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14. November – Ausgabe 47

 

Leserbriefe zum Titelthema „Mensch, wir werden weniger!“ von Bastian Berbner

 

Sehr schön, wir werden also weniger. Nur was passiert, bis wir die 11 Milliarden erreicht haben werden? Die Stammeskämpfe um die knappen Ressourcen werden zunehmen, es wird noch mehr Verlierer geben und wo werden sie hingehen? – Werner Koetz emer. Prof.

 

Mit der Illustration der Erde haben Sie sich ja sehr viel Mühe gegeben. Leider hat es dann für den Storch nicht mehr gereicht?! Sehr schade, dass der Trend dahin geht, bei Vögeln und Insekten nicht mehr genau hinzuschauen und sie „irgendwie“ darzustellen – aber man sieht sie ja auch kaum noch. – Petra Vivien Malatynski

 

Während wir – etwas langsamer – auf die gleiche Katastrophe zusteuern wie Südkorea oder China, leisten wir uns den Irrsinn, mit einem ungerechten Rentenrecht die Kinderlosigkeit auch noch massiv zu fördern: wer sich eigene Kinder spart, lebt bequemer, hat sehr viel mehr Geld und bekommt seine Rente später von den Kindern der Anderen geschenkt. Denn die Rentenversicherung hat für niemanden ein Konto, auf dem die Beiträge gesammelt werden. Die Beiträge gehen immer sofort und vollständig in die Renten der Elterngeneration. Die Rente kommt immer nur von den Kindern der Rentner. (Was wir brauchen ist: ein kostendeckendes Grundeinkommen für alle Kinder, eine einheitliche Rente für alle nicht mehr erwerbsfähigen Menschen, eine Finanzierung dieser beiden Leistungen durch Steuern, und eine angemessene Steuererhöhung für alle kinderlosen Mitbürger.) – Dr. Jürgen Schröder

 

Die Vermutung, dass eine nigrische Familie mit sieben Kindern auch in der Zukunft kein Auto besitze, wahrscheinlich nie fliegen werde und vom Ertrag ihrer eigenen Felder leben werde, dass Ihr CO₂-Ausstoß also gegen null tendiere, setzt voraus, dass die Menschen in den bevölkerungsreichen Entwicklungsländern auch auf Dauer keine Teilhabe an technischem Fortschritt und wirtschaftlichem Wachstum haben werden. Eine zutiefst naive Vision, bedenkt man, dass China noch bis vor kurzem dazu gehörte. Und eine zutiefst menschenverachtende Vision, wenn man erkannt hat, dass das Gebot der Stunde Verteilungsgerechtigkeit ist. – Uwe-Carsten Edeler

 

Widerspruch. Die von wenigen europäischen Jugendlichen auf Geheiß veranstalteten Klimastreiks werden im Winter wohl nachlassen, wenn nicht gar verschwinden. Die winterlichen Temperaturen und die kurzen Tage passen nicht ins waermebewegte Kampfbild. Es nehmen ohnehin keine Asiaten, keine Afrikaner und keine Sued-und Mittelamerikaner teil an der party, und die verkehrsblockierenden 0,00001% werden selbst bei Verzicht aufs Atmen einflusslos bleiben. Fuer mich (there is no agw) ist das Spektakel nicht nur widerwaertig, sondern durch nichts begruendbar. Sie, Herr Ulrich, müssten es zumindest als wirkungslos erkennen, da ein Pups keinen Sturm entfachen kann, dessen es nach Ihrer Lesart wohl bedarf. Sollten jene recht bekommen, die den menschlichen Aktivitäten die Schuld geben, dann sollten Sie zuerst die Verlängerung der AKW-Laufzeiten fordern und die Sparsamkeit der Großeltern preisen, die in ihrer Bescheidenheit Lebensmittel achteteten. Uebrigens: Die Welttemperatur folgt nicht der CO2-Konzentration. Das verschweigen nicht einmal jene ominösen 97 %. – W. Eckardt

 

Bitte genormte Einheiten! S 16 Spalte 5 oben “Pfund” …. Werde nie verstehen, warum ein (angebliche) Qualitätszeitung bei Einheiten immer wieder Ungesetzliche (Fußballfelder, Badewannen, Pfund, …… ) verwendet! Wenn schon Ihre Schreiberlinge nicht von diesen plakativen Einheiten lassen wollen, könnten Sie wenigstens in Klammer die Umrechnung auf eine norm gerechte Einheit dazuschreiben – ist das zu viel verlangt? Über das “Pfund” habe ich von Ihnen bis Dato noch keine Aufklärung erhalten. Wenn keine Besserung eintritt, so war dies mein letztes Jahresabo. – Manfred Uttenthaler

 

Das darf doch wohl nicht wahr sein: Da werden jede Stunde 10.000, jeden Tag mehr als 200.000 und jedes Jahr mehr als 80 Millionen Menschen geboren – allein in Afrika wächst die Bevölkerung jede Woche (!!) um eine Million Menschen! Kurzum: Die Erde ist gnadenlos übervölkert!!! Doch was macht die Zeit? Sie „warnt“ davor, dass die Erdbevölkerung (vielleicht) in 100 Jahren langsamer wächst als es aktuell der Fall ist????? Sorry, aber so viel Dummheit und Ignoranz kann ich nicht mehr ertragen und deshalb werde ich die Zeit nie mehr kaufen! So einen Sch…darf man nicht finanzieren!! – Julia Bauer

 

In dem Artikel „Mensch, wir werden weniger“ vermisse ich etwas ganz wichtiges: Die Erde ist doch nicht nur für den Menschen da. Auch die Tiere und die Pflanzen haben Anspruch auf Leben und ausreichenden Platz. Der Platz auf der Erde ist begrenzt. Schlimmer noch, der nutzbare Teil wird immer weniger, weil der Mensch die Natur über die Maßen ausbeutet und zerstört. Bleibt den Tieren und Pflanzen nicht ausreichend Raum zum Überleben, wird der Mensch auch nicht überleben können. Umgekehrt wäre es kein Problem, die Tiere und die Pflanzen brauchen den Menschen nicht, im Gegenteil, sie wären sogar besser dran. Also, eine Unterbevölkerung kann ich nicht als Problem ansehen. Im Gegenteil, sie wird notwendig sein, um allen gerecht zu werden und für alle ein Überleben zu sichern. – D. Steuer

 

Ein Gespenst geht um in den Köpfen: das Schreckgespenst der Überbevölkerung unserer Erde. Unter dem Schlaglicht, das Bastian Berbner auf dieses Thema lenkt, zieht sich das Gespenst scheu zurück. Die präsentierten Kennzahlen zeigen eine Umkehr der demographischen Entwicklung. Wesentliche Ursachen: Urbanisierung und Bildung. Zwei von Modernisierungsgegnern bekämpfte Trends gewinnen an Macht: Die Schlüssel für Wachstum und Wohlstand sind zugleich Schlüssel für den Bevölkerungsrückgang. Unter einer sehr anschaulich und gut portionierten Behandlung des Themas zieht Bastian Berbner dem zeitgenössischen Alarmismus einen nicht mehr haltbaren Zahn. Wir werden sehen: Wer heute noch die Angst vor Bevölkerungsexplosion und zu viel Einwanderung schürt, wird morgen aus Angst vor der Implosion des eigenen Nationalstaats im globalen Wettbewerb um Einwanderer alle Register ziehen. – Reinhard Koine

 

Ich habe das Dossier zum endlichen Wachstum der Weltbevölkerung mit großem Intresse gelesen. Vor allem den Bericht aus Südkorea hat mich an eine Zeit in Deutschland erinnert. Ich bin geboren im letzten Jahr vor der politischen Wende 1989 in Deutschland. Aufgewachsen bin ich in einem Ostdeutschland in dem wir der letzte geburtenstarke Jahrgang waren, wir Kinder die noch 1989 oder 1988 auf die Welt kamen. Hinter uns schlossen die Kindergärten, die Grundschulen … Mittlerweile werden ebenjene Einrichtungen in den neuen Bundesländern wie wild aus dem Boden gestampft, weil sie durch wieder steigende Geburtenraten an allen Ecken und Enden fehlen, doch in den 90igern schien noch nicht absehbar, wohin der Geburtenknick in Ostdeutschland führen würde. Für mich war der Bereicht aus Südkorea also gar nichts so Neues, hatten wir doch Ähnliches erlebt. – Magdalena Staffa

 

Ihr Beitrag macht mich sprachlos. Ich werbe ständig für mehr Kinder – alles falsch. Was für ein Unglück. Ich werde meine Söhne um Verzeihung bitten müssen. Ist Irrtum ausgeschloßen? Auf der anderen Seite kann ich die Argumentation, mit der ihr Autor den Beweis führt, sehr gut nachvollziehen. Es ist alles schlüßig erklärt. China muß das alles gewußt haben. – Gunter Knauer

 

Wenigstens einen Silberstreif lässt Bastian Berbner am düsteren Horizont der durch Bevölkerungsexplosion und Klimawandel bedrohten Menschheit aufscheinen und setzt global – sicher mit Recht – auf die Gleichung: mehr Bildung = weniger Geburten. In allen Industrieländern haben wir es allerdings mit gesunkenen Geburtenraten zu tun, oft mit dem Lamento kommentiert: In Kürze wird auf jeden Erwerbstätigen ein Rentner kommen, in nicht ferner Zukunft wird ein Beschäftigter für zwei und mehr alte Menschen aufkommen müssen. – So what?? Die heutige Erwerbsquote von fast 50% hat zwar einen nie gekannten materiellen Wohlstand zur Folge – aber auch gesättigte Konsumgütermärkte und teilweise Überproduktion, einhergehend mit ungeheurer Ressourcenverschwendung und nicht absehbaren ökologischen Schäden. Noch im 20. Jh. war der Normalfall die Familie, in der ein„Ernährer“ Frau und zwei bis vier Kinder sowie die Großeltern zu alimentieren hatte – und das bei einem Bruchteil unserer heutigen Produktivität.

Was also haben wir vom demografischen Wandel zu befürchten? – Schlimmstenfalls die Beschränkung auf die Befriedigung der Grundbedürfnisse Essen, Trinken, Wohnung, Kleidung, Schule, Betreuung unterschiedlichster Art; vielleicht eine mäßige Reduktion der längst ausgeuferten Sortimente in den Supermärkten, so dass die Angebote wieder etwas transparenter werden. Entscheidend wird aber sein, ob die kommenden Generationen noch bereit sein werden, die Alt(en)-Lasten solidarisch zu tragen. Bei weiter steigender Produktivität steht aber meines Erachtens bei knapperem Arbeitskräfteangebot nicht einmal zu befürchten, dass die Arbeitsbelastung für jeden Einzelnen zunehmen muss. Nicht der demografische Wandel, um so mehr aber Klima und Umwelt sollten uns Sorgen machen!! – Wilhelm Kösters

 

Der Zufall wollte es, dass mir beim Bezahlen meiner Tankrechnung das knallgelbe Titelbild der ZEIT mit der nicht zu übersehenden Überschrift ins Auge stach: „Mensch, wir werden weniger! “. Das kann ja wohl nicht wahr sein, dachte ich, ein interessierter Laie, und wollte es genauer wissen. Das waren mir die 5,50 € für DIE ZEIT wert. Ich gehöre zu den Menschen, die in der drohenden Überbevölkerung unseres Planeten und den daraus resultierenden Nebenwirkungen, die eigentliche Herausforderung des homo sapiens sehen. Alle reden vom CO2 und der vom Menschen verursachten Klimakrise, aber in keinem Massenmedium und keiner Massendemonstration ist die Rede von der drohenden Bevölkerungsexplosion (vor allem in Afrika) und damit von der letztlichen Ursache des Übels – bis vorgestern. Der ZEIT und ihrer Redaktion sei Dank, dass sie diese zentrale Fragestellung aufgegriffen haben. Gleich vorab – zu ihren Schlussfolgerungen habe ich meine Zweifel. Besondere Anerkennung gebührt ihnen, dass sie dieses Problem in den Mittelpunkt ihrer Ausgabe stellen und damit hoffentlich eine fruchtbare Diskussion eröffnen.

In seinem Buch “Bevölkerungswachstum und Umweltkrise“schreibt der amerikanische Wissenschaftler Paul R. Ehrlich (Stanford University): „Kein geo­lo­gi­sches Er­eig­nis seit ei­ner Mil­li­ar­de Jah­ren – we­der das Em­por­stei­gen mäch­ti­ger Ge­birgs­ket­ten noch das Ver­sin­ken gan­zer Sub­kon­ti­nen­te oder das pe­ri­odi­sche Auf­tre­ten von Eis­zei­ten – schuf ei­ne ähn­li­che Be­dro­hung für das ir­di­sche Le­ben, wie sie durch die ex­plo­si­ve Aus­deh­nung der mensch­li­chen Be­völ­ke­rung ent­stan­den ist.“ Ehrlichs düstere Prophezeiungen aus dem Jahre 1968 haben sich so nicht erfüllt. Vor acht Jahren wurde er in einem Interview auf die ausgebliebene Apokalypse angesprochen. Ehrlichs Antwort: „Seit dieser Zeit sind 200 Millionen Menschen verhungert. Für viele ist die Apokalypse längst Realität. Eine Milliarde Menschen hungern,drei Milliarden leben von weniger als zwei Dollar am Tag.“Im Jahre 1970 wurde der Friedensnobelpreis an den bedeutenden Agrarwissenschaftler Norman Borlaug verliehen. Dieser Mann hat wahrscheinlich mehr Menschen das Leben gerettet als irgendjemand sonst. Seine neuen gezüchteten Weizensorten waren ertragreicher als alle bisher bekannten. In seiner Rede zum Nobelpreis wies er darauf hin, dass die Grüne Revolution das Problem, dass immer mehr Menschen auch immer mehr Nahrung brauchen, nicht grundsätzlich löse.

Dass die Weltbevölkerung irgendwannwieder schrumpfen wird, ist einleuchtend, jedoch macht es einen erheblichen Unterschied, ob das Maximum bereits bei ca. 9 Milliarden Menschen um das Jahr 2070 herum -so Prof. Lutz- erreicht sein wird oder erst bei ca. 11 Milliarden um das Jahr 2100, wie von der UN prognostiziert. (Bei beiden Prognosen kann man nicht völlig ausschließen, dass sich die Menschheit schon vorher umbringt). Mit Recht wird in ihrem Beitrag auf die Bedeutung von Bildung als die beste Verhütung zur Vermeidung der Überbevölkerung unseres Planeten hingewiesen. Dabei werden Afrika und Südkorea als kontrastreiche Gegenpole ins Feld geführt. Um die geschilderten Gegensätze noch zu verstärken, sei angemerkt, dass aufgrund eines Ländervergleichs zur Intelligenz die Ergebnisse aus 112 Ländern vorliegen. Mit einem durchschnittlichen IQ von 100 Punkten steht Deutschland in diesem Ranking auf Platz 15. Mit 106 Punkten erreichen die Einwohner von Südkorea Platz 4. Der letzte Platz mit gerade noch 56 Punkten wird von Äquatorialguinea (Zentralafrika) belegt. Um es gleich vorweg zu nehmen:Aus keinerder hier verwendeten Studien geht hervor, dass der Intelligenzquotient abhängig von einer bestimmten Rasse ist. Tatsächlich gibt es aber durchaus sowohl nationale, politische als auch geografische Faktoren, die Einfluss auf die Intelligenz haben. Oftmals noch überraschend, aber wissenschaftlich inzwischen nachgewiesen sei, dass ein wärmeres Klima einen merklich schlechten Einfluss auf den Intelligenzquotienten habe.

Fazit: Wie der gigantische Nachholbedarf in Afrika an politischer und technischer Bildung, Aufbau von funktionierenden Verwaltungsstrukturen, eines fehlenden Gesundheitswesens, Abbau der immensen Korruption etc. etc. bereits bis 2070 erfolgen soll, vermag ich bis jetzt noch nicht zu erkennen. Ich erinnere mich noch, dass der Vorstandsvorsitzende eines großen Automobilkonzerns ein zweites Wirtschaftswunder für Deutschland vorhersagte, als ca. eine Million Migranten vorwiegend aus Afrika unser Land erreichte. Die Realitäten haben uns eines Besseren belehrt. Unter den damit zusammenhängenden Problemen ächzt die Republik bis heute. – Rudolf Jansche

 

Auf der Titelseite der ZEIT eine reisserische Ankündigung: „Mensch, wir werden weniger“ um dann im eigentlichen Artikel zugeben zu müssen, dass die Weltbevölkerung (je nach Modell) noch bis ins Jahr 2100 oder 2070 wachsen wird – ist das Schluderei oder Absicht? Werden Sie Herr Berbner das noch erleben? Dass ohne Quellenangabe (vgl. Brecker/Ibbitsens „Empty Planet“) die dort vertretenen Thesen z. T. wiederholt werden, macht die Sache nicht besser. Die eigentliche Problematik, wie die in den kommenden Jahrzehnten immer noch wachsende Bevölkerung angesichts der klimatischen Veränderungen halbwegs menschenwürdig ernährt und untergebracht werden kann, wird eher beiläufig behandelt: „Elf Milliarden satt zu kriegen, müsse kein Problem sein, die Nahrung müsse nur anders verteilt werden“. Was uns heute schon nicht gelingt, soll bei zunehmender Bevölkerung, zunehmender Migration und zunehmenden Klimaänderungen gelingen?? Ein Tiefpunkt dann noch einmal im letzten Absatz: Ein Ausblick ins gelobte Land der schrumpfenden Bevölkerung,wo man sich um die letzten jungen Menschen aus Afrika reissen wird – ein Schelm wer hier an die ach so andere Gegenwart und Wünsche als Gedankenväter denkt.

In dieser Woche fand nach 25 Jahren erstmals wieder eine UN Weltbevölkerungskonferenz in Nairobi statt, bei sehr zuirückhaltender Berichterstattung (kein Wort in der aktuellen Ausgabe der Zeit, keine Erwähnung im Dossier). Wärend über jede Klimakonferenz bis zum Überdruss berichtet wird, scheint das Bevölkerungsproblem (m.E. eine der Hauptursachen für anthropogene Klimaveränderungen) ja erledigt zu sein. Zumindest in den Wunschträumen einiger Journalisten. Bei einem solchen Thema würde ich mir von einer Zeitung wie der ZEIT doch etwas mehr Sorgfalt, weniger ungerechtfertigten Optimismus, mehr Abwägung von Positionen und etwas zurückhaltendere Schlagzeilen wünschen. – Erich Reimann

 

Ein sehr interessanter Beitrag, der Hoffnung macht, die Erde könnte uns doch überleben. Statt Programme zum weiteren Bevölkerungswachstum aufzulegen, sollten wir lieber daran arbeiten neue Strategien zu entwickeln, um die zu erwartenden (wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Weniger konsumieren entlastet heute schon die Umwelt und hat den Nebeneffekt, dass weniger Menschen für die Produktion benötigt werden. Vielleicht müssen unsere Kinde rund Enkel auch dichter zusammenrücken, teile der Erde komplett menschenfrei halten und sich dafür besser gegenseitig unterstützen. Ich teile keineswegs den Optimismus von Herrn Berbner, die in Afrika dazu kommenden Menschen hätten eine CO2-Bilanz von fast Null aufzuweisen. gerade dort wird noch viel mit Holz geheizt und gekocht. Mehr Menschen 0 mehr Bedarf an Holz = mehr Abholzung. Außerdem wird ein großer Teil des Tabaks in Afrika angebaut. Für 300 Zigaretten wird ein Baum gefällt. Mahr Menschen bedeutet auch mehr Raucher. Der Tabakanbau zerstört den Boden, Wüste entsteht. Hderr Berbner hat m. E. vergessen, dass ein großer Teil der Menschheit einen ähnlichen Lebensstandard anstrebt wie wir ihn haben. Daher dürfte die CO2-Bilanz der Menschen in Entwicklungsländern sich in den nächsten Jahrzehnten negativ für die Umwelt entwickeln. – Horst Schwäbe

 

Schon die Überschrift ist falsch. Aktuell werden wir nicht weniger, sondern mehr. Wirkönnten irgendwann weniger werden, unsere Hoffnung ruht darauf, und die Zahlen sprechen dafür. Doch schon 0,5 Kinder pro Frau mehr als im zitierten Medium-Szenario der UN führen zu einem anderen Szenario, der „High“-Version der UN: 16 Milliarden Menschen im Jahr 2100 mit weiter steigender Tendenz. Es ist nicht sehr schicklich, diesen „lästigen“ Unsicherheitsbereich zu verschweigen. Und wir müssen uns dafür hüten, aus den Zahlen des letzten Jahrhunderts ein Gesetz für die Ewigkeit abzuleiten. Das Schrumpfen der Menschheit als „bewusste Entscheidung der Menschen“ zu bezeichnen, suggeriert einen kollektiven Willen, doch den gibt es nicht. In Wirklichkeit leben Menschen in Systemen. Diese Systeme werden reguliert. Aus diesen Regeln entstehen Anreize, Möglichkeiten und Abschreckungen. In diesem Rahmen treffen einzelne Menschen ihre Entscheidungen, u.a. die Entscheidung, wieviele Kinder sie bekommen wollen.

Das Absenken der Geburtenraten, das weltweit eingesetzt hat, zeugt von Anreizen und Möglichkeiten, weniger Kinder zu bekommen. Doch wie gehen die Systeme, die Gesellschaften, mit schrumpfenden Geburtenzahlen um? Gibt es ein Vorbild, ein Land, dass eine langfristige Schrumpfung erfolgreich bewältigt hat? Der Autor gibt einige Beispiele für (bislang erfolglose) Versuche von Staaten, dem Schrumpfen entgegenzuwirken. Leider hört er da auf, wo dieser Artikel hätte spannend werden können. Wir brauchen einen grundsätzlichen Paradigmenwandel hin zu einem System, das nicht auf Wachstum angewiesen ist. In Deutschland sind wir davon weit entfernt. Selbst die Grünen, die doch eigentlich als entschiedene Bekämpfer von Fluchtursachen gelten wollen, leiten aus der Demografie die Notwendigkeit ab, gebildete Menschen aus ihren Herkunftsländern nach Deutschland zu locken. Doch diese Förderung der Bildungsmigration ist nur eine von vielen möglichen Reaktionen auf rückläufige Bevölkerungszahlen. Demokratische Sozialstaaten haben verschiedene Optionen, Anreize für mehr Kinder zu setzen, und haben einige von Ihnen schon umgesetzt (z.B. ein Recht auf einen Kita-Platz). Autoritäre Regimen stehen aber noch ganz andere Mittel zur Verfügung. Wir alle können gespannt darauf sein, wie China auf seinen demografischen Wandel reagiert. Schon jetzt wird das Kinderkriegen in regierungsnahen Zeitungen als nationale Pflicht bezeichnet.

Wer aus der bisherigen Erfolglosigkeit von Systemen, die Bevölkerungszahlen wieder wachsen zu lassen, ein ewiges Scheitern aller derartigen Bemühungen ableitet, der unterschätzt Energie und Einfallsreichtum der Menschen. Es ist richtig, das Wolfgang Lutz bzw. die Methodik des WIC das Bildungsniveau in die demokratische Matrix eingefügt haben. Aber es wäre falsch, daraus abzuleiten, dass die UN die Bildung unberücksicht lässt. Die Algorithmen der UN beruhen auf Entwicklungen, die stark von einem zunehmenden Bildungsniveau geprägt waren. Dementsprechend ist dieser Prozess auch in den Vorhersagen z.B. für Afrika inklusive. Der wesentliche Unterschied zwischen der Methodologie der UN und des WIC ist das Ausmaß, in dem persönliche Expertise in die prognostizierten Zahlen einfließt. Das WIC um Wolfgang Lutz gibt den Experten deutlich mehr Gewicht als die UN. Bei der UN dominieren die Zahlen. Wenn man sich frühere Prognosen und die darauffolgenden Entwicklungen anschaut, dann liegt die UN deutlich besser. Das hätte der der Autor ruhig erwähnen dürfen.Unterm Strich ist die Erweiterung der demografischen Matrix um das Merkmal des Bildungsniveaus vielversprechend aber noch nicht ausgereift. Herr Lutz hat sich sehr früh darauf festgelegt (2001 in Nature), dass die Menschheit im 21. Jahrhundert ihren Gipfel wird überschritten haben. Doch aus dieser (fixen?) Idee eine Tatsache zu machen, widerspricht aller wissenschaftlichen Seriosität.

Die Migration wird sowohl bei der UN als auch beim WIC eher stiefmütterlich behandelt. Ihr jetziges Niveau wird festgeschrieben und langfristig deutlich reduziert. Auch hier liegt eine erheblich Unsicherheit. Leider geht der Autor auf diesen bedeutsamen Faktor nicht ein. Im Moment ruinieren 7,5 Milliarden Menschen die Erde. Sie verursachen erdhistorische Veränderungen und entziehen sich damit selbst die gewohnte Existenzgrundlage. Sie konkurrieren unter einander (und mit den Ökosystemen) um die letzten nutzbaren Flächen. Die Erderwärmung vollzieht sich rasant und wird in ein Klima führen, dass der Mensch in keiner Weise kennt. Das Massensterben der Arten wird die Ökologie, von der auch der Mensch abhängt, in den Grundfesten erschüttern. In diesem Zusammenhang klingt es etwas zynisch, dass 11 Milliarden Menschen kein großes Problem sein sollten. Natürlich stammt das gegenwärtige CO2 nicht aus Afrika sondern aus den Industriestaaten. Aber es ist das erklärte und auch durchaus verständliche Ziel der sogenannten „Entwicklungsländer“, aufzuschließen und unseren Standard zu teilen. Wenn wir diese Bestrebungen nicht aktiv unterdrücken wollen (wie wir es im Moment nocht tun), so werden die Menschen, die aktuell in Afrika geboren werden, in wenigen Jahrzehnten, um ein gutes Stück weiter sein – und deutlich mehr CO2 erzeugen. Es ist eine verharmlosende Milchmädchenrechnung, im weiteren Bevölkerungswachstum nicht ein essentielles Problem auch für das Klima zu sehen. Und wenn die Nahrungsmittelverteilung schon jetzt ein Problem ist, so wird sie bei einem Anstieg der Weltbevölkerung um weitere 50% wahrscheinlich nicht einfacher werden. Wenn alle jetzt noch armen Menschen ebefalls 60 kg/Jahr Fleisch essen wollen, so wird nicht viel übrigbleiben von dem, was wir Natur nennen. Auch hier sprechen die Zahlen der letzten wenigen Jahrzehnte in China eine deutlich Sprache.

Die gegenwärtigen 1,3 Milliarden Menschen in Afrika werden sich wahrscheinlich in 30-40 Jahren verdoppelt haben. Wer glaubt, dass Afrika diesen Zuwachs innerhalb der kontinentalen Grenzen stemmen kann, steht wahrscheinlich (und hoffentlich) relativ alleine da. Wer glaubt, dass z.B. Ägypten mit seinen Wachstumsprognosen, dem erodierenden Nildelta, den rückläufigen Niederschlägen, der Endlichkeit seiner fossilen Wasservorräte und der Konkurrenz um die Wasser des Nil (siehe Äthiopien) langfristig friedlich bleibt, der ist zumindest ein unverbesserlicher Optimist. Wir haben schon im relativ kleinen Syrien gesehen, wie alleine der Wassermangel (niedrige Niederschläge, Stauwerke im türkischen Hochland von Tigris und Euphrat) eine Landflucht in Gang setzen kann, welche die politische Spannungen in den städtischen Keimzellen der Revolution zumindest hochgradig verstärkt hat.

Unterm Strich bleiben folgende Kritikpunkte: 1. Der Demografische Wandel ist kein unumstößliches Naturgesetz, 2. Dementsprechend ist das Ende des Menschheitswachstums kein Selbstläufer, 3. Die Migration (Bildungsmigration, Flucht, illegale Migration) ist in den Modellen unzureichend berücksichtigt, 4. China lebt vor, wie sich ein zahlreiches, vor 50 Jahren noch CO2-armes Volk durchaus zum größten Emittenten entwickleln kann, 5. Die Verhamlosung des Bevölkerungswachstum in armen Ländern in Hinblick auf künftige Klimafolgen ist daher nicht gerechtfertigt. 6. Bezüglich des deutlich komplexeren Artensterbens ist das Bevölkerungswachstum noch deutlich kritischer als in Hinblick auf den Klimawandel. 7. Noch kein Staat hat einen Paradigmenwechsel vollzogen, der ihm einen angstfreien Umgang mit schrumpfenden Bevölkerungszahlen ermöglicht. – Dr. Christian Voll

 

„In dieser Woche wurde auf der Bevölkerungskonferenz der Vereinten Nationen in Nairobi darüber gesprochen, wie die Gleichstellung der Frau vorangetrieben und die Bildung weiter verbessert werden kann.“ Ich lese den Artikel zum Stichwort „Demografie“ auf dem Rückweg von eben dieser Weltbevölkerungskonferenz. Über die Beiläufigkeit der drei Zeilen, mit denen sie in dem umfangreichen Text ganz am Rande noch so eben erwähnt wird, kann ich mich nur wundern. Die Konferenz bekräftigte und erneuerte das Aktionsprogramm ihrer historisch bedeutsamen Vorläuferkonferenz 1994 in Kairo, die gegen viele Widerstände den Weg bahnte für das Recht auf selbstbestimmte Familienplanung im Rahmen eines umfassenden Konzepts der „sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte“. Dazu gehören auch Zugang zu modernen Methoden der Familienplanung und Aufklärung über Sexualität und Verhütung.

Gewiss sind Bildung und Entwicklung mittel- und längerfristig die beste Familienplanung, aber unmittelbar gilt auch: Familienplanung ist die beste Familienplanung. Millionen Frauen in Ländern mit hohen Fertilitätsraten, insbesondere in Afrika, haben wegen schlechter Gesundheitsdienste, aber auch wegen Widerständen u.a. aus kirchlichen Kreisen, einen ungedeckten Bedarf an Verhütungsmitteln hier und jetzt. Dies führt zu hoher Mütter- und Neugeborensterblichkeit vor allem bei sehr jungen Frauen, eingeschränkten Lebensperspektiven für Kinder und Mütter und zu nationalen Wachstumsraten der Bevölkerung, mit denen Investitionen für Bildung, Gesundheit und Schaffung von Arbeitsplätzen nicht annähernd Schritt halten. Die „demografische Dividende“, die aus einem hohen Anteil arbeitender, Einkommen erzielender Menschen an der Bevölkerung besteht, kann nur dann eingefahren werden, wenn Familie und Gesellschaft allen jungen Menschen Förderung und Chancen bieten können. Unrealistisch ist zudem die Vorstellung, es ließen sich auf Dauer ohne Konflikt und Gewalt extrem unterschiedliche Lebensverhältnisse in reichen und armen Ländern aufrechterhalten, so dass der Kinderreichtum in armen Ländern ökologisch nicht zu Buche schlagen würde.

Stellenweise mit Bezug auf Prof. Wolfgang Lutz scheint der Autor ähnliche Argumentationsmuster zu verwenden wie der Papst in der Nachhaltigkeits-Enzyklika „Laudato Si“, wonach „eine wachsende Bevölkerung mit einer umfassenden und solidarischen Entwicklung voll und ganz zu vereinbaren“ sei (z.B. zitiert in https://www.stadtgottes.de/ratgeber/theologie/ist-der-kirche-die-ueberbevoelkerung-egal.html). Bei der päpstlichen Argumentation verbindet sich dies mit dem weiter bestehenden Verbot des Gebrauchs moderner Verhütungsmittel. Es wäre interessant gewesen, wenn sich der Autor explizit mit der Opposition der katholischen Kirche und anderer Gruppen gegen moderne Methoden der Familienplanung auseinandergesetzt hätte, statt nahe zu legen, dass Zugang zu Verhütungsmitteln nicht wirklich ein Thema sei. – Dr. med. Heide Richter-Airijoki

 

Ein wunderbares sehr informatives Dossier über die aktuelle globale Menschheitsentwicklung in Raum und Zeit. Am Anfang des Artikels sind einige der Symptome beschrieben, die zum rasanten Bevölkerungsanstieg in den betreffenden Ländern führen: Männer (und deren untergeordnete Frauen) und Wettbewerbsdenken (Macht), verkappt als Religion. Dies als Ursachendiskussion fehlt leider im Verlaufe des Artikels, während die Bildung als Chance identifiziert wird, um aus dem Armutskreislauf herauszukommen. Die Bildung allein nützt allerdings nichts, wenn die Frau weiterhin vom Ehemann unterdrückt wird. Deshalb haben sich offensichtlich viele (süd)ostasiatische Länder „weiterentwickelt“, nahostasiatische und einige afrikanische aber nicht. Israel ist das Gegenbeispiel dafür, dass Bildung der Hauptfaktor gegen das Bevölkerungswachstum ist. Hier ist Bevölkerungswachstum aus religiösen und politischen Gründen Programm. Und was bringt nun die Zukunft, wenn die Geburtenraten in Religions-dominierten Ländern (Islam und Judentum, keine echte Trennung zwischen Religion und Staat) hoch bleiben und alle anderen sinken. – Martin Grau

 

Interessant und unterhaltsam sind sie allesamt : Zukunftsvorhersagen. Schenken sie dem Menschen doch Hoffnung oder Finsternis, Optimismus oder Verzweiflung. Und jeder ist auch irgendwie beteiligt, erst recht, wenn es um die Bevölkerungsentwicklung auf unserm Planeten geht. Doch jede Vorhersage hat auch Lücken die nicht geschlossen werden können oder vergessen wurden. Die Zunahme der Weltbevölkerung auf das Bildungsniveau zu reduzieren ist einfach zu wenig , aber bequem, weil es schöne Zahlen gibt. Klimatische Veränderungen werden hier außer Acht gelassen, der Einfluß der Religionen wird sträflich vernachlässigt. Auch die gesellschaftliche Anerkennung von kinderlosen und kinderreichen Familien innerhalb der ( Landes) Gesellschaft bleibt unerwähnt. Es gibt große „Bevölkerungswanderungen“, oft unfreiwillig, ( Süd- u. Mittelamerika, Europa, Asien) die nicht ohne Einfluß auf die Bevölkerungszahlen sind und sein werden.

Das man mit staatlichen Anreizen ( !) die Kinderzahl nicht erhöhen kann ist überall , nicht nur in Südkorea, deutlich ablesbar. Aber warum, so frage ich mich, ist es ein Vorteil, wenn die Bevölkerung wächst. Das Modell, dass die „Jungen“ die „Alten“ am Leben halten müssen ist so alt wie das Mittelalter. Jeder Mensch der denken und laufen kann , kann auch für sich und andere sorgen, unabhängig vom Alter. Die Einteilung von Produzierenden und Produktempfängern muß konstruktiv, ideenvoll und unvoreingenommen geglättet werden, damit es auch mit weniger Menschen in Zukunft mehr Lebensqualität gibt. – Reinhard Schmitz

 

Weniger ist mehr, sage ich trotz der Hinweise von Bastian Berbner auf das Problem eines möglichen Bevölkerungsrückgangs ab Jahr 20soundsoviel. Bleibt die Frage, was die Gründe für das Bevölkerungswachstum in Afrika und dem Orient sind. Existenzsicherung durch Vermehrung? Aufwertung des individuellen Lebens? Oder Steigerung der Bedeutsamkeit der Ethnie, motiviert durch ideologische und/oder religiöse Vorgaben? Eins sollte heutzutage jedem klar sein: Lebensqualitäten werden durch die Geburt von Kindern nicht automatisch gesteigert, denn es kommt auf das mitmenschliche Verhalten jedes Einzelnen an, also die Bereitschaft zu Dialog und Kooperation. Da ist die vor Kurzem im Guardian getätigte Aussage des Staatspräsidenten von Niger, Mahamadou Issoufou, hilfreich, der das hohe Bevölkerungswachstum als Gefahr für ganz Afrika ansieht. Er warnt in dem Zusammenhang vor einem falschen Islamverständnis: „Der Islam sagt, dass man nur Kinder haben sollte, die man gut versorgen und großziehen kann.“ Und das gilt wohl für alle Menschen. – Christoph Müller-Luckwald

 

Nachdem ich die Seite des Dossiers, auf der die Gefahren der Unterbevölkerung geschildert wurden, zu Ende gelesen hatte, habe ich in der festen Überzeugung, dass das Dossier noch um ein wichtiges Kapitel weiterginge, umgeblättert. Sehr schade, da kam nichts mehr. Das fehlende Kapitel: die Digitalisierung, die den Umfang menschlicher Arbeit so drastisch verringern wird, dass hierzulande schon über Gegenmittel nachgedacht wird, z.B. über das bedingungslose Grundeinkommen. Die Globalisierung wird das ihre dazutun und die übrig gebliebene Arbeit sehr schnell über den Globus verteilen. Wie auch immer: viel weniger Menschen könnten die Versorgung von allen tragen. Die beiden Experten Frank Swiaczny und Wolfgang Lutz werden doch gewiss darüber nachgedacht haben. Warum verraten Sie uns das nicht? Es wäre sehr wichtig zu wissen. – J.Schnakenberg

Die gesamte Weltbevölkerung hätte in einem „Sarg“ von nur 3 Kubik-Kilometern Platz. Verblüffend, oder? – Klaus Scheffler

 

Klimafragen/Klimawandel gab´s schon immer, doch ab heute, sehr viel schlimmer?/Woher kommt denn diese Pein? CO2, das soll es sein?/Obwohl dies Gas die Pflanzen brauchen, sollen wir dadurch ersaufen?/Gibt´s vielleicht noch and´re Größen, die uns soviel Angst einflößen?/Tektonik ändert` einst das Klima, heute nicht mehr? Wirklich prima. Gashydrat und Tundragas. CH4, wie wirkt denn das?/Der Nordpol nicht mehr stille steht, weil sich die Erdachse verdreht?/Die Ellipse wird zum Kreis. Taut vielleicht nun all das Eis?/Sonnenteilchen ohne Ende brachten früher einst die Wende?/Angst beherrscht ab jetzt das Leben. Sollt es da nichts bess`res geben?/Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut./Die wär´sicher, glaubt es mir, vermehrt ihr Euch nicht so wie wir./Wir sind viele auf der Erden, wie wär´s, wenn wir wen`ger werden?/Mehret Euch, die Bibel mahnt. Was folgte, hat sie nicht geahnt./Wen`ger wäre hinzukriegen durch Viren, Sintflut oder Kriegen?/Mit Angstgefühlen wird gelenkt, mit Schuldkomplexen Macht geschenkt./Klima ist, das glaub´ ich schon, eine neue Religion. – Paul Schwedtke

 

In Bastian Berbners Dossier könnte man meinen, Georg Wilhelm Hegel hätte Volkswirtschaftslehre studiert. Des Modells willens nehmen wir einen aufsteigenden Weltgeist an und halten dabei sämtliche weiteren Variablen gleich. Wider besseren Wissens gehen wir dann noch unbedarft von der Theorie der rationalen Entscheidung aus. Danach glotzen wir wie ein Schwein ins Uhrwerk und wundern uns, wieso doch wieder alles ganz anders kam. – Marco Bradshaw

 


 

 

Leserbriefe zu „Murmelnde Macht“ von Bernd Ulrich

 

Vielen Dank für Ihre Verteidigung der Klimabewegten gegen den Vorwurf der Demokratieschädlichkeit. In Ihren abschließenden Wünschen/Forderungen geht es um die Ablösung einer „alten Mitte“, die durch Verschieben wirksamer Maßnahmen die Klimakrise nur verschärft, durch eine „neue Mitte“, welche die „Grenzen unserer politischen Gewohnheiten“ überschreitet. Den Begriff der politischen Mitte halte ich jedoch für sehr problematisch. Es handelt sich um einen neoliberalen Kampfbegriff, der den Bereich des politisch akzeptablen Denkbaren extrem eingrenzt. Ziel dieser Strategie ist es, die Gleichsetzung von Demokratie mit Markwirtschaft in der Öffentlichkeit für normal, vernünftig und alternativlos zu halten. Die Gesetze des „freien Marktes“ hegen angeblich sowohl kapitalistische Auswüchse als auch extreme politische Tendenzen auf „Maß und Mitte“ hin ein. Gerhard Schröder 1998: „Es gibt keine linke oder rechte Wirtschaftspolitik, sondern nur eine gute oder schlechte Wirtschaftspolitik“ Emmanuel Macron 2017: „ni droite, ni gauche“.

Die Mitte-Ideologie führt zu einer extremen Schrumpfung des Möglichkeitsraumes menschlicher Denk- und Handlungsoptionen für die Lösung gesellschaftlicher Probleme. Agenten dieser Einschränkung über die letzten Jahrzehnte sind einflussreiche Medien und ihre Besitzer. Was diese als öffentlichen Debattenraum zulassen, schafft den Raum öffentlich verfügbarer Lösungen und erklärt alles außerhalb Liegende für unvernünftig, irrational, extremistisch, populistisch. Der Schrumpfraum der alternativlosen Mitte stellt dagegen das eigentlich Vernünftige, Rationale, Verantwortliche dar. Durch die Hintertür hat die Mitte-Ideologie die Links-Rechts-Unterscheidung wieder eingeführt und definiert, was links-akzeptabel ist. Das akzeptable „Linke“ hat mit den historischen Inhalten der Kategorie jedoch nichts mehr zu tun. Was „Die Mitte“ als Raum öffentlich verfügbarer Lösungen gesellschaftlicher Probleme erlaubt, muss zugunsten der aufklärerischen Tradition dramatisch erweitert werden, sicherlich aber nicht nach rechts. Unsere vordringliche Aufgabe besteht also darin, die systematisch herbeigeführte Degeneration des öffentlichen Debattenraumes rückgängig zu machen. Streiten wir weiter – nicht nur in der entsprechenden ZEIT-Sparte! – Viktor Rintelen

 

Wir brauchen eine breite öffentliche Debatte zur Frage: Was heißt Demokratie? Demokratie kann nicht heißen, daß Reichtum von unten noch oben verlagert wird, ein Grundproblem, an dem Demokratie immer mehr zu zerbrechen droht. Demokratie kann auch nicht heißen, daß Profite auf Kosten des Gemeinwohls und der Umwelt geduldet werden, ein über Jahre verdrängtes Problem, was die Lebensgrundlagen der Menschheit bedroht. Demokratie heißt aber ganz sicher „Eigentum verpflichtet“. (Grundgesetz Artikel 14 Abs. 2) Diesen Artikel sollte die Politik bei den weltweiten Krisen besonders ernst nehmen! – Walter Moritz

 

Danke für diesen Kommentar , Sie sprechen mir so aus dem Herzen ! Ich war so entsetzt über die Worte unseres Bundespräsidenten. Jetzt können sich alle SUV-Fahrer und Viel-Flieger beruhigt zurücklehnen…. Unsere Kinder müssen uns Alten zeigen, wo es lang geht . ich freue mich sehr über unsere Jugend !!! Die Apokalypse seht nämlich vor der Türe ( siehe Australien…). – Andrea Schlemme

 

Bundespräsident Steinmeier hat einen Finger in die offene Wunde von Fridays for Future und ihrer Ikone Greta gelegt: In deren Analyse (alle Politiker haben die letzten 30 Jahre verschlafen, der böse Kapitalismus ist Ursache des Klimawandels) und in ihrer Forderung (lasst einen Experten-Rat an die Macht) ist die Bewegung zutiefst undemokratisch und illiberal. Daher ist es sehr befremdlich, in der demokratischsten Zeitung Deutschlands von Bernd Ulrich zu lesen, der Bundespräsident solle sich doch mal bitte schön bei den FFF-Jugendlichen entschuldigen. Und danach hundertmal den Rosenkranz zur Busse beten? Zudem wirft Ulrich dem Bundespräsidenten etliche Denkfehler vor und fordert, die „alte Mitte müsste vieles grundlegend verändern“. Uiuiui, das erinnert doch sehr an das Gerede von den „Altparteien“ der AFD, die ja ebenso wie die FFF-Aktivisten dem „System“ an den Kragen wollen. Ulrich macht einen Denkfehler, aber der ist entscheidend: In einer parlamentarischen Demokratie entscheiden im Endeffekt die Mehrheit aller Bürger, wer sie regieren soll und wer die Entscheidungen trifft. Also wären die Bürger „schuld“. Aber wenn diese Bürger auf gewisse Errungenschaften der Zivilisation nicht verzichten wollten und wollen und die Klimawandel-Panik (zu Recht wie ich finde) nicht mehr hören können – dann ist das halt so. Denn auch kleine Schritte werden den Klimawandel verlangsamen. – Manuel Andrack

 

Die Kritik von Bernd Ulrich an den warnenden Äußerungen unseres Bundespräsidenten in Richtung Fridays for Future halte ich für richtig. Diese Klimabewegung der Jüngeren gefährdet nicht Demokratie, sondern belebt sie. Wenn alles gut läuft, werden spätere Historiker einmal rückblickend analysieren, dass der „Druck von unten“ dazu geführt hat, dass die westlichen Demokratien angemessen auf die drohende Katastrophe der Erderwärmung reagiert haben. Auch die Kritik von Steinmeier an der apokalyptischen Redeweise der jungen Demonstranten halte ich für unangemessen. Apokalypse ist genau das richtige Sprachregister angesichts der Katastrophe, die auf uns zukommt. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen: Das letzte Buch der Bibel, die Apokalypse des Johannes, ist eines der wenigen Werke unserer kulturellen Tradition, das auf der Höhe des Geschehens ist. Die apokalyptischen Reiter Krieg, Hunger und Tod beschreiben ziemlich gut, was auf die Menschheit zukommt, wenn wir so weiter machen wie bisher. Es ist auch keineswegs so, dass die Apokalypse lähmt, wie Steinmeier unterstellt. Johannes wollte mit seiner Endzeitvision die jungen christlichen Gemeinden zu einer äußersten Anstrengung aller Glaubenskräfte motivieren. Genauso so etwas brauchen wir jetzt auch! – Olaf Hähner

 

Ich möchte mir bei Herrn Bernd Ulrich für diesen mehr als zutreffenden Artikel sehr herzlich bedanken.Treffender und besser kann man die beschriebene Problematik nicht mehr ausdrücken. Außerdem: Wenn sich führende Politiker bei den Klima-Aktivisten – besonders bei Greta Thunberg „bedanken“ so ist das (zumindest auch) das unausgesprochene Eingeständnis, bisher versagt zu haben. Wir werden von scheinheiligen Angsthasen regiert. – Gerhard Krohmer

 

Es ist ein erstaunliches Phänomen, dass in vielen Kreisen der Bevölkerung, darunter auch in den Reihen der Politiker, die existentielle Bedrohung des Klimawandels in ihrem vollen Umfang immer noch nicht erkannt wird. Es ist dies nicht eine Sache von mehr oder weniger Demokratie, von Wohlstandserhalt oder vom Überleben von Parteien, sondern ein schlichter, über alle Formen menschlichen Zusammenlebens hinausgehender Sachzwang. Mit der Natur kann man nicht verhandeln! Kleinliches politisches Taktieren oder gar stupides Leugnen muten da einfach nur grotesk an. – Dr. Peter Lautzas

 

Bravo, Bravo, Bravo!!! – Hermann Golla

 

Endlich mal eine Replik auf diese „Schönrednerei durch Verschweigen der Problematik“! Sie haben mir aus dem Herzen geschrieben, besonders mit „systemische Apathie“! Dies sollte zum „Unwort des Jahres 2019“ gekürt werden! Leider steht Herr Steinmeier nicht nur für das Politikversagen der Exekutive, sondern auch „seiner“ SPD. Da hat er eigentlich schon seit einem Jahrzehnt bei der „Mitte“ nicht mitgeredet.. Deshalb unterschätzt er zwar die Fähigkeiten der Demokratie als solcher, aber er schätzt die Fähigkeit seiner Partei schon richtig ein: Sie braucht erst mal Zeit zur Selbstfindung… und dann zum Nachdenken…. Mit Hochachtung vor Ihrem Mut. – Franz Berger

 

Guten Tag, ich bin wieder voller Bewunderung mit welcher gedanklichen Präzision B.U. unserem, von mir sehr geschätzten Bundespräsidenten, die falsche Richtungen seiner Warnungen und die verhängnisvolle Logik der Klimapolitik vor Augen führt. – Sven Herfurth

 

Mit einer gewissen Bestürzung habe ich diesen Leitkommentar gelesen. Ich bin weiß Gott kein Anhänger des hochverehrten Herrn Bundes-Präsidenten Herrn Dr. Steinmeier. Im Gegenteil; zu seinen Reden fällt mir immer wieder der Ausspruch Ihres verstorbenen Kollegen Mocker ein: „Die Reden unserer Bundespräsidenten sollte man nicht auf die Goldwaage legen. Die ist zum Wiegen von Blech nicht geeignet.“ Aber, dieser Artikel tut Herrn Dr. Steinmeier Unrecht. Leider muss ich das Ende meiner Abonnement Bestellung abwarten. Ansonsten hätte ich es schon längst gekündigt. In meiner Zeit als ZEIT Leser – seit über 50 Jahren- habe ich noch nie solche absurden Ausführungen eines total verbohrten Greta Anhängers lesen müssen. Aber, vielleicht gibt es ja noch Hoffnung! Gestatten Sie mir auf einen Artikel Ihres Kollegen Martenstein zurück zu greifen, in dem sich dieser dafür aussprach, für Greta Anhänger eine Art von Kirchensteuer einzuführen. Dann könnte Herr Ulrich vom Amt des stellvertretenden Chefredakteurs in das des Hohen Priesters der Greta Religion ohne finanzielle Nachteile überwechseln.

Hier könnte er dann Predigten halten, die auf der Linie dieses Artikels liegen. Die Geistesgeschichte hat bewiesen, dass neue Religionen sich nur durchsetzen können, wenn sie a) eine Heilsbotschaft verkünden (zweifelsohne bei Klima Heiligen Greta gegeben, wenn sie b) eine Endzeitdrohung heraufbeschwören und wenn c) sie Maßnahmen ergreifen können, um mit Strafen ihre Glaubenslehre durch zu setzen. Für letzteres wären das Beste ein Großinquisitor und ein oder zwei Glaubenstribunale. Für das Amt des Inquisitors wäre sicherlich Herrn von Kittlitz der geeignete Kandidat, da er auf eine Serie von tiefsinnigen, wenn aber auch nicht immer zutreffenden Artikeln verweisen kann. Von den zwei Tribunalen müsste sich eines mit den Klimaleugnern allgemein und das zweite mit denen von der AfD befassen. Gerade für das zweite gäbe es sicherlich genügend geeignete Kandidaten. Dafür spricht die AfD Phobie, die sich jede Woche in Anti AfD Artikeln nieder schlägt. Die Strafen für beide Sorten der Klimaleugner werden Sie sicherlich ohne fremde Hilfe festlegen können. Bitte, überlegen Sie es sich!! – Ulf Hanel

 

Ein ganz großes Dankeschön für die klaren Worte an den Bundespräsidenten und die Unterstützung für die engagierten Jugendlichen. – Iman Schwäbe

 

Die Diskussion um Ursache und Bekämpfung der Klimakrise läuft Gefahr, in einer Welle gegenseitiger Anschuldigungen unterzugehen. Sei es die Kritik an einer exzentrischen Greta Thunberg, der Ärger um die angebliche Untätigkeit einer Angela Merkel oder die weit verbreitete Angewohnheit, eine Entschuldigung der alten Generation einzufordern. Es ist und bleibt leichter, Sündenböcke zu personifizieren, als nüchtern und objektiv Probleme zu lösen. Dabei hat der Appell des Bundespräsidenten durchaus Gewicht: Eine Klimawende mussnicht nur, sie kannauch nurinnerhalb unsererfreiheitlich demokratischen Grundordnung erreicht werden. Denn entgegen der zunehmenden Angst, unsere Demokratie würde eine sinnvolle Klimapolitik lahmlegen, bietet sie doch die beste Grundlage für einen Diskurs und das größte Forum für Lösungsvorschläge. Und davon können wir derzeit einige gebrauchen!- R. Muggenthaler

 

Mein Lob an Herrn Bernd Ulrich. Seine Artikel finde ich fundiert, wesentlich und sachlich. Ich vermisse aber bei aller Kritik an der Politik und der Politiker, die Kritik an der Industrie. Wenn auch einige es nicht mehr hören können, genauso wenn man über die Klimakrise spricht, sollte man doch immer wieder auf das Versagen der Industrie, genauer der Großindustrie hinweisen. Zum Beispiel hätte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (ok keine Industrie, aber stark beeinflusst von der Industrie) über Jahre hinaus nicht die Atommeiler Forschung unterstützt, als wenigsten denen in Wackersdorf schon klar war, dass man auf dem Holzweg ist. Wäre Siemens nicht noch erfolgreicher, hätte sie ihre Atomenergiesparte früher gekürzt? Würde unsere Autoindustrie nicht vor Tesla zittern, hätten sie weniger Geld in die Beeinflussung der Politiker gesteckt, und mehr in die Forschung der Mobilität? Büchners Worte : „Krieg den Palästen, Friede den Hütten“, ist abgewandelt leider immer noch aktuell. Die Macht der Industrie kann man mit Gesetzen einhegen, aber dazu gehört, dass dieses Problem in den Köpfen der Leute ankommt. – Alexander Kos

 

Erstaunlich auf welches minderwertiges Niveau sich Die Zeit mit der Titelstory „Murmelnde Macht“ von Bernd Ulrich am 14.11.19 begibt. Dieser Beitrag ist für mich Grund genug ihre Berichterstattung in Frage zu stellen. Dem Verlag wünsche ich weiterhin viel Erfolg. – Walter Assfalg

 

Wer das Privileg hat, in einer angesehenen Wochenzeitung wie DIE ZEIT so einen Artikel zu schreiben, ist sich der überdurchschnittlichen. Reaktion bewußt, ja, fordert sie geradezu heraus. Es ist im Grunde zwecklos, eine für mich „sektenähnlich“ Ideologie auch nur ansatzweise zu widerlegen. Wer denn gutheißt , Klimapolitik mit Katastrophen Szenarien zu puschen, soll es tun. Ich glaube, es ist die Pflicht, eines Bundespräsidenten , einen aus dem Ruder laufenden Prozess, kritisch zu hinterfragen. Es geht hier nicht nur um ein Kleinreden der Demokratie. Ligitimiert eine ökologische Sichtweise als alleinige Weisheit, Wahrheit zur faktischen Bevormundung? Wer das so empfindet, empfindet grundsetzlich Ohnmacht. Bürgerliche Ohnmacht ist kein Freund der Demokratie. Die alte, neue, obere oder untere Mitte, egal, wird hoffentlich, wie bisher eine politische Mehrheit bilden. Der erforderlichen Wandel, ob langsam oder schnell sollte von dem Fortschrittsgeist bestimmt sein, der von nicht wenigen weltweit angestrebt wird. – Walter Schroiff

 

Bernd Ulrichs Replik auf einen bedenkenswerten, weil potentiell demokratieschädigenden Aspekt einer apokalyptisch überhöhten Klimadiskussion verstört. Seine die Zielsetzung des Beitrags leitende rhetorische Frage: “ Will der Präsident damit unterstellen, relevante Kräfte in der Klimabewegung hätten die Absicht, die Demokratie kleinzureden?“ verkennt absichtsvoll die Intention der Äußerung des Bundespräsidenten. Bernd Ulrich kann nicht zugestehen, das es in der politischen Auseinandersetzung nicht ausreicht, das klimapolitisch Wünschenswerte zu wollen. Man muß es vielmehr auch mit geeigneten Mitteln und Argumenten bewirken. Auf dem Weg dahin müssen in einer Demokratie die Bürger mitgenommen werden. Anderenfalls löst das apokalyptische Fanal des baldigen Klimatodes eben die von Steinmeier befürchtete Gegenbewegung aus. Die notwendigende Unterscheidung zwischen der Zielsetzung der Klimaaktivisten und deren demokratieschädigenden Nebenwirkungen wird von Bernd Ulrich absichtsvoll verkannt. Ein solches methodisch fragwürdiges Vorgehen wird, wenn es von rechtsaußen benutzt wird, auch in dieser Zeitung zu Recht kritisiert. – Dr. Wolfgang Hirsch

 

Sie scheinen mir ein beschränktes politisches Gedächtnis zu haben. Die Klimakrise war nie zentrales Wahlkampfthema? Oh doch. Es war bloß nicht mehrheitsfähig … „Alle reden von Deutschland. Wir reden vom Wetter.“ Ha ha! Ham wa gelacht! wie absurd! wie lebensfern! ja was WURDEN die BündnisGrünen lächerlich gemacht dafür, sich um den Globus als Ganzes sorgen zu wollen, um die Menschheit, Pflanzen- und Tierreich als deren Mitwelt inclusive, wo doch das ganze Land glücksbetroffen und -besoffen war von der Vereinigung. „Thema verfehlt, setzen, 6!“ Und 30 Jahre später? Stellt sogar Bernd Ulrich fest, dass man vielleicht besser früher als später mit Umsteuern anfängt. Man könnt ja mal die Größe haben zuzugeben, dass Bündnis90/Die Grünen vielleicht DAMALS schon recht hatten UND sogar den Mut, ein Thema absolut gegen den ZEIT-Geist zu verfolgen und für wichtig zu nehmen. Aber nein, man belustigt sich, dass die ja derzeit „von selbst“ Erfolge einfahren und dafür nur mehr „ihren Namen tanzen müssen“, immerhin mit anerkannter Haltungsnote: „… was sie freilich sehr anmutig tun“.

Aber nee, jetzt verfolgen die „Grünen“ (wo bleibt bloß immer das Bündnis 90?) das Klimathema ja nur, weil sie die Macht wollen. UND verbieten. UND allen anderen den Spaß nehmen. UND … Dass man ein Thema setzen und verändern wollen könnte, weil es in sich wichtig ist, derlei käme einem politischen Journalisten wohl nicht in den Sinn … und zuzugeben, dass das schon ziemlich lange bei ziemlicher UNpopularität geschieht – platter gesagt: dass sich die Gesellschaft DA HIN bewegt, wo Bündnis 90 / Die Grünen ziemlich allein, ziemlich einsam schon ziemlich lange stand und steht – DAS käme einem politischen Journalisten wohl nicht in die Feder bzw. den PC … denn dann könnte man dies ja auch mal als Beharrlichkeit, Standhaftigkeit, Prinzipientreue loben und anerkennen … wenn man denn wollte. – Christian Naundorf

 

Vielen Dank für die notwendige Klarstellung. Ob die Demokratie dazu befähigt wird, entscheidende Lösungen zum Klima zu finden liegt sicher nicht an der Demokratie höchstens daran wie die Menschen fähig sind/werden, sie zu beleben. Unser Glück ist die Freiheit, unser Pech ist die Freiheit. Nun zur Apokalypse. Wir Menschen haben uns gefährlich weit vom seelisch geistigen entfernt, vom Göttlichen gar nicht zu sprechen. Das bedeutet, dass die Erde innerhalb von 50 Tagen in dieser Form verschwinden kann. Junge Leute, die noch nicht dem materiellen Wahn verfallen sind und sich noch nicht bequem eingerichtet haben spüren dies deutlich. Dass sie sich aufs Klima geeinigt haben, verengt das Problem etwas, kann aber ein Ansatzpunkt sein.

Die dem christlichen Glauben zugehörigen Menschen beten schon lange und wissen auch darum: Nicht mein Wille sondern Dein Wille geschehe. Nur leider halten sie sich nicht daran. Die Offenbarung des Johannes und das Johannesevangelium sind dabei vielleicht die am wenigsten verstandenen Teile der Heiligen Schrift. Die Apokalypse des Johannes ist siebenfach verschlüsselt und so nur wenigen zugänglich. Sie ist aber kein Untergangsscenario, sondern weißt nur darauf hin, dass die, die nach zweitausend Jahren und davor geschah auch schon einiges Wesentliches immer noch nicht dem Willen Gottes folgen untergangsgefährdet sind. Die jungen Menschen spüren vielleicht, dass die Vergiftung der Erde und deren Ausbeutung nicht zum natürlichen Gang der Menschheit gehören und es dringend eines demütigen Umdenkens und besonders auch Handelns bedarf da ist auch kein Spielraum mehr. Zum Schluß noch ein wichtiger Aspekt, der das Innenleben des Menschen betrifft. Der spiegelt sich nämlich indem, was er sich im Äußeren geschaffen hat. Noch haben wir die Wahl zwischen Paradies auf Erden und Untergang. – Hans Joachim Hühner

 

Sie gaben den Anstoß zum Nachdenken, die „Fridays-For-Future-Demo-Schüler“. Die Zeiten des „Einfach-so-Weitermachens“, die schienen endgültig vorbei zu sein, doch jetzt, mit der Zeit, da werden sie langsam sehr nervig, diese Klimarettungs-Nervensägen. Es wäre so schön und auch so schön bequem, wenn alles doch beim alten bleiben könnte. Das Konsumieren auf „Teufel komm raus“, das hat auch sehr viele guten Seiten, und diese paar Schattenseiten; naja, vielleicht wird es doch nicht so schlimm kommen! – Klaus P. Jaworek

 

da ermahnt ein präsident die mittelstandsjugend mit ihrer klimaradikalität zurückhaltender zu sein, denn man trifft sich auf der strasse zum protest hinter der medial aufgeputschten greta, zu dem mamma und papa diese im SUV hinfuhren… und wenn dann ferien kommen, darf diese jugend für 30 € nach mallorka hin und rück den ballermann besuchen. oder in die weite welt mit dem flieger, während ihre eltern den flug zum shoppen nach london oder paris oder madrid buchten…. und der grüne einpeitscher bernd ulrich … grün = wasser predigen und wein saufen – findet diese art von jugend protest so gut, dass er zu vergessen scheint, dass das weltweite militär – usa, china, russland,indien – drei viertel des co2 ausstosses erzeugt was nicht geändert wird, sondern in jeder kriegerischen auseinandersetzung steigerungsfähig ist.

dann will man den verkehr und die auto industrie mit batterie angetriebenen fahrzeugen als co2 emmissionsfrei sehen, wissend, dass die rohstoffgewinnung von kobalt und litium in den regionen in dem diese batterie rohstoffe abgebaut werden menschen und naturverachtend ist…bei uns ist es sauber, motto- was schert mich die menschheit und natur in afrika oder südamerika… ALSO, lieber herr ulrich, schreiben sie ruhig grün weiter… das weltklima ist nicht mit den 80millionen deutschen zu retten, es ist bei dem gnadenlosen co2 verbrauch einer wachsenden 8milliarden bevölkerung, die alle so – wie bernd ulrich – leben wollen und dem co2 rücksichtslosen militär ein tanz auf dem vulkan, der vor sich hinbrummt. so kann sich unser verhalten nur in dem rahmen bewegen, der unser präsident vorgibt… nämlich im unaufgeregten kompromis, der unser leben unter beachtung machbarer reduktionen lebenswert macht. ihnen gehts doch gut… oder? – prof. wulf schmiedeknecht

 

Die Ökologie ist die neue Ökonomie, gesundes Klima und saubere Umwelt das neue Kapital, die Größe der Eisberge der neue Indikator für Wachstum. Hinsichtlich einer nachhaltigen Antwort auf diese überaus notwendigen Erkenntnisse, mithin einer realistischen Gestaltung von Klimapolitik, verfällt vielmehr die Bundesregierung zusehends zu einer Sollbruchstelle unserer liberalen Verfasstheit. Und insoweit betreibt der Herr Bundespräsident – absichtlich oder nicht – schlichten Opportunismus auf Kosten derer, die er vor demokratischer Nestbeschmutzung und Anti-Utopie warnt; und die künftig die eskalierende Hauptlast des ökologischen Erbes werden tragen müssen. Auch dürfte Frank-Walter Steinmeier wissen, dass der Klimawandel, seit Dekaden (und bis dato) begleitet von einer diesbezüglich außerordentlich lethargischen Politik, viel zu weit schon fortgeschritten ist, als dass unsere Demokratie auf besonders eindringliche Mahnungen noch immer verzichten könnte. Es gilt somit nunmehr, dem bislang unverbürgten Klimaschutz mithilfe aller zur Verfügung stehenden demokratischen Kräfte endlich unisono einen starken Odem einzuhauchen. – Matthias Bartsch

 

Vielen Dank für Ihren Artikel. Sie sprechen mir aus dem Herzen. Der Bundespräsident schießt voll daneben und sollte sich schämen. Ich hoffe er liest Ihren Artikel ! – Susan G. Molden

 


 

 

Leserbriefe zu „“Ich bin wütend auf Deutschland, weil es meine Eltern vernächlässigt hat“. Streit von Özge Jacobsen et al.

 

Ich habe selten einen so verstörenden Artikel gelesen über die 4. Generation der Kinder der ausländischen Arbeitnehmer, die seinerzeit „Gastarbeiter“genannt werden durften. Ich arbeitete bei einem der größten Luftfahrtunternehmen Europas und erinnere mich ganz genau wie bei uns Arbeitnehmer aus allen Ländern Europas angeworben wurden. Bevor die ausländischen Arbeitnehmer (es handelte sich übrigens überwiegend um junge Männer, der Familiennachzug erfolgte viel später) zu denselben Arbeitsbedingungen wie deutsche Arbeitnehmer eingestellt wurden, mussten alle Deutsch lernen und für die jeweiligen Einsätze eine kleine Prüfung ablegen. Die Menschen aus der Türkei und zum größten Teil aus Griechenland haben sich nicht an den Fortbildungsmassnahmen beteiligt. Sie gingen davon aus nach einigen Jahren in ihre Herkunftsländer zurück zu kehren. Die damalige Gesetzgebung sah Gleichbehandlung , Antidiskriminierung usw. leider noch nicht vor, so dass es sicherlich Lohnungleichheiten gab. Diese konnten durch Teilnahme an den vom Arbeitgeber kostenlos angebotenen Fortbildungsmassnahmen ausgeglichen werden. Die Aussage dieser Generation „Deutschland hat meine Eltern vernachlässigt“ ist eine unfassbar falsche Aussage.
Die Diskutanten sind es, die die Früchte ihrer Eltern geerntet haben und froh und dankbar sein können, dass Sie die Möglichkeit hatten, eine gute Ausbildung zu erhalten oder zu studieren. Hypothetisch die Frage, wie es gewesen wäre, wenn die Eltern nach 5 Jahren in ihre Herkunftsländer zurück gegangen oder sich gar nicht erst für Deutschland entschieden hätten? Übrigens: Die ehemalige DDR hat Menschen aus den sozialistischen Brüder-Staaten geholt um dem demokratischen Deutschland zu zeigen „wir können es besser“. Bessere Wohnungen und zum Teil bessere Arbeitsplätze hat dort Neid geschürt so dass die „Brüder“ sich abschotteten und sich nicht integrieren konnten. All das habe ich in der Diskussion vermisst. Ja, es ist richtig – die ausländischen Arbeitnehmer haben zusammen mit den deutschen Arbeitnehmern zum wirtschaftlichen Aufbau Deutschlands beigetragen. Aber wofür Dankbarkeit? Auf Leistung (Arbeit) erfolgte Gegenleistung (Lohn). Für alles andere, Sozialisierung, Integration, Bewahrung der eigenen Kultur, Sprache) war und ist jeder selbst verantwortlich. – Fabian Chamay

 

Das Lesen der einzelnen Äußerungen war durchaus interessant. Dennoch einige kritische Bemerkungen bzw. Ergänzungen: „Dass die Leistung der Gastarbeiter wesentlich zur Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland beitrug, wird völlig außer Acht gelassen“ (Andr. Vodjevic). In wieweit „wesentlich“ stimmt bleibt fraglich in Anbetracht der Tatsache, dass muttersprachliche Analphabeten nach 4 -5 Jahren Schule zunächst Hilfsarbeiter waren. „. dass es die Entscheidung Deutschlands war, Menschen zu holen, undzwar aus marktpolitischen Gründen..“ ( Lumnije Jusufi). Es ist leider völlig unbekannt, das Deutschland diese Mensch nicht -von sich aus – geholt hat, sondern zur Entlastung der Herkunftsländer (Türkei bes.) übten die USA Druck auf D., Arbeiter aus armen Gebieten zu beschäftigen. Man kann das nachlesen in Heike Knortz: Diplomatische Tauschgeschäfte, Böhlau Verlag Köln 2008. Da gab es schon das „Wirtschaftswunder“. In der Einleitung des wissenschaftlich fundierten Buches schreibt die Autorin: „….Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte ging weder von der Bundesrepublik aus noch folgte sie originär arbeitsmarktpolitischen Erwägungen…“ und weiter: „aber es waren ausländische Regierungen, die an bundesdeutsche Ministerien mit der Bitte um Entsendung von Arbeitskräften herantraten.“ Weiter Cilia Quive: „Es würde reichen anzuerkennen, dass sie gemeinsam mit den Menschen hier Deutschland zu dem gemacht habe, was es heute ist“. Dieses vermeintliche Verdienst ist zu relativieren. (3. Mio. Gäste bei 60 Mio. Deutscher – bis 1990, 80 Mio ab 1990!). Dennoch ist Anerkennung angebracht und sinnvoll. Leider zeigt der Wunsch von C.Qu. mal wieder, dass offenbar ein Gefühl von Minderwertigkeit besteht.

Die an sich gar nicht berechtigt wäre. – Eine Studie vom VW zeigte ( FAZ v. 30.9.2015), dass selbst die besten staatlichen, kommunalen und unternehmerischen Rahmenbedingungen keine Garantie für Integration bieten. Es kommt wesentlich auf die Einwanderinnen und Einwanderer an, auf ihr soziales Kapital und ihren Willen, sich auf das neue Land einzulassen.“ Das zeigen ja -leider nur in rel. geringer Zahl -einige bekannte Erfolgsbiografien. „Ich bin wütend auf Deutschland, weil es meine Eltern vernachlässigt hat“. Dazu meine Meinung: wenn schon Wut, dann sollte das Verhalten der Eltern Grund dazu sein, die objektiv betrachtet, sich in nur geringem Umfang sich auf das neue Land eingelassen zu haben. Vielmehr zeigt ja z.B. die 60 % der Wähler für Erdogan, dass offenbar die Verführungskünste aus der Türkei erfolgreicher sind als die Angebote Deutschlands. Allerdings zeigen ja geade die interviewten jungen Leute, dass sie selbst offenbar gut integriert sind. Sie sollten wegen vorhandener Defizite nicht in eine „bequeme“ Opferrolle wechseln, sondern sich gründliches Wissen aneignen. – Dr.med. Johannes Schumacher

 

Man kann sich des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass „Deutschland“, was oder wer auch immer das sei, für vieles herhalten muss, was in Biografien und Familienchroniken nicht gut gelaufen ist. Bei allem Respekt vor der Lebensleistung einzelner Menschen, auch der Einwanderer und ihrer Kinder, scheint es mir doch zu einfach, rückblickend die Allgemeinheit anzuklagen. Was ist das Ziel? Wird Wiedergutmachung oder Schadensersatz gefordert? Oder will man einfach nur gehört werden? Es ist eine seltsame Zeit. Einerseits gilt die Frage nach der Herkunft seines Gegenübers manchen als pietätslos bis diskriminierend, andererseits drängen betroffene Stimmen in die Öffentlichkeit, die genau diese Herkunft zum Thema machen. Hier sind Sensibilität, Offenheit und Mut zur persönlichen Begegnung gefragt. Aber wenn wir uns dabei in einen fruchtlosen Streit über die Vergangenheit verheddern, verlieren wir die Zukunft aus dem Blick. – Dr. Christian Voll

 

Ich glaube nicht, dass wir von einem Staat das erwarten dürfen, was wir von unseren Familien erhoffen und auch nicht immer bekommen: Anerkennung und Lob. Staaten – das sind die oft willkürlichen Zusammenfassungen vieler Einzelner zu einem unsortierten Gebinde, dem, vereinfacht gesagt, entweder die Schleife „Demokratie“ oder der Gürtel „Diktatur“ umgebunden wurde; wir alle sind eine Blume, eine Distel, ein Zweig in diesem Gebinde. Im zerstörten Nachkriegsdeutschland wurde Hilfe gebraucht, die Gastarbeiter ihrerseits kamen, um sich Wohlstand zu erarbeiten und später im Heimatland davon zu zehren. Dass aus den Gästen Hausbewohner werden würden, wusste noch niemand. Jede Zeit hat ihre Gesetze. Unsere direkten Vorfahren, Wunder und Schrecken, Erbauer und Zerstörer, Menschen, wie es sie überall auf der Welt gibt, sind im Nazi- und Kriegszusammenhang auch stark von Deutschland, also auch von sich selber, vernachlässigt worden, desinformiert, aufgehetzt, in Elend und Krieg geschickt, vergewaltigt, um Leib und Leben gebracht. Deutschland jetzt – das sind nun wir, die hier früher oder später Geborenen oder Hinzugekommenen. Das Deutschland von gestern ist vorbei, das Deutschland von heute dürfen wir alle aktiv mitgestalten. Für das Land ist es umso besser, je mehr Menschen ihr Universum mitbringen, es für alle öffnen und, unbeirrt von inneren und äußeren Widerständen, für eine noch größere Vielfalt sorgen. Das gilt letztlich für uns alle, denn wir alle sind Migranten auf dieser Erde, wir kommen und gehen. –Bettina Oehmen

 

Als ehemaliger DDR-Bürger empfinde ich einige Passagen in Ihrem Beitrag als nicht zutreffend. Und um hier keinen falschen Eindruck zu hinterlassen, muss ich vorausschicken, dass ich mit Sicherheit nicht fremdenfeindlich bin. Man muss einfach mal davon ausgehen, dass sowohl die „Gastarbeiter“ als auch die „Vertragsarbeiter“ freiwillig sowohl in die BRD als auch in die DDR gekommen sind, hauptsächlich, um für sich und ihre Angehörigen einen besseren Lebensstandard zu erreichen. Wie schon Udo Jürgens sang: „Und das Ersparte genügt zu Hause für ein kleines Glück…“. Zu einem großen Teil dürften diese Pläne auch aufgegangen sein. Warum also sollte man den Anteil der Eingewanderten an der „Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik“ höher einschätzen als den des deutschen Bevölkerungsanteils? Ich halte es auch für freiwillig Einwandernde, also nicht: Flüchtlinge, als Selbstverständlichkeit, dass sie sich um den Erwerb von Sprachkenntnissen im Einwanderungsland selbst bemühen. Das dürfte beispielsweise den europäischen Auswanderern in die USA im 19. Jahrhundert auch nicht anders ergangen sein.

Wenn das Einwanderungsland hier Sprachlehrgänge organisiert, ist das eher eine nette Geste. Einen Anspruch des Einwanderers darauf halte ich für überzogen. Und mir scheint auch, dass Sie mitunter die falschen Leute befragen. Vielleicht nicht jedem, bestimmt aber vielen DDR-Bürgern war bewusst, dass es „Vertragsarbeiter“ gab, z.B. die hauptsächlich aus Nordvietnam stammenden Vertragsarbeiter. Sie galten allgemein als sehr bescheiden und fleißig. Und sie nähten gegen Bezahlung in ihrer Freizeit auf Bestellung Jeans, die ja bekanntlich im Handel der DDR nur schwer erhältlich waren. Sie hatten darüber hinaus die Möglichkeit, in das „nichtsozialistische Ausland“, zumindest aber nach Westberlin, zu reisen, was normalen DDR-Bürgern kaum möglich war. Für ihre Geschäftstüchtigkeit sprach, dass sie dort PC’s (in meiner Erinnerung: Fabrikat „Schneider“) kauften und diese dann in den „An- und Verkauf-Läden“ der DDR verkauften. Dort konnten DDR-Bürger und -Firmen sie zu horrenden Preisen erwerben. Aber auch dunkelhäutige Vertragsarbeiter sah man bisweilen auf der Straße. Nach meiner Erinnerung stammten sie hauptsächlich aus Moçambique. – Dieter Schuster

 

Gerade habe ich die Zeit gelesen, Seite 10 über STREIT. Die Damen und Herren schreiben immer über „die Deutschen“. Dasist so ungerecht, denn nicht alle sind wie die Beschriebenen. Unsere Familie hat 1982 für immer eine argentinische Austauschschülerin in die Familie aufgenommen und ab 1986 haben wir drei vietnamesische Kinder in die Familie für immer aufgenommen.Da einer der Jungen hier nicht klargekommen ist, haben wir ihn 4 Jahre später mit Außenminister Kinkel zu den Eltern wieder nachVietnam gegeben. Kinder aufgenommen habenhier in Norddeutschland viele Familien getan. Bei uns gehören sie bis heute dazu. Wir sind die Eltern, Großeltern undUrgroßeltern, obwohl wir 3 leibliche Kinder haben. Obwohl die Eltern später nachgekommen sind, ist für die klar, dass wir die deutschen Eltern sind. Wir möchten gerne, dass Sie Frau Nguyen schöne Grüße ausrichten. Unsere vietnamesische Tochter hat übrigen den selben Nachnamenals Kind gehabt. – Ingrid Oske

 

Welch ein Hohn: “ GAST“-Arbeiter. Haben wir uns um unsere „Gäste“ gekümmert, ihnen die vermeintlich jetzt dringrnd notwendigen Deutschkurse vermittelt? Um sich hier integrieren zu können. Da war der Begriff „Vertrgsarbeiter“ wesentlich ehrlicher. Nur frage ich mich heute, wieso ist die unfaire Bezeichnung im Westen kein Theam gewsesn? Weil der „Marktwert“ dieser Menschen für uns wichtiger war ? – Geelke Braun

 

Ist man als Deutscher gleich Rassist, wenn man Masseneinwanderung aus fremden Ländern und Kulturen ablehnt? Wenn man glaubt, daß nur Integration kleiner, nicht großer Minderheiten gelingt? Wenn man vor der Entwicklung von Parallelgesellschaften warnt? Wenn man es für sinnvoller hält, die Arbeit zu den Menschen zu bringen statt umgekehrt? Wenn man die Aufenthaltszeit für Gastarbeiter begrenzen möchte, damit sie ihre erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten auch zum Nutzen ihrer Heimatländer einsetzen können und ihren Landsleuten, wenn sie es wünschen, die gleichen Ausbildungs- und Arbeitschancen hier ermöglichen? Die Kinder/Enkel der Gastarbeiter, die in dem STREIT-Artikel ihre deutliche Kritik an den Versäumnissen des Gastlandes äußerten – frei von Selbstkritik – müßten Engländern, Franzosen, Niederländern, … dieselben Vorwürfe machen! Den Deutschen aber wird eine vermeintliche geschichtliche Prägung und eine dem Charakter vieler unserer Landsleute vielleicht innewohnende Distanz zu Fremden reflexhaft als Rassismus ausgelegt! Als „Eiterblase“ jedoch, die auch „platzen“ kann, gibt es den wirklichen nicht nur hier, sondern überall auf unserer Erde! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 

Die Diskussion wurde etwas einseitig geführt. Natürlich ist es richtig, dass die Gastarbeiter Deutschland auch zu dem gemacht haben, was es heute ist. Allerdings ist auch richtig, dass die Gastarbeiter, die Eltern der Teilnehmer, hier eine neue Existenz gefunden haben, welche sie offenkundig veranlasst hat, nicht mehr in ihre Herkunftsländer zurückzukehren. So kann man sehr wohl erwarten, dass auch sie selbst sich mehr als nur ein bisschen Mühe geben, die Sprache ihres Gastlandes zu erlernen. Spätestens dann, wenn sie sich entscheiden zu bleiben. Die Einwanderer in die USA haben seinerzeit auch keinen Sprachunterricht erhalten und mussten neben der Arbeit englisch lernen. Ähnlich ist es mit der Integration im Übrigen. Es liegt sicher nicht hauptsächlich an der deutschen Politik, wenn die Mehrheit der Deutschtürken Erdogan wählt. Hier stellt sich schon die Frage, was in der türkischen Gemeinde schief läuft. Dass es fehlende Integrationsbereitschaft der sog. Biodeutschen ist, wage ich zu bezweifeln.– Torsten Hölzel

 

Die Erwartungshaltung der Migranten an Deutschland ist zu hoch. Ich selbst habe 13 Jahre in drei verschiedenen Ländern gearbeitet und war beruflich in vielen Ländern unterwegs. Nicht nur in Deutschland, in aller Welt ist es nun mal so, dass den Menschen ihre Familie und die eigenen Leute näher stehen als Fremde. Dies hat nichts mit Femdenfeindlichkeit zu tun sondern zeigt nur, dass sich die meisten Leute unter Ihresgleichen am wohlsten fühlen. Unter Migranten in Deutschland kann man übrigens das gleiche beobachten. Obwohl alle Menschen gleich vor dem Gesetz sind, unterscheiden sie sich doch sehr in ihren Gewohnheiten, dem Aussehen, in Traditionen usw. Wenn nun viele Fremde aus entferntesten Kulturkreisen nach Deutschland strömen kommt es zu Konflikten und Problemen, wie in anderen Ländern auch. Allen gerecht zu werden ist so gut wie unmöglich, da können sich die Einheimischen noch so anstrengen. Letztendlich sind wir ein freies Land, keiner wird gezwungen hier zu bleiben. – Ernst Lothar Helwig

 

Ich lese die Ankündigung auf der Titelseite und die Artikelüberschrift, und finde dazu im Inhalt des Beitrags nur peripher eine Bestätigung. Kurzum, eine reißerische Aufmachung, die in die falsche Richtung weist, also echte Brunnenvergiftung. – Gerhard Kruse

 

In der ZEIT Nr. 47 las ich auf S. 10 mit grossem Interesse die Interviews der 7 „Kläger“: Ich b in wütend auf Deutschland…“. Ich hätte mir gewünscht, die Interviewten hätten am Schluss einen Integrations-Fragebogen (Anlage) beantwortet. Vielleicht hätte das zusätzliche Klarheit gebracht. – Jan Bodo Sperling

 

Ich lese die Zeitung lange nicht mehr – seit ich bemerkt habe, welche geistigen Kapriolen dort geschlagen, wie viele Tatsachen verdreht, andere ausgeblendet und ideologisch getriebene geistige Ergüsse ohne Sinn und Verstand sowie parteipolitisch keineswegs unabhängige Beiträge abgedruckt werden. Aber nun denn. Euren Artikel über die Kindeskinder der Migranten habe ich demzufolge auch gar nicht erst gelesen; lasst mich angesichts der Ankündigungstextes auf der Titelseite raten: die deutschen haben die Kinder benachteiligt und ausgegrenzt, ihnen Schancen verbaut, sich zu integrieren? Natürlich. Wenn Papa Aische verbietet zum Schwimmunterricht zu gehen, ist Paul schuld. Wenn Aische Samstags Koranuntereicht hat anstatt sich mit Freundinen zu treffen sind Petra und Sabine Schuld.

Wenn Aische zu Hause iniher Herkuftssprache spricht und sich mit der Kultur der Heimat, nicht aber mit der ihres Lebensmittelpunktes auseinandersetzt (ist ja auch schwer, wenn in der Schule nur Schuldkomplexe anstatt Goethe, Schiller, Lessing, Bach und Beethoven sowie Luther und die Abermillionen Opfer, auf deren Gräbern der Lebensstandard ihrer Eltern und Europa gedieh gelehrt werden und den Kindern das selbsständige Denken auch durch marxistische Medien Euresgleichen abgewöhnt wird.). Sollte der Artikel überraschenderweise eine andere Botschaft haben, so ist folgender Beitrag für den ein oder Anderen von Euch sicher dennoch interessant. Keine Ahnung, was ihr glaubt, wo ihr einmal landet bei dem was ihr vorantreibt. https://www.youtube.com/watch?v=BsWMFBoD-Dw&feature=em-uploademail – J. Christiani

 

Der Artikel war nicht nur schwach moderiert sondern hat mich auch inhaltlich mehr als geärgert. Ich bin als Nachkriegskind in einer Volkswagenstadt geboren, meine Eltern waren Flüchtlinge aus dem Osten, die mit kleinen Kindern im Nachkriegswesten landeten und bei Null angefangen haben. Mein Vater und meine Brüder haben später als gelernte und qualifizierte Facharbeiter selbstverständlich bei VW gearbeitet, Früh-, Spät- und Nachtschicht. Mein Vater als „Angelernter“ nach dem Krieg mit späterem Facharbeiterbrief, meine Brüder erst als Lehrlinge(mit 15 Jahren) später als Familienväter. Ende der 1960er Jahre kamen als ausländische Arbeitnehmer zuerst Süditaliener, danach Spanier, Portugiesen, zuletzt Türken.

Zuerst junge Männer, für die extra, fussläufig zum Werk, ein Hochhaus ähnlich einem Studentenwohnheim gebaut wurde. Als später der Familiennachzug kam, wohnten die ausländischen Arbeitnehmer in der Nachbarschaft, in Werkswohnungen oder kleinen Siedlerhäuschen, für letzteres mussten sie sich wie alle anderen verschulden. Die Arbeitsbedingungen waren für alle gleich, deutsche Arbeitnehmer oder „Gastarbeiter“. Für letztere wurden kostenlose Fortbildungsmassnahmen und Sprachkurse innerhalb des Unternehmens angeboten. Ich kann mich nicht erinnern von meiner Familie je gehört zu haben, dass ausländische Arbeitnehmer schlechter behandelt wurden oder einer Integration Steine in den Weg gelegt wurden. Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands wäre ohne die ausländischen Arbeitnehmer so sicherlich nicht erreicht worden, aber er wurde von allen gemeinsam erwirtschaftet und war vor und ab den 1960er Jahren für alle schwer, alle mussten hart für ihre soziale Stellung, für ihren Besitz und für die Ausbildung ihrer Kinder arbeiten. Worauf die Wut? Für mich komplett unverständlich. – Gesa Hauss

 

Nach Lektüre des Interviews aus der Rubrik „Streit“ vom 14. November mit Ann-Kristin Tlusty, Hasan Gökkaya und Julia Meyer würden wir den AutorInnen/ModeratorInnen gerne folgende Studie (im Anhang) zukommen lassen: „Transnationale Auswärtige Kulturpolitik – Jenseits der Nationalkultur“ der Literaturwissenschaftlerin Sigrid Weigel. Die Studie ist im Rahmen des ifa-Forschungsprogramms entstanden und gibt einen Überblick über die Entwicklung der deutschen AKBP, die Analyse von Rhetorik, Begrifflichkeiten und unterschiedlichen Kulturkonzepten als Ausgangspunkt für die Diskussion einer zeitgemäßen AKBP, die globalen ordnungspolitischen Zielen verpflichtet ist. Interkulturelle Politik im Innern und auswärtige Kulturpolitik müssen dabei Hand in Hand gehen. Sigrid Weigel gibt Empfehlungen für eine transnationale Auswärtige Kulturpolitik. Die Studie ist auch online unter www.publikationen.ifa.deoder auf www.ssoar.infozu finden. –Anja Schön

 


 

 

Leserbriefe zu „Der Konzern der bezahlten Lügen“ von Heinrich Wefing

 

Ich freue mich sehr über Ihren Artikel – auch wenn das Thema selbst unerfreulich ist – und insbesondere über Ihre Forderung am Schluss, endlich die Internetkonzerne für die Inhalte auf ihren Plattformen strafrechtlich verantwortlich zu machen. Sie bestätigen damit nämlich Überlegungen, die ich in dem Text „Reguliert die Internetriesen!“ (https://www.ulrich-willmes.de/internetriesen-regulieren.html) sowie in den Texten „Marktmacht und Staatsmacht“ (https://www.ulrich-willmes.de/demokratie-wagen.html) und „Die Interessen der Konzerne sind nicht die Interessen der Bevölkerung“ (https://www.ulrich-willmes.de/konzerninteressen.html) bezüglich u. a. Facebooks dargelegt habe. Meines Erachtens wären insbesondere Geldstrafen für die Veröffentlichung/Weiterverbreitung von Hetze, Hass und eindeutigen Lügen – und zwar in einer den Milliardengewinnen des Unternehmens angemessenen Höhe – sinn- und wirkungsvoll. – Ulrich Willmes

 

In dem erfreulich deutlichen Artikel wird gefragt: „… wie lange eigentlich die Plattformen noch von jeder Verantwortung für das befreit bleiben sollen, was ihre Nutzer so posten. Anders als traditionelle Medien haften die großen sozialen Netzwerke nicht für die Schelte, die sie verbreiten.“ Hier wird also eine allgemeine Verpflichtung vorausgesetzt, die Wahrheit zu verbreiten. Es wird eine allgemeingültige Wahrheit unterstellt, nach der sich alle richten sollten. Gibt es die denn? Werden offensichtlich in unserer postmodernen Gesellschaft nicht nur subjektive Wahrheiten propagiert, nicht nur von Diktatoren, sondern auch von freiheitlich denkenden Menschen? Niemand darf einem Anderen eine Wahrheit aufdrängen. Ja, man darf gar nicht erwähnen, dass es eine absolute Wahrheit geben könnte. Vielleicht können wir uns aber fragen, auf welcher Wahrheit unser freiheitliches Denken beruht? Wenn man z.B. den Anfang der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten aus dem Jahre 1776 betrachtet, wird die Bedeutung der Wahrheit im Zusammenhang mit den Menschenrechten deutlich gemacht: „Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht [heute: selbstverständlich], dass alle Menschen gleich erschaffen worden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabtworden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit.“

Die Basis für die Rechte auf Leben, Freiheit und Glück ist die Erschaffung und die Begabung durch ihrensowie die Begegnung mit ihrem, das heißt, persönlichen Schöpfer. Das prägte ebenfalls die Pioniere der analytischen Naturwissenschaft wie Kopernikus, Robert Boyle, Lord Kelvin, Johannes Kepler, Isaac Newton, Blaise Pascal, Michael Faraday, Gregor Mendel, Louis Pasteur und viele mehr, welche auch Wegbereiter des umfassenden technischen und sozialen Fortschritts waren. Der persönliche, rationale, kommunizierende, allmächtige Schöpfer hat das Universum nach von Ihm festgelegten, teilweise für uns erkennbaren Regeln gemacht und den Menschen in seinem Ebenbild geschaffen. Dadurch wurden moderne Naturwissenschaft und entsprechende technische Entwicklung möglich. Die Forscher wussten sich in einem offenen System von Ursache und Wirkung, in das sowohl der Mensch mit seinem freien Willen als auch der souveräne Schöpfer selbst eingreifen können. Diese Tatsache bot auch die Möglichkeit zum Widerstand gegen unberechtigte Bevormundung und Unterdrückung durch andere Menschen. Leider gelangten in diesem Zusammenhang auch überhebliche Ideen zur Geltung, durch die das Kind mit dem Bad ausgeschüttet wurde. Anstatt die Ungerechtigkeiten unter den Menschen am Moralgesetz des Schöpfers zu messen und so wirksam zu bekämpfen, entwickelte man die empirisch und rational nicht zu belegende Vorstellung, wir lebten in einem geschlossen System von Ursache und Wirkung. Und in diesem System wurden auch der Schöpfer und der menschliche Wille in der Fiktion den natürlichen Gesetzen unterworfen. Die naturwissenschaftliche Methodik, die per Definition nur Fragen nach dem Beobachtbaren und dessen Regelmäßigkeiten beantworten kann, wurde für Fragen nach dem Ursprung, der Sinngebung, der Ethik und der Bestimmung des Menschen missbraucht. Das ergibt aber eine subjektive, erheblich reduzierte Sicht, weil sich handelnde Personen eben nicht durch Naturgesetze erschöpfend und zufriedenstellend erklären lassen. Logische Konsequenz, empirische Angemessenheit und die Relevanz in unserer persönlichen Erfahrungswelt sollten uns vielmehr bei der Wahrheitsfindung führen.

Als die naturalistische Methodik (alles sei auf Physik und Chemie zurückzuführen) in nicht zu rechtfertigender Weise von manchen Wissenschaftlern gar zum allein zulässigen Prinzip aller Erkenntnis erhoben wurde, entwertete diese Vorstellung einen wesentlichen Teil der Wirklichkeit als rational unzugänglich. Ausuferndes Machtstreben und ungezügelter Egoismus, die man durch – grundsätzlich hilfreiches – rationales Vorgehen eigentlich bekämpfen wollte, erhielten „wissenschaftliche“ Rechtfertigungen. Menschliche Freiheit und Lebenssinn führten Rückzugsgefechte, und die Menschen lieferten sich neuen Ideologien aus – z.B. dem Faschismus und Kommunismus – mit deren fürchterlichen historischen Konsequenzen. Bei deren Scheitern füllte sich das Vakuum dann durch relative, subjektive Werte und führte zum Irrationalen, zur Orientierungslosigkeit und Beliebigkeit, wobei wiederum die Unnachgiebigsten, Rücksichtslosesten und Durchsetzungsfähigsten den Ton angeben. Unser Verstand, unsere Beobachtungen und Begabungen, alles Geschenke der Schöpfung, ließen sich auf diese Weise oft zu vernichtenden und selbstzerstörerischen Trends missbrauchen. Wir sollten eher der Tatsache Rechnung tragen, dass wir in einem offenen System von Ursache und Wirkung leben, in dem wir Menschen innerhalb des vom Schöpfer durch Sein Handeln und Reden gesteckten Rahmens Möglichkeiten zur Ausübung unseres freien Willens haben und die Wahrheit, gültige, realistische Werte und eine Grundlage für Ethik und Freiheit finden können, ohne in Hass, Lügen, Pessimismus, Chaos, Diktatur und Zerstörung zu versinken. Die Worte in Joh.14,6 sind auch in diesem Zusammenhang sehr bedeutungsvoll: – »,Ich bin der Weg‘, antwortete Jesus, ,ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben. Zum Vater kommt man nur durch mich.‘“ – Gerhard Jahnke

 

Ihr Autor, den ich sehr schätze, vergisst zu erwähnen, daß die Wahlwerbung für die Öffentlich-Rechtlichen, wie er richtig schreibt strenge Regeln einzuhalten sind. Es wird aber immer wieder unterlaufen durch einseitige Berichterstattung, die voller Reklame für eine bestimmte Partei enthält. Das ist mehr als ärgerlich. – Gunter Knauer

 

In der aktuellen Ausgabe der Zeit, berichten sie von bezahlter Werbung bei Facebook, die Facebook online stellt, auch wenn es sich wissentlich um Falschaussagen bei der Werbung handelt. Dies zu rügen und dem per Gesetzt entgegenzutreten halte ich für dringend erforderlich. Verwunderlich finde ich in diesem Zusammenhang, dass nur zwei Seiten weiter eine Webeanzeige, doch wohl auch bezahlt, von Mercedes-Benz veröffentlicht wird. Ein Konzern, der im Dieselabgasskandal, vermutlich auch die Software seiner Dieselfahrzeuge manipuliert hat, also seine Kunden betrogen hat und jetzt damit wirbt, dass Kunden ein Software-Update durchführen lassen können, vermutlich nicht kostenlos, dann aber „großzügiger Weise“, einen 100Euro Gutschein erhalten. D.h., sie lassen bezahlte Webung zu, von einem Konzern, der keine Verantwortung für sein Handeln und damit auch die Kosten für seinen Betrug übernimmt. Dadurch wird der Artikel über Facebook und die darin enthaltene Aussage leider unglaubwürdig. Schade. – Dirk Engelke

 

Unserer Verantwortung gegen die zerstörerische Facebookisierung der Welt gerecht zu werden, ist ganz einfach: Facebook verlassen und abschalten. Wenn wir diese Möglichkeit nutzen, werden wir die analoge Welt als den einzigen realen und erfahrbaren Ort wiedererkennen und Facebook als digitale Schimäre entlarven. Es liegt an uns, zu handeln und zu gewinnen. Freiheit, Lebenszeit, Sinnlichkeit. –Konrad Sauheitl

 

Nach der Lektüre des Artikels „Der Konzern der bezahlten Lügen“ in der letzten Ausgabe „DER ZEIT“ dachte ich so bei mir, was wäre, wenn Marc Zuckerberg und Kollegen planten, die bestehende Weltordnung, so unordentlich sie auch sein mag, zu zerschlagen, um mit den schlauen Köpfen Silikon Valley´s, eine ganz neue Ordnung unter ihrer Herrschaft zu errichten. Während sich Politiker und Datenschützer darüber aufregen, mit welcher abgebrühten Arroganz sich Marc Zuckerberg und Kollegen über Anordnungen und bestehende Gesetze hinwegsetzen, sind diese neuen Könige und ihr Gefolge Vollzeit damit beschäftigt, vor aller Augen unumstößliche Tatsachen zu schaffen. Sie beherrschen die Technologie, von der der Fortbestand der Menschheit abzuhängen scheint. Der Rest der Welt, einschließlich derer, die Recht und Gesetz vertreten, ist ihnen vollkommen ausgeliefert und hat deshalb logischerweise auch keine Macht mehr über sie.

Seit Jahren verteilen diese cleveren Leute unter der Weltbevölkerung Millionen von „Multifunktionstamagotchis“ (Handy´s, smartphones usw.) mit denen die sich permanent und freiwillig selbst bespitzelt. Mittlerweile haben sie so viele Informationen über die Menschheit in ihrer ganzen Vielschichtigkeit gesammelt, dass es ihnen ein Leichtes ist, die Massen samt ihrer Anführer zu manipulieren, wie und wo sie wollen. Zu dieser ungeheuren Macht kommt ja nun auch noch ein Vermögen von etlichen Milliarden Dollar, das jährlich um einen zweistelligen Milliardenbetrag wächst. Damit bauen sie zum Beispiel jetzt schon bessere Raketen, als die gute alte NASA. Vielleicht schrauben sie bereits an einer gigantischen Raumstation irgendwo in der Wüste von Nevada, die sie nur noch in den Orbit schaffen müssten, um dann, wenn es soweit ist, mit einer „SpaceXL ihres Kumpels Elon Musk nach Hause zu fliegen. Auf so eine Art Insel der Seligen, ein Elysion. Und dann dauert es nicht mehr lang und sie stellen uns ihr neues Programm vor. Da können wir dann alternativlos nur noch „gefällt mir“ anklicken und uns in ihren Dienst begeben. Unsere Personalakten sind längst erstellt. – Friedrich Halweg

 

„Je stärker die Emotionen, desto größer die Aufmerksamkeit: Bilder emotionalisieren stärker als Texte…“ (Der Konzern der bezahlten Lügen, DIE ZEIT 47/14.11.2019) Dass Facebook nach diesem Prinzip funktioniert – schlimm genug, aber keine Überraschung. Warum aber nehmen in der ZEIT seit der neuerlichen Umgestaltung die Bilder noch mehr Raum ein als zuvor und drängen auf vielen Seiten die Texte, den eigentlichen Inhalt, an den Rand? Wenn es doch, und das setzte ich als Leserin Ihrer Zeitung voraus, um Information geht, um Meinungsbildung, nicht um Emotionalisierung? – Bettina Ziegler

 


 

 

Leserbriefe zu „Ein Ordnungsruf“ von Andreas Reckwitz

 

Ich lese die ersten Zeilen und habe keine Lust mehr weiterzulesen. Der Soziologe Andreas Reckwitz gehört genau zu solchen Menschen, die nicht in der Lage sein wollen, ohne Parteibuch politisch Themen zu Papier zu bringen. Immer schwingt ein solcher Verdacht mit. Der Politiloge Jan-Werner Müller hat bei Suhrkamp ein Pamphlet herausgegeben: Was ist Populismus? Danach wird der Populismus politisch Rechts verordnet. Damit will er den Gegner desavouieren. Er nimmt den Begriff des Populismus, der ohnehin ein konstruierter Begriff ist, ein sprachliches Artefakt, um den politischen Gegner abzuwerten. Da die Demokraten, dort die Populisten. So dumm sind die Zeitleser nun auch wieder nicht, um auf diesen Trick hereinzufallen. Leider gibt es sie aber unter den Politikern. – Gunter Knauer

 

So ganz neu ist Ihre Einteilung der deutschen Nachkriegsgeschichte in die Paradigmen Regulierung und liberale Dynamisierung nicht: Schon die Punks der 1980er Jahre – in ihrem Selbstverständnis die anarchistische Speerspitze der gesellschaftlichen Individualisierung – wussten sehr wohl, dass es der ökonomische Liberalismus war, der ihnen im Kreißsaal zur Seite stand (und anfangs einer linken und rechten Subkultur auf die Welt half). Fraglich scheint in Ihrem Artikel aber vor allem die Vorstellung von einer Pendelbewegung – eine solche lässt sich ja wohl kaum aus zwei Maximalausschlägen in den 1970er und den 2000er Jahren ableiten. Erst wenn der jetzt anstehende Paradigmenwechsel nicht in eine neue konstruktive Richtung führen sollte, sondern tatsächlich wieder zurück in eine reaktionäre Rücknahme zuletzt erkämpfter Freiheiten, träfe das Bild vom Pendel zu. Dann aber würden sich die Punks von damals wohl wieder ihre letzten verbliebenen Haare färben. –Jochen Ramming

 

Ein Ordnungsruf – auch für das Bildungssystem? Liest man den Artikel, versteht man, warum Schule und Unterricht heute nicht gut funktionieren: Die Handlungsstruktur, innerhalb derer eine Lehrperson agieren muss, ist u.a. charakterisiert durch die Antinomie zwischen Sozialisation und Individuation bzw. Allgemeinem und Besonderem. Das Herstellen einer Unterrichtssituation oder das Bereitstellen von Lerngelegenheiten entlang verbindlicher Lehrplanziele für alle verlangen von den Lehrern, dass sie sich im Handeln am Allgemeinen orientieren, also standardisieren und regulieren. Bildungsadministration, Schüler und vor allem Eltern erwarten zugleich ein Lehrhandeln, das sich am Einzelnen ausrichtet, sodass die Schüler ihre ganz eigenen Lernprozesse und Potenziale entfalten können; sie erwarten Besonderung durch Dynamisierung. Singularisierung und Polarisierung der spätmodernen Gesellschaft schlagen hier dann, plakativ formuliert, doppelt durch und spannen die o.g. Antinomien ins Extreme:

Schüler, die sehr gut mit kulturellem Kapital ausgestattet sind, können den allgemeinen Regularien und Bildungsanforderungen entsprechen und quasi mit singulärisierenden Angeboten versorgt werden. Schüler, die über sehr wenig kulturelles Kapital verfügen, können den Regeln und Bildungsstandards häufig nicht genügen und sind im Unterricht weit von jeder positiven Besonderung entfernt. Was tun? Lehrer versuchen unter dem Label „Individualisierung von Unterricht“, allen(!) Lernbedarfen gerecht zu werden. Das ist jedoch nur dort umsetzbar, wo eine Dynamisierung bzgl. Bildungsplan, Zeitstruktur, Unterrichtssetting usw. stattfinden darf. Angesichts großer Klassen, fehlender Lehrer und standardisierendem Bildungsmonitoring ist das aber kaum realisierbar. Am Ende des Tages bleibt man dementsprechend zum Regulieren, zur „Rekonstitution des Allgemeinen“ gezwungen, gegen den dauernden (verständlichen) Widerstand von Schülern und Eltern. So ist es nur konsequent, wenn Lehrer sowohl am Allgemeinen als auch am Besonderen immer wieder scheitern. Nicht weil sie faul sind, ganz im Gegenteil: Weil sie, so oder so, das Unmögliche möglich machen wollen. – Kathrin Kniep

 

Ihre Analyse und Zukunftsprognose des Liberalismus fande ich sehr plausibel und überzeugend. Leider erwähnen Sie jedoch mit keinem Wort die größte Krise des Liberalismus, das gewaltigste sogenannte „Marktversagen“ des Neo-Liberalismus, die einschüchternste kulturelle Herausfordernung des Deregulierungsglaubens: Die weltweite Umwelt- und Klimakrise. Ich frage mich woran das liegt. Nehmen Sie diese Krise nicht ernst oder glauben Sie, dass sie keinen Einfluss auf das Pendel, wie Sie es so schön beschreiben, haben wird? – Maik Niederstein

 

Ja, es gibt nicht nur das Rechts-links-Schema, es gibt auch andere, übergeordnete Paradigmen. Aber wer gleich am Anfang des Textes dem „Ideal einer Regulierung“ das Ideal einer „Dynamisierung“ gegenüberstellt, der weckt den Verdacht, dass er seine ideologische Positionierung entweder verschleiern oder für sie werben will. Wer den Text zu Ende liest, merkt, dass Verschleierung wohl nicht die Intention gewesen sein kann, zu deutlich sind die neoliberalen Sprach- und Deutungsmuster. So werden zum Beispiel „Arbeitslosigkeit, Inflation und Verschuldung“ (in den 70iger Jahren) als Folge der“Überregulierung der Ökonomie“ gesehen. Auch werden dem positiv konnotierten Begriff „Dynamisierung“ weitere positive Begriffe wie „Selbstentfaltung“ und „Selbstverwirklichung“ zugeordnet. Kritiker würden eher von „Selbstinszenierung“ oder „Selbstoptimierung“ sprechen. Entscheidend ist aber, dass Reckwitz gesellschaftliche Entwicklungen wie „Globalisierung“ und „Schwächung nationaler Steuerungsmöglichkeiten“ wie Naturphänomene behandelt, die ohne interessegeleitetes Handeln entstanden sind. Ein Soziologe, der nicht nach Machtverteilung und Interessen fragt, wird nicht damit rechnen müssen, als Verschwörungstheoretiker diffamiert zu werden, aber er wird – wenn er die Hauptakteure, die Paradigmenwechsel initiieren und vorantreiben, nicht in den Blick nimmt -, auch nicht zu besonders relevanten Ergebnissen kommen. – Brigitte Zetkowski-Boldt

 


 

 

Leserbriefe zu „Sag mir, wo du stehst“ von Jörg Lau

 

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ macht „Die Zeit“ einseitig Druck und fordert eine Militarisierung der deutschen Außenpolitik. Im deutschen Interesse solle die Bundeswehr in „Osteuropa im Rahmen der Nato ihre Präsenz weiter ausbauen“, schreibt Zeit-Redakteur Jörg Lau. Er verweist auf Hintergrundgespräche mit „wichtigen Leuten“, die diese Strategie befürworten. Er zitiert den Bundeswehr – Uni München – Professor Masala, der glaubt, dass das Militär auf andersartige Auslandseinsätze vorbereitet werden müsse als bisher. Wenn die Folgen des Klimawandels Staaten destabilisierten, müsse die Bundeswehr Ordnung schaffen, heißt es da, auf den Punkt gebracht. Hier, bei diesem Statement des Redakteur, handelt es sich nicht nur um einen Stilbruch. Sondern um die Aufgabe der Wochen-Zeitung „Die Zeit“ überhaupt noch in Alternativen bzgl. Sicherheits- und Friedenspolitik zu denken. Von Friedensforschungsinstituten und deren Überlegungen ist schon lange nicht mehr die Rede, geschweige denn, sie werden vorgestellt und ernsthaft darüber diskutiert. Ein liberales Blatt hätte jedenfalls diese Aufgabe! – Johannes Klotz

 

In seinem Artikel schreibt Herr Lau, für den Wahlsieg Donald Trump 2020 spreche einiges, angesichts, so raunt er, des Zustands der Demokraten. Vor 4 Jahren las ich in Ihrem Blatt ausgiebige Lobeshymnen auf Hillary Clinton, die Sie schon frühzeitig, ich glaube, noch bevor ihr republikanischer Herausforderer feststand, inthronisierten. Sie lagen falsch, und ich habe den Eindruck, Sie wollen diesmal um jeden Preis verhindern, naiv zu wirken. Aber könnten Sie stattdessen nicht einfach aufhören, sich in die Bescheidwisserpose zu werfen? Bis zur Wahl ist noch ein Jahr, warten Sie doch einfach mal die Ereignisse und Entwicklungen ab. Ich möchte kein Geraune in der ZEIT lesen. – Eugen El

 

Der Kern der außenpolitischen Lähmung ist nicht nur die Angst vor der Kontroverse in der großen Koalition. Voraus gehen die Ängste vor der Großindustrie und den Wirtschaftsverbänden, vor den Bürgern und vor sich selbst. In einer immer unberechenbarer werdenden multipolaren Welt erreicht die faktisch industriepolitisch geleitete deutsche Außenpolitik ihre Ziele nicht mehr, wird kurzatmig, kleinteilig und in ihrer Widersprüchlichkeit immer offenkundiger (Beispiele: Russlandpolitik / Nordstream 2; Chinapolitik / Huawei; EU-Politik / autofreundliche Umwelt- und Klimapolitik). Wo die vorgeblich wertebasierte Außenpolitik nur dazu dient, den Vorrang der wirtschaftlichen Interessen zu kaschieren, wird das Netz der Widersprüche immer dichter (Vertrags- und Bündnistreue, Menschenrechte, Ausbau der Europäischen Integration?). Themen wie Migration und Klimawandel speisen die Angst der Politiker vor den Bürgern. Mit einer Faser dieser Angst kann z.B. Erdogan spielen. Die Dominanz des Ressortprinzips in unserer Bundesregierung lässt eine konsistente, starke und haltbare deutsche Position zu außenpolitischen Fragen nicht mehr entstehen. Die dramatisch gewachsende Unglaubwürdigkeit steigert die Angst der Politiker vor sich selbst und fördert als Schutzreflex immer mehr die Unbeweglichkeit. Nicht nur in der Außenpolitik, sondern in nahezu allen Politikfeldern: Lähmung. Die Angst vor der Kontroverse ist nur ein Symptom.Der Kern der Lähmung ist der Wirklichkeitsverlust unter fortgesetzter Machtvergessenheit. – Reinhard Koine

 

Europa, Sein oder nicht Sein. Vielen Dank Herr Lau für Ihren Artikel „Sag mir wo du stehst“. Ihr Schluss, dass Europa und insbesondere Deutschland etwas tun müssen, wenn sie im weltpolitischen Prozess noch eine Rolle spielen wollen, ist unabdingbar. Dass Deutschland außenpolitisch brach liegt und der Einzige, der Europa mit Idee und Aktion evolvieren will der französische Präsident ist, ist eklatant. Aber, was ist zu tun? Europa braucht eine militärisch geschlossen geführte Verteidigung (Nato-Ersatz), wenn es im Spiel der Mächte Einfluss haben will. Das erfordert für Deutschland die überdemokratisierte parlamentsgebundene Einsatzmöglichkeit zu europäisieren. Ein partnerschaftliches Verhältnis zu Russland ist wieder aufzubauen; mit der Sanktionshaltung dürfte das nicht möglich sein. Die Pipelines sollten als eine wirtschaftlich sinnvolle Zwischenlösung bis zu einer ökologischen Versorgungslösung eingesetzt werden, sie sind in jeder Beziehung besser als amerikanisches Fracking-Gas und grundlegen ein erstes partnerschaftliches Verhältnis mit Russland.

Selbstverständlich dürfen wir die digitale Infrastruktur nicht mit chinesischer Technologie aufbauen, müssen uns aber auch aus der amerikanischen Dominanz von Google und Co. befreien (beide berichten im Zweifel an die Geheimdienste), indem wir europäische Lösungen stark fördern. Gleiches, ja schon in Arbeit befindliches, gilt für GPS-systeme, denn digitale Strukturen sind das neue Machtinstrument schlechthin. So aufgestellt könnte Europa zumindest bei die eigenen Interessen berührenden Konflikten wieder eine Rolle spielen und zwischen Ost und West eine selbstständige Position wahrnehmen. Und wenn das erwartungsgemäß nicht mit allen EU-Staaten geht, könnte sich von Frankreich und Deutschland ausgehend ein Kerneuropa bilden, das die europäische Idee kompromisslos weiterträgt. – Wolfgang Clausmeyer

 


 

 

Leserbriefe zu „Der Teufelskreis demokratischer Kunst“ von Hanno Rauterberg

 

Ein Ausstellungsbesucher sagte befremdet zu dem expressionistischen Maler Franz Marc: „Pferde sind nicht blau“, und der Maler antwortete: „Dies sind auch keine Pferde. Es sind Bilder.“ „Indem das Kunstwerk nicht unmittelbar Wirkliches zum Gegenstand hat, sagt es nie, wie Erkenntnis sonst: das ist so, sondern: so ist es. Seine Logizität ist nicht die des prädikativen Urteils, sondern der immanenten Stimmigkeit: nur durch diese hindurch, das Verhältnis, in das es die Elemente rückt, bezieht es Stellung.“ Theodor W.Adorno. Gott bewahre uns vor einer Demokratisierung und einer Moralisierung der Kunst!!! – Klaus Lüßenhop

 

Politisch reflektiert – intelligent gewählt. Je weniger es bei heutigen Ausstellungsmachern überhaupt noch auf die abstrakte Frage nach dem Wert der Autonomie von Kunst ankommt, desto mehr müssen diese erkennen, dass die Unterscheidung zwischen politisch-ethischer, gerechter Veränderung des Kunstkanons und der Orientierung an der guten alten Autonomie von Kunst nicht mehr relevant ist: Vielmehr zeichnet sich eine historisch neuartige Konstellation ab, die mit gesteigerter individueller Selbstreflexion zu tun hat: Wer etwa als Museumsbesucher bereits im Vorfeld erwartet, dass die Begegnung mit einem besonderen visuelles Objekt das eigene Wissen bestätigt oder sein Gewissen dauerhaft beruhigt, muss sich die Frage stellen, warum er diesem Objekt überhaupt begegnen soll. Wer dagegen im Nachhinein bemerkt, welche neue Inspiration, ja Begeisterung es auslösen kann, plötzlich von einer unbekannten sozialen Wirklichkeit oder ungewohnten visuellen Form gefangen genommen zu werden, dem stellt sich nicht mehr die Frage, ob dieses Objekt nach unangemessenen oder angemessenen ethischen Kriterien ausgesucht wurde. Der jeweilige Maßstab des jetzt Auszustellenden liegt weniger, wie viele heute meinen, in einer politisch korrekten Ansprache von möglichst Vielen als vielmehr in einer intelligent gemachten Auswahl von Aspekten, die möglicherweise unterschiedlichste Gruppen erreichen kann aber wohl kaum mehr einen (veränderten) Kunstkanon repräsentieren will oder muss. – Dr. Michael Kröger

 

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit – sagte Karl Valentin – auch für den Betrachter, füge ich gerne hinzu. Ich verstehe hier nicht das Wort demokratisch – wir haben doch so unendlich viele Möglichkeiten der Kunstbetrachtung, so viele Museen, unterschiedlichste Ausstellungen. Da ist doch für jeden etwas dabei, das ist doch demokratisch. Bei der Konzeption und Auswahl der Werke einer Ausstellung schließe ich mich dem Leserbrief von Frau Lümen an – als Kunsthistorikerin marschiere ich ja auch nicht in den OP eines Krankenhauses und gebe Anweisungen, oder mische mich in politische Debatten – nur weil ich Zeitung lese, oder sage einem Koch, wie er zu kochen oder einem Journalisten, wie und was er zu schreiben habe. Womöglich sollen wir in Museen noch Blättchen hinlegen mit den Fragen nach Zufriedenheit mit den Werken, so wie es im Massentourismus in Hotels üblich geworden ist – Kultur ist kein Konsumgut, sondern ein Geistesgut. Aus irgendwelchen Gründen sehe ich Pasternaks Dr. Schiwago vor mir nach seiner Rückkehr aus Sibirien, dass große Haus in Moskau wurde aufgeteilt in viele Wohnungen, er hat nur noch zwei Zimmer und sagt „Ja, es war ohnehin viel zu groß“ . Was sollte er machen? Sollen wir sagen: ja bedient Euch, wir haben ohnehin so viele Bilder in den Archiven und Depots? – Brigitte von Stebut

 

Der Artikel ist durchaus gut geschrieben, informativ und regt zum Nachdenken an, allerdings sollte Herr Rauterberg sich dessen bewusst sein, dass Kunst noch nie nach rein ästhetischen Maßstäben bewertet wurde (v.a. Geschlecht und Hautfarbe der Künstler*innen spielten schon vor den „Zeiten der cancel culture“ eine bedeutende Rolle), dazu noch muss man sich fragen, was Ästhetik überhaupt ist, wie sie in ihrem heutigen Verständnis enstand und wie wir sie messen. Du Förderung, dass in Museum eben nicht „ethische“ (also eventuell „gleichberechtigte“ und „politisch korrekte“) Kunst hängen soll, sondern „ästhetische“, ist auf mehreren Ebenen schwer zu argumentieren, da Kunst auch unabhängig von Maßstäben einer Ästhetik zu bewerten ist. So manche Kunst muss unästhetisch sein. Unbequem. Politisch unkorrekt. Subversiv. Das sagt der Autor Eingangs sogar selber. Mit Sicherheit darf es weder um reine, „kompromisslose“ Ästhetik gehen, noch um eine demokratische Auswahl, mit der sich alle wohl fühlen. – Patricia Loges

 


 

 

Leserbriefe zu „60 Zeilen … Liebe“ von Peter Dausend

 

Wie verletzungen wirken.Als Student Anfang 20 bin ich dem Song erstmalig in einer Disco begegnet (einzige disco im Umkreis von ca.20km, war seither nie mehr dort) Nach dem zweiten Abspielen- alle sangen mit- drohte ich dem DJ Prügel an (erstes und einzigstes mal in meinem Leben) für den Wiederholungsfall. Ich war nie wieder dort. Heute mit 64 halte ich Müller-Westernhagen immer noch für total überschätzt . Talkshows mit diesem auf mich sehr arrogant und besserwisserisch wirkenden Menschen sind mir eine Qual, der ich versuche, mich nicht auszusetzen. Was für ein mutiger und toller Typ, lieber Herr Dausend, der immer noch zu diesem Song steht und im Regelfall von Moderatoren und Journalisten angehimmelt wird für die Gnade einer Audienz. – Josef Backes-Bey

 

Sie haben recht, das Lied ‚Dicke‘ von Marius Müller-Westernhagen hat seit seinem Erscheinen immer wieder zum Mitgrölen und Mitrocken animiert. Ich finde es jedoch falsch dem Song in einer Form des nachträglichen Reinwaschens mitschwingende Ironie unterzujubeln. Sarkasmus würde es doch viel eher treffen. Heutzutage vermeidet man möglichst jegliche Meinung die polarisiert und eine Seite verunglimpft. Genau das tut dieser Text jedoch in einer recht aggressiven Form ganz bewusst. Nirgendwo ist hier eine ironische Umkehrung des Gesagten bzw. Gesungenen zu erkennen da der Text in wesentlichen Teilen der normalen Realität, die dicke Menschen tagtäglich erleben, entspricht. Wenn Westernhagen wirklich eine ironische Note und etwas Versöhnliches in seinen Text hätte mit einbringen wollen dann hätte er auch das Resümee des Songs von dem er abgekupfert hat mitübersetzt: ‚Roll us both down a mountain, and I’m sure the fat man would win!‘ Zitat aus Fat Man von Jethro Tull. – Harald Höhmann

 

Die Lieder von Marius Müller-Westernhagen (MMW), die hör´ ich ganz gerne. Mein Lieblingsalbum ist sein „Affentheater“, mit wirklich tollen Songs, wie „Es geht mir gut“, „Willenlos“, „Schweigen ist feige“ und „Wer hat den Käse zum Bahnhof gerollt?“ Ob „Dicke“ wirklich der Hammer-Hit von MMW war, das möchte ich jedoch sehr stark bezweifeln! Nun gibt es „Aufguß-Neues“ von Marius Müller-Westernhagen: „Das Pfefferminz-Experiment (Woodstock Recordings Vol. 1)“, damals, wir sind in der Zeit von 1978, da hieß diese LP*) „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“, incl. „Dicke“! *) LP: eine schwarze Vinyl-Scheibe, größer als eine CD, und von beiden Seiten her bespielbar, allerdings nur mit einem Plattenspieler (diese Gerätschaft dürfte noch in einigen Museen zu bestaunen sein, sofern diese über eine „Prähistorische Abteilung“ verfügen sollten!) – Klaus P. Jaworek

 

Was möchten Sie eigentlich mit ihrem Artikel der Leserschaft mitteilen? Musste eine Lücke gefüllt werden? Mit welchem Niveau? Und ganz ehrlich, ihre privaten Anekdoten in Kontext zu einem Lied zu setzen, welches adipöse Menschen stigmatisiert, empfinde ich als degoutant. – Natascha Nickel

 


 

 

Leserbriefe zu „Rushhour der Demokratie“ von Otto Fricke

 

Es ist mir ein Rätsel, wie Sie dieses Lamento des Abgeordneten Otto Fricke unkommentiert abdrucken konnten. Ein Blick in die Website abgeordnetenwatch.de (https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/otto-fricke#block-pw-sidejobs-profile) genügt, um zu sehen, dass Herr Fricke neben seiner ach so anstrengenden Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter noch ausreichend Zeit für verschiedene Nebentätigkeiten hat. So arg kann es mit der Arbeitsbelastung im Bundestag also nicht sein. – Gerald Burchards

 

Natürlich hat ein Bundestags-Insider sich eher vorsichtig auszudrücken. Wenn Ihr großartiger Polit-Psychologe den Artikel verfasst hätte, würde der Titel wohl lauten: Der rasende Stillstand/Berlin hat keine Zeit für Demokratie. VON BERND ULRICH – Horst Igel

 

Otto Fricke beschreibt einen harten, geradezu unmenschlich anmutenden Arbeitsalltag, der die Mehrheit der Menschen sehr schnell brechen würde. Stutzig wurde ich bei seiner Formulierung, dass Abgeordnete nicht mehr oder härter arbeiten würden als ausgewählte andere Berufe. Blick auf die Person: ah, FDP, alles klar. Die Partei der Überflieger. Dass solche Arbeitszeiten nicht nur sich selbst, sondern auch dem Amt gegenüber verantwortungslos sind, wird vergessen. Ich bestreite, dass Menschen nach über zwölf Stunden permanenter Konzentration noch sinnvolle Entscheidungen zu treffen in der Lage sind. Herr Fricke erweist sich und seinen Wählern mit der Verteidigung dieses Modells einen Bärendienst. Von übernächtigten Politikern regiert zu werden, weckt in mir das gleiche Unbehagen wie ein chirurgischer Eingriff durch einen Operateur, der schon zwei Schichten hinter sich hat. – Robert Wetzel

 

Gut zu lesender, aber lückenhafter, Lagebericht. Denn Herr Fricke hat vergessen zu erwähnen, dass es IN DIESEM Parlament nur alle 3-5 Wochen überhaupt eine Sitzungswoche gibt, und auch einzig der Donnerstag jeder Sitzungswoche ein Plenartag ist, und damit abstimmungsrelevant. Der Donnerstag ist eben kein ganz normaler Sitzungstag! Der deutsche Bundestagsabgeordnete kommt -nominell- auf ca 15 derartige Stresstage IM JAHR. Das hatten die Briten in 2 Monaten!!! Und ein Firmenchef vergleichbarer Einkommenshöhe so ca. drei- bis fünfmal so oft!!

Ausserdem hat er vergessen zu erwähnen, dass der Abgeordnete ja gemäß Grundgesetz der freieste Mensch überhaupt ist, und selbst die Agenda im Parlament selbst beschlossen wird – zwischen Präsidenten und Fraktionsvorsitzenden. Jeder „überbelastete“ Abgeordnete wird also zunächst mal von seinem eigenen Fraktionsvorsitzenden überlastet. Wenn er sich bei seinem Fraktionschef nicht durchsetzen kann…. Glücklicherweise hat er nicht vergessen zu erwähnen, dass selbst an diesen ca. 15 Donnerstagen im Jahr regelmäßig eine Vielzahl von Abgeordneten gar nicht im Plenum anwesend ist. Nicht umsonst wird laufend das Quorum verfehlt. Da hat sich halt jemand gegen den jeweiligen Fraktionsvorsitzenden durchgesetzt – es geht also! Im Beispielfall immerhin 576 von 709 Abgeordnete. Das Traurige für mich: nicht offen durch Verweigerung in der Fraktion, sondern hinterrücks durch „Verdrücken“… DAS ist die Realität der Volksvertretung!!

Verlogen aber wird es, wenn er von „Trinkverbot“ schreibt. Dies gibt es nicht – und gab es nie! Aus der „Jugendzeit“ der Grünen gibt es jede Menge Fotos von häkelnden, strickenden, und eben auch nippenden Abgeordneten:innen. Dass auch dies Image-bildend war, sei akzeptiert. Diese Verlogenheit wird noch gesteigert, wenn die Auftritte beim Kaninchenzüchter- und Karnevalsverein hier als „politische Verpflichtung“ der Volksvertetung im Bundestag zugeordnet werden. Es stimmt schon, dass es viele Hans-Dampfe gibt. Aber wenn ein amtierender Bundesminister zum Geburtstag seines Freundes bis in den hintersten Winkel der Republik reist, und dazu noch ein Dutzend Parteikollegen mitnimmt, tun nicht diese mir leid, sondern die 3 Dutzend Personenschützer, Mitarbeiter, und Fahrer, denen -meist kurzfristig- die Wochenenden -per ordre de Mufti- verplant werden. Dass diese Staatsdiener – und der beobachtende Wähler- nicht immer gut über „die da oben“ sprechen, sollte nicht verwundern. – Franz Berger

 


 

 

Leserbriefe zu „Cash gegen rechts“ von Christopher Lauer

 

Warum bringt es die Regierung nicht fertig, eine koordinierte Strategie gegen rechten Terror durchzusetzen? Das ging doch 1972-1977 gegen die RAF = links auch. Da gab es Überreaktionen ( z.B. Berufsverbote), aber (fast) keiner hat die Aktionen deswegen in Frage gestellt. Heute ist die Angst vor einem Shitstorm so gross, dass niemand sich mehr traut, das Problem radikal = von der Wurzel her anzugreifen. Wo bleibt der Politiker, der ohne auf persönliche Vorteile zu schauen sagt: Wir bündeln alle Kräfte und trocknen den braunen Sumpf aus. Tut was! – Renate Heinold

 

Ihr o.g. ganzseitige Anzeige mag ja eine guten Zweck dienen. Könnten Sie gleiches bitte auch im Sinne „Cash gegen Links“ tun. – Wolfgang Dewor

 

Im besagten Artikel gibt es keine Unterscheidung zwischen Rechts und Rechtsextrem. Warum? In nur einem Absatz schafft es der Autor die AfD dreimal als rechtsextrem zu bezeichen ohne nur einen nachprüfbaren Fakt für diese Behauptung zu liefern. Und als menschenfeindlich soll der geneigte Leser die AfD auch gleich abspeichern. Hallo? Wüste Behauptungen sind das Eine. Aber ständig diese peinlichen und stets unbelegten Vorwürfe… warum? Ich schlage folgendes Experiment vor: Einfach mal zu Studienzwecken im Freundeskreis als AfD- Versteher outen um dann zu sehen wie weit es mit der Menschenliebe und vielbeschworenen Toleranz her ist. Ich wünsche viel Erkenntnis dabei ! – Matthias Bolduan

 

Ihr Autor ist ein typischer Vertreter einer technokratischen Massendemokratie und einer Ochlokratie. Thilo Sarrazin bezeichnet in seinem Buch „Wunschdenken“ die Politik als das größte Sozialexperiment seit der russischen Revolution. Die größte politische Torheit, die ein Regierungschef nach dem zweiten Weltkrieg beging“. Peter Sloterdijk, die Instanz der Intellektuellen, äußert sich ähnlich. Durch Deutschland muß ein Ruck gehen, damit aus einem Unrechtsstaat wieder ein Staat wird der nicht Angst und Schrecken produziert. Ich selbst gehe soweit zu sagen: Wer nicht konservativ wählt, handelt verantwortungslos. Die Gefahr geht nämlich von links aus. Das zeigt uns das tägliche Bild im Alltag. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbriefe zu „Da passt noch was dazwischen“ von Heinz Bude und Philipp Staab

 

Ich fände es gut, wenn Europa dem von der dortigen Bevölkerung anscheinend weitgehend akzeptierten chinesischen Überwachungs-, Belohnungs- und Bestrafungsstaat und den von der Bevölkerung nicht nur in den USA weitgehend angenommenen US-amerikanischen Überwachungs- und Belohnungskonzernen etwas Eigenes entgegensetzen könnte, das mit freiwilliger Solidarität und mit Rechtsstaatlichkeit zu tun hat. Aber was stellen Sie sich konkret vor? Das ist mir nicht recht klargeworden. – Ulrich Willmes

 

In der „Zeit“ Nr. 47 war ein Artikel auf Seite 4 „Da passt noch etwas dazwischen“ in dem von einem persönlichen Energiekonto die Rede ist. Zu dem Thema habe ich schon 2012 dem Ministerium Hinweise gegeben. Damals gab es darauf keine Reaktion. Vielleicht ist es interessant über das Thema doch noch ausführlicher zu diskutieren. – Hans Albeshausen

 

Hier habe ich kein Lob, sondern finde es ziemlich gemein subtil, wie man die Klimakrise dazu benützt, den Leute vorzugaukeln es hätte Vorteile wenn den „gläsernen Bürger“ macht. Warum soll ein Guthaben für CO2 gut sein, damit ich eine Spazierfahrt mit meinem schicken Auto machen kann. Die Antwort ist doch einfach: Vermeide unnötigen CO2 Ausstoß. – Alexander Kos

 


 

 

Leserbriefe zu „Verschuldet euch!“ von Peter Dausend

 

Ihr Bericht lässt bei den Unterlegenen eine Welt von verletzten Eitelkeiten und Verschwörungstheorien aufscheinen. Die Mitglieder haben entschieden. Der Umstand, dass die Ergebnisse so wenig zur Stimmung auf den Regionalkonferenzen passen mag zeigt nur, wie gering die Reichweite und Relevanz der Konferenzen fuer die Wahlentscheidung der Mitglieder war. Augenfällig ist auch, dass immer noch die Debatten der Vergangenheit geführt werden. Solange sich das nicht ändert wird der Niedergang der SPD fortschreiten. Die Lage ist toternst, viel Platz nach unten ist nicht mehr! – Sven Berger

 

Mann, Mann, Mann… Die sexistische Berichterstattung ist ein Ort, denn man auch heute noch erschreckend gut mit dem Bus erreichen kann, selbst dem Zeit-Bus. Regel Nummer eins ist dabei natürlich, Frauen gar nicht erst einsteigen zu lassen. Zum Beispiel mit Schlagzeilen wie „Verschuldet euch! Wie der Außenseiter Norbert Walter-Borjans mit linken Rezepten gegen Olaf Scholz SPD-Vorsitzender werden will“. Standen da nicht noch Frauen an der Bushaltestelle? Tja, Pech, der Bus ist voll. Türen zu und weiter gehts. Schwieriger wird es, wenn Frauen so penetrant werden, dass sie sich vor einem auf die Straße stellen. Man ignoriert sie eine Weile, gibt ihnen eine Chance aus dem Weg zu gehen. Geht das nicht, bleiben nur noch zwei Möglichkeiten: umfahren oder umfahren. „Jetzt in der entscheidenden Phase, konzentriert sich der Kampf um den SPD-Vorsitz auf das Duell Scholz gegen Walter-Borjans, (…)“ und um allen eventuellen Anschuldigen vorauszueilen erklärt man sich dann mit Zeilen wie „Die Geschichte ist so gut, dass für die beiden Frauen, mit denen sie antreten – Klara Geywitz und Saskia Esken -, bis zum 30. November, dem Tag der Entscheidung, lediglich Nebenrollen bleiben.“

Nun muss man sich natürlich Fragen, wo diese Geschichte und insbesondere diese Rollenverteilung herkommen, wenn nicht vom Autor selbst. Dazu kommt noch, das der Zeit-Bus in der selben Ausgabe auch noch einen Stop bei einem einseitigen Artikel über Olaf Scholz macht. Dabei geht es zwar um ihn in seiner Rolle als Finanzminister, nicht Kandidat für den Parteivorstand, dennoch führt ein solcher Fahrplan natürlich dazu, dass die Frauen wie Esken und Geywitz in den Augen der Öffentlichkeit immer mehr in eben jene Nebenrollen rücken, die ihnen der Autor zuweist. Einen ähnlichen Fahrstil findet man bedauerlicherweise bei Medien deutschlandweit. Gleichzeitig wird immer wieder die fehlende Emanzipation in Deutschland beklagt, ohne einzusehen, dass die eigene Berichterstattung maßgeblich mitverantwortlich ist. Nicht nur in der Art und Weise wie über Frauen geschrieben wird, sondern eben besonders auch, ob sie überhaupt erwähnt werden. – Lisa Herbers

 

Wer nach einem guten Beispiel für „Meinungsmache“ im Gewande von seriösem Journalismus sucht, wird bei in diesem Artikel fündig. Wer zeigen will, wie Medien in aktuelle politische Entscheidungsprozesse einseitig parteiergreifend und richtungsweisend eingreifen, ebenfalls. Die Wortwahl: „Außenseiter, linke Rezepte, forscher Geldausgeber, Aufbruch ins Gestern, Amateure“ etc. stützt sich nicht auf harte Fakten, sondern verrät uns nur, wie Peter Dausend denkt und wen er sich als SPD-Vorsitzender wünscht. Dausends Meinung interessiert mich jedoch nicht so sehr, dass ich mir dafür „Die Zeit“ kaufen würde. Stimmungsmache bekomme ich bei der Bildzeitung billiger. – Gisela von Mutius

 


 

 

Leserbriefe zu „»Hoffentlich stirbt die«“ von Ulf Schönert

 

Ja Freunde, so sieht es bei der Jugend aus. Durch meine drei Söhne weiß ich bescheid. Die Sprache der Kinder und Jugendlichen ist eigentlich geheim. Die wissen das alles. Ein Auszug aus dem Vokabular: Kümmeltürke, Judenschwein, Fotze (damit ist die Lehrerin gemeint), dummes Schwein, geiles Luder, fickt dich etc. Heute werden Wörter gebraucht, die ich kaum noch kenne. Die Politik wollte das doch so. Warum also die Aufregung. – Gunter Knauer

 

Vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Artikel zur Nutzung von WhatsApp an Schulen. Kennen Sie zufällig gute Ratgeber die man dbzgl. als Eltern zur Vermittlung von Medienkompetenz nutzen kann? Oder gibts ein Zeit Wissen o.ä. dazu? Oder wäre das eine mögliche Folge-Geschichte? – Julian Mertens

 

Gut, dass Sie die Problematik der WhatsApp-Chatgruppen von Schülern thematisieren – bedauerlich, dass die spezielle der menschenverachtenden, rassistischen und antisemitischen, meist mit verbotenen Zeichen wie Hakenkreuz oder SS-Rune versehenen WhatsApp-Sticker nur am Rande gestreift bzw. als „Hitlerwitze“ gleichsam bagatellisiert wird. Doch ein Sticker mit einem lachenden Hitler vor einem qualmendem Schornstein und dem Spruch „Umso größer der Jude, desto wärmer die Bude“ oder mit dem Davidsstern als Symbol für den Aggregatzustand Gas, die mit ähnlichen massenhaft in Schüler-Chatgruppen aller Altersstufen kursieren, ist nicht witzig, sondern gefährlich. Die Gefahr einer Gewöhnung an solch rechtsextremistische Inhalte ist evident, die einer Radikalisierung möglich. Und ob es Schüler sind, die diese Sticker anfertigen und verbreiten, oder nicht auch und vielmehr Rechtsradikale, die sie als Form einer perfiden Indoktrination in Schüler-Chatgruppen einschleusen, wäre m.W. noch zu klären. Das neue Jugendmedienschutzgesetz sollte dieses Problem berücksichtigen. – Prof. Dr. Götz-R. Tewes

 


 

 

Leserbriefe zu „Vorhang zu? Vorhang auf?“ von Kerstin Kohlenberg

 

Glamourfaktor hin oder her – das fand ich überflüssig: Frau Kohlenberg bezeichnet Frau Clooney als „Frau aus Hollywood“ und definiert sie damit über ihren Gatten, dem Schauspieler George Clooney. – Katrin Stern

 

Die Funktion des UN -Sicherheitsrates ist „die Hauptverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit“. Wie aber kann eine kriegsführende Nation diese Aufgabe erfüllen? Sie zeigt sich weder friedenschaffend noch kriegsverhütend. Deutschland sollte den Antrag in die UN -Vollversammlung einbringen, dass kriegsführende Nationen sofort ihren Sitz im UN-Sicherheitsrat verlieren für die Dauer der Kriegsführung. Eine Zweidrittelmehrheit in der Vollversammlung sollte bei guter Begründung möglich sein. Dieser Beschluss würde die Neigung, Krieg zu führen, verringern, außerdem hätten friedenwahrende Nationen Chancen, ihre friedenspolitische Erfahrung einzubringen. – Dr. Ursula Augener

 

Es ist schade, dass Sie Herrn Heusgen getroffen haben, ohne ihn zu fragen, wieso er auf tagelangen Raketenbeschuss Israels durch palästinensische Terroristen mit Zustimmung zu sieben gegen Israel gerichteten Resolutionen (eingebracht von lupenreinen Demokratien wie z.B. Syrien, Jemen und Saudi-Arabien) reagiert. Sieht so eine „Allianz für Multilateralismus“ bzw. „Wohlstand im Tausch für mehr Demokratie“ als Prinzip deutscher Außenpolitik aus? Weder die palästinensische Autonomiebehörde, die verurteilte Mörder mit Entwicklungshilfemitteln alimentiert, noch Hamas oder Islamischer Jihad mussten eine Verurteilung durch die UN befürchten – so weit erstreckt sich das Engagement von Herrn Heusgen nämlich nicht. Wie kann es sein, dass Außenminister Maas anprangert, dass Israel bei den UN „in unangemessener Form angeprangert, einseitig behandelt und ausgegrenzt“ wird – und dabei völlig ausblendet, dass der deutsche UN-Vertreter Heusgen nach Kräften zu dieser Bigotterie beiträgt? Die Verlegung der US-Botschaft ist kein Ausweis der katastrophalen Außenpolitik Trumps, sondern beruht auf einem Kongressbeschluss aus dem Jahr 1995 und die ersten Staaten haben ihre Botschaften schon 1982 wieder nach Jerusalem verlegt. Das Verhalten der USA zur Resolution 2467 war schändlich, dennoch sollte man nicht unterschlagen, dass ohne die USA die Abstimmungen in den UN-Organen endgültig zur antisemitischen Farce verkommen würden. – Jonathan Storz

 


 

 

Leserbriefe zu „So sieht die Zukunft aus“ von Uwe Jean Heuser

 

Ich bin dankbar, dass Herr Heuser mit Hilfe von Herrn Rifkin das Thema „Klimaschutz und große Erzählung“ aufgreift. Als Ökonomin und Gutachterin vermisse ich schmerzlich eine wirklich komplexe bzw. vielseitige und grundsätzliche Herangehensweise an die Lösung der anstehenden Probleme des Klimawandels. Diese erzeugen schon jetzt einen doppelten Druck, weil in der Vergangenheit so viel versäumt wurde, aber längst ist klar, dass die geplanten politischen Maßnahmen wieder nur Halbheiten und Stückwerk sind und letztlich kaum etwas bewirken werden. Es würde sehr helfen, wenn interdisziplinär arbeitende Fachleute die kausalen Zusammenhänge zwischen der Aufgabe nach Austausch von fossiler Energie durch erneuerbare Energie und dem Status sowie den optionalen Lösungsansätzen in den einzelnen Kettengliedern der Gesellschaft analysieren, mit den Rahmen- und Realisierungsbedingungen zusammenbringen und die Knackpunkte herausarbeiten, an denen politisch eingegriffen werden könnte bzw. müsste. Was wir vorfinden, sind immer nur einzelne Facetten. Es bedarf einer stringent und realistischen ökonomischen Sicht genau so wie einer sozialen und soziologischen Sicht. Vor allen Dingen geht es immer um das Ganze.

Nur ein Beispiel: Was wir z.B. gerade sehen, ist eine Fokussierung der Autoindustrie auf den Elektroantrieb, nicht absehbar, wie schnell sich plötzlich sehr viel ändern wird. Und fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wird verbreitet an interessanten technologischen Neuerungen gearbeitet, um mit Hilfe von Wasserstoff-Elektrolyse und gebundenem Kohlendioxid nicht nur die Energieversorgung der Industrie zu revolutionieren, sondern auch die Herstellung von Kraftstoffen – unbedingt nötig für den Seeverkehr und den Luftverkehr – sowie den Austausch von erdölbasierten Grundstoffen durch alternativ hergestellte Grundstoffe. Noch hemmen die Kosten den Durchbruch, was mittelfristig kein Hindernis sein muss. Aber es scheint nicht klar zu sein, dass es für diese Entwicklungen innerhalb sehr kurzer Zeit gewaltige Mengen erneuerbare Energien bedarf. Wo kommen die her? Gibt es große Kampagnen, um dem Ausbau der Solarenergie einen neuen Schwung zu verpassen? Da gibt es nur die sinkenden Einspeisevergütungen, sonst nichts. Wohingegen weiterhin ölbasierte Heizungen gefördert werden. Dabei sind die dezentralen Photovoltaikanlagen zusammen mit den inzwischen boomenden Speichern weniger unberechenbar und in der Masse ein echter Beitrag zum Klimaschutz. Was für eine schöne Vision von Rifkin und auch von anderen, die die dezentrale Energieversorgung sehen, eine enorm CO2-reduzierende Lebensweise, sofern hier alternative Energien genutzt werden. Es bleibt angesichts des Wachstums der Elektroenergie am Gesamtverbrauch doch genug übrig für die großen Energieversorger, die um ihre Geschäfte bangen könnten.

Was ist mit der Windenergie? Es wird populistisch vor den Bürgerprotesten und anderen Lobbyisten eingeknickt und es werden eher bremsende Maßnahmen beschlossen (siehe auch Petra Pinzler „Die Energiewende –Verzögerer“ ZEIT-Online 14.11.2019). Warum lässt man nicht einmal der Offshore-Windkraft einen nach oben offenen Entwicklungspfad? Statt wie bisher sollen offshore nun statt 15 GW bis 2030 20 GW Stromerzeugung zulässig sein. Dabei gibt es so spannende Möglichkeiten direkt im räumlichen Nahbereich die erneuerbare Energie zu nutzen. Speichertechnologien und Wasserstoff sei dank. Es braucht nicht kurzfristig die neuen Nord-Süd-Verbindungen. Das Tempo der technologischen Entwicklung ist doch gar nicht einzuschätzen. Warum eine Grenze nach oben für einen Zeitraum von 10/11 Jahren? Wo sollen die nötigen GW-Mengen in Deutschland herkommen, um fossile Energie auszutauschen? Brandenburg hat Tesla von erneuerbaren Energien im Land berichtet. Was weckt das für Assoziationen? Die Zusammenhänge sind im Grunde simpel, trotzdem scheinen sie unbemerkt zu bleiben, oder was sollen wir annehmen? Nur dieses Beispiel zeigt, wie wenig komplex die Klimapolitik daher kommt. Es lassen sich sehr schöne Grafiken denken, wie eins ins andere greift. Und dann gibt es da noch die Frage nach den Präferenzen. Manchmal muss man auch zwischen Teufel und Beelzebub entscheiden, hier abzuwägen ist sicher schwer, aber deshalb jede Entscheidung zu vermeiden? Aus allem zusammen ließe sich mit etwas Mut eine große Erzählung ableiten, eine Erzählung, die auch Hand und Fuß hat. Und ganz nebenbei: Flugzeuge mit alternativ erzeugtem Treibstoff erlauben auch mal eine Fernreise ohne schlechtes Gewissen! Die Politik ist am Zuge! – Dr.Christine Lange-Krüger

 

Die allgemeine Panikmache ist zum kotzen. Das ist Schwachsinn der dümmsten Sorte und dass Ihr in die selbe Kerbe haut ist verantwortungslos. Die Angabe von Wissenschaftlern die das befürworten sind gelinde ausgedrückt Pseudowissenschaftler. Klimawandel hatte es schon immer gegeben, das wird von Geologen und Klimaforscher bestätigt durch Eisbohrkernen ,z.B war das Klima viel milder und wärmer im Mittelalter im durchschnitt 10. grad. Nichts auf dieser Welt hat bestand und der Mensch glaubt,er kann an dem jetzigen Klima festhalten, nein er kann es nicht. Wenn er glaubt das CO2 verringern zu müssen, im übrigen ist dieses gas über- lebenswichtig für Pflanzen und Wälder, also auch für uns Menschen…..! Der CO2 anstieg wäre bei den jetzigen angewandten Massnahmen nicht in 100 Jahren messbar. Der Mensch muss sich anpassen und nicht die Natur dem Menschen. Dieser Hype auf die Klimakatastrophe wird künstlich hoch gehalten und der Mensch fällt auf diese postulierung herein. Es ist ganz einfach verantwortungslos so mit Gefühlen von Menschen zu spielen. Da gehört auch in euerem Bericht dazu. Wir werden mit halbwahren Fakten gefüttert .

Es wird immer Schlimmer und ja, unsere Regierung braucht Geld, das Klima ist für die nicht mal Sekundär. Euer Szenario hört sich an wie das Armageddon und das erklärt ihr noch so Euren Kindern. Klimaschutz in diesem Sinne gib es nicht. AberUmweltschutz sollte verfolgt werden z.B.
Lithiumabbau und dessen folgen, waldaufforstung Weltweit, irgendwann werden Kriege geführt wegen Wassermangels und wir verschmutzen es (Lithium) und und und . das passt. Artikelwie die Faust auf das Auge. – Reinhard Kamuf

 


 

 

Leserbriefe zu „Was traut er sich?“ von Mark Schieritz

 

…. da kann man nur hoffen, dass Scholz (und mit ihm Merkel) bald im GroKo-Gewitter untergeht! Gleichzeitig zeigt sich im Rückblick, welch gigantische Fehlentscheidung als selbst aus dem Spiel gebrachter potentieller Finanzminister Christian Lindner bei den Jamaika-Verhandlungen getroffen hat. Im übrigen stehen diesem Scholz‘schen Umbau seines Ministeriums diametral die Maastricht-Verträge entgegen. Klar, Merkel und Scholz scheinen diese rechtlichen Einschränkungen ziemlich egal zu sein! Und Macron jubelt….! – Hans Hardenberg

 

Theorie, reine Theorie was Herr Schieritz schreibt. Die Internationale hat sich erledigt. Und das haben sie selbst verschuldet. Weil es keine Personen dafür mehr gibt. Scholz lese ich immer wieder. Vorher war es der Heilsbringer mit u in der Mitte. Der ist mittlerweile in der Versenkung verschütt gegangen. Im Ausland ist es ähnlich. Die großen politischen Denker marschieren jetzt rechts. Das ist die Zukunft. Und die ständigen Unterstellungen der etablierten Parteien macht sie noch stärker. Sie unterschätzen die schweigende Mehrheit. Und die neue Generation; die wollen so wenig wie möglich Sozialismus. Die USA unter Trump wird dafür sorgen, dass wieder Recht und Ordnung einkehrt. Das würde nur mit der AfD gehen. Das war und ist die Wissenschaftspartei, die die Strategen unter sich haben. Was mit Luke gerade passiert zeigt die politische Verwahrlosung unter den Linksradikalen.

Die einzige Partei die sich umfassend reformiert hat, sind die Grünen. Die würden unter Umständen auch mit der AfD koalieren. Die Blumenkinder sind endlich erwachsen geworden. Das die Grünen ausgerechnet in Bayern, zumal sie die besten Zahlen schreiben von allen anderen Bundesländern soll schon was heißen. Baden-Württemberg sitzt der Vater des Erfolges. Das alles ist nur zwei Personen zu verdanken. Sie sprechen von Scholz, mit Verlaub: Das ist ein Provinzler. Bei den kommenden Wahlen, die eigentlich jetzt, hier und heute nötig wären, wird er Berlin wieder verlassen müssen. Außerdem, so mein Gefühl, will er das auch gar nicht. Die SPD liegt so daneben wie man nur daneben liegen kann. Jetzt steht auch der ehemalige Finanzminister von NRW als Vorsitzender zur Debatte, der durch kriminelle Handlungen Steuerflüchtlinge gejagt hat. Das die Franzosen ihn loben, hat nicht viel zu bedeuten. Und Frau Schnabel versteht durchaus was von Finanzen aber weniger von Politik. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbriefe zu „Ende der Vorstellung“ von Ursula März

 

Wieso wird der Vater nicht belangt wegen unterlassener Hilfeleistung? Tragen Väter heute immer noch keinerlei Verantwortung für ihre Kinder? Ich finde das skandalös. Läge der Fall andersherum, gäbe es doch einen Aufschrei, dass eine Mutter ihre Kinder nicht schützt. Aber wenn es der Vater ist, geht es ihn ja nichts an oder was? Ich bin fassungslos! – Hajnalka Kovac

 

In Ihrem ansonsten interessanten Beitrag „Ende der Vorstellung“ war ich schockiert über eine Ihrer Formulierungen. Der „erbärmliche Junkie“? Wirklich? Auch wenn Sie nicht von einer konkret existierenden Person geschrieben haben – diese Formulierung ist menschenverachtend! Ich möchte Sie an Ihre Verantwortung erinnern, die Sie tragen, wenn Sie Ihre Texte veröffentlichen. Sie tragen mit solchen Formulierungen dazu bei, solche Ausdrucksweisen ‚okay‘ werden zu lassen. Das eine Sucht eine Krankheit ist, davon scheinen Sie noch nichts mitbekommen zu haben. Außerdem ist ein Mensch nie nur seine Sucht, seine Krankheit oder eins seiner anderen Merkmale – Sie würden wahrscheinlich auch nicht auf eins Ihrer Merkmale reduziert werden wollen. Ich bitte Sie, solche respektlosen und feindlichen Formulierungen in Zukunft ein zweites Mal zu überdenken, bevor Sie diese in Ihren Texten verwenden. – Pauline B.

 


 

 

Leserbriefe zu „»Gelitten wie ein Hund«“. Gespräch mit Annette Grüters-Kieslich geführt von Jan Schweitzer und Martin Spiewak

 

Ich war über den Artikel in der Ausgabe vom 14.11. „Gelitten wie ein Hund“ sehr erstaunt. Offensichtlich nutz Frau Grüters-Kieslich die Medien um sich reinzuwaschen und diese machen dabei auch noch mit. Warum erscheint dieser Artikel erst nach dem Ausscheiden von Frau Grüters und nicht schon zum Zeitpunkt des Geschehen? Wurde hier auch das Klinikum angefragt? Hat Frau Grüters andere zu Fall gebracht, um sich in ein besseres Licht zu stellen? Nach der Frankfurter Allgemeinen und Die Zeit fehlt jetzt noch die Süddeutsche. Ich freue mich schon auf den Artikel. – Berthold Leiter

 

Als ich diesen Artikel gelesen habe, dachte ich: Endlich spricht mal jemand die miserablen Verhältnisse in deutschen Universitätskliniken an. Bis auf die Forschungsbudgets ist jegliche Information in dem Artikel auf jedes deutsche Krankenhaus übertragbar. Die Umgebung dort ist furchtbar rückständig, uninnovativ und feindselig. Viele halten so fest an den alten Strukturen, dass man sich vorkommt als wäre man im Mittelalter. Einem jungen Mediziner wird direkt am ersten Tag zu verstehen gegeben, dass er/sie ein Nichts ist. Vorschläge zu Erneuerungen oder Verbesserungen werden abgeschmettert.Dass Frau Prof. Annette Grüters-Kieslich schrieb, dass ‚ihr Stab‘ ihre Sekretärin wäre, dass man sich gegen Digitalisierung wehre oder die Augen vor einer innovativen Zukunft mit immensen Möglichkeiten verschließe, kann wohl jeder Krankenhaus-Mediziner unterschreiben. Wer am Ende leidet sind die Patienten (von vor dem Burn-Out stehenden Ärzten mit 80-Stunden-Wochen und Pflegern abgesehen). Es geht leider ausschließlich nur noch um Geld. Herzlichen Glückwunsch wenn Sie, als Patient in ein Krankenhaus müssen. Wir brauchen endlich eine komplett neue Struktur in deutschen Krankenhäusern und im Gesundheitssystem. Wir laufen grade frontal auf eine Wand zu und niemand scheint es zu bemerken, weil die ‚wichtigen mächtigen Personen‘ die Augen geschlossen halten. – Eine Leserin

 


 

 

Leserbriefe zu „»Deutschland ist ein Geldwäsche-Paradies«“ von Ingo Malcher

 

Ihr Autor scheint Vorderasien nicht gut zu kennen. Ich lebe auch in Singapur, die können das noch besser, aber nicht nur Singapur. Da ist von ganz anderen Beträgen die Rede. China ist besonders aktiv. – Gunter Knauer

 

Das ist ein wirklich guter und Augen öffnender Artikel von Herrn Malcher. Angesichts der Problematik des überteuerten Wohnraums in den Städten geriet der Absatz über das fehlen eines zentralen, digitalen Liegenschaftskatasters viel zu kurz. Schon seit Jahren fordern italienische Polizei und Abgeordnete von Deutschland die Einrichtung eines solchen um die international und eben auch immer mehr in Deutschland agierende Mafia besser zu bekämpfen. Es sind glaube ich in Deutschland über 800 miteinander nicht vernetzter Katasterämter, teils ohne digitalisierte Daten, die es für die deutsche Polizei nahezu unmöglich machen, „böse“ Investoren auszumachen. Auch fehlt mir in dem Artikel ein bisschen Parteipolitik. Es sind vor allem die Grünen, die für Recht und Transparenz eintreten und vor allem die Unionspolitiker, die das verhindern. Welches Interesse mag bei Ihnen dahinterstehen, Strafverfolgung für Geldwäscher zu verhindern? – Sebastian Koerner

 


 

 

Leserbriefe zu „»Gerechtigkeit ist eine Konvention«“. Gespräch mit Bert Rürup geführt von Kolja Rudzio und Mark Schieritz

 

Sie soll aber an eine „Lebensleistung“ von 35 Jahren Erwerbstätigkeit gekoppelt sein. Nur: Menschenwürde hängt nicht von einer Lebensleistung ab. Es muss für alle Rentner eine Regelung gegen die Altersarmut gefunden werden. Und wenn man etwas für erforderlich hält, setzt man es nicht erst ab 2021 in Kraft. Gerade jetzt, wo die Konjunktur schwächelt und Arbeitsplätze in Gefahr sind, wäre eine Stärkung der Binnennachfrage äußerst hilfreich. Sehen das die Schwarze-Null-Fanatiker nicht? – Werner Leucht

 

Mit der Grundrente werden die Koordinaten unseres Rentensystems wieder ein Stück weiter verschoben. Es verschiebt sich weg vom sogenannten Äquivalenzprinzip in Richtung Kapitaldeckung durch Finanzierung aus Steuermitteln. Was aber bei der Grundrente besonders ins Auge fällt, dass durch ihr höheres Niveau über der Grundsicherung die künftigen Bezieher der Grundrente diese zum Teil „mitfinanzieren“. Denn sollten sie vorher zu ihrer geringen Rente Wohngeld und finanzielle Leistungen aus der Sozialhilfe erhalten haben, dann werden Teile dieser Ansprüche mit hoher Wahrscheinlichkeit wegfallen und damit indirekt den „Zuschlag“ durch Anhebung auf das Grundrentenniveau reduzieren. Auch werden Teile der künftigen Grundrentenbezieher in der Perspektive steuerpflichtig werden, was dann auch den realen Zuschlag reduziert. Die Grundrente wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur aus einer noch nicht existierenden Finanztransaktionssteuer finanziert, sondern auch durch Umschichtungen im Haushalt durch freiwerdende Mittel aus anderen Haushaltspositionen und dem realen künftigen Steueraufkommen der Gesellschaft.

Besonders bedenklich empfinde ich das Schüren von “Neiddebatten“ zwischen Jung und Alt. Denn ich kann nicht sehen, dass die Rentenreformen der letzten Jahrzehnte die Entfaltungsbedingungen für die Jüngeren in unserer Gesellschaft gravierend eingeschränkt haben. Seit der Einführung der Sozialreformen durch Bismarck im 19. Jahrhundert wurden die Bedingungen für die Renten immer wieder modifiziert und den gesellschaftlichen Realitäten angepasst. Es wurde und muss immer wieder umverteilt werden. Wenn dies in den entwickelten Industrienationen viel stärker erfolgt als hierzulande, dann wird dies doch wohl dem „Exportweltmeister“ Deutschland möglich sein. Aber man muss es halt auch machen und nicht nur ständig darüber lamentieren, warum es aus einer Vielzahl von Interessenkonflikten nicht möglich ist. – Klaus-Dieter Busche

 


 

 

Leserbriefe zu „Ein Prinz im Widerstand?“ von Peter Brandt und Stephan Malinowski

 

Mit großem Interesse verfolge ich die Auseinandersetzung zwischen den Hohenzollern und dem Bund – und wundere mich, wie das ehemals hohe Haus um geschichtliche Reinwaschung bemüht ist. Wer das Wort erhebt und Ansprüche für sich reklamiert, riskiert gleichzeitig, dass bei der Prüfung der Geschehnisse andere Urteile gefällt werden. Die Hohenzollern stehen nach ihren Forderungen den Nazis nun aus Sicht der bundesdeutschen Öffentlichkeit deutlich näher als zuvor … si tacuisses … Wie Sie Ihren Kollegen auf einer Seite die Studie zerlegen – herrlich, selten habe ich in der Rubrik >Geschichte< so herzhaft lachen müssen!Danke dafür! Bitte: wo kann ich die Studie einsehen? Danke Ihnen. – Lutz Jäger

 

Das von Pyta und Orth vorgelegte Gutachten folgt dem sattsam bekannten Wissenschaftsgeist, der sich ausrichtet an Reputation und Gewinn, diesmal gewährt von dem sich zur Zeit fröhlich restaurierenden deutschen Adel. Der Möchtegern Player Wilhelm wurde von Hitler einfach über den Tisch gezogen. Zu einer wie von Pyta und Orth suggerierten Widerstandsränke, gespielt über Bande, war der naive Prinz in seiner verblendeten Eitelkeit und Selbstgefälligkeit gar nicht fähig. Dass zudem auf allgemeinen Kulturbesitz, der mit der Arbeitskraft von der Feudalherrschaft zutiefst abhängigen Frauen und Männer geschaffen wurde, jetzt (nach generationenlanger Pflege und Herrichtung durch den deutschen Staat) Anspruch auf privaten Besitz erhoben wir, empfinde ich als Verhöhnung der Geschichte. – Alban Dörr

 


 

 

Leserbriefe zu „Geld allein reicht nicht“ von Evelyn Finger

 

Seit Jahren berichten die Medien über den sexuellen Missbrauch der beiden Kirchen und die Entschädigungen, die den Opfern bezahlt werden.Wenn ein Kind bei der Geburt schwere Schäden erleidet, ist m.E. richtig, dass das Krankenhaus eine Entschädigung bezahlt, mit der das Leben des Kindes mitfinanziert wird. Anders sehe ich die Entschädigungen mancher Opfer sexueller Übergriffe: was hilft einer 40 oder gar 50-Jährigen, wenn sie nach Jahrzehnten Geld bekommt für das erlebte Unrecht? Macht die Entschädigung das Unrecht weniger schlimm? Wird das Geld für psychische Behandlung gebraucht? Dafür zahlt doch die Krankenkasse .In der Zwischenzeit habe ich das Gefühl, dass sich da eine kommerzielle Entschädigungsmaschine etabliert hat. Das bedeutet nicht, dass ich die Täter oder die entsprechenden Institutionen ungestraft davon kommen lassen möchte. Aber das Geld sollte sinnvoll eingesetzt werden, in Präventionsfonds oder zur Unterstützung der Kinder, die einen Missbrauch erlebt haben und darunter jetzt leiden. – Katharina Göggel

 

Die katholische Kirche will mit Geld nur ihr „(un)katholisches Gewissen“ reinwaschen! Wie es den betroffenen Missbrauchsopfer jetzt so geht, und was aus diesen missbrauchten Menschen geworden ist, und wie diese damit weiterleben sollen, und je fertig werden sollen, das scheint für die katholische Kirche, noch immer nicht richtig von Bedeutung zu sein. Dieses unangehme „katholische (Missbrauchs)Thema“, das gehört für die katholische Kirche endlich runter und weit weg vom „katholischen Altar“. – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Trump im Ärmel“ von Josef Joffe

 

Joffe stellt fest, dass die bequemen Zeiten vorbei sind und das es auch „militärischen Einsatz“ seitens der Deutschen verlange. Dies müsse sich in den Köpfen noch durchsetzen. Joffe schwadroniert mal locker als großer Militärstratege. Ich möchte sehen, wenn Joffe seine eigenen Kinder als Soldaten fallen sieht. Vielleicht sollte Deutschland seine Diplomatie verstärken anstatt von militärischer Stärke zu träumen. – Dr. Lothar Schattenburg

 

Es ist schon wirklich ERMÜDENT, wie Herr Joffe seit Jahrzehnten, dem USA- Amerikanen, so UNGENIERT, am ARSCH kùsst. – Tomek Walter

 


 

 

Leserbrief zu „»Die Ehe hat etwas Schreckliches«“ von Ulrich Greiner

 

Herrn Greiner vielen Dank für den vorzüglichen Artikel über George Eliot. Der Artikel zeichnet in wenigen Strichen ein klar konturiertes Bild der bei uns immer noch viel zu unbekannten Autorin. Wie George Eliot in Middlemarch auf subtile Art aufzeigt, sind alle Charaktere dieser Durchschnittsstadt (Middlemarch!) auf die eine oder andere Art miteinander verbunden. Sie sind nicht autonom, ihre Lebensläufe bedingen sich gegenseitig. Das verdichtet sich immer wieder in einer Metapher, die den ganzen Roman durchzieht: the web. Moderner kann man kaum sein. Ich würde mich freuen, wenn der Leserbrief Ihr Interesse fände. Danke für Ihre Mühe! – Werner Schäfer

 


 

 

Leserbrief zu „Wissenschaftler, redet mit uns“ von Anja Karliczek

 

Kein Mangel an Kommunikation, aber teils ignorante Empfänger. Den Wunsch der Bundesministerin Karliczek nach „mehr Austausch“ zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, der eines pushbedarf. kann man auf ersten Blick eigentlich unterstützen: Gerade in Deutschland hat das Populär-Wissenschaftliche immer noch einen schlechten Ruf, sind sich manche Kolleginnen zu fein oder gar unfähig, ihre Themen verständlich herunter zu brechen und anschaulich einem nicht-fachlichen Publikum zu vermitteln. Diese Lücke füllen im besten Fall die Sendung mit der Maus oder Sir David Attenborough, im schlechtesten Fall falsche Propheten wie Peter Wohlleben und andere telegene „Experten“. Andererseits zeigt die Ministerin hiermit doch eine gewisse Unkenntnis des aktuellen Wissenschafts- und Forschungsbetriebs. Denn in Evaluationen werden internationale Publikationen grundsätzlich höher gewertet als „nationale“ (oft deutschsprachige) Artikel. Erstere Beiträge mit einem hohen impactsind zudem relevanter für die Drittmittelanträge, von denen viele befristet beschäftigte Kollegen existenziell abhängen. Wenn dann doch einmal auf outreachWert gelegt wird, beschränkt sich das zumeist auf Poster- oder Redebeiträge auf Fachtagungen. Interviews in Lokal- und Regionalmedien werden kaum honoriert, zum Bücher-Schreiben ist ohnehin keine Zeit. Nicht zuletzt ist das Arbeitspensum bisweilen so hoch, dass Kollegen nur halb-ironisch bekennen, für „einfache“ Beiträge nicht bezahlt zu werden.

Übrigens gehört zur Kommunikation auch das Lehren, was immer auch Emotionen, Begeisterung für unsere Disziplinen vermitteln sollte. Und Studierende vielleicht in die Lage versetzt, selbst Multiplikatoren im Familien- und Bekanntenkreis zu werden. Auch deswegen ist mir das Lehren persönlich wichtig. Aber Lehre ist m.E. im Universitätsbetrieb nachgeordnet. So müssen sich viele Kollegen mit Lehre unter Anderem befassen, ist auch von „Lehrbelastung“ die Rede. Da liegt der Fokus dann eben auf dem Publikations-Output, und dem nächsten Drittmittel-Antrag. Dieser oft auf Englisch und in einem fachspezifischen Idiom, das für viele Menschen wie aus einem anderen Universum klingen muss. Andererseits zeigen „Fridays for future“ wie auch „Scientists for Future“ dass der Austausch von Wissenschaft und Gesellschaft teilweise recht gut funktioniert. Dass die Politik den Ernst der Lage aber offenbar nicht erkennt und dazu die Null-Lösung Klimapaket zusammenbastelt hat, hat vielleicht gar nichts mit mangelnder Kommunikation zu tun. Vielleicht braucht es ja eher einen deutlichen pushum die offenbar unüberwindliche Distanz zwischen den Augen, Ohren und Entscheidungszentren unserer Regierungspolitiker zu überwinden. Die Motivation vieler Kollegen, gegen solche Ignoranz anzugehen, wird durch diese neue Beschäftigungsmaßnahme sicher nicht gefördert. – Dr. Sebastian Dittrich

 


 

 

Leserbrief zu „»Wir Juden fühlen uns unsicherer«“ von Ijoma Mangold

 

Ijoma Mangold füllt in seinem Beitrag die Studie des Jewish World Conress mit Leben aus der deutschen Wirklichkeit. Dadurch wird eins klar: Antisemitismus und seine Bekämpfung sind ein Problem der Juden, die Bekämpfung aber eine Aufgabe der Nicht-Juden. Sie muss nicht nur vom Staat, sondern vor allem von der Gesellschaft, also von jedem Einzelnen von uns bewältigt werden. Wer die Fragen der Umfrage studiert, findet genügend Ansatzpunkte für ein aufklärendes Gespräch, eine publizistische Hilfestellung zur Eindämmung des Antisemitismus. Man muss nur die offenen Antisemiten fragen, an welchen Fakten sie Ihre Meinung, ihren Eindruck festmachen. Latenter Meinungsantisemitismus verbreitet sich hauptsächlich anonym durch das Internet. Warum können private Institute, die Partei-Stiftungen oder gar die Beauftragten für die Bekämpfung des Antisemitismus nicht, vielleicht mit Hilfe der Bundeszentrale für Politische Bildung, eine ebenso anonyme subtile Kampagne im Internet lancieren? Lassen sie sich doch von Rezo oder anderen Influenzern beraten, wie man so etwas macht. – Dr. H. Detlef Lührsen

 


 

 

Leserbrief zu „Kein Alkohol ist auch keine Lösung“ von Marcus Rohwetter

 

Ich muss ehrlich sagen, ich bin ein bisschen überrascht von ihrem Artikel ‚Alkohol ist auch keine Lösung‘ Für mich ist die Zeit ein Qualitätsblatt, das sich durch differenzierte Auseinandersetzung mit Inhalten abhebt. Das ging leider beim Artikel zu alkoholfreien Alternativen komplett daneben. Was mich vornehmlich stört:

  • Alkoholfreien Alternativen gibt es nicht nur im Internet. Viele Bars, Spirituosenhändler und auch Lebensmitteleinzehändler führen sie, je nach Region.
  • Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Whissin und Rosin sind widerliche Aromaschleudern und haben mit alkoholfreien Destillaten wenig zu tun. Seedlip will kein vergleichbaren Produkt zu Gin sein. Warum nehmen sie dann nicht eine vergleichbare Alternative?
  • Sie haben die hervorragenden deutschen Alternativen komplett außer acht gelassen. Siegfried Wonderleaf gibt es seit über einem Jahr in Deutschland. Undone und Noa Drinks seit gerade eben. Ein bisschen bessere Recherchearbeit hätte ich mir gewünscht. Denn auch bei Amazon gibt es noch wenige kleine Alternativen, die wesentlich besser sind.
  • Auch die Statistiken hinken etwas hinterher. Seit wann wird nur eine Quelle zitiert? Gerne hätte ich ihnen mehr Quellen zur Verfügung gestellt, um ein differenziertes Bild der kompletten Bewerbung darstellen zu könne. Z.B. ist der Alkohokonsum bei jungen Erwachsen erstmals auf einem Rekordtief. Was werden die Trinken beim feiern? Der prognostizierte Marktwachstum für. Die prognostizierte Wachstumsrate für England für alkoholfreie Spirituosen liegt bei +81.1% bist 2022.Für Deutschland liegt dieser bei 14% bis 2022. Wie können sie da von einem marginalen Markt reden?

Insgesamt haben sie mit ihrer Uninformiertheit niemanden geholfen, sondern ihre Stimme dazu benutzt die komplette Kategorie für viele ins negative zu kehren. Ich als Produzentin, hätte mir gewünscht, das sie den Austausch suchen. Das sie sich informieren um was es eigentlich geht. Was die Branche ausmacht und warum das Ganze interessant ist. Gerne hätte ich mit Ihnen ein Tasting der verschiedenen Alternative gemacht, damit Sie sich eine qualifizierte Meinung bilden können. –Stella-Oriana Strüfing

 


 

 

Leserbrief zu „Viel Feind, viel Speer“ von Bjørn Erik Sass

 

Vielen Dank, Herr Sass, für Ihren ansprechend geschriebenen Artikel. Ich denke, eine kleine Begebenheit könnte Sie interessieren: Während unserer Weltumseglung waren wir auch in Port Moresby und lernten einen jungen Mann kennen, der als Einheimischer bei der australischen Botschaft angestellt war. Er erzählte von seinem Großvater, der erstmals in seinem Leben ein Rad (nicht Fahrrad) gesehen hat, als er neben einer Flugzeugpiste stand und ein Flugzeug landen sah, eben auf Rädern. Das ist Papua-Neuguinea. – Dr. Uwe Roske

 


 

 

Leserbrief zu „Ist das wirklich ein Toaster?“ von Stefan Schmitt

 

Wann endlich wird bei dieser Technologie nicht mehr von ‚Intelligenz‘ geschwefelt? Menschen sind keine Rechenmaschinen, Rechenmaschinen keine Menschen. Wissen wir, was beim Menschen dazu führt, dass er das zeigen kann, was wir als ‚Intelligenz‘ bezeichnen? Wie kann dann etwas, das auch nicht verstanden wird, obgleich es vom Menschen geschaffen ist, als, so eben künstliche, ‚Intelligenz‘ bezeichnet werden? Ein dem menschlichen Tun ähnliches Funktionieren von Maschinen kann auch auf einem anderen Grund denn ‚Intelligenz‘ erwachsen. Schlichter elektrischer Mechanik, beispielsweise. Oder will etwa jemand ernsthaft behaupten, dass z.B. ein Toaster intelligent sei, weil er zu einem bestimmten Zeitpunkt die angebräunten Weißbrotscheiben dem Verzehr anheimgibt? Ein Zeitpunkt, der durch die Konstruktion dieser Maschine determiniert ist. Rechtfertigt die konstruierte Ähnlichkeit und offenbar tatsächliche Unwissenheit ob der Wirkungsweise der Konstruktion bereits die Verwendung der Intelligenz-Vorstellung? Dann leiden wir wohl unter Wahnvorstellungen und auch Toaster werden dann als intelligente Wesen ansehbar. Die Marke „KI“ ist womöglich genau so eine halluzinogene ‚adversial attack‘, mit dem Mensch das Menschsein angreift und Verwirrung stiftet. Wenn’s richtig gut läuft, macht „KI“ das Menschsein klarer und ‚Intelligenz‘ nicht mehr zum Maß aller Dinge. Mensch (er)findet sich neu und macht das, was diese Maschinen nicht können, d.i. Denken, zum Kriterium des Menschlichen. Doch wann ist in der Menschheitsgeschichte schon je etwas richtig gut gelaufen? Irgendwas ist doch immer! Ob früher oder später. – Volker Homann

 


 

 

Leserbrief zu „Die Rache der Problembürger“ von Adam Soboczynski

 

Ich bin tägliche Konsumentin von Zeit Produkten und Formaten, und so tragen die dort aufgeführten Informationen zu einem großen Teil meinem politisch-gesellschaftlichen Meinungsbild bei. Umso mehr war ich irritiert, als ich am Wochenende den Artikel „Die Rache der Bürger“ (Ausgabe 14.11.19, S. 57) gelesen und das Foto dazu gesehen habe. Auf dem mind. 6 Jahre alten Foto ist eine Mc Donald’s Filiale in Skopje aufgeführt. Daran stören mich zwei Punkte – das falsch suggeriertd Stadtbild von Skopje mal außen vor: 1. Mc Donald’s hat 2013 alle Filialen im damaligen Mazedonien geschlossen. Unabhängig davon, sehe ich den Bezug zum Text als schwach an. Den einzigen mir ersichtlichen Bezug zum Artikel wäre eine Bildunterschrift i.S.v. „Sozialistisch geprägte Länder und die Nachahmung des Westens – Mc Donald’s erkannte nach 16 Jahren, dass sie die Marktwünsche nicht treffen* und schloss alle Filialen.“ *fiktive Begründung. Tatsächlich liegen keine derartigen Gründe für die Schließung vor. 2. Der Artikel setzt im ersten Satz den Kontext und Fokus mit dem Begriff „Ostblock“ – und hier sträuben sich mir, als ehemalige Mazedonierin, die Haare. Weder Jugoslawien, noch das Gebiet von Nordmazedonien waren jemals Teil des Ostblocks, haben also keineswegs gleiche Erfahrungen gemacht! Auch wenn das so nicht explizit aufgeführt ist, suggeriert der Kontext dies zweifelsohne. Gerade wenn der Author das Buch gelesen hat, müssen ihm die Grenzen des Ostblocks begegnet sein. Ich verstehe weder, warum man sich dieses (veralteten) Bildes bedient hat, und noch weniger, warum in der Presse immer wieder dieser Fehler bzgl. Jugoslawien und dem Eisernen Vorhang unterläuft. Und, salopp gesagt: ich habe mit der Aufklärung, die ich im persönlichen Umfeld dazu führe genug zu tun, und finde es schade, wenn dabei eine so geschätzte Zeitung gefühlt „gegen“ mich bzw. die Fakten schreibt. Daher nochmal die erstbeste (=Mindestrecherche) Quelle Wikipedia zitiert: „Die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien wird manchmal verallgemeinernd als „Ostblockstaat“ eingeordnet, war jedoch ein unabhängiger sozialistischer Staat. Sie gehörte nie zum Warschauer Pakt und war kein Mitglied des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe. Jugoslawiens Staatspräsident Josip Broz Tito war einer der Mitbegründer der Bewegung der blockfreien Staaten; außerdem verfolgte er mit dem Titoismus einen eigenen, von der UdSSR unabhängigen „Weg zum Sozialismus“.“ Ich danke, dass die Information berichtigt und in Zukunft Acht gegeben wird, dass über die Balkan-Ostblock Thematik richtig berichtet wird. – Dorothea Bateva

 


 

 

Leserbrief zu „Stimmt’s? Sind für den Sauerstoffbedarf jedes Menschen 16 Bäume nötig?“ von Christoph Drösser

 

Ein Baum für 12 Menschen anstatt 16 Bäume für einen Menschen? Falsche Frage, ärgerliche Antwort. Frage und – Zahlenspiele hin oder her – unzureichende Antwort suggerieren eine völlig falsche Vorstellung, nämlich die von den Bäumen als Sauerstoffspendern für Menschen und von Wäldern als grünen Lungen der Erde, die ständig Sauerstoff produzieren und CO2aufnehmen. Bäume und Wälder nehmen in der Summe nur CO2auf und produzieren Sauerstoff, solange sie wachsen. Ein Urwald im ökologischen Gleichgewicht (im Endzustand der Sukzession) produziert so viel Sauerstoff wie er verbraucht und bindet summa summarum auch kein CO2. Was durch die Fotosynthese an Sauerstoff gebildet wird, wird durch die Waldtiere (von Insektenlarven bis Rehlein und Fuchs) und durch die Pilze und Bakterien, die die herabfallenden Blätter und umgestürzten Bäume zersetzen, aufgebraucht. Das gilt im Prinzip auch für ausgewachsene Bäume. Im Sommer produzieren sie neue Blätter und Früchte – und Sauerstoff. Im Herbst fällt viel zu Boden und wird im Laufe der Zeit von Wildschweinen und Regenwürmern gefressen oder verrottet. Der Sauerstoff-Kreislauf ist ohne uns Menschen geschlossen – es sei denn, wir essen Äpfel, Waldpilze oder jagen einen Hirschen.

„Unser“ Sauerstoff wird überwiegend auf den Getreideäckern und Wiesen produziert. Von dem „Wiesen-Sauerstoff“ leben erst einmal die Kühe und dann bleibt noch etwas für uns Menschen übrig. Natürlich entlassen alle Pflanzen den gebildeten Sauerstoff in die Luft, alles durchmischt sich und man kann den „Acker“-Sauerstoff nicht von dem „Wald“-Sauerstoff unterscheiden. Aber einen „Baum“-Sauerstoff als relevant für die Atmung des Menschen zu bilanzieren, ist wenig sinnvoll. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Trotzdem müssen wir Bäume und große Wälder schützen. Denn durch die Rodung wird extrem viel gebundener Kohlenstoff als CO2 freigesetzt. Dies wird ja auch im Artikel benannt. Und auch Aufforstung ist sinnvoll um CO2 während der Wachstumsphase der Bäume zu binden. Man muss allerdings geeignete Flächen findet, die nicht für die Nahrungsmittelproduktion (und damit Sauerstoffproduktion) für uns Menschen gebraucht werden. – Imme Freundner-Huneke

 


 

 

Leserbrief zu „Nicht mehr normal“ von Cathrin Gilbert

 

Der Artikel ist lesenswert, etwas kritisch und mit Hintergrund – guter ZEIT-Standard. Lob an Cathrin Gilbert. Überdurchschnittlich wäre der Beitrag geworden mit einem Absatz zu Data Analytics im Fußball. Mathematisch versierte ZEIT-Leser sind beeindruckt, weil es vor allem Big Data ist, was den FC Liverpool an die Fußball-Spitze katapultierte. Data Analytics hat berechnet, dass als Trainer Kloop optimal dazu passt, weshalb er geholt wurde. Data Analytics hat die ideal passenden Spieler-Zukäufe vorgegeben. Data Analytics ist die (Geheim-)waffe ohne die es im Fußball zukünftig keine Erfolge mehr gibt. Ich bin kein Fußball-Fan. Mich fasziniert nur die Wissenschaft dahinter. – Gabriel Benz

 


 

 

Leserbrief zu „Die Werftarbeiter packten mit an“ von Nikolaus Bernau

 

Ich habe den Artikel von Nikolaus Bernau mit Interesse gelesen. Aber ich frage mich, ob die Kunsthalle in Rostock wirklich der einzige DDR-Museums-Neubau war, um Kunst auszustellen. Meines Wissens könnte dazu auch das bekannte Panorama-Museum bei Bad Frankenhausen zählen. Und ohne mich genau auszukennen, vermute ich, dass es noch mehr gab. – Dr. Ulf Weber

 


 

 

Leserbrief zu „Bahnsinn“ von PED

 

Einen sehr großen Vorteil hat das „Nichthalten“ in Salza, Niedersachswerfen, Woffleben und Ellrich (alle in Thüringen) allemal, denn Verspätungen, Zugausfälle oder sonstigen Bahnstörungen, die kommen zwar weiterhin bahnmäßig vor, jedoch an diesen vier Bahnhöfen in Thüringen, da bekommt das keiner so richtig mit. Die Deutsche Bahn, die tut und macht wirklich alles für ihre „übertreue“, geduldige und gebeutelte Kundschaft. – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbrief zu „Kein Sex, großer Erfolg“ von Sarah Pines

 

„Ich sah auf das rote Muster der Tischdecke, als ich aufblickte, bedeckt dasselbe rote Muster die Decke, die Fenster und die Wände, und schließlich den ganzen Raum, meinen Körper und das Universum. Ich begann mich selbst aufzulösen, und fand mich in der Unbegrenztheit von nicht endender Zeit und in der Absolutheit der Fläche wieder. Ich reduzierte mich auf ein absolutes Nichts.“ (Yayoi Kusama) Yayoi Kusama (*22. März 1929 in Matsumoto/Japan), Malerin, Zeichnerin und Aktionskünstlerin mit eigenem Musuem in Tokyo (eröffnet am 27.9.2017) Ihre Halluzinationen (ihre übergroße Angst vor Phallischen Objekten, Sexualität und Essen) verarbeitete sie in ihre Kunst! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbrief zu „Futter für den Bücherwurm“. Von Doreen Borsutzki (Illustration) und Katrin Hörnlein (Recherche) in ZEIT leo, die Seite für Kinder

 

An die Macher der Kinderseite: Sie erklären Kindern, wie Bücher entstehen. Sie schreiben vom Autor. Nun gut. Aber Sie schreiben auch wiederholt vom Lektor, vom Korrektor. Es gibt sogar ausschließlich den Lektor und den Korrektor in Ihrer Erklärung. Und den Buchhändler und den Vertreter. In Wirklichkeit (und will LEO die nicht erklären?) sind es vor allem Lektorinnen und Korrektorinnen und Buchhändlerinnen. Und gerade im Kinderbuchbereich gibt es tatsächlich auch ein paar Autorinnen. Insofern finde ich dieses Futter für den Bücherwurm schwer verdaulich. – M. Seul

 


 

 

Leserbrief zu „Schauen wir nicht länger zu!“ von Can Dündar

 

Es ist gut, dass Sie Herrn Dündar regelmäßig über die Türkei schreiben lassen. Aber nicht selten, wird sein Artikel auch von mir nicht gelesen. Es wäre gut, wenn die Zeit mal über alle deutschen Gefangene in der Türkei mit ihrem Schicksal „erfassen“ würde. Dies würde die richtige Aufmerksamkeit erzielen. Der Druck ist so viel zu gering. Die Politiker müssen endlich handeln. – Johannes Zopf

 


 

 

Leserbriefe zur Fotokolumne „Wer bist du?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

 

Wenn ich sagen sollte „was mein Leben reicher macht“, so wären bestimmt Ihre Fotos dabei. Sie wären dabei, weil sie dieses „Verstehen wollen“ zum Ausdruck bringen, das ein Kind mit Behinderung in einem hervorruft , wenn man genauer hinsieht. Für mich ist es neben diesem Verstehen immer auch die Frage nach dem „was willst du?“. Im Laufe einer langen Zeit, in der Begleitung von Kindern mit Behinderung ist es manchmal gelungen,dieses Verstehen oder sich selbst verstehen lernen. Wenn ich nicht täglich viele Friedrichs vor mir sehen würde , denen wir ein zu Hause geben wollen, würde ich Sie einladen und Sie bitten Ihre Fotos bei uns auszustellen. Ihr letztes Bild im Zeitmagazin hat uns dazu angeregt nicht nur die Laternen leuchten zu lassen, sondern bei unserem Abendkreis darüber zu erzählen: „Als wir hier unten geleuchtet haben“, und nicht nur die Kinderaugen haben geleuchtet! Herzlichen Dank , dass Sie dazu beitragen, dass „unsere Kinder“ einen besseren Platz in der Welt bekommen. – L. Jung

 

Das Jahresende nähert sich allmählich und ich befürchte, damit wird es im Zeit-Magazin auch eine neue Fotoserie geben. Schade – ich würde gerne weiterhin jede Woche etwas über Friedrich und seine Familie erfahren. Niemals zuvor habe ich jedes einzelne Heft des Magazins aufgehoben, weil die Bilder und Texte auch beim zweiten, dritten, vierten Betrachten so berührend sind, manche traurig, viele voller Lebensfreude. Und vor allem atmen alle diese Bilder, die Florian Jaenicke von seinem Sohn geteilt hat, so viel liebevolle Zugewandtheit. Über die vergangenen Monate hinweg ist für mich nach und nach ein kostbares Mosaik entstanden. Danke dafür! – Anne Kallenberger

 

Ihre Bilder von Ihrem Sohn Friedrich und die kurzen Texte dazu sind für mich so anrührend und liebevoll. Wie schön, dass Friedrich solche Eltern hat, die immer wieder versuchen, sich in ihn einzufühlen und seine Gefühle wahrzunehmen. Ich habe Sie gern in diesem Jahr begleitet. Schade, dass es bald vorbei ist. – A. Nölke-Spiekermann

 

Seit Monaten wundere ich mich über die im Zeitmagazin abgedruckten Fotos des behinderten Kindes des Fotografen. Der Kleine tut mir leid: Was ist mit dem Persönlichkeitsrecht des Kindes? Der Vater macht Fotos, um seinen Sohn besser zu verstehen? Alles Privatsache, aber diese Fotos der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, sollte die Chefredaktion nicht noch unterstützen. Ich habe dafür kein Verständnis! – Gudrun Gratz-Fister

 


 

 

Leserbriefe zur Infografik „Schwieriges Geschäft“ von Carolin Eitel (Infografik) und Christoph Drösser (Recherche)

Eigentlich kein Thema für mich. Ausnahmsweise werde ich ihnen mein Erlebnis mit dem stillen Örtchen berichten: In den sechziger Jahren lebte ich ein knappes Jahr in USA. Bidet war mir als Deutscher völlig unbekannt. In Amerika gehörte das zur Grundausstattung eines Badezimmers. Ich hatte keine traute den Wohnungsvermieter danach zu fragen warum zwei Toiletten eingebaut sind. Nur bei einer Toilette fehlte die Klobrille. In Deutschland war ein Bidet völlig unbekannt. Was sagt uns das? Deutschland stand in der Hygiene immer noch im Mittelalter. Und das ist noch heute so, bis auf gute Hotels. Der Deutsche ist halt ein Schwein……. – Gunter Knauer

 

Grafiken auf der letzten Seite sind ja immer ein Hingucker und interessant. Trotzdem wünsche ich mir ja auch dabei, gerade von der Zeit, dass die wichtigsten Informationen erscheinen, und ich auch etwas dazu lernen kann. Leider ist das diesmal nicht besonders gut gelungen, denn es fehlen wichtige neue Strömungen: die Goldeimer Toiletten, eine Initiative von Viva con Agua, Komposttoiletten, die bei uns gerade auf den Festivals richtig gut ankommen. Und die asiatischen Toiletten, die aufgrund der Duschfunktion, also eingebauten Bidets, komplett ohne Toilettenpapier auskommen. Wirklich schade! – Regina

 

Über ihr schwieriges Geschäft mit dem schwierigen Geschäft habe ich doch ziemlich gelacht. Verzeihung! Erfolgsgeschichte Indien: Echt super, was in Indien läuft, was Indien kann , wenn es will! Man fragt sich nur, was tun all die Leute, die man von der Bahn aus frühmorgens am Bahndamm sieht, allein nur wenn man von New Delhi wegfährt? Was tun all die Leute am Ufer des Ganges, wenn man frühmorgens auf seinem Hotel- Dach in Benares steht und runterschaut? Die Antwort ist: (Auch) sie lesen und beten. Aus der Ferne oder im Vorbeifahren erkennt man auch, dass sie ihr kleines Büchlein immer liegen lassen, das gehört dazu, kein Gebet ohne Opfer, jeder opfert in Indien. Könnte es auch etwas anderes sein, was da liegen bleibt???

Wenn Sie (wie meine Familie) 1.000 km durch China mit dem Fahrrad fahren, dann entdecken Sie in jedem noch so kleinen Dorf ein öffentliches Klo. Sie kriegen das bald mit, den chinesischen Kanji für Mann und Frau lernen Sie auf diese Weise schnell. In Indien gibt es keine öffentlichen Klos. Brauchen die das nicht, weil ja 90% ein eigenes zu Hause haben? Oder? Oder könnte es sein, dass Sie, Herr Drösser sich in Ihrer Recherche in der Dezimalen vertan haben, von 2014 bis 2019 nur 4,28 % auf 8,89 % der Haushalte mit eigenem Klos statt 42,9%? Selbst 4,29 wäre für Indien eine völlig unwahrscheinliche, gigantische Leistung. Stellen Sie sich mal vor, 5% der Haushalte wollen umrüsten in einem Land, wo überhaupt noch keine Kanalisation gelegen hat, keine Zentralrohre unter den Straßen, nichts! Was allein für die 5 % gebuddelt werden müsste! Gar nicht auszudenken. Bei 5 % der Haushalte wären das vielleicht 12 Millionen Haushalte. Das schafft keine Volkswirtschaft, außer vielleicht Indien, wo wirklich sehr viel gebetet wird. (Ich gehe jetzt freundlicherweise von einem Druckfehler in ihrer Studie aus!!)

Übrigens, mein Sohn kam gerade von einem einjährigen sozialen Jahr aus Indien zurück. Die Leute unterhalten sich dort so: Fragt der eine: „Toilette im eigenen Haus, ist das hygienisch?? Sagt der andere: Nein, das ist nicht hygienisch!“ Cool, so wie man denkt, so tut man auch. Die Regierung unterstützt den Bau eigener Toiletten. Wenn jemand eine Toilette eingebaut hat, kassiert er die Prämie, baut das Klosett wieder aus, verkauft es weiter, ein super Geschäft! Aber jetten Sie mal rüber und schauen Sie selbst nach! Keine Statistik, die man nicht selbst frisiert hat, kennen Sie doch. Oder fragen Sie mal einen Arzt, der in Indien praktiziert, was er meint zu dem Thema: Alle scheißen in die Gegend/ alle sind krank/ Verkauf von Antibiotika und Mitteln gegen Durchfall/ Supergeschäft für die großen Konzerne/ Kanalisation würde viel ändern! Das hat die indische Regierung auch erkannt. Zahlen und Daten – Schall und Rauch. Viel Glück bei Ihren neuen Recherchen. PS: Was für Quellen haben Sie genutzt? – Dr. Joern Heinlein

 


 

 

Leserbriefe zu „Über die vom Verschwinden bedrohte Tugend der Duldsamkeit und den angemessenen Umgang mit »Mikroaggressionen«“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

 

Es ist Freitag Abend, die 47. Ausgabe des Zeit Magazins liegt in unserer Berliner WG-Küche vor uns auf dem Tisch (Hallo Nachbar!). Wir sind zwei, weiblich (marginalisiert), und haben uns Ihren Artikel gegenseitig laut vorgelesen. Und Gratulation, damit erhalten Sie auf Ihren Artikel unseren allerersten Leserinnenbrief. Es gibt eine Sache, die wir teilen: Wir sind beide ebenfalls nicht „natural born Berliner“. Macht uns aber nix. Von „Tugenden“ wollen wir hier allerdings sprachlich mal ganz unritterlich absehen. Es geht uns doch schließlich alle an, wem und was wir mit der von Ihnen geforderten „Duldsamkeit“ begegnen und vor allem von wem wir diese erwarten können. Ist es vergleichbar, wenn die von Ihnen beschriebene Person aus Krefeld, die „anders aussieht“, gefragt wird, woher sie kommt und Sie nach eigenem Vergleich sprachlich als Nicht-Berliner entlarvt werden? Wohl kaum. Die Frage ist nämlich im ersten Fall mehr als nur „ärgerlich“. Sie ist strukturell höchst problematisch und (sei sie auch noch so nett gemeint), eine Aussage darüber, dass unsere Gesellschaft Zugehörigkeit noch immer am Äußeren misst. Wäre es also als Reaktion darauf die beste Variante, auf diese „Mikroaggression“ mit Duldsamkeit zu reagieren? Alles halb so wild, Schwamm drüber, war nett gemeint?

Gerne stimmen mit Ihnen bis zu folgender Argumentation überein: „Ohne ein gewisses Maß an Duldsamkeit kann eine Gesellschaft nicht funktionieren.“ Das ist bestimmt richtig. Wenn sich an der Supermarktkasse eine Person beim Öffnen einer neuen Kasse einfach vordrängelt, tut mensch in der Tat gut daran, ihr deshalb nicht gleich vors Schienbein zu treten. Verabschiedet der*die Kassierer*in einen daraufhin allerdings mit einem degradierenden „Bis morgen, Mäuschen!“, wird es mit der Duldsamkeit schon schwieriger. Duldsamkeit bedeutet, sich darin zu üben, mit Fehlern, Launen und Unwissenheit von Mitmenschen flexibel umgehen zu können. Bedeutet aber nicht: Sexismus, Rassismus oder andere „-ismen“ stumm über sich ergehen zu lassen. Wir würden dann in Gänze die Möglichkeit aufgeben, diese Strukturen sichtbar zu machen und unser Denken zu verändern. Denn darum geht es ja im Kern. Die Frage, die sich an dieser Stelle aber doch zwangsläufig stellt, ist die folgende: Von welchen Personen wird welches Maß an Duldsamkeit in unserer Gesellschaft verlangt? Ein Schüler, der, wie in Ihrem Beispiel, von seiner Lehrerin aufgrund seines Vornamens auf die mit diesem einhergehenden diskriminierenden Implikationen aufmerksam gemacht wird, erlebt Rassismus. Und das kann mensch auch ruhig einfach mal so bennenen. Dabei geht es weniger darum, ob die Lehrerin möglicherweise gute Absichten hatte oder selbst Freund*innen mit Mitgrationshintergrundhat, sondern darum, dass sie bestehende Vorurteile reproduziert und, umso schlimmer, Muhamad ein schlechtes Gefühl zu seiner Position und Zukunft in dieser Gesellschaft vermittelt. An dieser Stelle muss Muhamad überhaupt nichts dulden. An dieser Stelle darf Muhamad sich mit lauter Stimme an alle Menschen, die Teil dieser Gesellschaft sind, wenden und einfordern, dass er die gleichen Rechte hat wie jeder Harald.

Allerdings möchten wir Ihnen auch noch gerne sagen: Wir verstehen Sie ja. Natürlich ist es nicht schön, nur noch als „alter weißer Mann“ betitelt zu werden und gerne gestehen wir Ihnen auch zu, dass Sie „viel mehr als nur das“ sind. Und wir sind ehrlich: Wir mögen alte weiße Männer auch. Ganz ehrlich. Wir sind schließlich selbst die Töchter zweier alter weißer Männer. Und die mögen wir erst recht. Wir wollen nur insgesamt ein bisschen weniger von, wir sagen jetzt mal so dreist, e u c h, hören. Und vor allem wollen wir nicht, dass ihr über die Köpfe von uns „Marginalisierten“ hinweg entscheidet. Ihr sollt „mit-entscheiden“, nicht „allein-entscheiden“. Ist das zu viel verlangt? Zuletzt noch ein Vorschlag für Sie, die eigene ge-claimte „Duldsamkeit“ unter Beweis zu stellen: das nächste Mal, wenn Sie sich ärgern: einfach mal nicht die erste Seite des Zeit-Magazins in Beschlag nehmen. Wie bedanken uns bei Ihnen, dass Sie uns zugehört haben, und verabschieden uns an dieser Stelle mit einem trendigen „Ok, Boomer!“. – S. Everts und A. Schwarz

 

Herr Martenstein ist sicherlich ein gebildeter Mensch, der von so manchen Dingen viel versteht. Leider macht er der etwas lapidaren und in Diskussionen eher weniger hilfreichen Bezeichnung „alter weißer Mann“ alle Ehren. Er schreibt viel Kritisches über Dinge, von den er ganz offenbar nichts versteht. Nein, er versteht sie nicht nur nicht, er versteht sie falsch, eventuell sogar mit Absicht. Regelmäßig zeugen seine Kolumnen von purer Ignoranz, die nicht so unkommentiert abgedruckt werden sollte. Zur aktuellen Kolumne: Mikroaggressionen kann man, wenn sie selten und gegen jemanden, der ansonsten nicht systemischer Diskriminierung ausgesetzt ist, ausgesprochen werden, durchaus mit „Duldsamkeit“ entgegentreten. Wie Herr Martenstein zum Beispiel, wenn er im Ausland dumme Witze über Deutsche ertragen darf. Wenn aber ein Mitglied einer tatsächlich marginalisierten Gruppe (nein, ökonomisch abgesicherte weiße Deutsche sind grundsätzlich keine marginalisierte Gruppe in den USA – Marginalisierung ist IMMER kontextabhängig) mit großer Regelmäßigkeit mit Mikroaggressionen konfrontiert wird, die alltäglicher Ausdruck ihrer strukturellen Benachteiligung (oder von rassistischen Vorurteilen) sind, dann ist es extrem anmaßend und unangebracht, diesen Menschen vorzuschreiben, wie gelassen sie darauf zu reagieren haben. Hier habe ich einem neuen Begriff für den Autor: Tone Policing.

Lieber Herr Martenstein, Sie sind ein alter weißer Mann. Das ist kein Vorwurf an Sie, denn Sie können ja nichts für diese Eigenschaften. Der Ausdruck soll schlichtweg zeigen: Sie sind nicht betroffen. Und als nicht Betroffener von Rassismus, Sexismus etc. hat Ihre Meinung tendenziell auch weniger Gewicht, da Sie die Probleme nicht nachempfinden und ganz offensichtlich nicht ohne größere Anstrengung verstehen können. Auch ein alter weißer Mann kann „woke“ werden, aber dafür muss er zuhören und aufhören, seinen eigenen Erfahrungshorizont und seine eigenen Meinungen als unanfechtbar, als Maß aller Dinge zu sehen. – Patricia Loges

 

Den Ausführungen von Harald Martenstein über das Verschwinden der Tugend der Duldsamkeit ist voll zuzustimmen. Kaum eine andere Tugend ist für ein friedliches Zusammenleben in einer multikulturellen demokratischen Gesellschaft wichtiger. Doch ist der Begriff der „Duldsamkeit“ weder populär, noch das, was er meint. Deshalb wäre zu fordern, dass der Ethik-und der Religionsunterricht in den Schulen sich damit beschäftigt. Zweifellos handelt es sich um eine Tugend im aristotelichen Sinn, da ja das Glück aller (die eudaimonia) das Ziel ist. Doch der Begriff kommt bei Aristoteles nicht vor. Und die Tugend ist schwer einzuordnen in den Katalog der bei ihm aufgeführten Tugenden. Der Grund dürfte sein, dass für die heutige Ethikdiskussion nicht mehr auszugehen ist von einer gleichförmigen athenischen Aristokratie wie bei Aristoteles. Es handelt sich um eine „Mischtugend“, die gesellschaftlich ganz andere Voraussetzungen hat als seine Tugendlehre. Das Grundvermögen,das mit ihr angesprochen ist, ist jedoch der „gesunde Menschenverstand“ (sophrosyne) wie bei allen Tugenden. – Dr. Bernhard Nessler

 


 

 

Leserbrief zu „Bänderzerrung“. Bilder von Marion Hammer im ZEIT Magazin

 

Ich arbeite auch sehr gerne mit dieser „Bänderzerrung“ (Absperrbänder) in meiner Kunst. Die Fotografien von Marion P. Hammer (*1939), veröffentlicht im Zeit Magazin No. 47, die haben mir sehr gut gefallen und sie haben mich und meine Fantasie „rot-weiß“ beflügeln lassen. – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbrief zum Wochenmarkt „Reibekuchen – früher war nicht alles schlecht“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

 

Danke für Ihre Rezepte, ich koche sie gerne, meistens auch mit Erfolg nach. Diesmal gibt es Reibekuchen. Als Isarwinklerin, also im tiefsten Oberbayern beheimatet, sträuben sich mir da die Haare. Es ist mir klar, dass “Reibekuchen” das korrekte hochdeutsche Wort ist aber wo ist da der Kuchen? Das bayerische Wort “Reiberdatschi” finde ich da passender und es ist einfach schön. Als Kind hatte ich dabei eher an Räuber und nicht ans reiben gedacht. – Rosa Maria Berger