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18. Juli 2019 – Ausgabe 30

 

Leserbriefe zum Titelthema „Die Helden des Widerstands“

Bei der heutigen Bewertung des 20. Julis würde ich trennen: Die Beteiligten zeichneten sich gewiß durch Charakterstärke und  berechtigten Stolz aus. Langdauerde “wirksame Aversion” wurde leider besonders bei der  Bundeswehr sichtbar. Als diese nach der Wende den Bendeler Block  zugewiesen bekam, hat sie die Gedenkfeier dort mit anschließenden  “Feierlichen Gelöbnissen” verknüpft, die sich etwas sperrig in unseren  Städten gstalten. (Eingeladene Prominenz muß beide Veranstaltungen  besuchen.) Den heutigen Vertretern des Widerstands scheint das nicht  recht gewesen zu sein. Ähnlich muß man bedauern, das die Rehabilitierung der Deserteure so  lange bei CDU, FDP, BW ua. gedauert hat. Bei der Frage, was als Entwicklung bei einem erfolgreichen Attentat sich  als bessere Alternative hätte entwickeln können, ist die Antwort offen.  Ralph Giordano war es lieber, in dem Hamburger Kellerversteck von den  Briten befreit zu werden und nicht vom Widerstand, dessen Position zu  den Juden nicht ganz klar war. Und, hätte ein erfolgreicher Widerstand  konsequenter mit den Nazis abgerechnet?

Der Widerstand hatte für eine erfolgreiche Zeit „danach“ Vorbereitungen  getroffen. Wie sich das entwickelt hätte, wenn Georg Elsner erfolgreich  gewesen wäre, ist schwer zu bestimmen. Und doch ist seine Tat genauso zu  schätzen. Man hätte den Personenschutz verstärkt, der aber noch nicht  das heutige Ausmaß erreicht hätte.   Natürlich: Demokratie kann sich auch dahin entwickeln, dass eine ungute  Mehrheit die Richtung bestimmt. Gefahren sehe ich hier akut durch die  Internetmedien und durch das Vordrängen derIT-Konzerne und staatlichen  Diensten in die digitale Privatsphäre. Wenn denn Justiz und Presse  gleichgeschaltet werden, handelt es sich nicht mehr um Demokratie. Für  diesen Fall müssen wir uns vielleicht für den Widerstand in der EU und  in D rüsten. Wer hätte das in den 80er, 90er Jahren gedacht? Heute  machte Gabor Steingart in seinem Morgengruß darauf aufmerksam, dass  Trump sich auf einer Veranstaltung unflätig mit „Angela“  auseinandergesetzt hat und unsere Qualitätspresse und die Politik  schweigt. – Gerhard Schroeder

 

In dem Beitrag  Hüter des Grals, hätte auch das Buch zum 50. Gedenktag  1994 von Marion Gräfin Dönhoff  „Um der Ehre willen“ Erinnerungen an die Freunde vom 20. Juli Erwähnung finden können. – Hartmut Wagener

 

Ich habe mich schon einige Male gefragt: Wie hätte ich selbst die NS-Zeit überstanden? Wieviel Rückgrat und Mut hätte ich gehabt? Und welcher Historiker und Spätgeborene vermag ein Menschenleben als gerecht und moralisch integer zu beurteilen? Einer,  der schon vor über 2000 diese schwierige Thematik erkannte, war der alte römische Feldherr, Staatsmann und Geschichtsschreiber Cato: „Es ist schrecklich, sich vor einer Generation verantworten zu müssen, die nicht mit uns gelebt hat.“ –  Franz Josef Dorn

 

Lassen Sie mich dem Titel „Umkämpfte Helden“ noch eine weitere Deutung hinzufügen. Ich beziehe mich auf die Grafik, die sechs Widerstandskämpfer zeigt, 3 Frauen und drei Männer. Nach Durchsicht der Wikipedia-Seite „Liste von Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus“ ergibt sich unter ihnen ein Frauenanteil von 15%. Der wohl einflussreichste und charismatischste Widerstandskämpfer war nach Aussage vieler Zeitzeugen Helmuth James Graf von Moltke. Abgebildet ist nicht er, sondern seine Frau Freya. Offenbar war die oberste Vorgabe bei der Auswahl der Dargestellten, Geschlechterparität zu gewährleisten. Manche werden sicher den Gedanken genießen, dass in 10 Jahren vielleicht Freya Moltke als Gründerin des  Kreisauer Kreises gilt oder Katharina von Bora als Stifterin der Reformation. Ich hingegen lebe lieber in einem Land, in dem Wahrheit nicht von Ideologie gebeugt wird, weder von brauner noch von violetter. – Jan Mohring       

 

Da waren Sie so nahe dran – mit dem Foto des Arbeiters, der nicht die Hand zum Hitlergruß gehoben hat! Und dann schaffen Sie es, nicht an die Gemeinschaft zu erinnern, die kollektiv Hitlergruß und Kriegsdienst verweigert hat! Ansonsten finde ich den Artikel in seiner Ausgewogenheit und Empathie ZEIT-gemäß bewundernswert. – Klaus E. Margraf

 

Mit großer Irritation musste ich lesen, dass in dem Beitrag „Eine Ferne Welt“ immer wieder von den Verschwörern die Rede ist, was aus meiner Sicht die Übernahme der lingua tertii imperii darstellt (V.Klemperer).  Dies spiegelt sich auch aus der Wahrnehmung als Nichthistoriker in der häufig in den freien Medien benutzten Metapher des „Untergangs des dritten Reichs“, anstatt von der Befreiung zu sprechen. Zugleich ist nach meinem Kenntnisstand heute klar, das die Widerständler um Stauffenberg nicht an einer Restitutio der demokratischen Republik interessiert waren, sondern eher an einer Wiederkehr kaiserlich-aristokratischer Strukturen. Insofern fände ich eine differenziertere Darstellung hilfreich. – Dr. J. Henne

 

Respekt vor all den Menschen, die sich Hitler und seiner Politik entgegenstellten! Ohne Zweifel war die Sichtweise in der DDR auf diese Zeit einseitig. Ihre Darstellung ist es leider ebenfalls. Sicherlich wollten Kommunisten ebenso wie die Wehrmachtsoffiziere keinen demokratischen Rechtsstaat, beide Seiten hatten gegenteilige Zukunftsvorstellungen. Naturgegeben waren Kommunisten auch keine Generalstabsoffiziere der Wehrmacht. KPD- und SPD-Mitglieder füllten dagegen nach der Machtergreifung zuallererst die KZ. Von den 5.000 Deutschen, die im spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Republik kämpften, waren sicherlich die Kommunisten in der Mehrheit. Unter den Soldaten der Roten Armee, die Deutschland befreiten, kämpften deutsche Kommunisten. In Deutschland starben Kommunisten wie andere Widerstandskämpfer unter der Folter oder unter dem Fallbeil. Jeder Mensch verdient Würdigung, der sich dem Hitler-Regime entgegenstellte. Wenn Sie ein Beispiel unterschiedlicher Sichtweisen von Ost und West auf Deutschland bedürfen, der Artikel hat ihn geliefert. – Joachim Oelßner

 

Mir hat die Sicht eingeleuchtet, dass die Widerstandskämpfer nicht versteht, wer sie nach heutigem Wortgebrauch einsortiert, also „Demokratie“ etc. bei ihren damaligen Begründungen vermisst. „Rechtsstaat“ bezeichnet unsere und der Widerstandskämpfer gemeinsame Überzeugung besser. In Wahrheit war für viele „Deutschland“ der Verpflichtungsgrund, der zum Widerstand trieb. „Ein Deutscher macht so etwas nicht“  und duldet es auch nicht. „Deutschland“ war das letzte Wort des Grafen Stauffenberg. „Deutschland“ ist eben durch den Nazismus als verpflichtender Grund heute untauglich. Die Schande sucht Deutschland heim (mindestens) „bis ins dritte und vierte  Glied“. Wir Nachkommen sollten den Mut anerkennen und ihm nachstreben, den damals Menschen gezeigt haben, auch wenn sie nicht unsere Worte benutzt haben.

Wesentlich, schon wegen der Menge der Verdienten und oft als direkte Reaktion auf Verbrechen, scheint mir auch der „Rettungswiderstand“, der bei Ihnen nur in einem Halbsatz bei Frau von Thadden vorkommt (… half jüdischen Familien bei der Emigration …) und bei Herrn Staas als „Vermisstenanzeige“. Inzwischen ist „Rettungswiderstand“ auch in die Ausstellung im Bendlerblock eingezogen, mit den auch von Herrn Staas erwähnten „Stillen Helden“. Ich möchte dazu auf meinen beigefügten Aufsatz in der Yad Vashem Review 46/2 über den aus meiner Sicht erfolgreichsten deutschen „Judenretter“ verweisen. (Auf den Aufdruck „All rights reserved to Yad Vashem“ mache ich aufmerksam.) Die Vorstellung des Aufsatzes in der ebenfalls beigefügten Introduction der Review umfasst den wesentlichen Inhalt. Unser Umgang seit Kriegsende mit den mutigen Helfern ist ein deutliches und trauriges Mahnmal deutschen Verschweigens. Die Bezeichnung „Stille Helden“ verschleiert: Nicht die „Helden“ sind stiller als andere Tote (und damit an ihrer Unbekanntheit selbst schuld). Wir sind still. – Hartwig Cremers

 

Eigentlich weiß ich gar nicht so recht, warum ich mich zu der umfangreichen Berichterstattung zu Wort melde. Aber irgendwie fühle ich mich dazu verpflichtet. Ich bin im Oktober 1937 in Wildschütz/Kreis Liegnitz, Schlesien, geboren, war also knapp 7 Jahre alt, als das Attentat auf Hitler stattfand. Wir wohnten damals in Breslau. Meine Mutter, Kind eines wohlhabenden, schlesischen Großbauern aus meinem Geburtsort, musste sich mit mir und meinen drei Geschwistern in der schlesischen Metropole wohl oder über allein zurechtfinden, da mein Vater bereits 1940 ‚zu den Waffen‘ gerufen worden war. Der nie offen in der Familie diskutierte Grund für die frühe Einberufung meines damals bereits 31 Jahre alten, voll im Berufsleben stehenden Vaters wurde gemäß elterlicher Interpretation als Strafe dafür gesehen, dass sich mein Vater als ehemaliger NSDAP-Ortsgruppenleiter mehrerer Gemeinden rund um Liegnitz einem Parteiruf widersetzte, der ihn nach Berlin geführt hätte.

Als sich die Sowjetarmee schlesischen Gefilden näherte, bekam meine Mutter den Befehl, uns, also ihre vier Kinder, zur Verbringung  in vermeintlich sichere Gebiete wegzugeben, was sie nicht tat. Die Folge war, dass sie mit einem Dokument, das ich noch besitze, den Befehl erhielt, Breslau zu verlassen, das als sog. Festungsstadt auserkoren war. Wir begaben uns in den Westen Schlesiens und fanden auf dem Bauernhof unseres Nennonkels Kurt Hobusch in Dohnau Unterschlupf, wenige Kilometer von meinem Geburtsort Wildschütz entfernt. Der Glaube an den Führer und an eine baldige Wendung des Kriegsglücks dank neuer,  überlegener Waffen war auch bei meiner Mutter ungebrochen. So waren nicht nur meine Mutter, sondern große Teile des Umfeldes fest davon überzeugt, dass es nur wenige Wochen dauern würde, bis wir wieder nach Breslau zurückkehren könnten. Es wurde wie üblich gewirtschaftet, auch geerntet und z. B. eine größere Menge Rübensirup für den Herbst/Winter zubereitet. Also business as usual! Meine Schwester, die älter war als ich, ging mit mir in Dohnau zur Schule. Das mit dem Hakenkreuz versehene A5-Schulbuch gehört zu meinen ‚Andenken‘ an diese Zeit.

Unsere spätere Flucht auf den sprichwörtlichen letzten Drücker per Bahn über das Riesengebirge und durch die Tschechoslowakei, vorbei an der bereits sehr feindselig gegenüber Deutschen eingestellten tschechoslowakischen Bevölkerung, gewürzt mit häufigem Beschuss unseres Zugs durch alliierte Flugzeuge, endete für uns schließlich auf einem Bauernhof in Lindau, Kreis Kulmbach, in Oberfranken. Mein Vater als Angehöriger der 6. Paulus-Armee hatte bei dem Vormarsch auf Stalingrad das große Glück an einem schweren Rheuma zu erkranken und wurde nach seinem Lazarettaufenthalt an die Westfront nach Royan/Frankreich verlegt, wo er kurz vor Kriegsende von amerikanischen Soldaten ohne jegliche, kriegerische Auseinandersetzungen gefangen genommen wurde. Danach musste er in Frankreich als POW bis 1947 bei einem Bauern arbeiten.

Angesichts dieser Vorgeschichte sollte man annehmen, dass sich meine Eltern von ihrer Nazi-Bewunderung gelöst hatten. Doch das war nicht so. Obwohl in der Familie nie über den Nationalsozialismus offen diskutiert wurde, waren bis weit in die Nachkriegszeit hinein so auch Vorbehalte gegenüber den Akteuren des 20. Juli spürbar. Ich bin somit gewissermaßen in einem ungeklärten Verhältnis zu den Geschehnissen rund um den 20. Juli 1944 aufgewachsen, ohne mir dazu je Rechenschaft über meine Haltung abzulegen. So ist Ihre umfangreiche Berichterstattung in der ZEIT vom 18. Juli 2019 ein notwendiger Tritt, sich jetzt mit knapp 82 Jahren zu positionieren.

Ich sehe das missglückte Attentat als einen weiteren verzweifelten Versuch, dem verbrecherischen Nazi-Treiben ein Ende zu setzen. Ohne mir jedoch anmaßen zu wollen, über die Begleitumstände in der Wolfsschanze ein Urteil zu fällen, muss man darüber klagen, dass die letzte Professionalität bei der Ausführung des Attentats offenbar gefehlt hat. Man möge mir diese Betrachtung verzeihen, mit der ich nicht allein dastehe. Stauffenberg und seine Mitwisser mussten sich doch klar darüber gewesen sein, dass sie so oder so dem Tode geweiht waren. Wäre das Attentat geglückt, sähe Deutschland heute anders aus. Aber wie? – Harald Seidel

 

Die Erinnerung wächst mit ihrem Alter und löst zivilen Widerstand aus, wenn politische und mediale Meinungsmache, Wahrheiten mit dem Mantel der Ehrfurcht zudecken.  Keine Frage der Tod des Tyrannen war überfällig und hätte zweifellos der Welt viel Leid erspart. Leider wurde das Attentat am 21. Juli nicht mit dem hingebungsvollen Opfermut ausgeführt, da man selbst nicht zum Opfer werden wollte. Sonst hätte man sich vom Erfolg seines Anschlags überzeugt und hätte den Ort des Geschehens nicht vorzeitig verlassen. Sicherlich wäre man dabei selbst umgekommen, wenn man seinen Beweggründen zur Ehre gereichen wollte. So aber wurde aus einer „Heldentat“ einer größten Trauertage für viele aufrechte Frauen und Männer, die sich dem Widerstand verbunden fühlten und mit ihrem Leben dafür bezahlen mussten.

Jetzt konnte der Krieg mit aller Härte weitergeführt werden, was Millionen Menschen mit dem Leben bezahlen mussten. Das als Heldentat anzusehen, möchte ich bezweifeln.  Und den 21. Juli als Heldengedenktag zu ehren, ist schlichtweg eine Verhöhnung all derer, die für einen Fehlschlag bezahlen musste, der nicht mit letzter Konsequenz ausgeführt wurde, weil man sein eigenes Leben dafür nicht opfern wollte (was menschlich verständlich ist) und bereits die Übernahme der Neuordnung Deutschlands in seiner Person gesehen hat.  Die wahren Widerstandskämpfer in Nazi-Deutschland waren all die, die selbstlos Risiken auf sich nahmen und viele Menschen vor dem sichern Tod bewahrten, indem sie ihnen Unterschlupf und Schelter gewährten. Diesen namenlosen Menschen mit ihrer Hilfsbereitschaft im Verborgenem, gebührt ein Gedenktag und ein Gedenkstein in Erinnerung an die  „Den unbekannten Widerstandshelden in ihrem Kampf gegen die Verbrechen der Menschlichkeit im Nazi-Deutschland 1933-1945“. – Peter B. Sanden

 

Ihren Artikel „Umkämpfte Helden“ haben Sie u.a. mit einem Foto versehen, daß Arbeiter einer Hamburger Werft 1936 zeigt, von denen einer den Hitler-Gruß verweigerte. Dieses beeindruckende Bild ist schon in so vielen Büchern, Artikeln usw. gezeigt worden, aber noch nie habe ich dabei erfahren, ob man weiß, was aus diesem Herrn geworden ist. Er ist ja sehr gut auf dem Foto zu erkennen und so ist zu befürchten, daß er auch damals nicht „unerkannt“ blieb. Die Frage wäre eben, was das für Konsequenzen für ihn hatte, wie es mit ihm weiterging. Ist Ihnen in dieser Richtung etwas bekannt? Oder könnten Sie es herausfinden? In jedem Falle danke ich Ihnen für Ihre gute Arbeit. – Julia Schöller

 

Das Titelthema zum 20. Juli hat viele interessante Aspekte aufgezeigt. Besonders einleuchtend scheint mir die Analyse von Stephan Malinowski zu den „Grafenerzählungen“ seit 1945. Vieles spricht dafür, dass in der öffentlichen Meinung der Widerstand weitgehend mit den adligen Verschwörern des 20. Juli verbunden wird. Davon zeugt auch die Gestaltung dieses umfangreichen Titelthemas. So wird zum Beispiel der sozialdemokratische Widerstand gar nicht erst erwähnt.

Dabei gab es u.a. im deutsch-dänischen Grenzgebiet, der Heimat des Großvaters von Jens Jessen, seit Mai 1933 rege Widerstandsaktivitäten durch Angehörige der SPD. Es ging um das Einschleusen illegaler Schriften von Dänemark nach Flensburg, in umgekehrter Richtung um Fluchthilfe für Verfolgte aus ganz Norddeutschland. Diese Aktionen waren Teil eines Widerstandsnetzes, das durch den SPD-Exilvorstand in Prag organisiert wurde. Das Konzept war, dass SPD-Emigranten von „Grenzsekretariaten“ in den Nachbarländern aus mit daheim gebliebenen Genossinnen und Genossen kooperierten. Auf diese Weise konnte z.B. in Flensburg immerhin etwa drei Jahre lang eine Gegenöffentlichkeit aufrechterhalten werden. Zudem versorgte ein Flensburger Kurier die Hamburger Organisation mit illegalen Schriften. Nach seiner Entdeckung bezahlte er mit vier Jahren Zuchthaus und späterem Dienst im „Strafbataillon“, um nur eines der vielen Opfer zu erwähnen. Beim sozialdemokratischen Widerstand muss man sich nicht, wie beim 20. Juli, den Kopf zerbrechen, ob er als demokratisches Vorbild taugt. Eine Entpolitisierung des Widerstandes, die sich in den Beiträgen andeutet, ist keine Lösung. Wir haben hier den Stoff für eine positive Traditionsstiftung. – Jens Christian Jacobsen

 

Es dürfte vielen Lesern der ZEIT gefallen, dass diese den 75. Jahrestag des Attentats auf Hitler zum Titelthema gemacht hat. In vier ausführlichen Beiträgen wird der Wandel der Sichten auf das Ereignis und die namhaftesten Akteure und deren durchaus differierende Motivationen zum Widerstand dargestellt. Naturgemäß findet der auffällig hohe Anteil des Adels in den Verschwörerkreisen den verdienten Ausdruck, aber auch die noch bestehenden Defizite für eine historische Wertung des Widerstands werden aufgezeigt. Zu vermissen sind allerdings die klaren Aussagen, dass das Attentat absolut dilettantisch geplant und vollzogen wurde. Dazu nämlich hätte von Stauffenberg den Besprechungsraum nicht verlassen dürfen und sich um des hehren Zieles willen gegebenenfalls selbst opfern müssen. Letzteres geschah schließlich mit seiner Erschießung sowieso und mit vielen der Mitverschwörer. Das Attentat war zweifellos notwendig und richtig, egal welche politischen Folgeziele die Verschwörer hatten und welches ihre persönlichen Hintergründe gewesen sein mögen. Allein schon die Verhinderung der schlimmen Schicksale von zig-Millionen Menschen durch die Fortdauer des Krieges, die bei Gelingen des Attentats eingetreten wäre, rechtfertigte dessen Versuch.  – Hans Anhoeck

 

Der Putschversuch vom 20. Juli 1944 ist in meinen Augen nicht ohne den Hintergrund der konkreten militärischen Situation zu verstehen. Anfang Juni 1944 war es den Alliierten gelungen, in der Normandie zu landen. Verheerender war jedoch die Zerschlagung und weitgehende Vernichtung der Heeresgruppe Mitte in Folge der sowjetischen Offensive ab Ende Juni 1944. Zum Zeitpunkt des Attentats auf Hitler stand die Rote Armee bereits an der Grenze zu Ostpreußen, der komplette Zusammenbruch der Ostfront war nur noch eine Frage der Zeit. Vor diesem Hintergrund muss auch dem letzten Wehrmachtsoffizier klargeworden sein, dass der Krieg verloren war. Dass nun eine nicht geringe Zahl dieser Offiziere genug davon hatte, sich von einem unter Realitätsverlust leidenden Dilettanten herumkommandieren zu lassen, dessen sinnlose Befehle nur den Tod weiterer tausender deutscher Soldaten bedeuteten, ist mehr als verständlich. Angesichts der militärischen Lage wäre es zwar fraglich gewesen, ob sich die Alliierten, namentlich Stalin, nach einem gelungenen Staatsstreich bei Waffenstillstandsverhandlungen auf weniger als eine deutsche Kapitulation eingelassen hätten. Bedenkt man jedoch, wieviel Zerstörungen und tote Zivilisten gerade das letzte Kriegsjahr für Deutschland gebracht haben, bedenkt man die Vertreibungen und Vergewaltigungen in Folge der totalen militärischen Niederlage, kann ich das Motiv, lediglich „das Schlimmste verhindern zu wollen“, keineswegs als etwas moralisch Bedenkliches betrachten, wie dies in dem Artikel suggeriert wird. Für bedenklich halte ich es eher, wenn es für diese Form des Patriotismus heute kein Verständnis mehr gibt. – Dr. phil. David Egner

 

Vorbildlich wie in allen Jahrzehnten berichten/kommentieren Sie das Attentat. Ich bin Ihnen wieder einmal herzlich dankbar. Zugleich lässt mich die Frage nicht los, wie wir jetzt weiterhin dieser Erinnerungsaufgabe gerecht werden können. Das Gedenken an die Shoah steht vor dem gleichen Problem: Überlebende sterben, die Kinder mit eigener Betroffenheit während der Nazi-Zeit auch. Es sind mehr und mehr die danach Geborenen, die jetzt noch als Erlebniszeugen vor uns stehen. Sie haben diese nun auch mehrmals zu Wort kommen lassen, z.B. Daniel Kehlmann, Christoph Probst.

Ich bin überzeugt, dass das nicht genügt. Wir müssen ein neues Konzept finden. Das Verstehen und Wissen des Geschehenen und die Gestalt dessen, was wir Deutschland nennen, muss sich wandeln, sich lösen von solcher Betroffenheits-Zeugenschaft. Die Zeugen der Folgen des Geschehens (sei es im Zusammenleben mit den Opfern und Gezeichneten, sei es in dem unendlichen Suchen nach Verstehen, oder um sich selbst zu emanzipieren) , verlieren ihre Stimme und Verständlichkeit, geraten in Gefahr, nur noch die Fehler und Mängel in den Darstellungen aufzuzeigen oder täglich zu leiden an den Vogelschiss-Leuten, die sich ihre Welt mit der ungehemmten Energie des rechtlich Korrekten zurechtzimmern können, auf Kosten der anderen.  – Ein/e Leser/in

 

In der Tat darf  uns der Widerstand gegen Hitler -präziser= gegen das Nazi-Regime (den was hätte der irre Anstreicher ohne die Unterstützung von Banken und Industrie bewirken können)- keine Ruhe lassen, denn -da wird der großartige, mutige, weitsichtige GEORG ELRSER   in dem langen Ausführungen von Herrn Staas  mit NUR  DREI !!! Sätzen bedacht,  dieser aufrichtrige Handwerker, der FÜNF Jahre früher als  alle anderen den Mut , die Zielstrebigkeit aufbrachte,  und nur das frühere  Verlassen des Bürgerbräukellers rettete den Diktator,   – dagegen wirkt das späte, halbherzige Handeln der Widerständler erst 1944 -bei allem Respekt für den persönlichen  Mut der Beteiligten- nachgerade peinlich,   – und da wäre es dringend geboten, endlich und deutlich die Hintergründe zu den grossen Finanziers, den Schreibtisch-    Tätern und Mitläufern hinter den Nazi-Verbrechern deutlich zu benennen…   „Der Schoss ist fruchtbar noch, aus dem das kroch…“ (B.Brecht), deshalb darf uns  dieser Widerstand keine Ruhe lassen! – P.W. Anders

 

Vielen Dank für diese Beiträge mit den vielen erhofften Klarstellungen bei angestrebt größtmöglicher Ausgewogenheit! Nur zu natürlich, dass auch da noch Fragen bleiben: „Umkämpfte Helden“ – welch schöne Formulierung! Meinen Sie, dass in den hier vorliegenden Texten zum Titelthema auch schon genug Klärendes zum Heldenbegriff gesagt worden ist? (Vgl. dazu u. a. ZEIT 18/2019) Wäre Ähnliches nicht auch bei dem zugleich  „umkämpften“ Begriff des „Gewissens“ – im Unterschied oder zum Vergleich mit Begriffen wie „Verantwortungs-“ oder „Pflichtbewusstsein“, Verlustängsten oder Mitmenschlichkeit usw. – als mögliche Motive für widerständig handelnde Menschen zu formulieren? (Was nicht auf „populistische“ Binsenweisheiten hinauslaufen dürfte wie „Kinder ihrer Zeit“ oder vielleicht genauer: „Jede Zeit oder jeder Mensch hat ihre oder seine Helden bzw. ihr oder sein Gewissen.“)? Würde eine durchgängig konkrete Zuordnung von bestimmten Zeitumständen und bestimmten Personen mit ihren jeweiligen Möglichkeiten und Begrenztheiten (wie das ja z. T. schon  geschehen ist – etwa bei Stauffenberg oder bei „Hitlers Hofstaat“) einen viel klareren Blick auf die tatsächlichen Freiräume der einzelnen Widerständler ergeben, sicher „mal größer, mal kleiner“, doch wirklich „immer“? Und vielleicht auch eine etwas andere Antwort auf die im ersten Artikel gestellten Fragen, warum sich „die Deutschen mit dem Widerstand so schwer“ tun und warum „gerade jetzt die Emotionen so hoch“schlagen? Wäre dann „die Distanz von 75 Jahren“ keinesweg nur eine Zeit der „lebendigen (und außerdem höchst widersprüchlichen) Erinnerung“ von leider nur  fast ebenso wenigen Menschen, wie damals Widerstand geleistet haben? Sondern eine Zeit der aktiven Verdrängung bzw. Verfälschung eigener und fremder „Erinnerungen“ einer überwältigenden Mehrheit von Deutschen, von der erst und nicht zufällig spät Richard von Weizäcker in seiner hochgelobten Rede 1985 sagte, dass sie „alle“ von den Verbrechen der Nazis hätten wissen können, wenn sie es gewollt hätten? Spiegelt diese Aussage eines Mannes, der mit seiner Familie selbst schuldig geworden war,  nicht klar Adenauers Spott wider, „am 20. Juli hätten sich offenbar mehr Leute beteiligt als Deutschland Einwohner habe“? Und hatte jene Aussage zu diesem Zeitpunkt nicht eine ähnlich wundersame Selbstentlastungsfunktion von individueller Schuld? Und erhellt dies nicht die eigentlichen „Ursachen“ für die Antwort auf die obigen Warum-Fragen, nämlich eine fehlende gesamtgesellschaftliche Aufarbeitung der jeweiligen persönlichen (Mit-)Schuld? Nach 1945 zunächst im Kampf um das eigene „nackte“ Überleben, der selbst gefeierte Philosophen zu Falschaussagen verführte, ohne dass dafür eine Gesinnungsänderung vollzogen werden musste; später nachdem infolge von ersten mutigen Gerichtsprozessen, studentischer „Revolte“ usw. ein streng gehütetes öffentliches Schweigen, Verschleiern, Niederknüppeln etc.  nicht mehr möglich war, ein erstes öffentliches Schuldbekenntnis, das – fürs spirituelle Überleben in der Zukunft – individuelle Schuld „vergemeinschaftete“ und im Kollektiv „aufhob“? Sogar bei nicht nur selbsternannten „Historikern“, deren Zunft zunächst ja auch von belasteten „Größen“ dominiert war, was den zu Recht beklagten Zugriff der „Rechten“ wie der Rechtsextremen auf „den Widerstand“ bzw. die national-romantische deutsche Vergangenheit (Höcke) bis heute ungemein erleichtert? Gilt es nicht solche „Ambivalenzen“ zu klären, nicht allein zu ertragen bzw. für  längst bekannt zu erklären oder gar für bereits (wenigstens z. T.)  „erledigt“: „Dass sie keine unverbesserlichen Nazis sind, haben die Deutschen längst gezeigt – indem sie sich mit ihrer historischen Schuld auseinandergesetzt haben und es immer noch tun…“ „Die Deutschen“? Oder zumindest eine Mehrheit von ihnen? Und „immer noch“? Müsste die von Frau v. Thadden begrüßte „gewisse Arbeitsteilung“, die es ermöglicht, dass alle „Formen des Erinnerns einander kritisch beleuchten“, nicht irgendwann zusammengeführt werden in einer Darstellung, die individuelle Trauerarbeit ermöglicht, auch wenn sie dann nicht bloß „manchmal schmerzhaft“ sein wird? Und wird die „vor allem“ mit einer „kulturellen Entfremdung von den alten Eliten“ zu tun haben? – Eckhard Heumann

 

Ein wesentliches Problem bei der Erörterung dieses Themas ist die bewusste und unbewusste Hineinprojizierung gesellschaftspolitischer und moralischer Maßstäbe, die sich neben der ohnehin mitunter schwierigen Lesart von geschichtlichen Ereignissen derartiger Bedeutsamkeit, mithin einer reellen Gewichtung innerhalb des zeitgeistigen Kontextes, ergibt. Klar festzuhalten ist indes, dass die Frauen und Männer, die, genannt oder ungenannt, im Großen wie im Kleinen, Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu leisten bereit waren, mutig und heldenhaft gehandelt haben.

Der teilweise amorphe Zustand der damaligen Gegenwehr jedenfalls sollte uns heute an dieser Einsicht ebenso wenig hindern wie etwa Fritz Bauer, hessischer Generalstaatsanwalt und Initiator der Auschwitzprozesse, keinesfalls bereit war, das Dritte Reich als einen Rechtsstaat anzuerkennen und den zu jener Zeit geübten Ungehorsam unter dem D(r)eckmantel brauner Propaganda als Hochverrat und Verschwörung denunziert bleiben zu lassen. – Matthias Bartsch

 

Leider wird beim auf seite 36 abgebildeten arbeiter dessen name nicht erwähnt. es ist august landmesser, der vater unserer inzwischen verstorbenen freundin irene eckler aus ketsch. er hätte als soldat des strafbataillons 999 eine nachträgliche würdigung wohl verdient. vielleicht schafft er es zu einem ,,nachtrag,, in der ZEIT. die beiden dateien in der anlage beschreiben seinen lebensweg. leider ist der artikel undatiert und der name der zeitschrift nicht bekannt. der hintergrund der verweigerung ist unterschiedlich dargestellt. im jetzigen zeit-artikel soll es das schiff ,,horst wessel,, gewesen sein. die andere publikation spricht von der ,,bismarck,,… – w.wolf


 

Leserbriefe zu „Darauf ein Gläschen CO2“ von  Petra Pinzler

Gut gebrüllt, Frau Pinzler! Würden Sie in Russland, Ungarn oder Brasilien leben, wäre ich nicht sicher, ob Sie nicht als Staatsfeindin verfolgt würden. Denn Sie würden nicht nur von Kapitalismus-Ideologen, sondern auch von autoritär oder totalitär Denkenden als Umstürzlerin mindestens diffamiert werden. Die Kumpanei von Demokratiefeinden mit der Eigentümermacht hat lange Tradition, in Deutschland seit Bismarck über Wilhelm II., die Nazis bis zur AfD. Daran ändern die rühmlichen Beispiele wie Stephan Schmidheiny, André Hoffmann oder Hansjörg Wyss, die Sie nennen, nichts. Leider ist die Eigentümermacht, die auf unserem Planeten das Sagen hat, global aufgestellt und die Ökologie-Bewegten dieser Erde können die Machtfrage nicht stellen, denn sie haben keine Macht. Im Kreise der demokratischen Nationalstaaten könnte es einige geben, die mit guten Beispielen die richtigen Zeichen setzen, auch in Deutschland. Aber wer will sich als „Verbotspolitiker“ die Finger verbrennen? Genausowenig wie Sie bin ich dafür, die Marktwirtschaft abzuschaffen. Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen Startups, kleinen und mittelständischen Unternehmen einerseits und Großkonzernen andererseits. Erstgenannte können am Markt durch Ingenieurskunst, Einfallsreichtum und individuelle Tüchtigkeit kooperativer Mitarbeiter/innen Erfolg haben. Große Unternehmen sind vornehmlich am „Weiter-so“ des bisherigen Geschäftserfolgs orientiert, sie müssen den shareholder value bedienen. Die Banken beteiligen sich an dieser innovationsfeindlichen Politik, vor allem weil sie panische Angst vor dem Konkurs mutiger Startups haben. Was hindert denn unseren Staat daran, als (Mit-)Investor bei alternativer Energieproduktion, bei ökologischen Lösungen der Mobilität (z. B. der Wasserstofftechnologie) etc. aufzutreten? Folgt der Investition Gewinn, hat der Staat – und damit der Steuerzahler – seinen Anteil daran. – Viktor Rintelen

 

Alles Öko – oder doch nicht logisch.?  Die CO 2 Oberschicht  kann sich jeden Wunsch erfüllen, und die  „Mittelschicht“ mischt da auch noch mit –  und die „Unterschicht“ ist ein CO 2 Abweichler.    Alles ist gesellschaftlich  gut sortiert  in unser „Wünsch dir was –  heilen Konsum-Welt „.  Na, denn Prost auf den CO 2  Schadstoff – Cocktail.  Wie sagte Helmut Kohl richtig; Entscheidend ist was hinten raus kommt.  Logisch  ist  das – nur nicht so gut für das Klima:  Mehr Wohlstand für alle heißt: Wir steigern das „Brutto-Sozialprodukt“   bis zum Exportweltmeister  –  und damit gleichzeitig mehr Co2  Treihausgas in der Luft.  Prost  –  ein erfrischendes  H2O – Sprudelwasser ist viel angenehmer.  Jetzt bekommt CO 2 endlich einen „Preis“ und zahlen muß der Reiche und  Arme Bürger,  schließlich geht es um  die Zukunft der lernenden Verhaltensänderung und  das tut aber nicht allen so weh. – Thomas Bartsch-Hauschild

 

Ihre Autorin Petra Pinzler macht sich bei mir immer unbeliebter.  Ich gehöre zu den Wohlhabenden dieser Gesellschaft. Ich denke gar nicht daran mein Leben zu ändern. Ich lass es mir gut gehen und erfreue mich das ich noch lebe. Das Klima macht was es will ob mit Mensch oder ohne.  Und außerdem weiß ich von einem wirklichen Kenner, dass das meiste was so verbreitet wird, dummes Zeug ist.  Der Kindergarten sei die größte Entgleisung die sich in Deutschland abspielt. Und wenn die Medien schon einen solchen Bohei um sie machen, dann sollten sie sie auch auffordern ihre Handys zu vernichten oder nicht mehr zu gebrauchen. Die erzeugen bedeutet mehr Schaden als der Diesel. Der ist dagegen ein „Fliegenschiss“, wie ich mir habe sagen lassen.  Die Luft ist eine andere Chose. Die kann man durchaus verändern. Aber deswegen werde ich nicht vom Jet auf die Bahn wechseln. Diesel habe ich ohnehin nie gefahren.  Und die Luftmessung und sonstige Zahlen in den Medien sind fast alle gezinkt. Die stimmen vorne und hinten nicht. Und dann sollten sie sich für die Raumfahrt interessieren. Die kann stark dazu beitragen, daß die Scheiße nicht auf uns rieselt. Da lese ich so gut wie nichts.  – Gunter Knauer

 

Die Welt-Obergrenze für Treibhausgas-Emissionen von 15 Mrd. t CO2-Äquivalent jährlich führt im Jahr 2060 bei 10 Mrd. Menschen zu 1,5 t CO2/Person. Die Verbrennung von ei­nem Li­­­ter Kraft­stoff oder Heizöl löst im Durchschnitt 2,6 kg CO2 aus. Einem Mitteleuropä­er stehen dann durchschnittlich 585 Liter (für sich selbst und 50 % verursachte Güterproduktion) davon jähr­lich zu. Bei 450 l für notwendige Familienfahrten unter 10.000 km/Jahr reicht das für eine vierköpfige Familie nicht ein­mal für 3 kalte Wintermonate in einem gut gedämmten Haus mit Ölheizung! Wären wir bei einer Weltbevölkerung um 2,5 Mrd. wie 1950, dann dürfte jeder Mensch rund 6 t pro Nase verbrennen: Das erlaubte ein gutes Leben. Stattdessen wird nur über CO2 diskutiert und der massive Klimaeffekt einer ständig wachsenden Bevölkerung samt deren „Umpflügen“ der Erde vergessen. Vielleicht ist die einzige Chance, dass „die Klimaforscher“ mit von ihnen selbst eingeräumter 5 %-Wahrscheinlichkeit doch bisher mit ihren „Szenarien“ falsch lagen! – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele

 

Ganz herzlichen Dank für diesen super Artikel, ein absolutes Hilight für mich. Ich frage mich schon lange, wie man denen beikommt, die einfach zu viel Geld haben (auch ich gehöre zu den Besserverdienern) und habe bisher noch nirgends eine so ausführliche und gute Auseinandersetzung mit diesem Thema gefunden!  Ich bin der festen Überzeugung, dass eine CO2-Abgabe wichtig und richtig wäre und finde es furchtbar und verantwortungslos, dass die Politik den Wählern einreden will, dass Klimaschutz möglich ist, ohne auf etwas zu verzichten.

Die CSU ist führend in dieser Liga! Scheuer „warnt vor Flugscham“ und meint, es gehe ohne Verbote! Geht’s noch? Mein Traum: Jeder Mensch bekommt gratis 1 to/Jahr CO2-Verbrauch geschenkt, was er darüber verbraucht wir stark progressiv (!) besteuert. In diese Richtung sollte es mit Grund und Boden und allen knappen Ressourcen gehen. Schade: erleben werde ich das sicher nicht.  – Werner Zoller

 

Auf Ihren leichtfüßigen Artikel darf man getrost anstoßen. Manchmal wundert man sich, wie sehr sich reiche Menschen um das Wohl der Armen sorgen. Wie soll man dazu sagen: Krokodils-Sorgenfalten“… klingt leider zu sperrig, obwohl es die Sache ganz gut träfe… – Dr. Christian Voll

 

Petra Pinzler hat völlig recht, wenn sie dem Mythos vom ökologisch bewusstlosen Normalkonsumenten als dem Archetypus des Umweltzerstörers entgegentritt und statt dessen den kapitalistisch erzeugten Extremreichtum in den Blick nimmt (und damit die kapitalistische Kommandoebene). Sie zitiert die „grundsätzliche Frage“: „Wie kann eine ökologische Politik diejenigen schonen, die weniger Geld haben?“, hält diese Frage aber für die womöglich falsche. Ich halte sie nicht für falsch gestellt. Ja, „ein Leben im Luxus verbraucht Ressourcen: Gold etwa und Boden, Luft, Tiere und Pflanzen.“ Ich möchte hinzufügen: Es verbraucht auch Menschen, im äußersten Maß diejenigen, die ihre Lebenskraft auf den Elendsetagen der globalen Produktion verausgaben müssen. Allerdings verbrauchen nicht nur Luxusproduktion und Luxuskonsum Ressourcen, sondern auch die Fülle der industriell hergestellten Geräte, derer wir uns in unserem Alltagsleben bedienen, setzt ein exorbitantes Maß von Ressourcenverschwendung voraus. Daran sind im Wesentlichen nicht Gedankenlosigkeit und Nachlässigkeit schuld, sondern ganz im Gegenteil strategische Überlegungen derer, die über die Mittel der industriellen Produktion und ihren Einsatz gebieten. Langlebigkeit und Verschleißvermeidung sind unerwünscht. Selbst wenn ein Gerät robust wirkt und Teile des Ganzen es sogar sind, werden gezielt besonders verschleißanfällige Teile eingebaut und die Reparatur durch die Art der Verschraubung oder anderer Verbindungen erschwert bis unmöglich gemacht. Ersatzteile werden, wenn überhaupt, nur für wenige Jahre vorgehalten und angeboten. Zur materiell bewirkten Kurzlebigkeit und Ersatzbedürftigkeit der Geräte tritt die ideelle Steuerung der Konsumenten, denen die Werbung höchst geldwertige Neuerungen vorgaukelt. In der Substanz kommt das alles einer partiellen Enteignung der Konsumenten durch die jeweiligen Unternehmenseigner gleich, mithin einer Umverteilung von unten nach oben, die auch einen wachsenden Luxuskonsum ermöglicht. Eine unökologische Unternehmenspolitik ist insofern zugleich eine unsoziale. Eine konsequent ökologische Politik müsste also zugleich eine sein, die die Produktion (und den Handel) kontrolliert und sich nicht scheut, Ressourcenverschwendung in der Produktion durch gesetzliche Normen zu untersagen und das durch einen hinreichend ausgestatteten Kontrollapparat auch sicherzustellen. Wichtige politische Entscheidungen der letzten Jahre haben freilich ein Umsteuern in diesem Sinne erschwert, vor allem durch eine Reihe von Freihandelsabkommen, in denen der so genannte Investorenschutz die staatliche Normensetzungsfreiheit und damit die Demokratie erheblich einschränkt.

Käme es dennoch zu einem solchen politischen Modellwechsel, schössen die bekannten Verbände aus allen Rohren, die ihnen verbundenen Medien überquöllen von Anklagen gegen „wirtschaftsfeindlichen Radikalismus“. Ihnen wäre lieber, hochprofitable, aber unökologische, unsoziale und sogar unwirtschaftliche Praktiken könnten ungestört fortgesetzt werden. Unwirtschaftlich? Wirtschaftliches Handeln bedeutet, einen  bestimmten Nutzeffekt mit dem geringstmöglichen Mittelverbrauch zu erzielen. – Jürgen Kasiske

 

Reichtum braucht Armut! Armut, ein tragfähiges, sicheres und betoniertes Fundament für das Haus der Welt, mit Reichtum in der Spitze. Und das wächst immer höher. Da braucht es ein breiteres Fundament! Die geplante CO2-Bepreisung wird´s zeigen, die Masse zahlt wieder. Wie schon bei der so oft bepriesenen Energiewende: Die EEG-Umlage zahlt unterm Strich der, der keine -neue- erneuerbare Energie produziert. Also vorrangig keine Solaranlage auf dem Dach hat. Umweltbelastung erkaufbar mit Geld, und das ganz legal? Das steht für keinen ehrlichen, zukunftsweisenden Umweltschutz. Die -vom Material her- umweltfreundliche Glühlampe ist verboten, die Leistung des Heimstaubsaugers auf 800 Watt gesetzlich begrenzt. Warum keine gesetzliche Vorgaben für maximale Beschleunigung, Geschwindigkeit und Spritverbrauch der Autos und Lastautos (=SUV)? Schade, dass die Politik hier keine Traute hat! Also auf geht’s: Freie Fahrt für Reiche! Und das künftig ohne Staus! – Hermann Hinrichs

 

Dem Artikel von Petra Pinzler könnte man voranstellen: Selbsterkenntnis  ist der erste Weg zur Besserung.Aber als kleiner  Normalbürger-Zeit-Leser, dersich noch ein Abo  leistet, weiß ich jetzt  dass die Werbeanzeigen, auch für unsäglich umweltschädliche Kreuzfahrten  dienen.  Wobei alle diese“Gutverdiener“ sicher nicht auf die Anzeigen  angewiesen sind. Aber u.a. weird mit dem Erlös dieser Anzeigen ja die  Redaktion finanziert,  die sich s. Anmerkung der Redakteurin , ja auch  entsprechend umweltfreundlich verhalten. (können/wollen).  –geelke Braun

 

Ich kann nicht einschätzen, wieviel der Konsum der Superreichen zur drohenden Klimakatastrophe beiträgt, aber klar ist, dass schon die sogenannte Mittelschicht in Deutschland und anderen wohlhabenden Staaten viel zu viel und oft völlig Überflüssiges konsumiert. Sofern man diesen Luxuskonsum nicht einfach verbieten kann – bei Inlandsflügen z. B. oder bei Pkws ab einer bestimmten Größe und Leistungsstärke wären Fahrverbote meines Erachtens durchaus möglich und sinnvoll -, sollte man den Verbrauch stärker mit Abgaben und Steuern belegen und dadurch steuern, sprich reduzieren. Auch bei unangemessen großen Wohnungen könnte man die Luxuswohnfläche mit einer Luxussteuer belegen. – Dr. Ulrich Willmes

 

Nachdem Sie in ihren letzten Beiträgen häufig den Schuldigen in der Agrarbranche ausgemacht hatten, ist nun der „Reiche“ dran. Sie sind auf einem guten Weg, auch wenn Sie lange Zeit dafür benötigen. Der Schuldige befindet sich in Ihrem Spiegel, es ist der Konsument der westlichen Industriegesellschaft. Und es betrifft jeden, der in unserem System den kapitalistischen Häschern des Konsums nachfolgt. Es ist der, der jeden Samstag sein Auto mit bestem Trinkwasser säubert, der mit seinem Wohnwagen zweimal im Jahr über die Alpen reist, jeder, der sich Breitreifen auf seine Poserkarre schraubt, der dreimal im Jahr eine Kreuzfahrt macht oder der sich vegan oder vegetarisch ernährt und damit keine Kreislaufwirtschaft aufrecht erhält…..schauen Sie sich die Werbung im TV an. „Ich sollte eigentlich nicht hier sein, es ist bereits mein dritter Luxusurlaub in diesem Jahr.“….das wird dem „kleinen Mann“ täglich eingeflößt. TUI: „Sie haben es sich verdient!“. Nein Frau Pinzler, es sind nicht die Reichen, es sind alle, die sich dem System unterwerfen und sich darauf berufen, dass es ihnen zusteht. So, wie es ihnen durch die Werbung wiederholt vermittelt wird. Unsere Gesellschaft wird sich nicht freiwillig beschränken, und wer versucht sie dazu zu nötigen, der wird nicht gewählt….egal ob sie gestern noch bei Greta auf der Protestdemo waren, oder nicht. –  R. Seevers

 

Petra Pinzler verortet in Die Zeit vom 18.07.2019, 3 als Ursache für den Klimawandel den Konsum der Wohlhabenden und Superreichen und spricht radikalen Lösungen das Wort. So soll BMW am besten gleich abgeschafft oder sofort umgebaut werden, zu installierende Ökoregierungen sollen unter Hinweis auf eine Green-Growth-Theorie am besten gleich die Landerechte für Flieger entziehen. Petra Pinzler frägt, ob sich „ökologische Politik die Reichen noch leisten“ kann, dass die Ökologie nicht nur über „die gerechte Verteilung des Konsums nachdenken, sondern auch über einen Konsum an sich“.  Zudem behauptet sie, dass die Kinder andere Interessen haben als ihre Eltern und versucht damit, die Jugend aufzuhetzen. Mit ihren Gedanken verlässt Petra Pinzler die Grundlagen unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung und redet letztlich einer weltweiten ökologischen Diktatur das Wort. Es sollen wieder einige totalitäre Technokraten bestimmen, wie sich das gemeine Volk zu verhalten hat und was es konsumieren darf oder auch nicht. Da befindet sie sich zwar mittlerweile in bester Gesellschaft, da auch Robert Habeck für die Grünen eine „gravierende Veränderung“ unserer Gesellschaft herbeiführen will und die Strippenzieher der Fridays-for-Future den „System Change not Climate Change“ fordern. Und sind die einzelnen Regierungen nicht gewillt, so erfolgt die Durchsetzung der ökologischen Ziele über den unkontrollierbaren Weg einer generellen Systemänderung. Die Legitimation für den Umsturz und das Schaffen einer Öko-Diktatur wird als Auftrag der Vereinten Nationen gesehen, da die UN Pariser Klimaschutz-Vereinbarung aus 2015 völkerrechtlich verbindlich sein solle.. Sind das meine Hirngespinste? Nein! Das kann nachgelesen werden auf www.Klimanotstand.de

Hier wird es höchste Zeit, dass den Untergangspropheten und revolutionären Phantasten auf der Suche nach einer weltweiten ökologischen Diktatur endlich entschieden Einhalt geboten wird. Zunächst ist dem Aufhetzen unserer Kinder gegen ihre Eltern entgegenzuwirken. Als Vater von vier Kindern spreche ich bestimmt vielen Eltern aus dem Herzen, wenn ich klipp und klar festhalte, dass mein Ziel eine gute und bessere Zukunft für meine Kinder ist. Auch ist der Klimawandel nichts verwerfliches oder menschgemachtes. Der stete Wandel ist der Natur und dem Leben immanent und den Wechsel von Kalt- und Warmzeiten gibt es seit vielen hunderttausenden von Jahren wenn nicht gar schon immer. Es gibt genug namhafte Wissenschaftler unter den Klimatologen, die mit sehr guten und nachvollziehbaren Gründen den Beitrag der Menschheit zum Klimawandel und Temperaturveränderungen für absolut unerheblich einschätzen. Auch wird der Einfluss des Spurengases CO2, das übrigens für die Photosynthese der Pflanzen elementarer Bestandteil ist und nur in winzigen Teile in der Atmosphäre vorhanden ist, als massiv überbewertet und nicht belegbar eingestuft.

Der natürliche, in der Natur angelegte Klimawandel mit zum Teil sehr unangenehmen Begleiterscheinungen – der Mensch und die Natur haben sich daran schon immer angepasst und werden das auch in Zukunft tun – wird von den ewig gestrigen Linken zu einer Klimakatstrophe hochstilisiert. Und unsere „Fachkräfte für Agitation und Propaganda“ verunsichern unsere Jugend und schüren Existenzängste, um die Jugend zu einer Revolution zu missbrauchen mit dem Ziel der Etablierung einer sozialistischen Diktatur. Grün oder Ökologie dient nur als Feigenblatt.

Unsere Aufgabe muss sein, das hinter der Ökobewegung stehende politische Ziel klar und mit Nachdruck zu benennen und der Jugend die Augen zu öffnen. Eine sozialistische Diktatur – die in der Vergangenheit schon immer versagt und immer im Elend mit unzähligen Toten geendet hat – kann niemand ernsthaft wollen.
Daneben müssen wir im Rahmen unserer Rechtsordnung und unserer freien Gesellschaft verstärkt die Belastungen für unsere Umwelt reduzieren. Das geht durch technischen Fortschritt und muss global angelegt sein. Selbst dramatische Fortschritte in Deutschland, die unheimlich viel Geld und damit Wohlstand verschlingen würden, verpuffen wirkungslos, wenn nicht weltweit gehandelt wird. Die Bevölkerungsexplosion findet nicht bei uns statt, und die lebenswichtigen Tropenwälder werden insbesondere in Südamerika und Indonesien gerodet. – Bohdan Kalwarowskyj

 

Ein Freund meines Vaters pflegte sich vor 40/50 Jahren wegen seiner Kinderlosigkeit selbstironisch als bevoelkerungspolitische Niete zu bezeichnen. Sind heute vielleicht aus ökologischer Sicht diejenigen die bevoelkerungspolitischen Nieten, die mehr als 2 Kinder in die Welt setzen? Könnte es sein, daß der wichtigste Beitrag der Nichtsuperreichen zur Bekämpfung des Klimawandels im Bereich der Fortpflanzung zu suchen ist?  – Susanne Sänger

 

Es überrascht mich einmal mehr, wie Petra Pinzler zu den CO2 Emissionen Stellung bezieht. In diesem Artikel wird dem „bildungsfernen Bevölkerungsteil“ sowie den Rentner(innen) ein geringeres Umweltbewusstsein  unterstellt.  Sie hätten kein Verständnis für den Klima-Hype, trügen aber auch nicht wesentlich zur Klimaverschlechterung bei, so die Autorin. Wie kann sie zu so einer pauschalen und vermessenen Aussage kommen? Gleichzeitig wird die klassische Mittelschicht als großer CO2 Verursacher gebrandmarkt, weil sie großzügig wohne, oft fliege und andere Genüsse des Lebens pflege. Obwohl ich zu der pauschal verunglimpften Mittelschicht gehöre, habe ich mich beruflich in der großen Gemeinschaftsverpflegung schon 2000 freiwillig, ohne diese FFF,  für eine umweltgerechte und ökologisch ausgerichtete Ernährung erfolgreich eingesetzt. Zum Schluss werden in diesem Artikel auch noch verschiedene Multimillionäre/innen geadelt, weil sie „30 Prozent der Erdoberfläche als Naturreservate für die Menschheit bewahren wollen“.

Es kann nicht sein, dass der Mittellose, der sich keine Klima-sanierte Wohnung oder ein E-Auto leisten kann, als Strafe eine CO2 Steuer zahlen muss, um den Wohlhabenden das klimagerechte Wohnen und Fahren zu ermöglichen, das auch noch steuerlich unterstützt wird. Wenn das Klima unseren Wünschen entsprechend verändert werden kann, dann nicht von heute auf morgen durch Bestrafung, sondern durch Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, durch eine sinnvolle Aufklärung und sachliche Information, die zu verstärktem Umweltbewusstsein führt. Bestimmte Gruppen (Rentner, Mittellose) als Sündenböcke zu brandmarken ist nur destruktiv, führt zu einer Spaltung der Gesellschaft und gefährdet die Demokratie. Bleibt zu hoffen, dass wir  noch rechtzeitig dieses Problem mit Vernunft und Verantwortung angehen, um dieses zu verhindern. – Hubert Klemenjak

 

Endlich, endlich, endlich mal ein Artikel, der den Finger in die Wunde legt!  Der die benennt, die schamlos mit ihrem Reichtum unseren Planeten zerstören.  Freitags wird von Kindern die Zukunft eingefordert. Dies nehmen unsere Politiker zum Vorwand, den Pendler im unsanierten Haus zur Kasse zu bitten.   Den Gelbwesten in Frankreich war klar: die Erhöhung der Benzinsteuer bedeutet eine eklatante Erhöhung aller Lebenshaltungskosten.   Das scheinen wir Deutschen nicht zu realisieren.  – Regina Stinn

 

Was für eine, in seiner Zusammenfassung, erhellende Abhandlung zum Kapitalismus und den ökologischen Folgen durch Statuskonsum. Kann sich ökologische Politik „die Reichen“ noch leisten? Solange Nullwachstum in der politische Ökonomie mit Rückschritt und Verlust gleichgesetzt wird, stößt der boomende Kapitalismus offensichtlich an planetare Grenzen. Er führt in die Klimakatastrophe, rottet Arten aus und vermüllt unsere (nicht nur irdische) Biosphäre als ganzheitlichen Organismus. … Frei nach Brecht: Nicht nur das System muss sich ändern – der Mensch muss sich ändern.  Ökopolitik und der Umgang mit Konsum könnte sich dann in Selbstfolge biosphärend erhaltend einpendeln.   Das müssen wir begreifen und leben – in seiner ganzen Komplexität. Aber wer glaubt schon an die Vernunft der Gierigen und Selbstgefälligen. – Helmut Rehberg

 

Und wieder der große Traum vom irdischen Paradies. Bald schon das unsanfte Erwachen in der harten Realität. Schließlich die bittere Aufarbeitung der fehlerhaften Vergangenheit. Also nichts Neues unter der Sonne. Ein weiterer historischer Kreislauf kann beginnen. – Konrad Sauheitl

 

Die Schuldigen sind gefunden !
Wenn man sich die Mühe machte, die Begriffe „Arm und Reich“ im Artikel durchzuzählen, wird klar, was die Verfasserin sagen will. Der Gruppe der „Armen“ muss sich nicht am Klimaschutz beteiligen. Und die Gruppe der „Reichen“ muss sich schlecht fühlen, denn sie sind das Übel auf dem Planeten. Da entweicht viel CO  aus den Champagnerflaschen und noch mehr aus den Auspuffen. So einfach ist also die durchaus populäre Einteilung in die klimabewussten  „Armen“ und in die „Reichen“ mit ihrer ignoranten Umweltzerstörung (töten Arten und vermüllen die Meere). Da sollen dann Vorschläge wie Konzertbesuche und Bilderkauf Abhilfe schaffen, Erbarmen !  Dabei gab es in der Zeit Nr. 29  (der Mythos vom Verzicht) doch den alles entscheidenden  Hinweis auf eine Klimaschutzmaßnahme, die ganz oben steht, stehen muss: weniger Kinder kriegen ! Denn CO 2 wird von der schieren Masse Mensch auf der Erde verursacht, egal ob  arm oder reich. Die Reichen abzuschaffen, reicht also nicht.  Da auch die Verfasserin mit Tonnen Co 2  pro Kopf rechnet, bietet sich als Konsequenz  und sozusagen  als „Bepreisung“ der CO 2 Erzeugung  der Wegfall des Kindergeldes an, wenn schon das Verursacherprinzip gelten soll, wie für die Reichen gefordert.     – Heinz Gutzeit

 

Nicht nur der „Mensch mitten im Luxusleben“ verbraucht Energie, nein auch der Mensch ohne Luxus, der verbraucht auch seine Energie. Einen Hoffnungsschimmer, den gibt es allerdings am Ende des Lebens; denn als toter Mensch, da gibt der Mensch seinen Ausstoß an Energie, ganz freiwillig auf, endlich! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „Für jeden eine Straße“ von Fritz Zimmermann

10 Jahre Enak Ferlemann und 3 CSU-Verkehrsminister sind eine Katastrophe. Gibt es nicht irgendwo noch ein weiteres Kommissionspräsidentenamt, das Frau Merkel Herrn Ferlemann – Beauftragter für die Bahn – anbieten kann, damit die falsche Verkehrspolitik endlich aufhört. In seinem Wahlkreis verschwendet Herr Ferlemann mit der geplanten Autobahn 20 und dem dazugehörigen Elbtunnel Milliarden. Dagegen ist die bayrische Ortsumgehung eine Bagatelle. Auch hier wird das Nutzen-Kosten-Verhältnis schöngerechnet. An manchen Politikern geht einfach die Zeit vorbei bzw. sie sind aus der Zeit gefallen. – Georg Pape

 

Was läuft da schief? Aus der Sicht der CSU offenbar nichts! Aus der Sicht von Bürgern, Presse und Verantwortungsträgern auf Landesebene fast alles. Warum versagen die üblichen Korrekturmechanismen aus der Einbindung eines Ministeriums in politische Prozesse und Verwaltungsabläufe? Kanzleramt, Kabinett, Koalitionsausschuss, Bundesfinanzminister, Parlament und Bundesrechnungshof ohne Einfluss auf das CSU-Verkehrsressort? Wie kann es sein, dass das Ressortprinzip im Falle des Bundesverkehrsministeriums so ausgelebt werden darf, dass sich scheinbar ein hermetisch gegen die lebendige Wirklichkeit abgeschirmtes Reservat für CSU-Politiker wie Ramsauer, Dobrindt und Scheuer etabliert. Ein Reservat, das der CSU einen prominenten Zugriff auf Bundesmittel ermöglicht, auch um heimatliche Landschaftspflege betreiben zu können. Eine Lenkungswirkung der Mittelverwendung im Sinne allgemeiner und übergeordneter Ziele, z.B. Mobilität der Zukunft, Gesundheit und Klimaschutz wird bisher jedenfalls nachhaltig verfehlt.

Vielleicht ist es doch ganz anders und wir erleben ein gelingendes Integrationsprojekt, einerseits für Politiker der CSU, um sie auf lange Sicht in den größeren nationalen, europaweiten und globalen Verantwortungshorizont einzubinden. Einsamer Vorreiter ist hier bisher lediglich Bundesminister Gerd Müller. Andererseits für unsere auseinanderdriftende Gesellschaft, um hier ein hinreichend breites Angebot an Identifikationsmöglichkeiten vorzuhalten. Auch gockelhaftes Stammtischgebaren und übersteigertes Selbstbewusstsein gehören an den Kabinettstisch. Wir werden jeden brauchen.  – Reinhard Koine

 

Zu Ihrem interessanten Bericht muss ich ein paar Zeilen schreiben: Die Versäumnisse dieser ewiggestrigen Verkehrspolitik sind für jeden in Deutschland alltäglich zu besichtigen, schlimmer noch: viele Bürger und die Umwelt müssen sie ausbaden! Leisten konnten wir uns dies schon mit Antritt von Ramsauer nicht, dann kamen noch zwei weitere Minister, um das „Dream-Team“ zu komplettieren und nun kämpfen wir mit einem verlorenen Jahrzehnt. Wer befreit dieses wichtige Ministerium aus den Klauen der CSU und wer erlöst uns – endlich! – von der wirklich sagenhaften, maulheldenhaft und mit obszöner Breitbeinigkeit auftretenden Inkompetenz und dem unerträglichen Dilettantismus dieses Verkehrsministeriums, zu dessen Maut-Debakel und Lobbyisten-Nähe sich nun offenbar auch noch der Mißbrauch von Steuergeldern für vollkommen unsinnige Bauprojekte zur Beglückung lokaler Parteifreunde gesellt? – Gunter Affholderbach

 

Nach diesem Artikel sehe ich mich in meinem Entschluss, dem DFB Andreas Scheuer als Nachfolger für Reinhard Grindel als Vorsitzenden vorzuschlagen, bestärkt. Der Scheuer Andi ist Mitglied der CSU, hat seine Unfähigkeit im Verkehrsministerium beeindruckend bestätigt, er kümmert sich nicht um die Sache, sondern stellt in den Mittelpunkt seiner Arbeit seine Wirkung in der Öffentlichkeit. Also alles notwendige Voraussetzungen für ein anspruchsvolles öffentliches Amt. – Helmut Schmitz

 

Wenn ein  Politiker ein Bundesministeramt übernimmt, ist er dem Wohl aller (!) Bürger der ganzen Republik verpflichtet und ihnen gegenüber verantwortlich. Sätze wie:  “ Wir haben uns für Verkehr entschieden. Wegen der Bedeutung für Bayern.“ (Ramsauer) oder:  “ Ich werde ein guter Innenminister für die Bundesrepulik sein,“ (Seehofer, nach kurzem Zögern weiter) „und für Bayern.“ zeigen ein enormes Gerechtgkeitsdefizit, das diese Männer aus Bayern ganz offen zur Schau tragen. Und man reibt sich die Augen – auch noch damit durchkommen. Dass vor Wahlen in Diskussionen  immer zwei Politiker des cristlichen Flügels zu Wort kommen, bringt die Redezeit der anderen Parteien  in eine Schieflage, auch das ist ungerecht. Man müsste mal auflisten, wieviel Vorteile Bayern eingeheimst hat, weil die CSU mit der CDU jahrelang  liiert ist und sehr häufig ungeniert, jafast erpresserisch Vorteile für Bayern herausschlägt. – Ingeborg Petermann

 

Fehlinvestitionen ins Straßennetz sind nicht das einzige Verkehrsproblem. Leider wird nicht vertieft wieviel Geld ins Schienennetz investiert werden müsste und tatsächlich investiert wird. Der bestehende Mangel an Lkw-Fahrern ist, abgesehen von Umweltschutz und Kosten, ein weiterer Grund Transportgüter auf die Schiene zu verlagern. Nur für die sog. letzte Meile sollten die Kapazitäten, nach meiner Meinung, doch ausreichen. Es fehlt aber auch an Lokführern. Mit dem Unterschied, dass ein Lokführer weit mehr Tonnage bewegt als ein Lkw-Fahrer. – Thomas Miesel

 

Ihr Beitrag spricht mir buchstäblich aus der Seele. Seit Jahren regt mich dieses Ministerium auf, nerven mich die Minister der CSU. Mich würde einfach mal interessieren, welche Rolle Audi und BMW spielen? Mich würde vor allem auch interessieren, ob sich Minister in den Aufsichtsräten befinden? Denn es macht sich doch tatsächlich der Eindruck breit, seit Jahren, dass dieses Ministerium geführt von der CSU vor allem im Sinne der Automobilindustrie entscheidet. Ich bin Jahre mit der Bahn gependelt. Der Zustand der Züge und des Schienennetzes sind eine Zumutung. Unser Verkehrsministerium tut aber viel zu wenig. Hauptsache die Autos fahren. Unverständlich!!! – Yves Pulst

 

Dieser Beitrag liest sich wie eine Anklageschrift, es ist unglaublich!. Und: wie dumm muss oder darf man sein, um Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium sein zu können. –   Jürgen Kleeberg

 

Lenkt das CSU-geführte Verkehrsministerium Mittel für Straßenbauprojekte, die ein relativ schlechtes Nutzen-Kosten-Verhältnis im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) haben, gezielt nach Bayern, so kann das nur jene verwundern, die ein wohlwollendes, doch darin naives Bild von Politik haben. Weit dramatischer ist aber, dass die Nutzen von Infrastrukturausbauten für den BVWP ganz generell und methodisch schöngerechnet werden. Denn es wird angenommen, dass Autofahrende durch Neu- und Ausbauprojekte tatsächlich Zeit einsparen. Dem ist aber nicht so. Die durchschnittliche Reisezeit der Autofahrenden nimmt trotz Straßenbau nicht ab, sie ist praktisch konstant. Wo durch Ausbau aber schneller gefahren werden kann, dort wird im Ergebnis schlicht weiter gefahren. Doch dieser „Rebound-Effekt“ (durch den sogenannten sekundär induzierten Verkehr) wird im BVWP nicht wirklichkeitsnah modelliert. Sonst würde offensichtlich, dass der volkswirtschaftliche Schaden fast regelmäßig den Nutzen von Straßenbauprojekten überwiegt. Wer mobilitätspolitische Fehlanreize durch Strassenbau schafft und schönrechnet, tritt jede ernst gemeinte Klimapolitik mit den Füßen. – Axel Schubert


 

Leserbriefe zu „Die urteilssüchtige Gesellschaft“ von Stephan Lebert

Obige Serie ist interessant zu lesen, doch es fehlt mir eine Dimension. Verbote bringen Verlierer und Gewinner hervor. Wie wäre es mit einer Wiederholung der Themenreihe unter dem Aspekt: Was gewinnt jeder?  – Harald Sellner

 

Ich finde, dass der „Filter der Ignoranz“, den Sie in ihrem Text beschreiben, sogar sehr gut funktioniert, nämlich dabei, uns das Leid der Tiere in der Fleisch- und Milchindustrie vom Halse zu halten. Wie sonst will man erklären, dass sich die meisten Menschen weiter für Fleisch und Milchprodukte entscheiden, obwohl sie wissen, dass jährlich rund 70 Milliarden Lebewesen für unseren Genuss gezüchtet, verstümmelt und getötet werden? – Sascha Herrmann

 

Was will mir dieser Text eigentlich mitteilen und was hat Moral mit einer Waffe zu tun? Wenn Moral als erdendes Eigenkorrektiv nicht die letzte Instanz ist, was dann? Als ultimativer Gradmesser urteilt sie darüber, ob wir in unserem Denken und Handeln menschlich geblieben sind. Sachverhalte auf ihre Menschlichkeit hin zu überprüfen, heisst aber nichts anderes, als Empathie walten zu lassen, die Paradoxie zu verstehen und zuzulassen, dass jeder Mensch ein zugleich einzigartiges und vielfältiges Wesen darstellt und unbeschadet seiner unterschiedlichen Ausprägungen und Neigungen den gleichen Wert besitzt. Der im Artikel beschriebene Blick auf die Welt ist weder neu noch erwähnenswert. Undifferenzierte Betrachtung gab es immer schon und wird es weiter geben, gesuchte Hochstilisierung hat sie deshalb nicht verdient.  – Alexander Mueller

 

Ganz kurz, denn ich will mich hier nicht selbstdarstellen und schließlich noch die ZEIT weiterlesen: Die Serie DIE URTEILSSÜCHTIGE GESELLSCHAFT ist GROSsARTIG. Endlich einmal ein anderer Blick auf unsere Zeit, eine differenziertere Perspektive auf unsere manchmal so schrecklich einfachen Rückschlüsse und Dogmen. Auch wenn ich nicht jeden Punkt teile und manchmal innerlich laut protestiere, so weiss ich bei jeder Zeile des ersten und zweiten Teils der Serie, warum ich die ZEIT abonniert habe und nur dies gönne, obgleich viel zu viel aus Zeit-Gründen ungelesen bleibt. Toll! Freue mich schon auf die nächste Ausgabe. – Carolin Cords

 

„Profikiller“ – das letzte Wort des Artikels: wieso kamen mir da plötzlich unsere medizinischen Koryphäen in den Sinn? Doch ich verwarf sogleich diesen bösartigen Gedanken, nenne sie lieber „Stoffwechselmoralisten“! Besonders unsere Kardiologen, die das LDL-Cholesterin am liebsten gegen 0 senken würden – fürs Herz vielleicht optimal, für den Körper drumherum eher tödlich! Disease (=Lehrbuchkrankheit)-Management statt Behandlung der ganz   individuellen Krankheit eines Patienten! Therapie einer   „Laborkrankheit“ statt der Beschwerden des Kranken! Was, wenn er die evidenzbasierte fachärztliche Medizin nicht verträgt? Dann muß der Hausarzt aus seinem verstaubten Arsenal etwas hervorkramen, das er zwar besser verträgt, das bei den Fachtheoretikern aber heftiges Stirnrunzeln hervorruft! Sie würden ihm wohl eher eine Pille gegen die   iatrogenen Nebenwirkungen geben! Wie oft habe ich erlebt, daß ein Patient ungläubig seine verbesserten Blutzuckerwerte (pardon: seinen gesunkenen HbA1c-Wert) vernahm, obwohl er doch gerade zuletzt bei so vielen Geburtstagen und Hochzeiten (vermutlich ähnlich wie in Somberek) so viel mehr „Falsches“ gegessen   und getrunken hatte! Vielleicht läßt sich dieses Paradoxon einfach   durch die Freude erklären, die er dort erlebte, auf die ungewohnte Mehrbewegung beim Tanzen, auf handfeste Diskussionen und dröhnendes Lachen? Was ja eine Menge Glukosemoleküle verbrennen kann! Meine beiden liebsten Cousinen, deutlich jünger als ich, starben an einem metastasierten Krebs – obwohl sie nicht rauchten, kaum Alkohol tranken und weniger Fettes und Süßes verdrückten als ich – der   eigentlich längst statt ihrer die Radieschen von unten betrachten sollte ob seiner inkorrekten Lebensweise und doch, wider alle Präventionstheorien, immer noch lebt! Sicher haben auch dafür unsere medizinischen Fachkoryphäen eine plausible Erklärung! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 

Was für eine kluge und destillierte Diagnose der um sich greifenden Helikoptermoral, die nur schwarz oder weiß kennt und in ihrer Radikalität blind bleibt. In dieser hellsichtigen Analyse kann sich jeder von uns wiederfinden und kommt bestenfalls über seine eigene Engstirnigkeit ins Grübeln. Ich für meinen Teil muss immer noch still und heimlich über mich selbst schmunzeln und danke dem Autor für die neugewonnene und hoffentlich nachhaltige Gelassenheit. – Dirk Büchsenschütz

 

Ich habe den Verdacht, dass Sie auf einen Popanz eindreschen: In meiner Umgebung kenne ich keinen Menschen, der nicht zwischen einem Gastmahl und täglicher Völlerei unterscheiden kann, und kaum einen, der Menschen mit anderen Ansichten und Lebensweisen nicht ertragen kann. Ich selbst müsste den Kontakt zu vielen meiner Verwandten abbrechen, wenn ich andere politische Meinungen nicht ertrüge. Es ist mir auch klar, dass ich nicht unfehlbar bin – und die meisten anderen Menschen, die ich kenne, wissen das von sich selbst auch. Wo haben Sie Ihre Erfahrungen gemacht? Bei Links- oder Rechtsextremisten, Salafisten oder Evangelikalen? Oder etwa in Berlin? – Dr. Ulrich Willmes

 

Ein tiefsinniger Artikel, der nur leider, leider aus- blendet, dass es bei der rasch fortschreitenden  Erderwärmung tatsächlich „ums Ganze“, also um  den Fortbestand vieler Arten, Ökosysteme und  nebenbei auch unserer Zivilisation geht – und dass  in so einem Fall andere Regeln gelten als in den  normalen Zeiten, in denen Sie und ich sozialisiert  wurden;  eben die Zeiten eines „Notstandes“.    Dem ins Auge zu sehen ist beileibe kein „Blick der  Kälte“ sondern konsequente Wertschätzung für  das Leben und die Kultur. Was soll daran bitte  „gefährlich“ sein? – Werner Winkler

 

Der Autor geht in seiner Beschreibung der „urteilssüchtigen Gesellschaft“ von einem schon etwas angejahrten Adorno-Zitat aus: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. Das Zitat hat für ihn die Dimension einer Moralkeule, deren Wirkung bis hin zu „pathologischen Veränderungen, die den Sozialkörper befallen“ (Byung-Chul Han) reicht. Den Grund für diese pathologischen Veränderungen ursächlich in der „latenten Aggression der urteilssüchtigen Berufsguten“ zu sehen (so das Urteil ?? von Stefan Lebert) greift viel zu kurz. Er liegt vielmehr in der nahezu weltweit gelebten Umkehrung des Adorno-Zitates, was bedeutet: Es gibt das richtige Leben nur im falschen – mit all seinen negativen Nebenwirkungen. – Dr.Heinz Lehrer


 

Leserbriefe zu „Sie zittert“ von Peter Kümmel

Die mit schweren Liedern und hängenden Mundwinkeln für uns Wacht hält …..Großartiger Artikel, der wunderbar die Gefühlslage vieler Bürger widerspiegelt wenn er dieser Tage auf die Kanzlerin schaut . Fast schon Wortakrobatisch stellt Peter Kümmel die Stärken und Schwächen von Angela Merkel in seinen Artikel da . Ob man die Politik der Bundeskanzlerin unterstützt oder nicht ,hier wurde ein menschliches Bild mit stärken und Schwächen der Kanzlerin gezeichnet. Danke , Peter Kümmel für ihren Artikel und das das unaussprechbare von Angela Merkel für uns sichtbar wurde …. – Thomas Kurzke

 

Natürlich hat (auch) eine Bundeskanzlerin einen Anspruch auf Privatsphäre. Aber offensichtlich geht es ihr nicht gut.
Dass sie und der Regierungssprecher dennoch wahrheitswidrig und gebetsmühlenartig das Gegenteil behaupten, ist einfach unglaubwürdig und dumm.
Und warum lässt sich die Kanzlerin bei rein protokollarischen Vorgängen nicht von ihrem Vizekanzler vertreten? Auch das erscheint mir nicht gerade klug.   Fragwürdig erscheinen mir auch die Ferndiagnosen einiger Mediziner, die das  Zittern der Kanzlerin zu etwas ganz Normalem und Vorübergehendem verharmlosen.  Es gibt sehr viele Menschen, die unter starkem Stress stehen und unter Schlaf- entzug leiden – ein solches Zittern hat man aber bisher doch wohl selten oder nie  wahrgenommen, oder? – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

Danke für den ausgezeichneten, tiefsinnigen, wohltuenden Artikel. Ohne jede medizinische oder psychologische Besserwisser!!!   – Hans Joachim Hühner 

 

Selten habe ich in der Zeit einen Artikel gelesen, der „grauer,  ungeschicklicher, gespenstischer“und überflüssiger war: als sei der Autor selbst einem Zittern verfallen, das seine Wahrnehmung verzerrt und zu wabernden Interpretationen führt. Ganz bestimmt „lauere“ich nicht auf weitere Texte dieser Art. Schon eher „fürchte“ ich, in einer der nächsten Ausgaben erneut in die „übermächtige Dunkelheit“ des „kaum zu Schaffenden“ dieses Autors „eingeweiht“zu werden. Wie wäre es mit „Wegmoderieren“ in der nächsten Redaktionskonferenz – „um es uns zu ersparen“? „ War da kein anderer, der es gekonnt hätte?“ „Ausgerechnet seine Freudlosigkeit ist es, die uns für sie (die Kanzlerin) einnimmt“… Welcher „innere Druck“, möchte ich Ihnen „zuraunen“, war für diesen Artikel ausschlaggebend?  – Mathilde Hammerschmidt

 

Der Verfasser des Artikels macht es sich zu einfach, denn die Raute ist eine versteckte Mitteilung, dass die Darstellerin lieber einen Renault als einen Volkswagen fahren würde, dies sich aber nicht zu sagen traut. – Ein/e Leser/in

 

Peter Kümmel kann es nicht erwarten  –  daß Merkel endlich geht. So hysterisch sägt er an dem Stuhl, auf dem sie möglicherweise auch in  Zukunft wieder sitzen wird –  anläßlich militärischer Rituale. Es ist klar, mit dem Sitzen wird das Pathos angeknabbert, was ja wunderbar zu ihr  paßt. Der Titel seines Artikels, riesengroß: „Sie zittert“. Und diese bei- den Wörter: Schattiert ! Also drucktechnisch dramatisiert. Zum Kotzen.  Warum schreibt er nicht gleich für die Bildzeitung. Ja,es ist wahr, die  Arbeit da oben an der Spitze hat ihren Preis, und wir haben es mal ge- merkt. Und nun leider Schluß mit der klugen Zurückhaltung der „Zeit“  (lobend erwähnt in Le Monde); dieser Artikel reiht sich ein in das  schwachsinnige Nachzittern anderer Zeitungen im Sinne von: Liebe  Leser, ihr Armen fürchtet euch natürlich jetzt, und ihr habt Recht, es zu  tun. Meingott, taßt sie doch einfach in Ruhe und weiter ihre Arbeit machen, das hat sie verdient, sie hat doch eh‘ nicht mehr viel Zeit ! – Barbara Kappen

 

Diese Wette habe ich verloren. Ich war mir sicher, dass DIE ZEIT nicht dem allgemeinen Mainsstream des Boulevards anheim fallen würde, ohne wissenschaftliche bzw. ärztliche Absicherung dieses kurzzeitig aufgetretene Phänomen bei unserer Kanzlerin aufzugreifen. Mehr noch, zu meiner Enttäuschung auch noch halbseitig auszuwalzen. Bei allem Respekt vor dem häufigen Argument öffentlichen Interesses. So viel Vertrauen sollte schon sein, wenn Angela Merkel in ihrer ganzen Glaubwürdigkeit beteuert, es gehe ihr gut. Die Medien wissen doch längst, dass sie für die so ersehnten Homestories nicht zur Verfügung steht. Ich erinnere mich, noch als junger Erwachsener bei normalen Blutentnahmen regelmäßig kurzzeitig das Bewusstsein verloren zu haben. Eben weil ich mir jedesmal geradezu krampfhaft vornahm, diese anstehende Prozedur ganz entspannt hinter mich zu bringen. Es war ein vorübergehend psychosomatisches Problem. Nicht kebensgefährlich, wie mir die Ärzte zu meiner erfolgreichen Beruhigung versicherten. Der ZEIT hätte ich mehr Coolness zugetraut. Es ist auch eine Frage der Seriosität vieler Blätter, Wichtiges von Vernachlässigbarem zu unterscheiden. Gerade bei Stress-Spitzenreiterin Angela Merkel. – Jochen Freihold

 

Fand ich großartig, sprachlich sehr witzig, dabei m.E. nie unfair… Merkel- Raute als „offene Ergebenheitsgrotte“ etc.!  :)) – Dr.med.Anna Pährisch

 

Die Kanzlerin zittert erneut, und die GroKo macht mal Pause. Die EU ist noch demokratisch, aber ratlos, und die Erde schwitzt sich zu Tode! und „Mir geht es gut!“, sagt Dr. Angela Merkel! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „Schafft euch nicht ab!“ von Konstantin Richter

Neben Beiträgen zum Klimawandel sind wir Leser zur Zeit ja mit einer Flut an Beiträgen zum Thema Künstliche Intelligenz konfrontiert. So sehr mich das Thema KI interessiert, ich kann sie nicht alle lesen, fliege meist nur kurz darüber – steckt ein interessanter neuer Gedanke darin? – und lese sie allermeistens nicht durch. Ihren Beitrag von gestern HABE ich von der ersten bis zur letzten Zeile gelesen. Mag sein, weil Sie so vieles bestätigen, was ich genauso oder ähnlich sehe, aber vor allem wegen ihrer schöne Engführung so vieler Aspekte. Vielen Dank für Ihren bei aller Ratlosigkeit doch nicht resignierten Text – wir schaffen das schon! – Hans-Peter Stricker

 

Ein ansprechender Artikel, der uns wie selbstverständlich in die Erfahrungen des Autors mit hineinnimmt. Künstliche Intelligenz ist mitten unter uns und sie kann Vieles besser als wir. Schaffen wir uns ab? „Nur weil Maschinen immer intelligenter werden“, schreibt der Autor, „dürfen wir die komplizierten Dinge nicht ihnen überlassen.“ Wir fragen uns: Was können wir eigentlich? Dazu fällt mir ein Gespräch ein, das fast dreißig Jahre zurückliegt. Einer meiner Söhne sagte zu mir: „Schade, dass der Opi tot ist. Er konnte so viel. (Er beherrschte einige handwerkliche Berufe.) Dann schaute mein Sohn mich an und fragte mich: „Was kannst du eigentlich?“ „Na, überleg mal selbst“, erwiderte ich. „Was kann ich denn?“ Man sah ihm förmlich an, wie angestrengt sein Gehirn arbeitete. Plötzlich hellte sich sein Gesicht auf. Ich vermutete, dass er jetzt einige meiner mühsam erworbenen Fähigkeiten nennen würde. Aber er sagte: „Ich weiß: Steuern zahlen.“ – Was ist unsere eigentliche Befähigung, die wir uns keinesfalls nehmen lassen sollten?

Die künstliche Intelligenz bietet uns eine großartige Chance zu überlegen, was unveräußerlich menschlich ist. Wenn wir uns nicht selbst als Menschen abschaffen wollen, sollten wir diese Chance nutzen. Ohnehin gab es ja schon immer Vieles, was wir viel schlechter können als die Geschöpfe in und um uns herum. Zum Beispiel: Pflanzen, die bei der Photosynthese Kohlendioxid aufnehmen und Sauerstoff abgeben. Zugvögel, die ganz ohne Navi unvorstellbare Reisen über Tausende von Kilometern unternehmen. Lachse, die zum Laichen und Sterben aus dem Meer in ihr Heimatgewässer zurückschwimmen, koste es, was es wolle. Hunde mit unvorstellbar gutem Spürsinn, Fledermäuse mit Echolotsystem, DNA-Programme, mit deren Hilfe lebendige Wesen aufgebaut werden. Alles Vorgänge, die wir mit unserem Willen selbst nicht bewirken können.

Wir können doch ganz entspannt feststellen: Es gibt so Vieles, was wir nicht können. Einiges können wir jedoch besser als Maschinen und machen es vielleicht nur viel zu wenig. Vielleicht sollten wir uns wieder mit den großen Fragen des Lebens beschäftigen, die uns auch helfen können, unsere Position gegenüber der Künstlichen Intelligenz zu überprüfen und einzunehmen: Woher, Wozu/Warum, Wie und Wohin? Natürlich kann uns elektronisch gespeicherte Information bei der Beantwortung eine Hilfestellung leisten. Aber Auswählen und für uns persönlich Entscheiden, das bleibt eine typisch menschliche Fähigkeit. Es hilft uns, dabei von Denkvoraussetzungen auszugehen, die es ermöglichen, diese Fragen logisch konsequent, wirklichkeitsnah und für unser Leben relevant zu beantworten. Die Beobachtung von Variationen von Schnäbeln innerhalb der Familie der Finken im 19. Jahrhundert hatte einen Hype ausgelöst: Manche meinten, sie könnten aus dieser Beobachtung heraus die Frage nach dem Woher des Menschen auf rein naturalistische Weise beantworten und alles erklären.

Damals war die moderne Naturwissenschaft im vollen Aufschwung. Pioniere wie Nikolaus Kopernikus, Francis Bacon, Isaac Newton, Johannes Kepler, Blaise Pascal,  Robert Boyle, Sir Kelvin, Maxwell, Michael Faraday, Gregor Mendel, Louis Pasteur  und viele andere Menschen vertrauten dem Schöpfer und fanden voller Ehrfurcht, Dankbarkeit und Begeisterung Regeln und Gesetze in seiner Schöpfung, so dass sie die Gedanken des Schöpfer ein wenig nachvollziehen konnten. Weil sie an einen Gesetzgeber glaubten, erwarteten sie Gesetze, die sie durch fleißiges Forschen, Messen und Überprüfen entdeckten. Und sie waren bescheiden, realistisch und ehrlich. Isaac Newton, einer der größten Physiker aller Zeiten, z.B. soll gesagt haben: „Ich weiß nicht, wie ich der Welt erscheinen mag; aber mir selbst komme ich nur wie ein Junge vor, der am Strand spielt und sich damit vergnügt, ein noch glatteres Kieselsteinchen oder eine noch schönere Muschel als gewöhnlich zu finden, während das große Meer der Wahrheit gänzlich unerforscht vor mir liegt.“

Der Glaube an die Materie als Urheber des Lebens wirkt auf manchen verlockend, weil er vom Anspruch eines ethischen Gesetzgebers zu befreien verspricht. Im neunzehnten Jahrhundert, in dem die Eliten der westlichen Welt nominell noch weitgehend dem Christentum angehörten, hatten sich auch durch die Entwicklung von Naturwissenschaft, Technologie und Industrie furchtbare Ungerechtigkeiten, z.B. Sklavenhandel, Sklavenhaltung, Unterdrückung, Vernichtung und Ausbeutung von Bevölkerungsgruppen und ganzen Völkern noch mehr ausgebreitet, die den christlichen ethischen Ansprüchen deutlich widersprachen. Wenn die Wissenschaft aber feststellte, dass der Mensch seinen Ursprung naturalistisch erklären könne und die Höherentwicklung des Menschen durch das Überleben des Fittesten bewerkstelligt werde, fühlte man sich im Gewissen beruhigt und entschuldigte sein Verhalten damit, da diesem ja ein Naturgesetz zugrundeliege. Aus dem Woher, Warum und Wozu unseres Lebens leitet sich das Wie und Wohin ab.  Glauben wir an die Allmacht der Materie, wird das Warum zur Mechanik und das Wozu des Lebens verliert seine Bedeutung. Auch im Ethischen. Was ist, ist gut – oder schlecht … egal! Das ist eine fragwürdige Grundlage für eine menschliche Gesellschaft und für die heutige Herausforderung durch die Künstliche Intelligenz.

Von der Beantwortung der Fragen nach dem Woher hängt auch unsere Zukunft als Menschen ab, die Frage nach dem Wohin. Beantworten wir diese Fragen mit materialistischen Geschichten, Weltsichten und Weltanschauungen, verlieren wir die Begründung für das Personenhafte des Menschen und können keinen wesentlichen Unterschied zwischen Gut und Böse, zwischen dem Ist- und dem Sollzustand definieren. Der kürzlich verstorbene Philosoph Robert Spaemann war überzeugt, dass man zwar durchaus wahre Urteile und Gewissensentscheidungen treffen könne, auch wenn man als Individuum nicht an Gott glaubt. Damit aber überhaupt Wahrheitsansprüche und sittliche Überzeugungen möglich sind, sei Gott als absoluter Bezug erforderlich, und wenn man Gott leugnet, leugne man damit die Grundlage aller Wahrheitsansprüche und aller sittlichen Überzeugungen und damit tendenziell diese Ansprüche selbst. Gott ist in der Natur in seiner Größe, Weisheit und Kraft erkennbar. Die Feinabstimmung des Universums in Hinblick auf das Leben, die Ursache von Naturgesetzen, Information, Leben, Bewusstsein, Geist, Persönlichkeit und Logik sind nicht ursächlich auf materielle Weise zu erklären. Das Christentum knüpft daran an und stellt zusätzlich fest, dass Gott, der Schöpfer-Geist sich den Menschen mitgeteilt hat, durch sein Wort und in menschlicher Gestalt als Jesus Christus innerhalb der realen Menschheitsgeschichte. Sein Leiden, Sterben  und Auferstehen bieten uns die Chance, wieder zu ihm zu kommen. Für diese historischen Ereignisse gibt es ausreichende Belege. Aber Gott ist keine Theorie, sondern eine Person. Und weil wir in seinem Bild geschaffen wurden, sind wir, jeder einzelne von uns, unendlich viel wert in seinen Augen und auch nicht hilflos der Künstlichen Intelligenz ausgeliefert und können eine wirkliche und persönliche Beziehung zu Gott, der Höchsten Intelligenz, erleben. Das basiert nicht auf Verdienst oder Leistung, sondern auf das, was Gott getan hat und was wir durch Umdenken und Veränderung in Seinem Sinn als Geschenk annehmen können. Er ist nur ein Gebet und ein Ja weit von jedem entfernt. Auf diese Weise schaffen wir uns nicht selber ab. – Gerhard Jahnke

 

Sie fragen: „Und was bleibt uns noch, wenn wir nicht mehr spielen, nicht mehr lesen? Wenn wir womöglich nicht einmal mehr arbeiten?“ und führen die Kreativität als Rückzugsmöglichkeit an.  Ich hätte da noch eine Idee: Denken. Denn Rechenmaschinen, vulgo Computer, denken nicht, diese rechnen, wie der Name ja auch zeigt. Völlig egal welche Arbeit gerade durch diese erledigt wird. Egal also ob diese ‚spielen‘, ‚lesen‘, ‚arbeiten‘, ‚von A nach B navigieren‘, ‚schreiben‘,…: Diese Maschinen rechnen. Mehr können diese Maschinen nicht. Dafür wurden diese gebaut.  Schließlich befürchten Sie, „…dann werde ich irgendwann auch keine Bücher mehr schreiben. Ich wüsste nicht, worüber.“  Na, über das, was Sie denken! – Volker Homann

 

Ein Auto fährt schneller als ich rennen kann. Praktisch es zu benutzen. Wenn ich mich jetzt aus eigener Kraft zuwenig  bewege, bekomme ich ein Problem. Aber das Auto zu benutzen, kratzt mein Selbstwertgefühl in keinster Weise an.  Der Computer ist auch so ein Maschinchen. Nützlich, aber mit Maßen zu benutzen.  Wenn ich mich nur auf mein Navi verlasse, bilde ich im Gehirn keine innere Karte mehr ab. Deshalb schaue ich mir  vor der Fahrt die Landkarte an, ich interessiere mich eben dafür.  Lesen ist nicht nur Informationsvermittlung, sondern Kunst, die ein unglaubliches Vergnügen zu bereiten vermag.  Und Kunst ist nicht maschinell herstellbar. In einem Kunstwerk ist idealerweise alles in sich stimmig, die Einzelteile  bilden in großartiger Weise das Ganze ab, nichts ist überflüssig, alles hat seinen Platz. Das strahlt eine höchst  attraktive Energie aus, gut so. Dafür interessiere ich mich. Das vermittelt Lebendigkeit.  Nein, ich fürchte mich in keinster Weise vor den neuen Maschinen. Aber wie Menschen damit umgehen, das sollte  unsere Vorsicht beschäftigen. – Dieter Walchner-Gläser

 

Sie sollten gelegentlich weiter schreiben. Kein Computer kann Ihre Ängste und Anschauungen, die genau das Jahr 2019 und das von Deutschland geprägte Denken widerspiegeln, vorausahnen und solch einen Text schreiben, es sei denn, er hat schon 100 ähnliche. Es ist zwar alles ein bißchen seltsam, was Sie da zusammenbasteln, aber authentisch. Sie sind sicherlich nicht der Einzige, der so denkt. Historiker werden es Ihnen danken.

Inhaltlich halte ich die Anschauung für sehr fraglich. Rembrandt war nicht mysteriös, sondern genial. Es ist nicht schlecht, wenn wir das über die Entschlüsselung der Technik begreifen können. Wir haben viele Mysterien der vergangenen Jahrhunderte aufgeklärt und können ein wenig Wissen an die Stelle von Glauben setzen. Wie schön, keine Angst vor Gewittern als Rache Gottes haben zu müssen, sondern von elektrischer Entladung zu wissen. Natürlich wird oder kann ein Computer einen Rembrandt malen. Aber die Weiterentwicklung der Technik, der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Welt, die mit dem Tod des Malers endete, wird er nicht vollziehen können. Dennoch haben diese Bilder einen Wert. Früher konnten sich nur reiche Leute ein Bild von Rembrandt leisten. Sie waren ja nicht nur als historischer Wert gedacht, sondern man wollte sich etwas Schönes ins Zimmer hängen. Das kann vielleicht bald jeder, da die Computerbilder billig werden. Auch Bibliotheken hatten früher nur wenige Leute. Nicht nur waren Bücher unerschwinglich, auch fehlte und fehlt vielen Zeitgenossen der Platz dafür. Jetzt paßt eine große Bibliothek in eine Einzimmerwohnung. Ich ziehe immer noch Bücher aus Papier vor, aber das ist Luxus wie eh und je. Früher haben wir beim Gespräch den Brockhaus zu Rate gezogen. Leider konnte man ihn nicht mitnehmen. Es ist doch angenehm, jetzt auch woanders Gespräche mit Informationen zu würzen!

Ja, es lohnt auch noch, Wissen im Kopf zu speichern. Wenn Sie nichts mehr wissen, könnnen Sie das Gelesene auch nicht einordnen. Das Assoziationsnetz in Ihrem Kopf macht die Zusatzinformationen erst nutzbar. Je mehr Wissen Sie haben, desto mehr können Sie Neues verstehen. Jeder Text, der Sie interessieren könnte, setzt erhebliches Wissen voraus. Sich in einer Stadt gut auszukennen, heißt nicht nur, von A nach B zu kommen. Es beinhaltet Erinnerungen, ein Gefühl für das Flair der Gegenden, lauter kleine Wissensschnipsel, die nur Ihnen wertvoll sind. Es ist authentischer, wenn Sie eine Sprache selbst sprechen, als wenn Sie ein Übersetzungsprogramm benutzen. Sie lernen nicht nur Worte und Grammatik, sondern auch viel über die Sprecher der Sprache selbst. Wieviele Sprachen kann ein Mensch lernen? Oft ist über mangelnde Kommunikation Streit, Unverständnis und Krieg entstanden. Wenn Sie mit Hilfe des Übersetzungsprogrammes merken, dass Ihr Gesprächspartner ein normaler Mensch und kein Alien ist, mit dem Sie sich in Kuala Lumpur noch super unterhalten können, ist das doch grandios!

Ich glaube nicht, dass Ihr Unwille, zu spielen, zu lesen, zu arbeiten etwas mit der neuen Technik zu tun hat. Das Problem scheint eine Sinnkrise zu sein. Die hatten Leute in Ihrem Alter früher auch, ohne Technik. Das kommt, wenn man mal ein Stück gelebt hat und auf das Gelebte und den Rest blickt. Genießen Sie, dass Sie die Muße dazu haben, darüber nachzudenken. Bücher, die schon geschrieben sind, müssen Sie auch nicht schreiben. Warten Sie, bis Sie etwas Neues wissen. Sie müssen auch nicht zu jeder Diskussion etwas sagen. Nichts ist anstrengender als Diskussionen, in denen jeder noch mal das Gleiche sagt! Vielleicht wissen Sie durch die neuen Möglichkeiten eher als früher, was gut und was läßlich ist. Umso besser. Sie vergeuden weniger Zeit. Vielleicht haben Sie genug Kreativität, dass am Ende doch Interessantes herauskommt. Und wenn nicht, gut, als Journalist und Author haben Sie dann ein Problem. Aber der Trend geht zum Zweitjob. Vielleicht gibt es noch ein anderes Metier, das Sie erfüllen kann. Falls Sie sich dafür als nicht gut genug, nicht ausgebildet genug empfinden: Siehe da, man muss also doch noch was in den Kopf hineinstecken, um wenigstens Geld verdienen zu können! – Dr. med. Dagmar Aßmann

 

Nicht verzagen, Herr Richter, als ich mit 49 Jahren zum ersten Mal aufgefordert wurde, im Captcha-Test zu zeigen, dass ich kein Roboter bin, lachte ich zufrieden. Als Beweis meines Menschseins genügte es, in neun Bildern Teile von Autos oder Verkehrszeichen zu identifzieren. Auch zwölf Jahre später reicht der Beweis. Noch immer sind Computer nicht in der Lage, selbst Symbole von größter Klarheit und Einfachheit aus einem unstrukturierten Umfeld zu isolieren und Oberbegriffen zuzuordnen. Der Captcha-Test ist meines Erachtens nicht Zeichen dafür, dass Programme die Intelligenz eines Mensch ersetzen, sondern umgekehrt hat menschliche Intelligenz die betreffenden Formulare so eindeutig strukturiert, dass auch einfach gestrickte Programme in der Lage wären, sie automatisch auszufüllen – wenn sie nicht an Bilderrätseln scheitern würden, die schon Vierjährige unterfordern.

Die immergleichen Beispiele leuchtender Computerintelligenz (Schach, Go, Bach nach komponieren oder einen Rembrandt neu pinseln …) sind Fortschreibungen auf der Basis quantitativer Analysen. Sie beeindrucken durch die Menge der Daten die mittlerweile analysiert werden können und die daraus resultierende Qualität ihrer Prognosen. Aber sie funktionieren nur in Modellen, die (durch menschliche Intelligenz) soweit von der Wirklichkeit abstrahiert sind, dass Unschärfen und Ambivalenzen nicht vorkommen. Der Computer, der uns die Flagge bei Capture the Flag entreißt, muss eben nicht den Captcha-Test antreten, den Zipfel einer Flagge in seiner Bedeutung  zwischen Autos, angeschnittenen Verkehrschildern und bunten Blumen zu erkennen, sondern spielt in der künstlichen Eindeutigkeit eines virtuellen Geländes. Ein Beispiel dafür, das Menschen diese künstliche Eindeutigkeit für KI-Systeme herstellen müssen, ist die Personalmanagerin, die Bewerbern die richtigen Stichworte für den CV nennt, damit die Kandidaten von dem zwingend vorgeschalteten Intelligent Recruiting System für ein Bewerbungsgespräch vorgeschlagen werden.

Die größte Gefahr der Künstlichen Intelligenz liegt nicht in ihren Fähigkeiten. Sie hat kein Begehren uns zu beherrschen oder gar den Weltraum zu besiedeln. Wäre sie autonom, würde sie mit möglichst wenig Energieverbrauch satt und wunschlos am Kabel vor sich hindösen und das Internet einen guten Mann sein lassen. Und würden wir ihr ein ausgefuchstes Begehrpunktesystem einprogrammieren, wäre es für sie das logisch Nächstliegende, diesen Mechanismus auszuschalten. Ich sehe viel eher das Risiko, dass wir Menschen, im Bestreben, unsere Schöpfung KI gottgleich zu machen, die Fähigkeiten, mit denen wir uns in einer zufälligen, unordentlichen Welt durchwurschteln, abwerten und für irrelevant erklären. Gerade so, wie die großen Religionen der Kümmerlichkeit des Lebens die Herrlichkeit eines wahren Lebens in Gott vorziehen. Einen trivialen Vorgeschmack darauf gibt der Programmierer autonomer Autos, der davon überzeugt ist, dass es in zwanzig Jahren verboten ist, selbst Auto zu fahren.

Zu guter Letzt: Nehmen Sie es mir bitte nicht übel, dass ich aus der Tatsache, dass Sie sehr viel besser Schach spielen als ich, noch nicht folgern mag, dass Sie eine mir überlegene Intelligenz sind. Es ist als Trost gemeint. – Ingo Klamann

 

Konstantin Richter beschreibt in seinem Beitrag eine Zukunft, in die wir auch meiner Meinung nach steuern. Die zunehmende Steuerung der Ereignisse in ‚unserer Welt‘ durch Computer soll und wird Fehler vermeiden und Prozesse optimieren. Das bedeutet aber für den denkenden Menschen ein unersätzlicher Verlust, denn besonders  durch Fehler lernen wir, sozial wie kognitiv. Diese entscheidende Erfahrung Stück für Stück zu verlieren, entfremdet uns von uns selbst. Und welches Ziel soll die Optimierung (von Prozessen und den Menschen selber) denn am Ende haben? Ein Optimum erreicht zu haben, wenn es keine Minima oder Mittelmässigkeiten mehr gibt: worin liegt dann der Zweck desselben? Ja, solange die Beschleunigung der technischen Entwicklung weitergeht, wie bisher werden die allermeisten von uns in vielen Lebensbereichen diese Lebenssituation erfahren werden.  Wo finden wir dann noch unser Glück? – Eberhard Goette


 

Leserbriefe zu „Geht sie oder kommt sie?“ von Tina Hildebrandt

Diese Entscheidung dürften viele Bundeswehrangehörige und Verteidigungsexperten als Tiefschlag empfinden: Zum zweiten Mal nach von der Leyen wird aus rein parteitaktischen Gründen eine komplette Laiin zur Verteidigungsministerin ernannt.  Glaubt irgendjemand allen Ernstes, dass ausgerechnet Frau Kramp-Karrenbauer  den Scherbenhaufen beseitigen kann, den ihre Vorgängerin hinterlassen hat?  – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

Wenn, wie sie schreiben, Frau Merkel mit den Grünen sympathisiert und noch mitwirkt, diese Partei mit ins Boot zu nehmen, dann war das für mich das Ende meiner Partei. Für mich wäre es dann unverantwortlich die AfD nicht zu wählen.  – Gunter Knauer

 

Eines aber sollten Frau Kramp-Karrenbauer, ihre Parteifreunde und auch die Medien tunlichst vermeiden: den schlechten Zustand der Bundeswehr zu beklagen. Denn ihre Vorgängerin wechselte nach sechsjähriger Amtszeit höchst erfolgreich und kompetent nach Brüssel, und der letzte SPD-Verteidigungsminister schied vor fast 15 Jahren aus dem Amt, taugt also schlecht als Sündenbock. – Martina Winter

 

Leider lässt sich Ihre ganze (!) Seite 2  mit Blick auf Annegret Kramp-Karrenbauer meines Erachtens in zwei Sätzen zusammenfassen:
Es geht um persönliche Eitelkeiten und taktisches Karrieregeschacher von zwei Frauen (es könnten auch Männer sein) – deswegen Seite 2 ? Und die Bundeskanzlerin moderiert dies als dritte zu Lasten von deutschen Bürgern als Wähler und nicht zuletzt auf Kosten der Bundeswehr und der Steuerzahler. – Reinhard Kniepkamp

 

Das Gezerre um Frau von der Leyen war, vorsichtig formuliert, kein Glanzstück, das Verhalten der deutschen Grünen und der SPD mehr als peinlich. Ich hoffe, dass es aber möglichen Grünen-Sympathisanten die Augen geöffnet hat über diese Partei. Besoffen von ihren Umfragewerten haben die Grünen im Vorfeld der Wahl ihr wahres Gesicht gezeigt. Die Partei stellte Maximalforderungen auf und war schlicht kompromißunfähig. Sie zeigte, wie regierungsfähig sie ist.  Das müssen sich alle klar machen, die grün wählen wollen. Da kann das Führungsduo noch so schön reden. Tina Hildebrandt verwechselt diese Mentalität der fehlenden Kompromißfähigkeit mit Stabilität, den sie als Markenkern von der CDU zu den Grünen wandern sieht. Diese Art Stabilität strahlt im Moment keine der Parteien aus. Stabilität in den Umfragewerten ist etwas anderes. – Dr. Peter Winter

 

Ist jetzt Merkel mit ihrem Latein am Ende was die Personalpolitik betrifft ? Zu entscheiden, dass Kramp-Karrenbauer die Nachfolgerin von der Leyens auf dem Wackelstuhl des Verteidigungsministeriums wird mutet wie eine verunglückte Kehrtwendung von Merkel und auch KK an. Dazu die eher französisch initierte Wahl von Ursula von der Leyen als neue Kommissions= präsidentin -die aber von Merkel mitgetragen wurde. Ihre Unterstützung für den gescheiterten Kandidaten Weber war immer nur halbherzig und  mehr der Schwesterpartei CSU geschuldet. Jetzt gibt es für die (ehemalige) Männerpartei CDU eine delikate Situation. Das Spitzenpersonal wird von 3 Frauen gestellt. Lediglich die Fraktion führt noch ein Mann. Andere Spitzenpolitiker wie Jens Spahn und Friedrich Merz bleiben Reserve für vielleicht andere Zeiten der CDU. Wie lange hält das die in weiten Teilen immer noch sehr konservative Partei aus ? Warum hat Merkel  nicht einem der beiden Männer das vakante Amt angeboten ?  Geht ihr Kalkül etwa davon aus, dass KK scheitert und damit chancenlos für ihre Nachfolge und Laschet es wird aber keinesfalls Merz, oder glaubt sie, KK  nur für die Übergangszeit bis zu ihrem Rücktritt auf diesen schwierigen Posten halten zu können ? Auf jeden Fall hält Merkel männliche Politiker ihrer Partei so in Schach und das mutet langsam merkwürdig an. – Klaus Reisdorf

 

Immer diese alten Miesepeter und diese maskuline Besserwisserei; Männer sind eben so! Drei politische Frauen wollen keine besseren Männer spielen, diese drei Frauen sind einfach nur sehr starke „Politik-Vollblut-Weiber“! Wir Frauen sind auch nur Menschen mit unseren Stärken, mit unseren Schwächen und mit unseren Fehlern, und aus unseren gemachten Fehlern, da wollen und werden wir draus lernen! – Riggi Schwarz


 

Leserbriefe zu „Madame Europa“ von Ulrich Ladurner und zu „Noch einmal mit Gefühl“ von Mariam Lau

Ist die Wahl Ursula von der Leyens nun gut?
Ist die knappe Wahl der ehemaligen deutschen Verteidigungsministerin zur EU-Kommissionspräsidentin eine Sternstunde der Demokratie oder einfach das mittelmässig erfolgreiche Ende eines abgekarteten Spieles. Weder noch. Nach dem ganzen Vorgeplänkel des Ministerrates um die verschiedenen potentiellen Kandidaten/innen bleibt ein schaler Nachgeschmack zurück. Ursula von der Leyen kann dafür nicht verantwortlich gemacht werden, aber ihr Wahlergebnis ist ein Denkzettel des EU-Parlaments an die verschiedenen nationalen Regierungschefs.

Unter der Führung von Emmanuel Macron wurde das Spitzkandidatenmodell im Vorbeigehen vom Tisch gewischt worden. Gerade dieser Prozess ist Wasser auf die Mühlen der EU-Gegner und die Kritik ist teilweise gerechtfertigt. Jener Emmanuel Macron, welcher sich gerne für eine stärkeres Europa ausspricht, hat mit seinem Kandidatenschachspiel die demokratischen Säulen innerhalb der EU nicht wirklich gestärkt.  Am Ende des Tages aber werden die neuen Führungskräfte an der Spitze der europäischen Institutionen an ihren Taten gemessen. Bei allen Vorkommnissen rund um die Wahl von Ursula von der Leyen, hat auch sie eine faire Chance verdient. Also handeln sie im Sinne der europäischen Idee – Frau von der Leyen – und geben der EU ein menschlicheres und demokratischeres Gesicht. – Pascal Merz

 

Wie leichtgläubig sind die EU-Parlamentarier? Frau von der Leyen, die ihr Glühen  für Europa bis vor wenigen Tagen vor der Öffentlichkeit ziemlich sorgfältig verborgen gehalten hat, konnte mit einer Rede voller Pathos, in der sie fast allen so ziemlich alles  versprach, angeblich die nötigen Stimmen für ihre Wahl gewinnen.  Diese Rede, von cleveren Beratern bzw. Drehbuchschreibern formuliert, hätte mit  derselben Inbrunst auch, sagen wir, Meryl Streep halten können. Und die war, wie  Frau von der Leyen, zuvor auch noch nie bei den EU-Parlamentariern in Straßburg.  – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

Frau von der Leyen ist es eine Frau die sich durchaus durchsetzen kann.  Ich habe nichts gegen ihre Wahl. Wogegen ich aber etwas habe, ist die Tatsache, das Europa kein Musterknabe der Demokratie ist. In Deutschland zeigt sich das besonders. Unsere Bundeskanzlerin konterkariert sie schon seit langer Zeit.  Woran das wohl liegt?  Ich kann ihnen das sagen.  Die Dummheit der heutigen Generation hat das verursacht. Ich kann ihnen auch sagen, wer das verursacht hat: Jedenfalls in meinem Bundesland NRW. Die Parteien der Grünen.  Die Pädagoginnen, Pädagogen gibt es kaum noch, stehen dieser Partei sehr nahe, die noch dafür gesorgt haben, daß die Schüler nichts brauchbares mehr gelernt haben. Das kommt ihnen heute zugute……. – Gunter Knauer

 

Verquere Politikwelt in Brüssel. Da hält die nominierte  Kandidatin für den EU-Kommissionsvorsitz im EU-Parlament die Rede ihres Lebens mit einem starken Mitte-Links-Akzent – von einem grünen Pakt bis hin zu einer europäischen Arbeitslosenversicherung – , stößt trotzdem auf Ablehnung bei den deutschen Sozialdemokraten und den europäischen Grünen, die ihr die Stimme verweigern, und wird am Ende von „rechten“ Kräften durch deren Votum „gerettet“, für die von der Leyen keine willkommenen Botschaften in ihrer Rede zu verteilen hatte. Wie auch immer: Die Zeit des parteipolitischen Fingerhakeln muss spätestens nach der Wahl der Kommissare beendet werden. Die Bürger erwarten, dass die europäischen Institutionen jetzt wieder an die Arbeit gehen: Stärkung der Europäischen Union durch mehr Demokratie, die schwierige Migrationsfrage, die sozialen Fragen in vielen EU-Staaten, die Herausforderungen bei der Digitalisierung, um nur wenige Beispiele zu nennen. – Karl-Albert Eßer

 

Diese Wahl im EU-Parlament, die hat mit sehr viel Demokratie zu tun! Die EU ist die einzige supranationale Institution weltweit, von souveränen europäischen Staaten, die gemeinsam, weiterhin Demokratie mit viel Bürokratie wagen wollen. Dabei wird sicherlich auch so manches schon vorab, in einigen Hinterzimmern besprochen werden. Die EU wird immer weiblicher, und auch in Deutschland bleibt das Verteidungsministerium in weiblicher Führungshand. Ein klasse Sieg für uns Frauen! – Riggi Schwarz

 

Der Weg zur Neubesetzung des EU-Chefpostens war zum Glück nicht das Ziel. Aber er hat einen überaus respektablen Abschluss genommen. Ursula von der Leyen ist eine erfahrene Politikerin, überzeugte Europäerin und sie konnte, last but not least, trotz schwieriger Ausgangslage mit einer starken Rede liefern. Vor der nächsten Europawahl sollte freilich verbindlich(er) erklärt werden, was und insbesondere wer auf dem Spiel steht.

Damit sich die SPD im Zweifel nicht noch einmal so armmütig verhalten „muss“. Der innere Malus des EU-Parlaments, die bislang fehlende Kompromissbereitschaft zu den neuen „Pluralitätskonditionen“, indes könnte sich durchaus als Bonus für von der Leyen erweisen. Wenn denn, und das sollte vorausgesetzt werden dürfen, (wieder) mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und Einsicht auf eine Stärkung der Demokratie nicht zuletzt im Sinne der verfassten Gewaltenteilung gesetzt wird. – Matthias Bartsch


 

Leserbriefe zu „Sogwirkung nach oben“ von Manuel J. Hartung

Man muss gar nicht einen Vergleich zwischen den Bundesländern bemühen, es reicht bereits ein Blick in die einzelnen Länder hinein auf die verschiedenen, das Abitur verleihenden Schulformen, um diese Unterschiedlichkeit festzustellen. Beispiel Nordrhein-Westfalen mit seinem Zentralabitur. In einer mittelgroßen Stadt in Ostwestfalen gibt es drei Gymnasien und eine Gesamtschule. An allen vier Schulen wird formal dasselbe Zentralabitur geprüft. Hier ist seit vielen Jahren zu beobachten, dass schwache Gymnasiasten die drei Gymnasien verlassen, um dann an der Gesamtschule ein sehr gutes Abitur zu machen. Worin liegen die Gründe? Ausschließlich in der vermeintlich besseren individuellen Förderung? Die Arbeitgeber in der Stadt haben dies mittlerweile erkannt. An der Universität in der großen Nachbarstadt sind die Bewerbungschancen aufgrund des besseren Notendurchschnitts trotzdem vorteilhafter. Ist das gerecht? – Daniel Diercks

 

Das Plädoyer des Redakteurs Manuel J. Hartung für ein bundesweites Deutschland-Abitur ist objektiv gerechtfertigt. Denn der Wert bundesweiter Gerechtigkeit bei der Auswahl der Abiturientinnen und Abiturienten für begrenzte Studienplätze ist objektiv höherwertiger als föderalistischer Machterhalt mancher Bildungsministerinnen/-minister einzuschätzen. Allerdings ist Hartungs Bezugspunkt für Niveausteigerung der Bildungsqualität ein Bildungsirrtum. Denn Standardisierung, Pisa-Studien und internationale Vergleichstests stehen zwar für Vermessung kognitiver Geistqualitäten, nicht aber für menschenwürdige Bildung. – Horst Költze

 

Seit Jahren gibt es Streit um das Abitur. Mal geht es darum, ob man ein Abitur in 12 oder in 13 Jahren schaffen kann, jetzt wieder darum, ob man das Abitur nach bundesweit einheitlichen Maßstäben ablegen kann. Merkt eigentlich keiner, wie lächerlich wir uns machen? Pisa Studien, Vergleich mit anderen Ländern sprechen doch längst für ein bundesweit einheitliches Abitur. Von den Erfahrungen in der ehemaligen DDR ganz zu schweigen! Ja, ich habe 1967 an einer thüringischen EOS (Erweiterte Oberschule) mein Abitur gemacht, anschließend studiert und seit 1990 erfolgreich in meinem Beruf in NRW (!)  -also sogar in einem alten Bundesland-  gearbeitet. Meine beiden Söhne haben in den 1990er Jahren ihr Abitur in NRW abgelegt. Vergleiche ich deren Abiturqualität mit der meines Abiturs möchte ich keinesfalls tauschen! Als die Söhne seinerzeit fragten, was sie wählen sollen  -Physik oder Chemie oder Biologie, Musik oder Kunstgeschichte-  hat das bei mir völliges Unverständnis ausgelöst. Freilich war das Abitur in der ehemaligen DDR durch einseitige ideologische Doktrin belastet. Als Ergänzung für den  Unterricht in Geschichte, Staatsbürgerkunde, z.T. Erdkunde brauchte es oft ein aufgeklärtes Elternhaus, nicht selten mutige Pädagogen  -die gab es entgegen mancher vorurteilsbehafteter Meinung durchaus nicht wenig-   um im Lehrplan vorgesehene Inhalte zu relativieren. In den Naturwissenschaften, ja selbst in Kunstgeschichte, Architektur, Musik, bildender Kunst erhielten wir eine umfassende humanistische Bildung. An den Universitäten befanden wir uns dank des einheitlichen Abiturs alle auf Augenhöhe. Es spricht also alles für ein einheitliches Abitur, das Argument „Zentralismus“ führt sich doch vor dem Hintergrund der überbordenden Kleinstaaterei der 16 Bundesländer selbst ad absurdum. Fragen Sie doch mal Eltern, die mit Kindern, die gerade ein Gymnasium besuchen, in ein anderes Bundesland ziehen, nach ihren Erfahrungen.

Abschließend weiß ich natürlich nach 30 Jahren Wiedervereinigung, wie skeptisch, teilweise ablehnend gesellschaftliche Strukturen aus der ehemaligen DDR betrachtet werden. Poliklinik, Kita, Impfwesen, Organspende seien nur als Stichpunkte genannt. Wir sind immer noch nicht bereit, durchaus fortschrittliche Einrichtungen, Verfahrensweisen nach Entrümpelung der ideologischen Indoktrination nüchtern zu analysieren und ggf. angepasst zu übernehmen. Wenn doch, dann um Himmels Willen nicht unter dem alten Namen (siehe Poliklinik versus MVZJ). Sachliche, vernünftige Argumente stehen  -wie so oft-   gegen Sicherung jahrelanger Pfründe, Postengeschacher, parteipolitische Machtkämpfe. –  Dr. Bernhard Genzel

 

Sogwirkung nach unten
Die Behauptung, dass mit einem bundesweiten Zentralabitur mehr Bildungsgerechtigkeit erzeugt und das Leistungsniveau erhöht werde, hat mit der derzeitigen Situation an unseren Schulen wenig zu tun. Die nach wie vor extremen strukturellen Unterschiede in den Schulsystemen der 16 Bundesländer machen ein Einheits-Abitur zur Farce. In den Ländern, in denen in zentralen Fächern länderübergreifend einheitliche Abiturprüfungen durchgeführt wurden, ist das Leistungsniveau der Prüflinge keinesfalls gestiegen. Der Schwierigkeitsgrad einer einheitlichen Abiturprüfung wird sich immer an der Vorgabe ausrichten, ein bestimmtes Notenniveau nicht zu unterschreiten. Denn gute Schulnoten sind ja angeblich der Nachweis für eine erfolgreiche Schulpolitik.

Die Verbesserungen im deutschen Schulsystem in Teilbereichen, die die Pisa-Studien u. a. ergeben haben, in einen ursächlichen Zusammenhang mit zentralen Prüfungen zu stellen, ist abwegig. Bevor man an die Durchführung bundesweit einheitlicher Abiturprüfungen herangeht,  müssten erst einmal die Rahmenbedingungen für die Schulen der 16 Bundesländer angepasst werden. Davon sind wir noch meilenweit entfernt.  – Roman Protzak

 

Manuel J. Hartung fordert in seinem Artikel „Sogwirkung nach oben“ einheitliche Abiturprüfungen für ganz Deutschland und hofft, dass diese zu einem Ende des Bildungsföderalismus alter Prägung in Deutschland führen. Diese Forderung nach einer Zentralisierung der Bildungspolitik, die man immer wieder hört und liest, ist sicherlich aus verschiedenen Gründen wünschenswert. Es gibt aber eine übergeordnete Sichtweise, die dieser Forderung entgegensteht. Diese Sichtweise ist darin begründet, dass das heutige Deutschland vor knapp dreißig Jahren durch die Vereinigung zweier vorher bestehender Staaten entstanden ist. Dies ist ein einmaliger Vorgang im Europa der letzten Jahrzehnte, wo ansonsten nur gegenteilige Entwicklungen stattfanden: Staaten wie die Sowjetunion oder Jugoslawien sind zerfallen und separatistische Bewegungen wirken von Schottland über Belgien bis Katalonien und anderswo. Auch Deutschland ist nicht so homogen, wie es bei oberflächlicher Betrachtung wirken mag. Wenn unser Land seine Einheit bewahren will, so muss es den einzelnen Regionen Gestaltungsbereiche bieten, in denen sie unabhängig voneinander agieren können, und als ein solcher Gestaltungsbereich hat sich das Bildungswesen etabliert. Sollte hier eine Zentralisierung stattfinden, so stellt sich die Frage, wo sich ein anderer Bereich findet, der regionale Eigenständigkeit ermöglicht. Diese regionale Eigenständigkeit ist aber erforderlich, um die Einheit zu sichern. Der Osten ist nun mal nicht bereit, alles so zu machen wie der Westen, und umgekehrt, und dass die Bayern und die Preußen unterschiedlich ticken, ist auch seit vielen Jahrzehnten bekannt. – Gerhard Taake


 

Leserbriefe zu „Nicht ablenken lassen“ von Klaus Zierer

Der Einsatz digitaler Medien an Schulen gehört für mich wesentlich dazu, wenn in der Schule die Lebenswelt der Schüler*innen einen Platz haben soll. Deshalb verwundert mich die Haltung von eines Professors für Schulpädagogik sehr, wenn digitale Medien nur „Ablenkung“ sind und ein „Oberflächenmerkmal“ für den Lernerfolg sind. Schade, wenn man digitale Medien und Unterrichtsqualität gegeneinander ausspielt. Wichtig ist die „Professionalität von Lehrpersonen“, da stimme ich Prof. Zierer zu. Aber dazu gehört mittlerweile auch der professionelle Umgang des Lehrpersonals mit digitalen Medien, die man im Unterricht einsetzt – auch zur Förderung von Kreativität, kritischem Denken und Kommunikation. Das funktioniert und erhöht die Motivation der Schüler*innen zur Mitwirkung im Unterricht. Vielleicht sollte sich die Schulpädagogik ernsthaft damit befassen. Denn junge Lehrer*innen machen positive Erfahrungen, wenn Handys im Unterricht einen Platz erhalten, didaktisch selbstverständlich sinnvoll eingesetzt. Die Unterrichtsqualität und der Lernerfolg können durch den Einsatz digitaler Medien verbessert werden. Der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Medien (Medienethik) ist ein wichtiger Lehrauftrag für alle Schulen. Der kann erfüllt werden, wenn auch Handys im Unterricht zum Einsatz kommen, statt verboten zu werden. Einfach mal die Junglehrer*innen fragen – und auf dieser Basis die Schulpädagogik an den Lehrstühlen weiterentwickeln, das ist meine Empfehlung. Die Schule soll mit dem Leben zu tun haben und auf den Beruf vorbereiten – und überall dort ist die Nutzung von digitalen Medien selbstverständlich. – Dr. Anneliese Mayer

 

„Handys“ war das Stichwort für zwei Forscher aus dem weiten Feld der Bildung. Klaus Hurrelmann plädierte für die Verwendung von Handys im Unterricht, ihm widersprach Klaus Zierer und verwies auf anglikanische Studien – die das „wissenschaftlich“ untermauern, was mir mein Hausverstand sagt.  Aber abgesehen davon, dass ich mich als Praktiker, der seit bald 40 Jahren an österreichischen Pflichtschulen unterrichtet, immer wieder über die Äußerungen der Theoretiker wundere, rufe ich Klaus Zierer zu: Sie brauchen nicht Untersuchungen zu bemühen, um die Wichtigkeit der Hand bestätigt zu finden, lesen Sie Jean Piaget. Sein Zitat „Die Hand ist die Wurzel des Denkens“ begleitet mich von Anbeginn meiner pädagogischen Tätigkeit.

Zugegeben, ich bin Mathematiklehrer und Kunsterzieher (in Österreich heißt das entsprechende Fach „Bildnerische Erziehung“), und es liegt auf der Hand, die Hand als wichtiges Sinnesorgan (!) nicht aus den Augen zu verlieren.Man weiß doch aus eigener Erfahrung, wie entscheidend zum Beispiel eine mit der Hand gezeichnete Skizze ist, um ein mathematisches Problem zu lösen. Warum berufen sich Architekten und Designer darauf, über die Handskizze ihre Form zu finden, warum behält man mit der Hand gemachte Notizen besser im Kopf als etwas mit copy&paste Zusammengebasteltes, warum ist es wichtig, einen Schwindelzettel mit der Hand zu schreiben? Die Lösung wird auch von der Neurobiologie bestätigt: die Hand ist die Wurzel des Denkens. – Dr. Heinz Kaiser

 

Ja, ich dachte das sein eh klar, seit dieser skandinavischen Studie vor ein par Jahren; „Auf den Lehrer kommt es an!“. -und der muss wirklich schon fast übermenschlich gut sein, denn das Grundproblem bleibt: 30 Kinder mit erheblichem Bewegungsdrang müssen stundenlang stillsitzen und Zeug lernen, das sie nicht im Geringsten interessiert. – Dieter Herrmann

 

Prof. Zierer kann ich nur zustimmen, da alle grundlegenden und gravierenden Missstände in der Schule dargestellt werden. Schule hat in erster Linie einen Bildungsauftrag. (Wird wohl oft zu gerne vergessen.) Die digitalen Medien werden zwar ein Bestandteil eines qualifizierten modernen Unterrichts werden, aber nicht die Lösung der vielfältigen Probleme sein. Nicht nur die heute schon fehlende Ausstattung mit Hard- und Software ist – und wird auch zukünftig – für alle Schüler und Schülerinnen gelöst. Besonders aber die Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte ist eine riesige Hürde, für die keine notwendigen Ressourcen vorhanden sind. Dazu müssen noch die Lehr- und Lerninhalte mit den Medien verknüpft und didaktisch aufgearbeitet werden, damit diese lernwirksam werden. Wie Prof. Zierer richtig betont: Unterrichtsqualität wird durch die Professionalität der Lehrpersonen bewirkt und nicht durch die Anzahl oder Beliebtheit der digitalen Medien. Sich nur nach Wählerstimmen heischend hinzustellen und verkünden wie viel Geld die Bildungspolitik in das System Schule gesteckt hat, ist nur die typische Ablenkungspolitik für die Bevölkerung (Wähler), während für die wirklichen Problemfelder wenige Konzepte vorhanden sind (vielleicht weil es mühsam und unpopulär ist und man damit keine Wählerstimmen erringt). Prof. Zierer hat völlig recht mit seiner Aussage: „Bildungspolitik muss sich aufs Wesentliche konzentrieren, auf das, was Lernerfolge nachweislich garantiert.“ Digitale Medien – richtig und effektiv eingesetzt !! – können ihren Beitrag dazu liefern, mehr aber auch nicht. Ob das unsere Bildungspolitiker/innen verstehen? – Dipl.Päd. Gerd Cichlinski

 

Klaus Zierer verweist zurecht  auf wichtige Aspekte und aktuelle Probleme im Schulbereich wie z.B. die Qualität des Lehrens, den Mangel an Lehrern und Schulleitern, das Fernbleiben vom Unterricht der Klima-Aktivisten „Fridays for Future“, nicht zuletzt auch die besonderen Herausforderungen durch Migration, Inklusion und Digitalisierung. Die Verantwortlichen sollten den Fokus hierauf richten, statt „Ablenkungspolitik“  mit weniger dringlichen Angelegenheiten zu betreiben. Aufgabe der Schule ist es, die Heranwachsenden auf das gegenwärtige und zukünftige Leben vorzubereiten. Im Zeitalter der Digitalisierung gehört dazu sicherlich auch, Schüler zu einem angemessenen Umgang mit Handys zu befähigen. Doch darf das nicht dazu führen, dass Grundlegendes,  das Lernen mit Kopf, Herz und Hand, der Umgang mit Gedrucktem, mit Papier und Stift  vernachlässigt werden. – Gabriele Gottbrath


 

Leserbriefe zu „Computer-Girls“ von Kristina Vaillant

Es ist wirklich SEHR bedauerlich, dass Ihnen 50 Jahre Apollo 11 – Mission (erster Mensch auf einem anderen Himmelskörper !!) kein Cover wert ist. Selbstverständlich ist auch das Attentat auf Hitler ein wichtiger historischer Fakt. Jedoch geschah dies erst am 20. Juli. Für mein Dafürhalten wäre es sinnvoller gewesen, wenn man zwischen diesen beiden historisch SEHR bedeutsamen Ereignissen für die Titelgeschichte wählen muss, die Apollo 11-Mission, die am 16.7. mit dem Start der Saturn V begann und am 20.Juli seinen Höhepunkt mit dem Betreten unseres Mondes fand, letzteres Ereignis in der aktuellen Ausgabe als Titelgeschichte zu bringen und das Hitler-Attentat folgerichtig in der Ausgabe 31/2019. Ich finde das wirklich sehr bedauerlich und trägt der Mondlandung und deren historischer Bedeutung keinerlei Rechnung! – Michael Zinke

Niemand kommt auf die Idee, den Reigen der Gedenktage (100. Jahrestag des Versailler Vertrags, 75. Jahrestag des 20. Juli 1944, 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution, die Mondlandung vor 50 Jahren -) miteinander zu verbinden und sich zu fragen, wie und wo seit Jahren dieser Ereignisse gedacht wird: Mit ökumenischen Gedenkgottesdiensten in unseren schönsten Kirchen! Am 10. November 1989, dem Tag nach dem Mauerfall, notierte Walter Kempowski in sein Tagebuch: „Wieso hat niemand den Choral ,Nun danket alle Gott!‘ angestimmt? – Weil niemand mehr den Text kennt. – Aber woher kennen sie den Schlager ,So ein Tag, so wunderschön wie heute‘?“ Stefan Zweig notierte 1927 in seinem Sammelband von Miniaturen „Sternstunden der Menschheit“ in seinem Vorwort: „Solche dramatisch geballten, solche schicksalsträchtigen Stunden, in denen eine zeitüberdauernde Entscheidung auf ein einziges Datum, eine einzige Stunde und oft nur eine Minute zusammengedrängt ist, sind selten im Leben eines Einzelnen und selten im Laufe der Geschichte. […] Ich habe sie so genannt, weil sie leuchtend und unwandelbar wie Sterne die Nacht der Vergänglichkeit überglänzen.“ Das Ende des Ersten Weltkriegs, das Attentat auf Hitler, die Friedliche Revolution, die Mondlandung waren „Sternstunden der Menschheit“ und „Wunder Gottes“. – Felix Evers

 

Anlässlich des 50. Jahrestages der Mondlandung habe ich mit Vergnügen den Artikel über Computer-Girls in der Rubrik Geschichte gelesen. Es ist erfreulich darin zu erinnern, dass die Geschichte der Computer und der Informationstechnik keine reine Domäne der Männer gewesen ist. Hier wäre ein Hinweis auf Ada Lovelace mehr als sinnvoll gewesen. Dass aber ausgerechnet Mark Zuckerberg quasi in einem Atemzug mit Konrad Zuse, Alan Turing, John von Neumann, Bill Gates und Steve Jobs genannt wird, ist mehr als haarsträubend. Abgesehen vom kommerziellen Erfolg, ist Zuckerberg mit seiner simplem App zum „Liken“ von Studentinnen im Vergleich zu den anderen Pionieren des Computerzeitalters ein kleines Licht. Bill Gates ausgenommen, die anderen würden sich wohl im Grabe umdrehen , hätten sie das lesen müssen. – Siegfried Kunz

 

Wie konnte Katherine Johnson 1953 bei der US-Raumfahrtbehörde anfangen (6. Absatz), wenn die NASA erst 1958 gegründet wurde? – Wolfram Beier

 

Im Beitrag zu den Computer-Girls fehlt mir die erste Programmiererin überhaupt, die Mathematikerin Ada Lovelace (1815 – 1852), die 1843 einen umfangreichen Kommentar zur Programmierung der von Babbage entwickelten Analytical Engine veröffentlichte. – Friedrich Gebhardt


 

Leserbriefe zu „Er ist nie frei“ von Angela Köckritz

Ich glaube, dass man den Homosexuellen letztlich schadet, wenn man die Homosexuellen immer nur als Opfer darstellt. Diskriminiert usw. werden nicht nur Homosexuelle, ich denke hier vor allem an Menschen mit Handicap, die sich nicht wehren können. Aber auch andere Menschen wie Kleinwüchsige, angeblich Hässliche, usw., die sich aber nicht ständig aggresiv beschweren. Leider wird auch in den Medien nicht offen und aufrichtig über dieses Thema geschrieben und diskutiert.  Es ist nach meiner Sichtweise keine Diskriminierung, wenn man an der Homosexualität nicht positives sieht. Homosexuelle können doch nicht von Heterosexuellen verlangen, einfach die Augen zu verschließen, was zwischen Gleichgeschlechtlichen Paaren sexuell praktiziert wird und dies alles noch schön und in Ordnung finden. Man stellt sich die Frage, warum Homosexuell eingestellte Männer und Frauen nicht trotzdem mit einer Frau oder einem Mann zusammenleben möchten. Mir hat jemand erzählt, der viele  Homosexuelle aus beruflichen Gründen kennergelernt hat, dass sie Frauen hassen bzw. nicht mögen?! Ich bin sogar überzeugt, dass vielleicht sogar mehr Homosexuelle, meiner Meinung nach vernünftigerweise,   keine gleichgeschlechtliche Partnerschaft eingehen. Ist es nicht erstrebenswerter z.B. aus der Situation eines Mannes, mit den wunderbaren Verzügen einer Frau mit Ihrer Anmut und Schönheit, Intuition, ja mit all ihren besonderen Wesenheiten zu leben, als sich meiner Meinung nach vor allem  aus sexuellen Gründen eine Männerpartnerschaft hinzugeben, mit all den Nachteilen, die auf einem zukommen. In den Niederlanden, die schon lange vor Deutschland die Ehe für alle zugelassen hat, ergab ein Studie, dass über 50 % der Homosexuellen trotz aller  Errungenschaften  Selbstmordgedanken haben.

Der Grund liegt meiner Meinung in dem Umstand, dass ein Homosexuelles Leben nicht wirklich  glücklich machen kann. So wie von mir  die  eingangs aufgezählten,  anderen Diskriminierten, erscheint es mir für sie sinnvoller, ihr Schicksal anzunehmen und das beste daraus zu machen, und diese wäre meiner Überzeugung ein Leben mit dem jeweils anderen Geschlecht. Und wenn man es doch vorzieht homosexuell orientiert zu leben, so sollte man  meiner Ansicht nach die Sache privat gestalten und sich nicht ständig als Opfer darstellen, sondern versuchen, die andere Seite, die sich damit nicht anfreunden kann, zu verstehen, warum sie Vorbehalte hat. So war die praktisch erzwungene „Ehe für alle“ meiner Meinung nach ein großer ein Fehler, weil man sich in die Ehe, die eindeutig eine Einrichtung für Mann und Frau mit Kindern bisher galt, hineinmanövriert hat ohne zu bedenken, ob  konservative Eheleute dies ohne weiteres billigen können, für die eine Ehe etwas Heiliges und Schützenwertes darstellt. Mit der Möglichkeit, eine eingetragene Partnerschaft  gesetzlich geschützt eingehen zu können, hatten Sie doch schon so viel erreicht. Steuerliche Vorteile, sollten sowieso nur Eheleute mit Kindern eingeräumt bekommen. Der ganze überhastete, praktisch erzwungene  Vorgang hat meiner Überzeugung nach, die Diskriminierung leider eher gefördert als minimiert. – Rüdiger Medynska

 

Haben Sie vielen Dank für den Artikel, der wieder einmal zeigt, was Furcht vor Fremdem, religiöse Verblendung und Mangel an Achtung vor den Menschenrechten an Unheil anrichten können. Er mag auch die Teilnehmer und Zuschauer der diversen Christopher-Street-Day-Veranstaltungen zur Solidarität mit den Schwulen in anderen Ländern anregen. Was aber solte Deutschland tun? Natürlich Schwulen, die in Afrika und anderswo in Lebensgefahr schweben, Asyl gewähren, wenn sie bereit sind, sich hier zu integrieren – und es jenen Flüchtlingen aus Afrika und anderswoher verweigern, die meinen, Schwule dürfe oder müsse man totschlagen. Außerdem sollte Entwicklungshilfe bevorzugt an Staaten gehen, die die Menschenrechte achten – oder an entsprechende Bedingungen geknüpft werden. In Ländern, in denen Schwule bzw. generell Minderheiten diskriminiert werden, sollte in erster Linie das Bildungswesen unterstützt bzw. aufgebaut werden – in der wohl nicht völlig unberechtigten Hoffnung, dass gebildete Menschen in der Regel weniger Angst vor Fremdem haben und weniger von religiöser Verblendung betroffen sind. – Dr. Ulrich Willmes

 

Wir haben uns sehr gefreut, zum Christopher Street Day einen Artikel zur Situation von Homosexuellen weltweit und zum Schicksal eines schwulen Mannes im Senegal in der Zeit zu lesen. Wir haben allerdings das Gefühl, dass der Eindruck entstehen könnte, Diskriminierung und Hass gegenüber LGBTI habe nichts mit Religion und insbesondere dem fundamentalistischen Islam zu tun. Was ist in der Zeit von 1959 (aus Ihrem Artikel Michael Davidson: “(Dakar) war schwuler als je zuvor.”) und der Schändung des Grabes eines HIV-Aktivisten in Thiiès in 2009 geschehen? Die muslimische NGO Jamra wurde 1983 gegründet und macht seitdem – wie andere muslimische Persönlichkeiten und Organisationen – Stimmung gegen LGBTI im Senegal. Wenn man sich die von Ihnen gezeigte Weltkarte anschaut, so gibt es sicher überall noch einiges zu tun. Verfolgt, bedroht und getötet werden LGBTI aber vor allem in muslimischen Ländern oder von Menschen, die sich auf den Islam berufen (Orlando 12.6.2016, 50 Tote). – Daniel Nicolai und Jaap de Groot

 

Schön bunt, die Seite. Allerdings beruht der Artikel neben der Darstellung der Fakten auf einer nicht nur im Zusammenhang dieses Themas oft anzutreffenden Polarisierung: hier die Befürworter, da die Ablehnenden. Die zu den Ursachen von Homophobie führende Analyse kommt zu kurz. Die Verfolgung Homosexueller hat mit einem antiken, mittlerweile obsoleten Gesellschaftsmodell zu tun: Fruchtbarkeit war eine der existenzsichernden Methoden aller Ethnien. Da sich Homosexuelle daran nicht beteiligten, wurde ihnen die Schwächung des entsprechenden Volks vorgeworfen, sie durften den normalen gesellschaftlichen Schutz nicht in Anspruch nehmen. Im Gegenteil, Ursachen für gesamtgesellschaftliche Rückschläge wurden auf sie projiziert. Signifikant ist, dass parallel zum gegenwärtig in einigen Weltgegenden wiedererstarkenden Nationalismus dort auch die Homophobie wieder zunimmt. – Christoph Müller-Luckwald


 

Leserbriefe zu „Mein Name ist Fatima“ von Fatima Krumm

Zunächst meine Anerkennung dafür, dass Frau Krumm so selbstbewusst zu  ihrem Vornamen steht.  Ich möchte hier erläutern, wie sehr sie sich – nach meiner Einschätzung  – damit für unsere Gesellschaft verdient gemacht hat. Wir alle haben  mehr oder weniger große Bereiche eingegleisten Denkens. Es ist eine  wichtige Übung für unseren Geist, immer wieder mal über einen Stein zu  rumpeln um innezuhalten und nachzudenken. In einer lebendigen Demokratie  mit mündigen Bürgern eine besonders wichtige Grundübung. Es bleibt zu  hoffen, dass dieser Trigger der Aufmerksamkeit, die Irritation, dann  auch in anderen Zusammenhängen zu einer erhöhten Wachsamkeit nach innen  und außen führt.  Frau Krumm wünsche ich, dass sie aus der Besonderheit ihres Vornamens  auch besondere Energie schöpfen kann. – Walter Emmerich

 

Wieso kommt eigentlich niemand auf den Gedanken, dass auch der bekannte portugiesische Walfahrtsort Fatima gemeint sein könnte?  – Ulrich Lange

 

Ihren Beitrag „Mein Name ist Fatima“ habe ich mit Interesse gelesen. In einem Punkt muss ich allerdings widersprechen:
Die Autorin zitiert eine Namensforscherin der Universität Leipzig mit den Worten „Englisch zu lernen war ein Privileg in der DDR, deshalb wählten gebildete Eltern englische Namen für ihre Kinder.“ Beide Behauptungen sind m.E. falsch. Nach meiner Kenntnis, die zumindest die 70er und 80er Jahre abdeckt, war in der DDR Russisch die erste Fremdsprache für alle Schüler. In normalen Klassen begann der Unterricht ab der fünften Klasse, in den sogenannten Russischklassen ab der dritten. In der siebten Klasse kam für alle Schüler eine zweite Fremdsprache dazu. Die Schüler konnten zwischen Englisch und Französisch wählen. Zwar war es möglich, dass an bestimmten Schulen nur eine der beiden Sprachen im Angebot war, das dürfte aber in Bezug auf das Zitat egal sein. In der DDR gab es ein für das gesamte Land einheitliches Schulsystem, und alle Schüler lernten bis zum Abschluss der zehnten Klasse gemeinsam. Wer Abitur machte, kam erst anschließend auf eine andere Schule. Von einem Privileg, Englisch zu lernen, insbesondere für ein gebildetes Klientel, kann also keine Rede sein.

Ich selbst lernte ab der dritten Klasse in einer der Russischklassen. Diese durfte nur besuchen, wer in der zweiten Klasse zu den besten zwei Schülern seiner Klasse gehört hat (von ca. 24). Da sammelten sich also die besten Schüler eines Jahrganges, und wie man erwarten kann, waren deren Eltern überdurchschnittlich gebildet und in verantwortungsvollen Berufen tätig (Schuldirektorin, Werksleiter, Arzt u.s.w). Aber in meiner ganzen Klasse gab es nur einen englischen Vornamen, nämlich „Peggy“. Und den auch nur einmal. Natürlich ist diese Beobachtung weit entfernt von einer repräsentativen Studie, ich denke jedoch, dass schon meine Beschreibung des Schulsystems die zitierten Behauptungen widerlegt. – Frank Götze

 

Es ist immer sehr belästigend, wenn ein Mensch wegen seines Namens Nachteile, Hänseleien pp. erfährt. In der DDR scheint ja die Wahl ‚exotischer‘ Vornamen sehr beliebt gewesen zu sein. Heute im ganzen Westen natürlich auch.

Grund für Ärger über falsche Namenswahl ist der Einzelvorname. Alle Eltern sollten ihre Sprößlinge wenigstens mit 2 Namen versehen. Es müssen nicht 14 sein, wie bei manchen Adeligen. Wir haben uns bei unseren Kindern das während der Schwangerschaften (ab 1969) überlegt, und jeder Tochter einen von uns als schön  empfundenen, nordischen Vornamen gegeben und dazu zwei weitere zur Reserve. Sie sollten ggf. später bei Nichtgefallen die Möglichkeit des Wechsels haben. Alle drei waren aber letztlich zufrieden, insbesondere, weil sie kaum Namenskonkurrenten in der Schule hatten, wo es z.B. 4 Stefane gab. Eigentlich könnte die Beratung im Standesamt darauf hinweiden. – Dr. Ernst Iffland


 

Leserbriefe zu  „Ein Rohstoff und sein Preis“ von Jonas Gerding

Mit Interesse habe ich den  Beitrag  gelesen. Endlich wird das dort geschilderte Problem der Rohstoffgewinnung für die Batteriezellenherstellung für Personenkraftfahrzeuge erneut aufgegriffen, gilt die E-Mobilität doch als „sauber“. Sie scheint das einzig Wahre zu sein und verursacht einen wahren E-Mobilitäts-Hype. Leider vermisse ich Ausführungen Ihrerseits dazu, dass nicht nur im Kongo Rohstoffe unter menschenunwürdigen Umständen abgebaut werden sondern auch in Südamerika, dort in Chile und Argentinien. Da wird der Stoff Lithium unter enormer Verschwendung von Trinkwasser in der Wüste bzw. in Hochlagen gewonnen und das nicht nur unter für Menschen schwierigsten Umständen sondern auch unter Verursachung von größten Umweltschäden. Welch Leid für Mensch und Umwelt. Bei der Produktion einer Batteriezelle entsteht so viel CO ², dass man mit einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor , selbst eines der oberen Klasse, ca. 100.000 km fahren kann, damit der Wert an CO ² Ausstoß erreicht wird, der bei der Produktion einer Batteriezelle entsteht.   Das hört man selten, aber viel Wissenschaftler weisen darauf hin, nur will es keiner richtig wahrnehmen, man folgt dem Hype. Ungeklärt ist, was mit verbrauchten Batteriezellen zu geschehen hat. Sie sollen als Strom-Akku dienen – immer? Wohl eher nicht. Irgendwann werden sich Parallelen zum Verbleib von  verbrauchten Uranstäben auftun. Um nicht missverstanden zu werden: Umweltschutz und Klimaschutz sind überlebenswichtige Ziele der Menschheit; beides muss Hand in Hand gehen. Da hilft es nichts, Vorstände von Automobilunternehmen, die der E-Mobilität nicht offen gegenüberstehen einfach auszutauschen. Genauso wenig hilft es, ausschließlich auf zu diese Kraftquelle zu setzen und andere technischen Möglichkeiten, z.B. der Gewinnung von „Grünem Strom“ zur Erzeugung alternativer Kraftstoffe, nur ein Schattendasein führen zu lassen.   – Holger Dreyer

 

In dem Artikel über Arbeitsbedingungen in den. Minen im Kongo im Wirtschaftsteil der aktuellen Zeit ist leider ein etwas seltsamer Übersetzungsfehler: ein Akteur wird als „Zivilingenieur“ bezeichnet. Vermutlich war das Gespräch mit ihm auf englisch, denn „civil engineer“ heißt Bauingenieur… –  Dr. Moritz Botts

 

Dieser Artikel sollte Pflichtlekture für all diejenigen sein, die sich für Elektroautos Einsetzen. Die heile Welt, die man sich hier macht, die gibt es einfach nicht. Es Ist vielleicht richtig, dass wir hier in Deutschland  oder auch in Europa etwas bessere  Umweltbedingungen habenm , wenn weniger Autos mit Verbrennungsmotor unterwegs Sind, allerdings bewiesen ist das noch lange nicht.  Es wird höchste Zeit, dass wir von Dieser Haltung weg kommen, dass uns solche Bedingungen, die hier geschildert werden, nicht interessieren.Wenn ich dann die Aktivisiten aus Schweden sehe, und vor allen die Organisatoren, die diese Mädchen sogut vermarkten, dann kann ich ihr nur einen Besuch in solchen Stätten empfehlen  und nicht nur ihr, sondern auch allen, die glauben, dass Die Welt sauberer wird, wenn wir alles mit Strom betreiben, so nach dem Motto: wir tun was, hier wird alles sauber. – Manfred Mengewein

 

Die „E-Autos“ stehen vor einer großen Zukunft. Hier „liegt“ die Betonung auf „stehen“ (auf Halde). Und wieder einmal ist erneut eine „Schein-Umwelt-Blase“ einfach zerplatzt! – Riggi Schwarz


 

Leserbriefe zu „Gut Holz? Von wegen!“ von Marcus Rohwetter

Den Beitrag möchte ich nicht in Frage stellen; er ist solide. Doch  Einspruch ist nötig bezüglich des Kastens „Der deutsche Wald“. Wald ist  mitnichten ein solcher bei Flächen von 1000 Quadratmetern. Selbst ein  Hektar ist nicht annähernd hinreichend, um als Wald im Sinne der  Ökosystemfunktion und der Ökosystemdienstleistung eines Waldes anerkannt  werden zu können. Im Gegenteil, solche bewaldeten Flächen bestehen  ausschließlich aus Randeffekten.  Insofern betrügen wir uns selbst – wie bei so vielen Umweltthemen.  Deshalb stimmt es auch nicht, dass wir in Deutschland real etwa 30  Prozent Waldfläche ausgewiesen hätten. Der wahre Anteil ist leider  erheblich viel geringer. Eutrophierte Grundwässer und Oberflächenwässer  legen dazu beredt Zeugnis ab und auch Windwurfempfindlichkeit und  flächige Trocknis sind davon betroffen.  Mach wir uns also ehrlich – und fordern dies auch bei Behörden ein. – Jörg Matschullat

 

Man sollte nicht ganz verschweigen, dass sich der mitteleuropäische Wald seit der letzten Eiszeit trotz erheblicher Klimaveränderungen über sehr weite Strecken ganz gut gehalten hat, ohne ständig „aufgeräumt“ zu werden. Man sollte ebenfalls darüber reden, das Totholz nicht nur „Schadholz“ ist, sondern unentbehrliche Lebensgrundlage für eine dramatisch schwindende Artenvielfalt. Vielleicht berichten Sie in einem weiteren Beitrag auch darüber, wie der Wald z.B. im Nationalpark Bayerischer Wald neu entstanden ist und weiterhin neu entsteht, obwohl er vollständig dem Borkenkäfer überlassen worden war? Der Lobbyist von der Marwitz macht es sich deutlich zu einfach, finde ich.  – Dr. Christian Voll

 

Die Lesbarkeit dieses – und vieler anderer  Artikel – ließe sich wesentlich steigern, wenn statt Hektar bzw.  Kubikmetern Angaben in Quadratmetern bzw. Würfelmaßen o.ä. angegeben  würden. Wer außer Land- und Forstwirten kann sich denn Hektarangaben  etc. bildlich vorstellen? Das gilt übrigens auch für die beliebte Angabe  in Fußballfeldern. Allenfalls das Saarland ist als Flächenmaß für  Rheinländer im weitesten Sinne akzeptabel. – Heinz-Dieter Busch

 

Herr Rohwetter, Sie sind auf dem Holzweg! Es ist schon erstaunlich, dass trotz Relotius-Affäre auch in der ZEIT, keine fundierte Überprüfung selbst von elementarsten Aussagen stattfindet, z. B.  was biologisches Grundwissen anbelangt.  So schreibt der Autor, dass „Wald vergammelt, wenn man ihn sich selbst überlässt“. Der Wirtschaftsredakteur hätte nur mal seine Kollegen aus der Wissenschaftsredaktion fragen müssen, ob das so richtig ist. Und die hätten ihm hoffentlich unmissverständlich klar gemacht, dass Wald nicht vergammeln kann, sondern bei Nichtbewirtschaftung nur immer naturnäher wird.  Im Unterschied zum  Feld ist nämlich Wald in Mitteleuropa die natürliche Vegetationsform. Lässt man ihn einfach wachsen, dann bindet er erstmal über Jahrhunderte so viel CO2 wie es bei keinem bewirtschafteten Wald der Fall ist.

Der Wald von Herrn Marwitz ist streng genommen ein Forst, also ein künstlicher Wald, denn auch in Brandenburg wären von Natur aus Laubbäume vorherrschend.  Dass er jetzt ein Problem mit seinem Wald hat, hätte er schon vor Jahrzehnten wissen können.  Und er hätte schon vor langer Zeit anfangen können,  im Schatten der Altbäume trockenheitsresistentere Laubbäume nachzuziehen.  Unabhängig von der sich abzeichnenden Erhöhung der Jahresmitteltemperatur haben seit Jahrzehnten bereits viele Stürme und andere Schadereignisse gezeigt, dass die naturfernen Nadelholzwälder auch aus betriebswirtschaftlichen Aspekten umgewandelt werden müssen. Unbestritten, dass in „guten Zeiten“ das Nadelholz das meiste Geld gebracht hat, wenn es denn alt geworden ist. Die regelmäßigen Verluste durch Katastrophen wurden bis zum heutigen Tag verdrängt und wurden regelmäßig  durch Finanzhilfen vom Staat zuverlässig aufgefangen.

Man könnte die derzeitige Situation in weiten Teilen der deutschen Wälder auch mit dem Bankencrash 2008 vergleichen. Trotz vieler Warnungen haben gerade die Großprivatwaldbesitzer weiterhin auf Fichte und Kiefer gesetzt. Sie haben gezockt (ein beliebter Satz unter Großprivatwaldbesitzer: „Einmal Fichte geht noch…“)und jetzt liegen die Karten auf dem Tisch und die Nerven blank. Und jetzt wollen sie den Einsatz zurück. Nein, das ist noch nicht alles. Sie wollen pauschal auch noch dafür entlohnt werden, dass sie Wald besitzen. Sie wollen die sogenannten Ökosystemdienstleistungen bezahlt bekommen, ohne zu sagen, dass gar keine monetären Aufwendungen seitens der Waldbesitzer entgegenstehen und der Privatwald schon seit Anbeginn der Bundesrepublik durch großzügige Förderprogramme unterstützt worden ist.

„Ein Hektar Wald entlastet die Atmosphäre jährlich um knapp fünf Tonnen CO2“ schreibt Herr Rohwetter. Wie einfach doch Wahrheit sein kann! Klar, auf der durchschnittlichen Waldfläche wachsen pro Jahr 5 – 10 Kubikmeter Holz zu. Aber dann kommt es darauf an, was man daraus macht, langlebige Produkte oder Hackschnitzel zur Wärmeerzeugung. Und nicht zu vergessen: Holznutzung, also der Einschlag und Transport, findet mit fossiler Energie (die noch dazu steuerlich begünstigt wird) statt, die bei all diesen schöngerechneten Aussagen nicht abgezogen wird.

Wie schreibt der Autor so schön im Infokasten: „Ökologisch ist Wald unbezahlbar“. Hier klingt durch, dass er unendlich kostbar ist und im Kontext zum Artikel könnte man heraushören, dass die Forderungen der Großprivatwaldbesitzer, die CO2 – Steuer abzubekommen, doch äußerst gerechtfertigt ist. Dann möchte aber auch der Gartenbesitzer für seine  alten Apfelbäume im Garten etwas abhaben, denn die produzieren auch Sauerstoff und binden CO2. Klar Herr Rohwetter, auch für Sie als Kleinprivatwaldbesitzer  würde ein wenig abfallen, aber im Regelfall wären Sie, wie auch ein Großteil der vielen Tausend Kleinprivatwaldbesitzer quasi Nettozahler. Aber was man nicht vergessen darf: Diese riesige Zahl von Kleinprivatwaldbesitzern macht natürlich Eindruck bei der Politik, deshalb wird diese Zahl von den Waldfunktionären immer wieder zur Sprache gebracht. Anders sieht das beim Großprivatwald aus, der würde wohl von so einer CO2-Abgabe gut profitieren, obwohl es viele Beispiele gibt, dass gerade dort bis in die jüngste Vergangenheit durch die Fokussierung auf Plantagenforstwirtschaft enorme CO2-Mengen durch die Entstehung riesiger Kahlflächen und den damit verbundenen Humusverlusten freigesetzt wurden.

Man sollte den einen oder anderen Grundbesitzer auch wieder einmal an den Artikel 14, Absatz 2 des Grundgesetzes erinnern, das die Sozialpflichtigkeit des Eigentums thematisiert. Die Zeiten, als Feudalherren eine Furt besaßen und bei jedem Passanten entsprechenden Wegezoll verlangen konnte, sind glücklicherweise vorbei!

Gegen einen mit Staatshilfen forcierten Waldumbau zu trockenheitsresistenteren Baumarten ist nichts zu sagen. Allerding sollte auch einmal mit dem Irrglauben aufgeräumt werden, dass neuer Wald nur durch die Aktivität des Menschen entstehen kann. Die Gleichung „So und so viel gepflanzte Bäume ergeben eine gewisse Anzahl von CO2-Bindung“  ist schlicht Humbug. Es kommt zum einen auf die Größe der bepflanzten Fläche an. In der Forstwissenschaft wir der Holzzuwachs immer pro Fläche und Jahr und nicht pro Baum angegeben, weil  nur ersteres eine sinnvolle Aussage bezüglich des Holzzuwachses und somit auch der CO2-Bindung ergibt. Wenn man Bäume sehr knapp aneinander pflanzt, kann man zwar so tun, als ob all diese Bäume zu alten Bäumen heranwachsen. Das stimmt aber nicht, außer man pflanzt sie im Abstand von 2o Metern.  Die heranwachsenden Bäumchen konkurrieren nämlich  im Laufe der Zeit miteinander und ein Teil der gepflanzten Bäume muss entnommen werden oder stirbt einfach ab. Ein natürlicher Prozess der im Naturwald völlig normal ist, der aber die Bilanzen von Atmosfair und anderen Klima – Ablasshändlern in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Im Übrigen ist auch ein vom Menschen gepflanzter Baum bereits mit viel fossiler Energie in Baumschulen erzeugt worden (Mineraldünger, Transport, Pestizide). Der genetische Pool dieser Pflanzen ist stark eingeschränkt, jedes Samenkorn, das in der Baumschule keimt, wird hochgepäppelt und geht nicht bereits in der Jugendphase durch eine harte Auslese bezüglich der Standortsverhältnisse, wie dies bei Naturverjüngungen mit Abertausenden von Sämlingen der Fall ist. Neben der Flächengröße spielen dann noch Faktoren wie Niederschlag, Bodenqualität und vor allem auch die jährliche Vegetationsdauer (Breitengrad und Höhenlage) eine entscheidende Rolle bezüglich der CO2-Bindung.

In Wirklichkeit geht es um Flächen mit Böden,  auf denen Wald als Vegetationsform von Natur aus möglich ist. Auf ihnen würde sich in nicht einmal sehr langen Zeiträumen von selber Wald einstellen, der im Regelfall besser an die jeweiligen Verhältnisse angepasst ist, als ein gepflanzter Wald. Das lässt sich entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze sehr gut beobachten. Das Problem ist in Wirklichkeit die sehr eingeschränkte Verfügbarkeit von Flächen für Aufforstungen. Eine der besten Strategien die CO2-Bindung unserer Wälder zu optimieren, wäre es, diese älter werden zu lassen und die Humusbildung durch großzügiges Belassen von Totholz anzuregen. Damit wäre auch ein wesentlicher Beitrag für die Biodiversität getätigt, die bei der ganzen Klimadiskussion sträflich vernachlässigt wird.

Sehr geehrter Herr Rohwetter, ich empfehle Ihnen und den weiteren Verantwortlichen für diesen Artikel dringend, den Abschlußbericht  des SPIEGEL in der Causa Relotius gut zu studieren. Denn darin sind einige Verhaltensweisen und Rahmenbedingungen geschildert, die offensichtlich auch zu diesem schlampig recherchierten Artikel geführt haben und die möglichst bald abgestellt werden sollten. „Auch komplizierte Themen lassen sich unterhaltsam darstellen.“, schreiben Sie in Ihrem Online –Autorenporträt. Ich würde mir vor allem wünschen, dass komplizierte Themen richtig dargestellt werden. – Norbert Wimmer


 

Leserbriefe zu „Verhakelt mit den Ex-Royals“ von Ijoma Mangold

Ich empfinde es als unerhörte Frechheit wenn die Nachfolger des Kaisers Restitutionsansprüche  stellen. Die Hohenzollern – damals mit ihrer Clique regierend und verantwortlich – haben unser Land mit ihrem Größenwahn in den ersten Weltkrieg geführt. Wenn jemand Ansprüche hätte, dann die Bundesrepublik, dann meine Familie – mittelständisch und danach völlig verarmt. – Dr Heiner Pabst

 

Was hat den smarten Ururenkel des letzten deutschen Kaisers, der stets so charmant in den bunten Blättern unserer Republik den royalen Glanz der Hohenzollern zur Schau stellt, bewogen gerade jetzt und mit einer Liste von Maximalforderungen Restitutionsansprüche gegen die drei Institutionen Preußische Schlösser und Gärten, Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Deutsches Historisches Museum zu erheben? Wer hat die Informationen über die vertraulichen Verhandlungen durchgestochen und mit welcher Zielstellung? Wenn als rechtliche Basis durch das Haus Hohenzollern das Vermögensauseinandersetzung von 1926 geltend gemacht wird, dann muss auch eine andere Frage erlaubt sein. Wie werden denn die Festlegungen der Alliierten aus dem Jahre 1945 im Rahmen dieser Verhandlungen berücksichtigt?

100 Jahre nach dem von den Hohenzollern ausgelösten und für Europa mit viel menschlichem Leid und immensen materiellen Verlusten verbundenem Krieg hebt der Elite-Adel wieder Anspruch auf einen umstrittenen verbrieften Besitz. Während dieser langen Zeit sind mit sehr erheblichen finanziellem, materiellem und auch personellem Aufwand die zurückgeforderten Gemälde und Memorabilia durch diese drei Institutionen und den deutschen Staat erhalten, restauriert und gepflegt worden. Die Spitze der Frechheit ist die Forderung nach einem Wohnrecht im Schloss Cecilienhof in Potsdam (denn gerade hier in Potsdam leben seit der Wiedervereinigung wieder  eine Vielzahl von Monarchie-Sympathisanten!) und ein inhaltliches Mitspracherecht bei einem künftigen Hohenzollern-Museum, das  von der öffentlichen Hand finanziert werden soll. Aber in diesen dreisten Forderungen wird das Anliegen des Hauses Hohenzollern deutlich. In unruhigen Zeiten mit dem Erstarken rechtsnationalen Gedankenguts, dem Wunsch nach autoritären Führungsstrukturen in der Gesellschaft durch einen Teil der konservativen Elite sowie den Sympathien für monarchistische Gesellschaftsmodelle will das Haus Hohenzollern aktiv die historische Bewertung seiner Verantwortung verändern und die Reste des deutschen Adels wieder in den politischen Vordergrund rücken. Es geht darum in den Zeiten tiefgreifender Umgestaltungen die Positionen des deutschen Adels zu stärken, Einfluss auf diese Prozesse zu gewinnen und wirtschaftliche Positionen zu festigen. Die Regierung muss nicht die Arroganz der Macht ausspielen, sie muss nur alle juristischen Mittel einsetzen, einen fairen Abschluss der Verhandlungen in kurzer Zeit gestalten und die Rolle des Hauses Hohenzollern nicht überbewerten. Es ist eine Dynastie, die in der deutschen Geschichte eine Rolle gespielt hat, die aber für die politische Gestaltung der Demokratie des 21. Jahrhunderts keinen Einfluss mehr hat. Royale Hochzeiten und Skandale sehen viele Bürger in den Medien gern, da sie als gut inszenierte Seifenopern herüberkommen. Aber als Führungselite haben sie sich überlebt und das sollte auch so bleiben. Mit großer Sicherheit wird die Regierung den Eindruck eines Monarchie-Sympathisanten zu verhindern wissen und das ist auch gut so !  – Klaus-Dieter Busche

 

Die Hohenzollern haben ihren Reichtum auf der Basis von Raub und Ausbeutung erhalten. Sie waren mit den Nazis verhakelt. In der Mitte der 90er Jahre wurde bereits gerichtlich! bestätigt, dass bezüglich der Gebäude keine Besitzansprüche bestehen. Das Erbrecht  –  natürlich für alle Bürger gleich – weist zudem definitiv auf die Verjährung  hin. Die Ansprüche sind absurd, der Artikel befremdlich. Es geht um nichts geringeres als RECHTSSTAATLICHKEIT. – Ein/e Leser/in


 

Leserbriefe zu „Keine Kumpel mehr“ von Robert Pausch

Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass den Lügen der Rechtspopulisten mit Fakten beizukommen ist. Ein wundervolles Beispiel dafür hat Robert Pausch in seinem Artikel „Keine Kumpel mehr“ (DIE ZEIT 30/2019) gegeben. Klug, kenntnisreich und ausgestattet nicht nur mit einem zutiefst menschlichen Humor, sondern auch mit einer Fülle bestens recherchierter Zahlen, zieht er gegen die immer öfter zu hörende Mär zu Felde, dass ein Rechtsruck in der Flüchtlings- und Einwanderungsdebatte die SPD vor dem endgültigen Niedergang bewahren könne (kann sie nicht). Und er zeigt den „selbst ernannten Arbeiterführer“ Sarrazin einmal mehr als das, was er ist: ein rassistischer Rechtspopulist, der mit seinem Glaube an „ein biologisch bestimmtes Oben und Unten“ den zutiefst sozialdemokratischen Glauben an Gleichheit und Teilhabe mit Füßen tritt. Artikel wie dieser erinnern mich immer wieder daran, warum ich stolzer Abonnent dieser Zeitung bin. Bravo, Herr Pausch. Sigue así! – Lo Malinke

 

Ohne Bezug auf reale Personen oder Vorgänge bringt mich der Artikel von Robert Pausch auf eine Idee, wie in Zeiten schrumpfender Volksparteien und wachsender Unsicherheiten der werbende Hinweis auf das enorme Wertpotenzial einer Parteimitgliedschaft als Anreiz genutzt werden kann, neue Mitglieder zu gewinnen. Die Mitgliedschaft in einer Partei kann – jenseits aller Ideale – eine gute Anlage sein. Das Parteibuch als eine Art Volksaktie mit hoher Werthaltigkeit, eine erschwingliche Aktie für die „kleinen Leute“. Wie realisiert man nun diesen Wert, wie zahlt sich die Investition in die Partei als Werte- und Interessensgemeinschaft aus?

Wenn man als Parteimitglied irgendwann einmal z.B. ein Buch schreibt, das auf der Parteilinie liegt, ist der Auflagenerfolg garantiert – jedenfalls bei mitgliederstarken Parteien, die in den eigenen Medien auf dieses Buch hinweisen. Wenn man ein Buch schreibt, das konträr zur Parteilinie liegt, verbessert dies den wirtschaftlichen Bucherfolg erheblich. Denn auf diese Weise erreicht man eine Öffentlichkeit weit über die Parteigrenzen hinaus. Wenn man es dann auch noch schafft, ein Parteiausschlussverfahren zu provozieren, potenziert sich der Erfolg noch einmal deutlich. Längst ist man in einem Bereich, in dem sich die eigene Parteimitgliedschaft refinanziert hat. Nachdem diese Mitgliedschaft bereits abgeschrieben ist, kann man auf dem Klagewege versuchen, noch weiteren Nutzen zu ziehen und den wirtschaftlichen Erfolg aus dem Buch und möglichen weiteren Büchern noch weiter zu steigern. Das auf diesem Wege geschaffene Erregungspotenzial ist inzwischen so groß, dass weitere erfolgssteigernde Berichterstattung in den Medien garantiert ist. Negative Meldungen erhöhen die Erregung noch und bieten ggf. neue Klagemöglichkeiten, usw.

Ein unerschöpflicher Brunnen, wenn man sich die Mühe macht, ein derartiges Buch zu schreiben: Ein Thema mit einer gewissen inneren Spannung, ein paar steile Thesen gegen den Strom der entsprechenden Partei und diese in provozierender Kombination mit passend ausgewählten Statistiken. Viel Erfolg! – Reinhard Koine

 

Der SPD- Politiker Sarrazin soll aus  seiner Partei   wegen seines   Buches „ Feindliche Übernahme“  ausgeschlossen werden.  In diesem Buch beleuchtet Sarrazin kritisch die muslimische Gesellschaft, ein absolutes Tabu für  Deutschland, weil es  die   Muslime im Land verärgern könnte  und die Geschäfte  mit den reichen  islamischen Ländern stört. Bei Wahlen  bemühen sich insbesondere  CDU und Grüne  um   die  vielen  muslimischen Wähler.  Sie wissen, die meisten   Stimmen    bekommt  derjenige,  der verspricht die  Zuwanderung  zu erleichtern  und  kritische Äußerungen gegenüber  dem Islam vermeidet.

Mit seinem Buch „Feindliche Übernahme „ hat Sarrazin alle die Probleme, welche  die Politiker  aus Angst  vor dem  Islam  unter den Tisch gekehrt haben, hervorgeholt.  Dies  macht  sie  natürlich wütend auf Sarrazin, lebt es sich doch  ohne  den Störenfried   viel  ruhiger.  Keine unangenehme  Fragen, wie: „ Steht das Grundgesetz über dem muslimischen Recht oder umgekehrt.“ Ja, da ist guter Rat teuer. Das Grundgesetz  wurde  von Menschen gemacht, das muslimische Recht kommt aber von Gott. „ Sind die Frauen nun Menschen zweiter Klasse?“  etc. Was die Kritiker von Sarrazin  übersehen,  Integration kann nur gelingen, wenn die Anzahl der Zuwanderer ein  gewisses Niveau nicht übersteigt und  alle  Probleme  ausdiskutiert werden.   Bevor man  über das Buch von Sarrazin  ein Urteil fällt, sollte man es erst einmal  lesen,dann  seinen  eigenen Verstand befragen und  erst dann  kritisieren.  Viele, die sich über Sarrazin ereifern, haben sein  Buch mit Sicherheit nicht gelesen. Sarrazin  hat viele Fakten zusammengetragen. Die meisten halten  jeder objektiven Überprüfung stand.  Man muss  ja nicht all´ seinen  Schlussfolgerungen   zustimmen. Es ist aber auf alle Fälle ein lesenswertes Buch.  – Dr. Karl-Albert Hahn


 

Leserbriefe zu „»Ganz viel Danke«“ von Nadine Ahr im ZEIT Magazin

Gerade habe ich den Artikel über Ihr Engagement und Ihre Arbeit im Zeit     Magazin gelesen. Ich wünsche Ihnen die Kraft, noch vielen Frauen bei den     schrecklichen Folgewirkungen der Beschneidung  zu helfen. Waldfriede ist     ein Ort der Hoffnung. Ich habe in 25 Jahren in der     Entwicklungszusammenarbeit vor Ort auch als Mann das Leiden der Frauen     in den betroffenen Ländern Afrikas miterlebt. Menschen wie Sie sind ein     leuchtender Stern in dieser Welt. Ich wünsche Ihnen, dass viele Frauen     dankbar sein können über ein kleines aber ganz wichtiges Stück     Selbstbestimmung.          Ich bewundere Ihre Arbeit und wünsche Ihnen viel Erfolg und vielleicht     auch Nachahmer in anderen deutschen Kliniken. Sie werden gebraucht. –     Willi Zimmermann

 

Es ist einfach schlimm, was mit einer  Beschneidung der Vagina aus  Tradition heraus,  den jungen mislimischen Frauen in ihrer Heimat angetan und zugemutet wird.  In dem sehr einfühlsamen und engagierten Bericht von Nadine Ahr,  wird uns das Drama, was daraus erwächst,  sehr engagiert , drastisch vor Augen geführt.  Der engagierten Ärztin Cornelia Strunz ist für ihre mit viel Empathie  den Frauen gegenüber,  angebotene Hilfe,  mehr als zu danken. Sie und ihre Mithelfer sind nicht nur Mitfühlend, sondern auch mutig.  Denn nicht zuletzt sind sie durch die Gegner ihres Tuns in der Schußlinie. Noch mehr solche engagierte Menschen braucht unsere Gesellschaft unbedingt! – Günter Heuzeroth

 

Der  Artikel hat mich nicht nur sehr traurig gemacht, sondern so wütend, dass ich zur Terroristin werden könnte, um all die an dem Elend der Mädchen und Frauen Beteiligten zu vernichten. Und anfangen würde ich bei der UN und allen ihren verlogenen Institutionen. Sitzen nicht Vertreter aus Guinea, Somalia, Burkina Faso, Kenia, Äthiopien etc. in diesen Organisationen? Und was tun unsere Menschenrechtler? Sie dulden diese Staaten mit ihren barbarischen Sitten. Das ist ein Skandal. Ich bin überzeugt, dass man die Verstümmelung der Mädchen beenden könnte, wenn die Vertreter anderer Länder darauf bestehen  und mit Ausschluss drohen würden. Aber wahrscheinlich sind Mitgliederbeiträge für diese Organisationen wichtiger als Menschenrechte. Vielen Dank der wunderbaren Frau Dr Strunz und ihrem Team für die Hilfe, die sie den Armen Frauen geben. – K.Göggel


 

Leserbriefe zu „Verhöhnt und ausgetrickst“ von Kerstin Kohlenberg

Sie können noch so viel Müll über Trump ausschütten.  Der hat die volle Unterstützung seiner Landsleute.  Trump wird nur noch Ausländer in sein Land lassen, die von Nutzen sind. Die Gegner von Trump haben Schuld auf sich gezogen, wie das auch in Deutschland der Fall ist. Die Demokraten in den USA waren noch nie so uneins wie heute. Trump sorgt endlich für klare Verhältnisse. Solch ein Mann fehlt uns in Deutschland. Es gibt sie in der AfD. Davon wollen sie natürlich nichts wissen. Weil sie, wie in der ehemaligen DDR, einer Kopfwäsche unterzogen worden sind.  Die Umerziehung war ein Flop. Deswegen lassen sich heute die Ostdeutschen  vom Westen nicht beeinflussen, weil sie das zur genüge durchlitten haben. Viele sind wieder in den Osten zurückgekehrt. Die hatten die Schnauze voll von den Linken. Von denen geht nämlich die eigentliche Gefahr aus unser Land zu opfern.  – Gunter Knauer

 

Trump beleidigt Abgeordnete mit Migrationshintergrund Er hat sie auf Herkunft reduziert.  Warum lassen sich die Amerikaner das so unerwidert bieten ? Da wäre doch mal die amerikanische Presse gefordert. Warum begibt man sich nicht einmal auf die gleiche billige Ebene und pöbelt zurück.   First Lady Melania Trump, gebürtige Slowenin. Ivana Trump geboren in der Tschecheslowakei. Das sind Trumps Frauen, keine Amerikanerinnen. Die können doch auch zurück gehen und ihr Land in Ordnung bringen.  Warum ist man da nicht brutaler und aggressiver  Bei diesem Menschen ist jede Rücksicht überflüssig. – Martin Seemann

 

Donald Trump zurück in die Pfalz!!! (Und eine Mauer um Kallstadt!) – Hans-Dieter Kuch


 

Leserbriefe zu „Fiese Quälgeister“ von Harro Albrecht

Mein Rezept: Kopf warmhalten, auch nachts, per Wollmütze. Bei sofortiger Anwendung100%ige Erfolgsgarantie. – Gernot Henseler

 

Der Beitrag lässt jedes Medizinerherz höher schlagen, da er durchgehend  die Kausalkette der Infektionswege bei grippalen Infekte  für Laien anschaulich und kompetent erklärt. Störend wirkt nur der dabei fortwährend  verwendete Ausdruck    „Erkältung“ , der fälschlicherweise weit verbreitet ist. Die gibt es nun mal nicht, sondern nur Ansteckungen durch Händegeben, Anniesen, Anhusten, nie verursacht durch Kälte, Zug, nasse Füße etc.    Kaltduschen hilft angeblich, da durch den Schock eine Ausschüttung des abwehrstärkenden Nebennierenrindenhormons Adrenalin erfolgt. Wenn der Körper darin „geübt“ ist, soll er auch gegen plötzliche Virusattacken besser gerüstet sein. Beim Husten-oder Niesstoß startet immerhin ein „Nasentröpferl“ mit 40 m/sec. Sehr gut auch die neben obigem Beitrag stehende Glosse über Hausmittel bei „Erkältungen“! – Dr. med. Claus Richter-Haffelder


 

Leserbriefe zu „Fischen, ohne leer zu fischen“ von Dirk Asendorpf

„Unser Schiff geht noch heute in die Barenssee, unsre Netze bringen morgen reichen Fang …“ Ein Lied der DDR-Hochseefischer. Das war früher. Heute wird die Barentssee von den beiden Anrainern gemeinsam und wohl auch vernünftig bewirtschaftet, eigentlich eine erfreuliche Nachricht, dass man gemeinsam kontrolliert und die Fangquoten einhält. Und dann folgt das Gruseln. Der Fisch wird nach dem Anlanden in Norwegen nach China transportiert und dort weiterverarbeitet. Dann kommt er zurück nach Westeuropa. Mit dieser Aktion leistet die Fischwirtschaft einen soliden  Eigenanteil für den Untergang des Kabeljaufangs in der Barentssee, der Artikel selbst begründet das a.a.O. Was sie mit den Händen aufbauen reißen sie mit dem A… wieder um. – Hartmut Winterfeldt

 

Ihr Artikel zum Fischfang in der Barentssee ist insofern sehr erfreulich, als darin festgestellt wird, dass sich die Kabeljaubestände dort gefestigt haben. Was aber leider nicht thematisiert wird und ja auch entscheidend zur Nachhaltigkeitsdebatte dazu gehört, ist der Transport der gefangenen Fische. Es ist kaum glaublich, dass der tiefgefrorene Fisch nach China geflogen wird, um dort filetiert zu werden. Das bedeutet Hin- und Rückflüge von jeweils ca. 20 000 km bis der Fisch beim Verbraucher angekommen ist. Der Verbrauch an Treibstoff und damit der Ausstoß von CO² ist gewaltig und eigentlich nicht mehr vertretbar. Das selbe Proble betrifft den  Transport vieler Güter ( z.B. der Transport von Krabben nach Nordafrika per Flugzeug, um dort gepuhlt zu werden) und ist somit kein Einzelfall: die Frage ist, wie soll man damit angesichts des Klimawandels umgehen? Sicher ein weites Thema, das vielleicht auch die Grenzen der Globalisierung aufzeigt und das auch der ZEIT würdig wäre.  Nun noch eine Frage zum Fisch: wird der zweimal tiefgefrorene Fisch als Frischfisch oder als gefrorener Fisch bei uns angeboten? – Karl-Hermann Windisch


 

Leserbriefe zu „Der Thymonaut““ von Christoph Drössern

Ich möchte anregen einen weiteren Effekt der sich positiv in Hinblick auf den Alterungsprozess auswirkt zu beleuchten. Im Laufe meiner Arbeit als unabhängiger Musiker in New York ist mir aufgefallen dass bekannte Vertreter der modernen Jazzmusik bis ins hohe Alter aktiv bleiben und scheinbar langsamer altern. So spielte z.B. Prof. Andrew Cyrille, geb. 1939, mit dem ich jahrelang Einzelunterricht hatte dieses Jahr mehrere Stunden den Eröffnungsabend eines Festivals welches sein Lebenswerk ehrte. Leider findet der Aspekt der vitalisierenden Wirkung bestimmter Musikformen hierzulande nur wenig Interesse, während fortgeschrittene Musiker oft der Meinung sind dass bestimmte Harmonien und rhythmische Formen definitive Effekte auf Psyche und Physis haben. https://www.rollingstone.com/music/music-live-reviews/andrew-cyrille-vision-festival-lifetime-achievement-847201/Gunter Gruner

 

Als Medizinstudent war Ich sehr verwundert über einige Äusserungen des – augenscheinlich uninformierten – Interviewten. Sowohl der beschriebene Kraftzuwachs und Fettmassenverlust als auch die psychischen Veränderungen impliziert das Interview als positive Effekte einer Verjüngung. Dabei bekam der Proband schlicht über 12 Monate das Hormon „humanes Growth Hormon“ (hGH), „Somatotropin“, ein potententes Anabolikum das auch von Bodybuildern verwendet wird, verabreicht. Wie alles im Leben sind die beschriebenen positiven Effekte wohl nur eine Seite der Medaille – denn aus der wissenschaftlichen Literatur sind krebserregende und andere negative Wirkungen bei Substitution dieses Hormons bekannt.  – Julian Probst


 

Leserbrief zu „Krieg im Golf? No way“ von Josef Joffe

Es spricht nicht für Herrn Joffe, dass er scheinbar alle Aussagen amerikanischer Politiker für bare Münze nimmt. So hegt er scheinbar keinen einzigen Zweifel daran, dass der Iran tatsächlich besagten Tanker angegriffen hat. Dies ist die These der US-Regierung, die iranische Gegenthese wird überhaupt nicht aufgegriffen. Mögliche weitere Quellen auch nicht. Ist es nicht die Aufgabe von Journalisten, die Politik kritisch zu hinterfragen? Dies gilt doch erst recht bei Fragen von Krieg oder Frieden! Die Möglichkeit, dass andere Akteure dahinterstecken könnten, oder, dass die, über jeden Zweifel erhabenen, Amerikaner den Vorfall zu ihrem Vorteil inszeniert haben könnten, wird überhaupt nicht in Betracht gezogen. Eine sehr einseitige Art des Kommentars, der historische „Tatsachen“, wie die Atomwaffen des Iraks oder ähnliches vollkommen außer Acht lässt. Schade, von der ZEIT erwarte ich mehr. Insbesondere wäre es interessant, wenn Sie sich intensiver mit solch geopolitisch wichtigen Vorgängen beschäftigen würden. So könnte man durchaus nach einer offenen Recherche zum Ergebnis kommen, dass die US-Interpretation vermutlich richtig ist. Bisher kommt mir das eher vor, wie das Wiederholen eines Glaubenssatzes, gegen den nicht verstoßen werden darf. Man muss scheinbar dran glauben, dass USA die Guten sind. – Nick Schneider


 

Leserbrief zu „Es ruckelt schon“ von  Kolja Rudzio

In der Tat, Maschinenbau hat den Wohlstand gesichert. Dann kommt die Kraftfahrzeugbranche. Wer hat das zu verantworten; die Politik. Und die Medien haben dabei geholfen. Ich gehe davon aus, daß ihr Autor gut recherchiert hat. Man kann es nicht oft genug sagen, politisch ist unser Staat ein Zwerg geworden.  Und die EU ist eine Utopie. Auch Ursula von der Leyen, die durchaus eine starke Frau ist, wird sich verheben. Es sei denn, sie stärkt zunächst die EU-Länder insgesamt und baut dann die EU wieder neu auf. Das wird allerdings viele Jahre dauern.  Zunächst müsste sich Deutschland von irgendwelchen Sanktionen grundsätzlich verabschieden. Und die Finanzierung sollte ohne Auflagen gewährt werden.  Ich spreche nur von Krediten. Mit Russland ist es ähnlich. Das jetzige Gespräch mit den Aussenministern ist ein Anfang. Nachteil: Unser Aussenminister ist zu schwach und überfordert. Wenn nicht gar ein Desaster.  Aber das wollen die Mediensie alles nicht wahrhaben. Das ist der Fluch der bösen Tat. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Laufende Ermittlungen“ von Andreas Bernard im ZEIT Magazin

Ein Kriegsgewinnler ist kein Gewinner, sondern jemand, der eine Notsituation ausnutzt, um (finanzielle) Gewinne zu erwirtschaften. Beispiel: bei einem Waffenembargo beide gegnerische Seiten mit Waffen beliefern. Man spricht auch von „Krisengewinnlern“. – Margot Neuser


 

Leserbrief zu „Nina und der Papstsohn“  von Peter Dausend

Peter Dausend bemüht sich ja stets, die armseligste Kolumne der Woche zu schreiben. Gelingt nicht immer; aber diese Woche (Ausgabe vom 18.07.19) hat er es wieder geschafft. Dem Mann ist auch nichts peinlich. – Heinz Thilmann


 

Leserbrief zu „Der Millionär und die Mädchen“ von Heike Buchter

Meinen Sie, dass die Leserschaft der ZEIT sich für Artikel mit BILD-Zeitungsniveau wie der von Heike Buchter interessiert? Solche Storys wie der über Jeffery Epstein und seine kolportierten Sexepisoden gehören weder in den Wirtschaftsteil, noch in die ZEIT. Ich finde den Wirtschaftsteil der ZEIT seit Langem schon (by far!) die schlechteste Rubrik, weil meistens langweilig, häufig wenig sachkundig und lax recherchiert und fast immer im oben schon kritisierten Story-Format, die gerade hier meines Erachtens nichts zu suchen hat. Ich wünsche mir in der ZEIT wieder einen höheren intellektuellen Anspruch an die Themen, Inhalte und Qualität der recherchierenden Journalisten. – Peter Breuninger


 

Leserbrief zu „Ein »totalitärer Schurke«“ von Mohamed Amjahid

Dass Herr Restle, seines Zeichens ausgewiesener WDR-Journalist, der AfD vorenthalten will , was er sozusagen schon im nächsten Atemzug für sich in Anspruch nimmt, nämlich Pressefreiheit (samt all ihren medialen Geschwistern wie Raum, Bühne, usw.), das ist eigentlich erstaunlich. Wirklich erschütternd ist es aber, dass den Eliten unseres politischen Systems zu AfD und Konsorten noch immer nichts Gescheiteres eingefallen ist als sie unter gesellschaftliche Dauer-Quarantäne zu stellen. – Dr. Alfred Franz


 

Leserbrief zu „Größenwahn macht klein“ von Anne Hähnig

Frau Hähnig hat recht, Höcke ist unerträglich und ist und wird immer mehr zu einer unkalkulierbaren Belastung für die AfD. Bei der Schlußfolgerung allerdings denke ich an Shakespeare: Der Wunsch ist Vater des Gedankens. – Klaus Grasenick


 

Leserbrief zu „Was passiert, wenn man spricht“ von Evelyn Finger

Bei aller berechtigter Empörung über die langsame Aufklärung lange vergangener Missbrauchsfälle in Trier und anderswo bleibt ein Dilemma bestehen: Das der Nicht-Anzeige der Taten zum Zeitpunkt des Geschehens. Da in Deutschland Täter sich nicht selbst anzeigen müssen, und auch Menschen, die Kenntnis erhalten haben über Verbrechen, dies nicht zur Anzeige bringen müssen, kann eine Tat nur dann aufgeklärt werden, kann ein vermeintlicher Täter  zur Rechenschaft und Entschädigung verurteilt werden, wenn die Staatsanwaltschaft nach einer Anzeige tätig werden  und ein Gericht ein Urteil fällen kann. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung, und erst nach dem Urteil ist der Angeklagte ein Täter. Das Anklagen wäre in erster Linie Aufgabe der Eltern der Opfer gewesen. Sie hätten hellsichtiger den schweren Schritt zur Staatsanwaltschaft  machen müssen. Erst nach 2000 hat sich die Einsicht der Bischöfe gewandelt, dass es richtig gewesen wäre, ihrerseits die Gerichte anzurufen bei Bekanntwerden von Gerüchten oder Tatsachen. Dass das Schweigen der Mitwissenden auf die Gesellschaft zurückfällt, hat Deutschland in den 50er und 60er Jahren leidvoll schon einmal erlebt , als Morde, Folterungen und andere Verbrechen der Nazi-Zeit unangeklagt und unverfolgt geblieben sind.  So wie damals bleibt ein schaler Geschmack und ein Zorn über die ausbleibende Aufklärung und Gerechtigkeit. Schritte dahin hätten damals verschiedene Menschen tun können (und müssen, wie wir heute wissen). – Alois Lienhard


 

Leserbrief zu „An Kindern soll die Welt genesen“ von Christian Gampert

Ich möchte Ihnen mein tief empfundenes Mitgefühl aussprechen! Man schickt  Sie zu den Nibelungenfestspielen nach Worms, und dann das: da mutet man Ihnen die „arktischen Christo-Bettlaken der Vorderbühne“ zu, da „knistern die Haxen fett und reimen sich auf Bett“, Ortlieb trägt einen Schlafanzug (Haben Sie den Fuchsschwanz an seinem Hinterteil gesehen?) und dann läuft Brunhild den ganzen Abend vor Ihren Augen in Strapsen herum. Eine Zumutung!

Und es kommt noch schlimmer: Sie müssen sich die Zuschauerränge teilen mit einem „schon vor Vorstellungsbeginn angetüdelten und beschwipsten Wormser Publikum“ sowie diverser „Eins.b-Politprominenz.“ Und dann noch  „rascheln die Regencapes im Publikum“ – weil ein paar Tropfen fallen – ist ja eine Freiluft-Aufführung… Wissen Sie Herr Gampert –  mir ist beim Lesen Ihrer Kritik klar geworden, dass die Wormser Aufführung an keiner Stelle Ihren qualitativ hohen ästhetischen, sprachlichen und kulturellen Ansprüchen standhält. Inwieweit diese Sie allerdings berechtigen, diverse Personen und Personengruppen unter der Gürtellinie „in die Pfanne zu hauen“, entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Hat auch mit der Aufführung selbst nichts zu tun.

Allerdings muss ich bewundern, wie Sie sich in Ihren Darlegungen zu einer beachtlich eleganten und kreativen Sprachgewalt aufschwingen! Chapeau! Nur – und da muss ich gerade erschrocken innehalten: irgendwie kommt mir das dann doch vor wie ein Anfall von verbaler Onanie , der sich am Ende in einem beeindruckenden Erguss entlädt… Alles hohle Phrasen, Herr Gampert. Ein Abgrund tut sich auf.
P.S. Habe übrigens einige Tage später die Aufführung selbst gesehen und fand sie beeindruckend, aber auch diskussionswürdig. Vielleicht lag´s auch am schönen Wetter… Und ich habe mich bemüht, nicht allzu beschwipst in die Vorstellung zu gehen. – Michael Göritz


 

Leserbrief zu „Goethe, WLAN und die Dinosaurier“ von Moritz Aisslinger und Ursula März

Das beste Dossier seit langem! Mir war das Thema so nicht bewusst und vor allem wie wichtig das für die Gesellschaft ist. Warum ist das kein großes Wahlkampfthema? Das müsste auf die Titel aller Zeitungen! Vielen Dank dafür! – Rupert


 

Leserbrief zu „Ein Au Pair? Nein, ein Panda!“ von Rudi Novotny

Ich selbst war Au Pair. Vielleicht interessiert es Sie, die andere Seite kennenzulernen:
Ich recherchiere. Mein Auslandsjahr nach dem Abitur. Erstmal weg. So richtig. Aber schön soll es da sein. Und sicher. England ist schön. London noch besser. Saubere Unterkunft, viel Freizeit, Bezahlung in Ordnung. Au Pair. Klingt gut. Es gibt viele Geschichten über Au-Pairs. Ich habe sie alle gehört. Über flirtende Väter, nichtstuende Mütter und viele verzogene Kinder. Ich weiß, dass es diese Au-Pair Familien gibt. Ich weiß auch, dass meine Familie nicht so ist. Nicht ganz. Sie sitzen morgens nicht am Tisch. Die Mutter ist im Gym. Der Vater fährt Fahrrad vor dem Fernseher. Die Kinder versenken ihre Löffel im Haferbrei. “Schmeckt es?”, frage ich, der Mensch, der plötzlich so viel Kontrolle über ihr Leben hat. Die Kinder nicken. Und ich weiß nicht, was ich sonst sagen soll. Geht mir oft so. Es ist anstrengend, immer das Richtige zu sagen. Beim Frühstück, beim Abendbrot. Im fremden Land. In einer fremden Familie. In einer fremden Rolle. Kommen die Eltern unter der Woche nach Hause, packe ich gerade die Sporttaschen für den nächsten Tag. Die Kinder sind 12. Selbstständigkeit geht hier anders. So richtig eigentlich gar nicht. Erblicken sie mich: Erschöpfter Small talk. Nach dem Küche sauber machen ziehe ich mich in mein Zimmer zurück, wo ich den Abend verbringe. Au Pair sein, heißt über Nacht zur Teilzeit-Mutter zu werden. Manchmal Zweidrittelzeit-Mutter. Von zwei beinahe pubertierenden Kindern. Mit 19. Ich liege im Bett und überlege. Ein Tee wäre jetzt schön. Ich wage mich aus meinen 10 Quadratmetern Privatsphäre und laufe in die Küche. Ob ich fragen soll? Will sie nicht stören, sie sehen sich so wenig. Ich laufe wieder nach oben. Beim Einschlafen erinnere mich, dass ich vergessen habe, den Teelöffel in die Spülmaschine zu stellen. Schon wieder. Aber ich bin schon im Schlafanzug. Ich traue mich so nicht runter. Dann also morgen besser machen. Verantwortung, wenig Privatsphäre und immer Angst, was falsch zu machen. Mein Jahr als Au Pair? Nur die ersten drei Monate. Dann wurde es richtig gut. Die Kinder fingen an, mich anzusehen. Mit mir zu sprechen. Mich zu respektieren. Mich zu mögen. Wir hatten es richtig schön. Die Eltern gaben mir Raum. Und nahmen sich die Zeit, mich kennenzulernen. Dann hatten wir plötzlich viel zu erzählen. Und unseren Alltag gefunden. Die Familie behandelte mich stets als gleichwertig. Familienfreunde nicht immer. Eine wertvolle Erfahrung für die Zukunft. Kellner, Putzkräfte und Kindermädchen bekommen heute ein extra großes Lächeln von mir. Und ein dickes Danke. Au Pair sein ist eine intensive Erfahrung, die nicht immer angemessen respektiert wird. Irgendwie verständlich, die meisten wissen eben nicht, wie es ist. Und erwarten sehr viel. Ich war nicht die perfekte Au Pair. Aber meine Familie war auch nicht perfekt. Umso besser passten wir zusammen. Am Ende des Jahres lachten wir über den Anfang. Als ich nie wusste, was ich sagen sollte. Oder wie ich ständig mein Besteck draußen liegen gelassen habe. Und als ich ging, wusste ich, dass in London immer ein Bett auf mich wartet. Und ein kleines bisschen Zuhause. – Mirjam Dietrich


 

Leserbrief zu „»Übrigens, Dad, wir gehen demonstrieren«“ von Christoph Dallach im ZEIT Magazin

Radiohead sind eigentlich nur eine „One-Man-Rockband“ mit dem Sänger Thom Yorke, einem Obergrübler, der den jetzigen Zustand unserer Welt überhaupt nicht mag. Thom Yorke scheint aber auch ganz genau zu wissen, dass er diesen schlechten Zustand des Globus, nicht in einem besseren Zustand transformieren kann. Thom Yorke weiß wahrscheinlich ganz genau, dass unsere Erde nur noch ein Auslauf-Modell ist, das er trotzdem nicht ohne Gegenwehr so akzeptiern kann und will. – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zu „Kommunen: Übernimmt der Bund ihre Schulden?“ von Mark Schieritz

Auch in Nürnberg hat es sehr viele Baustellen. Das „Volksbad“ soll saniert werden, nachdem es Jahrzehnte lang, vor sich hingemodert ist. Die Zeppelinstribühne aus der „Nazi-Zeit“, soll aufwendig aufgemöbelt werden, und das Delfinarium, das letzte seiner Art in Deutschland, soll aufwendig nachgebessert werden. Alles höchst umstrittene Projekte hier in Nürnberg, aber irgendwo müssen die Steuergelder, ganz offiziell und mit der Hilfe des Bunds, „verschüttet“ werden. – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zu „Es ist etwas im Werden“ von Can Dündar

Das Männer-Trio mit Ekrem Imamoglu, Selahattin Demirtas und Ali Babacan gegen Recep Tayyip Erdogan (Präsident der Republik Türkei). Mal sehen wer sich hier durchsetzten wird. Eines jedoch, das steht schon vorab fest, die Türkei bleibt weiter in fester Männerhand. – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zu „Bloß keine Langeweile“ von Alice Bota

Ein „Spaßvogel“ aus Übersee hat die Bühne schon länger geentert und bespaßt die Welt mit seiner „One-Man-Twitter-Soup“! Der zweite folgt sogleich, und will mit seiner „No-Deal-Brexit-Show“ kreuz und quer durch die UK und durch die EU fegen! Der dritte (gelernte) „Spaßvogel“ spielt als „dienende Volks-Marionette“, in einem urkrainischen „Bauernschwank“, die Hauptrolle! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zu „Damals – Heute“ von GVR

Damals (1916), da war das eher „cool“, einzigartig, neu und mehr als skurril! Heute (2019), da ist das alles einfach nur lächerlich, „überflüssig wie ein Kropf“, und strohdumm! – Riggi Schwarz


 

Leserbrief zu „Sag nicht gleich »Weltrettung«“ von Stefan Schmitt

Wenn es doch nur darum ginge, die Welt zu retten. Geht es uns doch viel mehr darum, das »globale Wachstum« zu retten. Wobei es das ja gar nicht gibt, da unsere Welt nicht wachsen kann. Das einzige, was ständig wächst, sind unsere Ansprüche. Also könnten die doch unsere Motivation werden, auch die die Welt zu retten. Schließlich ist sie die Grundlage, auf der wir all unsere Ansprüche und Bedürfnisse befriedigen wollen: Rohstoffe, Energie, Fernreisen, Luxusgüter, gesunde Nahrung, saubere Luft… . Stefan Schmitt fragt: »Kann man das (Weltrettung) nicht anders denken?« Ja, man kann! Wenn wir unsere Welt einmal ganz nüchtern unternehmerisch betrachten. Dann ist die Antwort: unternehmerische Mitverantwortung. Uns allen gehört unser Planet. Und damit ist jeder von uns mitverantwortlich für alles, was auf der Welt geschieht – politisch, wirtschaftlich und ökologisch. Dann werden aus dem »schier überwältigend« erscheinend Notwendigen viele kleine umsetzbare Schritte, die jeder für sich – und wir alle gemeinsam – gehen können.  – Nikolaus Dahl