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25. Juni 2020 – Ausgabe 27

 

Leserbriefe zu „Tiere töten“ von Elisabeth Raether

 

Soll Fleisch teurer werden? … hallo, und was würde es bringen????? Dass sich Arme keines mehr leisten können, das ist aber auch alles—denn die Qualität, die Tierhaltung, die Behandlung der Arbeiter- NICHTS Entsprechendes, Notwendiges würde sich ändern—außer dem Vermögen der Fleischbarone, DAS würde sich vermehren. Sonst nichts.Deutschland ist mit der Durchführung von NEUEN durchgreifenden Regeln , die irgndjemandem aus der normalen Bevölkerung nützen-ganz egal welcher Art_ sooooo unsäglich langsam und oft eigentlich unfähig (oder unwillig… kommt darauf an , wer WEN kennt,…)—darum: Teures Fleisch würde nichts besser machen—nun ja, vielleicht 2099 ! – Ilse Schmeller

 

Wer zahlt den Preis für das billige Fleisch? Artikel Seite 4, Martin von Wenlawowicz „Ich will, dass die Tiere einen schönen Tod haben“. Die Thüringer Schweinehalter sind in Nöten. Sie werden ihr Fleisch nicht los, weils Tönnies nichts mehr abnimmt. Wie war die Reaktion dieser auf die Schließung des Schlachthofes in Nohra bei Weimar, der Anfang der 90’ger Jahren mit Steuermitteln gebaut wurde und in den dann nichts mehr investiert wurde durch Tönnies und Co.. Während alle über Tierwohl reden werden ca. 90 % der in Thüringen aufgezogenen Schweine nicht mehr in Thüringen geschlachtet. Es ist eine gezielte Reduktion von Schweineschlachtkapazität in Thüringen. Tierwohl ist verbunden mit kurzen Transportwegen und damit auch der Notwendigkeit, regional zu wirtschaften. Hätten die Bauernverbände und die Politik richtig hingeschaut, müssten heute keine Krokodilstränen vergossen werden. Statt dessen werden die Transportwege für heimisches Vieh immer länger. Es entstehen Schlachtfabriken mit unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Statt festen und gut bezahlten Arbeitsplätzen in Nohra bei Weimar für die einheimische Bevölkerung werden Knebelverträge mit Werksarbeitern aus Osteuropa abgeschlossen, die dann unter unmöglichen und unmenschlichen Bedingungen arbeiten und leben.

Profitieren tun davon nicht nur Herr Tönnies sondern auch die, die Bruchhütten, in denen kein deutscher Bürger einziehen würde, überteuert an die Werksvertragsarbeiter vermieten. Es wäre einmal interessant zu erfahren, was wir für Feisch bezahlen müssten, wenn dieses regional und mit fairen Löhnen hergestellt werden müssten. Dahinter steckt aber auch und immer noch ein Ost-West-Problem. P.S. Es wäre schön, wenn sich die Zeit mit dem Thema unter dem Aspekt Ost-West-Konflikt beschäftigen könnte. Ostdeutschland als verlängerte Werkbank ist für Deutschland ein großes Problem. Aktuell schließen mehrere Autozulieferer. Bei einem hieß es, dass alle Arbeiter aus Thüringen ins Stammwerk nach Hessen (ich weiß nicht genau wo) übernommen werden würden, die Arbeit aus Thüringen nach Tschechien ausgelagert wird. Der Schlachthof in Nohra wurde nach und nach abgewickelt. Zuerst wurden das Schlachten eingestellt, dann die Wurstherstellung. Die Wirkung ist immer gleich. Die Bevölkerung in Ostdeutschland wird reduziert. – Ralf Lucas

 

Danke für den wichtigen Beitrag von Elisabeth Raether, „Tiere töten“. Meist wird mit dem Finger auf die Fleischfabrikanten und die Politiker gezeigt. Aber dass wir es sind, welche die Henker für ihre Arbeit bezahlen, wollen wir nicht sehen. Dabei tun wir das jedes Mal, wenn wir an der Kasse stehen und die Würstchen und Steaks aufs Band legen. Und übrigens auch Milch und Eier – die Tiere werden nur vor dem gewaltsamen Tod noch ausgebeutet bis aufs Blut. Egal, ob Bio oder nicht. Doch es ist unsere Entscheidung, ob wir das tun oder nicht. Es gibt inzwischen so viele pflanzliche Alternativen, dass selbst der größte Egoist auf nichts verzichten muss. Es wird Zeit, dass wir als erwachsene Menschen Verantwortung für unsere Taten übernehmen, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen. Dann, erst dann, ändern sich auch Wirtschaft und Politik. – Katrin Kasper

 

Sie beschreiben das Töten von Tieren zum Zweck des menschlichen Verzehrs in menschheitsgeschichtlich früher Zeit und heute. Ältere ZEIT-Leser werden noch „Hausschlachtungen“ kennen, das Schlachten von Schweinen im Haus einer Familie, nicht nur auf dem Land. Noch 1956 war dies ein Drittel aller Schlachtschweine. 1907 wurden in Hannover (damals 250.000 Einwohner) laut Viehzählung noch gut 10.000 Mastschweine gehalten (laut Zeitzeugen ähnlich in den Nachkriegsjahren). Diese Schweine wurden für den Eigenbedarf gehalten, zum Teil von der Geburt an, das Futter angerührt, der Stall regelmäßig gemistet und neu eingestreut. Man hatte das Tier also täglich vor Augen. Auf Bauernhöfen wurde (zweimal im Winter) ein Tier für den Eigenbedarf aus einer Bucht von etwa 6-10 Tieren ausgewählt. Die „kleinen Leute“ mit wenigen Morgen Land hielten oft nur 2 „Hausschlachte“-Schweine.

Die Schweine verließen nur selten die Bucht, etwa zum Wiegen. Dies war jedes Mal eine Aufregung für sie. Sie quiekten, auf dem Weg zur Schlachtung besonders stark; man hörte es im ganzen Haus. Dann war Ruhe. Wenn das Blut – mit dem Unterarm – gerührt war (damit es nicht verklumpte), erhielt der Schlachter erst mal einen Schnaps (nicht den einzigen). Auch so ein Ritual. Das Tier wurde entborstet, aufgeschnitten, die Innereien herausgenommen. Wenn dann der Trichinenbeschauer den Schlachtkörper frei gegeben hatte, konnte am Folgetag die weitere Verarbeitung erfolgen, die Wurst gekocht, die Grütze hergestellt werden. Gegen Abend brachte man dann dem Nachbarn und engen Verwandten Schweinebrühe und eine „Pingelwurst“ (=klein), so wie man auch von deren Schlachtung profitierte. Beim Geruch, Anblick und Geschmack all der Leckereien hatte man das Quieken des Schweines am Vortag vergessen.

Dies war ja der Zweck all der Arbeitt vorher gewesen. Ohne die Schlachtung am Ende hätte es das Ferkel, die Sau, all die Vorfahren dieser Sau nicht gegeben. Dies gilt bis heute. Übrigens war es ein hygienischer Fortschritt, als gegen Ende des 19.Jahrhunderts in größeren Städten Schlachthäuser mit Benutzungszwang für alle örtlichen Schlachter gebaut wurden. In den 1960er Jahren reduzierten dann neue Schlachtstätten in den Haupterzeugungsregionen (etwa zwischen Ems und Weser und im Münsterland) die Transportwege für die lebenden Schweine. In den 1970er Jahren erkannte man, dass die Fleischqualität sich verschlechtert, wenn die Tiere auf dem Weg zur Schlachtung Stress erleiden. „Es muss den Tieren Spass machen, geschlachtet zu werden“ (die Verfahren haben Sie beschieben). In den Schlachthäusern arbeiteten bald kaum noch Deutsche, zunächst Türken, dann Menschen „aus dem Osten“. Um den gegenwärtigen Zustand zu verstehen, müsste man noch die rasanten Veränderungen in der Schweineproduktion, die Verzigfachung der Lohnkosten, der Baukosten betrachten…

Wer die heute als negativ empfundenen Zustände in der Fleischbranche nicht will, muss Lösungen aufzeigen, wie Fleisch schonender für die Tiere, die Bauern, die Arbeiter in den Schlachthöfen, für die Umwelt produziert werden kann, und zwar EU-weit und mit einem Außenschutz. Oder noch viel mehr Menschen müssen ganz oder weitgehend auf Fleisch verzichten. Darauf müsste sich die Landwirtschaft einstellen. In meiner Kindheit gab es in „meinem“ Dorf eine – ledige – Vegetarierin (ihr Vater war in der NSDAP- Zentrale in Berlin für die Verleihung der Parteiabzeichen und Mutterkreuze zuständig gewesen). Heute ist auch dort der Vegetarismus durchaus akzeptiert. – Adolf Ronnenberg

 

Bei den Recherchen zu meinem Buch Die Söhne der Indiosstieß ich auf die Wiedergabe eines Gesprächs zwischen dem US-amerikanischen Schriftsteller Frank Waters und einem alten Pueblo-Indianer in den Bergen New Mexikos über das Töten bei der Jagd: „Wir gingen nie leichtfertig auf eine Jagd. Wir sprachen zu dem Hirsch, den wir töten wollten. Wir sagten zu ihm: ‚Wir wissen, dass dein Leben ebenso kostbar ist wie das unsrige. Wir wissen, dass wir alle ein Leben sind auf derselben Mutter Erde. Aber manchmal muss ein Leben einem anderen Platz machen, damit das eine große Leben sich ununterbrochen fortsetzen kann. So bitten wir dich um deine Erlaubnis und Einwilligung für diese Tötung.‘ Das sprachen wir feierlich. Und wenn wir den Hirsch getötet hatten, legten wir seinen Kopf nach Osten. Wir ließen Tropfen von seinem Blut und Stücke von seinem Fleisch in den Boden unserer Mutter Erde sinken. Wenn wir dann sein Fleisch in unser Fleisch aufnahmen und aus seinem Fell Beinkleider und Schuhe und Beutel machten, wussten wir, dass das Leben des Hirsches in unserem Leben fortgesetzt würde, wie das Unsere der Reihe nach in dem Einen Leben fortgesetzt würde. Wir wussten, dass der Hirsch dies wusste und zufrieden war.“ – Dr. Wolfgang Hachtel

 

Der Artikel von Frau Raether beschäftigt sich mit der Fa. Tönnies. Er beginnt mit einem halbseitigen Foto von C Goedan/laif mit der Unterschrift: „Ein Schwein, gerade angefordert an einen Schlachthof…“ Das Bild zeigt aber den Kopf eines Wildschweines! Da verzichte ich lieber auf das Studium des Artikels. – Prof.Dr.K.Horneffer

 

Ein guter, wichtiger Artikel, der Fragen stellt. Doch beantworten lassen sich alle letztlich mit einem Satz: Es ist unfassbar grausam, was Menschen Tieren antun.Und damit seinesgleichen, denn wie wir ja hoffentlich alle wissen, auch wir sind Säugetiere, wenngleich wir uns den feinen Namen „Homo Sapiens (der Weise, Einsichtsvolle)“ gegeben haben und Logos entwerfen können, die fröhliche Rinder und lachende Schweine auf den Dächern der Schlachthofhöllen spazieren lassen. – Jacqueline Majumder

 

In dem empfehlenswerten Zeit-Artikel ‚Tiere töten‘ geht es zum ersten Mal, was meine Informationen betrifft, um die Tiere, das war auch höchstnötig, aber auch um die Menschen, die diese Tiere töten müssen. Wie in jeder Hinsicht, und bis hin zu den Bioschlachthöfen, dieses Töten jeder Menschlichkeit entbehrt und als Antwort auf das schlechthin Unerträgliche oft einen Sadismus gebiert, dessen psychischer Krankheitspegel das Maß des menschlichen Spektrums verlässt. Und es ist wahr und klar und für jeden einzusehen, allein schon auf den bestellbaren Angeboten der Gasthäuser. Und es ist auch schon lange klar geworden, dass man sich nicht komisch fühlen muss, wenn man den Drang ins Normal nicht hat, sondern eher den Drang des Einhaltens und Nachdenkens und mal sehen wollen, was da wirklich geschieht, anstatt immer die eigenen Gelüste als das zu betrachten, was ein Recht hat auf Erfüllung.

Wer kennt sie nicht, diese Erfahrung, und wer sie nicht kennt, sollte sie unbedingt machen. Man wächst auch an dem Eingeständnis der Ohnmacht. So Systeme wie Tönnies kennen ihre Wege, schließlich ist er durch Billigfleisch Milliardär geworden. Wenn so viel Mammon mal zusammengerafft ist, steht man, ob man will oder nicht, an einem speziell für talentierte Konsumer konzipierten Scheideweg. Eine Stimme sagt: Du, werter Fleischkonsumer, stehst wegen der Coronakrise (ha!ha!) am Scheideweg und hast zwei Möglichkeiten: A. das Tier wird umsorgt und..Eine andere Stimme ruft: B, denn diese Stimme weiß, wo sie hin will, nämlich ins persönliche Normal, wovon ihn oder sie keiner abhalten kann und wird und daher die Flaggen auf Halbmast stehen, was bei mir bedeutet: Trauer und Entsetzen sind allemal erlaubt. Man sieht die Moralstäbe der Welt gleichzeitig in Asche zerfallen, denn da waren sie bereits, zusammen mit den Aposteln.

Man muss alles, was einen berührt, auf die eigene Weise verstehen, da führt kein Pfad drumherum. Denn es gibt eine Mitte, sie ist nur nicht maßgeschneidert, jede/r muss hier den eigenen Geist anlegen, auch wenn kein Profit in Sicht ist. Wir wollen also festhalten, dass es dem Menschen, egal wann und wo er ein Tier tötet, oft ganz schlecht geht, denn das Tier hat auch eine Stimme und ein Auge, das den Vernichter seines Lebens anschaut. Welche Art von gräßlichen Blicken werden hier gezüchtet, welche eiskalten Wahrheiten aufgetischt, wenn die Angst aus dem gequälten Fleisch in den menschlichen Körper gelangt usw., und nein, das ist nicht übertrieben, sondern es ist so, dass man, wenn auch unter anderem, ist, was man isst. – Kalima Vogt

 

In dem Buch „Die Kuh, die weinte“ von Ajahn Brahm wird eindrucksvoll geschildert, wie Tiere die Situation beim Schlachten erfassen und erleiden. Dabei stellt er das erschütternde Erlebnis mit der weinenden Kuh dar. – Beeindruckend!! – Gerhard Johann

 

Elisabeth Raether mutet den Lesern Einblicke in die verschlossene Welt der Fleischfabriken und Schlachthöfe zu. Die Zumutung: Massenhaftes Töten für die vielen Esser und Genießer von Fleisch. Die Erkenntnis: Das professionelle Töten als Schlachten ist offenbar gar nicht so banal, wie die Banalität des Kaufs von Fleisch an den Fleischtheken und aus den Kühlregalen im Supermarkt suggeriert. Einerseits wächst die Banalisierung sogar noch mit dem Preisverfall, andererseits wird das Fleisch im Kampf um die Gunst der Esser quasi lebendig, indem es als Ware immer lauter schreit, um gekauft zu werden. Maßlos entwertet gehen das Leben der Tiere und die Leistung des Schlachtens in den Äquivalenztausch von Geld gegen Fleisch ein. Die Frage nach dem Töten taucht auf, wo das Coronavirus uns zwingt, hinter die „schützenden“ Mauern der Fleischfabriken und Schlachthöfe zu schauen. Höchste Zeit. Wie konnten sich in unserer sozialen Marktwirtschaft derart frühkapitalistische Ausbeutungsverhältnisse entwickeln? Wie konnte sich unsere Wohlstandsgesellschaft derart von ihren ethischen Grundlagen entfernen? – Reinhard Koine

 

Schon vor Jahrzehnten hat uns die Philosophin Hannah Arendt erklärt: Das Böse ist oft nicht teuflisch, sondern in verblüffender Weise banal. Das banale Böse vollzieht sich auch dort, wo Menschen für ihre eigenen kleinen Vorteile großes Unrecht laufen lassen oder durch ihr Verhalten sogar stützen. Neulich sah ich einen verunfallten Hasen an der Straße liegen. Beim Anblick seines Gesichts, um dessen Augen Fliegen wimmelten, habe ich mich gefragt: Gibt es irgendeine Chance, die der Mensch den Tieren noch lässt? Wie bedrängt muss ein Feldhase sein, um mitten in der Großstadt sein Leben gewinnen zu wollen? Sind die meisten Menschen achtlos vorbeigegangen? Hat jemand Anteil genommen? Warum reklamieren wir alle, alle Natur für uns und gieren heute noch, obwohl es längst nicht mehr nottut, nach Unterwerfung und Fleisch der Tiere?

In Schlachthöfen wie denen von Tönnies werden aus nichtmenschlichen Personen Dinge täglichen Gebrauchs gemacht. Das ist falsch! Was sonst sollte falsch bedeuten? Kann diese Fragen nicht jeder stellen, der mal der Freund eines Tiers gewesen ist, in Kindertagen? Hannah Arendt sagt, es braucht Skeptiker und Zweifler, die die Einheitsmeinung hinterfragen. Und wohin sollen wir uns flüchten, wenn wir diese zum fliegenden Schlachthaus verkommene Erde nicht länger ertragen? Kürzlich bin ich einem Foto begegnet, ein Mann in mittleren Jahren demonstriert. Sein Schild zeigt das Gesicht eines Schweins auf einem Transporter: “We hear you. We see you. We are trying. We are sorry!” (Zum Personenbegriff s. die kluge Diskussion von Donaldson & Kymlicka in “Zoopolis. Eine politische Theorie der Tierrechte, S. 71 ff) – Ute Esselmann

 

Das deutsche Schwein auf Schweizer Tellern Was hat die Schweiz mit der katastrophalen Schweineproduktion in Deutschland zu tun? Sehr viel, weil von St. Gallen bis Basel auf der anderen Seite der Grenze bei Lidl und Aldi billigstes Fleisch gekauft wird, wie zum Beispiel in Oehningen. Die Themen des Presse Clubs der ARD am vergangenen Sonntag waren die Schlachtindustrie (Thoenes und Andere), deren Hygiene- (Corona Infektionen) und Arbeitsbedingungen, die Tierhaltung, sowie die Kommerzialisierung der Fleischproduktion durch Lidl und Aldi. Das ganze System ist seit Jahrzehnten ein Skandal und die Gesellschaft als auch die Regierung in Berlin haben immer wieder schnell die Augen zugemacht, wenn die Spitze des Fleischeisberges an die Oberfläche kam. Mehrere Mal wurde Abhilfe versprochen. In Tat und Wahrheit wurde die Situation schlimmer, nicht besser. Deutschland ist heute weltweit der 2. grösste Schweinefleisch Exporteur.

Die Schweine werden in riesigen Mastbetrieben produziert und mit importiertem Futter, wie zum Beispiel Sojabohnen aus Brasilien, gefüttert. Nach 11 Monaten werden die Tiere unter katastrophaler Tötungstechnik geschlachtet und unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen von Osteuropäern zerlegt. Lidl und Aldi halten ihre Läden mit billigst Fleisch am Laufen. Das ganze System ist eine Fehlgeburt der Marktwirtschaft und muss beseitigt werden. Warum ist es soweit gekommen? Weil ein grosser Teil der Gesellschaft sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr dem Geld, dem Egoismus und der Verantwortungslosigkeit und nicht dem Gemeinwohl verschrieben hat. Eine Umkehr ist dringend, sonst wird der soziale Zusammenhalt massiv geschädigt. Deutschland ist gefordert, sein Fleischsystem tiefgründig neu zu gestalten. Bei diesem Neuanfang hat das Gemein- und Tierwohl Priorität und nicht der Profit der Fleischakteure. – Pierre-François Bocion

 

Es ist Sonntag, der 28.6. ich verzehre soeben die wohl letzte Hähnchenkeule meines Lebens, vom Biobauern zwar, im Tabule zubereitet mit Couscous. Vor mir liegen alle Ihre köstlichen Rezepte aus dem „Wochenmarkt“ fein getrennt in vegetarisch und andere und nehme leichten Herzens Abschied vom Fleisch! Dies dank Ihres großartigen aufrüttelnden Artikels, der mich ab sofort zum Vegetarier macht. Nun hatte ich gleichwohl bereits vorher schon ein bis zwei Jahre sehr fleischarm gelebt, dabei viel Spott aber auch ganz frappierende Verbesserungen meiner diversen gesundheitlichen Probleme geerntet so z.B. Schlaganfall ohne Folgen,Bluthochdruck wieder normal,Gewicht minus 5kg,Betablocker abgesetzt, Prostatakrebs besiegt usw, so dass ich ganz zuversichtlich meinem 85. entgegensehe. Danke sage ich, Sie haben mein Leben reicher gemacht. Jetzt warte ich nur noch auf den Tag, wenn den Fleischwahnsinn stoppt, Glyphosate verbietet, die Nahrungsmittelampel einführt und die Autobahnen nicht mehr in sog. Private Partnerships vergibt. Bleiben Sie dran! – Kristof Schöber

 

Ihr Text: „…, das Menschen seit Millionen Jahren tun.“ Mir ist unbekannt, dass es schon so lange Menschen gibt. Habe ich da was falsches gelernt? – A. Lienhard

 

Danke für die Einblicke. Hat mich sehr gefreut zu lesen, dass auch Schlachter Skrupel haben und durchaus differenziert zu ihren Handlungen Stellung nehmen. Aber wieso gönnen Sie diesen Raum nicht auch der Tierrechtsperspektive? Zum Beispiel den Aktiven von “Metzger gegen Tiermord”, dem Deutschen Tierschutzbüro um Jan Peifer oder Animal Rights Watch, die allesamt höchst kundige Bilder aus der Hölle liefern? Gewalt gegen Tiere bedarf der Rechtfertigung. Genuss ist kein triftiger Grund. – Jean-Luc Chastenier

 

Danke, dass Sie das Thema mit so vielen Fassetten Beteiligter aufgegriffen haben. Ich möchte dazu nachtragen, was manche Tiere mit uns erleben.Es war vielleicht 1946. Nach der Flucht aus dem Osten auf dem kleinen Bauernhof meines Großvaters im Westerwald. Ich fuhr als 13jähriger Junge mit einem Wagen voller Kartoffel und dem alten gutmütigen Ochsen aus einem Tal zum Hof zurück. Der Weg war steil und die Kurve eng. Das Tier wich auf ein Feld aus, um die Last um die Kurve besser zu verteilen. Ich zog auf der Talseite an seinem Kopfriemen, um ihn auf den Weg zu zwingen. Er verlor das Gleichgewicht und trat mir auf den Fuß, der nur aus Sandalen aus Autoreifen bestand. Unsere Augen waren dicht aneinander. Ich schrie und er zog verschreckt den Fuß zurück. Noch Jahre danach zuckte das Tier mit den Füßen an dieser Kurve.

Der Ochse musste oft an einer Fleischerei vorbei, wo die Schweinehälften zum Trocken vor der Tür hingen. Das tat er unruhig mit aufgeblähten Nüstern. Als er zu schwach geworden war, bekam er einige Monate das Gnadenbrot. Als er schließlich aus dem Stall geholt werden sollte, wehrte er sich mit allen Kräften dagegen. Mehrere Männer waren nötig, um ihn auf den Hof zu zerren. Dann weigerte er sich, auf die Straße zu treten. Seine Augen waren weit aufgerissen und wir sahen die Angst des Tieres. Schließlich wurde er mit Gewalt in die Schlachterei getrieben. Frauen und Kinder weinten und konnten von dem Fleisch nichts essen. Soviel zum Thema Empathie bei Tieren und dass diese sehr vielmehr mitbekommen und vielleicht auch verstehen, als wir glauben und wissen wollen. –Universitätsprofessor em. Gerhard Curdes

 

Elisabeth Raether verwendet im Bereich der Nutztierhaltung das Wort töten, was in unserer Kultur daneben geht. Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen und habe das Halten von Vieh, Schweinen und Hühner immer als existenziell für die Menschen in unserem Lebensbereich verstanden. Töten wird als Morden verstanden, schlachten meint die Tiere für unsere Ernährung nutzbar zu machen. In Diskussion mit Vegetariern meine ich, dass es der höhere Sinn dieser Individuen ist, unserer Ernährung zu dienen. Die Tiere mögen ein gutes Leben haben und ihr Leben würden sie wie wir alle eines Tages hingeben müssen. Ohne diesen Kreislauf würden die Kälber, Ferkel und Kücken gar nicht in die Welt gesetzt werden und dann auch gar kein Leben haben. – Erhard

 

Deutschland ist ein „(Schweine)Fleischesser-Land“, den Schweinen geht es hier (meist) „sauschlecht“, Dumpingpreise sind nicht nur beim Fleisch extrem „in“! Nun müssen wir auch noch mit diesem Coronavirus leben, und das trifft uns alle sehr spürbar und knüppelhart. Bei, mit und um die Großschlächterei „Tönnies“ herum, da wurden weit über 1300 Menschen auf Corona positiv getestet, so heißt es wieder einmal ganz kurz und knapp in den Medien. Es gibt weder eine Aussage darüber, wie schwer oder wie nicht schwer diese Menschen daran erkrankt sind. Der „Staat“ nimmt uns weiterhin nicht für „voll“, die staatliche Informationspolitik ist mehr als katastrophal, der Staat droht uns lieber gleich den nächsten Lockdown an den Hals! Ob diese Massentest überhaupt gesetzlich zulässig sind, und das noch unter einer Mithilfe der Bundeswehr, das wäre wiederum noch eine ganz andere, aber sehr spannende „grundgesetzliche Demokratiefrage“. – Klaus P. Jaworek

 

Ich mag besonders Ihre Worte in dem Absatz über Religion und den Umgang mit Schuld. Vielleicht liegt es am Alter. Wenn man jünger ist, dann empfindet man oder leidet noch nicht so sehr unter Schuldgefühlen. Zumindest geht es mir so. Ihre Worte ließen mich an meine katholische Erziehung anknüpfen und meine ehemalige Verbundenheit zu der Person Jesus. Die völlige mentale Entsagung von religiösen Gedanken und das Abstoßen des Glaubens haben wohl tatsächlich das Empfinden von Schuldgefühlen von jeglicher Vergebung befreit. Ihre Worte haben mich ein wenig zu früheren, versöhnlicheren Gedanken im Zusammenhang mit Vorstellungen von etwas Vergebendem geführt. Ihr Thema ist das industrielle Töten. Aber Sie lassen auch Jäger und andere Menschen zu Wort kommen, die dies nicht industriell betreiben. Einmal schreiben Sie darüber, dass der erfahrenere Schlachter dem Jüngeren sagt, er solle nicht auf das ausströmende Blut schauen. Es würde etwas mit ihm machen. Ich denke, es ist der Tod, der etwas mit einem macht.

Erfahrungen mit dem Tod. Das Blut gilt als Symbol des Lebens. Das Ausströmen des Blutes ist der Verlust des Lebens. Der Tod. Zu Zeiten von Corona werden wir sehr stark von Gedanken und Handlungen zur Vermeidung des Todes getrieben. Die Verlängerung des Lebens ist unsere oberste Handlungsmaxime. Bzw die Vermeidung der Verkürzung des Lebens durch das Virus. Es führt jedoch (auch) dazu, dass an vielen Stellen das Leben an sich geschützt wird. Alte Menschen werden gezwungen Ihre letzten Tage ohne ihre Liebsten zu verbringen. Kranke werden isoliert. Leben an sich ist jedoch wenig Wert. Ansonsten wäre es doch einfach toll, dass das Schwein im Kastenstand 6 Monate am Leben gehalten wird. Nein, das Leben an sich ist kein Wert. Es hat nur einen Wert, wenn es eine gewisse Qualität hat. Einen Inhalt. Vielleicht eine Bedeutung. Im Idealfall erfährt es Erfüllung. Vergangenes Jahr ist mein Vater gestorben. Heute bin ich froh, dass es letztes Jahr passierte. Heutzutage wäre es unendlich schwieriger ihn zu begleiten. Der Tod der Eltern macht etwas mit einem. Wenn man es erfahren hat, dann weiß man das. Man kann es nicht rückgängig machen. Ist es gut was mit einem passiert? Es ist unvermeidlich.

Wir werden es alle erleben. Es ist eine Veränderung. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum wir immer stärker alles vermeiden, was mit Tod zu tun hat. Weil wir eigentlich alle Angst vor Veränderung haben und der Tod die ultimative Veränderung ist. Die Gewissheit der eigenen Sterblichkeit, das Bilanzieren des Lebens, Hinterfragen von gesellschaftlichen oder anderen Zwängen. Innere Einkehr. In einem Absatz schreiben Sie über den Metzger auf der Grillveranstaltung, wo Witzchen über seine Arbeit gemacht werden („…du alter Tierquäler“). Es ist natürlich nur ein Witzchen. Aber repräsentiert geradezu genau so einen gesellschaftlichen „Zwang“. Es ist eher ein Mechanismus. Die Macht der Masse. Alle sind gegen Massentierhaltung. Keiner kauft Biofleisch. Weil a) sparen eine höhere Priorität (eigentlich die allerhöchste) hat als das Tierwohl und b) auf der Verpackung so ein drolliges Schwein oder ein idyllischer Bauernhof abgebildet ist.

Wobei eher a) der gesellschaftliche Zwang ist und b) den hedonistischen Wunsch nach Urlaub und Wohlbefinden addressiert. Die Todeserfahrung führt zur Reflexion über die gesellschaftlichen Zwänge. Der gesellschaftliche Zwang als solches hat daher geradezu ein Eigeninteresse sich selbst zu schützen durch die Vermeidung einer Todeserfahrung. Rituale dienen auch dazu diese Todeserfahrung gesellschaftlich zu integrieren. Und damit den Wert des Lebens zu reflektieren helfen. Erfahrungen, die Ältere mit dem Tod gemacht haben zu vermitteln und in etwas für die Gesellschaft und dadurch auch für den Einzelnen Positives, Wertvolles zu verwandeln. Erst der Tod macht das Leben wertvoll. Erfüllung erfährt das Leben durch das Ausleben des eigenen Prinzips. Das Prinzip, welches sich über Jahrmillionen evolutionär herausgebildet hat. Als Menschen sind wir in der Lage solche Prinzipien zu erkennen. Wir wissen, wie ein Schwein im Prinizip lebt.

Ein Rind. Ein Huhn. Wir wissen, dass das, was wir mit diesen Tieren tun, nichts mit diesen Prinzipien zu tun hat und wir damit deren Leben entwerten. Wir könnten es wissen. Die gesellschaftlichen Zwänge haben jedoch auch einen Anteil daran, dass man sein eigenes, persönliches Prinzip nicht auslebt. Das Prinzip Mann zum Beispiel. Oder das Prinzip Hingabe. Wir werden dazu erzogen uns an das Unterdrücken solcher Prinzipien zu gewöhnen und damit lernen wir gleich das Unterdrücken von anderen Lebens- Prinzipien mit. Was ist das Prinzip des Menschen? Völkermord? Tierquälerei? Rassissmus? Umweltzerstörung? Ausbeutung? Es sind dies die dominierenden Themen in der Geschichte der Menschheit. Die Macht der Masse hat hier mit Sicherheit ihre Finger im Spiel. Im positivsten Sinne hat die Macht der Masse zur Folge, dass man guten Menschen hinterher läuft und versucht es diesen gleich zu tun. Das Prinzip der Imitation. Nochmals vielen Dank für diesen inspirierenden Artikel und für das Lesen meines vielleicht nicht ganz so sortierten Gedankenstromes. – Mirko Strick

 

Bei allem Respekt: Da haben Sie sich aber zwei ziemlich sensible Metzger ausgesucht, die wohl kaum repräsentativ für ihren Berufsstand sein dürften. Die in dem Artikel genannten „Arschlöcher“ wahrscheinlich schon eher. Aus aktuellem Anlass hätten Sie vielleicht auch einmal einen Schlächter von Tönnies befragen sollen. Anregungen zum Thema: https://www.ulrich-willmes.de/tierschutz.html Dr.Ulrich Willmes

 

Der Artikel zum Töten von Tieren hat mich sehr beeindruckt. Wer ist unsere Gesellschaft sich selbst über Menschen zu erheben, die jeden Tag die „Drecksarbeit“ erledigen? Für das steril in Plastik abgepackte Stück Fleisch, das mehrmals die Woche auf den Teller soll. Ich fand es bezeichnend zu lesen, was die interviewten Personen selbst zu ihrer Tätigkeit sagten. Für mich war da auch sehr viel Empathie und Respekt vor den Tieren. Viel mehr jedenfalls als bei denjenigen, die über sie urteilen. Ich bin selbst Vegetarierin und nicht in der Lage einem Tier zu schaden – trotzdem empfand ich während des Lesens sehr viel Respekt für die Interviewpartner. – Peggy Rößiger

 

Lange habe ich gebraucht, diesen Artikel in die Hand zu nehmen. Und dann hat er mich voll in den Bann geschlagen. Sie haben auf so feine, leise, aber gnadenlos aufdeckende Art dieses heikle Thema bearbeitet. Zum Schluß lassen Sie uns nicht davon kommen und beschreiben das, worum es eigentlich geht und was wir sonst so erfolgreich verdrängen: Den Tötungsvorgang! Unaufgeregt,realistisch! Im Kopf entstehen zwingend die unauslöschlichen Bilder! Es wird sich zeigen, wie lange ich noch in ein Stück Fleisch beiße!? Vielen Dank für Ihre Recherche und Ihre aufrüttelnde Arbeit! – Jutta Hartlich

 

Leben ist nur auf Kosten von Leben möglich. Stufen des Organischen erschaffen Menschen, die Hemmungen haben, einen Hasen zu schlachten, aber bedenkenlos die Rübe entwurzeln, das Korn zermalmen und den Salat köpfen. – Thomas A. Ziegler

 

Ihnen und den Menschen, die sich hier geäußert haben, möchte ich für den hervorragenden Artikel „Tiere töten“ in der Zeit vom 25. Juni danken. Es ist eine sehr bedrückende und traurige Wahrheit, die angesprochen wird, etwas, das in unserer nach außen hin zivilisierten Gesellschaft konsequent verdrängt und ignoriert wird. Dabei ist das Leiden und Töten von einer so großen Zahl von Tieren durch Menschen, die ebenfalls ausgebeutet werden, unmoralisch und grausam. Geschuldet ist es der offenbar grenzenlosen Gier einiger Profiteure dieses Systems und der Gleichgültigkeit vieler Fleischkonsumenten. Auch wenn wir die Tiere nicht sehen, sie leben mitten in unserem Land. Und auch wenn viele die Menschen, die sich mit diesem Leid beschäftigen müssen, nicht sehen und hören wollen, sie sind hier und verrichten unter unwürdigen Bedingungen ihre Arbeit. Jetzt kann niemand mehr behaupten, von diesem ausbeuterischen System nichts zu wissen und weiterhin ruhigen Gewissens Fleisch konsumieren. Und damit das auch keiner vergisst, berichten Sie bitte weiter über dieses Thema! – Sabine Kiermaier

 


 

 

Leserbriefe zu „Sagen, was wir kommen sehen“ von Stefan Rahmstorf

 

„haben wir .. tatsächlich den Kontrollknopf in der Hand“. Herr Rahmstorf merkt nicht einmal, dass es gar keinen Kontrollknopf gibt. Es gibt fast acht Milliarden Knöpfe, an denen fast acht Milliarden Individuen – fast alle ohne jede Sachkenntnis – rumspielen. Das hat mit Kontrolle nichts zu tun. Wenn acht Milliarden Schimpansen auf acht Milliarden Schreibmaschinen rumklimpern, ist das auch keine Schreibwerkstatt, nur weil zufällig mal ein Wort entsteht. „Die globale Temperatur steigt seit Jahrzehnten so, wie die Modelle vorhergesagt haben.“ Ein wahrhaft überzeugender Beweis für die Kontrolle die wir haben. Warum dreht Herr Rahmstorf nicht einfach an dem Knopf und stellt diesen Temperaturanstieg ab? – Iman Schwäbe

 

Professor Rahmstorf kritischen Anmerkungen zu Thea Dorns Artikel sprechen mir aus der Seele – ebenso wie die vielen kritischen Leserbriefe eine Woche zuvor. In Thea Dorns Ausführungen fehlt m. E. eine grundlegende Unterscheidung. Ja, zur Wissenschaft gehört die Kontroversität.Und ich bin überzeugt, dass viele Menschen, die keine akademische Ausbildung haben, zum ersten Mal in ihrem Leben mit dieser Kontroversität konfrontiert und vielfach überfordert waren. Das führt dann leider zur Verunsicherung: „Die einen sagen das, die anderen das Gegenteil, nichts Genaues weiß man nicht.“ Nicht zu verwechseln ist diese gebotene Kontroversität jedoch von der postmodernen Verwechslung von Faktum und Meinung. Das Virus ist eindeutig, eindeutiger, als es den postmodern gestimmten Zeitgenossen lieb ist. Ich hätte nie gedacht, dass das Virus des Relativismus’ und Postfaktischen einmal so um sich greifen würde! Und symptomatisch dafür ist auch, dass nicht wenige Zeitgenossen den Begriff der Verschwörungstheorie ablehnen, weil alle Theorien gleich gültig seien und es sich verbiete, eine Theorie derart negativ zu konnotieren und als unwahr zu klassifizieren.

Und auch wenn es ihr nicht bewusst sein mag, atmet auch Thea Dorns Text den Geist des Poststrukturalismus, nach dem es so etwas wie die objektive Wahrheit (eines Satzes) nicht länger gibt. Ich wurde dieser Tage auf eine Passage aus Camus‘„die Pest“ aufmerksam gemacht: „Wenn ein Krieg ausbricht, sagen die Leute: ,Er kann nicht lange dauern, es ist zu unsinnig.‘ Und ohne Zweifel ist ein Krieg wirklich zu unsinnig, aber das hindert ihn nicht daran, lange zu dauern. Dummheit ist immer beharrlich. Das merkte man, wenn man nicht immer mit sich selbst beschäftigt wäre. In dieser Beziehung waren unsere Mitbürger wie alle Leute, sie dachten an sich, oder anders ausgedrückt, sie waren Menschenfreunde: Sie glaubten nicht an Heimsuchungen. Weil die Plage das Maß des Menschlichen übersteigt, sagt man sich, sie sei unwirklich, ein böser Traum, der vergehen werde. Aber er vergeht nicht immer, und von bösem Traum zu bösem Traum vergehen die Menschen, und die Menschenfreunde zuerst, weil sie sich nicht vorgesehen haben. Unsere Mitbürger waren nicht schuldiger als andere, sie vergaßen nur die Bescheidenheit und dachten, dass ihnen noch alle Möglichkeiten offenblieben, was aber voraussetzt, dass Heimsuchungen unmöglich sind. Sie schlossen auch weiterhin Geschäfte ab, bereiteten Reisen vor und hatten eine Meinung. Wie hätten sie da an die Pest denken sollen, die der Zukunft, dem Reisen und dem Gedankenaustausch ein Ende macht? Sie glaubten sich frei, und keiner wird je frei sein, solange es Geißeln der Menschheit gibt.“

Camus‘ Analyse ist aktueller denn je: Die derzeitige Pandemie und das zur Unzweideutigkeit neigende Virus kränken unser Freiheitsgefühl, sie sind viel zu apodiktisch, viel zu sehr Setzung als unserem postmodernen Mindset lieb ist. Die politischen M a ß n a h m e n sind tatsächlich Resultat von Abwägungen – und Kompromisse auszuhandeln ist ja das Kerngeschäft von Politik –, das V i r u s selbst aber ist eindeutig, eindeutiger, wie gesagt, als es dem postmodern gestimmten Zeitgenossen lieb ist. All das bedarf in der Postcorona-Zeit dringend der Aufarbeitung; meine To-Do-Liste ist jedenfalls inzwischen ziemlich lang. Schon jetzt aber möchte ich Thea Dorns Analyse dezidiert widersprechen: Kontroversität ja, Verwechslung von Tatsachen mit Meinung nein! Bereits vor 70 Jahren formulierte Hannah Arendt so überaus treffend in Bezug auf die Deutschen: „Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt jedoch in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.“ Wie wahr ist dieser Satz erst Recht in Zeiten des sehr eindeutigen Coronavirus’! – Marcel Haldenwang

 

Mir ist lieber der Rahm (storf) auf der Zunge, als der (Thea) Dorn im Auge! Danke für die Replik! – Horst Köppl

 

Herr Rahmstorf findet eine sachliche und damit fast schon gnädige Antwort auf den – Verzeihung – dummen Artikel von Frau Dorn. Vielleicht ist es aber gerade das, was Menschen wie Frau Dorn nicht aushalten können: dass sich jemand der leidenschaftlichen Eskalation verweigert und somit die eigene, nebelige, hilflose Wut in´s uneträglich Leere läuft. – Dr. Christian Voll

 

Unter der Arbeitshypothese, der Klimawandel der letzten 180 Jahre sei tatsächlich zu über 90 % durch Menschen verursacht , drei einfache Fragen: – Wenn 6 Treibhausgase und ein Umpflügen der Erde durch eine inzwischen von 1,1 Mrd. auf 7,8 Mrd. angewachsene Menschheit die Verursacher in einem komplexen Wirkungsbündel sind, warum diskutiert niemand das Wachstum der Bevölkerung und dessen seit 150 Jahren verursachtes „Umpflügen“ der Erdoberfläche sowie die dadurch zusätzlichen CO2-Emissionen, und die Rolle der anderen 5 Treibhausgase (Lachgas, Methan, …) laut und deutlich? – Hält Herr Rahmstorf den Verzicht auf fossile Brennstoffe in wenigen Jahrzehnten nur zu etwa den doppelten (privaten) Kosten von heute möglich?

Dann könnte man einen schrittweisen Übergang auf Solarwirtschaft mit speicherbarem Wasserstoff locker einleiten. Da die „Energiewende“ bisher faktisch zum großen Teil von „Schönschwätzern“ anstatt von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern vorangetrieben wurde, wundern wir uns heute über viele bald sichtbare ungelöste Riesenprobleme. – Wer erklärt Exportländern für Kohle und Öl, dass sie ab 2050 keine Einnahmen damit erzielen wer¬den? Das müssen doch Kuweit, Russland, USA, Iran oder Saudi-Arabien oder Australien einsehen! Gute Wissenschaft sollte alle diese Punkte kommunizieren; genau wie auch inzwischen veränderte Einschätzungen, wie es in der CORONA-Krise vorgemacht wurde. Santa Greta kann man dies wegen ihrer Jugend nachsehen – ein seriöser Wissenschaftler darf in keinem dieser Punkte „Schönschwätz“ verbreiten. – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele

 

„Wer sich als Journalist einem Thema zu gemein macht, ist ein schlechter Journalist“. Ein Satz von Hans Joachim Friedrichs. Das gleiche gilt auch für Wissenschaftler, die aus der Wissenschaft in die Rolle von Aktivisten wechseln, und so für die Forschung eine notwendige Distanz verlieren. Herr Schellnhuber hat als Gastredner bei einem Parteitag der Grünen von einer notwendigen Erhöhung der „Taktzahl“ beim Thema Klimawandel gesprochen. Taktzahl erhöhen im Sinne von propagierenden Botschaften, nicht zuletzt den Weltuntergang herbeireden. Die Antworten auf Thea Dorns „Warnruf“ können mich nicht überzeugen. Ihr Warnruf war längst überfällig. – Walter Schroiff

 

Der Artikel in der Zeit Nr. 27 von Herrn S. Rahmstorf macht deutlich, dass Forschen, Kontrollieren, Warnen und das Erkennen von Kipp Punkten nicht genügt. Es ist bedauerlich, dass die Wissenschafter, ähnlich wie die Politiker, das Mitverantworten der weiteren Existenz unseres Planeten den «anderen» überlassen. Schlimmer noch, die Wissenschaft verfasst immer mehr durchdiskutierte und begutachtete Berichte, tote Akten statt lebende Lösungsvorschläge. Die IPCC überprüft und bewertet laufend die neuesten wissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Informationen, die weltweit für das Verständnis des Klimawandels relevant sind. Sie führt keine Forschung durch und überwacht auch keine klimarelevanten Daten oder Parameter.

Sie verschafft der Welt einen klaren wissenschaftlichen Überblick über den aktuellen Wissensstand und seine möglichen ökologischen und sozioökonomischen Auswirkungen, ohne jedoch konkrete Lösungswege oder politische Handlungsweisung vorzuschlagen. Ein Ausweg aus diesem Dilemma wäre nur dann möglich, wenn diese Institution von den Vereinten Nationen (UNCFFF) ermächtigt wird, die geopolitische Steuerung von Umwelt- und Klimafragen in allen Ländern der Erde zu übernehmen und eine neue Verfassung schreibt. Doch dazu ist die IPCC von keiner Nation legitimiert. Somit verliert sie jegliche Kompetenz und verkommt zum einsamen Rufer in der Wüste. Selbst die UNO kann hinsichtlich der drängenden Klima- und Umweltfragen nicht kompetent handeln. Es fehlen ihr die rechtlichen Mittel, um bestehende Klimarahmenkonventionen weltweit umzusetzen oder gar zu ändern.

Pauschales Abschieben unserer länderübergreifenden Probleme an irgendwelche globalen Institutionen wirkt lust- und leblos. Es ist eben nicht so, dass die Wissenschaft berät und die Politik entscheidet. Nein, das Individuum, ich selbst, stehe ebenso in der Handlungspflicht. Eigenreflexion, Initiative, Mut für einen Change und effektive Taten sind jetzt auch von mir persönlich gefragt. Meine Welt Familie hat etwa 7.6 Mrd. Kinder. Mit ihnen zusammen kann ich sowohl von unten nach oben als auch über die verantwortlichen Regierenden und Unternehmer von oben nach unten machbare wenn auch schwierige Lösungswege begehen; Mit der Schaffung eines weltumspannenden Regelwerks, das uns die Weit- und Klarsicht gibt, Klima und Ressourcen als unzertrennliche Einheit für die ganze Erde zu verstehen, in welcher über eine einzige unabhängige Leitstelle Klima- und Umweltfragen aufgearbeitet werden. Mehr erfahren Sie unter: www.climate-solution.orgC. Rohland

 

Die Antwort auf Thea Dorn enthält in dem Zusatz zur Überschrift schon die Feststellung, dass Wissenschaftler die Politik und die Öffentlichkeit warnen müssen, wenn diese die Fakten ignorieren. Ergebnisse von Modellrechnungen sind aber keine Fakten. Herr Rahmstorf beginnt dann seine Entgegnung auf Frau Thea Dorns Plädoyer für eine Wissenschaft, die Zweifel zulässt, mit einer Aussage zum politischen Umgang mit dem Coronavirus – also außerhalb seines Fachgebietes. Für seine Aussage kann er derzeit fast von allen kritiklose Zustimmung erwarten. Er unterscheidet in dieser Aussage Ignoranten, wissenschaftliche Außenseiter und Zauderer, denen er die Verantwortung für eine hohe Zahl von Kranken und Toten zuweist. Herr Rahmstorf versucht wohl auf diese Art, der wissenschaftlichen Erkenntnis auch in der Klimaproblematik zusätzliche Legitimation zu verschaffen. Der Treibhauseffekt ist eigentlich eine physikalisch falsche Bezeichnung, denn ein Treibhaus unterbindet die Konvektion, nicht die Abstrahlung von Wärme wie das CO2.

Herr Rahmstorf weiß das sicher, aber der Treibhauseffekt ist halt populärwissenschaftlich einfacher zu erklären, weil jeder weiß, dass ein Treibhaus wärmer ist als die Umgebung. Er beruft sich darauf, dass der Treibhauseffekt 1824 schon beschrieben wurde. Dank Wikipedia können wir heute nachverfolgen, wer das war etc.. Aber was sagt das Alter der Theorie (Einstein war ca. 8o Jahre später) oder die Zahl von 51 387 Kommentaren von 1279 Gutachtern des nächsten IPCC-Berichts über deren Wahrheitsgehalt aus? Die meisten Menschen wissen, dass die Wettervorhersage für den nächsten Tag meist ganz gut zutrifft, aber für den 2. und 3. Tag schon viel weniger gut. Eine typische und grundlegende Eigenschaft chaotischer Systeme. Woher nehmen viele Klimaforscher eigentlich die Zuversicht, dass ihre Modellrechnungen weltweit für die nächsten 100 Jahre zutreffen? In der Schule lernen die Kinder von Eis- und Warmzeiten etc..

Wer sich ein wenig intensiver mit der Klimaforschung und auch mit Paläoklimatologie befasst, entdeckt, dass für die höhere Temperatur auf der Erde gegenüber einer Erde ohne Gashülle zu etwa 2/3 der Wasserdampf in der Atmosphäre verantwortlich ist, dass die Bewölkung eine sehr schwierige, aber entscheidende Modellierungsaufgabe ist, dass die Pflanzen das CO2 durch Photosynthese aus der Erdatmosphäre geholt haben und daraus die fossilen Brennstoffe entstanden sind und der Nordpol und die Erde schon öfter eisfrei waren, auch während es schon Leben auf der Erde gab und dass das Leben nur ein Mal auf der Erde entstanden ist. Ein wenig verraten sich meistens die Menschen. Herr Schellnhuber nennt Modellrechnungen selbstironisch den „Blick in die Glaskugel“, wie sein Kollege Herr Rahmstorf berichtet. Wieviel Selbstironie und wieviel Wissenschaft ist das?

Einerseits beschränkt sich laut Herrn Rahmstorf der IPCC nur auf Ratschläge, ist also nicht für das 2 Grad-Ziel verantwortlich, aber schon die Bundesregierung erwartet von ihrem Beratungsgremium konkrete Politikvorschläge. Könnte dieses Beratungsgremium etwas anderes vorschlagen als das IPCC nahelegt? Nachdem die Verantwortung die Politikern tragen, denn nur die sind laut Herrn Rahmstorf dazu demokratisch legitimiert, freut sich Herr Rahmstorf aber doch, dass Greta Thunberg und die jungen Menschen von Fridays for Future fordern: „Listen to the science“. Welche Politiker könnten das ignorieren? Vor allem den jungen Menschen wird nicht auffallen, wie oft sich Wissenschaftler irren – insbesondere bei Aussagen die die Zukunft betreffen. Da ich etwas älter bin, erinnere ich mich an manche Vorhersagen, z.B. dass die nächste Eiszeit bevorstehe. Al Gore und seine Filmemacher müssen das wohl etwas zu wörtlich genommen haben. Herr Rahmstorf bestätigt eindrücklich, dass die Warnungen von Frau Thea Dorn nur zu berechtigt sind.

Es schreibt auch schon der spanische Philosoph Ortega y Gasset in seinem „Aufstand der Massen“ : „Denn früher konnte man die Menschen einfach in wissende und unwissende, in mehr oder weniger wissende und mehr oder weniger unwissende einteilen. Aber der Spezialist läßt sich in keiner der beiden Kategorien unterbringen. Er ist nicht gebildet, denn er kümmert sich um nichts, was nicht in sein Fach schlägt, er ist auch nicht ungebildet, denn er ist ein Mann der Wissenschaft und weiß in seinem Weltausschnitt glänzend Bescheid. Wir werden ihn einen gelehrten Ignoranten nennen müssen, und das ist eine überaus ernste Angelegenheit, denn es besagt, daß er sich in allen Fragen, von denen er nichts versteht, mit der ganzen Anmaßung eines Mannes aufführen wird, der in seinem Spezialgebiet eine Autorität ist.“ – Univ. Prof. Dr.techn. Reinhard Leithner

 

Vielen Dank für die fundierten Hinweise auf die Gefahr kaum noch zu vermeidender Kipppunkte, die den Klimawandel unaufhaltsam beschleunigen, wenn die Politik sich nicht konsequent von Kohle, Öl und Gas abwendet. Im Hinblick auf den Überfall durch die Corona-Pandemie erlebten wir in Deutschland eine erstaunlich konkrete Handlungsfähigkeit von Politik zu Gunsten der Menschen. JETZT muss der Weg in die 100 % erneuerbare Energie-Zukunft unter Aufbietung aller Kräfte gefunden werden. Seit 30 Jahren sehen wir zu, wie sich die Prognosen erfüllen; wie die Politik die Bedürfnisse von Unternehmen dem Überleben auf unserer Erde überordnet. Anstatt klare Grenzen einerseits und Raum für kreative Veränderungen zur Teilnahme aller Gutwilligen zu schaffen, werden Bürokratiemonster gebaut, um genau dies zu verhindern.

Zu Gunsten der Großunternehmen wird die Teilnahme am Klima-schutz verstellt, obwohl der gravierende Wandel hin zur dritten industriellen Revolution nur durch Motivation möglichst vieler gelingen kann. Es braucht Mut und Entschlossenheit – wie bei Corona – sollen wir nicht ausgeliefert werden. Begleitet durch den Rückzug von Banken, Fonds und insbesondere Pensionsfonds aus Investitionen in die fossile Branche sollte die Politik alle Subventionen in die fossilen Energien abbauen, Ziele aufzeigen, ihre Einhaltung kontrollieren, gesellschaftliche Kosten durch Wetterkatastrophen und „gestrandete Investitionen“ stoppen und uns wieder Hoffnung auf eine erlebbare Zukunft machen. – Andrea Karsten

 

Am Ende seines Beitrages schließt sich sozusagen der Kreis. Denn Rahmstorf schreibt, dass Wissenschaftler wie Kundschafter sind. Und so beschreibt er (ungewollt) auch das Feld des Religiösen, zumindest des aufgeklärten Religiösen. Denn Theologen halten keine Verdammnisreden mehr, und wollen auch nichts vorschreiben, sondern eher „Chancen und gangbare Wege“ aufzeigen. Unwillkürlich denke ich da an die klassischen Bilder des breiten und schmalen Weges, die es in früheren Jahrhunderten gab, und eindeutigkeit vorgaben. Weiterhin gilt, dass ‚moderne‘ Gläubige Zweifeln hegen. Ich verweise da exemplarisch lediglich auf Tomáš Halík.

Dorn haber begeht den schweren Fehler, Religion von heute durch die Brille von früheren Jahrzehnten zu betrachten, denn sie schreibt: „Im Gegensatz zur Religion verdankt die moderne Wissenschaft ihren Erfolg ihrer Offenheit für Zweifel, Kritik und Selbstkorrektur“. Pfui, Frau Dorn! Sie sind hier einer Karikatur heutiger (christlicher) Religion aufgesessen! Machen Sie bitte Ihre Hausaufgaben neu! Den letzten Satz in Rahmstorfs Beitrag lässt sich schließlich auch in religiösem Sinne abwandeln: Manche wünschen sich, dass Kirchenvertreter sich zurückziehen und bei gesellschaftlichen Fragestellungen den Mund halten. Das ist töricht: Denn Minderheitsmeinungen oder Rufer in der Wüste müssen gehört werden – sonst entsteht Mainstreamblindheit. – Rob Maris

 

Stefan Rahmsdorf sieht sich mit seinem Beitrag offenbar in der Pflicht,den früheren Leiter des Instituts in Potsdam hinsichtlich der von ihm vertretenen Forschungsergebnisse nochmals zu bestätigen.Dabei weist er auf die allgemein bekannte Tatsache der Unsicherheit daraus abgeleiteter Entwicklungen hin. Ein wichtiges Anliegen ist ihm auch einen zuvor zum Klima von Thea Dorn veröffentlichten Artikel infrage zu stellen,weil er deren Fragestellung,wann wir jemals die Kontrolle über das Klima gehabt haben würden,als geradezu unzulässig einzuordnen beabsichtigte.

Von außen betrachtet muß ich als Zeitgenosse einer großen Spanne von Jahren schon mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen,wie erbittert die Wissenschaft und die Politik um die dem Klima zuträgliche Methode streiten,wenn es darum geht,die Lebensgrundlagen der Menschen zu erhalten.Schwer vorstellbar bleibt die Wirkung einer CO2 Steuer auf den Verbrauch fossiler Energien. Die Ursachen des Klimawandels mit Methoden dieser Art planmäßig beheben zu wollen,grenzt an Hybris,daher werden wir neben naturwissenschaftlichen Fortschritten und dem Wandel anpassen müssen,weil seine Kontrolle höchst fraglich erscheint. – Heinz-W.Raderschatt

 

Auch wenn uns der Herr Professor gerne glauben machen will, dass Wissenschaftler uns eigentlich nur Fakten (er spricht von Wissen) anbieten würden, aus denen die Gesellschaft und unsere Politiker ihre Schlüsse ziehen müssten, so bin ich doch mehr aufseiten von Thea Dorn, skeptisch zu bleiben und immer auch die vermeintlichen Fakten zu hinterfragen. Wenn Herr Rahmstorf zum Beispiel behauptet, wir hätten den Kontrollknopf für die Klimaerwärmung in der Hand,da diese Erwärmung praktisch komplett von uns verursacht wird, dann kommen mir Zweifel. Die in der Erdgeschichte schon zigmal abgelaufene Erwärmung und anschließende Abkühlung, manchmal von einem komplett eisfreien bis zu einem komplett vereisten Globus – und immer ohne menschliches Zutun – dann steht die Aussage des Professors nicht auf festem Sockel. Und er muss es doch wissen, dass es für den Klimawandel eine ganze Reihe von Kontrollknöpfen gibt, die man noch nicht alle schlüssig erforscht hat.

Dass der Mensch mit seinem Ausstoß von CO2nun aucheinen Kontrollknopf besitzt und die bereits natürlich ablaufende Erderwärmung damit noch beschleunigt, scheint (wissenschaftlich) unbestritten. Ob dies über kurz oder lang zu Kipppunkten führt, die unser Klima in eine Katastrophe (für wen?) führen kann, bleibt indes umstritten. Die Angst, die Klimaforscher verbreiten und die einseitige Behauptung, der Mensch allein sei schuld an der Klimaveränderung (und könne diese aufhalten!), ist nicht hilfreich und zeigt, dass Thea Dorns Skepsis angebracht ist. – Dipl.-Ing.Peter Breuninger

 

„Erkenntnisse und Interesse“, in Abwandlung einer frühen Habermas-Publikation, existierte schon immer. Sowohl bei Thea Dorn wie bei Rahmstorf, dem Antipoden der aktuellen Klimadebatte in der Zeit. Seit den „Grenzen des Wachstums“… jener Furore machenden Publikation des Club of Rome von 1972, der Arbeit der „Brundtland-Kommission“ in den 80er Jahren des 20. Jh., der Weltkonferenz von Rio 1992, von ehemaligen SPD- und CDU – Ministern {Hauff und Töpfer}, die sich für Nachhaltigkeit und Umsteuerung unserer Lebensweise aufgrund von Erkenntnissen einsetzten und 95% aller Wissenschaftler im einschlägigen Fachbereich zum selben Ergebnis gekommen sind – aufgrund empirischer Forschung – geht es jenen um Konsequenzen ihrer Befunde. Verantwortung bedeutet Schlußfolgerungen aus Empirie zu ziehen. Die Behauptung von Dorn, dies sei pure Ideologie, verkehrt Empirie in Ignoranz im Interesse des egoistischen Prinzips. Dahinter kann sich viel verbergen an unterschiedlichen Interessen. Verantwortlich für die Gemeinschaft argumentiert Dorn nicht. – Johannes Klotz

 

Während der letzten Abkühlungsperiode von 1940 bis 1975 warnten uns Klimatologen in ähnlicher Dramatik wie heute vor den Folgen einer neuen Eiszeit. Sie hatten gute Gründe, die Temperaturen sanken, die Gletscher wuchsen und auch menschliche Ursachen waren schnell gefunden. Die grotesken Klimaschutzempfehlungen von damals machen heute noch sprachlos. Es kam anders. Jetzt soll der Planet aus gegenteiligen Gründen gerettet werden. Die Wissenschaft lebt von neuen Erkenntnissen und vom Zweifel, Selbstzweifel des Wissenschaftlers Rahmstorf einmal ausgenommen. In eitler Selbstüberschätzung räumt er Klima- und Coronakrise gleich im Doppelpack ab und schwingt sich zum gottgleichen Weltkontrolleur auf. Wahrheit wird mit Mehrheit im Klimarat gleichgesetzt, Modellprognosen als zukünftige Wirklichkeit betrachtet, der ironische Vergleich mit dem Blick in die Glaskugel nicht als Freudscher Versprecher erkannt. Wo bleibt das selbstkritische Bewußtsein für die wissenschaftliche Hybris aus Fortschrittsglauben, Machbarkeitswahn und Folgenblindheit, die die Ursache unserer globalen Probleme ist. Es kann einem Angst und Bange werden. – Konrad Sauheitl

 

ZEIT Nummer 25 von Frau Dorn – ich war wieder einmal erstaunt, wie die Redaktion einen so dümmlichen und arroganten Artikel durchgehen lassen konnte. Immerhin hat die ZEIT es über sich gebracht, in Nummer 27 die Antwort von Herrn Rahmstorf zu veröffentlichen. Dieser Beitrag ist ein Lehrbeispiel für sachliche und offene Kommunikation. – Christoph Zahrnt

 

Zum Thema Klimawandel fragte Thea Dorn: Hatten wir jemals die Kontrolle? Stefan Rahmstorf antwortet: Ja. Da diese Erwärmung praktisch komplett von uns verursacht wird, haben wir tatsächlich den Kontrollknopf in der Hand. Und er ergänzt: Es wäre unverantwortlich, solche Großrisiken für die Menschheit einfach zu ignorieren. Augen zu und hoffen, dass alles gut geht, ist für mich keine Option. Die Gefahr eines Nuklearkrieges ist das andere ‚Großrisiko für die Menschheit‘, für das die Rahmstorf-Worte gelten sollten. In derselben Ausgabe der Zeit fragen Sie: Was geht in den Menschen vor, deren Beruf das Schlachten ist? Ich frage: Was geht in uns Menschen vor, die wir seit rund 70 Jahren mit dem Risiko eines Atomkriegs, mit der Möglichkeit, sämtliches Leben auf unserem Planeten zu vernichten, leben? Wie real dieses Risiko im kalten Krieg war, wie sehr wir es dem ‚Glück‘ und nicht den ‚klugen‘ Strategen zu verdanken haben, dass wir noch existieren, wissen wir inzwischen. Die damaligen Planungen für einen Nuklearkrieg kennen wir heute.

Die Atomwaffen werden modernisiert, die Schwelle für den Einsatz von Nuklearwaffen gesenkt. Die heutigen Planungen kennen wir nicht, wohl aber die Möglichkeit fataler Fehlkalkulationen. Das Risiko eines nuklearen Armageddon steigt in letzter Zeit wieder. Es ist aber kein Thema? Auch für Die Zeit nicht?? Ist ein Risiko größer als Null akzeptabel? Es ist menschengemacht und wir könnten es beseitigen. „The unleashed power oft the atom has changed everything save our modes of thinking, and thus we drift toward unparalleled catastrophe.“ Das ist ein Einstein-Zitat von 1946, das Daniel Ellsberg seinem Buch ‚The Doomsday Machine‘ voranstellt. Ja, wir brauchen ein neues Denken….welches? Könnte Die Zeit diesem Thema nicht gleichrangig mit der Klimafrage Priorität einräumen?!? Kopf in den Sand stecken ist keine Option?!? – Jochen Wörmer

 

Eindrucksvolle Bestätigung von Thea Dorn (Nicht predigen sollt ihr, sondern forschen!, Die Zeit Nr. 24) Der Einwand von Rahmstorf (Sagen, was wir kommen sehen (Die Zeit Nr. 27) bestätigt die Thesen von Dorn. Der Vorwurf, Dorns Artikel falle durch aggressive Rhetorik und weniger durch Sachkenntnis auf, belegt, wie wenig Rahmstorf das Anliegen von Dorn sieht. Man ist an die Diskussion über die zwei Kulturen von vor über fünfzig Jahren erinnert. Es geht bei Dorn nicht in erster Linie um Fakten, sondern um gesellschaftliche und politische Prozesse. So ist auch Sars-Covid-2 nicht nur ein medizinisches, sondern ein gesellschaftlich-politisches Problem. Das Virus ist biologisch überall gleich. Seine Folgen allerdings sind verheerend unterschiedlich. Die Epidemie ist eben kein von Naturgesetzen gesteuertes Geschehen. Sozialmediziner verstehen das wohl besser als Klimaforscher. Rahmstorf argumentiert an Dorn vorbei. Er kritisiert ihrem Vorhalt, man könne die Kontrolle über das Klima nur verlieren, wenn man sie je gehabt habe. Dabei ist klar, dass die Rede von Kontrolle und Kontrollverlust von beiden in einen je unterschiedlichen Kontext steht. Ist das Eine nun richtiger als das Andere? Vielleicht sieht Dorn klarer als Rahmstorf, dass es immer auch auf den Subtext ankommt.

Im Übrigen argumentiert Rahmstorf vorwerfbar unsauber. Er verteidigt Schellnhubers Bezeichnung der epidemiologischen Modellbildungen als Kristallkugeln, in denen die Zukunft auf Jahre hinaus gesehen werden könne. Dorn habe das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen. Außerdem habe Schellnhuber es selbstironisch verwendet. Beides trifft nicht zu. Dorn bezieht sich auf einen Artikel in Faz Net vom 16.4.2020 „Seuche im Anthropozän: Was uns die Krisen lehrten“. Der Satz von der Zukunftsfähigkeit der Kristallkugel findet sich im Abschnitt „Auf einem anderen Stern“ ohne jeden Anflug von Ironie. Die isolierte Zitierung verfälscht die Aussage nicht, bestätigt sie vielmehr. Rahmstorf hätte das nachlesen müssen, statt nur zu replizieren. – Prof. Dr. Ingo Heberlein

 

Nachdem Frau Dorn auf die Klimaforschung eingedroschen hat, ohne sich zuvor über die Materie kundig zu machen, antwortet der von ihr unter vielen anderen angesprochene Herr Rahmsdorf zwar, doch leider nur allzu zaghaft. Sollte er eingeschüchtert sein oder beruht die zurückhaltende Sachlichkeit auf dem Wunsch, dadurch Frau Dorns absurde Angriffe zu widerlegen? Die Dornschen Angriffe sind die Auseinandersetzung in dem von Herrn Rahmsdorf gewählten wissenschaftlich-zurückhaltenden Stil nicht wert. Herr Rahmsdorf hätte besser daran getan, Frau Dorn von ihrer selbstverschuldeten klimapolitischen Unmündigkeit zu befreien und sie über die Fakten zu informieren, die sie ignorierrt.

Wenn wir das Klimaziel des Pariser Abkommens von 1,5 ° mit einer Wahrscheinlichkeit von nur 67 % erreichen wollen, beträgt das verbleibende Emissionsbudget nach dem Stande von 2018 noch 420 Milliarden Tonnen CO2 – ein Wert, der innerhalb von 10 Jahren überschritten sein wird. Bei einem solchen Zeitrahmen darf sich ein verantwortlich denkender Wissenschaftler nicht entspannt zurücklehnen, sondern muss Alarm rufen. Dabei ist schon die Kalkulation des IPCC mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 67 % verantwortungslos, wenn der Erhalt unserer Zivilisation auf dem Spiel steht. Kein Mensch würde sich auf eine Reise einlassen, wenn die Wahrsacheinlichkeit, dass er heil zurückkommmt, sich auf 67 % beliefe. Von daher ist Herrn Rahmsdorf entschieden zu empfehlen, im öffentlichen Diskurs die professorale Zurückhaltung abzulegen und die farblose Sprache dem Wissenschaftsdiskurs vorzubehalten. Tut er das nicht, wird er seinen ihm als Wissenschaftler gegenüber der Öffentlichkeit obliegenden Pflichten nicht gerecht. – Friedrich Hagemann

 


 

 

Leserbriefe zu „In der Virenschleuder“ von Sebastian Kempkens et al.

 

Nachrichten aus der Fleischverarbeitung in Gütersloh. Haben wir schon die Schuldigen oder schämen wir uns noch? Menschen hinter Bauzäunen. Absperrgitter gegen Corona. Wohnblöcke. Männer mit nackten Bäuchen schauen uns an, aus Fenstern heraus. Lebensmittel über die Absperrungen gereicht. Medizinisches Personal rückt eilig an, in Schutzanzügen. Die Scham blickt uns direkt ins Auge … Wir – essen das Fleisch, das Tönnies verarbeitet, auf die Art, die plötzlich politisch wird. Veganer und Vegetarier sind da raus. Die machen schon lange nicht mehr mit. Bioladen-Kunden auch, die leisten sich das Fleisch von glücklichen Tieren, ohne „schäm dich“ Moment. Im Gespräch ist die Gesellschaft allerdings nicht übers Schämen und Fleischkonsum, sondern über Schuld und Sühne, also Schadensersatz. Tönnies soll damit „Wieder-gut-Machung“ leisten. So versteht das Bürgerliche Gesetzbuch den Sinn von Schadensersatz. Aber was wird dann wieder gut? Dass wir uns nicht mehr schämen müssen!

Wir haben dann Schuldige ausgemacht, stellen Zäune auf, prangern an. So wandert die Scham zu denen hinter den Zäunen … Aber es wird sie geben. Die sich das nicht gefallen lassen und sich wehren. Weil Scham ein so hässliches Gefühl ist. Wären wir überrascht, wenn sie mit Wut reagieren und sagen: Ihr esst doch das Fleisch, das wir hier produzieren!? Ihr wollt es doch so billig wie möglich?! Und dann? Werden wir erneut konfrontiert mit unserem Lebenswandel und unserer Scham. Nur! Wenn niemand die Scham benennt, reden wir weiter über Schuld und Schaden. Ich wünsche mir, dass wir endlich über unsere Werte sprechen und darüber, wie wir leben können, ohne uns schämen zu müssen. Und vor allem nicht die Schwächsten der Gesellschaft!!! Deren große Wut über die Ungerechtigkeit, dass sie sich schämen sollen, statt wir, wird uns sonst ernsthaft das Fürchten lehren! – Jeanne Thon

 

Corona ist und bleibt ein zerstörerisches Virus mit Spätfolgen. Es kann jeden treffen. Regeln müssen deshalb von allen im Volk befolgt werden, egal, ob von jung oder alt, ob von arm oder reich, von einheimischen oder ausländischen Mitbürgern. Wer sich aber nicht dazugehörig fühlt, wer ein Opfer unserer wirtschaftlicher Ausbeutung ist, wird diese Regeln nicht befolgen, zumal diese föderalistisch bedingt zu sehr unterschiedlich und widersprüchlich sind. Und ein Mundschutz, der wie ein Modeaccessoire getragen wird, lenkt vom Ernst der Lage ab. Kommen dann Ordnungskräfte ins Spiel, eskaliert die Situation. Von den einen werden sie verhöhnt und verlacht, von den anderen schließlich mit Gewalt vertrieben. Die Nerven liegen blank bei so viel „buntem“ Durcheinander.

Wir alle brauchen Sicherheit, möchten das Virus sehen können. Was liegt dann näher als die „armen Schweine“ in einem „schweinischen“ Betrieb zu Tätern zu machen, sie wegzusperren wie in Gütersloh, um das Virus loszuwerden. Was da passiert, ist eine riesengroße Schweinerei und „saugefährlich“. Genauso wie in Hochhäusern in Göttingen oder Berlin. Vor dem wachsenden Rassismus, der Gewalt und einem drohenden Bürgerkrieg sollten wir Angst haben, nicht vor den Folgen eines erneuten Lockdown für eine Wirtschaft, die längst hätte umdenken müssen. Nur ein zentraler Lockdown könnte uns alle gleichermaßen wieder erden.

Hütet euch, Tönnies zum Alleinschuldigen für die Verbreitung des Virus zu machen. Die Meldungen aus Lebensmittelbetrieben überschlagen sich aktuell. Endlich kommen die Fließband-Missstände ans Licht. Die Verbreitung durch die Aerosole wird bestätigt. Werden die Menschen jetzt etwa schlauer? Nein, sie reisen auch jetzt in ihren sicherlich wohlverdienten Urlaub mit nur einem Schnelltest auf das Virus, vergessen bei Sonne und Alkohol sämtliche Vorsichtsmaßnahmen. Sie stürmen die Restaurants, ohne sich zu fragen, wie es wohl im Akkord in der Küche abgeht. Dass meist keine Registrierung erfolgt , fällt ihnen allerhöchstens hinterher auf.

Und sie pilgern in die Gottesdienste – die doch bewiesene Mitverbreiter waren-, um verständlicherweise Trost in diesen unruhigen Zeiten zu finden. Wo bleibt die Politik, die doch alle Bürger schützen sollte? Niemand mit gesundem Menschenverstand würde sich vom Kellner ein Stück Brot in den Mund schieben lassen. Keine Vorkosterin im Supermarkt würde Obst aufschneiden und das der Reihe nach jedem in die Hand legen. Und bei der Kommunion hat niemand epidemiologische Bedenken? Laschet bleibt bei seinem Freibrief für die katholische Kirche. Wie lange wohl noch? – Sylvia Heger

 

Zu o. g. Gewerbe gehören nicht nur die Schlachtbetriebe, sondern alles, was mit viel Fleisch zu tun hat. Ist bekannt, daß Nutz- und Haus-Tiere mit Impfstoffen gegen Corona-Viren (noch nicht mit dem derzeitigen Virus) geimpft werden? Ob da eine Kausalität herzustellen ist, die Infektionen mit dem derzeitigen Virus provoziert ? P.S. von Tierärzten weiß ich, daß Corona-Viren bei Tieren nachgewiesen werden können und dagegen geimpft wird, ob nur beim Viren-Nachweis oder standardmäßig, bleibt in der derzeit bestehenden Sachlage in den Schlachtfabriken unerheblich. Nun stellt sich die Frage, ob diese Tatsache eine Kausalität hat zu den Infektionsgeschehen in dem Fleischgewerbe (vom Schlachten bis zur Herstellung von Fleischprodukten) ?

Es soll Test‘ geben, die aussagefähiger sind als die „üblichen“, um die Personen in diesem Gewerbe besser testen zu können. Ich persönlich habe von einigen Personen gehört, daß sie mehrfach mit verschiedenen Ergebnissen in kurzen zeitlichen Abständen (an einem Tag mehrfach, an hinter einander folgenden Tagen) getestet wurden. Man mag sich nicht vorstellen, wie Menschen quasi stigmatisiert werden durch falsche Testergebnisse. Was bringen falsche Testergebnisse, wenn das Virus eh‘ unter uns bleibt, man jedoch nicht sicher davon ausgehen kann, ob der Test nun positiv oder negativ richtig war ? Ich meine, daß diese Fragen, Sachverhalte bekannt und diskutiert werden sollten. – Elfriede E. KLEIS

 

Danke für die ausführliche Berichterstattung. Wir warten gespannt auf selbige zum Thema Kontrolle / Aufsicht. Welche Gründe (außer Personalmangel) und Dimensionen sind für das Versagen der zuständigen Instanzen maßgeblich. Was hat z.B. der ehemalige Regierungspräsident Antwerpes zu diesem Thema unternommen ? – Heinz H. Kurz

 

Ich würde gerne Genaueres und Konkretes über die Subunternehmer, deren Geschäftsmodell, Rechtsform und Gewinne wissen. Bitte mit Namensnennung, Größe und Standort. Welche Verantwortlichkeit haben sie und welche Kontrollmöglichkeiten gibt es? In welchen weiteren Wirtschaftszweigen sind diese Subunternehmer tätig ( z.B. Baugewerbe…)? – Sigrid Karliczek

 

Da nehmen es Autoraser inkauf, einen unbeteiligten Verkehrsteilnehmer zu töten. Hohe Gerichtsinstanzen sehen darin Eventualvorsatz (dolus eventualis). D. heißt: Lebenslang wegen Mord. Da nimmt ein Fleischunternehmer – mit großer Branchenerfahrung und hinreichend Erkenntnissen von der neuen Seuche – ebenso billigend inkauf,dass durch seine Geldgier in seinem Betrieb sowie im regionalen Umfeld Menschen schwer erkranken und sogar sterben können. Wo sind hier Polizei und Staatsanwaltschaft, wo bleiben Festnahmen? Denn U-Haft wäre sicher nötig und gerechtfertigt wegen diverser möglicher Verdunkelungsgefahren und auch wegen Fluchgefahr, z.B. in ein Steuerparadies. Wirkt da etwa ein riesiges Netzwerk von Schalke über die Fleischerbranche bis zur kommunalen Politik. Sind vor dem Gesetz doch nicht alle gleich? – Wolfgang Frings

 

Die Würde des Menschen ist …….. für Herrn Tönnies und Seinesgleichen antastbar. Was zählt ist allein Umsatz und Ertrag. Für diese Haltung muß er menschlich und wirtschaftlich Verantwortung übernehmen. Durch sein Verhalten ist ein Zustand entstanden, der Menschen schwer krank und auch töten kann. Spätestens nach den Vorfällen im Münsterland hätten er und andere konsequent und grundsätzlich handeln müssen. Die Ursachen sind überwiegend seit Jahren bekannt. Ich selbst war 50 Jahre im Bereich der inneren Sicherheit und Ordnung in verschiedenen verantwortlichen Positionen. Deshalb ist mir das Verhalten des Landrates Adenauer völlig unverständlich und er muß dafür die politischen Konsequenzen übernehmen und tragen. Sein Verhalten war aus meiner Sicht nach Münster völlig inkonsequent und unerträglich. Seine Aufgabe als Landrat ist in erster Linie, die Würde des Menschen zu achten und durchzusetzen. Hier hätte gegen Tönnies hart und rechtzeitig durchgegriffen werden müssen. Oder gab es eine zu große Nähe? Wir werden sehen, ob jetzt gegen ein solches rigoroses Werteumdrehen, Geld vor Menschen, auch durch die Politik hart durchgegriffen wird. Ich empfehle einen Untersuchungsausschuß im Land oder im Bund. – Klaus Steffenhagen

 

Ich finde Ihre Artikel bezüglich der Darstellung der Arbeitsverhältnisse in den Fleischfabriken der Firma Tönnies und den Versprechungen von Clemens Tönnies gelungen. Er gibt auch erste Einblicke in die Familienverhältnisse der Tönnies. Meiner Meinung nach wäre es mindestens genauso interessant, einen ausführlichen Artikel über die Politiker zu schreiben, die es seit Jahren versäumen, durch Gesetze diese prekären Arbeitsverhältnisse abzuschaffen. Ich bin sehr dafür, dass die Staatsanwaltschaft alles unternimmt, um die Firma Tönnies gerichtlich zu belangen. Mich ärgert allerdings die Scheinheiligkeit der Volksvertreter, die an den Zuständen mitverantwortlich sind. Jetzt plötzlich scheint es möglich, per Gesetz Werksverträge zu verbieten, wo doch jedem der sich mit diesem Thema beschäftigte, bekannt sein musste, dass das System Tönnies wie viele andere auf Ausbeutung basiert.

Es ist lächerlich und zynisch, dass unsere Landwirtschaftministerin jetzt zum Schluss kommt, dass niedrige Preise für Fleisch zum Problem beitrügen. Das pfeifen die Spatzen seit Jahren von den Dächern. Mir scheint, dass unser demokratisches System an dieser Stelle einen systemischen Defekt hat, indem Politiker außer durch Abwahl nie privat belangt werden, wenn sie Fehlentscheidungen treffen, die uns Bürger im nachhinein Milliarden kosten. Ich erinnere nur an die Bankenkrise. Ich fände es deshalb hochinteressant, wenn Sie zu diesem Thema einen ausführlichen Artikel schreiben würden, der die Komplexität dieser Thematik analysiert und als Ergebnis Verbesserungsvorschläge formuliert. – Prof. Dr. Gerold Schneider

 

Tönnies – Schuld und Scham in der Corona-PandemieMenschen hinter Bauzäunen. Absperrgitter gegen Corona. Wohnblöcke. Männer mit nackten Bäuchen schauen uns an, aus Fenstern heraus. Lebensmittel über die Absperrungen gereicht. Medizinisches Personal rückt eilig an, in Schutzanzügen. Die Scham blickt uns direkt ins Auge … Wir – essen das Fleisch, das Tönnies verarbeitet, auf die Art, die plötzlich politisch wird. Veganer und Vegetarier sind da raus. Die machen schon lange nicht mehr mit. Bioladen-Kunden auch, die leisten sich das Fleisch von glücklichen Tieren, ohne „schäm dich“ Moment. Im Gespräch ist die Gesellschaft allerdings nicht übers Schämen und Fleischkonsum, sondern über Schuld und Sühne, also Schadensersatz. Tönnies soll damit „Wieder-gut-Machung“ leisten. So versteht das Bürgerliche Gesetzbuch den Sinn von Schadensersatz. Aber was wird dann wieder gut? Dass wir uns nicht mehr schämen müssen! Wir haben dann Schuldige ausgemacht, stellen Zäune auf, prangern an.

So wandert die Scham zu denen hinter den Zäunen … Aber es wird sie geben. Die sich das nicht gefallen lassen und sich wehren. Weil Scham ein so hässliches Gefühl ist. Wären wir überrascht, wenn sie mit Wut reagieren und sagen: Ihr esst doch das Fleisch, das wir hier produzieren!? Ihr wollt es doch so billig wie möglich?! Und dann? Werden wir erneut konfrontiert mit unserem Lebenswandel und unserer Scham. Nur! Wenn niemand die Scham benennt, reden wir weiter über Schuld und Schaden. Ich wünsche mir, dass wir endlich über unsere Werte sprechen und darüber, wie wir leben können, ohne uns schämen zu müssen. Und vor allem nicht die Schwächsten der Gesellschaft!!! Deren große Wut über die Ungerechtigkeit, dass sie sich schämen sollen, statt wir, wird uns sonst ernsthaft das Fürchten lehren! – Jeanne Thon

 

In Ihrem Aufsatz „In der Virenschleuder“ schreiben Sie, daß bei Tönnies jährlich 20 000 000 (Zwanzig Millionen) Schweine ihr Leben lassen. Das wäre jährlich 1 Schwein für jeweils 4 deutsche Verbraucher allein aus der Fabrik von Tönnies. Stimmt das? Mir erscheint das unglaubwürdig. Bitte überprüfen Sie doch die Quelle für die zwanzig Millionen und geben Sie mir eine kurze Antwort. – Prof. Joachim Fruböse

 

Ein sachlicher Bericht in aufgeregten Zeiten, und doch hätte ich mir ein wenig mehr Wut gewünscht, nein eigentlich viel mehr Wut, einen Aufschrei! Was zum Teufel lässt uns alle, die Landesregierung(en), die Unternehmerfamilie(n) und die Verbraucher solch ein unfassbar verlogenes Geschäftsmodell hinnehmen? Wieso lässt man es zu, dass Tausende sogenannte Werkvertragsangestellte für den halben Mindestlohn arbeiten? Wieso lässt man es zu, dass, mitten in der Pandemie, während andernorts ganze Theater umgebaut werden um ja den Mindestabstand einzuhalten, alle dichtgedrängt weiter arbeiten, essen, wohnen. Man hat es gewusst und NICHTS unternommen, es einfach laufen lassen.

Das ist nichts weniger als ein einziger Skandal! Ächtet endlich diese Zustände, macht den Laden dicht! Schickt die Arbeitnehmer zurück nach Bulgarien und Rumänien, produziert dort das Fleisch von mir aus unter den gleichen miesen Bedingungen UND kennzeichnet es dann als Billigimport minderer Qualität. DANN kann der Verbraucher mit seinem Kauf abstimmen. Denen es sowieso schon immer egal war, Hauptsache billig, die können dann gern weiterhin diese Produkte kaufen (wir sind ja ein freies Land) aber tut nicht so, als ob es Deutschland ohne diese ins groteske verkehrte Massentierhaltung schlechter ginge. Macht Schluss, ein für alle mal. – Thomas Harnisch

 

Ihre Umfrage ist zu pauschal. Wenn ich bio-fleisch kaufe, bezahle ich schon eher einen angemessenen Preis. Das dilemma der fleischhertellung ist ja jetzt in den nachrichten dargestellt worden . die mäster müssen die tiere länger füttern, bis die schlachtbetriebe wieder arbeiten können und bekommen dann ggf. noch weniger geld, als vorher. auch die frage nach der änderung in der fleischindustrie ist zu pauschal: eigentlich hat man die hoffnung, dass es gravierende änderungen geben wird. an einem bericht de SWR über bio-eier ist einem der appetit selbst an bio-eiern von den grossen LEBENSMITTELKETTEN VERGANGEN: DAS RESULTAT:DIE ÄMTER HABEN GAR NICHT GENUG LÄUTE, um alles genau zu kontrollieren. es ist schon sehr deprimierend. – ThomasHumme

 

Menschenleer ist das ganze Gelände, still und eklig stinkt der Schweineblutsee. Menschen werden gefangen, und am Ende bleibt alles wieder im alten Dreh. Bald ist die Urlaubszeit, Bayern macht sich bereit, macht seine Grenzen sehr dicht, „Niederdeutsch*)“, das mag man hier nicht. Menschenleer ist das ganze Gelände, still und eklig stinkt der Schweineblutsee, alles bleibt billig, ohne irgendeine Wende, alles bleibt wie immer, halt, im alten Dreh. (frei nach: „Leise rieselt der Schnee“ von Harald Emmelmann & Eduard Ebel) *) Niederdeutsch ist eine Sprache in Nordrhein-Westfalen – Riggi Schwarz

 

Die Großschlächterei Tönnies hat saumäßig viel „Schweinedreck“ produziert, aber immer unter den Augen von staatlicher „Obrigkeit“. Für den aktuellen Lockdown trägt Tönnies jedoch keine Schuld, das waren die „Lockdownies“ aus dem „Stall der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen“. Alle Mitarbeiter von Tönnies mussten hingegen sofort zum „freiwilligen Pflichttest“ antanzen, und wurden danach in die „pflichtgemäße Quarantäne“ überführt. Der Normal-Bürger in Deutschland, der erfährt, wie immer überhaupt nichts über den derzeitigen Gesundheitszustand dieser Tönnies-(Leih)Arbeiterschaft. Der bayerische „Ober-Coronavirus-Stratege“ Markus Söder erlässt sogeich ein sogenanntes „Hotelverbot“ für Menschen aus den Landkreisen Gütersloh und Warendorf, die es wagen sollten, hier in Bayern übernachten zu wollen. Davon ausgenommen sind nur die Menschen, die im Besitz eines nigelnagelneuen staatlichen Zertifikat mit dem Vermerk: „Corona-Testung, negativ“, sind. In unserer „grundgesetzfreien Pandemiezeit“ da geht vieles, einfach ruckzuck und hoppla hopp. – Klaus P. Jaworek

 

Wenn die lächerlich anmutende Erzählung stimmt, dass tapfere aufrechte Politiker, wie z.B. der christliche Arbeiterführer Herr Laumann seit Jahren versuchen an den Zuständen in der Fleischindustrie etwas zu ändern und am Einfluss von Wirtschaftsverbänden gescheitert sind ( die doch wohl unter anderen CDU und FDP heißen), dann wird es höchste Zeit, dass wir diesen Einfluss gesetzlich unterbinden. – Dieter Herrmann

 

Ich frage mich in letzter Zeit immer öfter, warum ein Fabrikant namens Clemens Tönnies, der sich schwerer vergehen gegen zahlreiche Arbeitsgesetze Gesetze und unwürdiger Unterbringungsmöglichkeiten seiner Leiharbeiter schuldig gemacht hat und dafür gesorgt hat, dass seine Unterkünfte zu einem Hotspot für den Coronavirus gesorgt haben und praktisch straflos für diese Verbrechen davon kommt. Er hat zwar angeboten für die Kosten der Isolierung seiner Leiharbeiter aufzukommen und.er ist sogar heute von den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden von Schalke 04 zurückgetreten, na und!

Warum traut sich kein Politiker, ich denke dabei besonders an Herrn Laschet, eine Anzeige gegen Herrn Tönnies wegen Totschlags in einem besonders schweren Fall zu erstatten. Dafür sieht unser Strafgesetzbuch eine Mindeststrafe von fünf Jahren vor, in besonders schweren Fällen auch lebenslänglich. Ich fordere darüber hinaus auch die Beschlagnahme sämtliche Vermögenswerte von Herrn Tönnies, die er aufgrund seines habgierigen Vorgehens erlangt hat, zur Abgeltung des unendlichen Leids, dass er über seine Leiharbeiter und deren Familien gebracht hat sowie der Kosten, die der Allgemeinheit entstanden sind durch die gewissenlose Förderung der Pandemie. – Dr. Wolfgang Winkler

 

Ich wundere mich ein wenig, wie zuvorkommend Sie Herrn Clemens Tönnies behandeln! Nicht nur in den Kreisen Gütersloh und Warendorf, sondern auch in Paderborn ist seit vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten bekannt, dass Herr Tönnies mit Hilfe von Subunternehmern ausländische Arbeiter nach Strich und Faden ausbeutet. Da es sich aber um Ausländer – also Nichtdeutsche und Nichtwähler – handelt und der Milliardär Tönnies brav seine Gewerbesteuern zahlt und er außerdem ein paar tausend Euro pro Jahr an die örtliche CDU spendet und er zudem mithilft, uns alle mit billigem Fleisch zu versorgen, werden ihm erst jetzt, seitdem die Bewohner des Kreises Gütersloh wegen Herrn Tönnies persönliche Nachteile erleiden müssen, seine Missetaten nicht mehr so leicht verziehen.

Ich erinnere mich gut daran, dass Herr Tönnies 2019 am Tag des Handwerks in Paderborn die Festrede halten durfte – und alle Anwesenden haben trotz einer Stammtischbemerkung applaudiert (vgl. z. B. https://www.nw.de/lokal/kreis_paderborn/paderborn/22523960_Clemens-Toennies-sorgt-beim-Tag-des-Handwerks-fuer-Kopfschuetteln.htmlundhttps://www.nw.de/lokal/kreis_paderborn/paderborn/22525998_Warum-schweigt-die-Paderborner-Elite-zum-Toennies-Auftritt.html). – Dr. Ulrich Willmes

 


 

 

Leserbriefe zu „Während sie schläft“ von Amrai Coen und Malte Henk

 

Jede Woche bin ich erneut neugierig, was wohl wieder drin steht in der Zeit, wenn ich sie aus dem Briefkasten hole. Immer finde ich gute und sehr gute Artikel darin. Aber nach meinem Dafürhalten verdient das Werk „Während sie schlief“ von Amrai Coen und Malte Henke und der Fotografin Katrin Streicher eine Auszeichnung. Welche Gefahr von diesem Corona-Virus für Menschen ausgehen kann und wie sehr Ärzte und Pfleger ihr möglichstes geben, damit jeder einzelne Erkrankte eine Chance hat, weiter leben zu können, das haben die Autoren auf unglaubliche Art und Weise geschildert. Ich hatte beim Lesen den Eindruck, ich schaue einen Film mit vielen, intensiven, berührenden und sehr nachdenklich stimmenden Bildern. Gerne würde ich alle Menschen verpflichten, dass sie diesen Artikel lesen und erst danach wieder über Corona und die Gefährlichkeit reden. Ich weiß, dass ist undemokratisch und diskriminierend, dennoch… .

Besonders vor dem unsäglichen und handwerklich maximal mittelmäßigen Artikel in der taz über Polizisten, die Müll sind (verkürzte Darstellung) ist ein derartig gut gemachter Beitrag wie der Ihrige fast wie ein Trost. Mir bleibt nur ein Wort: DANKE für die herausragende journalistische Recherche und Arbeit und für die Möglichkeit, dass Redakteure die Zeit und die Freiheit bekommen, über Wochen an einem Thema „dran“ bleiben zu können. Das zeichnet unter anderem Ihre Zeitung aus, von der ich sehr hoffe, dass sie noch lange jeden Donnerstag im Briefkasten liegt und jedes Mal meine Neugierde hervorlockt. – Inge Maisch

 

Ich danke Amrai Coen und Malte Henk für den Bericht von der Intensivstation in Berlin Havelhöhe. Ich habe Ihren Text über die 54jährige Corona-Patientin gelesen – habe mich gesorgt, habe mitgefiebert, mitgelitten.. Sie hat es geschafft!!!! Ich sitze hier an meinem Küchentisch über der ZEIT und mir laufen die Tränen das Gesicht herunter – selten hat mal jemand so echt beschrieben, was dieses Virus wirklich bedeutet. Wunderbar, was unsere Ärzteteams, Schwestern und Pfleger für uns Tag und Nacht leisten! Die Gefahr durch Corona ist für die meisten von uns mittlerweile so alltäglich geworden (Fernseh-Berichterstattung etc.) ..so anonym, so weit entfernt, dass man im echten Leben beginnt die Vorsichtsmaßnahmen zu vernachlässigen. DANKE FÜR’S AUGEN-ÖFFNEN – Ilona Hermanns

 

Was für ein großartiger und berührender Beitrag! Vielen Dank an die Autoren Amrai Coen und Malte Henk. – Karsten Lüthke

 

Ich beschäftige mich seit Monaten beruflich mit der Corona-Pandemie; natürlich berichten wir auch beim SWR intensiv. Ich habe eben das Dossier „Während sie schläft“ gelesen und wollte Ihnen ein kurzes Feedback geben: Dieses Dossier war grandios! Es war verständlich, packend und anrührend zu lesen. Ich neige eigentlich nicht zu emotionalen Ausbrüchen, aber bei der Lektüre dieses Dossiers standen mir die Tränen in den Augen, so sehr hat mich das Ganze bewegt. Ich lese „Die Zeit“ jetzt seit 35 Jahren und dieses ist mein erste Lesermail. Vielleicht freuen sich Amari Coen, Malte Henk und Katrin Streicher ja über das Feedback. Ich gratuliere ganz herzlich zu der gelungenen Recherche! – Dr. Olaf Kapp

 

Ich konnte die Schilderung des Schicksals der Covid 19 Patientin auf Intensivstation oft nur mit feuchten Augen weiterlesen, so hat es mich bewegt. Nachdem ich vor knapp 35 Jahren meine Approbation erhalten habe, konnte ich oft spüren, welche Bedeutung unser Handeln haben kann. An diese Bedeutung haben Sie mich mit Ihrem berührenden Dossier erinnert-dafür danke ich Ihnen! – Dr. Frank Goebels

 

Ich möchte mich ganz herzlich bedanken für den Bericht „Während sie schläft“. Der Text, die detaillierte Beschreibung einer Corona-Erkrankung, hat mich sehr berührt, so dass ich weinen musste. Das sollten alle Corona-Leugner und diejenigen, die jetzt alles wieder so sorglos und locker sehen, lesen. Meine Schwiegertochter war auch – in Hannover – an Corona erkrankt, was erst nach drei Monaten durch einen positiven Antikörpertest festgestellt wurde. Zuvor glaubte ihr niemand und sie musste alles – mit Mann im Homeoffice und einem lebhaften Kleinkind in einer 2-Zimmer-Wohnung – durchstehen ohne ärztliche Hilfe. Wenn man jemand Betroffenen in der eigenen Familie hat, sieht man Corona etwas anders als die, die jetzt nach Lockerungen schreien. Danke nochmal. – Helma Benke

 

Gegen Ende Ihres sehr interessanten Artikels berichten Sie von den neurologischen Störungen der Patientin. Gestatten Sie mir dazu bitte eine vielleicht erhellende/ergänzende Anmerkung. Ich war 2011 am damals grassierenden EHEC-Bakterium schwerst erkrankt (.u.a. auch mit üblen neurologischen Störungen) und lag damit 7 Wochen auf der Intensivstation, davon 5 beatmet/sediert. Als ich wieder im Leben zurück war, hatte ich schweren Tremor an den Armen/Händen, Geruchswahrnehmungsstörungen und dieses beschriebene Zehengefühl. Der Tremor war schon während der Reha wieder verschwunden, Geruchsstörungen (interessanter, aber wechselnder Art) und das flaue Gefühl an den Zehen beider Füße sind jedoch bis heute geblieben (sicher kein Trost für Frau „Liebig“). Ich denke aber, dass diese Effekte nicht direkt mit der Grunderkrankung zu tun haben, sondern mit der durch den längeren Intensivstationsaufhenthalt erworbenen Critical Illness Polyneuropathie (CIP) – was natürlich auch nicht so lustig ist. Nochmals danke für den Bericht – Ulrich Flörke

 

Ich möchte mich einfach nur bedanken für das Corona-Dossier, klasse Arbeit! – Dr.Baur

 

Ich möchte sie ausdrücklich für ihren Artikel „Während sie schläft“ loben. Er vermittelt sehr eindringlich, wie Ärzte, Pfleger, Familie, …. lernten und immer noch lernen, mit Sars-CoV-2 umzugehen, welche Probleme es gab und wie sie gelöst wurden. – Klaus Rozinat

 

Der Bericht über Maria Liebigs Aufenthalt auf der Intensivstation Havelhöhe hat mich tief bewegt und zu Tränen gerührt, habe mitgefiebert beim Auf und Ab Ihres Zustandes ob sie es schaffen wird. Eine großartige Leistung des gesamten Ärzte- und Pflegeteams und natürlich auch ihrer Familie! – Regina Schmidt

 

Ich möchte den Verfassern A.COEN und M.HENK meinen allergrößten Respekt bekunden, sie haben nicht nur sehr informativ sondern auch sehr bewegend diese Zeilen geschrieben und damit auch einen besonderen Coronaeinblick gestaltet, der mich von Herzen gerührt hat. Meine Tochter ist auch Intensivkrankenschwester am Wiener AKH, deswegen auch meine besondere Anteilnahme an der Geschichte. Mein Respekt auch für das medizinische Team, dass so viel Menschlichkeit im Vordergrund bezeugt. Ich bin sehr froh, die Zeit seit Jahrzehnten zu lesen. – Werner Willimek

 

Gratulation den beiden Autoren und der Fotografin, die in tage- und nächtelanger Präsenz in der Klinik die Behandlung und Pflege einer schwer am Corona-Virus Erkrankten verfolgt und dokumentiert haben. Sie müssen eine enorme physische und psychische Belastung durchgemacht haben, ähnlich den Ärzten und Pflegern, deren Arbeit eindringlich und nachfühlbar dargestellt wird. Minutiös werden Behandlungsschritte dargestellt und begründet. Für den Leser, der oft ein medizinischer Laie ist, eine nicht geringe Herausforderung, was das sich Einlassen auf ärztliches Know-how und medizinischen Fachjargon angeht. Aber das kommt nicht dozierend daher, sondern nimmt den Leser ernst und bleibt leserfreundlich. Dem Leser wird bewusst, dass das Corona-Virus unberechenbar ist, was Schweregrad und betroffene Organe angeht. Und dass die Ärzte immer wieder Suchende und Reflektierende sein müssen. Der Beitrag ist auch ein leuchtendes Beispiel von „embedded journalism“, er bewirkt ungefiltertes Miterleben auf Leserseite. Und ein Letztes: Er ist spannend wie ein Krimi. – Heinz van de Linde

 

Eine aufwühlende Krankengeschichte, drei DIE ZEIT-Seiten wert! Die Schilderung eines Einzelschicksals gewährt uns viel tiefere Einblicke in eine neue Krankheit, als es die alleinige Auflistung aller anonymen Corona-Intensivpatienten und -Todesfälle je vermag! Die für die meisten von uns unsichtbar bleibt und lediglich unser gewohntes Leben einschränkt! Wieder einmal lernen wir, diesmal aus professoralem Munde: der Mensch ist kein Auto! Da wird ein Schaden ausgebessert oder durch ein Ersatzteil behoben, und die Karre läuft wieder wie zuvor! Um ein Wievielfaches komplizierter aufgebaut ist dagegen der Mensch, jeder ein Unikat, durchzogen von einem Gefäßsystem, dessen feinste Ausläufer auch die kleinste Nische unseres Körpers erreichen!

Auf diesen Transportwegen können nicht nur lebensnotwendige Stoffe, Medikamente, Abwehrzellen, sondern auch Gifte, Krebszellen, Krankheitserreger grundsätzlich in jeden Winkel, jede Zelle gelangen! Sonst harmlose, opportunistische Keime, gefürchteter allerdings sog. „Krankenhauskeime“, können eine bestehende virale Infektion massiv verschlimmern; selbst unser Immunsystem kann plötzlich seine Abwehrstrategie ändern und sich gegen körpereigenes Gewebe richten! Ein umsichtiger Arzt wird deshalb nicht nur alles medizinisch Mögliche für das hauptbetroffene Organ (etwa die Lunge) tun, sondern die Ausweitung der begrenzten Krankheit, auch die Auswirkungen seiner Therapie, auf den gesamten Körper zu erkennen, bestenfalls zu verhindern versuchen!

Gewünscht hätte ich mir noch eine Frage an die behandelnden Intensivmediziner, warum in ein und derselben Familie so unterschiedliche Krankheitsverläufe auftraten? Hatte die Ehefrau doch, nicht besonders beachtete, Vorerkrankungen; waren ihre Atemwege vorgeschädigt; nahm sie bestimmte Medikamente ein; litt sie unter besonderem Streß? Vielleicht gibt es ja auch gar keine Gründe für unterschiedliche Verläufe, oder wir können sie nur noch nicht erkennen? Viele offene Fragen, die durch Langzeituntersuchungen und -beobachtungen, auch sog. Genesener, beantwortet werden müssen, um ständig die Therapie für Neuerkrankte zu verbessern; viel Stoff für Themen von Doktorarbeiten, die nicht nur der medizinischen Forschung, sondern gerade allen (künftigen) Coronapatienten nützen würden! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 

Tief beeindrückt danke ich Ihnen für diesen Beitrag. Der ärztlichen und pflegerischen Leistung haben Sie eine einmalige journalistische Leistung hinzugefügt. Nochmals – danke. – Horst-Günther Falkenhan

 

Überwältigende Klarheit In meinem langen Leben (72 Jahre) und ewig langer ZEIT-Lektüre ist es mir noch niemals geschehen, dass mich beim Lesen der ZEIT (hier das DOSSIER) Tränen in die Augen traten. Was ist das für eine überwältigende Reportage. Getragen von einer Empathie, die den Leser wahrhaftig mitnimmt. Was ist diesem Text zu wünschen? Er sollte all jenen Idioten, die auf lächerlichen Anti-Corona-Demonstrationen auftreten und die Relität von COVID-19 leugnen, zum Lesen gegeben werden. Ich fürchte nur eins: Diese Demonstrationsteilnehmer werden häufig gar nicht des Lesens mächtig sein! – Marcus Schlüter

 

Wie können Sie bei einem so liebevoll und gut recherchierten Artikel unterschlagen, daß die Havelhöhe ein Anthroposophisches Krankenhaus ist!? als Lehrkrankenhaus der Charité, das einen großen Beitrag zur Berliner Regelversorgung leistet, und auch aus eigenem Ansatz hat die Medizin hier höchstes internationales leitlinienorientiertes Niveau und zusätzlich den integrativen und pflegenden Ansatz der Anthroposophischen Medizin. dies nicht zu erwähnen, ist kein zeitgemäßer Journalismus. – suse von schwanenflügel

 


 

 

Leserbriefe zum Titelthema „Der Wert der Sprachen“ von Stefanie Kara et al.

 

Ein hervorragender Artikel zum Thema: „Der Wert der Sprachen“. Aber Herrn B. Strassmann kann ich nicht zustimmen, wenn er schreibt: „Es gibt nur einziges Land auf der Welt, wo man gar nicht erst versuchen sollte, die Sprache der Einheimischen zu sprechen.“ Ich habe einige Jahre in der Schweiz Beruflich gelebt und mir sowohl im Berner Oberland, als auch im Wallis die Sprache der Einheimischen angeignet. Ich hatte dadurch viele nette Kontakte, saß oft mit am Stammtisch der Einheimischen (was eine Ehre war) und sogar langjährige Freundschaften entstanden, die ohne Aneignung der jeweiligen Landessprache nicht zustande gekommen wären. Gerade im Wallis ist es mancherort sehr schwierig mit den Einheimischen auf eine Wellenlänge zu kommen, aber hat man es geschafft dann stehen einem alle Türen offen und erlebt die Schweiz aus einer ganz andereren Sicht. Die Schweizer waren immer Gastfreundlich, stets für ein Gespräch offen und niemals abweisend, was aber ohne Aneignung der Sprache oft nicht möglich gewesen wäre – vielen Dank dafür. Sicherlich kann man nicht alle Schweizer Dialekte erlernen, insbesondere das Rätoromanische, aber einen Versuch ist es wert. – Herbert Moosdorf

 

»Meine Sprachen bewahren mich vor der Selbstgefälligkeit, zu denken, meine Weltanschauung sei die einzige und unfehlbar. Sie helfen mir, den Grenzen meiner eigenen Welt zu entkommen«, sagt die Linguistin Aneta Pavlenko. Da hat sie einen ganz wichtigen Punkt, Womöglich hilft er zu verstehen, warum in einigen Regionen Deutschlands Fremden- und Demokratiefeindlichkeit, Verschwörungstheorien sowie allgemeine Intoleranz so verbreitet sind. Diese Regionen dürften sich in großen Teilen mit denen decken, in denen wegen politischer und kultureller Abschottung in den vergangenen Jahrzehnten das Erlernen von Fremdsprachen keine auf breiter Basis gepflegte und geförderte Kulturtechnik war – auf dem Weg der Erziehung mit Folgen bis in die jetzt heranwachsende Generation. Das würde einiges erklären. Zugespitzt könnte man auch sagen: Je umfassender in einer Personengruppe Fremdsprachenkenntnisse verbreitet sind, um so weniger wahrscheinlich ist es, dort Arschlöcher anzutreffen. – Torsten Kohlschein

 

In der Schule mit grottenschlechten Sprachnoten bestraft, lernte ich in 3 Monaten in Frankreich die französische Sprache, war stolz, als ich dieses „Ca va?“ lässig wie ein Franzose hinbekam und mir das Zugehörigkeitsgefühl durch Sprache erlaubte, mich wie ein Teil des Landes, seiner Menschen und Kultur zu fühlen. Dieser Aspekt der Glückseligkeit, mit Menschen anderer Länder verbunden zu sein, die Sprache so einzigartig schafft, fehlte mir – bis auf den letzten Satz – in Ihrem etwas nüchternen Artikel. Ich hätte gerne zu dem Thema weitergelesen! – S. Jungbecker

 

Von der Unerlernbarkeit von Dialekten – zum Artikelchen „Frieten en een pilsje!“ von Burkhard StrassmannDer Autor schreibt, die Schweiz sei das einzige Land, in dem man nicht versuchen sollte, die Sprache der Einheimischen zu sprechen, das werde nur für „anbiedernd“ gehalten. Vermutlich meint er damit „Schwyzerdütsch“, wahrscheinlich nicht Französisch, Italienisch oder Rätoromanisch (was ja auch Sprachen von Einheimischen der Schweiz sind!). Ich würde dagegen postulieren: Aus irgendeinem Grunde wird das Erlernen von Dialekten in vielen Ländern der Welt von deren Sprechern als „anbiedernd“ empfunden – egal, ob es sich dabei um südbadisches Alemannisch, Sächsisch, Cockney-English, der Dialekt der Normandie oder eben um Schwyzerdütsch alias Schweizer Alemannisch handelt. Ich selbst als Sprecher des badischen Mischdialektes von Pforzheim empfinde das ganz ähnlich, ohne dieses Gefühl wirklich klar begründen zu können. Es mag an einem unterbewussten Minderwertigkeitskomplex der Sprecher von Dialekten liegen, dass es als nicht nur als „anbiedernd“ sondern sogar als herablassend empfunden wird, wenn ein Sprecher der sogenannten Hochsprache versucht, Dialekt zu sprechen. Es könnte auch daran liegen, dass Dialekte im Grunde recht exklusive Soziolekte sind, die die Zugehörigkeit zu einer bestimmten regionalen Gruppe kennzeichnen, zu der man nicht jeder und jedem ohne Weiteres Zugang gewähren will.

Interessanterweise gilt diese Exklusivität der Dialekte aber anscheinend nicht für Zweitsprachler. Wenn meine indonesische Ehefrau ihre Zweitsprache Deutsch mit „e bissle“ badischem Dialekt spricht, finden das sowohl Badener als auch Norddeutsche zumindest sehr süß. Ähnliches wird mir von Indonesiern aus der Schweiz berichtet. Wenn ich selbst Indonesisch mit javanischem Akzent spreche, kann das anscheinend meinen deutschen Akzent so stark überdecken, dass ich zumindest am Telefon schon für einen waschechten Javaner gehalten wurde – zumindest von Balinesen. Ob sich die Dialekte diese Exklusivität künftig noch leisten können? Leider werden Dialekte in der globalisierten Welt immer mehr zurückgedrängt, Schwyzerdütsch und Bayrisch erfreuen sich zwar noch großer Beliebtheit, französische Dialekte hingegen scheinen umso mehr vom aussterben bedroht. Da wäre es nur wünschenswert, dass den „reingeschmeckten“ an der Volkshochschule Dialektkurse angeboten werden und sich die Einheimischen auch über radebrechende Dialektbemühungen ehrlich freuen – so wie sich z.B. Niederländer über mein radebrechendes Niederländisch und Schweizer Rätoromanen über mein „Buon Di!“ und „Grazia fitsch“ freuen. Das wäre sicher ein wertvoller Beitrag zum Glück des Verstehens der Völker, nicht nur in der Schweiz. – Christian Goßweiler

 

Abgesehen von Redewendungen gibt es in Sprachen, die einer völlig anderen Logik und (Kultur-)Geschichte folgen als das Deutsche, auch einzelne Worte, die man – wenn überhaupt – nur unzureichend und eigentlich nur mit Erklärung übersetzen kann. Es ist wie die Autoren sagen: Hier muss Kultur mitübersetzt werden! Diese Differenzierung können Maschinen allein (noch) nicht übernehmen. Der Fakt, dass z.B. beim Arabischen die in den Ländern gesprochenen Dialekte teils deutlich von der Hochsprache abweichen, macht ebenso deutlich: Hier müssen noch Menschen ran! Und so bin ich guter Dinge, dass mein Studium der Arabistik nicht nur mich persönlich bereichert, sondern auch noch Zukunft hat! – Melina Aboulfalah

 

Sehr geehrte Stefanie Kara und Stefan Schmitt, mit großem Interesse las ich Ihren Artikel. Sie selbst bieten ein wunderbares Beispiel für die Notwendigkeit des Sprachenlernens und des Eintauchens in eine andere Kultur. Als aus dem Französischen übersetzte Bildunterschrift zur Weinflasche mit dem Glas heißt es bei Ihnen: Wenn der Wein entkorkst ist, muss man ihn trinken.Das ist jedoch eine falsche Übersetzung, denn tirer le vinbedeutet den Wein vom Fass auf Flaschen ziehen und nicht von der Flasche ins Glas gießen.Vergleiche dazu das Lexikon Le Petit Robert: Tirer le vin (du tonneau). « Quand le vin est tiré, il faut le boire : il faut supporter les conséquences de ses actes.Schlussbemerkung: Mit 77 Jahren hoffe ich, noch lange von meinem Fremdsprachenerwerb zu profitieren. Ich habe in meinem Leben Englisch, Französisch und Italienisch gelernt und finde es wunderbar mit anderen Menschen in diesen Sprachen zu kommunizieren und in die anderen Kulturen einzutauchen. – Ralf Böckmann

 

Wenn wir uns an die Übersetzungsapparate gewöhnen, und keine Fremdsprachen Mehr lernen, dann verlieren wir die Fähigkeit vielleicht sogar überhaupt zu lernen. Die Natur ist da wahrscheinlich sehr brutal. Was nicht mehr gebraucht wird, wird ausgemerzt. Davon bin ich überzeugt. Fragen Sie mal herum sehr, wirklich sehr viele Menschen Haben ihren Orientierungssinn verloren wegen der Navis. Das ist Fakt. Ärzte klagen darüber Dass Chirurgen nicht mehr gut „nähen“ können, weil das duch Computer ersetzt wird. Ich Glaube, dass wir uns in unserer heutigen Bequemlichtkeit nicht darüber bewusst sind, was alles Sich zurück entwickelt bei uns. Die Liste der verschwindenen Fähigkeiten ist lang, heute schon sehr lang. – Manfred Mengewein

 

Liebe Erasmus-Stipendiatinnen. Als zukünftige Elite Europas sollt Ihr andere Länder und Völker aus persönlichem Erleben kennen und verstehen lernen. Das gelänge am besten in der Sprache des Gastlandes. Statt dessen bleibt Ihr unter Euch, verständigt Euch auf Englisch, macht Euch auf Kosten der Steuerzahler eine schöne Zeit und bleibt abgehoben vom schlichten Alltag vor Ort. Frau Mayr – danke für Ihren ehrlichen Beitrag! – Uli Hildebrand

 

Mit großem Interesse haben wir den Artikel zum Fremdsprachenlernen gelesen, in dem Sie auch die aktuelle Forschung zu möglichen kognitiven Vorteilen von Zweisprachigen zitieren, wie sie u.a. von Ellen Bialystok durchgeführt wird. In der Tat scheint die Hypothese des „bilingual advantage“, nach der Zweisprachige bessere kognitive Leistungen zeigen als Einsprachige, allmählich aufgegeben zu werden – Herrn Clahsen aus Potsdam und der Britischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften ist daher wohl beizupflichten.

Interessanter als das Problem, ob zweisprachige Gehirne tatsächlich anders funktionieren als einsprachige, ist aber wohl, weshalb diese Frage seit fast 100 Jahren immer wieder in Wissenschaft und Öffentlichkeit diskutiert wurde, und zwar mit ganz unterschiedlichen, teilweise konträren Ergebnissen. In dem von der VW-Stiftung geförderten Forschungsprojekt „Demystifying multilingualism“ haben wir Publikationen aus dem Bereich der Kognitiven Psychologie analysiert, die sich mit psychometrischen Methoden (d.h. auf der Grundlage von Intelligenztests oder anderen standardisierten Testverfahren) mit möglichen Vor- oder Nachteilen von Zweisprachigkeit befassen. Unser Ziel bestand darin, unhinterfragte Grundannahmen über Sprache(n) und ihre Rolle für Individuen und Gesellschaften herauszuarbeiten, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Interpretation ihrer Daten gelenkt haben, und die stets auch vom Zeitgeist und den soziopolitischen Umständen beeinflusst sind. Wie sich gezeigt hat, haben solche Sprachmythen die Forschung in ganz entscheidender Weise geprägt.

Als Psychologen in den 1920er Jahren in Wales damit begannen, ein- und zweisprachige Kinder verschiedenen Arten von Intelligenztests zu unterziehen, stellten sie erhebliche Defizite bei den Bilingualen fest. Begründet wurde dies mit einer inneren Zerrissenheit und Entwurzelung, denn – so die allgemeine Überzeugung zu Zeiten von Nationalismus und Imperialismus – dadurch dass die Sprache ein konstitutives Merkmal der Nation ist, kann sich der menschliche Geist nur dann zu einem organischen Ganzen ausbilden, wenn er vollends in der nationalen Sprache und Kultur aufgeht. In Analogie zur Rivalität der Nationalstaaten stellte man sich die Koexistenz der Sprachen in den Gehirnen von Bilingualen als ständigen Kampf vor, der ähnlich desaströse Folgen für die geistige Entwicklung nach sich zog wie die militärischen Auseinandersetzungen jener Zeit für die Gesellschaften. Im Übrigen identifizierte die walisische nationalistische Bewegung zu derselben Zeit, als diese Studien publiziert wurden, die Sprachpolitik als ihr wichtigstes Handlungsfeld und forderte einsprachige Schulbildung in walisischer Sprache, zumindest bis zum 9. Lebensjahr der Kinder.

Während die Gefahren von Zweisprachigkeit auch in den 1930er bis 1950er Jahren zum vermeintlich gesicherten Wissen gehörten, setzte Anfang der 1960er Jahre ein Umdenken ein: In einer viel beachteten Studie stellten die kanadischen Psychologen Peal und Lambert fest, dass englisch-französisch Bilinguale aus Montreal wider Erwarten besser in Intelligenztests abschnitten als Monolinguale. Dies wurde mit einer größeren geistigen Flexibilität begründet, da Bilinguale gewissermaßen zwischen zwei Sichtweisen auf die Welt hin- und herwechseln und Sachverhalte daher aus verschiedenen Perspektiven betrachten können. Dieses Umdenken in der Wissenschaft wäre sicherlich ohne den Multikulturalismus nicht möglich gewesen, der zeitgleich aufkam und sich vor allem in Kanada zu einer wichtigen geistigen und politischen Strömung entwickelte.

Auch die neuere Forschung der Kanadierin Ellen Bialystok ist in übergeordnete Prozesse der Wissensproduktion eingebunden und spiegelt die Werteorientierungen westlicher Gesellschaften seit den 1990er Jahren wider. Im Zentrum von Bialystoks Modellierung steht der Begriff des Wettbewerbs: Dadurch, dass die Komponenten zweier Sprachen im Gehirn miteinander wetteifern, um bei der Sprachproduktion zum Zuge zu kommen, wird der im Artikel genannte „Generaldirektor“ trainiert. So, wie die Psychologen der 1920er Jahre ihr Modell von Zweisprachigkeit auf eine herausragende soziale Erfahrung gründeten – nämlich Rivalität und Krieg zwischen Nationen – projiziert Bialystok eine grundlegende Erfahrung des modernen Zusammenlebens auf die Koexistenz und Interaktion verschiedener Sprachen im Gehirn.

Dass das Propagieren von Mehrsprachigkeit als Wundermittel, wie Sie es formulieren, einen Trend zur zweisprachigen Erziehung nach sich zieht, kann in Gesellschaften, die unter dem Zeichen der Selbstoptimierung für den neoliberalen Wettbewerb in einer globalisierten Welt stehen, kaum verwundern. Wohlgemerkt sind dabei vor allem Bildungsprogramme mit prestigeträchtigen Weltsprachen wie Englisch oder Französisch nachgefragt, während Mehrsprachigkeit mit kleineren oder gar stigmatisierten Sprachen von z.B. Migranten kaum wertgeschätzt wird.

Wales, Katalonien, Kanada: Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass diese Forschungsrichtung gerade in nationalen Kontexten groß wurde, die eine lange und oft konfliktträchtige Geschichte mit Mehrsprachigkeit vorweisen können. Kanada, der Wirkungsort sowohl von Peal & Lambert als auch von Bialystok, verfolgt beispielsweise seit den 1970er Jahren eine in der Verfassung verankerte Politik des Bilingualismus und Multikulturalismus (genannt „Multiculturalism under a Bilingual Framework“), die sich das Land einiges kosten lässt und immer wieder gegen politische Widerstände verteidigen musste. Selbst wenn die Forschung zu kognitiven Vorteilen des Bilingualismus zunächst nur den Anspruch eines psychologischen Erkenntnisgewinns stellt, ist sie in mehrsprachigen Gesellschaften notwendigerweise mit politischen Debatten und Konflikten verwoben.

Obwohl das Forschungsfeld in den letzten 100 Jahren eine komplette Kehrtwende vollzogen hat, scheinen einige Grundannahmen kaum hinterfragt zu werden: Dass die Einsprachigen die „Normalen“ und die Mehrsprachigen die „Exoten“ seien, dass die Beherrschung mehrerer Sprachen „schwierig“ sei, dass nur solche Menschen als mehrsprachig gelten können, die alle ihre Sprachen im Kindesalter erworben haben und perfekt beherrschen, und dass das Nebeneinander von Sprachen notwendigerweise Konflikt zwischen Sprachen bedeute. Alle diese Mythen kann man aus gutem Grund in Zweifel ziehen – allein deswegen, weil Mehrsprachigkeit global betrachtet eher die Regel als die Ausnahme darstellt. Den Wert der Sprachen indes berührt dies alles nicht – davon hat Hermann Schnitzler wohl mehr verstanden als viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. – Prof. Dr. Silke Jansen und Team

 

„Damit wir uns richtig verstehen“. Über diesen Artikel habe ich mich sehr gefreut, er hat mir aus de, Herzen gesprochen (was natürlich wörtlich genommen nicht stimmt). Ich bin fast 69, habe bis vor etwas mehr als 2 Jahren für über 13 Jahre in China gelebt und gearbeitet (falls es Sie interessiert: siehe meine Webseite unten in der Signatur). Ich kam also neben Englisch und Französisch (beide „Zweit“-Sprachen fließend, verhandlungssicher und für wissenschaftliche Diskussionen – ich bin forschender Chemiker und Technologie-Unternehmer – sowie frei gehaltene Vorträge mehr als ausreichend) nun in eine vollkommen anders-sprachige und -kulturelle Umwelt. Ich entschloß mich sofort, trotz der extremen geschäftlichen Anforderungen (als international Unternehmer und Wissenschaftler war ich vieles an extremen Arbeitszeiten und Herausforderungen gewohnt, aber China konnte das spielend um einen großen Faktor toppen) die Sprache zu lernen.

Ich entschied mich auch – entgegen dem üblichen Verhalten der meisten Expats in China -, überhaupt keine Beziehungen zu anderen Expats aufzubauen, sondern ausschließlich zu Chinesen. Also schloß ich mich zuerst einer, dann zwei und dann drei Fußballmannschaften an, dort jeweils ausschließlich Chinesen, ich spielte mittwochs nachts, samstags und sonntags am Nachmittag bzw Abend. Nach diesen Wochenendspielen trafen wir uns immer zum essen (und Bier trinken) im Restaurant. Meine Freunde drängelten mich sehr, die Sprache besser und schneller zu lernen – ich war ihnen zu langsam (kein Wunder, weil ich nur 1x / Woche 2 Stunden Unterricht nahm, sonst täglich 14 bis 18 Stunden arbeitete und extrem viel zu Kunden in ganz China reiste). Nach und nach aber konnte ich mich immer besser verständigen, was nicht nur unseren Unterhaltungen beim Fußball und danach extrem gut tat, sondern auch meinen geschäftlichen Beziehungen: während ich anfänglich (weil ich eine von mir erfundene neuartige und ausländische Technologie einführte, die meine Kunden und potentiellen Kunden nicht verstanden) eher lästig war, wurde ich immer anerkannter und schließlich immer gefragter.

Nach etlichen mühseligen Jahren mußte ich nicht mehr um Termine betteln, sondern wurde bettelnd angefragt, ob ich nicht mal wieder vorbeikommen könne zu einer Technologie-Diskussion über neuartige aufgetretene Probleme oder Ideen. Nur mit Hilfe der Sprache – die ich nach etlichen Jahren einigermaßen meisterte, so daß ich sogar frei technologisch-chemisch diskutieren konnte und auch gelegentlich Vorträge auf chinesisch hielt – gelang es mir, eine starke und führende Marktstellung gegen eingeführte Großunternehmen zu erringen, und vor allem: diese ganz andere Kultur wenigstens ansatzweise zu verstehen. Ich lernte unglaublich viele Menschen kennen, etliche davon sind auch heute noch meine Freunde, wir sind in engem Kontakt, obwohl ich zurück bin in Deutschland.

Vor 4 Jahren machte eine meiner 3 Fußballmannschaften mit mir eine Reise nach Deutschland, ich hatte nach vielen Diskussionen das Programm entworfen, kein chinesisch-typisches Reiseprogramm „10 Städte in 5 Ländern in 5 Tagen“, sondern 8 Tage nur in Norddeutschland in nur 2 Hotels, u.a. mit 1 Tag auf meinem Bauernhof (Kattendorfer Hof), mit Paddeln auf der Wakenitz Richtung Ratzeburger See und einer Wanderung im Duvenstedter Brook in Hamburg, aber auch 1 Tag in Berlin mit Besuch der Mauer und des Bundestages sowie des Olympiastadions. – als „Reiseleiter“ hatte ich viele Probleme auf chiensisch und deutsch zu lösen, es war ungeheuer lehrreich, nicht zuletzt unser Besuch eines Fußballspiels des HSV gegen Bayern München, als der HSV noch in der 1. Liga spielte, und wir uns Karten beschaffen mußten mit allen Komplikationen, die man sich dabei vorstellen kann – aber erfolgreich! – und nicht zuletzt haben mir meine Sprachkenntnisse geholfen, in China auch als Tourist zu reisen, aber ganz anders als durchschnittliche Chinatouristen, mit meinem eigenen Plan, auf eigenen Wegen, auf meine Weise.

Interessant fand ich eine Reihe von Aspekten beim Erlernen der chinesischen Sprache: ein Wechsel zwischen Englisch, Deutsch und Chinesisch war für mich kein Problem, ich konnte mit 3 Personen, die nur jeweils dieser Sprache mächtig waren, an einem Tisch sitzen und alles gegenseitig übersetzen. Wenn ich aber französisch sprechen wollte, versagte mein Gehirn fast komplett: ich konnte französisch verstehen, aber wenn ich antworten wollte, kam chinesisch heraus, und ich merkte es manchmal nicht einmal. Erst nachdem ich aus China zurückkehrte und wieder 3x in Frankreich war, kam mein Französisch teilweise wieder aus den verschütteten Tiefen zurück. – als ich das erste Mal wieder in Frankreich war, bemerkte ich, daß ich im Kopf nicht vom Deutschen ins französische übersetzte, sondern vom Chinesischen ins Französische!

(in früheren Jahren habe ich französisch gedacht und geträumt, wenn ich in Frankreich war) – bei meinem 3. Mal in Frankreich (wg einer internationalen Kranichforschungs-Konferenz, ich erforsch(t)e nebenberuflich Kraniche) mußte und konnte ich sogar im 4-Eck sprechen und übersetzen: deutsch (meine Lebensgefährtin) / englisch / französisch / chinesisch (ein chinesischer Kranichforscher), es war schwer, aber ich schaffte es; – ich pflege auch jetzt noch meine chinesischen Sprachfertigkeiten durch regelmäßige Kurse 1x / Woche mit einer in Deutschland lebenden und hier verheirateten Chinesin, sie wundert sich, daß ich nach wie vor nach etwa 1/2 oder 1 Stunde einfach spreche (ich merke dann auch, daß ich nicht mehr übersetze, sondern chinesisch denke), ich wundere mich darüber nicht minder; – noch mehr erstaunt sie, daß ich schon gelegentlich auf chinesisch geträumt habe, sie aber, die seit 10 Jahren in Deutschland lebt, einen deutschen Mann hat, eine in eine ganz normale deutsche Schule gehende 10-jährige Tochter hat, noch niemals auf deutsch … Das erzähle ich Ihnen als Unterstreichung der Aussagen, die ich in Ihrem großartigen Artikel gelesen habe, vielen Dank! – Dr. Bernhard Weßling

 

Ich habe den Artikel „Damit wir uns richtig verstehen“ (Die Zeit, Nr. 27, 25. Juni 2920, S. 27) sehr genossen. Ich fürchte aber, ein Verständnisfehler ist Ihnen unterlaufen. Der Ausdruck „S/he is pushing up the daisies“ bedeutet (auf Amerikanisch zumindest) „S/he´s dead.“ – Dr. Charles M. Atkinson

 

Mit Spannung habe ich den sehr informativen Artikel gelesen. Er illustriert den Satz mit der Ziffer 5.6, den Ludwig Wittgenstein vor 100 Jahren in seinen Tractatus logico-philosophicus schrieb, nämlich „Die Grenzen meiner Sprachebedeuten die Grenzen meiner Welt.“, aufs Trefflichste. Stehen mir zwei oder gar mehr Sprachen zur Verfügung, verschiebt sich zwangsläufig auch meine Weltsicht. Allein das reicht meines Erachtens aus, um Sprachenlernen zu fördern; ob weitere positive Auswirkungen, die dann wieder strittig diskutiert werden können, hervorgerufen werden, scheint mir völlig unerheblich. Vielleicht ist die für uns manchmal schwer verständliche Politik, die die USA und auch GB propagieren, nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, dass deren Bürger als „Weltsprachemuttersprachler“ die Kenntnis weiterer Sprachen als des Englischen/Amerikanischen nicht für notwendig erachten und so die Grenzen ihrer Welt als die einzig möglichen sehen oder diese noch nicht einmal als Grenzen wahrnehmen können. – Udo Kroschewski

 


 

 

Leserbriefe zu „Abstand halten“ von Uwe Jean Heuser

 

Bitte lesen Sie noch einmal Ihre eigenen Worte: „Skandale“: „Tönnies, bei dem mehr als 1500 Mitarbeiter infiziert sind und die osteuropäischen Billigarbeiter in ihren Unterkünften dicht an dicht hausen“. „… das 1,9-Milliarden-Debakel bei Wirecard (…) ist nicht nur unendlich peinlich für den Standort, es raubt auch Kleinanlegern ihr Restvertrauen ins Börsengeschehen“. „Zu lange hatte die Politik … auf die Selbstverpflichtung der Wirtschaft vertraut. Diese funktioniert aber praktisch nie.“ Das Zitierte gibt eine klare Antwort auf Ihre Frage, ob „sich denn Manager in Deutschland alles herausnehmen“ dürfen: Ja, sie dürfen. Sie bezeichnen die Politiker zurecht als „Ordnungshüter“, denn als gewählte Exekutivbeteiligte haben sie einen Eid abgelegt, das Gemeinwohl zu mehren und Schaden vom Gemeinwesen zu wenden. Daher erscheint mir Ihre Forderung überhaupt nicht plausibel, der Staat solle von der Wirtschaft „Abstand halten“.

Im Gegenteil: Großunternehmen haben eine gesellschaftliche Macht, die unserem Staat gefährlich geworden ist, gerade im Finanzsektor (siehe Wirecard!) Ich wünsche mir den Staat als „Freund und Helfer“, der seine Bürger und dessen natürliche Lebensgrundlagen vor Ausplünderung bewahrt und den ökonomisch Mächtigen auf die Finger schaut. So, wie wir es uns vom Schutzmann in unserem Alltagsleben wünschen. Kontrolle über die Daseinsvorsorge hat nichts mit Planwirtschaft zu tun. Marktwirtschaft soll und muss da stattfinden, wo sie funktioniert. Wenn in den kleinen und vielen mittelständischen Unternehmen die Tüchtigkeit, die Kreativität, das Engagement der Eigentümer und ihrer Mitarbeiter zu geschäftlichem Erfolg und persönlichem Wohlstand führen, so ist das gut und stärkt die Gesellschaft. Private Aneignung des gesellschaftlich geschaffenen Reichtums bei gleichzeitiger Sozialisierung der Verluste brauchen wir nicht. – Viktor Rintelen

 

Der Leitartikel „Abstand halten“ der ZEIT-Ausgabe Nr. 27 vom 25.06.2020 von Jean Heuser beginnt mit der Sub-Überschrift „Wirecard, Lufthansa, Tönnies: Dürfen sich denn Manager in Deutschland alles herausnehmen?“ Beim Lesen des Artikels lässt sich diese Frage für mich bei Wirecard (möglicherweise kriminell) und Tönnies (möglicherweise asozial und inhuman) nachvollziehen. Aber wie ist das Management von Lufthansa in diesen Zusammenhang geraten? In dem Artikel finde ich auch am Ende dafür keine Rechtfertigung. Auch fallen mir keine annähernd vergleichbaren Attribute für das Management der Lufthansa ein. Hier drängt sich mir der Eindruck eines Überschriftenjournalismus ohne Belege im nachfolgenden Text auf, den ich bislang in einem Boulevardblatt eines anderen Verlages verortet hatte.

Ich hätte mir in der Tat gewünscht, dass sich Ihre Redaktion in einem gesonderten Artikel sehr kritisch mit dem Für und Wider der Kapitalmaßnahmen und der Beteiligung des WSF an der Lufthansa AG auseinandergesetzt hätte. Diese Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegende Vertragswerk hätte allerdings einen Zeitaufwand vorausgesetzt, den man offensichtlich auch in einer Wochenzeitung nicht mehr hat. Schade, das sollte Ihre Stärke sein ! Ich gehöre als Kleinaktionär übrigens zu den 1,96 %, die dieser Hilfe nicht zugestimmt haben, da ich die Bedingungen der EU-Kommission nicht mittragen wollte. Im Sinne der Mitarbeiter, der Aktionäre und selbst des Steuerzahlers freue ich mich allerdings darüber, dass die wirtschaftliche Gesundung des Unternehmens wahrscheinlicher geworden ist. Dies zeigt aber auch die Ambivalenz dieses Themas. – Werner Ullmann

 

Was geht eigentlich im Kopf eines Herrn Heuser vor, wenn er in seinem Beitrag „Abstand halten“ Wirecard, Tönnies und Lufthansa im Untertitel in einem Atemzug nennt? Wirecard hat 1.900 Mio € , die schlichtweg nicht existent waren, in der Bilanz ausgewiesen (in offensichtlich betrügerischer Absicht), Tönnies hat offensichtlich über Jahre hinweg über ein System von Sub-,Sub/Sub- u. Sub/Sub/Sub- Unternehmen die systematische Ausbeutung von osteuropäischen Arbeitnehmern betrieben und damit auch u.a. die Fleischindustrie in Nachbarländern ruiniert und die Lufthansa: erfolgreich, keine Luftbuchungen wie Wirecard, hohe Sozialstandards, gute Bezahlung und bestimmt keine Ausbeutung a la Tönnies und die wird dann in einen Topf mit den o.g. geworfen, weil es einem „Ankeraktionär“ wie Thiele last minute danach war, mal die Muskeln spielen zu lassen ? Ja, geht’s noch ? Sollte ich nicht von der „Zeit“ erwarten können, dass man sich die Mühe macht, etwas genauer hinzuschauen, wobei eigentlich beim ersten Blick bereits erkennbar ist, dass die Geschichten von Wirecard und Tönnies, mit der der Lufthansa nichts aber auch gar nichts zu tun haben. Stattdessen billige Effekthascherei, in dem man Lufthansa in die Schlagzeile einbaut. Schade, ich hätte mehr von der „Zeit“ erwartet – wieder um eine Enttäuschung reicher. – Udo Wolf

 

Ich würde mir wünschen, dass Sie den Begriff „Billigarbeiter“ (gleich unter dem Titel „Der Wert der Sprache(n)) für Menschen, die unter prekären Bedingungen leben und arbeiten müssen, nicht mehr verwenden. Das so produzierte Fleisch ist billig, nicht die Arbeiter. Sie würden es bestimmt als entwürdigend empfinden, wenn sie – in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen ihr Gehalt verdienend – als „Billigjournalisten“ bezeichnet würden, oder? Ansonsten danke ich Ihnen für Ihre wunderbare Arbeit, die mein Leben ganz erheblich bereichert. – Michaela Biller

 

Der Untertitel „Wirecard, Lufthansa, Tönnies: Dürfen sich denn Manager in Deutschland alles herausnehmen?“ des Artikels „Abstand halten“ in ZEIT Nr. 27 erweckt den Eindruck, Lufthansamanager spielten bei den aktuellen Problemen dieser drei Firmen eine ähnlich zwielichtige Rolle wie die von Wirecard und Tönnies. Im Text ist davon jedoch keine Rede, Lufthansa wird lediglich als Beispiel dafür gebracht, daß sich der Staat nur soweit unumgänglich und nur für begrenzte Zeit an der Rettung systemrelevanter Unternehmen beteiligen sollte. Ganz unglückliche Formulierung! – Klaus Schürger

 

Dürfen sich denn Manager in Deutschland alles herausnehmen? Antwort: Ja! Bezeichnend hierfür war ein kurzer Bericht im Nachrichtenmagazin Kontraste in der ARD am 25.06.2020. Thema war die Kosten für die Entwicklung und die Verwaltung der Corona Warn App aufzuzeigen. Die Deutsche Telekom und SAP haben dem Bund hierfür 20,0 Mio € in Rechnung gestellt. Zusätzlich 2,5 – 3,5 Mio € monatlich für die Betriebskosten bis zum 31.05.2021. Nach Aussagen des Bundesgesundheitsministers werden somit Kosten in Höhe von rund 52,7 Mio € entstehen. Allein die Kosten für die Entwicklung einer Corona Warn App kostete in der Schweiz 1,7 Mio €, in Österreich 2,0 € und in Norwegen 2,8 Mio €. Ein Experte hat vorgerechnet, dass die Entwicklung einer solchen App maximale Kosten von rund 2,1 Mio € hätte verursachen dürfen. Die Krönung des Ganzen war aber dann noch, dass der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom Timotheus Höttges in der Bundespressekonferenz zur Vorstellung der Corona Warn App für Deutschland schamlos Werbung für neue Smartphones erhältlich in Telekomläden machen durfte. Ein Schelm wer schlechtes dabei denkt. So stell ich mir einen Gigantischen Selbstbedienungsladen für Manager vor. Noch Fragen? – Felix Bicker

 

Worin besteht der Unterschied zwischen der Wirecard AG und der Bundesrepublik Deutschland? Wirecard hat 1,9 Milliarden Euro Bankguthaben in seinen Büchern stehen, die lediglich auf dem Papier existieren. Deutschland weist über das Target-2-System der Deutschen Bundesbank aufgrund der ausgeweiteten Anleihekäufen der EZB auf seiner Aktivseite Forderungen in Höhe von nahezu einer Billion Euro aus. Der größte Schuldner ist Italien. Die Werthaltigkeit dieser Außenstände darf durchaus bezweifelt werden. Manche Experten sehen die Gefahr, dass die Bundesbank und somit letztendlich die Bundesrepublik auf den Forderungen sitzenbleiben könnte, sollte der Währungsraum auseinanderbrechen, was erhebliche gesellschafts- und sozialpolitische Folgen nach sich ziehen würde. Somit liegt es im ureigensten Interesse der deutschen Politik, den Euro am Leben zu erhalten, koste es was es wolle. Deutschland hängt am Euro-Tropf. Die westliche Erdbevölkerung lebt seit Jahren über ihre Verhältnisse.

Es wird konsumiert, als gäbe es kein morgen. Nicht nur im privaten Bereich versucht ein jeder, mit anderen mithalten zu können, obwohl man es sich im Grunde gar nicht leisten kann. Hauptsache, die Fassade stimmt. Die wenigsten sind bereit, Einschränkungen in ihrem Lebensstil zu Gunsten einer nachhaltigeren Produktionsweise und einer gerechteren Güterverteilung hinzunehmen. Gleicher Wohlstand für alle ist in keiner Verfassung garantiert. Die Starken müssen sich vielmehr ihrer Verantwortung stellen, die Schwachen zu unterstützen. Einer der Grundtriebe des Menschen, der nimmersatte Egoismus, beherrscht die derzeitige Epoche. Die weltweite Corona-Pandemie wäre vielleicht die Chance für ein grundsätzliches Umdenken gewesen. Sie wurde einmal mehr nicht genutzt. Die EU wird mit freundlicher Unterstützung der EZB dieses Rad noch viele Jahre künstlich am laufen halten. Die Bevölkerung wird es ihnen aufgrund des Erhalts des eigenen Lebensstandards mit Wohlwollen danken. Die Kinder aber, die heute vielleicht noch gar nicht geboren sind, werden uns wegen unserer rücksichtslosen Lebensweise und unserer Uneinsichtigkeit eines Tages verfluchen. – Alfred Kastner

 

Auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe wird in der Überschrift „Abstand halten“ der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa in einem Atemzug mit Wirecard und Tönnies genannt und wirft ein Bild auf die Leser, als wäre er genauso ein Betrüger und Ausbeuter wie die anderen beiden Herren. Das ist aber ja wohlweislich nicht der Fall! Im Text wird das dann zwar relativiert, aber die Überschrift suggeriert erst einmal etwas völlig anderes. – Petra Dammel

 

Dürfen sich denn Manager alles herausnehmen? – Na klar – das ist doch schon seit Jahrzehnten so. Und wenn “ die Politik“ nicht “ spurt“ kommt das Totschlagargument der Arbeitsplatzverluste ins Spiel. – Eva Tophoven

 

Kurz nach dem 2. Weltkrieg gab es eine Diskussion zum Thema „Sozialverantwortung des Kapitals“. Sie wurde alsbald eingestellt, Sozialverantwortung des Kapitals galt als sozialistische Spinnerei, die freie Marktwirtschaft zur sozialen Marktwirtschaft einengen würde. Im Grundgesetz sind nur die Freiheiten des Individuums definiert, den Spiegel Pflichten oder Verantwortung gibt es nicht. Es gilt das Strafgesetz und damit das Prinzip „erlaubt ist, was nicht verboten ist“. Ethik und Moral spielen in diesem Kontext nur eine untergeordnete Rolle. Dass Ethik und Moral durchaus effiziente Marketinginstrumente sein können, erfährt derzeit Facebook schmerzhaft. Prompt reagiert das Unternehmen, nicht aus moralischen Überlegungen, sondern wegen entgangener Erträge, der Not gehorchend, nicht dem inneren Triebe. Bei den genannten Unternehmen ist Abstand geboten, aber nicht alle deutschen Unternehmen sind gleichermaßen „moralisch“. – Dr. F. Kleiner

 

Der Untertitel zum Artikel auf Seite 1 ‚Abstand halten‘ von Uwe Jean Heuser hat mich, gelinde gesagt, irritiert. ‚Wirecard, Lufthansa, Tönnies: Dürfen sich denn Manager in Deutschland alles herausnehmen?‘ Ich fragte mich nach Lesen dieses Untertitels, was sich denn die Manager der Lufthansa ‚herausgenommen‘ hätten, um in diesen Zusammenhang mit Wirecard und Tönnies gebracht zu werden. Leider hat mich auch die Lektüre des kompletten Artikels nicht weitergebracht – der einzige Satz, in dem die Lufthansa erwähnt wurde, bezog sich auf sie Rolle des Staates als Unternehmer. Tatsache ist, dass die obersten Führungskräfte der Lufthansa bereits im März 2020 (als von einer etwaigen Staatsbeteiligung noch gar nicht die Rede war) auf 20% ihres Grundgehalts verzichteten sowie ihre Bonuszahlungen bis auf weiteres aussetzten. Auch wird momentan seitens des Managements in Gesprächen mit den Gewerkschaften alles versucht, über Teilzeitregelungen etc. möglichst die gesamte Belegschaft ‚an Bord zu halten‘ und somit betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. In diesem Zusammenhang erscheint mir Ihr Untertitel schon fast ehrenrührig und entspricht nicht dem Niveau, welches ich von der ZEIT erwarte. – Onno Heyken

 

Im Freistaat Bayern, da sollen die Uhren etwas anders gehen, so heißt es! Hier könnte es auch durchaus sein, dass der Ministerpräsident seine Bevölkerung gleich ganz persönlich zum freiwilligen Corona-Test bittet, gemäß dem Sprichwort: „Vorbeugen ist besser als heilen“! Wer denn solch einen umsichtigen Ministerpräsidenten im eigenen Lande hat, der möchte diesen bestimmt ganz sicherlich auch mit Gesamtdeutschland teilen wollen. Was wäre da uneigennütziger, als diesen Dr. Markus Söder, sofort in die Bundeshauptstadt nach Berlin wegzuloben. „Ich bin Seelsorger und habe Gott schon oft gedankt dafür, dass er Krankheiten geschaffen hat, durch welche der Mensch heimgesucht und von Irrwegen abgeleitet wird.“ (Sebastian Anton Kneipp, 1821-1897, bayerischer römisch-katholischer Priester und Naturheilkundler) – Riggi Schwarz

 


 

 

Leserbriefe zu „Europa ist zwei Frauen“ von Tina Hildebrandt

 

Dass die Bundeskanzlerin in der ZEIT außerordentlich wohlwollend beschrieben und bewertet wird, muss man als treuer Leser nun schon seit vielen Jahren mit Geduld und Nachsicht ertragen. Aber mit Ihrer Aussage „Nun hat sich Merkel immer mehr am Können orientiert …“ führen Sie die Schwärmerei noch einmal auf ein besonderes Niveau. Eine Kanzlerin, die Frau von der Leyen und Frau Kramp-Karrenbauer zu Ministerinnen der Verteidigung macht, hat sich dabei an allem Möglichen orientiert, aber gewiss nicht am Können dieser beiden Damen. Frau von der Leyen hat Ihrer Nachfolgerin folglich einen Scherbenhaufen überlassen, und diese hat ihre Qualifikation für das Amt mit nichts anderem begründen können, als dass sie immer gern den Bundeswehrpullover ihres Bruders getragen hat.

Dass die Merkel-Regierungen in Sachen Digitalisierung ein Desaster hinterlassen werden, liegt vor allem daran, dass sie die Zuständigkeit und Verantwortung Personen übertragen hat, die über keinerlei fachliche Qualifikation dafür verfügen. Und nicht einmal sein größter Fan wird dem Mediziner Rösler nachsagen, dass ihn seinerzeit sein überragendes Können als Ökonom an die Spitze des Wirtschaftsministeriums geführt hat, etc. etc. Schaut man sich die Regierungsmannschaften der Frau Merkel an, denkt man mit Wehmut an das Kabinett Kiesinger zurück, in dem fast jeder Ressortchef auf seinem Gebiet ein „Könner“ war. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

Wählen Sie mit Absicht eine grammatikalisch falsche Überschrift ? Der Artikel hat das nicht verdient ! – Martina Gräpel

 

Zwei Frauen ganz vorne und die Präsidentschaft unter deutscher Leitung soll Europa aus der Krise führen. Doch die EU ist eine Gemeinschaft, die sich selbst blockiert, das liegt am System,der Einstimmigkeit von wichtigen Entscheidungen. Mehr Kompetenz Verlagerung an die EU, löst damit kein einziges Problem der Zukunft. Europa ist und bleibt eine Wirtschaftsgemeinschaft seit Gründung und das gilt auch heute noch. Amerika First und die Coronakrise ist ein Alarmsignal für Europa seine Wertegemeinschaft allein sind kein Wettbewerbsvorteil. China zeigt wie es Macht und Einfluss in der Welt vermehren kann. Die industrielle Stärke im Export von hochwertigen Gütern , Autos , Maschinen,Flugzeugbau(Airbus) haben ihren Höhepunkt überschritten. Das Zeitalter von KI und digitaler Vernetzung sind Google und Co. nun die Nr 1 in der Welt im Umsatz und Gewinn. Die EU und seine Mitgliedstaaten kleben an ihren Einzelinteressen möglichst viele Subventionen zu erhalten die vorhandenen Fehlentwicklungen begünstigen. Zwei Frauen allein helfen nicht viel weiter. – Thomas Bartsch-Hauschild

 

In dem Artikel heißt es, Merkel und von der Leyen seien „zwei ziemlich untypische Deutsche“ – von der Leyen, weil sie viele Jahre im Ausland gelebt hat, und Merkel, weil sie die ersten 35 Jahre in der DDR gelebt hat. Über diese zweite Aussage bin ich gestolpert. Ich (Jahrgang 1968) bin in Rheinland-Pfalz aufgewachsen, habe in Baden-Württemberg studiert und bin beruflich in Nordrhein-Westfalen gelandet. Aber ich habe das Gefühl, wenn ich in der damaligen DDR aufgewachsen wäre, würde ich es befremdlich finden, dass ich deshalb keine „typische Deutsche“ sei. Immerhin hatte die DDR beim Mauerfall 16,4 Millionen Einwohner. Gewiss, das ist nur gut ein Viertel der damaligen Bevölkerungszahl der BRD (61,8), so dass man davon sprechen kann, dass die spezifischen Erfahrungen und Prägungen einer DDR-Biographie auf die Gesamtbevölkerung bezogen eine Minderheits- und nicht eine Mehrheitserfahrung sind, aber diesen sämtlichen 16 Millionen abzusprechen, dass sie irgendwie typisch sein könnten, finde ich doch ziemlich seltsam. – Corinna Friesen

 

Gegensätze ziehen sich an – wenn sie sich ergänzen. Steht das „Wollen“ für Ursula von der Leyen, so können wir Angela Merkel das „Nicht-Wollen“ zuordnen. In unserer Zeit der gewaltigen Herausforderungen kommen in der Phase der deutschen Ratspräsidentschaft beide kontrastierende Macht-Umgangsformen zusammen und haben die Chance, sich zu bündeln: in ein gemeinsames „Können“. Ein neues Führungsmodell? In einer Welt mit zunehmend autoritären Führungsmodellen? Ein Modell, das auch nach der deutschen Ratspräsidentschaft gebraucht wird, um angesichts dieser Herausforderungen die erforderliche große Führungskraft in und für Europa entfalten zu können?

Wollen: Das ist Führung durch Gestaltungskraft, die sich in ehrgeizigen Zielen ausdrückt. Ziele, die Ursula von der Leyen die Energie geben, die für das Voranbringen von Europa notwendige Überzeugungskraft in Europa entfalten zu können. Nicht-Wollen: Das ist Führen durch Freiheit. Freiheit, im richtigen Moment unter sachlichen Gegebenheiten mit prinzipiengeleiteter Überzeugung das Richtige für ein europäisches Deutschland tun zu können. Fahren auf Sicht. Situative Führung, die gemessen an Parteiprogrammatik und Parteitagsbeschlüssen keineswegs immer alle mitnehmen wird. Konsequent daher auch das Modell der Trennung von Kanzlerrolle und Parteivorsitz.

Angela Merkel und Ursula von der Leyen: Zwei große Frauen, denen es nicht um eigene Größe geht. Es geht um Können. Ein gemeinsames Können für das bessere Gelingen von Europa, von Deutschland im geeinten Europa. Zwei Frauen, die sich nicht selbst und auch nicht einander im Wege stehen. Mit Blick auf die möglichen Kanzlerkandidaten der Union sei ein Hinweis auf Risiken und Nebenwirkungen erlaubt: Alle Kandidaten sind „Woller“. Mit einem Woller als Kanzler wäre die jetzt durch die beiden Frauen gegebene Ergänzung der Gegensätze strukturell nicht mehr angelegt. Aus Profilierungsbedürfnissen würde sich mit dem neuen Kanzler eine Konkurrenz mit der Kommissionspräsidentin etablieren. Das Können würde zu Lasten von Europa und von Deutschland geschwächt. Gegensätze stoßen sich ab – wenn sie sich nicht ergänzen. Gesucht wird daher als Merkel-Nachfolger: Ein profilierter Nicht-Woller, damit Europa und Deutschland gut gelingen kann. – Reinhard Koine

 

Der Bericht von Tina Hildebrandt enthält eine falsche Information. Deutschland übernimmt am 1. Juli d.J. die EU Ratspräsidentschaft für sechs Monate, und nicht für ein Jahr. Am 1.1.2021 folgen dann Portugal, am 1.7.2021 Slowenien. – Regina Dietzold

 

Macht der FaszinationUrsula von der Leyen meint: „Europa muss die Sprache der Macht lernen.“ – Welche Macht? Militärische Macht? Macht des Geldes? Wirtschaftliche Macht? Militärische Macht hat ausgedient, nützt nur der Waffenindustrie und beim Wiederaufbau der Bauindustrie, hinterlässt ansonsten nur Tod und Zerstörung. In Zeiten der Globalisierung kann man durch Handel alles erwerben für das früher Blut fließen musste. Macht des Geldes? Spätestens 2007 haben wir gelernt, dass Geld ein Suchtmittel ist, gekennzeichnet durch die Gier, immer mehr haben zu wollen, ein Suchtmittel, das bei Verlust zu einem Entzug mit entsprechender Panik führt. Da gilt es, Geld in therapeutischen Dosen zu nutzen, sprich als Medium, nicht zum Selbstzweck.

Wirtschaftsmacht?Ja schon jetzt ist die EU eine herausragende Wirtschaftsmacht, doch das sind China und die USA auch; beide werden vielleicht bewundert, doch beneidet wird in vielen außereuropäischen Ländern die EU. Man versucht, sie zu kopieren in Afrika und Lateinamerika – warum? Weil sie die Macht der Faszinationhat als einmaliges Friedens- und Freiheitsprojekt. Dieses Alleinstellungsmerkmal gilt es auszubauen: Die EU muss eine kluge und überzeugende Friedenspolitik entwickeln, zeigen, dass für alle Krisen eine friedliche Lösung möglich ist, wenn man die Krisen rechtzeitig erkennt und auf Augenhöhe miteinander umgeht. Das heißt nicht, dass die EU keine Armee braucht, doch eine, die nicht ihre Stärke in der Quantität hat, sondern in der Qualität, eine Armee, die so klein wie möglich ist und so stark wie nötig. Denn noch gibt es all die egomanen, machtgierigen Machthaber in der und um die EU, die Macht als Kriegsmacht verstehen, ein Verständnis der vergangenen Jahrtausende. Europa als kluge Frau wird sie zähmen müssen.

Und dass die EU nach innen häufig uneins ist, häufig nationalstaatlich agiert, muss auch kein Negativum sein. Das Subsidiaritätsprinzip besagt, dass jeder für sich alleine sorgt, nur wo er schwächelt, hilft die Gemeinschaft. Richtig verstanden, bedeutet dieses Prinzip eine große Stärke: Die Mitglieder der EU würden handeln wie der erfahrene Segler: Eine Hand für den Mann (Nationalstaat), eine Hand für das Schiff (EU). Manchmal braucht es nur einen Perspektivwechsel. Europa ist eine Frau, zwei Frauen werden die europäische Macht gestalten, wünschen wir ihnen das Glück der Tüchtigen. – Dr. Ursula Augener

 

In der Schule nicht aufgepasst!? „Deutschland übernimmt dann für ein Jahr die Ratspräsidentschaft.“ Wenn Sie es nicht wissen – Wikipedia: „Der Vorsitz im Rat der Europäischen Union, kurz als EU-Ratspräsidentschaft oder auch Ratspräsidentschaft bezeichnet, rotiert gemäß Art. 16 Abs. 9 EU-Vertrag nach einem gleichberechtigten Turnus zwischen den EU-Mitgliedstaaten. Alle sechs Monate wechselt die Ratspräsidentschaft zwischen den EU-Mitgliedsländern gemäß einer festgelegten Reihenfolge. Das Verfahren kann vom Europäischen Rat gemäß Art. 236 lit. b) AEU-Vertrag einstimmig geändert werden. Im ersten Halbjahr 2020 tagt er unter dem Vorsitz Kroatiens und im zweiten Halbjahr 2020 unter dem Vorsitz Deutschlands.“ – Klaus Rozinat

 

Als langjähriger Leser möchte ich mich für die drei Artikel auf den Seiten 2 und 3 der aktuellen ZEIT- Ausgabe bedanken. Ich halte sie für wirklich wichtig und sehr gut formuliert von den Autorinnen, Chapeau ! PS: Dankenswert auch, dass Herr B. Ulrich nicht mitgewirkt hat. – Martin Kneer

 

Deutschlandübernimmt also turnusgemäß am 1. Juli 2020für sechs Monate den Vorsitz im Rat der Europäischen Union, ein weiterer Höhepunkt im politischen Leben von Kanzlerin Merkel. Einer Frau, die sich so gern auf internationalem Parket präsentiert und sich im Glanze des Titels der vermeintlich mächtigsten Frau der Welt sonnt. Warum, das bleibt allerdings Merkels Geheimnis. Schließlich ist das kleine Deutschland weder Super- noch Atommacht, verfügt über keine nennenswerten Rohstoffe und ist immer auf den guten Willen anderer, wirklich mächtigen Länder, angewiesen. Somit steht auch die wirtschaftliche Größe unseres Landes stets auf tönernen Füßen. Höchste Zeit also, sich in Deutschland und der EU mit dem politischen Leben dieser auffällig unauffälligen Frau zu befassen, stellen sich doch immer wieder die Fragen A) Wie sieht die vollständige Biografie von ihr aus? B) Wem dient sie wirklich? Denn wenn man in Hamburg geboren wurde und in der DDR aufgewachsen ist, dann hat diese Biografie schlichtweg einen anderen Stellenwert als bei einem klassischen West – Karrieristen.

Denn als Merkel vom politischen Scheinwerferlicht der neuen BRD erfasst wurde, da hatte sie schließlich auch einen Weg als engagierte FDJ-Frau hinter sich. Nach eigenen Angaben war sie in dieser unheilvollen Organisation wohl Kulturreferentin. Stimmt das? War sie nicht für Agitation und Propaganda zuständig? Abschließend scheint das noch nicht geklärt. Doch sie beginnt einen ungebremsten Steigflug in das deutsche Machtzentrum. Sie landet in Berlin. Dort wird sie 2005 Kanzlerin. Und fast gleichzeitig kommen die Bundesrepublik, teils auch Europa und die Welt aus dem Tritt. 2007 begann die Bankenkrise, sie ging nahezu nahtlos in die Schuldenkrise über. 2015 dann die Flüchtlingskatastrophe, die Europa und vor allem Deutschland in Aufruhr versetzte und spaltete. Alles belastete und belastet die Bürgerinnen und Bürger mit horrenden Aufwendungen und Folgekosten auf Jahrzehnte hinaus. Die aufgelaufenen Summen erreichten schnell astronomische Größenordnungen.

Deutschland und vor allem die Folgegenerationen bekamen Lasten aufgebürdet, die ihre Zukunft beeinträchtigen werden. Das alles ficht die Frau aus der Hamburger Uckermark aber nicht an. Schließlich will sie ja nur das Beste. Und der deutsche Michl hält still, denn noch ist sein Kühlschrank voll. Dass er auf Grund der EZB-Finanzpolitik mit Minuszinsen und einer ständig am Abgrund wandelnden Geldpolitik keine wirkliche Altersvorsorge mehr betreiben kann und auf Kosten der Zukunft seiner Kinder lebt, das verdrängt er, teilweise registriert er es nicht einmal. Und dann kommt das Jahr 2020. Ein Virus namens CONVID-19 dominiert die Welt und stellt auch die von Merkel auf den Kopf. Und wieder geschehen Dinge, die bis heute gar nicht oder nur schwer nachvollziehbar sind. Erst Ende März trägt man der tödlichen Gefahr Rechnung und holt zum schwersten Wirtschaftsschlag der Nachkriegsgeschichte aus.

Der Lockdown stoppt das Wirtschaftsleben, zwingt Millionen in die Kurzarbeit und wird am Ende eine noch nicht feststehende Anzahl von Unternehmen und damit auch Arbeitsplätzen vernichten. Bald spricht man von Kosten in Billionenhöhe, Geld das man nicht hat, und das wieder über zusätzliche Schulden beschafft werden muss. Neue Hypotheken für die kommenden Generationen entstehen. Und dann setzt Merkel diesem Horror die Krone auf. Mit einem Wiederaufbaufonds für die EU vergemeinschaftet sie Schulden der EU, für die wieder Deutschland geradestehen muss. Eine finanzpolitische Todsünde. Der nächste Wechsel auf die Zukunft der Jungen wird gezogen. Die anderen Länder werden dem natürlich zustimmen, auch wenn Österreich und die Niederlande dagegen sein sollten. Sie wären ja dumm das Angebot des deutschen Michl nicht anzunehmen. Und somit steuert uns Muddi, so wird sie ja von vielen genannt, mit ruhiger Hand in den Abgrund. Und das alles soll Zufall sein? Kaum zu glauben. Fazit: Auch wenn die Kanzlerinnenbiografie am Ende vielleicht gar nicht mehr so interessant sein sollte, eine Frage bleibt, vielleicht für immer, offen. Und die lautet „Wem dient Merkel wirklich?“ – Claus Reis

 

Ich fand Tina Hildebrands Artikel über Frau Merkel und Frau von der Leyen ganz interessant, bin aber über ein, bzw. zwei Details gestolpert. Tina Hildebrandt zeichnete ein Bild von Frau Merkel als eine Kanzlerin die Spektakuläre Stunts hingelegt habe, und dass dafür ein Atomunfall und eine Massenflucht nötig gewesen sein. Mir fehlen darin lediglich die Details- dass ROT/GRÜN den Atomausstieg schon verhandelt und in halbwegs trockenen Tüchern hatten- nur eben nicht trocken genug, als dass uns eben jene Kanzlerin Merkel ohne Not eine Laufzeitverlängerung eingebrockt hatte, die den Atomausstieg unnötig teuer hat werden lassen. Und zum Thema Massenflucht und Grenzöffnung erinnere ich mich noch an eine Reportage der WELT, die damals recherchiert hatte, dass Merkel ihre Willkommenskultur erst dann anbrechen ließ, als keiner ihrer Mitarbeiter ihr versichern konnte, bei einer gewaltsamen Grenzverteidigung gegen Flüchtlinge (durch die Truppen die schon an die Grenze beordert worden waren), mit weißer Weste aus den Geschehnissen hervor zu gehen) Das Bild würde farbenfroher und wirklichkeitsgetreuer wenn sie solche Details in Zukunft in ihre Artikel integrieren würden. Nicht umsonst hatte Frau Merkel lange den Titel: ZICKZACK-Merkel. – Katja Schneider

 

In oben genannter Ausgabe ist Ihnen meines Erachtens ein Fehler unterlaufen. So weit ich weiss, dauert die deutsche Ratspräsidentschaft nur ein halbes Jahr, nicht ein Jahr wie in Ihrem Artikel. Bitte berichtigen Sie mich falls ich mich täusche. – Margret Dworak

 


 

 

Leserbriefe zu „»Menschen mit Menstruationshintergrund«“ von Christine Lemke-Matwey

 

Was soll das eigentlich? Ich erinnere mich an am eine Hochzeit in Paris, als die „Braut“ vor der entscheidende Frage vor dem Altar eine Rötung am Hochzeitskleid hatte. Mutter und Schwiegermutter klärten schnell, dass es sich um Rosenblätter vom „Einmarsch“ in die Kirche handelte. Aber ist das ein ZEIT-Thema? Was soll das eigentlich? Das Thema ist auch Männern gegenwärtig. Nur der Form halber: Ich lese die ZEIT seit den 60ern. Ich kann mich auch davon lösen.. – Gerhard Schroeder

 

o du meine güte, was für ein hype,,, jetzt wird das rote blut auf der weißen hose ja noch unglaublich selbst-bewußt ,,man muss ja mensis nicht als tabu-thema betrachen und für eine schmutzige angelegenheit abtun, ,,aber es mit diesem foto es so zu stilisieren und als toll, toll, toll zu postulieren , verstehe ich auch nicht,, immerhin hat die künstlerin sich damit eine riesenaufmerksamkeit verschafft..herzlichen glückwunsch…erreicht, was sie wollte…. was hat diese unsere welt nur für probleme….. und eine falsche bemerkung und du hast millionen gegen dich, die dich verfluchen,,, – m. hartmann

 

Menschen ohne Menstruationshintergrund sind Männer? Trans im alten Sinn als gegen verstanden, macht das Dilemma deutlich. Der Kernel ist mit dem Betriebssystem nicht kompatibel oder anders, wenn dein Gehirn in seinen grundlegenden Programmierungen ständig funkt, dass du eine Frau bist, gleichzeitig jedoch bei dem sonstigen Körper alle xy-Eigenschaften darauf hindeuten, ein Mann zu sein, führt das zu einem ständigen Kurzschluss. Dem kann der Mensch begegnen, indem er die eine, und zwar die körperliche Infoformation so weit wie möglich mit der primären konkruent werden lässt, also keine gegen (trans), sondern gleiche (cis) produziert. Das gelingt nur chirurgisch und hormonell und wenn es vor der Pubertät stattfindet auch bezüglich der äußeren Körpererscheinung.

Wird zusätzlich möglichst früh die Sozialisation auf das Hirngeschlecht ausgerichtet, hat das (Trans-)Mädchen Chancen die Transsexualität lediglich nur noch in der Menstruationsfrage festzustellen. Dieses Glück erlebten die älteren Transsexuellen nicht. Im Gegenteil, sie mussten durch teilweise fragwürdige Therapien erstmal nachweisen, dass sie das Geschlecht wirklich wechseln wollen, damit sie in der Bipolarität der Geschlechter als dem Gegengeschlecht zugehörig anerkannt werden. Wir Transmenschen leiden extrem daran, nicht dem Geschlecht zuzugehören, dass man uns von außen zuschreibt, und wir leiden an der Ausgrenzung unserer Besonderheit, die keine Krankheit ist, sondern eine Laune der Natur. Wir sind sowenige, dass wir keine eigene Lobby haben, sondern wir müssen uns damit zufrieden geben, dass wir in einer Gruppe als T oder * als Aspekt einer theoretischen Genderkonstruktion subsumiert werden, in der es im Wesentlichen um sexuelle Orientierung geht und nicht um das biologische Geschlecht, . Wir sind weder Frau noch Mann und beides doch. Ein Mann mit Menstruationshintergrund und eine Frau ohne Eierstöcke sind Menschen, die sich in der bipolaren Geschlechterwelt nicht wiederfinden, aber deren sehr kleine Minderheit es satt hat, durch ein * unsichtbar gemacht zu werden. Vielleicht sind wir Mauen oder Fränner, bzw. ich eine Mau (mzf) und der Transmann ein Frann (fzm). Die zweite Möglichkeit heißt, wir schaffen das Gechlecht ab, dann gibt es nur noch Menschen mit oder ohne Menstruationshintergrund. – Sina Damerow

 

Diskriminierung durch „gerechte“ Sprache?Zum wirklich brillant geschriebenen Artikel von Christine Lemke-Matwey (ich vermeide hier bewußt zunächst die Anrede „Frau“) habe ich nur eine kleine argumentative Ergänzung: Frau (jetzt habe ich dieses Wort doch benutzt!) Rowling wird von der Queer-Community der Diskriminierung bezichtigt, nachdem sie es gewagt hat den etwas sperrigen Begriff „Menschen, die menstruieren“, einfach durch das altvertraute Wörtchen „Frau“ zu ersetzen. Menstruierende Menschen, die sich aber nicht als Frauen fühlen als solche zu bezeichnen, sei diskriminierend und eine ihr Selbstbild verletzende Zudringlichkeit, so das Argument.

Es mag ja durchaus zutreffen, dass Menschen, die zwar mit einem weiblichen Körper geboren wurden, sich aber nicht als Frau fühlen, dies so empfinden. Aber was ist mit den Millionen Frauen, die nicht mehr menstruieren, die die Menopause hinter sich haben? Hier wird durch die nicht zu Ende gedachte Kopfgeburt „Menschen, die menstruieren“ eine deutlich größere Zahl von Menschen ausgegrenzt und somit diskriminiert! Also: Bevor man/frau oder wer auch immer sich zum Wächter über eine „gerechte“ Sprache oder gar zum Richter aufschwingt, sollte vielleicht einmal selbstkritisch darüber nachgedacht werden, ob der eigene Standpunkt immer dazu taugt, als das Maß aller Dinge benutzt zu werden! – Steffan Martin

 

Ein Hoch auf ihre Autorin Christine Lemke-Matwey! Vorweg: Klar, dass es eine endlose Reihe von Gründen gibt, sich zu empören und Veränderung zu fordern – d’accord. Doch scheinen wir umgeben von allzu vielen Menschen, die nur Maximalforderungen gelten lassen – tatsächlich nurdiese, und nichts sonst. Die Autorin spricht mir aus der Seele, habe ich doch den (hoffentlich korrekten) Eindruck, dass sie zu jenen Menschen gehört, die man mit dem (so will es scheinen) altmodischen und (zugegeben etwas unscharfen) Begriff „vernünftig“ belegen darf – wie m.E. wohl, grob geschätzt, mindestens 90 Prozent der menschlichen Weltbevölkerung. – Werner Pilarczyk

 

Danke für Ihren erhellenden Artikel zu Joanne K. Rowling. Ich habe noch eine kleine Ergänzung: Ist Ihnen auch schon in Interviews der *-Schluckauf begegnet? Ganz beflissene Sprecher*innen nutzen ihn ja immer häufiger (und ich dachte zu Anfang, die Arme hat sich verschluckt, bis mir die „Correctness“ auffiel). Ich wurde vor einiger Zeit ganz rüde zurechtgewiesen, als ich die Thesis einer meiner Enkelinnen korrigierte und die *** für Quatsch erklärte (leider mußte ich alle wieder reinnehmen, weil es sonst zu einer minderen Benotung geführt hätte. Es gibt hier in Frankfurt an der FH sehr strikte Vorgaben in Genderfragen). Manchmal habe ich den Eindruck, es kommt nicht mehr auf die Inhalte an, sondern nur noch… siehe oben. – Hilde Wecke

 

Die vermeintlich opfergerechte, queere Minderheiten würdigende Sprache treibt Sumpf- und Stilblüten. “Menschen die menstruieren“ werden vom Klimakterium schneller erledigt als vom Klimawandel. Die unveräusserliche Freiheit der Person und die Freiheit der Vernunft verteidigen zu müssen, erfordert es leider, den dem rechtsidentitären Schwulst verwandten Exklusionswahn der selbstreferentiellen Ich-mich-Egomanen als gendersprachlichen Hirnschiss zu benennen und, gut berlinerisch, „nicht einmal zu ignorieren“. Das hätte auch dem blutigen Thema gut getan. – Thomas Klett

 

„Leben und leben lassen“, dieser Grundsatz scheint in der Gender-Debatte nicht mehr zu gelten. Bevor ich diesen Artikel gelesen hatte, war mir gar nicht bewusst, wie irrational und z. T. erbittert sie geführt wird. Nun gehört die Gender-Debatte nicht zu meinen Hauptthemen, dennoch geht mir diese teils inhaltslose Wortklauberei, die auch Bestandteil der Debatte ist, zusehends auf die Nerven. Menschen, die mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren werden, nennt man Frauen. Das ist eine Bezeichnung. Es sind Frauen, die menstruieren. Das ist eine biologische Tatsache. Zu einer Vagina kann man auch Scheide sagen. Sie ist kein „vorderes Loch“, das ist allein schon aus anatomischer Betrachtungsweise schlicht falsch. Sie so zu bezeichnen, ist absurd. Ich werde weiterhin Frauen auch als Frauen bezeichnen etc. und mich mit Sicherheit nicht diesem „Wortdiktat“ unterwerfen.

Ich bin nicht transphob, davon muss ich niemanden überzeugen. Die, die mich kennen und die, die mir wichtig sind, wissen das. Das reicht. Für Frau Rowling ist das natürlich nicht so leicht, sie steht als Prominente im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Sie ist eine gestandene Frau, in meinen Augen hat sie Rückgrat bewiesen. Das bedeutet nicht, dass ich alle ihre Meinungen teile. Vielleicht sollte sie sich überlegen, sich aus dieser Debatte zurück zu ziehen, denn es bringt nichts. Die Queer-Community sollte sich überlegen, wie weit sie in ihrem legitimen Bestreben um Gleichberechtigung gehen will und sollte sich vielleicht mal klarmachen, das Toleranz keine Einbahnstraße ist. Frau Lemke-Matwey hat es am Ende ihres Artikels so schön zusammengefasst, was passieren kann, wenn man das Maß verloren hat. – Regina Stock

 


 

 

Leserbriefe zu „Wie radikal darf links sein?“ von Hannah Knuth

 

Daß in der Redaktion der taz ein Richtungsstreit über ihren „Meinungspluralismus“ ausgebrochen sei,ist eine sensationelle Nachricht.Ebenso interessant wäre sicherlich die Frage,ob der Text-Müll,den eine freie Mitarbeiterin im Blatt ausschütten durfte, kompatibel mit dem Selbstverständnis der Redaktion ist.Denn nicht die Autorin und ihre Meinung über die Polizei stehen hier im Vordergrund.Gefragt werden muß nach der Verantwortung des Redaktion,die den Text hat „durchgehen“lassen.Ihr sollte durchaus bewußt sein, dass es in Deutschland bislang nur die Nazis fertig gebracht haben,Menschen in den Konzentrationslagern wie Müll zu behandeln,den sie am Schluß dann verbrannten.Vielleicht sollte sich die zuständige Chefredakteurin einen anderen Beruf aussuchen.Ihr Verständnis von „Meinungspuralismus“beschädigt einmal mehr das Ansehen eines seriösen Journalismus. – Wolf Scheller

 

„All journalists are berufsunfähig“, gerne rücken die cops auf der Mülldeponie zur Seite und machen Platz für die journalists der taz. Nach den Krawallen und Plünderungen hier in Stuttgart hat man hier Null Verständnis für dieses in die Hose gegangene Gedankenspiel, da ist eine seit Jahren gepflegte Denkkultur aufgegangen und hat sich in den Plünderungen ausgetobt. Nur Kopfschütteln kann ich, über die verlogene Rechtfertigung: „satirisch-polemisch“, oder noch schlimmer: „gesunder Binnenpluralismus“, ich kann mit diesem Schwachsinn nichts anfangen. Als ob die auf Krawall gebürsteten Jugendlichen mit Satire zurechtkämen.

Den Stuttgarter Straftätern wirft man vor: eine migrationsbedingte erschreckend dürftige Bildung, keinerlei Sinn für gelebte Realität, keine Empathie aber dafür ein Verhaftetsein in von Hass-Mails überschwemmten Communities. Für die journalists gilt das genauso. Den journalists der taz bleibt nur „die Mülldeponie“, wo sie „von Abfall“ umgeben sind, „Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“ Stimmt, ist vollkommen richtig! Sehr geehrte Frau Knuth, bitte bleiben Sie mir weiterhin gewogen, und ein Kompliment an sie und an Sie, und, wie sagt man in Stuttgart: ich wünsche Ihnen ein glückliches Händchen. – Ulrich Bosshammer

 

„Wie radikal darf links sein?“ – fragt Hannah Knuth in einem Zeit-Artikel im Ressort „Wirtschaft“ ! Es geht um eine umstrittenen TAZ-Kolumne. Oh Mann oh Mann! Gibt es für die Zeit keine wichtigen Wirtschaftsthemen mehr? Na – egal. Wer behauptet da breitschultrig, dass die TAZ eine linke, vielleicht sogar eine radikale Tageszeitung ist? Ich kann folgendes bestätigen: „radikal“ war die TAZ noch nie. Keine Traute! Und „links“ ist sie seit etlichen Jahren nicht mehr. Die Kolumnen in der TAZ fand ich in ihrer geistigen Tragweite eher übersichtlich und oft persönlich verletzend.

Keinen hat‘s gestört, denn erstens Kolumnen dürfen das und zweitens sind die TAZ-Kolumnen keine Literaturbestseller. Nun hat‘s anstelle von alten weißen Männern, Hetero‘s, Altemanzen oder katholischen Priestern PolizistInnen erwischt. Der Kopfstand der üblichen Verdächtigen für Gesellschaftsgerechtigkeit erstaunt mich in dieser Heftigkeit. Aber vielleicht ist es auch gut so. Die TAZ ist in den letzten Jahren redaktionell so schlecht geworden, dass ein Ruck, egal welcher, der Redaktion nur gut tun kann. Denn eine linke Alternative zur Zeit braucht das Land. – Wolfgang Siedler

 

Für mich stehen die Äußerungen der taz-Journalistin in einer Reihe mit den „satirischen“ des seinerzeitigen „Franken-Führers“ Julius Streicher im „Stürmer“. Aus dieser Sicht habe ich mich auch vor Jahren bereits vehement gegen Franz-Josef Stauss´ „Ratten und Schmeißfliegen“-Beschimpfungen von Journalisten sowie gegen Schlingensiefs „Tötet Helmut Kohl“ gewandt. Gemeinsam ist diesen Äußerungen der unzivilisierte Appell, Menschen bestimmter Gruppen zu entwerten, zu vernichten, endlösend zu entsorgen und sei es auf dem „Müll“… – Dr. Albrecht Thöne

 

Meinungs- und Pressefreiheit sind außerordentlich hohe Rechtsgüter; es sollte also allenthalben bewusst sein, dass damit nicht minder hohe Verpflichtungen und Verantwortungen einhergehen. Hengameh Yaghoobifarah hat die taz, die für ihre grundsätzlich lobens- und beachtenswerte Stimmenvielfalt und Diskussionsleidenschaft, ihre journalistische Haltung des „Transparenz first“ durchaus bekannt ist, mit ihrem grenzwertigen, überaus ambivalenten Beitrag indes nicht zum Leuchten gebracht. Unser Bundesinnenminister hat sich sodann mit seinem öffentlich angerauten Nachdenken über eine Anzeige der taz-Kolumnistin freilich nicht nur der niveau- und kompasslosen Gegebenheit angepasst; er hat es geschafft, diese zu unterminieren. Wenn sich nun aber aus dieser schmerzvollen, schnappatmenden Konversation eine objektivere und achtsamere Aufklärung über Diskriminierungen und Ungleichheit vor Recht und Ordnung entwickeln, unverständige Feindbilder ab- und verständige Vorbilder aufbauen könnten, wäre das eine wunderbare und würdige Wendung betreffs eines wichtigen, gesamtgesellschaftlich wirkenden Themas: Die tatsächliche Umsetzung von Gleichberechtigung und Antidiskriminierung. – Ira Bartsch

 

Vielen Dank für den Überblick der Ausfälle von Frau Yaghoobifarah, die selbst eventuell mal einen Tag lang eine Mülldeponie betrachten sollte, um festzustellen was sie da von sich gibt. Wer „Dreckskultur“ sagt muss sich nicht nur fragen lassen, was er dann in Deutschland sucht, es sollte strafrechtliche Konsequenzen in Richtung Volksverhetzung nach sich ziehen. – Steffen Kaufmann

 


 

 

Leserbriefe zu „Wer Schutz verdient“ von Heinrich Wefing

 

Inzwischen denke ich darüber nach, wann genau Polizeikontrollen angebracht sind. Und ich frage mich, ob eine Polizeikontrolle in Stuttgart wirklich notwendig war. Denn wenn ich mir vorstelle, dass ich mich an einem lauen Sommerabend in Partylaune auf einem Platz befinde, nichts Verbotenes tue und um mich herum lauter friedliche Gleichgesinnte sind, dann frage ich mich schon, welche Berechtigung eine Polizeikontrolle „wegen Drogen“ hat. Der Auftritt der Beamten zerstört ja zwangsläufig die gute Stimmung. Könnte das evtl. das Ziel der diensthabenden Beamten gewesen sein? Nach dem Motto: Die feiern, wir Armen müssen Dienst schieben! Ich bin 73 Jahre alt und wäre natürlich sofort nach Hause gegangen. Aber wütend auf die Störung durch die Polizei wäre auch ich gewesen. Daher interessiert es mich: Was veranlasst Polizeibeamte zu einer Kontrolle? Gibt es dafür Richtlinien? Einfach so mal eben jeden zu kontrollieren, das kann doch nicht im Sinne unserer Verfassung sein! Zumal in Ihrer Berichterstattung wird deutlich, dass es oft die nur Hautfarbe ist, die eine Polizeikontrolle bewirkt – siehe Hanau. – Ursula Schwarzer

 

Der Leitartikel von Heinrich Wefing: An prominenter Stelle ein Plädoyer für Vertrauen in unsere Polizei, eingebettet in den Versuch, den Kontext zu skizzieren, in dem das Vertrauen begründet ist und zugleich immer wieder auf die Probe gestellt wird. Das Vertrauen darin, dass die in Deutschland vom Volke ausgehende Staatsgewalt in Form der Polizei nicht gewalttätig ist. Konkrete Erfahrungen können durchaus zu anderen Einschätzungen führen (siehe den Artikel „Sie sind müde“ von Antonia Baum) . Es ist wichtig, diese Erfahrungen sehr ernst zu nehmen, um durch Untersuchungen, Kommunikation und Weiterentwicklung immer wieder neu das Vertrauen in die Polizei zu rechtfertigen. Es ist wichtig, diese konkreten Erfahrungen von Vereinfachungen, Zerrbildern, Ideologien und Feindbildern zu unterscheiden und sich in der Auseinandersetzung mit entsprechenden Positionierungen und Äußerungen klar zu orientieren.

Was ist gemeint: Die Institution(en)? Einzelne Polizistinnen und Polizisten? Die Führungsebenen? Einzelfälle? Verallgemeinerungsfähige Einzelfälle? Das Verhältnis von Polizei und Politik? Das Verhältnis von Polizei und Judikative? Das Gewaltmonopol des Staates als solches? Und wenn – wie in Stuttgart – einfach nur Gewalt gegen die Polizei ausgeübt wird, muss das Gewaltphänomen klar beschrieben. Was drückt sich in der Gewalt aus? Gegen wen richtet sich die Gewalt? Gegen die Gesellschaft oder Gesellschaftsgruppen, gegen den Staat allgemein, gegen aktuelle Politik, gegen Einstellungen, gegen sich selbst? Die Polizei als Ursache für die Gewalt zu nehmen, greift in solchen Fällen wohl zu kurz. Wenn Polizisten und Polizistinnen zur Stelle sind, dann sollte das ein Grund für Vertrauen sein. – Reinhard Koine

 

Ganz toll geschrieben. Das sollte jeder so verinnerlichen und nicht immer gleich über unsere Polizisten meckern. – Lars Bode

 

Wäre ich Lehrerin, würde ich Ihnen für diesen Beitrag eine 1 plus geben, Herr Wefing. Ihnen ist es gelungen, den zweifelsohne auch in Polizeikreisen vorkommenden Rassismus und die polizeiliche Gewalt anzusprechen, ohne einen Generalverdacht gegen Polizistinnen und Polizisten zu erheben. Und, Sie machen klar deutlich, wie wichtig das Vertrauen in die Polizei sein „muss“, damit diese weiterhin unsere offene Gesellschaft schützen kann. Dieser Rückhalt ist essenziell. Geht er verloren, liefert er nicht nur nicht nur die/den einzelne/n Polizistin oder Polizisten Gewalttätigen aus, sondern jeden anderen friedliebenden Menschen auch. Vergleichbare Ausschreitungen wie jüngst in Stuttgart hat es leider häufig genug schon in anderen Städten gegeben. Die beteiligten Gewalttätigen haben gemeinsam, dass sie weder Respekt vor polizeilichen Maßnahmen, der Polizei an sich, noch Respekt von der körperlichen Unversehrtheit anderer Menschen und deren Eigentum haben.

Das ist schon alarmierend und jeder/jede sollte sich das vor Augen führen, der/die allzu schnell von Rassismus oder Gewalt in der deutschen Polizei reden mag. Und, es ist, wie Sie, Herr Wefing, zutreffend feststellen, kein Rassismus, wenn Täter benannt werden. Das sind „einfach“ Fakten. Dürfen Fakten nicht mehr ausgesprochen werden, ist es vorbei mit einer freiheitlichen und gerechten Gesellschaft. Politiker und Politikerinnen stehen hier unter einer besonderen Verantwortung. Wie man es nicht machen sollte, hat Saskia Esken „bewiesen“. Ich frage mich, was ihr wohl durch den Kopf gegangen ist, als sie die Bilder von den Ausschreitungen in Stuttgart gesehen hat. Zuvor hatte sie angesichts des Rassismus und der Gewalt in der us-amerikanischen Polizei schnell den Sicherheitskräften in Deutschland „latenten Rassismus“ in ihren Reihen „bescheinigt“. Wie sie darauf gekommen ist, weiß ich nicht. Genauso gut könnte ich mich hinstellen und behaupten, in der Politik herrsche „latente Korruption“.

Das wäre genauso falsch und ungerecht wie generalisierend und diskreditierend. Frau Esken musste zurückrudern, peinlich. Bei so einem heiklen Thema ist wirklich Fingerspitzengefühl gefragt. Dann dieses Unding von Antidiskriminierungsgesetz, das unlängst vom Berliner Senat beschlossen wurde. Meiner Ansicht nach impliziert es geradezu den Verdacht, dass Beschäftigte der Berliner Behörden und auch die Berliner Polizei bei der Erfüllung ihrer Aufgaben diskriminierend vorgehen und Betroffenen mittels dieses Gesetzes die Möglichkeit geschaffen werden muss, sich dagegen zu wehren. Diese Möglichkeiten hat jede Bürgerinnen und jeder Bürger doch jetzt schon – und das nicht nur in Berlin. Hier frage ich mich, was für ein Bild haben die Politikerinnen und Politiker, die dieses Gesetz beschlossen haben, von „ihren“ Beschäftigen und deren Arbeit? Die Innenminister und Innensenatoren sind oberste Dienstherren der Landespolizeien. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Dienstaufsicht. Eine funktionierende Dienstaufsicht muss sicher stellen, dass die Polizistinnen und Polizisten ihre Aufgaben innerhalb der Gesetze und der Dienstvorschriften erfüllen.

Tun sie das nicht, sind sie z.B. gewalttätig oder rassitisch, gehören sie vor die Dienstaufsicht, die sie durch entsprechende Disziplinarmaßnahmen zur Verantwortung zu ziehen oder, sofern angezeigt, einer Strafverfolgung zuzuführen hat. Sollte Rassismus oder Gewalt ein strukturelles Problem bei der Polizei(-behörde) sein, ist es die Aufgabe der Innenrevision diese mit entsprechenden Maßnahmen zu bekämpfen und erforderliche Veränderungen voranzutreiben. Gab es bisher keine Dienstaufsicht und Innenrevision bei Berliner Behörden oder der Berliner Polizei? Das kann ich mir nicht vorstellen. Warum dann dieses Antidiskriminierungsgesetz? Soll dieses nun das richtige Mittel sein? Diese Fragen sollte sich vielleicht speziell Innensenator Geisel, der dieses Gesetz auch billigt, stellen und sich gleichzeitig mit dem Gedanken befassen, wie er künftig Nachwuchs für „seine“ Polizei gewinnen möchte. – Regina Stock

 

„Darf ich Sie anfassen?!“ …obwohl bei mir die Kohle knapp ist, leiste ich mir doch jede Woche Ihre Zeitung – sprachlich- literarisch kaum zu überbieten im Journalismus und bildungshoheitlich sowieso im Konzert der maßgeblichen Zeitungen nicht zu über-„trumpfen“… Und dennoch – besonders in Ihrer bundesweiten Verantwortung als führende Wochenzeitung: vermisse ich realistischen Klartext zu den Geschehnissen, die unser Land betreffen bezüglich der Migrationsprobleme, den Auswirkungen und den erkennbaren Problemen in der erweiterten Gegenwart und Zukunft… Quo vadis Germaniae? Gemäß dem Artikel von Heinrich Wefing: „Wer Schutz verdient“ – sage ich zwar nicht „Heinrich mir graut vor Dir“ – dennoch wage ich zu bemerken, dass dieser Text sich gleichfalls des gutmütig deutschen Kotaus bedient, nur um nicht die Wirklichkeit beim wahren Namen zu benennen! Desweiteren schreibt H.W.: „Die Polizei braucht Kontrolle – und Vertrauen…“, oder doch konzentrierter erkennbar:

Die Masse der BürgerInnen benötigen das Vertrauen in die Polizei, um relativ sicher zu sein, dass sie in einem Staat Deutschland leben können, indem nicht alles im Chaos versinkt, fremde Mentalitäten diesen Staat aus dem Gleichgewicht brechen, sich einen „deutschen Scheiß“ um das Land (Ihr Gastland) kümmern, ihnen Deutschland komplett egal ist – Hauptsache sie bekommen von den „Kartoffeln“ (den deutschen Bürgerinnen und Bürgern – ergo den Steuerzahlern) jeden Monat pünktlich die Kohle auf das Bankkonto überwiesen und ansonsten haben „die Kartoffeln“ ihre deutsche Schnauze zu halten… Wenn das Wort „Überfremdung“ eine negative Bewertung beinhaltet, so will ich dennoch keinen anderen Begriff dafür finden wollen – die meisten Deutschen sind durch diese Vielzahl der Migranten deutlich überfordert, werden deren so grundverschiedenen Mentalitäten zur dominierenden Verfügung mit eingebracht ohne sich um die Befindlichkeiten des Gastlandes hierbei große Gedanken zu machen – gelten zudem dann die „Christen“ als Ungläubige, leben also in einem Unglauben gegenüber der muslimischen göttlichen Oberhoheit und der mit hinzuverbrachten fundamentalen Beglaubigung ohne Kompromisse…

Die deutschen „Kartoffeln“ aber sind devot und demütig und Gutmenschen sowieso – halten sich auch in diesen Angriffen christlich-human zurück, bleiben verhalten und „anschmiegsam“… Doch genau diese Verweichlichung: verstehen diese Mentalitäten nicht – es sind patriarchalische Familienstrukturen, männer-orientierte Verhaltensmuster und männlich-aufgeblähtes Machogehabe! Die deutschen Männer aber gelten als Weicheier! Genauso wird das über die Polizei empfunden – diese Beamten gelten bei den entsprechenden Gruppierungen als Lachnummern, Hampelmännchen, deutsche Weicheier… Und warum?: weil sie zu allermeist höflich, zuvorkommend und wenig hoheitlich- uniformistisch daherkommen, sondern sogar anfragen: „Darf ich Sie anfassen!“ In Köln – und in jetzt in Stuttgart hat sich doch gezeigt, welche Aggressivitäten sich diese entsprechenden Migranten herausnehmen, besonders auch: weil sie keinen Respekt vor der Polizei haben, weder gegenüber den Polizisten und am allerwenigsten gegenüber den Polizistinnen!

Woran liegt das: Weil die Politik ihnen die hoheitlich-lähmenden Fesseln anlegt, um doch ihren Job staatssichernd aus-und-durchzuführen – und dadurch die (verunsicherten) Polizeichefs auch nicht eine klare Linie den untergebenen Beamten weitervermitteln können. Mit dem Schokoladenmännchen- Prinzip „Darf ich sie anfassen“: wird die schwierige Lage immer schwerwiegender – und wenn es dann die Fremden-okkupierte Viertel in den Großstädten gibt, in die sich die Polizei nur noch in Gruppierungen hineintraut, sie dort regelmäßig angefeindet, verbal beleidigt, Ordnungsbeamte (die Strafzettel wegen falschen Parkens ausstellen) verlacht und vor deren Augen die Ordnungsbescheide zerrissen werden… – macht sich gleichzeitig auch der Staat und somit die deutsche Bevölkerung lächerlich… In Stuttgart war das eine brutale Zusammenrottung von Aggression, Zerstörungswut, Hass auf das Land, auf die deutsche Bevölkerung, Verachtung gegenüber der Polizei. Ein Polizist dort nannte das zurecht: Terror! Und dieser Polizist wird nun wohl angeklagt, weil er in seinem Audio-Kommentar das Wort Kanake benutzte: Schauen wir doch mal im Duden nach, was Kanake auf südpazifisch- polynesisch bedeutet: MENSCH!

Heinrich Wefing in seinem Text kommentiert diese „Stuttgarter Partyszene“ (wie sie von anderen Zeitungen so unglaublich devot beschrieben wurde…) als Rudelbildung und Übergriffe auf Beamte – Nein und nochmals nein: zwischenzeitlich sind das ganz konkrete und gezielte Zusammenfindungen von aggressiven Migranten, die in ihrem Jargon „diesen Scheißstaat“ möglichst niedermachen woll(t)en – ihnen ihr „Allahu akbar“ gleichzeitig als „Wegweiser“ und Kriegsfahne gegen die Ungläubigen gilt… – Ja: soweit ist es hier gekommen! Und dieser Polizist in Stuttgart sagte ebenfalls vor Ort und in nahester Erkennbarkeit: Das ist Krieg! Welche Vorstellung hat die führende Politik denn von dem deutschen Volk, dass es nicht nur 26 Nationen (oder mehr) in der Europäischen Union als „Herzlich Willkommen“ verkraftet: Anpassungen, die in dieser Ansammlung auch integriert werden müssen, nicht assimiliert! Und dann zusätzlich die Millionen Migranten, Wirtschafts- und Kriegsflüchtlinge – dieses Land verfremdet sich immer mehr und die Deutschen werden entfremdet!

Und auch das scheint wohl bewusste Politik zu sein? – um das Deutschtum nun endgültig aus dem Volk zu vertreiben oder nennen wir es eine Auflösung des Germanentums: ohne dabei persönlich an irgendwelche Traditionen zu denken… Auch das scheint nicht mehr in die political correctness zu passen – alles in allem eine unglaubliche Überforderung?! Oder sollen wir Deutsche zu WeltbürgerInnen erzogen werden mit der offenen Tür und allen finanziellen Mitteln für alle auch Mühselig und Beladenen… Und zudem erwähnt Heinrich Wefing in seinem Text: „Die deutsche Polizei mit der hochaggressiven, rassistisch vergifteten amerikanischen gleichzusetzen ist absurd.“ Wie wahr formuliert – denn: wenn Herr Wefing die USAmerikanischen Verhältnisse kennen würde, wüsste er doch auch genau: wie lebensgefährlich der Politzisten-Job in den Großstädten und Städten der USA abläuft: wo nicht nur jeder Gangster und Kriminelle, Kleinkriminelle, Dealer und Konsorten mit ihren Knarren bewaffnet sind, und jederzeit einen Cop abknallen könnten…

Das ist die Realität dort in diesem Privat-bewaffneten Land: jeden Tag und jede Nacht bei den Polizei-Einsätzen in persönlicher Lebensgefahr zu sein. Der Bürger George Floyd, der als Märtyrer nun herhalten darf: war auch ein Gangster, ein Schwerverbrecher – starb leider durch einen Polizeieinsatz. Aber haben wir schon einmal aufgezählt, wie viele Polizisten in den USA in Einsätzen für die BürgerInnen und Bürger dort ihr Leben gelassen haben…? Wir sollten hier in unserem Deutschland den Polizisten und Polizistinnen dankbar sein, dass sie diese gefährlichen Berufe für uns BürgerInnen ausüben: jeden Tag und jede Nacht für uns da sind! Ich bin persönlich sehr dankbar! Besonders aber stimme ich dem ZEIT-Redakteur im eigentlich klug-zurückhaltend gut gemeinten Text zu: „Läge Stuttgart in den USA, hätte es womöglich Tote gegeben!“ Mit anderen deutlichen Worten: Die USA- Polizei hätte auf die Randalierer, Zerstörer, Angreifenden, Plünderer und Körperverletzenden – geschossen! Niemand will das in letzter Konsequenz!

Aber auch nicht unter dem Motto mit Glacéhandschuhen berührend und zuvor noch äußerst höflichen anfragend: „Darf ich Sie anfassen!“ Der „Rubikon“ ist längst schon überschritten! Deutschland ist kein Polizeistaat – aber die Polizei ist für den Staat da – und vor allem für alle Bürger und Bürgerinnen in diesem Land! Sollte aus diesem Leserbrief irgendeine Färbung herausscheinen – so werde ich konsequent als Maler sagen: Ich male diese Welt in allen bunten Farben an – weil sie bunt ist und dennoch in kein Farbenschema passen sollte… Keith Richards hat verdeutlicht:“ In meinem Metier gibt es keine Rassen, nur Menschen die Musik machen für Menschen die Musik mögen!“ Es grüßt Sie Ihr intensiver Leser – dem Sie schon viel Lebenszeit „geraubt haben“, die aber von meiner Seite aus cosmosophisch und hirnanregend investiert wurde und weiterhin in „DIE ZEIT“ verbraucht werden muss… – noch so eine permanente Sucht! – Axel Manfred Rumpf von Mansfeld

 

Ich komme spät, folgende Hinweise sind aber wichtig, damit die Diskussion nicht weiter in die falsche Richtung läuft. Folgende Erkenntnisse der Politischen Wissenschaften sind gesichert: Polizei und Militär sind die größten Gefahren für die Demokratie, auch wenn heute in Deutschland vermutlich ein sehr hoher Prozentsatz bereits hinreichend demokratiekompatibel ist. Beleg: Diktaturen, Despotien und Autokratien könnten ohne diese Helfer nicht bestehen. Polizei und Militär dürfen deshalb eben gerade nicht Siegelbild der Gesellschaft sein, sonst ist der Bestand der Demokratie latent gefährdet. Auch die Abschaffung der Wehrpflich war deshalb eindeutig schädlich und risikoreich für die Demokratie. Es gibt nach den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen trotz NS-Rassenlehre (Autor Adenauers Adlatus Globke) keine unterschiedlichen Rassen, sondern nur eine menschliche Rasse. Der Begriff „rassistisch“ ist dehalb eine leere Worthülse und muss aus dem Sprachgebraucht getilgt werden. Dieses sollte auch der Zeit bekannt sein. – Manfred Eckelt

 


 

 

Leserbriefe zu „Bitte hinten anstellen“ von Lucia Heisterkamp

 

Ein alt bekanntes Faktum wurde neu verifiziert. Und führt auch zu problematischen Schlussfolgerungen. Natürlich ist das deutsche Gesundheitswesen in Privat- und Kassenversicherte in diesem Bereich ein krass unsoziales – an die Schäden wird dabei aber zunächst nicht gedacht: viel Medizin, viel Arzt bedeutet keineswegs viel Gesundheit. Leider oft im Gegenteil. Die Beschäftigung mit NNT (number needed to treat) und NNH (number needed to harm) zeigt das schnell. Und der Zugang zum Facharzt ist für Private schneller? Nun, nicht beim Facharzt für Allgemeinmedizin – vulgo Hausarzt genannt. Da wird offene Sprechstunde angeboten, dies ist sogar – kassenärztliche – Pflicht. Es ist der schnellere Zugang zum Spezialisten, der hier beleuchtet wird. Vom Hausarzt indizierte Diagnostik und Therapie wird von demselben gerne selbst terminiert, wenn´s eben dringend ist. Was zunächst mal nur dieser beurteilen kann – der Patient kann es nicht, ist medizinischer Laie, egal, ob privat oder Kasse.

Wie oft sitzt ein verzweifelter Patient vor uns, nach wochenlanger Rundreise durch verschiedene Fachdisziplinen, mit sich stellenweise widersprechenden Ergebnissen, und wie oft ist es der Hausarzt, der die Scherben zusammen kehren muss, gerade auch die psychischen Folgen – was um so schwerer ist, wenn keine Befunde der erfolgten Maßnahmen vorliegen – was im übrigen auch für den Kassenpatienten zutrifft, der ohne Überweisung zum Spezialisten geht. – Es gebe aber doch so viele Leistungen, die die Kassen nicht zahlen – warum tun sie´s nur nicht? Weil der „Gemeinsame Bundesausschuss“ (auch „kleiner Gesetzgeber“ genannt) sehr akribisch Nutzen und Schaden anhand der (seriösen) Studienlage beurteilt und zu Lasten der Solidargemeinschaft nur das zulässt, wo ein nachgewiesener Nutzen verifiziert werden konnte. Unter der wichtigsten Prämisse des nil nocere ist es eine der wesentlichen Aufgaben des Hausarztes, den Patienten durch den immer dichter werdenden Dschungel des Gesundheitsbetriebes zu begleiten. Etwa 10% aller Deutschen sind privat versichert – unter den ZEIT-Lesern dürften es deutlich mehr sein. – Dr. med. Albrecht Bärenz

 

Was sollen solche von Ihnen zitierten Untersuchungen bezwecken. 7% höhere Wahrscheinlichkeit einen Arzttermin zu bekommen. 7% wovon? Ich bin mit einer Magen- und Darmärztin verheiratet. Jede Patientin und jeder Patient bekommt einen Termin. Egal ob Kasse oder Privat. Bei „Eilüberweisungen“ innerhalb einer Woche, Notfälle werden sofort behandelt. Bei Vorsorgeuntersuchungen variieren die Termine. Das ist in anderen Facharztpraxen nicht anders. Lauterbachs Statement ist purer Populismus. Er ist zwar Mediziner, hat aber als Arzt nie gearbeitet. Die ärztliche Behandlung ist immer gleich. Ob privat oder gesetzlich versichert. Seien Sie froh, dass Sie in einem Land leben, in dem man sich unter verschiedenen Voraussetzungen privat versichern kann. Ohne Privatversicherte gäbe es bei der derzeitigen Vergütung für Fachärzte keine Facharztpraxen in Deutschland. Alle Fachärzte leben ausschließlich von Privatpatienten. Die Honorare der Kassen werden komplett verbraucht für den Unterhalt der Praxen.

Schauen Sie mal nach Frankreich oder nach Luxemburg. Von Großbritannien wollen wir gar nicht reden. Da gibt es keine niedergelassenen Fachärzte. Diese sind einem Krankenhaus angeschlossen. Wenn Sie in Frankreich oder Luxemburg einen Facharzttermin haben möchten, geht das über den Hausarzt. Die normale Wartezeit beträgt rund 6 Monate. Vorsorgeuntersuchungen wie in Deutschland sind völlig unbekannt. Also: seien Sie froh, dass wir ein solches System haben. Bei den von Ihnen zitierten Untersuchungen sollten Sie immer fragen: “Was soll das, wem nützt es?“ Wenn Sie eine interessante Recherche mal anstellen möchten, fragen Sie danach, wer alles von den Beiträgen der gesetzlich Krankenversicherten lebt. Sie werden staunen. Nur knapp 50% der Beiträge werden für die medizinische Behandlung verbraucht. – Hartmut van Meegen

 

Wo ihre Autorin die Zahlen her hat, weiß ich nicht. Ich habe genau das Gegenteil erlebt. Mein Hausarzt und mein Urologe hat mich nie länger warten lassen. Bei beiden Ärzten müßte ich nicht länger als eine Woche warten. Oft konnte ich innerhalb von nur zwei Tagen behandelt werden. Meine Krankenkasse ist die Barmer Ersatzkasse ohne Zusatzversicherung. – Gunter Knauer

 

So einfach, wie Sie es in Ihrem Artikel darstellen, Frau Heisterkamp, ist die Situation nicht. Auch die Lösung der SPD, hier besonders des Herrn Lauterbach, ist nicht oder kaum praktikabel. Ich will es kurz machen. 1. Wo steht geschrieben, dass alle Kranke gleich behandelt werden sollen? Schliesslich Übernachten Sie jawohl im Hotel kaum mit 1 oder 2 anderen in demselben Zimmer 2. Die Privaten finanzieren eine Menge Kosten der GKV mit, diese Mehrkosten müssten Auf alle übertragen werden, das kann auch bei wechselnden PKV von 10% kein Nullsummenspiel geben 3. Der Versuch Spahn mit TSVG eine Lösung zu präsentieren kann nicht gelingen, denn auch Mediziner Können nur maximal 24 Stunden am Tag arbeiten. MRT Geräte können zwar 24 Stunden pro Tag „arbeiten“ Menschen allerdings Nicht.

4. Solange das System nicht grundsätzlich geändert wird (KVG regelt die Zulassung der Ärzte und setzt die Quoten fest, KVG macht Forderungen gegen ihre eigenen Mitglieder geltend wenn sie meint (die KVG) dass irgendeine verordnete Medizin nicht notwendig war. Dann gibt es ein Verfahren, und der verschreibende Arzt muss auch noch nach 5 Jahren die Kosten erstatten, die für ein überteuertes Medikament bezahlt werden musst. Wer, bitte, will denn unter solchen irren Bedingungen noch Arzt werden. 5. Das Problem ist, die meisten Patienten haben gar keine Ahnung von all diesen Dingen, sondern bei denen heisst es nur; Mein Gott, ich muss bei meinem Arzt eine Ewigkeit warten bis ich dran komme. Es sind dieselben, die hier meckern, die sich ohne zu meckern stundenlang an eine Kinokasse oder sonstige Eventkasse stellen um ein Ticket oder ein billiges Sonderangebot zu bekommen. Verkehrt Welt. Zum Schluss noch Frau Heisterkamp ich bin kein Arzt, und es gibt auch keinen Mediziner in unsrer Familie. – Manfred Mengewein

 

Zum Beitrag der Frau Heisterkamp in der ZEIT vom 25.6.2020 (S. 21) möchte ich anmerken: 1. Privatversicherte zahlen höhere Beiträge als gesetzlich Versicherte, und zwar pro Kopf, auch in der Familie. 2. Ärzte werden von den Privatversicherten entsprechend den erbrachten Leistungen bezahlt. Dieses Entgelt ist höher als eines für eine vergleichbare Leistung an einen gesetzlich Versicherten. Mein langjähriger Hausarzt sagte dazu: Mit dieser höheren Bezahlung von Privatversicherten kann ich medizinisch sinnvolle/ notwendige Behandlungen von gesetzlich Versicherten vornehmen, die die Kasse nicht bezahlt.

3. Die gesetzliche Krankenversicherung verdient den Namen „Versicherung“ nicht. Eine Versicherung erbringt die versicherten Leistungen. Nach Ende des Versicherungsjahres werden die Einnahmen den Ausgaben gegenübergestellt, und im Falle eines Defizits die Versicherungsprämien angehoben. Im System der gesetzlichen Krankenkasse ist es umgekehrt. Die Politik setzt den Beitragssatz fest. Daraus ergibt sich ein Finanzvolumen, das für Leistungen zur Verfügung steht. Dadurch entsteht ein Kostendruck, der z.B. dazu geführt hat, dass Pflegekräfte fehlen, dass die Pharmaindustrie die Produktion ins billigere Ausland verlagert hat, oder dass die Krankenhäuser keine oder zu wenige Beatmungsgeräte, Masken usw. vorhalten. 4. Wenn dieses System vom Kopf auf die Füße gestellt ist, kann man es mit der privaten Krankenversicherung zusammenlegen. Vorher aber nicht! – Hans-Günter Reither

 

In ihrem Artikel über die Wartezeiten von Kassenpatienten führt die Autorin Lucia Heisterkamp aus, dass etwa zehn Prozent der Bevölkerung privat krankenversichert sind und seltener krank werden als die gesetzlich Versicherten. Selbst wenn die privat Versicherten (10 Prozent!) doppelt so schnell einen Arzttermin bekommen, kann dies schon mathematisch nicht die Ursache dafür sein, dass die gesetzlich Versicherten (90!) länger auf Termine warten müssen. Es würde mir sehr helfen, wenn die Autorin diesen Zusammenhang erklären würde. – Gerhard Hinz

 


 

 

Leserbriefe zu „Menschlichkeit oder Stacheldraht?“ Streit von Jean Ziegler und Manfred Weber

 

Welch ein Kontrast. Hier der ehemalige UN-Sonderberichterstatter, der die Zustände in den griechischen Flüchtlingslagern mit großer Leidenschaft anprangert und bis zu einem Generalstreik in Europa gehen möchte, um diese Zustände zu beenden. Dort der Präsident des Europaparlaments, der nur davon redet, was alles getan werden „müsste“, ohne jegliche Leidenschaft und ohne Strategie, die zu einer Lösung führen könnte. Seine Messlatte sind nicht Menschenrechte und Werte, von denen in Europa viel die Rede ist; es reicht ihm vielmehr schon, das das Leben in Europa besser ist als in den USA und China.

Und anders, als Weber suggeriert, streicht die EU keine Gelder , wenn Grundrechte und Medienfreiheit verletzt werden. Statt dessen ziehen sich die Vertragsverletzungsverfahren gegen Polen und Ungarn endlos hin und sind angesichts der Abstimmungsmodalitäten sowie längst eine Farce, weil beide Länder sozusagen eine Sperrminorität bilden. Und Weber selbst schafft es ja nicht einmal da zu handeln, wo er es problemlos könnte: Nämlich die Orban-Faschisten aus seiner EVP auszuschließen. Angesichts dieser fehlenden Leidnschaft ist es kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen enttäuscht vom europäischen Projekt abwenden. – Dr. Dirk Kerber

 

Der ehem. Professor und UN-Sonderbotschafter mag die EU-Flüchtlingspolitik aus seiner Mentalität als Sozialist(mit vermutlich solidem Vermögen in der Schweiz)in dieser Weise bewerten,das ist dem anhaltenden Flüchtlingsproblem jedoch nicht dienlich. Insoweit kann er ebenso wie Weber sich glücklich preisen durch den Zufall seiner Geburt auf der politisch richtigen Seite geboren zu sein.Ich betrachte diese Darstellung gegenüber Weber für arg überzogen,denn er weiß ebensogut um die humanitären Nöte der Menschen Lagern auf Lesbos.Die Forderung die dort gegenwärtig befindlichen Asylsuchenden ohne Wenn und Aber nach Griechenland einreisen zu lassen,lässt bei Ziegler eine reale Urteilsfähigkeit vermissen.Das kann man keinem EU-Land zumuten,wie er aus dem eigenen Heimatstaat wohl sehr gut weiß.

Es ist dem Respekt Webers gegenüber Ziegler zu verdanken,dass der Streit nicht eskalierte,denn die bekannten staatsrechtlichen Grundlagen sind nicht so einfach beiseite zu schieben! Als ehem.UN-Botschafter wäre es vielleicht seinerseits nicht falsch gewesen,die EU nicht primär anzuprangern,sondern auch sonstige potenzielle Aufnahmestaaten ins Menschen ohne Papiere und belegtem Asylgrund in die EU wollen,was schlicht nicht zugelassen werden kann,wie Ziegler zweifellos weiß.Er hat nun seine Bühne gehabt,wird jedoch kaum ernst genommen werden können,weil die Dinge weit schwieriger gelagert sind! – Heinz-W.Raderschatt

 

Es ist wie eine Diskussion am offenen Herzen. Sinnlos! Auf der einen Seite der.. wir müssen.., ich will.., man sollte.., ich hoffe.. Mann Weber. Er hofft auf gemeinsame Lösungen mit den Kernanliegen “ bessere koordinierte Entwicklungshilfe, strikten Schutz der EU Außengrenzen, ein solidarische Verteilung der Asylberechtigten. Aus Sicht der betroffenen Menschen ein elendes Weiterso wie in den letzten Monaten oder Jahren. Auf der anderen Seite ein reiner Verfechter der Menschlichkeit Ziegler, der ein sofortiges Handeln in dieser konkreten Lage auf der griechischen Insel Lesbos fordert. Was für eine kranke Welt. Wo ist der Kriesenstab in Brüssel, der dieser konkreten Not ein Ende macht. Wenn ich mir die „wichtigen“ Themen in den Medien täglich im Vergleich ansehe, könnte ich, wird mir schlecht. – Walter Schroiff

 

Staaten, die Fluchtziele sind, hegen sicherlich insgeheim die Hoffnung, dass die schrecklichen und inhumanen Zustände in den Lagern, den Zustrom weiterer Flüchtlinge verhindern. Sicherlich ist das auch ein Grund dieser Staaten, diese Zustände erst einmal zu dulden. Auf die Dauer können rechtsstaatliche und demokratisch auf humanitären moralischen Prinzipien beruhende Staaten es sich nicht leisten, diese inhumanen gegen die Würde des Menschen verstoßende Zustände in europäischen und auch anderen Nachbarstaaten hinzunehmen. Es scheint so, dass sich gezwungen sehen müssen, als dafür zu sorgen, dass die Länder, die Lager halten, in denen die Flüchtlinge untergebracht sind, so auszustatten, dass sie humanitären Grundsätzen entsprechen. Dies ginge allerdings nur, wenn die Länder, in denen sich die Lager befinden, diese Umgestaltung vornehmen oder sie zulassen. Auf jeden Fall würde sie für die neu Einrichtung und Unterhaltung derer Lager entsprechende finanzielle Zuwendungen fordern.

Ob diese dann auch tatsächlich für die genannten Zwecke verwandt werden, ist nicht zu überprüfen, soweit es sich nicht um Länder der EU handelt. Die zweite Möglichkeit besteht natürlich darin, dass man im eigenem Land entsprechende Lager einrichtet, in denen die Flüchtlinge so lange untergebracht werden, bis sie das Asylrecht oder Recht für einen vorübergehenden Verbleib erhalten. Diejenigen, die dieses Recht nicht erhalten, müssten abgeschoben werden können. In den Lagern wären die Flüchtlinge nicht frei. Die dritte Lösung, die Flüchtlinge ungeprüft bezüglich ihrer Aufenthaltsberechtigung ins Land zu lassen, ist natürlich auch möglich. Sie wird aber von keiner Bevölkerung eines Staates mehr ruhig hingenommen werden. Alle drei möglichen Lösungen des Problems beenden die Krise nicht. Sie vergrößern sie sogar noch.

Es ist damit zu rechnen, dass aus allen Schwellenländern in nächster Zeit immer mehr Personen sich zur Flucht entschließen. In Afghanistan, im Jemen und Irak und vielleicht bald wieder im Libyen herrscht ungezügelte militärische Gewalt. Die Veränderung der Umwelt durch Verwüstung und Überschwemmung rauben immer mehr Menschen die Existenzgrundlage, beschädigen die Staaten in ihren Strukturen, derart, dass sie weder für die Sicherheit und noch für eine ausreichende Daseinsvorsoge für ihre Bevölkerungen sorgen können. Aus all diesen Ländern fliehen vor allem die Menschen, die sich für fähig halten, die Risiken der Flucht zu überstehen und in dem fremden Land ihr Leben für sich und ihre Familien neu zu gestalten. Es sind die mutigsten und die befähigten Bürger des Landes. Wird nun das Risiko des katastropalen Scheiterns der Flucht durch die drei oben genannten Lösungen herabgesetzt, dann wird dadurch den Flüchtenden weniger Mut zur Aufnahme des Risikos des endgültigen Scheiterns abverlangt, d.h., es fliehen noch mehr Menschen aus ihrem Heimatland. Dieses wird durch die Flucht dieser Personen weiter im hohen Maße geschwächt und zwar so, dass mit dem völligen Untergang des Landes bzw. Staates gerechnet werden muss.

Die oben genannten drei Lösungen mögen aus humanitären Gründen geboten sein, mindern aber nicht das eigentliche Problems, das in dem Verlust der Lebensqualität der Biosphäre, den Verfall staatlicher Strukturen und Kulturen und aber auch den Verlust der Solidaritätsgrundlage der Länder mit sich bringen kann, wenn ein Land zu viele Bürger aus fremde Ländern aufnimmt.. Die Lösungen lassen sich vergleichen mit einem Arzt, der ein Geschwür seines Patienten allein dadurch behandelt, indem er ihm Schmerzmittel verabreicht und das Geschwür unbehandelt lässt. Die Flüchtlingskrise kann nur dadurch beseitigte werden, dass die Ländern, aus denen geflohen wird, so unterstützt werden, dass es die Gründe zur Flucht aus ihnen nicht mehr gibt. Auch diese Hilfe muss natürlich von den bedrängten Staaten akzeptiert werden, ohne dass die Staaten sich wieder als kolonisiert betrachtet müssen. Die Weltmachtordnung der Staatengemeinschaft, lässt zurzeit Hilfen und Maßnahmen, die nicht sofort Nutzen für den eigenen Staat mit sich bringen, nicht zu. Es herrscht das trumpsche Prinzip, My country first.

Wegen dieses Prinzips werden auch die asozialen und inhumanen Zustände in den Flüchtlingslagern in anderen Ländern hingenommen und die Aufnahme von Flüchtlingen ins eigenen Land, gleich, ob zunächst in Lagern oder gleich frei im Lande nicht zugelassen. Die Flüchtlingskriese, bedingt durch den wachsenden Verlust der Lebensqualität der Biosphären durch fehlende Sicherheit vor Krieg und Terror ist ein globales Problem, das einer globalen Lösung bedarf. Zu gemeinsamen Problemlösungen können sich die Staaten aber nur vereinen, wenn sie nicht mehr in einer Weltmachtordnung existieren, sondern in einer Weltrechtsordnung, in denen es ihnen ermöglicht wird, gemeinsame Lösungen zu finden und diese dann für jeden Staat verbindlich sind und auch durchgesetzt werden können.

Sieger in dieser veränderten oder korrigierten Weltordnung ist nicht der das stärkste militärische oder ökonomische Potential besitzt, sondern der Staat. der die besten Lösungen der Weltprobleme anbietet und der außenpolitisch Interessen verfolgt, die nicht nur berechtigt, sondern auch überwiegend, d.h. global begründet sind. Es darf nicht mehr das Prinzip, May country first, sondern ,Our world first, gelten. Die Menschheit und damit alle Staaten sind durch die ungelösten Weltprobleme, Friedens-, Schöpfungswahrrung und Gerechtigkeitsfindung so betroffen, dass auf eine weitere Existenz aller Staaten in der nicht korrigierten Weltmachtordnung nicht gehofft werden kann. Diese Weltordnungskorrektur oder –ergänzung wird vom Institut für internationales Recht der Kunst und Recht Stiftung. Leiter Hinrich Bartels, über die Initiative, Law for future, verfolgt. – Hinrich Bartels

 

Menschlichkeit oder Stacheldraht? Ein 86jähriger Intellektueller aus der Schweiz streitet sich mit einem deutschen EU Politiker über Flüchtlingspolitik. Wie wird Menschlichkeit gelebt? Wer ist verantwortlich für Menschlichkeit? Es ist langweilig und leider nichts Konstruktives aus diesem Streitgespräch zu entnehmen, keine neuen Ideen oder Vorschläge. Ich würde mich so freuen, wenn junge und innovative Fachleute sich über Flüchtlingsthemen streiten würden. Wir brauchen Ideen und Kämpfer*innen, die den Menschen helfen in ihren Orten der Geburt Menschlichkeit lebendig zu halten, den Flucht ist im Grunde genommen für viele Menschen die Bewegung in ein Leben, das nicht die erhoffte Lösung für ihre Nöte ermöglicht. – Ulrike Herrmann

 


 

 

Leserbriefe zu „Frei wie nie“. Gespräch mit Maike Schubert, Frank Wagner und Christian Dern geführt von Jeannette Otto und Martin Spiewak

 

Die Schulschließungen haben mir als fast 65-jährigem Lehrer eines bayerischen Gymnasiums Gelegenheit gegeben, Neues auszuprobieren, die digitalen Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen. Hierin pflichte ich den drei Schulleitern bei. Ihre daraus gezogene Konsequenz, die Schule von Grundauf neu zu gestalten, halte ich für fragwürdig und in weiten Teilen unrealistisch. Ein Verzicht auf feste Vorgaben in Lehrplänen, auf die Anwesenheitspflicht von Schülern, auf Benotungen, die Einrichtung eines Wochentages, an dem Schüler von zu Hause arbeiten lassen, das Erlernen von Formeln durch Ansehen von Clips auf Youtube , das Üben von Wörtern oder Rechenaufgaben durch Theater spielen zu ersetzen, den Schülern die Möglichkeit einräumen, die Pflichtstunden zu reduzieren, um dafür Computerprogramme zu schreiben, der Freiraum für Schulen, die Zahl der Prüfungen selbst festzulegen und den Schülern je nach Fähigkeiten ein Abitur auch schon nach 10 oder erst nach 14 Jahren zu ermöglichen, all diese in dem abgedruckten Gespräch erhobenen Vorschläge und Forderungen klingen zweifellos zunächst verlockend.

Doch der Wunsch nach Experimenten und Freiräumen in unseren Schulen würde zu noch mehr Unterschieden in unserem ohnehin schon uneinheitlichen Bildungssystem führen und damit die Ungerechtigkeiten nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern auch noch von Schule zu Schule verstärken. Hinzu käme, dass nach meiner Erfahrung während der Schulschließung der Distanzunterricht mit Lernplattformen oder Ähnlichem gerade die Schüler, denen es an häuslicher Unterstützung fehlt, oder Schüler aus sozial benachteiligten Elternhäusern häufig überfordert. Und wie stellen sich Frau Schubert, Herr Dern und Herr Wagner einen Fremdsprachenunterricht vor, wenn die Lernenden zu Hause das Englische oder Französische nicht sprechen und ihre Fehler nicht direkt vom Fachmann korrigiert werden können? Letztlich brauchen junge Menschen Verbindlichkeiten wie Lehrpläne, einen festen Stundenplan oder Noten.

Unterricht ist eine soziale Angelegenheit und lebt von direkter Interaktion. Wie entscheidend die Persönlichkeit des Lehrers für den Lernerfolg sein kann, gibt Herr Wagner in dem Gespräch selbst zu. Gerade in der Zeit der Schulschließungen wurde mir wieder bewusst, wie wichtig der persönliche Kontakt mit Schülern ist, nicht nur, weil diese mich nach Unverstandenem fragen können oder weil es in jeder Klasse Reibungsflächen gibt, durch deren Beseitigung ich meinem Erziehungsauftrag nachkommen kann. Die Digitalisierung wird im Unterricht der Zukunft einen immer größeren Stellenwert einnehmen, den Lehrer und seinen direkten Kontakt mit Schülern ersetzen können wird sie nicht. – Norbert Berger

 

Die Schulen haben den Auftrag, die freie Entfaltung der Persönlichkeiten zu befördern und die Schüler/innen zugleich auszurichten auf die Anforderungen der Hochleistungsgesellschaften. Eine weitgespannte Aufgabe, die vielfältige und individualisierte Angebote und Verfahren erfordert. Vor diesem Hintergrund suggerieren Bildunterschrift und Untertitel ein Stehengebliebensein von Didaktik und Unterrichtsorganisation in den 50er Jahren, wenn nicht gar im „19. Jahrhundert“, wie Kollege Wagner feststellt. Man kann sich aussuchen, ob diese Darstellung als Sensationsjournalismus oder als Ausdruck einer von den Fesseln jeglicher Kenntnis befreiten Urteilskraft zu verstehen ist. Die staatlichen Schulen waren in den zurückliegenden 20 Jahren Schauplatz erheblicher Reformanstrengungen auf den Ebenen von Schulstruktur, Schulorganisation und Qualitätsentwicklung. Zur Illustration: Inklusion, Zentralabitur, Schulstrukturreformen hin zu Oberschulen/Gemeinschaftsschulen/Stadtteilschulen, G9/G8/G9, Schulprogramm, Steuergruppe, Qualitätsmanagement, Selbstevaluation, Schulinspektion, Kompetenzorientierung, Begabtenförderung, Ganztagsschule, Präsentationsprüfungen, Digitalisierung, Smart-Boards, Digitalpakt. Eine Aufschlüsselung weiterentwickelter Methodik in den einzelnen Fächern erspare ich Ihnen. Natürlich hat in diesen Prozessen nie jemand über „überfällige Reformen“ an der „alten Schule“ nachgedacht. Bei Interesse an einem aktuelleren Kenntnisstand empfehle ich die Beschäftigung mit dem Niedersächsischen Bildungsserver auf www.nibis.de. – Regina Steindorf

 

Ergänzend zu dem Gespräch möchte ich noch anmerken, dass mich immer wieder die rein städtische Perspektive auf das Thema „Schule und Digitalisierung“ wundert. Eine teildigitalisierte altersgemischte Reformschule, wie Frau Schubert sie umreißt, untergebracht im fast in jedem Dorf vorhandenen Gemeinschaftshaus, mit Tutoren, die die Kinder unterstützen und ihre Ansprechpartner sind, würde den Landkindern quälend lange Schulwege im Bus ersparen und könnte zur Reanimierung so manchen Dorfes beitragen. Zeit kann sinnvoller genutzt werden als auf Transportwegen zur und von der Schule. – Marlies Weidenfeller

 

Vielen herzlichen Dank für dieses Interview! Als Mutter von 4 schulpflichtigen Kindern im staatlichen Schulwesen habe ich mich seit der durch Corona bedingten Schliessung der Schulen von der öffentlichen Berichterstattung über Schule und Bedürfnisse von Eltern und Schülern immer weniger angesprochen gefühlt. Offenbar fordert eine breite Mehrheit die Rückkehr zur alten Normalität, unsere Familie definitiv nicht! Auch wir hätten gern noch länger Zeit so verbracht und Schule anders praktiziert. Dieses Interview gibt mir Hoffnung, dass Corona in unserem Schulsystem vielleicht doch etwas bewirken könnte. Vor allem unsere beiden älteren Söhne, die ein Gymnasium besuchen, haben von der Umstellung auf Homeschooling enorm profitiert. Wir haben versucht, unserer Ansicht und unseren Erfahrungen in Briefen an Elternbeirat, Schulleiter, Klassenlehrer und Lokalzeitung Ausdruck zu verleihen, aber man fühlt sich manchmal an den Kampf gegen Windmühlen erinnert und fragt sich unweigerlich, ob man nicht doch sehr im Abseits steht. Wie wunderbar, die Meinungen dieser drei Schulleiter zu lesen, die mir aus dem Herzen sprechen. Leider sind es wieder mal nur Leiter von sowieso schon alternativen Reformschulen. Gibt es auch Hoffnung für normale Schulen? – Berthilde Galosi

 


 

 

Leserbriefe zu „Ohne ihn“ von Mariam Lau

 

Durch Zufall habe ich heute Ihren Artikel über Armin Laschet und Jens Spahn gelesen und ich muss sagen, ich bin bestürzt. Wollen sie diese an den Haaren herbei gezogene Story den Welt-Lesern als Qualitätsjournalismus verkaufen? Aus meiner Sicht ist er alles andere als das. Ich bin ganz sicher kein Freund von Armin Laschet, doch ihm einfach die Verantwortung für den Corona-Ausbruch in Gütersloh in die Schuhe zu schieben – was bezwecken sie damit? Wollen sie damit seine politischen Ambitionen torpedieren. Ist Ihnen der Mann nicht genehm genug? Sie haben Ihre journalistischen Möglichkeiten nicht zur Information statt zu einer primitiven Meinungsmache missbraucht. Und dann noch die Redewendung von Friedrich März und seinen „vielen“ Fans. „Viele“ ist aber auch eine sowas von treffende journalistische Größe – ich bin beeindruckt. Ich lese hin und wieder die „ZEIT“, aber wenn ein derart schlechter Stil dort zur Tagesordnung wird, werde ich diese Zeitung gar nicht mehr in die Hand nehmen und schon gar nicht anderen weiterempfehlen. Ganz im Gegenteil! – Jörg Foetzke

 

Ganz ehrlich, bevor ich einen Bundeskanzler aus Bayern wähle, wähle ich viel lieber und mit deutlich mehr Begeisterung einen Bundeskanzler aus Norddeutschland. Soll heißen: Scholz vor Söder! – Yves Pulst

 

Soll Söder die andere Lösung sein. Gott steh uns bei. Was heißt hier geschmeidig? Herr Söder tänzelt von ganz rechts nach ganz links. Er will die Ausländermaut. Beglückt uns mit dem neuen Wort, „Antiabschiebeindustrie“. Dann umarmt er plötzlich, wie aus dem Nichts, Bäume. Knuddelt kleine Hunde und trägt Bienen über die Straße. Das ist wirklich geschmeidig. Aber wer braucht so etwas? Ich nicht! – M. Kersten

 

„Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen“, so geht ein besonders in Kindertagen oftmals vernommenes Sprichwort. Es gilt nach wie vor, ganz besonders in der Politik, wenn auch selten so signifikant wie die Herren Laschet und Spahn betreffend. Und es gilt, wie für jedes Bündnis, in guten, vorzugsweise jedoch in schlechten Tagen. Wer freilich hätte bei der politisch durchaus kongenialen Ausgangslage der beiden Protagonisten vor Corona ahnen können, dass die personelle Schwerpunktsetzung zum Schwachpunkt innerhalb dieser Zweckbeziehung geraten würde. Nicht zuletzt dadurch, dass langjährige, überparteiliche Versäumnisse dem ohnehin strategisch angeschlagen wirkenden NRW-Ministerpräsidenten schwerwiegend vor die Füße fallen.

Andererseits ist freilich zu konstatieren, dass ein exponiertes Amt gemeinhin vielerlei Herausforderungen und Stolperfallen bereithält, mit denen ein in Verantwortung und Verpflichtung stehender Politiker nebst kluger Berater zielführend umgehen können muss. Krisen offenbaren und setzen außerordentliche, gleichwohl relevante Maßstäbe. Gewogen und für zu leicht befunden, heißt es dann mitunter, mal mehr, mal weniger zutreffend. So oder so, vor einer gesamtgesellschaftlich orientierten Kritik und Aufarbeitung der Corona-Krise sollten wir uns jedenfalls nicht schonen; vor der eigenen Kritikfähigkeit aber ebenfalls nicht. – Ira Bartsch

 


 

 

Leserbriefe zu „Die Babopflicht“ von Alard von Kittlitz

 

Ihr Vorschlag ist nicht zu Ende gedacht. In einem Unternehmen wie z.B. Siemens ist jeder Posten 20fach besetzt. Wenn ein Mitarbeiter fehlt dann über nehmen die anderen 19. Das Gros der Arbeitsplätze in Deutschland ist aber in kleinen Firmen. Wenn in einem 20 Personen Betrieb der eine Mitarbeiter fehlt der z.B. eine bestimmte Maschine bedienen kann dann ist das ein Problem für die Firma. In solchen Unternehmen wird üblicher Weise genau geplant wann diese Person in Urlaub kann, damit die Projekte weiter laufen können. Wenn diese Person 3 Monate oder länger fehlt ist das ein großes Problem für das Unternehmen und damit für alle Beschäftigten (ich habe das selbst erlebt). Es ist auch illusorisch zu glauben man könnte für diese Zeit Ersatz finden, es ist hinlänglich bekannt das Spezialisten rar sind. Zusammengefasst kann man sagen das eine verpflichtende Elternzeit eine sehr schlechte Idee wäre. – Peter Hill

 

Ich möchte gerne etwas aus meiner Sicht wichtiges dazu beitragen. Die Elternzeit als vaterpflicht würde ein erheblicher Gewinn für alle sein. Nur durch den täglichen Kleinkram mit den kleinen Kinder entsteht eine enge emotionale Beziehung. Davon profitieren besonders die Väter. Da kommen sie unweigerlich auf das weite Feld der Emotionen. Ich kenne zum Glück eine Menge solcher Väter. Tolle Männer sind das! Schade, dass ich für die zu alt bin! – Ursula Schlenther

 

Warum auf halber Strecke stehenbleiben? Wer raucht, Alkohol trinkt oder Schokolade isst, wird mit sofortigem Entzug aller Gesundheitsleistungen bestraft. Wer unreflektiert Artikel in Zeitungen schreibt, erhält ein lebenslanges Schreibverbot. Da lässt sich sicher noch mehr finden. Zu den Fakten: Das Sorgerecht ist ein Grundrecht. Allerdings ein Grundrecht, was Väter sehr schnell verlieren können, wenn sie es denn, erst durch das Einverständnis der Mütter, überhaupt erhalten. Väter, die sich gegen den Willen der Mütter zeitlich für ihre Kinder engagieren, werden schnell bemerken, dass sie nach Meinung von Jugendamt und Familiengericht, im Übrigen sehr weiblich dominiert, nur die Pflicht haben, jeden Monat hinreichend Geld an die Mutter zu zahlen. Dafür haben sie mindestens eine Vollzeit-Stelle und auch Überstunden auszufüllen.

Väter kämpfen zum Teil um jede Minute Umgang mit ihren Kindern und verlieren trotzdem zum nicht geringen Teil den Kontakt zu ihren Kindern. Dies betrifft auch diejenigen Väter, die sich als Hausmann bis zur Trennung hauptsächlich um Kinder und Haushalt gekümmert haben. Die Haltung der Gesellschaft, bei Mann und Frau, ist eben sehr konservativ und dafür kann man nicht allein die Männer bestrafen. Die Erziehung von Kindern, wodurch sicher auch Gesellschaft geprägt wird, ist in Kita und Grundschule schließlich zu ca. 90% weiblich dominiert. Was machen diese Erzieherinnen und Lehrerinnen verkehrt? Etwas Recherche hätte dem Artikel gut getan, insbesondere im BGB-Familienrecht. Wie sich Eltern die Familienpflichten aufteilen, ist nämlich deren private Sache. Im Übrigen ist „Kleinkindaufziehen“ kein Knochenjob und Säuglinge sind nicht „herrisch“ aber vielleicht ist es wahr, dass die Jugend immer verwöhnter wird und natürliche Aufgaben zunehmend als Last empfindet. – Olaf Tschech

 

Wie der Autor treffend bemerkt: Er ist nicht der Erste und Einzige, dem diese Idee kommt. Ich hatte sie schon vor 28 Jahren, als mein Mann und ich selbst in das Thema Kinderaufzucht eingestiegen sind. Wir haben uns den Job geteilt, was anderes erschien uns nicht logisch. Welch herrliches Privileg es sein kann, maximal von brüllenden Chefs und nervigen Kollegen, aber nicht von ebensolchen Kleinkindern fremdbestimmt zu werden, weiß ein Gutteil der Männer bereits, das muss man denen nicht erst beibringen. Deshalb genau verzichten sie ja weise und großzügig auf Babozeit. Man muss ja auch nicht auf die heiße Herdplatte fassen, um zu verstehen, dass das keine gute Idee ist. :) Aber grade weil sie es wissen oder mindestens dumpf ahnen, muss man sie zwingen, da gebe ich dem Autor recht. Sonst ändert sich das Missverhältnis nie. Und Chefs lernen nie, dass auch Männer „ausfallgefährlich“ sein können. Und zwar auch ältere – im Gegensatz zu den Frauen, da ist der Kinderzug ja irgendwann durch. – Eine Leserin

 


 

 

Leserbriefe zu „Sie sind müde“ von Antonia Baum

 

Kompliment, Frau Baum, ein auf antoniahafte Art toller Text: Präzis, prägnant, ohne Angst vor klarer Wortwahl und Mitdenken provozierend. Danke. – Ingo Klamann

 

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen und möchte Ihnen kurz bestätigen, dass der ganz alltägliche Rassismus in diesem Land mittlerweile alle Bereiche des Lebens betrifft.Was vermutlich auch jeder halbwegs intelligente Mensch weiß. Ungeachtet dessen, in welchen sozialen Kreisen, mit welchen finanziellen Möglichkeiten der Einzelne als „Homo sapiens“ ausgerüstet ist. Mir ist da eine Geschichte passiert, die es vermutlich auch so noch nicht gegeben hat.Aber ich fühle mich ermutigt genug, in einer renommierten Zeitung mit einem erstklassigen Journalismus das Ganze weiterzugeben. Bitte betrachten Sie das Ganze nicht als Jammern auf hohem Nieveau, ich schreibe mir das quasi von der Seele, um zu neuen Ufern aufzubrechen.Wir Kölner haben da so einen kölschen Spruch: was fot is, is fot. Mein Hintergrund: Lebe in Köln bin deutsche Staatsbürgerin, bin verheiratet mit einem Kroaten, besitze eine Eigentumswohnung und habe eine geflohene Romafamilie unterstützt.

Aus meinem Hilfsprojekt für geflüchtete Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund ist ein Fall fürs Amtsgericht Köln entstanden, den ich als „Vermieterin“ unabhängig jedweder Rechtslage auf mich nehmen mußte. Hier ist meine Geschichte: Im Jahr 2015 ist ja bekanntlich die erste große Flüchtlingswelle über unser Land erfolgt.Zu diesem Zeitpunkt wurde meine Eigentumswohnung frei, da der letzte Mieter auszog. Als freundlich denkender Mensch, selbst mit einem „Ausländer “ verheiratet wollte ich einfach nur „Gutes“ tun.Habe mich seinerzeit mit dem deutschen Roten Kreuz in Verbindung gesetzt,da ich mir dachte, einer geflüchteten Familie helfen zu können. Die Sozialarbeiterinnen vermittelten mir eine Familie aus Mazedonien mit 2 Töchtern, isg. 4 Personen.Nachdem ich diese Familie kennengelernt hatte, kurzes Gespräch in einer Flüchtlingsunterkunft in Köln zwecks Kennenlernen, habe ich dieser Familie kurzerhand meine Wohnung vermietet. Die Sozialarbeiterinnen des DRK haben über das Sozialamt der StadtKöln alles weitere geregelt. Es handelte sich um eine Romafamilie die halt unterstützt werden sollte und mein Denken war da sehr unkompliziert:

Unterstützen und Helfen, ungeachtet jedweder Rasse, Religionszugehörigkeit, Kulturethnie etc.pp. Die Familie zog ein und über ca 1-2 Jahre hinweg habe ich allabendliche Anrufe von 2 Eigentümerfamilien bekommen, die sich über die Romafamilie beschwerten, zu lautes Türeknallen, zu viel Besuch in der Wohnung, zu viele Übernachtungsgäste etc.pp. die Liste der Beschwerden ist lang.Regelmäßig sind mein Mann und ich zum Übersetzen zur besagten Familie gefahren haben erklärt, geholfen, versucht zu unterstützen.Regelmäßig habe ich ermüdende Gespräche mit den Hauptbeschwerdeführerinnen der beiden deutschen Nachbarsfamilien führen müssen.Als Vermieterin habe ich mich da ganz klar verantwortlich gefühlt. Bei den regelmäßig stattfindenden Eigentümerversammlungen wurde ich regelrecht beschimpft, wieso ich eine solche Familie habe einziehen lassen, die doch den Hausfrieden so erheblich stören würde… Es wurden Lärmprotokolle seitens der beschwerdeführenden deutschen Nachbarn verfaßt, zwischenzeitlich war ich soweit in meiner Überlegung, mich doch über einen längeren Zeitraum mit einem Schlafsack ausgerüstet einfach ins Treppenhaus zu legen und zu nächtigen, um der Sache auf den Grund zu gehen was diese lärmbeschuldigenden Vorwürfe anging…

Meine Freundlichkeit als Vermieterin ist in einem Räumungsklageverfahren gegen die Romafamilie beim kölner Amtsgericht gelandet.Das Ganze zog sich von 2018-2020 hin und macht müde und mürbe. Per Gerichtsbeschluß durfte ich als Vermieterin meine Wohnung als Eigentümerin nicht mehr betreten….Der Anwalt der Romafamilie hatte das per Gerichtsbeschluß erwirkt… Per Amtsgerichtsbeschluß muß die Romafamilie zum 31.07.2020 meine vermietete Wohnung räumen. Die Einzelheiten in diesem aufwendigen Räumungsklageverfahren möchte ich Ihnen ersparen, sie sind die Zeit des Aufschreibens nicht wert.Das Ganze hat sich über 5 Jahre hingezogen, und ich habe quasi kapituliert… Auf der einen Seite, so hat es mein Anwalt ausgedrückt, hatte ich halt Pech mit meinen Mietern.Großes Pech würde ich da sagen, da ich mich mit ziemlich viel Engagement und Einsatzbereitschaft für Menschen engagiert habe, die flüchten mußten, die nichts hatten…Ausländer halt, Migranten halt, Menschen mit Migrationshintergrund halt…

Ich persönlich bin müde und mürbe, Rassismus über 5 Jahre erlebt haben zu müssen.Bin müde und mürbe es mit deutschen Staatsbürgern zu tun zu haben, die Kleingeister sind, Besitzstandsdenker, Rassisten. Werde meine Eigentumswohnung wohl verkaufen, um endlich Ruhe zu haben und wieder unbeschwert lachen zu können, nicht müde zu werden etc.pp. Sie zitieren da Minnemann:“ …nämlich die Beschäftigung deutscher Menschen ohne Einwanderungsgeschichte mit sich selbst…..die allesamt resigniert und müde wirken bei gleichzeitiger extremer Zuvorkommenheit… Was bleibt zu tun? Ich persönlich weiß es nicht. Haltung bewahren, positiv denken? In ihrem Artikel spricht Jaweid Gholam mir aus dem Herzen, wenn er sagt, Weißt du, eigentlich müsste ich an deiner Stelle sitzen und dich befragen…Dem kann ich nur vollumfänglich zustimmen. Schade, dass Jaweid Gholam nicht in Köln lebt, dann würde ich ihn vermutlich sofort auf ein Kölsch einladen, sofern er das mag… – Dagmar Smernic – Pudelko

 

Danke für den einfühlsamen Bericht aus Hanau ! Ich war schon immer ein Fan von Antonia Baum und bin es jetzt umso mehr. – Dr. Brigitte Reinart-Lissmann

 

Ihr Beitrag ist sehr lobenswert. Erinnert er doch an die Opfer eines Terroristen, dessen Überzeugung menschenfeindlich und zerstörerisch ist und von einigen Gleichgesinnten geteilt wird. Es handelt sich dabei um eine Ideologie, eine Doktrin, die die Tatsachen der Geschichte leugnet und die historischen Verbrechen wiederholen wollen. Opfer von Terror und Gewalt können niemals gegeneinander aufgerechnet werden. Dennoch sollten wir weder die Einen noch die Anderen aus den Augen verlieren und uns mit diesen Vorstellungen auseinandersetzen. Wie geht es den Opfern der dem gewaltbereiten Gefolge der Antifa? Wie mag es den Überlebenden, den Angehörigen und den Freunden der Hunderte Opfer des islamistischen Terrors? Allen Terroristen gemein ist die Tatsache, dass sie einer menschenverachtenden, rassistischen Ideologie folgen.

Diese Ideologien zu hinterfragen, ist aus meiner Sicht Aufgabe für jedermann, insbesondere jedoch der Journalisten. In Ihrem Beitrag vermisse ich ein wenig die Objektivität. Wenn Sie von der „Entdeckung der Clan-Kriminalität“ sprechen, betrachte ich das als Herabwürdigung der schwierigen Ermittlungsarbeit der Polizei. Im gleichen Sinne wenden Sie sich gegen die Zuordnung von Straftaten, wie – Schießereien unter rivalisierenden Kriminellen, – Morden an Menschen, die ihr Leben nach dem Grundgesetz unserer Gesellschaft leben, – Morden an Unbeteiligten, die nicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft angehören, – Rauschgifthandel Zu. einem bestimmten Milieu von Gruppen unserer Gesellschaft. Leider bringen Sie dafür keinen Nachweis an Hand von Tatsachen. Die Statistik gewährt einen Einblick in die Kriminalitätsrate im Verhältnis zum Anteil an der Bevölkerung. In welcher Vorstellungswelt leben die Angehörigen und Freunde der Opfer in Hanau, wenn sie die Bekundungen des Mitgefühls als „Geheule der Deutschen“ bezeichnen, wie weit identifizieren sie sich mit den hiesigen Lebensverhältnissen, wollen Teil der Gesellschaft werden?

Wo war deren Mitgefühl nach den Morden islamistischer Täter in Europa? Mir geht es nicht um Aufrechnung von Straftaten. Im besonderen Maße gefährlich werden dieselben jedoch, wenn sie einem Weltbild folgen, das menschenfeindlichen und rassistischen Vorstellungen folgt. Die Auseinandersetzung mit diesen Vorstellungen erscheint mir einseitig. Für einige Fragen beobachte ich sogar, dass sie tabu sind. Erinnern sich die Beteiligten noch, was in ihren Schulbücher oder denen ihrer Eltern steht und in den Moscheen über die Europäer und ihre Lebensweise vermittelt wird? Auf diese Fragen finde ich keine Antworten. Vielleicht ist das deshalb so, weil diese Fragen nicht gestellt werden sollen. Das bleibt offen. – R. Schmolling

 


 

 

Leserbriefe zu „Kann er Präsident?“ von Matthias Krupa

 

Da kann ich nur hoffen, nach dem Studium Ihres o.g. Artikels über die Wahlen in Polen, daß Rafal Trzaskowski, der Warschauer Bürgermeister und Mitglied der liberalen Bürger- Plattform (PO), die Wahl gewinnt, daß er der nächste Präsident Polens wird. Sein Vater war Jazzmusiker und er liest Bücher – das fördert einen wachen, freien Geist. (Spalte 3, Absatz 2:) „Er wolle ein „starker Präsident“ sein, der die Regierung kontrolliert und die Verfasssung Schützt, kündigt Trzaskowski an, aber er werde kein „Präsident der totalen Opposition“ sein. Statt Hass und Niedertracht brauche das .Land „positive Energien““. Eben. Würde Andrzej Duda, der amtierende Präsident, wieder gewählt, könnte die nationalkonser- Vative PiS „weiterhin ungestört regieren“. Ihr Chef, Jaroslaw Kaczynski, „mobilisiert ständig“ „gegen vermeintliche Feinde, die, so geht Seine Erzählung, Polen und das „wahre Polentum“ bedrohten.“ (Spalte 2, Absatz 2:)

„Dazu gehören muslimische Migranten und Homosexuelle, kritische Künstler, unabhängige Medien, überhaupt die Opposition.“ Nein, da ist mir Rafal Trzaskowski, der Sohn eines Jazzmusikers, dem Bücherlesen unentbehr- Lich ist, doch viel viel vielversprechender. Jazz steht für mich seit einiger Zeit für friedliche Koexistenz, in der Alt und Jung, Schwarz und Weiß, Dünn und Dick.. sich gegenseitig anregen und zusammen dann ein großes Konzert geben. Und Bücher.. machen die Welt weit, über alle Grenzen hinweg, erweitern den Horizont. Meine Mutter, die ein Freigeist war und eine Visionärin, hatte ihre Wurzeln in Polen. Ich also auch. Darum hoffe ich, hoffe ich, daß dieses Land f r e i e r und f r i e d l i c h e r Werden wird nach der Wahl. – Beate Schwärzler

 

Herr M. Krupa hat einen interessanten Artikel über die Wahlen in Polen verfaßt. Die Überschrift „ Kann er Präsident ?“ hätte ich in der BZ oder BILD erwartet. Ich habe in der Schule gelernt, dass „kann“ ein Hilfsverb ist und ein Verb ( Tätigkeitswort) folgen muß. Es mag ja sein, dass Sie modern und umgangssprachlich „ hipp“ sein wollen, aber bitte nicht in „ Der Zeit“. Für einen Wortwitz bin ich jeder Zeit zu haben, aber nicht ,wenn mit der deutschen Sprache Schindluder getrieben wird. – J. Lungwitz

 

Ich hebe einen Satz aus diesem Artikel heraus und zwar diesen: „Die PiS hat große Teile der Justiz unter ihre Kontrolle gebracht, den öffentlichen Rundfunk zu einem mächtigen Propagandainstrument umgebaut und alle wichtigen Schaltstellen zur Sicherung der Macht mit eigenen Gefolgsleuten besetzt. Auch Duda hat an der Staatsspitze stets als freundlicher Erfüllungsgehilfe dieses Programms agiert. “ Meine Frage wäre jetzt an Sie oder an den Herrn Matthias Krupa der dies geschrieben hat, anhand welcher Indizien oder Merkmale stellt man fest, das „die PiS den öffentlichen Rundfunk zu einem mächtigen Propagandainstrument umgebaut hat“ ?!? Und die zweite Frage wäre, würdet ihr als Zeitung oder Herr Krupa auch genau diesen Satz so über die deutsche Regierung schreiben? Die deutsche Regierung um Bundeskanzlerin Merkel hat „den öffentlichen Rundfunk zu einem mächtigen Propagandainstrument umgebaut“ ?! Wenn die antwort lautet Nein, was ist dann der Unterschied zwischen den vom Autor suggerierten angeblichen umgebauten Propaganda Rundfunk in Polen und den in Deutschland?! – Ein Leser

 


 

 

Leserbriefe zu „Seine letzte Reise“ von Evelyn Finger und Marcel Laskus

 

Im Artikel „Seine letzte Reise“ in der Ausgabe 27 auf S. 52 von Evelyn Finger und Marcel Laskus schreiben Sie am Ende des Artikels, dass italienische Staatspräsidenten gerne den Papst am Flughafen Rom empfangen haben. Als Beispiel führen Sie Silvio Berlusconi an. Dazu meine kurze Anmerkung als jahrzehntelanger Abonnent – Berlusconi war nie Staatspräsident von Italien (Ratzinger aber natürlich schon Papst und dadurch auch Staatsoberhaupt vom Vatikanstaat). – Sven Müller

 

Geheimes Treffen in aller Öffentlichkeit ganz publikumswirksam inszeniert. Der „Ex“ (Benedikt) und der „Vielleicht“ (Söder) auf dem Rollfeld der Macht. Vielleicht wollte sich unser bayerischer „Noch-Vielleicht“, bei dieser reizvollen Gelegenheit, gleichzeitig seine bayerische Pandemie-Politik, vom römisch-katholischen „Ex“ einfach nur mal ganz katholisch absegnen lassen. Vielleicht spielte dabei auch der bayerische Kreuzerlaß eine gewisse Rolle, denn vor den bayerischen Verwaltungsgerichten, da ist dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, z.Z. das Glück nicht so ganz hold. – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Clematis“ von Stefanie Flamm

 

Diese wunderbare neue Kolumne von Stefanie Flamm ist eine Bereicherung! Der Text mit Wissen und Witz, die Illustrationen hervorragend – weiter so! Selbst passionierte Gärtnerin, habe ich begonnen, die „Gärtner-Kolumne“ in einem Heft zu sammeln. Haben Sie schon an die Staude mit dem bizarren Namen „Gewöhnlicher Natternkopf“ (Echium vulgare) gedacht? Von Bienen und Insekten geliebt, blüht sie von Mai bis Oktober unermüdlich in einem Rosa-Blau, und ist dazu noch völlig pflegeleicht…. eine wahrer Schatz von Pflanze, die kaum noch jemand kennt. – Tanja Bremer

 

Amüsiert habe ich Ihren Artikel über die Clematis gelesen. Gerade in dieser Saison hatte ich mich entschieden, ein Spalier nebst zwei Clematis-Waldreben auf meiner Loggia zu installieren. Eine („Multi Blue“) klettert langsam in die Höhe. Bekommen habe ich sie erst Ende Mai, online bestellt – weil: diesmal wollte ich alles richtig machen für eine Pflanze. Nicht irgendwie und schau’n wir mal, ob’s geht, sondern ganz gezielt ausgesucht. Denn der Lieferant (Lubera.com) hat eine Seite online gestellt, die über 150 Sorten im Angebot hat und das Beeindruckenste ist, daß jede der Pflanzen bis ins kleinste Detail beschrieben wird (Standort, Erde, Schatten-geeignet, Kübel-geeignet, ein- oder zweimal Blüher, Höhenangaben u.v.m., mal abgesehen von Form u. Farbe) und daher hatte ich mir die exakt für meine Bedingungen Passende ausgesucht.

Daß sie so heikel ist, wußte ich gar nicht. Freundin hatte dazu geraten, bei der sie wunderbar wurden. Ich denke, wer sich solche Mühe gibt, mit den Beschreibungen, wer so beflissen alles auflistet, der kann keinen Fehlkauf herbeiführen. Sie steht nun im Kübel, mit den Füßen unter Muscheln, davor u. daneben kleine blaue Bodendecker. Die Blüten sind nun am Vergehen, aber nun will ich natürlich vor allem sehen, daß sie nach oben strebt u. sich etabliert. Ich bin mehr als gespannt u. rede ihr gut zu. Die Zweite ist erst im August lieferbar. Sie wird etwas unterhalb der Balkonbrüstung – also im Schatten – ebenfalls im großen Kübel Platz finden, rosa-blühend. Leider habe ich keinen Garten mehr, gehöre also nicht zu Ihrer Zielgruppe – aber ich finde es sehr unterhaltsam von Ihnen, darüber zu lesen, was so passiert. – Susanne Hüttner

 


 

 

Leserbriefe zu „Halbstark in Stuttgart“ von Lucia Heisterkamp

 

Die Autorin stellt die Frage, was junge Männer dazu bringt, „so auszurasten wie in der baden-württembergischen Hauptstadt“. Als Erklärung wird angeboten, dass es eine Jugendszene gebe, „die sich seit Jahren am Schlossgarten trifft“. Gewaltbereit seien diejenigen, „die sich als Verlierer der Gesellschaft fühlen“. Natürlich wird von einem Experten behauptet, dass die Sicherheitskräfte der Auslöser gewesen seien, weil sie in diesen Ort eingedrungen seien. Es wird außerdem darauf hingewiesen, dass häufige Drogenkontrollen bei Migranten solche Aggressionen auslösen. Am besten ist offenbar der Rückzug der Staatsmacht wie im Görlitzer Park in Berlin, zumal dort bekanntlich der Drogenhandel fest in migrantischer Hand ist. Wie schon die Überschrift zeigt, wird ein Bezug zu deren sog. Halbstarken der 50er-Jahre hergestellt. Doch war diese Zeit sehr autoritär eingestellt, so dass die damaligen Krawalle als Aufbegehren gegen Zwang zu verstehen ist, verstärkt durch die aufkommende Rockmusik. Davon kann aber heute keine Rede sein. Eher lösen sich zurzeit alle Normen auf.

Natürlich sind die Gewaltexzesse in Stuttgart laut Artikel vollkommen unpolitisch. Dass viele der Gewalttäter nach Antifa-Art Sturmhauben trugen und auf Videos im Internet hauptsächlich sog. Südländer zu sehen sind, beruht wahrscheinlich auf rechtsradikaler Manipulation bei der Bildauswahl. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass massive Pauschalangriffe gegen die Polizei von Medien und Politikern nach dem Tod eines Straftäters bei der Festnahme in den USA geführt wurden. Die bürgerliche NZZ schrieb, dass die Polizei als „Boxsack“ dient. Während etwa die Vorfälle in Hanau, obwohl es Taten eines langjährig paranoid Schizophrenen waren, völlig unsachlich als Folge der Kritik an der Migrationspolitik instrumentalisiert wurden, erfolgt in diesem Artikel kein Hinweis auf den kürzlich veröffentlichten üblen Hetzartikel In der „taz“. Dort wurde empfohlen, Polizisten auf Müllhalden als adäquater Umgebung zu entsorgen. Vielleicht ist das gar nicht nötig, weil zumindest nach Ansicht Ernst Jüngers (veröffentlicht in den Tagebüchern „Siebzig verweht“ ) ganz Deutschland seit langem als „Müllabladeplatz“ benutzt wird. Wer Jüngers Reiseberichte kennt, weiß, dass dies keine rassistische Äußerung über Migranten war, – er schätzte Afrikaner und Araber – , sondern am Verhalten, das nicht ganz wenige Einwanderer hierzulande zeigen. – Karl Seegerer

 

Endlich ein Artikel, der dem Chaos in Stuttgart nicht einen politischen Hintergrund aufdrückt, den es nicht hat. Danke dafür. Bis auf ein Thema an das die Gesellschaft dringend ran muss: Warum werden junge Männer mit dunklerem Aussehen viel häufiger kontrolliert als andere und warum kommen sie oft grundlos nicht in die Clubs? Das ist Rassismus! – Judith Frauen

 


 

 

Leserbriefe zu „PAARWEISE. Eine Sex-Kolumne. Nr. 1“ Zeichnungen von Mrzyk & Moriceau

 

Was treibt Sie jetzt gerade um, dass Sie uns eine Sex-Darstellung präsentieren? Ist das der neue Stil bei der ZEIT? Was kommt dann als nächstes? Die Geschlechtsteile einer Frau? Warum nicht gleich den Geschlechtsakt? Dann vielleicht als Titelbild ein praller Busen a la BILDZEITUNG? Gehts noch?! Welche Leserschaft wollen Sie damit erreichen? Oder eher vergraulen? Was hat die Isolation wegen CORONA bei Ihnen ausgelöst? Nachvollziehen kann ich es beim besten Willen nicht! Oder wollen Sie auf den gerade laufenden Zug der Pornografie aufspringen? Dann sind Sie mich als ABO-Leserin los! – Ute Koch

 

Schon die Cartoons, die Janosch im Zeit-Magazin ersetzen müssen, sprechen mich nicht wirklich an, aber nun gehen Sie mit den Zeichnungen von Mrzyk&Moriceau wirklich zu weit. Welchen Gewinn versprechen Sie sich von diesen obszönen Bildern? Mich persönlich sprechen sie nicht an, im Gegenteil: man wird allerorten mit sexualisierter Werbung bedrängt, so dass ich mich genau darüber in der ZEIT freue: Sex-freie Zone – bis auf Artikel, die sich gelegentlich dieses Themas annehmen. Könnten Sie es vielleicht dabei belassen? Ich wäre Ihnen dankbar! – Karoline Dichtl

 


 

 

Leserbriefe zur Infografik „Ansteckungsgefahr!“ von Pia Bublies (Infografik) und Theresa Palm (Recherche)

 

Die staatliche Willkür läuft weiter auf Hochtouren, auf der einen Seite dürfen im Flugzeug die Plätze wieder abstandsfrei vollbelegt werden und auf der anderen Seite gelten in der Kirche beim Gottesdienst, weiter die alten Abstandsregeln. Im Bayerischen Landtag ist das Anlegen des Mund-Nasen-Schutz jetzt eine Freiwilligkeit, sonst überall im Lande eine unfreiwillige Verpflichtung. Die Corona-Warn-App ist nun einsatzbereit und geht mit dem Smartphone auf eine Corona-Virus-Suche; alles (un)natürlich eine freiwillige Verpflichtung oder doch eine (un)natürliche und verpflichtende Freiwilligkeit. Alles klar, alle machen mit, ausnahmslos alle, versteht sich ganz von selbst! – Klaus P. Jaworek

 

Danke für Ihre erklärende Grafik. Allerdings muss ich diesen Dank mit dem letzten Schaubild gleich einschränken. Denn: # Sie mögen vielleicht die Funktionsweise der Warn-App verstanden haben, aber beim Klima- und Umweltschutz haben Sie noch gar nichts verstanden. Sie bezeichnen ein 3,5 Jahre altes iPhone als altes Modell? Wie machen Sie das? Jedes Jahr das neuste Modell kaufen? (Die App läuft tatsächlich schon nicht mehr auf dem Modell iPhone 6, das von Apple bis Ende 2016 verkauft wurde.)

# Die Prozente in ihrer Grafik sind stark anzweifelbar. Im Kleingedruckten schreiben Sie selbst, dass Sie nur Daten von Android-Smartphones berücksichtigen. Wie Sie dann auf eine Gesamtbeurteilung aller Smartphones kommen, erwähnen Sie nicht – und das ist schon sehr kritischer Journalismus. Haben Sie die Daten der über 20 % iPhone-Nutzer*innen geschätzt oder einfach weggelassen? # Dass Ihre Zahlen stark anzweifelbar sind, zeigt auch die Evidenz: Gerade einmal 14,3 Millionen haben Stand heute die App heruntergeladen. Nach Ihrer Rechnung gibt es also fast 46 Millionen, die die App (bisher) nicht wollen. Halten Sie das für wahrscheinlich, nachdem andere, viel einschneidendere Maßnahmen wie Masken, überwiegend von der Bevölkerung angenommen werden?

# Ich bin kein Techniker, aber das Problem bei der Warn-App steht und fällt nach meiner Erkenntnis mit der in den Smartphones verbauten Bluetooth Version. Dieser Punkt wäre eine Erwähnung wert gewesen, gerade hinsichtlich dessen, dass die Warn-App in nächster Zeit nie zufriedenstellend funktionieren kann, weil einfach zu viele Menschen ein (nach Ihrer Ansicht) altes Smartphone besitzen. Es bleibt viel mehr zu befürchten, die Warn-App bringt nicht annähernd den erwünschten Erfolg und ist nicht mehr als eine enorm teure Werbekampagne der Bundesregierung. Freundlicher Gruß – und in der Hoffnung, in der Zukunft recherchieren Sie gründlicher – Christian v.Appen

 


 

 

Leserbriefe zu „Ausgetrickst“ von Ingo Malcher

 

Bilanz-Manipulationen sind eigentlich undenkbar schließlich gibt es Bilanz und Wirtschaftsprüfer, die bei Milliarden Summen genau hingucken sollten. Doch wer möchte schon einen solventen Kunden verlieren,an einen Mitbewerber ? Die BaFin als Bundesbehörde ist dem Bundesfinanzministerium unterstellt ist hält sich lieber zurück, um nicht unangenehm in der Öffentlichkeit aufzufallen. Alle vermeintlich dafür geschaffenen Kontrollinstanzen haben aus unterschiedlichen Gründen versagt. Der hinterlassene Image Schaden für die Aktien und Börsenwelt ist fatal. – Thomas Bartsch-Hauschild

 

Im Zusammenhang mit dem Wirecard Skandal wird schon wieder nach neuen verschärften Regelungen gerufen. Ich bin der Auffassung, dass man ab sofort und ohne zusätzliche Vorschriften den Prüfungsrhythmus der Abschlußprüfer von Unternehmen ändern sollte: Die Wirtschaftsprüfer sollten JEDES Jahr wechseln. So werden die Prüfer nicht „betriebsblind“; und es schleicht sich meines Erachtens keine (mitunter gefährliche) Gewohnheit bei den Prüfungshandlungen und somit ein unkritisches Prüfungsergebnis ein. – Peter Zausch

 


 

 

Leserbrief zu „Neun Millionen Deutsche …“ Gespräch mit Jürgen Falter geführt von Christian Staas

 

NSDAP-Anhänger in Oeventrop (seit 1975 Ortsteil der Stadt Arnsberg) Als ein im März 1945 Geborener hat mich in meiner Jugend natürlich die Rolle der heimischen Bevölkerung in Bezug auf die Parteizugehörigkeit unserer Bevölkerung ganz besonders interessiert. Ich wollte unbedingt wissen, ob meine Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten Mitglied in der NSDAP waren. So richtig geglaubt haben wir es unseren Eltern ja nicht, wenn sie beteuerten, dass sie nichts damit zu tun gehabt hätten. Daher habe ich mich schon in den 60iger Jahren intensiv darum bemüht, die Entnazifizierungsliste unseres, damals ca. 3700 Einwohner-Dorfes, in meine Hände zu bekommen. Dieses war nicht ganz einfach, aber irgendwann lag sie mir vor. Hocherfreut war ich über die Erkenntnis, dass weder meine Eltern, ihre Geschwister noch unsere Großeltern dort aufgeführt waren, das hat mich mächtig stolz gemacht. Leider sind meine Vater und drei seiner Brüder in den beiden letzten Kriegsmonaten gefallen, unsere Familie wurde also von den Nazis schwer gezeichnet, was für mich bis heute noch ein Trauma ist und ich dementsprechend ganz gewiß kein Rechter bin.

Unser Ort hatte zwischen 1933 – 1943 (3321 – 4238) Einwohner. Da der allergrößte Teil der Eintritte zwischen 1933-38 liegt, habe ich mal eine Bevölkerung von 3700 als Berechnungsgrundlage festgelegt. Von diesen 3700 waren 8,65% in der NSDAP, was durchaus im Bereich der Zahlen von Herrn Professor Falter liegt. Was für mich aber ganz besonders wichtig war, nämlich zu erfahren, welche Rolle die Mitglieder im Nazideutschland in unserer Gemeinde gespielt haben, dies konnte ich der Liste der „Täterbeschreibung“ entnehmen. Folgende Kategorien sind in der Entnazifizierungsliste aufgeführt: 6 berüchtigte Vorkämpfer 3 übergeschnappte fanatische Anhänger 113 überzeugte fanatische Anhänger 107 fanatische Anhänger 38 aus taktischen Erwägungen (meist Einzelhändler) 8 politische Dummheit 2 Fälle mußten noch überprüft werden 1 Person wurde zur Mitgliedschaft gezwungen 255 Männer waren Mitglied und 27 Frauen, in den meisten Fällen Ehefrauen, 7 waren ledig Die Liste ist nach Straßen geordnet. Es wurde grundsätzlich jede erwachsene Person unseres Dorfes überprüft. – Franz-Josef Molitor

 


 

 

Leserbrief zu „Hand drauf“ von Anne Kunze

 

Tönnies ist ein seit 20 Jahren auch ein politisches Problem,wie der ehemalige Wirtschaftsminister Gabriel sich als hilflos und handlungsunwillig gezeigt hat, etwas zu ändern zu wollen. Corona hat nun durch die Macht des faktischen gezeigt was ein ‚Schweinesystem ‚ für einen großen Schaden angerichtet hat finanziell und gesellschaftlich. Es hat viel zu lange gedauert bis etwas grundlegendes passiert. Alle haben es gewusst und alle haben zu geschaut, bis Carona kam. – Thomas Bartsch-Hauschild

 


 

 

Leserbrief zu „Weg mit Wissmann! “ von Peter Schütt

 

„Weg mit Wissmann!“ – Weg mit dem Kolonialismus!!!Peter Schütt stellt in dem Beitrag „Weg mit Wissmann!“ den Sturz des Kolonialdenkmals Wissmann 1967 durch eine Gruppe von Studierenden des SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) als seine persönliche Racheaktion gegenüber einem rassistischen Professor dar. Darüber hinaus behauptet er, es sollte laut Flugblatt nur eine „symbolische Aktion“ gewesen sein. Wir, die damals am Sturz Beteiligten SDS Mitglieder, sehen das ganz anders. Der Sturz dieses Kolonialdenkmals sollte über das Fortbestehen des deutschen Kolonialismus aufklären. Im Aufruf das Denkmal zu stürzen, stand nichts von „symbolischer Aktion“, sondern eine Kritik an den Waffenlieferungen der BRD für den Kolonialkrieg, den die Portugiesen in Angola führten. Wir schrieben im dem Aufruf an die Bürger, Arbeiter und Studenten Hamburgs zum Denkmalssturz am 8. August 1967: „Die Bundesrepublik, die sich als Nachfolgestaat des Deutschen Reiches, des zweiten wie des dritten versteht, unterstützt den Krieg gegen die Befreiung der dritten Welt nach Kräften. Sie unterhäIt freundschaftliche Beziehungen zu Portugal und Südafrika, sie beliefert die portugiesische Regierung mit ausrangierten Bundeswehrflugzeugen zur Unterdrückung des Freiheitskampfes in Angola und unterstützt moralisch und materiell den Völkermord in Vietnam“

Die Aufklärung über die deutsche Kolonialvergangenheit vor dem 1. Weltkrieg war dabei lediglich ein Hinweis auf die historische Kontinuität bis in die Gegenwart. Der Aufruf war seinerzeit von vier Personen unterzeichnet und kein Alleingang von Peter Schütt. Schütts unpolitische Sicht in die Vergangenheit findet sich heute in aktuellen Debatten um die Denkmalstürze zum großen Teil wieder. Kolonialismus war damals, jetzt gäbe es nur noch Nachwirkungen durch rassistisches Ausgrenzen und Diskriminieren von Nichtweißen und Migranten. Von der z. T. gewalttätigen Landvertreibung der Kleinbauern in Afrika und Südamerika und der Aneignung dieses Landes (Land Grabbing) durch Investoren des Finanzkapitals, von den menschenunwürdigen (sklavenähnlichen) Arbeitsverhältnissen in den Textilfabriken Südostasiens und auf den Gemüseplantagen in Südspanien/-Italiens, die dem Ausbeutungssystem des Kolonialismus entsprechen, ist in diesen Debatten nicht die Rede. Immerhin sind in Deutschlands Schlachthöfen vergleichbare menschenwürdige Ausbeutungsverhältnisse dank Corona endlich ins Scheinwerferlicht geraten. Wir stellen fest, der Kolonialismus und das damit verbundene Ausbeutersystem ist auch heute nicht überwunden und muss weiter bekämpft werden. Wenn sich koloniale Denkmäler dafür eignen, sollten sie genutzt werden. „Historische Arbeitskreis SDS/APO Hamburg 1968“ – Arwed Milz

 


 

 

Leserbrief zu „Wer Gewinne will, muss Risiken tragen“ von Roman Pletter

 

Man stelle sich vor, die BRD hätte von Griechenland, Italien, Frankreich und Spanien auch nur die Hälfte des Zinssatzes gefordert, Den sie jetzt von der LH fordert. Das hätte das Ende der EU bedeuten Können. Wie die LH diese Milliarden bis 2027 zurückbezahlten kann, ist Mir schleierhaft. Hnzu kommt noch die Unsinnigkeit der geringeren Slots. – Manfred Mengewein

 


 

 

Leserbrief zu „Die Stunde der Zombies“ von Heike Buchter

 

Die Finanzbranche ist keine Industrie. Es wird nichts produziert. Investitionen gibt es nicht. Denn Investitionen gibt es in Maschinen oder andere Betriebsmittel, in Personal in Form von Einstellungen oder Qualifizierung, in Erweiterung oder Modernisierung des Betriebes. Vielleicht auch in die Übernahme eines anderen Unternehmens. Finanzspekulanten setzten Geld in Wetten auf Unternehmen ein. Das sind (meist) keine Investoren. Sondern eben Spekulanten. Es mag Grenzfälle geben. Aber Wirtschaftsredakteure sollten sich nicht von dem Framing der Finanzbranche einlullen lassen. – Fritjof Möckel

 


 

 

Leserbrief zu „Willkommen in der Familie“ von Ulrich Ladurner

 

Sie schreiben, John Elkann wäre 44 und 1997 im Alter von 28 Jahren in den Fiat-Aufsichtsrat berufen worden. Was davon ist richtig? – Thomas Weiße

 


 

 

Leserbrief zu „Stimmt’s? Sind die Streicher in Orchestern alle Rechtshänder?“ von Christoph Drösser

 

Ich möchte etwas zu Ihrem Text „Sind die Streicher im Orchester alle Rechtshänder?“ anmerken. Es gibt auch solide Forschung zum Thema „Händigkeit bei Instrumentalisten“, die sehr nahe legt, dass die Händigkeit durchaus eine gewichtige Rolle spielt. Bei Streichern kenne ich mich als Lehrerin für Violoncello ganz gut aus. Ich finde die Argumentation von Walter Mengler sehr nachvollziehbar, dass bei Streichinstrumenten der eigentliche Klang und damit der emotionale, der künstlerische Gehalt der Musik, mit dem Bogen erzeugt wird. Klang in seinen unendlichen Facetten wird technisch durch feinste Einstellungen von Druck, Geschwindigkeit, Winkel, Strichstelle auf dem Instrument usw. gebildet – damit ist letztlich die Bogenführung, anders als man beim Zuschauen denken könnte, wesentlich komplexer als die Greifhand, auch wenn letztere die Melodie bildet. Der dominanten Hand diese Aufgabe zu übertragen, wäre eigentlich aus physiologischer wie auch aus künstlerisch-pädagogischer Sicht nur sinnvoll.

Insofern ist es durchaus eine verantwortliche Entscheidung, ob man Linkshänder ebenso rechtsstreichend unterrichten soll wie Rechtshänder. Das Argument, dass es Schwierigkeiten im Orchester gibt, stimmt leider. Es ist in Deutschland meines Wissens noch nicht möglich, als Links-Streicher eine Profistelle zu bekommen. In der Musikschule haben wir ab und an Kinder, die spiegelbildlich streichen und denen räumen wir selbstverständlich einen Platz im Orchester ein. Beim Schreibenlernen ist die Pädagogik da schon den entscheidenden Schritt weiter. Es ist möglich, auch als Linkshänder ein „normales“ Streichinstrument sehr gut zu erlernen. Leichter und natürlicher wäre es, wenn ganz selbstverständlich beide Möglichkeiten zur Verfügung stünden. – Annabell Kuhn

 


 

 

Leserbrief zu „Ein Sommer zum Lesen“ von Martin Eimermacher et al.

 

Der Autor Martin Eimermacher muss dringend die deutsche Sprache und Grammatik sowie die Zeichensetzung komplett neu erlernen! Der von ihm verfasste Artikel in der aktuellen Ausgabe strotzt nur so vor Fehlern und ist außerdem absolut unverständlich sowie teilweise sinnentstellend. Das passt keinesfalls zur „Zeit“. – Thomas Weißenborn

 


 

 

Leserbrief zu „Hallo, Mammut!“ von Magdalena Hamm in ZEIT leo, die Seite für Kinder

 

Ich fand den Artikel sehr lehrreich und erhellend. Bei der Schilderung der Einsamkeit des neuen Mammuts fiel mir eine Geschichte ein, die ein etwas anderes – aber durchaus auch denkbares – Ende der Geschichte ein: dass das neugeborene Mammut nicht einsam ist sondern die Elefanten es nicht als richtiges eigenes Kind erkennen und akzeptieren und wie sie damit umgehen. Siehe https://www.hutt-edv.de/elefantentrauer.htmlManfred Hutt

 


 

 

Leserbriefe zu „»Ich gehe nicht wieder zurück zu dieser Ohnmacht«“ von Alard von Kittlitz im ZEIT Magazin

 

Schwarze Haare reichen schon um als Ausländer angesehen zu werden. Als die Schwester meiner Mutter sich bei ihren zukünftigen Schwiegereltern vorstellte, haben die ihren Sohn gefragt warum er eine Ausländerin heiraten will. Ich bin ein blondes Bleichgesicht, meine Mutter hat schwarze Haare. Klar es ist nicht zu vergleichen. Aber die Bemerkung „sieht nicht deutsch aus“ geht ganz schnell, auch mit weniger Unterschieden. Was soll das denn sein deutsches Aussehen? Kartoffelnase und Sauerkraut auf dem Kopf? In der Schule war ich mit meinem blonden glatten Haaren auffällig. Es gibt nichts dämlicheres als Menschen nach dem Phänotyp einzuordnen, wie Schmetterlinge in der Vitrine. – Olaf Goldschmidt

 

Schwarze Menschen sind doch nicht die Einzigen, die hier Ausgegrenzung zu spüren bekommen! Auch Polen, Cubaner, Schwule, Musliminnen und Juden wurden und werden, besonders im Osten unseres Landes, immer mal wieder angefeindet. Fremdfeindlichkeit hatte in der DDR eine lange Tradition, entstand einst aus Aufbegehren gegen die russische Besatzung und einen Staat der uns zu „neuen Menschen“ machen wollte. Sie leben dagegen heute doch in einem Paradies der Freiheit und Toleranz. Wissen Sie was Rassenhass, was Unterdrückung ist? Wenn man uns einst in Südafrika als Einwanderern einschärfte: „Einen Schwarzen dürft ihr nicht wie Euresgleichen behandeln! So einer ist weniger als ein Hund!!“ Wer damals mit einem schwarzen Mädchen erwischt wurde, dem drohten 50 Stockschläge und das Mädchen landete im Gefängnis.

Heute sind im übrigen die einstigen Ureinwohner zwar gleichberechtigt, leben aber weiterhin millionenfach im Elend. – Und das Kastendenken in Indien hat man ja bis heute nicht ausmerzen können. – Abgrenzung der eigenen Gruppe gegen die Anderen, das Fremde, das ist wohl ein Urinstinkt in uns, eine Schutzfunktion. – Sie aber werden heute doch hier in ihrer Heimat weitgehend als normale Mitbürgerin behandelt, haben teil an allen Lebensbereichen und Aufstiegsmöglichkeiten und haben viele Freunde. Seien Sie stolz! „Black is beautyful!“ – Rolf Wittig

 

Die Antirassismus-Trainerin Tupoka Ogette ist hoffnungsvoll: «Meine Utopie ist, dass wir es als Gesellschaft schaffen, Rassismus als Teil unserer Sozialisierung anzuerkennen. Dass wir darüber reden und nachdenken.» Die Utopie hat mehrere Aspekte. Da wäre der soziale Aspekte. Von entsprechenden Problemen (Wohnungssuche, Arbeitseinkommen, Teilhabe an der Gemeinschaft) sind allerdings auch andere sozial Benachteiligte betroffen. Dann wären da 731 rechte Gewalttaten im Jahre 2019. Allerdings können Gewalttaten (2019 waren es insgesamt 181.054 polizeilich erfasste) alle treffen. Schliesslich wäre da Mobbing zu nennen, das ebenfalls alle treffen kann.

Ogette, berichtet von einem Mobbing-Erlebnis (im weiteren Sinne). Sie spielte mit anderen Kindern im Sandkasten, als ein Vater vorbei kam und sagte: «Iiih, hier stinkt es nach N***» Sie lief heim, und liess sich von ihrer Grossmutter trösten. Ogette ist ein Akademikerkind und hatte eine Oma zum trösten. Andere gemobbte Kinder sind da weniger privilegiert. Dazu ein Beispiel: In der ersten Klasse hatte ich ein Problem. Ich glaubte ich sei nicht normal. Alle Kinder konnten die Hausaufgaben lesen, die der Lehrer auf die Tafel schrieb. Ich sah nur Verschwommenes. Nach einigen Wochen bekam ich eine Brille, wurde als Augenglasl-Hengst tituliert oder gefragt, warum ich im Sommer noch die Winterfenster hätte. Natürlich trug ich die Brille meist in der Hosentasche und natürlich ging sie kaputt. Für meinen Vater (schwerkriegbeschädigt, er brauchte eine Schachtel Gewadal-Schmerztabletten pro Woche) war das (als zeitweise arbeitslosen Schuhmacher) eher ein Schock als ein Anlass um zu trösten. Die beiden Grossmütter waren hinterm eisernen Vorhang oder auf der anderen Alpenseite. Aber ich war privilegiert, die Bibliothek im Amerika-Haus war in 15 Minuten erreichbar.

Es gibt viel, viel Schlimmeres, Kinder die am Abend hungrig einschlafen müssen, weil ihre Mütter nicht genug Geld haben, Essen zu kaufen. Es gibt Politiker, die dafür keine Lösung finden wollen. Es gibt absehbare bedrohliche Entwicklungen im Bereich der Demographie, der Ökonomie und der Ökologie für die keine Lösungen sichtbar sind. Es sind dies Probleme, die nur gemeinsam von Schwarzen und Weissen gelöst werden können. Und da sind eine Kollektiv-Entlastung der Eliten Afrikas und eine Kollektiv-Anklage an die Europäer kontraproduktiv. Ein Beispiel zur Demographie: Tansania hat eine Geburtenrate von 5.95 (Verdreifachung der Bevölkerung pro Generation). Gestern (am 26. 6. 2020) berichteten die Zeitungen, ein Bergmann und Bauer, «Vater von mehr als 30 Kindern» (vier Frauen) sei nach einem Edelstein-Fund Millionär geworden. Er besitzt 2000 Kühe, benötig also die Kinder nicht als Vorsoge fürs Alter. Ein anderes Beispiel (vom 13.3.2019): BDP (Bundeszentrale für politische Bildung) bringt eine Reportage aus Niger (Zwischentitel: «Reich ist, wer viele Kinder hat»). Niger hat eine Geburtenrate über 7 (nahezu Vervierfachen der Bevölkerung pro Generationenfolge, die dort relativ kurze Zeit dauert). Eine 20 Jährige berichtet über ihr Leben mit 8 Kindern. «Mit 13 wurde sie zum ersten Mal schwanger…Verhüten kommt nicht infrage. …Wovon all ihre Kinder wirklich leben solle, weiss sie nicht. Das Feld am Fluss kann nicht alle ernähren….Die Bauersfrau hat gehört, dass das Leben ausserhalb Nigers besser sein soll…»

Die einzelnen Probleme sind nicht isoliert. Sinkende Ölpreise lassen die ohnehin nicht ausreichenden Staatseinnahmen im Süden immer tiefer fallen. Zum Beispiel: Ecuador muss, um die China-Schulden mit Öl zu bezahlen, wegen der sinkenden Ölpreise immer mehr Flächen am Amazonas der Ölförderung opfern. Die Klimaerwärmung reduziert die Ertragskraft der Böden. Bis 2050 wird sich laut einer UN-Prognose die Bevölkerung Afrikas verdoppeln. Ob es in dieser Situation vordringlich ist, Wege zu suchen, um zu verhindern, dass «einem schwarzen, deutschen Mann Komplimente gemacht werden für sein Deutsch.»? Für die Zukunft der Menschheit sind wir alle verantwortlich. Wir müssen ein Weltbild entwickeln und verbreiten, das eine gute Zukunft ermöglicht. Das betrifft tatsächlich alle, ob mit oder ohne Migrations-Hintergrund. Dieses Weltbild muss eine Einigungs-Kraft entwickeln, die Unterschiede bedeutungslos macht. – Dr. tech. Gernot Gwehenberger

 

Deutschland ist also rassistisch. Dass jemand wie Ogette dies betont, deren berufliche Geschäftsgrundlage das vermeintliche Problem Rassismus ist, ist klar. Ich würde mir allerdings eine etwas aufgeklärtere, differenzierte Auseinandersetzung von der ZEIT wünschen. Sie führen als Beweis 731 rassistisch motivierten Gewalttaten 2019 auf. Bei insgesamt ungefähr 181.000 Gewalttaten in Deutschland machen rassistische Gewalttaten gerade einmal 0,4% aus. Gewalttaten gegen Kinder gibt es deutlich über 4000. Niemand würde auf die absurde Idee kommen, Deutschland deswegen kinderfeindlich zu nennen. Ja. Rassismus ist scheisse, wie das Thema aber momentan hochgekocht wird, und Fortschritte und die liberalen Errungenschaften unserer Gesellschaft schlecht geredet werden , ist genauso scheisse. Ogette sollte sich überlegen ob Ihr Beruf, eine Art moderner antirassistischer Ablasshandel für Unternehmen und Behörden, wirklich dazu beiträgt, Probleme zu lösen oder neue schafft. – Ein Leser

 

Fragen oder nicht fragen? Unseren beiden Töchtern (Jg. 1985, 1989) haben wir – als sie als Teenager ihre ersten Freunde gefunden habe – gesagt: Ihr könnt jeden/jede mitbringen, bloß keinen Nazi! Unsere ältere Tochter hat 2018 in Liverpool ihren Liebsten geheiratet, gebürtig aus Kamerun, aufgewachsen in Frankreich. Wir sind glückliche Großeltern von vier wunderbaren Enkeln, zwei aus dieser Beziehung. Keiner von den Enkelchen hat bislang nach der Hautfarbe gefragt, die wachsen gemeinsam hier auf, wir wohnen in Berlin-Mitte (ein geschützter Raum?). Wir waren mal im Spreewald, da hat jemand vor uns ausgespuckt. Da gehen wir nicht mehr hin… Aber wir fragen uns nach den Artikeln dennoch: Darf man die Frage, woher kommst Du stellen? Bei den verschiedenen ZEIT-Texten fühlen sich ja Gefragte oftmals diskriminiert. Wenn man nicht fragt, könnte der/diejenige es ja auch als Ignoranz verstehen? Also, wie geht man damit um: Nicht fragen, oder fragen? Es ist doch auch eine Chance über das Leben, wo man herkommt, zu reden, oder? – Ines und André Sonder

 

Ich nehme den Artikel zu Tupoka Ogette zum Anlass, um ein Thema anzuschneiden, dass mich im Zusammenhang mit der Berichterstattung nach dem Tod von George Floyd und der Frage, ob und in welchem Umfang es auch in Deutschland Rassismus gibt, immer wieder beschäftigt. Dabei geht es mir keinesfalls darum, diesen Rassismus in Frage zu stellen und die Beispiele, die auch in dem Ogette -Artikel genannt sind, sind schlimm. Aber dennoch wäre es mir lieber, wenn zwischen „Rassismus“ und einer gewissen Unbeholfenheit mit als fremd wahrgenommenen Personen unterschieden würde. Ich, eine weiss-deutsche Frau, lebe seit 16 Jahren in Afrika und habe zuvor schon 12 Jahre lang gelegentlich dort gearbeitet. Auch ich habe vielfach erlebt, dass meine Haut darauf getestet wurde, ob denn die Farbe tatsächlich nicht abgeht und dass mir ungefragt über die Haare gestrichen wurde (diese Beispiele stammen nicht aus dem Ogette-Artikel, sondern aus einem früheren).

Auch ich werde erst einmal wieder aus der Reihe geholt, wenn ich mich bei der Einreise mit meinem burkinischen Pass in die Reihe der Inländer anstelle. Mir wird zwar nicht pauschal unterstellt, ich würde stehlen, aber mir wird pauschal unterstellt, ich hätte viel Geld, was sich ständig in überhöhten Preisen niederschlägt, aber auch schon einmal darin, dass mir ein billiges Haus nicht vermietet wird, weil ich mir ja angeblich ein anderes leisten kann. Mein Sohn, der Mischling ist, wurde von klein auf wie ein kleiner Prinz behandelt – was zwar angenehmer ist, als als „stinkendes“ Kind angesprochen zu werden, aus pädagogischer Perspektive dennoch nicht einfach zu handeln war. Und nochmal: mir ist bewusst, dass meine Situation und die meines Sohnes um einiges angenehmer ist als die vieler anders wirkender Menschen in Deutschland (besser kleine Prinzen zu sein als angeblich zu stinken, besser als reich zu gelten als als Dieb).

Aber auch wir werden in der Masse immer anders wahrgenommen und in unserem Benehmen immer gesondert bewertet (wenn ich mich falsch verhalte, bin es nämlich nicht ich, sondern die „Weisse“ und dass es dieser häufig eher verziehen wird, macht die Sache strukturell nicht besser). Was ich mit all dem sagen will, ist, dass stereotypisches Denken nicht nur in Europa und den USA als fremd wahrgenommenen Menschen zu finden ist, sondern dass es (leider) universell ist. Und dass es problematisch ist, all dieses mit dem Etikett Rassismus zu versehen, wo es sich doch oftmals eher um eine Unbeholfenheit in dem Umgang mit dem „Fremden“ handelt. Die Globalisierung der Welt ist noch nicht so weit fortgeschritten, wie es manchmal den Eindruck hat – vor allem in den Köpfen und tief verankerten Stereotypen nicht. – PD Dr. Andrea Sidibé-Reikat

 

Dazu möchte ich Frau Ogette sagen: Natürlich erkennt jedermann/frau wenn man eine farbige (darf ich das sagen?) Person sieht, dass der Ursprung ihrer Familie nicht Deutschland ist. Also fragt er, auch um höflich Interesse zu bekunden: Wo kommen Sie denn her? Mein Tip für eine Antwort: Ich komme aus Deutschland. Aber meine Großmutter lebte in Afrika, in (Ort in Afrika). Oder was immer die befragte Person zu seiner Herkunft erzählen möchte. Dann noch die Rückfrage: Wo haben denn Ihre Großeltern gelebt? So könnte sich ein kleines Gespräch entwickeln, das vielleicht ein gutes Gefühl hinterlässt. – Agnes Unterweger

 

Mit großem Interesse habe ich den Bericht über Sie und Ihre Arbeit gelesen. Als „alter weißer Mann“ (62) möchte ich verstehen, worin der Rassismus-Vorwurf besteht, mit dem Menschen wie ich von viele Seiten konfrontiert werden und ob es ein blinder Fleck ist, der verhindert, mich selbst als rassistisch zu erkennen. Nach der Lektüre der drei Magazinseiten ist mir klar, dass Sie als als Fünfjährige Rassismus erlebt haben und kann auch den Schmerz darüber nachfühlen; auch der polemisch gut zugespitzte Begriff „Happyland“ ist mir eingängig. Das Pänomen des „strukturellen Rassismus“ hingegen bleibt verschwommen und ich vermag es (vielleicht deshalb) nicht in unserem Land zu erkennen. „Struktureller Rassismus“ setzt voraus, dass es gesellschaftliche Institutionen oder Normen oder Gesetze – eben Strukturen – gibt, die diesen Rassismus konstitutieren. Nicht nur, dass in Deutschland solche Strukturen meines Erachtens nicht existieren – im Gegenteil gibt es Gesetze und Institutionen, die Rassismus ausdrücklich verbieten bzw. bekämpfen.

Wenn wir also in Deutschland von Rassismus als verbreitetem Phänomen sprechen wollen, dann kann es sich nur um einen „habituelle“ Haltung handeln, die von der Struktur des Landes ausdrücklich weder gedeckt noch gefördert wird. Auch der Begriff des „Rassismus“ franst im Artikel bis zur Unkenntlichkeit aus. Wenn Polizisten Schwarze und Dunkelhäutige häufiger kontrollieren als Weiße, liegt dass in den meisten Fällen nicht daran, dass die Rasse generell verdächtig ist, sondern umgekehrt wird die Hautfarbe als Indikator dafür herangezogen, dass die Person einer verdächtigen Gruppe angehört. Ähnliches geschah in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts mit Langhaarigen, die eine bestimmte Kleidung trugen.

Von einem damals amtierenden Ministerpräsident und Kanzlerkandidat`* als „Ratten und Schmeißfliegen“ beschimpft, konnten wir sicher sein, heraus gewunken und gefilzt zu werden, wenn wir in einem alten Kombi von Amsterdam kommend, unter den Klängen von „Sympathy for the Devil“, die (damals noch kontrollierte) Grenze nach Deutschland überquerten. Die Soziologie nennt so etwas Stigmatisierung. Es ist ncht schön, aber es ist ein Mißverständnis, es als Rassismus zu beschreiben. Überhaupt nicht nachvollziehen kann ich, dass der Artikel eine Verbindung zieht, von der abscheulichen Beschimpfung als „stinkender Nigger“ zu Kindern, die sich wundern, dass ein braunes Kind nicht aus Afrika kommt, sondern aus Berlin. Natürlich steht es Ihnen frei, dass persönlich als „Nadelstich“ zu empfinden, aber mir erscheint es verhängnisvoll, den eigenen Kindern diese Sichtweise weiterzugeben.

Solche Irritationen sind nicht nur unvermeidbar, wo Menschen in ihrer Diversität einander begegenen, sie auszusprechen führt auch weit häufiger zu Kontakt und Verstehen, als zu Verachtung und Haß. Als Rucksackreisender in Madagaskar riefen Kinder kichernd „Vazar! Vazar!“ hinter mir her, womit sie mich völlig zutreffend als höchst merkwürdigen Weißen zur Kenntnis nahmen. Dadurch, dass sie aussprachen was auch ihre Eltern empfanden, entstand Kommunikation – auch für uns Erwachsene. * Franz Josef Strauß, am 29.7.1978 – Ingo Klamann

 

Kein Mohr im Hemd mehr. Mohren = Mauren = Mittelmeeranrainer. Von ihnen hab ich noch keinen Protest ad sprachlicher Diskriminierung vernommen. Soll ich mich als Witwe nun von Witwenküssen beleidigt fühlen, insbesondere da ich dieses zuckersüße Windgebäck mit Nüssen gar nicht mag? Wie steht´s dann mit Schlosserbuben, Wäschermädln und anderen Keksen aus dem Sacher Kochbuch? Schreiben wir das jetzt auch um wie Mark Twain? Dass die Sklaven nun Feldarbeiter heißen sollen betrachte ich als die wahre Beleidigung der geschundenen Stützen der damaligen Gesellschaft und ihrer Nachkommen. Aunt Jemimias Rezept soll ihren Namen auch nicht mehr tragen dürfern. Darf man in Deutschland noch Möhrchen = Mohrrüben kochen, oder isst man jetzt auch Karotten, wie wir sie seit ewige Zeiten in Österreich nennen? Fühle mich übrigens als Linguistin auch von dem ganzen Innen-Schwachsinn herabgesetzt, wiewohl das eigentlich die Männer sein könnten. Es gibt nämlich kein männliches sprachliches Merkmal . Sollen die dann vielleicht Glasererer, Lehrerer u. ä. heißen? P.S. Wie gut, dass man den Titel abkürzen kann. – Dr. Silvia Edelmann-Holzinger

 


 

 

Leserbriefe zu „Prüfers Töchter“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

 

Ich lese sehr gerne Ihre Kolumne und freue mich jede Woche darüber. Sie gehört nach der „Zeit der Leser“ zum ersten, was ich lese (und oft bleibt es leider aus Zeitmangel auch bei diesen Seiten). Anfangs habe ich mich nur gefragt, ob Sie nicht die Privatsphäre Ihrer Kinder verletzen und wie die es in zwanzig Jahren finden, was Sie so über sie schreiben. Mittlerweile überwiegt bei mir die Freude an den Artikeln und der Drang zu wissen, was es Neues gibt. Ich möchte Ihrer Tochter mit ihrer Kritik am Wort „Homeschooling“ beipflichten und ihr den Rücken stärken, dass sie mit „Hausaufgaben“ richtig liegt. Tatsächlich ist es so, dass der Begriff grade sehr häufig falsch verwendet wird. Homeschooling ist das, was häufig bei fundamentalen Christen stattfindet oder bei Menschen, die sich vom Bildungssystem abgewendet haben.

Die Kinder werden dann von Eltern oder Privatlehrern nach eigenen Lehrplänen unterrichtet. Das ist in Deutschland nicht erlaubt. Was wir als Lehrer grade ad hoc auf die Beine stellen und Ihre Kinder ertragen müssen, ist Distanzunterricht. Das klingt nicht nur sperrig, das ist es auch. Genau wie Ihr Tochter haben sich deshalb viele Kolleginnen und Kollegen darauf gefreut, wieder in die Schule zu dürfen und wir genießen die Arbeit in den kleinen Gruppen. (Zudem wir in NRW die Ergebnisse aus dem Distanzunterricht zwar erwarten, aber weder einfordern, noch benoten dürfen…) Ich freue mich schon auf Ihre nächste Kolumne. – Anemone Dittmar

 

„Statt mich zu beschweren, könnte ich einfach aufhören, »HOMEschooling« zu sagen. Kennt jemand ein besseres Wort?“ Bei uns in Österreich nennt‘s der Bildungsminister „Distance Learning“. Und statt im Homeoffice sind wir lm „Schlapfenbüro“ (Schlapfen sind Pantoffel und subsumieren Jogginghose und ungewaschene Haare). Videomeetings bitte nur nach Absprache. – Eva Mayer-Dopplinger

 

Als mutter von zwei töchtern lese ich ihre kolumne sehr gerne. Meine tochter meinte, man könnte Heimunterricht dazu sagen.aber das ist nicht der ausschlaggebende grund, warum ich ihnen schreibe. Ich muss ihnen vielmehr eine traurige nachricht übermitteln: falls Basilikum wirklich das einzige lateinische wort sein sollte,das sie nutzen ( was ich bezweifle), nutzen sie gar keines. Denn basilikum ist leider griechisch.heißt soviel wie “ das königliche“. Tut mir echt leid… – Stephanie nolte.

 


 

 

Leserbrief zu „Über Paris, Kingston, Brooklyn, Berlin – und andere Vornamen mit Lokalkolorit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

 

Mein Vorname ist Wolfgang. Ich wurde aber vermutlich nicht im gleichnamigen Ort am gleichnamigen See in Österreich gezeugt sondern – wenn ich mein Geburtsdatum betrachte – eher zu Hause unter dem Weihnachtsbaum meiner Eltern, also doch auch wohl unter erfreulichen Umständen. Muss ich nach Ihrer Kolumne nun den Spott meiner Mitmenschen befürchten? Oder darf ich mich damit trösten, dass ja vielleicht immerhin ein Herr Mozart aus dem nahe gelegenen Salzburg so zu seinem Vornamen gekommen ist? – Wolfgang Frey

 


 

 

Leserbrief zu „Heiter bis glücklich“ von Claire Beermann im ZEIT Magazin

 

Wahlen sind heilige Rituale – schreiben sie. Ihr Vorschlag in allen Ehren. Müll rausbringen ist Pflicht, wenn man nicht sterbenskrank werden will. Wählen ist leichtsinnig. Wer kennt schon den Kandidaten der gewählt werden will. Ich wähle nur Menschen. die ich wirklich kenne. – Gunter Knauer