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5. Dezember 2019 – Ausgabe 51

 

Leserbriefe zu „Herz aus Stein“ von Giovanni di Lorenzo

 

Man fragt sich schon wer diese beiden „Politiker“ aus dem Hut gezaubert hat, und wer von beiden dieser einst so stolzen SPD den Dolchstoß verpasst. K. Schumacher, W. Brandt, H. Schmidt …..werden sich im Grab rumdrehen über soviel Unvermögen. Wird es ein Trauerspiel, ein Drama, oder gar eine Tragödie. Man kann wirklich nur hoffen, dass es noch jemand gibt, der eine Wende herbei führt. In diesem Sinne, danke für Ihre Ausführung. – Ute Koch

 

Was ist denn das für ein Niveau? Der Untertitel hätte auch in der BILD stehen können. Als ob die Wahl eines Duos, das mehr Klimaschutz, mehr Investition in Infrastruktur und mehr Mindestlohn will als es Olaf Scholz durchsetzen konnte, der Untergang der Republik wäre. Ganz abgesehen davon, dass die Spaltung der CDU noch ganz andere Züge annehmen könnte als die der SPD, was ja legitim ist, wenn sich Lager auseinander entwickeln, lässt, kann ich nicht erkennen, was daran schlecht ist, wenn wie derzeit in der SPD um die Zukunft gerungen wird. Da können sich andere ein Beispiel dran nehmen, zumal es um wichtige Inhalte geht. Nehmen Sie sich ein Beispiel an Ihrem Vize, der hat das verstanden, wie man in seinem jüngsten Buch nachlesen kann. – Horst Saal

 

Die SPD auf der Suche,nach dem Stein der Weisen, eine neue Führung mit Esken-Borjans ist nicht mehr als ein Versuch die Vergangenheit der GROKO hinter sich zu lassen. Doch die SPD Bundestagsfraktion mehrheitlich will ihr Mandat behalten,also kein Ausstieg vor 2021.Das SPD Herz schlägt noch,es leidet an sich selbst und Heilung ist nicht in Sicht. Die vergangenen Wahlergebnisse von SPD und CDU sind ein Alarmsignal und es geht längst nicht mehr um die verlorene „Mitte“, sondern die schleichende Aushöhlung der Demokratie in Deutschland und Europa.Trump, der Bre xit und andere sind eine deutliche Warnung diese in ein Staatliches Führungsamt aus Protest oder Unzufriedenheit zu wählen. – Thomas Bartsch-Hauschild

 

Die SPD tut alles um zu verlieren. Das hat eine besondere Qualität des Irrsinns. Giovanni di Lorenzo hat eigentlich alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt. Die Vernunft bleibt auf der Strecke. Eigentlich war alles abzusehen. Diese Partei hat während der Amtszeit von Frau Merkel 15 Vorsitzende verbraucht. Mit Martin Schulz fing das Desaster alles an. Der vor die vor Wähler trat: „Ich will Bundeskanzler werden“! Ich habe mir sagen lassen; in der EU hatte er schon wenig Freunde. Für mich ist die Bundeskanzlerin die schwächste Person im Amt. Mir ist es ein Rätsel wie die Bürger aber auch die Medien sie auf ein Podest gehoben haben, das eine Nummer zu groß für sie war. Es stimmt auch nicht, daß es damals keine Alternative für den bedingungslosen und unkontrollierten Durchlass gegeben hat. Bayern wollte Ankerzentren in und um Passau einrichten, wie sie das heute mit Erfolg in München praktiziert. Die SPD hat verpasst aus der Groko spätestens in 2015 auszutreten. Die haben das Wort von Müntefering zu persönlich genommen ( Opposition ist Scheiße). Vielleicht hat er auch Mist gesagt. Die SPD zerstört sich heute selbst. Die jetzt Gewählten werden auch wieder abgewählt – das ist doch alles abzusehen. Und die, die vielleicht eine bessere Wahl gewesen wären, sind alle vom Hof gejagt worden. – Gunter Knauer

 

In Ihrem Artikel „Herz aus Stein“ in der heutigen Ausgabe schreiben Sie „… da ist der Eindruck schwer von der Hand zu weisen, dass da gerade eine Partei aus Angst vor dem Tod Selbstmord begeht.“ Auch wenn hier nicht die Rede ist von der Selbsttötung eines bestimmten Menschen, so ist es mir doch wichtig, Ihnen Folgendes mitzuteilen: Der § 211 StGB definiert Mord als vorsätzliche Tötung eines anderen Menschen. Zu den Mordmerkmalen zählt der Paragraph besonders verwerfliche Beweggründe, Mordlust, Habgier und sonstige niedrige Beweggründe. Ebenso zählt dazu die Grausamkeit, Gemeingefährlichkeit und Heimtücke. Alles das passt überhaupt nicht zur Selbsttötung, zum Suizid. In Fachkreisen und in Selbsthilfeinitiativen (z.B. AGUS) hat man sich daher schon frühzeitig auf den Begriff „Suizid“ festgelegt. Ich bitte Sie dringend in Ihren Veröffentlichungen Ihren Sprachgebrauch in diesem Zusammenhang zu überdenken. Die sicherlich unbedachte Verwendung des Begriffs „Selbstmord“ ist für alle Verstorbenen eine Verurteilung und für die betroffenen Angehörigen eine Verletzung und ein Ärgernis. Eine korrekte Sprachregelung kann bestimmt auch mithelfen, das Thema aus der Tabuzone herauszuholen. Als betroffene Mutter würde ich mich über eine kurze Stellungnahme Ihrerseits freuen. – Eine Leserin

 

Nein, geschätzter Herr di Lorenzo, es ist nicht zutreffend, was sie als – unbegründete- These an das Ende ihres Leitartikels stellen: es braucht eben kein „Herz aus Stein“ ( auch unpassend als Titel zum dann folgenden Text) , wenn die alte ,sturmerprobte SPD sich nun anschickt, endlich auf den Weg macht!, die richtige Stelle für ihr Herz wiederzufinden . Es braucht HERZ, wenn die Aktiven in der SPD mehrheitlich nun eine Führung wählen, der sie zutrauen, die Partei aus dem Tal der erzwungenen Anpassung und der falschen Zielsetzungen herauszuführen. Es ist eben nur ihre einseitige Betrachtungsrichtung, Herr di Lorenzo, die den Blick fast ausschließlich auf das vermeintlich nicht Geschaffte mit der Agenda und den unerträglich kompromissgezwungenen GroKos richtet. So richtig es historisch ist, dass noch in keiner Zeit Parteien mit einem derartig hohen Tempo zur permanenten selbst Neuerfindung genötigt waren, so falsch ist es, von der SPD zu erwarten, dass sie das auf „ alten“ Wegen tun muß. Nach ihrer Sicht offenbar nur tun kann.- Um es mit einem barockmusikalischen Bild zu sagen- Die SPD steht nicht im Winter der Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi, sie ist gerade dabei, den Frühling – auch sprichwörtlich- mit neuer Kraft in Angriff zu nehmen. Aktiv und eben nicht so reaktionär wie die „Weiter So“ Parteien.

Dass damit die Grünen in der Tat Konkurrent sein werden, schon sind, liegt auf der Hand. Es gibt aber nur auf diesem Weg einen klaren politischen Gegner- und den hätte ein Olaf Scholz, so verdient er ist- eben gerade nicht klar aufs Korn nehmen können. Ist er doch schon lange viel zu nahe an ihm , dem politischen Gegner. Es ist sicher auch richtig, dass die Aktiven kommunalen Politiker diesen Weg gehen und tragen müssen. Und das wollen sie auch- denn viele von ihnen haben diesen neuen Vorstandsvorsitz gewählt! Vielleicht sind sie, werter Herr di Lorenzo, und ich auch zu alt, um die Bedürfnisse der heute 30 jährigen Wähler zu erkennen und aktiv zu bedienen, das muß und wird die SPD aber tun müssen, um in den Herausforderungen der nächsten 2 Wahlen und darüber hinaus endlich wieder punkten zu können. Und zwar mit neuen, andren Akzentsetzungen. Es ist eben nicht richtig , nur hypnotisiert auf AFD und CDU oder gar CSU zu sehen. Die Richtung ändern ist dringender denn je notwendig, und da geht ihr doch recht herablassender Blick auf Kevin Kühnert zum Beispiel total an der Sache vorbei! Das ist für die Aktiven in der SPD der Hoffnungsträger! Und Franziska Giffey natürlich auch. Nein, Herr di Lorenzo, sie erkennen die Lage nicht korrekt- die SPD ist im Aufbruch, sie haben es nur noch nicht sehen wollen- Viel besser, hilfreicher und würdevoller wäre, den neuen Hoffnungsträgern mit mehr Wohlwollen und Unterstützung entgegen zu sehen. Mit besten Grüßen aus der kleinen Dorfgemeinde in der Elbmarsch, wo der politische Umbruch schon angefangen hat. – Thomas Herion

 

Das von Giovanni di Lorenzo zitierte Selbstzerstörungsgen scheint ein Wesensmerkmal dieser Partei zu sein. In früheren Jahren haben charismatische Persönlichkeiten wie Brandt, Schmidt und auch Schröder den Laden nicht nur zusammengehalten, sondern auch strategisch „über den Tag hinaus“ gedacht. Diese Fähigkeiten sind der SPD spätestens seit 2005 abhanden gekommen, wobei das GroKo-Virus den Niedergang einer Partei, die diese Republik maßgebend mitgeprägt hat, noch beschleunigt. Während die politische Mitte in Deutschland schmilzt, denn auch die Union kämpft mit strukturellen Problemen, profitiert leider der rechtsextreme Populismus von dieser Entwicklung. Drei Perioden Große Koalition haben zu einem Stillstand bzw. Rückschritt in wichtigen Politikfeldern geführt. Die europäische Einigung tritt auf der Stelle, bei der Digitalisierung/KI ist Deutschland bereits abgehängt (ein Beispiel: 5G) und wichtige Infrastrukturprojekte in Forschung, Bildung und Klimaschutz warten auf ihre Umsetzung. Helmut Schmidt schrieb im Jahre 1997 einen Artikel über Deng Xiaoping, der mit folgenden Zeilen endete: „Die erkennbar werdende Konfiguration der Weltmächte USA, China und Russland (trotz seiner offenbaren Schwächen) ist am Ende des 20. Jahrhunderts – über Robert Schumans und Jean Monnets Motive hinausgehend – ein zusätzlicher Grund für die europäische Integration.“ – Jürgen Rohlfshagen

 

Herr Lorenzo das ist doch nicht ernst gemeint! SPD bashing, na toll! Und lasst doch einmal den Herrn Schmidt aus dem Spiel. Politiker haben die Aufgabe Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit zu entwickeln. Seit zwei Jahrzehnten eiern sie in wechselnden Koalitionen mit fast identischem Personal um die Beantwortung dieser Fragen herum, Nebelkerzen ohne Ende. Auch die Medien (Zeit, FAZ, Süddeutsche usw.) haben hier Antworten, die in klaren Strategien hätten münden können, nicht einzufordern versucht. Und sie machen es heute noch nicht. Wir, die Bürger, können uns dann das Zeitunglesen ersparen. Damit tun wir der Umwelt vielleicht einen Gefallen. Leider entfällt auch dann ihre Daseinsberechtigung. Doch das können wir nicht wollen! Welchen Anteil haben Wachstum (*), Globalisierung (*), Digitalisierung (*), Bevölkerungsentwicklung (*), und Bildung (*) auf unsere Zukunft? Einen überragenden Anteil! Ist es wirklich nur ein Spiel, wenn sich die Jugend der Klimaentwicklung annimmt? Der offensichtlich drängendsten aller Probleme! Noch einmal, alle vorgenannten Themen (*) haben hier einen direkten Einfluss. Nur dies offen zu sagen, trauen sich die Parteien nicht. Sind sie überfordert? Auch die Zeit macht da keine Ausnahme! Welche Qualifikationen braucht es in der Zukunft? Wie viele Menschen können damit ein würdiges, selbstbestimmtes Leben führen? Sind dann nicht zwei Drittel Füllmasse, die in prekären Verhältnissen leben, nur Zuarbeit leisten? Wem fühlen diese sich zugehörig? Folge: weitere Brüche in der Gesellschaft, die dann vielleicht irgendwelchen Heilsversprechern anheimfallen. Wo müssen wir dringend regulierend eingreifen? Ihr, die Journalisten, seid gefragt den Nebel zu lichten und klare Vorstellungen einzufordern. – Klaus Liebscher

 

Leider hat der von mir geschätzte Herr Chefredakteur GdL zu 90 % recht in seiner scharfsinnigen, kenntnisreichen, aber auch schonungslosen Analyse. Das schmerzt einen Altgenossen wie mich – seit 1979 – mehr als jede oberflächliche Polemik. Inkonsequent ist aber der vielleicht versöhnlich gemeinte Schluß- satz „Herz aus Stein“, der einen Bodensatz an Herzblut für die alte Dame SPD durchscheinen lässt. Es waren und sind Artikel wie diese, die eine – sicherlich eigenverantwortlich in der Abwärts- spirale befindlichen – Partei medial weiteren Schaden zufügen, vielleicht auch irreversibel. – Prof.Dr.med.Ulrich Krause

 

Wie lange will sich Herr Lorenzo noch halten? Bei der EU Wahl hat Herr Lorenzo zwei Mal gewählt. Mit deutschem Pass und mit italienischen Pass. Also von Politik keine Ahnung. Aber kommentieren Herz aus Stein. – Dieter Gehrken

 

Das von Chefredakteur Giovanni Di Lorenzo angesprochene Selbstzerstörungsgen ist in der SPD schon lange virulent. Zur schleichenden Selbstzerstörung als staatsprägende Partei führte es ab 1983. In diesem Jahr hat die SPD nach Kanzler Helmut Schmidts Rücktrittsdrohung dem NATO-Doppelbeschluß noch zugestimmt. Kurz darauf nach Schmidts Ablösung als Kanzler durch Helmut Kohl nahm die SPD auf ihrem Kölner Parteitag die Zustimmung zurück. Der linke Flügel der SPD nannte Schmidt den “ nützlichen Idioten der US-amerikanischen Angriffskrieger“. Es war Schmidts (und Kanzler Kohls) P0litik, die es möglich machte, daß Ex-Kanzler W. Brandt 1989 sagen konnte, ,“ es wächst zusammen, was zusammen gehört „. Mit der demütigenden Abkanzelung von Helmut Schmidt so wie auch von Ex-Kanzler G. Schröder und der ständigen Selbstbespiegelung hat sich die SPD wohl (leider) auf längere Zeit als politisch gestaltende und staatsprägende Partei verabschiedet. – Eitel Riefenstahl

 

Mit Ihrer Analyse zum Zustand der SPD haben Sie sicherlich Recht, aber Ihre Zweifel an der Fähigkeit des neuen Duos, die SPD zu führen, kommen reichlich früh und sind mit mangelnder bundespolitischer Erfahrung und fehlendem Charisma nur schwach begründet. Warum geben Sie Sakia Eskan und Norbert Walter-Borjans nicht die klassischen 100 Tage und urteilen dann? So unterstellen Sie Lern- und Entwicklungsunfähigkeit. Bei Martin Schulz konnte man ja auch beobachten, wie ein großer Europäer (den ich gewählt hätte) als Mann aus Würselen endet, und der seine Meinung, dass Koalitionen mit der Linken vorstellbar seien, recht schnell auf dem Altar der Meinungsforscher opferte. Das war definitiv eine Entwicklung, wenn auch keine positive.

Ihre Feststellung, dass die neuen Parteivorsitzenden nur von einem Viertel der Mitglieder gewählt wurden, lässt unerwähnt, dass die eigentliche Wahl nach wie vor auf dem Bundesparteitag erfolgt, mit einem, wie inzwischen bekannt ist, deutlich höheren Ergebnis. Und warum schließen Sie eine Linksorientierung der SPD aus, nur weil da bereits eine Partei steht? Die Sozialdemokratisierung der CDU hat schließlich trotz der Existenz der SPD geklappt. Und nicht jeder Parteivorsitzende der SPD muss so scheitern wie Willy Brandt, der in einem Interview feststellte, dass die SPD nicht angetreten sei, die Grünen zu bekämpfen, sondern sie zu assimilieren. – Bernd Lange

 

Ist das Mitgliedervotum der Auftakt zum letzten Akt des Dramas „Vom Niedergang der ältesten Partei Deutschlands“ gewesen, schafft sich die SPD nunmehr endgültig ab? Oder ist mit diesem Verdikt die Talsohle der SPD erreicht worden, ab der es endlich wieder bergauf geht, mithin ein Neuanfang, dem eben nur kein Zauber innewohnt? Womöglich vorerst weder noch. Denn die inzwischen neu gewählte SPD-Spitze strebt nicht die im Vorfeld vermutete radikale Kursänderung an; wohlwissend, dass eine weitere Zerreißprobe für die Partei mutmaßlich die allerletzte wäre. So dürfte an dem ersten Adventswochenende dieses amtlich sehr bewegten Jahres mitnichten per se das Ende der GroKo eingeläutet worden sein. Denn trotz (oder gerade wegen) aller Mittelmäßigkeit dieser Regierung, autoimmun bedingtes Leiden ist ihr inzwischen nicht nur nicht fremd, es mag im Grunde genommen das verbindende Element einer gemeinsam entwickelten Verzwergung des Politischen zugunsten parteilicher Selbstfindungsexkursionen darstellen. Und weil davon keine der drei Regierungsparteien über die vergangenen zwei Legislaturjahre ausgenommen werden kann – wenngleich der CSU unter Markus Söder derweil eine relativ gute Rekonvaleszenz gelungen ist – könnte den alten und neuen Protagonisten nach erfolgter Halbzeitbilanzierung ein mehr oder weniger leicht verlinktes „Weiter so“ als das mit Abstand (und immer noch) kleinste Übel für die legislative Restlaufzeit erscheinen. – Ira Bartsch

 

Zum ersten Mal hat mich einer Ihrer persönlichen Artikel zu Tränen gerührt. Ich bin zwar ziemlich nahe am Wasser gebaut, hätte es trotzdem niemals für möglich gehalten, dass einer Ihrer Artikel solch eine Wirkung bei mir auslöst. Als Deutsche und als ehemalige Italienerin, oder besser, als Europäerin, verfolge ich zwangsläufig den Rechtsruck nicht nur in meinem Land, sondern gerade in vielen Teilen Europas. Dies bereitet mir Sorge und ich streite mich gerne mit anderen, die meine Besorgnis nicht teilen, weil sie einen anderen Blickwinkel vertreten. Die Entwicklung der SPD ist ERGO eine Entwicklung, die sich nicht ausschließlich in einer de utschen Partei verfolgen läßt. Die analytische Auseinandersetzung mit vielen Themen, die sich in meinem Fokus befinden, läßt mich auch weiterhin als Abonnentin der Zeit verweilen, gerade auch weil ich gerne etwas in der Hand habe, etwas nochmals nachlesen kann, wenn ich mir bereits mein Vorurteil gebildet habe, um dieses entweder zu verifizieren, oder zu revidieren.

Die schnelle Entwicklung, die wesentlich einflußreicher ist, als es die Industrialisierung vermochte, die Entwicklung der medialen Welt, die übrigens wesentlich humaner ist, als seine Schwester im letzter Jahrtausend es gewesen ist, führt dazu, dass selbst Omas wie ich, die zwar jung, aber dennoch neuronal langsamer arbeiten, den Durchblick teilweise verlieren, oder gar nicht erst erwerben können oder möchten. Mein Sohn sagt, dass ich teilweise hinter dem Mond lebe und ich antworte, aber hinter dem Mond links. Ich merke bereits, dass ich mich wieder ein Mal in einer meiner Lieblingsbeschäftigungen – Schreiben – verliere, um mich auf das Wesentliche zu besinnen. Im Advent warte ich nun auf mein drittes Enkelkind. Dem Deutschen, wenn es denn wirklich einen gäbe, wurde nachgesagt, dass er gerne einen Verein gründet. Ich habe im Jahr 2015 einen Satz an die Flißchart gebracht, der lautete : „Masse macht Meinung“ und der sich leider immer mehr bewahrheitet. Es gibt leider nur noch vereinzelte, wenige seriöse mediale Angebote, die es dem Individuum ermöglichen sich selbst wirklich eine Meinung zu bilden (es werden immer mehr „Anderungen“ wie es V. F. Birkenbihl genannt hat).

Ich fand es als Kind normal, dass ich mir für jede Mitgliedschaft zunächst beim Einwohnermeldeamt eine Bescheinigung holen mußte, da in meinem Paß keine Adresse gestanden hat. Als Deutsche habe ich die Möglichkeit überall Mitgliederin zu werden, nutzte diese Möglichkeit jedoch bisher nur sehr selten und nach reiflicher Überlegung und Abwägung der Vor- und Nachteile. In Deutschland gibt es Vereine und Mitgliedschaften ohne Ende, die Tendenz geht nicht gegen Null. Tausende von Menschen gehen auf die Straße. Was wäre, wenn genau diese Menschen einen europäischen Verein gründen, der politisch nicht nur aktiv, sondern auch wirksam werden würde? Dies wäre eine Revolution ohne dem Begriff etymologisch gerecht zu werden! Vielleicht erlebe ich es noch, dass meine Enkel wählen gehen, vielleicht auch nicht. Eine Volkspartei haben wir nicht mehr, weder in Deutschland, noch in anderen europäischen Ländern, denn das Volk, welches sich auf die Straße begibt, nähert sich medial den aktuellen Parteien an. Diese Entwicklung läßt sich nicht aufhalten und das politische System, dass – Gott sei Dank – langsam und träge ist wegen seiner Masse, ist genauso menschlich, wie es der Mensch nun ein Mal ist.

Ambivalent und in Widersprüchen gehalten bleibt mein Gedicht in der Frankfurte r Bibliothek erhalten, heute noch inhaltlich wertvoll und nachhaltig, aber mit aktualisierter Bedeutung. „Wehret den Anfängen“ ist natürlich nicht von mir, sollte aber in jedem Wohnzimmer und in jeder Kneipe als Motto über allen Debatten und auch medial über den Diskursen stehen. Manns „Untergang“ ist in ähnlichen Entwicklungstendenzen entstanden und hat kaum Einfluß in der breiten Masse erzielt, weil erst rezeptionsästhetisch und reflexiv klar wurde, dass er genau diese Entwicklung, die wir leider geerbt haben, nicht nur genau untersucht und analysiert, sondern als Roman verarbeitet hat. Im Land der Dichter und Denker – hoffentlich können wir diesen Titel noch eine Weile behalten – ist es leider Usus geworden – sich keine Meinung mehr zu bilden, sondern sich einer „Daumen hoch oder runter“ Gesellschaft anzuschließen, um ja die eigene Meinung nicht bilden zu müssen. Kein noch guter Algorithmus kann meine Meinung heraus filtern, er kann mich in Schatullen und Kategorien einteilen und vielleicht Tendenzen absehen und mir passende Werbung vermitteln. Aber, ob ich diesen Tendenzen auch wirklich entspreche, dies beeinflusse ich lediglich selbst, jedenfalls hier in Deutschland. Dafür habe ich hart und härter gekämpft. Eine kuschelige Freiheit, die es mir ermöglicht auch anderen diese Freiheit zu ermöglichen und den Tisch zu decken für Menschen, die das Schicksal nicht so geküßt hat. Danke für diese Erfahrung von heute. –DW

 

Mit Befremden habe ich ihren Artikel zum SPD-Parteitag gelesen. Mein Eindruck, sie wollen dazu beitragen, der SPD den Todesstoß zu versetzen. Das hätte ich niemals vermutet! Wenn ich höre, dass die Zeit nicht mehr mit meinem Zustelldienst in Schaumburg kooperiert, da durch Zahlung des Mindeslohns die Zustellgebühren gestiegen sind, muss ich meine Schlussfolgerung ziehen, die lautet: Ihre Einrichtung will von Arbeitsverhältnissen, die den Mindeslohn zahlen, nichts wissen. Wer hat hier ein Herz aus Stein? Ich bin enttäuscht und überlege, mein Abo zu kündigen. – Irmhild Knoche

 

Doppelnamen sind z.Z. der ganz große Renner, sogar in der GroKo, siehe nur bei Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU-Chefin) und bei Norbert Walter-Borjans (SPD-Mitchef). Der Wähler, jedoch der fremdelt z.Z. etwas, mit einigen dieser „überetablierten“ Parteien, und so sucht er schon öfters mal sein „Heil/Glück“ bei der „AfD“! CSU/CDU und SPD passen irgendwie überhaupt nicht zusammen, und machen wohl deshalb einfach ganz gnadenlos weiter! – Klaus P. Jaworek

 

Worin unterscheidet sich dieser Leitartikel des Chefredakteurs der ZEIT vom Chor der meisten übrigen Medienreaktionen auf die Wahl der neuen SPD-Parteivorsitzenden? Nur darin, dass er seine düsteren Diagnosen, die zu noch düsteren Prognosen führen („vorletzter Akt einer Tragödie“ bis „fatales Selbstzerstörungsgen“), mit „Bedauern hinnimmt“ und allen, die das nicht tun, ein mitfühlendes Herz abspricht? Dabei begann er so vielversprechend mit dem nicht zufällig „oft gebrauchten Satz“ eines „großen Sozialdemokraten“: „Politiker, aber auch Medien haben nicht die Aufgabe, Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen!“ Wer diesen Satz nicht „beherzigt“, hat in der Regel klar durchschaubare Gründe. Wer das als Medienvertreter tut und dabei den Mainstream bedient, der das vorausgesagte Ende nur beschleunigt, was er anschließend bedauert, wirkt nicht glaubwürdig – weder in der Analyse noch in dem Bedauern. Wäre im Zweifel gelassen abwartendes „Bemühen um Nüchternheit“ nicht doch die bessere, weil weniger selbstgewisse und damit offenere „Alternative“ für einen Leitartikel gewesen – zumindest in der ZEIT? – Eckhard Heumann

 

Im letzten Satz Ihres Leitartikels „Herz aus Stein“ bekennen Sie Ihre Sympathie für die Sozialdemokratie, indem Sie demjenigen, der das „Selbstzerstörungsgen“ linker Parteien nicht bedauert, ein Herz aus Stein attestieren. Der Umgang der SPD mit ihrem Führungspersonal mag ein berechtigter Kritikansatz sein – und Sie zielen mit Ihrer empörten Aufmacher-Frage „Geht’s noch?!“ in diese Richtung – , aber die Herzschmerzen sollten doch eher von der Enttäuschung herrühren, die durch das Schicksal sozialdemokratischer Werte hervorgerufen wird. Hier einige der entscheidenden Fragen: Dient die Arbeit dem Menschen oder der Mensch der Kapitalrendite? Dient die Politik der sozialen Daseinsvorsorge oder dem Machterhalt? Kontrolliert die Steuerpolitik die Finanzindustrie oder kapituliert der Finanzminister vor dem globalen Spekulantencasino? Schützt der Gesetzgeber die Freiheitsrechte des informationell selbstbestimmten Bürgers oder die Interessen der internationalen Datenkraken? Sorgt die Umweltpolitik für eine giftfreie Landwirtschaft oder erlaubt sie toxischen Naturverbrauch? Wer die SPD-Politik der letzten Jahrzehnte als Antwort auf diese Fragen ausgibt, müsste mit einem schambedingten Kammerflimmern rechnen. – Viktor Rintelen

 


 

 

Leserbriefe zum Titelthema „Geht’s noch?!“ von Peter Dausend et al.

 

Der grosse Berg SPD hat gekreisst und zwei Mäuschen geboren. Ein weibliches und ein männliches. Diese beiden sitzen nun vor den beiden grossen Katzen namens: „Bedeutungslosigkeit“ und „Umsetzbare Ideen“. Was tun mit diesem Votum? Von nur der Hälfte der Mitglieder (50 %) und davon auch nur etwas mehr als der Hälfte (53 %) gewählt. Ein echter Vertrauensvorschuß sieht anders aus. Die SPD und ihre neue Führung läuft grünen (Doppelspitze) und linken Ideen (Hartz 4 muss weg) hinterher und besinnt sich nicht auf ihre sozialdemokratischen Wurzeln: Volkspartei, sozial und gerecht. So entsteht nicht der Wunsch der Wähler die Fälschung sondern gleich das grüne und/oder das linke Original zu wählen. – Felix Bicker

 

Politiker sollten eine in sich schlüssige Vorstellung von der Zukunft des Landes haben, diese geradlinig und widerspruchsfrei vertreten und nicht unfähig werden, Fehler selbstkritisch einzugestehen und daraus die Konsequenzen zu ziehen. Wer hat eine solche Vision? Wer von den neuen Führungskräften hat sich nicht schon selbst widersprochen? Wer gibt zu, dass er Fehler gemacht hat, die korrigiert werden müssten? Und, ganz wichtig, wer von ihnen hat Motive, die über persönliche Interessen hinausweisen? Eigeninteresse und Charisma vertragen sich nicht! Was nun das Bewerberpaar Esken/Walter-Borjans betrifft, kann man sich nur über die fehlenden Menschenkenntnisse wundern: „Mein Gott Walter/und das in deinem Alter!/ Du suchtest eine Seelenverwandte/und hast jetzt eine Gouvernante/Du bist in ihren langen Armen/ein Unterdrückter zum Erbarmen./Ist sie dir wirklich geheuer/die Fahrt mit Saskia am Steuer/die gern links auf der Straße fährt/und die Kreuzung auch bei Rot quert?/ Willst du das Unglück vermeiden/lass dich schnellstens wieder scheiden!“ – Johannes Kettlack

 

Was blüht der Regierung?: Schlimmes! Die SPD ist gerade dabei sich selbst zu zerstören. Willi Brandt sehe ich hinter der Wolke Saldi schlagen. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Das alles wäre ungefähr so, als wenn die DDR wieder aufstehen würde und Honnecker reist von Chile wieder an und unterstützt Kühnert und Walter Borjahn. Letzteren halten die Schweizer für einen Kriminellen. Borjahn ist in NRW abgewählt worden. Jetzt kommt er durch die Hintertür wieder zurück und gewinnt das Ding. Das ist eine Superleistung. Wer kann das schon von sich sagen. Martin Schulz wollte Bundeskanzler werden. Das hat er auf jeder Wahlveranstaltung von sich gegeben. Was macht er heute eigentlich? Der besucht jeden Tag Walter Borjan. – Gunter Knauer

 

Ja, man kann der bisherigen Hinterbänklerin Esken und dem ehemaligen Landesfinanzminister Walter-Borjans mit Recht vorhalten, dass sie kaum über Erfahrungen im Administrieren und Führen verfügen. Aber Kompetenz – also z. B. auch fachliche Kenntnisse, berufliche Erfahrungen – ist doch schon seit langem in der Bundespolitik kein ausschlaggebendes Kriterium mehr. Oder kann jemand sagen, was außer parteipolitischer Taktik und Proporz die Damen Kramp-Karrenbauer, Karliczek und Bär für ihre aktuellen Posten in der Bundesregierung qualifiziert? Oder die drei Herren Ramsauer, Dobrindt und Scheuer als Minister für Verkehr (und Letztere auch für digitale Infra- struktur)? Oder Herrn Ziemiak als späten Nachfolger von Biedenkopf und Geißler? In Wirtschaftsunternehmen werden Führungspositionen nach immer ausge- klügelteren und umfangreicheren Verfahren besetzt. Bei Politikern reicht die Unterstützung eines jeweils maßgeblichen Teils der eigenen Partei zur Vergabe von Spitzenämtern. In diesem Sinne befinden sich Esken und Walter-Borjans als zukünftige SPD- Vorsitzende in allerbester Gesellschaft. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

Meine erste Reaktion auf das Bild mit dem verzweifelt wirkenden Willy Brandt und der Schlagzeile war auch die Frage, „ob es noch geht“. Ich dachte immer, es gehört zum Selbstverständnis der Redaktionen von Qualitätszeitungen, sich von der Zeitung mit den großen Buchstaben abzugrenzen und keine emotionalisierenden Bildinschriften zu verwenden. Inhaltlich bringen Sie mit dieser Schlagzeile eine starke Empörung anknüpfend an eine zunehmend beliebte umgangssprachliche Wendung zum Ausdruck – offensichtlich aufgeschreckt durch das Ergebnis eines Mitgliederentscheids der SPD über den künftigen Parteivorsitz, mit dem in der Redaktion nicht gerechnet wurde. Das Layout (in rot gesetzte Bildinschrift) unterscheidet sich kaum von manchen Schlagzeilen der Boulevardpresse, mit denen „große Sorge um das Schicksal von…“ geäußert wird. Irritierend auch die gleichzeitige Verwendung von Frage- und Ausrufezeichen, was wohl zusätzlich die emotionale Wirkung erhöhen soll, aber eher als Unentschiedenheit rüberkommt. Die Schlagzeile streift knapp die Grenze zur Anmaßung: In der der Formulierung kommt der Anspruch zum Ausdruck, das Ergebnis einer demokratischen Wahl politisch, ja auch moralisch, richtig bewerten zu können. Im Wissensressort und im Feuilleton ist man oft geradezu ergriffen von den positiven Wirkungen disruptiver Prozesse – warum gelingt es uns nicht, diese im politischen Bereich mutig als Chance zur Perspektivenveränderung und Horizonterweiterung zu begreifen? – Martin Kirchner

 

Nach der Wahl der designierten SPD- Parteivorsitzenden brachte die BILD-Zeitung die Witwe Brandt auf die Titelseite mit der Bildunterschrift „Helmut Schmidt und Willy Brandt würden sich im Grab umdrehen“. DIE ZEIT fühlt sich von diesem Boulevard Niveau angesteckt und zeigt Willy Brandt beim historischen Kniefall in Warschau – „Geht’s noch“ . Das ist kein Qualitätsjournalismus. G.di Lorenzo schreibt u.a. „Politiker, aber auch Medien haben nicht die Aufgabe Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen…“ Das ist eine Binsenweisheit. Warum wird Helmut Schmidt in diesem Zusammenhang bemüht. Es heißt weiter, dass die Geschichte der SPD in den letzten Jahren eine einzige politische Tragödie war. Nein, die politische Tragödie in Deutschland ist der Aufstieg der AfD. Als Herr Lindner in der causa Jamaika die Hosen voll hatte, hat die SPD Verantwortung übernommen und in der Groko für die Menschen viel gutes bewirkt. Warum wird diese Leistung unterschlagen ? Es gibt den „Politischen Fragebogen“ in der ZEIT. Frage 9 lautet „Sind Sie lieber dafür oder dagegen ?“ Wie würden Sie Herr di Lorenzo antworten ? Sicher vermissen Sie Helmut Schmidt als Interviewpartner. Die aktuelle SPD-Situation können Sie verachten oder Lösungsversuche würdigen, dafür wäre Helmut Schmidt Ihnen dankbar. Ich war Mitglied der CDU und habe die Partei in den 68-er nach einem Seminar der politischen Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung verlassen. Meine Ideale sind in der SPD vertreten. Ich bin in dieser Woche als Mitglied eingetreten. – Werner Buschke

 

Ich weiß nicht, an wen ich mich wenden soll. Eigentlich an alle in der Redaktion. Seit vielen Jahren bin ich Abonnentin und bleibe es, aber: Hören Sie endlich auf, Angst- und Schuldgefühle erwecken und schüren zu wollen. Wieder so ein Titel: Geht es noch … ist das alles noch normal? Jahrelang nun, als gebürtige Mailändern und seit Jahrzenten Deutsche bin ich traurig, enttäuscht von Ihrer Zeitung. Diesmal auch wieder Entweder ist man schuldig gegen die Juden, oder gegen die Flüchtlinge, oder so oder so negativ. Klar, nichts darf man vergessen, das meine ich nicht, Sie verstehen mich sicher. Aber Mut und Klarheit sollten Sie haben – liebe Leute – und uns eine nüchterne, gerade und positive Richtung immer wieder geben. Ich bin keine Rechte und auch keine Linke, aber wir Italiener würden es nicht ertragen, wenn man uns immer und immer wieder schlecht macht. Dabei ist Deutschland eine gute Nation, perfekt ist keine. – Maria Luigia Sala Wigand

 

Was ist denn mit „Geht´s noch“ in Sie gefahren? Was soll denn so ein Schnellschuss, wo doch schon ab Wochenanfang absehbar war, dass sich da noch viel bewegen würde? Konnten Sie nicht zumindest den Parteitag abwarten? Früher hat man Neugewählten sogar noch 100 Tage gegeben, bevor man ein Urteil fällte. Anstatt einen derart überraschend einseitigen Panikartikel zu veröffentlichen – dazu mit diesem Foto von Willy Brandt! Inzwischen, nach dem Parteitag, denke ich, WB wäre eher froh als enttäuscht über seine Partei, die wieder neu belebt erscheint, wozu auch der Streit gehört. Im übrigen erscheinen mir die in den Reden der „Neuen“ geäußerten Ideen eher auf der Linie von WB zu liegen und alles andere als radikal zu sein. Bitte nicht den Fehler einiger Medien begehen, besonders die der sog. Berliner Blase, die meinen, sie hätten das absolute Wissen und die dann nicht nur enttäuscht sondern sogar erbost sind, dass ihre Voraussagen nicht eingetroffen sind. Ich bin übrigens deshalb ZEIT-Leser und seit einigen Jahren Abonnent, weil ich hier stets die sachlich-ausgewogene, dabei auch durchaus kritische Berichterstattung fand. Früher sogar noch mit Pro- und Contraartikeln. – Peter Brosch

 

In der SPD hat der politische Königsmord eine fortwährende Tradition, die von Generation zu Generation junger Sozialdemokraten wohl gepflegt wird. Kevin Kühnert, bisweilen noch Vorsitzender der Jusos, wird hinsichtlich dieses Brauchtums indes einen neuen Standard setzen: Er wird vom Königsmacher des Paares Walter-Borjans und Esken auch zum Vollstrecker derselben werden. (Beim Schach heißt so ein Szenario übrigens Mattbild.) Denn: Wenn diese beiden Figuren auf Kühnerts Brett in spätestens zwei Jahren unter Beweis gestellt haben werden, dass sie die deutsche Sozialdemokratie nicht haben erlösen und wiederherstellen können, wird sie KK, der Macbeth der deutschen Sozialdemokratie, stürzen und sich hernach als Retter der SPD anbieten, um sich so zu ihrem neuen Vorsitzenden krönen zu lassen. Mit nur dann 32 Jahren. Gardez, Frau Esken; Matt, Herr Walter-Borjans. Und darauf einen Dujardin. – Sönke C. Weiss

 

Giovanni di Lorenzo appelliert angesichts des desolaten Zustands der SPD, zumindest ein Herz für diese Partei zu haben. Nicht nur sein Appell, sondern überhaupt sein ganzer Kommentar wird jedoch von maßloser Unbarmherzigkeit getragen. Natürlich ist z.B. die Feststellung, dass Norbert Walter-Borjans keine bundespolitische Erfahrung hat, zutreffend. Inwieweit die bundespolitische Erfahrung der letzten Vorsitzenden die Partei vorangebracht haben soll, mag einmal dahingestellt sein und wird wohl Herr die Lorenzos Geheimnis bleiben. Aber es ist schon bezeichnend, dass nicht einmal ein Nebensatz darauf verwendet wird, dass „NoWaBo“ sieben Jahre lang Finanzminister eines Bundeslands mit 17 Mio. Einwohnern war und dort eine Politik betrieben hat, die man sich von Olaf Scholz im Bund wünscht.

Die Probleme der SPD sind groß, vielfältig und überwiegend hausgemacht, aber eines kommt von außen hinzu: Nämlich ein Journalismus, der ungehemmte Freude am Narrativ einer Partei im Niedergang zu haben scheint und diesen undifferenziert weiter spinnt. Vermutlich hat das damit zu tun, dass sich in vielen Kommentaren die Erwartungen eines in großen Teilen links sozialisierten Berufsstands an die SPD widerspiegeln. Oder wäre es vorstellbar, dass DIE ZEIT der inzwischen ebenfalls krisengeschüttelten CDU das Bild eines in sich gekehrten Konrad Adenauer mit dem Titel „Geht’s noch?“ widmete? – Eben. – Nikolai Dahlmanns

 

Norbert Walter-Borjahns ist überhaupt nicht zimperlich in der Wahl der Mittel zur Verfolgung seiner Ziele, nach dem Motto „der gute Zweck heiligt die Mittel“. Als er in seiner Eigenschaft als Finanzminister von Nordrhein-Westfalen dabei erwischt wurde, dass er einen verfassungswidrigen Landeshaushalt aufstellte, musste das Geld von woanders her. Was dann passierte, ist ja allgemein bekannt und hat den „Robin Hood“ der Steuereintreiber bei manchen Leuten ungeheuer populär gemacht. Das hat sehr wahrscheinlich bei seiner Wahl zum Co-Vorsitzenden der SPD eine Rolle gespielt. Dass ihm seine Vorgehensweise, die sich ja eigentlich einer Form von Hehlerei bediente, durchging, war nur möglich, weil die Hehlerei mit immateriellen Werten in diesem Land nicht als Hehlerei im Sinne des § 259 StGB gilt, und der Ankauf von Raubkopien nicht unter die Strafandrohung dieses Paragraphen des Straf- gessetzbuchs fällt. Es darf allerdings bezweifelt werden, ob solche Vorgehensweisen, unabhängig davon, ob sie nun einem guten Zweck gedient haben oder nicht, jemanden für das Amt des Parteivorsitzenden einer Partei qualifizieren, die sich immer noch, trotz grosser Einbrüche in der Wählergunst, als Volkspartei sehen darf. – Dr. Eberhard Leppin

 

Nach dem Lesen der Ausgabe 51 möchte ich jetzt doch folgendes mitteilen : die Titelseite beeinflusste mich doch sehr . Geht’s noch ?! Dies dachte ich tatsächlich auch , als ich die Werbung für Kreuzfahrten sah . Ich weiß , jedes Unternehmen ( auch ich bin Unternehmer ) muß sich finanzieren . Ich schätze die Zeit und das Engagement für Demokratie , freien Journalismus ….. Ich wünsche mir , dass Sie alle viel Geld erwirtschaften , aber nicht mit der Animation Kreuzfahrten machen zu sollen . – Michael Kammerer

 

Die Frage „Geht’s noch?!“ stimmt – leider richten Sie sie an die völlig falsche Adresse. Da votiert die Mehrheit der an der Befragung teilnehmenden Mitglieder einer Regierungspartei für eine Neubesetzung des Parteivorsitzes – und schon rufen Sie in dramatischen Tönen den politischen Untergang der Republik aus. Angeblich begehe jetzt diese Partei „politischen Selbstmord“, sei die von ihr mitgetragene Regierungskoalition völlig am Ende, schlussendlich fragen Sie sorgenvoll: „Was blüht dem Land?“. Also wirklich, liebe ZEIT-Redaktion: Geht’s noch??!! Ist jetzt auch noch die ZEIT dem allenthalben wuchernden Aufregungs-, Entrüstungs- und Demontagejournalismus verfallen? Was ist denn eigentlich los? Eine bundesweit vertretene Partei hat sich für neue Vorsitzende entschieden, die andere politische Schwerpunkte setzen wollen als ihre Vorgänger und deren Schlüsselqualifikation eben nicht darin besteht, schon seit 20 Jahren zum Inventar des Bundespolitikbetriebs zu gehören. JA UND?!

Natürlich wollen die neuen Vorsitzenden ihre politischen Vorstellungen auch in die bestehende Regierungskoalition einbringen. Dann wird es halt Gespräche und Verhandlungen mit dem Koalitionspartner geben, in denen man abklopft, was sich realisieren lässt und was nicht. JA UND?! Warum um alles in der Welt tun Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen in (nahezu) allen privaten und öffentlichrechtlichen Medien so, als sei damit zwangsläufig die große Koalition am Ende? Sofern Sie nicht versehentlich Ihren Verstand an einer Kneipengarderobe abgegeben haben, wissen Sie doch sehr genau, dass sich politische Ideen, Parteiprogramme und Regierungsprogramme durchaus stark voneinander unterscheiden können, ohne dass die beteiligten Parteien außerstande wären, gemeinsam erfolgreich zu regieren (wie sonst könnten z.B. Grüne und CDU koalieren…?). WAS ALSO SOLL DAS?! Und was besagt das törichte Argument, dass angesichts der ach so geringen Abstimmungsbeteiligung die neuen Vorsitzenden nur von 25% der SPD-Mitglieder getragen würden, also nicht ausreichend legitimiert seien? Woher wissen Sie das eigentlich, haben Sie die „schweigenden“ 50% persönlich befragt? Und warum fordern Sie nicht schon längst sofortige Neuwahlen, nachdem die Regierungsparteien bei der Bundestagswahl 2017 nur 53,4% der abgegebenen Stimmen erreicht haben, was bei einer Wahlbeteiligung von 76,2% eine Unterstützung von „nur“ 40,7% des Wahlvolks ausmacht. WAS ALSO SOLL DAS?!

Und vor allem: Was bringt das in der Sache? Um auf die SPD zurückzukommen: Warum haben Sie nicht erst einmal abgewartet, welche politischen Leitlinien der Parteitag beschließt? Immerhin sind Sie noch nicht auf das Niveau des Chefredakteurs eines sehr intellektuell daherkommenden Monatsmagazins abgesunken, der sofort nach Bekanntwerden des Mitgliedervotums (sinngemäß) urteilte, die Gewählten seien als Parteivorsitzende sowieso völlig unfähig. Zu diesem Zeitpunkt waren die neuen SPD-Vorsitzenden noch nicht einmal gewählt! Könnten Sie sich bitte in Zukunft dieser zweifelhaften Form journalistischer Betätigung enthalten? Könnten Sie sich bitte wieder der Kunst widmen, über das politische Zeitgeschehen sachlich zu berichten und es zurückhaltend zu kommentieren? Könnten Sie sich bitte wieder vorrangig mit Sachfragen anstatt mit Personalien und Vorverurteilungen befassen? Und könnten Sie dabei bitte nicht vergessen, dass wir stolz und dankbar dafür sein sollten, in einem der reichsten und freiheitlichsten Länder der Erde zu leben, vertreten durch Politikerinnen und Politiker, die sich ihrer Verantwortung weit überwiegend sehr bewusst sind. Als Subtext Ihres „Geht’s noch?!“ kommt bei mir an: „Die regierenden Parteien stürzen unseren Staat in den Abgrund. Denn sie sind nur mit sich selbst beschäftigt, sie sind völlig politikunfähig und sogar zu blöde, sich anständige Vorsitzende zu wählen.“ Auf diese Weise fördern Sie genau jene üble Feindseligkeit gegenüber Politik und Journalismus, von einer gewissen rechtsextremen Partei weidlich ausgenutzt und geschürt wird. Dabei bin ich mir sicher, dass Sie genau das eigentlich nicht wollen. – Wolfgang Lechner

 


 

 

Leserbriefe zu „Viel mehr als ein Schlupfloch“ von Jens Jessen

 

Sie bewerten den Cum-Ex-Skandal als Zeugnis von gefährlichem Staatsversagen. Dieses „Staatsversagen“ geht m. E. weit über Cum-Ex hinaus und dokumentiert das Versagen der Merkel-Regierungen und auch der Medien. Es ist für mich unverständlich, dass bei der Besetzung höchster politischer Ämter seit langem fachliche Qualitäten, berufliche Erfahrungen und die Fähigkeit zu führen und zu administrieren gegenüber parteipolitischer Taktik und Proporz eine immer geringere Rolle spielen. Um bei Cum-Ex zu bleiben: Wie kann man in diesen Zeiten den Posten des Finanz- ministers mit einem Juristen wie Schäuble besetzen, der in Sachen Finanzwissen- schaft, Geld- und Währungspolitik ein Laie ist und sich sogar sinngemäß rühmte, dass er zur Ausübung seines Amtes im Wesentlichen mit der Beherrschung der vier Grundrechenarten auskommt? Wie kann man ihm als Parlamentarischen Staats- sekretär den in der Finanzpolitk ebenfalls gänzlich unerfahrenen Herrn Spahn an die Seite stellen (expressis verbis mit der Motivation, diesen „reif“ für ein künftiges Ministeramt zu machen)? Wie reden und verhandeln diese und andere Spitzen des Finanzministeriums mit Experten aus dem Bankwesen oder mit ihren Kollegen aus dem Ausland? Wer von einer Materie nichts versteht, kann doch nicht einmal die „richtigen“ Fragen stellen! (Geschweige denn fundiert über Dinge wie Target-Salden etc. diskutieren.) Und für ebenso skandalös halte ich es, dass die Medien dieses personalpolitische Laissez-faire weitgehend unkommentiert lassen. Mit wieviel Kritik und auch Spott wurden früher die offensichtlichen Fehlbesetzungen auf der Regierungsbank gerügt! Heutzutage werde Schlüsselfunktionen für Wissenschaft und Forschung, Digitalisierung, Verkehr etc. von Laien besetzt, ohne dass sich dagegen ein massiver Widerstand in der öffentlichen Meinung formiert. Die Konsequenzen werden wir alle zu tragen haben. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

Hin und wieder fragt man sich, ob der redaktionelle Inhalt einer Zeitung ihr Abo-Geld wert ist. Die ZEIT ist es diesmal weder, und das nicht zuletzt wegen Ihres Beitrages. Viel mehr als ein Schlupfloch, und über den Cum-Ex-Skandal hinaus wirkt dieserr Vorgang, wie von Ihnen beschrieben und von der Medienlandschaft ansonsten weitgehend unbemerkt tief in das Vertrauen zum Staat hinein. Wenn Regierungen sich von Finanz-Kriminellen aufs Kreuz legen lassen, ist das mehr als ein fiskalisches Problem. Regierungen, allen voran parlamentarisch-demokratisch legitimierte, – laufen Gefahr, ihre Souveränität zu verspielen. Von den weltweit rund 190 in New York bei den Vereiten Nationen vertretenen, angeblich souveränen Staaten hat mindestens ein Drittel sich als korrupte Plünderungsvverein etabliert. Etliche davon, auch EU-Staaten wie Griechenland und andere haben ihre Souveränität an den Börsen verzockt. Wenn internationale Institutionen und Konzerne wie Amazon, Google, Facebock oder andere Staaten fiskalisch austricksen können, – auch das Dieselgate zählt dazu, dann Gute Nacht. Wenn dann noch via Internet und fake-news sich Wahlen manipulieren lassen, dann sind die plumpen Wahlfälscher wie ehemals in der DDR ja reine Amateure. Plumpe Kriminelle sowieso. Ein journailstischer Beitrag, über den ich länger nachdenken muss, erweckt in mir Hochachtung. Herzlichen Dank dafür. – J. Stempfe

 

Zwei Fragen zur Ihrem gutenArtikel: Weiß man, wie viele Milliarden der Cum-Ex Zahlungen ans Ausland gingen? Und: Die Zahlungen an Deutsche werden ja um die 50% versteuert. Somit erhielt der Staat analog einen Teil als Steuereinnahmen zurück … Richtig? – Dieter Fiebelkorn

 

Gemeinhin ist das Feuilleton Paradestück der Zeitungs-Kultur, im doppelten Sinne. Sicher nicht ganz einfach im feuilletonistischen Zeitalter neoliberaler Freiheit, in einer Wochenzeitung zumal, die selbst als Ganzes in diese Richtung tendiert. Was aber hat Sie geritten, frage ich Sie, einen himmelschreienden Skandal tagtäglicher systemimanenter Unkultur des Finanzkapitalismus und der Menschen, die davon bestens leben, auf Seite 61 im Feuilleton zu verstecken? – Gernot Henseler

 

Beim Lesen dieses Artikels (Warum im Feuilleton?) habe sogar ich als finanzpolitischer Armleuchter mich daran erinnert, dass vor Jahren immer und immer wieder über die Cum– und Cum-Cum-Problematik berichtet wurde, nicht zuletzt in der ZEIT. Umso mehr fiel mir auf, dass in diesem Artikel ein Name nicht erwähnt wurde: der des Mannes, der von 2009 bis 2017, also genau in der problematischen Zeit, Bundesfinanzminister war und erwiesenermaßen bereits seit 2011 persönlich Kenntnis dieser kriminellen Machenschaften hatte. Man darf sicher sagen, dass er deren Aufklärung nicht mit Nachdruck befördert hat, vielleicht sogar eher behinderte. Sein zumindest problematischer Umgang mit einer Parteispende zeigte ja schon früher, dass er der Steuervermeidung nicht grundsätzlich abgeneigt war, obwohl er das C seiner Partei immer gerne vor sich her trägt und er sich immer als besonders sachkundig darstellt. Man sollte dabei aber ehrlich sein und dasCvon Capital ableiten. Solches Handeln ist aber offenbar problemlos damit vereinbar, dass man auf Lebenszeit in die Akademie der Moralischen und Politischen Wissenschaftenaufgenommen wird und seit 45 Jahren immer noch Bundestagsabgeordneter, ja sogar Präsident des Deutschen Bundestages, ist. – Dr. Rudolf Spiegel

 

vielen dank für ihren deutlichen artikel/mit einer einschränkung/die,die von ökonomie etwas verstehen sind schon lange über diesen tatbestand bestürtzt und traurig. wie können mehrere spd finanzminister so einen sachverhalt nicht lösen:politikerversagen. es gibt aber noch eine andere sehr unsoziale steuerliche regelung: nämlich der steuerfreie verkauf von immobilien nach 10jährigem besitzen.während renten versteuert werden,ist so etwas steuerfrei: da würde es sich doch mal lohnen,einen ganzseitigen artikel zu schreiben. wieso kam dieser artikel eigentlich im feuileton und nicht im politischen teil???!!! das spricht dich auch bände!- georg seyfarth

 

Jens Jessen umschreibt mit blumigen Worten die Machenschaften der Cum-Ex-Geschäfte und kommt zum Schluss, es sei nicht ganz abwegig, von einer „buchstäblich Umverteilung von unten nach oben zu sprechen.“ Die Schuld liege beim Staat, der Ausdruck Staatsversagen sei angemessen, der Leser möge sich vorstellen, die Angeklagten vor dem Bonner Landgericht würden freigesprochen, weil es ihnen der Staat zu leicht … gemacht habe … durch Halbherzigkeit geradezu ermunternd waren. Das ist eine Menge von beabsichtigter Schuldzuweisungen an Staat, Justiz und Gesellschaft und kein Wort von Betrug und hochgradiger Bandenkriminalität in Richtung der eigentlichen Verbrecher. Seltsamer Journalismus. – Jürgen Aust

 

Meinen Respekt, dass Sie es weiter wagen, die bisherige Rat- und Straflosigkeit auf eine Moral- Waage zu hieven. Aber warum im Feuilleton? Betrug ist Straftat (ok – nicht im realen Deutschland), und ist nicht nur eine Frage fürs F! Und warum erwähnen Sie nicht, dass ab 2007 die „Täter“ nicht ins Finanzministerium eingedrungen sind, sondern hineingebeten wurden? Übrigens fehlen noch immer die Rollen der Länder- und erst daraus resultiert die Dauerhaftigkeit der Schweigegemeinschaft!! Fast alle Mittäter sind ja weiterhin in Amt und – darf man das noch zitieren?- Würden“… Lassen Sie nicht nach – die Einstellungsversuche sind noch nicht vorbei! Und falls das passiert, freut sich die AfD über ne weitere Steilvorlage! Ohne die GroKo wären sie ja eh schon Geschichte. – Franz Berger

 

Ein großes Lob für Herr Jessen und seine Sorge um das Staatsvertrauen angesichts des Cum-Ex-Skandals. Nur: das Staatsvertrauen ist längst dahin. Ja, auf der untersten Ebene, bei den Sachbearbeitern in Rathaus TÜV und Arbeitsagentur, da trifft man überwiegend freundliche und hilfsbereite Menschen. In den darüber liegenden denkt man anscheinend weniger an den Eindruck beim Bürger, sondern eher an seinesgleichen und an Selbstschutz. Was waren denn die Konsequenzen bei um ein Vielfaches überschrittenen Kosten, bei Stuttgart 21, Elbphilharmonie und Flughafen BER? Ich habe von keinem einzigen Verantwortlichen gehört, der zur Rechenschaft gezogen oder gar bestraft wurde. Was soll man von einem Verkehrsministerium halten, das Frank Zappa bei seinem Spruch gekannt haben muss, „Politik ist die Unterhaltungsabteilung der Industrie“? Selbst auf die allerhöchster Ebene, auf die EU trifft das zu: Wenn sie nicht die Interessen der internationalen Industrie im Auge hätte, sondern die der Bürger, hätte sie dann ihre Aktivitäten zum Handelsabkommen TTIP so lange wie irgend möglich geheimzuhalten versucht? An der Urne wählt man schon lange nicht mehr die Partei des Vertrauens, sondern das kleinere Übel. – Frank Hrebabetzky

 

Der o.a. Beitrag von Jens Jessen gehört meiner Ansicht nach zu den besten, die je in der ZEIT zu lesen waren. Der Autor trifft benennt eine der zentralen Ursachen von Politikverdrossenheit: Die vornehme Zurückhaltung des Staates bei Steuerhinterziehung in großem Stil (s. Cum-ex) – neben der gigantischen, gleichwohl folgenlosen Steuerverschwendung (s. Bundesrechnungshof). Ganz zu schweigen von den profitablen Vernetzungen zwischen Politik, Wirtschaft und Sport. Solcherart Skandale höhlen die notwendige, allgemeine Akzeptanz eines demokratischen, gerechten Gemeinwesens ungleich mehr als als jegliche destruktive Parolen von rechts oder links.Danke an die Medien, die dem durch Brot und Spiele verblindeten Steuerbürger die Augen öffnen! – Prof. Dr. Theodor Payk

 

Ich verstehe auch nicht, warum mehrere Finanzminister von CDU und SPD faktisch nichts gegen die Cum-Ex-Verbrechen getan haben. Und Herr Kubicki, immerhin einer der wichtigsten Politiker der FDP, hält diese Verbrechen sogar für völlig in Ordnung (https://www.zeit.de/2017/47/wofgang-kubicki-finanzminister-cum-ex-kritik). Der derzeitige Finanzminister versucht nun offenbar, die Aufklärung der Verbrechen zu behindern (vgl. https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/wie-die-bundesregierung-die-aufarbeitung-des-cum-ex-skandals-erschwert-a-1300016.html). Da liegt natürlich der Verdacht nahe, dass zumindest wichtige Wirtschafts- und Finanzpolitiker fast aller Parteien bei Wirtschafts- und Finanzverbrechen aus innerer Verbundenheit mit den Verbrechern heraus gerne wegschauen. – Ulrich Willmes

 

Ihre Beiträge, herr Jessen, sind ein Grund, weswegen ich Die Zeit noch immer lese. Dieser Artikel wäre auf der ersten Seite besser platziert gewesen. Denn in der Tat, hier wurde das Vertrauen des Normalbürgers in die Staatsorgane beschädigt. Hoffen wir, dass Journalismus und Justiz das zurechtrücken. – Richard Baier

 


 

 

Leserbriefe zu „Von ihren Männern getötet“ von Elisabeth Raether und Michael Schlegel

 

Vielen Dank für diese Doppelseite, vor allem dafür, dass Sie am Ende der Seite Jahresstatistiken für Deutschland und Europa abdrucken. Hier erfahren wir, dass neben den 122 Frauen, die 2018 in Deutschland von ihren Männern getötet wurden auch 26 Männer von Ihren Frauen getötet wurden. Nur 17,5 % der Opfer sind Männer. 82,5 % hingegen Frauen. Das ist ein Unterschied. Dennoch ist die Gruppe der Männer nicht so klein, dass man sie vernachlässigen kann. Und: was für ein Schlag ins Gesicht der Kinder, Eltern und aller anderen, die diese Männer geliebt haben. Ihr Schicksal ist der Zeit nicht einmal einen Satz Wert, sie tauchen lediglich als Zahl einer Statistik auf. Der Ordnung halber, pietätvoll am Fuß der Seite. Ab welchem Verhältnis würde Ihre Überschrift heißen: „von Ihren Partnern getötet“?

25 % zu 75 %

30 % zu 70 %

40 % zu 60 %

49 % zu 51 %

90 % zu 10 %

Dies ist keine Herabwürdigung von Frauen als Opfer von Gewalttaten, sondern ein Appel an die Gerechtigkeit und Ihren Verstand. Beantworten Sie dies Frage mal. – Matthias Könsgen

 

Ihr doppelseiter Beitrag über Tötungsdelikte an Frauen in der Zeit 51/2019 hat mich sehr beeindruckt beziehungsweise betroffen gestimmt. Ich finde es gut, dass das Problembewusstsein hier – wenn auch langsam – zu wachsen scheint, ich schließe mich da ausdrücklich ein. Zwei Anmerkungen bzw. Nachfragen hätte ich derweil: Erstens: so bitter jede der Taten für sich ist, finde ich es problematisch, dass hier Morde von zum Teil notorischen Gewalttätern mit Tötungen auf Verlangen oder Verzweiflungstaten von pflegenden Angehörigen gleichgesetzt werden. Bei letzterem halte ich es aufgrund der demografischen Situation auch für nicht unwahrscheinlich, dass Frauen des öfteren ihre pflegebedürftige Männer umbringen, sich aber geschickter anstellen und nicht auffliegen. Zweitens: Stimmt der Eindruck, dass die neuen Bundesländer erfreulich unterrepräsentiert sind? Wenn ja, wie ließe sich das erklären? Ich neige ja dazu, Beziehungen im Osten ein geringeres Machtgefälle zu unterstellen, was Frauen prinzipiell schützen würde. Vielleicht finden Sie Gelegenheit für eine Antwort. Ich wäre gespannt. – Frank Nicht

 

Ich habe mehrere Tage gebraucht aber ich hatte mir vorgenommen, nicht wegzuschauen. Es war mir nur möglich, die Auflistung dieser Gewalttaten bis zum Ende zu lesen, weil ich das Leid ausblenden konnte. Das können die Hinterbliebenen nicht. Sie haben es richtig gemacht, auf diese Art zu protokollieren, was gesehen werden muss. Damit nächstes Jahr am 25.11.2020 mehr orangefarbene Lichter leuchten. Wir können etwas nur dann ändern, wenn wir darum wissen. – Ute Meier

 

Mit der o. a. Aufstellung übertrumpft „Die Zeit“ uneinholbar u. a. die Bild-Zeitung, beweisen so diesem „Volksverdummungsorgan“, dass „die Zeit“ Horrornachrichten noch intensiver, aufreißerischer glaubt darstellen zu müssen wie z. B. in dieser o. a. Aufführungsliste Täter, indem in dieser Liste die Taten aufgeführt werden, wo es passiert ist, wie und wann – na den Rest könnte man ja googeln, oder? -. Das wird die Bild-Zeitung schon hinkriegen oder nicht? Bravo, weiter so, aber ohne mich. Ich bin entsetzt, dass nun auch die „Zeit“ es für wichtig und informativ hält, derartige aufmacherische Nachrichten sensationslüstern glaubt veröffentlichen zu müssen. Wie fühlt man sich eigentlich, wenn man die Aufzählungsreihe veröffentlicht? Glauben Sie mir, ich weiß nicht, wie man sich als Opfer fühlt. Wie sich Verwandte und Freunde fühlen mögen – das kann ich mir sehr gut vorstellen -, wie sich ein Täter – gibt es eigentlich auch „Täterinnen“? – fühlen mögen, das kann ich mir nicht vorstellen. – Nur eines fühle ich: Mein Entsetzen, dass diese Daten offenbar ohne Weiteres von Ihnen, der „Zeit“, auf einer ganzen Seite veröffentlich worden sind. Was, wen wollen Sie damit erreichen? Mich nicht!!!!!!!!!!!!!!!!!! – Ada Fischer

 

Was berechtigt uns eigentlich mit erhobenem Zeigefinger auf die Geschlechterrollen in anderen Kulturkreisen hinzuweisen, wenn wir eine angeblich “ aufgeklärte Geseelschaft“ es auh nicht viel besser machen? P.S. … und dabei fällt mir gerade auf…hinterlässt einen 6-jährien Sohn und ein elf Monate altes Baby. Haben Babies eigentlich kein Geschlecht, auch sie sind doch schon Menschen.? – Geelke Braun

 

Vielen Dank, für Ihren Artikel. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen und jeden Fall der aktuellen Statistik recherchiert haben. Vielen Dank, dass das Thema innerfamiläre Tötungsdelikte damit eine öffentliche Aufmerksamkeit erreicht hat. Vielen Dank auch, dass Sie im Podcast erwähnen, dass hier Gesetzesänderungen und Aufmerksamkeit und auch mehr Forschung sinnvoll und angebracht ist. Ich habe als Jugendliche selbst eine Tötung erlebt und bin seit dem Halbwaise. Nach dem Tötungsdelikt folgen häufig für viele Kinder weitere traumatisierende Erlebnisse. Der Staat reagiert nicht nur auf die Bedrohungen der Frauen nicht oder unzureichend, sondern steht den Folgen ebenso machtlos und mit wenigen Mitteln gegenüber. Eine Studie dazu finden Sie hier: https://www.karlsruhe.de/b3/soziales/einrichtungen/toetungsdelikte.deNoch einmal vielen Dank für Ihre Mühe und damit die Aufklärung der Bevölkerung. – Ines Böttcher

 

Diese doppelseitige „Anklageschrift“, auch gegen unsere nach wie vor überwiegend patriarchal strukturierte und eben nicht gleichberechtigte Gesellschaft, gehört in jede deutsche Zeitung. Wer die höchst eindrückliche Dokumentation an sich heranlässt, und das sind wir den Opfern mehr als schuldig, der/dem geht jedes Wort, jeder Satz, jede Beschreibung, unter die Haut. Ist Deutschland im 21. Jahrhundert in Teilen (immer noch) ein atavistischer, rechtsfreier Raum? Eine außerordentlich beklemmende Vorstellung. – Matthias Bartsch

 


 

 

Leserbriefe zu „Das kranke Herz “ von Susanne Mayer

 

Unbekanntes Afrika. Ja Afrika und der koloniale Blick. Eine Reise von 258 Tagen über 1500 Meilen vom heutigen Sambia (Chitambo) ins heutige Tansania (Bagamoyo). So weit ist das, dass die Rezensentin Tansania flugs „an die Westküste Afrikas“ verlegt. Nein, Sambia und Tansania sind Nachbarländer – und letzteres liegt in Ostafrika – dann ja wohl an der Ostküste. Aber vielleicht war das für Livingstone in seinem Zustand („Trockenfleisch“) ja weniger relevant…- Jürgen Dornis

 

Vielleicht haben Sie es ja schon selbst gemerkt: „… an die Westküste Afrikas, nach Bagamoyo, was heute in Tansania ist.“ Das liegt allerdings an der Ostküste. Sorry for being picky ;-) – Stefan G. Wolf

 

Kleine Nachhilfe in Erdkunde: Bagamoyo in Tansania liegt an der OSTKÜSTE Afrikas! https://de.wikipedia.org/wiki/Bagamoyo;https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Tanzania_location_map.svg Walter Funk

 

Da liest man, die Leiche Livingstones sei transportiert worden „an die Westküste Afrikas, nach Bagamoyo, was heute in Tansania ist“, was bekanntlich an der afrikanischen Ostküste liegt, an der Bagamoyo zu den historisch bedeutsamsten Hafenstädten zählt. Ost und West zu velwechsern: Werch ein Illtum! Nur: Wie konnte das passieren? Doch nicht aus Unkenntnise der Autorin – oder doch? – Prof. Dr.theol. Dr.phil.habil. Dipl.-Psych. Hans-Peter Heekerens

 

Könnte es sein daß die etablierten Volksparteien einen wesentlichen Trend verpassen indem sie sich weiterhin entlang der Kommunismus – Kapitalismus Achse positionieren und ihre Inhalte entsprechend definieren? Daß Kommunismus ohne Anreize genauso zum Scheitern verurteilt ist, wie Kapitalismus ohne Kontrolle und Umverteilung, dürfte mittlerweile allen klar sein und so fällt es Parteien zunehmend schwerer sich voneinander zu unterscheiden. Gleichzeitig beschäftigen sich die Menschen auf der Strasse zunehmend mit der Frage wieviel Globalismus ist gut und wieviel Nationalismus brauchen wir. Migration, Soziale Medien und 24/7 Nachrichten aus aller Welt verleihen dem Thema Identifikation und „Stammeszugehörigkeit“ neue Bedeutung. Kann es sein, daß die sogenannten Linken, oft als ‚wirtschaftsfeindlich‘ angesehenen Parteien, eigentlich wirtschaftsfreundlich, weil tendenziell migrations freundlich und global sind. Und die eher Rechten vielleicht wirtschaftsunfreundlich, da sie die konservativ nationale Seele in den Vordergrund stellen? Wie lassen sich diese scheinbaren Widersprüche auflösen und anhand welcher Eckpunkte müssen sich Volksparteien künftig definieren um nicht vollkommen an Relevanz zu verlieren. Die alte Kommunismus-Kapitalismus Achse hat allem Anschein nach ausgedient. – Chris Africa

 

Aufbruch mit einem Mann wie Borjans, der in NRW mitverantwortlich war als die SPD zunächst vor ,,die Wand“ gefahren und dann die Regierung Kraft und Jäger vom Wähler abgestraft und abgelöst wurde.Eine Mitverantwortung im Skandal des MdL M. Börschel (ich will einen Vorstand für die Stadtwerke, dann Vorsitzender werden und500 000 € verdienen) kann er auch nicht leugnen. Dieses Vorhaben hat die kluge Oberbürgermeisterin von Köln noch verhindern können, nachdem auch der SPD-OB Kandidat von den Wählern abgestraft wurde.Die Vergangenheit darf man nicht aus den Augen verlieren, wenn die Gegenwart und Zukunft gestaltet werden soll.Als Mitglied der SPD kann ich nur sagen: Vorwärts Genossen, wir müssen zurück. – Klaus Steffenhagen

 

Da liegen Sie falsch: Tansania liegt an der Ostküste Afrikas am Indischen Ozean, nicht an der Westküste. Ich empfehle, vor Veröffentlichung eines Textes nochmals nachzulesen, ob u. a. geographisch alles richtig liegt. – Carsten Steigerwald

 


 

 

Leserbriefe zu „Die Container des Herrn Brömmer “ von Caterina Lobenstein

 

Warum hat Herr Brömmer nicht in Immobilien, Renten, Aktien, Fonds oder ETFs investiert oder bei einer privaten Rentenversicherung? War die erwartete Rendite bei P&R doch größer als die bei klassischen Investments und hat diese Erwartung nicht doch die Sinne benebelt? Rendite und Risiko bedingen einander; je größer die Rendite, je größer das Risiko. No risk, no fun oder there’s no free lunch! Warum hat Herr Brömmer seine Investitionen nicht diversifiziert bzw. die Erträge aus dem Geschäft bei P&R in andere Geschäfte reinvestiert? Alle Eier in einen Korb zu legen ist bekanntlich gefährlich. Außer bei Aussicht auf eine Erbschaft. Warum hat Herr Brömmer als Geschädigter nicht den Firmeninhaber als den eigentlichen Verursacher verklagt? Bei anderen Schäden bspw. Verkehrsschäden, Ärztefehlern oder Körperverletzung wird doch auch der vermeintliche Veruracher verklagt und nicht die den Verkehr, das Gesundheitswesen oder die innere Sicherheit beaufsichtigende Behörde?

Warum hat Herr Brömmer nicht seinen privaten Finanzberater verklagt, der ihn nachweislich falsch beraten hat?Bei allem Verständnis für den Frust von Herrn Brömmer über das verlorene Investment und das im zuteil gewordene Unrecht durch den schäbigen Betrug von P&R und die grob fahrlässige Beratung seines „privaten Finanzberaters“ (die beide zivilrechtlich bestraft gehören), habe ich kein Verständnis für das vollständige Ausblenden seiner eigenen Verantwortung und deren Verlagerung auf mittelbar betroffene Behörden respektive den Staat. Herr Brömmer hat etwas getan, von dem er laut eigenem Bekunden keinen blassen Schimmer hatte („wir haben die Risiken nie wahrgenommen“) und sucht nun die Verantwortung für seine Unkenntnis weder bei sich noch bei den Verursachern (P&R, privaten Finanzberater), sondern beim Staat, der ihn vermeintlich nicht ausreichend geschützt hat.

Hätte Herr Brömmer auch den Staat verklagt, wenn er (statt beim örtlichen Juwelier) bei einem ihm vorher unbekannter Dritten ein mit Diamanten und Edelsteinen besetztes Schmuckstück als Geldanlage erworben hätte, welches sich in der Folge als billige Imitation oder weniger werthaltig herausgestellt hätte? Wahrscheinlich nicht, da das Offensichtliche eindeutig ist. Oder hätte Herr Brömmer der Finanzaufsicht auch einen herzlichen Dank (ggf. verbunden mit einem auskömmlichen finanziellen Beitrag) zukommen lassen, wenn sein Investment ihn zum Millionär gemacht hätte. Wahrscheinlich eher nicht. Wahrscheinlich hätte er sich selbst gefeiert und gelobt, ob seiner klugen Anlagestrategie. Ich wünsche Herrn Brömmer, dass der über den finanziellen Verlust hinwegkommt, sein verbleibendes Vermögen zukünftig sicherer (wenn auch mit weniger Rendite verbunden) anlegen wird und seinen Lebensabend geniessen kann. – Harald Louis

 

In dem o. g. Artikel geht es um die Frage, ob die BaFin betrügerische Geldanlagen verhindern müsste. Im voraus d. h. beim Studium des Verkaufsprospektes ist die Finanzaufsicht natürlich auch nicht klüger als ein potentieller Geldanleger. Aber im Gegensatz zum privaten Geldanleger könnte sie prüfen, ob die im Verkaufsprospekt enthaltenen Angaben eingehalten werden. Im konkreten Fall also, ob mit dem Anlagegeld tatsächlich Container gekauft werden. Dass die BaFin das nicht macht, hat am wenigsten mit angeblicher Überlastung zu tun, sondern vielmehr am grundsätzlichen Desinteresse. Die Finanzaufsicht hat keinen Nachteil davon, wenn Geld bei Betrügern angelegt wird und das Finanzamt erhebt auch auf den „Gewinn“ Steuern der letztlich gar keiner ist. Denn „das Geld, das Brömmer jeden Monat überwiesen bekam und stets wieder investierte“ wird Ihm vom Finanzamt als Gewinn angerechnet und muss versteuert werden. Mir ist in der Sache genau das Gleiche passiert und weil ich nicht auf die absurde Idee kam, auf den letztendlichen Verlust Steuern zu bezahlen, bekam ich nach einiger Zeit eine Anklage wegen Steuerbetrug. Die Mitarbeiterin des dafür zuständigen Finanzamtes erklärte mir, dass mir das verlorene Geld ja trotzdem zustehe und die Tatsache, dass ich keine Möglichkeit habe es zu bekommen, für das Finanzamt irrelevant sei. Ob ich damit Opfer eines zweiten Betruges geworden war, konnte ich nicht klären, weil mir zu einem Prozess die verlorenen Geldmittel fehlten. Jedenfalls musste ich die „Steuern“ und eine Strafe zahlen. – Ein Leser

 

Für Erlebnisse wie die des Herrn Brömmer braucht man keine betrügerischen Anbieter, die nach dem Schneeballsystem arglose Anleger ködern. Die Beratung durch den zuständigen Betreuer bei der Deutschen Bank reicht völlig aus. Ich gehe davon aus, dass die Frachtschiffe und die zu vermietenden Container, an denen ich beteiligt war, sehr wohl existierten und auch auf dem internationalen Transportmarkt angeboten wurden. Die Prospekte, so wie ich sie mit meinem Bankberater durchsprach, waren ausführlich und kamen mir seriös vor. Die vorhandenen Risiken, auch ziemlich exotische, wurden genannt, wenn auch nicht besonders herausgestrichen. Die Ertragserwartungen fand ich nicht überzogen und plausibel. Nur das mit jedem Geschäftsbericht (vom ersten nach wenigen Monaten ab) die Istergebnisse immer schlechter und die Prognosen immer düsterer wurden. Je nun – das Wachstum des Welthandels hatte sich stark abgeschwächt, die Frachtraten gingen wegen des übersetzten Angebots in den Keller und deckten die Finanzierungs- und Betriebskosten nicht mehr, die Gesellschaft, die mehrere Schiffe für einige Jahre zu noch passablen Preisen gechartert hatte, ging daran pleite, die Container standen unbenutzt herum. Nach einigen Jahren wurde ich zu einem Beratungsgespräch eingeladen, zu dem auch noch ein Spezialist aus der Zentrale kam. Der erklärte mir, dass ich, über die Gesamtheit meiner Anlagen gesehen, mit etwas Glück noch bei plusminus Null herauskommen könne. Glückwunsch! Da ich die Endabrechnungen für meine anderen Anlagen ja vor mir sah, begriff ich: die Schiffe und Container konnte ich jetzt mit dem Wert Null ansetzen, vorausgesetzt, die jeweiligen Geschäftsführungen würden es weiterhin schaffen, ihre Firmen ohne Nachschusspflicht der Anliegerabzuwickeln.

Ich sehne den Tag herbei, wo endlich das letzte Schiff und der letzte Container zum Schrottpreis abgestoßen sind und ich keine Geschäftsberichte auf Hochglanzpapier mehr kriege und so an meine Leichtgläubigkeit erinnert werde. In einem Fall habe ich mich einer Klage gegen die Deutsche Bank wegen Beratung anhand eines unvollständigen und fehlerhaften Prospekts angeschlossen. Meine persönliche Meinung ist die, das man möglicherweise zum Zeitpunkt des Verfassensdes Prospekts noch gute Gründe dafür hatte, die Erwartungen so hoch anzusetzen, zum Zeitpunkt des beginnendenVerkaufsvon Beteiligungen aber schon längst nicht mehr, nachweislich des ersten Geschäftsberichts. Das hätte ich als Kleinanleger kaum nachrecherchieren können, die Deutsche Bank aber sehr wohl. Die aber, falls sie es denn tat, zog daraus allenfalls den Schluss, die verbliebenen Anteile jetzt mit Hochdruck zu verkaufen, natürlich anhand des ursprünglichen Prospekts. Was könnte da die BaFin tun? Selbst die Verkaufsprospekte anhand der tatsächlichen Entwicklung laufend aktualisieren, ja wohl kaum. Die Anbieter dazu zwingen, beispielsweise jeweils zu dem Zeitpunkt, wo die tatsächliche Entwicklung um 20% oder mehr von der Prognose abweicht?

Eigentlich lässt sich das ganz gut mit Insidergeschäften vergleichen, die ja verboten sind. Aber weisen Sie einer Bank mal nach, dass sie wider besseres Wissenweiterhin auf der Basis eines längst überholten Prospekts beraten hat! Eine der noch beteiligten Banken hat inzwischen angeboten, auf einen erheblichen Teil ihrer noch offenen (und natürlich vorrangigen) Forderungen zu verzichten, um endgültig aus der unerfreulichen Geschichte herauszukommen. Also, da kommen mir die Tränen der Rührung und die bange Frage: welche mir noch unbekannte Katastrophe scheint dieser Bank denn wohl schon so gut wie sicher? Oder geht es ihr wirklich nur ums Image (denn es war nicht die Deutsche Bank)? Der wesentliche Unterschied zwischen Finanzanlage und Glücksspiel ist, das man weiß, was man tut, wenn man ein Spielcasino betritt. Und dass man zwischenzeitliche Gewinne nicht versteuern muss. – Bernhard Hecker

 

Ihrem fast sozialromantisch zu bezeichnenden Artikel fehlt es an einem wesentlichen Element, nämlich die Beschreibung der unersättlichen Gier der meist wohlhabenden Anleger. Bei einer Geldanlage gilt seit jeher ein altes Prinzip: Wenn eine deutsche Sparkasse oder eine deutsche Volksbank sagen wir mal 1% Zinsen für ein 1-jähriges Festgeld anbietet und eine ausländische Bank für das gleiche Festgeld 4 %, welches Licht müsste dann auch dem bildungsfernsten Geldanleger aufgehen? Richtig: Da kann was nicht stimmen. Oder anders ausgedrückt: Je höher der versprochene Zinsertrag vom Normalzins einer deutschen Normalbank abweicht, je höher das (Geldverlust-)Risiko. Dass Sie dann auch noch die amerikanische Bankenaufsicht gegenüber der deutschen BaFin ins Feld führen, können Sie nicht ernst meinen, oder kennen Sie nicht die Entstehungsgeschichte der in den USA angezettelten weltweiten Finanzkrise aus 2008. Ebenso kritisch ist von vornherein der Beitrag des von Ihnen zitierten FDP-Politikers zu sehen, einem Angehörigen einer Partei, die nicht dafür bekannt ist, den freien Wirtschafts- und Finanzverkehr kritisch zu hinterfragen.

Meine Frau, lange Jahre in der Beratung einer Sparkasse beschäftigt, erzählt immer folgende Anekdote von einer couragierten Beraterkollegin: Oft kamen wohlhabende Rentner, pensionierte Oberstudienräte oder Selbständige ins Beratungszimmer und wollten höhere Zinsen als die allgemein gültigen verhandeln, oder deutlicher gesagt -erpressen-, mit der Drohung, falls die Sparkasse nicht die gleichen Zinsen böte wie die neue Internetbank, würde man das Geld von der Sparkasse abziehen. Antwort der Beraterin: „Tun Sie, was Sie nicht lassen können. Bei uns ist das Geld jedenfalls sicher.“ – Günter Grießbach

 

Doch weil Betrug dem Menschen eigne Sünd‘ ist/Missfällt er Gott mehr, darum weilen tiefer/Und leiden größre Qualen die Betrüger. Aus: Dante Alighieri, Die göttliche Komödie. Da sind die schlimmsten Sünden: Gewaltverbrechen, Betrugund Verrat. Betrug verbindet sich gern mit Bosheit und Hinterlist… vernichtet oft die soziale Existenz ganzer Familien – aber ohne „größre Qualen“ für die Betrüger. Die sind den Opfern vorbehalten. Und das geht den Staat nichts an? Wozu ist der Staat da? Ich selber könnte auf existenzgefährdenden Kapitalbetrug nicht hereinfallen. Regel: Nur Börsennotiertes kaufen, nie alle Eier in ein Nest legen… Aber ich bin beim Hausbau hereingefallen. Direkte Kosten: 500.000 DM, Folgekosten und –Verluste: So etwa 200.000 Euro innerhalb der 18 Jahre „Vergnügen“ im Erlebnispark „sozialer Rechtsstaat“. Jetzt bin ich 77 Jahre alt und weiß nicht, wo ich im Alter bleiben werde. Warum geht den Staat Wirtschaftskriminalität nichts an? Da hilft vielleicht die alte, kluge Fragestellung: Cui bono? Innerhalb von 18 Jahren hat man mir nachhaltig beigebracht: Das korrupte Geflecht aus Politik und Wirtschaft braucht ständig Futter. Wem nützt es, wenn Großbaustellen ewig nicht fertig werden und dabei die „Kosten“ (auf der anderen Seite: „Gewinne“) ständig steigen? Wem nützt es, wenn Betrugsopfer lebenslang klagen müssen? Die Juristen im Bundestag, die weitaus größte Berufsgruppe dort, werden es wissen, sie sind die Lobby für diesen gelobhudelten, reformresistenten „sozialen Rechtsstaat“.

In meinem Lehrstück war es so (kleiner Auszug aus den ersten Seiten des 18 Jahre dicken Lehrbuchs): Der staatlich beauftrage, aber von mir bezahlte Prüfstatiker teilte im September 2001 – vor Baubeginn – der Baufirma und dem „Architekten“ mit, welche Unterlagen vor Baubeginn vorliegen müssen, sonst, so die Ansage, dürfe mit dem Bau nicht begonnen werden. Nachschauen, ob die Unterlagen vorliegen, war aber nicht mehr seine Aufgabe, das nennt man „Deregulierung“. Und so interessierte es weder den „Architekten“ noch die Baufirma, ob die Unterlagen vorlagen. Das betraf sogar statische Fragen. 20 Minuten Hinschauen, und es wäre klar gewesen: Mit dem Bau hätte nicht begonnen werden dürfen. Auch der falsche „Architekt“ wäre aufgeflogen, da er schon mal keine Ausführungspläne vorlegen konnte und das Bodengutachten unterschlug. Und 18 Jahre „größre Qualen“mit am Ende Zwangsvollstreckungsbescheiden wäre uns erspart geblieben. Was sagt der Staat zum selbstverordneten Wegschauen? Zitat aus der Antwort des Abgeordnetenhauses Berlin / Der Vorsitzende des Petitionsausschusses, GeschZ 4995/16, Schreiben vom 24. 09. 2009/Rie: Die Bauordnung für Berlin (BauOBin) vom 29. September 2005, zuletzt geändert am 7. Juni 2007, reduziert den Regelumfang und die Regeldichte im Bauordnungsrecht. Sie verfolgt das Ziel, den Bürgerinnen und Bürgern mehr Freiräume zu geben, die Bürokratie zu verringern und durch die wesentliche Reduktion der Genehmigungsverfahren die Verwaltung von unnötigen Vollzugsausgaben zu entlasten. Auf Deutsch: … Freiräume für Baukriminelle in Gestalt von Bürgern. – Roland Exner

 

Schon 2007 war bekannt,daß gegen die P&R Gruppe im Containergeschäft wegen Anlegerbetruges ermittelt wurde. Die Finanzpolitik des Unternehmens beruhte auf einem riskanten Schneeballsystem. Dieses riskante Finanzgebahren, wobei auch Banken mit involviert waren,führten zu hohen existentiellen Verlusten der Anleger. Die u.a. mit den Aufgaben des Verbraucherschutzes und der Bankenaufsicht betraute Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist ihrer Pflicht zur Vermeidung von diesem betrügerischen Handeln nicht nachgekommen. Die BA hätte Einsicht nehmen können in Bilanzen und Geschäftsberichte. Zudem hat eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nur einen eingeschränkten Prüfungsvermerk erteilt. Ich Frage mich nach dem Sinn dieser Behörde, sollte der Prozeß doch verloren gehen, haftet indirekt der Steuerzahler, wobei aber auch die Banken und private Vermittler in Regreß genommen werden müssen. Auf der einen Seite müssen sich aber auch die Anleger, wenn sie keine Kenntnisse im Finanzgeschäft besitzen, gerade in einem meist unüberschaubahren Bereich der Finanzdienstleistungen besser informieren, wenn nicht, ist der Anleger meist immer der Dumme, und der Schneeball hat ihn dann hart getroffen. – WERNER Bettmann

 


 

 

Leserbriefe zu „»Das ist richtig scheiße«“ Gespräch mit Wolfgang Schäuble geführt von Tina Hildebrandt

 

Es ist ja schön, dass die ZEIT sich auch zu den investigativ tätigen Medien i.Zshg. mit dem Cum-Ex-Skandal zählt. Warum hat dann Frau Hildebrandt nicht die Gelegenheit genutzt, Herrn Schäuble nach seiner Verantwortung zu diesem Skandal zu befragen ? Er hat ja wohl diesem Thema keinerlei Bedeutung beigemessen. Ist ja auch verständlich wenn der Staat Banken mit Milliarden rettet, dann kommt es auf ein paar Milliarden mehr oder weniger nicht an. Hauptsache die Finanzjongleure können sich weiter bereichern und unsere Infrastruktur-Schulen, Brücken etc.- verrotten weiter. Tolle Bananenrepublik in der wir leben(müssen). Verantwortung – haben unsere Staatslenker nicht in ihrem Wortschatz. – Dieter Stremme

 

In allen Ihren Ämtern und so auch als Bundeskanzler waren Sie, hoch verehrter Herr Dr. Schäuble, sind und wären Sie ein Segen für uns Deutsche. Bis zu Ihrem heutigen Interview hatte ich den Glauben an und die Hoffnung auf Ihre Kanzlerschaft im Zuge eines konstruktiven Misstrauensvotums in dieser Legislaturperiode. Diese Option ist nun nicht mehr selbsterklärend, und darüber bin ich sehr traurig. – Dr. agr. Gernot Henseler

 

Wenn Herr Schäuble in seinem Interview „das kleinste gemeinsame Vielfache manchmal gegen Null tendieren“ lässt, so ist das einfach mathematisch-metaphorischer Unfug. Wohl dem Land, dessen (Ex-)Finanzminister mit dem Mathematikstoff der 5./6. Klassen so souverän umgehen kann. Das Interview war trotzdem interessant. – Berthold Hotz

 

Das Interview mit Wolfgang Schäuble ist autorisiert – auch die Überschrift? Muss ein verbaler Ausrutscher derart herausgehoben werden? Ich möchte es nicht glauben, dass ein kultivierter Mensch sich auf solches Niveau begiebt. Oder gehört der Wortschatz aus der Gosse bereits zur Umgangssprache im Parlament? Weder Herr Schäuble noch die Redaktion kennt offenbar den Ursprung dieses Ausrufs aus der jiddischen Umgangssprache: „Des is peschite!“ meinte der jüdische Gesprächspartner, wenn ihm etwas unglaublich vorkam, „das geht über meinen Verstand.“ Und das nichtjüdische Gegenüber nahm das Wort in seiner Sprache auf. – Ilse Vogel

 

Als nicht der Union nahe Stehender und regelmäßig an der heutigen ‚Politikerkaste‘ Verzweifelnder habe ich mir nach der Lektüre der völlig unterschiedlichen Interviews mit den Unionspolitikern Schäuble und Röttgen buchstäblich die Augen gerieben: Gibt es sie also doch noch, diese klugen Köpfe, die etwas verstanden haben, die selber denken, die Führung fordern und leisten?Warum nur gehen diese wichtigen Stimmen in der täglichen Kakophonie des so öde gewordenen Politikbetriebes unter? Ich fordere die ZEIT auf, weiter zu machen mit klugen, einfühlsamen und berührenden Interviews: Gebt diesen Stimmen eine Plattform! – Uwe Mühlhausen

 

Als Ärztin im Ruhestand und treue Leserin seit Jahrzehnten habe ich den Artikel von Tina Hildebrandt über Wolfgang Schäuble mit großem Interesse gelesen. Ich finde ihn sehr treffend in der Charakterisierung. Schäuble ist durch seine Auseinandersetzung mit den gesundheitlichen Folgen des Attentats von 1990 in seiner Persönlichkeit gereift und wurde dadurch in seiner weiteren politischen Laufbahn zu einer Konstante in allen Stürmen des politischen Alltags. Allerdings war ich sehr befremdet, dass Sie diesen hervorragenden Beitrag übertiteln: „Das ist richtig scheisse“! So einen Titel hätte ich eher in der „BILD“ angesiedelt! Ich fürchte, Marion Dönhoff und Helmut Schmidt würden sich im Grabe umdrehen! –Dr. Carola Guckes-Salmoukas

 


 

 

Leserbriefe zu „Schneller Deutsch lernen“ von Martin Spiewak

 

Vorgestern kamen die neuen Ergebnisse der PISA-Studie auf den Tisch. Wie jeder lesen konnte, schnitt Deutschland noch deutlich schlechter ab als in den Jahren davor. Deutschland liegt auf Platz 20! Dies wird in der öffentlichen Diskussion durch immer schlechter ausgebildete Lehrer u.a. begründet. Tatsächlich sehen wir als “Mittelstandseltern” mit Kindern, die von zu Hause gute Förderung und Startbedingungen mitbringen, ganz andere wichtige Faktoren: Wir erleben jeden Tag Schulen, in denen unsere Kinder nicht angemessen lernen können, weil es oftmals extrem laut und gewalttätig in den Schulen zugeht – und das schon in der Grundschule. Angriffe mit Steinen und Messern, fliegende Stühle im Klassenzimmer und Mobbing sind nach unseren umfangreichen Erfahrungen (aus verschiedenen Bundesländern) heutzutage Standard – und das unabhängig von Bundesland, Region und Ort. Lehrer ducken sich weg, setzen auf “Ignorieren der Störenfriede” oder haben keine entsprechende Handhabe, um diesen unsäglichen Zuständen ein Ende zu bereiten.

Sie sollen alleine um die 25-30 Kinder gut unterrichten, von denen einige nicht gut oder gar kein deutsch sprechen (“Integration”) und andere verhaltensauffällig sind und Förderbedarf haben (“Inklusion”). Wie soll das angesichts der grundverschiedenen Bedürfnisse der Kinder funktionieren? Das alles führt dazu, dass die schulischen Leistungen vieler Kinder in den Keller rauschen, dass sie nicht mehr zur Schule gehen wollen und sogar krank werden, wie es unseren Familien passiert. Und die Lehrer, Schulen und Behörden tun – trotz ausreichender Beweise und Kommunikation – flächendeckend NICHTS, streiten jegliche Problematik ab und schützen sogar noch die “Täter”. Angesichts dieser untragbaren Zustände brauchen wir über eine angemessene Vermittlung von Wissen gar nicht mehr zu reden. Das Aufnehmen von Stoff ist unmöglich, wenn die Rahmenbedingungen so katastrophal sind – schlimmer noch: die seelische und körperliche Gesundheit der Kinder ist schon in jungen Jahren massiv beeinträchtigt. Wie sollen aus diesen Kindern stabile, zufriedene und positiv gestimmte Erwachsene werden? Unser Vertrauen in die deutsche Bildungspolitik ist nachhaltig beeinträchtigt und es muss auch in dieser Richtung dringend etwas geschehen. – Familie Schulz-Hess & Familie Heß

 

Als langjähriger Leser schätze ich immer Ihre fundierten und interessanten Beiträge in der „Zeit“. Im o.g. Beitrag sprechen Sie viele wichtige Fragen an, und ich stimme Ihren Einschätzungen an vielen Stellen uneingeschränkt zu. Insbesondere fällt auf, dass die einfache Voraussetzung zum Erwerb von Grundfertigkeiten, nämlich „Üben, Üben,Üben“ in der Tat in vielen Schulen und von vielen Lehrern verpöhnt ist. Die gravierende Fehleinschätzung, man würde den Kindern etwas Gutes tun, wenn man sie (angeblich!) mit Anforderungen „schont“ oder keine „Kritik“ übt, ist ebenfalls weit verbreitet. Dass Sie dies auch hier wieder thematisiert haben, ist sicherlich richtig, wird aber eingefleischte „moderne“ Pädagogen nicht berühren. Besonders problematisch finde ich die offenbar verbreitete Gewohnheit in Familien mit Migrationshindergrund, nicht Deutsch zu sprechen, Deutsch gar nicht erst erlernen zu wollen (die Eltern) und somit den Kindern faktisch den Weg in eine gute Zukunft sehr zu erschweren. Es ist für mich immer wieder ernüchternd, wenn ich im Fernsehen bei Kurzinterviews erlebe, dass Menschen, die seit Jahrzehnten hier leben, offenbar nicht genügend Deutsch können, um sich einigermaßen verständlich zu machen. Auf einen Schwachpunkt Ihres Artikels möchte ich Sie aber dennoch ansprechen. Die Tabelle auf S. 48 zum „Lesen“ zeigt, dass sich alle Länder außer Polen und den Vereinigten Staaten seit 2000 verschlechtert haben. Es wäre interessant gewesen, die Gründe dafür zu analysieren. Es gibt nämlich sehr viele Ländern, die sich (absolut) viel stärker verschlechtert haben als Deutschland. – Werner Timmermann

 

„ … Eine bestimmte Bildungsungerechtigkeit wird es immer geben. …“ Das ist eine unwiderlegbare Tatsache, die aber trotzdem inhaltlich der Ausgangspunkt für wirksamere staatliche Hilfen sein muss. Die Haltung in der Familie gegenüber Bildung und Kultur entscheidet spätestens von Geburt an ganz wesentlich über den Lebensweg der Kinder. Wer eigenständige Kinderrechte ernst nimmt und das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellt, muss bei überforderten Eltern Überzeugungsleistung erbringen, dass sie das allein nicht schaffen oder muss Elternwille zum Wohl des Kindes durch Gesetze begrenzen. Das heißt aber auch, so „ungerecht“ es für manche auf den ersten Blick erscheint, dass bei staatlicher Betreuung differenziert werden muss, in vielen Familien ist da jemand, der viel effektiver, individueller und emotionaler Bildung vermitteln kann kann als staatliche Einrichtungen mit überfordertem und schlecht bezahltem Personal oder aufbewahrenden Tagesmüttern. Der Drahtseilakt besteht darin, zu differenzieren: und hie und da stärker einzugreifen und nachzusteuern, ohne den Anschein von Bevormundung zu erwecken. Eine gewisse Entfremdung vom Elternhaus als Kollateralschaden ist dabei kaum zu verhindern und sollte sogar das Ziel sein. Defizite der ersten Lebensjahre kann die Schule später nur noch marginal beeinflussen. Die Lobby der Schwachen muss der Staat sein, besonders bei Kindern, unserer Zukunft. Bei den Leistungsstarken kann er sich getrost zurückziehen, da leistet die Familie bessere Arbeit. – Uwe-Carsten Edeler

 

Schon wieder ein Pisa-Schock? Sind die Lese- und Rechenleistungen unserer Schülerinnen und Schüler wirklich derart „beunruhigend“ und „besorgniserregend“ wie von Spiewak beschrieben? Von „größten Bildungsproblemen“, „Bildungsarmut“ und „Kompetenzverlusten“ ist hier die Rede. Die „Zukunftsarmut“ bedrohe unsere Republik, „die pädagogischen Fortschritte in der Schule seien gefährdet. Und – am Schlimmsten ist die Kategorisierung der Schülerinnen und Schüler in „Risikoschüler“ und „schwache Schüler“. Das erinnert mich an den Begriff „der schlechte Schüler“ aus dem Pädagogikstudium, der aufgrund seiner Einstufung von vornherein keine Chance erhielt, sich zu profilieren, weil er einmal diesen Stempel aufgedrückt bekam. Diese Zeiten einer von Vorurteilen geprägten Pädagogik seien bereits in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hinter uns, dachten wir jedenfalls naiv als frisch gebackene Lehrerinnen und Lehrer und stürzten uns in das Abenteuer Gesamtschule, die Chancengleichheit, später Chancengerechtigkeit versprach. Kann man nicht dankbar, stolz und froh auf 40 Jahre Gesamtschulerfahrung zurückblicken, in denen während jeder Unterrichtsstunde gerade und besonders auf diejenigen Kinder und Jugendlichen geachtet wurde, die in der Schule mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, aus welchen Gründen auch immer.

Die Kolleginnen und Kollegen, die sich gerade für Schülerinnen und Schüler in besonderer Weise in Einzel- und Elterngesprächen, Vermittlung von sozialpädagogischer sowie psychologischer Betreuung, usw. einsetzten, wurden krank. Die einzige Kollegin, der es während meiner gesamten aktiven Laufbahn gelang, dass alle Schülerinnen und Schüler ihrer Klasse einen Abschluss bekamen, wurde so krank, dass sie vorzeitig unfreiwillig aus dem Dienst entlassen werden musste. Ganze Generationen von Lehrerinnen und Lehrern wurden von den Schulverwaltungen verschlissen, von einer Reform in die andere gejagt, ganz besonders nach der ersten PISA-Hysterie vor ca. 20 Jahren. Wer erinnert sich nicht an Klippert? Fast flächendeckend wurde „geklippert“, an Wochenenden das gesamte Kollegium geschult. „Die einzige Reform, die der Senat noch finanziert“, hieß es, als das „einzig Wahre“ wurde diese Methode angepriesen. Dass das Ganze schief laufen würde, erkannten damals diejenigen, die sich nur ein wenig mit BWL befassten. Ökonomische Grundprinzipien einfach auf das System Schule zu übertragen, funktioniere nicht, wurde argumentiert. Die Schulverwaltungen stellten sich taub. Unterricht soll sich ändern, fordert Spiewak. Wie so oft, ist Schulpolitik auch in unserer Demokratie immer noch ideologisch verseucht. Schulleben und Lernbereitschaft entsteht nicht am grünen Tisch, sondern immer in Beziehungen. Wichtig sind und bleiben die Kinder und Jugendlichen. Ihnen muss unsere ganze Aufmerksamkeit, unser ganzes Engagement, aber auch unsere Anerkennung (s. Prengel u.a.) und vor allem Wertschätzung zukommen.

Auch Fächer wie Biologie, Erdkunde, Musik Kunst und Sport sind wichtig. Emotionale Kompetenzen erhalten in den vergangenen Jahren in vielen Veröffentlichungen eine größere Aufmerksamkeit. So etwas können jedoch empirische Untersuchungen nicht erfassen. Deshalb wird die PISA-Studie zu Recht als einseitig und tendenziös auch von namhaften Experten eingestuft. Finnland taugt nicht als Referenz, weil dort viel weniger zugewanderte Menschen leben als in Deutschland. Das gilt natürlich auch, wie richtig geschildert, für den Vergleich schulischer Einrichtungen. Wenn aber gefordert wird, dass jedem Schüler, jeder Schülerin beim Verfehlen von Mindeststandards ein Tutor zur Seite gestellt werden soll, so ist diese Forderung schlicht unrealistisch, wenn noch nicht einmal genug Geld und Personal für dringend notwendigen Aufgaben von Schule wie z.B. Die Aufrechterhaltung des Unterrichtsbetriebs zur Verfügung gestellt wird, von einer sinnvollen Förderkultur ganz zu schweigen. Man kann schon die Heerscharen von schnaubenden Schimmeln am Horizont erblicken, deren Reiter wieder die Reformkeulen schwingen.

Wen wundert, dass so wenig junge Menschen den Lehrerberuf ergreifen wollen? DDR-Verhältnisse, wo die Lehrerinnen und Lehrer in den großen Sommerferien und darüber hinaus in ihrer Freizeit zu Förderunterricht verpflichtet wurden, wollen wir sicher nicht wieder. Das sollen und müssen freiwillige Angebote bleiben. Durch solch einen einseitigen und tendenziösen Artikel werden junge Menschen m.M.n. nicht ermutigt. Ich nehme an dass Spiewak keine Schule von innen kennt. Der Artikel ist eine Ohrfeige für jeden engagierten Kollegen, jede Kollegin. Ich kündige ab sofort mein lange Jahre währendes ZEIT-Abonnement. – Ralf Kennis

 


 

 

Leserbriefe zu „Alles bleibt anders“ von Peter Dausend und Robert Pausch

 

Im Grunde ist der Niedergang der SPD doch sehr einfach zu erklären: Die Partei war spätestens seit der Regierung Schröder mehr oder weniger verantwortlich an einer gigantischen Umverteilungsaktion von unten nach oben beteiligt, nach deren neoliberaler Logik im Zweifelsfall Kapitalgewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren sind. So wurden etwa die systemrelevanten Zocker bis zuletzt noch für ihr asoziales Verhalten belohnt. Dass die Partei sich nach dem 2. Weltkrieg endgültig von der Zuspitzung historischer Widersprüche verabschiedet hat, rächt sich nun bitter, denn Erhards soziale Marktwirtschaft ist ja nur genau so lange sozial, solange die Verteilungsfrage nicht ernsthaft gestellt wird. Weichgespülte Gewerkschaften und Konzerne haben unter dieser sozialdemokratischen Wärmedecke jahrzehntelang gekuschelt, während die Reallöhne gesunken, die Kapitalerträge gestiegen sind und die Armut im Lande sich mehrte. Die erfolgreiche Abschaffung der Klassen im Spätkapitalismus hat im Ergebnis jedes emanzipatorische Potential der Gesellschaft paralysiert und dieses Potential einer letztlich menschenverachtenden Wirtschaftsweise geopfert. Daran war die Sozialdemokratie wesentlich beteiligt und dafür erhält sie nun ihre historische Quittung. Am sinnvollsten wäre es in dieser Situation doch, die Mitgliederkartei als solche gleich der Linken zu übergeben, die dann einfach neue Mitgliedsausweise verschicken kann. – Dirk Böhm

 

Alles bleibt anders – das bringt es sehr schön auf den Punkt! Aus dem Denken in Ursache und Wirkung ergeben sich keine vernünftigen Aussagen mehr: Ist die Groko nun Ursache für den Wunsch nach Veränderung oder ist der Wunsch nach Veränderung Ursache für des Fortbestehen der Groko? Zu welchem erstrebenswerten Zweck sollte die SPD mehr oder weniger Juso wagen? Ist die Groko das Problem oder die Lösung? Wenn alle Kausalität stets in die Irre führt, sollten wir dazu übergehen, die Fragmente unserer politischen Wirklichkeit in ihrer Schlichtheit nur noch unter Verwendung der Konjunktion „und“ aufzulisten und als Collage darzustellen: Alle Ereignisse stehen gleichberechtigt nebeneinander, keines zwingt das andere, Ursache oder Wirkung zu sein. Wer A sagt, muss keineswegs B sagen. Es gibt keine Konsequenzen mehr, nur noch den freien Zusammenhang zusammenhangloser Zusammenhänge. Alles bleibt anders. – Reinhard Koine

 

Der Mit-Autor Robert Pausch hat sich bereits vor Wochen in einem anderen ganzseitigen Artikel als glühender Fan von Kevin Kühnert geoutet. Er geht ihm weiterhin auf den Leim. Einige Zitate aus der aktuellen Lobpreisung: „Der GroKo-Rebell verwandelte sich in einen Politiker, der sich verstärkt auf die Suche nach einem Plan für seine Partei begeben hatte“, „Zudem hat er erkannt, dass …“, “ … es geht ihm um größere Fragen …“. Meine Meinung: Es geht ihm nur um seine Karriere, die SPD und das Land sind ihm egal. Hierzu Helmut Schmidt: „Jemand, der in die Politik geht, ohne einen Beruf zu haben, kann mir gestohlen bleiben.“ Er fehlt! Andererseits ist es gut, dass er den Niedergang seiner „mit Schmerzen geliebten Partei“ nicht mehr erleben muss. – Volker Müller

 

Die Wahl der beiden neuen SPD-Vorsitzenden hat uns überdeutlich vor Augen geführt, wie verlässlich die Mechanismen bei der SPD funktionieren: vor der Wahl ein bisschen Pseudo-Links aufspielen, den Ausstieg aus der GroKo als gesetzt bezeichnen und, nachdem sie genau aus diesen Gründen gewählt wurden, nach der Wahl die Rolle rückwärts präsentieren. Das hatten wir alles schon einmal. Damals nannte man die Vertreter dieser Gattung Wendehälse. – Günter Stapelkamp

 


 

 

Leserbriefe zu „Sonne, Wind und Knete: Ein Ablasshandel für die Reichen“ von Petra Pinzler

 

Ob es zu viel CO2 in der Atmosphäre gibt, ob unsere Wälder kaputt gehen, oder Plastik- oder Radreifenpartikel die Welt durchströmen, ob andere Lebensformen bedroht, getötet, ja sogar ausrottet werden, oder die natürlichen Vorräte der Erde zu Ende gehen, welches Umweltproblem man auch benennt, all die Formen dieser Umweltbelastungen sind Symptome einer dahinterstehenden Ursache, nämlich der Tatsache, dass wir überbevölkert sind. Viele Demonstrationen, hoffen und warten auf einen Rückgang in den Umweltbelastungen. Die technischen Maßnahmen und Verteuerungen zum Schutze von Fauna, Flora und Mensch sind notwendig, aber nicht hinreichend. Wir müssen die instinktive Art des Denkens „Wachstum ist gut für das Überleben“ überwinden und uns wieder verstärkt in die Natur einfügen. Gegenwärtig entfernen wir uns immer weiter von ihr. Wenn wir von unserem Großhirn nicht in kürzester Zeit Gebrauch machen wird es uns in absehbarer Zeit nicht mehr geben. – Rolf Dombrowsky

 

Heute morgen in der Tagesschau: Verheerende Buschbrände in Australien. 3 Millionen Hektar Land sind schon verbrannt. Dies die neuesten Nachrichten von Naturkatastrophen / von Umweltkatastrophen. Nicht erst so gesehen ist der Kommentar des Chefs der Billigfluglinie Ryanair Michael O’Leary in ihrem Artikel, der Euro, der mit der Buchung eines Flugtickets als Kompensation für die Luft- Verschmutzung an den Klimaschutz ginge, sei sowieso „nur eine Geste“, der blanke Zynismus. Glauben die, die nicht nur bequem fliegen, sondern dabei auch noch sparen wollen, denn wirklich, so leicht könne man sich freikaufen und einfach „weiter so“ machen? Als gegen Ende letzten Jahres in (m)einer Talkshow eine bekannte, vielbeschäftigte, reich verheiratete Deutsche Schauspielerin ungeniert (und wahrscheinlich für einen hohen Preis) Reklame machte für die o.g. Billigfluglinie, nicht ohne dabei noch ein bißchen auf die Tränendrüse zu drücken und kackfrech zu behaupten, daß sie sich einen Linienflug nicht leisten könne, da kotzte mich das dermaßen an, daß ich spontan und sofort antworten wollte.

Ich habe es n i c h t getan und schon erst recht keinen Namen genannt – aus Rücksicht !!! Weil ich an die shitstorms dachte, die ich damit vielleicht auslösen könnte und die ich niemandem Zumuten wollte. Rücksicht – Rücksicht, viel zu viel Rücksicht angesichts des hohen Preises, den jetzt schon die Bevölkerung in vielen Länder bezahlt, wird immer noch genommen auf die, die den hohen CO2-Ausstoß zu verantworten haben. „Problematisch“ findet Karsten Neuhoff vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung die Inanspruchnahme des Artikels 6 des Pariser Übereinkommens, womit sich europäische Staaten Durch den Ankauf von außereuropäischen Zertifikaten freikaufen können davon, im eigenen Land mehr CO2 einzusparen. Was mehr kosten würde. An Geld. „„Problematisch.““ Auch die Luftfahrbranche „will“ (…) künftig einfach mehr Zertifikate Kaufen.“ Sehr geehrte Frau Petra Pinzler, Am Anfang Ihres Artikels… – ein Klick Am Ende Ihres Artikels… – ein Zertifikat Und schon kann das Flugzeug abheben und ungeniert CO2 in die Atmosphäre pusten. Und der Fluggast kann sich wiegen in dem Glauben, etwas Gutes getan zu haben. „„Problematisch““ finde ich persönlich den Zertifikate-Handel nach Artikel 6 nicht. Aber himmelschreiend gefährlich und die ursprüngliche gute Absicht gefährdend. …………………………………. SOLIDARITÄt, w i r k l i c h e S O L I D A R I T ÄT der reichen Länder mit den armen Wäre jetzt gefragt. H e u t e – in Madrid. – Beate Schwärzler

 

Wer „zum Teufel“ kauft schon freiwillig, und dazu noch sehr gerne, eine dieser „CO2-Tonnen“? Und vor allen Dingen, was will dieser „Jemand“ mit dieser „Gift-Tonne im Sack“ schon wirklich anfangen! Vielleicht sind wir Menschen wirklich schon völlig meschugge geworden! – Riggi Schwarz

 


 

 

Leserbriefe zu „Nur so schaffen wir das“ von Thomas Kerstan

 

Leider muss ich den Artikel „Nur so schaffen wir das“ von Thomas Kerstan (Titelseite ZEIT Nr. 51) scharf kritisieren, weil ich ihn für daher geschriebenes, unterkomplexes Reden-Geschwinge halte und das schreibe ich als Erziehungs-und Bildungswissenschaftlerin. Der erste Fehler von Autor und Redaktion besteht in meinen Augen darin, solch ein ernstes und komplexes Thema wie die PISA-Studienergebnisse, zusammenhängend mit der Ungleichheit im Bildungssystem und den Problematiken der schulischen Integration in einem kommentarartigen Kurzartikel abzuhandeln – das ist völlig unangemessen. Herr Kerstan stopft in nachlässigem Ton ein paar undifferenzierte Argumente in die wenigen Zeilen, um die PISA-Ergebnisse zu erklären, nur, um dann mit dem zynischen und oberlehrerhaften Satz „Nein, so schaffen wir die Integration nicht“ abzuschließen. Sieht so eine aufschlussreiche Analyse bei Ihnen aus? Zudem werden mal wieder unsägliche Pauschalitäten im Bezug auf Migration verbreitet, zum Beispiel das menschenunwürdige und funktionalisierende „Bio-Politik-Argument“ im Bezug auf Migrant*innen, das Migrant*innen nur positiv konnotiiert, weil sie ja die deutsche Gesellschaft vor dem schrumpfen bewahren würden. Weiterhin ein knapper Suggestiv-Satz, „die Migrant*innen“ wären ja viel kinderreicher als „die Deutschen“. Und? Das spielt doch dem rassistischen Angstzustand vor der absurden „Umvolkung“ in die Hände. Einfach nur zu sagen, 36% der Jugendlichen hätten einen Migrationshintergrund (was sowieso ein total undifferenzierter Begriff ist, weil er pluralisierte Einwandererbiografien über einen Kamm schert) hätte auch gereicht.

Weiter geht’s mit Pasuchalaussagen, zum Beispiel, dass wer mit 15 nicht richtig lesen könne später keinen qualifizierten Job fände. Aha, so einfach sieht also Ihre Weltsicht aus? Lesen = guter Job= Lebensglück? Was ist mit all den anderen querschnittlichen Faktoren, soziales Milieu, Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, persönliche Biografie usw.? Tut mir leid, aber das ist leider eine peinlich unqualifizierte Aussage, trotz Ihres qualifizierten Jobs bei der ZEIT. Und zum Schluss lässt der Autor dann noch die einfache Glückslösung fallen, nämlich die deutsche Sprache. Und zack, fertig ist das Rezept. Sagen Sie mal, geht’s noch? Nichts erwähnen Sie über allerlei Faktoren, die in diese simple Gleichung mithineinspielen, das soziale Milieu, Zugangsschwierigkeiten, Sprachförderung in der Kita, sozialräumliche Ghettoisierung, Diskriminierung im Bildungssystem, bei Ihrem „Wie die Welt funktioniert in 10 Zeilen“-Artikel alles nicht vorhanden. Grundsätzlich haben Sie ja Recht, dass die Sprache ein sehr wichtiger Faktor ist, was die Bildungslaufbahn von Schüler*innen angeht, aber dieser Artikel war in meinen Augen eine Bruchlandung und kein journalistisches Kunststück. Ich würde mir zu diesem Thema eine fundiertere Analyse wünschen, die Sie nicht dazu zwingt, in einem Mini-Artikel die komplette Integrationsproblematik erklären zu müssen. – Julia Molina

 

Als langjähriger Leser war ich doch sehr befremdet, als ich auf der ersten Seite der letzten Zeitausgabe lesen musste, dass nach Ansicht eines Zeitautors sich die eingewanderten Eltern schuldig machen an den Leistungsdefiziten, die ihre Kinder gegenüber „deutschstämmigen“ Mitschülern haben. Diese Forderung, dass Familien, deren Sprache nicht das Deutsche ist, zuhause deutsch sprechen sollen, kommt mir doch sehr realitätsfern vor. Und warum sollten diese Familien, die ihren Kindern dieses einmalige Geschenk der Mehrsprachigkeit mitgeben können, das „ein Glücksfall für das Gehirn“ ist, verweigern (vgl. neben vielen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Mehrsprachigkeit den Artikel der Welt https://www.welt.de/wissenschaft/article154185581/Wie-Mehrsprachigkeit-unser-Gehirn-veraendert.html)? Hält der Autor die deutsche Sprache für so bedeutend, dass er keine Sprache neben ihr gelten lassen möchte? Ich selbst wohne mit meinen Kindern im Ausland und würde mich schuldig fühlen an meinen Kindern, wenn ich ihnen ihre „erste“ Muttersprache verweigern würde, in der ich mich schließlich am authentischsten ausdrücken kann. Gerade in der Familie ist es wichtig, unmittelbar seine Gefühle ausdrücken zu können, was am besten in der Muttersprache gelingt.

Aus einem zweiten Grund würde ich meinen Kindern schaden: Sie konnten bereits in der Grundschule die Landessprache besser sprechen als ich – warum sollte ich sie also mit einer schlechten Aussprache irritieren???! Eine Bevormundung durch Staat oder Gesellschaft, wie zuhause gesprochen werden soll, wäre unerträglich. Verlangt in unserem Gastland aber auch niemand von uns. Mit welchem Recht sollte die deutsche Gesellschaft dies von nach Deutschland migrierten Familien velangen? Viel entscheidender erscheint mir, dass das (vemutlich vornehmlich monolinguale) Lehrpersonal die Tatsache akzeptieren und in ihre Unterichtsmethoden einfließen lassen sollte, dass ihnen zunehmend mehrsprachige Schüler gegenüber sitzen. Sicherlich erfordert der Unterricht mit bi- oder multilingualen Kindern höhere Anstrengungen und andere Techniken. Angesichts einer Welt, in der die Migration zunimmt, sollte hier in erster Linie ein Anpassungsbedarf gesehen werden und dieser Vorteil der Kinder mit Migrationshintergrund als solcher auch geachtet werden. Bildungsbürgerliche Eltern sehen in Zweisprachigkeit ein hohes Gut und eine gute Voraussetzung für ein wirtschaftlich erfolgreiches Berufsleben ihrer Kinder. Sie denken dabei primär an die englische Sprache und bekommen Unterstützung von der Politik, die englischsprachigen Unterricht in ausgewählten Schulen und an Universitäten anbietet. Sollten andere, weniger wirtschaftlich nützliche Sprachen, etwa weniger wert sein? – T. Cornelius

 

Früher gab es ein Bildungsprogramm in den dritten Fernsehprogrammen. Deutsch und Mathematik in den angesagten Sprachen, vielleicht mit Untertiteln. Dann könnten auch die Eltern mitlernen und helfen. Ich denke, dass da Potenzial dahinter steckt. Auch bei den Migranten gibt es kluge Köpfe. – H. Langwadt

 


 

 

Leserbriefe zu „Keine Ausreden mehr, Berlin!“ von Ben Hodges

 

Fünf Spalten lang klagt Ben Hodges darüber, dass das Vertrauen in die NATO bröckele, fordert immer mehr Waffen, und liefert kein Argument, warum wir sie brauchen. Kein Wunder, dass die Europäer das Vertrauen in die Aufrüstung zu unserer Sicherheit weiter verlieren, wenn Befehlshabern der NATO nichts besseres zur Verwendung von 2% von Europas BIP einfällt. 2014 in Whales stand die Finanzierung der NATO auf der Tagesordnung des Nato-Rates. Den Staats- und Regierungschefs war klar, dass sich die Sicherheit nicht nur mit immer mehr Waffen erhöhen lässt. So haben sie ein umfangreiches ziviles Programm zur Friedenssicherung beschlossen zB. Jugend-Austausch mit potentiellen – Konflikt Regionen. Erst danach definierten sie zur Finanzierung das 2% BIP-Ziel. In den folgenden Jahren gelang es der Rüstungslobby, die Diskussion auf Finanzierung von Militärausrüstung zu begrenzen und unsere Staats- und Regierungschefs als dumm und wortbrüchig darzustellen. Die Europäschen Jugendwerke ermöglichten die heutige EU. Davon können wir lernen. Wann setzen wir das heute noch gültige zivile Programm zur Friedenssicherung um? – Heinrich Kochs

 

Was kann ein US-Generalleutnant a.D. und zeitweise Oberbefehlshaber der US-Truppen in Europa, Ben Hodges, eigentlich Anderes fordern, als dass sich Deutschland bei Abschre-ckung und Verteidigung stärker engagieren muß. Ausgerechnet Deutschland, Verursacher des bisher opferreichsten und schrecklichsten aller Kriege. Das Vertrauen in die Nato dürfe nicht bröckeln, warnt er. Letztere wurde bekanntlich als Bollwerk gegen die Sowjetunion und die Ausbreitung des Kommunismus gegründet. Aber die Sowjetunion und den von ihr als Gegenstück zur Nato 1955 gegründeten Warschauer Pakt gibt es schon über 2 Jahrzehnte nicht mehr. Die Nato dagegen müsse bleiben, so das geltende Dogma und zwar ganz im Gegensatz zu ihrem asiatischen Analogon Seato, die 1977 aufgelöst wurde. Militär und Rüstungsindustrie sind nun einmal auch unverzichtbare Garanten für Arbeitsplätze, Profit und weiteres Wohlstandswachstum, 2018 war sogar ein Rekordjahr für Waffenexporte. Schließlich müssen auch die Drittweltstaaten und Rebellen aller Couleur Kriege führen können. Hodges, dessen Existenzgrundlage das Militär war und ist, erwähnt leider mit keiner Silbe, wer eigentlich die heutigen Bedroher und potentiellen Angreifer der Staaten des Nato-Bündnisses sind. Als Insider müsste er das doch bestens wissen!

Nebenbei: Was hat jahrzehntelange Friedensforschung (SIPRI usw.) gebracht oder hat auch nur 1 Friedensnobelpreis etwas bewirkt? Zu fragen ist, wer endlich die genetischen Wurzeln für das aggressive Verhalten des Menschen erforscht, damit diese ein für allemal aus dem genetischen Code gelöscht werden können? Hierfür müssten alle verfügbaren Potentiale eingesetzt werden und nicht für die Entwicklung und Produktion von immer mehr Waffen und Rüstungsgütern. Wer die Ausführungen von Hodges widerspruchslos akzeptiert, müsste allerdings fragen, warum die Regierungen nicht sofort vorbeugende Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung, wie Bau von Luftschutzbunkern, Zuteilung von Gasmasken, Bevorratung mit Lebensmitteln und Lehrgänge zum Verhalten bei Bomben- und Raketenalarm anordnen. – Hans Anhoeck

 

70 Jahre nach Entstehen der Nato sind ihre Mitglieder so gespalten wie noch nie, Interessen haben sich geändert, Werte divergieren. Doch gerade Deutschland ist aufgrund seiner vergleichsweise geringen militärischen Ausrüstung auf ein funktionierendes Verteidigungsbündnis angewiesen.Die Nato hat daher zwar nicht an Bedeutung verloren, in Frage steht jedoch ihre Funktions- und Sinnhaftigkeit. Der politische und wirtschaftliche Hintergrund, vor dem die Nato 1949 gegründet wurde, hat sich stark verändert. Solange sich die Mitgliedsstaaten nicht darüber einigen, ob sie noch über gemeinsame Ziele verfügen und welche Ziele das sind, laufen Debatten über Umfang und Höhe der Verteidigungsausgaben leer. Ben Hodges kritisiert dahingehend zu Recht eine „strategische Trägheit“ Berlins. Unsere historische Vergangenheit sollte uns nicht handlungsunfähig machen, sondern eine verantwortungsbewusste Auseinandersetzung über die Zukunft der Nato ermöglichen. – Ricarda Muggenthaler

 


 

 

Leserbriefe zu „Ein Grundeinkommen für Kinder?“ Streit von Sarah-Lee Heinrich und Marcus Weinberg

 

Übertreibung ist ein Mittel politischer Argumentation, um eine Position deutlich zu machen – allerdings sollte sie im Rahmen bleiben, sonst wird sie Lüge. Frau Heinrich wirft Herrn Weinberg vor, „die Kinderarmut bleibt konstant hoch.“ Kinderarmut ist in Deutschland selten, trotzdem zu häufig. Dort, wo sie Chancengleichheit beeinflusst muss sie wirksam durch gezielten und punktuellen Einsatz von Steuergeldern behoben werden – also nicht mit dem Gießkannenprinzip für alle. Das gilt im Übrigen auch für die Grundrente. Der letzte Satz Ihres STREIT-Interviews allerdings setzt der Übertreibung den Lügenhut auf: „…Millionen anderen Kindern nicht zu helfen…“ und hätte bei einem „moderierten“ Interview nicht als letzter Satz stehen (bleiben) dürfen. Deutschland kann und muss es sich leisten, Armut und speziell Kinderarmut wirksam abzubauen. Dafür ist aber eine „AfD-artige Propaganda-Lüge“ („Millionen“) nicht notwendig! Vielleicht würde Frau Heinrich und Ihren Moderatoren eine (Erfahrungs-) Reise in Länder helfen, in denen Kinderarmut vorherrscht, wo z. B. Kinder aus Armutsgründen Lithium und Kobalt für die Batterien der von den Grünen propagierten E-Mobilität gewinnen müssen. – Dr. med. Klaus T. Kumpe

 

Seit jeher wähle ich die Grünen. Bezüglich Kindergrundsicherung hat Herr Weinberg allerdings recht. Kinder sollten gezielt gefördert werden. Durch eine Kindergrundsicherung werden Kinder im Stich gelassen, die keine klugen, fürsorglichen Eltern haben. Handy und Klamotten sollten – u.a. angesichts der Klimakrise – kein Argument sein. – Eva Gruber

 

Das Mädchen Sara-Lee Heinrich ist eine typische Vertreterin einer Generation, die ihr Heil bei anderen Bürgern sucht. Sie muß erst einmal erwachsen werden um das richtig einschätzen zu können. Ihr sollte Mal gesagt werden; jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich. Der Staat kann dafür Rahmenbedingungen schaffen mehr aber auch nicht. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbriefe zu „Die halbseidene Straße“ von Laura Cwiertnia und Xifan Yang

 

Mit dem sehr ausführlichen und gründlich recherchierten Artikel „Die halbseidene Straße“ öffnen Sie sicherlich vielen Leserinnen und Lesern die Augen, was das sonst in vielen Medien so hochgelobte Projekt „Neue Seidenstraße“ in Wirklichkeit bedeutet: Es ist vergleichbar dem Märchen von des Kaisers neuen Kleidern, denn die Züge auf der neuen Seidenstraße transportieren überwiegend Luft, und ihr Transportvolumen ist, verglichen mit den Containerzahlen auf den Schiffen, verschwindend gering. Für diese marginalen Transportmengen auf der Schiene zwischen China und Europa sollen noch neue Bahnstrecken durch Westchina, den Iran, die Türkei und den Balkan gebaut werden, zusammen vermutlich mehr als 5.000 km. Weil hierbei viele und zugleich hohe, zerklüftete Gebirge zu queren sind, müssen viele Tunnels und Brücken aus Stalhbeton gebaut werden. Dies wird einem gigantischen Ausstoß von Treibhausgas durch die hierfür notwendige Herstellung von Zement und Bewehrungsstahl zur Folge haben – ein Sargnagel für ein erträgliches Klima auf der Erde. – Karlheinz Rößler

 

Als langjähriger Geschäftsmann (Industrie Maschinenbau Hamburg), dazu nach vielen Reisen nach China, als beide Redakteurinnen noch Jugendliche waren, heute Eigentümer und Gesellschafter siehe vorstehender Briefkopf, erlaube ich mir zu dem ausführlichen Artikel Stellung zu nehmen. Beide Redakteurinnen sind mit 32 bzw. 31 Jahren in ihrer Ausbildung und ihrem Alter, dazu die Chinesin als Kleinkind China verlassen und somit beide aus der Ferne und westlich (amerikanisch angehaucht) schreibend und beschreibend und amerikanische Floskeln aufnehmend, dazu deutsche ‚Herrenreiteransichten‘ über die aus ihrer Sicht ehemalige Kuli Kultur der Chinesen seit 170 Jahren, erster chinesischer Opiumkrieg 1839-42, bis 1912 dann zur Ablösung des alten chinesischen (verbrauchten) Kaiserreichs und 1949 die Machtergreifung von Mao, nachdem er die bürgerliche Schreckensgestalt Chiang-Kai-Shek endlich aus China nach Taiwan vertrieben hatte. Yiwu und Madrid als so bedeutende Stationen für die Seidenstraße herauszustellen wie im Artikel geschehen, ist zu einfach, arg einseitig und kleinkariert!

Dazu muss man sich in der jahrtausendealten chinesischen Geschichte wohl etwas besser auskennen, als diese beiden Damen, die nie an chinesischen Schulen, Universitäten und realem Leben dort verbracht haben. Somit verbleibt diese an sich durchaus lesenswerte Darstellung mit (nichts weiter) Zwischenstand2019 über die Aktivitäten des wohl größten Wirtschaftsbemühen von Asien nach Europa immer in einem Geruch des westlichen Neides! Wie wäre es, wenn es der US Außenministerin Hillary Clinton 2011 gelungen wäre, ihren Denkanstoß zu eben dem Projekt Seidenstraße, entgegen ihrer abwiegelnden amerikanischen Administration durchzusetzen? „Viel zu teuer, viel zu aufwendig“, usw., musste sie sich anhören und man begrub diese Pläne, die dann Xi ab 2013 mit der Rede in Kasachstan erfolgreich aufnahm. Das finanzielle Gerippe der neuen Seidenstraße stellt der AIIB Korb dar, die unsere ‚dumme‘ Merkel zwar innerlich anerkennt und sie am liebsten mitmachen würde, aber unser Donald sieht das nicht gerne. Darüber sollten die beiden Damen mal ausführlich schreiben…..!!?? Und aufpassen, das ihre möglichen eigenen Kinder auch an asiatischen Universitäten studieren, damit sie anders als westliche Manager nicht nur den westlichen Kontinent verstehen lernen, sondern auch den großen asiatischen Kontinent mit der zukünftigen großen ‚Musik‘ im Welthandel, der alten und neuen Kultur und den Milliarden an Menschen, die dort Hoffnung haben, nicht mehr Kulis weißer Europäer und Amerikaner zu sein, besser erlernen und verstehen.

Xi’s Tochter hat an Harvard studiert. Aus verwöhnter westlicher Sicht ist es fast unerträglich, das dieser auf Lebenszeit gewählte Mao und Deng Xiaoping Nachfolger mit seinem behutsamen Vorgehen soviel Erfolg hat, obwohl der alte und nun moderne Chinese immer schon ein begnadeter Geschäftsmann war und weiterhin ist! Erinnern Sie an die Photovoltaik Entwicklung, an die Smartphone Entwicklung, nun zuletzt mit Huawei, an die Entwicklung der E – Mobilität, wo das amerikanische Unternehmen Tesla von einem größenwahnsinnigen Elon Musk geführt und verführt wird. Nur rote Zahlen! Schreiben Sie mal über die geplante Gigafactory bei Berlin/Grünheide, wo angeblich ab 2021 das Y Modell (wer braucht diesen Panzer?) und dann später auch das bisher defizitäre 3 er Modell vom Band rollen sollen. Ich befürchte, da rollt auch noch 2025 kein einiger Wagen vom Tesla Band, weil man vorher erkannt hat, wie Musk arbeitet und seine asozialen Mitarbeiter Gedanken von einer 120 Stunden Woche ohne Mitarbeiter- und Gewerkschaftsvertretung ist hier im Osten Deutschlands erst recht nicht zumachen. Musk fliegt eher zum Mond oder zum Mars, als dass er hier bei Berlin bis zu (geplant) 10.000 Mitarbeiter beschäftigt. Dazu sind die Chinesen auf seinem E-Mobilitäts Sektor wesentlich weiter in der Technologie und in der Massenausbringung. Die Letztere, die sie von VW und Daimler, dazu noch von BMW, als Kompensation für den chinesischen Markt erhalten.

Zurück zur Seidenstraße. Wie gesagt, lobenswert ist Ihrer beider Versuch, umfangreich mit gewissen Daten und vielen Fakten das Projekt Seidenstraße zu Land darzustellen. Da die Seidenstraße sich weiterhin im Aufbau befindet, sich viele westliche Regierungen, besonders das Merkel Deutschland von Washington D. C. immer weiter die Wurst vom Brot nehmen lassen, bzw. dem Zertrümmerer und nur America is first Verkünder Trump folgend urteilen, kann nur Frankreich, Griechenland, Italien und demnächst die anderen Europäer folgend, mit der demnächstigen Weltwirtschaftsmacht Nr. 1 China gut Kirschen essen und sich durch ausgeprägte Handelsbeziehungen eben mit der Asien dominierenden Macht China arrangieren und sich selbst eine dicke Scheibe am Markt abschneiden, was Duisburg (!) bereits erfolgreich macht. Immer wieder sind in Ihrem Artikel Feststellungen enthalten, besonders in die Zukunft negativ gedeutet, was Sie zu der herabsetzenden Überschrift „Die halbseideneSeidenstraße“ bewogen haben. Ihre Chefredaktion sowie Berlin und Washington danken Ihnen auf jeden Fall dafür, das Sie Zweifel am Gelingen des größten Wirtschaftsprojektes der Menschheitsgeschichte äußern, denn was nicht sein soll, darf einfach auch den ehemaligen Kuli Chinesen nicht gelingen!

Das ist der politische Wind aus der Think Tank Fabrik „it’s oil stupid“ der amerikanischen verfehlten Außenhandelspolitik, speziell hier USA gegenüber China, wo der amerikanische Verbraucher derzeit die Zeche Trumps überhart alleine bezahlt! Interessant ist auch das Verhalten Putins, der während der blödsinnigen Blockade infolge des handlings mit der Ostukraine und der Besetzung der Krim, die blödsinnigen und besonders Ostdeutschland betreffenden Kappungen der Wirtschaft mit Russland alles leicht abschüttelte, weil er dann mit China auf Billiarden Höhe belaufende Wirtschaftsverträge auswich und abschloss und soeben wieder eine mächtige Sibirien Gas Pipeline China mit vielem Gas beliefert. Das ist auch eine Art von Seidenstraße! – Hartmut Landwehr

 


 

 

Leserbriefe zu „Groko am Ende – wie ginge es weiter?“ von Martin Klingst

 

Es wird immer von Neuwahlen gesprochen. Das ist schnell getan aber keine gute Lösung, weil die möglichen Kandidaten alle nichts taugen. Und die, die unser Land politisch retten könnten tun sich das bei der heutigen Klientel nicht mehr an. Es sei denn, Merkel tritt zurück was sie nicht tun wird und Kramm-Karrenbauer oder Merz stellen sich stattdessen zur Wahl. Die SPD ist gerade dabei sich selbst zu zerstören und es würde dann auf eine Minderheitsregierung hinauslaufen. – Gunter Knauer

 

In der letzten Zeitausgabe vom 5.12.2019 wird Jamaika als eine Option neben Minderheitsregierung und Neuwahlen diskutiert. Wie bereits in meiner Lesermeinung vom 7.10.2019 , die leider nicht veröffentlich wurde, ausführlich dargelegt, halte ich es für unpassend und unangemessen, Jamaika und auch Kenia als politische Metaphern zu verwenden. Das ist schlichtweg schlechter journalistischer und politischer Stil. Wenn niemandem ein passenderes Bild für „schwarz-grün -gelb“ einfällt, dann bleibt es eben bei diesen Farben. Das ist keine einzige Silbe mehr als bei Jamaika. Jamaika ist als Metapher keine Option. Es geht nicht darum, dass eine solche Koalition Unsinn wäre. Schwarz -Grün-Gelb: das ist eine politische Option, die wie andere demokratische Optionen durchaus ihre Chance haben kann und soll. Nein, darum geht es nicht. Es geht vielmehr genauso wie bei der Kenia-Koalition darum, dass offensichtlich immer noch zu wenige Menschen Anstoß nehmen an diesen politisch stillosen und, provokativ formuliert, postkolonialistischen „Flaggenhissereien“. Klar, Jamaika-Koalition oder Kenia-Koalition, vielleicht sogar demnächst Simbabwe, das macht sich umgangssprachlich und bildjournalistisch gut, klingt cool und pfiffig. Es ist aber, genau genommen, politisch desaströs. Jamaika! Wirtschaftlich gehört das Land zu den Entwicklungsländern. Es hat weltweit die höchste Staatsverschuldung. Der Korruptionsindex ist mit Platz 71 und Index 56 auch nicht gut. (https://www.laenderdaten.info/Amerika/Jamaika/index.php)
Glaubt man wikipedia, dann ist die Menschenrechtssituation in Jamaika problematisch. Die Todesstrafe ist erlaubt. Homosexualität wird bestraft.

Analverkehr wird mit bis zu 10 Jahren geahndet. Körperliche Intimität zwischen Männern wird mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft und Männer können zu schwerer Zwangsarbeit verurteilt werden. ( Gesetz Offences Against the Person Act Artikel 76 ). In Jamaika werden die Anti-Homosexualitäts-Gesetze verteidigt und damit begründet, dass christliche Werte aufrechterhalten werden sollen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualit%C3%A4t_in_Jamaika).Amnesty Internationalberichtet darüber, dass Jamaikaner in Großbritannien aufgrund ihrer Homosexualität Asyl erhalten haben. Und haben nicht auch Künstler in Jamaika in ihren Songs zur Ermordung von Schwulen aufgerufen? (https://de.wikipedia.org/wiki/Jamaika) Sind das gute Gründe für eine politische Jamaika-Metapher in Deutschland? Was soll das bedeuten, wenn Schwarz-Grün-Gelb wiedermal als Jamaika-Koalition aufgewärmt als politisches Option angeboten wird? Soll Jamaika politisches Vorbild werden in Deutschland, zB Todesstrafe, Verbot der Homosexualität, mehr? Oder wird Jamaika respektlos auf die Rolle einer Farbpalette reduziert und die Flagge übergriffig und unerlaubt als Gebrauchsmuster missbraucht? Eine quasi postkolonialistische Grenzverletzung? Zu Kenia ließe sich Vergleichbares ausführen. Es gibt Berichte von amnesty internationalüber außergerichtliche Hinrichtungen in Kenia und über Folter durch Sicherheitskräfte. Menschen verschwinden auf unerklärliche Weise. Nach Angaben von amnesty international bleiben Verbrechen meist unbestraft.

Die Menschenrechtsverletzungen bei den Wahlen 2007 und 2013 sollen bis heute noch nicht aufgeklärt sein. Es herrsche ein Klima der Straflosigkeit. Korruption und Vetternwirtschaft seien an der Tagesordnung. Weitere Menschrechtsverletzungen können bei amnesty international nachgelesen werden. (Stand: August 2018. Quellen: Amnesty International, Human Rights Watch, US State Dep.) Es ist eine geradezu politische und auch journalistische Instinktlosigkeit, die Flaggenfarben anderer Länder für das eigene innenpolitische Advertisement zu missbrauchen. Angenommen es gäbe irgendwo auf der Welt ein wenig demokratisches Land, wo drei unterschiedliche Parteien kurz mit den Farben schwarz und rot und gelb gekennzeichnet wären. Wie schick fänden wir es dann, wenn in diesem Land eine „Deutschland-Koalition“ an die Macht käme? –Helmut Schwehm

 


 

 

Leserbriefe zu „Das Jahrtausendpaar“ von Evelyn Finger

 

Ungerechtes Lob: Das ist ein gut geschriebener Text – man merkt der Verfasserin an, dass es ihr Freude und Spaß macht, zu diesem Thema in der Zeit veröffentlichen zu können. Zu kurz kommt die Ernsthaftigkeit, d.h. der Auftrag der Kirche – vor allem des Papstes – Menschen christlich zu helfen. Da ist es einfach ungerecht, dass Benedikt so hochgejubelt wird, denn er ist ein Theoretiker, der schon immer, und vor allem als Papst, lediglich seine eigenen Interessen verfolgt hat. Franziskus dagegen ist integer und glaubwürdig; er ist am Menschen interessiert, und vor allem – wie Hans Zollner sagt – empathie- das heißt liebesfähig, was für ihn als Partner von Benedikt sogar gefährlich sein kann. Denn dieser kennt die Liebe nicht, wie er in „Die zwei Päpste“, Seite 345, „Die Wahrheit mag wichtig sein, aber ohne Liebe ist sie auch unerträglich.“ zugibt. Er erträgt die Wahrheit nicht, und will deshalb, dass alles so bleibt wie bisher, und hüllt sich über die Wahrheit in Schweigen. – Ruth Gehring

 

Im benannten Artikel schreibt Evelyn Finger, der „deus absconditus“ behandle das Thema „der Abwesenheit Gottes“. Ist das korrekt? Ist darunter nicht vielmehr zu verstehen, dass Gott verborgen ist, sich (dem Menschen) nicht zeigt, offenbart? Und ist nicht ein großer Unterschied zwischen Abwesenheit und „sich verbergen, nicht zeigen“? Ich bin weder Philosoph, noch Theologe, Philologe oder Filmexperte. Deshalb u.a. lese ich die ZEIT. Klären Sie mich auf. – K.Gutekunst

 


 

 

Leserbriefe zu „Unterm Rad“ von Zacharias Zacharakis

 

Da ich bei der Kündigung meines Probeabos sehr viele Kritikpunkte angab, unter anderem zu inkonkret und zu schwammige Artikel, weshalb ich das Abo nicht fortsetzen wollte, möchte ich an dieser Stelle mal ein großes Lob aussprechen und zugleich danken. Endlich ist die Zeit mal konkret geworden und hat auch Firmennamen in dem Artikel genannt, genauer den Namen Cube. Im Artikel war beschrieben, wie die Fahrräder in Kambodscha unter unwürdigen Verhältnissen produziert werden. Ich fand es sehr wichtig, dass im Artikel erwähnt wurde, dass sogar Mitarbeiter von Cube aus Deutschland vor Ort waren um die Qualität der Fertigung in Kambodscha zu prüfen. D.h. diese Mitarbeiter hätten die Möglichkeit gehabt, die Produktionsverhältnisse in der Firmenzentrale zu berichten, sofern dies erwünscht gewesen wäre. Cube geht es jedoch, wie so oft, nur um Qualität der zu fertigenden Produkte und nicht um die Mitarbeiter vor Ort. Weshalb mich die Information so empörte, ich stimme jeden Tag mit meinen Einkäufen ab. Kaufe sehr bewußt ein, ohne ein Öko zu sein. Fahre dennoch nur Fahrrad, habe kein Auto, weil es in München auch ohne geht. Und kaufte mittlerweile mein 4. Cube Fahrad, weil ich annahm, die hohen Preise rühren auch aus fairen Herstellungsbedingungen. Wieder einmal muss ich erfahren, dass wir hier in Deutschland große Töne anschlagen bezüglich Nachhaltigkeit, Umwelt etc. aber genau unsere deutschen Firmen es sind, die im Ausland unter unwürdigen Verhältnissen produzieren lassen und im Inland das sehr günstig produzierte Produkt mit hoher Marge an den naiven Verbraucher (hier auch an mich) verkaufen. Das macht mich sauer. Ich danke Ihnen, weil ich in meinem Freundeskreis aus gut verdienenden 40-50 Jährigen die Cube Fahrräder bisher immer sehr empfohlen habe. Dadurch wurden bestimmt 15 Cube Fahrräder in den letzten 5 Jahren verkauft. Aufgrund Ihres Artikels werde ich die Firma nicht mehr empfehlen.

Deshalb meine Bitte, macht weiter so: konkret recherchierte Artikel mit konkreten Firmennamen und Angaben, was sie tun, wie sie es tun. Denn das ist meine tägliche Tat, mit meinem Geldbeutel bei jedem Kauf abzustimmen, ob das Verhalten des Produzenten meine Zustimmung findet oder nicht. Deshalb kaufe ich beispielsweise seit Jahren keine Müller-Milch oder Weihenstephan Produkte mehr. Bitte mehr konkrete Artikel. Damit hebt Ihr Euch von dem SZ- FAZ-Brei ab. Dann kaufe ich auch die Zeit noch öfter. :-) Kleiner Tipp, wieso nicht diese Ehrlichkeit zu einem Kernpunkt der Zeit machen? Der Spiegel lässt nach, die SZ kann man vergessen (war von 1995-2009 grosser SZ-FAn), FAZ für mich nicht lesbar. Wir brauchen in Deutschland eine journalistische Instanz, die nicht nur Reuters oder DPA Vorgekautes wiedergibt, sondern selbst den Finger in die Wunde legt, durch selbstgewählte Themen, und diese auch selbst recherchiert. – Attila Vilmar

 

1. „Unterm Rad“ ist eine Erzählung von „Hermann Hesse“ (1906 erschienen); über einen begabten Jungen, der irgendwie trotzdem scheitert. 2. Fahrräder und Reissäcke fallen angeblich reihenweise in China um, ohne dass jemand davon Notiz nehmen will! 3. Uns scheint es ziemlich kalt zu lassen, dass auch diese Fahrräder, dort in Kambodscha, nur unter den übelsten und den menschenverachtenden Arbeitsbedingungen, nicht nur für Deutschland, montiert werden. 4. Vielleicht sind wir wirklich nur die größten ahnungslosen Konsumierer auf dem Planaten Erde. 5. Ständige Verfügbarkeit ist einfach nur alles, und dieses „Alles“, das ist alles „super-wichtig“! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Das Klima-Rätsel“ von Stefan Schmitt

 

Mir bleibt ein Rätsel, wie bei einem solchen ansonsten gut recherchierten Artikel Ihnen selbst nicht vor Schreck die Kinnlade heruntergefallen ist: Die Grafik auf S. 42 unten links, überschrieben mit Globale Entwicklung der CH(4) -Konzentration gibt für dieses im Infrarot etwa 20mal aktivere Gas im Vergleich zu CO(2) eine Konzentration an, die die des CO(2) um das Mehrfacheübersteigt. Ein ‚kleiner‘, aber fast unverzeihlicher Fehler. Erkennen Sie ihn? Die dort angegebene Konzentration ist nicht in ppm (Eselsbrücke: Ein PreusseProMünchen ), also 1 in einer 1 000 000, sondern 1 ppb, d.h. 1 pro 1 000 000 000 (parts per billion; deutsch 1 Teil von einer Milliarde). Da eben Billion und Milliarde auch zu Verwechslungen führen, empfiehlt die ICE ( InternationalElectrotechnical Commission ) bereits 1978 diese Begriffe nicht mehr zu verwenden.Es sind also Konzentrationen des Methan im 1 – 2 ppm-Bereich, gegenüber CO(2) z.Z. typisch im Bereich von 400 ppm. Setzen wir 20-fache ‚Aktivität‘ voraus, dann ein ‚Äquivalent‘ von etwa 10% der Wirkung des CO(2).
Ein wichtige Frage am Rande. Das ‚aktivste‘ Gas in der Atmosphäre überhaupt, unseren Wärmehaushalt betreffend, ist das H(2)O. Seine Wirkung übertrifft die der genannten Spurengase um ein Vielfaches (sowohl die – wechselnde – Konzentration betreffend als auch seine Natur: Für den Fachmann hat es ein parmanentes Dipolmoment, CH(4) und CO(2) im Grundzustand nicht. Man muß es dort erst ‚induzieren‘, d.h. das Molekül anregen). Wie also sieht es mit der Auswertung der Niederschläge aus. Sie müssten ein sauberer Indikator des Klimawandels sein, vor allem, da ihre Aufzeichnung über lange Perioden vorliegt, direkt aus den Wetterdaten, seitdem sie systematisch aufgezeichnet werden, indirekt natürlich in den Eisschichten, in denen man sie wie Jahresringe ablesen kann. Vielleicht wenden Sie sich diesem Punkte einmal zu. – Friedrich Engelke

 

So, so: Es gibt also nicht nur das Treibhausgas CO2als „Hauptschuldigen“ der Erwär­mung! Ein Fortschritt, selbst wenn im Artikel die Rolle vieler anderer Wiederkäuer (z.B. Schafe) nicht auftaucht. Der direkte CO2-Effekt dürfte nach Prof. Rahmstorf heute bei etwa 0,35 °C liegen. Nach Ihrem Artikel trägt Methan rund 0,15 °C bei. Wenn wir weiter forschen, entdecken wir bald noch 0,4 °C natürliche Effekte nach Ende der „kleinen Zwischeneiszeit“ um 1860 und x °C durch neu gewichtete Beiträge anderer Effekte wie weitere Treibhausgase, Veränderungen der Erdoberfläche durch die von 1,2 Mrd. 1820 auf heute 7,7 Mrd. gewachsene Menschheit etc. Dann werden wir vielleicht die wahre Komplexität der politischen Herausforderungen sehen. – Prof. Emeritus Dr. Wolfgang Ströbele

 


 

 

Leserbriefe zu „Zitterndes Laub“ von Peter Geimer

 

Johann Wolfgang von Goethe, Hermann Hesse und Günter Grass haben ebenfalls gezeichnet. Waren also zeichnende Dichter. Nun auch, aber eigentlich immer schon, Peter Handke der Dichter als Zeichner. Es wird im Artikel zitiert, dass Peter Handke sich auf das Laientum und die Ungeschicklichkeit sowie fehlende Könnerschaft zurückzieht. Das alles will er uns vermitteln. Aber allein die kleinen zeichnerischen Einsprengsel in „Vor der Baumschattenwand nachts“ zeugen von intuitiver und gleichzeitig naiver Lust am festhalten von kleinen Dingen, vor allem aus und in der Natur. Dies meines Erachtens mit grossem Vermögen und einer fühlbaren Leidenschaft. Er sollte einen Versuch über das Fischen von Komplimenten schreiben. – Felix Bicker

 

Der Verlust der historischen Dimension. Es ist eigenartig, wie schnell historisch zufällige Entscheidungen als naturgegebene Selbstverständlichkeiten gewertet werden. Besonders klar wird dies am der neusten Geschichte Jugoslawiens. Man mag noch so sehr nach Zitaten ungeheurer Aussagen bei Handke suchen, diese zu Papier bringen und den Bürger Handke (und damit auch den Schriftsteller) verurteilen. Man vergisst dabei, dass alle diese Aussagen gemacht wurden, nachdem die Katastrophe eingeläutet worden war. Selbst nach dem zweiten Weltkrieg haben es die europäischen Staaten nicht geschafft, das Minderheitenproblem zu lösen, einige hatten Gewalt zur Folge, einige schwelen noch heute. Die Idee des Nationalstaates als einer Institution, die auf eine irgendwie geartete Einheit der Sprache und Kultur gründet, wurde selbst nach den Gräueln des 2. Weltkrieges als bestes und einziges Staatsmodell angesehen, mit der Schweiz als folkloristischer Ausnahme. Handke als Angehöriger der slowenischen Gemeinschaft in Österreich mag die latente und offene Diskriminierung als Kind und Jugendlicher gespürt haben. Als Jugoslawien zusammenfiel, beschlossen die politischen Machthaber nach kurzem Zögern, Slowenien als neuen souveränen Staat anzuerkennen. In der EU hatte sich der niederländische Minister vehement dafür eingesetzt, Jugoslawien zu einer Föderation zu zwingen. Auch Handke und andere Intellektuelle vor allem aus Jugoslawien, und die kannten sich aus, standen für ein vereinigtes Jugoslawien ein. Mit der Anerkennung Sloweniens als neuen souveränen Staat öffnete sich jedoch die Büchse der Pandora, die Aufforderung war unmissverständlich: Auf zu weiteren echten Nationalstaaten. Damit läuteten die EU und USA die Aufsplitterung dieses während zweier Generationen bunt gemischten Meltingpots an Religionen, Sprachen und Kulturen. Wen wundert’s dass jetzt die populistischen Politiker auf den Plan gerufen wurden, die mit Überzeugung und Gewalt an die Umsetzung des hehren ethnischen Nationalstaates nach europäischem Vorbild gingen, notabene eines diktatorisch regierten Föderalstaates, der die Durchmischung der Bevölkerung mit System betrieben hatte. Mit verheerenden Folgen. Interessant erscheint in diesem Zusammenhang der Umstand, dass erst jetzt – zu Beginn der 90er Jahre – Europa, die Augen reibend, sich an die Arbeit machte und innerhalb von 11 Monaten eine Konvention zum Schutze der nationalen Minderheiten aus dem Boden stampfte, eine Unterlassensünde, die sich gerächt hatte und zu spät kam. Zu denken müsste auch geben, mit welch öliger Gelassenheit sich noch heute ein Staat National-Staat nennen muss und sich nicht als Staat versteht, der verschiedenen buntfarbige Nationalitäten unter seinen Hut bringt. An der Handke-Debatte vermisse ich die historische Dimension, die einer breiten Öffentlichkeit leichtfertig Schuldzuweisungen ermöglicht, ohne an die politische Verantwortung zu denken, die diese Entscheidungen zur Folge hatten – und an denen auch wir einen Anteil der Schuld tragen. – Romedi Arquint

 


 

 

Leserbriefe zu „Wer sie sind …“ von Anna Mayr

 

Es ist wieder mal so weit: die SPD trifft eine Entscheidung und alle hacken darauf herum. Wäre die Kritik nicht ebenso groß gewesen, wenn sie sich für das unterlegene Duo und damit für „Stabilität“ und „Vernunft“ entschieden hätte? Dann wäre der Parteibasis sicherlich nicht nur in einem Leitartikel Mutlosigkeit und Obrigkeitshörigkeit unterstellt worden. Bei allem Verständnis für die psychdynamische Deutung des Wahlergebnisses – eine Möglichkeit wird in der Berichterstattung darüber mir keinem Satz erwähnt: dass es inhaltliche Gründe für die Wahl von Esken/Walter-Borjans gegeben haben könnte. Der damalige NRW-Finanzminister hat etwa durch den konsequenten Ankauf von CDs mit den Daten von Steuerhinterziehungen mehr zum Gemeinwohl und zur Verteilungsgerechtigkeit beigetragen als der aktuelle Bundesfinanzminister mit seinem (von der CDU geborgten) Fetisch für die schwarze Null. Ist es so abwegig, dass diese Wahrnehmung nicht mindestens ebenso zum Wahlverhalten der SPD-Mitglieder*innen beigetragen hat wie die unterstellten und wenig schmeichelhaften Gründe, Trotz und der Hang zur Selbstzerstörung seien dafür ausschlaggebend gewesen? Zuletzt: Der mediale Impuls die SPD klein zu schreiben ist so offenkundig wie erschreckend. Es ist doch alles andere als ausgeschlossen, dass die SPD mit einem ernstzunehmenden Bekenntnis zu Verteilungsgerechtigkeit und gegen die vertikale Spaltung der Gesellschaft auch wieder Wähler*innen überzeugen kann, die vor Jahren enttäuscht nach links abwanderten. – Dr. Jan Querengässer

 

Der Artikel von Anna Mayr „Wer sie sind …“ ist ärgerlich und respektlos! Was haben „dreckige Unterhosen“ mit der Wahl der SPD-Vorsitzenden zu tun. „Geht’s noch?!“ – Margitta Hergert

 


 

 

Leserbrief zu „Angstmüde“ von Josa Mania-Schlegel

 

Diese Angst beschleicht mich schon lange, obwohl nicht direkt betroffen. Das gleiche Dilemma in den 30er Jahren wie heute: Die Justiz trägt eine große Mitschuld durch falsche, milde Urteile, steht dann über aller Kritik daran und will es hinterher nicht gewesen, geschweige denn Verantwortung für Ihre Urteile übernehmen. Alle Betroffenen der Angstmache gehört die „laute“ Unterstützung der Anständigen. – Alfred Bode

 


 

 

Leserbrief zu „Einfach mal loslassen?“ von Verena Friederike Hasel

 

Ich bitte Sie, meinen Dank und großen Respekt für Ihren o.g. Beitrag entgegenzunehmen. Ihre Ausführungen sind mit das Beste, was ich in diesem Jahr in der ZEIT zur Kenntnis nehmen konnte. Nach meiner Ansicht verkommt die Metapher des „Loslassen“ zur sinn- und gefühlsentleerten Phrase und führt zur Vergrößerung der interpersonellen Distanz. Ich erlaube mir, Ihnen und Ihren Angehörigen eine schöne Advents- und Weihnachtszeit zu wünschen. – Wilfried Kunz

 


 

 

Leserbrief zu „Spitzel und Denunzianten“ von Can Dündar

 

Meine Hochachtung und mein Dank an Die Zeit, dass Sie wöchentlich einem Autor wie CAN DÜNDAR eine Stimme geben. – Eine Leserin

 


 

 

Leserbrief zu „Das Auto lernt zu denken“ Gespräch mit Christian Senger geführt von Claas Tatje

 

Zum Glück steht in der neuerlichen Pisa-Studie nichts über die Deutschkenntnisse der Zeit-Journalisten. Die geben gelegentlich schwer zu denken. – Thomas Kokott

 


 

 

Leserbrief zu „Solidarität mit Ochs und Esel“ von Jens Jessen

 

Sehr deutlich wird im Artikel darauf hingewiesen: „Die Weihnachtserzählung besteht darauf, kein mythisches Geschehen abzubilden, … sondern ein tatsächliches, historisch datierbares Geschehen.“ Es „liegt in der Menschwerdung Gottes ein universelles Versöhnungsangebot, das tendenziell alle Schöpfung einschließt. Etwas von der Verheißung des Paradieses ist am Heiligen Abend immer dabei“. Mein Jüngster beschwerte sich als Kind einmal: „Acht Weltwunder! So’n Quatsch! Es gibt doch viel mehr. Und überhaupt – Gebäude sind doch gar keine Wunder!“ Als meine Frau erwiderte: „Was sind denn Wunder?“ sagte er: „Ja, Menschen, Tiere, Blumen! So’n Quatsch, acht Weltwunder!“ Wir haben die Dankbarkeit und das ehrfurchtsvolle Staunen von Kindern verlernt. Als er noch viel kleiner war, fragte er einmal, als wir in der Abenddämmerung am Meer einen Vogelschwarm auf dem Mond zufliegen sahen: „Was machen die Vögel beim Mond?“ Und er kam unserer Antwort zuvor: „Ich weiß“, sagte er. „Die fragen den Mond, ob die Bienen den Honig von den Blumen holen dürfen.“ Wie geheimnisvoll ist die Schöpfung!

Wir sollten uns – wie Kinder – Gott vertrauensvoll zuwenden, anstatt Ihm den Rücken zuzukehren. Wir erkennen Ihn dann an dem, was Er gemacht hat. „… es ist ihnen offenbar“, heißt es im Römerbrief, „was man von Gott erkennen kann; Gott hat es ihnen offenbart. Seit Erschaffung der Welt wird nämlich seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit.“ Unvoreingenommenes, forschendes Blicken in die Schöpfung, in der wir leben, und in die Weihnachtsgeschichte könnte uns auch vor dem Weihnachtsfest zu der Erkenntnis bringen: Gott, der Schöpfer, hat alles getan, um uns persönlich die Versöhnung mit Ihm anzubieten. Joh. 3,16 stellt fest: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Er wartet auf uns und ist nur ein Gebet weit entfernt. – Gerhard Jahnke

 


 

 

Leserbrief zu „»Selenskyj ist recht feindlich gegenüber den Medien eingestellt, so wie Trump«“. Gespräch mit Witali Sytsch geführt von Alice Bota

 

Vielen Dank für die interessante Innenansicht der Ukraine-Politik durch den Journalisten Witali Sytsch. Was er nur kurz angesprochen hat, ist m.E. jedoch von ausschlaggebender Wichtigkeit für ganz Europa: Die Politik von „M&M“, Macron und Merkel, dürfte langfristig nicht im Interesse Europas liegen. Macron richtet sein Augenmerk hauptsächlich auf Frankreichs Wirtschaft. Merkel, geschwächt als scheidende Kanzlerin sowie in der eigenen Partei machtlos, wird wohl nur noch wenig Gewicht zugunsten der Ukrainischen Position in die Waagschale werfen können. Es steht zu befürchten, dass beides dazu führen wird, Putin zu stärken (wie es ja auch Sytsch sieht) und damit faktisch den Machtbereich Russlands mittelfristig wohl auf die gesamte Ukraine ausbreiten wird. Dadurch wird Russland / Putin eine breitere Machtbasis bekommen, die er –befürchte ich- möglicherweise für weitere „Abenteuer“ in anderen ehemaligen sowjetischen Republiken ausspielen könnte. Und das dürfe langfristig nicht wirklich in Deutschland, Frankreichs Interesse liegen –und in dem der gesamten EU! – Michael Koehn

 


 

 

Leserbrief zu „Man hat ihm das Hirn durchbohrt“ von Daniel Gerhardt

 

Den armen Rapper Nimmersatt aus „South Central of Stuttgart“ Bietigheim- Bissingen mit seinem voller Konsummüll und Vergewaltigungsphantasien zugedröhnten Hirn auf eine Stufe zu stellen mit unserem Kreuzberger Helden Rio Reiser, ist mehr als daneben. – W. Deringer

 


 

 

Leserbrief zu „Ansichten eines Lagerkampfes“ von Katja Nicodemus

 

Leider sind Ihnen in der Ausgabe vom 5.12.2019 zwei deftige Fehler unterlaufen: Katja Nicodemus wähnt in ihrem Artikel über den Boycott des Films The Irishman durch die Kinos Harvey Keitel unter den Darstellern, was die Produktionskosten so hoch getrieben habe. Offensichtlich hat sie den Film erstaunlicherweise gar nicht gesehen, denn Mr Keitel spielt dort gar nicht mit, es ist vielmehr Al Pacino, der an der Seite Robert de Niros agiert. Peinlich für so eine ausgewiesene Expertin! Im Artikel „Das kranke Herz“ verlegt Susanne Mayer Tansania kurzerhand an die Westküste Afrikas; eine unfreiwillige Bestätigung der neuen Pisa-Krise? Peinlich auch, dass es offenbar keine Endredaktion gibt, die solche „Klöpse“ bemerkt. P.S. „Changed land use“ gilt schon seit 18 Jahren als klimarelevant (CoP 2001, Marrakesch). Es hat offensichtlich nur keiner in Europa gemerkt. – Dr. Thomas Göhl

 


 

 

Leserbrief zu „Die Rollen seines Lebens“ von Oliver Geyer

 

Als Hersteller einer abendfüllenden Filmroduktion „aus dem Mülleimer“ (Das Wunder des Films“,1954) kenne ich das Problem der Produktions- und Verleihrechte, das im dem ausführlichen Artikel nicht einmal andeutungsweise angesprochen wird. Die juristischen Vorbehalte gegen eine Weiterverwendung von deutschen und ausländischen(!) Spielfilmen ist prinzipiell ausgeschlossen, obendrein noch eine Verführung gegen Entgelt. – Ekkehard Scheven

 


 

 

Leserbrief zu „So viele liebenswerte Menschen“ von Britta Stuff

 

Verrückt= 1. (salopp) krankhaft wirr im Denken und Handeln: sie hatte Angst, verrückt zu werden; er führte sich auf wie verrückt, als wäre er verrückt; wenn ich das mache, wird man mich für verrückt erklären; (oft übertreibend), bei dem Lärm kann man ja verrückt werden (der Lärm ist unerträglich), du machst mich noch verrückt (bringst mich völlig durcheinander) mit deiner Fragerei; ich mache mich doch deswegen nicht verrückt; ich werde verrückt! (das ist aber überraschend, erstaunlich, verwunderlich!); bist du verrückt (geworden)? (weißt du überhaupt, was du da sagst, tust?); wie verrückt (umgangsssprachlich (ugs): außerordentlich viel, gut, stark, schnell; es hat die ganze Nacht wie verrückt geregnet; das Ekzem juckt wie verrückt.

2. (ugs.: auf absonderliche, auffällige Weise ungewöhnlich, ausgefallen, überspannt, närrisch: verrückte Ideen, Einfälle, eine ganz verrückte Mode; ein verrückter Kerl, sie ist ein verrücktes Huhn; das war ein verrückter Tag; (subst.:) er hat wieder etwas ganz Verrücktes angestellt; auf nach etwas verrückt sein (ugs.: auf etwas versessen sein, etwas unbedingt haben wollen; sie ist ganz verrückt auf Süßigkeiten); auf jemanden, nach jemanden verrückt sein (ugs.: sehr verliebt in jemanden sein, mit jemanden geschlechtlich verkehren wollen: er ist ganz verrückt auf dieses, nach diesem Mädchen). 3. (intensivierend bei Adjektiv) (ugs.) über die Maßen, außerordentlich, sehr: das Kleid ist verrückt bunt. Verrücktheit= die Verrückten, das Verrücktsein; verrückter Einfall; Überspanntheit. – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbrief zu „Das Leben ist zu schwer für uns“ von Micha Brumlik

 

In dem durchaus lesenswerten Artikel Das Leben ist zu schwer für uns unterliegt Micha Brumlik der Versuchung, Freud als Übersetzer des philosophischen kategorischen Imperativs in eine psychoanalytische Sprache zu verstehen. Noch 1927 schreibt Freud in Die Zukunft einer Illusion: „Der Primat des Intellekts liegt […] in weiter, aber wahrscheinlich doch nicht in unendlicher Ferne.“ In einem Brief an den Theologien und Psychologen Oskar Pfister von 1930, also einem Jahr nach Erscheinen des Unbehagens in der Kultur,fragt er sich dann: „Ich habe viel Respekt vor dem Geist, aber ob ihn die Natur auch hat? Er ist doch nur Stück von ihr, das Übrige scheint ohne dieses Stück gut auskommen zu können.“ Die Möglichkeit der Selbstvernichtung der Menschheit ist nach Freud dem Kräftespiel der Triebe unterworfen, ist der Menschheit durchaus bewußt und erklärt „ein Stück ihrer gegenwärtigen Unruhe, ihres Unglücks, ihrer Angststimmung. Und nun ist zu erwarten, daß die andere der beiden >>himmlischen Mächte<<, der ewige Eros, eine Anstrengung machen wird, um sich im Kampf mit seinem ebenso unsterblichen Gegner zu behaupten.“ Als die nationalsozialistische Katastrophe am Horizont zunehmend sichtbar wurde, ergänzte er 1931: „Aber wer kann den Erfolg und Ausgang voraussehen?“ Es ist gerade nicht der kategorische Imperativ eines Kant, der den Menschen in seinem, der Logik verpflichteten, allgemeinen Gesetz lenkt, sondern „jene Richtung des Lebens, welche die Liebe zum Mittelpunkt nimmt, alle Befriedigung aus dem Lieben und Geliebtwerden erwartet.“ Dies ist die Botschaft des Unglücks in der Kultur, dem ursprünglichen Titel desUnbehagens in der Kultur, und bis heute zentrale Botschaft der Psychoanalyse: Das Ich ist nicht nicht Herr in eigenem Haus. Freuds Verhältnis zur Philosophie war angespannt. So schreibt er in der Traumdeutungauf einen von Philosophen, die vom Philosophen behauptet: mit ihren Fetzen und Flicken stopft sie die Lücken im Aufbau des Traums.“ „Diese Funktion [die sekundäre Bearbeitung; R.W.] verfährt ähnlich, wie es der Dichter boshaft vom Philosophen behauptet: mit ihren Fetzen und Flicken stopft sie die Lücken im Aufbau des Traums.“ – Dr. Ralph Weber

 


 

 

Leserbrief zu „»Wir dürfen nicht naiv sein«“ Gespräch mit Heiko Maas geführt von Marc Brost und Mark Schieritz

 

Ich stimme Herrn Maas voellig zu: Fuer das G5 Projekt muessen wir eine Firma in einem Land finden, die uns eine unwiderrufliche Garantie gibt, Deutschland nicht auszuspionieren – weil wir einfach machtlos dagegen sind; Und natuerlich; „conditio sine qua non „ : keine Menschenrechts – Verletzungen bitte: so bleiben wir wer wir sind , -naiv vielleicht !? – Dr. Heinz Kestermann

 


 

 

Leserbrief zu „Der Macht auf den Fersen“ von Holger Stark

 

Eigentlich ist dagegen gar nichts einzuwenden. Der Journalismus ist ein wichtiger Bestandteil einer Demokratie, wenn da nicht etwas anderes wäre, nämlich im eigenen Sinne Politik mit zu gestalten und sie zur Gesetzmäßigkeit zu erheben. Das ärgert die Leser und das zu recht. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbrief zu „Politik gehört an die Unis“ von Anja Steinbeck

 

Damit sollte die Autorin aus Düsseldorf sehr vorsichtig umgehen. Ob das gut überlegt ist, stelle ich infrage. Es ist nachgewiesen, daß an den Unis radikal linke Politik verfolgt wird. Das würde nur Sinn machen, wenn die Wissenschaft zur Neutralität verpflichtet wird. Und das ist in der heutigen Zeit kaum möglich. Die Unterdrückten wehren sich endlich, der kleine Junge steht auf und erklärt, daß der Kaiser nackt ist, und eine bislang relativ unbekannte Akademikerin erweist sich als sprachgewandteste und unerschrockene Größe im Kulturkampf. Der momentane politische Zustand unseres Landes spricht nämlich eine andere Sprache. Die Wissenschaftler sind, wie viele andere Institutionen, autonom und machen was sie für richtig halten. Das sollte die Autorin bei ihrer Forderung bedenken. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbrief zu „Zeichen der Zuneigung“. Illustration von Christoph Niemann im ZEIT Magazin

 

Christoph Niemann (*1970) ist ein deutscher Illustrator, Grafiker und (Mit-)Autor verschiedener Bücher: Kreativität:Manchmal ist es das Beste, einfach anzufangen: Man nimmt etwas das man kennt, und lässt es auf etwas los, das man nicht kennt, und schaut, was passiert. Das funkioniert meistens. Es gab vor ein paar Jahren aber eine Phase, in der mir das Arbeiten oft keinen Spaß gemacht hat, in der es ein Kampf war. Es waren bestimmet Ängste, die mich bedrückt haben: die Angst, keine Idee mehr zu haben, nicht gut und kreativ genug zu sein, nicht relevant genug. Man kann aber etwas dagegen tun: dem langsamen Prozess vertrauen, viel mehr üben, und viel nachdenken. Es ist wichtig, sich mit all dem auseinanderzusetzen – der Trick ist nur, das nicht während des Zeichnens zu machen. (Christoph Niemann im Dezember 2018) „Mir gefällt die Idee, im Zeitalter des Internets das zu machen, was früher der zeichnende Schriftsteller gemacht hat: einen Ort erkunden, die Beobachtungen festhalten und dadruch eine Geschichte erzählen.“ (Christoph Niemann) „Mit etwas Glück fühlt sich ein Bild an wie der Augenblick selbst.“ (Christoph Niemann) – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbrief zur Fotokolumne „Wer bist du?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

 

Wir lieben Friedrich doch mittlerweile alle! – Bärbel Ballaschke

 


 

 

Leserbrief zur Infografik „Vorglühen“ von Christina Grob (Infografik und Recherche)

 

Hier muss ich leider wieder meinen Satz anbringen: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Warum? Bei der „Schöne Bescherung“ vergleichen Sie Deutschland mit über 83 Millionen Einwohnern u.a. mit Österreich mit gerade mal 8,859 Millionen. Mache ich die Tannenbäume, die Sie in Ihrer Infografik vorgeglüht haben, mit den Einwohnern vergleichbar, so hat Österreich einen größeren Tannenbaum als Deutschland, d.h. hätte Österreich so viele Einwohner wie Deutschland, wäre der österreichische Tannenbaum um rund 10 Prozent höher. Dasselbe trifft meiner Einschätzung nach auf Frankreich zu. Ich glaube, dass der überwiegende Teil des französischen Tannenbaums den Elsässern zuzurechnen ist und dann rechnen Sie mal deren Bevölkerung (zu der ich seit über einem Jahr nicht mehr gehöre) mit 5,555 Mio (Grand Est 1996), dann kommen Sie sicher mindestens in die Nähe des deutschen und österreichischen Umsatzes pro Kopf. Wenn Sie die Weihnachtsmärkte in und um Colmar (Riquewihr, Kaysersberg etc.) nehmen, da werden Sie als Besucher fast totgetreten und das macht keinen Spaß oder eben nur einmal. Und wenn ich schon bei Zahlen bin: Unter „Zahltag“ geben Sie an, dass jeder Besucher im Durchschnitt (nur) 9,30 Euro ausgibt. Sie sehen, rechnen macht mir Spaß: Dann dividiere ich 2,5 deutsche Milliarden durch Ihre 9,30 Euro an der Bude und bekomme nahezu 269 Millionen deutsche „Besucher“. Irgendetwas stimmt doch nicht auf Ihrer Vorglühseite. Oder hat der oder die Rechercheure etwa zu viel vorgeglüht? – Wolfgang Hausser

 


 

 

Leserbrief zu „Prüfers Töchter“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

 

Auf diesem Weg einen freundlichen Gruß, verbunden mit einem Dankeschön für Ihre wöchentlichen, so erheiternden Einblicke in das Leben mit Ihren vier Töchtern. Wobei spätestens bei einer Berichterstattung über Juli ein gewisses nahezu schizophrenes Gefühl auftritt, welches eigentlich nur Eltern kennen: die sogenannte „Beruhigungsangst“. Einerseits bin ich beruhigt, dass es Ihnen als vierfach versierten Vater auch nicht gelingt, die Gedankengänge und Handlungsstränge Ihrer 6-jährigen nachzuvollziehen, geschweige denn vorauszusehen („schau, bei denen ist es auch nicht anders“). Andererseits macht mir der Gedanke Angst, dass noch nicht einmal Ihre 20-jährige Erfahrung als Vater und der Umstand der vierfachen Wiederholung Sie schlauer gemacht hat, als ich es mit meinem älteren 6-jährigen Sohn oft bin („ob ich zumindest beim Zweiten weiß, woran ich bin?“), den ich oft in Juli wiedererkenne. Trotz (oder wegen?) dieser seltsamen Gefühlsregung lese ich Ihre Kolumne unheimlich gern und freue mich jedes Mal darauf. Bleibt uns der tröstliche Gedanke, an den bereits mein Vater sich festgehalten hat: „Ihr werdet schon noch sehen, wenn Ihr selbst Kinder habt.“ Und er hat ja recht behalten. – Eine Leserin

 


 

 

Leserbrief zu „Heiter bis glücklich“ von Claire Beermann im ZEIT Magazin

 

Gerne lese ich ihr Magazin. Doch wenn mich ein Gegenstand ihrer „Erkundigung der Woche“ interessiert, komme ich so gut wie nie mit den von ihnen angegebenen Informationen weiter. Z.B. in dem o.a. Magazin hätte ich mir nur zu gerne den personalisierteren Kofferaufkleber besorgt. Die von ihnen angegebene Anschrift funktioniert (wie häufig) nicht. Bitte helfen sie mir weiter, um zu diesem Aufkleber zu gelangen. Diese Magazinseite macht doch nur Sinn, wenn man die abgebildeten Produkte auch erwerben kann, sonst degradiert es sich selbst zu einem nutzlosen Bilderbuch. – Evelin CHRISTIAN