugen Technik bewusst werden… – Dr. med. Dieter Weber-Klukkert

 

Würde die als ‚Südlink‘ vorgesehene Trasse nicht nur Strom – und, damit einhergehend, die Stromproduktion – fördern, sondern auch die den Strom benötigende Industrie, so wäre sie eben keine Errungenschaft zur Erreichung von Klimazielen (wenn auch besser als), sondern trüge ihrerseits zur Verstärkung CO2-freisetzender Faktoren bei (nämlich Strom- und industrielle Produktion). Auch insofern vielleicht nagt ein ‚Bauchgefühl‘ an den betroffenen Anwohnerinnen. – Sankt Florian als Beschützer vor Feuersbrünsten? Atomindustrie lässt grüßen. – Heike Wetzig

 

Ohne Dezentralisierung ist die Energiewende eine Totgeburt
Ein schöner Bericht über die Stimmungslage entlang der geplanten Stromtrasse „SüdLink“! Diese Melange aus Wutbürger, Sündenbock-Schläger und berechtigter Kritik wird in Deutschland langsam zum Standard. Zu kurz kommt in dem Bericht, dass die die Proteste letztlich durch die katastrophale Umsetzung der Energiewende durch die Bundesregierung verursacht werden: Eine echte Energiewende kann nicht gelingen, wenn alles nach dem Motto „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ letztlich so weiterläuft, wie bisher. Wenn es keine Vision und keinen ernstgemeinten Versuch gibt, die Menschen für den Wandel zu begeistern. Eine echte Energiewende kann nur gelingen, wenn sich unser gesamtes Wirtschaftssystem von Wachstumsideologie und zentralistischer Konzernherrschaft verabschiedet. Eine echte Energiewende kann nur gelingen, wenn wir beispielsweise die Prioritäten auf die öffentlichen Verkehrsmittel und die dezentrale Energieversorgung verschieben. Mit einer dezentralen Energieversorgung aber bräuchten wir SüdLink & Co. nicht.

Wenn der Bericht den Berechnungen von Frauen wie Claudia Kemfert entgegensetzt, dass den Dezentralisierungs-Gegnern von Wissenschaftlern (explizit in der männlichen Version gemeint) recht gegeben wird, gleitet es ins Absurde ab: Sind Frauen wie Claudia Kempfert oder Maja Göpel keine Wissenschaftler? Die Ansicht dieser Frauen wird übrigens auch von vielen männlichen Wissenschaftlern geteilt, beispielsweise von Volker Quaschning oder Eicke Weber. Übrigens empfehlen nicht nur viele Energie-. Sondern auch die Klimawissenschaftler mehrheitlich eine dezentrale Energieversorgung in Bürgerhand. Ohne Dezentralisierung kann eine Postwachstumsgesellschaft nicht funktionieren. – Volkmar Heitmann

 

Keiner will sie haben, diese Stromtrasse, die irgendwann einmal Deutschland erneut „teilen“ wird; außer einigen Politiker, Energiekonzernen und so manchen anderen Firmem, die auch mit dieser Stromtrasse, ihren „Reibach“ machen wollen. Die Politiker sollten eigentlich, nicht nur ihre Interessen, sondern eher die Interessen ihres Volkes vertreten, die sie da einst in ihre Ämter gehievt haben! – Klaus P. Jaworek

 

Schon lange wird über den Verlauf der Stromtrasse diskutiert und heftig gestritten.Jeder fühlt sich benachteiligt und übervorteilt, wenn die Trasse seinen Grund und Boden in Anspruch nimmt. Warum hat man nicht von Anfang an die alte Zonengrenze in die Planung einbezogen .Hier sind staatseigene Flächen, die niemand schaden und stören würde. Ausserdem bleiben den Planern viele Proteste, Prozesse und Widerstände erspart.Die finanziellen Einsparungen würden mehrere Millionen betragen. Es wäre nett, wenn Sie diesen Vorschlag den verantwortlichen Dienststellen unterbreiten würden. – A. Struck

 

Dass die Leute gegen Kernkraft sind, kann man rational nachvollziehen. Wobei, es gibt auch welche, die für Kernkraft sind. Aber gell, bitte schön, nur wenn die Kraftwerke bei anderen vor der Tür stehen und die „Asche“ anderen unter das Haus gebuddelt wird. Gegen Kohlekraftwerke spricht einiges. Wobei, es gibt auch Leute, die für die verlässliche Kohleenergie sind. Allerdings nur, wenn anderen die Berggipfel weggesprengt und die Täler mit Abraum zugeschüttet werden. Oder wenn anderen der Boden unter den Füßen weggebaggert wird. Und wenn das Meer anderen ins Wohnzimmer schwappt. Gegen Wälder aus Windkraftwerken kann man mit Recht etwas einwenden. Wobei, es gibt auch welche, die von der sauberen Windkraft schwärmen. Aber nur, wenn die Windmühlen anderen in der Aussicht stehen. Die Lösung, die Windturbinen weit draußen ins Meer zu stellen, wo der Wind stärker und verlässlicher weht als anderswo, ist für viele der Stein der Weisen. Aber bitteschön, die Leitungen, die den Strom dahin leiten, wo er gebraucht wird, sollen gefälligst anderen in den Garten gelegt werden. Physikalisch gibt es einen Weg, alles auf einmal zu bekommen: Strom gibt es nur, wenn die bestehende Infrastruktur aus Energieeinspeisern und Energieverteilern es hergibt. (Aber bitteschön, der Strom soll dann den anderen abgestellt werden.) Wo wir gerade bei der Physik sind: Wenn wir aus guten Gründen weder fossile Energie noch Kernkraft nutzen wollen, dann müssen wir mit dem „Zappelstrom“ umgehen. Dafür bieten sich (physikalisch) zwei Methoden an.
1. Zeitliche Mittelung. D.h. Energiespeicher wie z.B. Pumpspeicherwerke (ja, aber bitte nicht bei uns!)
2. Räumliche Mittelung. D.h. Verteilnetze, die leistungsstark genug sind, den Strom in ganz Europa hin und her zu schicken, je nachdem wo gerade Energie im Angebot ist und wo sie gebraucht wird (ja, aber keine Leitung vor meiner Haustür!).
So einen Haltung entspricht einem 3-Jährigen. – Ein/e Leser/in

 

Es ist eigentlich wie immer. Sobald der einzelne irgendetwas dazu beitragen soll, dass, wie im geschilderten Fall etwas gegen die Klimaerwärmung getan werden soll, etwas, dass entweder Geld „kostet“ oder den Betroffenen in anderer Weise (be-)trifft, dann wird protestiert. Wir alle haben uns doch schon viel zu sehr an den Luxus und die Annehmlichkeiten des kapitalistischen Wohlstandes gewöhnt. Verzicht fällt schwer. Verzicht auf Einkommen, das Steak, natürlich das Auto oder den nächsten Flug nach Hawaii. Ich finde das traurig. Sollten sich die Prognosen, die mit der Klimaerwärmung einhergehen, bewahrheiten, dann hat das unmittelbare und schwerwiegende Auswirkungen auf alles und jeden. Auf Wald, Wiesen, Boden, den Menschen. Aber auch Vorteile. Wenn wir ans Meer wollen, am Strand liegen bei angenehmen 35 Grad, dann müssen wir nicht mehr so weit reisen, weil sich das Meer aufgrund der steigenden Meeresspiegel direkt vor unserer Haustür befindet. Und das ist ja dann auch wieder gut fürs Klima. – Michael Schmitt

 

Die Errichtung dieser Stromtrasse ist überflüssig. Diese Entscheidung der BReG folgt dem Muster der verschleppten und halbherzigen Ernergiewende seit den Änderungen des EEG 2012. Zugunsten der Stromkonzerne und Netzbetreiber und zu immer höheren Kosten für den normalen Stromkunden und die vielen Klein- und Mittelbetriebe (KMU )wird ein weiteres Mamut Projekt geplant, welches aus folgenden Gründen unnötig ist:

  1. Atomstrom und vor allem Kohlestrom verstopfen die vorhanden Netze zu Lasten der erneuerbaren Energien, die dann abgeschaltet werden müssen um die Netze nicht zu überlasten
  2. Würden alle Atommeiler sofort abgeschaltet entstehen sofort freie Netzkapazitäten
  3. Auch die Kohleverstromung – insbesondere die der Braunkohlenkraftwerke – muss wesentlich früher, z. B. 2015 beendet werden – aus Gründen des nachhalteigen Klimaschutzes und zur Gewinnung freiwerdender Netzkapazitäten
  4. Insbesondere das EEG 2016 (u. a. kompliziertes und kostenintensives Ausschreibeverfahren) hat es Bürgergenossenschaften erheblich erschwert, als Akteur am Strommarkt aufzutreten, lokale und dezentrale Stromerzeugung mit erneuerbaren Ernergien zu betreiben
  5. technisch ist es längst möglich, unterschiedliche Stromquellen intelligent und dezentral zu vernetzen, was zu erheblichen Strompreisreduzierungen führen wird.

Von daher ist es völlig in Ordnung, dass sich entlang der geplanten Trasse Widerstand regt – zugunsten des Klimaschutzes und gegen Konzerninteressen, welche die bereits im europäischen Vergleich viel zu hohen Strompreise unnötig noch weiter verteuern werden. Auch diese ‚künstliche Verteuerung‘ bezahlen letztendlich alle Bürger. – Erich Wolfram

 

Dass die Leute entlang der geplanten Trasse das Gefühl haben, die Nachteile tragen zu müssen für die Vorteile anderer, scheint auch mir nicht ganz unberechtigt. Bayern und Baden-Württemberg werden von der Trasse profitieren. Bezahlbaren, klimaneutralen Strom beziehen. Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft haben. Und weiter feilschen um Finanzausgleich für die wirtschaftsschwachen Regionen, aus denen und durch die der Strom kommt. Und sie werden keine höheren netzentgelte zahlen, als die, die nicht profitieren. Ach ja – Bayern hat den Bau von Windkraftwerken stark beschränkt, oder? BW auch? Sie erwarten Solidarität. Sind aber als Geber nur sehr eingeschränkt solidarisch. – Ein/e Leser/in

 

Vielleicht ist mein Vorschlag ja völlig unsinnig. Als Laie kann ich das nicht beurteilen. Aber wenn die Leitung wie ein Ende-zu-Ende Verlängerungskabel funktionieren soll, kommt es doch auf den genauen Verlauf nicht an. Und da denke ich an andere lange Kabel, z.B. die durch den Atlantik verlegten Kabel für die Telekommunikation. Jetzt meine Frage: Warum nutzt man nicht das Flusssystem, um das Kabel darin zu versenken? Da haben wir doch z.B. den Rhein mit seinen Nebenflüssen Main und Neckar. Warum versenkt man die Leitung nicht einfach im Flussbett? Clevere Ingenieure würden es sicher schaffen, das Kabel sicher zu verankern. Man bräuchte weder Strommasten, noch müsste man riesig lange Gräben ziehen. Was man da an Geld und an wertvoller Zeit sparen würde! Beides könnte man dann an anderer Stelle für die Energiewende einsetzen. Vielleicht gäbe es ja eine Bürgerinitiative „Rettet den Rhein“? Aber wollen wir jetzt die Energiewende oder nicht? – Ein/e Leser/in


 

Leserbriefe zu „»Die Todesstrafe ist abgeschafft«“ von Alard von Kittlitz

Ein verdienstvoller Bericht über eine der zivilisatorischen Errungenschaften unserer Zeit und unserer hiesigen Gesellschaften. Aus rechtlichem Blickwinkel jedoch eine wichtige Anmerkung: Die herrschende Ansicht in der Rechtswissenschaft widerspricht der (apodiktischen) Behauptung des Autors, Art. 102 GG unterliege keiner Ewigkeitsgarantie. Jedenfalls würde die Wiedereinführung der Todesstrafe (bei unterstellter formaler Abschaffung des Art. 102 GG) gegen Art. 1 Abs. 1 GG verstoßen, der der Ewigkeitsgarantie des Art. 79 Abs. 3 GG unzweifelhaft unterliegt! Es kann also unter unserer wunderbaren Verfassung bei der Feststellung bleiben: Die Todesstrafe ist und bleibt abgeschafft (selbst wenn ein Grundgesetz ohne Artikel 102 GG theoretisch denkbar ist, wie der Autor feststellt)! Ein weiterer Grund zu positivem Verfassungspatriotismus! – Jan N. Henrich

 

Mir fällt immer wieder auf, dass die Befürworter der Todesstrafe anscheinend vergessen, dass der Mensch sterblich ist. Gerade diejenigen, die der Strafzumessung auch die Funktion der Genugtuung gegenüber dem Opfer bzw. den Hinterbliebenen zusprechen, müsste doch klar sein, dass diese Personen lebenslang an der Tat leiden werden. Gerade wenn jemand behauptet, dass ihm die Freiheit wichtiger wäre als das Leben – wie kann so jemand dann der Meinung sein, dass die Todesstrafe gegenüber lebenslangem Freiheitsentzug die härtere Strafe sei? Das ist völlig unlogisch! Mein Argument gegen die Todesstrafe war immer, dass ich sie für viel zu milde halte. Nach ihrem Vollzug hat die verurteilte Person ihre Ruhe – die Opfer und or allem ihre Angehörigen müssen aber mit den Folgen der Tat weiterleben. Die Aussicht, viele Jahre mit dem Entzug der Freiheit leben zu müssen und selbst nach einer Strafentlassung nie wieder wirklich frei zu sein – das finde ich die deutlich drastischere Strafandrohung als ein Ereignis (den Tod) vorzuziehen, das den Täter eh ereilen wird. – Holger App

 

Erlauben Sie mir eine ganz andere, vielleicht makabre persönliche Sicht: Was ist die größere „Strafe“? Ein kurzer, sekundenschneller Schmerz oder lebenslänglich (u.U. 15 Jahre), jeden einzelnen Tag hinter Gittern erleben, erleiden oder ersterben. So lange getrennt vom persönlichen sozialen Umfeld – und was ist danach? Vielleicht sollte derjenige, dem im Namen des Volkes eine so hohe Strafe auferlegt wird, selber entscheiden dürfen? Ich bin mir sehr unsicher und ein absoluter Gegner der staatlicherseits verordneten Todesstrafe! – Reinhard Kniepkamp

 

Als häufiger Leser Ihrer Zeitung fällt mit zunehmend auf, dass Ihre Journalisten das Wort „aufschlagen“, eher bekannt aus der Sportberichterstattung, in Ihren Texten gerne benutzen. Jüngstes Beispiel: Alard von Kittlitz, Zeit 21/19, S.17, „Als Süsterhenn in Bonn als Ratsmitglied aufschlug (…)“. Handelt es sich hier um die Beschreibung eines Tennisspiels oder nur um einen Versuch, die deutsche Sprache mit agressiven Duktus „zeitgemäß“ neu zu gestalten? Oder soll man diese ungewöhnliche Kreation als Beitrag zur oft beschworenen Deeskalation der Umgangsformen werten? Ihre Meinung dazu interessiert mich tatsächlich. – Horst Griese

 

Sicher gibt es Länder, in denen Verurteilte lieber sterben würden, als jahrzehntelang unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert zu sein. Dass ich aber grundsätzlich gegen die Todesstrafe bin hat auch mit einem noch nicht erwähnten Grund zu tun: Nehmen wir mal an, wir hätten die Todesstrafe. Dann könnte ein potenzieller Suizidant, der sich aber nicht traut, sein Ansinnen in die Tat umzusetzen oder sich nicht für eine Methode dafür entscheiden kann, auf die perverse Idee kommen, einen beliebig anderen zu töten, um dann selbst zum Tode verurteilt zu werden. Und das wäre nun wirklich unerträglich. – Christoph Müller-Luckwald

 

Da les ich nach langer Zeit mal wieder Die Zeit und stoße gleich auf den ersten Feher. Der Autor schreibt, der Konvent tagte im Schloß Herrenchiemsee. Das ist falsch. Außer ein paar Prunkräumen gibt es dort nur kahle unverputzte Wände. Der Konvent tagte im sog. Alten Schloß auf der Herreninsel im Chiemsee. Das weiß man entweder auswendig oder man kann es auf Wikipedia nachlesen. – Monika Forster

 

Das ist aber eine sehr kuriose und makabere Geschichte! Aber völlig unabhängig davon, wie die Abschaffung der Todesstrafe ermöglicht wurde, war das ganz bestimmt eine richtige Entscheidung. Ich komme aus einem Land, wo es noch Todesstrafe gibt. Im letzten Jahr wurden die 13 Täter, die vor 24 Jahren in Tokyo einen Giftgasanschlag verübt haben, hingerichtet. Danach haben die meisten Hinterbliebenen der Todesopfer zwar die Genugtuung geäußert. Aber viele von ihnen und die Anwälte haben doch bedaurt, dass die Hintergründe und die Motive der Täter nicht vollständig geklärt wurden. Keiner hat Schadenfreude gezeigt und einige haben sogar die Todesstrafe in Frage gestellt, weil sie genau wissen, dass ein Tod einen anderen Tod nicht mehr rückgängig machen kann. Zwischen dem hasserfüllten Gedanken der Opferseite, „ich bringe ihn um“ und einer wirklichen Tat liegt eine klare Trennlinie, sie sind grundverschiedene zwei Sachen. Wahrscheinlich gibt es etliche hoffnungslose Täter, die keine Reue zeigen wollen. Solche Menschen jahrzehntelang zu begleiten und menschlich zu behandeln, in der Hoffnung, dass sie sich irgendwann verbessern, ist sicherlich eine wahre Sisyphusarbeit, aber das Menschenrecht ist unter anderen auch unser eigenes Recht, selbst ein Mensch zu sein. Was für eine schwierige Aufgabe. – Ai Kretschmer-Nakashima

 

Immer dieses hin und her Geschaukel: Todesstrafe ja oder nein! Wie wäre es denn damit, grundsätzlich ein Urteil – wenn es denn gefällt werden muß- mit lebenslänglicher Inhaftierung unter erschwerten Vollzugsbedingungen zu fällen? Wenn es um den Abstrafcharakter geht, so ist das doch für den Täter viemals nachhaltiger, als wenn man ihn auf die Schnelle vom Leben zum Tod zu befördern würde. In diesem Falle hat der Verurteilte viel Zeit, sich mit seinem Verbrechen auseinanderzusetzten. Das wäre auf jeden Fall auch ein sinnvoller Denkzettel für ihn. Genau so hätte man schon mit den in Nürnberg hingerichteten Nazi- Verbrecher verfahren sollen. – Günter Heuzeroth


 

Leserbriefe zu „»Da ist immer ein Zweifeln, eine rastlose Suche nach sich selbst«“ von Merlind Theile

Das Interview mit Stephan Grünewald zeigt ein realistisches Denken des Autors auf. Das hat Seltenheitswert. Keine ideologische Denke. Ich greife nur eine Passage heraus die beispielhaft dafür ist: „Deshalb herrscht in vielen Teilen des Ostens bis heute das Gefühl, nicht genug wertgeschätzt zu werden“. Also, die Revolution der Ostdeutschen in 1989. Die haben quasi mit ihrem Tod gespielt. Es war nämlich nicht ausgemacht, ob Russland das zu lässt. Für diese Arroganz der Westdeutschen habe ich mich immer geschämt. – Gunter Knauer

 

89 war unser – sehr verspätetes – 68. Die Gleichsetzung hinkt, aber sie gibt auch eine Krücke zur Hand. Wie ihr hatten wir uns der Anpassung an erstarrte, unkreative Verhältnisse verweigert. Doch – und das unterscheidet uns – in dem Moment, als wir unsere Welt zur unseren machen wollten, wurde sie uns aus den Händen geschlagen. Nicht von euch. Von die Geschichte. Es war einfach zu spät. In Punkto Verhinderung von Geschichte hatten die Genossen 1989 ganze Arbeit geleistet. Wir waren unsere eigenen Nachzügler. Stellt euch vor, die linke Rebellion von 68 hätte euch eine starke DDR so attraktiv erscheinen lassen, dass es zur Massenflucht gen Ost und zur sozialistischen Wiedervereinigung gekommen wäre. In den ersten gesamtdeutschen Wahlen hätten aber nicht die linken Rebellen, sondern, wie stets, die Staatpartei gesiegt. Das Land, auf das sich die Ambition der 68er bezog, hätte es plötzlich nicht mehr gegeben. Ihr hättet euch unter fremden Verhältnissen gefunden, in einem Land, das eure Ideen, euer Verändernwollen nicht braucht, weil die ja dem kapitalistischen Herrschaftssystem entstammen, das ja nun überwunden ist. Aus dem Rausch des großen Aufbruchs wäret ihr erwacht in diesem anderen Deutschland, wo das nicht gefragt ist, was ihr nur deshalb so differenziert und genau formulieren könnt, weil ihr es gelebt und tausendfach durchdacht, miteinander verhandelt und ausgetauscht habt. Erwacht in einem Neuen Deutschland, wo alles, was ihr endlich verändern wollt, angeblich längst verwirklicht ist. Ihr wärt plötzlich überflüssig mit eurer zur Aktion gereiften Erfahrung. Und von der eigentlichen Reifung im „Marsch durch die Institutionen“ abgeschnitten.

Es kam anders. Nicht die BRD, die DDR wurde nach dem Wettstreit der Systeme nicht mehr gebraucht. All das, was es aus ihr für uns Ostdeutsche zu lernen gab, was da in Jahrzehnten gewachsen war außerhalb der staatlich orthodoxen Denkstrukturen, das wurde mit dem Bade ausgekippt. Das Kind, die Frucht, mit dem abgestandenen Badewasser. Das ist der eigentliche Verlust: die verlorene, nicht fruchtbar gewordene Erfahrung, die uns unser Leben gekostet hat und die in diesem Aufbruch in den späten Achtzigern steckte. Der Mauerfall war ein Nebenprodukt dieses Aufbruchs, war von den stammelnden Greisen des Politbüros als Ventil gedacht. Nun ist der Aufbruch hinter dem historischen Großereignis des Mauerfalls kaum mehr erkennbar. Betrogen fühlen wir uns nicht um „sozialen Errungenschaften“ oder eine „gewisse Alltagskunst“, wie Herr Grünwald meint, aber doch um die Frucht, das Kind, den Sinn, den diese 40 Jahre hätten haben können, wenn der so verspätete Aufbruch den Entfaltungsraum gehabt hätte, den die 68er hatten. Herr Grünewald weiß viel über die Westdeutschen zu sagen und ich partizipiere gern an seiner Erfahrung, die nicht die meine ist. Wenn er die eigentliche Leistung von uns Ostdeutschen nur darin sieht, den „kompletten Zusammenbruch des eigenen Lebenssystems zu verkraften“, so irrt er, wie ich hoffe. Die eigentliche Leistung der Ostdeutschen bestünde in diesem Zusammenhang (70 Jahre Bundesrepublik und DDR), die andere Erfahrung im vereinigten Deutschland fruchtbar werden zu lassen. Die mundtote DDR hat viel zu lang gedauert und die mündige DDR viel zu kurz, um die unterdrückte politische Reifung nachzuholen. Es ist eine Art Notreifung geblieben, die bis heute spürbar ist. – Martin Ahrends

 

Ich kann den Beitrag nicht unkommentiert lassen, ohne mich selbst zu missachten. Schon der Untertitel ist ungenau. Die Bundesrepublik feiert 70. Geburtstag. Die DDR war nur 40 Jahre alt geworden. Wer ist gemeint mit dem Jubilar? Er wird beschrieben als ein Mensch in „rastloser Suche nach sich selbst“, der die Überreste seiner „Zwillingsschwester“ huckepack trägt, sich als „potenter“ Helfer fühlt und geschickt die Mehrheitserfahrung ausnutzt um zu verbergen, wie viel Energie aus dem maladen Gepäck entnommen werden konnte (u.a. Systemwettstreit, Triumph des Siegers, Stärkung von Selbstwertgefühl mit Rechtsanspruch, Übernahme eines hungrigen Marktes, Ausschaltung möglicher Konkurrenten, Besetzung aller politischen und wirtschaftlichen Schaltstellen). Zu einer solchen Sichtweise passt auch, Deutschland als „eines der letzten Paradiese, eine Art wunderbares Auenland“ zu sehen, das von Gefahren umzingelt ist. Leider wird nicht erwähnt, dass Deutschland diese Gefahren auch geschaffen hat; nicht allein, aber an führender Stelle. Das Paradies Deutschland erblühte auf dem Elend der Anderen, der Fremden, auch zu Lasten der nachfolgenden Generation. Natürlich waren Fleiß, Schaffenskraft, Erfindergeist und Kreativität unverzichtbar, aber eben auch Egoismus, Kurzsichtigkeit, Rücksichts- und Verantwortungslosigkeit.

Herr Grünewald beschreibt 40 Jahre SED-Diktatur mit dem Ersterben von Lebendigkeit und Kreativität. Das ist eine unglaubliche Ignoranz gegenüber allem, was in der DDR geschaffen wurde an Kultur, Bildung, sozialem Zusammenhalt, Widerstandskraft und sogar an Wirtschaftskraft, trotz aller Repressalien und Abschottung, trotz Abwanderung und Ausfuhr so vieler wertvoller Ressourcen. Ob die Wiedervereinigung eine Win-win-Situation war, werden vielleicht zukünftige Historiker erforschen. Auf ostdeutscher Seite war es die Erfüllung eines lang gehegten Traums. Der Untergang des sozialistischen Systems und die Aussicht, dass zusammenwachsen darf, was zusammen gehört, verdichtete sich in der Hoffnung, dass nun a l l e Wünsche sich erfüllen lassen, dass aus Unheil Heil und aus Gefangenschaft Freiheit wird. Auch die Westdeutschen konnten sich den triumphalen Ereignissen und Chancen nicht entziehen, wenn auch die Wiedervereinigung von vielen Menschen nicht als Not-wendig angesehen wurde.

Herrn Grünewald scheint der Widerspruch nicht zu stören, wenn er den Ostdeutschen angesichts des „kompletten Zusammenbruchs des eigenen Lebenssystems“ eine „enorme Leistung“ attestiert und andererseits die Neunziger Jahre als „spaßbewegte Welt ohne Ideologie und politische Programmatiken“ charakterisiert. Die kapitalistische Ideologie hat uns auch heute noch im Griff, wenn gleich bereits über den Postkapitalismus philosophiert wird. Aber die politische Programmatik ist der Neoliberalismus, der den Markt von seinen humanen und sozialen Zwängen entfesselt hat. Unser Wohlstand ist in der Tat bedroht, aber nicht von China oder den Trumpschen USA, sondern weil wir die allumfassenden Krisen seit Jahrzehnten beobachten, immer detaillierter und dramatischer beschreiben und mit zerstrittenem Aktionismus beantworten statt gemeinsam vorhandene Lösungswege zu gestalten. Schade, dass die Frage nach der „Seelenlage des Jubilars“ nicht zum Anlass genommen wurde, um reflektierend Versäumnisse zu identifizieren und zu sagen, dass für die notwendige „Umwandlung der Unruhe in schöpferische Energie“ Glaubwürdigkeit und Vertrauen neu erworben werden müssen. Neben anderen weist uns Bernhard Pörksen in “Die große Gereiztheit“ einen praktischen Weg. – Dr. Gertraude Ralle

 

An den Darlegungen des Psychologen Stephan Grünewald zur Seelenlage Deutschlands habe ich im Grunde nichts auszusetzen. Eine Aussage bedarf allerdings der Korrektur, weil sie absolut falsch ist. Es ist der Satz: „An der DDR konnte man sehen, was passiert, wenn man sich einer Diktatur überlässt und das ganze Leben nach Parteidiktum durchdekliniert.“

Er erweckt damit die Vorstellung, es hätten die Einwohner jenes Teils Deutschlands, der ab dem 7. Oktober 1949 DDR hieß, entschieden, in diesem ideologiegeprägten System leben zu wollen. Kaum zu glauben, dass Herr Grünewald nicht weiß, dass die DDR aus der sowjetischen Besatzungszone hervorgegangen ist, deren Grenzen mit der Aufteilung des Deutschen Reiches in 4 Besatzungszonen durch die Siegermächte 1945 auf der Konferenz von Jalta festgelegt wurde. Die westlichen Musterdemokraten Roosevelt und Churchill hatten damals keine Skrupel, damit über 16 Millionen Menschen dem Erzdiktator Stalin auszuliefern. Sie haben sich nicht überlassen, sondern sie wurden überlassen. Bleibt die Frage: Warum hat ZEIT-Mitarbeiterin Theile die indirekte Geschichtsklitterung, ohne Korrektur durchgehen lassen? – Hans Anhoeck


 

Leserbriefe zu „Wilhelm II. der USA“ von Josef Joffe

Ihr Autor hat nur dann recht, wenn Europa sich einig wäre. Die sind aber weit davon entfernt. Trump will sein Land nicht mehr den Import-Ländern überlassen. Für mich wurde das bisher gnadenlos ausgenutzt. Dafür halte ich „vernünftige“ Zölle durchaus als gerechtfertigt. Europa und der Rest der Welt muß das ertragen können. Die Art und Weise wie sich Trump gebärdet, ist natürlich gewöhnungsbedürftig. Das er aber mit einem Krieg spielt, was die Medien ständig herbeischreiben, ist, mit Verlaub; Unsinn. – Gunter Knauer

 

Herr Joffe vergaß zu erwähnen, daß Wilhelm II „von Gottes Gnaden“ erwählt war und Trump demokratisch gewählt wurde. Nachdem er die USA zur Kenntlichkeit entstellt hat ist nicht auszuschließen, daß er für ein 2.Amtszeit wiedergewählt wird. – Alfred Preuß

 

Solche Vergleiche, Donald Trump mit Wilhelm ||. bleiben ungenau, dazwischen liegen 100 Jahre. Herr Joffe schreibt: Nicht einmal die Götter wissen, wo und wann die Spirale der Eskalation endet. Das Ende von Wilhelm ||. ist bekannt. Der Schriftsteller Peter Handke sagte: Wilhelm war ein Arschloch (Zeit v. 25.04.19). Der USA-Willi sollte nachts nicht so viel rumtwittern, mehr schlafen. Viele könnten dann auch besser schlafen. – Gerhard Knaak

 

Donald Trump ist und bleibt, der weltweit größte „Verscherzer“. Diesen Titel wird er sich so schnell nicht wegnehmen lassen wollen, vielleicht geht er als Präsident sogar noch in die Verlängerung. Alle anderen „Möchte-gern-Donald´s-dieser-Welt, die scheinen neben den „Original-Donald“, nur wie kleinste Winzlinge oder wie gebeutelte Jammerläppchen; also Figürchen, die ab und an mal versuchen, ganz, ganz sachte aufzumucken! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „»Mehr Europa? Das ist vorbei«“ von Thomas Assheuer

Wenn ich das richtig gelesen habe, hat der Wissenschaftler Dieter Grimm vergessen zu sagen, daß die nationalen Staaten selbstständig in der Flüchtlingspolitik gehandelt haben und damit das Zerwürfnis ihren Anfang nahm. Ich persönlich bin der Ansicht, daß das nationale Interesse der einzelnen Mitglieder nie richtig aufgearbeitet wurde. In der EWG mit 6 Ländern hätte man das eher hinkriegen können. Als 1992 auch der politische Zusammenschluss mit bis zu 27 Staaten in Rede stand, war vorprogrammiert, daß bei aussergewöhnlichen Ereignissen die EU überfordert sein wird. Ein solches aussergewöhnliches Ereignis ist jetzt durch die Flüchtlingskrise eingetreten. Damit geht es jetzt den Staaten an die Substanz ihrer Selbstständigkeit. Auch wenn sie jetzt stutzen werden, wenn ich sage; die Wissenschaftler, die mit der AfD sympathisieren, haben das erkannt. Hinzu kommt die zu hohe Armut, die auch überflüssig gewesen wäre, wenn nicht die Währungsumstellung in 2002 eingeführt worden wäre. Profitiert haben die Unternehmer, das Fußvolk wurde ärmer. Deutschland war zu DM-Zeiten schon Export-Weltmeister. Auch damals haben viele Wissenschaftler dagegen protestiert. Nein, die EU muß neu erfunden werden, wenn sie Bestand haben will. Keiner ist gegen eine Demokratie, wie einige der linken Parteien immer wieder behaupten, mit Ausnahme der NPD. Helmut Schmidt würde sagen: „Das ist dummes Zeug“. – Gunter Knauer

 

Wie auch immer man es dreht und wendet, die Gestaltung einer freiheitlich-friedvollen und sozial-ökologisch ausgewogenen Zukunft ist ohne die Kraft eines gemeinsam handelnden Europa schlichtweg nicht möglich. Dieses Essential gilt es klarer und ehrlicher als bisher herauszustellen. Insbesondere durch die nationalen Regierungen, die politische Erfolge und Misserfolge innerhalb der EU allzu gerne zum eigenen Vorteil auslegen und kommunizieren. Zudem braucht jede lebendige und wehrhafte Demokratie, zumal eine grenzüberschreitende, liberale Bildung und Aufklärung. Denn ohne Wissen und Vernunft wächst die Ausgrenzung, und Europa schrumpft. – Ira Bartsch

 

In Vorbereitung der EU-Wahlen äußern sich zahlreiche Involvierte recht vieldeutig zu dem Thema. Dagegen ist Ihr Interview mit Dieter Grimm höchst interessant und klärt sehr sachlich viele naheliegende Fragen. Es lohnt sich wirklich mehrmaliges Lesen. Richtigerweise werden keine Patentlösungen versprochen. Ich werde den Text aufbewahren. – Andreas Vehe


 

Leserbriefe zu „Die Scharfmacher“ von Kai Biermann et al.

Der Beitrag, wie so oft, vergisst zu sagen, daß die Scharfmacher auf beiden Seiten sitzen. Die Scharfmacher im Westen halte ich für noch viel größer. – Gunter Knauer

 

Nur Eines möchte ich wissen: wie werde ich von Putin beinflusst? Worin bestehen die Fakes, die auf diese Weise verbreiten werden? Worauf ziehlt es bei deutschen Wählern? Gerne möchte ich begreifen, worum konkret es sich handelt. – Louis Hay

 

Es ist ernüchternd zu lesen, wie ein Unternehmer im (noch) freien Westen mithilft, die Demokratie zu untergraben. Meines Erachtens würde es helfen, wenn nur noch Personen in den „sozialen“ Medien schreiben dürften, deren Identität verifiziert wurde, so wie die Identität z. B. beim Online-Banking verifiziert wird. Putin- und sonstigen Trollen würde dadurch wohl mehrheitlich das Handwerk gelegt. Alternativ oder ergänzend könnte man die Eigentümer der „sozialen“ Netzwerke gesetzlich und unter Strafandrohung verpflichten, keine Nachrichten mehr zu veröffentlichen, die offensichtlich unwahr oder beleidigend oder hetzerisch sind – und zwar sollten sie meines Erachtens von sich aus zumindest die für größere Gruppen bestimmten Nachrichten daraufhin überprüfen müssen und nicht erst nach Hinweisen von Leser(innen). – Dr. Ulrich Willmes


 

Leserbriefe zu „Das Gespenst in der Stechuhr“ von Marcus Rohwetter

Da irrt Herr Rohwetter!
In einer Zeit, in der in Unternehmen und in der Forschung sehr ernsthaft über die Zukunft der Arbeit unter dem Einfluß von KI und „Robotics“ diskutiert wird, ist in der Mehrzahl der Berufe das Ergrbnis der Arbeit die entscheidende Komponente und nicht, wieviel Zeit darauf verwendet wurde, zu diesem Ergebnis zu gelangen. Und das gilt für weitaus mehr Berufstätige als die vielbeschworenen Programmierer von Start-ups mit ihren Laptops und MacBooks bei Starbucks. Daneben gibt es selbstverständlich weiterhin Berufsfelder, in denen das „Stempeln“ heute so selbstverständlich ist, wie es das vor 50 Jahren war, und es wohl auch bleiben wird: von der Verkäuferin über den Produktionsmitarbeiter bis zu Mitarbeitern in Logistik- und anderen Unternehmen, usw. Die Arbeitszeiterfassung generell für verbindlich zu erklären, ist jedoch ebenso aus der Zeit gefallen wie die Vorstellung, wir mögen doch alle bitte schön wieder zu einer manuellen Schreibmaschine greifen, wenn wir einen Brief schreiben wollen. Hier wird potentiell ein Bürokratiemonster von den EU Richtern geboren, bei dem ich mir wünschen würde, diese hätten sich lieber weiter mit dem Krümmungsgrad der Schlangengurke bachäftigt (eine Verordnung, die ja dankenswerter Weise bereits 2009 wieder kassiert wurde). In diesem Sinne wünsche ich mir, dass Herr Rohwetter weiter in der Quengelzone seiner wöchentlichen Einkaufshilfe verbleibt. – Jost Meye

 

Der Europäische Gerichtshof hat in einem Fall geurteilt, in dem sich Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretung in einem spanischen Betrieb nicht auf das Prozedere einer Vertrauensarbeitszeitregelung einigen konnten (die Arbeitnehmervertreter haben die damit verbundene Aufzeichnungspflicht der Arbeitszeit durch den Arbeitnehmer abgelehnt). Was ist nun aber mit den Fällen, in denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich einvernehmlich auf eine Arbeitszeitvereinbarung mit Vertrauensarbeitszeit geeinigt haben (incl. Aufzeichnungspflicht der Arbeitszeit durch den Arbeitnehmer)? Soll so etwas nun verboten werden? Ich arbeite in einem großen Unternehmen mit vielen Standorten in Deutschland, von denen sich ein Teil für die Vertrauensarbeitszeit entschieden hat und der andere Teil bei der Zeiterfassung geblieben ist. An meinem Standort wurde die Vertrauensarbeitszeit vor über 20 Jahren eingeführt und ich möchte sie nicht mehr missen. – Ulrich Wenkemann


 

Leserbriefe zu „Die respektlose Rente“ von Kolja Rudzio

Warum diese einseitige Kritik, dass die KV belastet wird ? Es mögen geringere Beiträge an die ges. KV fließen, wenn der Beitrag von 14,6 % auf 14,0 % gesenkt wird. Wissen Sie wie hoch der gesetzlich festgelegte Beitragssatz für die KV ohne Krankengeldanspruch ist ? 14,0 %. Also zahlen die Rentner seit Jahren zu hohe Beiträge !! Wenn nun die Leistungen des Arbeitsamtes statt 80 % mit dem vollen Beitrag von 100 % in die ges RV eingezahlt werden ist dies auch ein Ausgleich der ges RV. Rentner, die eine Private KV haben werden dann auch einen entsprechend geringeren Beitragszuschuss erhalten. In einem Punkt haben Sie Recht : die Lasten für die Finanzierung der Grundrente sollten aus dem Steueraufkommen getragen werden, damit „alle“ hier ihren Beitrag dazu leisten. Werden dies tatsächlich „alle“ sein … Aber die Finanzierung der Mütterrente 2014 wird -so wollte es Schäuble und die CDU/CSU nicht aus dem Bundeszuschuss an die RV sondern von der ges RV getragen. Dies hat Scholz nicht geändert. Bisher sind also 30 Mrd EURO nicht aus Steuermitteln geleistet worden ! Zusätzlich nun ab 2019 die „neue“ Mütterrente … Aufschrei ? Auch nicht von Ihnen ? Die „normalen“ Leistungen der Kindererziehung werden übrigens über den Bundeszuschuss der ges RV „erstattet“. – Stephan Kamlowski

 

Das Hick-Hack um die Grundrente ist eigentlich skandalös. Vor allen Dingen die CDU zeigt nun ihr wahres Gesicht und torpediert das ganze Projekt der SPD mit scheinheiligen Argumenten. Auf eine Bedürftigkeitsprüfung sollte sich die SPD nicht einlassen, dann sollte sie lieber die Groko platzen lassen. Schließlich wird eine Bedürftigkeitsprüfung auch im normalen Rentenverfahren nicht durchgeführt und bei der Mütterrente war das auch kein Thema. Angesichts immer weiter steigender Altersarmut sollte die CDU mal ihre christlichen Werte, die sie ja sogar im Parteinamen trägt, überdenken! – Thomas Henschke


 

Leserbriefe zu „Auch die AFD trinkt mit“ von Mark Schieritz

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel in der letzten Zeit gelesen. Das ist ja eine richtige Hommage an die aufrechten Abgeordneten des Bundestages die nicht ihrer Partei sondern allen Bürgern unseres Landes verpflichtet sind. Besonders interessant ist Ihr Beispiel mit den Korvetten. Die Bundeswehr hat ja schon fünf davon, deutlich verspätet geliefert und schlecht dazu, die Getriebe waren unbrauchbar und die Schiffe nicht fahrbereit, von einsatzbereit ganz zu schweigen. Die Marine hatte nach diesen Erfahrungen nicht unbedingt Bedarf an weiteren solchen Schiffen. Anfang 2017 kamen dann die von Ihnen so hoch gelobten Herren Kahrs und Rehberg auf die famose Idee fünf weitere, gleichartige Korvetten beim gleichen Werftkonsortium ordern zu wollen, natürlich ohne Ausschreibung, weil Wettbewerb den Werften in den Wahlkreisen der beiden Herren nicht gelegen kam und der Kauf mit Ausschreibung vor der Bundestagswahl 2017 zeitlich nicht mehr möglich gewesen wäre. Ein Schelm wer Böses dabei denkt, dass sich die beglückten Werften vielleicht mit einer kleinen Wahlkampfspende bedanken würden. Lieber Herr Schieritz, Sie sollten gründlicher recherchieren bevor Sie solche Lobeshymnen in die Welt -Verzeihung- in die Zeit setzen. – Günter Hebel

 

Vielleicht hat Ihr Autor auch mitgetrunken, jedenfalls hat er ein paar sehr wichtige Fakten einfach fallen gelassen. So entsteht der Eindruck, das sei da im Haushaltausschuss quasi eine normale Kneipe, Nichts da, das ist ein klassischer Selbstbedienungsladen der Haushälter, und das seit Jahrzehnten. Denn bezahlt werden müssen da weder die Schnitzelchen und Frikadellen oder die reichlich fließenden Biere und Weine, sondern, die Herren und Damen des Ausschusses tafeln da auf Kosten des Steuerzahlers. Das geht ganz einfach.Die einzelnen Bundesministerien entrichten im Rahmen ihres Haushaltes einen Obolus an die Haushälter, gerne schon vierstellig, das Geld wird den Ministerien also quasi abgepresst. Und wehe wer nicht bezahlt, Es naht und droht ja die Bereinigungssitzung, und da geht’s dann zur Sache. Also, der Tisch ist immer reichlich gedeckt, und die Damen und Herren bedienen sich auch ganz ungehemmt.Das merkt man dann am Verlauf der nächtlichen Sitzungen.Je später der Abend……………….. – Erich Stather


 

Leserbriefe zu „»Europa funktioniert nicht ohne Beiträge aus Deutschland«“ von Martin Klingst

In der letzten ZEIT habe Sie ein ausführliches Interview mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Thema „Europa“ geführt. Hier sagte Steinmeier u.A., die Europa-Enthusiasten würden ungeduldig, weil es immer noch nicht die von ihnen gewünschten Vereinigten Staaten von Europa gebe. Und weiter: „Uns muss klar sein, daß diese Vision ekennbar mehr Befürchtungen auslöst als Hoffnungen erfüllt.“ Mich interessiert, womit der Bundespräsident diese – pardon – Behauptung begründet. Ich hätte befürwortet, wenn Sie da nachgehakt hätten. Ich bin der Meinung, daß die „Befürchtungen“ über die Jahre und Jahrzehnte von imaginationsunfähigen und integrationsunwilligen Partikulärsouveränisten herbeigeredet wurden und sich in den Hirnen und Herzen der Menschen verfestigt haben, ohne je hinterfragt worden zu sein. Wenn Europa im Konzert der Weltpolitik wirklich eine ernstgenommene Rolle spielen will, führt meines Erachtens an der politischen Union Europas kein Weg vorbei – und das sind eben die Vereinigten Staaten von Europa, was sonst? – Raimund Scholzen

 

Die EU ist keine „Wohlfühlgemeinschaft von Menschen“, die in einer (abgeschlossenen) Oase der Glückseligkeit leben! Wo Menschen auf Menschen treffen, da wird, da muss es einfach Probleme geben, ob die Menschen nun aus der EU selbst kommen, oder aus sonst irgendeinem Land der Erde! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „Verena Bahlsen: Die Unternehmerin hat Zwangsarbeit verharmlost. Wie konnte ihr das passieren?“ von Elisa Schwarz, Leonie Seifert und Jens Tönnesmann

Bezüglich des Artikels über die Äußerungen von Frl. Bahlsen möchte ich Ihnen mitteilen dass ich sehr gespalten bin. Sie scheint mir viel zu naiv und unwissend zu sein. Ich kann dass ich ihr keine Vorwürfe machen.Was mich aber sehr beunruhigt ist die Tatsache dass junge Menschen mit per See keinen Existenzängsten solche Aussagen machen können ohne die Tragweite zu erahnen. Kein Wunder dass „einfache“ Leute in die Falle von Radikalen egal welcher Richtung auf dem Leim gehen. Während den Anfänegen. – Evangelos Tzimas

 

Mein Kompliment für die geglückte Auswahl des Fotos für Ihren Artikel. – R.P. Wormsbächer


 

Leserbrief zur Fotokolumne „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

Die Fotoserie von Florian Jaenicke ist auf ganz tiefe Weise berührend. Die Auswahl der Bilder, die sparsamen, aber ebenso bewegenden Textzeilen dazu, die den Bildern eine erweiterte existenzielle Dimension geben… Danke dafür. Für mich das Beste, das ich seit Jahren im Magazin gesehen habe. Ein wohltuender Kontrast zu Uhrenwerbung und Klamotten demonstrierenden Models. – Anja von Kanitz


 

Leserbrief zu „Maas nehmen“ von Josef Joffe

„Es müsste sich die Erkenntnis durchsetzen, dass die Welt nicht so ist, wie wir sie gern hätten.“ Welch abgrundtiefe Erkenntnis! Ist die an Trivialität noch zu überbieten? Und was empfehlen Sie der deutschen Politik, Herr Joffe? Sollen wir einen deutschen Trump, Putin, Xi, Erdogan oder Bolsonaro zum „Staatschef“ wählen, damit Deutschland wieder „wer ist“? Ich bin jedenfalls froh, dass die Bundesrepublik einen Außenminister wie Heiko Maas hat und nicht Mike Pompeo. – Wolfgang Brocks


 

Leserbrief zu „Wem gehören Helmut Kohls Erinnerungen?“ von Ingo Malcher

Ja, klar. Das ist ja die Tragik. Gesetzlich könnte man die Parteien zu einer Mediation hin komplimentieren, gerade in diesem Fall. – Jochen Waibel


 

Leserbrief zu „Ein bisschen Krieg?“ von Kerstin Kohlenberg et al.

Im Beitrag schreiben Sie: „Es ist kurz vor sieben Uhr morgens am Montag dieser Woche, als die ZEIT einen hohen Regierungsvertreter im Taxi auf dem Weg ins Außenministerium in Washington erreicht. Der Mann kennt den Mittleren Osten ausgezeichnet und arbeitet eng mit Außenminister Mike Pompeo zusammen. Weil er nicht befugt ist, für das Ministerium zu sprechen, möchte er ungenannt bleiben.“
Sie nennen also nicht den Namen des Mannes. Ich nehme an, um ihn zu schützen vor möglichen negativen Konsequenzen, weil „unbefugt“. Nun frage ich Sie: Wenn Sie als Mike Pompeo herausfinden wollen, wer da unbefugt geredet hat, was machen Sie? Ganz einfach: Sie checken, welcher hohe Regierungsvertreter, der den Mittleren Osten ausgezeichnet kennt und eng mit Außenminister Mike Pompeo zusammenarbeitet, im Taxi am Montag, den 13.5., zwischen 7h und 8h ins Außenministerium in Washington kam. Treffer! Ich schreibe Ihnen, weil mir nicht zum ersten Mal auffällt, dass Sie die Anonymität auf eine Weise schützen, dass man mit ein bisschen Logik und Recherche schnell drauf kommt, um wen es sich handelt. Oder seh ich das alles falsch? – Kurt Eimers


 

Leserbrief zu „Europa, im Streit vereint“ von Maria Exner et al.

So sehr ein Projekt zu begrüßen ist, das Europäer miteinander ins Gespräch bringt, so fragwürdig sind die Schlüsse, die Sie daraus auf zwei Seiten ziehen. Zunächst: die Teilnehmer sind nicht repräsentativ. Teilgenommen haben nur netzaffine, aufgeklärte Menschen und dies nicht einmal aus ganz Europa. Die großen Länder Frankreich und Spanien sind nur gering vertreten, europakritische Länder wie Ungarn oder Rumänien ebenfalls sogut wie gar nicht. Und Norwegen gehört nicht zur EU – hier wird geographisches und politisches Europa munter vermischt. Auch die hohe Übereinstimmung bei den Ergebnissen zu den Fragen verwundert, wenn – wie Sie schreiben – vor allem Paare gesucht wurden, deren Standpunkte möglichst weit auseinander liegen sollten.

Noch entscheidender ist aber, dass möglichweise aus den Ergebnissen die gleichen falschen Schlüsse gezogen werden, die die Demokraten bei den letzten Präsidentschaftswahlen in den USA den Sieg gekostet haben: die einseitige Wahrnehmung nämlich, dass die Lebensrealität in den Metropolen an Ost- und Westküste repräsentativ für das ganze Land sei. Die Karte in dem genannten Artikel beweist es: die meisten Teilnehmer kommen aus großen Städten wie Wien, Berlin, München und Hamburg sowie Rom, Kopenhagen und Helsinki. Die „Gelbwesten“ in Paris haben offenbar gar nicht erst teilgenommen. Insofern sind Aussagen z.B. auf die Frage, ob die EU das Leben ihrer Einwohner verbessert, und die wie eine repräsentative Umfrage daher kommen, mit größter Vorsicht zu genießen. Ein seriöses Medium wie die ZEIT hätte dies deutlicher hervor stellen sollen. Darüber hinaus hätte auf zwei Seiten zu diesem Thema die Auseinandersetzung mit kritischeren und repräsentativen Umfragen gehört, die es sicher auch gibt. – Christian Felgendreher


 

Leserbrief zu „Nicht nur Drogen und Hippies“ von Jens Balzer

Ja, ihr Autor hat es gesagt. „Die utopischen Träume von damals sind gescheitert und bestimmen immer noch unser Leben“. Das beklage ich schon seit vielen Jahren. Meine Vielzahl an Leserbriefn beweisen es. Das hat dazu geführt, daß sich viel zu spät eine Partei gefunden hat, die dagegen aufbegehrt. Und was machen die etablierten Parteien, die kämpfen dagegen an, statt sich mit denen zu arrangieren. Das treibt viele Bürger zur AfD, und das mit recht. Mich wahrscheinlich auch. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Verlorene Vielfalt“ von Fritz Habekuss und zu „Das Rätsel vom Schari-Fluss“ von Yannick Ramsel

Welch passende Zusammenstellung Ihrer Seite! „Verlorene Vielfalt“ und Ausrottung des Guinea-Wurms – das paßt! – Sibylle Fischer


 

Leserbrief zu „Das Rätsel vom Schari-Fluss“ von Yannick Ramsel

Bezüglich des beschrieben Vorkommens des Gunea-Wurms bei Hunden stellte sich mir die Frage, ob nicht die starke Belohnung von Wurm-Meldern durch die Gates-Stiftung dazu geführt haben könnte, dass die arme Bevölkerung im Tschad den Wurm auf Hunde überträgt, um weiter in den Genuss von Fördermitteln zu kommen. Oder ist dieser Gedanke zu abwegig? – Dr.med. Hans J. Mayer


 

Leserbrief zu „Sie kommen“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Vielen Dank erst einmal für den ganzen Lese- und Denkstoff, den ihr mir wöchentlich direkt ans Haus liefert. Dieses Mal hat mich der Artikel aus dem Zeit Magazin „Sie kommen“ besonders bewegt. Eine spannende Entscheidung, so finde ich, ist diejenige, relativ kommentarlos die Erbauer dieser „social robots“ zu Wort kommen zu lassen, die sich anscheinend tatsächlich für große Menschenfreunde und Problemlöser halten. Einen Kommentar, den ich im Text zwar nicht vermisst, aber irgendwie erwartet habe, habe ich mir dann selbst ausgedacht und möchte ihn nun mit euch teilen. Er steht unten.

„Hallo! Ich bin Cortana“. Hä? Cortana? „Ich bin“? Hat mein Computer echt gerade „Ich“ und dann sogar gleich „Ich bin“ gesagt? So von einem Etwas aus einem Lithium-Magnesium-Gehäuse begrüßt zu werden, ist, wenn es zum ersten Mal passiert und man es nicht erwartet, wirklich äußerst befremdend. Aber man gewöhnt sich ja an so Manches, also weiter. Ein paar Klicks später hüpft nun also ein Kreis, unbestreitbar fröhlich erwartungsvoll auf meinem Laptop-Bildschirm auf und ab und zeitgleich zu dem Hüpfen lese ich die Frage: „Soll Cortana deine persönliche Assistentin werden?“ Schon wieder hä? Wieso das denn? Nein, also eine kleine, gefällige Assistentin in meinem Computer brauche ich jetzt wirklich nicht. Was ist denn inzwischen nur in Microsoft gefahren, mir so etwas andrehen zu wollen?

Aber ein wenig tut es mir dann schon leid, hier zu verneinen und damit den kleinen Kreis, der sich doch wirklich ganz liebenswürdig vorgestellt hat und mir bislang so kompetent bei der Navigation durch die Einrichtungssequenz half, enttäuschen zu müssen. Guck doch nur mal einer, wie süß der hüpft. Ich muss also gestehen, dass ich einen Anflug von Skrupeln hatte, den guten Geist zu einem immer gleichermaßen dienstfertig wartenden Schattendasein auf meinem nigelnagelneuen Laptop zu verdammen. Am selben Tag, etwas später, las ich dann den obengenannten Artikel. „Social robots“. Aha. Sie sollen also die Lösung für den Fluch der zunehmenden Vereinsamung zu junger, zu alter oder sonst wie nicht glücklich in die Gemeinschaften integrierter Zeitgenossen sein. Ist das nicht klasse, dass dafür endlich was gefunden wurde! Und dann die ganzen Möglichkeiten, gerade in den Dauerproblemsektoren Bildung und Pflege! Bald wird jeder seinem smarten und dazu auch noch superputzigen Minibutler von all seinen Sorgen und Sehnsüchten, von seinen Erinnerungen und Träumen erzählen können und dieser wird unermüdlich gespannt, ohne durch irgendwelche Egoismen abgelenkt zu werden, an unseren Lippen hängen, vielleicht gar einfühlsam antworten. Stell sich das einer vor! Und den Wetterbericht von morgen rasselt der bei Gelegenheit ebenso nebenbei herunter, wie er uns unsere Lieblingssneaker auf Amazon bestellt. Wahnsinn! What a time to be alive!

Ja, stimmt. Diese Aussichten sind völlig wahnsinnig. Denn schon jetzt versuchen Konzerne wie Microsoft offensichtlich künstliche Bindungen an solche Helferchen wie die herzallerliebste Cortana zu erzeugen. Und warum? Wohl kaum aus Nächstenliebe, sondern eher, um noch mehr Daten von uns abgraben zu können. Vor allem aber ist diese prachtvolle Zukunft voller „social robots“ zugleich eine Zukunft voller ins Leere laufender und verschwendeter Gefühle. Eine Zukunft, in der Menschen unendlich einsam sind, und das nicht einmal mehr bemerken. Denn, und das soll hier, wo hauptsächlich die anscheinend selbst verblendeten Schöpfer zu Wort kamen, noch einmal explizit gesagt sein: Ein Roboter, egal mit wie vielen Sensoren er ausgestattet ist und wie scheinbar klug und sicher er auf uns Menschen reagiert und mit uns interagiert, ist doch einfach nur ein Taschenrechner (wenn auch zugegebenermaßen ein sehr komplizierter) auf Beinen (oder Rädern), ein Ding, ein bloßes Etwas ohne Bewusstsein, das den Satz „Ich bin allein“ ebenso wenig versteht wie den Satz „Ich bin gerne mit dir zusammen“ oder „Ich hab dich lieb“. Daher, die Vorstellung, derartiges von Menschen an einen Roboter gerichtet zu hören, so unendlich traurig und viel einsamer als die Einsamkeit selbst für mich ist. – Katharina Probst


 

Leserbrief zu „Man mag sich“ von Britta Stuff

Beziehungen von Menschen oder Völkern, die auf rein ökonomischen Prinzipien beruhen, können niemals zur Freundschaft führen. Freundschaft heißt, einander Freude schenken. – Hans Joachim Hühner


 

Leserbrief zu „»Wie in einem Theaterstück«“ von Laura Cwiertnia

Das Interview mit Brian Robertson ist sehr interessant und beinhaltet vieles, das ich unterschrieben kann. Ich hoffe, seine Thesen finden weite Verbreitung. An einer Stelle wird er auf die Studien angesprochn, die zeigen „dass Deutschland eine Gesellschaft ist, in der sich die Menschen vor dem Scheitern fürchten, mehr als in den USA zum Beispiel“. Er spricht daraufhin davon, Fehler zu feiern. Ich höre das nicht zum ersten Mal und vielleicht ist es tatsächlich gut, wenn wir Fehler nicht nur negativ sehen, sondern ihnen Positives abgewinnen. Was mir aber viel wichtiger erscheint ist, einander Lob und Wertschätzung zuteil werden zu lassen, wenn wir etwas gut gemacht haben. Das gilt nicht nur für Vorgesetzte und deren Mitarbeiter, es gilt auch für Kollegen untereinander, für Eltern zu ihren Kindern, Freunde und Bekannte untereinander, Kunden zu Dienstleistern. Und zwar nicht nur als Einleitung zu einer Kritik („dein Vortrag war sehr gut strukturiert, ABER….“). Wertschätzung und Lob sind Dinge, die den meisten Menschen in ihrem Leben fehlen. Ich bin ehrenamtlich im Seelsorgebereich tätig höre in Gesprächen immer wieder, dass Menschen ihr Leben lang der Anerkennung ihres Vaters hinterherlaufen, einfach weil sie von ihm nie ein Lob gehört haben. Also: Anstatt jetzt Negatives zu feiern sollten wir einander doch bitte mehr das Positive zusprechen. Wir alle brauchen das dringend. – Claudia Heydorn


 

Leserbrief zu „Wir waren die Champions“ von Lisa Nienhaus

Die Verfasserin bemängelt, dass das Ziel des Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier zur Bildung großer Unternehmen und die „Freude an kleinen Einheiten in der Wirtschaft“ nicht zusammen passen. Als Einstieg in diese These dient die geplante Restrukturierung des Traditionskonzerns Thyssenkrupp, denn der Vorstandsvorsitzende Guido Kerkhoff hat jüngst bekannt gegeben, dass er die Organisationsform der Holding für die Restrukturierung plant. Bei Betrachtung der bisherigen Organisationsform von Thyssenkrupp kann es sich nur um die Strategische Managementholding handeln. Denn dieses Organisationsmodell, das die meisten deutschen Konzerne mit Erfolg eingeführt haben (z. B. die Autokonzerne, Siemens usw.), gewährleistet die einheitliche Ausrichtung des Konzerns durch eine Konzernführung und operative Einheiten, die als Tochtergesellschaften wirtschaftlich und rechtlich selbstständig geführt werden. Während aber die Konzernmutter in Form einer kleinen Konzernzentrale die Strategie für die operativen Einheiten (Tochtergesellschaften) vorgibt, sind die Töchter unter der Führung von Unternehmern für das Tagesgeschäft verantwortlich. Die Organisationsform der Strategischen Managementholding kombiniert die Kapitalkraft und Marktmacht großer Unternehmen mit der Marktnähe und Flexiblität von kleinen und mittleren Unternehmen. Bei dieser Organisationsform ist der Vorwurf, dass sich „deutsche Konzerne zerlegen“ fehl am Platze, denn die Organisation mit einer Dachgesellschaft und Tochtergesellschaften ändert ja nichts an der einheitlichen Konzernführung. Bei dieser Organisation wird die einheitliche Konzernführung ggf. durch Unternehmensverträge (Beherrschungsvertrag, Gewinnabführungsvertrag) und das Prinzip der Doppelmandate (z. B. ein Vorstandsmitglied des Konzerns ist Vorstandssvorsitzender einer Tochtergesellschaft oder Aufsichtsratsmitglied einer Tochtergesellschaft) gewährleistet. Im übrigen müssen Unternehmen ihre Organisation den dynamischen Entwicklungen des Marktes anpassen und sind einem ständigen Wandel unterworfen (Changemanagement).

Mit der „Nationalen Industriestrategie 2030“ möchte der Bundeswirtschaftsminister große Konzerne in den Focus seiner Wirtschaftspolitik und/oder der Wirtschaftspolitik der EU rücken. Dass die Verfasserin dies als „Größenwahn“ bezeichnet, kann ich nicht nach vollziehen. Das Gleiche gilt für die Auflistung der deutschen Großkonzerne als „lustige Liste“ mit der Begründung, dass der Mittelstand und die Familienunternehmen fehlen. Leider hat die EU-Kommissarin für Wettbewerb noch nicht realisiert, dass die europäischen Unternehmen gegen die staatsunterstützten chinesischen Konzerne nur bestehen können, wenn der Staat und/oder die EU aktive Industriepolitik betreiben und hinter ihnen stehen. Mit den jüngsten Entscheidungen gegen die Fusion der Zugsparte von Siemens/Alstom und die Fusion der Thyssenkrupp-Stahlsparte mit der indischen Tata enthüllt die EU-Bürokratie ihre weltwirtschaftsfremde Einstellung. Deutschland hatte bisher die technologische Führerschaft in der Automobilindustrie. Aber auch diese ist inzwischen mit der E-Mobilität nach China abgewandert. Sicherlich ist die Argumentation pro market der Argumentation pro business vorzuziehen. Aber wenn deutsche Konzerne (wie im Falle der E-Mobilität) die Markt- und Produktveränderungen sowie die technologische Entwicklung verschlafen und deshalb diese Produktion abwandert, ist der Bundeswirtschaftsminister gefordert. Es ist höchste Zeit, dass der Bundeswirtschaftsminister den Weg zu einer staatlichen Industriepolitik einschlägt. – Dr. Hermann Nanz


 

Leserbrief zu „Weg vom Klischee“ von Astrid Herbold

In Ihrem Beitrag beklagen Sie die Geringschaetzung geisteswissenschaftlicher Faecher, speziell der Germanistik. Sie erwaehnen explizit, dass ein Studium der mathematischen, technischen, und naturwissenschaftlichen Faecher „sowieso grossartig ist, weil deren Absolventen das Land wirtschaftlich voranbringen“. Ein solches Argument zeigt vor allem wie wenig seine Befuerworter von diesen Faechern verstehen. Wenn ueberhaupt trifft es nur auf die angewandte Forschung in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Faechern zu, nicht aber auf die Grundlagenforschung (z.B. Logik, Elementarteilchenphysik, Stringtheorie, Sternentwicklung). Allerdings habe ich solche Argumente zu meiner Studienzeit (die zugegebenermassen 30 Jahre zurueck liegt) nicht gehoert. Damals musste ich schon eher Gelder fuer astronomische Forschung mit dem Argument verteidigen, dass sich die Gesellschaft ja auch Theater, Opernhaeuser und Bibliotheken leistet und die Astronomie ein vergleichbares Kulturgut darstellt. Eine Bekannte, die in Logik promovierte, beklagte immer, dass sich niemand fuer ihre Arbeit interessierte. Statt dessen gilt auch heute noch im deutschen „Bildungsbuergertum“, dass die oben so gelobten Faecher selbstverstaendlich nicht zur Bildung gehoeren – eher im Gegenteil. Einen philosophischen Text nicht zu verstehen ist ein Makel, mathematische Formeln nicht zu verstehen ein Zeugnis geistiger Feinheit (ueberspitzt formuliert). Das rechtfertigt keineswegs die Herabwuerdigung der Geisteswissenschaften – aber vielleicht traegt auch die Arroganz einiger VertreterInnen dieser Gattung zu den Angriffen bei. Irgendwann hat man/frau es satt, als nuetzliche/r FachidiotIn behandelt zu werden, dessen/deren Geisteskraefte eben nicht fuer die hoeheren Weihen der Geisteswissenschaften reichten. – Sabine Moehler


 

Leserbrief zu „Bayer: Wie gefährlich sind die Klagen in den USA?“ von Christiane Grefe

Hauptsache die Rendite stimmt; die Gesundheit der „Roundup-Menschen“, die stimmt schon längst nicht mehr, aber das ist alles andere als wichtig! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zu „»Dort sagt mir jeder Baum eine Geschichte«“ von Tina Hildebrandt

und Andreas Lebert

Horst Seehofer ist ganz privat ein durchaus nachdenklicher Mensch, der sein Leben als eine Endlosbaustelle wahrnimmt und auch so sieht, eine Art „BER“ im Raum Ingolstadt, Oberbayern! – Riggi Schwarz


 

Leserbrief zu „Platz da!“ von Elisa Schwarz

Immer größer, immer breiter, immer länger, immer höher, immer teurer, immer abgasiger und mit seienmäßig-eingebautem, „ausgestrecktem Mittelfinger“; das ist, das will und das schätzt der Mensch, der „suv-fahrende“ Mensch. Es gibt für ihm, nie den Notfall, niemals den Ernstfall, um auf ein öffentliches Verkehrsmittel umsteigen zu müssen! (Wut-)Radler halten sich anscheinend an keinerlei Regeln im (Straßen)Verkehr. Die optimale Kombination ist daher der „wut-radelnde SUV-Fahrer“, oder der „suv-fahrende Wut-Radler“! – Riggi Schwarz


 

Leserbrief zu „Braune Striche“ von Christiane Meixner

Nürnberg war die Stadt der Reichsparteitage der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei), zwischen 1923 bis 1938, gewesen. Einige der größenwahnsinnigen Bauwerke aus dieser „braunen“ Vergangenheit, dem sogennanten „1000-jährigem Reich“, die stehen noch immer in Nürnberg, und bröckeln schon lange, so vor sich hin. Die Stadt Nürnberg will nun für schlappe 85 Millionen Euro (Steuergelder), die sogenannte „Zeppelinstribüne“ wieder aufmöbeln lassen (natürlich ohne das nach dem Kriege weggesprengte H-Kreuz). Unmut macht sich daher, über diese gigantische „Geldverschwendung“ der Stadt Nürnberg, breit. Emil Nolde war ein Kunstmaler, der beide Weltkriege miterleben mußte. Er soll ein glühender Anhänger des Nationalsozialismuses gewesen sein, dazu ein Rassist und auch ein Antisemit, und das, obwohl er in der „Nazi-Hitler-Zeit“ (1933-1945), als ein „entarteter Künstler“ galt. Viele seine Bilder befinden sich trotzdem, weiterhin in der öffentlichen Hand, in Museen, in Galerien und in vielen Kunsttempeln der Welt, und sie sind bei vielen reichen Kunstsammlern sehr begehrte Sammelobjekte. Nürnberg versucht mit seiner „braunen“ Vergangenheit, irgendwie klarzukommen; unter anderem mit dem „Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände (Museum)“. Emil Nolde ist schon lange tot (gestorben 1956). Er kann sich leider zu seiner (braunen) Vergangenheit nicht mehr äußern! Was die Wertigkeit seiner Kunst anbelangt, das wird uns sicherlich die Zukunft zeigen. – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zu „Feind und Helfer“ von Valerie Schönian im ZEIT Magazin

Vielen Dank für diesen gelungenen, diplomatischen Artikel! Schön zu sehen, dass es auch „im normalen Leben“ Menschen gibt, die auf Verallgemeinerungen achten und sie versuchen zu meiden, mitunter auch zu unterbinden. Ich finde den Versuch des Brückenbaus nicht unbedingt heroisch, eher vielleicht etwas naiv- idealisiert. Aber brauchen wir das nicht um unseren Optimismus zu erhalten? Und ist nicht gerade das auch ein wichtiger Baustein um im Leben glücklich zu werden? Und wir alle müssen Brücken bauen, jeden Tag, und wenn jeder nur eine kleine Brücke baut ist trotzdem am Ende das Tal überwunden. Meine Frau (ebenfalls Polizistin- daher kann ich auch den Aspekt, dass man sich die positiven Aspekte immer wieder aktiv bewusst machen muss, nur bestätigen!) würde wahrscheinlich wieder frei nach Václav Havel kommentieren: Wartet einer auf den anderen warten letztendlich alle vergebens! Auch deshalb halte ich das regelmäßige Brückenbauen für zwingend notwendig, da es meines Erachtens eine wichtige Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens darstellt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiter viel Ausdauer und auch möglichst oft Erfolg bei ihrem Kampf an zwei Fronten. Haben Sie auch weiter dabei möglichst viel diplomatisches Geschick! – Andreas Gehrke