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3. Januar – Ausgabe 2

 

Leserbriefe zu „Geld her!“ von Mark Schieritz

 

Sie räumen Herrn Schieritz in der aktuellen Ausgabe volle drei Seiten im Dossier ein, auf denen er allerlei historische Anekdoten zum besten geben darf, die zweifelsohne lesenswert waren. Jedoch schafft er auf dem üppigem Platz leider nicht ansatzweise aus der retrospektiven Betrachtung heraus. Sein Beitrag krankt daran, dass er seine behauptete Erkenntnis nicht ansatzweise auf die Gegenwart überträgt. Dies wäre jedoch die eigentliche Leistung. Wendete man seine These auf die Gegenwart an – was ich bei dem großzügigen Platz erwartet hätte -, stellte man fest, dass zumindest mit Blick auf Deutschland die vom Autor selbst für die 1920er identifizierten Voraussetzungen – d.h. Vollbeschäftigung – vorliegen, sodass mit einer Steigerung der Inflation zu rechnen wäre. Dies ist nicht wünschenswert. Insofern ist der Artikel allenfalls theoretisch wertvoll, praktisch jedoch unbrauchbar. Mithin stellt sich die Frage, warum man ihm in dieser Form so viel Platz einräumt. – Felix Werner

 

Habe soeben Ihren Artikel „Geld her“ mit großem Interesse gelesen. Insbesondere deshalb, weil ich einige historische Details dazugelernt habe. Gegen Ende des Artikels ist die Begeisterung leider etwas abgeflaut, weil mich das Gefühl beschlich, dass in dem Artikel die einseitig verkürzte Meinungdarstellung im Vordergrund steht und weniger die verschiedene Positionen beleuchtende Informationsvermittlung. Letzteres hätte ich in einem Artikel der Rubrik „Dossier“ jedoch erwartet. Wieso wird nur ganz beiläufig bzw. nicht erwähnt, dass mit dem Geld der Bank of England auch Kriege finanziert wurden, dass die privaten(!) Kapitaleigner der Bank of England jahrhundertelang bis zu Ihrer Verstaatlichung 1946 gut verdient haben? Schon damals wurde eine Institution „to big to fail“ erschaffen, an deren Erfolg wenige partizipierten, deren Zinseinnahmen über die Wirkkette Staat – Steuern jedoch durch die Allgemeinheit getragen wurden. Welche Wirkung hat das Geld, das bereits heute in großen Mengen in den Kreislauf gebracht wird? Offensichtlich bewirkt es, analog einem Schneeballsystem Immobilienpreise und Börsenkurse in die Höhe zu treiben und den Beteiligten Gewinne zu bescheren. Wie jedoch kann das Geld in die Bereiche der Wirtschaft gelenkt werden, in denen z. B. CO2 vermeidende Produkte erzeugt werden? Die Frage der Verteilung des gedruckten Geldes gehörte m. E. in einem zweiseitigen Artikel unbedingt näher erörtert. Wenn nicht im hier kommentierten Artikel, dann in einem Folgeartikel. Andernfalls bliebe die einzige Schlussfolgerung: Geld drucken und alles wird gut. Diese Schlussfolgerung kann m. E. leider nur Wiederspruch provozieren. Freue mich auf weitere Artikel. – Jörg Steinbach

 

Der Staat kann viele Probleme lösen, indem er mehr Geld drucken lässt? Dazu 8 Fragen: 1)Warum erhebt der Staat überhaupt Steuern, wenn er beliebig Geld drucken kann? Die Bürger, die Unternehmen hätten mehr Geld für den Konsum, für Investitionen zur Verfügung. Denken Sie zum Beispiel an Griechenland, an Geringverdienende, HartzIV-Empfänger, Kleinrentner etc. 2)Warum löst der Bundesfinanzminister nicht auslaufende Finanz-Titel (des Bundes, der Länder und der Kommunen) mit selbst gedruckten Geld ab, statt immer wieder alte Schulden mit neuen zu bezahlen (per Saldo seit 5Jahren ausgeglichen)? In 10 Jahren wären die öffentlichen Haushalte fast schuldenfrei. Privatleuten und Banken ständen fast 2 Billionen Euro für Investitionen zur Verfügung. Vor ca.5 Jahren schrieben Sie, Herr Schieritz, in einem Artikel (und in einer Mail an mich), dass die Schulden des Bundes tatsächlich getilgt werden müssen. 3)Sollen Klimaschutz-Investitionen nur dort erfolgen, wo (Fach-) Arbeitskräfte jetzt noch arbeitslos sind, etwa in Griechenland? In Deutschland sind nach Einschätzung Vieler keine Bau-Kapazitäten frei. Oder sollen Hunderttausende Bau-Arbeitskräfte nach Deutschland geholt werden?

4)Warum sind die „Keynsianer“ im Bundesfinanzministerium (zum Beispiel Prof. Karl Schiller, Hans Apel, Hans Eichel) nicht der „Anregung“ ihres Lehrmeisters Keynes gefolgt, einfach Geld zudrucken statt Kredite aufzunehmen? 5)Warum haben „meine“ Professoren 1969-73 in Göttingen, warum haben Wirtschaftredakteure in der ZEIT seit 1971 Wirtschaftpolitik a la Keynes anders dargestellt (in der Rezession muss der Staat durch – durch kredit-finanzierte – zusätzliche Investitionen die Konjunktur ankurbeln)? 6)Sollen jetzt neben der Zentralbank (und den Banken) auch die Regierungen der Länder Geld schöpfen (die EZB tat dies ja in den letzten Jahren in erheblichem Umfang ohne dass entsprechend Investitionen in den Klimaschutz erfolgten)? 7)Haben Sie die vielen arbeitsfreien Tage genutzt, die Kollegen im Wirtschaftsressort auszutricksen und Ihre neue Sicht der Dinge im Dossier-Ressort unterzubringen? 8)Haben Sie Gleichgesinnte in der Redaktion und war dies nur ein Testballon der „Hamburg-Boys“? – Adolf Ronnenberg

 

Die Lektüre des Artikels über die Geschichte des Geldes hat mir Vergnügen bereitet dank der Anschaulichkeit in der historischen Analyse. Mit der abschließenden Keynes-Anekdote wird der Politik ans Herz gelegt, Geld zur Ankurbelung der produktiven Wirtschaft in die Hand zu nehmen. Zur Betrachtung der segensreichen Rolle des Geldes gehört allerdings auch ein Aspekt, der in dem Artikel völlig fehlt: Die bedrohliche Rolle der Finanzspekulanten! Seitdem 1971 die strenge Bankenkontrolle (System von Bretton Woods) aufgegeben wurde, können Banken elektronisches Geld schöpfen. Heutzutage dreht die Finanzindustrie mit z. T. aberwitzigen Konstrukten am Casino-Rad des Investmentbankings. Die Menge des dort bewegten Geldes übertrifft den Wert der Produkte und Dienstleistungen weltweit um ein Vieltausendfaches. Angesichts der exorbitanten Gewinnmöglichkeiten haben die Großbanken wenig Interesse, ihr Geld für innovative Start-Ups oder mittelständische Betriebe zu investieren. Außer den eigenen Arbeitsplätzen ist den Zockern die Beschäftigung der Werktätigen wurscht. Nach der Bankenrettung von 2008 können sich die Großbanken wieder in Sicherheit wiegen, denn sie sind ja „too big to fail“. – Viktor Rintelen

 

Einerseits haben Sie und Mr. Greenspan natürlich völlig recht: Die Regierung kann soviel Geld schaffen, wie sie will. Wenn sie es aber täte und sehr viel neues Geld für den Klimaschutz einsetzte – was dann? Zwar würden dann endlich einige Menschheitsprobleme wohl etwas wirkungsvoller angegangen als es beispielsweise die Bundesregierung mit dem lächerlichen Klimapaket bisher ankündigt zu tun. Aber würden Maßnahmen, die langfristig wirken (wie z.B. Investitionen in die Schiene, in Gebäudewärmeschutz, in regenerative Energie, in Energiespeicher, in Elektromobilität allgemein), nicht überkompensiert von dem schon kurz- und mittelfristig fast zwangsläufig folgenden Konsumwachstum auf breiter Front?

Denn all‘ die Unternehmen, welche die oben genannten Investitionen ausführen, bezahlen mit dem neu geschaffenen Geld ja auch ihre Mitarbeiter und schütten Gewinne aus. Dieses zusätzliche Geld im System würde dann wohl leider wieder so ausgegeben, wie gewohnt: Mehr Urlaubsreisen, mehr Flüge, mehr Fleischkonsum, mehr Streaming, noch dickere SUVs und noch mehr sinnlose Elektroroller würden folgen. Meine Schlussfolgerung also: Mehr Geld allein – selbst bei hundertprozentiger Investition in den Klimaschutz – nützt wenig: Die ganze Gesellschaft müsste lernen, das dann zusätzlich im Umlauf befindliche Geld in klugen und klimaneutralen Konsum (gibt es sowas überhaupt?) zu stecken. Sonst droht höherer CO2-Ausstoß und Inflation. Dies den Leuten beizubringen, scheint mir die eigentliche Aufgabe zu sein. Und das dürfte schwieriger sein, als Geld zu drucken. – Karl Ulrich Würz

 

Vielen Dank für diesen klugen Artikel über die kurzgefasste Geschichte des Geldes und vor allem für dessen Funktion. Anschaulich beschrieben werden die Anfänge der Naturalwirtschaft mit dem Tauschhandel, der Übergang dann zum Münzgeld und schließlich zum Papiergeld, anfänglich noch durch Goldreserven der Zentralbanken gedeckt, dann ein Wert an sich. Anschaulich beschrieben die Entstehung der Hyperinflation in der Weimarer Republik und die fatale Entscheidung des damaligen Reichskanzlers Brüning, angesichts der Wirtschaftskrise nicht etwa zusätzliches Geld zu drucken, um über öffentliche Investitionen die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, sondern im Gegenteil Löhne und Gehälter der Staatsbediensteten zu kürzen und staatliche Unterstützungsleistungen zusammenzustreichen. Wohin das dann 1933 geführt hat, wissen wir ja. Sehr verständlich beschrieben auch der Mechanismus der Entstehung von Inflation, nämlich ein Überangebot an Geld gegenüber einem beschränkten Warenangebot. Solange Geld aber über den Transmissionsriemen Arbeit Werte schafft – z.B. Windräder, Straßen, Schulen, Bahnlinien etc. – ist Inflation nicht zu befürchten. So klar und verständlich habe ich diese Zusammenhänge noch nirgends beschrieben gesehen. Und jetzt kommt´s: Wer erklärt das eigentlich mal unserem Bundesfinanzminister? – Bernd Riegsinger

 

Seit vielen Jahren bin ich Leser Ihrer Zeitung, einen Leserbrief habe ich bisher noch nicht geschrieben. Herr Schieritz mit seinem o.g. Beitrag hat es geschafft, dass auch ich mich in die Reihe der Leserbriefschreiber einreihe. Wenn Herr Schieritz ein Plädoyer für eine noch lockerer Geldpolitik halten wollte, dann ist ihm das aus meiner Sicht gründlich misslungen. Er schreibt ja richtigerweise, dass mit Hilfe des Geldes „Güter hergestellt werden“ sollen. Wenn das so ist, gibt es auch keine Probleme. Dann ist das Vertrauen in das Geld als Tauschmittel auch nicht gefährdet.

Aber die aktuelle Situation sieht ganz anders aus. Weltweit haben die Notenbanken für eine Geldflut gesorgt. Die weltweite Verschuldung ist dadurch auf 244 Billionen Dollar (2019) gestiegen, das sind 318 Prozent des Weltsozialproduktes. Wo sind die Waren, die mit diesem Geld hergestellt werden sollen ? Glaubt Herr Schieritz tatsächlich an ein zukünftiges weltweites Wirtschaftswachstum, dass diese Verschuldung in Relation zur Wirtschaftsleistung reduziert ? Außerdem muss man sich auch fragen, wäre ein solches Wirtschaftswachstum, auch angesichts des Klimawandels, überhaupt wünschenswert ?Herr Schieritz sollte sich einmal die Entwicklung der Immobilienpreise und des Goldpreises anschauen. Dort sieht man, wie das Vertrauen in das Papiergeld schwindet. Meint er tatsächlich, dass durch das Drucken von noch mehr Geld, das Vertrauen wieder wächst ?

Am Ende zitiert Herr Schieritz Keynes. Keynes hatte Recht, wenn er sagt, dass der Bau von Häusern nicht am Geld scheitern darf, wenn das Baumaterial, die Architekten und die Bauarbeiter vorhanden sind. Nur haben wir zumindest in Deutschland heute nicht mehr ausreichend Architekten und Bauarbeiter. Dieses Problem werden wir auch mit dem Drucken von Geld nicht beheben. Übrigens beschreibt er ja richtigerweise, dass am Vorabend der Inflation in den 1920 iger Jahren in Deutschland praktisch Vollbeschäftigung herrschte. Die Regierung brachte damals aber immer mehr Geld in den Umlauf, Folge war die Hyperinflation, die die gesamte Mittelschicht in die Armut trieb. Als Wirtschaftsjournalist einer soliden Zeitung sollte man sich etwas mehr Mühe geben. Ich hoffe nur, dass „Die Zeit“ nach diesem Beitrag auch einem Ökonomen mit einer etwas anderen Sichtweise Raum gibt, seine Meinung zu äußern. – Jürgen Lösche

 

Da ich über die Jahresendtage meine Lektüre von „Schulden – die letzten 5000 Jahre“ von David Graeber abgeschlossen habe, bin ich natürlich auf Ihr Dossier sofort angesprungen. Ihre zentrale Aussage ist ja sehr eindringlich und nachvollziehbar – nämlich, dass Geld durchaus dazu dient, den Wirtschaftskreislauf und den Arbeitsprozess anzuregen. Dass es aber auch – bei Knappheit – den Wirtschaftskreislauf ausbremst, dieses Spiel aber nicht mitgespielt werden muss, wenn Bedarf, Material und Arbeitskräfte vorhanden sind. Was mir jedoch vollkommen fehlt, ist der Bezug von Geld zu den Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen und eine Thematisierung von Kreditsystemen.Ihre Darstellung vom steinzeitlichen Tauschhandel entspricht zwar den gängigen Standards der Wirtschaftstheorie, aber in Kenntnis des Werkes von Graeber (den Sie bereits an anderer Stelle zitiert haben), müsste Ihnen aufgefallen sein, dass es zum „Tauschhandel“ zwei konträre Sichtweisen gibt, wobei Sie sich für die verbreitetere, aber meiner Meinung nach naivere entschieden haben. Sie gehen nicht einmal darauf ein, dass es eine andere Betrachtung gibt.

Das betrifft übrigens nicht nur den Tauschhandel, sondern auch das alte und subsidiär immer wieder, vor allem nach großen Krisen auftauchende System der Kreditverschreibungen, sowie den Zusammenhang des Münzsystems mit Macht, Gewalt, Sklaverei und Genozid. So wirkt Ihr Satz von der „Eroberung Südamerikas“ einfach nur euphemistisch. Ich habe nun die Frage, warum Sie zentrale Thesen Graebers – die sich hier aufdrängen – komplett ignorieren. Liegt das darin begründet, dass Sie Graebers Theorien bereits widerlegt wissen? In diesem Fall bitte ich Sie sehr höflich um Literaturhinweise. Ich bin bei oberflächlicher Netzrecherche nur auf positive Reaktionen gestoßen, u.a. von der F.A.Z. und einem damaligen Manager der Deutschen Bank, was schon recht bemerkenswert ist. Ich habe vielmehr aber das Gefühl, dass wichtige Aussagen des Buches totgelobt worden sind, indem niemand wirklich auf seine Widersprüche zu den Grundlagen der Wirtschaftstheorie reagiert. Ist das für den Wirtschaftsjournalismus ein zu heißes Eisen?

Das fände ich tatsächlich schade, vor allem wenn das auch die immer erfrischend substantielle Arbeit der ZEIT betrifft. Ich würde mich freuen, wenn Ihr Dossier nur der Auftakt einer tiefergehenden Beschreibung der Geschichte des Geldes sein könnte, welches über die Einführungssätze der mit einem gesunden Selbsterhaltungstrieb ausgestatteten Wirtschaftswissenschaft hinausgeht und sich hierbei auch mit Graebers Thesen beschäftigt. Das bietet viel Potential, auch über das Rezitieren hinaus zu gehen, da Graeber selbst am Ende doch relativ sanft landet und seinen Löwenstart vom Beginn des Buches nicht noch einmal aufgenommen hat: die Kritik an einem sich selbst erhaltenen theoretischen Konstrukt. Eine Beschäftigung der ZEIT könnte über Graebers finalen Blumenkinder-Appell, dass man Geld (im übertragenen Sinne) nicht essen kann, aber wesentlich weiter hinausgehen. (PS: ich finde es übrigens auch schade, dass ich von Graeber keine weiteren Folge-Meldungen gefunden habe, z.B. auch in Bezug auf die Niedrigzinspolitik in Europa.) – Ludwig Patzelt

 

Dieser Artikel ist wohl das inhaltsleerste journalistische Produkt, das ich in vielen Jahren lesen durfte. Jeder gebildete Mensch weis sehr genau, was geschehen wird, wenn die Geldmenge ins Unendliche erhöht wird. Deshalb sind die Erläuterungen dieses epischen Artikels eine populistische Leerinformation.Dieser und jeder weiter Artikel dieser Qualitätsstufe bringt Die Zeit immer näher an das Niveau der BILD und mein Abonnement ihrem Ende entgegen.Bitte erhöhen Sie ihren qualitativen Anspruch deutlich und stellen sie sicher, dass der Inhalt ihrer Artikel wichtiger wird als die Seitenzahl der Artikel. – Robert Maerkl

 

Drei Seiten Text – ein für einen gelernten Volkswirt interessantes Thema – eine flotte Überschrift – gespannte Erwartung auf neue Erkenntnisse – und dann kommt – nichts! Mein Vorschlag für eine gekürzte Version: „Die im Umlauf befindliche Geldmenge muss in einem angemessenen Verhältnis zur Menge der produzierten Güter und Dienstleistungen stehen (nicht zu viel, nicht zu wenig). Punkt.“ Diese Erkenntnis ist allerdings weder neu noch originell. Insofern muss man den Artikel als das bezeichnen, was er ist: Banal, seicht und überflüssig. Bei Ihrer Zeitung arbeiten großartige Autoren, häufig gibt es ein Kleinod zu entdecken. Hr. Schieritz und seine Artikel fallen nicht in diese Kategorie. – Prof. Dr. Jürgen Bruck

 

Der Artikel lässt leider wesentliche Aspekte des Themas unberücksichtigt: Herr Schieritz übersieht, dass eine Ausweitung der Produktion für mehr Klimaschutz, aber mit den derzeitigen Techniken, zunächst einmal zusätzich CO2 freissetzt. Das können wir uns aufgrund des knappen zur verfügung stehenden CO2-Budgets kaum leisten. Wir brauchen daher eine Umschichtung unserer wirtschaftlichen Aktivität. Der Autor übersieht aber vor allem, dass es nicht allein um den Klimaschutz geht, sondern darum, für das Wirtschaften der Menschheit auf der Erde den Zustand der „Nachhaltigkeit“ zu erreichen. Unsere derzeitige Wirtschaft wird aufgrund der Unverträglichkeit mit der Natur (Abfall, Plastik, Auslaugung der Böden, CO2 und vieles mehr) mittelfristig in den Zusammenbruch führen. Wir brauchen eine umweltverträgliche Produktion und wahrscheinlich auch ein geringeres Wirtschaftsvolumen. Eine Ausweitung der Produktion, wie von Schieritz empfohlen, versucht das Problem mit den Mitteln zu lösen, durch die es geschaffen worden ist. Fazit: Unausgegorene Vorschläge eines Wirtschaftswissenschaftlers, der auf Wachstum setzt und nicht über den Tellerrand hinausschauen kann. Eine Umsetzung seiner Idee würde die Situation nicht verbessern, sondern nur verschlechtern. Die ZEIT wirkt in dieser komplexen Thematik leider kontraproduktiv, wenn sie kurzsichtige Betrachtungen ohne Einordnung in den größeren Zusammenhang veröffentlicht. Ich bitte dies nachzuholen. – M. Welter

 

In Ihrem Dossier „Geld her!“ von letzter Woche haben Sie auf zwei wundervoll gestalteten Seiten die Entstehung des Geldes beschrieben. Der spannende Artikel greift gegen Ende aber dann doch so kurz, dass ich als Leser verunsichert bin. Der Einblick ins Wunder der Geldschöpfung lässt mich gar etwas aus der Fassung zurück. Wurde ich als Leser von „Geld her!“ (und braver, privater Kreditnehmer) nun Zeuge eines wunderbaren Schöpfungsaktes oder eines verblüffenden Raubes? Es leuchtet ja ein, dass ein Kaiser oder Khan Geldscheine für Waren ausgibt (z.B. als Kredit), damit mit diesem Geld jene Waren erst geschaffen werden können. Dem mehr an Geld steht dann auch ein mehr an Waren gegenüber. Sofern die Waren nicht dafür gemacht sind kriegerischer Zerstörung geopfert zu werden, besteht wenig Inflationsgefahr. Geldschöpfung ist volkswirtschaftlich sinnvoll und notwendig. Das beschreibt Ihr Artikel mit historischer Referenz wunderbar nachvollziehbar. Nur eines bleibt geheimnisvoll am Schöpfungsakt, wenn er nämlich von Privatbanken betrieben wird: Eine private Bank gibt Geld in Form eines Kredits aus. Geld das die Bank gar nicht hat.

Sie schöpft es aus dem Nichts. Das ist volkswirtschaftlich erst einmal kein Problem. Der Kredit finanziert Dinge (ob Kleinwagen oder Schuhfabrik), die produziert werden müssen. Geld und Ware halten sich wieder die Waage. Hier scheint es egal ob Kaiser oder Kapitalist Geld schöpfen. Was mich aber verwirrt und verunsichert zurück lässt: Warum hat eine Privatbank dieses Privileg der Geldschöpfung – ein Privileg, dass früher allein dem Kahn also dem Staat zukam? Die Bank leiht mir Geld, das sie nicht hat und ich zahle es dann mit Zinsen zurück? Würde ich es dem Khan zurückzahlen, er könnte Schulen davon bauen, den von klimapolitischen Zielen getrieben Strukturwandel gestalten oder einfach existenzsichernde Renten zahlen. Aber die Privatbank? Ist Geldschöpfung nicht eigentlich politisch? Sollte Sie nicht allein durch eine demokratisch legitimierte Instanz betrieben werden dürfen und den durch Geldschöpfung geschaffenen Mehrwert dem Gemeinwesen zurückführen? Von einer Privatbank betrieben wirkt das Wunder der Geldschöpfung wie ein Hütchenspiel, ein Kettenbrief der Privatvermögen vergrößert. „Geld her!“ leitete in diesem Fall nicht allein die Beschreibung eines Schöpfungsaktes ein. Vielleicht gelingt es Ihnen ja in einem weiteren Artikel, diese Verunsicherung aufzulösen. – Barnabas Schneider

 

Ich teile Ihre Einschätzungen zum Papiergeld nicht. Ich glaube, dass vielmehr die Entkopplung von Wert und Ware zu dem geführt hat, was wir heute produzieren: Waren, die für uns keinen echten Wert haben. Konsum, der nicht befriedigt. Wegwerfprodukte. Was nützte das Geld drucken für den Klimawandel, wenn der vorhandene Reichtum weiterhin klimaschädigend ausgegeben wird? Es fällt mir schwer anzuerkennen, dass das Ausbeuten zutiefst menschlich war und ist. Dieser unfassbare Reichtum von Wenigen erschüttert mich. Wie heißt es so schön auf Platt: De Natuur helpt sük sülvst. Schade nur, dass wir nicht begriffen haben, dass wir Teil der Natur sind und den Bogen nicht hätten überspannen sollen. Dass nicht alles käuflich ist. – Heidi Eggers

 

Was passiert, falls sich ein staatlicher Geld-Tsunami in den Klimaschutz ergießt, mit dem Immobilienbereich, in dem sich jetzt schon Geld aus aller Welt staut, zu regionaler Inflation führt und nicht wenigen das Obdach über dem Kopf wegzieht? Würde Wohnen unbezahlbar, würde die begrenzte Inflation explodieren oder etwa gebremst oder würde sie gar sämtliche Wirtschaftsbereiche erfassen? Und würden dann nicht auch die sich rapide entwertenden deutschen Sparkonten in den Geldozean gekippt? Keynes Konjunkturmaschine aus bedrucktem Papier mag in Zeiten greifbarer materieller Unterversorgung und noch nicht erschöpfter Naturreserven funktionieren, aber was richtet sie bei Überversorgung und versiegenden Rohstoffquellen an? Eine wirksame Nachfrage nach Klimaschutz müsste erst von der Politik nicht nur in Deutschland geschaffen werden – und die passende Rendite gleich dazu. – Andreas Goletz-de Ruffray

 

Klimakrise: Wir können uns die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung nicht leisten? Wir haben in den Industrieländern weltweit etwa 120 Mio Arbeitssuchende. Sie leisten keinen Beitrag zur Ökonomie und können weniger konsumieren, als sie möchten. Viele aktuelle Wirtschaftsbranchen leiden unter Marktsättigung. Wer braucht schon einen Drittfernseher? Wer kann Tag- und Nacht Entertainment konsumieren? Die öffentliche Infrastruktur muß umgebaut werden: Energie aus erneuerbaren Quellen oder sauberer Atomkraft, Leitungsnetze, Steuerungseinrichtungen; öffentlicher Nah- und Fernverkehr. Erheblicher Verzicht auf bestimmte Techniken: Betonbauwerke, industrialisierte Landwirtschaft, Lebensmittel- und Fleischindustrie. Kontrolle internationaler Vereinbarungen betreffen Schifffahrt (Schweröl), Flugverkehr (Kerosin, Flughöhe). Der individuelle Fahrzeugverkehr erfordert neue Modelle, kein 2 t<schweren SUVs auf Basis von Benzinfahrzeugen. Die Staaten können – wie schon bewiesen – durch Defizit-Spending unter der Bedingung des Vorhandenseins von Arbeitswilligen Nachfrage im öffentlichen Sektor (Infrastruktur) direkt und durch Regulierung (Abgas-, Verbrauchsvorschriften) im privaten Sektor auslösen. Vielen Dank, Herr Schieritz, für Ihre großartiges Dossier. – Dr.iur. Mag.oec. Albert Wittwer

 

Im Blick zurück auf die 20er und 30er Jahre : Was folgte auf die Hyperinflation von 1923 —> die „goldenen zwanziger Jahre“.Was folgte auf die Weltwirtschaftskrise ab 1929 —> das „Dritte Reich“.Die Inflation ruinierte zwar die Besitzer von Geldvermögen, richtete aber sonst keine bleibenden Schaden an.Da aber grosse Teile des (Klein-)Bürgertums zu diesen Ruinierten gehörten, setzten sich bei ihnen entsprechende Vorstellungen ind Ressentiments fest, die dann auch die verhängnisvolle Austeritäts-Politik von Brüning und der nachfolgenden Reichsregierungen bis 1933 bestimmte. – Jürgen Elsner

 

danke für den informativen und gut verständlichen Artikel! Als jemand, der kein Wirtschaftsfachmann ist, frage ich mich freilich, ob man aus der Tatsache, dass es in einigen Ländern Europas viele Arbeitslose gibt, schließen darf, dass die Geldmenge – speziell: die Menge der Euros – erhöht werden sollte, um Investitionen zu ermöglichen. In Deutschland nämlich herrscht fast Vollbeschäftigung und es werden dringend Fachkräfte gesucht. Hier gibt es also kaum Arbeitslose, die mit Krediten in Arbeit gebracht werden könnten und sollten, und eigentlich notwendige Investitionen lassen sich derzeit wegen des Arbeitskräftemangels schon nicht mehr verwirklichen. Es mangelt in Deutschland meines Erachtens derzeit nicht an Geld, weshalb die Zinsen gleich null sind. Allenfalls ist das Geld falsch verteilt und treibt deshalb die Aktien- und Immobilienpreise in die Höhe. – Ulrich Willmes

 

Ja, warum eigentlich nicht? … oder ich schieße! Begibt sich MARK SCHIERITZ unter die Straßenräuber? Nein, er begibt sich nur unter die Havensteins, Keynes, Greenspans etc.: »Niemand kann die Regierung davon abhalten, so viel Geld zu drucken, wie sie will.« Warum um Himmels willen hat sie’s nicht getan? Mark Schieritz sagt es uns nicht wirklich. Er sagt etwas geheimnisvoll: » Das Problem ist also das Drucken von Geld zum falschen Zeitpunkt.« Aha! Jetzt wissen wir’s! Man kann also mit dem Zeitpunkt Glück haben – oder eben halt auch Pech. 2 ½ZEIT-Seiten heiße Luft! – Herbert Eberle

 

Da ist er wieder, der alte neoliberale Schuldenmacher! Sehr ggehrter Herr Schieritz! Obwohl Sie von Kublai Khan bis Allen Greenspan die Geschichte der Schuldenmacher (der „Nur Gelddrucker“ ) , deren leichtsinnige Schuldenpolitik am Ende jedesmal zu einer großen Wirtschafts- oder Staatskrise geführt hat und die nur durch noch größere Verschuldung der Staaten kurzfristig die Katastrophe um ein paar Jahre verschiebt, ermutigen Sie in o.a. Artikel die Regierungen dieser Welt zum erneuten und, uferlosen Schuldenmachen. Geld ist wirklich genug in dieser Welt.und Arbeitslose viel zu viele.. . In Europa hat Herr Draghi u.a. die mediterranen Länder ind den letzten Jahren mit Abermilliarden Euro geflutet. Die von Ihnen dazu als zum Aufschwung nötig zitierten Arbeitslosen gibt es dort auch zu Millionen. Alle von Ihnen als zum Aufschwung der Wirtschaft als nötig beschriebenen Voraussetzungen sind also dort längst seit Jahren vorhanden. Trotzdem in Iatlien von Aufschwung keine Spur. Von Griechenland gar nicht erst zu redent Die Wirschaftskrise dort bleibt und muß wohl andere Ursachen haben. Was triebt Sie also an? – Hans Sieghard Runkel

 


 

 

Leserbriefe zu „Wie bitte, WDR?“ von Armin Laschet

 

Erinnern wir uns kurz an den Originaltext des so geschmähten Schmähliedes, wo es heißt „unsre Oma fährt im Hühnerstall Motorrad, ohne Bremse, ohne Hupe ohne Licht…“ zur gleichen Melodie gab es in meiner Jugend (Jg. 1959) folgendes Trinklied: „…wir versaufen unsrer Oma ihr klein Häuschen und die erste und die zweite Hypothek..“ Als Rheinländer werden sie das kennen. Die Oma als Witzfigur, heute undenkbar. Stellen Sie sich vor, irgendeine ältere Dame hätte sich damals lauthals beschwert und die von Ihnen zitierte Debatte „Jung gegen alt“ aufgemacht. Das wäre damals so lächerlich gewesen wie heute. Omas fuhren früher nicht ungebremst im Hühnerstall herum, genau so wenig wie sie heute jeden Tag Koteletts vom Discounter essen. Mag sein, dass in dieser Gesellschaft die Debattenkultur verschwindet, viel schlimmer ist, dass der Humor abhanden kommt. Zu einer freiheitlichen Demokratie gehört es eben auch, über Dinge lachen zu dürfen, die andere vielleicht nicht so lustig finden. Lachverbote sind auch Denkverbote, daran sollten wir uns immer erinnern. – Ulla Meyer

 

Als ich 20 war, gab es ein Lied in “ Student für Europa“, das ich sehr mochte und noch heute meinen Enkel vorsinge und Freudenjuchzer damit auslöse bei skeptischen, pollitical correctness fordernden Blicken der Eltern. Es geht so: Komm wir fressen meine Oma, ich die Brust und du das Bein, oh, welch herrliches Aroma, meine Oma, die schmeckt fein. Heute noch würde ich gerne meine Nase in den Busen meiner Oma stecken und die Arme um ihre Beine schlingen in der Illusion des Geschmacks ihrer Gebeine und sie wäre sicherlich entzückt davon. Als mein Enkelkind seine Leukämie überstanden hatte und sich schwer in der normalen Welt wieder zurechtfand, biss und schlug er, schrie und tobte. Eine sehr dumme schweizer Lehrerin schaffte die Eskalation soweit zu treiben, dass er die Schule verlassen musste und auf eine Privatschule kam, die damit umgehen konnte. Ich bot ihm eines schönen Tages zum Ausgleich an, mich in den Arm beissen zu dürfen bis ich schreien müsste, es flackerte ein Entzücken in seinen Augen auf und er nahm das Angebot sofort leidenschaflich an. Für mich war das auch sehr schön. Was ist mit unserer Sprache geschehen? Schimmert sie nicht mehr? – Dr. Irmgard Heise

 

Armin Laschet betreibt mit seinem Artikel in der ZEIT (und seinen Tweets zu dem Lied des WDR-Kinderchors) als Ministerpräsident Presseschelte. Wer als Politiker Rundfunk und Presse wegen eines einzelnen Beitrages so kritisiert, muss schon sehr gute Gründe haben, wenn nicht der Eindruck entstehen soll, dass er Presse- und Rundfunkfreiheit geringschätzt. Diese guten Gründe gibt es hier nicht. Es ist lächerlich, dem WDR vorzuwerfen, mit dem Lied würde „politischer Diskurs als Konfrontation eskaliert“ und die Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben. Geht es ein vielleicht bißchen kleiner? Laschet ist es, der hier eskaliert, wenn er wegen einer provokativen Wortwahl, über die man sicher streiten kann, gleich den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedroht sieht. Seine Botschaft an die Klimaschützer lautet offenbar: Debatten darf es geben, aber wenn jemand wegen seines Umweltverbrauchs angefragt wird und sich provoziert fühlt, ist Schluss. Klimaschutz, der keinem wehtut, wird es aber nicht geben. Auch wenn immer noch CDU-Politiker davon träumen. – Matthias Guericke

 

Zur Reaktion des Politikers Armin Laschet auf das „Kinderlied über Oma, die Umweltsau“ ein kurze Anmerkung. Ich weiß nicht, Herr Laschet. So blauäugig können Politiker doch eigentlich nicht sein. Wer die Entwicklung der Fridays for Future Bewegung verfolgt, muß doch erkennen, dass dieser Protest, auch wenn eine laute Minderheit das anders sieht, langsam dem Land schadet. Es war doch nur eine Frage der Zeit, das so eine unendschuldbare Unverschämtheit, auf dem Nährboden der medialen Hofierung entstehen konnte. Sie sprechen von einer neuen Fairness, die die Politik in Wort und Tat umsetzen muß. Fridays for Future Aktivisten, vor allem deren Sprecher, sind dieser „Über den Wolken- Stimmung“ weit entschwunden. Ziviler Ungehorsam, Infragestellung unserer Wirtschaftsordnung, Katastrophen Szenarien herbeireden, Journalisten der Unfähigkeit zum Thema Klimawandel bezichtigen (ZEIT Interview mit L. Neubauer), das ist angesagt. Sie sollten ihrem gesunden Menschenverstand den Vorrang geben. Politisch gesehen ist die Mehrheit bei „den Alten“. Der öffentlich rechtliche Rundfunk soll, wie sie sagen, stark sein. „Distanz halten, sich nicht einer Sache gemein machen“ Zitat J. Friedrich. Glauben Sie mir. Beim WDR entspricht nicht die Mehrheit diesem Ideal, wenn auch vielleicht unbewußt. – Walter Schroiff

 

Die Oma die als eine alte Umweltsau oder Nazisau bezeichnet wird. Ich bin 83 Jahre alt und einfach fassungslos wie sich ein Mensch dazu hergeben kann mit kleinen Kindern einen solchen Text einzustudieren. Der Chorleiter, Zeljo Davutovic der hoffentlich schon entlassen wurde sollte sich schämen Kinder zu instrumentalisieren, sie politisch zu missbrauchen. Es gibt keine Rechtfertigung dazu, da hört der Spaß auf. Die Entschuldigung von Buhrow kann nicht angenommen, wenn keine Konsequenzen gezogen werden. Die Omas und Uromas waren es die Deutschland wieder aufgebaut haben sie lebten in Elend, hatten kaum etwas zu essen, haben gefroren weil es keine Heizmaterialien gab. Das alles habe ich noch erlebt. Dann 1947/1948 ein heftiger Winter wo mir 3 Finger erfroren sind. In allen Wohnungen waren weit unter 0 Grad. Äußerste Sparsamkeit und Verzicht wurden gelebt. Tugenden die einst Deutschland und in der Welt so viel Anerkennung und Ehrfurcht einbrachten werden von solchen „Chorleitern“ mit Füßen getreten, anstatt sie den Kindern zu vermitteln. Vielleicht wissen diese Menschen gar nicht was zu Tugenden gehört. Kinder sollen nicht zum HASSsondern zur Beachtung dieser Tugenden erzogen werden :

Achtsamkeit – Achtung – Anstand – Anteilnahme – Aufrichtigkeit -Ausdauer – Beständigkeit Beharrlichkeit – Bescheidenheit -Behutsamkeit – Dankbarkeit – Demut – Diskretion – DisziplinEhrfurcht – Ehrlichkeit – Ernsthaftigkeit – Freiheitssinn – Fleiß – Freundlichkeit – FriedfertigkeitGefasstheit – Gehorsam – Genügsamkeit – Gastfreundschaft – Geduld – Gerechtigkeit – Großzügigkeit Herzlichkeit -Hingabe -Höflichkeit -Humor – Klugheit – Mäßigung – Mildtätigkeit -Mitgefühl- Mut Nachsichtigkeit – Nächstenliebe –Offenherzigkeit – Pünktlichkeit – Redlichkeit -Respekt Rücksichtnahme – Schicklichkeit- Selbstachtung -Selbstbewusstsein – Sparsamkeit Selbstbeherrschung-Selbstlosigkeit – Selbständigkeit– Sportlichkeit –Standhaftigkeit -TapferkeitToleranz –Treue -Umsicht –Unbestechlichkeit -Uneigennützigkeit – Unerschütterlichkeit Unvoreingenommenheit–Vergebung -Wahrhaftigkeit –Weisheit – Weltoffenheit- WohlwollenZielstrebigkeit –Zurückhaltung.Diese Tugenden sind unabhängig von Religionen oder Politik .Wer meint diese Tugenden auszuklammern oder sie auf den Scheiterhaufen der Vergangenheit zu verbannen hat nicht das Recht mit Heranwachsenden umzugehen. Statt Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren wird den Kindern Hassund Hetzeden schneeweißen Haaren entgegengebracht. „Oma, so lieb, Oma, so nett ach, wenn ich dich, meine Oma, nicht hätt‘ – wär’s auf der Welt so traurig und leer – denn eine Oma wie dich gibt’s nie mehr“!

Dieses Lied wurde millionenfach vor Jahrzehnten schon verkauft und liegt heute noch bei Omas auf dem Gabentisch zur Weihnachtszeit als Dankeschön für Aufopferung. Die Oma war und ist ein Synonym für Liebe, Zuwendung, Zusammenhalt der Familie, der Anker und Berater in Notsituationen, und manchmal auch der Taschengeld – Aufbesserer. Sogenannte „Klimaschützer“ haben nicht das Recht ihren Klimawahn mit Hetzlieder zum Klima zu befriedigen. Es ist schon bezeichnend welche Auswüchse es zum Klimawandel gibt. – Da wird ganz unverhohlen von „Klimaaktivisten“ auch schon Gewalt angedroht sollten ihre „Klimaforderungen“ nicht erfüllt werden. Was immer das auch heißen mag, es verspricht nichts Gutes. Deutschland wo bist du gelandet, wenn in den Schulen Umweltsau-, Nazisau-, Judensau-, Schwulensau zum Sprachgebrauch der Schüler gehört. – Wolfgang Hoebel

 

Nach den ganzen Diskussionen und Protesten habe ich mir den Originaltext mal genauer angeschaut und bin empört. Jahrzehntelang wurden unseren Kindern instrumentalisiert für die Interessen diverser dubioser Interessensgruppen einzustehen: Aufruf zur Unterstützung der Waffenlobby (Strumpfband nen Revolver) Aufruf zum Widerstand gegen das kapitalistische Finanzsystem (im Panzer zum Finanzamt), Aufruf zur Tierquälerei (rauchender Goldfisch, Papagei mit Bluejeans) Aufruf zur Unterstützung des linksgerichteten öffentlichen Rundfunks (im Backenzahn ein Radio, Tageschau mit Fernrohr). Wie bitte konnten Sie das zulassen, Herr Laschet? Meine Kinder sind traumatisiert. – Carsten Wirth

 

„Pimmel mit Ohren“– Augstein auf Spiegel-Online, „Ziegenficker“– Böhmermann im ZDF und nun auch noch der WDR mit seiner Umweltsau-Oma: überall Qualitäts- und Haltungs- journalismus at its best! Dem bekannten Sprichwort zufolge darf Satire ja angeblich alles. Gilt das aber auch, wenn sie nur dafür herhalten muß, menschenverachtende oder widerwärtige Obszönitäten zu kaschieren? – Ernst-Peter Hoffmann

 

Offener Brief an die Mitarbeiter der WDR-Redaktion: Verehrte Mitarbeiter der WDR-Redaktion, nachdem ich im Netz lesen musste, dass der WDR- Mitarbeiter Danny Hollek bei Twitter noch nachgelegt hat (Oma ist ne Nazisau), habe ich mich doch gefragt, was das für Leute sind, die beim oder für den WDR arbeiten. Mein Eindruck ist der, dass beim WDR zumindest in der Abteilung, die für das unsägliche Machwerk verantwortlich ist, Leute arbeiten, die nicht bereit sind, im Sinne des Auftrags des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu arbeiten. Richter Kirchhoff, Bundesverfassungsgericht, fasst den Auftrag der „Öffentlich-Rechtlichen“, die ja mit den „Zwangsrundfunkgebühren“, also mit dem Geld der Bürger arbeiten, etwa so zusammen: „…ohne Druck zu Marktgewinnen die Wirklichkeit unverzerrt darzustellen.“ An anderer Stelle rechtfertigen die Verfassungsrichter den Rundfunkbeitrag der Bürger damit, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk „durch authentische, sorgfältig recherchierte Informationen Orientierungshilfe biete.“ Es scheint aber, dass es beim WDR zumindest im Bereich der Abteilung, die das o.a. Video produziert hat, keinen Verantwortlichen gibt, der ein Gespür dafür hat, was in Ordnung ist und was nicht geht bzw. nicht gesendet werden darf. Ansonsten wäre das Video nicht gesendet worden.

Aus den o.a. Aussagen der Verfassungsrichter entnehme ich, dass der Kernauftrag des WDR als öffentlich-rechtlicher Sender die möglichst genaue, wahrheitsgetreue und für alle verständliche Berichterstattung ist. Satire fällt unter Meinungsbeeinflussung und ist daher bei den „Öffentlich- Rechtlichen“ nur schwer zu rechtfertigen. Kinder für Satire einzuspannen ist ein absolutes „No-go“. Die verantwortlichen Beteiligten, vorweg Herr Zeljo Davutovic, müssen sich auf jeden Fall zum Vorwurf machen lassen, dass sie die Kinder instrumentalisiert und damit missbraucht haben. Hier hatten die beteiligten Erwachsenen eine pädagogische Verantwortung für die ihnen anvertrauten Kinder, der sie sich offenbar in keiner Weise bewusst waren. Da oft nicht einmal Erwachsene Satire verstehen und oft auch nicht zwischen Satire und Beleidigung unterscheiden können, darf man Kinder auf keinen Fall für so etwas benutzen. Hier hilft auch nicht die Freiheit der Teilnahme, denn Kinder lassen sich häufig leicht beeinflussen, wenn ein Erwachsener freundlich, musizierend oder witzig daherkommt. (Man vergleiche die Sage vom Rattenfänger von Hameln, die diesbezüglich auch ein wenig Wahrheit enthält.) Wenn es der Wahrheit entspricht, dass die Eltern der Chorkinder zur Teilnahme befragt wurden, kann ich nicht verstehen, wieso diese einer Teilnahme zugestimmt haben. Ich kann mir das nur so erklären, dass die Eltern nicht genau genug aufgeklärt wurden. Im Fall des leidigen Videos kommt hinzu, dass man hier dem gebührenzahlenden Bürger die haltlose und pauschale Beleidigung einer ganzen Generation als Satire verkaufen will.

Mittlerweile bin ich fassungslos, dass jetzt die Empörungswelle von Ihnen, meine Herren, als inszeniert dargestellt wird. Da verfälschen Sie bewusst oder Sie haben schon wieder schlecht recherchiert. Dass Rechtsextreme solche Ereignisse gern als Trittbrettfahrer nutzen, sollte Ihnen eigentlich auch bekannt sein. Also unterlassen Sie bitte, die zu Recht aufgebrachten Bürger mit Rechtsextremen in Zusammenhang zu bringen. Nach allem, was ich aus persönlichen Gesprächen bis heute ableiten konnte, kann ich nur sagen, die Empörung ist heftig und auf jeden Fall echt. Einige Bekannte wollten auch aus Protest die Zahlung der Rundfunkgebühren einstellen. Fakt ist, dass einige Mitarbeiter des WDR Scheisse gebaut haben. Da ist die einzig richtige Reaktion von Herrn Buhrow, sich davon zu distanzieren. Ich sehe das so, dass die Mitarbeiter der verantwortlichen Abteilung Herrn Buhrow hintergangen haben. Herrn Buhrow kann man m.E. nur zum Vorwurf machen, dass er bei der Auswahl seiner Mitarbeiter nicht genau genug hingeschaut hat. – Dietmar Saul

 

Schaut man sich in diesen Zeiten des öffentlichen Meinungs-Zorns auch nur ein klein wenig genauer um, die Macher des Satireliedes hätten die nun eingetretenen, für sie offenbar überraschend heftigen Reaktionen per geistigem Echolot durchaus erahnen können. Allein die Grundannahme, dass das Lied – zumindest überwiegend – als Satire wahrgenommen werden kann und will, ist naiv. Denn Satire setzt bilateral souveräne Umgänglichkeit und intellektuelle Redlichkeit voraus, die, unabhängig vom Thema, ohnehin selten gegeben ist. Darüber hinaus wird hier mit den zeitgenössischen Reizthemen schlechthin, Klimawandel und Generationengerechtigkeit, gehandelt; Themen, die selbst ohne eine „satirische Aufarbeitung“ eine überaus explosive Stimmung vermitteln. Kurzum, das Lied ist entgegen seiner erdachten Destination überaus dissonant für unsere (gesellschaftliche) Umwelt. Sehr schade drum. Eines freilich muss bei jedwedem Diskurs klar sein: Gewalt- und Morddrohungen anstatt argumentativer Kritik sind absolut unakzeptabel und gehören juristisch belangt. – Matthias Bartsch

 

Wie bitte, Herr Laschet?In der aktuellen Ausgabe der ZEIT nimmt Armin Laschet, der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, Stellung zu einem Beitrag des Kinderchors des WDR. Er will in dem Lied Meine Oma ist `ne alte Umweltsau keine Satire, sondern einen Generationenkonflikt entdecken. Es singt ja immerhin ein Kinderchor. Und die singen über eine Oma! Wenn da mal nicht was vorgeht. Dass ein Chor das singt, was der Leiter vorgibt, scheint nicht zum Allgemeinwissen zu gehören. Wie lautete der Beitrag vom Ministerpräsidenten, wenn der Bergmannschor das Kinderlied gesungen hätte? Und nebenbei: Wann hat sich Herr Laschet das letzte Mal über einen Männerchor aufgeregt, der fröhlich Mozarts Leck mich im Arsch singt oder über eine Seniorenfeier, bei der das rassistische C-a-f-f-e-eangestimmt wird? Das Kindelied wird also nicht als Aufdeckung diskutabler Handlungen erkannt, sondern pauschal als Kritik an der älteren Generation, für die sich Laschet in die Bresche wirft. Dabei vollführt der Ministerpräsident ein Kunststück: er kritisiert das Problem, dass er mit seiner engstirnigen Sicht auf Satire selbst anfacht. Diese fehlgehende Verve ist eigentlich nur zu erklären, wenn man konstatiert, dass Laschet sich selbst gemeint fühlt. Grund genug hätte er. Von Absprachen mit RWE vor der Räumung des Hambacher Forsts bis zum faktischen Stopp des Baus von Windkraftanlagen ist seine Landesregierung nicht gerade ein Ruhmesblatt des Umweltschutzes. Statt sich aber der Kritik zu stellen, schlägt Laschet lieber auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein.

Ihm mache das Schüren von Konflikten, etwa zwischen Alt und Jung, Stadt und Land, … Sorgen. Den Gegensatz Politik und Medien, an dem er sich mit seiner Einlassung beteiligt, verschweigt er. Denn der eigentliche Skandal ist weniger der Beitrag des Kinderchores an sich, sondern der Umgang damit. Ein Ministerpräsident kritisiert öffentlich einen unbedeutenden Beitrag des WDR. Schon diese Einmischung darf als mindestens politisch unsensibel klassifiziert werden. Der öffentlich-rechtliche Sender nimmt nach der auch von Laschet befeuerten Kritik den Beitrag aus dem Internet. Statt die berechtigten wie haltlosen Anwürfe auszuhalten, also auch einmal Unangenehmes durchzustehen, entschuldigt sich der Intendant zur Krönung der Posse auch noch für Satire. Der Beobachter bleibt kopfschüttelnd zurück. So rückgratlos kann man eigentlich nur noch Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden. – Simon Freiberger

 

Das Lied des WDR-Kinderchors von der „Oma als Umweltsau“ ist nur allzu verständlich. Und da kommt unser Bundespräsident und faselt bei der Weihnachtsansprache was von der Spaltung der Gesellschaft.Weiß er nicht – die Gutmenschen beim WDR wissen das ganz genau – dass es einer Jugend bei uns noch nie so sau-schlecht ging wie heute? Denn die „Friday for Futur“-Kids konnten nämlich nie im Leben die schönen Christbäume am Himmel und die niedlichen Brandbomben bewundern, die lustig schaukelnd auf Wohnblocks herabsanken. Es war ihnen auch nicht vergönnt in fantastisch-aufregenden Trümmern und Ruinen zu spielen. Sie durften nie einmal so richtig schön hungern und frieren. Stattdessen wurden sie erbarmungslos gepämpert, mit Spielzeug, Stofftieren, Gummibärchen und Curry übersättigt. Und Jahre später sahen sie sich gezwungen mit kniedurchlöcherten Edeljeans und armseligen Markenklamotten herumzulaufen. Man drückte ihnen Kopfhörer auf die Ohren, um sie an anglo-amerikanische Dauerbeschallung zu gewöhnen. Man setzte sie dem Dauerstress von Handy, Smartphone, Facebook und Konsorten aus. Die Gamescom-Leute zwingen sie bis heute zu mordsgefährlichen Ballerspielen, andere setzen sie dem Zwangskonsum blutrünstiger Horror- und Gewaltorgien aus.

Sie geraten gehörig unter Druck, sich endlich bunte Tattoos in die Haut stechen und Ringe durch Nase und Lippen ziehen zu lassen. Unser Rundumsozialsystem bettet sie hart auf Daunenkissen und Psychologen drohen ihnen sogar Wellness-Kuren an. Man dirigiert sie mit großen SUVs zum Ballett, nötigt ihnen Sport- und Joga-Verrenkungen, Musik- und andere Folter-Instrumente auf. Der Staat verwehrt ihnen bis heute ihr Recht auf „Freie Joints für freie Kids“ und auch die Pille ab 10. Und „Friday for Futur“ in Kumpanei mit der „WDR-Anti Aging-Partei“ kriegen es nicht hin, klimaneutral gefertigte Pranger für Alte durchzusetzen. Nicht mal solarbetriebene Schulstreik-Busse mit Käfig-Anhänger für verblendete Umweltsäue. Was bleibt ihnen da als sich nächtelang in flimmernd-lärmgellenden Discos um den Schlaf zu tanzen. Oder sich ins Flugzeug zu zwängen, um auf den Malediven oder Seychellen im Meer abzukühlen. Und wer bezahlt das alles? Die kreuzfahrenden Omas und Opas etwa? Mit Nichten! Das Geld fällt ja reichlich wie Manna vom Himmel. Und die Segnungen nehmen – der Schutzheiligen Greta sei Dank – auch nie ein Ende. – Dietmar Kinder

 

Ich möchte zu dem ausgezeichneten Artikel von Armin Laschet noch folgendes ergänzen: Wir sogenannten „Umweltsau-Omas und Opas“ waren nicht nur die umwelt-aktive 68er Generation, wir waren außerdem die Kinder der kriegsversehrten Väter. Wir verabscheuten den Nazionalsozialismus, haben den braunen Sumpf in der jungen Bundesrepublik ans Licht gebracht und seitdem gerufen: „NIE WIEDER!“. Wir waren auch überzeugt davon, dass sich solches in Deutschland nie wiederholen würde. Und jetzt sind wir diejenigen, die die jungen Leute warnen müssen: „Passt auf!“ Als solche werden wir nun also von WDR Redakteuren in die gern zitierte pauschalisierende „rechte Ecke“ gestellt, nur weil wir uns nicht beleidigen lassen wollen und weil wir das mit dem singen-lassen dieses Liedes übergriffige Benutzen von Kindern anmahnen. Geht`s noch? Wie geschichtstaub und –blind müssen eigentlich manche Journalisten sein, frage ich den WDR, um auf eine solch seltsame Idee zu kommen?- Gerlinde Breithaupt

 

Was hat Sie dazu veranlasst, das satirische Abwandeln eines banalen Kinderliedes als Konstrukt eines Generationenkonflikts, als Konfliktschürerei und Ausspielen von Gruppen hochzuhängen ? Ist Ihr Beitrag der misslungene, hilflose Versuch, sich gegen tumbe Nörgler*innen und humorlose, aber hetzeifrige rechte Netzwerkaktivist*innen abzugrenzen ? Gänzlich peinlich erscheint mir Ihr Versuch, den konstruierten Tribunal- und Agressions-Effekt politisch mit anstehenden Aufgaben (wurde das Thema „Tierhaltung“ anders als im Kinderlied hier von Ihnen bewusst ausgespart ?) in Verbindung zu setzen. Bevor frau/man sich über die Verballhornung dieses Liedes aufregt, hilft vielleicht ein Blick in die Mundorgel. Das „Original“ dürfte kaum eine Person als schützenswertes deutsches Liedgut erkennen, es ist nicht mehr als ein Nonsensprodukt mit dem Ziel, weitere unsinnige Reime nach Belieben hinzuzufügen. Sonderlich mit Ansehen bedacht wird die besungene Oma in keinem der mir bekannten Verse. Sie spiegeln eher kindliche grottenschlechte Komik wieder. Sollen Kinder Respekt vor Großeltern lernen, dann kann das Lied damit nicht dienen. Es ist auch kein Lied, über das ausführliches Debattieren lohnen würde. Verstehen Sie Satire ? Frau/Mann muss sie nicht gut finden, sie sollte als solche aber wenigstens erkannt und wahrgenehmen werden. Daraus einen gesellschaftllichen Konflikt zu konstruieren ist für mich damit vergleichbar, wenn mit Kanonen auf Spatzen geschossen werden soll. Die fünfte Jahreszeit ist eingeläutet. Es ist vorhersehbar, dass in nicht wenigen Wort- und Liedbeiträgen während der Karnevalszeit – begünstigt durch Verkleidung und promilleerhöhter Seligkeit – so mancher Text das Niveau des abgeträllerten Liedchens noch unterbietet. Sie werden neben aufgesetzter Fröhlichkeit, Narrenkappe und Pappnase viel zu tun bekommen ! – Hermann Giesenow

 

Vier Fragen an Herrn Laschet: * Können Sie sich überhaupt vorstellen, wie bitter dies WDR -Weihnachtsgeschenk auf den Lippen von Omas und Opas schmeckt? * Können Sie sich vorstellen, wie distanzfördernd es ist, wenn Oma und Opa über die Haushaltsabgabe diese Diffamierung auch noch selbst zahlen müssen? * Können Sie sich vorstellen, wieviel Politikerverdruss hierdurch gefördert wurde, denn „wer sitzt denn im Rundfunkrat“ des WDR – und der anderen öffentlich- rechtlichen? * Können Sie sich vorstellen, wieviele Bürger (nicht nur Omas und Opas) sich wünschten, dass sich der WDR -Intendant auch mal öffentlich entschuldigt? Oder sogar der Chorleiter?? – Franz Berger

 


 

 

Leserbriefe zu „Als hätten sie schon die Macht“ von Mariam Lau

 

Auf der Suche nach der richtigen Antwort auf das Erstarken der AfD geraten anscheinend viele (so auch Die Zeit) in Versuchung den vermeintlichen Trumpf einer historischen Superlative auszuspielen. Wenn man eine Partei mit den Nationalsozialisten vergleicht, muss schließlich in der Diskussion nicht viel ergänzen. Aber ist es wirklich gerechtfertigt vergleichsweise Goebbels zu zitieren zur historischen Einordnung der Tatsache, dass AfD-Abgeordnete ihre Reden im Plenarsaal ohne die Grußformel „Herr Präsident“ oder „Frau Präsidentin“ beginnen? Ich glaube, dass die nüchtern kritische Auseinandersetzung mit der inhaltlichen Arbeit der AfD zielführender ist als die Erörterung, wie diese Partei den Reichstag auszuschalten versucht. – Leonhard Riemer

 

„Nichts ist im Bundestag seit dem Einzug der AfD wie vorher“ heißt es in Ihrer Analyse. Zum Beweis führen Sie an, dass ein AfD Abgeordneter sich nicht gesittet hinsetzt, sondern „lümmelt“. Tut man nicht im Bundestagsausschuss. Da haben Sie Recht. Auch die Bundestagspräsidentin vor Redebeginn nicht persönlich anzusprechen, ist unüblich und unhöflich. Völlig indiskutabel sind Anzüglichkeiten von AfD-MdBs gegenüber Frauen aus den Reihen der FDP. Aber was ist das gegen Aussagen und Verhalten von folgenden Abgeordneten, die nicht der AfD angehören: Wehner über Strauß: „so dumm wie Goebbels“; Strauß über linke Demonstranten: „die besten Schüler von Goebbels, die Anhänger von Himmler“; Brandt über Geißler: „der schlimmste Hetzer seit Goebbels“; Fischer zum Bundespräsidenten: „…Sie sind ein Arschloch“. Und missachtet Minister Altmaier nicht das Parlament in schlimmerer Weise, wenn er von einem Redner am Pult direkt angesprochen, aufsteht, um mit einem Hinterbänkler zu sprechen?

Oder die Bundeskanzlerin, die in einer vergleichbaren Situation durch das Hohe Haus spaziert, um hier jemanden zu begrüßen oder dort ein kurzes Gespräch zu führen? Das geschieht vorlaufenden Kameras mit verheerender Wirkung auf die Zuschauer. Das soll Debattenkultur sein? Oder wenn die Bundestagspräsidentin feststellt, die Beschlussfähigkeit des Parlaments sei gegeben, obwohl die Kameras nur knapp einhundert Abgeordnete erfassen? Das ist fake news bei gleichzeitigem Gegenbeweis. – Sie verstecken sich mit ihrem Hinweis auf ein Goebbelszitat aus dem Jahr 1928 hinter Bundestagsabgeordnete, die der AfD unterstellen, „wie der Wolf in die Schafherde (einzubrechen)“. Als Leser der ZEIT erwarte ich Beweise dafür und keine Zitate der politischen Gegner (sieh oben). Solange diese fehlen, müssen Sie sich den Vorwurf gefallen lassen, sich gemein zu machen, gemein mit denen, die die AfD der Einfachheit halber in den Nazi-Sack stecken. – Johannes Kettlack

 

Hass selbst ist zwar nicht strafbar, aber wenn der Hass durch Lügen oder Halbwahrheiten über die Mitglieder fremder Gruppen erzeugt, genährt und gesteigert wird und wenn der Hass zu Beleidigungen, Bedrohungen und Gewalttaten führt, dann ist das sehr wohl strafbar oder sollte es jedenfalls sein. Die Mehrheit der Abgeordneten des Bundestages sollte nicht zögern, die politische Lüge sowie direkte oder indirekte Drohungen mit Gewalt unter Strafe zu stellen, sonst könnte es bald zu spät sein und die Abgeordneten selbst würden nicht mehr nur – wie jetzt schon – Opfer von meistens ungesühnten Beleidigungen und Bedrohungen, sondern auch von Gewalttaten werden – wie jetzt schon weniger prominente und geschützte Bürger(innen). Mehr zum Thema:https://www.ulrich-willmes.de/populismus.html Ulrich Willmes

 

Als Frau Merkel 2015 die AFD ( AndersdenkendeFür Deutschland) „gebahr „, fand sie sehr schnell eine große Schar von Paten. Rundfunk, Fernsehen und in erster Linie die Zeitungen stürzen sich mit immer gleichen Mitteln auf eine unliebsame Partei. Die Berichterstattung war stets negativ. Die Darstellung der Bilder, der Inhalt der Texte sowie Interwievausschnitte. Alles war stets mit dem gleichen Vokabular und den gleichen Vergleichen gespickt. ( Sie liefern in ihrer Ausgabe auf Seite 3 auch ein treffendes Beispiel). In der Hoffung, etwas damit zu erreichen und der Partei zu schaden erfüllte sich nicht. Die Wahlergebnisse der AFD sind und waren groß. Nun stellt sich die Frage: Ist das Wunschdenken der Medien mit der Realität der Menschen „vor Ort“ annähernd gleich ? Antwort: Nein. In diesem Punkt sollten Sie Ihre Berichterstattung einmal überdenken und zu einer alternativen Berichterstattung finden. – Reinhard Schmitz

 

Im Artikel erweckt Frau Lau den Eindruck, die AfD-Fraktion im deutschen Bundestag bestehe ausschließlich aus Männern- oder wie darf ich die Aussage „mit fast 100 Mann“ sonst deuten? Gemäß der Website des Bundestags sind immerhin zehn Frauen in der Fraktion vertreten. Ich erwarte also von Ihrer Zeitung etwas mehr Achtsamkeit bei solchen Aussagen- zu suggerieren, die AfD-Fraktion bestehe nur aus Männern, empfinde ich als wenig sensibel. – Martin Sulz

 

Ich bin froh das die Afd im Bundestag ist und endlich dieser schlafende Haufen geweckt wird. Nicht die Afd ist schuld an der Verrohung ,sondern die gesamte Regierung ist Schuld. Diese Streichelpolitik, die Gesetze erlässt aber nicht anwendet, so dass Straftäter sich über unsere Justiz krumm lacht. Nahles hatte schon gesagt, jetzt gibt es auf die Fresse, vergessen? Ich schätze sie noch jung ein, ohne Erfahrung was in Deutschland abgeht. Schauen sie genauer hin und immer fair bleiben. – Erhard Kleinschmidt

 

Der Kern des Problems „Umgang mit der AFD“ allgemein und speziell im Bundestag ist die intellektuelle und sittliche Redlichkeit der Demokraten. Über tränenfeuchte Vorhaltungen wie „zynisch“, „unmenschlich“, „herzlos“ für AFD-Verlautbarungen zu z.B. migrationspolitischen Themen freuen sich unsere „bürgerlichen“ Revoluzzer nur. Statt sich für die AFD zur Betschwester zu machen, muss man sie kalten Herzens bei der schon fast wieder komischen Stil- und Niveaulosigkeit ihres zutiefst antibürgerlichen pubertären, proletenhaft-vulgären und offensichtlich obsessiven Gewäschs packen – und notfalls auch das eigene Niveau unterbieten. Dabei drängen sich für eine Reihe von AFD-Promis einige Scherze geradezu auf – und die Frage, warum das entsprechende Vorgehen nicht längst etabliert ist. So originell ist es schließlich nicht und Mangel an Redenschreibern und Rhetorikcoachs herrscht auch nicht. Deshalb ein paar Beispiele mit und ohne Bezug auf Ihren Artikel (natürlich situativ anzupassen).

An den Hüter christlich-abendländischer Werte und Retter bürgerlicher Kultur Dr. Alexander Gauland: „Darf ich Ihre Äußerung „Hass ist keine Straftat und hat zweitens seine Gründe.“ als charakteristisch für Ihr Verständnis von christlicher Tradition und Bürgerlichkeit betrachten oder eher als Sympathie für die routinierte Täterentlastung linker Sozialarbeiter?“ Für Entwicklungsgehemmte und zum Soziopathischen neigende Gestalten wie Stephan Brandner ist ein therapeutischer Kommunikationsstil hilfreich: „Das war aber ganz, ganz arg mutig von Ihnen, wie Sie sich gegen Staat, Establishment und gute Sitten im Sessel gefläzt haben.“ Bemerkenswert ist die hohe Anzahl brillant gestarteter, aber unvollendeter – akademischer – Karrieren in der AFD-Bundestagsfraktion. Empathische Kommentare: An Dr. Gottfried Curio: „Wer nicht in der Lage ist, sich ohne Nazi-Vokabular zu artikulieren, dem hilft auch Princeton nicht auf eine richtige Professur.“ An Dr. Marc Jongen: „Konnte nicht einmal der große Sloterdijk Sie irgendwie akademisch versorgen?“ An Dr. Alice Weidel: „Mit Ihrer Begabung, Ihren Examina haben Sie sich sicher auch beruflich mehr erwartet als gegen die Demokratie anzukeifen.“ Außerdem: „Aber Frau Dr. Weidel, Lebensweise und Wohnsitze prädestinieren Sie doch geradezu zur Propagierung von christlicher Familie und deutschem Patriotismus!“

Der lächerlichste und zugleich gefährlichste Mann der AFD, Flügel-Chef Björn „Bernd“ Höcke, imitiert das schon beim grundanständigen Ernst Reuter irritierende Tremolo („Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!“) auf peinlichste Weise. Außerdem fordert er von seinen Anhängern nicht „Schafe“ sondern „Wölfe“ zu sein (sehr ähnlich einem Goebbels-Zitat) und sich ihre „Männlichkeit“ zurück zu holen. Großes Kino, dessen Helden Namen verdienen: „Bernd „der Schluchzer“ und die enteierten Wölfe“ oder „Thuringia-Höcke – Jäger der verlorenen Eier“. Damit gewinnen die Demokraten natürlich nicht den Kampf gegen die AFD. Aber auf wirren Rassismus, dünn verpackte Gewaltphantasien, pubertäre Schmuddeleien und verlogene Selbstviktimisierung mit Spott reagieren zu können, stabilisiert das mürbe Demokraten-Selbstbewusstsein. Und das ist die halbe Miete für den inhaltlichen Kampf gegen die AFD. – Dr. Andreas Patyk

 

In Ihrem o.a. Artikel schreiben Sie, dass im Bundestag die Zahl der Ordnungsrufe ein Maximum erreicht hätte, seit die AfD dort Mandate hat. In der FAZ stand aber letzte Woche, dass die Zahl der Ordnungsrufe noch weit höher war, als damals die Grünen in den Bundestag kamen. Wer hat nun recht? – Prof. Peter Loosen

 

Ich sehe der folgende Artikel steht gerade ganz oben auf der Aufrufliste: https://www.zeit.de/2020/02/afd-bundestag-umgangsformen-politische-kultur. Ohne ihn gelesen zu haben, möchte ich etwas zur Überschrift „Als hätten sie schon die Macht“ anmerken. Und zwar dringend, denn das Wort „schon“ ärgert mich sehr! „Schon“ suggeriert, dass die AfD irgendwann die Macht ergreifen würde, früher oder später. Es enthält implizit einen (schrecklichen) Automatismus! Das wird nicht passieren und das soll nicht passieren. Warum auch? Die große Mehrheit der Bevölkerung ist gegen die AfD und noch eindeutiger gegen (Neo-) Faschisten und (Neo-) Nazis. Geschichte mag sich manchmal wiederholen, doch eine Tragödie wiederholt sich immer nur als Farce. So wie jetzt. Natürlich muss entsprechend gehandelt und sich verhalten werden. Dazu gehört auch, keine fatalen suggestiven Slogans in Form von Überschriften zu verbreiten. – Andreas Fricke

 

Die von Deutschen gewählten Abgeordneten der AfD im Bundestag benehmen sich leider genauso proletenhaft und menschenverachtend wie die Nazis im Reichstag vor fast 90 Jahren. Hoffentlich haben das die AfD-Wähler der Bundestagswahl von 2017 inzwischen gemerkt ! Es wird höchste Zeit, dass die sogenannten Altparteien im Bundestag sich mit viel größerem Kaliber auf diese demokratieverachtende Partei einschiessen ! Warum das bisher nicht gemacht wurde bleibt leider auch der Tatsache geschuldet, dass man aus taktischen Gründen die AfD und ihre Anhänger vor Angriffen weitestgehend verschonte um dieses Wähler-Potential für die eigene Partei offen zu halten. So jämmerlich und verlogen sind unsere Parteien -vor allem CDU/CSU, SPD und FDP. Die etablierten Parteien lassen zwar keine Gelegenheit der Erinnerung an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte aus, aber eine Partei wie die AfD, die in ihren Reihen Neonazis toleriert, wird durch die Verharmlosung durch die Altparteien in erschreckendem Masse aufgewertet. Der Wähler hat bei einer politischen Wahl jede Freiheit -auch die der Nichtwahl. So muss es in einer Demokratie auch sein. Nicht aus der Welt zu schaffen ist deswegen leider der Typ des Protestwählers. Er entscheidet eigentlich unpolitisch da nur seine Wut oder Verachtung für die Altparteien der Grund ist, eine extremistische Partei zu wählen. So weit verständlich, aber leider kann seine Entscheidung rechnerisch für die Sitzverteilung im Parlament eine politisch verheerende Wirkung erzielen. Hier hilft nur Aufklärung und eine leidenschaftliche und kämpferische parlamentarische Auseinandersetzung mit den Gegnern unserer demokratischen Werte. – Reisdorf

 

Niemand solte sich von provozierenden Floskeln der AfD zu pauschalen Rückschlägen provozieren lassen. Sind in dem Zusammenhang Strategien gegen die sowohl im Bundestag als auch gesamtgesellschaftlich zu beobachtende Verrohung der Sprache und Sitten unbekannt? Ich würde sagen, das hat damit zu tun, ob ausschließlich im Bereich vorhandener Ist-Zustände gesucht oder darüber hinaus das allgemeine Wertesystem unseres Zusammenlebens angesprochen wird. Man sollte sich also gelegentlich auch der Frage stellen, wie Wirklichkeit denn nun sein sollte, um gemeinsam konstruktiv und für alle nützlich vorgehen zu können. Dazu ist es unbedingt erforderlich, dass man sich nicht auf Standardisierungen, die exklusiv eigene Deutungen von Wirklichkeit zulassen, festlegt. Unsere Bemühungen um potenziell für alle erfolgreiches Zusammenleben kommt nun mal erfahrungsgemäß nicht ohne Perspektivwechsel, Hinterfragungen und die Bereitschaft zu Dialog und Kooperation aus. Anderenfalls landet man bei Totalitarismen – was manch einem durch die daran gebundenen markanten Begrifflichkeiten und Unwidersprechlichkeit suggerierenden Statements als das wirkmächtigste Konzept von allen erscheinen mag. Wer sich aber in Absolutheitsansprüchen verheddert, blockiert damit seine eigene Entwicklung, die Dynamik des Lebens geht ihm verloren, der soziale Zusammenhang seiner Existenz verkümmert zu wirkungsloser gegenseitiger Bestätigung im eigenen Echoraum. In geschlossenen Räumen verliert man eben den Blick auf das Ganze, sogar auf Teile eines Ganzen. – Christoph Müller-Luckwald

 

Mit Beklemmung habe ich Ihren Artikel vom 3.Januar 2020 über die AfD in der Zeit gelesen. Ihr Artikel ist fast identisch mit dem Buch des Historikers Volker Ulrich „Jahres des Aufstiegs“ von Adolf Hitler in den Jahren von 1889 – 1939. Ich kann nicht nachvollziehen, dass das deutsche Volk denselben Fehler wie vor 90 Jahren macht als die Nationalsozialisten Deutschland in den Untergang führten. Die AfD hat glücklicherweise nicht so charismatische Führer wie die Nationalsozialisten. In dem Buch wird ausführlich geschildert wie die Frauen den „Führer“ verehrten. Ich würde es als alarmierend bezeichnen, sollte die AfD in irgendeinem Bundesland den Ministerpräsidenten bzw. Regierenden Bürgermeister stellen. Das würde ich als den Anfang vom Ende der Demokratie in Deutschland betrachten. Hier kann ich nur dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden, Dr. Schuster beipflichten, der sagte, dass er aus Deutschland auswandern würde, wenn die AfD politischen Einfluss bekäme. Es wird Zeit, dass der Bundesverfassungsschutz seine Hausaufgaben erledigt, dass er die AfD als das entlarvt was sie ist, eine verfassungswidrige Partei. Die AfD hat mit dem Grundgesetz nur wenig am Hut. Wie Sie in Ihrem Artikel schildern, ist der Respekt der AfD – Angeordneten gegenüber Frauen respektlos. Ihr Sprachrohr Björn Höcke steht mit dem ehemaligen Berliner Gauleiter und Reichspropagandaminister Dr. Josef Goebbels des Dritten Reiches auf derselben Stufe. Das sind meine Gedanken zu Ihrem Artikel. – Jürgen Frey

 


 

 

Leserbriefe zu „Wie viel Panik darf’s denn sein?“ Streit von Mario Sixtus und Axel Bojanowski

 

In dem Gespräch giften sich zwei Experten zum Thema an, ohne gemeinsam eine konstruktive Lösung zu erarbeiten. Auch die Leserbriefe zum Artikel „Wenn der Opa mit der Floskel…“ lassen eine negative Grundstimmung bei dem Thema vermuten. Ich vermisse die positiven Erzählungen, die motivieren sich den Herausforderungen zur Reduzierung von C0² zu stellen auch in Ihrer Zeitung. Jedem Wandel wohnt doch auch ein Zauber inne. Was ist so schlimm daran nachhaltig zu leben? Was ist so toll daran immer weiter im Konsumwahn durchs Leben zu hetzen? Wir sollen nicht mehr alleine mit unseren großen PKWs im Stau zur Arbeit fahren? Na und? Freuen wir uns darauf mit kleinen Kleinstwagen, Gemeinschaftsbussen, der Bahn und dem Fahrrad ohne Stau, ohne großen Lärm durch unsere neu begrünten Städte, mit der Gelegenheit Zeitung zu lesen oder Mails zu checken, entspannt bei der Arbeit zur erscheinen sowie auf den Aufbau von vielen Jobs, um den Aufbau und die Aufrechterhaltung, der dafür notwendigen Infrastruktur, zu gewährleisten. Wir sollen nicht mehr in den Urlaub fliegen? Na und? Freuen wir uns auf den Aufbau einer nachhaltigen Tourismusindustrie mit neuen Arbeitsplätzen in Mitteleuropa ohne stressige, zeitaufwändige Anfahrtswege. Wir sollen nicht mehr so viel Fleisch essen? Na und? Freuen wir uns auf leckere neue Rezepte, weniger Diäten, längere Gesundheit und weniger Medikamentenkonsum im Alter sowie auf neue Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, wo wieder mit Sinn und Freude gearbeitet wird. – Carsten Wirth

 

Vor Mario Sixtus, habe ich Angst. Er ist überzeugt die Wahrheit zu kennen. Und rechtfertigt damit seine wütenden Vorschläge. Kein Wissenschaftler dieser Welt würde so argumentieren. Wissenschaft funktioniert mit Hypothesen, nicht mit Wahrheit. Hypothesen können Irrtümer sein, und werden dann durch bessere Hypothesen ersetzt. Wissenschaft führt zu Demut, und Bescheidenheit, und der Erkenntnis wie wenig wir wissen. – Dr Siegfried Rausch

 

Ich verlange von den Journalisten eine Berichterstattung die nicht parteipolitisch unterwegs ist. Das ist das mindeste was man verlangen sollte. Herr Sixtus gehört leider zu den Journalisten, die das nicht beherzigen wollen. Zwischen Filmemachen und Journalismus sollte er schärfer trennen. Auch die Konsequenzen, was das für die Bürger bedeutet, wird verschwiegen. Wenn das berichtet wird, dann können sie alles vergessen. Das heutige Leben lässt sich nur ändern, wenn keine existenziellen Opfer damit verbunden sind. Und das wird nicht gehen, wenn man es ehrlich meint. Wir werden mehr Venedigstädte an den Küsten bekommen. Das hat doch auch seinen Reiz….. – Gunter Knauer

 

Grundsätzlich, die Rubrik Streitgespräch ist ein muss! Der eigentliche Sinn besteht nicht im Streit als solchem, vielmehr im Austausch von Argumenten mit der Chance zumindest auf Annäherung bzw. neuer Erkenntnis. Bojanowski und Sixtus hingegen stehen sich unversöhnlich gegenüber ohne erkennbare Schnittmengen im Gesprächsverlauf. Gewiss, das ist auch kein Gesetz. Doch damit wird den Frontenanhängern gewissermaßen eine Legitimation auf höherem Argumentationslevel angeboten. Dringend hingegen wäre das Verbindende herauszuarbeiten, ohne die dramatische Sachlage zu verschweigen. Es muss doch allen klar sein: der mutmaßliche Klimawandel ist ein Menschheitsproblem! Nicht geschliffene Rhetorik führt weiter. Nur sachliche, für alle nachvollziehbare Aufklärung und das lösungsorientiert: Für jeden Einzelnen, für die Generationen von jung bis alt, für die Bürger eines Landes, für Bürger Europas, für Bürger der Staatengemeinschaften weltweit. Eine Herkulesaufgabe. Damit verbietet sich jegliche Lager-Polarisierung. – Dr. A. Wick

 

Panik ist selten hilfreich, wenn es gilt Ursachen und Auswege aufzuzeigen. Beim Thema Klimawandel ist es bei beidem hilfreich, sich mit dem demographischen Graben zu befassen. Zum Beispiel: Südkorea hat eine Geburtenrate unter 1. Wäre das weltweit so, gäb’s kein Klimaproblem. Umgekehrt hat zum Beispiel Niger eine Geburtenrate über 7. Wäre das weltweit so, wäre das Klimaproblem unlösbar auch bei noch so grossen Anstrengungen zur Co2 Reduktion. Ein anderer Vergleich: Einst kamen auf 3 Europäer 7 Nicht-Europäer. Heute ist das Verhältnis 1 zu 9. Hätte sich der Rest der Menschheit so wenig vermehrt wie die Europäer, wäre ihre Kopfzahl nur ein Drittel der aktuellen. Zur Ursache des Grabens:Der technische Fortschritt gibt demjenigen einen fast uneinholbaren Vorsprung, der technisch die Nase vorn hat. Das bewirkt eine Entwicklung hin zum Prinzip: «The Winner takes it al». Auf der einen Seite des demographischen Grabens bewirkt das Prinzip den Zwang, zu den Gewinnern zu gehören. Z.B. die in Südkorea massgebende Perspektive ist Teilnahme am Wettlauf (bei Bildung und Beruf). Es ist also nicht so sehr der Wohlstand der im Norden zu einer tiefen Geburtenrate führt, sondern eine Art Stress. Die Jugendarbeitslosigkeit in Südkorea liegt über 10 %. Auf der anderen Seite des Grabens, etwa in Niger fehlen die Perspektiven, die gute Arbeitsplätze bieten. Das Beitragen zu einer hohen Geburtenrate gibt dort Ansehen und somit Ersatz-Perspektiven.

Zum Ausweg:Die einzelnen Gruppen der Menschheit haben schon immer alle greifbaren Ressourcen genutzt, sich auszubreiten (bezüglich Anzahl und Konsum). Eine im Niger übermässig genutzte Ressource ist die Möglichkeit, Kinder in die Welt zu setzen. Es ist dies eine (auch dank dem technischen Fortschritt) scheinbar unbegrenzte, ungeschützte Ressource. Die in Südkorea begehrte und genutzte Ressource ist die eng begrenzte Möglichkeit, seinen Kindern gute Ausbildung und gute Berufe zu sichern. Der Ausweg muss darin bestehen, die im Niger übermässige Nutzung der Möglichkeit, Kinder in die Welt zu setzen, auf ein nachhaltiges Mass zu begrenzen. Es ist wohl nicht möglich, im Niger den Weg Südkoreas direkt zu kopieren. Für Variationen dieses Weges gibt es allerdings genügend Vorbilder. Zur Rechtfertigung des Auswegs:Erstens: es gibt keine gute Alternative und eine gute, gesicherte Zukunft liegt im Interesse aller Menschen. Zweitens: Der Ausweg entspricht auch einer Abwandlung des Kantschen Imperativs: Jeder Mensch muss sich Lebensperspektiven suchen und ausfüllen, die ein gutes Fortbestehen der Menschheit ermöglichen. Drittens: Das vorgängig erwähnte geringe Bevölkerungswachstum Europas kann als Vorleistung gesehen werden, die es rechtfertigt, Anstrengungen auch von Ländern aus anderen Kontinenten zu fordern.

Viertens: Fast alle Menschen sind Nachkommen von Gruppen, die bei ihrer Ausbreitung die Rechte anderer Gruppen ignoriert haben. Einige Beispiele: Bantus haben die Ethnie der Sam (Buschmänner) in abgelegene Reservate verdrängt. Araber konnten sich über Nordafrika ausbreiten, Türken über Kleinasien. Diese und viele weitere Beispiele rechtfertigt das Ansinnen, im gemeinsamen Interesse aller Menschen auf überhöhtes Bevölkerungswachstum zu verzichten. Fünftens: Innerhalb der Menschenrechte gibt es den ungelösten Zielkonflikt zwischen dem Recht auf Eigentum und den Rechten auf Lebensunterhalt. Bei den Folgen überhöhten Bevölkerungswachstums geht es um eine Art «Tragik der Allmend». Ein Mittel dagegen ist das Recht auf Eigentum. Der genannte Zielkonflikt muss aufgelöst werden durch Anstreben eines höheren Ziels, nämlich des langen, guten Fortbestehens der Menschheit. Zum Schluss: Natürlich ist es zusätzlich nötig, alle anderen Möglichkeiten zu nutzen, den Klimawandel zu begrenzen. Einseitige Schuldzuweisungen reichen allerdings nicht. – Gernot Gwehenberger

 

Die Antwort lautet: Null Panik, denn Panik ist keine gute Voraussetzung für eine objektive Betrachtung der Klimaproblematik. Leider ist es aber so, dass den spektakulären Greta- Prozessionen und den Hirngespinsten der einschlägigen Umweltverbände und – Parteien mehr journalistischer Raum in nahezu allen Medien geboten wird als den dringend notwendigen Sach- und Hintergrundinformationen. Beispiele: – Das Erdklima ist keine Konstante, es hat in den letzten Jahrtausenden auch ganz ohne das Zutun des Menschen unfassbare Schwankungen durchgemacht. – Der unbestrittene, weil messbare, derzeitige Klimawandel ist die Folge eines sehr komplexen Zusammenwirkens von natürlichen wie auch vom Menschen gemachten Faktoren. Wo bleibt der Versuch, die natürlichen Auswirkungen von Sonnenflecken, Vulkanismus, Waldbränden, Methan- Emissionen denen der menschlichen Neuzeit wie Energiewirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Industrie gegenüberzustellen? – Optimistische Klimaziele werden kurzfristig gesetzt, wohl wissend, dass allein die Verweildauer von CO2 in der Atmosphäre mehr als 100 Jahre beträgt. – Unser Planet Erde ist mit Menschen überfüllt wie ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer. Vor 2000 Jahren lag die Zahl der Erdbewohner bei 300 Millionen, jetzt bei 7,8 Milliarden und im Jahr 2050 bei 10 Milliarden. Die Bevölkerungsexplosion mit ihrem gigantisch wachsenden Nahrungsmittelbedarf ist eine wesentliche Ursache für die Umwelt- und Klimaproblematik.

– Das E- Auto ist in der gegenwärtigen Batteriekonzeption sowohl bei der Batterie- Rohstoffgewinnung wie im Betrieb absolut keinBeitrag zum Umwelt- und Klimaschutz (die Stromerzeugung in Hamburg erfolgt derzeit durch Verbrennung fossiler Energieträger mit einem Anteil von 93,5%, davon mit 84% Kohleanteil!). Trotzdem wird das E- Auto journalistisch als dieAllzweckwaffe gegen den Klimawandel gefeiert. Journalismus im Dienste der Autohersteller? – Allein China, USA und Indien emittieren zusammen 50% des globalen CO2- Ausstoßes. Deutschlands Anteil an der globalen CO2- Emission beträgt gerade einmal 2%. Damit sind wir chancenlos, eine globale CO2- Absenkung in der Atmosphäre zu bewirken. Ich hielte es für weitaus wertvoller, diese und weitere Punkte journalistisch kritisch zu beleuchten statt über die Greta- Panik und abstruse Verbote für Silvesterraketen, Durchfahrverbote für Pkw oder Einschränkungen bei Flügen zu diskutieren. Von der momentanen Regierung ist wohl keine kreative Unterstützung zu erwarten. Sie macht das was sie immer macht: Lösungskosmetik mit Geld. Die Einführung der CO2- Steuer für fossile Energieträger macht das Finanzministerium glücklich aber die Erdatmosphäre geht leer aus. – Dipl. Ing. Michael Deil

 

Lautstarker Alarmismus statt sachlicher Diskussion, persönliche Angriffe anstelle von Argumenten, dazu ein rechthaberischer und herabsetzender Ton – wenn eine öffentliche Debatte so geführt wird, dann muss man sich wirklich Sorgen machen. Dass eine solche Sprache viele Menschen abstößt, dass er also dem Klimaschutz eher schadet als nützt, das scheint Herrn Sixtus in seiner Wahrnehmungsblase noch nicht aufgegangen zu sein. – Dr. Sabine Brandenburg-Frank

 


 

 

Leserbriefe zum Titelthema „Beethoven, der Rebell“ von Thea Dorn et al.

 

Als Beethoven-Fan möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen für Ihre Feuilleton bedanken. Auf Seite 48 steht ein Satz, der einen großen Fehler beinhaltet. „Über 300 Veranstaltungen werden es sein, Konzerte natürlich, aber auch Ausstellungen, Lichtinstallationen oder die durch eine künstliche Intelligenz vervollständigte Neunte Sinfonie auf der Bühne“.Dieser inhaltliche Fehler darf einfach nicht passieren. Ich verstehe nicht, wie so etwas überhaupt geschrieben werden kann. Wer sich nicht mit Beethovens Werken auskennt, glaubt das auch noch. Ludwig van Beethoven hat seine 9. Sinfonie in völliger Taubheit geschrieben und vollendet. Die Uraufführung fand am 7. Mai 1804 in Wien im Theater am Kärntnertor statt. Was Sie meinen, betrifft die unvollendete 10. Sinfonie, die durch künstliche Intelligenz u. a. unter Mitarbeit von Wissenschaftlern vollendet werden soll. – Sabine Greim

 

Mit großem Interesse habe ich Ihre Beiträge zum Beethovenjubiläum 2020 gelesen. Dabei interessierte mich als Bonnerin vor allem der Artikel von Hannah Schmidt. Es fällt mir auf, dass in den Ausführungen zu BTHVN 2020, – wie auch in dem veröffentlichten Programm der Stadt – jeglicher Hinweis auf das Projekt 250 Pieces for Beethoven, durchgeführt von der Pianistin Susanne Kessel, fehlt . Dabei ist es vielleicht das musikalisch interessanteste Projekt, das zu dieser Zeit stattfindet. Sie finden Genaueres dazu unter 250 pieces for Beethoven international compositions… Im Web. Warum dieses Projekt von den offiziellen Veranstaltern totgeschwiegen wird? Hannah Schmidt deutet in ihrem Artikel ja schon an, dass Bonn nicht ganz harmonisch agiert. PS: die zehnte Sinfonie soll im April uraufgeführt werden. Die Neunte ist ja wohl hinreichend bekannt. – Susanne Privat

 

Dieser Beethoven-Titel ist peinlich und bedient alle Klischees: wildes Genie, furchterregend, grob, abstoßend. Das ausgewählte Zitat passt zu Twitter-Polemik. Gesamteindruck: weit unter dem Niveau der Zeitung, die ich abonniert habe. Schade. – Rosemarie Hackmann

 

Auf der Titelseite der ZEIT vom 3. Januar 2020 steht folgender Satz: „Für solche Schweine spiele ich nicht“sagte der Komponist, wenn sein Publikum nicht bei der Sache war – und brach das Konzert ab. Wer war dieser geniale Berserker?“ Acht Artikel versuchen, die letzte Frage (nach dem Berserker) zu beantworten. Ein Artikel nähert sich dabei einem sachlichen Gebiet: dem Metronom. Die übrigen handeln von Beethoven, dem Rebellen, oder dass er einen Messie-Alltag lebte und mit rohen Eiern warf, oder über die Verklärung des Komponisten, oder dass er in Bonn geboren sei, oder dass er trotz oder wegen seiner Taubheit einzigartig sei, oder über „Mein Beethoven“. Sollten die Verfasser dieser Artikel bei der Beschäftigung mit Beethovens Musik in dessen Sinne wirklich „bei der Sache“ sein? Geht es in erster Linie wirklich nicht um Musik? Oder glaubt DIE ZEIT, dass ihre Leser lieber über menschlichen Klatscht und Tratsch informiert werden wollen als über Musik?

Hier mal etwas zur Sache Musik:Neben den Zitierungen der Themen aus den vorhergehenden Sätzen beginnt der 4. Satz der 9. Symphonie Beethovens mit einem klamglichen Chaos, dem ein rein instrumentales Recitativ Einhalt gebietet. Es erscheint zum erstenmal ein schön melodisches Lied. Es ist mehr als nur ein Thema, dafür ist es zu lang. Es ist wirklich ein Lied, weshalb es auch einstimmig erscheint (gespielt von Celli und Kontrabässen); keine Begleitung, kein Akkord – nichts, nur die Melodie. Und nun zur Sache Beethovens: Mit welchem Ton muss dieses Lied beginnen? Schon der erste Ton muss zeigen, dass wir nicht mehr im Moll-Bereich des Chaos sind, sondern in Dur. Für die Lösung dieses Problems bleibt nur ein Ton übrig: Es ist die Terz eines Dreiklangs in Grundstellung. Die Terz ist der einzige Ton eines solchen Dreiklangs, der über Moll oder Dur entscheidet. Würde das Lied mit dem Grundton oder der Quinte der Tonart beginnen, könnte das Lied sowohl in Moll als auch in Dur stehen. Beethoven macht die Sache klar, indem er das Lied mit der Durterz (fis) der Tonart D-Dur beginnen lässt.

Jetzt könnte dem bei der Sache seienden Publikum auch klar werden, warum die 9. Symphonie mit einer leeren oder hohlen Quinte beginnt. Zu Beginn der Symphonie spielen Hörner, Bratschen und Celli nur Grundton und Quinte eines Dreiklangs. Die Terz fehlt, womit die Musik und damit Beethoven die Frage stellt, ob die 9. Symphonie in Dur oder in Moll stehen wird. Im letzten Satz der Symphonie fällt die Entscheidung eindeutig (oder eintönig) für Dur und zwar für D-Dur. Im 1. Satz – wie der Name der Symponie (9. Symphonie in d-Moll) es schon zeigt – offensichtlich für d-Moll. Natürlich meinen viele Musikfreunde und auch Zeitungsherausgeber, dass der soeben erwähnte Text zur Sache Musik zu schwer sei, weil sie solche Artikel überhaupt nicht gewöhnt seien und deshalb wirkliches Verständnis für Muaik auch nicht aufbrächten, doch sollte wenigstens ein einziger Artikel über Musik in einer kulturellen Zeitung wie der ZEIT möglich sein. Einige Leser, die so etwas verstehen oder kennen lernen wollen, wird es schon geben. In meinem Bekanntenkreis gibt es etliche, die sich über die Beethoven-ZEIT-Artikel – wenn sie sie überhaupt lesen – ärgern oder über sie lachen.

Über solche banalen Probleme und Lösungen in der Musik, wie sie hier besprochen wurden, sind die Schreiber der Beethoven-Artikel in dieser Ausgabe der ZEIT offensichtlich erhaben. Sie schreiben über menschliche Probleme, nicht über musikalische, obwohl dies doch wohl eher ihre Pflicht wäre. Aber dazu müsste man das können. Die ZEIT-Schreiber und -Leser sollten sich einmal folgende Frage überlegen: Vor welchem Problem stand Beethoven, als er den Satz „und der Cherub steht vor Gott“ komponierte, und wie löste er das Problem? Ich weiß nicht, ob Beethoven zu den Verfassern der oben erwähnten ZEIT-Artikel „Schweine“ gesagt hätte, aber bestimmt hätte er sie rausgeschmissen. Der ganze – nicht nur in der ZEIT – geschriebene Bombast über Beethoven zeigt, dass sich kein „Schwein“ für seine Musik interessiert. – Gerhard Dedemeyer

 

Auch ich zerbreche mir Hirn und Hände an dem 3. Satz der Sturmsonate. Aber auch das ist Beethoven: beglückend, obwohl zu langsam und fehlerhaft gespielt – wenn auch nur für meine Ohren. Glück aus meine Fingern seine Musik zu hören. Noch größer ist das Glück, Igor Levit spielen zu hören – wenn auch ein anderes Glück. Und vielleicht macht die wunderbare Eleonore Büning noch einen Versuch mit Maxim Biller?? „Get over it“ mit G. Gould und der Sturmsonate – nein, das sollte nicht der Schluss sein! – Ingeborg Lukowski

 

“Deutschland hat sich Beethoven sehr zu eigen gemacht” sagt Birgit Lodes. Dabei wird ja schon an seinem Namen deutlich, dass er Migrationshintergrund hatte, damals also kein so grosses Problem: sein Grossvater war aus Mechelen zugewandert. – Hermann Weigmann

 


 

 

Leserbriefe zu „Im Teufelskreis“ von Andrea Böhm

 

Mit der deutschen Außenpolitik ist es offenbar so wie mit der deutschen Klimapolitik: Erst das Format des „Klimakabinetts“ erreichte jenen Minimalkonsens des Klimapakets und schaffte einen Anfang in der Klimapolitik. Und den von Angela Merkel durchgesetzten Mechanismus „Monitoring und Nachsteuern“, um aus diesem Anfang heraus das hochkomplexe Umbau-Großprojekt kontinuierlich vorantreiben zu können. Die deutsche Außenpolitik kommt wohl auch erst über ein solches Format auf die Füße. Und wie in der Klimapolitik werden Zeit und Spielräume immer enger. Das „Monitoring“ von Andrea Böhm „Im Teufelskreis“ ist jedenfalls sehr ernüchternd: Die westliche Außenpolitik erreicht ihre Ziele nicht, eher sogar das Gegenteil – z.B. Konfliktverstetigung in Mali. Angesichts der komplexen globalen Konfliktlagen des 21. Jahrhunderts ist ein interdisziplinärer Ansatz nötig, um sich auf eine integrierte Strategie zu einigen und zur Grundlage eines konsistenten politischen Handelns zu machen. Wohl erst ein weiteres Sonderkabinett unter der Regie der Kanzlerin könnte die Strategie für eine deutsche und wenigstens auch europäisch anschlussfähige Außenpolitik herbeiführen, die jene alles blockierenden Ressortegoismen überwindet, insbesondere des CDU-geführten Verteidigungsministeriums und des SPD-geführten Auswärtigen Amtes. Das Format, zwei Ressorts in einem Politikfeld mit gemeinsamen Schnittmengen sich über einen längeren Zeitraum gegeneinander austoben zu lassen, und dann schließlich das Konzept zu wählen, das sich durchgesetzt hat, ist angesichts der Brisanz der Konfliktlagen längst nicht mehr tauglich. Zuallererst aber müsste Angela Merkel sich überwinden, wo sie doch gerne selbst Außenpolitik – mit ihrem bisherigen Alleinstellungsmerkmal, der Merkeltaktik – betreibt. Eine Taktik, die viel mit Zug zu tun hat, um den Druck der Konfliktparteien geschickt zu nutzen. Ein Ansatz, der im Rahmen der noch zu entwickelnden Strategie seine Stärke erst richtig zeigen könnte. Denn der Druck nimmt im Kessel nach Kräften wieder einmal zu. – Reinhard Koine

 

Da findet sich eine Menge Widerspruechliches in Ihrem Artikel. Nachdenken wird nicht weiterhelfen in der Beurteilung eines unentwickelten Regierungssystems, wie es in vielen afrikanischen Ländern üblich ist. Sie befürworten offensichtlich Hilfe von außen, beantworten aber nicht die Frage nach dem Ziel der Hilfe. Oder denken Sie an Hilfe zum Regimewechsel ? Den Klimawandel als Mitursache koennen Sie jedenfalls vergessen-den gibt es auch in Vietnam, in Botswana, in Indien und in China – unbeeinflussbar durch uns Menschlein. Auch die natürlichen Ressourcen zur Wohlfartsentwicklung sind in Afrika nicht schlechter als anderswo. Sie vermeiden es, die malaise beim Namen zu nennen: Unfähigkeit und Korruption. Dagegen kommt man nicht an mit „Entwicklungshilfe“. Falls Geld hilfreich sein kann: An finanzielle Unterstützung durch die ehem. Koloniallaender sollten eindeutige Bedingungen geknüpft werden: Staatlich organisierte Kranken – und Altersversorgung, Dreikinderfamilie, Verbot der Vielweiberei, Ausbau der Infrastruktur und vor allem: Aufbau der Stromversorgung aus Gas, Oel, Kohle oder Kernenergie. Wind – und Sonnenstrom koennen ein Radio zum Toenen bringen, aber kein Holzfeuer ersetzen! Wir kritisieren mit Recht den dort üblichen liederlichen Umgang mit Hausabfall. Ohne Straßennetz bedarf es keiner Sammeleinrichtung. Ohne complete common literacy ist ein geordnetes Staatswesen nicht denkbar, und Glaubenskaempfer finden gutmuetige Opfer. Insofern gibt es fuer die entwickelten Nationen durchaus Druckpotential beim Vergeben von Geld. – Dipling. W. Eckardt

 

Manche Wahrheiten sind in der Tat leicht beschrieben. Tatsache ist, dass die militärischen Interventionen des Westens in Afghanistan, im Irak, in Libyen nicht den Frieden gebracht haben, den sie angeblich herbeiführen wollten. Tatsache ist , dass der sogenannte Drogenkrieg in Kolumbien, Guatemala, Honduras, Mexiko etc. die dortigen Länder in ein Chaos unvorstellbaren Ausmaßes gestürzt hat. Unbestreitbar ist weiterhin, dass auch der Krieg gegen den Terror z.B. in Mali die dortige Gesellschaft keinen Schritt weiter gebracht hat. Die Konfliktlinien zwischen ethnisch definierten Bevölkerungsgruppen, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen, als Bauern, Fischer, Viehzüchter, Händler, Sesshafte und Nomaden, treten im Gegenteil wieder so deutlich hervor, wie zu Zeiten vor der Kolonisierung. Die religiösen Strömungen treten in immer unversöhnlicheren Gegensatz. Das jämmerliche Erbe der französischen Kolonisierung was Infrastruktur, Rechtsystem, Krankenversorgung, Energiewirtschaft, Bildung betrifft, wird durch die vom Westen finanzierte Korruption der Eliten und die zersetzende Macht der Drogen weiter zerstört. Und die jungen Malier streben aus dem Land. Nur ihre Geldtransfers halten es am Leben, während sie hauptsächlich in Frankreich eine Existenz am Rande der Gesellschaft führen. Daran etwas zu ändern wäre ein zähes Unterfangen. Aber sich einzugestehen, dass die jetzige Strategie gescheitert ist, wäre immerhin schon ein Anfang. – Dieter Schöneborn

 

Sie haben natürlich recht. Gezielte Eingriffe wären effektiver als militärische Interventionen. Nur geschieht in Mali doch exakt das, was in Konflikten dieser Art und Weise immer geschieht. Die herrschenden Verhältnisse werden nicht in Frage gestellt. Ganz im Gegenteil, sie werden monetär noch unterfüttert und somit legitimiert. Zugleich wird massiv militärisch eingegriffen gegen sogenannte Terrororganisationen, die scheinbar das Regime oder die Regierung politisch und wirtschaftlich unter Druck setzen. Dabei gehen die einzelnen Konfliktparteien oftmals Hand in Hand unter den Augen der Öffentlichkeit durch die vermeintlichen kriegerischen Auseinandersetzungen, schieben sich nicht nur die Schuld gegenseitig zu sondern schieben sich auch noch die Geldflüsse aus dem Ausland kreuz und quer durch die Reihen. Davon profitieren vor allem die großen Rüstungskonzerne aus den USA, Russland und auch Deutschland. Sie können ihre teuer produzieren Waffen sowohl an die Armee als auch die Rebellen und Terroristen verkaufen. Die einheimische Regierung unterstützt fleißig dabei. Und alle Medien auf diesem Planeten dürfen darüber berichten und mit dem Zeigefinger darauf aufmerksam machen. Ein absolut undurchdringlicher Teufelskreis! Der vor allem zu Lasten der vielen unschuldigen Menschen in Mali geht! Es geht um viele viele Milliarden Dollar! Wie wichtig ist da schon ein einzelnes Menschenleben?! – Yves Pulst

 

Mein Glückwunsch zu dieser, für D innovativen, für mich „erwarteten“ Sichtweise. Ich erlaube mir einen Kommentar: . Die Drogenhändler und Menschenschmuggler tauchen keineswegs in den Wüstengebieten ab – wie denn auch? Ohne Baum, Strauch und Wasser? Aber es gibt keinen Blinderen als jenen, der nicht sehen will – oder darf! . Sowohl die Kamel- als auch Jeep- Karawanen werden ja auch mehrfach abgezockt – und die Amerikaner schlagen je Woche mindestens 1x zu – und nicht in den Sand (schauen Sie mal in Stars&Stripes nach!). . Das Korsett des „war on terror“ ist KEIN strategisches Konzept – überhaupt kein Konzept und von niemanden über-national (weder UN noch NATO noch EU oder AU oder ECOWAS) gebilligt; es ist eine nationale (US) Ideologie! Allerdings wagt es niemand, Eigenes zu entwickeln – man würde ja die Kooperation (Befruchtung?) mit großen Think Tanks riskieren.

Eine „eingespielte Form der Konfliktlösung“ konnte ich weder in Mali noch den Nachbarstaaten erkennen! Die Weisheit der Kolonialherren hat Nachkommen der Sklavenjäger/- händler mit Nachfahren der entkommenen Sklaven- Anwärter zusammengefasst (von Cote d’Ivoir bis Tschad) – und aus deren Konflikten eigenen Einfluss extrahiert. Entsprechend wurden NICHT „die Malier“ überrollt, sondern nur die arabischen Malier (=Viehhirten) – die christlichen (=Bauern) fühlen sich sehr wohl beschützt; und das war ja auch Ziel unserer Intervention! Wozu sonst wäre die Bw dort? Blöd ist bloss, dass die Bauern nicht gegen die Viehhirten vorgehen wollen – das sollen gefälligst die Franzosen, Deutschen und Amerikaner erledigen! Und die tun das ja auch…. . Gutes 2020 mit vielen „runden“ Artikeln! – Franz Berger

 


 

 

Leserbriefe zu „Sauber in der Luft“ von Felix Lill

 

Gratuliere zum visionären Ausblick auf mögliche, sicher auch wünschenswerte, politische Veränderungen. Die anfangs angesprochenen, vergeblichen „Gipfel“ rufen schon lange Kopfschütteln hervor. Gedanklich habe ich das anfangs-G bereits durch ein „Z“ ersetzt. – Friedhelm Ecke

 

Als relativ neuer ZEIT-Abonnent bin ich immer wieder aufs Neue angenehm überrascht, wie differenziert die Artikel in der ZEIT sind, wie umfangreich und umfassend informiert und argumentiert wird. Umso mehr bin ich enttäuscht, wenn ein Artikel negativ aus diesem Rahmen fällt wie z.B. der Beitrag „Sauber in der Luft“ von Felix Lill in: DIE ZEIT Nr. 2 vom 3.1.2020. Als Lösung des Treibhausgas-Problems durch die Verbrennung des Kerosins in den Flugzeugturbinen ist hier einzig und allein von Biotreibstoffen die Rede. Kein Wort von Wasserstoff als Energieträger, keine Erwähnung des Elektroantriebs von Fluzeugmotoren und völlige Ausblenung des wohl zukunftsträchtigsten Treibstoffes, den man sich für Flugzeuge vorstellen kann: synthetisches Kerosin, hergestellt aus Kohlendioxid, das der Luft entommen wird, kombiniert mit Wasser, und das alles mit Hilfe von regenerativ erzeugtem Strom. Anders als z.B. Biotreibstoff kann das künstliche Kerosin maßgeschneidert für die Triebwerke synthetisiert werden, so dass keine anderen Abgase außer Kohlendioxid und Wasserdampf anfallen. – Karlheinz Rößler

 

„Heut´Nacht, sah ich den lieben Gott im Fernsehen,/er war nervös und ziemlich aufgebracht./Er sprach zu seinen Lieblingsplanet ERDE:/Was habt ihr nur aus dieser Welt gemacht?/Ihr habt die schönen Wälder abgerodet,/vergiftet euer Wasser mit Chemie./Ihr schiesst Raketen zu mir in den Himmel,/und wenn euch nichts mehr einfällt macht ihr Krieg!“ (aus: „Heut´Nacht sah ich den lieben Gott“, Song von „Truck Stop“ aus dem Jahr 1989; Text & Musik: Erich Doll & Uwe Lost) – Klaus P. Jaworek

 

Billiges Kerosin beflügelt die Luftfahrt. Befreit von der Mineralölsteuer kostet der Liter gerade mal -,45€Cent. Davon profitieren Kurzstrecken- und Billigflüge besonders da bei diesen der Spritpreis am meisten ins Gewicht fällt. Ohne Alternative zum Kerosin wollen De Juniac und O`Leary den Steuervorteil behalten um auf Kurzstrecken die Bahn ab zu hängen. Die neuesten Flugzeuge sind gerade auf dem Markt. Die nächsten 20 Jahre wird es kein sparsameres geben. Wenn Airlines genauso teuer tanken wie Auto, Bus und Bahn können Konsumenten besser vergleichen, CO2 schonender Verkehr würde gefördert und die Forschung nach Alternativen beschleunigt. Unsagbare wirtschaftliche Schäden blieben, wie in der Vergangenheit, aus. Der Kerosinpreis hat sich schon mehrfach verdoppelt. – Klaus Siersch

 


 

 

Leserbriefe zu „Vertwittert“ von Ulf Poschardt

 

Ich finde es ja im Prinzip löblich, dass auch mal rechts-konservative Stimmen zu Wort kommen im Blatt. Das aber ausgerechnet Herr Poschardt von der WELT sich in der doch eher liberalen ZEIT auslassen darf, stört mich doch. Der Artikel zum Silvesterabend in Leipzig-Connewitz zeigt wieder einmal deutlich, wie demagogisch der Kollege an die Sache rangeht. Warum wird das Gehalt der Linken Politikerin überhaupt thematisiert, was spielt das in dem Zusammenhang für eine Rolle? Außer man möchte den Anschein erwecken, eine wohlhabende Politikerin steht schlecht verdienenden Polizisten gegenüber, die auch noch im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf für uns hinhalten. Dann wird zusätzlich noch die Falschinformation der „Notoperation“ übernommen, obwohl längst bekannt war, dass die Mitarbeiter im Krankenhaus das in sachlicher Weise korrigiert haben, inzwischen ja endlich auch die Polizei selbst. Damit macht Herr Poschardt einseitig Stimmung gegen eine Klientel, von der er offensichtlich vermutet, dass sie den Stadtteil Connewitz dominiert. Da leben aber auch ganz normale Menschen, genauso wie in der Schanze in Hamburg. Ich finde diese Art von Journalismus ehrlich gesagt zum Kotzen. Genauso könnte ich Herrn Poschardt als Porschefahrer verunglimpfen, der sich einen Dreck um das Klima schert. Um nicht falsch verstanden zu werden, natürlich ist jede Form von Gewalt auch gegen Polizisten scharf zu verurteilen und bedarf keiner Rechtfertigung. Aber vielleicht sollte man mal einen etwas kühleren Blick auf die Sache werfen und genau schauen, wie die Einsatztaktik der Polizei hier möglicherweise auch eine Rolle gespielt hat. Alles andere ist Meinungsmache und da kann Herr Poschardt sich von mir aus in der WELT austoben, die lese ich nämlich nur sporadisch. – Rainer Schmidt

 

Ulf Poschardt ist der Meinung (Kolumne vom 03.01.2020), dass (u.a.) „die sogenannte Kuscheljustiz“ Polizisten „zügig in die Arme der AfD getrieben“ habe. Ob nun „sogenannte“ oder nicht „sogenannte“ Kuscheljustiz – dass sich Ulf Poschardt in der Position sieht, der Strafjustiz quasi im Vorbeigehen eine Ohrfeige zu verpassen und dafür auch keine Begründung schuldig zu sein, während er gleichzeitig mangelnde Wertschätzung der Polizei beklagt, spricht Bände. „Kuscheljustiz“ meint, dass die Urteile der Strafjustiz insgesamt betrachtet viel zu oft zu milde (nicht nur: manchmal zu milde, manchmal zu hart) sind. Worauf gründet Poschardt diese Meinung? Ist er ein genauer Beobachter der (Straf-)Justiz? Oder hat er nur in der Zeitung von Urteilen gelesen hat, die ihm zu milde erschienen? Und ist er der Meinung, dass die Strafjustiz durch alle Deliktsarten (Körperverletzungs-, Diebstahls-, Betrugs-, Sexual-, Betäubungsmittel-, Verkehrsdelikten, Wirtschaftskriminalität etc. etc.) hindurch zu milde ist oder nur bei bestimmten? Oder hat er sich das so genau bisher gar nicht überlegt? Und was sind eigentlich die genauen Maßstäbe für zu milde, angemessen, zu hart? Ist es mehr als das eigene Bauchgefühl?

Als Strafrichter sage ich: Natürlich gibt es Urteile, die dem unbefangenen Beobachter als unangemessen milde erscheinen können, aber es gibt auch Urteile, die als unangemessen hart erscheinen können. Was das angemessene Urteil in einem bestimmten Fall ist, wird auch in der Strafjustiz selbst oft sehr unterschiedlich beurteilt. Ein Urteil darüber, ob die Strafjustiz in Deutschland insgesamt gesehen zu lasch ist oder nicht, werden sich selbst viele Strafrichter nicht erlauben, weil ihnen dazu schlicht der repräsentative Überblick über die Entscheidungen anderer Gerichte im Land fehlt. Und wenn, dann wird das Urteil differenziert nach Deliktsgruppen ausfallen. Die Nichtjuristen, die härtere Strafen fordern, sollten sich nicht sicher sein, dass ihr Urteil über die angeblich so laschen Richtern nicht ins Wanken käme, wenn sie selbst als Schöffen Teil der Strafjustiz wären. Und dass Polizisten auch nur einePerspektive auf die Strafjustiz haben, die zudem durch die eigene Rolle im Strafverfahren mitbestimmt ist, sollte auch nicht so schwer zu erkennen sein. Kurzum: Was Poschardt macht, ist nicht mehr als billiges Justiz-Bashing. Die Feinde der Demokratie in diesem Land wird es freuen. – Matthias Guericke

 

„Feindbilder sind dumm“. Hätte Herr Poschhard den Inhalt dieses Satzes begriffen, wären uns seine platten Pauschalisierungen erspart geblieben.So aber erfahren wir viel über die emotinale und moralische Denke „der Linken“,lernen die „sogenannte Antifa“ kennen(Die heißt nun mal nicht ohne Grund so…)und lernen am Ende, dass „die Linken“ die verunsicherten Polizisten in die Arme der AFD drängt.Wenn dann noch der Begriff „Kuscheljustiz“ als Grund für diese vermutete Abwanderungsbewegung herhalten muss, ist das reinste AFD- Diktion.Es ist empörend, der Polizei ein derart einfältiges politisches Handeln zu unterstellen, einmal abgesehen vom Fehlen jeglicher Belege.Sorgfältiger Journalismus ist etwas anderes….. – C.Stellmacher

 

Es ist vielerlei bemerkenswert an der Glosse Ulf Poschardts, in welcher er eine Äußerung Michael Neuhaus‘ zum Twitter-Tiefpunkt der Woche erklärt. So hält er Twitteräußerungen von Linken-Politikern für bemerkenswert, „weil in dieser Nacht ein junger Polizist nach linker Gewalt notoperiert werden musste“. Ärgerlich für Herrn Poschardts Text, gut für den Polizisten: Eine Notoperation scheint nicht notwendig gewesen zu sein und somit fällt sein Text schon beim Erscheinen in sich zusammen (es sei denn Herr Poschardt hält die Definition von Wörtern für ebenso irrelevant, wie der Leipziger Polizeisprecher). Aber man möchte nicht darauf herumreiten, denn wie hätte Herr Poschardt dies wissen können: Einfachen Recherchearbeiten ist er selbstverständlich entwachsen, sie liegen außerhalb seiner Gehaltsstufe (die für den vorliegenden Fall selbstverständlich ebenso wichtig ist, wie das von ihm erwähnte Einkommen der Linken-Politikerin Juliane Nagel). Ist der Angriff auf einen Polizisten irrelevant, weil auf ihn keine Notoperation folgt? Natürlich nicht.

Selbstverständlich ist geboten, dass sich der Rechtsstaat mit illegalen Angriffen befasst. Zugleich kann man, wie Michael Neuhaus, die Frage stellen, was angemessenes Polizeivorgehen ist. Darin den Twittertiefpunkt der Woche zu sehen scheint mir jedoch falsch, denn: „Wer sich durch andere Meinungen nicht bereichert sondern bedroht sieht, hat Demokratie nicht verstanden“(Ulf Poschardt). Es drängt sich die Frage auf, ob die Fehlinformation der Öffentlichkeit durch eine Behörde den Titel Twittertiefpunkt der Woche nicht eher verdient hätte, wobei man hier selbstverständlich der Polizei nicht vorwerfen sollte, dass eine solche von der deutschen Presselandschaft auch noch größtenteils unhinterfragt wiedergegeben wird. – Kai Marczinkowski

 


 

 

Leserbriefe zu „60 Zeilen … Liebe“ von Peter Dausend

 

Guten Tag, was haben der Patenonkel von Peter Dausends Tochter und Voltaire gemeinsam? Sie müssen beide für ein Plädoyer für Dieter Nuhr herhalten. Ich möchte mich als „Entlastungszeuge“ einreihen. Meine Fürsprache beruht darauf, dass ich nach dem Anschauen/-hören einer Sendung mit und von Dieter Nuhr immer wieder erleichtert bin, dass ich meine Meinung über das Niveau des ARD-Programms nicht revidieren muss. – Sven Herfurth

 

Mich drängt es Ihnen für die Kolumne zum Thema Dieter Nuhr zu danken. Leider, denn ich denke dazu gehört inzwischen Mut. Es ist doch paradox, dass ausgerechnet diejenigen, die sich einerseits als moralische Grenzschützer des Sagbaren aufspielen andererseits aber keine Grenzen kennen, wenn es um die Diffamierung der „Andersgläubigen“ geht. Die zu recht beklagte Zunahme der Brutalität der Sprache ist allgegenwärtig und nicht nur Attribut der Rechten. Wer Sprüche wie „ab morgen kriegen sie in die Fresse“ oder Nuhr „die Fresse zu polieren“ oder die Oma als „Umweltsau“ tituliert, die man nicht davon kommen lassen darf (wenn auch in Englisch ausgesprochen) hat das Recht verwirkt belehrend aufzutreten. Und Links ist das für mich auch nicht. – Axel Voss

 

Natürlich gilt auch für Herrn Nuhr und für Sie Meinungsfreiheit, auch über Greta. Aber weder Sie noch Herr Nuhr dürfen erwarten, alle Meinungsäußerungen erfahren Anerkennung. Jeder darf seine Späße treiben. Aber nicht jeder muss Beifall heischen. Ich halte Herrn Nuhr – mein Jahrgang – für gestrig. Daher konsumiere ich dessen Sendungen und Medienprodukte nicht mehr. Seine Meinungsäußerungen teile ich nicht mehr. Das ist mein Recht auf Meinungswahrnehmung. Herr Nuhr wird künftig ignoriert. Bringen Sie bessere Kommentare. Weiten Sie Ihren Blick. – Dr. Dietrich Knoche

 


 

 

Leserbriefe zu „Schwer bewaffnet in der Falle“ von Jörg Lau

 

Mr. Trump will zwar keinen Krieg, er will nur „etwas Krieg spielen“! Für seine Trump´sche Art des „Schiffe-versenken-Spiel“, wollen sich aber partout keine geeigneten Mitstreiter finden. Es gäbe da einen „gewaltbereiten“ Spielgegner aus dem Iran, aber die wollen „Schiffe versenken“ bestimmt nach ihren eigenen Spielregeln spielen. Es ist eben furchtbar traurig, wenn alte machtbesessene Männer beim Spielen, als ihren Spieleinsatz, die „Erde aufs Spiel“ setzen wollen, und dabei so tun, als sei alles doch nur ein harmloses Spielchen! – Klaus P. Jaworek

 

Gleich 2 Beiträge in der ersten ZEIT-Ausgabe des neuen Jahrzehnts sind Krisenherden in Nahost und Mali in Afrika gewidmet. Es handelt sich nicht etwa um Naturkatastrophen, deren es schon genug gibt, sondern um militärische Auseinandersetzungen. In beiden Fällen sind westliche Staaten involviert, in Nahost waren die USA sogar die Auslöser dieser die gesamte arabische Welt erfaßt habenden Entwicklung. Es wurde nicht bedacht, daß diese Völker noch keine Epoche der Aufklärung durchgemacht und immer noch von religiösem Fanatismus beherrscht sind. Letzterer ist bei der Republik Mali zwar weniger ausgeprägt, der französische Kolonialismus hat zivilisatorische Effekte gebracht, aber auch hier wie in der arabischen Welt insgesamt wurden nicht gleichzeitig auch die „westlichen Werte“ übermittelt. Der Grad der Eskalation des soeben von den USA noch befeuerten Konflikts mit dem Iran ist nicht abschätzbar, die USA sitzen im Irak „in der Falle“, wie Autor Jörg Lau formuliert. Bei Mali steckt Deutschland mit seinem Mandat der Bundeswehr laut Autorin Andrea Böhm „Im Teufelskreis“, dem zu entkommen, sie aber auch keinen rechten Rat weiß. Ich kann für beide Problemfälle wie einst der arabisch-Erfahrene P. Scholl-Latour nur raten: „Noch einen Vorbeimarsch abhalten und dann weg“! Also nichts wie raus aus genannten Ländern und absolut nicht das noch mehr Einmischung bringende, von Frau AKK geforderte „robuste Mandat“. Die Betroffenen Völker müssen ihre Konflikte allein lösen und dürfen von den westlichen Staaten keine Waffen erhalten! – Hans Anhoeck

 


 

 

Leserbriefe zu „Die Stille nach dem Sturm“ von Evelyn Finger

 

In seinem Buch The Triumph of Faith: Why the World Is More Religious than Ever (Der Triumph des Glaubens: Warum die Welt religiöser ist als je zuvor) schreibt der ehemalige Soziologieprofessor Rodney Stark über umfangreiche Gallup-Umfragedaten zur weltweiten religiösen Aktivität (mehr als 1 Million Befragte in 163 Nationen): „Und was sagen uns die Daten? Ganz einfach, dass ein massives religiöses Erwachen in der ganzen Welt stattfindet.“ Die so oft angekündigte fortschreitende weltweite Säkularisierung fällt aus. So zeigt sich auch in Ihrem sehr ansprechenden Artikel über die Faszination von Heiligabend, dass selbst in Deutschland ein stärkeres Interesse am Glauben wahrzunehmen ist. Kein Wunder! Weihnachten erinnert daran:

Der Schöpfer ist als Mensch in Raum und Zeit zu uns Menschen gekommen, weil Er uns liebt und retten will. Wenn wir intensiv darüber nachdenken und Vorurteile auf die Seite legen, die wir oft ungeprüft für selbstverständlich gehalten haben, klingt das, was die Bibel da berichtet, ziemlich schlüssig. Wenn Gott Mensch geworden wäre, dann wäre es eigentlich nicht so erstaunlich, dass dieser Mensch auf eine außergewöhnliche Weise geboren, fehlerlos gewesen und sich seines Andersseins bewusst gewesen wäre, die großartigsten Worte aller Zeiten gesprochen, einen anhaltenden weltweiten Einfluss ausgeübt, das innere Sehnen des Menschen gestillt, Schuld vergeben und den Tod überwunden hätte. Genau das wird in den Evangelien bestätigt, die sich übrigens bei genauerer Prüfung als überzeugende historische Dokumente erwiesen haben. Wir können ihnen mehr vertrauen als irgendwelchen anderen entsprechenden Dokumenten aus der Antike. So können wir auch unser Leben Dem anvertrauen, der durch sie zu uns spricht. – Gerhard Jahnke

 

Evelyn Finger beschreibt den evangelischen Berliner Dom als „dieZentralkirche der Republik“. Mag es im Kaiserreich halbwegs zutreffend gewesen sein, diese Kirche als Zentralkirche zu bezeichnen (aber dann keinesfalls einer Republik), war der Protestantismus in Deutschland zuvor und danach doch stets geprägt von den gleichrangig nebeneinander stehenden Landeskirchen. Der Versuch in den Dreißigerjahren, eine zentrale „Reichskirche“ nach dem Führerprinzip aufzubauen, scheiterte. Nach dem Krieg wurde die Barmer Theologische Erklärung der Bekennenden Kirche von 1934 von vielen Landeskirchen in den Kanon ihrer grundlegenen Bekenntnisschriften aufgenommen. In ihr heißt es ausdrücklich: „Die Deutsche Evangelische Kirche gliedert sich in (…) Landeskirchen.“ Insofern erscheint mir die Darstellung des Berliner Doms als Zentralkirche nicht recht passend. – Corinna Friesen

 


 

 

Leserbriefe zu „»Solarstrom über dem Acker«“. Gespräch mit Andreas Bett geführt von Christiane Grefe

 

Vier Experten A – D und die Politik auf dem Energie-Weg bis 2030: A möchte gerne die Kapazität der Photovoltaik auf 125 GW steigern, auch wenn diese im Sommer an Feiertagen mittags „viel zu viel“, im Winter ab 16:30 Uhr für die Abendspitze absolut nichts bringt. B ist Ingenieur bei einem E-Fahrzeug-Hersteller und geht mit seinen Kollegen von 10 Millionen E-Autos (Pkw, Busse, …) in 2030 aus, welche die Abendspitze beim Laden um 15 GW gegenüber heute (81 GW) auf 95 GW er­höhen, was leider im Winterhalbjahr ein Riesenproblem wird. C ist Forscher für Wasserstoff-Speicher-Techniken, welche ab 2023 im 0,1 GW-Bereich in den Probebetrieb gehen sollen. Ab 2025 können im günstigen Fall zwei Prototypen à 1 GW geplant werden. D ist verantwortlich für regionale Verteilung des Stroms und muss mit Verdopplungen der Lasten in Teilnetzen (+ 6 MW in Wohngebieten bei 900 E-Auto-Ladestationen à 16 kW, 100 à 100 kW 2030; Gleichzeitigkeitsfaktor hier 25 %) rechnen. Auch dieser „große“ Netzausbau müsste bald beginnen. Und die Politik stimmt nicht diese vier Punkte aufeinander ab, sondern legt erst einmal fast 40 GW konventionelle Stromerzeugungskapazitäten still: Die Stromangebotsseite wird abgewürgt. Dann gelingt die „Energiewende“ ähnlich erfolgreich wie der Bau des Berliner Flughafens BER? P.S. Frau Grefe könnte bei aller Begeisterung ein paar Fakten kennen:

– Herr Bett behauptet, das PV 9 % des Strombedarfs decken. – Fakt ist hingegen, dass Jan – März 2019 diese Quote (PV-Erzeugung/ gesamte Erzeugung) bei 1,1 % lag, Jun – Aug 2019 bei 3,8 %. Das gesamte Jahr 2019 über lag die mobilisierbare Leistung der Photovoltaik nur an sehr wenigen Stunden bei maximal ⅔ der installierten rechnerischen Kapazität; ansonsten teils (auch mittags!) weit darunter. Und wenn man den Umweg über funktionierende „Speicher“ (= Elektrolyse + Einspeicherung + Rückverstromung in einer Brennstoffzelle) für 33,3 % des solar erzeugten Stroms gehen muss, kostet die kWh nicht mehr 0,05 €, sondern in der Mischkalkulation (0,33·4 + 0,67)·0,05 + anteilige Kapitalkosten kap (Elektrolyse, Speicher, Brennstoffzelle) = 0,1 + kap, was ungefähr bei 20 – 25 Cent/kWh liegen dürfte; mit evtl. nötigen Netzentgelten noch weit höher! Damit liegen die PV-Kosten immer noch weit über denen konventioneller Kraftwerke. A propos: Sind die Vergütungssätze für neue PV-Anlagen bereits auf 6 Cent/kWh gesenkt worden. Das würde mich freudig überraschen. – Prof. Emeritus Dr. Wolfgang Ströbele

 

Ist der „Stromselbstanbau“ eigentlich ein Kinderspiel? (Fast) jeder sollte „Eigen-Strom“ selbst anbauen, ob auf dem Dach oder auf der Terrasse, im Garten, auf dem Feld und auch auf aller Flur. Der Mensch braucht dazu nicht allzu viel, denn die Sonne sendet ständig Licht aus, und das jeden Tag, und alles völlig kostenfrei. Der Mensch könnte ohne weiteres, auf den Bau von neuen Windrädern verzichten! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Der Durchbruch“ von Wolfgang Bauer

 

Ich habe Angst vor Höhlen. Und noch viel mehr vor den schmalen Zugangsstollen, die meistens durchkraxelt werden müssen, um dort hinein zu gelangen. Dank Wolfgang Bauer habe ich es nun aber doch geschafft. Denn seine Reportage im Ressort „Wissen“ hat mich mit in diese triefend nasse, schlammige und unwirtliche Enge des Berginneren genommen. Seine geschilderten Eindrücke aus dem Tunnel waren so dicht und nah, dass ich beim Lesen schon wieder Beklemmungen verspürte – und dennoch nicht vom Text lassen konnte. Die Faszination des Autoren, der am Ende seiner Langzeitbegleitung nun selbst dem Grabubgsfieber verfallen zu sein scheint, wird spür- und nachvollziehbar. Viel Glück bei der Suche nach der großen Höhle! – Thomas Richter

 

Vielen Dank, Herr Bauer für die tolle Reportage über die schwäbischen Hobby-Mineure. Der Artikel erzeugt eine tiefe Romantik ohne jemals kitischig zu werden, da die Helden unter Tage im wahren Leben gleichzeitig auch ein bisschen als Antihelden rüberkommen, das ist richtig klasse und glaubwürdig erzählt und ich glaube es ist eine angemessene Würdigung und Anerkennung für diese Männer, sollte es mit dem Durchbruch doch nicht mehr klappen. Die stimmigen Fotos dazu runden das Ganze ab. P.S. Zusätzlich fühlte ich mich an „Mining Melancholy“ erinnert, der passende Track dazu, aus einem alten Computerspiel aus meiner Kindheit…ein Ohrwurm, den ich nun nicht mehr aus meinem Kopf bekomme… – Friedrich Huster

 


 

 

Leserbriefe zu „Die Schüler unseres Lebens“. Gespräch mit Christopher Andres et al. geführt von Elisabeth Kagermeier

 

In Ihrem Beitrag hätte ich gern vermerkt gesehen, dass die Zustimmung der ehemaligen Schüler zu den Berichten der ehemaligen Lehrer eingeholt wurde. Das haben Sie ja sicher getan! Denn Lehrkräfte unterliegen ja einer Verschwiegenheitspflicht von Amts wegen als Beamter oder aus dem Arbeitsvertrag. Und für Oberbürgermeister gilt das natürlich genauso. – Rudolf Bartunek

 

Diee Auswahl der “ Lieblingsschüler“ meiner Kollegen hat mich erbost: wollen sich diese Lehrer im Erfolg ihrer ehemaligen Schüler sonnen? Ich hatte alle vier Kinder eines wichtigen Bundespolitiker- wunderbare Kinder- , aber nie könnte ich sie wegen ihres Promistatus so hervorheben, und sie selbst würden das gar nicht wollen.Jeder Lehrer hat Schüler gehabt, die ihm trotz der Bemühung um Gerechtigkeit besonders am Herzen lagen und die man nicht vergißt. Dafür brauchen sie nicht etwas Besonders geworden zu sein. – Katharina Göggel

 


 

 

Leserbriefe zu „Hört zu!“ von Gian Domenico Borasio

 

Der Palliativmediziner Borasio beschreibt in seinem Artikel anhand eines Fallbeispiels ein wichtiges Defizit der modernen Medizin, konstruiert aber einen in die Irre führenden Gegensatz zwischen „sprechender“ und „zu/hörender“ Medizin. Das ist viel zu kurz gegriffen: es geht um viel mehr als zuhören. Wir müssen uns dringend über die Grundlagen einer modernen und menschlichen Medizin streiten und verständigen, in der wirklich der Mensch und nicht die Ökonomie im Mittelpunkt steht. Welche Medizin wollen wir, wie soll die Medizin der Zukunft aussehen? Welche Leistungen soll/muss die Allgemeinheit finanzieren, wo fangen Lifestyle und Luxus an? Geben wir zu viel Geld für nicht Notwendiges aus und sparen am Falschen? Welches Versicherungs- und Finanzierungssystem erscheint hiefür am besten geeignet? Wer soll medizinische Leistung anbieten und Krankenhäuser betreiben?

Kann und soll man wirklich alles dem freien Markt überlassen? Soll das Gesundheitswesen als Teil der allgemeinen Daseinsfürsorge nicht doch in öffentlicher Hand verbleiben? Müssen (privatisierte) Kliniken Renditen erwirtschaften, die über das für Unterhalt und Investition notwendige Maß weit hinausgehen? Welche Dichte und Erreichbarkeit von Praxen und Kliniken halten wir für angemessen und finanzierbar? Was soll mit den vielen kleineren Krankenhäusern in der Fläche geschehen? Wie viel Personal an Pflegenden, Ärzten und Therapeuten brauchen wir und wie gewinnt man die (wieder)? Diese und noch mehr grundsätzliche Fragen müssten längst öffentlich diskutiert und entschieden werden. Stattdessen wird der „schwarze Peter“ der „Verschlankung“ dem ökonomischen Druck und dem nebelkerzenartigen Schlagwort „Qualität“ überantwortet.

Daneben leisten wir uns ungeheure Summen an Fehlausgaben, die oft viel zu wenig hinterfragt werden; hierzu nur drei exemplarische Beispiele: unnötige, teilweise produktgetriebene Operationen an Gelenken und Wirbelsäule sogenannte palliative Chemotherapien (bei längst nicht mehr heilbaren Tumoren), die unverhältnismäßig teuer sind und bei zum Teil gravierenden Nebenwirkungen nur noch eine marginale Verlängerung der ohnehin schon sehr begrenzten Lebenszeit versprechen Dialysen bis zum Lebensende ohne Berücksichtigung von Lebensqualität und schwerster Begeiterkrankungen Jedem in der Medizin Tätigem dürften hierzu mühelos zahlreiche weitere Beispiele einfallen… Derzeit betreiben wir eine Medizin, in der nur noch zählt, was als Leistung definiert, messbar und abrechenbar ist. Dazu gehört ganz bestimmt nicht das miteinander Sprechen und Zuhören.

Scheinbar ist es nicht wichtig, verzichtbar und wertlos! Wie kommen wir also aus der Sackgasse der weitgehend ökonomisierten und industrialisierten Medizin wieder heraus, unter der Patienten, Pflegende und Ärzte gleichermaßen leiden? Die „neue“ sprechende und zu/hörende Medizin braucht hierfür mehr Zeit und (auch finanziellen) Freiraum, entsprechend interessierte und ausgebildete Ärzte und den mündigen, eigenverantwortlichen Patienten, der sich auch für seine Gesundheit und was sie wert ist, interessiert. P.S. Ich bin mit 35 Jahren Berufserfahrung immer noch begeisterter Arzt und Chirurg. – Dr. med. Detlef Holtermann

 

„…lernen wir hören!“ endet Thea Dorns Artikel über Beethoven. „Hört zu!“ appelliert Gian Domenico Borasio an uns Ärzte. Recht hat er! Unserem Patienten bei der Schilderung seiner Beschwerden aufmerksam zuzuhören wäre schon Teil der Therapie! Doch, statt ihn anzuschauen, starren wir lieber auf die pathologischen Befunde der „Bildgebung“, orientieren uns lieber an den rot markierten Laborwerten. Dann erklären wir ihm in schwer verständlichem griechisch-lateinischem Medizinkauderwelsch unsere (Vermutungs)Diagnose und schlagen eine daran ausgerichtete Therapie vor. Dabei laufen wir Gefahr, ein „disease“ (Lehrbuchkrankheit) zu behandeln statt der individuellen Erkrankung unseres Patienten. Eine Therapie, die ins Leere läuft, sogar überflüssige Operationen können die Folge sein! Hätten wir ihm richtig zugehört, hätten wir unserem Patienten manch diagnostischen und therapeutischen Irrweg ersparen können!

Darüberhinaus gibt es ein zweites, bei dem wir uns verbessern müssen: beim Loslassen! Noch eine Spritze geben, noch eine Infusion anlegen, noch ein Antibiotikum ausprobieren – statt im Angesicht des nahenden Todes eine Hand zu halten, eine Therapie zu beenden, dem endenden Leben seinen Lauf lassen! Wir sollen Leben erhalten: ja! – aber nicht Leben unnötig verlängern, und damit Leiden! Das wünscht k(aum)ein Patient! Das Sterben, den Tod zulassen ohne einzugreifen! Als mein Vater, 95jährig, im Gefolge eines zweiten Schlaganfalls während des stationären Aufenthaltes an einer Lungenentzündung erkrankte, sollte nach zwei Antibiotika, die nicht anschlugen, ein drittes, noch breiter wirkendes versucht werden. Ich habe die behandelnden Ärzte gebeten, darauf zu verzichten, und ihn in seine Wohnung zu entlassen, wo er (palliativ) gut betreut wurde. Dort, in seiner vertrauten Umgebung, sah er noch einmal alle Kinder, Enkel und Urenkel, bevor er kurz darauf friedlich starb. – Dr. med. Ulrich Pietsch

 


 

 

Leserbriefe zu „Schwere Geburt“ von Anna Esswein

 

Als Mutter von drei Kindern durfte ich vor vielen Jahren drei friedliche, selbstbestimmte und würdevolle Geburten zu Hause erleben. Warum? Weil Frau es kann. Wenn sie ungestört, unbehelligt und in ihrer eigenen Kraft ist. Ist das esoterische Träumerei? Nein, eigentlich wohl ganz normal. Fragen Sie doch mal die Niederländer! Tragisch ist, wenn Frauen sich heutzutage für die in Ihrem Artikel so genannte „nicht planbare Reise“ nicht die „Bergführerin“ aussuchen können, der sie vertrauen. In Krankenhäusern mit überfordertem, resigniertem Personal und mit einer gleichzeitig seit Jahren katastrophal geschrumpften Hausgeburts- und Beleghebammenszene – verfehlter Gesundheitspolitik sei Dank. Ein unfassbarer Skandal, der nicht nur Frauen in Serie traumatisiert, sondern auch die Neugeborenen, dies diesen Start auf dieser Welt ebenfalls ein Leben lang mit sich tragen. Beim Austausch über Geburtserlebnisse ernte ich bis heute die immer gleichen Kommentare anderer, teilweise traumatisierter, Mütter: „Hausgeburt – das wäre bei mir nicht gegangen. Bei mir ist so viel schief gegangen, da war ich zum Schluss froh über den Notkaiserschnitt“. Ich bin mir sicher, dass all diese Geburten, von einer empathischen und weisen Hebamme eins zu eins begleitet, eigentlich einen anderen Ausgang hätten nehmen können und müssen. – Eva Erlen

 

Es ist positiv zu werten, dass in jüngster Zeit über die Geburtstraumata, die durch die Umstände im Kreißsaal, den respektlosen Umgang mit Gebärenden und auch durch erfahrene Gewalt entstehen, berichtet wird. Es scheint mir ergänzend aber gerade im Zusammenhang mit dem Hebammenreformgesetz mehr als angebracht, unter dem Titel „Schwere Geburt“ auch endlich einmal explizit auf die körperlichenGeburtsschäden der Mutter hinzuweisen, die diese durch die Geburt erleiden kann. Schwere körperliche Geburtsschäden entstehen dabei vor allem dann, wenn der im Artikel beschriebene Notkaiserschnitt eben nicht ausgerufen wird, und die als natürlich begonnene Entbindung instrumentell beendet wird. Dabei (aber auch generell bei vaginalem Geburtsmodus) kann der Levator ani-Muskel vom Beckenknochen abreißen – und das ist gar nicht so selten! – und/oder der Analsphinkter Schaden nehmen. Dies hat irreparable Funktionseinbußen des Beckenbodens wie Tragfähigkeitsverlust, Harn- und Stuhlinkontinenz sowie Organsenkungen von Blase, Gebärmutter und Enddarm zur Folge, die sich nicht einfach durch Beckenbodentraining beheben lassen, sondern chronisch lebensverändernd sind.

Als Folge dieser körperlichen Schäden, welche im Alltag allgegenwärtig sind – Einschränkung beim Gehen, Stehen, Sitzen, Sex, Verbot von Heben, Tragen, Joggen etc. und bei den Toilettengängen (Defäkationsprobleme, Schlafmangel) – werden verständlicherweise posttraumatische Belastungsstörungen begünstigt. Angesichts dieser schweren Geburtsschäden und der sonst so fortschrittlichen Medizin in Deutschland ist es umso erstaunlicher, dass die betroffenen Mütter vorgeburtlich nicht aufgeklärt werden, wohl aber über die Risiken der Sectio. Es kann nur jeder Schwangeren dringend geraten werden, sich vorab selbst über die Geburtsrisiken zu informieren. Hierzu kann der unabhängige Blog https://geburtsrisiken.deoder die Facebookgruppe „Gebärmuttersenkung, Blasensenkung, Rektozele, Inkontinenz, Beckenboden“ dienen. Leider ist von offiziellen Seiten die vollumfängliche Aufklärung noch immer nicht gegeben, da die Frauen nicht verängstigt werden sollen. Es geht aber nicht allein um die Verbesserung der Bedingungen im Kreißsaal, sondern um nichts weniger als die in Art. 2 (2) GG zugesicherte körperliche Unversehrtheit der Mutter und des Kindes! – Silke vom Lehn

 


 

 

Leserbriefe zu „Der zweite Frühling“ von Matthias Krupa

 

Was haben die Österreicher, was wir Deutsche nicht haben, zumindest bislang noch nicht? Ibizagate zum Beispiel. Und nur wer, ob als Wähler oder Gewählter, aus dieser Affäre keine Konsequenzen zieht, rennt mit dem gleichen Kopf zweimal gegen die gleiche Wand. Insoweit überrascht in Österreich die Machtverschiebung hin zur politischen Mitte, mithin weg vom Rechtsnationalen, wohl kaum. Genauso wenig wie das relativ starke Comeback der Grünen im Nationalrat, welches ebendiese sogleich dankbar zur Übernahme von Verantwortung mittels Regierungsbeteiligung veranlasst hat. Dankbar deshalb, weil die linksliberale Partei laut Koalitionsvereinbarung durchaus so manch sicherheitspolitische Kröte zu schlucken bereit ist. Ob sich indes die überaus rege Anpassungsfähigkeit der neuen „K (Kurz) & K (Kogler)“-Dynastie zum türkis-grünen Experiment für die österreichischen Bürger und Bürgerinnen auszahlt, bleibt freilich abzuwarten. Das zuvor betriebene, schwarz-blaue Experiment, ist bekanntlich gescheitert. Denn auf Biegen folgt manchmal Brechen. – Matthias Bartsch

 

Sebastian Kurz (ÖVP) konnte für sein neustes „Kurz-Zeit-Experiment“, die „Grünen“ gewinnen. Zusammen wollen nun beide Parteien, das „Schlittenfahren“ im Probebetrieb, ausprobieren. Wer dabei den „Richtungs-Lenker“, und wer den „Richtungs-Bremser“ gibt, und ob diese „Ringelspiel“ wirklich ganz bierernst gemeint sein könnte, das wird sich alles demnächst, in diesem Theater, zeigen. – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Weg mit dem Teufelszeug!“ von Manfred Berg

 

Deutschland ist Weltmeister in Verboten. Der Glaube, daß die Menschen dann vernünftiger werden ist ein langjähriger Wunsch der Politik. Die Vergangenheit hat das Gegenteil gezeigt. Verbote zeigen vielmehr die Hilflosigkeit der Regierenden für ihre dumme Politik. – Gunter Knauer

 

DIE ZEIT gehört leider zu den edlen Alkohol-Popagandisten, die glauben von gutem Journalismus allein nicht leben zu können. Daher hätte es mich mächtig gewundert, wenn Manfred Berg ein gutes Haar an der amerikanischen Prohibition gelassen, wenn er beispielsweise erwähnt hätte, dass die Prohibition trotz unerwünschter Nebenwirkungen unbestreitbaren gesundheitspolitischen Segen gestiftet hat, oder wenn er gar das Wort Upton Sinclairs angeführt hätte: „Die Prohibition hat nicht versagt! Es hat nie eine Prohibition gegeben! Führt sie ein!“ (Alkohol, 1998, S. 414). Weitaus sympathischer sind ihm gewiss Fred Neumanns „Studien zum Alkoholverbot“, die der „Deutsche Brauer Bund“ 1923 herausgegeben hat. Ahnt man, zu welchem Ergebnis diese „Studien“ geführt haben? – Prof. Dr. mult. Kurt Guss, Borgentreich

 


 

 

Leserbriefe zu „Ich, verbesserlich“ von Marcel Laskus

 

Die Erziehung des Menschen ist die Mutter der Porzelankiste. Und die ist heutzutage grottenschlecht. Für das eigene Versagen muß der Staat erhalten, das haben die Pädagogen und Eltern den Schülern eingebläut. Deswegen wird unser Staat eines Tages in Armut landen, was sich heute noch keiner vorstellen kann. Ein Rat von mir an ihren Autor Marcel Laskus: Handy ausschalten und vorher die Öffnungszeiten bekanntgeben. Ihr Handy ist ein Geschäft. So halten es die Singapurer.. – Gunter Knauer

 

Bleib einfach so wie du (gerade) bist und benütze nicht jede App, sonst läufst du Gefahr, und bist der große (Abhängigkeits)Depp. Lebe einfach nur dein Leben eben! Lass diese tollen „Super-Angehm-Sonntags-Good-Feeling-Apps“ einfach ganz links liegen, es geht auch ohne, vielleicht; oder manchmal vielleicht auch nur mit (fast) ganz „wenig ohne“! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbrief zu „Weltkarte der Wut“ von Gero von Randow

 

Verwunderlich zu erfahren, dass in Venezuela die Welt schon wieder in Ordnung sei. – peter krieger

 


 

 

Leserbrief zu „Mit Vergnügen!“ von Klaus Binkbäumer

 

Eine schöne Geschichte hat ihr Autor zu Papier gebracht. Trump wird wiedergewählt, und wissen sie warum?: Er vertritt am besten Amerika. Er weiß besser als alle anderen Bewerber was seine Bürger wollen. Und noch eins: Er hat auch das Vertrauen bei seinen Bürgern. Alles was er im Wahlkampf gesagt hat, hat er erfüllt. Das wiegt viel schwerer als alles andere. Europa, oder genauer gesagt; Deutschland kann von Trump viel lernen. Ihre Arroganz hindert sie leider daran. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbrief zu „Kann sich die deutsche Industrie noch einmal neu erfinden?“ Gespräch mit Horst Wildemann geführt von Uwe Jean Heuser

 

1. Wildemann lachte über die milliardenschwere, erfolglose Entwicklung an der Brennstoffzelle. Zitat: damals hatte man die Idee, die Autos mit Wasserstoff zu betanken. Zitat Ende. Heute dagegen würde man die Brennstoffzelle zum Laden der Batterie verwenden. Hier meine Frage: Wo befindet sich diese Batterie? Sollte sie sich imfahrendenAuto befinden (und was anderes macht ja keinen Sinn, siehe seine Ausführungen zum Elektroauto mit zu schwerer Batterie) müsste auch der Wasserstoff mitgeführt werden. Jetzt bin ich verwirrt! – Dr.-Ing. Ulrich Schreyer

 


 

 

Leserbrief zu „»Wir wollen keine Ausländer hier«“ von Susan Schädlich

 

Sie bezeichnen den Jungen als ausländerfeindlich, weil er keine Ausländer hier will! Wenn er in Deutschland keine, oder nicht so viele Ausländer will, heißt das, er lehnt sie hier in unserem Land ab. Deswegen wüede ich ihn als Ausländer ablehnend bezeichnen und nicht als Feind aller Ausländer. Es handelt sich hierbei nicht um Wortglauberei, sondern darum, dass man Allen, die der Meinung dieses Jungen sind, generell Ausländerfeindlichkeit unterstellt. – Thristan T. Stiller

 


 

 

Leserbrief zu „Wortschatz“

 

Rummelpott Ich komme ebenso wie die Briefschreiberin aus Schleswig-Holstein, allerdings aus dem Kreis Schleswig.Der Rummelpott wurde bei uns ebenso wie beschrieben aufgebaut, mit einer anderen Variante:Nach Fertigstellung wurde mit einer Stricknadel genau in die Mitte der Schweinsblase ein kleines Loch gestochen und in dieses enge Loch wurde ein Strohhalm hineingesteckt. Nun wurden Daumen und Zeigefinger angefeuchtet und auf dem Stohhalm rauf und runter gestrichen. So wurden Schwingungen erzeugt, die die Schweinsblase zum Schwingen brachte und aus dem Rummelpott ein Musikinstrument machte. Die erzeugten Töne waren sehr spezifisch und laut genug, um als Rummelpottläufer sich damit Gehör und Einlass zu verschaffen.

Zum Wort Umtüdeln fallen mir noch weitere Worte ein: Rumtüdeln Rumtüdeln bedeutet soviel wie sich mit vielen Dingen, meistens wenig ernsthaft, zu beschäftigen. So war die Aufforderung Tüdel nicht rüm! eine ernsthafte Erinnerung, konzentriert zu arbeiten und sich nicht Nebensächlichkeiten aufzuhalten oder auch: Werde endlich fertig! Tüdeln Tüdeln wird im Sinne von Flunkern gebraucht. Tüdelig War jemand tüdelig, so galt er als verwirrt. Es wurde auch gebraucht, wenn jemand bei einer Aufgabe überfordert wurde und den roten Faden verlor. P:S. im Nachgang zu meiner mail von gestern sind mir noch zwei weitere Begriffe zu Tüdeln eingefallen: Vertüdeln Fäden sind vertüdelt, wenn sie in ungeordneter Weise durcheinandergebracht worden sind und entwirrt werden müssen. Tüdelmoors EinTüdelmoorserzählt Döntjes, Geschichten, die unwahrscheinlich sind, mit denen er häufig sein Gegenüber gern aufs Glatteis führt. – Manfred Henningsen

 


 

 

Leserbrief zu „Bauhaus-Uhren: Stimmt nicht“ von Oskar Piegsa

 

In Ihrem Artikel der Zeit Ausgabe Nr.2 „Bauhaus Uhren: Stimmt nicht“ hat Oskar Piegsa die Marketing Strategie der Uhren Industrie als „Etikettenschwindel“ bezeichnet. Konkret wird u.a. darauf verwiesen, dass berühmte Bauhaus Künstler wie Walter Gropius oder Marcel Breuer die Uhren nicht designt haben. Interessanterweise haben Sie den Junghans Chronoscope Max Bill als Bild zu dem Artikel abgebildet. Die Marke Junghans wirbt damit, dass der Junghans-Designer Max Bill die Uhr entworfen habe. Der Artikel in Kombination mit dem gewählten Cover erweckt jedoch den Eindruck Junghans habe ebenfalls die „Grenze zwischen Marketing und Hochstapelei“ verwischen lasse. Was ist nun korrekt? Junghans, die sich ebenfalls dem fragwürdigen Marketing Trend anschließen oder eine unglückliche Wahl des Bildes und der fehlende Hinweis, dass es doch Ausnahmen innerhalb des Trends gibt und es doch von Bauhaus Künstlern entworfene Uhren gibt? Fun Fact: Der Zeit Shop hat ebenfalls eine Junghans Max Bill „Zeit“ Sonderedition Uhr im „Bauhaus“ Stil beworben. – Thomas Neudam

 


 

 

Leserbrief zu „Splitter im Ohr“ von Thea Dorn

 

Einfach gut, einfach schön, einfach Dorn! – Alexander Schmejkal

 


 

 

Leserbrief zu „Stolz statt Geschäft“ von Felix Lill

 

Wie sich die Bilder, besser, die Ansprüche auf Entschädigungen gleichen. Japan war sicher froh, 1965 die Kolonialzeit in Korea mit US$ 500 Mio, ein Trinkgeld, abzugelten. Und das ist jetzt Rechtsgrundlage. Genau wie Forderungen aus dem Überfall von Deutschland, in andere Länder, aktuell z.B. von Polen oder Griechenland, an der deutsche Regierung abprallen. Man hat schließlich 1953 ein Londoner Abkommen geschlossen, welches die sog. Kriegskosten abgegolten haben. Wiedergutmachungsvereinbarungen mit dem Jüdischen Weltkongress und Israel ausgenommen. – Hartmut Wagener

 


 

 

Leserbrief zu „Torten der Wahrheit“ von Katja Berlin

 

ich bin einer ganz großer Fan Ihrer Rubrik „Torten der Wahrheit“. Immer wieder verstehen Sie es meisterhaft, Missstände und Ungereimtheiten in anschaulichen Diagramme zu entlarven. In der ZEIT Nr. 2 vom 3. Januar 2020 ist Ihnen jedoch ein logischer Fehler unterlaufen: „Konservatismus in Deutschland“ : Die Konservativen wollen natürlich nicht das „Tempolimit bewahren“, sondern es müsste ganz im Gegenteil „Tempolimitfreie Autobahnen bewahren“ heißen. – Dr. Maria Lang

 


 

 

Leserbrief zu „Er war kein Heros!“ Gespräch mit Birgit Lodes und Melanie Unseld geführt von Christine Lemke Matwey

 

Wenn Beethoven kein Heros war, wer dann? Nichts gegen die Beethovenforschung an sich. Wenn aber nur intellektuelle Kopfgeburten wie bei diesem Interview auf Seite 47 zum Ausdruck kommen, dann wird man Beethoven nicht gerecht. Fakt ist, dass seine Musik weltweit Menschen verschiedener Kulturen tief berührt. Selbst in Indien mit einer völlig anderen Musiktradition sah ich Freudentränen, als vor großem Publikum anlässlich der Jahrtausendwende ein Teil der 5. Symphonie abgespielt worden war. Besonders bemerkenswert finde ich seine späten Werke, die er in völliger Taubheit schrieb. Kaiser, der langjährige „Kritikerpapst“ schrieb zur letzten Klaviersonate (Op. 111): „Beethoven transzendierte sich in eine überirdisch spirituelle Dimension; sie mündete schließlich in einem Punkt aus Licht.“ Und Beethoven selbst soll bezüglich der Bedeutung von Herz und Intellekt gesagt haben: „Der Arsch ist der Erleuchtung näher als das Hirn!“ – Hans Oberressl

 


 

 

Leserbrief zu „»Wir alle sind Leonore«“. Gespräch mit Volker Lösch geführt von Luisa Reisinger

 

Über Ihren hochkarätig besetzten Beitrag zu Beethoven, vor allem die Artikel von Florian Zinnecker und Thea Dorn, habe ich mich sehr gefreut. Auch das Interview mit Volker Lösch fand ich sehr gut. Ich habe die Produktion als ehrenamtliche Opernführerin an der Bonner Oper begleitet und einige Proben gesehen, vor allem aber war ich in der Premiere und in der zweiten Vorstellung am 4. Januar 2020 und habe mit Besuchern über diese Oper gesprochen und das Inszenierungskonzept erläutert. Die WDR Lokalzeit hat am 2. Januar zum zweiten Mal (!) über diese Opernproduktion berichtet: https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-bonn/video-demo-vor-fidelio-premiere-102.htmlHier bekommen Sie auch einen Eindruck, was auf der Bühne zu sehen ist. Ich selbst habe für das Opernmagazin, ein Online-Format, das ehrenamtlich betrieben wird, folgenden Beitrag verfasst: https://opernmagazin.de/oper-bonn-premiere-von-fidelio-am-neujahrstag/?fbclid=IwAR03oZWA0T-Fg2DTF3moiQfMs4UsvLzrWEpglbpMbAaWd9fe_kuAyZypTHsGrundlage war mein ausführlicher Bericht, den ich dem Chefredakteur übermittelt habe, den er aber nicht als Opernkritik im Netz veröffentlichen wollte, sondern an die „Ruhrbarone“ weiter geleitet hat: https://www.ruhrbarone.de/volker-loesch-inszeniert-beethovens-fidelio-in-bonn-als-befreiungsoper-fuer-gefangene-in-tuerkischen-gefaengnissen/177360?fbclid=IwAR0c5LKKzu55D-dtRTfXAIEMLMDqAWMiDNx4x3ZB9hQHjdd-OVcSawv028gIch habe bei der Premierenfeier und gestern mit den fünf Zeitzeugen gesprochen und sie zu ihrem Mut und Engagement beglückwünscht, sich als nicht als Schauspieler ausgebildete Darsteller auf die Bühne zu stellen und sich für ihre Angehörigen einzusetzen. Sie alle sind Leonore!

Auch gestern demonstrierten wieder Angehörige politischer Gefangener vor der Oper, sie sind hinterher in die Vorstellung gegangen. Vorsichtshalber waren drei Polizisten am Eingang eingesetzt, man hat also durchaus mit Komplikationen gerechnet. Der größte Erfolg der Produktion zeigte sich am 4. Januar 2020 in der auch wieder ausverkauften zweiten Vorstellung: es waren sehr viele Kurden und Türken gekommen, die mit großem Interesse die Vorstellung verfolgten. Ich saß neben zwei kurdischen Herren Ende 30. Sie waren zunächst etwas irritiert von der Musiksprache Beethovens, waren aber spätestens am Beginn des zweiten Akts so ergriffen und gespannt, dass sie wie gebannt die Textbeiträge und die spannende Musik wahrnahmen. Beethovens Musik hat die visionäre Kraft, die Utopie der Befreiung denkbar werden zu lassen. Es gab uneingeschränkten Beifall, denn nach dem gewaltigen Medienecho hatte es sich herumgesprochen, dass die gezeigten Bilder und die gesprochenen Texte zum Teil sehr drastisch sind. Als die Oper dann auch noch mit dem Sturz des Tyrannen und der Vision der Freilassung aller politischen Gefangener endete lagen die beiden Kurden einander in den Armen. GMD Dirk Kaftan hat mit dieser Produktion Besucher erreicht, die ich noch nie in der Oper gesehen habe. Junge Frauen mit und ohne Kopftuch, Angehörige der türkisch-kurdischen Community, die an der Oper alter Prägung achtlos vorbei gegangen sind. Das Theater Bonn hat Postkarten vorbereitet, die nach der Vorstellung verteilt werden, und eine Website für die Befreiung der politischen Gefangenen ins Netz gestellt: https://www.theater-bonn.de/de/FreeThemAll/

Volker Lösch hat sein Ziel erreicht. Die weiteren Vorstellungen sind fast ausverkauft. Die Bonner Produktion ist übrigens die einzige szenische Realisation einer Neuauflage von Beethovens einziger Oper in Deutschland. Alle anderen trauen dem Libretto nicht und weichen auf eine konzertante Aufführung aus. Die vermutlich nächste szenische Realisierung wird es im ROH Covent Garden unter Antonio Pappano am 1. März 2020 geben, es inszeniert Tobias Kratzer, der Regisseur des „Tannhäuser“ 2019 in BAYREUTH. Es singen Jonas Kaufmann, Lise Davidsen und Georg Zeppenfeld. Ich gehe davon aus, dass auch Kratzer mit Video-Installationen arbeiten wird und mit Darstellern, die im Original-Libretto nicht vorkommen. – Ursula Hartlapp-Lindemeyer

 


 

 

Leserbrief zu „Der Fluss ruft“ von Carl von Siemens

 

Zum Phänomen, dass der Mond uns immer dieselbe Seite zuwendet (sein „Mondgesicht“), und dass er bei einer Umdrehung um die Erde sich einmal um sich selbst dreht:In der Physik kann man sich die Masse eines Körpers in einem Punkt vereinigt denken, seinem Schwerpunkt. Und die Bahn dieses Schwerpunkts um die Erde ist gleichmäßig. Aus dem „Mondgesicht“-Phänomen können wir schließen, dass der Mond aus verschieden schweren Teilen besteht, und dass sein Schwerpunkt nicht in seinem Mittelpunkt liegt. Da die Anziehung der Erde auf den Mond einerseits auf seinen Schwerpunkt wirkt und andererseits auf jedes seiner Volumenelemente gesondert, erzeugen die schwereren Partien ein Drehmoment auf den Mondkörper so lange, bis diese den geringst möglichen Abstand zur Erde erreicht haben. Experten folgern daraus, dass der Mond zeitgleich mit der Erde durch wiederholten Meteoriteneinschlag entstanden ist und nie so heiß wurde, dass eine rotationssymmetrische Schalenbildung hat entstehen können. Die ursprüngliche Unwucht ist geblieben. – Dr. Rudolf Pucher

 


 

 

Leserbrief zu „Die einzigartige Nation“ Gespräch mit Gilbert Cette geführt von Georg Blume

 

Jetzt weiß ihr Autor bescheid. Ich habe noch nie nach dem Staat gerufen. Für meine Kinder käme das auch nicht infrage. Es ist, wie alles im Leben, eine Frage der Erziehung. Und die ist grottenschlecht. Bestimmte Menschen haben das den beiden letzten Generationen eingebläut, den Staat für sein eigenes Versagen verantwortlich zu machen. Deswegen, wie ich ihnen schon öfters mitgeteilt habe, wird aus unserem Staat auch nichts. Einige Kollegen von ihnen verstehen das, einige nicht. Genauso denkt nämlich die Bundeskanzlerin, die kümmert sich auch um nichts. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbrief zu „Zurück zu den Wurzeln“ von Mariam Lau

 

Ein Mann den Söder aus Bayern zum Beispiel meint. Wenn ich mich nicht in Singapur aufhalte, dann meistens in Düsseldorf wo viele Freunde von mir leben. In letzter Zeit bin allerdings nach Österreich gewechselt, weil der Aufenthalt in Deutschland nur sehr schwer zu ertragen ist. Über 50 Jahre hat man daran gearbeitet, Deutschland politisch und kulturell ins Jenseits zu befördern. NRW wäre das ärmste Bundesland gebe es Ostwestfalen nicht. Der Autor täuscht sich aber, wenn er meint, der Staat müsste das wirtschaftliche Kommando übernehmen. Das sollte nur die Ausnahme sein. Die Marktwirtschaft ist ein einzigartiger Erfolgsweg der uns den Wohlstand gebracht hat. Die Träumereien der SPD zeigen deutlich, die haben anscheinend nicht dazu gelernt. Die neuen Vorsitzenden, die unverständlicher Weise gewählt worden, haben der Partei den Rest an wohlwollen gegeben. Zurück zum Großen und Ganzen: Larry Sammers, der Präsident von Harvard und Wirtschaftsprofessor hat in Davos den Europäern die Liviten gelesen. Obwohl er Deutschland gemeint hat, wenn man richtig zugehört hat. Er hätte nur noch Verachtung für so viel Dummheit. Die Kanzlerin war so perplex, daß sie eine schlechte Rede gehalten hat. Sie hat sich auch schnell wieder verabschiedet. Es geht nur mit Runderneuerung und das möglichst schnell. Sonst läuft unser Staat tatsächlich politisch gegen die Wand. Die Wirtschaft und Medien halten unseren Staat noch aufrecht, obwohl kein Wachstum zu verzeichnen ist. Das heißt; Stillstand. Nicht nur neue Minister müssen her, auch die Redakteure der elektronischen Medien müssen ausgewechselt werden. Der Rundfunkstaatsvertrag, der in den 60er Jahren geschlossen wurde, muß neu gestaltet werden. Deutschland muß sich schlicht und einfach Neu erfinden. Nicht warten auf das Jahr 2021 – jetzt handeln. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbrief zu „Feilschen fürs Klima“ von Ferdinand Dudenhöffer und Karsten Neuberger

 

Die Empfehlung, einen guten Kaufpreis für das E-Auto durch Feilschen zu erzielen, kann keine gute Laune erzeugen. Für die große Mehrheit der Autokäufer gehört der Verkauf des Gebrauchtwagens zum Wechsel. Dass der Verfall der Gebrauchtwagenpreise für Diesel und Benziner alle Geschenke der Steuerzahler (Subventionen) übertrifft – darüber in Ihrem Beitrag kein Wort! – Dietrich Enss

 


 

 

Leserbrief zur Infografik „Dicker als Wasser“ von Christina Grob (Infografik und Recherche)

 

Ich „spiele“ auch in der „Liga zwischen 18 bis 72“, und bin seit mindestens 40 Jahre (leider auch mit Zwangspausen) Blutspender! Meinen „Saft des Lebens“ spenden zu dürfen, das hat für mich zwei entscheidende Vorteile. Erstens kann ich damit eventuell Leben retten, und zweitens tut mit dieser „Aderlass“, einfach gesundheitlich sehr gut. Wenn man so will, ist die ganze Blutspenderei, eine ständige „Runderneuerung“ für meinen Körper und auch für meinen Geist, und zum Nachahmen einfach dringend empfehlenswert! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Aus den Fugen“ von Alard von Kittlitz im ZEIT Magazin

 

Danke fuer den ausführlichen Artikel “Aus den Fugen”. Zum Thema Abfallvermeidung gibt es ein englisches Unternehmen, das sich der Autor einmal genau ansehen sollte: www.winnowsolutions.com, deren Produkte/Prozesse schon lange bei Grosskuechen wie IKEA, SAP Boehringer Ingelheim sowie bei Hotelketten und Kreuzfahrtunternehmen angewendet werden. – H. Peter Krebs

 

Ganz herzlichen Dank für den Artikel aus den Fugen zum Thema Müll.Doch leider muss sich auf Seite 25 ein Fehler eingeschlichen haben, denn die genannten Zahlen bezüglich Abfall bei der Kupferherstellung sind unplausibel: wenn wirklich pro Tonne Kupfer 2000 Tonnen Abfall entstünden, dann wäre Kupfer viel teurer. Eine Tonne Cu kostet rund 4000€ doch wenn man nur 100€ pro To Abfall annimmt, so müsste Cu 50 mal teurer sein. Selbst bei nur 10€ pro Tonne Abfall wäre der Kupferpreis noch 5 mal höher. Eine weitere Überlegung: 2 Milliarden Tonnen Abfall auf 40 Tonnen pro LKW ( angenommen, ich weiss das ist das Bruttogewicht eines LKW) ergibt 50 Mio LKW nur mit Abfall aus der Kupferproduktion. Sind das nicht ein „paar“ zuviel für die Hansestadt Hamburg? Würde jeder von diesen nur 12 Meter lang sein, dann wäre das dicht an dicht geparkt eine Strecke von 600.000 km also ganz grob 1,5 mal Erde Mond? Über eine kleine Info würde ich mich freuen. Oder eine Richtigstellung ? – J A Vogelsang

 

Leider ist alles in Ihrem Beitrag korrekt! Doch wir kapieren nichts. Um diesen Erdenball, uns (!) zu retten, muß sich die Menschheit in jeder Hinsicht einschränken, Lebensgewohnheiten massiv ändern. Verpackung z.B. sollte sehr hoch besteuert, das Wegschnippen von Zigarettenkippen hart bestraft, die hirnlose Ballerei zu Silvester abgeschafft werden. Stattdessen überlegen wir, in welchem Tempel wir unsere Konsumsucht stillen, wohin wir in den Urlaub fliegen. Staatenlenkern geht es um Macht. Es werden Wirtschafts- und Glaubenskriege geführt. Umweltbelange folgen erst am Ende. Meine Erkenntnis: Der Mensch ist einfach zu dumm!- Achim Bothmann

 

Weibisch?????????? Hysterie ist weibisch? Ich dachte das wir die Zeiten hinter uns haben! – Elfie Wurm

 

mit viel Interesse und wachsendem Schaudern habe ich den Artikel „Aus den Fugen“ von Alard von Kittlitz gelesen. Selbst als kritischer Verbraucherin waren mir die Probleme und Katastrophen, die wir mit unserem Wohlstandsmüll produzieren, nicht in dieser Tragweite bewusst. Deshalb schlage ich vor, diesen Artikel allen weiterführenden Schulen zur Verfügung zu stellen und als Pflichtlektüre in jeden Bio-Chemie-Physik- und Sozialkundeunterricht aufzunehmen. Vielleicht wird dadurch ein Umdenken beschleunigt, die Kreativität bei der Lösung dieser Probleme erhöht und der Ignoranz der Nährboden entzogen. Damit hat die Politik der Zukunft vielleicht eine Chance, die begangenen Fehler zu revidieren. Was die jetzige Politik in puncto Müllvermeidung betreibt, kann man kaum als Tropfen auf den heißen Stein bezeichnen und der Protest der streikenden Schüler droht in der verantwortungslosen Haltung der „Bewahrer der Wirtschaft“ zu verhallen. Die Leute, die in den Schulen aufgepasst haben, die Zusammenhänge in der Naturwissenschaften zu deuten wissen, und unsere und ihre Zukunft lebenswert umgestalten wollen, werden als Schulschwänzer diskreditiert. Die Zeit eilt! – Charlotte Blanke-Sarholz

 

Der Artikel ‘’Aus den Fugen’’ ist ein perfektes Beispiel von den Texten, wegen denen ich die Zeit abonniert habe. Seine Relevanz ist genauso groß wie unsere Müllberge – riesig. Er verdient wegen der Problematik aber auch der guten Verständlichkeit und den Denkanstößen, die er gibt, besondere Anerkennung. Gerne teile ich ihn mit Menschen aus meinem Umfeld. Lösungsansätze, die als Individuum möglich wären, hätten ihn noch besser ergänzt. Dankeschön. – Anna Grellert

 

Immer mal wieder entdecke ich im Zeit-Magazin unglaublich gut recherchierte (empfinde ich so) und super geschriebene Beiträge. Auf „Aus den Fugen“ habe ich lange gewartet. Vielen, vielen Dank für diesen grandios geschriebenen Artikel. – Angelika Pein

 

Ein großartiger Artikel von A. von Kittlitz! Dieser gehört meiner Ansicht nach in die Abteilung Wirtschaft/Gesellschaft. Erfreulich empfinde ich die Forderung/Erwartung, dass nicht nur der Bürger vor der eigenen Haustür Umweltschutz praktizieren sollte, sondern der Staat von den Firmen Umweltschutz einfordern sollte! Das entlastet auch den möglichen Generationenkonflikt. Die Alten sind ja nicht per se Umweltsünder. Zudem sollte mehr „bis zum Ende“ = Recyclingkreislauf gedacht und erst dann produziert werden. Selbstredend ohne klassisch alter (wirtschaftlicher) Lobbyeinflüsterung. Wo das hinführt, haben wir Bürger ja genug Beispiele aus der Vergangenheit – Hans-Joachim Schröder

 

Mit großer Begeisterung habe ich den Artikel von Allard von Kittlitz „Aus den Fugen“ im „Zeit Magazin“ gelesen. Er kommt von der Wucht der Argumentation an den Artikel von Bernd Ullrich heran, der vor anderthalb Jahren über seiner „Bekehrung“ zum Veganer berichtete. Nur warum kommt dieser hervorragende und wichtige Artikel fast „versteckt“ ins im „Zeit Magazin“? Das wäre ein Titelthema gewesen! Ich möchte diesen Artikel an alle Menschen geben, die mir wichtig sind, obwohl ich ein bisschen Angst vor deren Gedanken und Reaktionen habe: „Ich habe keine Zeit so einen langen Artikel zu lesen.“ „Danke, dass du mir ein schlechtes Gewissen machst.“ „Hast du keine anderen Sorgen?“ Ich machs trotzdem. – Carsten Wirth

 

Ganz großen Dank an Alard von Kittlitz für diesen Artikel! Er spricht mir aus der Seele. Und endlich wird das Problem des Abfalls der Konsumgesellschaft nicht nur höchst anschaulich beschrieben, sondern es werden auch originelle Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, die nicht ausschließlich auf dem Verzicht des Einzelnen beruhen. Ich denke schon länger, dass man schlicht verbieten sollte, Waren in Verpackungen in den Handel zu bringen, die nicht zu 100% recyclebar oder in kurzen Zeiträumen biologisch abbaubar sind. Es ist zu hoffen, dass Herrn von Kittlitz‘ Einsichten endlich ihren Weg in die politische Agenda finden. – Cornelia Daragmeh

 

Ich fand es ziemlich unangenehm, Alard von Kittlitz’ „Müll“-Geschichte im jüngsten ZEIT-Magazin zu lesen. Dem Text war anzumerken, dass das Thema eigentlich zu groß für einen Magazinartikel ist, dass der Autor unter großer Anspannung stand, dass die Recherche ihm irgendwann über den Kopf gewachsen ist. Aus dem Text spricht ganz viel Anmaßung. Das steht der ZEIT meines Erachtens nicht gut an. – Eugen El

 

In dem gleichermaßen lesens- wie bedenkenswerten Artikel wird die Aussage von Herrn Professor Doktor Michael Braungart zitiert, der sinngemäß sagt, dass es in Hamburg eine Kupferhütte gäbe, die jährlich viermal mehr Müll produziere als das gesamte Europäische Hausmüllaufkommen, je Tonne Kupfer entstünden 2000 Tonnen giftiger Sonderabfall. Das hat mich zutiefst erschüttert. Leider finde ich (mit meinem vielleicht nicht ausreichendem Recherchevermögen) im mir zugänglichen Internet keinen Hinweis, der diese Aussage stützt. Könnten Sie mir einen Link nennen ? – Peter Kautz

 

Wieder derselbe Fehler, der uns Trump, die AfD und Salvini geschenkt hat: es ist eine Illusion, zu glauben, dass die Welt gerettet werden kann, indem man die Hamburger Professoren und die gutverdienenden, grünorientierten IT-Spezialisten anspricht; die sind schon einigermaßen bereit, auf einen Teil des Konsums zu verzichten (bei der Hoffnung, dass die wirtschaftlichen Konsequenzen nicht so harsch sein werden). Aber wer seine Selbstverwirklichung nicht in dem Besuch von Museen, Konzertsälen und Bibliotheken findet, sieht seine wichtigste Befriedigungsquelle in der Huldigung des Konsumismus. Ohne realistische, empathische Vorschläge für diese „Anderen“, werden wir ewig in unserer Echokammer gefangen bleiben. – dr. Salvatore Algieri

 

Betreff: „Und ohne hysterisch klingen zu wollen“ usw. Euer Ernst? Keine Ressortleitung, keine Chefredaktion, keine Dokumentation, die solchen Haferkas streicht? Und den Autor alsdann zu seinem Steinzeit-Geschreibsel befragt? – Christian Witt

 

Ein großartiger Artikel, interessant recherchiert und vieles gut und verständlich auf den Punkt gebracht. Dieser Artikel sollte es zu den Fridays for Future-Demos, zu den Sitzungen unserer Politiker im Bundestag schaffen, der Ältestenrat sollte ihn lesen, ebenso die Lehrer aller Schulen. Der Inhalt bzw. Lösungsvorschlag von Prof. Braungart sollte Teil des Lehrplans werden. Aber: um dies publik zu machen und für die breite Masse zugänglich… schreiben Sie das doch bitte noch mal – kürzer und mit ein paar Grafiken. Frei verfügbar auf Zeit.de oder im Magazin, sodass es geteilt werden kann, so oft die Menschen wollen. Es steckt viel Arbeit in diesem Artikel – der hat so unglaublich viel Potenzial, was durch deutliche Kürzung im Rahmen einer Zweitverwendung gehoben werden könnte. In jedem Falle danke für diesen Einblick! – Thomas Probst

 


 

 

Leserbriefe zu „Prüfers Töchter“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

 

Ich wundere mich, dass herr P. die Töchter so vermarktet, wenn diese nicht Kunstfiguren sind. Zwar mitunter amüsant, aber auch kindeswohlgerecht? Und zweitens: S. 39, zu letzter Absatz: Wenn nun die roten Revulotionäre den elenden Klassenfeind nach dieser Anleitung ganz leicht an ihren Jäckchen erkennen können, was dann tun? Im revolutionären Rußland wurden, wie ich las, Leute mit weichen Händen einer Sonderbehandlung unterzogen. Die Prüfersche Kleiderkontrolle hätte den Vorteil, dass sich unangemeldete Hausbesuche erübrigen würden. – Schmidt

 

Ich möchte gerne erfahren wie lange sie die Beiträge von „Prüfers Töchter“ noch drucken wollen. Ich lese sie schon lange nicht mehr, sie interessieren mich nicht. Ich finde es ist an der Zeit, mal jemand anderes auf dieser zweitletzten Seite des ZEIT MAGAZIN zu Wort kommen zu lassen. Was meinen Sie? – Rita Ratz

 


 

 

Leserbrief zu „Über den Umgang mit Ex-Nazis, Opportunisten und Seitenwechslern“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

 

Ein wunderbarer Artikel! Menschen ändern sich und natürlich können sie sich weiterentwickeln, das ist ein Zeichen von Reife und nicht von Opportunismus. Ich werde dieses Jahr 60 und wenn ich daran denke, was ich teilweise vor 40, 30 oder sogar vor 3 oder 4 Jahren apodiktisch behauptet habe, treibt es mir teilweise die Schamesröte ins Gesicht. Der Rücktritt von Bischof Rentzing in Dresden war ein erschreckendes Beispiel dafür, was Negieren von Weiterentwicklung verursachen kann: den Verlust eines fähigen Bischofs (und das auch noch innerhalb einer christlichen Kirche, wenn Christus nicht auferstanden wäre, hätte er sich im Grab umgedreht…). Wir müssen einfach Fehltritte uns selbst verzeihen und auch unseren Mitmenschen, allerdings auch offen dazu stehen. Das hilft im Kleinen und wäre gesellschaftlich ein Quantensprung. – Dr. Patricia Klein

 


 

 

Leserbrief zu „Das war meine Rettung“. Gespräch mit Anna Thalbach geführt von Christine Meffert im ZEIT Magazin

 

Selten habe ich so den Kopf geschüttelt wie über die – nicht nur in Ihrem Blatt – unkommentiert veröffentlichten ungemein törichten Einlassungen der Schauspielerin Anna Thalbach zu der ihrer Mutter gegenüber erklärten Eigenbedarfskündigung. Tenor: selbst allseits anerkannte und beliebte Bühnenstars sind vor den Machenschaften übler Miethaie nicht gefeit. Frau Thalbach fügt sich damit ein in den vielstimmigen Chor von Mietern und auf deren Stimmen bedachte Politikern, die Vermieter ausnahmslos als habgierige Blutsauger anprangern und bekämpfen oder – vornehm wie Frau Thalheim – per Anwalt bekämpfen lassen.

Die Eigenbedarfskündigung ihrer Mutter wird von Frau Thalbach als rücksichtslos kritisiert, ohne dabei Belange des privaten Eigentümers der Wohnung auch nur in einem Nebensatz in ihre Überlegungen mit einzubeziehen. Dieser konnte im vorliegenden Fall nur in einem einzigen Fall kündigen, nämlich wenn er gerichtlich nachvollziehbar darlegen konnte, die Wohnung selber oder für einen nahen Angehörigen zu benötigen (Eigenbedarf). Aus ihren allseits breit publizierten Darlegungen schließe ich, dass Frau Thalbach diesen einzigen vom Gesetzgeber für den Vermieter überhaupt zugelassenen Kündigungsgrund als moralisch unzulässig verwirft. Damit erhebt sie Anspruch auf ein eigentumsähnliches Mietrecht und stellt gleichzeitig privates Eigentum an Wohnraum grundsätzlich in Frage. Ich vermute mal, dass ihr die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen dieser Position auch nicht ansatzweise klar sind. Sollten sich Frau Thalbach und die ihre Ansichten unterstützenden politischen Parteien durchsetzen, hätte dies absehbar den Zusammenbruch des privaten Mietmarktes zur Folge. Zudem würden wie in der DDR erneut auf deutschem Boden „Ruinen geschaffen ohne Waffen“. Wem gegenüber das von Frau Thalbach publikumswirksam eingeforderte „Menschenrecht aufs Wohnen“ dann noch geltend gemacht werden könnte, bleibt wohl nicht nur ihr Geheimnis.

Als Eigentümer von zwei Wohnungen, von denen eine selbst genutzt und die andere unbefristet privat vermietet ist, möchte ich zu den Aspekten „Privatvermieter = Blutsauger und Miethaie“ am eigenen Beispiel auf folgendes aufmerksam machen. Meine Frau und ich haben diese beiden Wohnungen nicht geerbt sondern ein ganzes Berufsleben lang eisern gespart, um sie noch rechtzeitig vor unserem Ruhestand abbezahlt zu bekommen. Zum einen wollten wir damit sicher in „Beton“ anlegen, zum anderen durch Vermietung der weiteren Wohnung unsere laufenden Alterseinkünfte aufstocken. Das war, zugegeben, nicht die allerbeste Anlageidee, die wir verfolgt haben. Allein mit den bei Erwerb der Wohnungen fälligen Nebenkosten für Grunderwerbssteuern, Makler, Notar, Grundbuchamt ganz zu schweigen von den über Jahrzehnte getragenen Kosten der Finanzierungen hätten wir sehr, sehr lange bequem und sorgenfrei mieten können. Und dies schließt steuerliche Vorteile, die wir auch hatten, mit ein. Ich vermag zudem nicht einzuschätzen, wie viele Arbeitskräfte nicht nur im Baubereich durch den von uns finanzierten Wohnungsbau beschäftigt werden konnten.

Jetzt sind wir zwar schuldenfrei, müssen aber den Rohertrag aus der vermieteten Wohnung (7,80 €/qm) mit unserem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern. Der danach und nach Bestreitung der eigentümerseitig laufend zu tragenden Kosten für den Unterhalt der Wohnung verbleibende Rest beläuft sich auf eine Rendite von ca. 2% des angenommenen Wohnungswertes. Fazit: meine Frau und ich hätten – nach dem Vorbild der wohl auch nicht immer völlig einkunftslosen Damen Thalbach – weit besser daran getan, statt unter die Miethaie zu gehen, Mieter zu bleiben und unsere laufenden Ersparnisse z.B. in ungleich lukrativere Aktienfonds zu stecken. Als clevere und gerechte Mieter hätten wir gemeinsam mit Frau Thalheim dann auch fröhlich einstimmen können in den Forderungschor nach einem unbeschränkten Mietkündigungsverbot. Abschließend erlaube ich mir noch folgenden Hinweis. Unsere selbst genutzte Wohnung befindet sich in einem Haus mit nur wenigen Wohneinheiten, die zum Teil vermietet sind und zum Teil von den Eigentümern selbst genutzt werden. Glauben Sie nicht, dass auch nur von einem der Mieter je auch nur ein einziger Handschlag beigetragen wird zur laufenden Pflege des gemeinsam genutzten Hausgrundstücks. – Albert Luig

 


 

 

Leserbrief zu „SCHACH“ im ZEIT Magazin

 

Morgens, wenn die Zeit vom Boten geliefert wurde (meist schon in der Nacht, das merke ich, wenn ich den Schlaf wegen menschlicher Bedürfnisse unterbrechen muss), hole ich die ZEIT ins Haus und schaue zuerst nach dem Schachrätsel. Oft finde ich die Lösung schnell, manchmal nur mit Mühe, aber die Lösung zum heutigen Rätsel konnte sich gar nicht finden. Mir sind keine Züge eingefallen, wie der Spieler von Schwarz die Dame des Gegners erobern könnte. ABER: Stattdessen habe ich ein Zwei-Zug-Matt gefunden: 1. …, Sf3+; 2. (gezwungenermaßen) LxSf3; De1++. Mir scheint die Brettsituation nicht zum Text zu passen (oder umgekehrt). Habe ich Recht? Oder habe ich einen kapitalen Fehler gemacht? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen – auch wenn Sie wahrscheinlich unzählige ähnliche mails bekommen (haben). – Prof. Kurt Schroeder

 


 

 

Leserbriefzur Deutschlandkarte „Internate“ von Friederike Milbradt im ZEIT Magazin

 

Wenn Sie im ersten Satz andeuten, dass das „Bringen durchs Abitur“ Daseinszweck von Internaten sein kann, dann wäre daran auch die Zielerreichung zu messen! Da scheint mir eine neue Kategorie „besser“ nicht hilfreich – und dass „besser“ nicht wissenschaftlich belegt werden kann, ist m.E. selbstredend – und für niemanden hilfreich! Warum führen Sie nicht an, wieviele SchülerInnen in Normzeit bzw mit 1 oder 2 Jahren Verkürzung bzw Verlängerung das Abitur erfolgreich abgeschlossen haben – in Zahlen oder Prozenten? Und falls Sie festgestellt haben, dass die Bundesländer mauern, wäre auch dies für genervte Eltern hilfreich gewesen … – Franz Berger