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20. Februar 2020 – Ausgabe 9

 

Leserbriefe zu „Wie weit darf Sterbehilfe gehen?“ Streit von Roger Kusch und Frank Ulrich Montgomery

 

Vor wenigen Wochen haben wir es unmittelbar miterlebt, wie eine Freundin zwar zum Glück (!) ein Palliativbett bekam. Aber als sie fast vier Wochen dort lag, machte die Krankenkasse Druck. Falls nicht in Kürze ein Hospiz-Bett für sie frei würde (was ja auch immer bedeutet: Dort muss ein Patient sterben!), müsse sie in die Übergangspflege, sprich in ein Altenheim. Zusätzliche Seelenqual für unsere Freundin, für die das Altenheim ein Alptraum gewesen wäre, und die sich, wie auch Mann und Tochter, ohnehin in einem psychischen Ausnahmezustand befand, da zwischen Diagnose und Ende der Therapierbarkeit nur wenige Wochen lagen. Von den Strapazen der Krebserkrankung ganz zu schweigen. DAS ist unwürdig. Wenn Sterbehilfegegner so tun, als könne sich jeder am Lebensende aussuchen, welche Versorgung er wünscht, dann ist das glatt gelogen. Wir kennen noch mehr Fälle, wo es NICHT so war. Zahlen und Fakten zu dem Verhältnis von vorhandenen Palliativ- und Hospizplätzen und der Anzahl der darauf angewiesenen Patienten wären ein wichtiger Beitrag zu dieser überwiegend mit ethisch-moralischen Argumenten geführten Diskussion. – Dr. Ute Mank

 

Wie weit Sterbehiffe gehen darf. Soweit wie es jeder persönlich in eigener Entscheidung für sich wünscht. Ende der Diskussion. Aber in Deutschland muss das Thema zerredet werden, da kann ein Mann wie Kusch noch so klare Linie zeigen.Schweizer oder Beneluxer müsste man sein.- Hans-Emil Schuster

 

Die Äußerung von Herrn Montgomery über „Zipperlein“ macht mich fassungslos. Damit ignoriert er das große Leid Schwerkranker und spricht gleichzeitig den behandelnden Ärzten die Kompetenz ab. Die Ehrenpräsidentschaft sollte ihm entzogen werden. – Horst Winkler

 

Die Rolle des Arztes sei es laut F. U. Montgomery zu heilen und zu helfen. An dieser ärztlichen Ethik sei ärztliches Handeln zu messen. Sollte es in unserem Gesundheitssystem wirklich keine anderen Anreize für ärztliches Handeln geben? Fragwürdige medizinische Maßnahmen werden nur allzu leicht mit den Motiven des Heilens und Helfens gerechtfertigt. Etwa, wenn chronisch kranke Menschen im hohen Alter dank moderner medizintechnischer Möglichkeiten chirurgischen Maßnahmen unterworfen werden, die diese Menschen ins Leere oder ohne Ausweg ins Unglück führen. So geschehen bei einer chronisch kranken, 88-jährigen Frau, der mehrere Darmoperationen und eine lange intensivmedizinische Behandlung mit künstlicher Beatmung zugemutet wurden. Sie war damit zur Bettlägerigkeit und völligen Hilflosigkeit verurteilt, zu sieben Wochen mit zwei (!) künstlichen Darmausgängen und einer infizierten Operationswunde.

Aus einem der künstlichen Ausgänge, dem Dünndarmausgang, floss literweise flüssiger, aggressiver Darminhalt über einen Schlauch in einen Auffangbeutel. Nicht selten ergoss sich diese Flüssigkeit wegen des unzureichenden Ablaufsystems ins Bett. Es ist unnötig zu erwähnen, dass diese alte und geschwächte, aber wache Frau sich zutiefst erniedrigt und ausgeliefert fühlte. Einen anderen Weg als ihrem eigenen schmerzhaften körperlichen Verfall zuzusehen, konnte sie nicht einschlagen. Wo war nun die ärztliche Hilfe? Ein palliativmedizinisches Angebot gab es zu keinem Zeitpunkt. Wie sehr wünschte sie sich einen „Notausgang“, wie Herr R. Kusch ein selbstbestimmtes Sterben nennt. Sie hätte ihr Leben gerne „anständig zu Ende gebracht“, in Selbstbestimmung. – Susanne Meiners

 

Folgender Satz aus dem Artikel, ist der Gipfel des unsensiblen (für Patienten jedenfalls) Herrn F.U.Montgomery, denn er sagt wörtlich:“….Es war alles hervorragend geregelt, bevor Leute wie Sie (Anmk. d. Verfasserin, gemeint ist Herr R. Kusch „Sterbehilfe Deutschland e.V“) anfingen, den Menschen einzureden, es brauche den ärztlich assistierten Suizid.“ Könnte heissen: lassen Sie die Ärzte daraus. Widerspricht der ärztlichen Ethik. – Das kann ich verstehen – da müßte man dann eine Lösung finden – wie z.B., einen Verein zulassen, in dem sich nur Ärzte/Krankenschwestern zusammentun, die damit kein ethisches Problem haben. Könnte heissen: Herr Montgomery kennt die Parallelwelt zu seiner „hervorragenden Regel“ nicht, nämlich, was es für ein Problem für ca. 10 000 Menschen pro Jahr in Deutschland ist, die jährlich ohne ärztlichen Beistand einen Suizid ausüben; ABER unter, mindestens für andere, u.U. höchst grausamen Umständen :

Kinder finden erhängte Angehörige; Kinder sehen einen tödlichen Sturz vom Dach; Bahnführer erleiden den Schock ihres Lebens, weil sich jemand vor den Zug schmeisst u.v.m. – Menschen überleben höchst geschädigt ihren Suizidversuch – weil sie ohne Beratung irgendwas geschluckt haben… DAS und viele Schrecklichkeiten mehr, nennt Herr Montgomery „ alles hervorragend geregelt“???? Eine mögliche Lösung für Suizidwillige könnte m.E. sein: 1. eine medizinisch/psychologische fachkundige Beratung. Dann 2. eine rechtliche Absicherung bei einem Anwalt. Und drittens die Möglichkeit der Einnahme der letalen Dosis unter Aufsicht (die kontrolliert, dass die Arznei wirklich von dem Menschen eingenommen wird, der die vorherigen Schritte durchlaufen hat). Aber man kann auch weiter so tun, als gäbe es diese 10 000 Menschen nicht. – Bärbel Neuwirth

 

Die Argumentation des Herrn Montgomery gegenüber der Sterbehilfe wäre glaubwürdiger, wenn er sich mit gleichem Engagement für die Bereitstellung von mehr Ersatzorganen einsetzen würde. Tut er aber nicht. So sterben jährlich viele Patienten (2018 = 901). Diese Anzahl könnte deutlich gesenkt werden, wenn man ein Sofortprogramm auflegen würde, denn an Spendern fehlt es nicht, auch nicht an Geld: Für den Kauf eines E-Wagens gibt es einen Zuschuss in Höhe von 6.000 €, für einen Organ-Suchenden keinen Cent. Diese Politik ist pervers, eine Politik, deren Handeln angeblich auf christlichen und sozialen Werten basiert. Auch der Bundesgesundheitsminister ist hier untätig. Doch diesem Herrn schweben höhere Ziele vor. Mögen sie sich erfüllen, damit die Chance besteht, dass sein Ressort in kompetentere Hände gelegt werden kann. Die Kranken werden es zu schätzen wissen, zumal es im Gesundheitswesen noch weitere Baustellen gibt. NB. Ich persönlich bin weder direkt noch indirekt betroffen. – Oskar Meyer

 

Die Argumentation Herrn Kuschs ist schlüssig, die Vorgehensweise seines Vereins wird den Suchenden nach Sterbehilfe vollkommen gerecht. Dafür sind gewisse Voraussetzungen zu prüfen/zu erfüllen. Kusch bietet die Möglichkeit, in Würde und selbstbestimmt (!) zu gehen. Herr Montgomery beruft sich auf den Eid, den Ärtze ablegen, nämlich Leben erhalten und nicht zu töten. Ein Gewissenskonflikt. Für mich ist es unvorstellbar, dass ein Arzt darüber entscheidet, wann ich gehen darf. Bin ich unheilbar krank, will ich nicht monatelang leiden und künstlich am Leben erhalten werden. Besteht keinerlei Hoffnung mehr, will ich selbst den Schalter umlegen! Ich hoffe, dass für die Sterbehilfe entschieden wird!- Achim Bothmann

 

Herr Montgomery lässt außer Acht, dass es nicht nur um die medizinische Versorgung am Lebensende geht. Es geht auch um menschenwürdige Pflege, die schon heute unter den Bedingungen von Kostendruck und Pflegenotstand oft nicht mehr möglich ist. Und das Problem wird sich noch verschärfen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge pflegebedürftig sind. Politik und Gesellschaft sollten deshalb ehrlich sein: entweder wir sorgen für eine menschenwürdige Pflege für alle, die sie brauchen oder wir geben wenigstens denen, die gehen wollen, die Möglichkeit dazu. – Ulrike Dengler

 

Das Streitgespräch über Sterbehilfe hat mein Bedürfnis, mich dazu zu äußern, geweckt. Herr Montgomery behauptet, daß man ethische Grundsatzfragen nicht demoskopischen Umfragen überlassen dürfe und besteht stattdessen beim Thema Sterbehilfe auf die Entscheidungshohheit für sich und seine Ärztekammer. Ich halte das für anmaßend. Ich bin 62 und habe seit meiner Jugend über dieses Thema nachgedacht, schon allein, weil ich durch den medizinischen Beruf meiner Mutter mit allerlei schweren Schicksalen konfrontiert wurde. Für mich war es immer unvorstellbar, auf mein eigenes Ableben keinerlei Einfluß haben zu dürfen. Selbstverständlich gehört das Sterben mit zum Leben, und ebenso, wie wir in unserer Gesellschaft erwarten dürfen, uns das Leben soweit wie möglich nach unseren Vorstellungen in Würde einrichten zu können, erwarte ich genau das auch von meinem Tod. Wenn alles gut läuft, schlafe ich ein oder finde ein plötzliches Ende.

Was aber, wenn es nicht gut läuft? Ich habe eine ziehmlich gute Vorstellung davon, was ich mir zumuten möchte, und was auf keinen Fall für mich in Frage kommt. Daß ich diese Entscheidung möglicherweise nicht umsetzen darf, macht mir Angst. Jedoch habe ich immer gehofft, daß es mir und meiner geburtenstarken Generation gelingen wird, dieses zu ändern. Soviel zu Demoskopieumfragen. Unsere Zeit ist jetzt. Die Aussage, daß Palliativmedizin in allen Fällen die erwünschte Würde und Linderung schaffen kann, halte ich für arrogant, vor allem da sich Pflegenotstände für uns noch vergrößern werden. Außerdem hat Jeder ein Recht auf seine eigenen Befindlichkeiten. Die persönlichen Grenzen des Ertragbaren und der Würde dürfen nicht von Anderen festgelegt werden, egal auf welche ethischen Grundsätze sie sich berufen. – Antje Kharchi

 

Ärzte heilen nicht, Herr Montgomery. Sie schaffen dem Heilungsprozess des menschlichen Körpers günstige Umstände, nach hoffentlich bestem Wissen der Wissenschaft und hoffentlich bestem Gewissen. Sie sind also nur Helfer:innen, keine Heiler:innen, auch wenn das sicherlich ein erhebendes Gefühl erzeugt, sich als ein solcher/eine solche zu verstehen. Eine Erhebung, die sich dann auch meint anmaßen zu können, wieviel Leid ein Mensch zu ertragen hat, z. B. auf Basis einer christlichen Ethik. Leid ist eine subjektive Angelegenheit, keine objektive. Über Leid ist aufzuklären, besiegt werden kann es nicht. Sich beim Sterben helfen lassen zu wollen ist eine zutiefst moralische Frage des Individuums, die keine allgemeine Ethik der Welt mit richtig oder falsch beantworten können wird. – Volker Homann

 

Ich kenne Herrn Kusch und seine Organisation nicht.Aber sein Gegenüber in diesem Interview hat sich wirklich deutlich selbst entlarvt.Die selbstherrliche Arroganz von Herrn Montgomery,ehemaliger Präsident der BÄK,ist schwer erträglich.Seine Wortwahl,seine Beispiele machen deutlich:Er meint alle Moral auf seiner Seite zu haben und wer anders denkt oder handelt ist unanständig,ist kein Helfer sondern Töter.Wer den Giftbecher reicht,ist bevormundend-damit verschiebt er fadenscheinig seine ethisch verbrämte Bevormundung der Ärzteschaft und der unzählig hilfesuchenden Menschen auf einen einzelnen Sterbehelfer.Es kommt noch schlimmer:

Menschen mit psychischen Erkrankungen soll nach Herrn Montgomerys Meinung grundsätzlich Sterbehilfe verweigert werden,denn scheinbar ist psychisches Leid weniger wert und berechtigend für eine Freitodentscheidung als körperliches Leid.Ich möchte wetten daß dieser Kollege noch nie in seiner ärztlichen Praxis einen chronisch schwer depressiv kranken Menschen behandelt hat geschweige denn weiß wie unerträglich grauenhaft psychisches Leiden sein kann. Herr Montgomery spricht großzügig jedem Menschen das Recht auf Suicid zu,er will aber moralisch seine Hände in Unschuld waschen und delegiert die verzweifelten und kranken Menschen dazu sich vom Hochhaus zu stürzen oder auf Bahngleise zu legen.So darf es nicht bleiben in Deutschland.Andere Länder,die wahrlich keine Unrechtsstaaten sind,haben sich zu menschlicheren und gnädigeren Lösungen entschieden.Ich hoffe das BVG schließt sich solchen Lösungen an. – Dr.med.Wolf Lieb

 

Das Streitgespräch über das Ob und Wie der Sterbehilfe war lebendig und lehrreich. Selbst wenn man bei der geschäftsmäßigen Organisation des Herrn Kusch Bauchschmerzen verspürt – das kategorische Nein des Herrn Dr. Montgomery ist nicht zu halten. Es geht ja keineswegs um den Akt der Tötung durch Dritte (und schon gar nicht durch den begutachtenden/beratenden Arzt), sondern darum, durch den Zugang zu lebensbeendenden Mitteln ein autonomes Sterben überhaupt erst zu ermöglichen. Mein multimorbider, lebensmüder Onkel musste sich mit weit über 90 mit allerletzter Kraft vom Balkon stürzen und der Familie diesen gewaltsamen Abschied zumuten. Wer schreibt ihm eigentlich vor, das gelebte Leben noch länger zu ertragen, wenn er dies nicht mehr möchte? Ach ja: die Religion – und die traditionelle ärztliche Ethik. Der Ehrenpräsident der Bundesärztekammer beansprucht eine unzeitgemäße Deutungshoheit über das Sterben im Namen der traditionellen ärztlichen Ethik in einer ähnlichen Weise, wie das die Kirche im Namen der Religion tut. Vergessen wir nicht: Es geht doch (nur) um das Angebot, den Zugang, die Zurverfügungstellung, das beruhigende Gefühl, wie Herr Kusch ausführt.

Dies als „Freifahrtschein in den Suizid“ zu bezeichnen und das Sterbehilfesystem des Herrn Kusch „bevormundend“ zu nennen, ist unnötig polemisch. Ärzte und ihre Angehörigen können sich übrigens lebensbeendende Mittel einfach bevorraten, uns Patienten ist das in der Regel gar nicht möglich, und wir haben zudem Angst, dass die Selbstmedikation elend misslingt. Aber es gibt ja die Pallivativmedizin – ein Trost fürwahr, aber eben nicht für alle Sterbenskranken … Fazit: Der Mensch sollte selbst entscheiden dürfen, was ihm guttut. Das ist die Ethik der Freiheit, alles andere ist religiöse und/oder traditionelle Moral. Es kommt darauf an, wie man den Zugang zu lebensbeendenden Mitteln gestaltet. Das Verfahren kriegt man doch moralisch akzeptabel hin, wenn auch nicht keimfrei nach religiösen oder traditionellen ärztlichen Maßstäben. Da man die Mittel nicht rezeptfrei verkaufen kann, muss man ja wohl ärztlichen Rat einholen dürfen. Und kein Arzt wird zu dieser Dienstleistung gezwungen. Wichtig ist übrigens, dass der Zugang zu den lebensbeendenden Mitteln am Ende nicht vom Geldbeutel der Patienten abhängt. Man darf auf das anstehende Urteil des Bundesverfassungsgerichts und seine Wirkungen gespannt sein! – Dr. Christiane Kühne

 

Die Haltung von Montgomery zu diesem Thema Ist uebergriffig. Die Aufklaerung hat uns von dem Terrorismus der Religion befreit. Herr Montgomery scheint hier eine Luecke in der Gaegelung der Menschen fuellen zu wollen. Dieser Mann ist gefaehrlich. Ich bin jetzt 80 Jahre alt und die Vorstellung ein Opfer seiner Ansichten zu werden Empfinde ich als massive Bedrohung. – Prof.Dr.Dr.h.c.Volker Dose

 

Interview mit Herrn Montgomery zur Sterbehilfe und dem morgen bevorstehenden Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Selten habe ich ein Interview von jemand gelesen, der seine mangelnde Patientenorientierung und sein Unvermögen zu achtsamem Mitgefühl hinter berufspolitisch arrogantem, selbstherrlichen und imperialen Verhalten so unmaskiert zeigt wie Herr Montgomery. Ich selbst bin im Spätstadium an Parkinson erkrankt, bei wachem Verstand berufstätig und trotz meiner völligen Pflegeabhängigkeit nicht suizidal, sondern von Menschen umgeben, die mir die Würde und den Respekt zollen, selbst zu entscheiden, wenn die Bürde meiner Leiden meine Lebensqualität überwiegt. Wehe dem, der dann einem solchen Menschen ausgesetzt ist. – Dr. phil. Dipl.-Psych. Beate Hofmeister

 

Die Meinung Frank Ulrich Montgomerys ist einer interessierten Leserschaft seit Längerem bekannt, im Interview mit Roger Kusch wird allerdings die ganze Unredlichkeit seiner Argumentation noch einmal bedrückend sinnfällig. Seine den solitären Patientenwunsch beiseitewischende Argumentation, die den Standesauftrag des Arztes als höchstes Gut proklamiert, zielt eben nicht darauf ab, den sterbenden Menschen mit seinen individuellen Bedürfnissen und Sehnsüchten adäquat zu betreuen, sondern einem moralischen Dilemma zu entfliehen. Wer in der medizinischen Versorgung sterbender Menschen tätig ist, wird sich bei der Aussage, es gebe in Deutschland eine durchgehend verfügbare „funktionierende Palliativmedizin“ verwundert die Augen reiben. Es sei Herrn Montgomery unbenommen, moralisch trennscharf zu urteilen, von der Realität in der klinischen Patientenfürsorge ist es funktionärshaft weit entfernt. – Christian Bettels

 

Herr Kusch, im Foto fast ikonenhaft präsentiert, plädiert zunächst inbrünstig für das Selbstbestimmungrecht des Einzelnen, nur um seinen Verein wenige Zeilen später in Form einer Plausibilitätsprüfung zur Fremdbestimmung zu ermächtigen. Dieser Widerspruch ist ebenso einfach zu erkennen und ebenso wenig aufzulösen wie die Behauptung, dass ein tötender Arzt nicht tötet. – Dr. Christian Voll

 


 

 

Leserbriefe zum Titelthema „Monogamie. Die große Illusion?“ von Peter Dausend et al.

 

Vielen Dank für diese schöne neue Ausgabe der Zeit! Besonders erleuchtend war für mich der Artikel „Der Virus des freien Denkens“ von Maximilian Probst. Fantastisch geschrieben – es ist eine Herausforderung, ein solches Thema so klar auf so wenig Platz darzustellen. Unheimlich hilfreich auch die further readings am Ende des Artikels! Danke, dass Sie mir dieses Thema überhaupt erst aufgezeigt und dann auch noch vertiefenden, wissenschaftlichen Stoff zum Weiterlesen mitgegeben haben. Ich würde mich über mehr solcher Artikel sehr freuen, die mithilfe der geistes- und sprachwissenschaftlichen Analyse und Forschung aktuelle Geschehnisse beleuchten!

Ein Interview im letzten ZEIT Magazin hat mich allerdings stutzig gemacht; Stefan Klein spricht mit dem Anthropologen Joseph Henrich über Monogamie und äußert, dass Polygamie nicht erlaubt werden dürfe, weil dann Männer keine Sexualpartner mehr finden und deshalb gewalttätig werden würden. Und niemand weist darauf hin, dass Henrich damit impliziert, eine ganze Gesellschaft müsste ihr Ehe- und Sexualmodell an die Männer anpassen, die gewalttätig werden, wenn ihnen etwas nicht passt (zumal er in bester Anthropologen-Manier verallgemeinert und Ergebnisse aus historischen Gesellschaften übertragt auf zeitgenössische). Frauen, die polygam leben wollten, müssten eben zurückstecken, damit die Männer nicht anfangen, sie, sich und andere umzubringen?

Einerseits schade – andererseits erleuchtend, dass uns hier noch einmal vorgeführt wurde, dass unsere gesellschaftliche Antwort auf männliche Gewalt die Einschränkung von Frauen und Sexualität im Allgemeinen ist, statt das Problem bei der Wurzel zu packen: Bei den Männern, die gewalttätig werden.Ohnehin habe ich mich über Ihre Monogamie-Reihe zwar sehr gefreut, aber war etwas verwundert: Haben Sie keine Wissenschaftlerin, keinen Experten über Polygamie, Polyamorie gefunden? Und offenbar auch gar keine Expertin? Bei einem solchen Thema ausschließlich männliche Experten zu interviewen, und auch fast ausschließlich schreiben zu lassen, halte ich für fragwürdig. Umso erfrischender die beiden Artikel im Feuilleton, wo wir als Leser kurz aus dem sehr eng gesteckten Moralkorsett der anderen Artikel zum Thema Monogamie aufatmen durften um festzustellen: Es geht also auch anders. Vielen Dank dafür! – Christine Lehnen

 

Bei allem Verständnis für Ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse, aber dies geht wirklich zu weit: Kein Text mehr auf der Titelseite, dafür eine halbseitige Anzeige? Seit Jahren werden die Anzeigen und Beilagen der Zeit immer umfangreicher, was schon lange grenzwertig ist. Aber hiermit haben Sie die Grenze wirklich überschritten. Wenn das die neue Linie ist, können Sie ja bald auf Abonnenten (wie mich) auch ganz verzichten. Dann wird die Zeit eben ein Anzeigenblatt (wobei nicht mal die es wagen, ganz ohne redaktionellen Text auf der Titelseite zu erscheinen). – Jens Hering

 

Als ich klein war haben mir meine Eltern beigebracht: Liebe ist etwas Schönes. Sie lehrten mich auch vieles mehr, dass es wichtig ist kritisch zu hinterfragen, ehrlich zu bleiben, seine Meinung zu sagen, auch wenn es unangenehm ist und vor allem, dass jeder Mensch ein Recht hat, sein Leben so zu realisieren, wie es ihn glücklich macht, sofern er dabei andere nicht schadet. Heutzutage sehe ich in diesen Dingen wesentliche Gründe, warum ich nicht mehr monogam lebe und liebe. Man könnte sagen, meine Eltern haben es mir überhaupt erst möglich gemacht, so zu sein wie ich bin. Für mich war es befreiend eine polyamoröse Partnerschaft zu beginnen. Zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich so vollkommen erfüllt von einer Beziehung. Ich erwartete, meine Eltern würden sich freuen und mich unterstützen und das taten sie auch. Doch die erste Reaktion meiner Mutter werde ich nicht vergessen: „Bist du dir sicher?“

Nun sollte ich vielleicht sagen, dass ich nie Dinge sage, derer ich mir nicht sicher bin, aber das würde zu weit führen. Der Punkt ist, dass die erwartete bedingungslose Unterstützung gefehlt hat. Fragen zu Eifersucht kamen auf, zu was wäre wenn und wieso denkst du das. Natürlich haben meine Eltern nicht an mir gezweifelt. Die Menschen, die mir Toleranz beigebracht haben, haben mich akzeptiert und werden das immer tun. Nur war das, was ich bin, nicht verständlich für sie. Es war vollkommen aus ihrer Wirklichkeit entfernt. In den letzten Jahren hat die öffentliche Debatte Monogamie mehr und mehr in Frage gestellt. Zuletzt sah ich die Titelseite der Zeit und war überglücklich. Endlich sichtbar. Endlich in der Wirklichkeit angekommen. Doch bei näherem Lesen war da kein Wort von der neuen Philosophie der Liebe. Thema Fremdgehen statt Monogamie, klar ein anderer Fokus. Im ersten Moment war das niederschmetternd. Wieder mal unsichtbar, aus der Realität genommen.

Diese Themenreihe war eine Gelegenheit, das Thema Liebe tiefgründig zu beleuchten, mit dem Einblick und literarischen Können, für das ich die Zeit schätze. Das wäre eine Gelegenheit non-monogame Beziehungen sichtbarer zu machen. Doch bei aller Bemühung, eine Gegenseite zur Monogamie zu zeichnen, so blieb die „eine Liebe“ doch eine implizite Annahme aller Artikel, so als wäre das der zwingende Blickwinkel unserer Kultur. Doch der Punkt ist, dass unsere Kultur uns nicht zu allem zwingt: Fremdgehen im klassischen Sinne existiert nur relativ zur Monogamie. Ich habe keine Zweifel, dass Sie bei Ihrer Recherche viel über alternative Beziehungsformen gelernt haben. Und doch haben Sie sich entschieden, das nicht sichtbar zu machen. Die Frage ist wieso? Solange wir nur in den Begriffen der Monogamie denken können hilft uns keine Toleranz der Welt: Da sind drei Menschen in einer Beziehung eine Unmöglichkeit genau wie die Quadratur des Kreises. Da hätte man sicherlich interessanter und mutiger berichten können, als dass Politiker nicht so richtig viele Affären haben. Einigen Menschen hätte das bestimmt geholfen, sich selbst zu akzeptieren wie sie sind. Und anderen könnte es helfen zu verstehen, warum nicht jeder die „eine Liebe“ anstrebt, wie man es uns seit Kindesalter einbläut. Denn unsichtbar zu sein, das kann keine Toleranz ausgleichen. – Max Kahlcke

 

Beim Betrachten des Fotos mit der zerwühlten Ehebruchkiste, ist mir ein alter Spruch eingefallen ,den ich hier zitiere,mit der angemessenen Entschuldigung beim Author diese treffenden Reims;dass ich seine Arbeit hier abgeändert verwende: „ist das Bett dann heiß zerwühlt,einen Shake, eisgekühlt“. – Hans-Emil Schuster

 

Vor ein paar Wochen bin ich auf das in der Regel interessante Angebot Ihrer E-Zeitung gestoßen und habe heute ein Probeabo des Bezahlzugangs begonnen, weil mich Ihr Themenschwerpunkt „Monogamie – Die große Illusion?“ interessiert hat. Was für eine Enttäuschung! Wenn man mit großem Aufmacher einen solchen Schwerpunkt „durch alle Ressorts der ZEIT“ bewirbt, dann sollte dieser Schwerpunkt mehr Substanz haben. Launige Scherze über Politikeraffären gehören nicht dazu. Berührt hat mich die Erzählung des Ehepaares, das trotz anderweitiger Liebesbeziehungen einen Modus des Zusammenlebens gefunden hat. Geringfügig interessant auch noch dieser Ehetherapeut, auch wenn weniger Flapsigkeit dem Interview gutgetan hätte. Der Rest war ohnehin bekannt (Ehebruch in der Bibel) oder so irrelevant oder spekulativ, dass ich es schon wieder vergessen habe, obwohl ich den Themenschwerpunkt gerade eben gelesen habe. Vor allem ist die Sicht der Artikel extrem einseitig. Wenn man Monogamie in Frage stellt, dann dürfen polyamoröse Lebensformen nicht fehlen. Überhaupt fehlt eine LGBT-Perspektive. Das war keine erfolgreiche Werbung einer eventuellen neuen Abonnentin Ihres Angebotes. – Dr. Johanna Gry Masche-No

 

„DIE ZEIT“ beschreibt als Titelseite vom 20.02.2020: „MONOGAMIE – DIE GROßE ILLUSION“ – wie Wissenschaftler den Seitensprung beurteilen und ob Treue noch immer erstrebenswert ist…“ Ich antworte gerne darauf als Mann im Mann – ohne gefragt worden zu sein: „Wir Männer haben einen Schwanz, den wir uns selbst nicht aussuchten: „Man wird nicht als Mann geboren, man wird es!“ – dies hierbei genauso interpretierbar, wie Simone de Beauvoir philosophisch erkannte: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es!“ Mit diesem Penis, Phallus oder Schwanz: hat der Mann also in seinem ganzen Leben zu tun, aber (es) nicht zu lassen… Das lässt seine triebhafte Natur nicht zu – ständig sind die Erektionen einem im Wege, obwohl man dabei nichtmal an Sex denkt, sondern schon ein nächster Augen-Blick im Moment des Vorübergehens einer attraktiven Frau – dieser Schwanz einem im wahrsten Sinne des Wortes: zum Stehen bringt!

Mann will es nicht und doch reagiert in einem die Natur so beständig, dass im Kopf dann dieses Erektions-Zentrum „narkotisiert“ werden muss – doch es verselbstständig sich sowieso außerhalb der eigenen Kontrolle, führt ein sexuell-antriebiges Eigenleben im Hirn (wo genau? – als Frage an die Hirnforscher), und der Mann in dieser Abhängigkeit muss diesen Trieb beherrschen: ansonsten käme es zu unendlichen Karambolagen, die bis in den Knast führen könnten… Wie also beherrsche ich mich im Mann ohne über mich selbst die Beherrschung als Mann zu verlieren, wenn ich in die Situation komme: wo ich sexuell dann willig gierig willkommen bin, zu funktionieren habe – und was habe ich dann alles zu tun und nicht zu lassen: Ich soll mit einem prächtigen Schwanz aufwarten, der dauerhaft beständig zu sein hat, in bester Erektion und Funktion: zärtlich, kräftig, effektiv und ausdauernd, anpassend und passabel…

Schon während des Vorspiels muss die Kraft der Erektion erkennbar sein, während des Hauptspiels sowieso und mehrere Orgasmen weiblicherseits sind möglichst erwartungsverlangt; zudem dann noch das Nachspiel im positiven Gesamtspielverlauf… Alles muss spielerisch ohne Verspannungen stimmig und stimmend sein! BEFRIEDIGUNG pur – und sollte auch nicht herzlos spurlos an einem vorüber gehen! Somit: mit viel Sinn sinnlich sein! Und die gute Unterhaltung zuvor, währenddessen (?) und danach: ist nahezu selbstverständlicher Bestandteil der sexuellen Koexistenz bis hin zum Koitus – der sexuelle Verstand fickt mit und die Vernunft darf ausgeschaltet werden… Doch woher lernen wir Männer das alles, wenn nicht von den möglichst vielen Frauen, die uns das unterschiedlich miterleben lassen mögen – um zu einem „guten“ Liebhaber zu werden…

Im Klartext: Monogamie ist die große Illusion – und all die klugen Texte als „Streitfrage(n) durch alle Ressorts der ZEIT“ – sind ebenfalls nur philosophische Hinterfragungen ohne die Realität des ZEITlichen Unterleibes: Wenn der Schwanz steht, ist der Verstand (beim Manne) im Arsch!“ Das ist die Grundregel seines sexuellen Triebes durch den Antrieb seiner natürlichen Erektionen in der Natur zwischen Mann und antriebiger Frau! Und die Evolution hat hierbei nichts anderes vorgesehen: als durch die Natur natürlich zu funktionieren: Die EREKTION ist die Voraussetzung einer Kopulation zwischen den Geschlechtern! Alles andere hat der Mensch dem Menschen durch die gesellschaftlich-sozialen Unabwägbarkeiten angetan – und all diese Komplikationen sind auch einerseits gut so: denn, ohne diese theatralischen Aufregungen und Dramen um die Sexualität: wäre alles nur eine verfickte Körpergymnastik! Und davon hat kaum ein Mensch was auf Dauer!

Vor allem: wenn man ein Leben lang gemeinsam monogam sich zu Zweit beleben wollte… Dazu hat mann/frau die eigenartige Liebe (als verbindliche Anfesselung) erfunden – ansonsten wäre es überhaupt nicht aushaltbar: sich gegenseitig ständig so in der (Ehe)-Zweisamkeit langweilen zu „müssen“… Und der polyglotte und polygame Casanova hat sich selbst immer wieder aus den Anfesselungen befreit, in dem er philosophierte: „Auch die schönste Frau hört an den Füßen auf!“ Und dasselbe gilt für die Frauen, wenn sie sich mit dem schönsten Mann sexuell abgeben sollten und wollten… Die Welt ist voller Abenteuer! Omnia mea mecum porto! – Axel Manfred Rumpf von Mansfeld

 

Ich glaube nicht, dass Monogamie eine Illusion ist. Wenn unsere menschlichen Grundpfeiler: Glaube, Liebe, Hoffnung und Treue uns abhanden kommen, woran soll der Mensch noch glauben. Wenn das Miteinander, und das Zusammenstehen in der Partnerschaft bei Krankheit oder beruflichen Problemen nicht mehr da ist, dann kann auch der Mensch nicht mehr leben, ohne körperlichen Schaden davonzutragen. Jeder sollte für den Partner da sein, ihm Halt und Kraft schenken. Nur so kann eine Ehe gelingen, und nicht in einem neuen „Sextrip“. – Ute Koch

 

Noch nie war es so unwichtig, die „Zeit“ zu lesen als in dieser Woche. In Tagen, in denen die Republik voll von Themen war, die die Leser bewegten, erscheint die „Zeit“ mit einem Titel über Monogamie. Glückwunsch, auch an die Chefredaktion! Die führende Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft, Wissen und Kultur bemüht sich mit aller Kraft, demWellness-Ratgeber „Spiegel“ Konkurrenz zu machen. Dafür muss ich aber nicht die „Zeit“ lesen. – Wilfried Mommert

 

Was reitet die Verantwortlichen der ZEIT bei der derzeitigen politischen Gemengelage mit dem Aufhänger »Monogamie« daherzukommen? Ich finde das für eine (politische) Zeitung Ihres Formats eintäuschend und fragwürdig. – Christa Lieb

 

Danke für Ihren kritischen Artikel zur wirtschaftlichen Seite des Seitensprungs, der gleichzeitig Abgründe in unserer deutschen Wohlstands-Gesellschaft offenlegt. Sie sind mit Ihren kritischen und objektiven Beiträgen eine der wenigen Zeitungen in Deutschland, mit denen ich mich mit meinem christlichen Welt- und Menschenbild identifizieren kann. – Roman RAJMIS

 

Monogamie – Die große Illusion? Eine Streitfrage durch alle Ressorts der ZEIT, inkl. ZEIT Magazin, das war much too much für mich und DIE ZEIT. Es hätte mich nicht gewundert, wenn ZEIT leo auch noch mit einem Artikel bedacht worden wäre. Das Gespräch mit dem Psychologen Ulrich Clement im Ressort Wissen hätte m.E. vollkommen ausgereicht, sich dem Thema zu widmen. Er bringt es auf eine einfache Formel: Es gibt keine Lösung. – Gabriele Skalli

 

In den ganzen interessanten Artikeln fehlt m.E. die Frage, unter welchen Voraussetzungen Mensch sein individuelles orgiastisches Potential ausschöpfen kann. In einer Zweierbeziehung müssten beide Parner dafür schon tantrische Praktiken erlernt, eingeübt und für sich akzeptiert haben; das wird selten erfüllt sein. Sonst aber ist es reiner und extrem unwahrscheinlicher Zufall. Das finde ich sehr schade. – Bernhard Hecker

 

Ich habe mit Interesse die Artikel zum Titelthema durchgelesen und war durchaus irritiert – es ging großteils (nach meiner Lesart 8/10 Artikel) nicht um die kritische Auseinandersetzung mit dem Konzept Monogamie, sondern um die Betrachtung von Beziehungsproblemen durch die Linse der Monogamie (in ihrer heutzutage etablierten Form), die somit wie völlig selbstverständlich vorausgesetzt wirkt. Dabei sehe ich durchaus die wahrscheinliche Übereinstimmung mit der Mehrheit ihrer Leserschaft, und wäre bei anderer Titelwahl auch nicht auf diese Weise geframed gewesen, aber so fehlte mir doch der Inhalt zum Kernthema, zumal ich als junger Leser von diesem „altbackene Beziehungsklinsch“ doch recht entfremdet bin.

Darüber ist womöglich schon Internet-Krieg ausgebrochen, und ich wünsche Ihnen für diesen Fall Kraft und Geduld bei der Verarbeitung, wollte aber der Statistik wegen dennoch den Hinweis geben, dass es sich auch ohne sozialpolitische Motive anböte, dieses Thema nochmal aufzugreifen und entsprechende Inhalte (Beziehungspsychologie, alternative Beziehungsmodelle, gesellschaftliche Trends etc) aufzugreifen. – Fabian Bergfelder

 

Journalistische Recherche ist vorbehaltlos und nimmt ein Thema von allen Seiten in den Blick – so habe ich das mal gelernt. Und so macht es die ZEIT ja auch regelmäßig, deshalb habe ich sie abonniert. Die Themenausgabe zu Monogamie allerdings liest sich, als habe ein Frame über der Recherche gelegen, der da lautet: glückliche nicht-monogame Beziehungen sind unmöglich, die Erweiterung der heterosexuellen Zweierbeziehung führt entweder zu Gewalt (Recht&Unrecht), scheitert (Z), lockt nur dubiose Geschäftemacher an (Wirtschaft), ist Ausdruck von Egoismus (Feuilleton) oder verletzt die Seele (Wissen). So mag der eine oder andere sich eine aufgeräumte gesellschaftliche Realität wünschen – so ist sie aber nicht. Und darum geht’s doch eigentlich im Journalismus: Schreiben was ist.

Wo also ist das Porträt einer funktionierenden polyamoren Gruppe? Wo spricht ein bisexueller Mensch, der seine Sexualität gar nicht monogam ausleben kann? Warum fehlt als Gegengewicht zu überteuerten Seitensprung-Apps im Wirtschafts-Text ein Portal wie Joyclub (eine deutschsprachige sexpositive Community mit drei Millionen Mitgliedern)? Warum blickt das Feuilleton in die Literaturgeschichte, aber nicht auf Science fiction, die auch das Lieben in zukünftigen Gesellschaften erforscht (Tipp: Iain Banks‘ „Culture“-Zyklus). Wo ist die Reportage aus dem Swingerclub? Wo der kluge Essay über Kulturgeschichte und Überwindung von Eifersucht? Um nur mal ein paar Vorschläge zu machen. Was ich mich wirklich frage: Woher bloß kommt dieser Frame? Angst, dass die liberalen ZEIT-Leser so offen doch nicht sind? Auch das sollte Journalisten nicht leiten. Sonst machen sie sich unglaubwürdig. – Sebastian Pantel

 

Monogamie – eine Illusion? Der Titel weckt große Hoffnungen – zumindest bei mir. So ist die Monogamie doch – in ihrer Generalisierung – ein längst überholtes Konstrukt und für viele Menschen eher ein Nachteil in ihrer Beziehung als ein Vorteil. Sicherheit durch Verbot. Erscheint mir in diesem Zusammenhang wenig sinnvoll. Nun gibt es glücklicherweise neben monogamen Beziehungen eine Vielzahl weiterer Beziehungsformen, welche jedes Paar für sich selbst entdecken kann. Und glücklicherweise leben wir – zumindest in Deutschland – in einer derart aufgeklärten Gesellschaft, als dass es sowohl für Frauen als auch für Männer möglich ist Freiheiten einzufordern und Grenzen zu ziehen, wo es persönlich nötig erscheint. Unglücklicherweise wird dieses Thema aber in der ZEIT 09/20 gar nicht thematisiert. Alternative Beziehungsmodelle, ob offene Beziehung, Polyamorie, Polygamie etc., werden nicht mal erwähnt. Seitensprünge bleiben in ihrer Darstellung ein Warnhinweis für unzufriedene Partner*innen und etwas das man überwinden und verzeihen muss. Wie wäre es denn mal damit: „Seitensprünge“ können gut für die Beziehung sein. „Affären“ zerstören eine Beziehung nicht zwangsläufig. Doch was braucht es für diese Meinung? Oder besser gesagt: Was steht ihr im Weg?

Ich lebe selbst in einer offenen Beziehung. Der Weg dahin war und ist schwer, noch nie habe ich mich so intensiv mit mir selbst und meinen Ängsten auseinandergesetzt. Aber schon ein Jahr nach dem Öffnen der Beziehung merken mein Partner und ich rückblickend, wie stark wir daran gewachsen sind. Und wie wir Ängste, die meistens auch nur sozialisierte Gedankenkonstrukte sind, überwunden haben. Diese Ängste – oder sozialisierten Gedankenkonstrukte – sind das erste was mir im Weg standen. Die Angst davor, dass mein Partner mit jemandem schläft der*die hübscher, attraktiver oder witziger ist als ich. Und – weil er*sie eben so viel toller ist – mich dann auch verlässt oder zumindest weniger interessant findet. Diese Angst funktioniert nur dann, wenn ich davon ausgehen, dass die Zuneigung und das Interesse, was mein Partner für jemanden anders aufbringt, von dem Interesse was er für mich empfindet „weggenommen“ werden muss. Du magst diese Person?

Das bedeutete, du musst mich weniger mögen. Hat was von einer mathematischen Gleichung. So funktioniert das aber nicht. Ich habe es selbst gemerkt. Auch ich finde schon seit ein paar Monaten einen anderen Mann interessant. Ich mag ihn. Wir verbringen alle zwei Wochen Zeit miteinander und sehen uns zwischendurch mal auf einen Kaffee. Nimmt das meinem Partner etwas weg? Außer alle zwei Wochen einen Abend, den ich potenziell nicht mit ihm verbringen könnte? Nein. Im Gegenteil, es bereichert uns. Denn wie das so ist, eine reflektiere und vielfältige Meinung entsteht dadurch, dass man sich mit vielen verschiedenen Menschen auseinandersetzt. So ist es hier auch. Ich bekomme von diesem Mann, den ich manchmal sehe, neuen und spannenden Input, den ich in meiner Beziehung nutzen kann. Der Mann lebt selbst in einer polyamoren Beziehung. Das heißt, auch er hat noch eine Freundin, die selbst wiederum einen weiteren Freund hat. Faszinierend, oder? Find ich auch. Deswegen sprechen wir auch sehr viel darüber. Welche Ängste mussten bei beiden überwinden? Wie kann man einen guten Umgang mit Eifersucht finden?

Auch auf sexueller Ebene bereichert mich die Diversität der Partner. Wie jeder Mensch bin auch ich nicht frei von Ängsten und Unsicherheiten. Und auch hier kann jeder Mensch, mit dem ich darüber rede, mir neuen Input und neue Ideen geben. Und manchmal fällt es mir leichter über Sachen zum Thema Sex zu reden, wenn neben mir nicht der Mensch sitzt, der mir so nah verbunden ist. Die Ergebnisse aber, die Weiterentwicklung, die ich erfahre, die kann ich in meiner Beziehung einsetzen. Und das ist positiv für mich und meinen Partner. All diese spannenden Aspekte, Hürden und überhaupt die generelle Information darüber, dass und wie solche Beziehung gelebt werden, hätte ich mir in einer ZEIT mit dem Titel „Monogamie – die große Illusion“ gewünscht. Einen neuen Blick auf sexuelle Exklusivität zu werfen, das Interesse an Sex mit verschiedenen Menschen weniger zu verteufeln und sich einen Schritt davon zu entfernen, dass Beziehungen aus zwei Hälften bestehen, die sich perfekt ergänzen. Denn möglicherweise müssen nicht alle Bedürfnisse von dem einen Partner oder der einen Partnerin erfüllt werden und Liebe und sexuelle Exklusivität müssen nicht zwangsläufig gleichgesetzt werden. – Rosa Diekmann

 


 

 

Leserbriefe zu „Im Flüchtlingslager auf Lesbos grassiert eine sonderbare Krankheit. Augenscheinlich gesunde Kinder verfallen plötzlich in totale Apathie. Hilfe ist nicht in Sicht.“ von Silke Weber

 

Wenn man die Kinder nicht aus humanitären Gründen aus den Lagern holen will, dann sollte man es wenigstens aufgrund rationaler Überlegungen tun. Unbegleitete Kinder wird man wohl kaum mehr irgendwohin abschieben können. Also gehören die Kinder, und zwar alle, so schnell wie möglich in die Schule, u.a. auch, damit sie lernen, sich in Europa zurechtzufinden, später einen guten Beruf zu lernen und sich nicht irgendwelchen falschen Lehren anzuschließen. Da zählt jeder Tag. Deutschland sollte das bezahlen und das Geld von den EU-Beiträgen abziehen. Allerdings muss man mit den muslimischen Eltern auch mal Tacheles reden, dass wir in Deutschland nicht jeden Unsinn als freie Religionsausübung akzeptieren, ggf. auch die Gesetze über Religionsunterricht ändern. – Karlheinz Martin

 

Die Hauptstadt von Australien ist Canberra, NICHT Melbourne (Hauptstadt von Victoria). – Detlef Rein

 

Liebe Wissenschaftler und Psychologen: Braucht es echt erst eine Diagnose? Einen Namen für dieses Grauen? Das einzige was es braucht ist HANDLUNG!Tanja Barbara Hatz

 

Dieser Leserbrief ist mir ein Bedürfnis! Er gilt nicht Ihren Ausführungen: Das ist doch völlig klar, dass es sich hier um tiefste Depression und schwerste Formen von Deprivation handelt. Traurig , traurig, statt über ICD-10 Diagnosen zu rätseln oder gar zu streiten, sollten wir endlich helfen. Oder warten wir lieber bis sich dieses Problem von selbst löst, diese Kinder zu Grunde gehen, weil man kann auch vor Kummer sterben kann. Während wir nicht wissen, was wir unseren Kindern alles noch Gutes tun könnten (sollen sie haben), schotten wir uns vor soviel Elend vor unserer Haustür ab? Ich bin tief erschüttert! – Marlies Haveneth-Paul

 

Ich mache darauf aufmerksam daß auf Seite 9 des obigen Artikels von Silke Weber von der australischen „Hauptstadt“ Melbourne die Rede ist. Die australische Hauptstadt ist immer noch CANBERRA. So ein Fehler sollte in der ZEIT nicht passieren. – Holger Maaß

 

Danke für Silke Webers aufrüttelnden Bericht über Camp Moria auf Lesbos. Mehr darüber findet man in Jean Zieglers neuem, zornigem Buch „Die Schande Europas – Von Flüchtlingen und Menschenrechten“. Was tun? 1938 durften über 10.000 jüdische Kinder bis zum Kriegsausbruch 1939 nach Großbritannien einreisen und wurden auf diese Weise vor den Nazis gerettet – eine beispiellose humanitäre Aktion, die unter dem Namen Kindertransport in die Geschichte einging. (Eine ähnliche Initiative in den USA scheiterte damals). Sie wurde möglich, weil sich Pflegefamilien gemeldet und zur Fürsorge verpflichtet hatten. Private Organisationen, u.a. jüdische Gemeinden, stellten zudem Garantiesummen für die Reise- und Umsiedlungskosten zur Verfügung.

Ich rufe zu einem neuen Kindertransport nach britischem Vorbild auf, um Kinder (so die Eltern es wollen) und unbegleitete Jugendliche aus den Elendsquartieren in Lesbos in deutsche Familien zu holen. D.h. möglichst nicht in neue Auffangslager, sondern in dem Maße, in dem sich deutsche Familien zur Aufnahme und weiteren Fürsorge verpflichten. Dazu bedarf es keiner europäischen Abstimmung. Niemand erwartet, dass es ohne Probleme geht, die ja auch in Großbritannien nicht ausblieben. Aber es geht, und es ist höchste Zeit. Silke Weber schildert eindrücklich, wie sich bei vielen Kindern so etwas wie ein resignation syndrome zeigt.Sie wirken apathisch, haben irgendwie aufgegeben. Aber sie werden sich erholen. Wir sollten deshalb schnell handeln und „die Schande Europas“, wie Jean Ziegler das Flüchtlingslager auf Lesbos nennt, nicht auf uns sitzen lassen. – Dr. Wolfgang Butzkamm

 

Ich habe den sehr schockierenden Artikel über die Kinder in den Flüchtlingslagern gelesen und mich danach gefragt, warum er auf Seite 8 erscheint und gleichzeitig ein riesen Aufriss um das Thema „Monogamie und Seitensprünge“ gemacht wird. Irgendwie unverständlich. – Stefan Meutzner

 

Als interessierte Zeitungsleserin (RP,FAZ,TAZ, DIE ZEIT= alle im ABO) verfolge ich die Situation von Flüchtlingen in den verschiedenen europäischen Lagern. Der Artikel in DER ZEIT Nr. 9 vom 20. 2. 20, in dem Ihr Name genannt wir, veranlasst mich, Ihnen zu schreiben. Meine Frage ist simpel:
„Warum ist es nicht möglich, die vielen unbegleiteten Kinder und mehr noch Jugendliche unbürokratisch und in Schnellverfahren in bundesrepublikanische Familien zu vermitteln? Es kann doch nicht wahr sein, dass solche Personengruppen z. B. auf Lesbos dem Nichtstun und Herumlungern ausgeliefert werden anstatt sie in aufnahmewilligen Familien unterzubringen, die für die Betreuung eine finanzielle Unterstützung bekommen? Es wird immer wieder über die Missstände berichtet und Probleme aufgezeigt, wo doch Taten erheblich bessere Intigrationsmöglichkeiten böten. Ein großer Freundeskreis und ich verstehen nicht, dass die Politik es nicht schafft, diesen Menschen (hier: Deutschland) auf diesem Wege eine Chance zu geben. Warum muss jeder Schritt in diese Richtung so kompliziert sein? Wenn über Politikverdrossenheit gesprochen wird, dann genau wegen dieser trägen, zähen theoretischen Debatten. Sie ermüden die Bürger, weil sie nicht zielführend sind. Anstatt praktische Maßnahmen einzuleiten, damit die Flüchtlinge sich nicht als „Internierte“ zu fühlen, sollte man einen persönlichen Kontakt aufbauen, damit die Flüchtlinge Geborgenheit und Sympathie erleben.

Ich würde es sehr begrüßen (und es würde Ihrer Partei gut zu Gesicht stehen), wenn Sie endlich aus dem Stadium der Diskussion in eine Phase des tatkräftigen Umsetzens übergehen würden. Ich bin gespannt, wie lange es noch dauern muss, bis sich ein konkreter politischer Wille zu einer Änderung durchsetzt. Mit einer solchen Aktion könnte sich die SPD endlich wieder auf eine positive Weise in der bevölkerung profilieren. Das dürfte auch gerne ein engagierter Alleingang (dann mit Vorbildcharakter) Deutschlands sein. Ich glaube, es ist genug geschildert worden, wie es europaweit in solchen Flüchtlingslagern aussieht (auch in der BRD gibt es nicht nur die optimalsten Bedingungen), aber der „normale“ Bürger fragt sich mittlerweile, wieso die Situation nicht endlich gemeistert werden kann, obwohl der Flüchtlingsstrom zurückgegangen und das Phänomen seit 2015 hinlänglich bekannt ist. Gewählte Abgeordnete sind nicht zuletzt Dienstleister der Wähler und haben ein Mandat angenommen, das letztendlich vom Steuerzahler finanziert wird.Damit verbindet sich allerdings auch die Pflicht und Verantwortung mit Fakten aufzuwarten und nicht in Endlosschleifen immer wieder das Problem zu beschreiben. Setzen Sie Zeichen! – Ilse-Angelika Jones

 

Können Sie mir sagen, über welche Organisationen man die Kinder in Moria erreichen kann? Ich habe selbst nur eingeschränkte Möglichkeiten, im Internet danach zu suchen, aber Sie wissen da ja wahrscheinlich mehr. – Anne B.

 


 

 

Leserbriefe zu „Macht Politik“ von Josef Joffe

 

Ein sehr irritierender Dreiklang: Auschwitz, Dresden, München. Gräuel, Grauen, Sicherheit? München steht wohl eher für neue Unsicherheit, für das Verlernen lebenswichtiger Lektionen. Ich bin stolz darauf, wenn die Mehrheit der Deutschen den Krieg in Afghanistan ablehnt, den monotonen Münchner Appellen zum Trotz. Vermutlich verbinden Bürger die bestialische Feuerhölle von Kunduz auch einfühlsamer mit der von Dresden, als es Regierungen, Parlamente, Gerichte und Präsidenten je könnten. Kunduz war für mehr als 100 Afghanen vom Kind bis zum Greis keine Drohung, sondern grauenhafteste Realität. – Dr. jur. Karl Ulrich Voss

 

Solche Ansichten zur Frage, wer die Union führen soll, verstärken meine Überzeugung, dass die EU nie zu einer Großmacht entwickeln wird. Oder glauben Sie im Ernst, dass sich die übrigen EU-Länder von Deutschland oder Frankreich führen wollen? Die EU muß von keinem Mitgliedsland, sondern von seinen zentralen Institutionen geführt werden. Und wenn das utopisch ist, ist eben auch die EU selbst eine Utopie. – Dr. Efstratios Rigos

 

Erhalte nach einer Leserbefragung Probeexemplare Ihrer Wochenzeitung. In der Ausgabe N. 9 vom 20.2.20 finde ich einen Beitrag von J. Joffe, den ich in jeder Hinsicht zurückweisen muss. Auf Ihrer ersten Seite tritt J. Joffe für eine neue Politik der Macht ein, die endlich ihre Glacéhandschuhe abstreift, dafür mit derFaustmilitärischer Macht in die Politik eingreift. Haben wir nicht im Nahen Osten, in Osteuropa, ja weltweit zu viele Politiker, die genau dem von Herrn Joffe vorgeschlagenen Diktum‚Macht Politik‘ folgen? Eben sie führen ringsum mehr oder weniger offen erklärte Kriege, bombardieren hungernde Städte im Sinne einer politischen Strategie. Wie kann es sein, dass der inzwischen sehr wohlfeile Ruf – möge er von so vielen Dächern erklingen -, nach einer Remilitarisierung Europas auf der ersten Seite der ZEIT noch einmal vorgetragen wird? Diese triviale Haltung kann doch keine Kernposition Ihrer Redaktion kennzeichnen?

Die Grenzen der deutschen Außenpolitik liegen m.E. weniger in zu viel Moral als darin, dass man ethische Ansprüche nicht konsequent zu Ende denkt, vielmehr eng und unverbindlich mit politischen Führern kooperiert, die ihr Handeln – in Syrien oder der Ukraine und anderswo -, mit der Faust militärischer Macht durchsetzen. Wie viel freier könnten Millionen Menschen leben ohne eben diese Politiker, die ihre‚strategische Macht‘ militärisch ausspielen. Hiermit kündige ich meine Probeabo der ZEIT und bitte um Ihr Verständnis. – Prof. Dr. Peter Graf

 

Mit Erstaunen haben wir (mein Mann und ich) festgestellt, dass Herr Scholz sich zwar (so kurz vor der Wahl…) nicht zu den Cum-Ex-Geschäften äußern möchte, die offensichtlich in seine Amtszeit gefallen sind, und in die er laut Ihrem Beitrag zumindest am Rande verwickelt war, dafür spricht er im Ressort „Wissen“ umso ausgiebiger über Schulzeit und Literaturvorlieben. Herr Scholz ist mir durchaus sympathisch, gleichwohl finde ich es in höchstem Maße befremdlich, dass er, der in der ZEIT nach meinem Befinden so eine Art „Weekly Scholz“ hat, zwar sonst bereitwillig zu jedem Käs seinen Senf dazugibt, aber ausgerechnet zu diesen Cum-Ex Vorfällen in Hamburg schweigt – und schweigen darf. Hätte die ZEIT da nicht etwas hartnäckiger nachbohren können, anstatt ihm dann eine Bühne für unverfängliche, gefällige Themen im Wissenteil zu geben?

Ohnehin fände ich es begrüßenswert, wenn öfters auch Politiker anderer Parteien zu Wort kämen, es gibt ja immer wieder Leserbriefstimmen, die bei der ZEIT eine Tendenz zum Grün-Roten Weltbild erkennen. Ich würde mich hier anschließen. Allerdings erwarte ich von einer wichtigen Wochenzeitung mit Anspruch eigentlich, umfassend und über Parteigrenzen hinweg informiert zu werden. Ganz hervorragend finde ich hingegen den Beitrag von Josef Joffe in der ZEIT Nr. 9 auf der Titelseite. Er ist wieder einmal eine angenehme, nicht populistische aber realistische Stimme der Vernunft in der ZEIT. Immer wieder gern gelesen! Etwas mehr Joffe und etwas weniger Scholz wäre schön. Großartig nach meinem Dafürhalten auch das Dossier in der ZEIT Nr. 9, das so gut wie schon lange kein Beitrag mehr die Entfremdung zwischen unterschiedlichen Lebenswelten darstellt. Hier muss kein Stadt-Land-Konflikt konstruiert werden, es reicht offensichtlich, einfach mal den Stadtteil zu wechseln. Das würde dem einen oder anderen ZEIT Redakteur sicher auch nichts schaden, und durchaus den Horizont erweitern! – Anuschka Eberhardt

 

Mit dem Wortlaut der Überschrift bin ich einverstanden, würde diese jedoch bewusst klein beginnen: „macht Politik“. Die Großmacht-Überlegungen jedoch erscheinen mir wie ein Zurück in die Zukunft — leider besser zurück in die Vergangenheit: zweimal wurde Nationalismus in diesem Lande mit Großmacht-Gehabe im letzten Jahrhundert mobilisiert — soll das jetzt in europäischem Gewande als globale Großmacht probiert werden? Der europäische Gedanke hat sich als stärker erwiesen als der „Kalte Krieg“: macht Politik muss gerade heute bedeuten, Wirken für Völkerverständigung ist und bleibt grundlegend in und für Europa. Und anstatt von „Köpfen umzuprogrammieren“ daher zu reden, wünsche ich mir, ernsthaft darüber nachzudenken und dafür zu streiten, wie die UNO die ihr im 2. Weltkrieg und danach zugedachte Rolle heute wieder bzw. wirklich einnehmen kann. – Hans Jungcurt

 

Gefährlicher Macht-Wahnsinn! Im Leitartikel der ZEIT No. 9/2020 redet Josef Joffe einem Machtstreben das Wort, das gerade in der aktuellen politischen Situation brandgefährlich und rückwärtsgewandt ist. Der Konsens als demokratische Errungenschaft wird von ihm als »spröde« diffamiert, während die Macht als eine »Sprache« geadelt wird. Wie kann man immer noch so ignorant sein, weltpolitisch die Anzahl der Soldaten einzelner Länder als Maßstab des politischen Einflusses heranzuziehen und sich nach einer »Kriegerkultur« zu sehnen, die andere Staaten den Deutschen vermeintlich voraus haben sollen?

Es wird hier offen ein »Kulturbruch« gefordert, der die »mustergültige demokratische Karriere« Deutschlands beenden soll. Dies stellt auch wieder die Frage der Führung: »Wer führt, wer folgt?«, eindeutig bezogen auf Hitler, der von Herrn Joffe als neuer Maßstab der Zeitrechnung (»im Jahr 75 nach Hitler«) definiert wird. Dass ein ganzes Redaktionsteam einen Artikel, der explizit Deutschland als »Schwergewicht« der »strategischen Macht« und »Zentralmacht« fordert, der von »Gut und Blut opfern« verherrlichend spricht, der die »Entscheidung über Krieg und Frieden« als Frage der Souveränität beschwört nicht von der Veröffentlichung ausschließt, lässt mich erschaudern. Diese Haltung kann ich nicht weiter durch mein Abonnement unterstützen. – Udo Beyer

 


 

 

Leserbriefe zu „Wer von euch ohne Sünde ist“ von Kilian Trotier

 

So undifferenziert darf man mit biblischen Texten nicht umgehen! Die Bibel kennt keine heldenhaften Menschen, sondern wirbt um Vertrauen auf etwas Unzerstörbares : auf die Liebe ( 1.Korinther 13 ) ! – Helmer-Christoph Lehmann

 

Ich lese seit 50 Jahren abwechselnd die Zeit oder den Spiegel, habe noch nie einen Leserbrief geschrieben. Aber heute ärgert es mich doch! Herr Trotier schreibt von einem „namenlosen Gott“. Er sollte mal eine alte Elberfelder Übersetzung lesen, die den Gottesnamen wiedergibt: 2. Mose 3:15, nachdem Moses Gott um Bekanntgabe seines Namens gebeten hatte. Übrigens ist das Verbot des Ehebruches nicht das sechste, sondern das siebente. Es lohnt sich, mal die Bibel genau zu lesen, gehört zur Allgemeinbildung. – Renate Mach

 

Vom Titelthema MONOGAMIE her neugierig geworden, schlug ich die Seite „Glauben & Zweifeln“ auf und habe sie enttäuscht weggelegt. Ich hatte gehofft, von meiner soliden Wochenzeitung DIE ZEIT einige plausible Gründe zu erfahren, warum für Juden und Christen die eheliche Treue geboten ist und warum diese zwei Religionen die monogame Beziehung auch heute noch hochhalten. Aber: Fast nichts davon. Stattdessen schreibt Kilian Trotier ausschweifend vom Fremdgehen, vom Ehebruch und von Seitensprüngen in den biblischen Büchern. Spannend, wenn auch ein wenig reißerisch. Kann man so machen.

Die letzten vier Absätze nehme ich von meinem Zugeständnis aus, sie erzeugten heftigen Ärger bei mir. Aus drei Gründen: 1. Die Ursprungserzählung des Neuen Testamentssind nicht die Texte zu Weihnachten, sondern die Berichte derer, die behaupten, den auferstandenen Jesus gesehen zu haben. Ohne die Macht dieser Osterbotschaft hätten die Evangelisten Lukas und Matthäus über Jesu Geburt nie auch nur ein Wort verloren. 2. Die Mutter Jesu wird unter die Rubrik „fremdgehen“ eingereiht. Diese Einreihung erschließt sich für mich überhaupt nicht. Denn: Maria ist in der Weihnachtsgeschichte ja gerade keine Macherin oder gar Fremdgeherin. Sie wird vom Geschehen völlig überrascht, ist ganz und gar eine Empfangende – voll Hingebung an die sie überwältigende himmlische Macht (wie der Autor selbst feststellen muss).

3. Besonders gewundert hat mich, dass es sich noch nicht bis zu Ihrer sonst so informierten Redaktion herumgesprochen haben sollte: Die Vorstellung von der himmlischen Zeugung Jesu ist ein aussagekräftiger Mythos. Aber sie ist keinesfalls der nackte Tatsachenbericht über die biologische Jungfräulichkeit Marias. Die Jungfrauengeburt war auf Grund des Weltbildes im Altertum für die Mehrheit der Menschen damals offenkundig hilfreich, um die göttliche Seite des Nazareners von Geburt an herauszustellen. Heute dürfte sie für die allermeisten (ZEIT-Leser) ebenso offenkundig hinderlich sein, um zu einem tieferen Verständnis Jesu zu gelangen. Die biologisch verstandene Jungfrauengeburt kann für Christen kein verpflichtender Glaubensgegenstand mehr sein. Die große Mehrheit unter den Theologen denkt in der Sache „geboren von der Jungfrau Maria“ so, wie es Pfarrerin Melitta Müller-Hansen in einem Fernsehgottesdienst mit dem Thema „Maria“ (ZDF/ 8.12.2019) präzise ausgedrückt hat: “

In solchen Momenten kommt etwas wirklich Neues in die Welt hinein. Es geschieht auf weibliche Weise durch Schwangerschaft. Langsam reift es in dir heran, entfaltet sich im Verborgenen. Maria wird schwanger. Als Jungfrau, so bekennen wir im Glaubensbekenntnis. Wie soll ich das verstehen, heute im 21. Jahrhundert? Wer diese theologische Aussage ins Biologische wendet, wird aus der Geschichte nicht mehr schlau. …. Jungfräulichkeit ist hier nichts Biologisches. Die Mystiker verstehen seit jeher etwas anderes darunter. Eine jungfräuliche Seele, ein jungfräulicher Geist ist bereit, Gott alles zuzutrauen, von Gott alles zu erwarten.“ – Heinrich Nikolaus Caspary

 

Der Artikel, der einen weiten Bogen quer durch die Geschichte spannt, spricht die Bedeutung der Monogamie im Zusammenhang mit Gott an. Man sollte sich die Fragen stellen: Wer war zuerst da – Gott oder Mensch? Wer hat wen gemacht? Dass Gott zuerst da war, scheint ziemlich logisch zu sein. Dann ergibt sich etwa folgendes Gesamtbild aus biblischer Perspektive: Der Mensch war auf Gott hin geschaffen worden, für die Gemeinschaft mit Ihm, dem dreieinigen Gott, der in sich schon vollkommene Liebe ist. Aber da Liebe auf Freiwilligkeit basiert, war es möglich, dass der Mensch sich von Gott trennte, was im Garten Eden geschah. Wie der Mensch für eine Gemeinschaft mit Gott geschaffen worden war, so war er auch für eine exklusive Gemeinschaft als Mann und Frau geschaffen worden – daher die Allgemeingültigkeit des sechsten Gebots.

Als der Mensch freiwillig dieser Liebe zu Gott absagte, veränderte sich die Grundlage seines Seins und er brach quasi gemeinsam mit der ganzen Schöpfung von Gott weg. Dadurch wurde die ganze Schöpfung entstellt. Es entstanden Streit, Krieg, Hass und Chaos und Kampf um die Vorherrschaft. Der Mensch erfüllte jetzt nicht mehr seine eigentliche Bestimmung. Es war ein großer Graben zwischen Gott und Mensch entstanden, den die Menschen trotz aller Religiosität und Kreativität nicht überwinden können. Gott schickte sich an, ihn zu überbrücken. Er richtete sich auf der menschenzugewandten Seite des Grabens einen Platz für einen Brückenkopf ein – das Volk Israel. An diesem Brückenkopf wollte er Seine Lösung zum Ansatz bringen. Diese Lösung war das Kreuz Jesu Christi, das sozusagen am Brückenkopf fixiert und über den Graben gelegt wurde. Um uns zur Rückkehr zu Sich einzuladen, kam Er selbst über diese Brücke zu uns Menschen, indem er selbst Mensch wurde. Dazu wurde Er von einer Jungfrau geboren. Wie die Liebe zwischen Mensch und Gott durch die Überheblichkeit des Menschen zerstört wurde, so wurde auch die Liebe zwischen Mann und Frau, die Gott ursprünglich bei der Schöpfung vorgesehen hatte, beschädigt.

Er hatte den Menschen als Mann und Frau geschaffen. Eine Unterdrückung der Frau durch den Mann war nicht vorgesehen. Die Abwendung von Gott und die Entstellung des Ehekonzepts hängen miteinander zusammen. Aus der ausschließlichen liebenden Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau entstand eine Spirale von Anklage, Betrug, Unterdrückung, Konkurrenz und Hassliebe. Zwei Seelen wohnen nun in der Brust des Menschen. Aber niemand kann mit ganzem Herzen zwei Herren dienen. Um wieder mit Gott in Verbindung zu kommen, müssen wir ganz neu anfangen. Umkehr und Vergebung ist nötig. Jesus sagt im Johannesevangelium:

„Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Menschliches Leben wird von Menschen geboren, doch geistliches Leben von Gottes Geist. Wundere dich also nicht, dass ich dir sagte; Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will. Du hörst ihn zwar, aber du kannst nicht sagen, woher er kommt und wohin er geht. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ Im Epheserbrief wird ab Kapitel 5,20 die eheliche Beziehung beschrieben und mit der Beziehung verglichen, die Christus zu Seiner Gemeinde hat, der Sein Leben für sie dahingegeben hat. Egoismus ist keine dauerhafte Grundlage für die Liebe. – Gerhard Jahnke

 

Gesetzestreue… In dem Artikel wurde leider eine biblische Pointe nicht erwähnt, die aus meiner Sicht charakteristisch ist für das christliche alttestamentarische Moralgerüst: Moses fand bei seiner Rückkehr vom Berge sein glaubensmäßig abtünniges Volk incl. Goldenem Kalb vor, zertrümmerte erst letzteres, dann die Gesetzestafeln und gebot alsbald seinen verbliebenen Anhängern, die Ungläubigen zu töten.Egal ob Freund,Bruder oder Schwester..Ex 32,25-28).Der Bibel nach 3000 Tote als Ergebnis.Was stand noch mal auf den Tafeln? Du sollst nicht töten???? – Christoph Stellmacher

 

Jesus – Produkt eines göttlichen Seitensprungs? Ehebruch in der Bibel? Schön, wie Kilian Trotier die alttestamentarische Geschichte von David und Batseba erzählt, die den meisten doch nur aus den Anspielungen in Leonard Cohens Gassenhauer „Hallelujah“ bekannt ist. Eindrucksvoll auch, wie er Jesus als klugen und nachsichtigen Richter über die Ehebrecherin zeichnet. Doch Sünde bleibt Sünde, im Alten wie im Neuen Testament. Aber dann die Wendung zum Schluss des Artikels! Fremdgehen wird in der Bibel nicht nur negativ bewertet, weil ja Maria schwanger war mit Jesus, der aber nicht von ihrem Verlobten, dem Zimmermann Josef aus Nazareth, gezeugt wurde. Der Seitensprung des Herrn (oder der Quickie des Erzengels Gabriel) kann ja nun kaum als Sünde bezeichnet werden, wo doch der ganzen Menschheit aus der Folge dieses „Fehltritts“ Vergebung der Sünden erwuchs. Diese abstruse Gedankenführung zeigt das ganze Elend der populären Bibelauslegung. An die Mär von der Jungfrauengeburt mag heute keiner mehr glauben. Die einzig mögliche Erklärung der frommen Legende als nachträgliche Überhöhung des Schreinersohns aus Nazareth zum Gottessohn durch schwärmerische Evangelisten mag man dem Christenvolk nicht wirklich zumuten. Dann kommen solche Geschichten heraus von einem Gottvater, der fremdging wie weiland Zeus und Jupiter. – Gerold Hofmann

 


 

 

Leserbriefe zu „Fasst euch ein Herz“ von Lena Gorelik

 

Wann ist sie verloren gegangen, die Empathie, und warum? Empathie ist meines Erachtens nicht verloren gegangen, aber es hat sich in den westlichen Gesellschaften etwas verschoben, was diesen Eindruck stark befördert: Empathie ist die hochentwickelte Fähigkeit, sich in andere Menschen und Situationen hineinzufühlen. Die Fähigkeit, das Eigene im Fremden zu sehen, das Fremde im Eigenen. In dieser Ausprägung können wir in verständigungsorientiere Beziehung mit Anderen, mit Andersdenkenden eintreten. Empathie ist von Anfang an da, wesentlich für die symbiotische Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern in der ersten Entwicklungsphase. In dieser frühen Ausprägung kann Empathie sowohl Quelle von Bindung und Hinwendung als auch von Ab- und sogar Ausgrenzung werden: nach innen einfühlsam, nach außen abgrenzend, um die Familie, die Sippe, die Gruppe zu schützen und zu stabilisieren.

Wir erleben bei einem signifikanten Teil der westlichen Gesellschaften eine Regression der sozialen Beziehungen auf eine sehr frühe Stufe. Wahrscheinlich war diese Regression schon immer da, sie findet jetzt allerding die Bedingungen, sich offen ausleben zu können. Der Unreifeschub basiert in Deutschland auf der Etablierung des Ausgrenzungsmusters in der Flüchtlingsdebatte ab 2015. Beinahe alle Parteien und Teilnehmer an der öffentlichen Auseinandersetzung haben an dieser Etablierung mitgewirkt. Es zeigt sich nun, dass wir dieses Muster so schnell nicht mehr los werden. Ausgrenzung erzeugt immer neue Ausgrenzung. Aus Angst vor Ausgrenzung grenzt man selber aus, um sich der gefährdet geglaubten Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft zu versichern. Oder man grenzt sich ab, zieht sich zurück, um sich zu schützen.

Die hochentwickelte Empathie als Quelle von Humanität und Demokratie steht der atavistischen Empathie als Quelle der Ausgrenzung in wechselseitiger Uneinfühlsamkeit gegenüber. In eingeübten Ritualen versichert man sich die Zugehörigkeit zur jeweiligen Empathiegemeinschaft. Ausgrenzungsrituale gehören dazu. So wächst die Ausgrenzung. Die einfühlsamen Geschichten von Lena Gorelik sind Impulse für die Entfaltung von Empathie auf eine höhere Stufe, für die Entwicklung von Persönlichkeit, wie sie eine offene, demokratische Gesellschaft voraussetzt. Richtig, wenn Lena Georelik sagt: Damit die Welt anders wird, müssen alle lernen, ihre Stimme zu erheben, wenn es um andere geht.Reinhard Koine

 

Ob wir in Deutschland gerade dabei sind, unsere in den letzten Jahrzehnten entwickelte Empathie für die Leiden nichtdeutscher Menschen zu verlieren, vermag ich (Kriegskind, 82) nicht zu beurteilen. Wenn aber schon ein beiläufiger Hinweis auf unbezweifelbare Tatsachen (*) genügt, um den, der diese erwähnt, in Rassismusverdacht zu stellen, dann, meine ich, sollte jemand ein deutliches Veto einlegen. In meinem Brockhaus von 1952 wird die Bevölkerung der Erde mit 2,3 Milliarden beziffert, die von Afrika mit 194 Millionen Menschen. – Der aktuelle Stand aus den mir zugänglichen Quellen liegt bei 7,5 Mrd. für die Weltbevölkerung und bei 1,2 Mrd. für die von Afrika.

Die Gründe für dieses enorme Wachstum sind vielfältig; wir alle wissen dies und das darüber. Letztlich läuft es aber darauf hinaus, dass dieser Planet bereits jetzt überbevölkert ist: es gibt in den Entwicklungsländern viel zu viele Kinder, die sich in absehbarer Zeit selbst fortpflanzen wollen – und in den relativ reichen Ländern des Westens zu viele Alte. – Was tun? – Die Alten (also auch mich, Nazikind) einem „sozialverträglichen Frühableben“ zuführen – wie schon in Huxleys Roman „Schöne Neue Welt“ angedacht? – Oder eine globale Aktion zur Empfängnisverhütung starten – nicht nur in Afrika? Die Klimaerwärmung ist menschengemacht, richtig, aber dazu gehört eben auch ein traditionelles Fortpflanzungsverhalten, das das Überleben der Menschheit auch unter ungünstigsten Bedingungen ermöglicht hat – und nun ein wesentlicher Teil der globalen CO2-Problematik geworden ist. (*) Zitat von Clemens Tönnies) – Dr. Horst Landau

 

Ihren Artikel aus der ZEIT habe ich mir sehr zu Herzen genommen. Wohl wissend, dass zu der Zeit als Sie den Artikel verfasst haben, die neuerlichen, erschütternden Anschläge aus Hanau, noch in der Zukunft lagen. Und wieder steht unsere Gesellschaft fassungslos und hilflos vor einem solchen Ereignis. Viele Menschen gehen auf die Straße, wollen ihr Mitgefühl auszudrücken und ein Zeichen gegen Hass und Gewalt setzen. Das ist gut und richtig, und soll vor allem den Betroffenen unsere Anteilnahme aufzeigen.Aber die, die wir eigentlich erreichen wollen, werden wir aus meiner Sicht damit nicht erreichen. Sie leben in einer Filterblase, in der sie sich eingerichtet haben und unter Ihresgleichen gut aufgehoben fühlen. (siehe dazu die Kommentare in den „sozialen“ Medien)

Somit werden die Zeichen die wir setzen, nur die erreichen, die die Spielregeln einer weltoffenen, wertschätzenden Gesellschaft bereits lange verinnerlicht haben. Allen Anderen wird man die Grenzen setzen müssen. Die Spielregeln oder Leitplanken einer Gesellschaft sind über viele Jahre gewachsen und von den in ihr lebenden Menschen erprobt worden. (Kants kategorischer Imperativ ist vielleicht ganz hilfreich) Und wer nun nicht Willens oder in der Lage ist diese Spielregeln einer Mehrheit der Gesellschaft anzuerkennen, der lebt wohl in der falschen Gesellschaft.

Nun weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es oftmals schwer ist, die eigenen Leitplanken zu vertreten. Schnell wird man in einer geselligen Runde zur Spaßbremse und zum andersdenkenden Außenseiter. Da haben es die Opportunisten deutlich einfacher. Sie wissen bereits vor Eintreffen des Sturms woher der Wind weht. Doch da meine eigene Sozialisation von einem Zeitzeugen in der Familie maßgeblich mitgeprägt wurde, war der bequemere Weg wohl nicht mein Weg. Um an die Quelle zu gelangen, muss man zwangsläufig gegen den Strom schwimmen. Und wenn ich auf diesem Weg auf Menschen wie Sie treffe, dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Danke für Ihre Geschichte. – Walter Degroot

 

Mit Ihrem Artikel sprechen Sie mir aus dem Herzen. Und ich möchte Ihnen sagen, dass Sie mit Ihrem Anliegen nicht allein sind. Sie schreiben: „Damit die Welt anders wird, müssen alle lernen, ihre Stimmen zu erheben, wenn es um andere geht.“ Genau so ist es. Und in der Tat ist schwer, „Menschen, die man achtet, mag oder sogar liebt, auf ausgrenzende Denkmuster hinzuweisen“. Aber um so mehr ist es notwendig. Das soziale Miteinander ist nicht immer nur ein Kuscheln. Wir lernen oft mehr, wenn Konflikte auch mal explizit werden und es weh tut. Das lässt sich nicht immer vermeiden.

Ihre Grundfrage, wann und warum die Empathie verloren gegangen ist, führt zu der Frage, wo und wann Empathie vollumfänglich da war. Ich meine, dass sich Menschsein ontologisch in einer Einbettung in Empathie vollzieht. Spürbar ist das für Viele – aber leider nicht für alle – im Mutterleib und in den ersten Jahren in der Mutter-Kleinkind und/oder Vater/Kleinkind-Beziehung. Spürbar wird es im Verlauf des Lebens immer wieder in positiven, vertrauensvollen Beziehungen. Zerstört wird die Empathie, wenn es diese Einbettung nicht gibt, durch Gewalt jeglicher Form. Zu diesem Thema habe ich von verschiedenen Seiten kommend gearbeitet. Eine Forschungsarbeit mit dem Titel „Die Entdeckung der Empathie durch jüdisch-deutsche Philosophen 1900 – 1933“ möchte ich demnächst angehen (siehe: https://www.verwandeln-verlag.de/neues/). Sie sind mit Ihrem Anliegen nicht allein. – Ralf Matti Jäger

 

Ihr Beitrag in der ZEIT Nr. 9 unter der Überschrift „Fasst euch ein Herz“ hat mich sehr berührt. Es ist gut, dass Sie sich ein Herz gefasst haben, um Ihre Erfahrungen mit Rassismus und Antisemitismus auf diesem Weg zu veröffentlichen. Und ja, diese Geschichten müssen laut erzählt werden, damit sie gehört und gelesen werden und „sich in den Köpfen einnisten“. Im Zusammenhang mit dem Tönnies-Zitat schreiben Sie: „Aber die Dinge werden nicht besser, wenn man sie nicht benennt“. Richtig! Und daher muss dann gefragt werden „Ach, darf er das wirklich denken?“ Nein, diese Gedanken sollen gar nicht erst entstehen, denn die Ausgrenzung beginnt mit dem Denkprozess. Und insofern kann ich Sie nur ermutigen „nicht in Schweigen zu verharren aus Angst, etwas Falsches zusagen …“ Das gilt natürlich für uns alle. Jeder von uns muss den Mut haben das Wort zu ergreifen, wenn in einer Gesprächsrunde oder in den Medien rassistisches oder antisemitistisches Gedankengut geäußert wird.

Besonders berührt hat mich das geschilderte Erlebnis Ihrer Mutter. Ich gehöre zu den Mitbürgern, die sich für das Verhalten solcher Zeitgenossen wie dem erwähnten Busfahrer schämen. Es ist eines der vielen Beispiele die uns aufzeigen, dass es vor allem an Bildung fehlt, natürlich auch an Herzensbildung, ohne die Empathie kaum entstehen kann. Bis vor wenigen Jahren hätte ich, Jahrgang 1939, es nicht für möglich gehalten in Deutschland wieder Zustände zu erleben wie Sie und andere sie schildern. Trotzdem bleibe ich optimistisch. Die Mehrheit der Deutschen und der anderen Europäer ist weltoffen und tolerant. Wir müssen dafür sorgen, dass diese Mehrheit wächst und gegen jede Form von Ausgrenzung zusammensteht. – Werner Bitter

 


 

 

Leserbriefe zu „Beton ist nicht grün“ von Moritz Aisslinger

 

Die VertreterInnen der Mate-und Grüntee trinkenden Grünen, nahezu alle akademisch, leben in einer gänzlich anderen sozialen Wirklichkeit als die Abgehängten in Stadtvierteln wie dem Hamburger Mümmelmannsberg. Man bemüht sich zwar um die Wählerstimmen dieser Menschen, aber ihre vielfältigen Probleme sieht man nicht und will auch nicht den mühsamen und langen Weg der Kümmerer einschlagen, der vielleicht Erfolg versprechen könnte. Deswegen werden die Grünen auch keine Volkspartei werden, sondern eine Klientelpartei bleiben. Angesichts der großen Spaltung unserer Gesellschaft ist die Idee der Volkspartei eine Illusion. Ob die Grünen am Ende, wenn sie denn wieder im Bund mitregieren können, all das umsetzen , was sie an sozialen Forderungen formuliert haben, wird sich noch erweisen. Jedenfalls ist in den Bundesländern, in denen Grüne schon heute Gestaltungsmacht haben, gut zu beobachten , wie bürgerlich sie agieren und kaum Motor sozialer Veränderungen sind. – Stefan Kaisers

 

Sehr deutlich zeigt der Artikel symptomatisch auf,wo die Probleme heute liegen: So lange z.B. jemand wie die Leiterin der Elternschule von Mümmelmannsberg, Frau Sokolowski, jedes Jahr aus Neue ihre Kinderferienaktion begründen und um Geld kämpfen muß, weil die etablierten Parteien nicht aus ihrer gemütlichen Blase herauskommen, wird es zwei Parallelgesellschaften geben. Nicht mehr Polizisten und Verfassungsschützer sind nötig, sondern viele Menschen, die mit Herz, Sachverstand und Ausdauer gemäß Elmar Wiesendahl ihre Arbeit an den Wurzeln verrichten! – Helmut Strohmayer

 

Das Hamburger Quartier Mümmelsmannsberg zeigt exemplarisch , wie die Parteien damit scheitern, die Unterschicht in das politische System einzubinden,deren Wünsche und Bedürfnisse, die sehr real sind, aufzugreifen und umzusetzen. Die SPD, längst keine Volkspartei mehr, weil sich ihre Führung, die Funktionäre sowie die Mitglieder immer stärker akademisiert und damit von der sozialen Realität der Benachteiligten entfernt haben, hat das Vertrauen dieser Menschen schon lange verloren. Und die Grünen werden es nicht gewinnen können, weil sie erst recht keinen Zugang zu den unteren Sozialmilieus finden. So sind die Bürger vom Mümmelmannsberg und ähnlichen Vierteln politisch heimatlos, schwanken zwischen Wahlenthaltung aus Resignation oder der Wahl der AfD, von der sie aber wohl schon bald auch enttäuscht sein werden. Ihre Interessen gehen unter. – Ralf Berger

 

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel über Mümmelmannsberg gelesen. Ja, die Menschen in diesem Stadtteil für Politik zu begeistern, ist nicht einfach. Ihren Ansatz bei der Geschichte, nämlich wie läuft der (grüne) Wahlkampf in Mümmelmannsberg, kann ich nachvollziehen. Gleichzeitig habe ich mich beim Lesen über die weitere Darstellung des Stadtteils erschreckt und geärgert. Da denke ich: typisch. Meine Fantasie: Gerade mal ein paar Stunden dagewesen und schon ist das vermeintlich wahre Bild von Mümmelmannsberg entstanden. Ghetto. Ob das wirklich so war, kann ich jetzt nicht beurteilen. Ich lebe seit zehn Jahren in Mümmelmannsberg. Ich gebe zu, es war nicht meine oberste Priorität hierher zu ziehen. Weil meine Situation aber so war, wie sie war, habe ich dort meine Wohnung mit meinen Töchtern bezogen. Wir wohnen in keinem der einzelnen Hochhäuser, sondern in einem dreigeschossigen Haus, so wie es die meisten sind. Wenn Sie von Hochhaussiedlung sprechen, lässt das falsche Bilder in den Köpfen der Leser entstehen. Großwohnsiedlung wäre treffender gewesen. Und Arbeitersiedlung stimmt nicht.

Die Fotos, die Sie zeigen (oder die Fotoredaktion ausgewählt hat), zeigen Verwahrlosung, Grau und Klischee – die Frau mit Kopftuch an der Bushaltestelle. (Anmerkung: Da hier die Endhaltstelle der U-Bahn ist, steigen hier viele Menschen ein, aus und um – mit und ohne Kopftuch.) Was wollen Sie damit sagen? Der Stadtteil ist grau, verwahrlost, schmutzig, trostlos, viele Ausländer? Ich gebe zu, dass dies das Bild in den Köpfen vieler Menschen ist, die Mümmelmannsberg eben nicht kennen. Mich schmerzt das, diesen Stadtteil so abzustempeln. Natürlich ist es um diese Jahreszeit grau in Mümmelmannsberg, das ist es aber auch in Ottensen oder Eimsbüttel. Was man im Februar nicht sieht: Mümmelmannsberg ist grün. Die Wohnanlagen sind so gebaut, dass es weite grüne Innenhöfe gibt. (In der HafenCity oder anderen neu gebauten Stadtteilen ist es sehr viel enger und weniger grün!) Es gibt jede Menge Grünflächen, Kleingärten, die Glinder Au und auf der anderen Seite der B5 das Naturschutzgebiet Boberger Niederung mit dem höchst informativen Boberger-Dünen-Haus (Loki-Schmidt-Stiftung) und einem kleinen, wunderbaren Badesee. Also nicht wirklich nur Beton und Platte.

Ja, es leben hier viele Menschen, die nicht viel Geld haben, die auch Sorgen haben. Aber wir schleichen nicht depressiv durch die Straßen. Mümmelmannsberg ist ein sehr bunter, multikultureller, lebendiger Stadtteil. Das Miteinander funktioniert. Ein kleines Beispiel aus meiner Nachbarschaft: Der Pastor der ev. Kirchengemeinde arbeitet daran, eine gute Gemeinschaft zwischen den Menschen unterschiedlichen Glaubens zu schaffen (muslimisch, christlich, jüdisch). Mit großem Engagement. Er ist sehr viel im Stadtteil unterwegs – mit seinem muslimischen und seinem jüdischen Kollegen, um mit den Menschen zu reden und in Kontakt zu sein. Dass wir hier miteinander leben und nicht gegeneinander. Ebenso die Grundschulen und die Gesamtschule Mümmelmannsberg leisten tolle Arbeit, um den Kindern den Weg in ein gutes Leben zu ermöglichen.

Sie merken schon: Ich mag meinen Kiez. Mir gefällt die Vielfalt und eben das Anderssein der Menschen. Als ich hierherzog, spürte ich eine Mischung aus Neugier und auch Skepsis. Wie lange würde ich wohl bleiben? Die Offenheit aber in mir überwog. Mittlerweile lebe ich gern hier. Es gibt nette und herzliche Kontakte mit meinen Nachbarn, den freundlichen Schnack im Edeka-Markt, bei der Post oder in der Apotheke. Ja, der Beton ist nicht grün. Aber es gibt wie gesagt hier nicht nur Platte, sondern auch viele rote Ziegel. Und dazwischen jede Menge Grün! PS.: Ich war natürlich wählen, am sehr späten Nachmittag. Und es herrschte ein geschäftiges Kommen, um noch schnell die Kreuzchen auf dem Wahlzettel zu machen… – Ulrike Großbongardt

 

Danke für den diesen Artikel. Sie haben alles wunderbar beobachtet und sehr zurückhaltend, aber treffend kommentiert. Er hat mich zum Nachdenken angeregt und zwei Sachen sind mir aufgefallen: Obwohl sehr viele Einwandererfamilien in Mümmelmannsberg wohnen ( 80% der KInder stammen aus diesen Familien) kommen diese Menschen in Ihren Kommentaren / Zitaten nicht vor. Ihre Wünsche, ihre Ideen an Politiker z.B. Vielleicht wollten sie sich ja nicht äußern, aber es hätte mich schon interessiert. Auch welchen Parteien sie ihr Vertrauen schenken. Der zweite Punkt, der mich immer noch beschäftigt ist, warum gerade die GRÜNEN sich in diesem Viertel so schwertun. Sie sind die Partei, die Zuwanderung begrüßt, die Multi Kulti für ein gutes Modell hält, die Respekt und Solidarität für Einwanderer einfordert, ihnen ihre kulturelle Identität zugesteht, also sich für sie einsetzt. Sie müssten doch mit Handkuss begrüßt werden.

Was läuft da schief? Sind es nur Sonntagsreden und lassen die Grünen und auch die Wähler der Grünen die Leute, wenn sie erst einmal angekommen sind, im Stich? Interessieren sie sich überhaupt noch für sie? Die Sätze über Wilhelmsburg passen in dieses Bild. Die Kreativszene ist das Wählerpotenzial und wird umworben. Aber Wilhelmsburg ist auch ein Arbeiter- und Zuwanderungsviertel. Passen die „Unterschichtmigranten“ nicht in das Bild? Wer soll / darf sich um sie kümmern? Ich bin gespannt auf die Wahlanalyse, wie in diesen Stadtteilen gewählt wurde. Es ist diese Diskrepanz, die mich mutlos, ärgerlich und traurig macht. Dieses Desinteresse an dem Leben der Menschen in anderen Stadtteilen, die nicht meiner eigenen Schicht angehören. Um dann entsetzt darüber zu diskutieren, warum diese Leute nicht zur Wahl gehen oder die Falsche Partei wählen. Ihr Artikel hat die Realität aufgezeigt und mich darin bestätigt, dass Akzeptanz sich nicht in schönen Worten und dem Kreuz an der richtigen Stelle erschöpfen darf. Aber was hilft uns das, wenn wir die Lebenswelt der Anderen gar nicht zur Kenntnis nehmen? Da weiß ich jetzt auch keine Lösung. PS: Zwei bis dreimal im Jahr machen mein Sohn und ich Ausflüge in uns weniger bekannte Stadtteile, schon das hilft, einen erweiterten Blick auf Hamburg zu bekommen und die Vielfalt ein kennenzulernen. – Marlies Wenzel

 


 

 

Leserbriefe zu „»Wir haben derzeit die Mehrheit bei den über Sechzigjährigen. Sonst nirgendwo«“. Gespräch mit Norbert Röttgen geführt von Matthias Geis und Tina Hildebrandt

 

Zur Kandidatur von Norbert Röttgen… Und nun also auch der Norbert… Politversager von 2012, als er wegen grober politischer Stockfehler von der Kanzlerin als Umweltminister geschasst wurde. Röttgen, Mitglied der „Atlantik-Brücke“, einer amerikanischen Institution, welche US-amerikanische Interessen in Europa vertreten und verteidigen soll, macht es seinen potentiellen Wählern nun ganz einfach. Er belästigt diese nicht mal mit einem Wahlprogramm, sondern wirft ihnen den Satz zu, dass er ein „christlich-demokratisches Profil“ in der CDU vermisse und dieses nun reetablieren möchte. Was das beinhaltet, sagt er klugerweise nicht. Nur so kann jeder Wahlberechtigte selbst hineininterpretieren, was das sein soll. Christlich sein ist ja –prinzipiell- was Gutes. Man ist barmherzig, demütig, allen Bedürftigen zugetan, hält auch noch die rechte Wange hin, wenn man einen Schlag auf die Linke Wange erhält. Ja, als guter Christ holt man sogar Flüchtlinge von der lybischen Küste mit selbstgekauften Booten ab und schafft sie nach Europa (siehe EKD Deutschland).

Demokratisch soll das Profil auch sein. Die DDR war dem Namen nach auch „demokratisch“, genauso wie die Grünen, FDP, SPD und die Linke, alles reine Demokraten. Ich glaube, es gibt keinen Begriff, welcher in der Geschichte so vergewaltigt wurde, wie der Begriff der Demokratie. Kein Mensch ist von Hause aus Demokrat. Menschen sind Egoisten, machtbesessen, neidisch, gierig und werden, wenn nötig, zum Verräter. Sie sind bestenfalls von Zeit zu Zeit bereit, sich einem demokratischen Prozedere zu unterwerfen. Unsere links-grünen „Demokraten“ beispielsweise sind immer dann bereit, sich demokratischen Entscheidungen zu unterwerfen, solange die Ergebnisse solcher Entscheidungen ihren Vorstellungen entsprechen. Wenn das nicht der Fall ist, wird die Korrektur dieser Ergebnisse gefordert oder die Nazi-Keule ausgepackt. Nun, das nur am Rande. Wie schon gesagt, das klingt alles wohlfeil, ist aber eine Finte. Einmal gewählt, hat er sein Ego befriedigt und schiebt dann die Verantwortung auf sein wahrscheinliches Scheitern auf die anderen. Er ist leider kein charismatischer intelligenter Politiker, der den notwendigen Kurswechsel der CDU einleiten könnte. Diesen Kurswechsel braucht aber die CDU. Diese Partei hat nunmehr kein Profil mehr. Sie steht in der „Mitte“ der Gesellschaft, was auch immer die „Mitte“ ist.

In der „Mitte“ sind die anderen „demokratischen“ Parteien ja auch schon. Ja, sogar die Linken drängen in die „Mitte“, zumindest mit Ramelow in Thüringen. In der „Mitte“ sind aber auch, entsprechend der mathematischen Gaus-Kurve, alle profillosen, mittelmäßigen und ausgleichenden Kräfte unserer Gesellschaft. Eine solche Gesellschaft verliert aber zwangsläufig jede Zielstrebigkeit und damit an Attraktivität. Sie neigt dazu, instabil zu werden. Das ist wie bei einem Ball, den man ins Wasser wirft. Weil sich seine Masse um einen Mittelpunkt gleichverteilt, dreht er sich ohne Orientierung um sich selbst. Unsere Gesellschaft braucht aber Orientierung und Selbsterhaltungskräfte. Die CDU kann diese aber mit Röttgen, Laschet oder Spahn nicht aufbauen. Ich glaube, sie kann diese überhaupt nicht mehr aufbauen. Diese Partei ist nach 16 Merkel-Jahren faktisch am Ende und müsste sich neu erfinden, neu gründen mit konservativem Programm. Das ist aber im Bewusstsein dieser Partei noch nicht angekommen. Das gegenwärtige Dilemma in Erfurt beweist das. Ich glaube, der nun zu wählende CDU-Vorsitzende in Thüringen hat schon verloren, ehe er überhaupt gewählt ist. Dem zukünftigen Bundesvorsitzenden der CDU wird es genauso ergehen… – Andreas Ludwig

 

Besser hätte es für Norbert Röttgen nicht laufen können. Es brauchte nur den Mut, beherzt die Chance zu ergreifen, die sich aus der wechselseitigen Blockade der drei Alpha-Kandidaten ergab. Mit seiner selbstbewussten Kandidatur übernimmt Norbert Röttgen nun den in der CDU brachliegenden Führungsanspruch, sowohl formal als auch inhaltlich. Er nutzt klug die sich bietende occasione, ohne überhaupt gegen irgendjemanden angetreten zu sein. Ab nun geht es erst richtig los – siehe Machiavelli, Il Principe, 7. Kapitel: „Diejenigen, die allein durch Glück vom Privatmann zum Fürsten aufsteigen, gelange zu dieser Würde mit geringer Mühe, aber bewahren sie schwer. Sie finden keinerlei Hindernisse auf ihrem Weg, weil sie im Fluge ans Ziel gelangen; aber die Schwierigkeiten beginnen, sobald sie es erreicht haben“. Der Weg ist lang. Jetzt kommt es auf virtùan. Darauf, klug und beherzt den Führungsanspruch auszufüllen und so das legitimierende Fundament nachzuliefern. Es kommt auf die Frauen an. Und auf den Osten Deutschlands. – Reinhard Koine

 

Herr Röttgen fragt, was Bürger dazu bringt, die AfD zu wählen. Nun, als ein Bürger, der die AfD um genauso viel mehr nicht wählen kann als er die CDU von je her so wenig wählen kann wie nun letztlich auch die FDP für ihn unwählbar geworden ist, und alle verbliebene, aber wohl vergebliche Hoffnung auf ein Wunder in der SPD setzt, die Die Linke einzuhegen weiß, während Die Grünen das Thema Umwelt ins Bewusstsein und letztlich Gewissen heben, antworte ich: Wegen der fehlenden vernünftigen Opposition. Die sog. Große Koalition hat dieses Land vereinnahmt. Das Buhlen um die „Mitte“ hat die moderaten Pole unkenntlich gemacht, ohne die es diese „Mitte“ gar nicht geben kann. Diese beiden fatalen politischen Konstrukte, „Mitte“ und „GroKo“, bringen das vernünftige Spiel von Position und Opposition zum Erliegen. Um es waidmännisch formuliert auf die Spitze zu treiben: Sie erlegen die Demokratie, bringen sie zur Strecke.

Die AfD ist nicht der Jäger, sondern nur der Geier, der auf’s Aas wartet. Und in Thüringen schon mal einen Bissen vom zukünftigen Kadaver heruntergeschlungen hat. Als Bürger möchte ich friedlich zwischen zwei für das Wohl der Bürger:innen (also zu einem beachtlichen Teil dem Wohl des Staates) Haltungsparteien leben. Die durch offenen, klaren und deutlichen Diskurs in Anerkennung von Position und Opposition für Friedfertigkeit sorgen. Begleitet von jenen kleinen Fachparteien, die als Zünglein an der Waage fungieren und Fragen zu Wirtschaft, Umwelt, Soziales tiefer beackern und, so denn koalitionär vereint, einer Haltung Richtung geben. Als Bürger mit freiheitlichem und nicht leistungsdikatorischem Demokratieverständnis möchte ich idealerweise inmitten dieser wirkenden Kräfte frei sein, ja: erwarte, dass sie mich frei machen. Frei sein von mich kolonialisieren oder missionieren wollenden Attitüden, mich z.B. nicht behelligt mit Wahlplakaten, um meine Stimme einzukaufen. Mich also frei macht von der Pflicht gegen solcherlei ideologischer Übergriffigkeit mich zur Wehr setzen zu müssen. Mich frei macht für meine politische Kompetenz, der ich bei der Wahl mit meinen Stimmen Ausdruck gebe.

Vernünftige Opposition gehört ins Parlament, nicht in die Bürgerschaft, die auf ihre Weise für das Wohl des Staates zu sorgen hat. Indem sie demokratisch Position und Opposition souverän bestimmt. Diese mündige Bürgerschaft beauftragt also die eine Haltung zur derzeit vernünftigen Position, die andere zur entsprechenden vernünftigen Opposition. Und vernünftige Opposition heißt: realistischerweise die Möglichkeit innehabend, mit der nächsten Wahl zur Regierungsposition werden zu können. Für die Garantie dieser Möglichkeit ist auch die aktuelle Regierung verantwortlich. Idealerweise und von Politprofis womöglich als blauäugig desavouiert. Und so sie denn eine Wahl hat, die Bürgerschaft. Und nicht alternativlos dem Willen zur Macht ausgeliefert ist.

Die AfD ist keine Oppositionspartei zur gerne dominieren wollenden CDU, sie ist eine nicht homöopathisch potenzierte CDU, allerdings ohne Haltung. Deshalb auch als Positionspartei völlig ungeeignet – und als kleine Fachpartei für was auch immer koalitionär indiskutabel. Und die Gleichsetzung von „linken“ Positionen mit dieser äußerst „rechten“, das Magistrat des Hufeisens, schwächt ein vernünftiges Verhältnis von Position und Opposition, ja verunmöglicht es gar. Das passt zu der typisch christlichen Allür’ einer »universalistischen normativen Idee«. Das ist, charakteristisch für monotheistisch orientierte Wertesysteme, Kolonialismus, der eben auch vor einer „Mitte“ nicht halt macht. Weil diese „Mitte“ wohl eigentlich meinen will: „Alle“. „Verallgemeinung“, sozusagen. Ein äußerst sozialistisches Prinzip, konservativ gewendet. – Volker Homann

 

Dass Norbert Röttgen seinen eigenen Kopf hat, mit dem er auch schon mal gegen die Wand zu laufen bereit ist, dürfte bekannt sein. Dennoch ist Muttis Klügstem mit seiner Rückmeldung für die erste Reihe im Berliner Politzirkus und mithin der Sprengung aller troikanischen Abspracheketten zumindest formal eine gehörige Überraschung gelungen. Zudem verspricht Röttgen wieder mehr agierende als reagierende Politik für die Mitte der Gesellschaft. Nicht nur eine verlockende, sondern überaus notwendige Option. Denn es ist eine Menge Arbeit liegen geblieben. – Ira Bartsch

 


 

 

Leserbriefe zu „Die tückische Hofnärrin“ von Peter Kümmel

 

Boah schreiben sie gut. Der anstrengend im Ohr atmende Sprechstil Zizeks. Nun Lisa Eckhart, das wird ja immer besser. Sollten sie so toll aussehen, wie Sie schreiben, wäre man gerne die 28 jährige Lisa, um sie bei Bedarf beiläufig glamourös um den Finger zu wickeln. Eine Zeit ohne Beitrag von Peter Kümmel ist wie Handkäs ohne Musik, na ja, sorry, Witz komm raus, du bist umzingelt. V.wg. Lisa, knäbisch, bitte vertrauen, sie macht sicher keinen Sport. Wozu sollte sie ? Großartiger Stil, kluger Junge. – Ellen El Malki

 

„Was fürMonster wir doch alle sind,dass wir all das ertragen!“ Darf man annehmen, dieser Spruch ist ein Zitat von Frau Eckhart? Wenn dem so ist, da hat sie recht.Zumal wenn man auch Frau Eckart ertragen muss. – Hans.Emil Schuster

 

Wer auf intellektuellen Anspruch gemeinhin verzichten mag, der wird mit sogenannten Comedians, Satirikern und Kabarettisten zweifellos reichlich versorgt und erheitert. Woran sich das deutsche Publikum durchweg gewöhnt haben dürfte ist das regelmäßige Lachen auf (eigenem?!) Durchschnittsniveau, nicht zuletzt aufgrund einer tradierten Einfalls- und Witzlosigkeit der Unterhaltungsbranche. Und genau diametral hierzu kommt Lisa Eckhart ins Spiel. Mit ihr nämlich haben Ironie und Zynismus, Ambivalenz und Provokanz, geistige Höhenflüge und unterirdische Verbalinjurien eine neue kunstvolle Intensität und Gemengelage erreicht, die gewiss bisweilen sehr ungewöhnlich und selten leicht verdaulich ist. Andererseits heißt es mittlerweile sogar in der Politik, die Radikalität werde der neue Realismus. So gesehen macht Lisa Eckhart nichts mehr als avantgardistisches Kabarett, und das richtig gut. – Ira Bartsch

 

Noch selten habe ich einen brillianteren Text über eine lebende Künstlerin gelesen als den Text von Peter Kümmel über die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart. Wirklich brilliant und genußreich zu lesen! Gratuliere und Danke! – Björn Luley

 


 

 

Leserbriefe zu „Härtere Bandagen“ von Lea Frehse

 

Alles Übel kommt von Putin, Syrien, Ukraine etc. Aber Einfluss auszuüben auf Despoten wie Putin und Erdogan bleibt nur ein frommer Wunsch. – Scheer

 

Soweit ich weiß, herrschen in Idlib sogenannte Rebellen-Gruppen, überwiegend aus dem Al Kaida Bereich. Aus Funk und Fernsehen, wohl auch aus Ihrer Zeit meine ich zu wissen, dass das die Gruppe von Osama bin Laden ist, also schlimmste Verbrecher, die Leute, die sie für Ungläubige halten, ermorden, vergewaltigen, der Freiheit berauben und die Frauenrechte, wie wir sie kennen, mit Füßen treten. Assad kämpft gegen diese – freundlich geschrieben – Rebellen. Nun plädieren Sie für die Aufnahme dieser Schwerstverbrecher in Deutschland. Denn Sie schreiben ja, die besonders Gefährdeten sollten von Deutschland aufgenommen werden. In Idlib sind aber bei einer Rückeroberung durch das Regime Assads gerade diejenigen Schwerstverbrecher gefährdet, denen das Regime habhaft werden kann. Mit Verlaub: Viel Bürgerliche müssten Ihren Artikel ernst nehmen, um endlich AFD zu wählen. – Dr. Claus Schröder

 

Aus Süddeutschland grüße ich Sie. Sie haben sich mit der traurigen humanitären Situation in der Region Idlib beschäftigt und „härtere Bandagen“ angemahnt. Ich würde gerne in der Zeit einen Artikel lesen, der Verstehenshilfen gibt jenseits des Freund-Feind-Schemas: Hier die guten Aufständischen, dort der böse Assad. Ganz so einfach liegen die Dinge nicht, das macht auch der Artikel von Prof. Dr. R. Merkel deutlich. Ich hatte schon vor Jahren angemahnt, dass wir in Syrien an der türk. Grenze eine Flugverbotszone benötigen, einen von der UN geschützten Rückzugsort für Flüchtlinge mit der Möglichkeit, sie entsprechend zu unterstützen. Auch das gebrochene Sotschi-Abkommen zeigt, wie schwierig es die Diplomatie hat. Dieses Abkommen zeigt auch, dass Deutschland nicht der große Player ist. Ich bin der Überzeugung, dass eine kurdische Autonomiezone der Befriedung dieser Region besser dienen würde, als der Einmarsch der Türkei mithilfe dschihadistischer Kämpfer in Afrin und an anderen Orten.

Wenn man das Kräfteverhältnis der türk. Armee mit den kurdischen Milizen vergleicht, dann wundert man sich, dass die Türkei sich bedroht fühlt und auf ihre Sicherheitslage hinweist, um in einem fremden Staatsgebiet zu intervenieren. Wäre es nicht interessant, die LeserInnen der Zeit über die Frage zu informieren: „Welche Politik Flüchtlingsbewegungen zur Folge hat oder terroristische Bewegungen fördert und welche nicht? Zu dieser Frage habe ich viel interessantes Material gefunden in dem Buch von Michael Lüders, Wer den Wind sät – Was westliche Politik im Orient anrichtet, München 2015.Eine kleine Bemerkung: Auch wenn die angegebene Literatur den „Westen“ anklagt wegen seiner falschen Politik, bin ich nicht der Meinung, dass an allem Bösen, was in der Welt geschieht, nur der Westen schuld wäre. Das wäre eine grobe Verkennung der Realität.Das in aller Kürze. – Dieter Loest

 

Deutschland muss seinen Einfluss auf Russland nutzen, um angesichts der „größten humanitären Horrorgeschichte des 21. Jahrhunderts“ (so die UN) irgendwie irgendwas zu tun? Sanktionen? Welche Wirkung die haben, führt die Krim-Annektion vor Augen: Keine. Und welches Motiv sollte Putin haben, um mäßigend auf Assad einzuwirken? Vielmehr hat er ein Motiv, die menschlichen Katastrophen zu potenzieren, und von irgendwelchen Skrupeln ist er wahrhaftig nicht beseelt: Welcher außenpolitische Schachzug könnte für ihn besser sein als der, Tausende Flüchtlinge nach Europa speziell nach Deutschland zu treiben, damit hier die innenpolitischen Unruhen (AfD!) zunehmen und Deutschland sich möglichst mit sich selbst beschäftigen muss, wie wir es gerade in diesen Tagen erleben müssen. Und dies sind seine Sanktionen für uns! Frage an Frau Frehse: Welche Sanktionen stellen Sie sich für ihn vor? – Günter Bisping

 


 

 

Leserbriefe zu „Aber die Krawatte sitzt“ von Matthias Geis und Tina Hildebrandt

 

Nach Angela Merkels humaner Flüchtlingsgeste 2015, bin ich in der Arbeit mit Flüchtlingen aktiv und habe seither CDU gewählt. Nach dem Desaster in Thüringen und den Sprüchen der „Herren“, die sich um die neue Führung in der CDU bemühen, ist diese Partei für mich nicht mehr wählbar (ich gehöre zur 60+Generation). Die CDU sollte sich daran erinnern, dass die Zentrumspartei mit seiner Zustimmung im Reichstag zum Ermächtigungsgesetz 1933 die Hitlerdiktatur ermöglicht hat. Apropos: die NSDAP war ursprünglich -genau wie die AfD heute- eine demokratisch gewählte Partei. – Maria Weber

 

1.Die Thüringer Wähler haben mit ihrer Wahl zur Landesregierung ein eindeutiges Votum abgegeben. Sie wollen, dass Thüringenvon einer Koalition der Linken ( mit Ramelow an der Spitze) mit der CDU regiert wird. Dieser Koalition gaben sie eine satte Mehrheit, mit der bis zur nächsten regulären Wahl gute Regierungsarbeit für Thüringen geleistet werden kann. Mit welchem Recht hat die Bundes-CDU schon die ersten zaghaften Schritte der Thüringer CDU in die gewollte Richtung massiv zu unterbinden versucht? Sieht die Bundes-CDU denn nicht, dass sie damit bei einer Neuwahl noch mehr “bürgerliche” Wähler in die AfD treibt? 2. Zu allen Zeiten befolgten Politiker die Devise: Hast du zwei Gegner, verbünde dich mit einem, dann seid ihr beide zusammen stark genug gegen den anderen. Selbst Hitler hat sich mit Stalin verbündet, um zunächst einmal den Rücken frei zu haben für seine weitergehenden Pläne. Warum folgt die CDU nicht diesem bewährten Muster und verbündet sich mit den Linken, um gegen die AfD gemeinsame Front zu machen? 3. Das C der CDU steht für Christus, der überall für die Schwachen eingetreten ist, um sie gegen die Inhaber der Macht zu schützen. Er hätte auch das Votum des kleinen Thüringen gegen die geballte Macht der CDU aller anderen Bundesländer geschützt. – Prof. Dr. Detlev Ellmers

 

Die Zeiten ändern sich einfach, nur will das anscheinend niemand in der CDU und niemand in der Katholischen Kirche so richtig wahrhaben. Ohne Kompromisse, die auch sehr wehtun können, lässt sich einfach nicht mehr viel erreichen; alte (un)christliche Rituale, wie das Zölibat, sollten längst in der Schublade auf „Nimmerwiedersehen“ verschwinden. Die „Christlich Demokratische Union“ und auch die Katholische Kirche sind bereits auf einem Weg sich selbst abzuschaffen, der Rückbau ist bereits im vollem Gange. Der Letzte in der CDU und der Letzte in der Katholischen Kirche, der sollte dann auch das Licht ausmachen! – Klaus P. Jaworek

 

Es könnte durchaus sein, dass Friedrich Merz kurz vor dem „Abheben“ steht; denn er will sich um die Stelle des „CDU-Chefpiloten“ bewerben! Ob die CDU nach der nächsten Bundestagswahl 2021, überhaupt in Berlin mitregieren kann, das wird sich erst nach dieser Wahl entscheiden. Zur Zeit jedenfalls beschäftigt sich die CDU nur mit sich selbst, und das ist mehr als jämmerlich, beschämend, unprofessionel und wirkt einfach sehr hilflos. Die „AfD und die „Linken“ werden sich über diese „Klüngeleien“ in der CDU, mehr als diebisch freuen. Falls diese „Linken“ oder diese „Alternative für Deutschland“, ab 2021 im Bund mitregieren sollten, dann wird der nächste Bundeskanzler sicherlich nicht Friedrich Merz heißen! – Riggi Schwarz

 


 

 

Leserbriefe zur Infografik „Schaffen sie das?“ von Doreen Borsutzki (Infografik) und Arnfrid Schenk (Recherche)

 

Das ist nicht eine Frage der Bildung sondern der Masse. Die meisten Bürger, besonders die stille Mehrheit, will keine Entfremdung in unserem Land. Das schafft nur weiteren Terror und Unzufriedenheit. Für eine Renaissance des Deutschen in Deutschland fehlt es an einer führenden Schicht, die die Bildung hat, zu wissen, was für die Deutschen in Deutschland, in WestEuropa gut ist, aber auch zu wissen, welche Voraussetzungen ein gelingendes freiheitliches Gemeinwesen hat, nämlich die hinreichende Homogenität der Bevölkerung, die Chance, das die Menge der Menschen im Lande ein Volk sind. Anders sind Demokratie und Rechtsstaat nicht zu haben. Die als Demokratie ausgegebene Wirklichkeit ist ein autoritärer Parteienstaat mit demokratischen Elementen, vor allem den Wahlen. Russland wäre ein demokratischer Staat, wenn das Schule machen würde. Ist er aber nicht. Auch die angebliche Gewaltenteilung ist ein Phantom. Die gibt es im Westen genauso wenig wie in Rußland. Auch für die Verfassungsrichter gibt es wichtigere Maxime als das Recht. – Gunter Knauer

 

Die Infografik in der Zeit Nr. 9, sollte täglich vor den Nachrichten der Fernsehsender, gesendet werden. Sie zeigt sehr deutlich, dass wir mit der Flüchtlingspolitik nicht viel falsch gemacht haben. Wir werden noch froh sein, dass wir diese Entscheidung getroffen haben. Diese Infografik macht doch die Winwin Situation deutlich. Vor was haben wir denn Angst? Doch nicht etwa dass unser Sozialsystem ausgebeutet wird, diese Grafik macht doch den Mehrwert deutlich. – Stefan Schlitz

 

In der letzten Ausgabe, die Seite 36 „Infografik Integration – Schaffen sie das?“….., können Sie bitte diese Seite 10 000 x ausdrucken und an alle „Integrationsbeauftragten“ dieser Republik verschicken * (* Dann könnte die Seite in den jeweiligen Büros an die Wand gepinnt werden u. jeder Zweifler könnte , nach einem Fingerzeig, lesen das wir, immerhin, schon so weit sind!!), an Alle, denen die Puste auszugehen droht, die gegen ihre innere Stimme : „….ich kann nicht mehr, wie sollen wir das schaffen….“ ankämpfen ? Das würde Mut machen und der ist bitter bitter nötig!! – Erdmann Germer

 

Vor wenigen Wochen las oder hörte ich von einer Statistik, derzufolge von den Migranten, die in die USA gelangen, spätestens nach einem halben Jahr der letzteMigrant in Arbeit ist. So wie ich die USA kenne, glaube ich das. Für deutsche Verhältnisse allerdings unvorstellbar: Von den hier Eingereisten hat nach diesem Zeitraum noch nicht Einer eine Arbeit, wenn man die mit Arbeitsverträgen ange- reisten oder den einen berühmten „Arzt aus Syrien“ ausnimmt. Ich glaube darüber hinaus, dass Ihre Statistik, laut derer nach 5 Jahren 50 % der Migran- ten in Lohn & Brot stehen, so freundlich konstruiert ist wie die amtliche Statistik der Arbeits- losenzahl, die bekanntlich alles ausklammert, was sich irgendwie verstecken lässt: ABM, n-te Umschulung etc. Doch auch wenn es real vielleicht 1/3 sein mögen – nach 5 Jahren! – ist dies dennoch ein Desaster im Vergleich mit den US-Zahlen: „100 % nach 1/2 Jahr“! Grund könnte die deutsche Übertreibungsneigung sein (im Guten heute wie im Bösen vor >75 Jahren), die uns vorgaukelt, Migranten würden nach dem Übertritt der deutschen Grenze all die Lebenstüchtigkeit verlieren, die sie kurz zuvor die beschwerliche Anreise hat überstehen lassen.

Während in den USA jeder erwachsene Migrant als Souverän seiner selbst behandelt wird: „Tu etwas für dich, wir geben dir die Chance dazu“, werden in Deutschland Migranten erst mal an die Hand genommen und entmündigt. Und so lange in Pflegegewahrsam gehalten, bis sie das natürliche Gefühl für Eigenverantwortung verloren haben oder korrumpiert sind. Der Lebenserhaltungstrieb ist schneller als in 5 Jahren abtrainiert, und macht aus einem selbstbestimmten Charakter entweder ein ängstliches Häufchen Mensch (siehe Prozentsatz bei den Langzeitarbeitslosen) oder es geht in die andere Richtung und züchtet moderne Feudalherren, die in wie auch immer erworbenen Immobilien wohnen und Luxuskarossen fahren und niemals auf den Tribut (Hartz IV) ihrer Lehnsknechte (Steuerzahler) verzich- ten würden (siehe arabische Großfamilien und Balkan-Clans). Ein Sportler, dem eingeredet wird, dass er erst mal ein paar Jahre auf der Couch verbringen soll, wird sich danach nicht mehr auf dem Sportplatz abmühen wollen. – Ernst Kaffanke

 


 

 

Leserbriefe zu „»Polygamie geht in modernen Gesellschaften nicht gut«“. Gespräch mit Joseph Henrich geführt von Stefan Klein

 

Herr Henrich sagt im Interview unter anderem (S.36 oben), dass ab 1003 im Heiligen Römischen Reich nicht einmal Cousins 6.Grades heiraten durften. Wer sollte dies – ausserhalb des Hochadels – ermitteln? Wer soll denn all die Verwandschaftsbeziehungen über sieben Generationen hinweg (das sind über 2 Jahrhunderte!) schriftlich oder zumindest im Kopf gesammelt und weitergegeben haben? Etwa ab der Zeit des 30-Jährigen Krieges haben die Pastoren Aufzeichnungen über die Amtshandlungen (insbesondere Kopulation, Taufe und Beerdigung) vorgenommen, aber diese dienten anfangs – so mein Eindruck bei den von mir ausgewerteten Kirchenbüchern – hauptsächlich dazu, der kirchlichen Obrigkeit über den Arbeitsanfall im vergangenen Jahr zu berichten. Genealogische Zuordnungen sind schwierig.

Zum Teil lauten Einträge: „Hinrich Meyer Kind getauft“, ohne Vornamen, zum Teil sogar ohne Geschlecht, zum Teil erfährt man nicht, welcher der 3 Hinrich Meyers der Vater ist. Wenn ein Kind von Hinrich Meyer beerdigt wurde, so muss man raten, welches der bisher sagen wir 6Kinder verstorben ist. Aber die Kirche merkte schnell, dass Kirchenbücher eine Quelle sein können, wenn die Aufzeichnungen präziser sind. Hatte doch der Landesherr Ehen zwischen „Geschwisterkindern“ (=Cousins 1.Grades!) verboten. Auch das genealogische Wissen in den Familien reichte oft nicht über 3 Vor-Generationen hinaus. Meine Vorfahren waren alles Handwerker oder Landwirte, so meine Eltern. Ob und wie meine Mutter mit einem Kaufmann mit gleichem Familiennamen im Ort verwandt ist (4Generationen zurück), wusste sie nicht, erst recht nicht, dass der Großvater dieses gemeinsamen Vorfahren Pastor und dessen Vater Professor war. – Adolf Ronnenberg

 

Danke, exzellenter Beitrag! Dazu eine hypothetische Frage an Hern Henrich: Bitte, gibt es aus anthropologischer Sicht einen Sinn des Lebens? Und worin bestünde dieser gegebenenfalls? – Dr. Gernot Henseler

 

Die Behauptung im Titel und die These,“dass es die Blüte der europäischen Kultur ohne den kirchlichen Zwang zur Monogamie nie gegeben hätte“ macht mich sprachlos. Bis auf den Einwurf,dass ich annehme ,wenn es eine Olympiade für dumme Sprüche geben würde,damit das Siegertreppchen besefzt sein dürfte. – Hans-Emil Schuster

 


 

 

Leserbriefe zu „Sie ist die mächtigste Kanzlei des Landes. Ein Skandal zwingt sie, um ihren Ruf zu kämpfen“ von Marcus Rohwetter

 

Über Jahrzehnte habe ich die ZEIT gern gelesen. Sie erschien mir so gut redigiert wie recherchiert. Die schamlose Manipulation der Informationen zum Cum-Ex-Vorgang in Hamburg durch ihre Redaktion, für die mir bislang nicht mal ein Wort der Entschuldigung bekannt geworden ist, hat mein Vertrauen enttäuscht. – R.Herbers

 

Wahrscheinlich bin ich bereits redaktionsbekannt, ich komme jedoch dennoch nicht umhin meine Gedanken zu äußern.Der Artikel von Herrn Rohwetter über Freshfields ist großartig. Diese Art von Einblick, Analyse und Darstellung der großen globalen Zusammenhänge schätze ich so sehr an der Zeit. Hier könnte die österreichische Presse oder der Standard einfach nicht mithalten. Richten Sie dem Herrn Rohwetter bitte mein höchstes Kompliment aus.Im Österreich-Teil hingegen wird mir erklärt, dass die ansonsten blaues Haar tragende Sophie Grau ihr Haare braun färben musste, um auf dem Opernball eintanzen zu dürfen. Für diese Information könnte ich durchaus auf andere Blätter ausweichen.Artikel, wie jener von Herrn Rohwetter, sind der Grund, warum ich überzeugt die Zeit kaufe, selbst wenn ich dafür den Österreich-Teil in Kauf nehmen muss. – Leonhard Riemer

 

Wie wir jetzt wissen, war ihr großer Bericht ohne schlüssige Beweise und deshalb unseriös. Wenigstens hätten Sie der SPD in der neuesten ‚Ausgabe ( v o r der HH-Wahl) die Möglichkeit zur Stellungnahme einräumen müssen. Warum ist das nicht geschehen? – Johannes Busse

 


 

 

Leserbriefe zu „Gericht stoppt Waldrodung für deutsches Tesla-Werk. Warum dürfen Umweltschützer das einklagen?“ von Petra Pinzler

 

Natürlich sollte dem Raubbau an der Natur aus Gewinnsucht mancher Konzerne Einhalt geboten werden. Aber Unsinn von Sinnvollem sollte man schon unterscheiden können. Was sich die Umwelt-Vollidioten jetzt am Tesla-Werk vor Berlin leisteten, schlägt dem Fass den Boden aus und wird dem Steuerzahler durch die Verzögerungen eine Menge Kröten kosten. Noch schlimmer wäre es, wenn diese angestrebte Elektro-Mobilität andernorts gebaut würde, weil Tesla vom deutschen Recht die Faxen dicke hat und unserem Land den Rücken zuwendete. – Kurt (Curd) Nickel

 

Frau Pinzler führt mal wieder das Argument ins Feld, Elektroautos seien umweltfreundlich. Hier wird, wie so oft, ein umwelt- oder gesundheitsschädliches Produkt mehr oder weniger ungeprüft durch ein wenig bis gar nicht erforschtes ersetzt, wie es etwa bei den FCKW oder Amalgam war. Fakt ist, dass die Beschaffung der Rohstoffe für, die Produktion von und die Entsorgung der Elektroautos die Umwelt in etwa genauso stark belastet, wie bei Benzinern, durch die Batterien laut ZEIT wahrscheinlich sogar etwas stärker. Von umweltfreundlichkann hier also keine Rede sein. Beim Strom gehen zwei Drittel der eingesetzten Primärenergie vom Kraftwerk bis zum Auto verloren. Ob das ökologisch günstiger ist als beim Benzin, wo es vom geförderten Öl bis zum Auto natürlich auch Verluste gibt? Bedenklich finde ich auch das Argument der abzuholzende Wald sei ökologisch wenig wertvoll und werde ja ersetzt. Erzählen Sie das mal den Billionen Lebewesen, die durch die Abholzung sterben.Ein ausgewachsener Baum bindet ein Vielfaches an CO2 gegenüber einem Schößling. Man müsste also erst den neuen Wald gestalten und solange, also Jahrzehnte, wachsen lassen, bis er die ökologische Qualität des alten erreicht hat, um eine echten Ausgleich zu schaffen. Fazit;: Früher wurde die Umwelt nur mit den Argument der Arbeitsplätze erschlagen, heute zusätzlich mit dem Argument des Umweltschutzes. – Iman Schwäbe

 

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Berlin-Brandenburg hatte daeinst die Rodung von zunächst rund 90 Hektar des Geländes für das Tesla-Werk nach Beschwerden von Umweltschützern vorläufig gestoppt; und die Miene von Wirtschaftsminister Peter Altmaier verfinsterte sich stark. Das OVG hat den Rodungsstopp wieder aufgehoben, und die Miene von Wirtschaftsminister Peter Altmaier strahlt wieder etwas freundlicher. Es ist halt wie immer, wenn es um die Natur geht, dann bekommt die Natur eine auf den „Deckel“, das heißt im Kleingedruckten: „schnell, rasch und einfach abholzen, das dürre Gehölz“! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Jesus und die Klimasünder“ von Martin Eimermacher

 

Mein erster Gedanke bei der Lektüre Ihres Artikels war: Sie sind nicht schnell genug auf dem Baum geklettert, ehe der Abteilungsleiter bis drei gezählt hatte und einen Autor für dieses Thema suchen musste! In jeder Zeile nein in jedem Wort schwingt eine dermaßen tiefgründige Verachtung gegen die Fastenzeit oder gegen die Kirchen mit durch, dass ich mich frage, ob das Auswahlverfahren der Redaktion tatsächlich geeignet ist. Der inhaltliche Gipfel wird im Vergleich mit Thilo Sarrazin erreicht, den man in diesem Zusammenhang ja nun als allerletzten nennen sollte. Ein Mensch, der ausgrenzt und die Reinhaltung der deutschen Rasse propagiert ist definitiv nicht im Sinne Jesus Christus! Lieber Herr Eimermacher, wenn Sie Zeit und Lust haben, lade ich Sie ein, am kommenden Donnerstag nach Kiel zu einem Treffen unserer Arbeitsgruppe zum Thema Klimafasten zu reisen. Ich würde mich freuen, Ihnen anregende und vielleicht neue ökologische wie christliche Impulse zu geben. – Felix Overbeck

 

Herr Eimermacher mokiert sich über den Aufruf der Kirchen, in der Fastenzeit CO2 einzusparen. Lustig, dass anscheinend weder die Kirchen, noch ihr Kritiker merken, dass genau dies die älteste Regel bewirkt: kein Fleisch essen. – Frank Hrebabetzky

 

Gestatten Sie mir ein paar Rückfragen zu Ihrer wohlfeilen Polemik „Jesus und die Klimasünder“? 1. Unterstellen Sie im ersten Satz ernsthaft, dass „die Kirchen“ den Planeten als uns „vom Schöpfer gegeben“ betrachten, die Schöpfungsmythen also als historische Wahrheiten lesen? Wenn ja: Überlassen Sie das Herrn Dawkins, aber plappern Sie es ihm nicht nach. Es ist heute leicht zu recherchieren und zu begreifen, dass Schöpfungsmythen und Evolutionstheorie keine Konkurrenztheorien sind, sondern zwei Perspektiven auf die Welt, zwei einander unbedingt ergänzende Sichtweisen. Und dass nur ein Zusammenspiel von Mythos und Logos eine umfassende Weltwahrnehmung ermöglicht, wussten schon die Griechen. 2. Warum soll man über „unser geheiligtes Wirtschaftssystem“ nachdenken, anstattsich um das Lebensmittelretten zu kümmern? Ich würde doch meinen, wenn man sich halbwegs gut organisiert, bekommt man beides ganz gut auf die Kette.

Deshalb frage ich weiterhin: Wollen Sie andeuten, die Kirche täte Ersteres nicht? Das wäre ein schöner Fall von self disclosure, wahlweise Hybris, denn es würde zeigen, dass Sie sich in den Teildisziplinen der Theologie nicht soo gut auskennen, aber so tun als ob. 3. Moralkonto? Och nö. Eine ganze Dekade Luther, Höhepunkt Lutherjahr 2017 – haben Sie das alles verschlafen? 4. Dinge wie Plastikverzicht, Stromsparen, Lebensmittelretten sind totalgreta, wenn sie freitags auf Transpis von jungen Menschen durch die Innenstädte getragen werden – und total thilo, sobald die Kirche dazu aufruft? Umlackierte rechte Ideen? Das müssten Sie genauer erklären. Der Grat zur hatespeechist schmal. Ich muss mich doch sehr wundern. Nicht zuletzt darüber, dass die hübsche Seite „Die fromme Zeit“ den Artikel als „pro Kirche“ apostrophiert. Dieses absurde Lob setzt dem Humbug noch ein hübsches Krönchen auf. – Dr. Katrin Düringer

 


 

 

Leserbriefe zu „»Wir fahren keinen Kuschelkurs«“. Gespräch mit August Markl geführt von Claas Tatje

 

Die Stellungnahme von August Markl, Präsident des ADAC, indem er beteuert, daß nicht nur Autofahrer, sofern diese Mitglieder des Vereins sind, sondern auch wenn diese zum Beispiel mit dem E-Bike (Pedelec?) oder angeblich sogar mit dem gewöhnlichen Fahrrad unterwegs technische Probleme haben sollten, die Hilfe des ADAC in Anspruch nehmen können. Leider steht dieses vollmundige Versprechen im krassen Gegensatz zur offiziellen Stellungnahme der Rechtsabteilung, die mir kürzlich auf Anfrage zugestellt wurde. Demnach werden lediglich nur Schnelle E-Bikes, also keine Pedelecs im Sinne der StVO, bei Pannen unterstützt. Diese schnellen Dinger sind ganz klar eine Rarität auf den Straßen, weil denen u.a. die Benutzung des schützenden Radwegs verwehrt ist und sie den lebensgefährlichen Fahrweg mit den SUVs teilen müssen. Man erkennt sie an den obligaten Versicherungskennzeichen. Bitte fragen Sie noch einmal nach. Danke. – Roman Leonhartsberger

 

Keiner muss schneller als 130 auf der Autobahn rasen, aber er darf es. Alles beruht auf Freiwilligkeit: „freies Rasen für freie Raser“! Die CSU „hetzt“ jetzt voll gegen ein Tempolimit auf ihrer Internetseite: „Tempolimit? Nein Danke!“. Was macht nun der „freie Raser“? Er outet sich mit einem Klick auf dieser Internetseite, eben als: „freien Raser“! Wieder einmal ist der Mensch dem gefährlichen „Bärendienst-Virus“ zum „Opfer“ gefallen. – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Wir brauchen den Europa-Lehrer“ von Ernst Dieter Rossmann

 

Das Ziel, zukünftig Lehrer nicht nur in nationalen, sondern in europäischen schulischen Zusammenhängen einsetzen zu wollen, ist zu begrüßen, denn gerade in den Zeiten, in denen in der Fachdidaktik der Erwerb von Mehrsprachigkeit der Schüler und der Sprachunterricht in allen Fächern in der Diskussion sind, ist es notwendig entsprechend zu planen. Bevor diese Initiative jedoch gestartet werden kann, bedarf es zunächst vorbereitender Maßnahmen in Deutschland. Jahr für Jahr kehren zahlreiche Lehrer aus dem Auslandsschuldienst in die einzelnen Bundesländer zurück, die jedoch nur in den seltensten Fällen so eingesetzt werden, dass sie ihre im (europäischen) Ausland erworbenen Zusatzqualifikationen gewinnbringend für unsere Schüler einsetzen können.

Bevor der europäische Gedanke an Schulen in Nachbarländern übertragen wird, bedarf es einer inländischen curricularen Berücksichtigung des europäischen bzw. Internationalen Gedankens und gerade hier können diese ehemaligen Auslandslehrer, die häufig auch Kenntnisse in der Sprache ihres jeweiligen Gastlandes erworben haben, gewinnbringend eingesetzt werden. Zusätzlich können diese Lehrerinnen und Lehrer ebenfalls dazu beitragen, die bisherigen großen Versäumnisse im Bereich der Förderung von Lernern mit Migrationshintergrund aufzuarbeiten. Wer eine internationale solidarische Bildungsgemeinschaft will, muss meines Erachtens mit der Berücksichtigung solcher Ideen im eigenen Inland beginnen. – Dr. Rainer E. Wicke

 

Vielen Dank für Ihr Plädoyer für den Europa-Lehrer. Schon vor dem Zeitalter von Erasmus haben französische Lehrkräfte für Geographie, Geschichte, Musik oder Kunst am Saarbrücker Deutsch-Französischen Gymnasium meine Neugier auf unsere Nachbarn wecken können und mein Selbstverständnis Europäerin zu sein mitgeprägt. Heute besuchen unsere Kinder die Europaschule in Brüssel und wachsen in einem für sie selbstverständlichen europäisch- vielsprachigen Umfeld auf. Mit ihren britischen Freunden und Lehren haben sie gemeinsam über Brexit getrauert und beim Schulfest den Union Jack im bunten Fahnenkreis der 28 EU Staaten mitgetragen. In Vielfalt geeint ist für diese nächste Generation selbstverständlich. Das gilt auch für die Lehrkräfte, die nach neun Jahren wieder in ihre nationalen Schulsysteme zurückkehren, und dort die Idee Europas zu Hause weitervermitteln. – Petra Manderscheid

 


 

 

Leserbriefe zu „Der Präsident und seine Sklavin“ von Ronald D. Gerste

 

Sehr gerne habe ich ihr Artikel „Der Präsident und seine Sklavin“ vom 20. Februar 2010 gelesen. Die Fakten über die Liebschaft von Thomas Jefferson sind meine Meinung nach für den deutschen Leser da gut zusammengefasst. Nichtsdestotrotz schient dieser Artikel unter der „Titelthema: Monogamie, eine Illusion?“ Mein einziger Anliegen mit dem Artikel ist: wo liegt die Verbindung zum Thema? Soweit wir wissen Thomas Jefferson war ein monogamer, glücklich verheirateter Politiker, der sieben Jahren nach dem Tod seiner Frau eine andere Frau genommen hat. Pikant war es alles schon: Sally Hemings war offiziell seine Sklavin und ¼ Schwarz. Wenn er die Beziehung offengelegt hätte wäre er keineswegs der dritte Präsident der USA geworden!

Aber zurück zum Thema Monogamie: soweit wir wissen hatten Thomas Jefferson und Sally Hemings eine sehr lange, kinderreiche Beziehung. Scheint es nicht gut möglich, dass Jefferson seine frühere monogame kinderreiche Ehegewohnheit mit Martha Wayles Skelton quasi später heimlich mit ihrer halb-Schwester Sally Hemings weiter gelebt haben könnte? Die Geschichte von Thomas Jefferson und Sally Hemings war keineswegs eine moderne amerikanische Geschichte, wo der Held seine ausgesprochene erfolgreiche Karriere in der Politik für die Liebe aufgibt. Aber soweit wir wissen hat Jefferson doch mit einer Frau nach dem anderen jeweils viele Jahre gelebt mit nur einmal einen Flirt in Frankreich offiziell zu berichten. Für mich klingt das schon Richtung„Monogamie“ — unser eigentliches Thema. PS Entschuldigung für mein imperfektes Deutsch. Ich komme ursprünglich aus Oklahoma, USA. – Katherine Jähnig

 

Bei allem Respekt, ich halte es für ein äußerst schwieriges, ja sogar anmaßendes Unterfangen, Menschen, Handlungen, Entscheidungen, Meinungen von früher mit Maßstäben von heute zu messen. Da kann man sich problemlos moralisch überlegen fühlen. Es müssen immer die Maßstäbe der jeweiligen Zeit angelegt werden. Auch wir wollen in 300 Jahren nicht an den Maßstäben von 2320 gemessen werden, sondern an denen, die heute gelten. – Martin Loser

 


 

 

Leserbriefe zu „Das Virus des freien Denkens“ von Maximilian Probst

 

„Corona“ walzt sich weltweit durch die Welt, ohne Pass und ohne Visum. Das Coronavirus breitet sich einfach aus und macht nur dass, was es gerade machen will. Das Virus zeigt dem spaßbereiten Menschen, wo der Spaß enden kann! Der Mensch wiederum hat diesem Virus sehr wenig entgegenzusetzen, und wäscht sich daher vorsichtshalber ständig seine Hände. Nicht nur in der CDU geht dieser Machtk(r)ampf ungehindert weitert auch „Corona“ macht ganz global weiter auf mobil! – Riggi Schwarz

 

Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen – eine Geschichte, die mit gesundem Menschenverstand zu tun hat und doch gerade diesen in der Realität schmerzlich vermissen lässt. Wenn ich mich recht erinnere berichtete die Presse Ende Dezember von einem neuartigen Virus, das in China aufgetreten wäre. Ich leite einen Kindergarten in der Bonner Innenstadt und wusste, dass eine unserer Familien im Januar zum Feiern des Neujahrsfestes nach China aufbrechen würde und dort einige Zeit verweilen würde. Anfang Januar las ich von der zunehmenden Ausbreitung des Virus in Wuhan.

Ich war etwas verwundert darüber, dass man hier in Europa keinerlei Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung traf. Ich war auch verwundert darüber, dass man argumentierte, dass China doch weit weg läge, dass in den chinesischen Städten viele Menschen geballt zusammen leben, was zwangsläufig mit einer hohen Ansteckungsgefahr zusammenhinge und dass wir in Europa von unseren Gesundheitssystemen her ganz anders aufgestellt wären als in China. Ich las die Äußerung von Herrn Spahn, dass etwa 20.000 Personen in Deutschland infolge einer Grippe sterben und fragte mich, was er mir damit sagen wollte. Was hatte das eine mit dem anderen zu tun? Sicherlich ist die Anzahl an Grippetoten bedauerlich und erschreckend; drehe ich seine Argumentation um könnte ich die Gegenargumentation ins Feld führen, dass bei dieser Anzahl an Grippetoten alles getan werden müsse, um die Zahl nicht noch durch Ausbreitung des Coronavirus zu erhöhen.

Übrigens stirbt lt. Robert Koch Institut etwa die gleiche Anzahl an Personen an Krankenhausviren; das ist beschämend für die Qualität unseres Gesundheitssystems. Aber ich möchte nicht abschweifen. Letzten Endes ging es Anfang Januar um eine Risikoanalyse und das Ergreifen von Maßnahmen zum Schutz der hiesigen Bevölkerung. Während die Politik sich bedeckt hielt konstatierte ich ziemlich überrascht, dass große Firmen wie Siemens Mitarbeiterreisen nach China unterbanden. Ich fragte mich, wann Politiker beginnen würden, uns in Deutschland vor diesem Virus zu schützen.

Am 29. Januar telefonierte ich mit meinem Sohn, der in einer Fabrik in China produzieren lässt. Er teilte mir mit, dass die betreffende Fabrik in Shenzen geschlossen wurde, wie andere Fabriken auch. Daraufhin war ich absolut alarmiert: Wenn China, was unzweifelhaft auf Wirtschaftswachstum ausgerichtet ist, Fabriken im über 1000 km von Wuhan entfernten Shenzen schließt, musste die Lage doch dramatisch sein! Ich beschloss, am kommenden Tag zum Gesundheitsamt zu gehen, um mir Ratschläge bezüglich dieser Erkrankung zu holen. Insbesondere erhoffte ich mir eine klare Strategie, wie mit der Familie umzugehen sei, die aus China zurückkehrte. Im Gesundheitsamt empfahl man mir Nachforschungen anzustellen, welche Region Chinas die Familie besucht habe. Je nachdem, ob die jeweilige Region Infektionsgebiet sei, sollte ich mit den Eltern des Kindes in Verhandlungen treten und ggf. den Besuch des Kindergartens untersagen.

Ich rief daraufhin am 30. Januar bei meiner gerade aus China zurückgekehrten Familie an. Der Vater berichtete mir, dass die Familie in Shanghai gewesen sei und dass es überall in China Infektionsfälle gebe, mal mehr, mal weniger. Der Arbeitgeber des Vaters habe ihm über einen Zeitraum von zwei Wochen Homeoffice angeboten und er könne sein Kind eine gewisse Zeit zu Hause betreuen. Ich vereinbarte mit ihm eine „Auszeit“ für den Zeitraum von zwei Wochen, das war zu dem Zeitpunkt die angebliche Inkubationszeit. Zum Glück war die Familie äußerst kooperativ. Am gleichen Tag erkundigte ich mich in rechtlicher Hinsicht und erfuhr, dass ich diesem Kind nicht zwangsweise den Besuch des Kindergartens hätte untersagen können – schließlich hätten die Eltern einen Betreuungsanspruch, der beinhalte, dass man niemandem den Besuch des Kindergartens untersagen könne, solange es keine konkreten Anweisungen von oben gäbe. Autsch!

Selbst wenn das Kind aus einem Ausbruchsgebiet zurückgekommen wäre, hätten Eltern zum damaligen Zeitpunkt auf einen Kindergartenbesuch bestehen können? Ich persönlich hätte das nicht verantworten können, unabhängig von Dienstanweisungen und Vorschriften. Mit dieser Aussage hatte ich endgültig erhebliche Zweifel an der deutschen Politik. Ist ein Gesundheitsminister nicht dafür zuständig, eine Gefahrenminimierung vorzunehmen und vorausschauender zu denken als ich mit meinen gerade mal 83 Kindern in einer Bonner Einrichtung?

Ich war verzweifelt. Vielleicht ging es hier um meine Instinkte, die mich unaufhörlich warnten, aber mit der Realität wenig zu tun hatten? Vielleicht ging es aber auch darum, dass man in der Realität die Gefahren unterschätzte und das Fußvolk Dienst nach Vorschrift machen ließ? Immer noch ging Herr Spahn in meinen Augen sehr nachlässig und überheblich mit dem Thema um. Während ich brav und pflichtbewusst bei meinen Neuaufnahmen kontrollierte, ob alle Kinder zwei Masernimpfungen vorzuweisen hatten, verstand ich die Welt nicht mehr. Ich las, was sogenannte Experten zum Coronavirus zu sagen hatten und resümierte für mich persönlich, dass es angesichts der Neuartigkeit dieses Virus im Grunde doch gar keine Experten geben könne. Die Hypothesen von damals erwiesen sich denn auch als nicht haltbar, weder bezüglich der Ansteckungswege noch der Inkubationszeit. Keiner weiß etwas Genaues. Wenn aber niemand Genaues weiß, ist dann nicht besondere Vorsicht geboten?

Was habe ich mich geärgert über die deutsche Arroganz und Ignoranz im Umgang mit diesem Thema! Man durfte sogar lesen, dass wir in Deutschland mit unserem Gesundheitssystem deutlich besser aufgestellt sind als China und dass wir uns nicht ängstigen müssen. Dass China mit neuartigen Viren leidvolle Erfahrungen gemacht hat und evtl. einen Wissensvorsprung bei der Eindämmung von Pandemien hat las man weniger. Interessanter war dann schon der Bau von Kliniken innerhalb von 10 Tagen – gut, da kommen wir in der Tat nicht mit, darüber dürfte Einigkeit bestehen; Äußerungen zu bestimmten Bauprojekten in Deutschland verkneife ich mir.

Jetzt ist das Virus in Deutschland angekommen, nachdem es die reichsten Regionen Italiens komplett lahmgelegt hat. Herr Spahn ist heute mit Armin Laschet in der Zeitung abgebildet und mit dem Thema Kanzlerschaft beschäftigt. Wäre ich an seiner Stelle und hätte die Verantwortung für ca. 83 Millionen Menschen, hätte ich schlaflose Nächte (hab ich ja schon bei den 83 Familien in unserem Kindergarten). Ich würde eher zu viel tun als zu wenig. Wie dickhäutig muss jemand sein, der seit inzwischen bald 8 Wochen durch einzelne Maßnahmen für Rückkehrer glänzt und ansonsten große Worte schwingt?

„Vorbeugen ist besser als heilen“, Prophylaxe statt Abwarten und Reagieren, das hätte ich mir wirklich gewünscht und von Politik erwartet. Es ist ein armseliges Bild der Inkompetenz, was präsentiert wird, und immer noch sind für Herrn Spahn Maßnahmen unverhältnismäßig, die zum Schutz „seiner“ Bevölkerung dienen. Leider ist es ja in unserem vorschriftenhörigen Land so, dass die Gefahr erst ernstgenommen wird, wenn sie direkt vor der eigenen Haustür steht. Auf diesen Zeitpunkt steuern wir gerade zielstrebig zu. Ich wünsche mir, dass dann endlich Versäumnisse in der Politik wahrgenommen werden und Konsequenzen gezogen werden. Die Fabriken in Shenzen sind übrigens immer noch geschlossen. – Gabriele Walter

 


 

 

Leserbrief zu „Vertwittert“ von Anja Reschke

 

Meine Reaktion auf Ihren Vertwittert-Beitrag: Sie trafen den Nagel sowas von auf den Kopf und brachen eine Lanze für die Meinungsfreiheit! Toll formuliert! Chapeau!!Über eine Veröffentlichung würde ich mich sehr freuen. Falls es nicht klappen sollte, ist das aber auch kein Beinbruch… – Achim Bothmann

 


 

 

Leserbrief zu „Wer könnte ich sein?“ von Nina Pauer

 

Die Autorin erklärt, es sei völlig egal mit wem wir eine Affäre beginnen. Das ist wohl so,kann aber fatale Folgen haben. Irgendwann ist die Affäre zu Ende. Wenn das Aus von beiden Beteiligten für gut und richtig angenommen wird,eine tolle Lösung. Was aber wenn einer klettig wird und nicht will? Und in seiner Panik und Verzweiflung sich auch noch outet.Alsö bei aller Triebhaftigkeit, doch genau abschätzen, mit wem nan da in die Kiste hüpft. – Hans-Emil Schuster

 


 

 

Leserbrief zu „Püppchens Schleiertanz“ von Jens Balzer

 

Folgende Frage: Sehen Sie irgendein Problem einen 50 jährigen Mann, dessen Gedanken, in Anbetracht derer bürgerlichen Veröffentlichbarkeit, zumindest keine Revolution des Fühlen und Denkens darstellen dürften, mit dem Artikel über die politische Entwicklung einer 31 jährigen, alternative Popkünstlerin, die er im Zuge dessen als „Technofeministin“ die zum „Pin-Up-Girl“ regressieren würde, zu beauftragen? Ich persönlich bin ja nicht für Bezeichnungen die Gender in ihren sozioligischen Wurzeln bekräftigen, aber wenn Herr Balzer den Feminismus in Gefahr sieht, solle er den ersten Stein auf zu wenig femistisch agierende „Pin Up Girls“ werfen?

Zumal der Autor in einem der letzten Nebensätze erwähnt, dass die Musik des neuen Albums nicht schlecht sei, aber als zukunftsweisender Feminist konzentriert er sich dann doch lieber auf seine Wahrnehmung der Künstlerin „als fremdgesteuertes Püppchen“. Hoch den frauenverachtenden, männerverachtenden, apokalyptischen Feministen! Oder vielleicht ist er keiner, sondern nimmt sich selbst als die Welt nicht beeinflussender, bloßer Beobachter wahr? Zum großen Glück wird es Grimes im Gegensatz zu mir nichts ausmachen, dass Jens Balzer sich im Mittelpunkt der Verständigung zwischen Erfreutheit gegenüber dem Vergangenem und der Dystopie hinsichtlich dem Gegenwärtigen und der Entwicklung des Bekannten sieht. Bei mir wurde es als Angst zur Hingabe erörtert. – Julian

 


 

 

Leserbrief zu „»Ich hätte es nicht tun dürfen«“ von Christian Fuchs et al.

 

Ich finde es äußerst befremdlich, dass noch immer Artikel geschrieben werden, in denen die Psyche rechtsradikaler Mörder im Mittelpunkt steht. Für diesen Mörder wird auch nach Verständnis gesucht. Die Opfer spielen wieder einmal keine Rolle. Damit stehen Sie noch immer in der unsäglichen apologetischen Tradition nach dem Ende der Diktaturen 1945 und 1989. Sie tragen damit zu einer Atmosphäre bei, die politische Morde akzeptabel macht. – Matthias Holzberg

 


 

 

Leserbrief zu „GESTRANDET IN Unterhaching“ von Stefanie Witterauf

 

Frau Witterauf, Sie beschreiben in Ihrer Rubrik „Gestrandet in…“ sehr schön einen Rundgang in Unterhaching, bis Sie gegen Ende zum Sportpark Unterhaching abbiegen. 3. Liga Fußball! Na und?? In Unterhaching wird seit über 10 Jahren sehr erfolgreich Bundesliga-Volleyball gespielt. Mit Pokalsiegen und deutschen Vizemeisterschaften gehören die „Hypo Zirol Alpenvolleys Haching“ (eine Cooperation mit Innsbruck seit 2017) zu den besten Volleyballern Deutschlands. Warum immer zu den Fußballern (der 3. Liga) abbiegen, wenn Sie daneben eine Sportarena der besten Volleyballer der Republik finden können? – Jochen Friczewski

 


 

 

Leserbrief zu „»Nur Sex, das gibt’s doch gar nicht!«“ Gespräch mit Ulrich Clement geführt von Stefanie Kara

 

Ich finde es schade, dass am Ende des Artikels zur Frage “Fremdgehen oder nicht fremdgehen? Autonomie oder Treue gegenüber der Abmachung?” nicht die eine mögliche Lösung angesprochen wird, die mir überhaupt in dieser Ausgabe fehlt: Ethische Nicht-Monogamien. Eine Illusion ist nicht Monogamie an sich, wohl aber der Gedanke, dass sie eine One-Fits-It-All-Lösung wäre. Mit Konzepten wie etwa Polyamorie, (sexuell) offener Beziehung oder Beziehungsanarchie gibt es auch Pfade zum gemeinsamen Glück, die auf Vereinbarungen beruhen, in denen weitere Beziehungen zu anderen Menschen nicht abgelehnt werden. Es kommt darauf an, zu wissen, was für einen selbst funktioniert und was nicht. Dann könnte man gleich am Anfang einer Beziehung darüber sprechen, wie man es denn mit der Exklusivität hält – was zu weniger Fällen führen würde, in denen jemand nach Jahren Ehe merkt, dass einen die Monogamie zu unglücklich macht. Genau darum hätte ich mir gewünscht, dass in der ZEIT diese anderen Wege, die für viele schon ganz normale Praxis sind, angesprochen werden. – Tatiana Hetzel

 


 

 

Leserbrief zu „Die EU streitet über ihr neues Budget. Wie teuer wird’s für Deutschland?“ von Mark Schieritz

 

Man sollte sich nicht nur in aller Stille fragen, sondern lauthals äußern, warum denn z. B. Polen eines der größten Empfängerländer der EU sein muss, und lauthals noch mehr fordert als bisher!? Ein Land, das rechtsstaatliche Prinzipien – man kann ruhig sagen „fast “ – ablehnt, das nur immer fordert, ohne etwas geben zu wollen (z. B. Flüchtlinge zumindest anteilig aufzunehmen), das dich m. E. eher zu Russland hingezogen fühlt denn zum Westen, das destruktiv in der EU agiert, aber gerne das Geld annimmt! Hier sollte man mal ansetzen und kann sicherlich mit viel Verständnis rechnen! – Dr. Wolf Günther

 


 

 

Leserbrief zu „Was wirklich zählt“ von Katharina Lima de Miranda und Dennis J. Snower

 

Ich bin kein Freund von immer wieder das Rad neu erfinden! Es gibt viele BIP-Alternativen, schon seit langem. Natürlich ist die Etablierung nicht ganz einfach angesichts der BIP-Macht, aber es wird noch schwieriger, wenn sich die Alternativen in gegenseitiger Konkurrenz und Zersplitterung üben. In Deutschland ist seit vielen Jahren der NWI (Nationaler Wohlfahrtsindex, über den die ZEIT auch schon berichtete) vergleichsweise gut eingeführt, seit einigen Jahren wird sogar neben dem Jahreswirtschaftsbericht (BIP-Basis) ein Jahreswohlstandsbericht (NWI-Basis) gerechnet und in hochrangigen Fachgesprächen im Bundestag präsentiert. Es scheint mir weitaus zielführender, diesen Pfad konsequent weiterzugehen, als schon wieder einen neuen Index zu konstruieren. Konsequent weiterzugehen meint hier, die Weiterentwicklung zu betreiben; der NWI wird, wann immer sich eine Finanzierungsquelle auftut, verfeinert und adaptiert an Entwicklungen und Zielstellungen, so wie ja auch das BIP regelmäßig modifiziert, aber nicht reformiert wird. http://www.nationaler-wohlfahrtsindex.de/de/vergleich_mit_biphttps://www.umweltbundesamt.de/publikationen/aktualisierung-methodische-ueberarbeitung-desMartina Eick

 


 

 

Leserbrief zu „Die Zwölf-Millionen-Euro-Frau“ von Claas Tatje

 

Ich muß meinen Unmut über den Inhalt einmal Luft machen:Auf einer ganzen großen Seite lamentiert der Autor darüber,ob es weniger verwerflich sei,dass eine Frau sich zum Gegenstand von Machtspielchen etablierter VW-Autobosse macht,oder ebennicht.DieHöhe des Salärs ist so obszön wie nebensächlich.Voneiner studierten,hochdekorierten Juristin kann man(n)/frau erwarten,dass Integrität bei der Berufswahl eine Rolle spielt,auch wenn Frau H.-D.evtl.mitdem Anspruch angeteten war, um moralische Ordnung in den Haufen zu bringen. – A. Mackowiak

 


 

 

Leserbrief zu „Lokführerlos“ von GRN.

 

Den Artikel auf Ihrer 1. Seite: Prominent ignoriert: „Lokführerlos“, empfinde ich als gebürtige Hamburgerin, allerdings schon lange in Wolfsburg lebend, als peinlich und ärgerlich. Ihr Satz: „In Wolfsburg halten zu müssen ist ja auch kein Vergnügen“, möchte ich Sie bitten, so nicht unkommentiert stehen zu lassen. – Jutta Wrede

 


 

 

Leserbrief zu „WIE ES WIRKLICH IST … als Schauspielerin im Rollstuhl zu sitzen“ von Yuria Knoll

 

In der Rubrik „Wie es wirklich ist“ (DIE ZEIT N° 9, 20.02.2020, S. 72) beklagt Frau Knoll ihre Erfahrungen als Schauspielschülerin im Rollstuhl. Wie andere Minderheitengruppen in unserer Gesellschaft drückt sie dabei als vermeintliches Opfer der Mehrheit den Täterstempel auf die Stirn, für ihre Diskriminierung verantwortlich zu sein. Es gibt auch andere Berufe, von denen Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen ausgeschlossen werden. So darf man als Berufssoldat allgemein nicht kleiner als 155 cm sein, umgekehrt als Kampfpilot nicht größer als 198 cm, auch eine Rot-Grün-Sehschwäche würde zum Ausschluss von der Fluglizenz führen. Ohne eigene Recherche glaube ich auch nicht, dass ein junger Mann als Rollstuhlfahrer seinen Jugendtraum als Feuerwehrmann realisieren kann. So ließen sich sicher noch weitere Vergleiche anstellen. Aber um auf das Anliegen von Frau Mohn zurückzukommen, die ihren Artikel mit dem Satz schließt: „Im Jahr 2020 sollte man Zuschauern zutrauen können, einer Julia auf Rollen zuzujubeln.“ Ein wirklicher Jubel wird sicher immer nur dann aufbrausen, wenn die schauspielerische Leistung als Gesamteindruck aus Sprache, Mimik und Gestik gewürdigt wird und sich nicht darauf reduzieren lässt, „wie toll man seinen Text auswendig gelernt“ hat, wie sich die Verfasserin selbst rühmt.

Ich frage mich: warumich Skrupel haben soll, wenn ich zugebe, dass ich eine sich im Rollstuhl drehende Debütantin beim Wiener Opernball in der Gesamtchoreografie als störend und nicht als „normal“ empfinden würde; warumich es nicht einsehen kann, wenn ein Kind mit Down-Syndrom, das selbst nach der Einlassung seiner Mutter dem Unterricht kognitiv nicht folgen könne, unbedingt das Gymnasium besuchen soll, um mit seinen Freunden aus der Grundschule zusammenzubleiben (der Fall Henri in Walldorf, 2014); warumes meiner Ansicht nach ein klassischer Schildbürgerstreich ist, wenn die bayerischen Gemeinden Pullach, Garching und Taufkirchen erwägen, neu zu bauende Grundschulen mit drei Toilettenarten auszustatten, seitdem das Bundesverfassungsgericht im Oktober 2017 beschlossen hat, dass Menschen, die sich dauerhaft weder als Mann noch als Frau definieren, das Recht haben, sich dies amtlich beglaubigen zu lassen (geschätzt etwa 0,002 Prozent der Bevölkerung; vgl. DIE ZEIT, WISSEN, 09.05.2019, N°20);warumich mich schämen soll, wenn ich zwar homosexuelle oder lesbische Paare einer heterosexuellen Partnerschaft als durchaus gleichwertig ansehen kann, den bei einigen dieser Paare bestehenden Wunsch nach Kindern jedoch nicht unter den Schutz von Artikel 6, Abs. 1 GG subsummieren würde.

So ließen sich noch weitere Beispiele anführen für den von mir bemängelten Tatbestand, dass in unserer sich vermehrt fragmentierenden Gesellschaft durch intensivste Lobbyarbeit auftretende Minderheiten in der öffentlichen Debatte ein überproportionales Gewicht gewinnen , der ihrem zahlenmäßigen Anteil bei weitem nicht entspricht. Ich empfinde das mittlerweile als asymmetrische Diskriminierung. – Manfred Schöpke

 


 

 

Leserbrief zu „Gesucht: 100 Superhirne“ von Katharina Menne

 

In den 60er Jahren wurde ein damals bekannter Reklametext scherzhaft erweitert, was dann so tönte: «Bauknecht weiss was Frauen wünschen. Bauknecht hat 100 Italiener eingestellt.» Heute könnte man (ernsthafter) variieren: «Deutschland weiss, was wir wünschen. Deutschland will 100 Superhirne einstellen.» Aber was können wir erwarten von künstlicher Intelligenz (KI)? Reicht es, zu erwarten, dass KI Europa hilft, technisch an der Spitze mitzumischen und so die Mittel zu erwirtschaften, um die Zukunftsprobleme zu lösen? Oder kann KI auch direkt helfen, diese Probleme zu lösen? Wäre KI imstande, die Unmenge von verfügbarer Information zu nützlichen Ratschlägen zu verdichten? Könnte KI Vorschläge machen, wie man ohne Umwelt schädigendes Wachstum (Konsum und Kopfzahl) auskommen kann und was der fairste Weg zu diesem Ziel wäre?

Wären wir dann aber auch bereit, den Ratschlägen einer solchen KI zu folgen, nachdem wir festgestellt haben, dass die empfohlenen Einschränkungen immer noch akzeptabler wären, als «natürliche» Alternativen, die das Umwelt schädigende Wachstum auf eine weit brutalere Art stoppen würden? Vermutlich wäre eine KI durchaus machbar, die ihr Wissen und ihre Autorität daraus schöpft, dass sie alle einschlägigen Datensammlungen, Zeitungen, Bücher der Menschheit «liesst» und daraufhin ganz individuell auf die Weltbilder einzelner Gruppen eingeht und aufzeigt, welche Weiterentwicklungen mit dem langfristigen Fortbestehen der Menschheit vereinbar sind. Heute schon sieht es so aus, als hätte eine Art KI Zeit und Musse, ohne Vorurteile die einschlägige Literatur zu lesen, darunter auch Bücher, die nicht einer Rezension für würdig erachtet werden. Dazu machte ich folgende Erfahrung. Eine bekannte wissenschaftliche Zeitung teilte mir hart aber ehrlich mit: «Leider können wir Ihr Buch nicht rezensieren.

Denn wir stellen prinzipiell keine „Books on Demand“ vor, sondern nur solche, die das Lektorat eines Verlags geprüft hat.» Eine Art KI von Googel hat mein Buch („Die Technik reicht nicht“) zwar auch nicht rezensiert aber offensichtlich gelesen. Anders ist nicht erklärbar, dass ich bei der Googel-Suche nach Stichworten, die auch im abgelehnten Buch vorkamen (z.B. „Paula Döll“ oder „David Gloxin“), regelmässig einen Verweis auf das abgelehnte Buch fand. Dabei habe ich an Googel nicht mal ein Exemplar des Buches geschickt. Der erwähnten Zeitung schon zusammen mit einem Leserbrief. Wenigstens wurde letzterer ausgedruckt und einer der Redakteure fand, dass das Buch «gut geschrieben ist». Wie Googels KI das Buch gefunden hat, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. – Gernot Gwehenberger

 


 

 

Leserbrief zu „Das kommt auf uns zu“ Gespräch mit Dirk Brockmann geführt von Harro Albrecht

 

Am Aschermittwoch ist die närrische Narrenzeit offiziell vorbei; den Faschingsmuffel freut´s! Die Narrenkappen können wieder umweltfreundlich eingemottet und weggepackt werden. „Corona“ indes, feiert weiter ihre fröhlichen Urständ, hin bis zur absoluten „Nummer Eins“ in der nach oben offenen „Pandemie-Tabelle“. Das Zeitungslesen könnte jetzt wieder mehr unnärrischen Spaß machen, aber die „Corona“ sitzt uns weiter (wie der Schalk) im Nacken! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbrief zu „Ehebruch als Routine“ von Jens Jessen

 

In Ihrem Artikel „Ehebruch als Routine“ in der aktuellen „Zeit“ erwähnen Sie die Novelle „Jadis“ von Guy de Maupassant. Leider kann ich diese Novelle nirgends finden. Kann es sein, dass die Novelle im Deutschen einen anderen Titel trägt? Ich freue mich über eine kurze Rückantwort. – Dirk Lehmanski

 


 

 

Leserbrief zu „Du siehst aus, wie ich mich fühle. Folge 193“

 

Ich hätte zu gerne gewußt, um welchen Vogel es sich bei der Serie „Du siehst aus, wie ich mich fühle „, Folge 193 handelt und aus welchem Grund (Balz, Drohgebärde) er sich so aufplustert. Sicher haben sie Verständnis für meine Neugierde, das Foto ist einfach zu „schön“. – Sigrid Bökel

 


 

 

Leserbriefe zu „Über den Kampf gegen den Faschismus“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

 

Harald Martensteins Stil wird mir in seiner klaren Schnörkellosigkeit immer ein Vorbild sein, aber inhaltlich muss ich mir wohl spätestens seit der Kolumne „Über den Kampf gegen den Faschismus“ andere suchen. Wahrscheinlich empfindet er die zeitliche Nähe zum rassistischen, rechtsextremen Terroranschlag in Hanau selbst als unglücklich. Dafür kann er nun wirklich nichts. Aber mir wird mit einem Mal klar, was mich in den vergangenen Monaten beim Lesen seiner Texte enttäuscht: Er verbeißt sich in das absolut falsche Problem. Wir bräuchten ihn dort, wo es wirklich brennt. Mit freundlichen Grüßen aus Österreich (wo wir uns „dank“ der FPÖ schon viel länger die Haare darob spalten, ob man etwas „faschistisch“ oder „rechtsextrem“ nennen soll). – Dominika Meindl

 

Ein hervorragender Artikel! Er trifft voll ins Schwarze und zeigt die Verlogenheit und Geschichtsverdrehung vieler linksgerichteter Kreise. Selbst harmlose Gratulation wird als faschismusverdächtig herabgewürdigt. Und überhaupt, alles was nicht genehm ist, wird immer mehr als faschistisch diskreditiert. Meinungs- und Diskussionsfreiheit? Gilt nur für Gleichgesinnte, nicht aber für Andersdenkende. „Freiheit ist immer die des anders Denkenden“ (Rosa Luxemburg) gilt schon lange nicht mehr. Genau das aber ist der größte Feind der Demokratie. Diejenigen, die lauthals die Demokratie beschwören, sind auf dem besten Wege, ebendiese zu Grunde zu richten. – Helmut-Martin Felbel

 

Gut gebrüllt, Löwe! Ihr Unterscheidungsmerkmal des Faschis- mus Italiens von dem Nationalsozialismus Deutschlands findet nicht nur meine Bestäti- gung sondern auch die eines wesentlich bedeutenderen Mannes aus der Stadt, in der ich lange gelebt habe. Es handelt sich um einen alten Kaufmann, der schon vor dem III. Reich in der SPD tätig war, in der Nazi-Zeit in Belgien untergetaucht war und dann nach dem Krieg die SPD wieder mit aufbauen half. Er sagte einmal sinngemäss zu mir, dass der Unterschied ja wohl der gravierende wäre, das Italien keine Juden ausgeliefert habe. Deshalb stösst mir auch diese “fussnagelaufrollende” Bezeichnung jedes Mal unangenehm auf, wenn von den Nationalsozialisten explizit gesprochen wird! Danke für Ihren Beitrag. – Uwe Büssing

 

Ja, selbst intelligente Politiker verblöden langsam. Ich bin ein wahrer Faschist. Ich möchte mein Land wieder zurück – verdammt noch Mal. Ich lebe zwar meistens in Singapur – ein Paradis, die sehr streng die ausländischen Bürger überprüfen, wenn sie dauernd in Singapur leben wollen. Es hat Zeiten gegeben, wo keiner in das Land kam. Ich war heilfroh als ich meine Urkunde erhielt. Das war wie eine neue Geburt für mich. Mein Geburtsland ist und bleibt aber trotzdem Deutschland. Und der Geburtsort liegt im Osten der Republik. Ich hatte die Nase voll von Besetzungen anderer Nationen. Davor bin ich getürmt. Ich besuche immer doch Deutschland, das liegt aber eher im Süden – wegen der Bergluft. Jetzt stelle ich fest; der Westen wird jetzt auch von anderen Nationen besetzt. Deutschland bringt es noch fertig unseren Staat und seine Bürger wieder in fremde Hände zu geben und das ohne Not. Pierre Chaunu, der französische Historiker hat über Deutschland folgenden Spruch hinterlassen: „Ja, man muß dem deutschen Volk sagen, dass es den Tod gewählt hat, und das der Tod des großen und intelligenten Deutschen Volkes der Tod Europas ist und das Unglück der Welt“! – Gunter Knauer

 

Meine Frau hat die „Zeit“ abonniert, und fast jeden Donnerstag gerate ich in Versuchung, einige Lieblingsbereiche zu durchschmökern. Auch Ihre Kolumne gehört dazu. Leider war ich nach Ihren Auslassungen über den Faschismus bzw. antifaschistische Aktionen enttäuscht, und zwar aus mehreren Gründen. In besserwisserischer Manier tun Sie so, als sei der Faschismus ein rein italienisches Phänomen. Ernst Nolte, ein linker Umtriebe sicher unverdächtiger Historiker, den Sie eigentlich kennen sollten, wenn Sie schon so großspurig daherschreiben, stellt neben einer nicht sehr bekannten faschistischen Bewegung in Frankreich und dem italienischen Faschismus im dritten Kapitel seines Werks „Der Faschismus in seiner Epoche“ den Nationalsozialismus dar, der dann wohl doch unter einen Oberbegriff „Faschismus“ passen muss, unter den dann wohl auch die spanische Falange, die Anhänger Salazars in Portugal, die kroatische Ustascha, die Pfeilkreuzler in Ungarn etc. gehören.

Auch sollte Ihnen bekannt sein, dass die NSDAP genau vor hundert Jahren gegründet wurde, also zwei Jahre vor Mussolinis Marsch auf Rom. Und zweitens mag es sein, dass der großflächige und undifferenzierte und plakative Gebrauch des Begriffs „Antifaschismus“ in der DDR, aber auch von vielen linken bis linksradikalen Gruppen den Antifaschismus verwässert oder beschädigt haben; Ihre generelle Herabsetzung jeder Haltung und Äußerung gegen den Faschismus ist, nicht nur nach den zahlreichen rechtsextremen Gewalttaten in Deutschland, eine Verharmlosung der jeder Gesellschaft innewohnenden faschistischen Versuchung, vor allem aber eine Herabsetzung derjenigen, die unter faschistischen Drohungen und faschistischer Gewalt zu leiden haben. Ich wünsche mir dringend eine Klarstellung Ihrerseits. – Wolfgang Petzsch

 

Bitte reichen Sie meinen Brief an Herrn Harald Martenstein. Er ist der Grund, warum ich Ihre Zeitung noch abonniere. Einer der wenigen Journalisten, der klar denken kann, unvoreingenommen ist und keine Angst hat das zu schreiben, was er denkt. Dafür möchte ich ihm meine Verehrung zum Ausdruck bringen. Lieber Herr Martenstein, machen Sie weiter so. Bringen Sie Ihre sezierende und klare Sicht der Dinge zum Ausdruck. Ihre letzte Kolumne “ Über den Kampf gegen den Faschismus” war köstlich. – Natalie Paulsen

 

Wann setzen Sie denn endlich Martenstein mit seiner Kolumne ab? Sein Humor und seine Ansichten sind genau das was er ist: Weiß, alt und männlich tradiert und passen überhauptnicht zum Rest des Magazins. Ich empfinde seine Texte als peinliche Zumutung. Nehmen wir den Text „Über den Kampf gegen den Faschismus“… Gerade jetzt nach den schrecklichen aktuellen Ereignissen wirkt es noch peinlicher, wie er sich über Antifaschismus belustigt und erhebt. Sie haben viele gute Autoren. Gerade das Magazin überrascht immer wieder mit tollen Artikeln! Aber diese Kolumne wirkt daneben wie von vorvorgestern. – Dorothea Richter

 

Oje, Herr Martenstein, nun dürften Sie sich wieder jede Menge Ärger eingehandelt haben. Es ist lobenswert, dass Sie den Umgang mit dem Begriff Faschismus erklären wollen. Aktuell wird dieser Begriff ja fast schon inflationär verwendet. Ihn in falsche Zusammenhänge zu bringen und unzutreffende Vergleiche zu ziehen ist leichtfertig, denn dadurch kann es passieren, dass man ihn auf gewisse Art banalisiert und im schlimmsten Fall sogar dessen eigentlichen schrecklichen Wesensmerkmale relativiert. Besonders übel wird es, wenn man die Bezeichnung Faschismus/ Faschist dazu benutzt, um einen anderen mundtot zu machen oder zu diskreditieren. Ein reflektierter Umgang mit dem Begriff Faschismus wäre wirklich wünschenswert. Sie sind nicht rechtsradikal, Herr Martenstein, ganz und gar nicht, nur Mut und lassen Sie sich bitte nicht einschüchtern. – Regina Stock

 

Der inflationäre, und oft falsche Gebrauch des Begriffs Faschismus ist sicherlich für das Erkennen und die Abwehr antidemokratischer Tendenzen wenig hilfreich. Nach der Lektüre Ihres Textes habe ich mich allerdings gefragt, was ich da gelesen habe. War das eine Analyse, ein Kommentar, war es Satire, oder Poesie, oder war es ein Zeiträtsel? Der Leser im Sessel – ratlos. Vielleicht hätten Sie Ihren Beitrag „Über den Kampf gegen den Faschismus“ nicht nur Ihrer Gattin ( Sozialdemokratin ), sondern auch Professor Winkler (ebenfalls Sozialdemokrat ), auf den Sie Bezug nehmen, zum Gegenlesen geben sollen. Alexander Gauland, dem historisch beschlagenen Brandstifter, haben Ihre Ausführungen möglicherweise gut gefallen? Wenn dann alle Wähler zurückgetreten sind, und der Faschismus besiegt ist, haben dann die Nazis endlich freie Bahn? Aber wie gesagt, ich habe die Botschaft nicht verstanden. Um den real existierenden rechten und rechtsradikalen Umtrieben effizient argumentativ begegnen zu können – auch und besonders im Alltag – bitte ich Sie um aufklärende Erläuterung. – W.L. Ebert

 

Die Realität der Ereignisse von Hanau hat ihre Kolumne überholt und auf den Kopf gestellt. Ihre Dekonstruktionen und Relativierungen von Begriffen in Ehren, aber Faschismus bedeutet nunmal rechtsextreme, rassistische und fremdenfeindliche Gedanken. Gerade im digitalen Informationszeitalter, wo mit Begriffen, Meinungen, Behauptungen nur so um sich geschmissen wird, ist es wichtig Begriffe zu schützen, sonst verdampfen die Bedeutungen und es bleiben Relativierungen, diffuse Grauzonen zurück. Im Übrigen: August Winkler hat vor der Gleichsetzung Weimarer Republik mit heute gewarnt. Dass man nun generell den Begriff Faschismus nicht mehr so oft anwenden sollte, das dekonstruieren sie auf ihre ganz spezielle Kolumnistenart. Keine Bedenken Herr Martenstein, dass sie Beifall von der falschen Seite bekommen, dass sie durch ihre Relativierungsarbeit anderen den Boden lockern, damit deren Saat aufgeht? – Robert Eisch

 

Klugsein schützt vor Torheit nicht“ heißt’s bei Alexander Ostrowski. Und so viel Törichtes wie der Beitrag zum Thema Faschismus im Magazin Ihrer Zeitung habe ich selten in der ZEIT gelesen. Ich empfehle Herrn Martenstein, vor allem aber als Gegengewicht zu ihm allen ZEIT-Lesern Umberto Eco:https://www.pressenza.com/de/2017/10/14-merkmale-des-ur-faschismus-nach-umberto-eco/bzw. „Der ewige Faschismus“, Hanser: München 2020. ISBN-13: 9783446265769. – Dr. Martin Holtzhauer

 

Gemeinsam ist den von Ihnen beschriebenen Ideologien und -ismen: Humorlosigkeit, Einschüchterung und Haß gegenüber Andersdenkenden bis hin zur Liquidierung. Gern würden unsere Altparteien-Moralapostel in diese Reihe die zum faschistischen Monstrum aufgeblähte AfD stellen, wohl wissend, jedoch verdrängend, daß erst ihre gesetzeswidrige grenzenlose Großzügigkeit bei der Ausgabe von Steuergeldern und Aufnahme von Immigranten diese Partei entstehen und wachsen ließ! Wer weiß, welchen -ismen wir uns in 10 – 20 Jahren fügen müssen? Dagegen könnte sich die AfD als Fliegenfurz erweisen, um nicht schon wieder das vielzitierte Gaulandbonmot zu bemühen! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 

Ist das Ihr Verständnis von Kampf gegen den Faschismus, dass Gesten verharmlost oder umgedeutet werden? Zunächst soll Ihrer Meinung nach die Unterstützung einer rechtsradikalen Partei durch einen Parteioffiziellen der CDU mit Höflichkeit quittiert werden. Dann soll sich angeblich die Fraktionschefin der Linken vor dem Handlanger der AFD verbeugt haben, statt einer Geste des Widerstandes mutig und öffentlich sichtbar Ausdruck zu geben? Und dann folgt offenbar der Versuch, den Tatbestand einer politischen Intrige kleinzureden und durch Wortklaubereien und nicht adäquate Vergleiche von dem Versuch des schleichenden Unterwanderns der Demokratie durch die AFD abzulenken. Denn darum geht es doch in Thüringen. Sowohl Faschismus als auch Nationalsozialismus sind terroristische Diktaturen und bekämpfen die Demokratie mit allen Mitteln, die man ihnen gewährt. Da müssen Sie meiner Meinung nach nicht Nebenschauplätze aufmachen darüber, wer zuerst da oder schlimmer war. Zumal diese sich gegenseitig in der Unterdrückung ihrer Völker unterstützt und gemeinsam Krieg und Bürgerkrieg geführt haben. Vielmehr sollte an dieser Stelle eine klare Absage an beide politische Richtungen erfolgen.

Warum muss dann auch noch die akute Gefährdung von demokratischen Strukturen in der heutigen BRD durch Vergleiche mit Stalin und der DDR verharmlost werden? Das ist doch genau die Relativierung, die zur Verkleinerung der Bedeutung eines Sachverhaltes führt. Bei einer Analyse der Vorgänge in Thüringen 2020 sollte meines Erachtens vielmehr die politische Entwicklung der Parteien im Thüringer Landtag zwischen 1920 bis 1932 vergleichend betrachtet werden. Die Annäherung der DVP an die DNVP, die ihrerseits sich der NSDAP zuwendet (National-Liberale, National-Konservative, Nationalsozialisten), in der dann letztendlich die DNVP und die DVP aufgehen.

Man kann sicher davon ausgehen, dass die AFD sich genau dieser geschichtlichen Bedeutung ihres Abstimmungsverhaltens und Taktierens bewusst ist und dies zu nutzen versucht. Und dann auch noch die Behauptung, die SPD sei in Teilen schon faschistisch. Was soll das und womit wird das begründet? Ist das die Expertise Ihrer sozialdemokratischen Frau? „Vielleicht müssen alle Leser geschlossen zurücktreten, um derartig unqualifizierte Beiträge zu verhindern.“ Das ist natürlich völliger Quatsch: Ihre Kolumnen sind ein wichtiger Beitrag zur Meinungsbildung und Pressefreiheit und die Wähler müssen nicht zurück sondern geschlossen nach vorne treten, damit der Faschismus verhindert wird. – Hans Henri Süthoff

 


 

 

Leserbriefe zu „Prüfers Töchter“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

 

Warum nur habe ich so ein verdammt blödes Gefühl beim Lesen Ihrer „Töchter-Geschichten“. Weil Sie Ihre Töchter benutzen, um sich selbst zu profilieren, weil Sie mit Ihren Töchtern Geld verdienen, weil Sie Ihre Töchter einer breiten Öffentlichkeit vorstellen…? Wenn Sie schon spüren, dass die Würde von Menschen angekratzt wird, wenn von ihnen ungefragt ein Foto gemacht wird, warum spüren Sie dann nicht, dass Sie selbst Ihre eigenen Töchter an die Öffentlichkeit zerren. Auch wenn Ihre Texte voller Respekt vor den Kindern geschrieben sind, so veröffentlichen Sie doch genügend persönliche Eigenarten Ihrer Mädels, um diese – von wem auch immer – angreifbar zu machen. Wie geht es Ihren Kindern mit den Texten. Sind sie einverstanden, lesen sie die Texte Korrektur, können sie die möglichen Auswirkungen dieser Öffentlichkeit einschätzen? Die Jüngeren sicher nicht. Denken Sie bitte nach und beenden Sie die Serie. Dies schrieb sich eine Mutter, Oma und Pädagogin vom Herzen! – Barbara Gärtner

 

Fühlt man sich heute wirklich ausgeliefert, wenn jemand von einem ein Foto macht? – Nein – ich mache nie Fotos von Fremden. – Aber ich mache etwas viel Schlimmeres: Ich schaue Menschen an – ich nehme also nicht durch einen Apparat, sondern durch mich selbst auf. Das ist doch eigentlich viel intimer.Kennen Sie „The Girl from Ipanema“ (Frank Sinatra singt es auf youtube)? Da kommt der Satz vor „Tall and tan and young and lovely/The girl from Ipanema goes walking/And when she passes, I smile, but she/Doesn’t see“. – Ich kenne solche Szenen. —- Wenn ich, im Straßen-Café sitzend, Sie, Luna, vorbeigehen sähe, könnte es sein, dass ich Ihnen ebenfalls nachschauen würde. – Warum? Sie sind 20 Jahre alt – 10 Jahre jünger als mein jüngstes Kind und 10 Jahre älter als mein ältester Enkel – und könnten für mich die Jugend verkörpern, die für mich unwiederbringlich vorbei ist und sich in Ihnen in ihrer ganzen Fülle und Verschwendung zeigt.

– Das fühlt man, wenn man im Straßen-Café sitzend Menschen vorbeigehen sieht, die “ tall and tan and young and lovely“ erscheinen. – Das kann auch con variazione für Frauen fortgeschrittenen Alters gelten – es kommt halt auf die Ausstrahlung an. Bei Männern kann es ebenfalls vorkommen, aber selten – ich komme aus einer Generation, die den Reiz des Schönen noch weitgehend beim anderen Geschlecht findet.Worauf ich raus will: Säße besagter Frank Sinatra im Straßen-Café und würde sein Lied auf Sie summen, wenn sie vorbeigingen – und Sie würden es bemerken: Würde das Ekel bei Ihnen auslösen? – Könnten Sie unterscheiden, ob Sie von den Sinnen des anderen ritterlich-melancholisch oder lebens-erfreut oder übergriffig-geil aufgenommen werden? – Oder wollten Sie das überhaupt unterscheiden?

Wie sieht man das in Ihrer Generation? Legt man überhaupt noch Wert auf die Unterschiede, die ich hier zu vermitteln versuche? Was ist das Leitwerk des Empfindens?Im übrigen: „Prüfers Töchter“ lese ich im ZEIT-Magazin neben Martenstein am liebsten. – Schön, dass Sie, Tillmann, auf diese Idee gekommen sind, und schön, dass die Töchter damit einverstanden waren. – Machen Sie noch lange weiter damit.- Kurt Schäfer

 


 

 

Leserbrief zu „FAST ÜBERHÖRT“ von Nadine Redlich im ZEIT Magazin

 

Wie vermisse ich Herrn Janosch und Wondrak!!! Was ist das denn für ein jämmerlicher Ersatz an dieser Stelle – findet das jemand gut? – Marieluise Nusser

 


 

 

Leserbrief zu „Laufende Ermittlungen (16)“ von Andreas Bernard im ZEIT Magazin

 

Bei ihren „Notizen aus dem Alltag“ Nummer 18 in der angegebenen Ausgabe des Zeit Magazins handelt es sich um die Wiedergabe einer Schlüsselszene aus dem Roman „Mein Herz so weiß“ von Javier Marias. In meinen Augen ein Plagiat. – Martin Wiener

 


 

 

Leserbrief zu „PITTSBURGH 2020. Ein Fotograf, seine Stadt und die Wahl“ von Jake Reinhart im Zeit Magazin

 

Die in Ihrem ZEIT-Magazin publizierte Photo-Serie >Pittsburgh 2020<berührt mich sehr – und zwar aus einem vielleicht kuriosen Grund: Ich habe 1958/59 ein Jahr als Austausschüler im Westend Pbgh. verbracht; ich habe dort in einer Familie gelebt, habe das 12. und damit Abschluss (Senior)-Schuljahr in der dortigen high school absolviert etc., also einen sehr authentischen Erfahrungsschatz angehäuft, von dem ich die Jahrzehnte danach vielfältig – privat bzw. persönlich wie auch beruflich – gezehrt habe. Dass ich auf die nächsten Bilder der Pbgh.-Galerie von Jake Reinhart gespannt bin, werden Sie sicher nachvollziehen können. – Dr. F. Klaus Koopmann

 


 

 

Leserbriefzur „Deutschlandkarte. SHISHA-BARS“ von Matthias Stolz im ZEIT Magazin

 

Als begeisterte Leserin der ZEIT seit vielen Jahren fühle ich mit Ihnen. Die Deutschlandkarte vom 20.2.20 ist natürlich völlig daneben angesichts der Ereignisse in Hanau. Aber wer hat das ahnen können? Das ist ja das Schlimme: Wieder hat ein sogenannter „einsamer Wolf“ geglaubt, er müsse seiner wirren Mission folgen und Menschen töten. Die Karte ist gedruckt und sieht fast aus wie eine Planungsskizze von rassistischen Terroristen. Das haben Sie natürlich in keiner Weise beabsichtigt. Sicher erfordert diese Karte einen Kommentar Ihrerseits in der nächsten Ausgabe. Diesem blicke ich erwartungsvoll entgegen. – Mareike Goertz

 


 

 

Leserbriefe zu „»Ich konnte mich nicht als Opfer sehen«“ Gespräch mit Josef Haslinger geführt von Merle Schmalenbach in der Regionalausgabe ZEIT Österreich

 

Es ist schrecklich, was Sie durchgemacht haben! Den Pater Gottfried und den anderen nicht anzuzeigen, um ihnen im eher unwahrscheinlichen Fall (besonders bei Pädophilen) einer Läuterung das weitere Leben nicht zu vermasseln, ist wohl kontraproduktiv: Andere Buben konnten dann auch Opfer werden. – Alfred M.Rogan