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29. August 2019 – Ausgabe 36

 

Leserbriefe zum Titelthema „Was kostet die Rettung der Welt?“ von Uwe Jean Heuser

Nach dem Artikel „Der Schein trägt“ (8.8.19, Nr.33) mit seiner Fundamentalkritik der Grünen, die in einer endlichen Welt immer noch vom unendlichen Wachstum träumen, nun also ein Artikel, der ein Loblied anstimmt auf „grünes Wachstum und neuer Wohlstand ohne zusätzliche Kosten für die Bürger“ und auf den Kapitalismus, der fähig sei, alle Probleme lösen zu können. Ja, dieser Kapitalismus, der in der Lage ist, die ganze Erde „mit einem Netz von Milliarden Smartphones zu überziehen“. Vergessen wir die Arbeiter, die unter erbärmlichsten Bedingungen für die Rohstoffe sorgen. Vergessen wir den immer weiter vorrückenden Earth Overshoot Day. Vergessen wir, dass die Erde endlich ist. Es ist also alles in Butter. Jetzt kann ich wieder besser schlafen. – Artur Borst

 

Die Lektüre des Artikels hat mir die Sprache verschlagen: Dass man so etwas in Deutschland im Jahre 2019 zu lesen bekommt, ist schon ein starkes Stück. Ich hätte so einen Artikel eher in einer Publikation, die von Trump authorisiert ist, erwartet. Nur 2 Kommentare:
– Eines ist sicher: Mit jedem Tag, der ohne Aktionen zur CO2-Reduzierung vergeht, erhöht die Rechnung, die uns irgendwann mal präsentiert wird – irgendwann nützt alles Geld nichts mehr (man kann vielleicht Länder zu einem „Deal“ erpressen, aber der Erde ist Geld völlig egal).
– Dass der Kapitalismus uns retten wird, halte ich für ein Märchen: Der Kapitalismus ist einer der Ursachen, die uns in den gegenwärtige Lage gebracht haben. Und der Kapitalismus verhindert mit seinem Renditedenken, dass Geld in unrentable Dinge wie saubere Luft oder sauberes Wasser investiert werden, ausser es hängt ein Preisschild dran.
Letzter Hinweis: Es sind diese Beschwichtigungsartikel, die aussagen, dass die Lage zwar schlimm ist, aber noch ist nichts verloren, die sehr gefährlich sind, denn damit verharren die Menschen in ihrer bequemen Lethargie und planen die nächsten Fernreisen, anstatt darüber zu erschrecken, wie egoistisch sie sich doch verhalten.
Allerletztes Hinweis: Angenommen, es gibt demnächst eine weltweite Wirtschaftskrise und in Folge dessen sinken die CO2-Emissionen; was hat das zu bedeuten ? Dass eine Wirtschaft in Rezession gut für das Klima ist oder dass es doch besser wäre, wenn die Welt mit den Segnungen der E-Mobilität beglückt würde ? Ersteres wirkt sofort, letzteres verschlimmert die Lage eventuell noch, aber man kann noch ein wenig die Erde ausbeuten und testen, wo die Grenzen der Erträglichkeit liegen. – Würth

 

Im Wirtschaftsteil der heutigen Ausgabe steht ein phantastischer Artikel, denn dessen Autor hält es schlicht für möglich, das die Welt ohne CO2 existieren könne. Man sollte es nicht für möglich halten, dass heute so etwas in einer grossen Zeitung stehen bleiben darf. Wir sind zum Thema Klima jetzt aber völlig ins Phantastische, eben ausschliesslich von Phantasie geleitete, Abseits gerutscht. Die Klima-Wissenschaft wurde endgültig vom Rationalen Denken ins demagogisch Utopische von Verlegern verlegt.

Da fiel mir ein, dass ich vor Kurzem ein paar Gedanken aufschrieb, bei denen ich anlangte, nachdem ich mich etliche Jahrzehnte auf akademischen Pflaster, über die deutsche Forschungsgemeinschaft hiesig, und später als Chief Environment Division bei der WMO auch international auf diesem Gebiet herumtrieb. Ich hatte einmal das office des allerersten Panel of Experts on Meteorological Aspects of Environmental Pollution, das sich Ende der 70er auflöste, weil es nicht mehr in einer politisierten statt für eine freien Wissenschaft arbeiten konnte. Keiner der Experten hielt es für möglich, dass das CO2 einen Klimawandel verursachen könne.

Ob Sie meinen Artikel verwenden ist mir egal, ich habe keinen Ehrgeiz zu beweisen, was Georg Christoph Lichtenberg einmal sagte, nämlich „Auch wenn alle einer Meinung sind, können Alle Unrecht haben“. Dazu bin ich mit 92 zu alt. Ich wünsche mir nur, dass die betreffenden Denker in Ihrer Redaktion einmal ganz unvoreingenommen meinen Text lesen, vielleicht auch, dass Sie sich auf den kommen Müsssenden Paradigmenwechsel schon mal gedanklich vorbereiten, damit die Blamage am Ende nicht ganz so gross wird. Eine Welt ohne Kohlendioxid – Reiner Wahnsinn ! Das hätten Sie nicht durchgehen lassen dürfen. Es war auch mir nun doch zu Viel.

Vom Trugschluss des Jahrhunderts
Die Erde ist auch eine Klimaanlage. Deren wichtigste Parameter sind neben der Energieversorgung durch die Sonne die Ozeane und die Wolken. Wieviel Sonnenenergie am Boden ankommt wird durch die Grösse der Albedo bestimmt, die angibt wie weiss die Erde erscheint, also wieviel der eingestrahlten Energie wieder ins Weltall reflektiert wird. Die Albedo-Bewölkung besteht aus winzigen Eiskristallen des von Erde gelieferten Wasserdampfs, der auch bis in höchsten Wolkenschichten gelangt. Als Kondensationskerne wirkt vor allem die Ionen-Korpuskular-Strahlung aus dem Weltall. Die Albedo schützt uns vor zu viel Sonnenausstrahlung. Dagegen halten die bodennahen „Wetter“-Wolken, einen Teil der Infrarotstrahlung zurück, die von der warmen Erde in den Weltraum zurückgestrahlt wird. Neben dem bei Weitem wirksamsten Wasserdampf tun das, zu einem deutlich geringeren Teil, auch andere Gase wie Methan und Kohlendioxid. Aber gegenüber der praktisch allein massgeblichen Wasserdampfkonzentration, der in nicht weniger als neun IR Absorptionsbanden aktiv ist, ist die die Wirkung des CO2 vernachlässigbar, es besitzt nur eine kräftige Absorptionsbande. Und trotz der IR Absorption der genannten Gase gelangt immer noch um die 90% der vor allem nachts vom Boden ausgehenden IR Strahlung zurück in den Weltraum. Daraus erhellt, dass die um die 10ppm anthropogenes CO2 keinen massgeblichen Einfluss auf die Temperatur in Bodennähe haben kann. Von einem Treibhauseffekt kann gar keine Rede sein. Die als Treibhausdach betrachte Wolkenschicht wurde noch nicht entdeckt. Die knapp 400 ppm natürliches CO2 sind absolut lebenswichtig für die Vegetation, die uns unsere Nahrung liefert. Der steigende Bedarf daran durch das Bevölkerungswachstum konnte durch CO2-bedingt höhere Ernteerträge zwischen 20 und 70% glücklicherweise fast ausgeglichen werden.

Nun hat man beim Auswerten von Wetterdaten eine statistische Korrelation (Zusammenhang) zwischen Bodentemperatur und CO2 Konzentration gefunden, allerdings nur mit einer Sicherheit von weniger als 99%. Dazu muss man wissen, dass eine Korrelation statistisch als gesichert gilt, wenn ihre Wahrscheinlichkeit 99,9% beträgt. 99% gelten als starke Vermutung, bis 95% kann eine weitere experimentelle Untersuchung möglicherweise noch erfolgreich sein, aber unter 95% betrachtet die Statistik einen möglichen Zusammenhang als nicht vorhanden. Die gerade erwähnte Korrelation bleibt demnach mathemathisch eine blosse Hypothese, die noch im Experiment zu beweisen wäre, was aber im Wettergeschehen kaum möglich ist, weil sich grossräumige in einem abgeschlossenen System wiederholbare Versuche mit frei wählbaren Eingangsgrössen nicht ausführen lassen. Die Korrelation Erdtemperatur (in Bodennähe) und CO2 Konzentration ist aber nicht nur deswegen hypothetisch, sondern auch, weil man nicht weiss oder wusste, welche der beiden Grössen die verursachende und die abhängige ist. Neuere paläoklimatische Untersuchungen zeigen, dass es im Laufe der Erdgeschichte stets zuerst wärmer wurde und erst danach das CO2 anstieg. Dazu muss man bedenken, dass das weitaus meiste auf der Erde vorhandene CO2 sich in den Ozeanen befindet. Die Konzentrationen in der Tiefe sind höher sind als in den oberen Schichten, eine Folge der vielen am Meeresboden aktiven Vulkane. Das CO2 (in seinen chemischen Verbindungen) übt dabei noch eine Pufferfunktion aus und so bleibt der schwach basige Charakter des Meerwassers erhalten. Die in den oberen Meeresschichten vorhandenen (gelösten) CO2 Mengen führen schon bei geringer Temperaturerhöhung zu einem deutlichen Anstieg des gasförmig frei werdenden CO2, sodass bei 10° rund 2,5 g, bei 40° nur noch rund 1 g CO2 in einem Liter Meerwasser gelöst bleiben. Das CO2 im Meer dient übrigens auch dazu, kalkhaltigen Wasserpflanzen (z.B. Korallen) das Leben zu ermöglichen.

Was in jüngster Zeit durch hochpräzise Sattelitenmessungen der NASA möglich wurde, zeigte auch, dass die zu den bekannten Klimavorhersagemodellen verwendeten Temperaturdaten oft nicht korrekt waren. Erdgebundene Beobachtungen haben unausweichlich manchen systematische Fehler. Im Laufe der Zeit rückten z.B. die Messpunkte faktisch näher an die wärmeren Städte weil diese wuchsen, der Zustand der genormten Wetterhütten änderte das notwendige Norm-Weiss wegen nachlässiger Wartung in wärmeabsorbierendes Grau, die Sonden fahrender Schiffe werden von der Wärme des metallischen Schiffskörpers beeinflusst, die Stationsdichte ist weitgehend ungenügend, bei Sattelitenmessungen aber wählbar hoch. Letztere Messungen mögen einen absoluten (aber konstanten) Fehler haben, sind aber relativ, zeitlich und räumlich höchst präzise, also die beste Methode, Änderungen sehr genau zu bestimmen. Diese Messungen zeigen dann auch einen weit flacheren Temperaturverlauf als den der besagten Modelle, vom sog. Hockeystick blieb dann nicht mehr viel übrig. In mehreren in letzter Zeit erschienenen Arbeiten konnte gezeigt werden, dass auf Daten auch unzulässige Auswahlverfahren und Ausschlussverfahren angewandt wurden, um die gewünschten Ergebnisse zu bekommen. In den USA wurde die Klage des Autors des Hockeysticks, der behauptete, seine Daten seien falsch interpretiert worden, zurückgewiesen, weil er die Originaldaten nicht herausgab

Es könnte in nächster Zeit so manche Aufhellung zu Datenmanipulationen geben und man sollte sich allmählich auf einen unausweichlich werdenden Paradigmenwechsel vorbereiten. Die gegenwärtige Klimahypothese leidet ja an einem sehr prägnanten Fehler, der einem Wissenschafter niemals unterlaufen darf. Es ist das Verweigern der in der Wissenschaft zwingend notwendigen Suche nach Zweifeln die man versuchen muss zu entkräften, bevor man eine so weittragende Behauptung aus politischen Gründen den Bürgern aufbürdet. In der Wissenschaft kann echter Fortschritt seit je nur aus dem Zweifel entstehen. Erst wenn alle Zweifel beweisbar entkräftet sind darf man eine Hypothese aufgeben. Dieser selbstverständlich sein müssende Weg ist der einzig zulässige. Nur der Klimaapokalypse ist dieser lediglich normale Verlauf nie zuteil geworden. Zweifler werden, sogar unter Drohungen oder Karriereverweigerung, zum Schweigen gebracht. Sämtliche Medien, die ja selbst keine Forschung betreiben, glücklicherweise, tun nichts Anderes als ewig dasselbe zu wiederholen und auflagenträchtig zu verstärken, hier ist die Presse nicht der wertvolle Regulator wie in der übrigen Politik. Man sucht nach immer apokalyptischeren Voraussagen,weil es eben der main stream ist, dem man sich nicht mehr entgegenstellen kann und merkantil profitabler ist als auch den Zweifeln ein gebührendes Forum zu zu gönnen. Also schreibt man als ob es nicht 1 ppm biologisch notwendiges CO2 gäbe und also ob man nicht wüsste, dass die Erde sich am Ende einer Eiszeit befindet, sich also logischerweise die Temperatur langsam erhöht, bisher über mehr als 100 Jahre rund ein Grad. Was hatten die ersten Modelle für die heutige Zeit schon alles vorausgesagt, nichts traf ein. Zu viel wurde in den Modellen unzureichend beachtet, Wolkenbewegungen, der Wasserdampf als praktisch allein entscheidender IR aktiver Parameter, um Grössenordungen stärker als das anthropogene CO2 mit dessen einziger kräftigen IR Bande. Weil in den Modellen dessen Einfluss unterschätzt wurde, musste man die CO2-Wirkung rechnerisch überschätzen um die gewünschte Vorhersagekurve zu bekommen, wie eine finnische akademische Arbeit kürzlich berichtete.

Mit den Modellen hat man übrigens auch ausgerechnet wie viel Deutschland durch das radikale Vermindern des absolut lebensnotwendigen CO2 zur Absenkung der Temperatur beitragen kann. Ergebnis 7/1000 Grad. Kein ausgesprochen grossartiger Erfolg bei einem Aufwand von 2 Billionen Euro. Es gibt keine Welt zu retten, man muss sich an die unausweichlich steigenden Temperaturen anpassen. Genug Tätigkeitsfeld für die Politik, die durch ihren ungebetenen Eingriff in die Wissenschaft Unheil genug anrichtet. Dennoch, ein Paradigmenwechsel scheint nicht mehr abwendbar! Die Schöpfung lässt sich nicht ins Handwerk pfuschen. Der Mensch in seiner kleinen Minderheit kann die Welt nicht bewegen. Er kann die notwendigen Energien nie mobilisieren. – Dazu Beispiele: Jedes der rund 7000 Gewitter täglich setzt die Energie der Hiroshima-Bombe in einer Stunde um, was diese im Bruchteil einer Sekunde schaffte. Ein einziger tropischer Wirbelsturm hat die Energie, die dem globalen Verbrauch des Menschen an elektrischer Energie eines ganzen Jahres entspricht. Wollte man die Wärme erzeugen, die der kleine Golfstrom mit sich führt, müsste man quer über den Atlantik 110000 (einhundertundzehntausend) KKW betreiben, d.h. alle 50 Meter (nicht km) eines. Das zeigt anschaulich, wie schwach der kleine Mensch ist. Dem Himmel sei Dank, denn könnte der Mensch Wetter machen, hätte er gleich wieder eine neue Kriegswaffe. Wie gut dass wir vom Wetter so wenig wissen, das wir es nicht selbst machen können. So beschützt uns eine weise Schöpfung am Ende doch. – Albert Köhler

 

In Deutschland ist die Rettung der Umwelt billiger als gedacht. Als ich mein Einfamilienhaus aus den 70er Jahren vor 5 Jahren kaufte war es mein Ziel den Karrakter des Hauses zu erhalten und es trotzdem energetisch zum Niedrigenergiehaus umzubauen. Um mich herum herrschte die Stimmung, das sich viele Massnahmen finaziell nicht rechnen. Es hat sich gezeigt das dies ein Irrglaube ist. Alle Massnahmen sind nach ca. 11 -14 Jahren amortisiert. Als Beispiel dient unser Solaranlage. Ältere Anlagen laufen hier bereits über 30 Jahre. Die Amortisation gilt auch für meine Wärmepumpe auf Geothermiebasis, meine Isolierung, meine Regenwasserversickerungsanlage, meine Sonnenthermieanlage, meine Wärmerückgewinnung aus dem Duschwasser ( Das Abwasser heizt über einen Wärmetauscher das Kaltwasser für die Dusche) und meine Insellösung, die auf 12 Volt Basis mit LED´s Keller, Garten und Garage beleuchtet. Leider sind viele Häuslebauer mit ihrem Kreditrahmen am Limmit und so nehmen viele Abstand von solchen Investitionen. Im Freundeskreis höre ich oft den Satz:“ Wir würden gerne mehr in ökologische Massnahmen investieren aber es spreng im Moment unseren finaziellen Rahmen.“ Da die Massnnahmen sich alle rechnen braucht Deutschland eine staatliche Bürgschaft und kostenlose Kredite für solche öklogischen Massnahmen. Die Finazierung wäre über die Ersparniss zu realisieren. – Marinos Loucatos

 

Was bedeutet Wohlstand? Ist Wohlstand nur finanziell bemessbar?
In Zeiten, in denen die Grenzen unserer Art wirtschaftlich tätig zu sein uns aufgezeit werden, ist die Zeit gekommen sich grundsätzlich Gedanken zu machen. Wohlstand bedeutet für mich, dass ich etwas von der Welt sehen und andere Kulturen entdecken, das heißr reisen kann. Wohlstand heißt für mich, dass ich mir das was ich wirklich benötige mir jederzeit kaufen kann, und für das was ich möchte kurzfristig etwas ansparen kann. Für mich ist aber auch eine intakte Natur Teil des Wohlstandes. Wobei wir nun schon bei einem Interessenskonflikt sind. Wie passen Konsum und das Interesse an einer intakten Natur zusammen? Nun, ich denke, da sind wir alle gefordert uns Gedanken zu machen, wie man Produkte und Dienstleistungen mit einen ökologisch geringen Verbrauch herstellen kann. Dafür benötiugen wir neue Verfahrensweisen.

Diese können aber nur von sehr gut ausgebildeten Menschen entwickelt werden. Hierzu bedarf es eines Bildungswesens, welches vor allem junge Menschen zu einem kritischen Nachdenken annimiert. Unsere Kinder müssen interdisziplinäres Denken neu erlernen. Das Wissen muss verknüpft und kritisch hinterfragt werden. Auch müssen wir unseren Kindern mehr Kreativität lehren, und die kindlich Kreativität und Neugierde erhalten und weiter entfalten. Im Kunstunterricht sollte deshalb nicht zu hart geurteilt werden. Denn jeder Mensch hat eine andere Sicht auf Schönheit. Der Kunstunterricht sollte die Kreativität fördern und lehren Kunst zu hinterfragen. Nur wer kritisch mit dieser Disziplin umgeht ist ein Künstler.

Also Wohlstand muss nicht nur monetärer Art sein. Aber in einer Zeit in der technologische Umbrüche neue Berufsfelder erschafft und andere zerstört wird es Zeit sich kritisch mit unserem Sozialsystem auseinander zu setzen. Erzeugt Druck wirklich die Kräfte, um kritische, selbstbewusste und gebildete Bürger zu haben? Wäre es nicht besser die Bürger freier entscheiden zu lassen, ob und wie sie sich für die Gesellschaft engagieren? Ich denke in einer Welt wo die Maschinen uns verschiedene Arbeiten abnehmen, müssen wir über neue Instrumente der Geldverteilung nachdenken, wie z. B. über Maschinensteuern.

Da die Digitalisierung immer wichtiger wird, stellt sich die Frage, wie man Digitalkonzerne und ihre Eigentümer genau besteuert. Um sie steuerrechtlich beurteilen zu können, muss der Erfüllungsort genau bestimmt werden. Der Erefüllungsort sollte der sein, in dem der Verbraucher sitzt. Also wenn ein deutscher Verbraucher bei einem amerikanischen Unternehmen ein zu versteuerndes Geschäft auslöst, sollte dieses auch nach dem deutschen Steuergesetzbuch versteuert werden. Eine weitere Frage ist die nach den Studierenden. Wie halten wir Hochschulabsolventen in Deutschland? Hier wäre es denkbar, wenn die Bürgermeister runde Tische mit den Studierenden runde Tische einführten um mit diesen über Zukunftsfähige Städte und Regionen zu sprechen. Dadurch könnte verhindert werden, dass diese nach dem Studiem abwandern und dadurch ein Brain Drain zu ungunsten der Hochschul-/Universitätsstadt stattfände. Dadurch könnten die Absolventen ihren aufnehmenden Städten die Zurverfügungstellung der Infrastruktur währen ihres Studiums vergüten. – Oliver Kieser

 

Ich hätte nicht erwartet, einmal eine Rechtfertigung des Kapitalismus auf Basis des Klimaschutzes zu lesen. Diese Rechtfertigung ist gründlich mißlungen. Herr Sachs, weiß, daß trotz massivem technischen Fortschritt seit 1992 der CO2-Ausstoß gestiegen ist und nicht gesunken – und zwar wegen (und nicht trotz) des ökonomischen Wachstums. Er weiß, daß „mehr Wohlstand mehr Energie verbrauche“. Trotzdem hält er an dem Konzept fest. Er setzt auf Elektrifizierung aller Lebensbereiche, sagt aber nicht, wie er diese elektrische Energie herstellen will.

Schlimm finde ich auch sein Menschenbild. Wenn man den Menschen Wohlstand wegnimmt, „enden alle Versuche … in Konflikten und Krieg“. Das „Konzept“ von Herrn Sachs stellt nicht das Ergebnis wissenschaftlicher Forschung dar, sondern ist eine Ideologie, die gerne geglaubt wird. Schließlich muß man dann nicht auf Wohlstand verzichten und kann trotzdem das Klima retten. Leider ist es Utopie. Und leider glauben auch unsere Politiker dran. Schade um die Menschheit. Die Erde wird sich anschließend wieder erholen. – Adam Romoth

 

Auch ein Weltökonom wie Prof. Jeffrey Sachs kann nicht alles über das äußerst fragile gesamt Ökosystem unserer Erde wissen. Wüsste er mehr darüber und würde er dies in seinen Denkansätzen berücksichtigen, dann müsste er zu anderen „Bedingungen“ für das Überleben der Menschheit kommen. Unseren „Wohlstand steigern“, „die fünf Sechstel der Menschheit nicht stoppen, die beim Wohlstand aufholen“(fünf Sechstel der Menschheit=6,5 Milliarden Menschen; und alle 15 Jahre ca. eine Milliarde Erdbewohner netto dazu, die auch Wohlstand haben müssen!). Welcher Wohlstand ist hier gemeint? Glauben wir etwa, „dass jedes legitime menschliche Bedürfnis Anspruch auf Befriedigung habe?“ und dass wir uns unter Ausrottung der meisten Mitgeschöpfe als „planetarische Monokultur“ auf der Erde halten können? Die Tragfähigkeit der Erde ist seit Langem schon überschritten, wie es alle , die älter als 50 Jahre sind, es spätestens seit 1990 wissen konnten und unsere Eliten es auch wussten. Ein bedeutendes Dokument, dass meine These belegt, hat DIE ZEIT 1995 veröffentlicht (ZEIT-Punkte Nr. 6, 1995, Wie teuer ist uns die Natur?). Legen Sie bitte dieses Dokument noch einmal auf, weil es nach dem „Prinzip Verantwortung“ zum Handeln anleitet. Der Beitrag von U.J. Heuser schlägt sich auf die Seite „Prinzip Hoffnung“, das uns ruhigen Schlaf geben kann aber hier nicht mehr weiterhilft. Nur an einzelnen Symptomen unserer die Menschheit bedrohenden Krise zu arbeiten, wird uns nicht retten, solange wir nicht eine weltweite Familienplanung zum negativen Wachstum der Menschheit hinbekommen. Darauf zu warten, dass Wohlstand und Bildung dass Problem von selbst löst, ist realitätsfremd. Wir sitzen alle in einem Boot, jedem Menschen steht von der Allmende Erde nur solch ein Anteil zu, dass das Ökosystem Erde dauerhaft stabil bleiben kann. Also teilen wir jedem genau seine „Verschmutzungsrechte“ zu. Bei wachsender Erdbevölkerung werden die allerdings von Jahr zu Jahr geringer. Ist das auch jedem bewusst ? – Wolf Lübcke

 

„Klimaschutz und Wohlstand sind vereinbar. … Der Preis dafür ist sogar überraschend niedrig …“ Diese wohlige These wird auf 3 Seiten mehrmals wiederholt und mit putzigen Anekdötchen angereichert, z.B. über den Kopenhagener Bürgermeister mit 5 Fahrrädern. Belege oder zumindest schlüssige Überschlagsrechnungen zur Begründung bleibt der Artikel allerdings schuldig. So zweifle ich nach der Lektüre mehr als vorher an der Wohlfühl-Behauptung des Titelblatts. – Jürgen Jäger

 

Der Artikel bringt interessante Aspekte, aber stellt es so dar, als könnte ein Klimawandel, den es immer gibt, gestoppt werden. Es fehlt auch, dass es Treibstoffe gibt, die CO2 binden, so dass die Verbrennung CO2-neutral wäre. Warum wird das nicht forciert und stattdessen die Elektromobilität, die zur Umweltschädigung beiträgt. Propagandamäßig und irreführend ist die Darstellung des pro Kopf-Emission mit Deutschland weit vorne. Tatsache und durch die Zahlen der Internationalen Energie-Agentur belegbar: Der Anteil Deutschlands ist in den letzten Jahren auf 3% der Weltweiten CO2-Emission gesunken!!! Das ist unseriös und nicht objektiv sondern suggeriert, wir könnten die Welt retten. Heißt nicht, dass wir auch etwas tun können, aber nicht durch Selbstzerstörung. – Peter Klocke

 

Ein Weltökonom wie Prof. Jeffrey Sachs hat offensichtlich nichts begriffen von der fragilen Konstruktion unseres Biosystems, sonst könnte er niemals solche unrealistischen „Bedingungen“ für die Klimarettung nennen, die gleichbedeutend ist mit Rettung der Menschheit. Es geht um ein Überleben der Menschheit! Würden wir „radikal“ im Sinne dieser Bedingungen werden, würden wir die sich abzeichnende Katastrophe nur noch beschleunigen. Welcher Wohlstand ist hier gemeint? Der Artikel basiert auf dem „Prinzip Hoffnung“, das hier verfehlt ist, weil hier die Hoffnung deutlich erkennbar trügerisch ist. Ich setze noch auf das vernachlässigte „Prinzip Verantwortung“(Hans Jonas), zu dem sich unsere Eliten endlich durchringen müssten. Wir Deutschen waren schon in den neunziger Jahren der Rettung des Weltklimas viel näher dran, als vieles, was heute darüber gesagt oder geschrieben wird. Auch DIE ZEIT war in ihren Beiträgen, ich erinnere an die engagierten Kollegen/Autoren/Streiter wie Fritz Vorholz, Jürgen Dahl, Reinard Loske, Dirk Kurbjuweit usw., viel engagierter in Umweltbelangen als sie in der Regel heute ist. Nachzulesen alles in ZEIT-Punkte Nr. 6 von 1995, „Wie teuer ist uns die Natur?“ Es wäre wünschenswert, wenn der Verlag dieses Heft noch einmal auflegt. Es liegt ihm zugrunde das „PRINZIP VERANTWORTUNG“ und scheut sich nicht über die These vom übervölkerten Planeten zu diskutieren. Wer der Frage ernsthaft nachgeht, wieviel die Natur zu ertragen noch fähig ist, wird feststellen, das wir sie heute schon bei weitem überfordern und sie sich regt, uns abzuschütteln. Letztlich wird unsere Art nicht friedlich entschlafen, sondern das Gesetz des Dschungels könnte Oberhand gewinnen. Das Zeitfenster, dieses abzuwenden, beginnt sich unwiederbringlich zu schließen. – Wolf Lübcke

 

In Ihrem Artikel verwenden Sie an manchen Stellen den Begriff „Klimaneutralität“. Ich halte diesen Begriff für gefährlich. Er ist in der öffentlichen Diskussion seit einiger Zeit an die Stelle der Emissionsreduktion getreten. Es besteht kein Zweifel, dass er eine gewisse Eleganz besitzt. Nur hilft uns das leider nicht weiter. Was ist das Problematische an der „Klimaneutralität“?
Wie wir alle wissen, ist das Klima keine Konstante. Das vorindustrielle Klima war anders als das Klima heute und dieses wird sich vom Klima in der Jahrhundertmitte wiederum unterscheiden. Neu ist beim derzeitigen Klimawandel (im Unterschied zu historischen), dass der Mensch den allergrößten Teil dazu beigetragen hat und weiterhin beiträgt. Wir wissen auch genau, dass im Wesentlichen die von ihm zusätzlich zu den natürlichen Quellen emittierten Treibhausgase die Ursache für den immer schneller vonstatten gehenden Klimawandel der heutigen Zeit ist. Was wir hingegen nicht wissen ist, wie genau die Emissionen und der Klimawandel miteinander zusammenhängen. Denn die Emissionen sind ja nicht klimawirksam, sondern die Immissionen, also die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre. Wieviel aber von den Emissionen zur Konzentration wird, hängt von vielerlei Parametern ab: Wieviel nehmen die Landpflanzen auf, wieviel die Organismen der Ozeane, wieviel wird im Wasser der Weltmeere gelöst, um nur ein paar davon zu nennen. Und vor allem: Bleibt dies so, oder ändern sich die Aufnahmefähigkeiten der genannten Senken mit dem Klimawandel selbst?

Bei der bisherigen Zielsetzung, nämlich die anthropogenen Emissionen der Treibhausgase zu reduzieren, möglichst auf null, konnte der Fortschritt relativ einfach gemessen werden. Es ist vergleichsweise leicht, die Treibhausgas-Emissionen zu bestimmen. Damit hatte man ein Werkzeug in der Hand, mit dem man einfach dokumentieren konnte, wo wir uns auf dem Weg zum Ziel befinden. Die Frage, ob das zu einem bestimmten Zeitpunkt Erreichte genügt oder ob nachgesteuert werden muss, ist so für alle nachvollziehbar zu beantworten. Zur Zeit der alternativen Fakten und der Echokammern ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Der Begriff „Klimaneutralität“ kann nicht gemessen werden. Wenn jemand, eine Person oder ein Staat, behauptet, seine Produkte oder seine Bevölkerung seien „klimaneutral“, kann er das nicht durch Messungen belegen. Ebensowenig können andere die Behauptung entkräften. Was aber nützt ein Ziel, dessen Erreichung nicht nachgeprüft werden kann? Ich befürchte, dass dadurch eher die Politikverdrossenheit weiter zunehmen wird. Denn wenn Menschen Politikern vertrauen, die ihnen sagen, sie müssten „klimaneutral“ leben und auch fleißig Produkte erwerben, die das Label führen, es aber trotzdem immer wärmer wird, weil „klimaneutral“ nur ein gewaltigeer Fake war, an dem viele verdienen konnten, der uns aber als Menschheit nicht vorangebracht hat, trägt das sicher nicht zum Vertrauensgewinn denen gegenüber bei, die mit solchen Worten jonglieren. Ich rate daher allen dazu nur Begriffe zu verwenden, die sie selbst verstehen. Das kann am besten geprüft werden, indem man sie anderen erklärt. Kommt man dabei in Nöte, muss man wohl selbst nochmal darüber nachdenken. Eines sollte jedenfalls immer beachtet werden: Wenn man sich Ziele setzt, sollte deren Erreichung für alle nachprüfbar und transparent nachvollzogen werden können. Wenn das nicht der Fall ist, schadet man dem Anliegen mehr, als dass man ihm nützt. – Dr. Helmut Wolf

 

Bezugnehmend auf Ihre Statstika „Zu wenig Regen“ für 2016 und 2019 könnte es sein, dass Photovoltaik-, Solar- und Folienfelder durch ihre Reflexionsflächen die Wolkenbildung extrem behindern oder sogar verhindern. Das wurde bisher nicht erforscht. – Dr. Karg

 

Es reicht nicht, einmal einen Artikel über Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz zu veröffentlichen und dann einen Frauenfeind wie Ernst Lothar Helwig aus Eppstein zu Wort kommen zu lassen. Oder wollte man ihn vorführen? Genauso gut könnten sie den rassistischen Leserbrief eines rechtsgesinnten vermeintlichen “Gutmenschen” veröffentlichen. Sie brauchen nur das Wort Frauen durch Schwarze (haben andere Stärken) und das Wort Männer durch Weiße zu ersetzen. Einen solchen Leserbrief würden Sie aber bestimmt nicht veröffentlichen. Rassismus ist im Gegensatz zu Frauenfeindlichkeit nicht (mehr) salonfähig und geht nicht als Kavaliersdelikt durch. Auch das sagt viel über unsere (Männer)Welt aus. Ein jeder darf jeden Schwachsinn verzapfen, wenn es um Frauen geht und wird auch noch gedruckt. Was der Mann da von sich gibt, stammt aus dem 18. Jahrhundert und noch finsteren Zeiten davor. Da wurde ja auch noch bezweifelt, ob Frauen Menschen sind, obwohl sie Menschen (sprich Männer in diesem Fall) auf die Welt setzen. Ernst Lothar liebt einfache Erklärungen für komplizierte Vorgänge, Jörg Meuthen & Co. Könnte es gefallen. Und da schließt sich der Kreis, Frauenfeindlichkeit und Rassismus gehen meist Hand in Hand.

Neulich habe ich gelesen, dass Frauenabwertung Teil der männlichen Identität sei, und Abwehr immer ein Zeichen von Angst (in diesem Fall vor Frauen), Angst vor Kontrollverlust sei. Vielleicht ist es das, was Ernst Lothar plagt. Auf jeden Fall ist es eine dümmliche Vorstellung, dass Frauen in bestimmten Branchen, Berufen, … nicht präsent sind, weil sie nicht zu hervorragendem Personal taugen bzw. andere Stärken haben (ja welche denn?), kurzum nicht Schachspielen können. Da fragt sich doch, wie so viele überdurchschnittlich erfolgreich arbeitende Männer es geschafft haben, dass unser Planet vor die Hunde geht. Weil sie sich so (bzw. zu) viel zutrauen, weil ihnen von außen so viel zugetraut wird. Für Frauen gilt das Gegenteil, obwohl ihre Gehirne nach jüngster Forschung lebenslang um einiges fitter sein sollen als die Gehirne gleichaltriger Männer (mehr Sauerstoff, besser durchblutet, mehr Power) – ahnten wir es nicht längst. Wie Mann sich täuschen kann. Ein Fehler, dass man sie nicht ins Boot gelassen hat, damit der Laden rund läuft?

Na ja, wir haben eine Bundeskanzlerin mit einem Doktor in Physik, Marie Curie hat gleich 2 Nobelpreise bekommen in Physik und Chemie (welcher Mann hat das geschafft). Lady Ada Lovelace hat die erste Computersprache auf den Weg gebracht, Mathematikerinnen (viele davon schwarze Frauen) haben die ersten Computerprogramme entwickelt und die Raketenlaufbahnen für die Raumfahrtbehörde in Cape Canaveral berechnet, so gut, dass ein berühmter Astronaut ihren Berechnungen mehr vertraut hat als dem neu eingeführten Computer. Wenig Interesse an Naturwissenschaften? Nein, Ernst Lothar weiß es nur nicht besser. Hat er sich einmal Gedanken darüber gemacht, wie es ist, nicht zu Schule gehen zu dürfen, keinen höheren Schulabschluss machen zu dürfen (kein Abitur bis 1899), nicht studieren zu dürfen (kein Studium bis 1908), keine freie Berufswahl zu haben, nicht berufstätig sein zu dürfen (nur mit Zustimmung des Ehemannes bis 1977), nicht über eigenes Geld oder sein Erbe verfügen zu dürfen, keine Redefreiheit- und Versammlungsfreiheit zu haben, kein Wahlrecht zu besitzt und sich das alles und anderes mehr erst gegen erbitterten Widerstand der anderen Bevölkerungshälfte erkämpfen zu müssen, die sich all diese Rechte verfassungsmäßig vorbehalten hat? Um auch als weiblicher Mensch etwas anderes sein zu dürfen, außer die von einem Ehemann abhängige Hausfrau und Mutter – Nonne war eine der wenigen verbleibenden Alternativen, Hildegard von Bingen hat es vorgemacht. Hat Ernst Lothar einmal daran gedacht, dass er Ursache und Wirkung verwechselt?

Aber wie sieht es in den Chefetagen der „Zeit“ aus? Wer sorgt hier dafür, dass der Laden rund läuft? Hand aufs Herz. Geht es wie im berüchtigten „Boyclub“ von Silicon Valley zu, wo Wissenschaftlerinnen gewohnheitsmäßig herausgemobbt werden, oder sitzen sie hier mit am Tisch. So modern und fortschrittlich sich Uwe Jean Heuser selbst sehen mag, er spricht in der gängigen Männersprache nur zu seiner Hälfte der Bevölkerungshälfte: Bürger, Forscher, Wissenschaftler, Unternehmer, Politiker, Ökologen, etc. Wer hat schon Frauen vor Augen bei der Lektüre. Wo bleiben die Bürgerinnen, Forscherinnen, Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen, …?

On es Ernst Lothar Helwig und anderen gefällt oder nicht, es gibt genug Studien, die belegen, dass Frauen sich durch den Maskulin (ob so genannt generisch – noch so eine Erfindung – oder nicht) kaum angesprochen fühlen. Wie sollte es schon anders sein? Aber wen kümmerts, Pech gehabt. Wenn Männer sich durch den Feminin nicht angesprochen fühlen, auf die Barrikaden gehen, wenn ihnen jemand ihnen damit kommt, können sie mit Verständnis und Mitgefühl für die Zumutung rechnen. Frauen indes mit Ablehnung. Gegen ihre zartesten Versuche, sprachlich nicht unter den Tisch zu fallen, wird prompt ins Feld gezogen: zu umständlich, zu kompliziert, zu unklar, etc.. Und wenn diese Männer Frauen einfach nichts gönnen Können/wollen? Obwohl sie doch alle eine Mutter haben, ohne die sie nicht wären. Das ist der Dank, keine Herzensbildung, keine Manieren, würde meine Oma sagen. Oder mit Shakespare: Wen niemals eine Wunde quälte, macht sich über Narben lustig. Dass kann Ernst Lothar Helwig ganz gut. Da ist es vielleicht kein Zufall, dass in der Umwelt- und Klimabewegung überdurchschnittlich viele junge Frauen aktiv sind, Greta zum Beispiel, während sich bei den Rechten über 80% Männer tummeln. Die weibliche Bevölkerungshälfte wird nicht nur sprachlich ignoriert, die Sprache bringt nur zum Ausdruck, wie es um Gleichberechtigung steht: Frauen profitieren viel weniger vom System männlicher Privilegien. Und wer weniger zu verlieren hat, schaut gerne mal über den Tellerrand.

Aber es gibt auch Ausnahmen: ein empathischer französischer Philosoph war schon im 19. Jahrhundert weiter als Ernst Lothar Helwig und Co.: Seiner Überzeugung nach sind Frauen in allen Wissenschaften und Künsten gleichermaßen wie Männer begabt und sollen zum Wohle der Gesellschaft in allen mit ihnen wetteifern. Der Fortschritt einer Gesellschaft maß er an der Situation der Frauen. Er hielt es für den besten Indikator. Wenn man sich in der Welt so umschaut, spricht vieles dafür. Kein Fortschritt ohne Parität.

Wenn die Journalisten der Zeit (und anderer Printmedien, Funk, Fernsehen) so fortschrittlich sein wollen, wie sie sich wähnen, müssen sie auch zu ihren Leserinnen (Zuschauerinnen) stehen und sie ansprechen, grammatikalisch korrekt und höflich, wie es sich gehört. Bis dahin verzichte ich lieber auf regelmäßige Lektüre. Welche Frau will sich schon den Appetit verderben. Eine jeder (selbst konservativer) Politiker geht inzwischen mit gutem Beispiel voran und spricht Bürgerinnen und Bürger, Wählerinnen und Wähler korrekt an, außer vielleicht Jörg Meuthen und Co. – Claudia Erb

 

Wohlstand und Klimaschutz sind vereinbar – das stand auf der Titelseite einleitend zu dem Artikel im Wirtschaftsteil. Es klang nach Besänftigung, als wolle jemand sagen, keine Sorge, du musst deine jährlichen Flugreisen nicht aufgeben, damit das Klima sich nicht weiter erwärmt. Beim Lesen der Worte Jeffrey Sachs, die dann anfangs im Artikel zitiert werden, klingt es ähnlich: Der wachsende Wohlstand dürfe nicht gestoppt werden. Wie das Ganze aber ohne Verzicht oder Veränderung funktionieren soll, dafür werden keine richtigen Lösungen aufgezeigt. Es wird sogar von Atomenergie gesprochen. Das macht mich wütend; wieder einmal wurde nicht nach Ursachen gesucht und weiter gedacht, sondern vorschnelle, unechte Lösungen gegeben. E-Autos sind nur solange gut, bis heraus kommt, dass sie ja doch eine ganze Menge Strom verbrauchen, der nichts mit CO2-Null zu tun hat und die Batterieproduktion aufwendiger als bei herkömmlichen Autos ist. Genauso mit recycelbarem Plastik, für das keine vernünftige Entsorgung besteht, Bio-Siegel, die nicht wirklich grün sind und, und, und. Das Problem sind nicht die fehlenden Lösungen der Wirtschaft, diese werden geboten, das Problem ist die Wirtschaft selber. Denn so wie sie besteht wird das E-Auto nicht eingeführt, damit es die Umwelt schont, sondern damit die Autofirma angesichts steigendem Umweltbewusstseins in der Bevölkerung weiterhin Profit macht.

Das geht soweit, dass ganze neue Märkte erschlossen werden – E-Roller erstezen in der Satdt nun die Fahrräder. Der Wirtschaftsmechanismus fragt nicht nach Bedürfnissen, sondern schafft sie. Wohlstand wird benutzt, um Menschen nicht vom Konsumieren abzubringen. Aber Wohlstand ist subjektiv. Ist der E-Roller schon Teil des Wohlstands? Wie oft im Jahrzehnt, wie oft im Jahr fliegen ist Wohlstand? Wohlstand ist scher auch Gewohnheit, aber Gewohnheiten können und müssen geändert werden und das muss auch so kommuniziert werden. Wohlstand kann auch sein, einfach so mit dem Fahrrad loszufahren in den (sauberen) Wald auf guten Radwegen und frisches Gemüse zu essen. – Nele Ketels

 

Die Rettung der Welt? Dieser Titel führt in die falsche Richtung Seit bestehen der Erde wurde sie von vielen Katastrophen befallen. Sie ist nicht untergegangen. Sie hat damit bewiesen, dass sie sich Wehren kann gegen all die Katastrophen. Das kann der Mensch nicht. Also sollten wir die gesamte Thematik auf die Rettung der Menschheit Konzentrieren, denn um die geht es. – Manfred Mengewein

 

Die im Artikel genannten „Bedingungen des Unterfangens“ beziehen sich auf sechs Sechstel der Menschheit. Spielt damit der perspektivische Zuwachs an Menschen keine Rolle oder reiht man sich in die religiöse Naivität über die Menschheit ein? Denn der bedeutsame Einfluss der Weltreligionen auf die Unersättlichkeit der Menschheit beim Verzehr der Ressourcen bleibt unerwähnt. Aber die geforderte Radikalität muss zuerst dem ungezügelten Zuwachs von Menschen auf allen Teilen der Erde – auch und vorbildlich erst recht in den sogenannten Wohlstandsstaaten – gelten. – Jürgen Dressler

 

Wenn ihr Autor einen Beitrag liefert, dann sitzt das. Uwe Jean Heuser hat sich scheinbar mit den richtigen Experten unterhalten. Ich fühle mich durch den Artikel gut aufgeklärt. Was ich bisher nicht sagen konnte. Das einzige was mir schwerfällt zu glauben, ist die Tatsache, das, was in Holland bereits angegangen wurde muß nicht unbedingt in den großen Industrieländern passieren. Holland hat gerade mal gut ein Zehntelfläche von Deutschland. Da kommt man mit dem Fahrrad schneller zum Ziel. – Gunter Knauer

 

Ihr Artikel ist ja interessant mit den Aussagen der Top-Klimaexperten – allerdings bleiben viele Fragen, z.B. zu den möglichen Folgen von CO²-Verpresssung. Eine ganz wichtige offene Sache ist, wie Sie sich den Grünen Kapitalismus vorstellen. Vielleicht können Sie darüber demnächst schreiben. – Walther Moser

 

Den Artikel von Uwe Jean Heuser habe ich zusammenfassend so verstanden: Politik und Gesellschaft müssen die Ärmel hochkrempeln und an allen Stellschrauben drehen, die das Klima positiv beeinflussen können. Klimapolitik muss oberste Priorität haben und hier müssen die Kräfte gebündelt werden, was nicht bedeutet, dass man andere Ziele wie soziale Verhältnisse und Wirtschaftswachstum zu vernachlässigen braucht. Das kann gelingen, wenn man in Zusammenhängen denkt und Aktivitäten entsprechend vernetzt. Dazu bedarf es einer vertieften Einsicht in die bestehenden Verhältnisse, des festen Willens, klar definierte Ziele erreichen zu wollen, der Kompetenz, strategisch ausgerichtete Maßnahmen wirkungsvoll umzusetzen, und schließlich einer konsequenten Erfolgskontrolle. Herr Heuser nennt ein solches Vorgehen „radikal“. Ich halte es schlicht für vernünftig. Man kann es auch „Management“ nennen. Der Vorschlag von Herrn Heuser ist mir sehr sympathisch. Er scheint mir allerdings recht unrealistisch zu sein, scheitern Gesellschaft und Politik doch bereits ziemlich jämmerlich an wesentlich einfacheren Problemen, wie etwa an der Bekämpfung der Wohnungsnot, um nur eines der aktuellen Beispiele zu geben. – Udo Wolter

 

Der Preis für die Rettung der Welt soll überraschend niedrig sein. Da möchte ich meine begründeten Zweifel anmelden. Was in dem Artikel hinsichtlich der Kosten der Rettung des Planeten zu finden ist, ist ein Satz von Jeffrey Sachs: „Vielleicht ein Prozent des Volkseinkommens“. Mehr nicht. Keine Frage danach, woher Jeffrey Sachs diese Zahl nimmt. Keine Aufschlüsselung, wie sich die Kosten auf die weiter oben im Artikel identifizierten zehn Aufgaben verteilen. Keine Idee, wie man Kosten für Lösungen beziffern soll, die erst noch entwickelt werden müssen. Es wird einfach diese Zahl „ein Prozent des Volkseinkommens“ als gegeben hingenommen. Wenn an so entscheidender Stelle Angaben nicht hinterfragt werden oder nachvollziehbar gemacht werden, entspricht das nicht meinem Verständnis von kritischem Journalismus. Das Versäumnis des Autors ist umso ärgerlicher, weil wir für Deutschland schon wissen, dass ein Prozent des Volkseinkommens bei weitem nicht ausreichen, um die selbstgesteckten Klimaziele zu erreichen. So wenden wir in Deutschland seit Jahren ungefähr 25 Milliarden Euro pro Jahr im Energiesektor für den Ausbau erneuerbarer Energien auf. Und ungefähr 40 Milliarden Euro pro Jahr für die Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudesektor. Allein in diesen zwei Sektoren werden zusammen mehr als 2 Prozent vom jährlichen Volkseinkommen (2.435 Milliarden Euro in 2017) aufgewendet. Mit dem bekannten Ergebnis, dass wir die selbstgesteckten Klimaziele deutlich verfehlen.

Quellen: Wikipedia, Erneuerbare-Energien-Gesetz, 7 Einspeisemengen und Vergütungszahlungen, https://de.wikipedia.org/wiki/Erneuerbare-Energien-Gesetz#EEG-Umlage_(Differenzkosten)
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Energieeffizienz in Zahlen 2018, Seite 62, https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Energie/energieeffizienz-in-zahlen-2018.pdf?__blob=publicationFile&v=5
Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2018, Seite 329, https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Jahrbuch/statistisches-jahrbuch-2018-dl.pdf?__blob=publicationFile

Um die Emissionsziele für 2030 zu erreichen, müsste Deutschland die Treibhausgas-Emissionen von 2018 jährlich um knapp 3 Prozent reduzieren (von 866 Millionen Tonnen in 2018 auf 563 Millionen Tonnen in 2018). In den letzten 10 Jahren betrug die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen im Durchschnitt lediglich rund 1 Prozent (von 976 Millionen Tonnen in 2008 auf 866 Millionen Tonnen in 2018). Deutschland müsste also seine bisherigen Anstrengungen für die Erreichung der Klimaziele für 2030 nahezu verdreifachen. Quelle: Umweltbundesamt https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/treibhausgas-emissionen-in-deutschland#textpart-1Michael Lindner

 

Uwe Jean Heuser schreibt „Die Menschheit kann das Klima retten und den Wohlstand steigern – unter einer Bedingung : Sie muss radikal werden“. – Meines Erachtens ist das „Radikale“ schon seit Jahrzehnten der „goldene Mittelweg“. — Auf der Titelseite der DIE ZEIT heißt es sogar „Klimaschutz und Wohlstand sind vereinbar. Das sagen führende Forscher auf der ganzen Welt … man muss es nur wollen“. — Forscher/Wissenschaftler können m.E. vom Wesen her auch nur Menschen wie andere Menschen sein. Bei jeder Studie bleibt mir demnach nur eine Glaubwürdigkeits-Abwägung. Das betrifft auch Prof. Jeffrey Sachs von der Columbia-Universität. Das Ziel sei klar, sagt Sachs, Mitte dieses Jahrhunderts dürfe die Menschheit das Klima nicht mehr belasten. — Er sagt viel Kluges, aber ich kann Herrn Sachs nicht glauben und folgen. Was innerhalb dieser 30 Jahre passieren wird, kann niemand wissen. 30 Jahre wären eine verantwortungslose Zeitverschwendung.

Herr Uwe Jean Heuser bezeichnet das logische vorbildliche Vorgehen von Greta Thunberg als „Greta-Kult“. Das empfinde ich als eine Beleidigung der Jugend. Es gibt m.E. nur einen Weg, um unseren Ur…enkeln vielleicht noch rechtzeitig ein Überleben oder ein Leben in Würde auf der Erdkugel zu ermöglichen. Die Durchschnitts-Bürger/innen der Industrie-Staaten müssen ihren Lebensstil eher heute als morgen ändern. Bürger/innen, die ihr Verhalten nicht ändern wollen, prangern immer die Politik und Wirtschaft an. Das ist falsch. Zum Wissenschaftler Prof. Niko Paech habe ich Vertrauen. Er sagt ganz treffend : „Souverän ist nicht, wer viel hat, sondern wenig braucht“ (Buch Befreiung vom Überfluss). Prof. Dr. Meinhard Miegel gehört ebenfalls zu den Wissenschaftlern, denen ich vertrauen kann. Er schreibt „…, dass heutiges Wachstum unseren Wohlstand nicht mehrt, sondern auf dramatische Weise verzehrt. Wollen wir ihn bewahren, müssen wir uns vom Wachstumswahn befreien, eher heute als morgen. – Das Wachstum der Wirtschaft ist zur Ersatzreligion unserer Gesellschaft geworden“ (Buch EXIT Wohlstand ohne Wachstum). – Volker Freiesleben

 

Wir tun gut daran, positive und attraktive Bilder einer klimaneutralen Zukunft zu entwerfen. In diesem Sinne bin ich dankbar für Ihren Artikel. Es gibt aber erhebliche Zweifel darab, ob das „Geoengineering“ Teil einer attraktiven Zukunft sein kann. Der Autor wirft hier verschiedene Maßnahmen in einen einzigen völlig undifferenzierten Topf. Das ist richtig schlecht. Der „CO2-Staubsauger“ ist sicher eine gute Idee. Das eingesaugte CO2 könnte sich z.B. als klimaneutraler Kunststoff nützlich machen. Die Eisen-Düngung der Ozeane oder das Einbringen von spiegelnden Schwebepartikeln in die Atmosphäre sind jedoch Verzweiflungstaten mit ungewissem Ausgang. Die internationalen Klimaschwergewichte Rahmstorf und Schellnhuber bezeichnen sie als „fragwürdigste Mittel“ und halten sie zudem auch unter Einbeziehung ökonomischer Aspekte für entbehrlich. Und die beiden sind längst nicht die einzigen, die diesen Geist gerne in der Flasche lassen würden. Auch hier sollte sich Europa nicht von den Allmachts-Phantasien der USA anstecken lassen. – Dr. Christian Voll

 

„Die ZEIT“ hat sich in den letzten Wochen mehrmals mit dem Thema „Klimawandel“ und seine Folgen für die Menschheit beschäftigt, das Niveau der seitenlangen Erörterungen verschiedener Autoren hat jedoch leider noch viel Luft nach Oben: Zwar wird, immerhin, die Existenz des Klimawandels nicht geleugnet und es wird auch nicht in Abrede gestellt, dass dieser Wandel auf menschliches Verhalten zurückzuführen ist, ansonsten aber verharrt die Argumentation im mainstream der politischen Debatte: Der Bürger soll und muss sich keine Sorgen machen, der Kapitalismus (sic!) und technische Innovationen werden’s richten, es ist ja noch immer alles gut gegangen. So schreiben die Autoren um den heißen Brei, anstatt ohne Umschweife ein paar unbequeme Wahrheiten auszusprechen: Etwa, dass das Wirtschaftswachstum unweigerlich nicht nur an ökologische, sondern auch an ökonomische Grenzen stößt (sog. „Peak-Oil“-Phänomen), oder dass die Möglichkeit, in Geld und über Märkte transferierte Wertschöpfung systematisch von ökologischen Schäden zu entkoppeln, jeder theoretischen und empirischen Grundlage entbehrt. Kein einziges Mal wird auf den sog. „rebound-effect“ verwiesen, der dazu führte, dass alle bisherigen Effizienz-Steigerungen letztlich nicht zu einem verringerten Ressourcen-Verbrauch, sondern im Gegenteil zu einer beschleunigten Umweltzerstörung geführt haben. Da war die Diskussion in den 1980er Jahren schon sehr viel weiter und differenzierter als das, was die „ZEIT“ ihren Lesern als „Lösung“ präsentiert, erinnert sei an Erich Fromm, Carl Amery, E.F. Schumacher, Erhard Eppler, Ivan Illich usw. Heutzutage könnte auf Wissenschaftler wie Niko Paech verwiesen werden, die Wege zur Post­wachstumsökonomie aufgezeigt haben mit einem (partiellen) Rückbau industrieller, vor allem global arbeitsteiliger Wertschöpfungsprozesse. Gewiss, das hätte Folgen, birgt sozialen Sprengstoff, mit dem sich die meisten politischen Parteien lieber nicht beschäftigen wollen, denn das würde eine gesellschaftliche Debatte erfordern über „Sein“ und „Haben“, über die Definition von „Verzicht“ und über die Verantwortung sowohl der Politik wie jedes/r Einzelnen für künftige Generationen. Winston Churchill hat seinen Landsleuten vor dem 2. Weltkrieg „Blut und Tränen“ in Aussicht gestellt, wenn sie ihn wählen. Er hat die Wahl – und den Krieg – bekanntlich gewonnen! – Dr. Wolfgang Eberhard Fischer

 

Die Mondlandung hatte ganz andere Rahmenbedingungen als die jetzige Herausforderung Klima:

  • Es handelte sich um einen nationalen Wettbewerb der USA mit der Sowjetunion.

Eine jeweils nationale Anstrengung im „Klimaschutz“ ist bei Treibhausgasanteilen der meisten Staaten unter 2 % eher sinnlos. Internationale Koordinierung ist sehr komplex.

  • Mit der NASA und dem genialen Wernher von Braun samt Team erstklassiger Ingenieure gab es ein klar konzipiertes sowie sukzessive fortgeschriebenes Konzept dafür.

Wir hatten Frau Dr. Merkel und die bisherige planlose „Energiewende“. Heute ist innerhalb des Stromsektors keine Instanz für alle Fragen zuständig: Die einen erzeugen je nach Bedarf, aber werden bald politisch gewollt stillgelegt, die erneuerbaren liefern einfach ab (sie bekommen ohnehin ihr üppiges Geld), und die Netzbetreiber ohne eigene Erzeugung sollen eine stabile Versorgung sicherstellen und wissen bei allen Still-Legungen nicht, wie! Das ganze kostet über 25 Mrd. € Subventionen jährlich.

  • In der Raumfahrt spielte die Verfügbarkeit ausreichend reichlicher Energiemengen aus allen Kohlenwasserstoffen faktisch keine Rolle.

Heute soll diese noch sehr reichliche Energieverfügbarkeit schrittweise eingeschränkt und durch noch nicht funktionierende teure System ersetzt werden.

  • Vor 55 Jahren spielte die wachsende Erdbevölkerung (3 – 3,2 Mrd. Menschen) noch nicht die derartig dramatische Rolle für das „Umpflügen“ der Erdoberfläche und damit den gesamten Wärmehaushalt der Erde wie heute mit 7,6 Mrd. Menschen, welche Ackerland, Siedlungen und Infrastruktur benötigen. Sehr bald werden es 10 Mrd. sein! – emer. Dr. Wolfgang Ströbele

 

Der Mensch eignet sich nicht als Klimaretter, da bleibt er lieber in seiner vertrauten Wohlstands-Oase sitzen, da kennt er sich aus, und da kann er nicht viel verkehrt machen! Radikale Veränderungen mag der Mensch überhaupt nicht; potz Blitz, zum „Donnerwetter“ noch einmal! – Klaus P. Jaworek

 

Vielen Dank für Ihren Artikel, der uns Mut machen und Hoffnung geben soll, die kommenden Herausforderungen zu begegnen. Schön wär‘s, wenn so einfach wäre. Allein mir fehlt der Glaube. All die neuen Techniken werden zu spät kommen. Viele sind bislang auch kaum mehr als Ideen. Wir sind auch noch weit entfernt unsere gesamte Mobilität auf regenerative Energien umzustellen. Abgesehen davon, dass die Nebenwirkungen neuer Techniken wie immer unterschätzt werden. Und so richtig das Beispiel der Fluorkohlenwasserstoffe ist, so wenig taugt es als Vorbild, denn das Problem mit dem CO2 ist um ein Vielfaches größer. Dort ging es um den überschaubaren Ersatz einer Gruppe von Chemikalien, jetzt geht es um nichts weniger als um einen Ersatz für alle fossilen Rohstoffe. Jegliche Veränderung müsste JETZT erfolgen, nicht erst in 10 Jahren. – Till Borchert

 

Zwecks Klima- und Wohlstandsrettung bedarf die Menschheit also einer radikalen Transformation, am besten mittels Führung und Koordination durch eine allseits anerkannte und höchst kompetente Weltregierung. Und das bei der nicht nur derzeitig überaus heterogenen, teils diffusen ökonomisch-ökologischen Betrachtungs- und Einstellungslage der irdischen Protagonisten. Der große Mark Twain befand einst ja nicht ganz zu Unrecht: „Man kann die Welt oder sich selbst ändern. Das zweite ist schwieriger.“ Ausgerechnet bei nichts weniger als der buchstäblichen Rettung der Welt indes, so fürchte ich, hat er sich gründlich geirrt. – Ira Bartsch


 

Leserbriefe zu „»Man hat mich politisch gemacht«“ von Moritz Aisslinger

Was soll mir dieser Artikel sagen? Warum ist ein Dossier über eine Buchhändlerin aus Dresden vier Tage vor der Landtagswahl in Sachsen so wichtig? Ich finde es wunderbar die Erfolgsgeschichte von Frau Dagen lesen zu können. Aber warum muss gerade zu diesem Zeitpunkt die Wandlung der hochdekorierten Buchhändlerin zur AfD-nahen Politikerin geschildert werden, sehr ausführlich kleinschrittig und – wie ich finde – auch etwas rührselig.Mir ist das zu einseitig und deshalb der ZEIT nicht würdig. Ich hoffe wieder ZEIT-gemäß ausgewogen und ausführlich informiert zu werden, so wie ich es seit über 40 Jahren gewohnt bin. – Wolfgang Lichius

 

Ich bewundere die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen für ihren Mut, frei ihre Meinung zu äußern und sich als Andersdenkende zu outen. Natürlich darf jeder in diesem Land frei seine Meinung sagen, niemand muss fürchten, ins Gefängnis zu kommen. Aber etliche Beispiele von Eva Herrman bis Matthias Matussek und von Thilo Sarrazin bis zu Uwe Tellkamp und Monika Maron zeigen, dass man schnell zum Paria, zum Ausgestoßenen wird. Kann man also einem jungen Menschen, der seine Karriere noch vor sich hat, ernsthaft raten, sich frei zu äußern und sich einzumischen? Jedenfalls, insofern er nicht Mainstream ist? Der Gebildete ist ein Leser, und mit solchen hat es Susanne Dagen zu tun. Der Gebildete lernt als Leser einen Chor von Stimmen kennen, mit denen er sich auseinandersetzen muss, er muss bereit sein, sich auf Fremdes, auch in ihm selbst, einzulassen und sich zu verändern. In diesem Sinne waren die sogenannten „Bildungsbürger“ Himmler oder Eichmann nicht gebildet, auch wenn sie Goethe gelesen oder Kants kategorischen Imperativ nicht verstanden haben. In Monika Marons Roman „Die Überläuferin“ meldet sich die Ich-Erzählerin freiwillig zu den Piraten. Das sind Wissenschaftler, Maler und Dichter, die den Nutzen des Nutzlosen erforschen wollen und aus Mangel an Forschungsmitteln das Geld durch Piraterie erwerben.

Der Chef der Piraten erklärt der Ich-Erzählerin, dass es in jedem Menschen etwas gebe, dass die Herrschenden nicht gebrauchen können, das Besondere, das Unberechenbare, Seele, Poesie, Musik. Dieses scheinbar nutzloseste Stück müsse sie finden und bewahren. Schreiben so „Rechte“ oder „Rechtsradikale“? Was unterstellt man Andersdenkenden, AfD-Sympathisanten oder -Wählern oder auch AfD-Politikern eigentlich damit? Dass sie die Demokratie abschaffen und eine Diktatur errichten wollen? Und wenn sie gar als „Nazis“ beschimpft werden: Dass sie die freie Presse abschaffen und demokratische Parteien verbieten wollen? Dass sie Bücher verbrennen wollen oder Menschen? Dass sie einen Krieg anzetteln wollen, weil „der Deutsche“ mehr Land braucht? Das heute weitgehend links-grüne Establishment sollte sich erst einmal um Begriffsklärung bemühen und sich dann kritisch mit einem ihrer demokratietheoretischen Ahnherren Rousseau auseinandersetzen, der fordert, Menschen , die nicht mit dem (von wem auch immer bestimmten) Gemeinwillen übereinstimmen, dürfen „zur Freiheit gezwungen werden“. – Klaus Lüßenhop

 

Die Reportagen und Interviews über bzw. mit Susanne Dagen sind zu einem leidigen Subgenre der Dresden-Berichterstattung geworden. Es entsteht der Eindruck, man käme an der berühmtesten Buchhändlerin der Republik nicht vorbei, wenn man ergründen will, wie der Dresdner Bildungsbürger tickt. Das damit verbundene spezifische Elbhang-Narrativ besteht schon seit der Rezeption von Uwe Tellkamps «Der Turm» (2008); seit Susanne Dagens «Erweckungserlebnis» im Gefolge der Flüchtlingskrise wurde es aktualisiert und massiv politisiert. Leider hat «Die Zeit» einen erheblichen Anteil an der Verbreitung dieses Narrativs, weil sie der Geschichte von der naiven Unschuld, die nur langsam, widerstrebend, durch die Absurdität der Verhältnisse politisiert wurde, breiten Raum einräumt – nun schon zum dritten Mal! Man könnte auch sagen, dass sie einer Virtuosin der Selbstvermarktung schlicht auf den Leim geht. Sorry, die Frau verfolgt seit 2015 eine einseitig rechte Agenda. Das wäre an sich durchaus legitim, doch Dagen will eben mehr, nämlich «Sprachrohr» sein – für eine ganze Generation und Region. Die unkritischen Interviews und Homestories der «Zeit» bestärken sie darin und blenden gleichzeitig den allergrößten Teil des vielfältigen Dresdner Kulturlebens aus. Wie man es besser macht, hat zuletzt die «taz» mit ihrer Ostredaktion gezeigt. – Dr. Stefan Kleie

 

Warum werten Sie eine rechtsextreme Rassistin und Menschenfeindin in einem dreiseitigen Dossier auf? In der Mischung aus Heldenepos und menschelndem Groschenroman soll es wohl Verständnis für ihre persönliche Entwicklung schaffen. Eine politische Auseinandersetzung ist das nicht. Was ist das Nächste? Ein Dossier über die Entwicklung des kleinen Björn Höcke vom tapferen Kindergartenkind zum konsequenten Faschisten? – Ein/e Leser/in

 

Mittlerweile kenne auch ich die Buchhandlung von Frau Dagen in Dresden, obwohl ich dort noch nie war. Es scheint die einzige Buchhandlung Deutschlands zu sein, zumindest für Die Zeit. Es ist nicht der erste Artikel über den Wandel der Besitzerin zur rechten Ikone. Ich hoffe aber, es ist der Letzte. Die vorherigen Artikel zum Thema habe ich noch gelesen, die Home-Story nicht mehr. – Ulla Kluge

 

Seit Jahren lese ich „Die Zeit“, meist mit Freude und Gewinn. Gelegentlich, wie sollte es anders sein, teile ich Ihre Auffassungen nicht . Den jüngsten Beitrag über die Buchhändlerin Dagen aus Dresden jedoch kann ich nicht unkommentiert lassen. Warum nur inszenieren, ja ästhetisieren Sie die Dame in diesem Umfang? Ihre ,zumindest in Teilen, rechte Weltsicht ist bekannt. Dafür sorgt Sie schon selbst. Das hätte genügt. Etwas Anderes, Grundsätzlicheres bedürfte jedoch durchaus der Diskussion. Allenthalben, erst Recht in diesen Tagen , liegen die Ossis auf der Couch. Man weiß nicht recht, was man mit Ihnen anfangen soll. Wie wäre es, mal einen Moment von Ihnen abzusehen? Sich der eigenen Rolle, dem eigenen Tun und Lassen zuzuwenden. Einige wenige Anregungen erlaube ich mir. Weshalb-und wer hatte ein Interesse daran – wurde und wird die DDR als Unrechtsstaat dämonisiert? ( Ein Exkurs: Ich war Teil der kirchlichen Opposition, habe dann später viele Jahre in Hessen gelebt, war mithin nicht unbedingt Sympathiesant der SED.). Warum die Linke ausgegrenzt, gleichzeitig konnten Westkader von DVU und NPD unbehelligt Ihre Strukturen aufbauen ? Warum wurde akzeptiert, das nach dem Verlust von großen Teilen der Bevölkerung zum Beispiel in Ostsachsen Bus- und Bahnverbindungen gekappt, Polizeidienststellen u.v. mehr geschlossen wurden?Argumentieren Sie bitte nicht , das dies vor allem dem Freistaat Sachsen anzulasten sei. Ein Letztes: Nach wie vor sind Ostdeutsche in Führungspositionen in Wirtschaft und Gesellschaft, als Immobilienbesitzer usw. extrem unterpräsentiert. Sie wissen das alles. Fühlt sich mancher nicht doch nicht zu Unrecht als Bürger 2. Klasse.? Es ist Zeit , dies zu ändern. Auch Sie können dazu beitragen. Viele Grüße aus Dresden. – Dr. Ralf Kuntzsch

 

Das höchst lesenswerte DOSSIER macht in eindringlicher Weise deutlich, wie wichtig, ja unverzichtbar das politische Gespräch gerade auch im privaten Kreis ist. Wenn wir uns von Menschen abwenden, ihnen einen fairen Diskurs, ja ein aufmerksames Zuhören verweigern, nur weil uns die eine oder andere ihrer Ansichten nicht gefällt, treiben wir sie geradezu zwangsläufig auf eine fatale Straße of no return in die Arme von falschen Freunden. – Ludwig Engstler-Barocco

 

Da gibt es eine Buchhändlerin in Dresden, die viele gute Ideen hat, um ihren Buchladen endlich in die schwarzen Zahlen zu bringen. Es gelingt ihr dennoch nicht, genau so wie es in Zeiten der Digitalisierung einigen hundert oder Tausend Buchhändlerkollegen in ganz Deutschland nicht gelingt. Natürlich gibt es Ausnahmen und in den „Neuen Bundesländern“ ist das vor allem Götz Kubitschek. So wandelt sich Frau Dagen von der engagierten Buchhändlerin zur noch engagierteren Rechten. Das neue rechte Sortiment kommt an, zumal sich Kubitschek als bekannter Verleger und Rechter engagiert.

Die Rettung gelingt auch dank der „Zeit“, die aus der herrlichen Kurve nach rechts einer kleinen Buchändlerin eine große Geschichte macht, in der natürlich die wirtschaftlichen Beweggründe außen vor bleiben müssen. Die schwere DDR-Vergangenheit und eine noch schwerere Kindheit bringen genug Stoff für eine lange emotionstriefende Geschichte, die sich sehr gut zur Wahlwerbung für die AFD eignet. Super Timing. – Helmut Kapferer

 

Als einer, der mit einer Buchhändlerin verheiratet war und viele Buchhändler zu Freunden hatte, kenne ich den großen Einfluss, den Buchhändler auf die Einstellung nachdenkender Bürger haben. Wie zum Beispiel ein angesehener Buchhändler die Stadt Harzburg ins nationalsozialistische Verderben geführt hat, ist in dem Buch „Das haben wir nicht gewollt“ von W. S. Allen beschrieben. Man kann nur hoffen, dass Frau Dagen sich ihrer Verantwortung bewusst ist und wieder zur Besinnung kommt. – Dr. Hans Heller

 

Ein sehr schöner Artikel. Leider schwingt wie so oft dieses Unverständnis für DIESES politische Lager mit. Ich werde und habe die AFD nicht gewählt jedoch habe ich Verständnis für manche Positionen. In mir wächst um so mehr das bedauern darüber, das die Mehrheit der intellektuelle Schicht in Deutschland anscheinend nicht offen ist für die Realität in unserem Land. Wenn man zum Proletariat gehört erlebt man ein anderes Land. Selbst Einwanderer die seit 30 Jahren hier leben würden inzwischen rechts bzw. National wählen das wiederum würde nichts bewirken. Das eigentliche Problem ist die Macht der Wirtschaft und ihrer Vertreter. Wir können zwar links rechts oder die Mitte wählen auf unsrer Lebenswiklichkeit hat das keinen Einfluss. Was hat sich für den Großteil geändert? Die Mieten steigen ins unermässliche , die Löhne stagnieren und obwohl seit 40 Jahren bekannt ist was uns Klimapolitisch bevorsteht ist der Öpnv nicht flächendeckend ausgebaut, es werden immer noch Flächenfressende Einfamilienhaussiedlungen gebaut. Bitte versuchen Sie unvoreingenommen zu reflektieren was es bedeutet wenn zum Beispiel, ungehindert günstige Fachkräfte aus dem Balkan oder Osteuropa auf den Deutschen Arbeitsmarkt drängen. Die Zeit zu lesen ist häufig ein Genuss das einzige deprimierende für mich ist der andauernde Blickwinkel des Bildungsbürgertums. – Andre Venus

 

„Für die Demagogen der AfD sind wir nicht auf die Straße gegangen.“ Die gab’s damals noch nicht! Sondern für „ein Volk“, nicht aber für ein künftiges Multikultistan! Da wäre wohl mancher lieber DDR-Bürger geblieben! Die Spaltung unserer Gesellschaft hat z u e r s t die Kanzlerin eingeleitet: nach Gutdünken, Gutmenschen- und Gutsherrenart hat sie Abkommen und Gesetze unterlaufen und gebrochen; vollzogen spätestens mit ihrer „Wir schaffen das!“ Hybris, mit der sie auch unsere europäischen Nachbarn irritiert hat. Mit der Folge, daß Deutschland seitdem, bei klammheimlicher Schadenfreude unserer europäischen „Freunde“, die Hauptlast der Fluchtbewegungen zu tragen hat! Mit Humanität und Moral hat das nichts mehr zu tun – allenfalls mit einer besonderen deutschen Hypermoral, vermutlich, wie üblich, begründet in der jüngeren deutschen Geschichte! Sonst müßte man ja automatisch den anderen europäischen Staaten Moral absprechen! Alle gesamtdeutschen Wahlbürger, die seitdem daran, besonnen oder auch schrill, Kritik üben – na, Sie wissen schon, wie die von der Mehrzahl unserer Medien immer noch genannt werden!

Wer soll versöhnen, wer den verfahrenen „Karren aus dem Dreck ziehen“? Es gibt keinen Wehner mehr in der SPD! Es kann eine(r) aus jeder politischen Gruppierung sein! Denn über allen Links-Mitte-Rechts-Richtungen rangiert der überparteiliche Auftrag des verdrängten oder vergessenen Amtseids – und der ist Richtschnur für alle verantwortlichen Politiker! Er (der Kürze und Einfachheit halber – genau so gut: sie!) muß ein Stück gegen den derzeitigen Mainstream schwimmen, den Wind des Zeitgeists in eine andere Richtung lenken; immer wieder die Schulen unserer Städte besuchen, um dort das – mögliche – künftige Gesicht Deutschlands und den – möglichen – künftigen Zeitgeist zu erahnen; muß sich befreien vom Korsett des Vier-Jahresplans einer Legislaturperiode, um unsere Zukunft durch weitsichtiges Handeln zu gestalten; muß den Keil aus unserem Volk ziehen, damit wieder „zusammenwächst, was zusammengehört“, daß alte Freundschaften wiederbelebt werden und alte Freunde nie mehr die Straßenseite wechseln, wenn sie zufällig einander begegnen; muß verhindern, daß in Zukunft ein konfliktträchtiges, explosives Polyethno-Multikulti-Parallelgesellschaften-Germanistan auf deutschem Boden entsteht! Wahrlich eine Herkulesaufgabe, die nur geschultert werden kann von einem, der auch einmal von „Blut, Schweiß und Tränen“ sich zu sprechen traut statt mit wattigen Worthülsen einlullt, der keine end- und fruchtlosen Debatten führt, sondern beherzt und entschlossen handelt, dem „Wir sind ein Volk“ leidenschaftliche Verpflichtung ist! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 

Was kommt als Nächstes? Björn Höckes Lieblingsrezepte? Was denken Sie sich dabei, Antidemokraten, die von Helden und Bürgerkrieg fabulieren, ohne nur ein Hauch von Kritik und Reflektion in einer Homestory zu präsentieren? Und dann auch noch die Narrative zu bedienen, man würde gesellschaftlich ausgegrenzt in der bundesdeutschen Gesinnungsdiktatur, wenn man nur mal seine Meinung sagt. Frau Dagen hat sich selbst „politisch gemacht“ und ebenso selbst aus der Gesellschaft herausgenommen. Ich bin froh, dass Dresden und die Kulturwelt so klare Kante zeigt. Das würde Ihnen auch gut tun. Gibt es denn in Ihrer Redaktion niemanden, der es vermag, im kritischen Gespräch die kruden menschen- und demokratieverachtenden Thesen hinter allzu bekannter immergestriger Bildungsbürgerfassade zu entlarven? Stattdessen heimelige Beschreibungen eines Buchladens, der egal wie putzig, doch ein Hort des Hasses ist. – Prof. Dr. Marc Hassenzahl

 

Gut das es Ihren ausführlichen, aspektreichen Bericht über die Dresdner Buchhändlerin gibt. Neun Jahre wohnte ich in Dresden in der Nähe des Loschwitzer Buchidylls von Susanne Dagen. Schätzte ihre geistreiche, gutgelaunte Art. Mit Bedauern las ich dann von ihrer Entwicklung. Gern würde ich meine früher unbefangenen Gespräche mit ihr trotz allem eines Tages fortführen. Weil ich hoffe, dass diejenigen, die zu Protest neigen, nicht mehr in Richtung AfD tendieren. Seit 20 Jahren wohne ich als ehemaliger Ostdeutscher in Schweiz. Hier kommt die Rechtsaußenpartei SVP auf maximal 30% und kann damit die offene, pluralistische Gesellschaft doch nicht ändern. Und ihre Vertreter können das auch nicht, mögen das bierernste Stammtischredner oder so gutgelaunte Menschen wie Frau Dagen sein. – Prof. Andreas Maercker

 

Der Artikel über die Dresdener Buchhändlerin Susanne Dagen ist Ihnen in seiner Differeziertheit gut gelungen! Jedoch macht er mich wütend und sprachlos angesichts der Dreistigkeit, mit der Susanne Dagen behauptet, die ihr zugeschriebene rechte Haltung sei ihr von außen oktroyiert worden („Man hat mich politisch gemacht.“) und der Annahme, sie sei diejenige, die sich eigentlich im Widerstand befände. Ich würde sie gern fragen: wem gegenüber? Einer anonymen linksliberalen Meinungshoheit etwa, oder einer homogen auftretenden Staatsmacht? Beides ist so großer Unsinn, dass man es kaum aushält, denn beides existiert real nicht, außer in der vereinfachten Bildgebung, die rechten Populisten leider eigen ist.

Ich finde es maßlos erschreckend, wie Tatsachen in ihr Gegenteil verkehrt werden, wie sich Behauptung an Behauptung reiht, wie verharmlost wird, wo es nichts mehr zu verharmlosen gibt. Es mag ein durchaus nachvollziehbares Anliegen gewesen sein, den Lese- und Buchmarkt zu öffnen für Projekte wie jenes von Dagen initiierte „Mit Rechten lesen“ – ok – nichts gegen eine Meinungspluralität, die damit erzeugt werden soll(te). Aber dann muss man doch bitteschön auch die Gegenpositionen gelten und miteinander ins Gespräch kommen lassen und: aushalten!!! Gerade aber das vermisse ich in ihrem Handeln. Es ist doch aber das Gegenteil von intellektueller Offenheit, wenn man sich im nationalen Schützengraben verschanzt und von dort mit Kanonen auf Spatzen schießt. Ich glaube, der neuen rechten bürgerlichen Mittelschicht ist das warme Suhlen im braunen Sumpf selbst im Grunde so peinlich, dass sich Distanz zu den eigenen Überzeugungen nur durch Projektion auf das Andere (die Flüchtlinge, die Regierung, die gleich geschalteten Medien etc.) herstellen lässt. Dabei wäre es doch – um im Terminus zu bleiben – aufrechter, man würde sich eingestehen, dass man sich da eigentlich ganz wohlfühlt. Dazu ist man dann doch leider zu feige. Wie bitter, denn das intellektuelle Potential, das sich da gerade an sich selbst verbrennt, ist der manipulative Arm der vermeintlichen „Masse von Enttäuschten“. Gefährlich! – Barbara Sievering

 

Ihr oben genannter Beitrag hat einen kleinen Schönheitsfehler: Sie machen Uwe Tellkamp den Vorwurf, dass er für von ihm genannte Zahlen keine Quelle angibt (S. 13), um ihn dann mit „existierenden Zahlen“ zu korrigieren, für die Sie ebenso keine Quelle nennen. – Georg Paulus

 

„So, so, Frau Dagen, man hat Sie politisch gemacht. Als „beste Buchhändlerin Dresdens“ werden Sie Jean-Paul Sartre kennen, demzufolge jeder Mensch in jedem Augenblick seiner Existenz die Freiheit hat zu entscheiden, was er ist und wofür er einsteht. Es sind nicht irgendwelche Personen oder Umstände, die Sie an den rechten Rand gedrängt haben. Es war Ihre ureigene Entscheidung, sich aus der Mitte zu verabschieden und nach rechts abzudriften und sich u.a. mit einem Herrn Kubitschek gemein zu machen, der Andersenkende mit „einem Schlag ins Gesicht“ überzeugen will. – Christoph Diehl

 

Ich habe lange mit mir gerungen Ihnen auf den Artikel zu antworten. Denn mich kurz zu fassen fällt mir hier schwer, es gäbe sehr viel dazu zu sagen. Eine Frage stellt sich mir, die in der Zeitungsausgabe davor gestellt wurde: die Diskriminierung der Frau am Arbeitsplatz. Würde man mit Susanne Dagen so umgehen, wenn sie ein Mann wäre? Damit meine ich das Umfeld in dem sie sich bewegt. Auch Sie erwähnen in Ihrem Artikel diese alten Herren, die meinen sie erziehen zu wollen wie ein ungehorsame Tochter. Dabei ist sie denen rein intellektuell haushoch überlegen.

Ich lebe nun seit 13 Jahren in Dresden, als Wessi wohlgemerkt. Auch Buchhändlerin von Beruf, auch hat man mich „politisch gemacht“ allerdings ehemals im Westen in den 1970 Jahren. Ich kann mich wunderbar in diese Frau hineindenken, nicht nur in sie, sondern auch in viele Menschen hier, wie Sie es beschreiben, im Bildungsbürgertum am Dresdner Elbhang und in die gelebten 30 Jahre nach der Wende. Wo dieses Gefühl herkommt, dass einem wieder diktiert wird, was man zu denken und zu sagen hat, wie ehemals in der DDR. Susanne Dagens Lesungen und Ihre Autoren sind herzerfrischend offen, niemand wird zu irgendeiner gearteten Denkweise gezwungen. Gelacht wird auch viel. Sie bietet ein weites Spektrum an Autoren an, jeder Gesinnung, so sie denn kommen wollen, noch offen sind für anderes, nicht dem Mainstream folgend. Ich werde zu keiner Denkweise gezwungen, ich werde informiert und kann selbst entscheiden. Etwas Besseres kann ich mir nicht vorstellen. Ich bin froh, dass es dieses Angebot gibt. Das Buchhaus Loschwitz sollte wieder als Buchhandlung 2019 ausgezeichnet werden, dann ist mir nicht mehr so bang, wenn ich an Deutschland denke bei der Nacht. – Gloria Ziller

 

Susanne Dagens Aussage, sie sei politisch gemacht worden, lässt eine bewusste Ambivalenz mitschwingen. Zielt das auch auf ihre Sympathie für die AfD und Pegida ab? Ausgehend jedenfalls davon, dass es ihr als intelligentem Menschen um das große Ganze, um die Vermittlung von aufklärerischen Informationen und Blickwinkeln, insbesondere das innerdeutsche Spannungsverhältnis betreffend, geht, begrenzt sie sich doch nunmehr in einer politisch rechten Sichtweise. Ein neues (politisches) Denken hat dabei Raum gefunden, realiter aber ist ihr Forum kleiner geworden. Hinzu kommt, dass die AfD nicht nur alternativ – zur bürgerlichen und sozialen Politik – das Blaue vom Himmel verspricht, sondern, freilich viel schlimmer noch, braunen Habitus initiiert und fördert, mithin eine dies- bezüglich zunehmende Vergesellschaftung billigend in Kauf nimmt. Was Deutschland allerdings derzeit am wenigsten braucht sind intelligente und intellektuelle Menschen, die sich, nicht zuletzt in Kenntnis respektive im Bewusstsein deutscher Geschichte, nicht klar und deutlich von den bezeichneten wie bezeichnenden AfD-Attitüden distanzieren. Bei jeder sinnvollen Auseinandersetzung fragen wir gegenseitig Ratio und Emotio ab, sollten und müssen Toleranz und Geduld üben. Doch die Würde aller und die Humanität gegenüber allen darf keinesfalls (jemals wieder) zur Disposition stehen; ganz gleich, von welcher Seite wir kommen und wohin wir wollen. – Matthias Bartsch

 

Seit vielen Jahren hat dieses Dossier mal wieder echte Wut beim Lesen eines Zeitungsartikels in mir hochkochen lassen. Wut darüber dass Sie sich zum Steigbügelhalter einer möchtegern intellektuellen Dame machen ließen und Wut darüber, dass Sie mit Ausnahme einiger Halbsätze keinerlei Einordnung der Aussagen von Frau Dagen vornahmen. Noch unerträglicher sind die immer gleichen Plattitüden der Ost-Vergangenheit und dass dort eben „sensibler auf derlei Dinge“ reagiert würde. Menschenfeindliche Aussagen bleiben menschenfeindlich, egal in welcher Himmelsrichtung der Republik getätigt und egal mit welcher Biografie. Quo Vadis DIE ZEIT, wenn derartiges Gedankengut über 3 Seiten abgedruckt wird?! – Felix Ginm

 

Dies ist mein erster Leserbrief – ich komme jetzt offenbar in das Alter. Ich möchte sagen, dass ich mich einigermaßen geärgert habe, dass sich in der letzten ZEIT ein ganzes Dossier mit Frau Dagen, der nach rechts gespülten Buchhändlerin aus Dresden beschäftigt hat – und zwar weil es ein Thema ist, zu dem ich nahezu genau bereits alles das und zwar sogar in diesem Jahr, sagt die Kurzrecherche, weil ich verwirrt war, als würde ich ein Buch aus Versehen zum zweiten Mal lesen, bereits in ihrer Zeitung gelesen hatte. Sogar die Bilder schienen mir ähnlich. Tellkamp und so. Und dann fehlt mir zumindest der Hinweis darauf, dass darüber ja bereits kürzlich geschrieben wurde (es war ein Artikel von Ijoma Mangold), mit der Information, was jetzt der Mehrwert sein soll, wieso man es noch mal, und ja, schon weiter, ausbreitet – und ein kleines bisschen verwundert es mich auch, weil es ja auch ein Podium ist. Kritisch oder nicht. Ich rede nicht über die Qualität der Artikel. Aber war das Sommerloch so groß? Alle mit Überblick im Urlaub? Fand ich komisch. Als würden Schüler zweimal den gleichen Aufsatz abgeben. Einmal als Aufsatz und einmal als Seminararbeit. – Magdalena Helmig


 

Leserbriefe zu „Nächste Stunde: Namen tanzen“ von Christoph Drösser et al.

In Ihrem insgesamt recht ausgewogenen und vielfältig recherchierten Artikel transportieren Sie leider ein häufiges Missverständnis: In der Waldorfschule würden Kinder „Töpfern, Häkeln und Namentanzen“ lernen, damit sie später Töpfern etc. können; Digitales würden sie nicht lernen, weil es das 1919 noch nicht gab. Ein Grundgedanke dazu: Ein Kind ist etwas grundlegend anderes als ein Erwachsener, und die Waldorfpädagogik berücksichtigt das. Wenn ein Kind etwas lernt, indem es seinen Körper betätigt, entwickelt sich daran auch das Gehirn und steht später für Notwendiges zur Verfügung. Beispiel: Balancieren erleichtert später mathematisches Verständnis (zum Beispiel Gleichungen), Stricken (! nicht Häkeln) hilft beim Vernetzen beider Gehirnhälften.

Zweites Beispiel: In der Eurythmie lernen Kinder, sich im Raum zu bewegen. Es ist nicht egal, ob ein Kind sicher rückwärts gehen, auf einem Bein stehen, die anderen im Raum wahrnehmen lernt – oder ob es in diesen Stunden nur dasitzt und Touchscreens berührt. Die körperlichen Fähigkeiten erleichtern es, sich später in der Welt zu orientieren – körperlich und geistig. Vermisst habe ich bei Ihrem Beitrag einen Blick auf Studien zu ehemaligen Waldorfschülern.

Zu digitalem Lernen: Wieder spielt der fundamentale Unterschied Kinder/ Erwachsene eine Rolle. Ein Kind versteht den Unterschied zwischen analog und digital nicht, bevor es mit seinen körperlichen Fähigkeiten und seinen Sinnen komplett in der Welt angekommen ist. Digitales zu nutzen und kreativ weiterzuentwickeln kann es auch mit 12 Jahren schnell lernen, wenn es vorher die physikalischen Grundbedingungen unseres Lebens auf der Erde reichhaltig und möglichst erlebnisreich verinnerlicht hat. Vorher schaden digitale Medien der Entwicklung des Gehirns, Studien gibt es auch dazu. Viele Waldorfschulen in Deutschland haben eine Gebührenordnung, die sich am Einkommen der Eltern orientiert. Leider kommen die Regierungen der Bundesländer ihrer verfassungsmäßigen Pflicht nicht vollständig nach, die Kosten des Lernens zu erstatten, so dass die Waldorfschulen immer noch Beiträge von den Eltern erheben müssen. Waldorfschulen sollen wie 1919 auch heute keine Schulen für Reiche sein.

Die beiden zitierten Steiner-Sätze zum Thema Rassismus bzw. Antisemitismus finde auch ich furchtbar. Trotzdem sind Ihre Urteile „Rudolf Steiner war ein Antisemit“ und „… war ein Rassist“ Unsinn, ich nenne sie auch verleumdend. Steiner trat früh dafür ein, jeden (!) Menschen individuell zu würdigen. Ihre Sätze resultieren wohl aus dem Wunsch, sich abzugrenzen und aus einem Reflex, einem Erschrecken vor bestimmten Wörtern. Es gibt dazu gründliche Untersuchungen mit Hunderten von Gegenzitaten. Die wenigen hässlichen Steiner-Zitate kann man begründet als zeitgebundene Ausrutscher sehen, wie Sie ja auch am Beispiel Israel zeigen. Mit der Realität der Waldorfschulen in der Welt haben sie tatsächlich nichts zu tun. Wer sich immer wieder auf die Zitate stürzt, droht als diffamierend und nicht objektiv dazustehen. – Claudia Stursberg

 

Gratulation : In einer Zeit, in der Globalisierung immer wichtiger wird, haben die Autoren des Artikels den Zeitgeist voll getroffen. Ja! Es gilt, die Waldorfpädagogik zu übersetzen! Sie richtet sich an alle Menschen aller Kulturen, Nationen und Religionen. Auch in der Notfallpädagogik traumarisierter Kinder haben sich die Methoden bewährt. Offenbar antwortet die Waldorfpädagogik auf die Bedürfnisse von Kindern und deren Eltern, die von herkömmlichen Bildungssystemen unerfüllt bleiben, und das global! Das kann beim hundertjährigen Geburtstag tatsächlich gefeiert werden. Das „Label“ Waldorfpädagogik ist kein Produkt, das exportiert wird, sondern folgt denen, die nach ihr suchen, fern von jeder Missionierung – ganz im Gegenteil: sie erfordert Initiative und beharrliches Engagement.

Hierbei stellt sich die Frage, was eine Waldorfschule zur Waldorfschule macht…Ist es nur das Lernen mit „Kopf, Seele und Hand“, oder geht es vielmehr auch darum, die Individualität, das Wesen des Kindes, mit echtem, liebevollem Interesse aufzuschließen? Idealerweise ziehen Eltern und Erziehende hier an einem Strang und spinnen den Erziehungsfaden von beiden Seiten. Schwierig wird es dann, wenn zu Hause andere Regeln gelten, als in den Waldorfeinrichtungen. Wie ist es z. B. mit dem Medienkonsum zu Hause? Es ist oberflächlich gedacht, dass Erziehung gelingen kann, wenn Elternhäuser erwarten, die Schule wird es schon richten! Waldorfpädagogik, Anthroposophie, ist keine Sekte, die ihre eigenen „Schriften“ und „Anhänger“ hat und mit ihrer „Lehre“ indoktriniert! Sie bezieht sich auf eine Menschenkunde, die künstlerisch auf Gesetzmässigkeiten einer Entwicklungspsychologie eingeht. Hier kommt der von Ihnen vielzitierte Goethe zum Einsatz, der unbefangen die Gesetzmässigkeiten am Leben selbst studierte – es gilt, den Schülern aller Kulturen Verantwortung und Bewusstsein am prozessualen Geschehen nahe zu bringen. Der Weg ist das Wesentliche!

So ist auch Eurythmie mehr als das Klischee, das die Autoren in der Überschrift bedienen: Der Witz, dass Waldorfschüler Ihren Namen tanzen können, ist mittlerweile abgedroschen und hat einen langen weißen Bart – es handelt sich nicht um einen „Tanz“, sondern um eine umfängliche Bewegungserziehung. Hier steigert äußere Beweglichkeit die innere und hilft, Kreativität zu entfalten. So wie Schwimmen auch mehr ist, als gemütlich im Wasser zu plantschen.

Anthroposophie und damit auch die Waldorfpädagogik, sind eine Einladung an Interessierte, einen Weg der selbstverantworteten inneren Entwicklung zu gehen. Dass es unter Steiners Schülerinnen und Schülern auch bornierte und schrullige Typen gibt, sei unbenommen. So hilft die Waldorfpädagogik die Blickrichtung von Eltern und Erziehenden zu erweitern. Wie der Name schon sagt: Anthropo-Sophie ist ein Angebot, den Menschen als Individuum in einem neuen Zusammenhang ernst zu nehmen. – Tatjana Ramazani und Dr. med.Wolfgang Streit

 

Schade, dass das Wichtigste in Ihrem Artikel für Sie das „Namentanzen“ und die aus dem Zusammerhang gerissenene antisemitische Äußerung Steiners das Wichtigste sind. Wenigstens kam es mir so vor. Spannend ist eigentlich der Grund für den Erfolg und Ausdehnung der Schulen weltweit. Nicht nur eine Aufzählung, was in der Welt passiert. Vielleicht habe ich es überlesen. Ich selbst habe mein Kinder zur Waldorfschule geschickt habe, weil ich nicht wollte, dass sie wie ich in der Oberstufe Musik oder Zeichnen, Biologie, Chemie oder Physik, Französich oder Latein abwählen müssen. Mich hat alles interessiert. Landwirtschaftliches- und Sozialpraktikum finde ich für alle sinnvoll; schreinern, plastizieren, gärtneren, Jahresarbeiten, Theater etc., auch Eurythmie, ist hilfreich für eine möglichst breite Ausbildung. Wer weiß, wohin es einen später hinzieht und man sollte in der Schule möglichst viel kennenlernen. Schade, sitzen 5. – Eberhard Schlecht

 

In Ihrem Artikel wird von den Journalisten teils sehr tendenziös und unsachlich über Waldorfschulen berichtet: Zur Leitung einer deutschen Waldorfschule gehören neben dem Lehrerkollegium und Eltern auch Vorstände, in der Regel paritätisch von beiden Seiten besetzt, die u.a. auch arbeitsrechtlich relevante Fragen klären. Schüler und Schülerinnen werden nicht nur in Häkeln und Eurythmie-Tanz unterrichtet; das ist fast schon eine boshafte Unterstellung! Das Spektrum praktischer Fächer an deutschen Waldorfschulen umfasst u.a. auch Gartenbau, Holzarbeiten, Schneidern, Schmieden, Töpfern, Buchbinden, Theateraufführungen, Feldmesspraktikum, ebenso Steinmetzpraktikum und anderes mehr. Waldorfschulen haben oft auch ein kleines Backhaus (insbesondere die im ländlichen Bereich) und an einigen Schulen wird auch Zirkusarbeit geübt.

Zu diesen Waldorfschulen gehört auch stets ein Schulorchester mit öffentlichen Auftritten. Alle Kinder werden an ein geeignetes Musikinstrument herangeführt und ab der 1.Klasse Grundschule hören die Kinder die englische und/oder französische Fremdsprache; sie machen sich zunächst mit ihrem Klang vertraut. Und wenn es in Ihrem Artikel heißt…“und vor allem: kaum Technik, weil sie nach der Waldorfüberzeugung die Konzentration und Kreativität negativ beeinflußt“, frage ich mich, was an den eben aufgeführten Lehrinhalten nicht auch Technik ist. Unser Sohn hat an der Waldorfschule nicht nur Computerunterricht gehabt, sondern es wurde ihm auf einfache Weise auch das Zehnfingerblindschreiben beigebracht. Die Waldorfschule ist keine „Depperlesschule“; fragen Sie doch einfach mal Staatsschullehrer, die Waldorfschülern das Abitur abnehmen! – Wolf Spaarmann

 

Ist Ihnen zu dem durchaus interessanten Artikel über Waldorfschulen in aller Welt keine intelligentere Überschrift eingefallen? Mussten Sie auf das alberne, abgegriffene, von Unkenntnis zeugende Klischee (Waldorfschule = Namen tanzen) zurückgreifen? Ich war enttäuscht und habe mich sehr darüber geärgert. Von DER ZEIT erwarte ich differenzierte und ernsthafte Beschäftigung mit allen Themen, auch mit dem Thema Waldorfschulen. – Monika Heidrich

 

Der Beitrag über die Waldorfpädagogik unternimmt den wertvollen Versuch, die weltweite Ausbreitung der Waldorfpädagogik zu verstehen, indem er sich Waldorfschulen in ganz unterschiedlichen kulturellen und geografischen Kontexten anschaut. Leider sind die Autoren jedoch an zwei Stellen offensichtlich einen im Internet kolportierten Vorurteil aufgesessen, Steiner sei ein Antisemit und Rassist gewesen. Solche Aussagen können nur von Autoren stammen, die Steiners Leben, Wirken und umfangreichen schriftlichen Nachlass, der in ca. 400 Bänden enthalten ist, praktisch nicht kennen. Unbestreitbar gibt es einige wenige überlieferte Zitate von Steiner, die aus heutiger Sicht unhaltbar sind und von denen sich die Waldorfschulen in ihrer „Stuttgarter Erklärung“ auch ausdrücklich distanziert haben. Es stimmt aber auch, dass Steiner sich nicht nur durch sein Lebenswerk, sondern auch in seinen Vorträgen und Schriften immer wieder nachdrücklich gegen jede Form des Antisemitismus und das Rassismus ausgesprochen hat.

Wer sich auch nur etwas Mühe macht und Steiners Leben und Schriften unvoreingenommen, d.h. wissenschaftlich betrachtet, findet beispielsweise in dem von Steiner verfassten Gründungsstatut der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft von 1923 die Sätze: «Die im Goetheanum gepflegte Anthroposophie führt zu Ergebnissen, die jedem Menschen ohne Unterschied der Nation, des Standes, der Religion als Anregung für das geistige Leben dienen können. Sie können zu einem wirklich auf brüderliche Liebe aufgebauten sozialen Leben führen. […] Die Anthroposophische Gesellschaft ist […] eine durchaus öffentliche. Ihr Mitglied kann jedermann ohne Unterschied der Nation, des Standes, der Religion, der wissenschaftlichen oder künstlerischen Überzeugung werden, der in dem Bestand einer solchen Institution, wie sie das Goetheanum in Dornach als freie Hochschule für Geisteswissenschaft ist, etwas Berechtigtes sieht.»

Es gibt zahlreiche Stellen in Steiners Werk, wo er sich ausdrücklich und mit schärfsten Worten gegen Antisemitismus ausspricht: Er sei die „Verhöhnung aller Bildungserrungenschaften” der Neuzeit, er sei ein „Ausdruck von geistiger Inferiorität”, ein „Zeugnis der Abgeschmacktheit” und das „Gegenteil jeder gesunden Vorstellungsart”. Spricht so ein Antisemit? Es gibt ebenso viele Stellen, an denen sich Steiner deutlich von Rassismus distanziert. „Ein Mensch, der heute von dem Ideal von Rassen und Nationen und Stammeszusammengehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit.“ Seriöser Journalismus muss angesichts dieser Tatsachen den Vorwurf des Rassismus bzw. des Antisemitismus wenigstens problematisieren und auch diejenigen charakterisieren, die solche Behauptungen in die Welt setzen. Wenn man auf die Intention der Anthroposophie schaut, dann sind die genannten Vorwürfe unhaltbar. Es gibt inzwischen auch mehrere wissenschaftlich fundierte Ausarbeitungen, welche dies vielfältig und umfassend zeigen. Es wäre Pflicht der Autoren gewesen, auch solche Schriften zur Kenntnis zu nehmen. – Prof. Dr. Peter Lutzker

 

„Jetzt weltweit runde Ecken“ wird launig auf Seite 1 ein Artikel zum hundertsten Geburtstag der Waldorfschule angekündigt. Dagegen muss ich energisch protestieren, nicht runde Ecken muss es heißen sondern abbe Ecken. Das ist das korrekte Klischee, ein bisschen mehr Recherche bitte! Ich bin als Architekt überwiegend für Waldorfschulen tätigt und muss das wissen. – Harry Wehner

 

Schlechter Journalismus benutzt Fragmente aus Kontexten, um Stimmungen zu produzieren, die zum falschen Urteil des Leser verführen. Alle Wissenschaften berühren heute Aspekte, die auch in der Geisteswissenschaft R. Steiners zu finden sind. Der Grund dafür liegt in der phänomenologischen Betrachtung, die als goetheanistische Methode weiterführende Aspekte freilegen kann. Auch in der Kunst der Moderne wird Steiner immer häufiger als Impulsator gewürdigt. In der Befassung mit den ästhetischen Briefen Schillers begreifen wir, daß Moral ein sittliches Verlangen werden soll. Auf diesem Wissen über Moral begründet Steiner seine Distanz zu Kant, womit die Unmöglichkeit verbunden ist, daß Steiner Rassist oder Antisemit sein könnte. Alle Werke R. Steiners sind moralisch freilassend, auch wenn Konsequenzen aufgezeigt werden. Leider haben Sie zu diesem Niveau nicht gefunden! – Christa Meingast

 

Wie sie wissen, lebe ich auch in Singapur. Dort ist die Bildung auf höchstem Niveau. Die Steiner Theorie wird dort nur für Kindergärten als geeignet angesehen. Es gibt einen solchen Kindergarten, der seit einigen Jahren existiert. Das zeigt mir mal wieder, wie klug in der Bildungsfrage in Singapur verfahren wird. Das Wissen für eine spätere berufliche Laufbahn erfordert eine andere Ausbildung, die sich an den klassischen Fächern orientieren sollte. – Gunter Knauer

 

Kleine Richtigstellung: Auch in Waldorfschulen gibt es keine weißen Rappen! Was die Gebäude von Waldorfschulen auszeichnet, sind nicht „runde Ecken“ (gibt es die?), sondern „abbe Ecken“, ein humorvoll-sprachschöpferischer Ausdruck für das Bemühen, nicht nur mit Rechtecken, sondern auch mit anderen Formen zu gestalten. Und der soziale Ursprungsimpuls hat sich keineswegs in sein Gegenteil verkehrt! Er konnte nur – mangels ähnlicher Mäzene wie Emil Molt – zum Bedauern der Waldorfschulen selber im Weiteren nicht mehr so verwirklicht werden, wie eigentlich beabsichtigt. Trotz allen Schwierigkeiten wird er immer noch in erstaunlichem Maße realisiert, was ich selber erfahren durfte. – Bernhard Wider

 

Schön und angemessen, dass die ZEIT einen Artikel zu 100 Jahren Waldorfpädagogik anbietet. Schade aber, dass die Autoren im Vorspann sich immer noch an den seit 40 Jahren geklärten alten Zöpfen etwa der Eurythmie abarbeiten, anstatt Raum zu geben für die aktuellen Tatbestände wie etwa die Weiterentwicklung der Waldorfpädagogik durch Forschung und Lehre an Instituten wie der Alanus Hochschule in Bonn/Mannheim. Es fehlt die Differenzierung der pädagogischen Vorgehensweise in Unterstufe, Mittel- und Oberstufe. Keine Würdigung erfährt die Tatsache, dass heutige Forschungserkenntnisse, wie diejenigen von Hüther , Spitzer oder Wiemann Ansätze der Waldorfpädagogik mit erstaunlicher Klarheit bestätigen. Im Bereich der internationalen Betrachtungen wird den noch in der Anfangsphase steckenden Verhältnissen in China breiten Raum gegeben, es fehlen aber als Gegenbild einer ausgewogenen Darstellung Schilderungen zur Waldorfpädagogik etwa in Sekem /Ägypten oder in den Favelas von Brasilien. – Wolfgang Raddatz

 

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel zum Thema „Waldorfschulen in aller Welt“ gelesen. Überrascht, bzw. etwas verärgert bin ich über die reißerische Art der Überschrift. Im Text kommt das Thema Eurythmie kaum vor. Ich finde es nicht adäquat die Waldorfschule ständig auf das Thema Eurythmie, Goethe oder Parsifal zu reduzieren. Ich war selber auf einer Waldorfschule, natürlich haben diese Dinge eine Rolle gespielt, die Hauptrolle spielen aber Gemeinschaft und individuelle Förderung. Auch die Lehren Rudolf Steiners waren an der Waldorfschule, die ich besucht habe, zugegeben eine der liberalsten, kein besonders großes Thema.

Die Waldorfschule hat bereits, wodurch auch immer, ein seltsames Ansehen in unserer Gesellschaft; ein Artikel mit einer solchen Überschrift ist einer vermehrten Akzeptanz in der Gesellschaft nicht förderlich.Ich werde häufig gefragt, ob ich meinen Namen tanzen kann; ja, das kann ich, aber es ist mir egal, da es darum gar nicht geht. Artikel und Überschriften wie dieser tragen dazu bei, dass die Vorurteile und das verzerrte Bild der Waldorfschule weiterhin bestehen und das Ansehen der Waldorfschule immer noch belächelt wird. Dabei ist die Waldorfschule eine ideale Grundlage für künstlerische Entfaltung aller Art (handwerklich, musikalisch und schauspielerisch). Viele Waldorfschulen haben zudem Möglichkeiten der Unterstützung für Schüler, deren Eltern sich das Schulgeld nicht leisten können, es liegt also nicht zwangsläufig an der finanziellen Situation, ob sich eine Familie für oder gegen diese Schulform entscheidet. – Heiner Wiegand

 

Da schreiben fünf (!) gutbezahlte Autoren der „Zeit“ einen Artikel zum 100jährigen Bestehen der Waldorfschulen – und was fällt ihnen als Aufhänger und Titel ein? – „Nächste Stunde: Namen tanzen“! Gähn. Vermutlich ist dieser unglaublich gute Witz genauso alt wie die Waldorfschulen, mindestens aber so alt wie oberflächliche Artikel über Waldorfschulen. Kein Fernseh-Quizmaster, der sich den Spruch mit Bart verkneifen kann, wenn ihm mal wieder ein Kandidat gegenübersitzt, der eine Waldorfschule besucht hat. Und nun also die „Zeit“. Ein weiteres, ebenso aussagekräftiges Klischee zum Thema auf der Titelseite, den fundierten Artikel ankündigend: „Jetzt weltweit runde Ecken“. Das lässt doch richtig hoffen auf einen gut recherchierten, an der Sache orientierten Artikel über ein alternatives Schulsystem, das trotz derartiger Preisgabe an die Lächerlichkeit seit 100 Jahren gedeiht. Und richtig: Bereits beim Anlesen kommt der bekannte Rassismusvorwurf, der im Lauf des Artikels gefüttert wird mit den immergleichen, aus jeglichem Zusammenhang gerissenen schreckenerregenden Steiner-Zitaten. Jede Wette, dass keiner der Autoren sich die Mühe gemacht hat, diese ohne Quellenangabe daherkommenden Zitate im Originaltext zu suchen und den gesamten Vortrag, innerhalb dessen sie geäussert wurden, zu lesen. Ist auch nicht nötig, denn die Zitate kann man in vielen mit dem Ihren ins gleiche Horn stossenden Artikeln abschreiben.

Aus gutem Grunde hat Rudolf Steiner schon vor 100 Jahren den veröffentlichten, von ihm nicht korrigierten Nachschriften seiner Vorträge einen Vermerk des Inhalts vorangestellt, dass, wer sich befleissigt fühle, das Dargestellte zu beurteilen, sich doch bitte um dessen in zahlreichen Büchern dargelegte Grundlagen bemühen möge. Das ist natürlich nicht so hip und flott, wie es unsere Zeit schätzt – aber eigentlich einzusehen. Nur: Wenn man hippe und flotte Artikelchen dahinschreiben will und ohnehin im abgesicherten Mainstream des Wohlstands-Linksliberalismus paddelt , will man sich ja nicht vorher mühsam auf ungewohnte Gedankengänge einlassen. Bleibt noch anzumerken, dass in der Septemberausgabe der Waldorfzeitschrift „Erziehungskunst“ nachzulesen ist, dass im Jahre 2000, als die Rassismusvorwürfe gegen Rudolf Steiner und die Waldorfschulen auftauchten, der Bund der Freien Waldorfschulen bis vors BVG gezogen ist – mit dem Ergebnis, dass „das so heute nicht mehr behauptet werden darf.“ Es lebe die saubere, an einem vielfältigen Geistesleben interessierte Recherche! – Christine Engels


 

Leserbriefe zu „In der Ideen-Dürre“ von Lisa Nienhaus

Sie meinen, eine der sozialen Fragen unserer Zeit wären die Zinsen? Stimmt nicht. Sozial Schwache leiden nicht unter Negativ-Zinsen. Sie habe nichts auf dem Sparkonto. Indirekt vielleicht. Weil die Wohlhabenden mit Wohnraum spekulieren. Die andere soziale Frage sind Mieten? Sehe ich auch so. Weil der reichere Teil der Bevölkerung mit Immobilien noch reicher werden will. Und weil durch jahrzehntelange strukturelle Benachteiligung ländlicher Regionen eine permanente Migration in die Städte befördert wurde. Bauen, bauen, bauen soll DIE Idee sein, das Wohnungsproblem in den Städten zu lösen? Das klappt nie! Die Baubranche ist ausgelastet, jede neue Wohnung zieht zwei Familien an. Die Krebsgeschwüre (Städte) wachsen und machen alles schlimmer. Verkehr, Ressourcenverbrauch, Stess …

Das Land stärken! Warum ziehen die Leute in die Stadt? Weil es dort lebenswichtige Infrastruktur gibt: einen Arzt gibt, einen Laden, Schulen, schnelles Internet, Arbeit (also Einkommen). Das Einkommen wird aber sofort von Immobilienbesitzern wieder abgezogen. Gleichzeitig veröden große ländliche Gebiete (und wählen (Rechts)populisten, die behaupten, Lösungen zu haben).

Denken Sie mal unter diesem Gesichtspunkt über ein bedingungsloses Grundeinkommen nach. Damit wäre es möglich, einen Laden und eine Dorfkneipe zu betreiben, weil man davon nicht unbedingt leben muss, eine Bibliothek, weil das Personal für wenig Geld arbeiten kann … Dieser oder jener Arzt würde sich eher entscheiden, aufs Land zu gehen, wenn dort nicht alles tot ist. Außerdem hätte er ebenfalls ein Grundeinkonmmen, was das Wirtschaften erleichtert. Handwerker könnten auf dem Land besser existieren – er selbst hätte ein garantiertes Auskommen und seine potentiellen Kunden etwas mehr Geld. Man könnte auch ohne Auto auf dem Land leben, wenn es dort Infrastruktur gibt. Rentner wären nicht mehr arm – Altersarmut wäre kein Thema mehr. Die erheblichen Sozialleistunen an Reiche würden wegfallen (Steuererfreibeträge für Gutverdiener sind gigantische Sozialleistungen – zumindest aus der Sicht der weniger Wohlhabenden). Immobilienspekulationen würde der Motor genommen – die Verstädterung. Am Ende wäre es sogar attraktiv für Unternehmen, aufs Land zu ziehen, weil dort Menschen für weniger Geld arbeiten können, ohne Not zu leiden? Und vielfache Milliardensubventionen an (reiche) Immobilieninvestoren würden sich erübrigen. Sämtliche Sozialleistungen könnten eingespart werden. Die Reichen würden dabei Miese machen. Sie erhalten häufig Sozialleistungen weit über dem vielfach diskutierten Satz von 1000 € je Erwachsenen. (Beispiel Baukindergeld, Kinderfreibeträge etc.) Die Dürre der Ideen findet sich weniger in der Politik, als in diesem Fall auch beim Journalismus. – Fritjof Möckel

 

.. und wenn man sich die Erbschaftssteuer für Unternehmen in Gechäftsanteilen zahlen lässt, kann man diese Erbschaftssteuer erheben ohne dass Liquidität aus den Unternehmen abfliesst und der Bürgerfond füllt sich ohne neue Schulden. – Martin Toth

 

Sie diagnostizieren in Ihrem Artikel zu Recht „ (…) Versuche, einem wirtschaftlichen Problem Herr zu werden.“
Alle wissen, dass „der Dativ dem Genitiv sein Tod ist“ (B. Sick). Und wer prinzipiell nichts gegen Sprachwandel hat, der kann ja in vielen Fällen wahrscheinlich auch mit zu viel Wandel leben. Aber im vorliegenden Fall geht es nicht darum, einem Problem ein Herr, sondern darum, Herr eines Problems zu sein. Und deswegen ist des Genitivs Tod seiner populistischen Alternative hier semantisch nicht völlig äquivalent. Schon gar nicht auf S.1. Die ZEIT ist immer noch ein Kulturgut – finde ich.
PS: Ich lese Ihre Beiträge übrigens immer gerne. – Hajo Weber

 

Au weia, Frau Nienhaus, auch wenn Ihr Appell, die wichtigen Knappheitssignale von Preisen nicht anzutasten, wichtig ist, erscheint Ihr Beitrag doch seltsam schlicht und einer Zeit-Journalistin nicht würdig. So zu tun, als gäbe es in der Politik keine weiterreichenden Ideen und als wenn alles so einfach wäre, wie Sie es darstellen, empfinde ich erstens als sachlich falsch und zweitens als unangemessene Politikerschelte, die in eine billige Kerbe haut und so der Politikerverdrossenheit Vorschub leistet.

Ich zitiere stellvertretend nur ein Beispiel: „Ja, es gibt zu wenig Wohnungen in den Städten. Die Antwort darauf ist simpel: bauen, bauen, bauen.“ Hätten Sie sich nur ein bisschen gründlicher eingearbeitet, wüssten Sie, wie vielfältig das Repertoire der Instrumente zum Umgang mit der Wohnungsknappheit etwa in Berlin ist, wie schwierig sich allerdings auch das vermeintlich so einfache „bauen, bauen, bauen“ darstellt: komplexe Vorschriften, ausgereizte Kapazitäten der Bauwirtschaft, explodierende Bodenpreise, spekulative Zurückhaltung einiger Investoren, die über Grundstücke verfügen, vielschichtige Widerstände von Bürger*innen gegen Nachverdichtung und Neubau auf der grünen Wiese allerorten, schwierige Abwägungsfragen im Hinblick auf Ökologie und vieles mehr. Der gerade beschlossene Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030 spricht dazu Bände, und er ist schon der Versuch, das alles einigermaßen verdaulich auf den Punkt zu bringen. Nun mag Berlin kein Beispiel für ein besonders leistungsfähiges Politiksystem sein, doch die Lage ist auch in anderen Metropolen nicht grundstürzend anders, und der hohen Wohnungsnachfrage in Ballungsräumen laufen derzeit viele Großstädte mit ihren Konzepten hinterher. Die Ursachen sind vielfältig, aber an der Ideenvielfalt liegt es eigentlich gerade nicht. Ich benenne mal zwei wesentliche: Erstens wirken die rechtlich verfügbaren Instrumente nicht immer so, wie man das möchte, sondern erst in einer komplexen Verschränkung vieler kleiner Ansätze und Maßnahmen, die die Städte mühsam in ihren Strategien einsetzen, zweitens die Nachwirkungen einer Periode der neoliberalen Entstaatlichung mit Verkauf städtischer Wohnungsgesellschaften und Grundstücken sowie einer erheblichen Schwächung des sozialen Wohnungsbaus und verwandter Ansätze. Ich möchte Sie gerne bitten, auch bei einer Zuspitzung von politischen Themen in einem Leitartikel auf Seite 1 ihrer journalistischen Redlichkeitspflicht besser nachzukommen. – Prof. Dr.-Ing. Uwe Altrock

 

Auf der Titelseit empfiehlt die Autorin Lisa Nienhaus doch tatsächlich als simple Antwort auf den Wohnungsmangel: bauen, bauen, bauen. Dürrer aber kann eine Idee zu diesem Thema kaum sein, denn wenn das so simpel wäre, hätten wir wohl keine Wohnungsnot. Es ist nicht einfach möglich, mehr Häuser zu bauen, denn die müssen ja meistens irgendwo stehen, deshalb heißen sie Immobilien. Die absurden Preise liegen kaum an Baukosten, sondern an den spekulativen Bodenkosten. Muss man das einer ZEIT-Autorin wirklich erklären? – Thomas Wolff

 

Lösung wäre auch statt Städte zuzubaue, mehr ÖPNV-Ausbau und funktionierendes Internet. Damit könnte man erstens z. B. verödete Land-Randbezirke nutzen als Wohnorte und zweitens mehr home-offceArbeitsplätze anbieten, d.h. Verkehr einschränken. Aber diese Lösungen wären wohl zu einfach. – Geelke Braun

 

Sie stellen einen Sachverhalt dar, der mehr als nur blamabel ist für das Land der Dichter, Denker und Besserwisser. Aber warum werden die meist unbrauchbaren Ideen und Vorschläge von den falschen Leuten in Umlauf gebracht? Vielleicht um davon abzulenken, dass wirklich etwas geschehen muss? Offensichtlich sind doch zu viele einflussreiche Mitbürger/innen mit den jetzigen Abhängigkeiten zufrieden, oder leben sogar bestens davon. Es wird höchste Zeit, dass diejenigen, die auf bezahlbare Mieten, eine angemessene Altersicherung und Verzinsung angewiesen sind, sich selbst helfen.

Doch statt wie bisher: Sparen, sparen, sparen, verschulden, verzweifeln und nur noch abbezahlen Könnte man doch: Gemeinsam sparen – gemeinsam bauen – später erwerben! Die Mieten dienen zur Finanzierung. Sie werden von der allgemeinen Entwicklung abgekoppelt und bleiben stabil. Die später schuldenfreien Wohnungen können von den Sparern zum ursprünglichen Preis (plus evtl. Sanierungen) erworben werden. – Thomas Coenen

 

46.000 Kinder in Obdachlosigkeit im Jahr 2018 – auch das gehört zu den Segnungen des freien Wohnnungsmarktes in New-York. Der häufigste Grund für die Obdachlosigkeit ihrer Familien: sie können sich das Wohnen in New York nicht mehr leisten (https://www.coalitionforthehomeless.org/basic-facts-about-homelessness-new-york-city/). Was der unregulierte Markt für Normal- und Geringverdiener anrichten kann, wird gerade an den New-Yorker Mieten deutlich: 2.400 Dollar für eine 2 Zimmer Whg. von 48 qm für eine 4-köpfige Familie in sehr durchschnittlichen Wohngegend in Brooklyn – jährlich Mieterhöhungen um einige hundert Dollar sind garantiert. Der freie Markt allein führt hier selten zu vernünftigen und dem Gemeinwohl dienenden Lösungen.

Mehr bauen ist tatsächlich notwendig. Bleibt damit allerdings allein das schlichte Ziel verbunden, vor allem viel Geld zu verdienen, würde das nicht notwendigerweise etwas an der klammen Grundversorgung mit bezahlbaren Wohnraum ändern – der Markt für teure Zweitwohnungen in der City und für leerstehende Wohnungen als Spekulationsobjekte (siehe London) ist groß. Es braucht schon die Idee, dass Wohnungen zum Wohnen da sind und Mieten nicht stärker als Löhne und Gehälter steigen dürfen. Und wenn dieser Gedanke auf Kosten der Stadtbewohnerinnen und -bewohner allzu lang ignoriert wird, braucht es eben eine Stadtgesellschaft, die ihre ureigenen Interessen sichert – mit staatlicher Regulierung. – Heike Schmidt

 

Wenn man eine durch und durch gentrifizierte Stadt gutheißt, mag Frau Nienhaus recht haben, dass ein Mietendeckel in Berlin „ökonomischer Irrsinn“ wäre. Es geht aber gerade nicht um die Wirtschaftlichkeit, sondern um das Stadtbild und das soziale Gefüge in Berlins Innenstadt, sogar im vermeintlich superreichen Prenzlauer Berg. Die steigenden Mieten (auch Gewerbemieten) haben in den letzten zehn Jahren bereits vieles verdrängt, was irgendwie anders, unkonventionell, klein, handwerklich, künstlerisch, studentisch, eben „arm, aber sexy“ war. Der zugrundeliegenden Annahme von Frau Nienhaus, dass die Berliner Innenstadt nur noch von zahlungskräftigen Bürgern bewohnt wird, für die jede Miete bezahlbar und ein Mietendeckel unnötig ist, möchten wir vehement widersprechen. Hier leben immer noch in der Mehrzahl Menschen, die sich die 6-8 Euro pro Quadratmeter gerade noch leisten können, darüber aber wird es für viele unbezahlbar. Deshalb ist der Mietendeckel bei ca. 8 Euro pro Quadratmeter grundsätzlich eine richtig gute Idee, die sich viele Innenstadt-Berliner dringend herbeisehnen und für manche leider schon zu spät kommt! Wer bereits mehr zahlt und sich das offenkundig auch leisten kann, muss nicht begünstigt werden und für Bezirke, für die 8 Euro noch zu hoch sind, könnte der Mietendeckel durchaus noch niedriger angesetzt werden. Diese Stellschrauben am Mietpreisdeckel können noch justiert werden. Alle anderen freuen sich auf die angekündigte fünfjährige Mietpreissteigerungspause und atmen dankbar durch. Dem Stadtbild wird es sicher nicht schaden. – Familie Neuß

 

In dem Artikel wird das Thema Mietendeckel aus meiner Sicht zu Unrecht verurteilt. Beispielsweise wird in Wien und anderen österreichischen Städten eine Lage-abhängige Mietendeckelung auf Altbauten seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert. Da die Mietendeckelung nur ältere Bestandsbauten betrifft gibt es noch immer genügend Anreiz in Neubauten zu investieren. – Sophia von Salisch

 

Die Mieten sind zu hoch und die Zinsen zu niedrig. Der Mietendeckel ist Quatsch, nur bauen hilft. Wie wahr, wie wahr. Komisch, dass dann niemand auf das nahe liegend kommt. Mit den niedrigen Zinsen eine Eigentumswohnung oder ein Haus kaufen und so die teuren Mieten umgehen. Gleichzeitig im Rentenalter mietfrei wohnen, auch kein Fehler. Natürlich sind nicht alle in der Lage zu kaufen, wenn aber nur ein Teil in Eigentum geht, sind wieder mehr Mietwohnungen am Markt und die Mieten werden nicht mehr weiter steigen. Also ein win win. Da brauchen wir noch nicht mal die einfallslosen Politiker dazu, das können wir ganz alleine. Wir müssen nur die Angst vor dem Eigentum ablegen. – Dieter Warth

 

Meint die Autorin mit »Ideen-Dürre« in Wahrheit den eigenen Artikel? Denn auf den »Mieten-Wahnsinn« fallen ihr scheinbar nur Lösungen ein, bei denen sich die Gemeinschaft vor die Karren der freien Marktwirtschaft spannen lassen muss, so als hätten allein finanzstarke Immobilieninvestoren ein Interesse, dass die Stadt attraktiv bleibt. Das ist natürlich falsch, der wesentliche Unterschied ist nur das Vorhandensein von Ressourcen, die sich in krasser Weise auf ein paar wenige akkumulieren. Die ja nicht hässliche Stadt Wien zeigt indes in eine andere Richtung: 400.000 Wohnungen gehören (mittelbar) der Stadt, die Mieten bleiben erschwinglich. – Benjamin Woxbrandt


 

Leserbriefe zu „Angst essen Politik auf“ von Jens Jessen

Treffend beschreibt Jens Jessen, wie mit Angst Politik gemacht wird: „Angstgesänge sind in Wahrheit Hassgesänge“. Gegen Angst, berechtigt oder unberechtigt, hilft nur Vertrauen. Doch wer liefert heute noch Vertrauen? Die täglichen Nachrichten aller Art sicher nicht. Kinder erhalten Vertrauen von ihren Eltern, wenn es gut geht. In der Gesellschaft fehlen die Väter und Mütter, auf die man sich verlassen kann. In der Politik, in der Wirtschaft, leider auch in der Kirche. Man sehnt sich nach Mahatma Gandhi, Mutter Theresa oder Albert Schweitzer. – Werner Bohn

 

Ein starkes Plädoyer für mehr Rationalität der Politik in unserer Demokratie! Fatal, wenn das Volksempfinden zum zentralen Bezugssystem für die Begründung von politischen Zielen, Konzepten und Initiativen wird! Auf Anzeichen, Mechanismen, Risiken und Nebenwirkungen weist Jens Jessen hin. Der Artikel beschreibt und analysiert die wachsende Anschlussfähigkeit des Angst-Motivs als ein deutliches Indiz für eine ungesunde Anbiederung der Politik an das ungesunde Volksempfinden. Wenn dabei der Bezug auf Angst wie ein Totschlagargument wirkt und in dieser Form immer mehr Relevanz und Akzeptanz erhält, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Träger des vorpolitischen Volksempfindens ist allerdings nicht die Angst selbst, sondern eine von allen Wahrheitskriterien enthobene Subjektivität. Angst kann vielmehr die Folge eines durch entkoppelte Gewissheiten verloren gegangenen Wirklichkeitsbezugs sein. Pfeifen im selbst erzeugten Irrgarten vermag die Angst vielleicht etwas zu bändigen. Ja, paradoxerweise kann das Angst-Motiv in der Wirkung auch die eigenen Gewissheiten bestätigen, indem sie diese – geleitet von einem Authentizitätsgefühl – von jeglicher inhaltlich bestimmten Verifikationsnotwendigkeit befreit.

Der Bezug auf Ängste kann aber auch einen Zugang zu diesen Menschen bieten. Genau diesen Zugang versuchen Politiker zu nutzen. Wo traditionelle – auch gefühlsbestimmte – Bindungen an Parteien schwinden, bietet im Wettbewerb um Wählerstimmen auch der Bezug auf Ängste Anknüpfungspunkte, um für Parteien und ihre Positionen Bindung, Zugehörigkeit, Akzeptanz und Legitimation zu erzeugen. Durchaus rational verhalten sich in diesem Sinne Politiker, wenn Sie auf solche Ängste eingehen. Das Schüren von Ängsten für die eigenen Zwecke ist dabei eine zynische Abart dieses Verhaltens. Die Psychotherapie zu dämonisieren, hilft in diesem Zusammenhang allerdings nicht.

Wo auch der Zugang „Angst“ nicht besteht, wo unhaltbare rechte oder linke Gewissheiten einfach da sind und unerschütterlich, unberührbar und in rechthaberischer Übersteigerung gerne auch triumphal daherkommen, um wirkmächtig zu erscheinen, da haben wir ein echtes Diskursproblem. Man ist in einem kontroversen Dialog mit seinem Latein schnell am Ende, wenn die Erwiderung „Das interessiert mich nicht“, „Das find ich nicht gut“ oder „Das überzeugt mich nicht“ hinreichend ist, um unangefochten bei den eigenen Gewissheiten bleiben zu können. Wo die Filterblasen mit ihren je eigenen rein subjektiv bestimmten Wirklichkeiten wachsen, ist es durchaus klug, die Türe für ängstliche Menschen offenzuhalten. Keine Angst vor der Angst! – Reinhard Koine

 

Losen statt wählen
Jens Jessen thematisiert die fatale Rücksichtnahme demokratischer Politik auf die Emotionen des Wahlvolks, vor allem auf die nach oben offene Skala der multiplen Ängste. Er vergisst zu sagen, warum das so ist. Das treibende Motiv dürfte ebenfalls eine Angst sein, nämlich die sehr konkrete Angst der auf Zeit gewählten Auftragsautoritäten, nicht wiedergewählt zu werden. Darum wären konstruktive Scherbengerichte, systematische Losverfahren und ähnliche quasi-mantische Praktiken der „Demarchie“ vielleicht die besseren Alternativen (oder Ergänzungen) zu herkömmlichen Wahlverfahren, die auf die Mündigkeit aller setzen. Dem Losverfahren als Auswahlmechanismus wird vorgeworfen, die auf diesem Wege „Gewählten“ seien den Bürgern ja nicht verpflichtet. Das könnte auch ein Vorteil sein, wenn das Wort „Bürger“, wie Jessen insinuiert, heute nur ein anderes Wort für „Angsthase“ ist. – Prof. Dr. Klaus Hansen

 

Wieder jemand, der sich in der ZEIT an den ach so unbegründeten Ängsten seiner Mitbürger abarbeiten darf. Wenn ich den verschlungenen Text richtig verstehe, sollen sie auf Grund ihrer Irrationalität das politische Handeln negativ beeinflussen. Man fragt sich, ob diese irrationale Politikbeeinflussung nicht viel effizienter aus der Ecke der Weltoffenheits- und Buntheitsfanatiker kommt. Streber-deutschland will ja unbedingt mit dem Zaunpfahl der Meisterschaft in Toleranz und Humanität in der Welt herumwinken, gleicht in dieser Rolle aber jener untadeligen Vorzeigefamilie, die Grausen auslöst, sobald man hinter ihre Fassade blickt. Ich stimme zu, Ängste wären absolut unangebracht, wenn, als kleine Auswahl, folgende Sachverhalte definitiv nicht zuträfen: Die Mitgliederzahl krimineller nichtdeutscher Familienclans, die ganze Straßenzüge beherrschen, Bürger terrorisieren, vor keinem Kapitalverbrechen zurückschrecken, den Sozialstaat ausbeuten, hat die Mannstärke der Bundeswehr bereits überschritten.

Schulen werden häufig dann zu Brennpunktschulen, wenn der Migrantenanteil über Hand nimmt. Flüchtlingsorganisationen, Kirchen etc. hintertreiben bei der Abschiebung von Migranten ohne Bleiberecht den Rechtsvollzug eines ohnehin schwächelnden Staates. Rechtmäßig Abzuschiebende tauchen größtenteils unter oder gehen aggressiv gegen ihre polizeilichen Begleiter vor, dann dürfen sie bleiben. Nach wie vor stehen unsere Grenzen weit offen, Schleuser und Migranten bestimmeneigenständig, ob und wann eingereist wird. Anerkannte Flüchtlinge machen Urlaub in dem Land, aus dem sie wegen Gefahr an Leib und Leben geflohen sind. Die Sicherheit inu nseren öffentlichen Räumen hat deutlich abgenommen, ein „ehrverletzender“ Blick reicht aus, um brachialer Gewalt ausgeliefert zu sein. Diesbezüglich angezeigte Delikte werden wegen Überlastung der Justizreihenweise niedergeschlagen und erscheinen in keiner Statistik. Ein Großteil der Migranten aus Ländern mit hohem Gewaltpotenzial hält nichts von hiesigem Recht und Gesetz, lieber belächelt man die Zahnlosigkeit des deutschen Rechtsvollzugs. Die verordnete Toleranz Deutschlands den Migranten gegenüber wird von diesen großenteils mit Intoleranz unserer Lebensweise gegenüber quittiert. Und und und….Stimmt nun ,„nach Faktencheck“, nichts davon, nur Bruchteile, oder alles? Wie auch immer, wer linksideologisch ausreichend stark eingefärbt ist, mag solche Entwicklungen möglicherweise als Wohlfühlfaktoren wahrnehmen, weil sie ja bestehende Ordnungen gehörig erschüttern. Ein nicht unbedeutender Anteil der angestammten Bevölkerung mutiert da aber schon mal zum leidenschaftlich diffamierten „Angsthasen“, was mich nicht verwundert. – Konrad Gold

 

Dieser Essay von Jens Jessen spricht endlich einmal aus, was die vor besorgten Bürgern erstarrten PolitikerInnen kaum noch zu sagen wagen. Die gefühlte Wahrheit als nicht diskutierbarer Eckpfeiler eines vor-aufklärerischen Politikverständnisses. Wacht auf! Nennt die Dinge – wie Jessen – beim Namen! Handelt konsequent! – Franz Knieps

 

Bei der Lektüre dieses ausgezeichneten Artikels war ich tief beeindruckt . Insbesondere der Satz „Die AfD, die ihre ganze Politik auf Ängste gründet… ist schlagend. Hat doch eine der Herausgeberinnen von „Chrismon“, Frau Schwaetzer, überzeugend argumentiert, dass wir froh sein sollten, wenn noch mehr Flüchtlinge kämen. Und die stellvertretende Chefredakteurin von dieem Blatt hat einleuchtend nachgewiesen, dass die Flüchtlinge uns überhaupt kein Geld kosten, sondern gleich welches einbringen.Sind nicht 40% von ihnen in Brot und Arbeit und haben sie nicht in den letzten Jahren entscheidend zum Wirtschaftswachstum und damit zur Schaffung des zweiten Wirtschaftswunders beigetragen? Und jetzt macht die AfD wieder auf Angst gegen den bahnbrehenden Pakt für Flüchtlinge. Diese Partei will einfach nicht einsehen, dass die afrikanische Zuwanderung aus Kibera und/ oder aus Adjame das dritte Wirtschaftswunder herbeiführen wird. Stattdessen wird ständig auf der Ausländerkriminlität und die Vorfälle in der Sylvesternacht 2015 in Köln herumgeritten. Hat die nicht Frau Gesine Schwan widerlegt, indem sie auf den Hort der sexuellen Gewalt in Deutschland, nämlich die biodeutsche Familie hingewiesen hat. Ich muss aber einräumen, dass ich am Anfang der Lektüre des Artikels im Wirtschaftsteil „Was kostet die Welt, bei dem Satz “ Vor allem Europa , das seit der Erfindung der Dampfmaschine in England im 18. Jahrhundert sämtliche Vorteile der Treibhauswirtschaft genossen und deren Kosten audf den Planeten abgeladen hat“ diese Argumentation als absurd und grundlegend falsch empfand. Der Artikel von Herrn Jessen hat mich dann aber überzeugt, dass dies die Naziansicht eines alten, weiß(s)en zornigen Mannes war. Gerade die Ansichten des Herrn Heuser sind an Objektivität nicht zu überbieten. Gestatten Sie mir daher, dass ich den Redakteurinnen* Redakteuren, die die ZEIT in ein grünes Kampfblatt umbauen wollen, zurufe, lassen Sie nicht nach, schaffen Sie dieses Werk, geben Sie dem grünen Heilspropheten Harbeck eine Plattform, auf der er seine grundlegende Wahrheit vom Anstieg des Meeresspiegels auf 5 Meter in 2080 verkünden kann, wenn Deutschland nicht seiner Heilslehre uneingeschränkt folgt. Jawohl, machen Sie weiter; die Glaubwürdigkeit geht bei Ihrem Unterfangen verloren; aber was macht das schon, wenn man wie Sie im alleinigen Besitz der allgemeingültigen und allein selig machenden Wahrheit ist. – Ulf Hanel

 

Was haben die Psychotherapeuten nur Herrn Jessen getan? Oder hat er ein Problem mit Emotionen? Mit der Angst allemal, die er nach dem Statement der amerikanischen Philosophin Marthe Nussbaum als das „gefährlichste aller Gefühle für die Demokratie“ identifiziert. Das liege am Wesen der Angst, die in der öffentlichen Debatte nicht bezweifelt werden dürfe, ohne den „Vorwurf der Gefühlskälte oder des Zynismus“ auszulösen. Und besonders fatal sei das, weil sich „die politische Rede von der Angst mit dem Relativismus der Psychotherapie verbündet“ habe, die „bekanntlich“ verbiete, an den Empfindungswelten des Patienten zu zweifeln. Wem ist das „bekannt“? Mir jedenfalls nicht. Ich bin seit ca. 40 Jahren psychotherapeutisch tätig und frage mich, wie ich denn Patienten mit Ängsten, Depressionen oder gar wahnhaften Störungen helfen könnte, wenn ich nicht daran zweifeln dürfte, dass ihre subjektive Empfindungswelt den einzig möglichen Zugang zur Realität darstellte? Wenn mir so ein Verbot bekannt gewesen wäre, wie es Herr Jessen meiner Profession unterstellt, könnte ich mit den Patienten nur heulen. Therapeutische Empathie und Akzeptanz bedeuten, dass ich Menschen in ihrer emotionalen Not ernst nehme und nicht, dass ich ihnen, wann auch immer, versichere, sie hätten sachlich Recht. Das wäre in der Tat zynisch. Herr Jessen schmückt den Popanz des psychotherapeutischen Relativismus noch durch die „typischen Gedankenfiguren linker Identitätspolitik“ auf. Rechte bedienen sich der Angsterzeugung zur Meinungsbildung wohl nicht?

Doch kurz noch einmal zur Angst:
Ohne Angst gäbe es die meisten Tiere und vor allem uns Menschen wohl nicht. Hätten unsere Vorfahren über die Berechtigung ihrer Angst „abgestimmt“ oder „verhandelt“, anstatt wegzurennen oder sich zur Wehr zu setzen, bliebe mir das Vergnügen versagt, über kleine Absurditäten im Feuilleton der ZEIT zu reflektieren. Denn wir beide, DIE ZEIT und ich, wären schlicht nicht existent. Ob Angst und unser Umgang damit berechtigt war, lässt sich demnach immer erst im Nachherein feststellen. Was für den politisch-journalistischen Diskurs zugegebener Weise blöd ist, aber eben in der Natur der Angst liegt. Wie andere „Gemütslagen“ ist die Angst viel älter als ihre Instrumentalisierung durch Politiker und Journalisten. Und eben auch als alle bekannten Demokratien, denen sie gefährlich werden könnte, wie Herr Jessen glaubt. Vor diesem Hintergrund scheint mir die therapeutische Auseinandersetzung mit der Angst noch das geringste Übel zu sein. – Prof. Dr. med. Josef Aldenhoff

 

Auch wenn die Sprachgewalt Ihres Artikels beherrschbar erscheint: Selbst der dem Gruseligen abholde Zeitgenosse schaut verzückt auf seine Gänsehaut, wenn er von Ihrem „Gespenst der Befindlichkeiten“ liest. Keine Frage: Ihre Gedanken sind in der ZEIT gut aufgehoben, mainstreamgerecht zubereitet und serviert. Aber erinnern Sie sich noch, dass es 1968 ff einen gegenläufigen Mainstream gab, für den die Psychoanalyse bei der Beurteilung gesellschaftlicher Umstände zentral war? Auch die ZEIT badete schon damals im Mainstream. Da wird etwa im Dezember 1972 von der „Angst vor Liebe und anderem“ berichtet, und das mit sichtbarer Empathie. Zu so etwas wie Angst machte man sich, in Anlehnung an die Psychoanalyse, damals ernsthafte Gedanken, solche Befindlichkeiten waren salonfähig, sie wurden nicht, wie heute, elitegerecht abserviert.

Aber jammern wir nicht über die Launen des Zeitgeistes; denn ohne die wäre er ja keiner. Es ist jedenfalls gut, die ZEIT als zuverlässiges Zeitgeistbarometer zu wissen. Und da werden Sie mir zustimmen, verehrter Herr Jessen, dass es noch besser ist, dass das Tausendjährige Reich noch nicht die ZEIT war. – Rolf Jungbecker

 

…wie soll Politik Angst verdaulicher machen, wenn sie sich nur an kurzfristiger Meinungsumfrage orientiert? M.E. sollten die Politik-Köche Ihrer Artikel in schöner Regelmäßigkeit als rezeptive Basis nachschlagen, damit sie sich an ihre programmatischen Grundsätze haltend mit Verbindlichkeit und faktenüberprüften Wahrheiten präsentieren. Dann dürfte selbst der ängstliche Politik-Konsument irgendwann lernen, dass Demokratie keine Veranstaltung ist, für den der justament die anscheinend billigste Diskount-Phrase anzubietet hat. Chapeau, Ihre Analyse bringt die Befindlichkeiten genau auf den wunden Punkt. – peter schrader


 

Leserbriefe zu „Hurra, wir sind politisiert!“ von Martin Machowecz

Dieser Beitrag zeigt auch wieder, wie versnobt unsere Gesellschaft ist. Wenn die AfD bei den Wahlen vorn liegt, wäre es ein Gewinn für Sachsen und unser ganzes Land, und keine Katastrophe, wie der Autor meint. Er ist ein Abbild unserer verkommenen Gesellschaft. Die Linken wollen unser Land noch mehr schaden zufügen. Der Autor spricht leichtfertig von Populismus. Die Linken bestimmen wer populistisch zu sein hat. Allein das zeigt mir wie unverschämt die Linken zu werke gehen. Die AfD ist alles andere als populistisch. Wer nicht in die gleiche Richtig läuft ist halt ein Populist. Eine sehr verwegene Behauptung. Wahr ist vielmehr; die Linken leben nur von der Propaganda und damit sind sie die Populisten. Wie kann ein intelligenter Mann eine solche Verdrehung der Tatsachen in den Raum stellen. – Gunter Knauer

 

Ihr Artikel erinnert leider an eine vorauseilende Bewältigungsstrategie. Ich kann den kommenden AfD-Wahlerfolgen im Osten nichts Positives abgewinnen. Ja, unsere Gesellschaft ist glücklicherweise wieder politisiert – allerdings Dank der Fridays for Future-Bewegung, die mit inhaltsstarken Debatten endlich auch die ältere Generation mitreißt. Der zunehmende Rechtsruck in den neuen Bundesländern – so muss die trotzige Zustimmung der AfD mittlerweile ganz objektiv genannt werden – ist durch und durch destruktiv, ignorant und mit logischen Argumenten nicht mehr zu erklären. Die kindliche Begeisterung für die Alternative, die keine ist, treibt einen Riss durchs Land und familiäre Debatten. Ja, es gibt viele ganz reale soziale Probleme, um die sich die Politik viel zu lange nicht ernsthaft gekümmert hat. Aber die Ausweitung der Kampfzone der neuen Rechten, ist damit nicht zu erklären. Es bedarf einer tiefgreifenden Psychoanalyse. – Dirk Büchsenschütz

 

Ist ja schön, dass Sie sich Gedanken gemacht haben, welche Rolle die AfD hier im Osten vor und nach den Landtagswahlen spielt. Ihre Darstellungen sind natürlich, wie immer in Ihrer Zeitung, nur einseitig links grün orientiert dargestellt. Dass die AfD als rechtsextreme Partei einzuordnen ist, ist eine Behauptung, deren Beweis sie niemals liefern könnten. Gleichzeitig huldigen Sie schon alleine mit dem Auswahl Ihres Fotos, das die Hälfte des Platzes einnimmt, der links-grünen Ideologie. Sie zeigen dabei einen Ausschnitt von linksgetreten Jugendlichen, die überhaupt nicht verstehen können, worüber die politische Debatte im letzten Jahr geführt wurde und in Chemnitz für irgendwas einstanden. Der Vollständigkeit halber hätten Sie aber auch ein Foto zeigen müssen, wie deutsche Bürger durch Gewalttaten von Migranten geschädigt worden (Beispiele sind ja genug vorhanden). Aber leider ist Ihre Reaktion auf diesem Auge ja blind.

Nicht die AfD und ihre Wähler gefährden die Demokratie, sondern Medien wie Ihr Blatt mit ihrer einseitigen Berichterstattung, gezielten Übertreibungen und bewussten Weglassungen. Das macht mir Sorge, denn als ehemaliger DDR-Bürger kenne ich staatliches Diktat und Verbot von Andersdenkenden zur Genüge. Leider muss ich feststellen, dass genau diese Tendenz sich mehr und mehr in der Gesellschaft festsetzt. Und leider sind Sie Teil davon. Bleibt zu hoffen, dass die AfD ihren Stimmenzuwachs im Osten dafür nutzen kann, sich nicht durch die Lügen der Mainstreammedien und deren falsche Darstellungen weiter isolieren zu müssen, sondern an der Realpolitik mitwirken kann. Das wäre ein echter Fortschritt. – Jens Roßbach

 

Ich kann Ihren Optimismus bei der Bewertung der Stärke des Rechtspopulismus und der Situation in Ost-Deutschland nicht nachvollziehen. Im Vergleich zur aufgeheizten Situation im letzten Sommer ist es dieses Jahr zwar ruhiger, aber daraus bereits Erleichterung zu schöpfen, auch weil nun die AFD doch „nur“ zweitstärkste Kraft geworden ist, halte ich für fahrlässig. Auch sind die Protestwähler keineswegs „politisiert“, wie Sie finden – das wäre in der Tat ein Fortschritt. Viele AFD-Unterstützer können auf Nachfrage nämlich gar nicht sagen, was sie genau ändern möchten und welche Forderungen der AFD für sie besonders wichtig sind. Sie wollen einfach, dass sich alles ändert – halten aber andererseits Änderungen für fast unmöglich, man hört immer wieder den Satz „es ändert sich ja doch nichts, alle Politiker sind gleich“; hierzu gab es am Wochenende im Deutschlandfunk eine interessante Reportage.

Die eigentliche Gefahr ist ja auch gar nicht durch die Forderungen gegeben, welche die AFD in die Parlamente trägt (Euro-Austritt, Beenden der Russland-Sanktionen etc.), sondern durch die Vergiftung der politischen Kultur durch Herabwürdigung von Errungenschaften wie gesellschaftlicher Toleranz des Anderen und Dialog über Meinungsgrenzen hinweg. Wenn 25% der Bürger diese Verrohung in Kauf nehmen, weil sie nur so ihren Frust abreagieren können, liegt hier ein emotionales Defizit vor, das sich allein durch „Zuhören“ nicht mehr beheben lässt und eine ernsthafte Gefahr für die Demokratie darstellt. Hier ist es geboten, diesen Bürgern die Chance zu eröffnen, ihr politisches Umfeld tatsächlich mitzugestalten, unter der Voraussetzung, dass sie ihre Anliegen wirklich „politisieren“, dazu müsste es aber ganz andere Formen der Partizipation geben als diese blöden Talkshows und „Politiker hören zu – Bürger fragen“-Veranstaltungen. – Dr. Dirk Kerber

 

Ich möchte meinen Ärger über diesen Artikel – und er ist in dieser Art medial üblich – äüßern :

  1. Ob ein Erfolg der AFD bei den Wahlen in Sachsen, Brandenburg etc (k)eine Katastrophe ist, hat dieser Artikel wieder einmal nicht erfasst. Wenn dem Autor und anderen Schreibern die Botschaft wichtig ist, mit dem Faktum AFD umzugehen, dann bitte mit genügend Substanz. Beispiele aus dem Text :
  2. Die 27 Prozent für Sachsens AFD bei der Bundestagswahl sollen nicht bedeuteten, dass ein Drittel der Sachsen Neonazis sind, vielmehr schlicht ein sichtbares Zeichen für gestörte Kommunikation. Woher diese Erkenntnis ? Was ist ein (Neo-)Nazi ? Was will er/sie ? Was tut er/sie ? Was will die AFD ? Was tut die AFD ? Wenn nicht 27 Prozent, wie viele dann ? Bis auf ein paar Verstrahlte wird heute kein Bürger öffentlich erklären und dazu stehen, dass er Nazi im Sinne und im Geiste der Hitlernazis ist. Konsensfähig ist sicher, dass es reichlich Mitläufer und vor allem Opportunisten gibt (Es war ja nicht alles schlecht damals…). Aber ist das besser? Die Bundesrepublik hat doch Erfahrungen damit. Immerhin gab es den Bundeskanzler Kiesinger, ein NSDAP-Mitglied. War der wirklich Nazi oder vielleicht doch keiner oder aufgrund welcher gestörten Kommunikation ?
  3. Das AFD-Wählen hält der Autor für eine Art Emanzipation und das offenbar. Auch will er nicht die Gefährlichkeit relativieren und die Nähe zu „harten Rechten“. Woher die Erkenntnis ? Emanzipative Bewegungen oder eine Art davon basieren auf Reflexion, Nachdenken, eher Antiautoritärem. Demgegenüber lassen sich bei der AFD reihenweise Lügen, Propaganda, Opfergehabe, Bedrohlichkeiten und Kreidefressereien (wie bei Jörg Meuthen ,vielleicht mal Kanzler wie Kiesinger?) feststellen. Und das bemerkt der sich emanzipierende AFD-Wähler nicht ? Vielleicht will er das ja und ist einverstanden? Dazu ist die detaillierte und gelungene Reportage über Susanne Dagen auf Seite 11 sehr aufschlussreich – insbesondere ihr wohl kalkuliertes Opfer-Gehabe. Meint der Autor mit „harten Rechten“ Nazi-Schläger, Hooligans und Attentäter oder wen meint er? und wenn er die meint, warum benennt er sie nicht so? Oder meint er den nationalistischen Höcke-Teil, der bewusst Seite an Seite mit Schlägern und Straftätern, die sich zum Hitlernazitum bekennen, auftritt.
  4. Etwas dämmert dem Autor. Immerhin stellt er die Frage nach der Debattengrenze und wundert sich, dass so viele ostdeutsche Wähler kein Interesse an einer Distanzierung zu Rechtsextremen haben. Kann es einfach damit zu tun haben, dass die Wähler (betrifft übrigens nicht nur die Ostdeutschen) das wollen, was sie wählen, dass sie weder dumm, noch abgehängt sind, sondern die AFD als politische Heimat bewusst wünschen und sich wohl fühlen als deutsche Nationalisten, Rechtsstaatsfeinde, Naziaffine oder Nazis ?
  5. Anscheinend kann nicht sein, was nicht sein darf. Jedenfalls wundere ich mich, dass solches in diesem und vielen vergleichbaren Artikeln nicht thematisiert, sondern dem ausgewichen wird auf der Basis unsubstantiierter Vermutungen. Die streitbare Demokratie muss intelligent, aufmerksam und sorgsam aber auch unerbittlich mit „rechts“ umgehen, seien es Schläger, Schreibtischtäter, Rattenfängerredner und bereits in der Verwaltung, Polizei und Justiz bekannte Personen. Dazu bedarf es breiter Bündnisse und keiner dummen Hemmschwelle gegen „links“. Die Geschichte, insbesondere die deutsche, zeigt, dass die effektiven, erfolgreichen Demokratiefeinde-und Umstürzler „Rechte“ waren mit einem Tross von Mitläufern und Opportunisten, die auf den rechten Zeitpunkt hingearbeitet haben.
  6. Mein Wunsch an die „Zeit“ : Diese oberflächlichen Artikel haben

keinerlei Informationsgehalt, erklären nichts, wecken nur den Schein von Aufklärung. Weglassen und stattdessen Fachleute zu Wort kommen lassen. – prietzel-düwel

 

Mir hat Manches im Artikel zugesagt: der Kommunikationsmangel, die Frustration über die mangelnde politische Repräsentation der Ostdeutschen, die Krise im überkommenen parteienstaatlichen Willensbildungsprozess usw. Was fehlt und zu ergänzen wäre ist eine erweiterte Perspektive auf abweichendes politisches (Wahl)Verhalten. Hier haben wir es mit einer globalen Krise des politischen Systems zu tun. Der alte Marx meinte einmal, die Geschichte der Völker und Menschheit vollziehe sich hinter dem Rücken der Betroffenen, sei also ein höchst intransparenter, abstrakter Prozess, für den man Niemand als Person verantwortlich machen könne. Umso schlimmer für die Mehrheit der Menschen, die ihm schutzlos ausgesetzt ist. Dadurch verursachte Sorgen und Ängste werden sehr gerne nach außen projiziert, wofür sich augenscheinlich sehr gut identifizierbare „Fremde“ als Projektionsfläche eignen. Und in zweiter Linie naturalistische Konstanten wie die Nation oder das Nationalgefühl, sozusagen als noch verbliebener kontrollierbarer Schutzraum. Das ist natürlich glatter Unsinn: für global verursachte Probleme gibt es nur globale Lösungen.

Wenn es richtig ist, die Neigung zum rechts Wählen letztendlich als Enttäuschungsverarbeitung über die ungenügend eingelösten Versprechungen der deutschen Einigung nach 1990 anzusehen (was ich noch verstehen kann), geht es andererseits nicht an, rassistisch, fremdenfeindlich und homophob zu denken, zu handeln oder gar zu wählen. Dafür gibt es keine Entschuldigung, auch und gerade nicht die Selbstverortung als „Opfer“. Dass dies trotzdem geschieht und mehr als je zuvor, ist wohl Ausdruck der politischen Sonderkultur im Mitteldeutschland. Nach dem Bankerott des Spießer-Sozialismus der DDR ist die historisch angesagte Reaktion (links wählen, Klassenkampf) weniger denn je angesagt. Die einzig verbliebene Möglichkeit, die Unzufriedenheit auszudrücken, ist die Wahl rechtsnationaler Parteien wie der AfD, und zudem auf dem Hintergrund einer starken und auch von der DDR nicht wirklich bekämpften neonazistischer Alltagskultur, zumindest in weiten Teilen der neuen Bundesländer. Es gibt eben, das zeigen die gerade abgehaltenen Wahlen, keine Scheu vor der Wahl rechter Politiker, anders als in Westdeutschland.

Manchmal habe ich auch den Gedanken, dass die Bürger der neuen Bundesländer eine ganz geschickte, effektive Strategie des Tabubruchs entwickelt haben, die am ehesten treffen und verunsichern kann: das Engagement für Geflüchtete und die Distanzierung vom Dritten Reich. Die Ostdeutschen stehen stellvertretend für viele andere Menschen in Deutschland, Europa und anderen Industrieländern, die sich in unterschiedlichen Abhängigkeiten befinden und Schutz vor den Wirkungen der Globalisierung suchen. Dies ist einer der wichtigsten Gründe für den Rechtspopulismus: nämlich die Unfähigkeit der demokratischen Parteien, dem Gebaren der internationalen Finanzwirtschaft einen Riegel vorzuschieben und keine Erfolg versprechende Demokratisierungsstrategie. War eben nicht vorgesehen in der Merkelschen „marktkonformen Demokratie“.

Die „Normalisierung“ der AfD als akzeptabel anzusehen, wie es der Autor unterstellt, ist in Frage zu stellen. Denn was diese Partei von den Traditionsparteien unterscheidet, ist , abgesehen von ihrem Hang zu lügenhaften Pathologisierung der politischen Kommunikation, zur Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas, die Formulierung rückwärts gewandte Vorstellungen zur Lösung der aktuellen sozialen Frage. Deswegen kann es keine Gleichsetzung dieser Partei mit anderen, mehr oder weniger „anständigen“ Parteien geben, auch wenn diese stark zu kritisieren sind. – Heinrich Dietz

 

Stell dir vor die AfD legt nicht nur in Sachsen und in Brandenburg gewaltig an Prozentpunkten zu! Die nächste Landtagswahl, die gibt es demnächst in Thüringen. Es wird der Tag kommen, da wird ohne die AfD nichts mehr laufen, es sei denn „der Wahl-Mensch“, der denkt doch wieder etwas mehr nach! Zwischen AfD-Mitgliedern und AfD-Wählern ist bestimmt ein himmelweiter Unterschied, wahrscheinlich sogar ein unüberbrückbarer Graben. Eben, alle doch nur irgendwie Protest-Wähler oder auch Protest-Mitglieder! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „Wer ist eigentlich mein Vermieter?“ von Anne Hähnig

Die „Sonderabschreibung Ost“ war ein Danaergeschenk, auf das viele gern verzichtet hätten – nicht nur wegen der eklatanten Baumängel, sondern auch wegen der weit hinter den prognostizierten Erwartungen zurückgebliebenen Mieten. Der hieraus resultierende Rückgang der ursprünglichen Kaufwerte überstieg bei weitem den steuerlichen Vorteil der Sonderabschreibung (die es schließlich nur auf den Gebäudeanteil gab) und ist selbst in Leipzig bis heute noch nicht aufgeholt. – Hans Hardenberg

 

Kurze Anmerkung: wieso gelingt es selbst im Wirtschaftsteil der Zeit nicht, korrekt zu formulieren? Frau Hähnig hat den Besitzer ihrer Wohnung noch nie gesehen? Schwierig da sie sich ja wohl immer mal im Spiegel sieht! Handelt es sich nicht doch um den Eigentümer? – Johannes Schieting

 

In der Zeit ab 1993, als ich mithalf in Dresden alte Gebäude zu sanieren, entstand die Kurzgeschichte „Geldgier“ die ich anhänge. In ihr steht der folgende Abschnitt: „Am Abend vor der Unterschrift begann Nello den ganzen Umfang zu überdenken. Eigentlich war es grotesk, um nicht zu sagen pervers. Jetzt nach der Wende, die übrigens von den Ossis herbeigeführt worden war, im Westen hatte man mit dem Status quo ganz gut gelebt, sorgte er doch für ein klares und jedermann verständliches Feindbild, da kamen die Westler, ließen sich den Besitz der mehr oder weniger entfernten Verwandtschaft rückübertragen, warfen die Ossis hinaus, teilten das Ganze in kleinste Flächen, die Eigentumswohnungen, verkauften diese an hoch verdienende Westler, die den Preis noch zur Hälfte vom Staat, also den Steuerzahlern – dazu gehörten übrigens auch wieder die Ossis, soweit sie Arbeit hatten –, geschenkt bekamen. Damit blieb der Besitz in westlicher Hand. Bei östlichen Investoren war es der gleiche Effekt, das Grundeigentum verlagerte sich in den Westen. Die Wohnungen nun wurden für teures Geld an Ossis vermietet, die mit ihrer Miete den Kaufpreis zurückzahlten und ihre eigene Übertölpelung finanzierten. Günter Kohlbecker

 

Es hätte eine Möglichkeit gegeben, auch wenig gut verdienenden Bürgern zu helfen! Steuergutschriften in einer Höhe, wie es Steuerersparnisse bei Spitzenverdienern gab. Oder Bürgschaften für Kredite. Denn die meisten Ostbürger wäre auch nicht kreditwürdig, weil sie kein ausreichendes Einkaufen hatten. Viele restituierte Häuser mussten deswegen verkauft werden.
So hätte mal auch helfen können, einen Mittelstand aufzubauen. Beides ginge noch heute. Nur nicht mehr so leicht, weil die Zeit das Umbruchs vorbei ist. Abschreibungen helfen immer den sowieso schon Reichen am meisten. Statt Steuerfreibeträgen müsste es pauschale Steuergutschriften geben. Die würden Armen dann ebenfalls zugute kommen. (Eine Variante für das bedingungslose Grundeinkommen). – Fritjof Möckel

 

Um Erklärungen für die Wahlerfolge der AfD im Osten zu finden, schlägt auch die „Zeit“ tolle Kapriolen. In dem Artikel „Wer ist eigentlich mein Vermieter?“ stellt Frau Anne Hähnig die schräge These auf, dass die Sanierung und der Bau von Mietwohnungen durch westdeutsche Kapitalanleger und ihre anschließende Vermietung an Ostdeutsche Ursache für manchen Verdruss in ihrer Heimat seien. Ich bin seit Jahrzehnten Wohnungsmieter im Westen Deutschlands. Mir war es immer egal, ob mein Vermieter aus dem Westen, aus dem Osten oder aus den USA stammt. Wichtiger für mich war es stets, dass das Haus und die Wohnung, in der ich lebte, in Schuss und die Miete angemessen war, und dass der Vermieter seine vertraglichen und rechtlichen Verpflichtungen beachtete. Ich gehe davon aus, dass andere Mieter – auch im Osten – ähnlich denken. Natürlich ist man als Mieter fremdbestimmt, aber das wäre für mich kein Grund, mich um den Erwerb eines Mietshauses zu bemühen. Den Stress überlasse ich anderen.

In dem Artikel wird auch das Märchen von den riesigen Steuergeschenken durch die Sonderabschreibung aufgewärmt. Es konnten über die gesamte Abschreibungszeit eines Gebäudes nie mehr als 100% abgeschrieben werden. Wenn man in den ersten 5 Jahren zusätzlich zur normalen jährlichen Abschreibung von 2% 50% abgeschrieben hatte, blieben für die restlichen 45 Jahre somit nur noch 40%, also weniger als 1% p.a. übrig. Die Investoren wurden mit diesem Zinsvorteil – die Steuern fielen erst später, aber dann umso höher an – zur Investition gelockt. Die Steuergeschenke hielten sich somit in Grenzen. Gleichzeitig mussten viele Zahnärzte, Anwälte, Handwerker, Künstler, Profisportler aus Westdeutschland, die meinten, ihr erspartes Geld sicher und ertragreich angelegt zu haben, bitteres Lehrgeld beim Erwerb von Schrottimmobilien im Osten zahlen.

Im Artikel wird Ex-Ministerpräsident Milbradt mit widersprüchlichen Aussagen zitiert. Durch die Sonderabschreibung wären die Städte im Osten schnell saniert worden. Mittel- und langfristig hätte sie dem Osten aber überhaupt nichts gebracht. Es hätte eine Vermögensverschiebung von Ost nach West stattgefunden. In Polen und der Ukraine hätte man die Gebäude den Bewohnern quasi geschenkt, die aber kein Geld für die Sanierung oder den Neubau hatten. Somit hätte dort alles viel länger gedauert (oder es hat bis heute überhaupt nichts stattgefunden). Es bleibt, sagt Milbradt, ein Dilemma. Tolle Erkenntnis. Oder meint der aus Westfalen stammende Herr Milbradt, dass die Mieter im Osten doch lieber weiter in Abrisshäusern mit Außenklo wohnen und im Trabi fahren sollten? – Horst Schiemann

 

Alternativmodell:
Unsere Hilfe zum Aufbau Ost war ganz anders als die in dem Artikel beschriebene. Ebenso wie der darin genannte Vermieter, genannt Stadtbeck, hatten mein Mann und ich keinerlei Verwandte in der DDR. Wir lernten kurze Zeit vor dem Mauerfall durch Zufall ein junges Ehepaar kennen, dem wir nach der Wende zu einer neuen Wohnstatt verhalfen. Allerdings unterscheidet sich unsere Hilfe sehr von der des Unternehmers und Rotariers Stadtbeck: Wir rieten dem jungen Paar zu dem Bau eines eigenen Hauses, nahmen dafür eine Hypothek zum Erwerb des Grundstückes auf unser Haus (und unseren Namen) auf und verpflichteten uns zusammen mit den beiden Elternteilen zur Übernahme der Kosten. Über fünfundzwanzig Jahre lang bezahlten wir monatlich mit einem stattlichen Betrag die Hypothek ab. Mit dem für die junge Familie schuldenfreien Grundstück konnte sie eigene Bauhypotheken aufnehmen und zu bauen beginnen. Etwas mehr als ein Jahr später verwirklichte sich ihr Traum vom Einzug in ihr eigenes Haus. Anstelle von Miete zahlte die junge Familie sukzessive das Haus ab und baute damit ihr Vermögen auf. Seit fast dreißig Jahren bewohnen sie nun schon ihr eigenes schönes Einfamilienhaus mit großem Garten. Mittlerweile ist alles schuldenfrei. Das Ganze lief über Zuwendung, ohne Vertrag, nur auf Vertrauen begründet. Man fühlte sich als Familie, als Teil einer „Familie Deutschland“, deren Mitglieder sich untereinander helfen, die Einsatz zeigen und investieren, ohne daran verdienen zu wollen. – Karin Klausen


 

Leserbriefe zu „Da geht mehr!“ von Jörg Lau und zu „Seine Heimat brennt“ von Andrea Böhm et al.

Natürlich sind die Brandrodungen in Brasilien keine „innere Angelegenheit“ Brasiliens: Alles, was die Luft oder die Meere weltweit verschmutzt, die Klimakatastrophe befördert oder generell Menschen in anderen Staaten schadet, ist keine „innere Angelegenheit“ eines Staates. Allerdings steht es allen Staaten, die selber ihre Urwälder zugunsten der Land- und Forstwirtschaft abgeschafft haben und selber bislang fast nichts für den Klima- und Umweltschutz tun, wohl kaum zu, mit dem Finger auf die Brandstifter in Brasilien zu zeigen. Internationale Verhandlungen und Abkommen wären wohl sinnvoller. Bis dahin könnten Deutschland und die EU wirtschaftlichen Druck aufbauen: Da die brandgerodeten Flächen großenteils nicht der Ernährung der Bevölkerung Brasiliens dienen, sondern der Produktion von Futtermitteln und Fleisch für den Export, u. a. in die EU und nach Deutschland, könnte ein Einfuhrverbot Bolsonaro zum Einlenken bewegen. Dass durch ein Einfuhrverbot Fleisch und Wurst in Deutschland teurer würden, hätte nicht zur Folge, dass die Bevölkerung Deutschlands hungern müsste – wohl aber wahrscheinlich, dass sie sich gesünder ernähren würde und weniger Tiere leiden müssten. – Dr. Ulrich Willmes

 

So ein schwarzbrauner Präsident wie Bolsonaro eignet sich gut als Hassfigur. Gerade deshalb sollte man versuchen, seine Interessenlage zu verstehen und zu respektieren. Die ihn heute attackieren und unter Druck setzen, verlangen, dass Brasilien ein Kohlenstoff(end)lager erhält zum Nutzen aller, die munter ihre Volkswirtschaften mit fossilen Energieträgern am Laufen halten. Dafür soll man in dem Land auf unmittelbar gewinnbringende und nahrhafte Aktivitäten verzichten. Das ist zuviel verlangt. Es sei denn, man verabschiedet sich vom tatsächlich „kolonialen“ Begriff der Finanzhilfen und zahlt an Brasilien einen angemessenen Preis für eine dringend erwünschte Dienstleistung. Die Summen, von denen man bis dato hört, reichen noch nicht einmal dazu aus, die Bevölkerung vom Abholzen und Abbrennen abzuhalten, geschweige ihr eine Alternative zu bieten – Jörg Neubauer

Nach mehrmaligem Lesen Ihrer o.g. Berichte, gehört zu einer aktuellen Berichterstattung und Komplettierung der Informationen über das Amazonasgebiet folgendes dazu:
Das Amazonasgebiet beträgt 8.0 Millionen Quadratkilometer, davon entfallen auf Brasilien 5,2 Millionen qkm, also ca. 61%, die restlichen Flächen teilen sich 8 angrenzende Staaten (Bolivien, Peru,Equador, Kolumbien, Venezuela, Guiana, franz. Guiana und Surinam.) Darüber berichten Sie nie.Das bras. Amazonasgebiet erstreckt sich über 6 Bundesstaaten. Die FUNAI (fundacao nacional do Indio – Indianer abgesteckte Reservate)nehmen ca. 10% des bras. Amazonasgebietes ein. Wissen sollte man,dass das Abfackeln der Anbaugebiete vor dem Aussetzen der neuen Saat in Brasilien seit Jahrhunderten Tradition ist (Unkraut und Ungeziefervernichtung). Leider kann man Brandstiftungen bei diesem riesigen Gebiet nicht immer kontrollieren. Die Sorge, dass ausländische Mächte die reichhaltigen Bodenschätze für sich sichern wollen, ist berechtigt . Herr Fischermann,das wissen Sie doch auch, dass grosse Ländereien bereits an Chinesen, Kanadier und europ. Interessengruppen vergeben wurden. z.B. werden von norwegischen Firmen wie Hydro Cred und Norsk Hydro – die grösste Raffinerie/Aluminium – durch illegale Rohrleitungen am Amazonas und am Fluss Para bei der Stadt Bacarena Umweltverseuchungen verursacht. Die Schwerpunkte der heutigen Goldgräber-Stationen liegen in Bolivien, Surinam, Guiana, franz. Guiana. Über die dadurch entstehende Umweltverschmutzung bedarf es wohl keinen Kommentar. Was würden wir Europäer sagen, wenn die Amazonasstaaten uns täglich den berechtigten Vorwurf machen,warum bekommt Ihr eure Klima- und Umweltprobleme nicht in den Griff? z.B. Deutschland, Co2 und Metanausstoss, Kohlekraftwerke, Plastik etc.etc. Warum legen wir Europäer speziell wir Deutschen nicht unsere ganze Kraft die grössten Umweltsünder (China, USA, Indien,Russland,Europa) dazu zu bewegen, ihre Klimaziele, zu erreichen und einzuhalten.

Zu den Unterstellungen und Falschinformationen der Behörden INPE (bras. Weltraumforschungsinstitut)und IBAMA (bras. Umweltbehörde) sowie die privaten Verbände ONG (nicht Regierungs-Organisationen) müssten Sie mal detailliert recherchieren. Die vorhergehende Regierung PT versucht alles,die jetzige Regierung weltweit zu diskreditieren und nimmt ihren Einfluss wahr. Man sollte doch einer Regierung, die gerade mal 7 Monate im Amt ist,eine Chance geben, Probleme aufzuarbeiten, die von der vorhergegangenen 13-jährigen Regierung (mit Korruption, lava-jato, Ausbeutung von Staatsunternehmen, persönliche Bereicherung) entstanden sind. Dazu gehört speziell das Amazonasgebiet. – Erhard Suck

 

Auch wenn es in den Artikeln nicht ausdrücklich erwähnt wird: Wenn Nationalisten wie Bolsonaro mit religiöser Terminologie daherkommen, ist das nichts anderes als der Versuch, sich unangreifbar zu machen. Aufgrund ihres demonstrativ vorgetragenen Glaubens nehmen sie für sich und ihre Politik in Anspruch, auf einer absolut richtigen Seite zu sein. Wenn sie sich mit Gott im Bunde wähnen, wer sollte ihnen dann widersprechen? Andere Politiker können dieses Dilemma nicht endgültig lösen, denn das hieße die Tür zu diplomatischen Verhandlungen zuzuschlagen. Also bleiben einerseits pragmatische Ansätze, wie sie in diesem Fall Präsident Macron angestoßen hat, und andererseits sollte man dieser Art selbstgerechter Nationalisten von allen Seiten zu verstehen geben, dass ihre Art der Frömmigkeit mit Religion nichts zu tun hat. Denn die geht ja gerade über die funktionale und damit stets kontrollierbare Sachlichkeit unserer Welt hinaus und widerspricht damit jedwedem Beharren auf punktuellen Instrumentalisierungen von Glaubenssätzen und der Inanspruchnahme exklusiver Wahrheiten. Religionsverständnisse sollten Hinterfragungen und Bezogenheiten auf globale Entwicklungen standhalten, wenn sie ernst genommen werden sollen. – Christoph Müller-Luckwald

 

Um nicht ganz so hilflos wie schon die ganzen letzten Tage vor dem brennenden Regenwald Am Amazonas zu stehen – S i e haben sich ja schon den Kopf zerbrochen in alle Himmels-Richtungen, wie die Staatengemeinschaft dem begegnen könnte – Flüchte ich mich mal wieder in „die gute alte Zeit“, in der es auch genug Streitereien gab. Nur ging es da nicht um sooo viel. Nachbarschaftsrecht / Nachbarschaftsstreit: Im Garten meiner Eltern wurde auf Gift verzichtet, das Unkraut wurde mit der Hand aus dem Rasen und aus den Beeten gezupft. Manches Pflänzchen aber hat sich geduckt und ist dem Herausgerissenwerden entkommen. Hat geblüht und Samen gebildet, die der Wind dann fortgetragen hat – …in Nachbars Garten. Nachbars Garten war, kurz gesagt, pflegeleicht, fast keimfrei. So ein wildes Blümchen, das nicht da sein sollte, wo er es nicht haben wollte, störte den Nachbarn. Nachbars beschwerten sich über unseren „ungepflegten“ Rasen. Nachbars… es gab Streit. Wer hätte den schlichten sollen ? Wem sollte Recht gegeben werden ? Ich denke: Der Natur. Der ursprünglichen Natur. Damals wie heute. Mit vereinigten Kräften. Sorgen hatten die Leute damals… …..werden vielleicht auch künftige Generationen über uns Sagen, wenn sie sich die Stellen hinter dem Komma Anschauen, um die oft gestritten wird. ..………………………………………………………… Bleibt, den Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) zu zitieren, der auch ausspricht, womit der Verbraucher zu rechnen hat, wenn man der Natur und den Menschen in anderen Erdteilen Gerecht werden will: Daß wir für unsere Lebensmittel faire Preise, also mehr bezahlen müssen. (Zitat Müller:) „…Immer nur billig, billig, billig, das geht auf Kosten der Natur und der Menschen in anderen Erdteilen. Viele Bauern leben dort in Armut und Abhängigkeit, weil wir nicht bereit sind, faire Preise zu bezahlen – etwa für Kaffee oder Orangen. Das muß ein Ende haben.“ – Beate Schwärzler


 

Leserbriefe zu „Hauptsache, Holz“ von Ingeborg Harms

Im Artikel ist Raabes Harz-Heimat erwähnt. Raabes Heimat ist jedoch das Weserbergland, auch hat er lange in Braunschweig gelebt, aber nicht im Harz. – Ein/e Leser/in

 

Wer wie Ingeborg Harms glaubt, dass der deutsche Wald aus „Fichten- und Kiefernplantagen“ bestehe und ein „reiner Industriezweig“ geworden sei, der sollte sich einen der schönen Wanderführer durch ein Mittelgebirge kaufen – vielleicht durch den Spessart. Für den Beginn reicht ein Rundweg von sechs oder acht Kilometern, die GPS-Daten kann man aufs Smartphone laden. Ja, Sie werden an sterbenden Fichten vorbei laufen. Sie werden aber vor allem durch endlos scheinende Buchen- und Eichenwälder gehen und alte Handelswege betreten wie den Eselsweg und die Birkenhainer Straße. Hier werden Sie sich vielleicht an alte Räuber- oder Märchengeschichten erinnert fühlen. Sie werden jedenfalls kaum Menschen sehen, aber wenn Sie ein bisschen Glück haben ein Reh.

Sie laufen durch bayerische und hessische Staatswälder, durch Gemeindewald und manchmal auch durch gräfliche Waldungen. Es ist offensichtlich, dass diese Waldbesitzer – und vor allem deren Vorgänger oder Vorfahren – Zeit und Muße besaßen, den Eichen und Buchen beim Wachsen zuzuschauen. Muße, denn es war ein Luxus des Adels diesen Wald hauptsächlich als Jagdrevier anzusehen. Und es ist heute ein Luxus für uns, diesen Wald (denn er ist immer noch da!) als Wanderrevier durchstreifen zu können. Ja, manchmal kommt man auch an Fällungen oder am Wegesrand gelagerten Baumstämmen vorbei. Auch Eichen und Buchen sind ein nachwachsender Rohstoff. Statt Kahlschlag wird aber Naturverjüngung betrieben und die Waldbesitzer von heute nehmen nicht nur Habitatbäume, sondern ganze Flächen aus der Bewirtschaftung. Kommt der städtische Wanderer am Ende noch mit einem Förster ins Gespräch, wird er eine letzte große Überraschung erleben: Der Förster weiß ja sogar mehr über Klimawandel und Klimaschutz als er selbst! Unser Wald könnte in schlechteren Händen sein. – Michael Buss

 

Ihr Artikel ist wirklich gut gelungen und beschreibt die Situation unseres Waldes treffend. Ich teile Ihre Meinung fast vollständig; aber das ist nicht von Belang. Eine Anmerkung sei mir gestattet. Nach meinem Kenntnisstand wurde der Wolf nicht erneut ausgewildert, wie Sie es formulieren. Die Tiere sind meist aus Polen eingewandert, wie eigentlich schon immer. Die eingewanderten Wölfe durften aber seit dem Inkrafttreten der FFH-Richtlinie nicht mehr geschossen werden (strenger Artenschutz), wie in der Vergangenheit regelmäßig geschehen und es konnten sich dadurch eine Teilpopulation aufbauen. Einzeltiere sind aber auch über die Schweiz und Österreich eingewandert. In Vogesen, in Frankreich gibt es auch eine kleine Population. Ob von dort Wölfe nach Deutschland gewandert sind, ist nach meinem Kenntnisstand nicht eindeutig belegt. – Hans-Werner Maternowski

 

In einem renaturierten Braunkohleabbaugebiet bei Leipzig findet man oft kleinflächige Monokulturen von Birken, Kiefern, Lärchen, Eichen, Pappeln, nur durch einen Weg voneinander getrennt. Vor einiger Zeit knickte ein Sturm die Hälfte der Lärchen um, die Eichen blieben unversehrt. Die Dürre der vergangenen zwei Jahre raffte auch die letzten standhaften Lärchen dahin, der Eichenforst auf der anderen Seite des Weges blieb dicht und grün. Doch wehe, der Eichenprozessionsspinner kommt! Wer heute als Wander(urlaub)er oder Spaziergänger durch unsere Wälder streift, begegnet nahezu überall den Spuren, die die Forstwirtschaft nach einem Holzeinschlag hinterläßt: aus schmalen, holperigen Wanderwegen werden breite Pisten, gesäumt von häßlichen Schneisen mit tiefen Rinnen, die Harvester alle paar Meter in den angrenzenden Wald gewalzt haben. Daneben kreuz und quer das Astwerk, von dem die Stämme durch die gleichen Monstermaschinen befreit wurden! Dort erreicht keine Anemone mehr das Sonnenlicht, Pilze schießen in die Dunkelheit! Des Wanderers Blick schweift statt in die Natur über die Kollateralschäden der Forstwirtschaft! Da kommt Urlaubsfreude auf! Könnte man nicht wenigstens die markierten Wanderwege verschonen und für den Holzeinschlag eigene Waldwirtschaftswege anlegen? Versöhnung von Ökologie und Ökonomie: da die Säge, dort die Seele! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 

Aus welcher Mottenkiste hat die Autorin bloß die Behauptung ausgegraben, Die Grünen würden Mais-Monokulturen zum Zweck der Biogasproduktion fordern und fördern? Bereits 2007 hat die Bundestagsfraktion der Grünen solchen und ähnlichen Monokulturen eine klare Absage erteilt und zwar nicht nur für Deutschland, sondern weltweit. Da war von CO2-neutralen synthetischen Kraftstoffen, die zur Produktion keine Ackerfläche und wenig Wasser benötigen, noch gar keine Rede. Herr Dr. Habeck darf sich heute rühmen, dass die Raffinerie Heide in „seinem“ Schleswig-Holstein als erste dabei ist eine „Power-to-Liquids“-Produktion für jährlich 20.000 Tonnen CO2-neutrales Flugzeugkerosin zu aufzubauen (Produktionsbeginn 2023): mit Windstrom als Energiequelle und sonst nur aus Wasser und CO2 aus der Luft. – Dr.-Ing. Franz Ulrich Häusler


 

Leserbriefe zu „Neue Wurzeln“ von Francesco Giammarco im ZEIT Magazin

Die beiden Geschichten im aktuellen Zeitmagazin über die jungen Bauern aus Frankreich und die alte Bäuerin aus Österreich waren sehr gut, anrührend im positiven Sinne und Glanzstücke des klassischen Journalismus. Allein dafür haben sich die 5 Euro für die Zeit rentiert. – Dirk Engelhardt

 

Das Jungbauernpaar kann es schaffen? Nach Ihrem Bericht bezweifle ich dies sehr. Das Handmelken der 10 Kühe dürfte beide Partner mindestens 5 Stunden pro Tag beanspruchen – ohne füttern, misten, Kälber tränken etc. Im Finanzplan der Betriebsgründung war bei dem geplanten Kuhbestand nicht die unbedingt notwendige Melkmaschine vorgesehen? Oder gab es ungeplante Kosten, so dass für die Melkmaschine kein Geld mehr vorhanden war? Bei den täglich wiederkehrenden Arbeiten hat der Bauer die Schnecken im Soja-Feld erst entdeckt, als diese ganze Arbeit geleistet hatten (der Ernteausfall ist vermutlich höher als der Betrag, den eine Melkmaschiene erfordert).

Sicher nicht tiergerecht ist, dass Dominik Globuli in die Vagina einführt, während die Kuh sich ganz auf den Milchfluss konzentriert (hoffentlich fummelt er nicht an Anoushas Scheide herum, während sie in fünf Monaten ihr Baby stillt!). Der Regen hat den Weizen weggespült: was hat der Bauer da in dem hügeligen Gelände ökologisch nicht beachtet. Die Kühe sind im Sommer im Stall, Grünland ist nicht vorhanden? Ist das ökologische Landwirtschaft? Dominik hat in einer Gärtnerei gelernt, aber kein Praktikum auf einem mindestens 50ha großen landwirtschaftlichen Betrieb, möglichst auch in Südfrankreich, absolviert? Dominik hat sich in den Betrieb verliebt, statt nüchtern zu planen? Hat er in der Fachhochschule nicht auch Betriebswirtschaft studiert? Seine Produkte verkauft er an die örtliche Genossenschaft. Vermarktet sie die „Öko-Produkte“ separat?

Bereits im ersten Jahr war das Paar auf Spenden angewiesen. Spenden für einen Wirtschaftsbetrieb? Rudolf Steiners Lehre von der „Dreigliederung des sozialen Organismus“, von der das Paar vermutlich gehört hat, sieht Spenden für den Sozialbereich vor, nicht aber für das „Wirtschaftsleben“. Ich wünsche dem Paar, möglichst bald eine Verschnaufpause und einen örtlichen Berater zu finden, das Konzept noch einmal zu überdenken, damit der Hof nicht den Bach runter geht. In 2 Jahren sollte die ZEIT noch einmal nachsehen. – Adolf Ronnenberg

 

Was für ein tolles Thema in der aktuellen Ausgabe. Mit Demut und einem Kloß im Hals hab ich das Interview mit Emma Kompatscher gelesen. Was für eine Frau, was für ein Leben! Und genauso große Anerkennung gebührt dem Paar der Ferme le Couy. Ich drücke die Daumen, dass alles gut wird bei ihnen (und folge ihnen jetzt auf FB, so bleib ich auf dem Laufenden :D). Und, last but not least: mit Zuversicht gehe ich in den Tag nach der Lektüre von „Ich habe einen Traum“ mit/über Malik Klautzsch. Ein junger Mensch mit dieser Berufung macht mich irgendwie optimistisch. – Sarah Danzeisen

 

Wir waren von dem Artikel über die beiden jungen Bauern in Frankreich sehr berührt. Ich selber habe auch eine Weile auf einem Biobauernhof gearbeitet, und kann mir gut vorstellen, was das Leben, welche die beiden sich ausgesucht haben, bedeutet. Ich und meine Familie würden die beiden gerne finanziell unterstützen. Gibt es eine Möglichkeit, ihnen eine Geldspende zukommen zu lassen? Danke für die Antwort! – Anne Eugster


 

Leserbriefe zu „Im Irrgarten des Geldes“ von Felix Rohrbeck und Christian Salewski

Die Autoren sprechen vom größten Steuerraub „aller Zeiten“. Aller Zeiten umfasst auch die gesamte Zukunft der Menschheit. Ich wüsste gerne woher die Autoren die Zukunft kennen. Vielleicht kann dieses Wissen mir auch nützlich sein. Oder haben sie nur gedankenlos eine hohle Werbephrase verwendet? – Iman Schwäbe

 

Es bleibt für mich befremdlich, im Zusammenhang mit Spekulationen, Geldgeschäften etc von (Finanz-)industrie zulesen. Der Finanzsektor ist keine Industrie, sondern im besten Fall Dienstleistung. Häufig eher Bärendienstleistung. Für die gesamte Gelsschaft in großem Ausmaß, für einzelne Betroffene erst Recht. Industrie heißt, es wird etwas produziert, Materie verändert … Die Finanzbrache ist völlig virtuell. Da wird nur mit Zahlen jongliert. Und immer häufiger handelt es sich um Hütchenspiel … Ohne jeden Nutzen für das Gemeinwohl. Im Gegenteil. Finanzinvestitionen sind faktisch Spekulationen. Finanzinvestoren sind keine Unternehmer sondern Spekulanten. Ein Aktionekauf ist keine Investition. Investieren kann man in Maschinen, Ausbildung der Mitarbeiter, Gebäude, Forschung und Patente … Eine Gesellschaft kann investieren in Bildung, in Infrastruktur, Wohnungen, Erhaltung der Natur etc. Geldanlagen sind keine Investition, sondern eine Spekulation auf Wachstum und die Armut anderer. Geld arbeiten lassen heißt letztendlich andere Menschen und den Planeten ausbeuten. – Fritjof Möckel

 

Auf zwei Irrtümer möchte ich hinweisen:
a) Mit „das ist alles unheimlich komplex“ sind Sie bereits auf die Masche hereingefallen. Das ist es ja gerade NICHT. Das will man uns glauben machen. Ist aber Nebelwerferei: es ist einfach. Eine nur einmal einbehaltene Steuer kann nicht zweimal (oder noch öfter) erstattet oder angerechnet werden. Das ist logisch, das ist schlicht, das ist gerecht, und jeder, der versucht, Ihnen etwas anderes weiszumachen, lügt. Jeder, der versucht, Ihnen zu erklären, das sei aber alles unheimlich schwierig und es gebe da eine Gesetzeslücke und und und, auch.

  1. b) Es sind nicht nur ganze Armeen von Bankern, Wirtschaftsprüfern und Anwälten auf der Suche nach Lücken im Regelwerk, das ist ein Schein-Gegensatz. Sondern ganze Armeen von Bankern, Wirtschaftsprüfern und Anwälten ERZEUGEN das Regelwerk. Banker, Anwalt und Politiker zu sein schließt sich nicht aus, sondern ein, wie nicht nur, aber in unübertroffen unangenehmer Zuspitzung Herr Kubicki, FDP, zeigt (den Sie vor Zeiten übrigens auführlich zu dem Thema haben zu Wort kommen lassen), der sich das ganze mit-ausgedacht hat und jetzt die Räuber gegen den angeblich räuberischen Staat verteidigt. Bleibt zu hoffen, dass diese Vorteilsnehmerpartei nicht nur aus den Landtagen, sondern endlich auch wieder aus dem Bundestag verschwindet … außer Steuerhinterziehern braucht die keiner! – Christian Naundorf

 

Im Artikel ist von Gesetzeslücken die Rede. Wer allerdings die Erstattung von Steuern beantragt, die er nicht gezahlt hat, handelt offensichtlich rechtswidrig. Ohne als juristischer Laie die Details zu kennen, erwarte ich als Bürger dieses Landes, dass ein derartiges Vorgehen von einfachen Straftatbeständen wie dem Betrug erfasst ist. Sollte dies nicht der Fall sein, wäre ich als steuerzahlender Bürger bitter enttäuscht vom Gesetzgeber. Es darf nicht sein, dass hier telefonbuchstarke Gesetzeswerke jede einzelne Gestaltungsmöglichkeit von Betrügern auflisten müssen. Z. B.führt unser Rechtssystem auch nicht jede beleidigende Vokabel einzeln auf und liefert trotzdem die Grundlage für entsprechende Gerichtsurteile wegen Beleidigung. Unverständlich ist mir zudem, warum Verantwortliche für das Verschleppen des Unterbindens der Cum-Ex-Geschäfte nicht persönlich haftbar gemacht werden. – Dr. Peter Scheibl


 

Leserbriefe zu „Hier zuckt keine Wimper unerlaubt“ von Christine Lemke-Matwey

Ich stimme Frau Lemke-Matwey in vielen Punkten zu. Leider hat sie in ihrer Aufstellung der Aufnahmen Beethovens 9. Sinfonie einige sehr wichtige Alben der letzten Jahre/-zehnte vergessen: Zinman 72min, Bernstein 71min und Klemperer 72min. Da im heutigen Spielbetrieb offensichtlich die Tempi – nicht nur bei Beethoven – immer schneller und krachender werden und gestenreiches Musizieren fälschlicherweise hochqualitativem Können gleichgesetzt wird, lohnt es sich, auf etwas ältere Aufnahmen zurückzugreifen und in ihnen den langen Atem und die fantastischen Farben zu genießen, die sich dem Hörer dort erschließen (Klemperer!). Ich finde es zutiefst bedauerlich, dass junge Dirigenten scheinbar nur mit krachenden Tempi und Dynamiken auf sich aufmerksam machen können. Neben Petrenko gilt dies auch für den anderen Superstar der Dirigenten- und Feuilletonszene: Teodor Currentzis. Die Berliner Philharmoniker haben bei ihrer Wahl des neuen Chefdirigenten leider zu sehr auf öffentlichkeitswirksame Punkte Wert gelegt. Hätten sie rein musikalisch entschieden, wäre die Wahl meines Erachtens ohne Zweifel auf Andris Nelsons oder einen anderen Vertreter dieser Qualität gefallen. Die Zeiten, in denen Abbado dieses Orchester zu einem wahren Klangwunder formte und Aufführungen möglich machte, die einem regelrecht den Atem nahmen (Mahler 9. Sinfonie!), sind damit wohl für immer vorbei. Schade! – Dr. Martin Pour Nikfardjam

 

„Seid umschlungen, Millionen“ – zur Zeit Schillers und Beethovens konnte man sich darunter etwas vorstellen. Auf Heute – siebeneinhalb Milliarden – passt das nicht mehr, das sind einfach andere Verhältnisse. – Werner Koetz

 

An welche Leser hat Frau Christine Lemke-Mathey in ihrem Artikel zu dem Dirigenten Kirill Petrenko wohl gedacht? Vermutlich an solche, die bereit sind, sich durch den Text zu quälen, auch wenn sie vielleicht nur die Hälfte verstanden haben …. – Richard Habbel

 

Mit Staunen habe ich die Kritik von Frau Lemke-Matway gelesen zum Eröffnungskonzert Kirill Petrenkos. Sie wirkt schulmeisterlich, wie ein kalter Guß, beinahe gehässig, ebenso wie die ihres Kollegen im KulturRadio. Ich konnte keinen einzigen positiven, anerkennenden Satz finden. Das Kritiker die Freude und Begeisterung des Publikums häufig nicht teilen ist eine bittere Wahrheit; es heißt ja, dass man dem Publikum alles vorsetzen kann, Hauptsache es wurde zuvor genügend hochgejubelt. Aber haben sich 130 herausragende Musiker wie die Philharmoniker in der Wahl ihres neuen Dirigenten so geirrt? Für mich und mehrere zehntausend weitere Zuhörer und manche Kritiker war es jedenfalls gut genug und mehr als das. – Ein/e Leser/in


 

Leserbriefe zu „Reaktionär und elitär“ von Josef Joffe

Dank an Herrn Joffe für den guten Artikel über die Oper. Ich bin ein großer Opernfan, fühle mich aber nicht elitär. Ich war noch nie in Salzburg oder Bayreuth. Unsere Oper in Bonn bietet meist gute Inszenierungen mit guten Sängern. Ein guter Sänger muss nicht immer berühmt sein. Dass die Oper seinerzeit von Potentaten, seien es die der Kirche oder des Throns, gefördert wurde, ist wahr, aber es gab ja gar keine anderen Möglichkeiten. Öffentliche Fördermittel gab es damals nicht. Die Bildung lag in der Hand der Oberschicht. Und dass nur diese die Opern sehen konnten, war damals auch normal. Das einfache Volk hätte den Inhalt gar nicht verstanden, da er ja oft der Antike entnommen wurde. Für das Volk gab es den Possenreisser. Auch später noch wurden Künstler von einflussreichen Leuten gefördert. Ohne seine Gönner wäre Wagner gar nicht denkbar gewesen. Später dann griffen die Komponisten auch mal zu „alltäglicheren“ Themen, wie in der Traviata, Der Boheme oder der Manon. Ist die Oper wegen „ihrer Vergangenheit“ deswegen verachtenswert? Wir reissen ja auch nicht unsere Kirchen und Schlösser ab, nur weil sie in einer Zeit gebaut wurden, in denen es Gesellschaftsklassen gab. Wo wären wir denn jetzt, wenn das alles vernichtet würde? Die Geschichte baut doch auf der Vergangenheit auf.! Und die Oper gehört auch zur Geschichte! Wir lesen doch auch noch Goethe, Schiller und Shakespeare. Sollen wir das auch nicht mehr dürfen?

Und ich finde es gut, dass Anna Netrebko sich als Aida schwarz geschminkt hat. Aida war eine äthiopische Prinzessin, und die war schwarz! Was soll die ganze Zensierung alter Werke, egal ob Oper oder Schrifttum?. Wenn Mark Twain vom „Nigger“ spricht, so entsprach das der Zeit, das auszulöschen wäre Zensur und Verfälschung.Und genauso geht es mit Mozarts Mohren. Das war damals so, und so sollte man es darstellen. Um nochmal auf die Aida zu kommen, sie schildert doch ganz moderne Probleme:Krieg, Vertreibung, Rassenhass!

Wenn wir die alten Kunstgattungen untergehen ließen, wären wir nicht besser als die Islamisten, die ihre alten Baudenkmäler zerstört haben. Wir müssen das alte pflegen, denn es zeigt uns unsere Vergangenheit!Und zu dem sehenswerten Alten gehört auch die Oper. Hinzu kommt, dass sie mit ihrer Musik auch unser Gefühlsleben anspricht, in der heutigen Zeit besonders wichtig! Übrigens sieht man auch wieder mehr junge Leute in der Oper.Viele von ihnen haben den Reiz dieser Kunstgattung für sich entdeckt. Also hoffen wir, das es die Oper noch lange gibt. ES LEBE DIE OPER!!! – Ingrid Grenzmann

 

Sie hätten Ihren Artikel noch mehr zuspitzen können. Extrembeispiel Richard Wagner: er brauchte nur das Geld der Höfe, machte inhaltlich keine Kompromisse, seine facettentreiche Darstellung menschlicher Beziehungen und Emotionen ist nahezu unerreicht. Um das zu erkennen müssen sich die meisten aber länger damit beschäftigen. Insofern ist das dann in gewisser Weise elitär. Der normale Unterhaltungskonsument erreicht diesen Status nicht. Und auch nicht wegen des Geldes: Karten für Bayreuth gibt es schon für 30 EUR. Neue Opern, die sich dauerhafter Beliebtheit erfreuen, scheint es nicht zu geben. Allenfalls müht sich das Regiethater ab, die Klassiker zu verfremden. Dies scheint mir aber weniger anti-elitär oder anti-reaktionär, sondern egoistisch: Regisseure versuchen sich gegenüber dem Komponisten in den Vordergrund zu spielen. – Christian Voss

 

Schenken Sie Herrn Dr. Joffe und seiner Frau Freikarten, wenn in der Hamburger Oper Madame Butterfly gegeben wird. Diese Oper spielt in JAPAN, müsste also nicht unbedingt von „einem Chinesen ins Heute transponiert werden“. – Hartmut Wagener

 

Oft empfinde ich die Beiträge von J. Joffe zeitnah, auf dem Punkt gebracht, manchmal sogar sarkastisch oder ironisch- halt lesenswert. Sein philosophieren über 500 Jahre Oper eher langweilig, unspektakulär und vor allem unvollständig: Er hat RAMMSTEIN schlicht vergessen! Wen interessiert (außer den geladenen Gästen vielleicht) denn noch 6h Wagner in Bayreuth? RAMMSTEIN liefert auch in der eben zu Ende gegangenen Stadiontour durch Europa eine perfekte Show aus Geschichten und Melodien ab, voller Ironie und schwarzem Humor. Wie ich es miterleben durfte, können sich daran selbst jene begeistern, die eigentlich mit den martialischen Klängen der Musiker nichts am Hut haben. Auch wenn es manchen (Ahnungslosen) schwerfallen wird, RAMMSTEIN sind die neue deutsche Hochkultur, ihre Konzerte eine moderne Inszenierung zeitgenössischer Musik- eine Oper eben! Bach, Beethoven, Händel und Wagner gibt es nicht mehr: RAMMSTEIN haben sie abgelöst… – Dietmar Wasmus


 

Leserbriefe zu „Die Selbstverteidigerin“ von Tina Hildebrandt

Das, was vermutlich als kritisches Porträt der Verteidigungsministerin und CDU-Vorsitzenden gedacht war geriet zum Traktat,zur Diffamierung der Person Kramp- Karrenbauer und zum persölichen Debakel der Autorin. Die Evidenz des Verbalergusses liegt in den Fakes, die verbreitet werden und in dem unfreiwilligen und non- verbalen, Eingeständnis des Futterneides wenn die Autorin das Essverhalten von Frau Kramp -Karrenbauer schildert. Journalismus dieser Art bindet keine Leser, erzeugt aber auf mittlere und lange Sicht arbeitslose Journalisten. – Johann Hoffmann

 

Vorschlag:
Zu dem amüsanten Abschnitt über dien Gratisfahrten soldatischer Uniformträger, formuliere ich noch einige Anmerkungen, die AKKs flache, auf eben mal schnelle Zustimmung hoffende Denkweise, deutlich aufzeigen:
Gratisfahrten für Bundeswehrsoldaten sind voll gerechtfertigt, wenn diese ihre Gesundheit oder gar ihr Leben in gefährlichen Einsätzen riskieren mussten, aber nur dann! Die Anerkennung an das Tragen der Uniform zu knüpfen ist doch fast eine „Hauptmann von Köpenikiade“. Sollen denn entsprechende Veteranen, die keine Uniform tragen, oder Angehörige gefallener oder verletzter Soldaten nicht in den Genuss des Vorteils kommen? Es wäre schlecht um das Ansehen der Bundeswehr bestellt, wenn dieses von häufigerer Sichtbarkeit der Uniformen abhängig sein sollte. Entsprechend motivierte Soldaten können die Uniformen doch freiwillig überall tragen, ob sie nun dafür Vergünstigungen erhalten oder nicht.
Noch 2 Aspekte:
Polizisten, Feuerwehrmänner usw könnten nach derzeitiger Regelung doch auch auf die Idee kommen, dass sie umsonst Bundesbahn fahren können sollten, wenn sie in Uniform reisten.
Wie wäre es mit folgender Erklärung der Verteigungsministerin: Ich werde dafür sorgen, dass in 2 Jahren 90 % der Austattung der Bundeswehr voll funktionsfähig sein wird. Damit wäre eine ohnehin richtige Priorität gesetzt und ein Imagegewinn für die Bundeswehr bei Zielerreichung garantiert. Solange AKK nicht solche oder entsprechende Gedanken formuliert, soll sie zu Recht im Selbstverteidigungsmodus verharren. – Siegfried Veile

 

Der Wähler im Osten hat nun gewählt, und die „Weiterso-Parteien“ reden sich weiterhin „ihr Wetter“ schön. Jetzt wollen all die miteinander regieren, die sich bisher nicht „grün“ waren. Für Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK), die die aktuelle CDU-Chefin „spielt“, sind diese Wahlergebnisse mehr „schlecht als recht“. Dr. Angela Merkel, die Kanzlerin, die bleibt auch nur noch so lange, bis sie endgültig geht. Ob AKK je Kanzlerin wird, das scheint im Augenblick ungewisser, denn je zu sein. – Klaus P. Jaworek

 

In dem Artikel soll gezeigt werden, dass AKK nichts gelingt. Ich frage mich jedoch, wie Äußerungen wie „(sie) arbeitet sich wie die Raupe Nimmersatt durch sieben komplette Grillmenüs“, „während die Vorsitzende futtert“ oder „die deutsche Oberbefehlshaberin hat sich soeben erfolgreich durch einen Haufen Grillfleisch gekämpft“ mit ihrem politischen Tun zusammenhängen? Was AKK über Herrn Maaßen gesagt hat war absolut richtig, was sicher nicht auf all ihre Äußerungen zutrifft. Aber ja, haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß. Und die Presse tut alles, damit diese dort bleibt. Warum „wird immer der falsche Satz zitiert“ oder „muss sie erklären, was sie nicht gemeint hat“? Man mag zu AKK stehen wie man will – aber dass ihr nichts gelingt, liegt sicher nicht nur an ihren Beratern oder ihr selbst, sondern auch an dem medial geschürten Shitstorm. Es würde gut tun, wenn Journalisten sich nicht gemeinsam auf eine Person einschießen, sondern auch zwischendurch ihr eigenes Handeln (und Schreiben) hinterfragen würden. – Theresa Walzer


 

Leserbriefe zu „Wir sind das Volk? Ach was!“ von Christian Staas

Vier Historikerinnen und Historiker mit Ost-Biographie diskutieren durchaus kontrovers und sehr interessant. Doch bezeichnend finde ich, dass ein Thema überhaupt nicht vorkommt: Die Kindheit der Diskutierenden und die großen Kindheitsunterschiede zwischen Ost und West. Dabei entscheiden Kindheitsprägungen, wie Menschen mit existenziellen Krisen umgehen, ob konstruktiv mit Selbstvertrauen oder mit Wut und Hass. Der Kinderarzt Herbert Renz-Polster weist in seinem Buch „Erziehung prägt Gesinnung“ auf den größten Unterschied zwischen Ost und West hin: „Während in Westdeutschland nur zwei Prozent der Kleinkinder vor der Wende außerhäuslich betreut wurden( nur in Westberlin waren es mehr), besuchten in der DDR Ende der 1980er Jahre mehr als achtzig Prozent der Ein-bis Dreijährigen eine Krippe.“ Renz Polster zitiert dann die Psychologin Agathe Israel: „Von frühester Kindheit bis in das Erwachsenenalter vollzog sich das Leben überwiegend in hierarchisch strukturierten Klein-und Großgruppen nach dem Modell: Führer-Geführter, Rede ohne Gegenrede.“

Ich denke, dieses autoritäre Erziehungssystem und sein Fortwirken sollten die diskutierenden Historiker untersuchen. Dies könnte auch bei der Suche nach Gründen für die hohe Zahl der AfD-Wähler im Osten nützlich sein. Auch Renz-Polsters These :“Politische Muster sind Kindheitsmuster“ verdiente Beachtung:“Viele haben den Übergang ja gut geschafft- andere haben sich zurückgezogen auf autoritäre Positionen. Bei ihnen führen die äußeren Herausforderungen eben nicht zur Mobilisierung konstruktiver Kräfte, sondern zur destruktiven Selbstwerterhöhung, zum Hass auf Minderheiten, zur Ausgrenzung der „anderen“, zur Erstarrung in der Opferposition, zur Hörigkeit gegenüber harten Typen, die die persönliche Aufwertung in einem homogenen Kollektiv versprechen. Und diese Reaktion kann nur das Kindheitsmodell erklären.“ (Erziehung prägt Gesinnung, S. 201f.). – Udo Barske

 

Ein toller Beitrag. Vielen Dank für diese wirklich tolle Diskussion. Ich glaube, wichtig daran ist und war, dass hier 4 Personen miteinander debattieren und reden konnten, die im Osten geboren wurden und auch dort gelebt und gearbeitet haben. Daher vermittelt dieses Gespräch eine gewisse und entscheidende Glaubwürdigkeit! – Yves Pulst

 

In der Diskussion der jungen Historiker wird die Vereinigung der beiden deutschen Länder als Übernahme der Ostbezirke charakterisiert. Im Einigungsvertrag war eine Verfassungsdebatte nach Artikel 146 des Grundgesetzes vorgesehen, die Möglichkeit für eine gesamtdeutsche Identitätsbildung geboten hätte. Auf die Frage der Redaktion „Gab es in der DDR Gutes, das in eine Verfassung hätte einfließen können“, antwortet J.-S. Kowalczuk: „nichts, null, nothing!“ Nach meiner Meinung gab es in diesem Staat, so sehr man ihn ablehnen mag, auf verschiedenen Gebieten positive Ansätze, die ich hier nur andeuten möchte, Experten sollten sie näher ausführen, vielleicht in einer Artikelserie der ZEIT. Im Bereich der politisch indoktrinierten Volksbildung gab es trotzdem manche Bemühungen, die allseitige Bildung der Kinder zu fördern. Beispiele dafür sind die zahlreichen Musikschulen und die Angebote der Schülerkonzerte, bei denen Schüler die besten Orchester erleben konnten und zu klassischer Musik hingeführt wurden. In den ländlichen Gebieten konnten die Bewohner Theateraufführungen in den größeren Städten durch Einsatz von Bussen erreichen, es gab auch Gastspiele in kleineren Orten. Manche Abwickler staunten über die Häufigkeit von Orchestern, „alle 40/50 Kilometer“.

Die Polikliniken sorgten durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen und die konzentrierte Ausstattung mit diagnostischen und therapeutischen Apparaturen für eine vielseitige Betreuung der Patienten. Ein besonderes Anliegen der Poliklinik war die Durchführung von prophylaktischen Maßnahmen. Manchen mag es verwundern, dass auch die Justiz in diesem Unrechtsstaat manche positiven Tendenzen zeigte. Ich zähle dazu die progressiven Beiträge des Arbeitsrechts. Innerhalb des Rechtspflegesystems spielten neben den staatlichen Gerichten die Konflikt- und Schiedskommissionen eine wichtige Rolle. Sie waren für einfache zivilrechtliche Streitigkeiten , Verfehlungen, Ordnungswidrigkeiten und geringfügige Vergehen zuständig. Gegen die Entscheidungen war Einspruch beim Kreisgericht möglich. Für manchen Bürger war es einfacher, sein Recht durch die Konflikkommission durchzusetzen, ohne die Schwelle des Gerichts zu überschreiten. – Dr. Peter Scharfe

 

Es ist seltsam, manche leugnen den Klimawandel und Herr Kowalczuk leugnet „Das Volk“ auf den Straßen 1989 und die „Revolution“, die keine gewesen sei, weshalb er meint, dass „…die Bilder, die alljährlich im Fernsehen flimmern. Die gaukeln auch etwas vor, was so nie stattgefunden hat.“ Nanu? Am 23.Oktober 1989 war ich dabei, als offiziell geschätzte 20 000- 30 000 Menschen erstmals einen Schweigemarsch durch Magdeburgs Zentrum machten. Wir wussten nicht, ob die bereitstehenden Polizisten, Kampfgruppen und Soldaten eingreifen würden. Revolutionsromantik? Das ist eine menschenverachtende Wertung der damaligen Aktivitäten. Hat Herr Kowalsczuk eigentlich für das Ende des SED-Regimes auf der Straße demonstriert, als das noch ziemlich gefährlich war, so wie in Dresden, Leipzig, Plauen, Magdeburg…? Dass das „Gute“ an der DDR nur ein diffuses Gefühl der Rückschau sein könnte, mutmasst Herr Schlott, der elf Jahre seiner Kindheit, aber kein Erwachsenenleben hier verbrachte und sich kein Bild von den wahren Verhältnissen des sogenannten „real existierenden Sozialismus“ aus eigener Erfahrung machen kann. Der hatte durchaus auch gute Seiten! Frau Schuhmann meint, dass es in der DDR „das Leben in der Gegenwart kaum gab“. Ich erinnere mich an 45 Jahre intensiv gelebtes Leben, wenn auch nicht so komfortabel wie so manche „Schwestern und Brüder“ im Westen, aber zumindest gleichberechtigt neben den männlichen Kollegen. Im Westen bis heute ein Problem, wie die ZEIT gerade festgestellt hat. Nur zufällig wurde ich nach 1990 nie arbeitslos, aber ich litt mit den Millionen Menschen, die es nach der Abwicklung der meisten Großbetriebe, LPG und sonstigen Arbeitgebern im Osten wurden. Sollte das das „richtige Leben“ sein? Ich bin immer noch zornig über den Verkauf von Äckern, Wäldern, ganzen Straßenzügen und rentablen Betrieben an zahlungskräftige Westdeutsche, Immobilienfonds und Spekulanten. Die entvölkerten Kleinstädte und Dörfer, die Abwanderung junger und gut qualifizierter Menschen machen mich betroffen und ein schlechtes Gewissen. Für diesen Preis sind wir nicht auf die Straßen gegangen, denke ich oft! Schade, das Streitgespäch wurde der Wirklichkeit nicht gerecht. Ich empfehle den Historikern die Dokumentation „Anstiftung zur Gewaltlosigkeit – Herbst 89 in Magdeburg, Impuls Verlag 1991 – Gisela Hoke


 

Leserbriefe zu „Lässt sich ein No Deal noch verhindern?“ von Jan Ross

Thank you Mr.Johnson für die Fortsetzung dieser unnachahmlichen britischen Komödie.Auch für die Fundgrube der Kabarettisten.Thank you! – Dr.Rudolf Mittendorfer

 

Boris alleine im Unterhause! Boris Johnson hat die gesamte „UK“ in den Urlaub geschickt, um endlich einmal ungestört durcharbeiten zu können. Zur Entspannung pokert Boris am liebsten gegen sich selbst; „Boris vs. Boris“! Mal sehen, wer bei diesem „No-deal-Spiel“, wohl den kürzeren ziehen wird! – Klaus P. Jaworek

 

Wenn Demokraten sich nicht demokratisch verhalten, autoimmunisieren sie das politische System. Die (möglichen) gesellschaftlichen Folgen sind nicht unbekannt, daher kann kein Zweck die Mittel heiligen. Boris Johnson sollte wissen, zumal es um nichts weniger als den Brexit geht, dass er sich mit der Beurlaubung der Abgeordneten zwar die parlamentarische Opposition eine Zeit lang vom Hals halten kann, die Opposition der Straße jedoch mitnichten.

Der ehemalige Londoner Bürgermeister handelt mithin wie ein Hasardeur; er hält bei weitem nicht alle Trümpfe in der Hand, gleichwohl ist sein Einsatz für die Zukunft von rund 66 Millionen Menschen derzeit ohne Übertreibung unschätzbar hoch. Ein berühmter Landsmann Johnsons war deutlich klüger: „Mut ist oft Mangel an Einsicht, während Feigheit nicht selten auf guten Informationen beruht.“ (Sir Peter Ustinov, englischer Regisseur, Schauspieler und Schriftsteller,* 16.04.1921, † 28.03.2004) – Ira Bartsch

 

…seien Sie mir, bitte, nicht böse, aber…. Doch, doch, ich habe Ihren Artikel gelesen. Versucht, mitzkommen. Aber dazu, zu Boris Johnsons „Deal“, fällt mir nichts mehr ein. Nur: V o r Boris Johnson schien mit Britain greater, und getlemanliker sowieso. Was ist das für eine Welt, in der Männer / auch Frauen sich an die Spitze wählen lassen, um dann „ihr Ding“ durchzuziehen. Früher gingen solche Typen ins Casino, wenn sie Lust aufs Zocken hatten. Da ging es, vordergründig, „nur“ um Geld (und ganze Güter). Heute verzocken vom Volk gewählte Repräsentanten gleich ganze Länder. Samt Inventar. Wie gesagt: Dazu fällt mir nichts mehr ein. – Beate Schwärzler


 

Leserbriefe zu „Er muss es gewesen sein“ von Daniel Müller und Charlotte Theile

Im Jahr 2018 geschahen nach Auskunft des BKA in Deutschland 386 Morde. Warum wird ausgerechnet der Mord an dem Chemnitzer Daniel H. zum Medienereignis? Warum veranstaltete die rechtsextreme Vereinigung „Pro Chemnitz“ gerade für Daniel einen Schweigemarsch und nicht für ein anderes Mordopfer aus der Chemnitzer Region? Hatte das Gedenken an Daniel H. etwas mit der Nationalität seiner Mörder zu tun? Oder gab es andere Gründe, dem Mordopfer Daniel H. mehr Aufmerksamkeit zu schenken als den anderen 385 Mordopfern dieses Jahres? Diese Fragen sollten Journalisten stellen, wenn Sie sich zum Jahrestag der Ereignisse von Chemnitz August/September 2018 in dieser Stadt aufhalten. – Dr. Martin Böttger

 

Den Beitrag von Frau Theile und Herrn Müller zur verkündeten Entscheidung im Strafverfahren gegen Alaa S. finde ich bemerkenswert. Im Zentrum steht für mich ein ganz elementarer Punkt: Jedem Prozessbeobachter steht es natürlich frei, sich eine eigene Meinung über die Belastbarkeit der erhobenen Beweise zu bilden und in Folge dessen die getroffene Entscheidung zu bewerten. Allerdings finden sich in dem Artikel diesbezüglich keine rechtlich fundierten Argumente, die gegen eine Verurteilung wegen gemeinschaftlichen Totschlags sprechen. Hierüber wird aber sowieso zum Glück nur der BGH zu befinden haben.

Vielmehr versucht der Artikel die Unvoreingenommenheit des Gerichts in Zweifel zu ziehen, was ich als verwerflich empfinde. Beispielhaft erfolgt die Darstellung der Schlussvorträge der Staatsanwaltschaft wie auch der Nebenklage, die darauf verkürzt werden, dass diese den Hinweis darauf enthalten hätten, dass ein fair geführtes Verfahren stattgefunden habe. Daraus wird der Zirkelschluss gezogen, dass die Betonung dieser Selbstverständlichkeit ein Hinweis dafür darstellen könnte, dass dies gerade nicht der Fall gewesen sei. Das ist schon haarsträubend! Ist es nicht demgegenüber ganz normal, dass dieser Umstand betont wird, wenn die Verteidigungsstrategie von Anfang darauf abgezielt hat, gerade dies in Zweifel zu ziehen? Ich erinnere nur an den „Fragenkatalog“ der Verteidigung zu Beginn der Hauptverhandlung.

Insgesamt sollte man sich als Qualitätsmedium, als das ich die ZEIT ansehe, schon die Frage stellen, was man mit einer solchen Berichterstattung bewirkt. So verurteilt man an anderer Stelle zu Recht die politischen Angriffe, die derzeit von gewissen politischen Kräften auf den Rechtsstaat stattfinden. Mit einer solchen Form der Berichterstattung leistet man aber genau diesen Kräften Vorschub! Etwas mehr Objektivität stünde den Redakteuren gut zu Gesicht! – Dr. Jens Stammer

 

Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, wegen Ihrer Berichterstattung auf das „Messerstecherurteil“ in Chemnitz (siehe auch Zusammenfassung von Herrn Thomas Fischer:https://www.spiegel.de/panorama/justiz/chemnitz-urteil-als-einmal-der-rechtsstaat-zusammenbrach-kolumne-a-1284028.html). Dadurch habe ich mich entscheiden können, wen ich wähle und das ich selbst politisch aktiver werden sollte, mit einem einfachen Video zu Anfang:“Meine wichtigsten 6 Gründe die AfD 2019 in Sachen zu wählen“. Mehr zur Motivation für das Video steht auch im Text unter den Video: https://www.youtube.com/watch?v=zfxS2vjVaj0

Es ist nachvollziehbar, dass Sie aus Aussagen wie: „Die Verteidigung hatte dagegen auf Freispruch aus Mangel an Beweisen plädiert. „Es war nicht aufzuklären“, sagte die Anwältin des Angeklagten. Man wisse lediglich, dass es am Tattag eine Auseinandersetzung mit vielen Beteiligten gegeben habe“ (FAZ, 22.8.2019, „Eine Tat als Projektionsfläche“) kompetent beurteilen, dass der Angeklagte unschuldig ist und andeuten dass in Chemnitz der Rechtsstaat aufgrund des rechten Mobs zusammengebrochen ist. Wer wenn nicht Sie sollte das sonst tun? Es ist auch logisch, dass Sie sich seit der Tat nie die Frage gestellt haben, was denn das für „viele Beteiligte“ gewesen sind, wenn es offiziell nur einen Toten und zwei Verdächtige gab, und nur der rechte Mob damit angestachelt wurde, dass zwischen 8-12 Angreifer mit Migrationshintergrund beteiligt waren. Obwohl dass Ihre Rechtsbeugungsverkündung stützen würde, da man da ja gar nicht feststellen könnte, welcher von den vielen Angreifern die tödlichen Messerstiche ausgeteilt hat und welche eher weniger gefährlich waren, oder daneben gingen. – Dirk Liesch

 

Ein „Bauernopfer“ haben schon viele Gesellschaften in der Geschichte und Literatur gesucht und gefunden: aus der Bibel kennen wir die bekannteste Person (Jesus), die unschuldig verurteilt wurde. Auch im „Der Prozeß“ von Franz Kafka wird die Hauptperson unschuldig verhaftet. Der Artikel zur Verurteilung von Alaa S. hat mich sprachlos gemacht: Ich fordere als Bürgerin Sachsens konsequente und schonungslose Aufklärung dieser Tat und nicht ein Bauernopfer! Offenbar wohne ich in einem Land ohne unabhängige Justiz, in dem Unschuldige verurteilt werden um den Mopp auf der Straße zu beruhigen. Es ist damit kein Wunder, dass sich in Sachsen der “besorgte Bürger“ traut, mit wehenden Fahnen rechts zu wählen. Die Justiz ist hierzulande auf dem rechten Auge blinder als je zuvor. Es ist eine große Beruhigung, dass sich nun der Bundesgerichtshof mit diesem Fall befassen muss. – Dr. Anke Dürkoop


 

Leserbriefe zu „Leck mich, Tinder!“ von Einem ehemaligen Tinder-Nutzer

Natürlich ist Tinder vom Prinzip her oberflächlich, es treiben sich mitunter dubiose Gestalten dort herum, und durch die Anonymität kann man beim ersten Treffen schon mal enttäuscht werden. Aber die Plattform so zu verteufeln, wie der Autor es tut, ist auch nicht fair: Mein erstes Tinder-Date vor zweieinhalb Jahren bescherte mir zunächst einen besten Freund, der wenig später zu meinem Partner wurde und mit dem ich seit einem Jahr glücklich zusammen wohne. So viel Glück hat natürlich nicht jeder direkt beim ersten Versuch, aber selbst wenn ich meinen Freund erst beim zigsten Date getroffen hätte, hätte sich Tinder für mich mehr als gelohnt. Eine Erfolgsgarantie gibt es beim Online-Dating selbstverständlich nicht, genauso wenig wie in der Kneipe oder im Supermarkt. Nur, weil der Autor selbst keinen Erfolg hatte, muss er nicht allen optimistischen Online-Datern und -Daterinnen ihre Hoffnung auf die große Liebe, aufregende Bekanntschaften oder entstehende Freundschaften nehmen. – Lotta Krüger

 

Glückwunsch zu diesem großartigen Artikel, der den ganzen Schrott mit den Dating-Portalen wirklich schonungslos ans Tageslicht bringt. Es ist tatsächlich wie eine Sucht, wenn man sich einem oder mehreren dieser Portale mal verschrieben hat – und das Ergebnis ist vielfach gleich Null. Massenhafte Dates, aber getreu nach dem italienischen Motto: „Tanto fumo, poco arrosto!“ Fast alle erkennen den Schwachsinn, nur will dies keiner zugeben – und zum Löschen der App gehört eine gute Portion Selbstsicherheit, die einem auf den Portalen ja systematisch abhanden kommt. Wenn man den Artikel liest, wird einem wirklich bewusst, auf welchem Weg wir uns befinden – früher oder später landen wir mit diesen Portalen emotional und geistig auf dem Müll! Menschen werden wie Waren behandelt, wenn die Birne einen Fleck hat oder die Gurke zu krumm ist, wirft man sie einfach zurück ins Regal, wo sie als Ladenhüter liegen bleibt. Wie tief sind wir mit unseren ach so hoch gelobten technischen Errungenschaften gesunken?? In Abänderung des Heine-Zitats kann man da nur sagen: Moderne Gesellschaft, mir graut vor dir! – Franz Schneider

 

Gegensätzlicher zu den Erfahrungen des Autors könnten unsere eigenen Tinder-Erfahrungen kaum sein. Als Paar, das sich über Tinder kennengelernt hat, sind wir dieser Institution unendlich dankbar. Wir blicken auch gerne auf die vielen spannenden, teils überraschenden, jedoch überwiegend positiven Tinder-Begegnungen zurück, die wir vor unserem Kennenlernen hatten. Tinder hat uns in diesen Begegnungen gelehrt, dem ersten oberflächlichen Eindruck nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Glauben zu schenken. Auch macht Tinder es nicht zuletzt leichter möglich, Menschen kennenzulernen, die nicht aus dem gleichen Milieu, der gleichen sozialen Blase kommen. – Clara Braungart und Felix Kirsch


 

Leserbriefe zu „Heiter bis glücklich“ von Claire Beermann

Selbst, wenn einem also die backende Oma abhanden gekommen ist, könnte es ja sein, dass Opa noch zugegen und in der Lage ist, den Zwetschgenkuchen anzufertigen. Backende, kochende Männer, ja, die soll es wirklich geben… Schrieb Ihnen ein derartiges Exemplar. – Alex Diers

 

In dem Zeitmagazin las ich auf der Seite 7 (links oben) mit großem Erstaunen, man hätte in Berlin am Wannsee „Zwetschgenkuchen“ entdeckt. Das muss ein gewaltiger Irrtum sein, oder gar (ich wag´ es kaum zu äußern)) eine Falschmeldung. Nach meiner sicheren Kenntnis und meiner ganz persöhnlichen Überzeugung werden Sie weder in Berlin und auch nicht in der ganzen umliegenden Mark Brandenburg jemals einen Zwetschgenkuchen finden, denn in dieser Gegend gibt es nur und ausschließlich Pflaumenkuchen!!! Die Zweschtke ist im Übrigen eine Baumfrucht, die lediglich (sprachlich) im süddeutschen Raum vorkommt (soll dem Süddfranzösischen entlehnt sein). Nehme Sie meine Meldung mit Gelassenheit. – Ulrich Bratfisch

 

In diesem Beitrag erwähnenSie auch das Lokal „Mutter Fourage“ in Berlin: das ist im Stadtteil Wannsee, aber nicht „am Wannsee“ – das ist ein ganz erheblicher Unterschied. – Klaus Brake


 

Leserbriefe zu „Zum Frieden kann man konvertieren“ von Evelyn Finger

Der Bericht über das Welttreffen Religions for Peace in Lindau mit seinen Teilnehmer/ Innen ist sehr beeindruckend. Das Problem der politischen und finanziellen Hintergründe wird aber ausgeblendet. Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram ging aus einer Gruppe hervor, die von Saudi-Arabien finanziert wurde. Arabische Länder wie Saudi-Arabien, Katar unterstützen Islamisten finanziell in vielen Ländern. Unter anderem mit dem Geld, das wir für ihr Öl bezahlen. Konsequent weitergedacht wird jeder Autofahrer indirekt zum Islamistenunterstützer. Was kann die Weltgemeinschaft, was kann Deutschland dagegen unternehmen? Wie sind Geldströme zu unterbinden? Will man das überhaupt? Oder sind Waffenexporte, Geschäfte und Fußball wichtiger? In manchen Moscheen in Deutschland wird nicht Liebe gepredigt, sondern Hass. Was wird dagegen unternommen? – Artur Borst

 

Der Artikel schildert sehr dramatische Erfahrungen verschiedener Menschen auf dem Weg, Frieden zu stiften. Friede braucht auch Realitätssinn und Streben nach Gerechtigkeit – sowie Schuldanerkenntnis, Umdenken und Verzeihung. Es geht ebenfalls darum, Räume für den Dialog zu schaffen. Der Artikel zitiert eine Kämpferin für den Frieden: Erst als alles gesagt war, sei Verständnis für den jeweils anderen möglich gewesen. Weil es Wahrheit gibt, brauchen wir niemandem unsere Meinung aufzwingen, Gewaltfreiheit setzt Glaube an die Wahrheit voraus. Man kämpft nicht darum, Recht zu bekommen, sondern kann der Wahrheit zum Sieg verhelfen, indem man sie im Alltag praktiziert und Vorurteile und Egoismus abbaut. Liebe, Gerechtigkeit und ein gutes Miteinander sind Freunde der Wahrheit. Dass das Wissen um echte Wahrheit zur Gewaltbereitschaft führe, kann nur ein modernes Märchen sein. Wahrheit bedeutet Realitätsbezug. Nur menschengemachte und machtverliebte Narrative und Erlösungsgeschichten (wie z.B. Machtmissbrauch in unterschiedlichen Formen, Kommunismus und Faschismus) brauchen Gewalt, um ihre menschengemachten Wahrheiten anderen aufzuzwingen. Die Wahrheit drängt sich nicht auf. Aber sie redet und bietet sich an.

Stellen wir uns eine Szene in einer Innenstadt vor. Ein Fahrgast, der nach seiner eigenen Aussage zum Stadtteil X will, steigt in eine Straßenbahn, die aber nach Y fährt. Wir kennen uns aus und sagen ihm, dass er die falsche Bahn nimmt. Die Bahn ist wirklich die falsche und er kommt nicht am gewünschten Ziel an. Hat das etwas mit Gewaltbereitschaft zu tun, wenn wir ihn auf die richtige Bahn verweisen? Überall streben wir nach Wahrheit. Wir wollen nicht belogen und betrogen werden. Ich will mich darauf verlassen können, dass der Busfahrer, der mich in die Stadt bringt, auch wirklich fahren kann, und dass die Wurst am Imbissstand gesundheitlichen Anforderungen entspricht. Die ganze Gesellschaft funktioniert nur auf der Grundlage von Ehrlichkeit, Wahrheit und Vertrauen. Und die sind natürlich auch durch unsere Weltanschauung motiviert. Die Christen in den erste Jahrhunderten haben Liebe, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Zivilcourage und Barmherzigkeit ausgestrahlt. Sie waren von der Wahrheit überzeugt und belebt und sahen in den anderen Menschen Geschöpfe im Ebenbild Gottes. Sie haben keine Gewalt ausgeübt. Im Gegenteil. Sie mussten leider sehr viel Leid und Gewalt ertragen. Das Problem beim friedlichen Miteinander ist NICHT die Frage, ob man an eine subjektive oder an eine absolute Wahrheit glaubt. Der entscheidende Punkt besteht darin, zwischen Personentoleranz und Sachtoleranz zu unterscheiden. Einfach jede Wahrheit leugnen, ist keine Toleranz im positiven Sinn.

Was bedeutet Sachtoleranz? In der industriellen Fertigung zum Beispiel kann eine Toleranz von nur einem Millimeter gefordert sein. Weicht das Werkstück um mehr als einen Millimeter von dem Sollmaß ab, das der Ingenieur vorgegeben hat, ist es Ausschuss. Und wenn immer wieder Ausschuss produziert wird, bricht die Firma zusammen und die Arbeiter stehen auf der Straße. Zuviel Toleranz bewirkt hier Fehler, Schaden, Leid. Zu große Sachtoleranz ist in solchen Fällen Intoleranz. Man schadet sich selbst und den anderen. Will man heil durch den Straßenverkehr gelangen und niemanden gefährden, muss man sich an die Regeln halten, man sollte die Straßenverkehrsordnung nicht zu tolerant auslegen.

Hat ein Mensch jedoch einen anderen Akzent oder eine andere Herkunft, einen anderen Charakter, eine andere Kultur, eine andere Weltanschauung, anderes Aussehen oder andere Kleidung, kommt die Toleranz als Tugend zur Geltung. Man kann zu der Person fast nicht tolerant, das heisst hier verständnisvoll genug sein. Aber an dieser Art von Personentoleranz mangelt es uns im Umgang miteinander leider sehr oft. Das Wertschätzen und Verstehen Andersartiger macht nicht nur das eigene Leben reicher und lebenswerter, man kann so auch ein gemeinsames Ziel viel besser erreichen.

Wenn es um die Einschätzung der objektiven Wirklichkeit geht, ist zu viel Sachtoleranz Gift. Hundertmillionen sind allein im vorigen Jahrhundert wegen Lügen und Falschheiten gestorben. Geht es aber darum, dem eigenen Egoismus Grenzen zu setzen und anderen mit echter Freundlichkeit zu begegen, entfaltet die Toleranz, die Personentoleranz, ihre guten Eigenschaften. Die Wahrheit ist die Realität, die wir mit unseren Sinnen und unserem Verstand untersuchen können, für die wir aber eine objektive Grundlage benötigen, die sich außerhalb von uns befindet. Ohne objektive Maßstäbe fällt es uns sehr schwer, Personentoleranz und Sachtoleranz zu unterscheiden. Aber das Auseinanderhalten von Personentoleranz und Sachtoleranz ist unbedingt eine Voraussetzung für Frieden. Wenn jemand etwas Falsches tut, brauchen wir ihn nicht zu hassen oder zu verachten. Auch wenn wir das Falsche nicht als richtig bezeichnen können. Zwar muss das Zusammenleben innerhalb eines Rechtsstaates geregelt werden. Weil es Wahrheit gibt, brauchen wir aber niemandem unsere Meinung aufzwingen und niemanden hassen und verachten, der etwas tut, was wir nicht gewohnt sind oder nicht akzeptieren können. – Gerhard Jahnke


 

Leserbriefe zum Wochenmarkt „Herrliche Gurken“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

Sollte ich einem Anflug von Melancholie in Bezug Ihres publizistischen Rückblicks auf das Rezept „Aprikosenkuchen“ gewahr geworden sein ? Obwohl ich, Schande auf mein Haupt, das Rezept unter der Rubrik „könnte man auch mal machen…“ quasi überflogen eingescannt (ich betone : eingescannt !!!) und die Datei u.a. auch urheberrechtlich ordentlich mit [Raether] abgelegt habe, ist mir oberflächlicherweise das Fehlen einer Angabe von Backzeit und Temperatur völlig verborgen geblieben.

Gut, dass Sie nun angelegentlich Ihres o.g. Rezeptes die Okkasion zu einem entsprechenden internen Vermerk auf meiner diesbezüglichen Datei geben. Nicht auszudenken, was mit dem Aprikosenkuchen geschehen wäre, stünde man letztlich vor dem Ofen bar jeglicher Anweisung, wie weiter zu verfahren wäre. Somit also herzlichen Dank für den entsprechenden Nachtrag. Und jetzt mal zu „Siebeck“ : Natürlich gilt für gebildete Menschen der Grundsatz „de mortuis nihil nisi bene“ … aber mit entsprechendem Verlaub hatte auch Siebeck seine posthum verzeihliche „Sturm und Drang“-Phase, in deren Klimax er tatsächlich die Rezeptur einer gekochten (ja, Sie hören richtig !) „Weihnachtsgans“ publizierte und dazu meinte, dies wäre die einzig nachvollziehbare Zubereitungsart dieses fetten und faserigen Tieres. Ich könnte schwören, es wurde damals in der ZEIT abgedruckt So nach dem Loriot’schen Motto : „Ein Weihnachtsfest mit einer kross gebratenen und mit Maronen gefüllten Gans an Rotkraut und Knödeln ist möglich, jedoch sinnlos… Siebeck überwand diese Zeit „kulinarischen RAF-Sympathisantentums“ und fand sich fortan in der Einfachheit mediterraner Speisetradition zuhause. Zuletzt ertrank er leider förmlich in einem Topf von Kutteln und Ingwer, wie der alte Kant trotz der stramm-säuberlichen Trennung von Sinnlichkeit und Vernunft seines Frühwerkes zuletzt in einem dementen Traum nach Kathedralisierung endete. Es gibt mehr Ding‘ im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumt….(Shakespeare, Hamlet 1. Akt, 5. Szene)…Damit könnte man auch versuchen zu erklären, wie die Tomaten und Salatgurken aus holländischer Produktion binnen 12 Monaten nach damaligen massiven Protesten der Verbraucher in Richtung „wässriger Geschmacklosigkeit“ wieder in einen (für den Gourmet nach wie vor nicht akzeptablen) „Zustand“ überführt wurden. Das war noch zu Siebecks Zeiten ! Lassen Sie sich, liebe Frau Raether, nicht von der üblichen Kritikpusselei molestieren. Ich liebe Ihre Rezeptkolumne und oute, diese immer vor der von Martenstein zu lesen – Thomas Klein

 

Das mit den eingebauten Fehlern, ich weiß nicht. Ev. ist es ja nur eine Ausrede für „Vergessen“. Die geübte Köchin sieht doch über so kleine Unzulänglichkeiten hinweg, anstatt Sie darauf aufmersam zu machen! Mir ist jedenfalls der Marillenfleck bestens gelungen. Danke für das schöne Rezept! Ich habe ihn zur Geburt meiner Enkeltochter Alva gebacken. Die 1,5-fache Menge reicht, um ein Backofenblech zu beschicken. – Heidi Eggers


 

Leserbriefe zu „Einsam an der Spitze“ von Dietmar H. Lamparter und Claas Tatje

Das BW Beschaffungswesen und die Flugbereitschaft wäre ein Job für Piëch gewesen. „De mortuis nil nisi bene“ heißt ja nicht „Null Fehler!“ (Dann hieße es bonum/bona – Ich bin mit 80 häufiger auf Beerdigungen – sondern „wohlmeinend“. Wenig wird diskutiert, dass es sich bei VW um ein stramm katholisches Unternehmen handelt (wie früher auch Overstolz, C&A, LH uam). Das trifft sicher auf die Porsche-Piëch-Stämme zu wie insbesondere auf den OD Mann Ignacio López (sel) zu. Der Übernahmeversuch Porsche – VW war nicht zuletzt eine Fehde in den Clans? Es war wohl auch ein Versuch den überbordenden VW-Betriebsrat durch den Porsche-BR zu beherrschen und eine Fehde zwischen Gewerkschaften in BW und NS (Haustarifvertrag bei VW!) dafür zu nutzen.

Schließlich griffen Börsenpraktiken, Cornering, die in den USA verboten sind. Die zum Schluß nur noch 5% verfügbaren VW-Aktien reichten für die Bedienung der Cold Sales, VW-Puts nicht mehr aus. Die VW-Aktie stieg ums 4-fache. Vermutet wurde auch, dass Porsche jeweils mehr Aktien teils über Banken hatte, als verkündet wurde 30, 50 70%, (20% verblieben bei NS, obwohl NS einen Reibach hätten machen können!) Wendelin Wiedeking hatte Finanzen ebenso zu beherrschen gemeint wie die Sportwagenproduktion, die er mal gerettet hat. Die Steuerschonung ist bei VW nicht besser als bei Google… Es sind halt mehr Arbeitsplätze. Ist das Bestreben, mit VW die Weltspitze zu erreichen so bewundernswert? Exporte machen auch abhängig und devot gegenüber Trump… – Gerhard Schroeder

 

Dieser Nachruf auf Ferdinand Piech läuft, pardon, nach meinem Gehör leider nicht auf allen Zylindern rund. Jedenfalls nicht auf den für die Marke Porsche typischen sechs, und schon gar nicht auf deren zwölf.
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Mindestens ein Dutzend hat sich der Mann aber verdient. Der Ehrgeiz von Ferdinand Piech war es jedenfalls, und kein anderer, der die damals noch kleine Firma Ende der 60-er Jahre fast ausbluten hat lassen, um fünfundzwanzig Porsche 917 bauen zu lassen, von denen einer 1970 endlich das Gesamtklassement von Le Mans gewonnen hat und Porsche in die oberste Liga der Sportwagenhersteller katapultiert hat – wobei das Gebrüll der luftgekühlten 917-Motoren ähnlich spektakulär war, wie das der damals zum Mond startenden Saturn-V-Raketen. Aber Piech konnte auch ganz anders. Er ließ nicht nur die lautesten, stärksten und schnellsten Autos bauen. Sondern später auch die schlanksten und sparsamsten. Einen Liter, mehr nicht, hat der Prototyp des Pinguin auf 100 Kilometer verbraucht. Warum ging der nie in Serie? Das wäre eine der wirklich interessanten Fragen, die man sich jetzt, nach Piechs Tod, und vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Klimakrise, vielleicht noch einmal stellen sollte. Und zwar, notabene, nicht irgendwann einmal. Sondern bitteschön bald. Sehr bald. Am besten schon morgen. Aber natürlich, kann man nun einwenden, war der Nachruf dafür der falsche Ort. Da stimme ich zu. Aber das war ja jetzt auch nur der kurze Auftakt zu meiner harten Kritik.
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In drei Punkten scheinen mir die Einschätzungen von Herrn Lamparter und Herrn Tatje hinterfragenswert:
1) Als Piech 1993 den damals maroden VW-Konzern als Vorstandschef übernahm, kannte er, steht nun in diesem Nachruf zu lesen, angeblich „bei Volkswagen keine Gnade“. Ist diese Aussage nicht selbst gnadenlos? Wie lässt sich diese doch eher ungnädige Aussage damit vereinbaren, dass Piech damals, „statt Leute zu entlassen“, mit der IG-Metall und dem Betriebsrat eine Vier-Tage-Woche mit 28,8-Wochenstunden ausgehandelt hat?
2) Eine der von Piech in den 90-er-Jahren eingeführten wegweisenden Innovationen – nämlich die Turbodieseltechnologie – „sollte dem Konzern noch zum Verhängnis werden.“ Wie lässt sich diese (unpräzise und übertriebene) Aussage mit den (auf Drehmoment-, Laufleistungs- und Verbrauchsvorteilen basierenden) über mehrere Jahrzehnte hinweg sehr guten Verkaufszahlen von Autos aus dem VW-Konzern mit Turbodieseltechnologie vereinbaren?
3) All jene, die ihn im Frühjahr 2015 als Aufsichtsratschef loswerden wollten, hätten „vom Dieselskandal lange gewusst“, sagte Piech (bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig aus). Und „der israelische Geheimdienst habe ihn persönlich darüber informiert.“ Skepsis ist bei diesem kapitalen Betrugsfall zwar bei jeder Aussage (jedes potentiell selbst Mitwissenden) angebracht. Aber zu dieser schwergewichtigen Aussage von Ferdinand Piech einfach „Das ist kaum zu glauben“ zu schreiben, wie nun in diesem Nachruf – geht das nicht ganz entschieden zu weit? Diese Einschätzung, von der man nur sicher sagen kann, dass sie Piech gegenüber ungnädig ist, verdeckt nun jedenfalls die in diesem Fall noch weitgehend ungeklärten und entscheidenden Fragen: Wer hat wann wieviel vom Dieselskandal gewusst?
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Alles in allem scheint in der sogenannten Dieselaffäre, seit Ihrem Auffliegen am 18. September 2015, der Aufklärungserfolg immer noch hinter dem Aufklärungsbedarf zu liegen. Vielleicht sieht darum mittlerweile so mancher von Volkswagen Betrogene die Sache so: Wäre Ferdinand Piech nicht Autobauer gewesen, sondern Justizminister oder Zeitungsherausgeber, würde sich dieses Verhältnis möglicherweise heute schon anders herum zeigen. Nicht auf zwölf oder sechs, sondern nur auf vier (oder gar bloß zwei) Zylindern laufende Journalisten, Richter und Staatsanwälte hätte Piech jedenfalls nicht lange unter sich geduldet. – Peter Jungwirth


 

Leserbriefe zu „Über das Dasein als Hobbybauer und den Geruch verwesender Früchte“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Gratulation zu Ihrer aktuellen Kolumne. Sie ist nicht nur stilistisch sehr gut gelungen, sondern trifft auch inhaltlich auf den Punkt. Jenseits aller Landliebe-Romantik, in der begeisterte Gartenmenschen unermüdlich basteln, kochen und backen, um die Produkte ihres grünen Paradieses angemessen zu würdigen. Als ich Ihren Artikel las, kam ich gerade aus meinem 7.000 Quadratmeter großen Garten am Niederrhein, hatte die -Gott sei Dank- kümmerliche Apfelernte dieser Saison in Augenschein genommen, zwei oder drei Pflaumen gegessen und in eine unreife Birne gebissen. Und beschlossen, nichts davon zu verarbeiten. Die Trauben kriegen in diesem Jahr die Vögel und Insekten. So bleibt auch Zeit, „Die Zeit“ zu lesen. – Eva Scheuss

 

Ich muss widersprechen!
1. Selbstgemaches Gelee schmeckt zu 99% besser als gekauftes.
2. Ich hätte dieses Jahr gern Obst geschenkt bekommen und verarbeitet. Die Bäume litten unter der anhaltenden Trockenheit und die Vögel fielen in Scharen über die Früchte her.
3. Garten bedeutet nicht „ewige Wiederkehr des Immergleichen“, sondern Wiederholung in Variationen, es verändert sich immer etwas. – Annette Waltsgott


 

Leserbriefe zu „Suche Nachhilfe in Finanzen“ von Jakob von Lindern

Die Studie der Uni Mannheim wird von den Medien inflationär eingesetzt. Daraus entwickelte sich eine vermutlich ungewollte Werbekampagne für ETFs. Doch leider ist die Studie nicht sinnvoll. Das liegt am gewählten Untersuchungszeitraum. Er endet nun mal nahe der Spitze eines langjährigen Aufschwungs und in einer solchen Phase ist ein Index kaum zu schlagen. Die Stunde der Wahrheit kommt nach einem Kursrückgang. Das Vorgehen der Uni Mannheim ist zu kritisieren, weil sie, wissenschaftlich korrekt, dem positiven Zeitraum einen negativen hätte genüberstellen müssen, der zum Beispiel in der Finanzkrise 2007/9 endet. – Helmut Kapferer

 

Einerseits heisst es im Artikel, Kritiker eines Provisionsverbots befürchteten eine Beratungslücke. Andererseits wird das Verbot ja gerade wegen der Defizite dieser „Verkaufsgespräche“ diskutiert. Anders gesagt, besteht die Beratungslücke schon jetzt, weil bei diesen provisionsgeleiteten Gesprächen von Beratung kaum die Rede sein kann. Daher spricht alles für ein Verbot, und eine Beratung, die ihren Namen verdient, muss unabhängig davon intensiviert werden. – Dr. Peter Scheibl


 

Leserbriefe zu „Grönland: for sale?“ von Marc Latsch

Leider sind einige Angaben in diesem Artikel unzutreffend. Warum wird uns ZEIT Lesern der Kauf der Territorien verschiedener US Staaten von Mexiko ohne Hinweis auf die jahrelangen, kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen beiden Ländern im 19. Jahrhundert dargestellt? So hatten sich amerikanische Siedler in der üblichen Art und Weise, d.h.besonders friedvoll wie gegenüber anderen Ureinwohnern üblich, im mexikanischen Texas niedergelassen. Als der der mexikanische General Santa Anna versuchte, dies zu stoppen, siegte er zunächst bei Alamo gegen solche zwielichtige Typen wie David Krockett, verlor dann aber im April 1836 endgültig gegen Sam Houston bei San Jacinto. Danach gründete Houston den „Lone Star State“. Erst unter Präsident Polk waren die USA bereit, Texas in die Union aufzunehmen. Das humanitäre, großzügige und respektvolle Angebot Polk, einen Teil Mexikos zu kaufen, hatte die ungehobelte mexikanische Regierung leider abgelehnt und dabei die Ehre der USA in unzumutbarer Weise verletzt. Darauf blieb der edlen US Regierung nichts anderes übrig in den Krieg zu ziehen und im Frieden von 1847 die mexikanische Regierung untertänigst zu bitten, Texas, Neu Mexiko, die Hälfte Colorados, Utah, Nevada und Kalifornien für 15 Millionen US Dollar kaufen zu dürfen. Warum wird unterschlagen, dass hier das brutale Gesicht des amerikanischen Imperalismus zum Vorschein kam, das andere wie z.B. Hawaii und die Philippinen später noch kennen lernen sollten? Ist das die neue Form des investigativen Journalismus, den die ZEIT jetzt pflegt? – Ulf Hanel

 

Donald Trump ist als „Schnäppchenjäger“, voll vom Kaufrausch besessen. Seine neueste Leidenschaft scheint der Aufkauf von ganzen Erdteilen, Ländereien, Städten, Orte und Dörfern zu sein. Im Augenblick hat er sehr großes Interesse an „Grönland“! Wie wäre es denn noch mit Sibirien, Hongkong, Dänemark, Nordirland, der Bodenseeinsel Mainau, dem „Englischen Garten zu München“, dem „Max-Morlock-Stadion“ in Nürnberg…? – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zu „Raketen: Gibt es ein neues Wettrüsten?“ von Michael Thumann

Leider wird im Bericht über die Gefahr eines neuen Wettrüstens unterschlagen, dass neben Russland die USA mit der Stationierung der auch für offensive US-Marschflugkörper geeigneten Raketenabwehr in Polen und Rumänien ebenfalls gegen den INF-Vertrag verstoßen haben. Unter deutschen Experten besteht über diese beiderseitigen Verstöße große Einigkeit. Eine Klärung der gegenseitigen Beschuldigungen durch beiderseitigen Datenaustausch, Vor-Ort-Inspektionen und Expertentreffen wäre möglich, doch bemühen sich beide Seiten nicht ernsthaft darum. Hier wäre die Bundesregierung zu einer entsprechenden Initiative gefordert, vor allem Außenminister Maas, der entgegen der großen Mehrheit in seiner Partei lieber dem gegen Russland gerichteten Mainstream der deutschen Leitmedien folgt. – Dr. Gerd Pflaumer


 

Leserbrief zu „Da geht mehr!“ von Jörg Lau

Der Mensch, der liebt keine radikalen Veränderungen. Er lässt sich lieber, wenn schon, dann ganz allmählich, sehr behutsam und äußerst vorsichtig, (fast unbemerkt) vorführen. Er sieht z.B. in der Glotze, dass halb „Amazonien“ brennt, aber letztendlich juckt ihn das auch nicht wirklich, zumal das Flammenmeer in der fernen Ferne lodert. – Riggi Schwarz


 

Leserbrief zu „Strafzölle: Scheitert Donald Trump mit seiner Handelspolitik?“ von Heike Buchter

Da steht zu den Stahlimporten der USA: „Mit fast 20 % liefert Brasilien den größten Teil der US-Importe, gefolgt von Kanada und Mexiko. Beide Länder hat Trump im Rahmen seines neuen Freihandelsabkommens wieder von den Stahl- und Aluminiumzöllen ausgenommen. Seit 2009 übersteigt der Bedarf die Produktion. Doch trotz der neuen Zölle lohnt es sich für die US-Hersteller, ihre Kapazitäten auszubauen.“ Meine Fragen dazu: Was ist mit Brasilien? Ist es auch – wie Kanada und Mexiko – von den Zöllen ausgenommen? Und warum lohnt es sich für US-Hersteller, trotz der neuen Zölle ihre Kapazitäten auszubauen? Dabei will US-Steel Werke stilllegen. Wie geht all das zusammen? – Günther Dressler


 

Leserbrief zu „Berlins neunter Betriebsunfall“ von Robert Pausch und Mark Schieritz

Über die sozialen und ökonomischen Konsequenzen des Mietendeckels kann man trefflich streiten. Was in der Diskussion aber nicht einmal vorkommt ist die fatale Auswirkung auf das Klima, denn für Fassaden- / Dachdämmung und weitere energetische Maßnahmen wird in Zukunft schlicht kein Geld da sein. Sich um diese Diskussion zu drücken, muss man ganz besonders den Grünen ankreiden, die den Kampf gegen den Klimawandel doch sonst so gerne im Mund führen. Sie haben sich als Maulhelden entlarvt, die im Zweifel andere Dinge doch wichtiger nehmen als den Kampf gegen den Klimawandel. Fridays for Future wurde von der Berlin Politik verraten. – Michael Huber


 

Leserbrief zu „Übung macht noch keinen Meister“ von Ulrich Schnabel

Brooke N. Macnamara und Megha Maitra weisen nach, dass „Übung einen Meister macht“. Der Titel des Beitrags „Übung macht noch keinen Meister“ ist somit für den Leser irreführend. Wie richtig zitiert wird, üben gute und exzellente Musiker mehr als 10.000 Stunden und mittelmäßige nur etwa 6.000 Stunden. Damit ist klar: „Übung macht den Meister“. Die Entwicklung vom guten zum exzellenten Musiker wird laut Studie nicht mit noch mehr Übungszeit jenseits der 10.000 Übungsstunden erreicht. Werden die Inkonsistenzen geglättet, ergibt sich ein klares Bild.

  1. Keine lineare Kausalität: wenn Musiker 6.000 Stunden üben, erreichen sie mittelmäßige Leistungen. Wenn Musiker 10.000 Stunden üben, werden sie gute oder exzellente Musiker. „Übung macht den Meister.“ Die Annahme, dass die Entwicklung eines guten zu einem exzellenten Musiker ebenfalls durch die Anzahl der Übungsstunden erreicht wird, ist eine kognitive Verzerrung, der Experten gerne unterliegen.
  2. Hinreichende und notwenige Bedingung: Musiker kommen zu einer mittelmäßigen Leistung mit 6.000 Übungsstunden. Um zu einer guten und weiter zu einer exzellenten Leistung zu kommen, müssen Musiker mehr als 10.000 Stunden üben. Das ist eine notwendige Bedingung, aber keine hinreichende. So gilt: „Übung macht den Meister“.
  3. Multikausalität: es wurden Musiker untersucht, die sich bereits entschieden haben, Musiker zu werden. Dieser und weitere Wirkfaktor werden ausgeblendet: die Entscheidung selbst; die Umgebung, die dazu führte, Musiker werden zu wollen und zu können; die Überzeugung es schaffen zu können und vieles mehr. Multikausalität auszublenden ist eine weitere kognitive Verzerrung. Ericsson, Krampe & Tesch-Römer erwähnen bereits 1993 die Multikausalität. Sie ergänzen eine unterstützende Umgebung und gute Lehrer als weiter Wirkfaktoren.

Die Studie (2019) von Brooke N. Macnamara and Megha Maitra bestätigt die Studie (1993) von Ericsson, Krampe & Tesch-Römer (1993): „Übung macht den Meister“. Detaillierter könnte man interpretieren, was ich gerne in DER ZEIT lesen würde:

  • „Übung ist notwendig, um ein Meister zu werden.“
  • „Die Entwicklung von guter zu exzellenter Leistung hängt von weiteren Maßnahmen ab.“

Grantler, wie Thomas Bernhard, verschleiern die Wirkprinzipien künstlerisch. Wenn Bernhard in seinem Roman „Der „Untergeher“ den Pianisten Selbstmord begehen lässt, ist die Ursache in dysfunktionaler Scham der Romanfigur zu finden. Genauso wird man die Scham – im funktionalen Wirkbereich – als einen Faktor für Exzellenz finden. Die Botschaft für alle jungen Menschen, die Meister werden wollen, sollte bleiben: „Übung macht den Meister“. Für Weltklasse braucht es noch weitere Zutaten. Jedoch muss man vorher Meister sein, um Weltklasse zu erreichen. Ich würde ergänzen: Ignoriert Grantler und sucht Euren Weg, der den Aufwand der Übungszeit lohnt. – Richard Graf


 

Leserbrief zu „» Salvinis Stern sinkt bereits «“ von Ulrich Ladurner

Er wollte die italienischen Mittelmeerinseln am liebsten niet- und nagelfest zusperren, die italienischen Mittelmeerhäfen verriegeln. Matteo Salvini (Italiens innerer EX) ist nun selbst auf dem Abstellgleis gelandet. Sein „Spieleinsatz“ war zu hoch, er spielt nicht mehr mit; er hat sich schwer verzockt. Italien ist noch einmal mit einem „blauen Auge“ davongekommen! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zur Fotokolumne „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

Ich bin so sehr beeindruckt! Alle Fotos zeigen einen sehr hübschen Jungen, der glücklich ist, ausgeglichen und vertrauensvoll. Das sieht man seinen Augen an. Sie strahlen viel mehr, als die Augen vieler „gesunder“ Kinder, die man zu sehen bekommt. Ich bin wirklich ganz tief berührt von diesem Ausdruck. Aber ich bin auch sehr berührt davon, dass dies ja ein Ergebnis ist des Umgangs Ihrer Familie mit Ihrem Sohn. Ich kann ein bisschen nachempfinden, dass es auch wirklich eine ganz große Herausforderung ist und dass es bestimmt auch immer wieder Momente gibt, in denen man sich nicht so verhält, wie man es sich vorgenommen hat. Aber es ist grandios, dass Sie es so weit und so gut geschafft haben und ich bin sicher und wünsche Ihnen, dass es auch weiterhin geht. Nicht zuletzt schaffen Sie damit für sich, für Ihre Familie, für alle die dies miterleben und natürlich für Ihren Sohn etwas unglaublich Wichtiges, etwas Menschliches. Es ist ein so wunderbares Gegengewicht zu Vielem, was man heute erlebt: zu all‘ der Selbstoptimierung, der Oberflächlichkeit und „Unmenschlichkeit“. In Gedanken umarme auch ich Ihren Friedrich! – Doris Goebel


 

Leserbrief zu „Mehr Chancen“ von Manuel J. Hartung und Thomas Kerstan

„In Absprache mit der Bezirksregierung muss vorläufig der Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern in den Klassen 7-8 gekürzt werden.“ Wegen Lehrermangels. So der Bescheid der Sekundarschule vom Beginn diesen Schuljahres an meine Tochter und ihren Sohn (14). Und da schwadronieren Sie von „Bildungsexplosion“. Sie meinen wahrscheinlich Abiturientenexplosion. Und dann dieses alte Argument, kleine Klassen seien kaum wirkungsvoller und sehr teuer, fordern aber individuelle Förderung. Ich habe drei Gymnasien in Deutschland mit relativ großen Klassen und zwei deutsche Auslandsschulen mit kleinen Klassen geleitet: Kleine Klassen sind Voraussetzung, um sich um hilfsbedürftige Kinder zu kümmern. Und dann fordern Sie auch noch, dass die Familien sich mehr um ihre Kinder kümmern sollten. Sie meinen wahrscheinlich den Vater und die Mutter, die beide berufstätig sind, oder die Alleinerziehende, die nicht zu Hause sein kann, wenn die Kinder wegen des Unterrichtsausfalles eher nach Hause kommen. Da waren hinsichtlich der neuen Herausforderungen der Schulen schon weiter! – Und dann verweisen Sie darauf, dass es für Politiker unattraktiv sei, sich der Bildungspolitik zu verpflichteten, und dass der Aufruf der Bundeskanzlerin zu nichts geführt habe. Das hängt auch damit zusammen, dass die Medien, also auch Sie, meist zu Beginn eines neuen Schuljahres, das Elend beschreiben, aber über Appelle und Forderungen nach besserer Bezahlung der Erzieherinnen nicht hinauskommen. Erinnern Sie sich noch der Diskussionen um die Bezahlung der Kindergärtnerinnen?

Sie hätten mehr verdient, gewiss, aber die Kämmerer hätten das Geld nicht. Und dass im selben Jahr in der Flüchtlingskrise plötzlich Milliarden zur Verfügung standen. Ich kann mich nicht erinnern, dass Sie auf diesen Widerspruch aufmerksam gemacht hätten. Geld war und ist vorhanden für mehr Lehrer, individuelle Förderung, zielgerichtete Forschung usw. Aber solange elitäre Eltern schlechte Schulen umgehen und ihre Kinder auf Privatschulen (in England) schicken, fehlt die Betroffenheit. Zwanzig Jahre CHANCEN haben wenig bewirkt, – Johannes Kettlack