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9. Juli 2020 – Ausgabe 29

 

Leserbriefe zu „PROMINENT IGNORIERT. Löwenkot“ von GRN.

 

Christian Morgenstern hat nicht die Löwen gemeint. Sein allseits bekanntes Gedicht besingt die Möven. Das klingt zwar ähnlich, passt aber nicht zu Ihrem „Löwenkot“. – Dr.-Ing. Dr.phil. Hermann Schweickert

 

Wenn das ein Wortspiel ist: Gelungen. Wenn nicht… – kkerner

 

Das Zitat heißt, wenn ich richtig entsinne: „Die Möven sehen alle so aus, als ob sie Emma hießen.“ – kbdahse

 

Prominent ignoriert, bzw. velwechsert. Werch ein Illtum! Christian Lorgenstern fand vielleicht, dass alle Löwen auf den Namen Ella hören. Bei Christian Morgenstern sind es jedoch die Möwen, mit großem M, die so aussehen, als ob sie Emma hießen. Löwenkot statt Möwenkot – shit happens. – Dr. Klaus Cordes

 

Die Möven sehen aus wie Emma nicht die Löwen. – Lindi Kalnoky

 

Gut gesch…..Löwe! Aber bei Morgenstern sehen alle Möwen aus als ob sie Emma hießen! – Dr. D. Overhoff

 

Hat etwa der Löwe von Circus Krone die Möwe von ChristianMorgenstern in seinem Möwenlied gefressen? Denn ursprünglich sahen die Möwen alle aus , als ob sie Emma hießen. Peinlich? oder Absicht? und das auf der Titelseite!! – Udo Steinborn

 

ZuProminent ignoriert: Es sind keine Löwen , sondern Möwen die aussehen, als ob sie Emma hießen….. – Rose Schrade

 

Nein, Christian Morgenstern hat nicht geschrieben: „Die Löwen sehen alle aus, …“ !!! Es sind die Möwen, denen er sein wundervolles „Möwenlied“ widmete. Denn diese tragen, ganz im Gegensatz zu den Löwen, „einen weißen Flaus und sind mit Schrot zu schießen.“ Wie schade, daß entweder ich die Ironie des Artikels nicht verstehe oder aber der Autor falsch zitiert hat. Hoffen wir, daß sich Herr Morgenstern nicht im Grabe dreht … – Juliane Karg

 

Christian Morgenstern spricht von Möwen, nicht von Löwen (z.B.: https://www.deutschelyrik.de/moewenlied.490.html). – Hubert Nowotny

 

Heute steht in der Zeit, 1. Seite, unter „Löwenkot“ „Die Löwen sehen alle aus,als ob sie Emma hießen“ .Ich habe dieses Zitat aber anders in Erinnerung: Die Möven sehen alle aus, als ob sie Emma hießen. Könnten Sie mal beim Autor nachsehen und feststellen, wer hier falsch liegt. – R. Nebel

 

ich glaube zwar nicht, dass mich die Vorstellung von „Möwenkot“ mehr begeistern würde als die von „Löwenkot“, aber sie würde mich sicherlich weniger ängstigen. Christian Morgenstern hat meines Wissens nach das „Möwenlied“ geschrieben: Die Möwen sehen alle aus / als ob sie Emma hießen. / Sie tragen einen weißen Flaus / und sind mit Schrot zu schießen. / Ich schieße keine Möwe tot / ich lass` sie lieber leben – / und fütt`re sie mit Roggenbrot / und rötlichen Zibeben. / O Mensch, du wirst nie nebenbei / der Möwe Flug erreichen. / Wofern du Emma heißest, sei / zufrieden, ihr zu gleichen. Ich benutze das Gedicht gerne zur Entwicklung von Sprech- und Atemrhythmus sowie gepflegter Artikulation, und manchmal auch, um die Leichtigkeit und Eleganz der fliegenden Möwe in den Sprechausdruck zu bringen. Aber macht nichts, es hat mich trotzdem erheitert, und der Klang der Worte ist ja fast identisch… – Dr. Lioba Faust

 

Der König der Tiere muss sich nicht ärgern. Christian Morgenstern meinte die MÖWEN sehen alle aus, als ob sie Emma hießen. – Monika Hatz

 

Es heißt MÖWEN und nicht Löwen. Die Möwen sehen alle aus , als sie Emma hießen . Man füttert sie mit Roggenbrot und rötlichen Zibeben (glaube ich) Möwen sind mit Schrott zu schießen, ich lass sie lieber leben. Und Menschen sollen froh sein, wenn sie ihr , der Möwe gleichen… Ich kriege das Gedicht von Morgenstern nicht mehr zusammen, aber an Löwen kann ich mich nicht erinnern. War das Test, ob Ihre LeserInnen sich mit Lyrik auskennen? – Katrin Stern

 

Diese kleine Rubrik in der Zeit lese ich immer sehr gerne. Auch heute, wo Christian Morgensterns „Möwenlied“ zum „Löwenlied“ wird: Die Löwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen? Was mir sehr gefällt, denn der König der Tiere darf nicht zur Emma gemacht werden. (Sicherlich hätte auch Morgenstern an dieser kleinen Buchstabenverschiebung seine Freude gehabt). Das „Möwenlied“ und mein dazugehörendes Aquarell/Feder von 2004 füge ich bei. Viel Spaß beim Lesen und Betrachten. Es gibt aber bei Morgenstern einen Sechszeiler zum Löwen, der auch sehr schön und passend ist: Der LeuAuf einem Wandkalenderblatt ein Leu sich abgebildet hat. Er blickt dich an, bewegt und still, den ganzen 17. April. Wodurch er zu erinnern liebt, dass es ihn immerhin noch gibt. P.S. Möwenlied/Die Möwen sehen alle aus,/als ob sie Emma hießen./Sie tragen einen weißen Flaus/und sind mit Schrot zu schießen./Ich schieße keine Möwe tot,/ich lass sie lieber leben – /und füttre sie mit Roggenbrot/und rötlichen Zibeben./O Mensch, du wirst nie nebenbei/der Möwe Flug erreichen-/Wofern du Emma heißest, sei/zufrieden, ihr zu gleichen./Christian Morgenstern – Helmut Possiel

 

Nein, hat er nicht geschrieben, der Herr Christian Morgenstern. Er hat nur die Möwen zur Emma gemacht… – Anne Ennenbach

 

Ja sowas!GRN ist unter die Poeten gegangen:das Ergebnis kann man nicht prominent ignorieren: Die rhetorische Frage in seinem Beitrag muss leider verneint werden:Morgenstern hat NICHT geschriebendass Löwen wie Emma heissend aussähen;das schöne Grdicht – Wiedemann

 

Vielleicht wollte „GRN“ ja nur die Aufmerksamkeit der ZEIT-Leser testen … Dass alle aussähen, als hießen sie „Emma“, hat Christian Morgenstern über Möwen gesagt, nicht über Löwen. – Wolfgang Brocks

 

Bei Morgenstern heißt es: Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen… (nicht die Löwen!!!) Ich weiß das, weil es das Lieblingszitat meiner Großmutter Emma Baun war… Bitte mal im der nächsten Ausgabe „Prominent ignorieren“ ! – Barbara Baun

 

Nein, nicht die Löwen waren es, die für Christian Morgenstern alle aussehen, als ob sie Emma hießen. Es sind die Möven. Reimt sich zwar auf Löwen, aber sie haben wohl ein anderes Drohpotential. Ob ihr Kot Marder vertreibt, ist ungewiss, eher ihr Geschrei. – Ulrich Novotny

 

Mit Befremden lese ich auf der ersten Seite unter „Prominent ignoriert“ zum Thema „Löwenkot“ ein angebliches Zitat von Christian Morgenstern„DieLöwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen“ – In Gedanken fange ich sofort an zu summen: „DieMövensehen alle aus, als ob sie Emma hießen“. Wie oft habe ich dieses Lied nicht schon am Strand gesungen, obwohl ich wahrlich keine große Sängerin bin!! – Annette Ahlmeyer

 

Na, wurde das Morgenstern-Zitat absichtlich verdreht um der Pointe willen?? Originalton Morgenstern: Die „M“öwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen … Das nur nebenbei. – Anna-Barbara Geck

 

Auf der Titelseite unter der Rubrik Prominent ignoriert ist ihnen ein Fehler unterlaufen. Das Zitat von Christian Morgenstern lautet korrekt: Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen. In ihrem Artikel steht Löwen statt Möwen. Lustig, aber falsch. – Doris Reinfeld

 

Leider muss ich mich bei Ihnen melden und Sie korrigieren. Auf der Titelseite der Ausgabe N 29 im Artikel „Löwenkot“ zitieren Sie Christian Morgenstern. In seinem Gedicht Möwenlied ist von Möwen, nicht Löwen die Rede, die aussähen, als ob sie Emma hießen. Das hat mich schon gestört. – Elsbeth Ottmar-Kocher

 

Zwar ist die Meldung gut geeignet, prominent ignoriert zu werden, doch die rhetorische Frage von GRN.verlangt eine Antwort:“hat nicht Christian Morgenstern geschrieben,“Die LÖWEN sehen alle aus, als ob sie Emma hießen“?“ NEIN: hat er nicht, denn in dem Gedicht handelt es sich um MÖWEN: es ist leicht zu googeln , weswegen es nicht zitiert wird. Morgenstern hätte schon nicht gewollt, dass ein Sinnbild des Männlichen mit dem unleugbar weiblichen Namen Emma belegt wird, gar eben „zur MINNA ( nicht Emma) gemacht wird.Man sieht: Ausbeute der gegenwärtigen Erörterung würde jetzt schon für ein Löwenglas voll …. genügen,weswegen sie vorzeigbar der gewählten Rubrik zuzuordnen ist.Leider sind Marder Analphabeten. – Klaus Wiedemann

 

Es wird soviel „Schiet“ mit Kurierdiensten durch die Lande gekarrt. Warum soll ein Not leidender Circus nicht auch seinen begehrten Artikel – zumal in Gläsern verpackt – im Versand anbieten können. Zu Christian Morgenstern fällt mir noch die nachstehende Weisheit ein: „Sei eine Möwe, scheiß drauf!“ Danke für alle vergnüglichen und ernsthaften Beiträge. – Wolf-Dieter Zorn

 

Sorry, aber das ist so peinlich, dass ich gleich reagieren muss: Christian Morgenstern hat in den Galgenliedern das „Möwenlied“ verfasst, in dem es heißt: Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen!! Selbst wenn Sie, bevor Sie diese Zeilen zum Thema „Löwenkot“ schrieben, keine Lust hatten, dies schnell zu verifizieren, sollte Ihnen beim Schreiben vielleicht doch mal ein Löwengesicht, bzw. ein Möwengesicht eingefallen sein, es hätte sich der Fehler vielleicht von selbst erklärt, ich bleibe begeistert von der ZEIT und werde sie auch gerne weiter lesen! – Kristine Kothé

 

In der letzten Rubrik“Prominent ignoriert“ steht „Die Löwen sehen alle aus als ob sie Emma hießen“. Beim (angeblichen) Autor dieses Satzes heißt es allerdings : „Die Möwen sehen alle aus…“ , Das Möwenlied von Christian Morgenstern P.S.: In einigen Artikeln der vergangenen Ausgaben war das kleine wörtchen „eh“ zu finden, das für diesen Gebrauch nicht im Duden zu finden ist. In der Schule habe ich noch gelernt, „Man sagt nicht „eh“ sondern „ohnedies“ , du hast ja eh Deutsch gelernt“. – Dr. Christian Breyer

 

Wer einen prominenten Platz auf der Titelseite der Zeit belegt, sollte sich wenigstens die Zeit nehmen und prüfen, was er schreibt. Es war die Möwe und nicht der Löwe. Man stelle sich das Gedicht von Morgenstern vor: Die Löwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen. Sie tragen einen weißen Flaus und sind mit Schrot zu schießen. Ich schieße keine Löwen tot, Ich laß sie lieber leben – und füttre sie mit Roggenbrot und rötlichen Zibeben. O Mensch, du wirst nie nebenbei des Löwen Flug erreichen. Wofern du Emma heißest, sei zufrieden, ihr zu gleichen. – Sygun Weiße-Herr

 

Mancher Löwe wäre sicher traurig, wenn er mit dem Namen „Emma“ verweiblicht wird. Das war sicher nicht die Absicht von Christian Morgenstern, der nicht über Löwen, sondern über Möwen gedichtet hat: „Die Möwen sehen alle aus Als ob sie Emma hießen. Sie tragen einen weißen Flaus, und sind mit Schrot zu schießen“. Weiter geht es damit, dass er die Möwen mit Brot und Zibeben füttert, was bei einem Löwen vermutlich zu Magenverstimmungen führen würde. Das könnte wiederum die Qualität des Löwenkots negativ beeinflussen. Da ist es doch besser, wir überlassen den Namen Emma den Vögeln: „Oh Mensch, du wirst nie nebenbei der Möwe Flug erreichen. Wofern du Emma heißest, sei zufrieden, ihr zu gleichen“. – Dr. Matthias Schneider

 

Sie haben auf Seite 1 der ZEIT vom 09.07.2020 die Löwen beleidigt. Das Gedicht von Christian Morgenstern lautet, ‚Die Möwensehen alle aus, als ob sie Emma hießen, …‘ Schmach über die ZEIT. Und das unter der Überschrift ‚prominent ignoriert‘! – Utta Kaiser-Plessow

 

Ein großer Fehler unterlaufen!! Es heißt in dem Morgenstern Gedicht: Die MÖVEN sehen aus, als ob sie Emma hießen!!! Es werden zwar wenige Leser merken, denn wer kennt schon dieses Gedicht. Trotzdem bitte richtigstellen, nicht alle sind schnell und lesen nicht mehr genau,…. und wissen nix von Morgenstern und Möven, vielleicht auch nix von Löwen! – zwinki Jeannée

 

In ihrer neusten Ausgabe (N°29) vom 09. Juli.2020 las ich auf der Titelseite in der Rubrik „Prominent ignoriert“ den Artikel „Löwenkot“. Ich würde nun gern einmal wissen, wie dieser offensichtlich falsch zitierte Satz zustandekommen ist: „Hat nicht Christian Morgenstern geschrieben, ‚die Löwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen‘?“. Nein, hat er nicht. Als eine Emma kenne ich das Gedicht von klein auf auswendig und weiß deshalb genau, dass es sich in dem Gedicht „Möwenlied“ von Christian Morgenstern natürlich um Möwen handelt, nicht um Löwen. Um Vögel, nicht um Ihren „König der Tiere“. Da lasse ich mich als Emma nicht zur Minna machen. Ein weiterer grober literarischer Fehler? Oder sind diese beiden Textstellen von Ihnen gewollte Wortwitze, die ich nicht verstehe? In Sprichwort und Zitat eingebaut haben sie zumindest bei mir für Verwirrung gesorgt. Das nächste Mal besser aufpassen, bevor Sie leichtsinnig einen Namen ihrer Leser benutzen! – Emma Hayn

 

Wie konnte DAS passieren? Das Gedicht von Christian Morgenstern beginnt mit dem Satz: „Die Möven sehen alle aus, als ob sie Emma hießen“. Oder war das ein Testballon, wie aufmerksam Die Zeit gelesen wird? ;-) – Christine Beers

 

Dass der Cirkus Krone Löwenkot verkauft, mag man merkwürdig finden, es ist vielleicht der momentanen Krise geschuldet, aber dass in Ihrem Artikel steht, Christian Morgenstern habe nicht gewollt, dass der König der Löwen zur Emma gemacht wird, ist absurd. In dem Lied von Christian Morgenstern geht es um Möwen, die aussehen, als ob sie Emma hießen. Richtige Recherche tut not. – Ute Alexander

 

Das Morgenstern-Gedicht heißt „Die MÖWEN sehen alle aus…..!“ Übrigens mit wunderbarem musikalisch-humoristischen Esprit von Heinz Lemmermann in seiner Carmina Curiosa für Chor gesetzt! – Lothar Rudolf Mayer

 

Nee – nicht die Löwen – sondern die Möwen https://www.aphorismen.de/gedicht/6633Elisabeth Mayer

 

In der Österreich Ausgabe der Die Zeit vom 09.07.2020 ist dem Autor der Kolumne „Prominent ignoriert“ wohl ein Fehler unterlaufen, und zwar ein peinlicher. Herr GRM. dichtet das Möwenlied von Christian Morgenstern in ein Löwenlied um. Die Verquickung des edlen Flugs der Möwen mit den den Exkrementen der Löwen haben die Möwen nicht verdient. – Daniela Neustädter-Otruba

 

Sie haben einen gravierenden Fehler gemacht, den ich so nicht stehen lassen kann. Nicht Löwen sehen aus, als ob sie Emma hießen, sondern Möwen sehen aus als ob sie Emma hießen. Sie tragen einen weißen Flaus, und sind mit Schrot zu schießen. – Ingrid Flechsig

 

Es sei Ihnen verziehen, sollten Sie die Absicht gehabt haben, Ihre Leser zu verarschen. Dass Sie aber nicht gewusst haben, dass Morgenstern in seinem Gedicht nicht die Löwen, sondern die Möwen besungen hat, kann ich Ihnen leider nicht glauben ! – Hans Rackow

 


 

 

Leserbriefe zum Titelthema „Geht Wohlstand auch mit weniger Konsum?“ von Uwe Jean Heuser et al.

 

Geht Sprache auch mit weniger Wörtern? Oder bleibt sie dann stehen? Sitzt sie gar? – Ich glaube, sie legt sich einfach hin. P.S. „Geht Wohlstand auch mit weniger Konsum?“ Wie wär’s mit „Gibt es…“? – Dr. Manfred Stepany

 

Vielen Dank für die neue Zeit-Serie. Ich bin gespannt auf die Artikel in den kommenden Ausgaben. Bis dato habe ich noch nichts gelesen, was ich nicht schon aus diversen Büchern zum Thema „Konsumkritik“ kannte, aber es ist für mich das erste Mal, dass eine grosse Wochenzeitschrift sich dieses Themas annimmt. Wirklich zum Durchbruch wird die Diskussion vermutlich erst kommen, wenn in der Zeitung mit den vier Buchstaben darüber berichtet wird, aber das wird noch eine Weile dauern … Der Eingangssatz auf Seite 19 bringt es auf den Punkt: „Ökonomen streiten darüber, doch die Verbraucher machen weiter wie bisher“. Es ist sehr schade und vermutlich fatal, dass (Jahrzehnte nach Veröffentlichung des Berichtes „Grenzen des Wachstums“) nun darüber diskutiert wird, nachdem man Jahrzehnte verschlafen und sich insgeheim hämisch gefreut hat, dass die Vorhersagen des Berichtes nicht eingetroffen sind.

Es ist dann kein Wunder, dass die verunsicherten Verbraucher weitermachen wie bisher: Solange sich die sog. Experten nicht einig sind, wieso sollten Sie etwas ändern ? Es ist zwar offensichtich, dass wir in unserem Konsum- und Mobilitätsrausch (um nur 2 Einzelthemen zu nennen) uns mittelfristig der Lebensgrundlagen berauben (CO2-Krise, Ressourcenschwund …), aber solange in den reichen Ländern es zu keinen existenziellen Krisen kommt (ich meine keine Bankenkrise, sondern beispielsweise eine Gesundheitskrise), wird sich kaum etwas ändern. Ich werde mein Verhalten auch nicht ändern: Ich fliege nicht und fahre selten Auto, vermeide Müll, schränke den Konsum ein, auch wenn ich mich damit „wirtschaftsschädigend“ verhalte, sprich: Ich ignoriere die Diskussionen der Ökonomen und habe meine Entscheidung getroffen, dass „Weniger Mehr ist“. – Würth

 

Mit großem Interesse habe ich die Beiträge führender WirtschaftswissenschaftlerInnen zur Frage des Wirtschaftswachstums gelesen. Die Ausführungen von Dennis Meadows zu den Grenzen des Wachstums sind von geradezu rührender Naivität. Es mag zwar sein, dass die Menschheit 300.000 Jahre ohne nennenswertes Wachstum ausgekommen ist. Aber seit die Wirtschaft prächtig wächst, hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung auch mehr als verdoppelt. Fraglich, wer hinter diesen Standart zurückfallen möchte. Auch die sentimentale Verklärung der Stammesgesellschaft zeugt von alarmierender Ignoranz. Das Stammesdenken haben wir nicht etwa tragisch verloren, sondern wir haben es glücklich überwunden: Stammesgesellschaften waren und sind erheblich gewalttätiger als moderne soziale Organisationsformen, allen voran die Demokratie. (ausführlich nachzulesen z.B. bei Yuval Noah Harari: Homo Deus). – Hans Kriegl

 

Eine glänzende Idee, die Meinung von international renommierten Experten in Kompaktform zu präsentieren. Aus meiner Sicht allesamt sehr lesenswerte, zukunftsweisende Überlegungen von hoher strategischer Reife mit einem gemeinsamen Nenner: Systemwechsel ! Energisch widersprechen muß man leider ausgerechnet einem der beiden deutschen Vertreter, konkreter der Botschaft des iFO-Instituts für Wirtschaftsforschung: „Freiheit für Konsumenten“. Wer heute immer noch nicht erkannt oder wahr haben will, daß der neoliberale Freiheitsbegriff, basierend auf dem Primat der „Individuellen Freiheit“, in seinen seit Jahrzehnten immer grotesker werdenden Ausprägungen, insbesondere aber nicht ausschließlich an den Finanzmärkten, eine wesentliche Ursache ist für die von allen anderen Kollegen genannten Bedrohungen, wie extreme gesellschaftliche Spaltung, soziale Desintegration, planetarische Zerstörung incl. Vernichtung der Biodiversivität, Profitorientierung und Gierexzesse in inzwischen unerträglich gewordenen und nicht mehr vermittelbaren öbszönen Ausmaß, ja, derjenige sollte meiner Ansicht nach in einer Welt, die nichts dringender braucht als einen Systemwechsel, über den sich alle anderen Experten auch einig sind, keine Verantwortung tragen, schon gar keine Führungsverantwortung.

Denn, derjenige führt uns in die falsche Richtung. Nebenbei erreicht dieser Artikel aus meiner Sicht auch nicht die strategische Reife und auch nur wenig Zukunftsvision, so wie die meisten übrigen Meinungen in diesem Forum. Glücklicherweise macht Claudia Kemfert aus deutscher Sicht die „ifo-Delle“ in diesem erstklassigen Meinungsforum mehr als wett: Glasklar („fundamentale Transformation der westlichen Wirtschaft“) und nicht zaudernd („Der Lockdown der fossilen Welt ist geboten“), trotzdem nicht radikal, sondern verantwortungsvoll („nicht mit dem großen Hammer“), garniert mit einer Zuversicht ausstrahlenden Aufbruchsstimmung („nicht Pogo, sondern Tango“) und, noch wichtiger, mit einer Inneren Haltung und einem Committment zu eben dieser Transformation, die einen daran glauben lassen, daß diese Transformation notwendig und auch machbar ist. Allerdings keinesfalls unter Fortführung der ifo-Doktrin der „unsichtbaren Hand“ sowie der damit verbundenen Zerstörungswuchten auf Basis eines unregulierten Freiheitsverständnis. – Hans-Jörg Glaß

 

Bei ihrem Titelthema in der neuen Zeit – Serie mit Fokussierung auf mehr oder weniger Konsum lassen Sie 7 Experten mit einigen interessanten Aspekten zu Wort kommen. Der aus meiner Sicht besonders wichtige Aspekt KOSTENGERECHTER MARKTPREISE kommt dabei leider zu kurz. Dabei wird der Konsum weltweit, nicht nur bei uns maßgebend von den Marktpreisen bestimmt. Diese Marktpreisen bilden aber den tatsächlichen Ressourcen -Verbrauch nur unzureichend ab. Zahlreiche, sog. externe Kosten werden durch diese Marktpreise nicht oder nur unzureichend erfasst. Externe Kosten sind z.B. Belastungen der Umwelt mit CO2, Feinstaub, Lärm, Plastik, Entsorgung, Verpackungen, Müll,…. Belastungen von Menschen mit unwürdigen Arbeitsbedingungen, …Belastungen der Tierwelt durch Eingriffe in die Artenvielfalt, Verstöße gegen das Tierwohl,…

Diese externen Kosten belasten die Gesellschaft und unsere Umwelt insgesamt. Wenn diese externen Kosten den Produkten / Leistungen verursachungsgerecht zugerechnet würden, dann wäre es nicht mehr so wichtig zu diskutieren ,ob mehr oder weniger Konsum besser wäre. Mit hohen externen Kosten belasteter Konsum würde automatisch reduziert werden. Konsum ohne externe Kosten wäre preiswerter zu haben und würde mehr nachgefragt werden . Konsum von Bildung beispielsweise würde eher externen Nutzen stiften und könnte daher sehr preiswert am Markt angeboten werden.

In unserem Land mit mehreren Millionen funktionalen Analphabeten wäre ein höherer Konsum von Bildung sicher von großem Nutzen. Dieses Prinzip ist übrigens seit Jahrzehnten in der Wissenschaft bekannt als INTERNALISIERUNG EXTERNER EFFEKTE in die Marktpreise. Problem wird sicher sein , dass die verursachungsgerechte Zurechnung der externen Kosten auf die Produkte gründliche Untersuchungen und Diskussionen verlangen wird. Diese Probleme dürften aber in einer funktionierenden Marktwirtschaft , bei der heute schon zahlreiche Zertifizierungen stattfinden, lösbar sein. Mit den von den Konsumenten bezahlten externen Kosten würde nicht nur der Konsum besonders belastender Produkte reduziert. Diese Kostenbeiträge könnten und sollten dann auch soweit möglich zum Abbau der verursachten Belastungen genutzt werden. – Dr. Roland Haselmann

 

Mit großem Interesse habe ich den Artikel „Die Wende zum Weniger“ gelesen. Eine Anmerkung möchte ich aber erbringen. In Zeiten, in denen Medien verstärkt mit Vorwürfen des Framings konfrontiert werden, frage ich mich, inwieweit bei den Graphiken im Beitrag der Zusammenhang zwischen Korrelation und Kausalität der Daten sichergestellt wird. Wurde sichergestellt, dass bspw. nicht einfach Besserverdiener eher politisch links verortet sind, und daher Ihre Einkäufe nachholen? Darüber, inwieweit eine Kausalität zwischen rechter politischer Orientierung und vermehrter Kauflust besteht – nicht eine einfache Korrelation, wird nirgends erwähnt. Ich würde mir wünschen, dass ich als Leser bei solchen Datenauswertungen einen besseren Einblick darüber erhalte, wie diese Rückschlüsse gezogen werden. Ich möchte Ihnen keinen Vorwurf machen, aber in Zeiten mit erhöhter Aufmerksamkeit der Leser auf Quellen und Daten zumindest auf die in mir aufgekeimten Fragen hinweisen. – Johannes Sonner

 

Zum Beitrag von Clemens Fuest: Was ist ein „reifer Industriestaat“? Ein Land, das z. B. unter unwürdigen Bedingungen für Mensch und Tier massenhaft Fleisch produziert, um es dann u. a. nach China zu exportieren und anschließend die Äcker des eigenen Landes in Gülle zu ersäufen? Clemens Fuest plädiert für die Freiheit, diesen Planeten und den einen oder anderen Menschen ruinieren zu dürfen. Beschämend einfallslos. – Brigitte Kasten-Ganser

 

Es geht leider nicht anders, denn Menschen sind gierige Wesen. Philosophen im 17. und 18. Jahrhundert setzten große Hoffnungen in den aufkommenden Kapitalismus, denn für sie war die Habgier immerhin eine unblutige Leidenschaft. Dass Menschen von Leidenschaften beherrscht werden, war für sie klar, man konnte nur hoffen, dass die harmloseste Leidenschaft regiert. Ein realistischer Wunsch im Zeitalter machtgieriger Fürsten, die die Welt mit Kriegen überzogen und vielleicht auch heute nicht ganz abwegig angesichts der Assads, Erdogans und Putins. Wenn Sie Keynes gefragt hätten, hätte er es so formuliert: Immer noch besser, ein Mann tyrannisiert sein Portemonnaie als seinen Nachbarn. – Markus Eberhard

 

Die Probleme, die Robert Solow in seinem Beitrag aufgreift, teile ich voll und ganz – mir fällt aber unweigerlich ein weiteres Problem ein. Während des Shutdowns im April und Mai waren wir gezwungen, unsere Freizeit draußen zu gestalten, wir gingen spazieren, fuhren Rad, joggten. Ich wohne mitten im Ruhrpott, in einem sehr reich bevölkerten teil Deutschlands und während dieser Zeit sind wir uns förmlich auf die Füße getreten, Fahrradtrassen, Spazierwege, Parks, alles war voller Menschen. Ich suchte nach Wandermöglichkeiten südlich des Potts an normalerweise weniger besuchten Orten – vergebens. Dort wanderte man auch in Scharen. Wenn ich mir vorstelle, dies wäre in Zukunft so, frage ich mich, wie wir unsere Umwelt umgestalten müssten, damit sie so viele Menschen in ihrer Freizeit aufnehmen kann? Touristenregionen, aber auch andere Orte stelle ich mir sehr überfüllt vor. Und: Wie kommen wir dahin? Wenn alle in ihren Autos, mit der Bahn, auf ihren Rädern losfuhren… Mir ist klar, dass die Zeit des Shutdowns eine Ausnahme war, trotzdem denke ich mir bei jeder Zukunftsprognose: Wir sind doch einfach zu viele. – Virág Imrics

 

Individuelle Konsumentscheidungen sind nicht einfach „gut so“, sondern sie sind meines Erachtens nur dann ethisch vertretbar, wenn sie keinem anderen Menschen schaden. Genau das aber tun alle Konsumentscheidungen, bei denen bzw. als deren Vorbedingung oder Folge mehr Treibhausgase produziert werden, als in Anbetracht der letztlich für die ganze Menschheit verhängnisvollen Erderwärmung verkraftbar ist. Wie bei der Corona-Katastrophe haben die Staaten dann nicht nur das Recht, sondern sogar die ethische Pflicht, einzugreifen und die weitere Produktion von Treibhausgasen zu stoppen oder dafür zu sorgen, dass die Treibhausgase absorbiert werden.

Die Staaten können das z. B. direkt durch Verbote oder indirekt dadurch erreichen, dass sie klimaschädliche Produkte so sehr verteuern, dass sie deutlich weniger konsumiert werden und dadurch der Ausstoß von Treibhausgasen sinkt. Auf solche Maßnahmen könnte verzichtet werden, wenn es gelänge, allein durch technische Innovationen den Ausstoß von Treibhausgasen hinreichend zu reduzieren bzw. die bereits entstandenen Treibhausgase durch technische Innovationen wieder zu binden. Bislang sind diesbezüglich aber keine hinreichenden Erfolge zu verzeichnen, sondern es werden jedes Jahr weltweit mehr Treibhausgase emittiert. –Dr. Ulrich Willmes

 

Es ist bemerkenswert, wie nah beieinander die Einschätzungen der sieben Wirtschaftswissenschafler/innen liegen, wenn es um die Grenzen des Wachstums geht. Immerhin stammen sie aus ziemlich unterschiedlichen „Schulen“. Das bisherige Wirtschaften und Konsumieren gefährdet unsere natürlichen Lebensgrundlagen in einer Weise, dass den Ökonomen ein „Weiter so!“ nicht akzeptabel erscheint. Bei der Frage, wer eine Änderung der Verhältnisse wie herbeiführen müsste, ergibt sich bei den Experten ebenfalls eine Übereinstimmung: „Wir“ sind es, die die Wende verwirklichen müssen. Beispiele: „Dank der Corona-Lektionen sind wir besser denn je dafür aufgestellt, den Übergang zu einem resilienten, nachhaltigen Wirtschaftssystem zu erkennen und zu realisieren.“ (Tim Jackson) „wir (müssen) die Unternehmen dazu bringen, für alle betroffenen Akteure da zu sein und so zu handeln, dass es Mensch und Umwelt hilft“ (Mariana Mazzucato) „Nur müssen wir den zerstörerischen fossilen Pogo beenden und endlich einen ökologischen Tango im Einklang mit der Natur beginnen.“ (Claudia Kemfert)

Leider bleibt eine entscheidende Frage unbeantwortet: Hat dieses „Wir“ überhaupt die Macht, das System zu ändern? Seit Jahrzehnten zeigen uns wahrheitsverpflichtete Wissenschaftler/innen, welches Verhängnis die Ideologie der Wachstumsdogmen, des Konsumwahns und der Marktherrschaft auf unserem Globus anrichtet. Demokratische Medien – wie DIE ZEIT – helfen die Aufklärung darüber zu verbreiten. Das Blöde an der Ideologie ist aber ihre Verankertheit im Bewusstsein derer, die generationenlang in das Wirklichkeitsverständnis und Menschenbild der kapitalistischen Lebenswelt enkulturiert wurden. Noch immer gilt die aufklärerische Erkenntnis, dass die herrschenden Gedanken weitgehend die Gedanken der Herrschenden sind. Es besteht hierbei ein ebenso verlogenes wie gewieft gestricktes Einverständnis zwischen den Mächtigen in Wirtschaft und Politik.

Unverhohlen und unverschämt wirft sich diese unheilige Allianz von Eigentümermacht und politisch Ermächtigten in den USA, in Brasilien, in Russland oder auch in Ungarn und Polen in die Brust. Doch auch hierzulande dürfte auffallen, wie die Politik der Wissenschaft Folge leistet, wenn die Mediziner vor dem Virus warnen. Unser ziviles Leben wird im Handumdrehen ausgehebelt. Warnungen der Klima- und Armutsforschung werden dagegen abgewiegelt, verharmlost, belächelt. Geht es also um die Aufrechterhaltung der privaten Aneignung des gesellschaftlich erarbeiteten Reichtums (bei gleichzeitiger Sozialisierung der Risiken und Verluste), zählen wissenschaftliche Erkenntnisse nicht mehr. Die Ideologie mag intellektuell und moralisch abgewirtschaftet haben, in der Machtfrage aber nicht. – Viktor Rintelen

 

Klimaziele nicht mit Wachstum erreichbarDie Friday-for-future-Bewegung und ihr politischer Arm, die Grünen, verlangen angesichts des Klimawandels die schnelle und radikale Reduzierung des Co2-Ausstoßes. Wie groß de Änderung sein muss, zeigen zwei Zahlen. Der CO2-Fußabdruck jedes Deutschen beträgt 10 t/Jahr, allenfalls 2 t/Jahr dürfen es maximal sein. Ein solches Ziel lässt wird sich aber allein mit technischen Innovationen und mehr Effizienz nicht erreichen lassen, sondern ein ganz wesentlicher Teil der Einsparungen wird nur mit einem erheblichen Konsumverzicht von jedem zu erbringen sein: z.B. viel weniger Mobilität (z.B. Flüge), viel weniger Verbrauch (z.B. Fleisch) u.a.m. . Das ist das Gegenteil von Wachstum. Ist die Bevölkerung dazu bereit, solche Einschränkungen schon jetzt für eine lebenswerte Zukunft und kommende Generationen hinzunehmen ? Ist man bereit, eine Herabsetzung des Lebensstandards zu akzeptieren, besonders wenn sie zum internationalen Ausgleich der Versorgung, d.h. zugunsten anderer Völker auf der Welt zugemutet wird? Welche politische Kraft überzeugt die Menschen davon, die Grünen ? Die haben mit ihrer bescheidenen Forderung eines Veggietages pro Woche im Jahr 2013 erfahren müssen, wie eine Mehrheit der Bürger darauf reagiert hat – mit Stimmentzug. Darum hat man von ihnen nichts mehr in puncto Askese gehört.

Es stellt sich also die Frage, ob ein demokratisches System überhaupt in der Lage ist, eine so tiefgreifende Umstellung der Lebensgewohnheiten der Menschen mit der gebotenen Eile erfolgreich durchzusetzen. Der Natur- und Technikphilosoph Hans Jonas hat in seiner bedeutendsten Arbeit „Das Prinzip Verantwortung“, in der er Immanuel Kants kategorischen Imperativ weiterentwickelt ( „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf der Erde“) erhebliche Zweifel daran. Er begründet es damit, dass nur eine Gesellschaft, in der mehr Gleichheit herrscht, vor dem Verdacht schütze, die zu verordnenden Entbehrungen würden nur zugunsten anderer mit der Schonung Privilegierter erfolgen.Um der Pflicht zur Sicherung des Daseins der künftigen Menschheit gerecht zu werden, müsse auch eine Einschränkung individueller Freiheiten zugunsten eines kollektiven Überlebens diskutiert werden, was in Autokratien einfacher sei. – Stefan Kaisers

 

Eine pauschale Beurteilung des Konsumverlaufes ist m. E. nicht aussagekräftig, weil es die Vermögensunterschiede in der realen Bevölkerung nicht ausreichend berücksichtigt. Die Anzahl der Anlagemillionäre und ihr Vermögen ist im vergangenen Jahr um über 8% gestiegen, parallel stagnieren die geringen Einkommen, gerade jetzt in der Corona- und Nachcoronazeit. Damit driften diese Gruppen weiter auseinander, der Mittelbar nimmt ab. Entsprechend unterschiedlich sind auch die konsumierten Güter dieser Gruppen; multipliziert mit der Anzahl der Gruppenmitglieder können sich ähnliche Zahlen ergeben, aber mit absolut gegensätzlichen Inhalten. Es sollte die Art des Konsums unterschieden werden: der Luxus-Konsum wird steigen, da mehr Vermögen vorhanden ist, und der Basiskonsum wird konstant bleiben oder sinken. Diese Betrachtung ist relevant für die Gesamtbewertung, nicht der sich ergebende Mittelwert. – Eberhard Goette

 

Ein wesentlicher Grund warum Wachstum anscheinend unabdingbar ist, liegt in zwei ungelösten Zielkonflikten. Es ist also eher kontraproduktiv, wenn beispielsweise Tim Jackson (Professor für nachhaltige Entwicklung) «Gier und verantwortungsloses Handeln» als wesentliche Ursache benennt. Ein erster Zielkonflikt ergibt sich aus den unterschiedlichen Aufgaben der Wirtschaft. Ihre Aufgabe ist zunächst: Versorgen mit Produkten und Leistungen. Genauso wichtig ist, dass Arbeit Einkommen verteilt. Ist nicht genug Arbeit vorhanden, dann gibt’s ein Problem, dass bereits die Pharaonen kannten. Sie lösten es durch den Bau der Pyramiden. Was damals die Pyramiden waren, das sind heute überflüssige und die Umwelt schädigende Produkte, die aber (wie der Pyramidenbau) Arbeit geben. Das ergibt den Zielkonflikt. Die umweltfreundliche Lösung zum Entkoppeln der beiden Funktionen von Arbeit ginge in Richtung «bedingungsloses Grundeinkommen.»

Nur gibt’s auch da ein Problem. Die Konkurrenz in Bildung und Beruf reduziert die Geburtenrate auf ein nachhaltiges Mass. Zum Beispiel: Südkoreas Geburtenrate liegt unter 1. Dieser Mechanismus wäre also durchaus geeignet, die Kopfzahl der Menschen an die verfügbaren Ressourcen anzupassen und so einen guten Weg in die Zukunft zu ermöglichen Allerdings klappt das nicht weltweit. Zum Beispiel: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050 laut UN-Prognose verdoppeln. Dies illustriert einen zweiten ungelösten Zielkonflikt und zwar innerhalb der Menschenrechte. Er ergibt sich daraus, dass der technische Fortschritt Widersprüche zwischen den Rechten auf Lebensgrundlagen (Nahrung, Wohnen, Medizin, etc.) und dem Recht auf Eigentum wirksam werden lies. Die ökologischen Probleme beruhen darauf, dass der Fortschritt Entwicklungen (demographische und ökologische) begünstigte, die mit dem Stichwort «Tragik der Allmend» charakterisiert werden können.

Das Mittel dagegen ist der Schutz von Ressourcen durch das Recht auf Eigentum. Allerdings ermöglicht der Fortschritt auch grosse Wohlstands-Unterschiede (zwischen Nord und Süd), indem er Entwicklungen fördert, die durch den Begriff Konditionierung oder bis hin zum Stichwort «The Winner takes it All» charakterisiert werden können (gilt nicht nur für Facebook, Amazon oder Google). Dies rechtfertigt Leistungstransfer, der allerdings mit der Förderung demographischer Verantwortung verbunden sein muss, damit die Leistungen nicht auf ein Fass ohne Boden treffen. Zum Thema Demographie zwei aktuelle Beispiele: Kürzlich (am 26. 6. 2020) berichteten die Zeitungen, ein Bauer aus Tansania, «Vater von mehr als 30 Kindern» sei nach einem Edelstein-Fund Millionär geworden. Er besitzt bereits 2000 Kühe und benötig daher die Kinder nicht für Vorsoge im Alter. Tansania hat eine Geburtenrate von 5.95 (Verdreifachung der Bevölkerung pro Generation), die – wie das Beispiel zeigt – nicht nur durch Armut bewirkt wird. Ein anderes Beispiel zeigt eine Reportage (vom 13.3.2019) der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung aus Niger (Zwischentitel: «Reich ist, wer viele Kinder hat»).

Eine 20 Jährige berichtet über ihr Leben mit 8 Kindern. «Mit 13 wurde sie zum ersten Mal schwanger…Verhüten kommt nicht infrage. …Wovon all ihre Kinder wirklich leben solle, weiss sie nicht. Das Feld am Fluss kann nicht alle ernähren….Die Bauersfrau hat gehört, dass das Leben ausserhalb Nigers besser sein soll…» Niger hat eine Geburtenrate über 7. Das bedeutet nahezu ein Vervierfachen der Bevölkerung pro Generationenfolge, die dort – wie das Beispiel zeigt – relativ kurze Zeit benötigt. Dennis Meadows, Autor von «Grenzen des Wachstums» hat vermutlich Recht «In den kommenden beiden Jahrhunderten werde die Weltbevölkerung … deutlich schrumpfen – um 50 Prozent oder sogar mehr.» Nur erscheint es unbedingt nötig, Wege zu finden und schnellst möglich zu begehen, die einen Übergang ohne Katastrophen ermöglichen. Dazu ist es aber auch nötig, Lösungen für die genannten Zielkonflikte zu thematisieren. Den Vorschlägen der sieben Ökonominnen und Ökonomen ist gemeinsam, dass sie diese Zielkonflikte ignorieren.

Die Energieexpertin Claudia Kemfert schreibt «Der Glaube an die fossile Industrie zerstört unsere Lebensgrundlage.» Andererseits ist die Ölförderung weitgehend die Lebensgrundlage vieler Staaten von der arabischen Halbinsel über Nigeria bis Ecuador. Jeffrey Sachs, Berater der UN schreibt, nötig sei «…ein erheblicher Einkommenstransfer, damit alle ihre Grundbedürfnisse erfüllen können.» Das kann aber nur funktionieren wenn, die genannten Zielkonflikte gelöst werden, sonst trifft der Einkommenstransfer auf ein Fass ohne Boden. (vgl. auch «Die Technik reicht nicht» BoD 2016) – Dr. tech. Gernot Gwehenberger

 

Ich bin enttäuscht über die fast gleich lautenden, aber ziemlich einfaltslosen Analysen der sieben Ökonominnen und Ökonomen auf die Frage, „Geht Wohlstand auch mit weniger Konsum?“. Als ob sie alle der gleichen Gehirnwäsche zur Klimakatastrophe, Kapitalismuskritik, Neoliberalismusschelte und dem angeblichen Wachstumswahnsinn unterzogen wurden, stellen sie lediglich fest, das „System“ hätte versagt und es müsse sich alles nachhaltig ändern. Man lässt kein gutes Haar an dem, was die Menschen in den letzten Jahrzehnten an Wohlstand (für viele) geschaffen haben. Unsere Großeltern hätten wahrscheinlich davon geträumt, mit so wenig Arbeit sich so viel Freizeit und Freiheit leisten zu können und dabei (fast) immer ausreichend zu essen zu haben.

Ja, wir können und wollen dank dieses materiellen Reichtums nun allmählich unsere Ansprüche ändern und darüber nachdenken, wie wir den erreichten Wohlstand von mehr Quantität (sprich materiellem Konsum) hin zu mehr Qualität (mehr Zeit und Muße) verändern können, aber auch das geht nicht ohne Wachstum. Zum Beispiel Wachstum im Bereich gesünderer, ökologischer Produkte, Wachstum bei Bildung und in der Kultur, in medizinischen Dienstleistungen, bei E-Bikes, Solarpaneelen und und und. Man merke: der Mensch strebt nach einem (für ihn) besseren Leben und befördert dadurch meistens auch Wachstum – und daran ist per se nichts verwerflich. Das Problem ist allerdings, dass unser Planet an der schieren Zahl der Menschen (und ihrem Wunsch nach Leben) zu ersticken droht. – Peter Breuninger

 

Mit der Methode „Popanz aufbauen, dann verbal zertrümmern“ ignoriert Frau Kemfert, dass die Grenzen des Marktes seit langem an deutschen Wirtschaftsfakultäten im Kanon stehen. Mit ihrer Promotion, betreut von einem Professor für Wirtschaftspolitik, sollte sie das wissen. Dieser Kollege ist Koautor des führenden deutschen Lehrbuchs zu „Energiewirtschaft“ (demnächst in 4. Auflage) und war auch am Graduierten-Kolleg „Umwelt- und Ressourcenökonomik“ um 1990 in Oldenburg beteiligt. Hat sie etwa nie richtig zugehört und hält deshalb an ihrem skurrilen 100 Jahre alten Ökonomen-Bild fest? Ihre „3 Vorschläge“, sämtlich alte Kamellen, wurden bereits vor 30 Jahren analytisch gut diskutiert. Sie selbst liefert bspw. keinen konkreten Vorschlag, in welchen aufeinander folgenden Schritten „die Energiewende“ in Deutschland ohne Black-Out als „Vorbild“ gelingen könnte. Frau Kemfert auf vergleichbare Stufe mit Solow oder Fuest zu setzen, ist mehr als peinlich – auch für die ZEIT.

Neben diesen beiden: Voller Respekt für Frau Mazzucatos klare Sprache! Eine inhaltliche Anmerkung zu Uwe Jean Heuser: Da derzeit rund 2 Milliarden Menschen auf der Erde aus teils elender Armut zu bescheidenem Wohlstand (Trinkwasser, Ernährung, Wohnung, medizinische Versorgung, Bildung, bescheidene Mobilität, Arbeitsplätze, …) kommen wollen und es laut neuer Bevölkerungsprognosen in Richtung über 10 Mrd. Menschen noch in diesem Jahrhundert geht, wohin soll eine Politik zum „Weniger“ (WOVON?) angesichts der nötigen besseren Versorgung von 4 Mrd. praktisch gehen? Wenn Frau Kemfert von einer „neuen Ökonomie“ für den Planeten spricht, sind ja nur noch mög¬lichst bald einige „Kleinigkeiten“ wie – eine weltumspannende Bevölkerungspolitik mit dem Ziel der Abbremsung der Dynamik zu implementieren, – beispielsweise die Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten (Iran – Saudi-Arabien) beizulegen, mehrere Kriege zu beenden, Boko-Haram oder der IS zu überzeugen, – die verbreitete Korruption gerade auch in der Dritten Welt zu unterbinden,

– innerhalb weniger Jahrzehnte 75 % der Weltenergieversorgung „auf solar“ umzurüsten, – eine flächendeckende gesicherte Stromversorgung weltweit aufzubauen, so dass auch „Videokonferenzen“ für jedermann – jeder normale Mensch besitzt ja ein Laptop – möglich sind, – (Trink-)Wasserstreitigkeiten und ähnliches beizulegen, – ausreichend Nahrungsmittel ohne Kunstdünger (Lachgas ist auch ein THG!) oder Waldabholzungen (changed land use ist wieder klimaschädlich) massenhaft zu prozieren, – umfassende Recycling-Systeme zu installieren etc. Rein statistisch würde dies natürlich zu erheblichem „Wachstum“ führen – alleine die nötigen Investitionen für bald 10 Mrd. Menschen wären enorm. Jetzt fehlt es „nur noch“ am einfachen Koch¬rezept, welches die exemplarisch genannten Punkte möglichst zügig lösen könnte. Wissenschaftler dürfen als Privatpersonen gerne von „Wünsch Dir war“ träumen, ansonsten haben sie vor allem „So isses!“ zu analysieren. – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele

 

Clemens Fuest schreibt am Ende seines Artikels: „Dass einige unter uns mehr arbeiten und konsumieren, als anderen sinnvoll erscheint, gehört zu einer freien Gesellschaft.“ Dazu möchte ich ergänzen: Und diese Freiheit endet da, wo sie die Freiheit der anderen einschränkt. Das ist bei CO2 der Fall. Der hohe Konsum einiger weniger ist doch nur deshalb (so lange) möglich (gewesen), weil viele das empfohlene Limit nicht erreichen / überschreiten. Hier liegt möglicher sozialer Sprengstoff. Gefordert wird oft ein sozialverträglicher Umbau, der sehr leicht möglich wäre: Verbräuche über (sagen wir zu Beginn) 15to CO2 sind zukünftig nur noch möglich, wenn „freie Tonnen“ von Staatsbürgern in D abgekauft werden, die (auch hier Annahme) unter 10to CO2 liegen. Je Tonne wären in diesem Modell ein hoher vierstelliger Ablösebetrag zu zahlen. Das ist für Wohlhabende nicht wirklich viel und sorgt entweder für eine Verlangsamung des Konsums oder zu einer Verbesserung der finanziellen Situation der weniger Wohlhabenden. Entsprechend der Entwicklung hin zur CO2-neutralen Produktion müssten die Werte justiert werden. Das Konzept ist simpel und erfordert hauptsächlich politischen Willen. Aber wie schreibt Jeffrey Sachs im gleichen Artikel: Engagierte Bürger, bitte! Das schließt Politiker mit ein. – Armin Klug

 

Die Beiträge zur „Wende zum Weniger“ sind allesamt informativ. Die Autorinnen und Autoren stecken den Rahmen ab, in dem heute meist diskutiert wird, aber umgehen das eigentliche Problem. Vor 30 Jahren hätte es Sinn gemacht, die heutige Diskussion zu führen. Die wesentlichen Fakten lagen auf dem Tisch, und die Bereitschaft war da, aktiv zu werden. Seither hat sich die Gesellschaft – nicht nur in Deutschland – radikal geändert. Andreas Reckwitz beschreibt das sehr anschaulich in seinen Buch „Das Ende der Illusionen…“. Die eigentliche Blockade gegen den Einstieg in eine nachhaltige Entwicklung vollzieht sich in der hoch anspruchsvollen „neuen Mittelklasse“. Reckwitz charakterisiert sie mit dem schönen Satz: „Ich bin es mir wert.“ (S. 93).

Seine Annahme, dass wir im Zeitalter des Postindustrialismus oder Postmaterialismus leben, kann ich allerdings nicht teilen. Für unseren Lebensstil brauchen wir mehr Industrie und benötigen mehr Material denn je. Wenn Uwe Jean Heuser sagt, dass die Industrieländer Jahr für Jahr mit weniger Ressourcen auskommen, blendet er die indirekten Stoffströme sowie den Land- und Wasserverbrauch aus, die für unseren Lebensstil nötig sind. Stefan Lessenich und andere zeigen auf, wie blind unsere Externalisierungsgesellschaft in diesem Punkt ist. Zweifellos wurden erstaunliche technische Fortschritte gemacht. U.a. Deutschland ist es zu verdanken, dass Photovoltaik und Windenergie heute zuverlässige und preisgünstige Stromlieferanten sind, in Asien wurden entscheidende Stromspeichertechnologien entwickelt. Die Verfahren der Chemie wurden deutlich verbessert, die Leistungfähigkeit der mobilen und digitalen Welt wurde enorm gesteigert.

Von einer Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch kann dennoch nicht die Rede sein. Gerne wird auf den Rebound-Effekt verwiesen: Jede Effizienzsteigerung wird durch wachsenden Verbrauch überkompensiert. Nur ist das ein Euphemismus. Das 3-Liter-Auto könnte Standard sein; vermutlich würde ein so sparsames Auto zu Fahrten verleiten, die man auch zu Fuß erledigen könnte. Statt in solchen Fahrzeugen finden diese Fahrten aber heute in hochgerüsteten 2-Tonnern mit dem vielfachen Verbrauch statt. Dieses Ich-bin-es-mir-wert-Syndrom, dass den Reboundeffekt kräftig verschärft, lässt sich in fast allen Konsumbereichen beobachten. Die eindrucksvollen technischen Erfolge führen außerdem zu einem eigenartigen Glauben in die Allmacht von Forschung und Entwicklung nach dem Motto: „Kinder macht euch keine Sorgen, ihr werdet die Probleme lösen können, die ihr ohne uns nicht hättet, wir forschen ja an den Lösungen.“

Ein aktuelles Beispiel ist die Wasserstoffstrategie Europas und Deutschlands. Die Verantwortlichen wissen, dass eine Wasserstoffwirtschaft im gewohnten Business-as-Usual-Stil unbezahlbar ist, trotzdem hält es niemand für nötig, den Bürgerinnen und Bürgern die gewaltigen Konsequenzen für unseren Lebensstil klarzumachen. Der Einstieg in eine „Wende zum Weniger“ würde erfordern, dass die „neue Mittelklasse“ Verantwortung übernimmt, die den Namen verdient. Dies bedeutet Abschied vom Schlaraffenland, Fairness mit den anderen Erdenbürgern und Training im genauen Hinschauen. – Hermann Pütter

 

Ich fand viele Ihrer Themen sehr interessant, vor allem die Beiträge „Geht es auch anders?“ Was mir allerdings gar nicht gefallen hat, war „Peinlich erfolgreich“ und zwar deshalb, weil Sie unter das Bild von Gerd Müller und die Überschrift eine seitenfüllende Anzeige setzten. Das ist PEINLICH und zeigt genau die Wertschätzung, die man diesem engagierten Entwicklungsminister zollt. – Traudl Steigenberger

 

Vielen Dank für Ihren Artikel mit der Frage “Geht Wohlstand auch mit weniger Konsum?“ Ein Artikel hat mich dabei allerdings zutiefst erschüttert, und zwar der von Frau Kemfert. Falls Sie es ermöglichen könnten, wäre ich für den Abdruck des, leider aber zwangsläufig etwas länger geratenen Leserbriefes dankbar. Mein Leserbrief: Was für eine Wissenschaftlerin, die da sagt, das “Vertrauen auf wundersame Selbstheilungskräfte habe sich in der Pandemie als fahrlässig erwiesen“. Sie hat wohl wieder einmal im Flugzeug über den Wolken geschwebt, als in Deutschland die Verantwortlichen Wege zur Eindämmung der Infektionen, mit großem Erfolg und international bewundert, organisiert haben. Sie weiß auch sofort, dass dies einhergeht mit der “Zerstörung unserer Lebensgrundlage durch den Glauben an die fossile Industrie“, dass “Krankheiten verursacht werden durch die Gier und Verschwendung des Wirtschaftssystems“, und “sich diese Wirtschaft von jeglichen Idealen des Humanismus entfernt hätten“.

Selbst Herbert Grönemeyer weiß es besser: “Dein Grubengold hat uns wieder hochgeholt“. Sie weiß auch, dass das Übel nur durch den “sofortigen Abschied von der riskanten Atomenergie, dem schnellen Ende jeglicher Öl- und Gasförderung und dem konsequenten Kohleausstieg“ beherrscht werden kann. Sie schwärmt davon, den Anteil der erneuerbaren Energien eher zum Thema zu machen als die Börsenkurse. Kann man ja tun, aber dann, bitte, mit der ganzen Wahrheit. Frau Kemfert ist die Protagonistin des Ausstiegs aus der Kernenergie und des EEG, des Energieeinspeisegesetzes. Die Wahrheit ist, dass nun, nach ca. 20 Jahren, die Erneuerbaren, relativ CO2-frei, den Strombeitrag leisten, den vor dem von der Politik verordnetenAusstieg die CO2-freien Kernkraftwerke geliefert haben, ca. 35%. Es fand bis heute also nur ein Ersatz statt. Die heute von uns Strombeziehern dafür zusätzlich zu zahlenden Beträge (EEG-Umlage) belaufen sich zur Zeit auf 30 Milliarden € pro Jahr, in Summe also bereits auf 600 Milliarden.

Die Kernkraftwerk werden ca. 50 Jahre vor ihrem technischen Ende abgeschaltet. Somit beläuft sich der Aufwand für den Ersatz dieses CO2-freien Atomstroms durch die Erneuerbaren auf ca. 2 Billionen, das sind 2.000 Milliarden – und dies, ohne dass auch nur ein Gramm CO2 eingespart worden wäre. Übrigens, der Bundesrechnungshof sieht das genauso! Die Folge dieses Unsinns ist, dass wir international vollständig abgehängt sind und nur noch mit Kopfschütteln bedacht werden. Jeder Deutsche produziert ca. 65% mehr Treibhausgase als jeder Franzose und ca. 30% mehr als der europäische Durchschnitt. Im Vergleich der EU-Länder sind wir im pro-Kopf-Vergleich somit an viertletzter Stelle. In den letzen 15 Jahren haben die USA ihre CO2-Emissionen um fasst 15% vermindert, Frankreich um 17%, Großbritannien um 29% und Deutschland gerade mal um 5%. Zur Wahrheit gehört weiterhin, dass die Erneuerbaren leider nur sehr zufällig ihren Strom liefern. Oftmals im Jahr liegt die gemessene Einspeisequote von Wind- und Solaranlagen für ganz Deutschland bei unter einem Prozent, im Einzelfall sogar unter 0,3%.

Das heißt, wir benötigen eine nahezu 100%-ige Reserve. Auf meine direkte schriftliche Nachfrage an Frau Kemfert gibt es hierzu, wohl selbstverständlich, keine Antwort. Das UBA, Umweltbundesamt, schreibt mir dazu, die Reserven bezögen wir ins solchen Fällen u.a. aus den Überschüssen der Erneuerbaren in den umliegenden Ländern- wie bitte?. Uns wird nach dem Ausstieg aus der Kernenergie und aus der Kohle in Deutschland keine lenkbare Stromproduktion mehr zur Verfügung stehen. Das ist die Wahrheit. Zur Wahrheit gehört weiterhin, dass das durch das EEG ebenfalls subventionierte Biogas dazu geführt hat, dass ca. 25% der deutschen Anbaufläche nicht mehr für die Lebensmittelproduktion zur Verfügung stehen, sondern für die Fütterung der Biogas-Anlagen. Dafür beziehen wir ca. 3,5 Mio Tonnen vornehmlich an Sonja aus Südamerika, insbesondere aus dem Amazonasgebiet, das selbstverständlich von den dortigen Investoren mit hoher Rendite abgeholzt wird. Das UBA sieht dies übrigens genauso kritisch, Frau Kemfert nicht.

Die moralische Keule von Frau Kemfert mag hier und da gegenüber dem ein oder anderen angemessen sein, dann soll sie diese Firmen und Personen benennen. Aber mit einer solchen semantisch wohlfeilen, jedoch bei objektiver Betrachtung des von ihr hochgelobten EEG mit nichts nachzuvollziehenden Dreistigkeit alle Wirtschaftsreibenden zu unmoralischen Zynisten zu erklären, ist weder wissenschaftlich noch angemessen. Ganz im Gegenteil sind der von Frau Kemfert geforderte Ausstieg aus der Kernenergie und das EEG Rohrkrepierer, die uns der erforderlichen Ressourcen berauben, die wir dringend zur wissenschaftlich-technischen Beherrschung des Klimawandels benötigen. – Dr. Eberhard Hoffmann

 

Auf diesen Artikel habe ich schon lange gewartet! Seit 50 Jahren verdeutlichen Vorreiter wie Meadows die Grenzen des Wachstums, beschrieb Herbert Gruhl „Die Plünderung unseres Planeten“ und liefern Zeitgenossen/Innen Lösungsvorschläge und Anleitungen. Nur hört leider keiner zu. Jedenfalls nicht die Entscheidungsträger und Wirtschaftslobbyisten. Ist es jetzt Zufall, dass die klareren Aussagen und Anleitungen in Ihrem Artikel von den weiblichen Wissenschaftlerinnen (Mazzucato, Kemfert) kommen, während Herr Fuest wieder nur über Geld, nämlich Wachstum (welches?) und Steuern spricht? Fehler Nr. 1: Wachstum ist nicht nur materielles Wachstum. Konsum ist nicht nur materieller Konsum (Mazzucato). Stichwort: Konsumdrang durch innere Leere.

Lösung: Bewusstseinswandel, Umlenken des materiellen zu geistigem Konsum., Genügsamkeit (Kemfert) Fehler Nr. 2: Kurzfristiges Denken. Politiker und Wirtschaftslenker denken kurz- bis mittelfristig aus Gewinnstreben. Lösung: Nachhaltigkeits-Index von Produkten und Produktionsabläufen als Steuerungsinstrument des Staates (Mazzucato). Es braucht den mitdenkenden Bürger als Kontrollorgan für die Vorgenannten im Sinne einer langfristigen Entwicklung (Sachs). Fehler Nr. 3: Exzessive Werbekampagnen beeinflussen die Menschen. Lösung: Steuerung von Werbung im Sinne der Ökologie. Fehler Nr. 4: die Globalisierung, alles soll überall und für jeden erhältlich sein.

Lösung: wenn man die Produkte ohne die Hilfe von z.B. China nicht herstellen kann, dann muss man die Produktion nach Deutschland holen oder sie weglassen bzw. ersetzen (dazu gehören z.B. ganz viele Plastik-Waren). Fehler Nr. 5: Eine einmütige Regelung „auf globaler Ebene“ (Sachs) zu erwarten ist unrealistisch, da immer wieder einige Länder ausscheren werden. Schon der europäische Green Deal ist fraglich. Lösung: Hier müssen sich gleichgesinnte Länder zusammenschließen, um sich und die ökologische Nachhaltigkeit zu behaupten. – Martin Grau

 

Bis auf Clemens Fuest waren alle anderen Ökonomen mehr oder weniger marktwirtschaftskritisch. Bei diesen Ökonomen schwang immer ein infantiler Glaube nach einer erdachten gerechteren Welt durch. Wenn alles letztendlich gleichmäßig an alle verteilt werden soll werden sich keine Unternehmer mehr finden die auch ins Risiko gehen. Schluss dann mit Innovationen. Oder glauben die der Staat kann das regeln. Man könnte heulen bei so viel Einfälltigkeit.Die Evolution hat glücklicherweise mit checks and balanc immer für realistischen Ausgleich gesorgt. Ich hoffe das bleibt so. – Peter Knappmann

 

Robert Solow beschreibt in ‚‘Diese Wende würde hart‘ ein Scenario, dass Konsum und Ressourcenverbrauch nur am Geldbeutel zu bemessen scheint. Aber ist das wirklich so? Sind nicht viele Waren erschwinglich oder billig weil die Einsparung von Ressourcen oder Recycling einen zu hohen Personal- und damit Kostenaufwand erfordern würde? Oder es werden Rohstoffe und Teilprodukte um die halbe Welt gefahren, da man in Asien oder anderswo billiger produzieren kann. Sollten wir wirklich eine Transformation zu einer Welt starten, die weniger Ressourcen verbraucht und weltweit bessere Arbeitsbedingungen bietet, könnten die Lebenshaltungs- und Personalkosten punktuell sogar steigen. Bioanbau ist personalintensiver als industrielle Landwirtschaft. Kleidungsstücke aus dem Upcycling sind Unikate, die mit hohem personellen Aufwand und entsprechenden Kosten hergestellt wurden.

Haushaltsgeräte, die 20 Jahre halten sind auch heute keine Billigware. Verminderte Produktion wird nicht nur Arbeitsplätze kosten. Für Reparatur, Up- und Recyclingaufgaben – überhaupt zum Umbau zu einer Kreislaufwirtschaft, werden auch neue Arbeitsplätze entstehen. Die nächste Frage ist dann auch, wo die Arbeitsplätze verloren gehen und wo sie entstehen. Produktion wurde in Deutschland seit den 90ger Jahren abgebaut. Werden wir mehr Freizeit haben oder wird sich die Arbeit neu verteilen? Z.B. vom heute noch präferierten Modell des Familienernährers und Ehefrau mit Teilzeitbeschäftigung zur Teilzeit für Alle (die dann vermutlich nicht mehr als Teilzeit gilt und dann auch kein Beförderungshemmnis mehr sein kann), bei der beide Elternteile Zeit für ihre Kinder haben.

Vor dem Hintergrund der wachsenden Altersarmut, hat mich folgender Absatz bedenklich gestimmt: ‚Ein weiteres Problem ergäbe sich beim Umgang mit dem angesammelten Vermögen. Teile davon dienen der privaten Altersvorsorge. Aber wenn die Gesellschaft weniger konsumieren will, müssen auch solche – für den künftigen Konsum vorgesehenen – Vermögen im selben Maße schrumpfen.‘ Sicher ist die Vergrößerung der Schere von Arm und Reich bedenklich. Die wirklich Reichen legen aber ihr Geld nicht für zukünftigen Konsum zurück, sondern, um wie Robert Salow es beschreibt: ‚um Macht und Einfluss auszudehnen‘. Was heißt denn Konsumverzicht für einen alten Menschen, dessen Altersbezüge ja in der Regel sowieso deutlich geringer sind, als im Berufsleben:

Pflegekraft statt Pflegeroboter? Erstere ist kostspielig und letzterer vielleicht in einigen Jahren verfügbar und bezahlbar, aber ressourcenintensiver. Fazit: Das Themenfeld Ressourcenverbrauch/ Umweltschutz kann man nicht einfach mit Bruttosozialprodukt und Durchschnittseinkommen oder Durchschnittskonsum gleichsetzen. Die Zusammenhänge sind sehr viel komplizierter und brauchen eine aktive Gestaltung – ja und auch ein Ausloten der Möglichkeiten und Auswirkungen. – Dr. Ute Twisselmann

 

Der Beitrag „ Geht Wohlstand auch mit weniger Konsum?“ sollte unbedingt mit der Enzyklika „Laudatio Si!“ von Papst Franziskus ergänzt werden. Hier war nicht nur eine Gruppe von Ökonomen beteiligt, sondern auch Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen. Ich kenne bisher keine Beschreibung und Analyse Ihrer Fragestellung, die sie so komplex, mit so viel Tiefgang, Wissen und Empathie beantwortet. Wurde auch vor der UNO auszugsweise vorgetragen. Lesehilfe: Religionsungeübte können die eher wenigen moralpsychologischen Stellen schneller abhaken. Es bleibt noch mehr als genug zum Nachdenken. – Jutta Wolff

 


 

 

Leserbriefe zu „Kümmert euch!“ von Christiane Grefe

 

Der Artikel von Frau Grefe gibt so nahezu alles wieder, was ich auch in den letzten 30 Jahren erlebt habe. Pflegenotstand hieß es schon Ende der 1980er Jahre und in der bis heute vergangenen Jahren verschlimmerte sich dies um ein vielfaches. Als ich 1988 auf einer Demo öffentlich darauf aufmerksam gemacht habe führte das zu einem nicht sehr erfeulichen Gespräch mit der zuständigen Pflegedienstleitung. In der Zwischenzeit habe ich bei verschiedenen Arbeitgeber sowohl im ambulanten wie auch stationären Setting gearbeitet. Immer weniger ließ sich mein Gewissen mit den herrschenden Anforderungen in Einklang bringen. Pflege ist ein wunderschöner Beruf in dem der Mensch und nicht das Geld an erster Stelle stehen sollte. Sie haben Recht, es stehen viel zu wenige auf und eine Protestwelle für „Thursday for Pflege“ gibt es nicht. Pflegenden fehlt oft die dazu nötige Kraft und der Rest der Gesellschaft lebt noch zu sehr nach dem Prinzip, was kümmert mich der Andere solange ich die finanziellen Möglichkeiten habe mein Altern selbst bestimmen zu können. Gerade deshalb finde ich Ihren Artikel umso wichtiger da wir Alle am Altern hoffentlich nicht vorbei kommen. Ich wünsche mir mehr gesellschaftkritisches Auseinandersetzen, wie in Ihrem Artikel geschehen, mit diesem Thema. – Christine Distel

 

Anmerkung zum Artikel in der ZEIT vom 09.Juli 2020 KÜMMERT EUCH . Zum Aufschrei zu einer sperrigen Problematik habe ich nach fünfzig nicht selten mit Heimbetreuung verbundenen Berufsjahren fast nichts zu ergänzen . Die Frage , „wer sich kümmern wird ,“könnte durch eine Vorsorgeversicherung leicht vermindert werden oder durch erhöhte Gehälter gering entschärft werden , aber : Parallel dazu reduziert die gesellschaftliche Entwicklung das Einfühlungsvermögen in die SO -genannten Risikogruppen , Ein Rezept gegen das Auseinandertriften oder gegen den ernsten Personalmangel mit dem Preis der Überlastung der Aktiven , das gibt es nicht . Eine ehrliche Analyse ist ein mutiger wichtiger ANFANG, ein ausgezeichneter „Thursday for Pflege „. Der Begriff ist dem Text entnommen ,weil die Alten ja oft nicht mehr laufen können . Durch die Ausführungen angeregt ,verstärkt sich ein nicht ganz neuer Gedanke . Lebensversicherungen machen oft keinen Sinn. Eine steuerlich relevante Versicherung , kombiniert mit einer solidarischen Bürgerversicherung für Hilfe einschließlich Pflege ,gleich ob Heim , oder für ambulante NEUE Modelle , das bedarf längst einer Intensivierung und wird logischerweise gern verdrängt . Das Problem brennt . – Peter Hanke

 

Kümmert euch! Wie wahr! Meinen in der Pflege arbeitenden Nichten habe ich kürzlich einen grösseren Geldbetrag zukommen lassen für Schwerarbeit in schwieriger Zeit. Sie schrieben mir „ Du bist eine verrückte Tante“ – ich nehme das als Kompliment-. Meine Antwort, „ die Leute sollen nicht nur klatschen, sondern den Geldsack öffnen“. – Gabriella P.

 

Exakt so wie im Bericht beschrieben erleben meine Geschwister und ich die traurige Situation mit unserer Mutter. Von der unzumutbaren Situation in der eigenen Wohnung über den Kampf einen Pflegedienst zu finden bis hin zu der Nichtalternative Polin und der realen Situation in einem lieblosen Pflegeheim. Wir sind so froh, dass die Situation mit diesem Bericht im vollem Umfang öffentlich gemacht wird. Dabei sind wir drei Geschwister noch in einer glücklichen Situation uns abwechseln zu können, auch wenn wir ebenfalls nicht vor Ort wohnen. Was sollen all diejenigen Pflegebedürftigen tun, die niemanden haben, der ihr Wohl im Blick hat. Das sehen wir Tag für Tag… Eine ganz ganz erschütternde Realität in Deutschland, in diesem reichen Land. Und das alles hat sich dieses Land selbst eingebrockt. Der Blick in die skandinavischen Länder beweist es. – Frauke, Kerstin und Rolf Engel

 

Wie kommen Sie in dem Schaubild für die Jahresgehälter denn auf die astronomische Zahl von 47.900 Euro für eine Pflegefachkraft in Deutschland? Für das Geld hätte ich den Job damals nicht an den Nagel gehängt. Dieses Gehalt ist vielleicht im Krankenhaus für eine Intensivpflegerin mit zig Jahren Berufserfahrung erzielbar, aber doch nicht für die breite Masse, insbesondere nicht in der Altenpflege. Dort sind 40.000 Euro schon das obere Ende der Fahnenstange, und das auch nur in Westdeutschland. – Johannes Koch

 

Personalmangel und Zeitnot sind gravierende Probleme, erklären aber nicht jeden Missstand. Aus meiner Sicht sind nicht nur Politik und Gesellschaft, sondern auch die Pflegenden selbst mitverantwortlich: Nicht wenige verharren in der Rolle des hilflosen Helfers. Es gibt durchaus Möglichkeiten, die eigene berufliche Situation aktiv mitzugestalten und zu verbessern; Angebote des berufspolitischen Engagements sowie der Fort- und Weiterbildung werden jedoch zu wenig genutzt. Das liegt zum Teil natürlich an fehlender Zeit, aber auch an einer allgemeinen resignativen Jammerkultur („Man kann ja dochts nichts ändern!“).

Hinzu kommt, dass es eine Minderheit fauler und inkompetenter Pflegekräfte gibt, die die Arbeit in Pflegeteams erheblich beeinträchtigen können. Wenn sich – was nicht immer leicht ist – ein Pflegeheim oder eine Klinik von solchen Mitarbeitern trennt, kann das als Qualitätsmerkmal gewertet werden. Aktuell genießen die Pflegenden zu Recht in der Öffentlichkeit hohe Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Es liegt an ihnen selbst, ob sie diese Anerkennung als irrelevant abtun („Balkonklatschen hilft uns auch nicht weiter!“), oder als Chance nutzen, sich für weitere Verbesserungen einzusetzen. – Klaus Botzenhardt

 

Besser hätte man die Situation über die sogenannte 24 Stundenpflege nicht beschreiben können. Ewig telefonierend , chattend , schlechteste Deutschkenntnisse. Ich kenne in meinem ganzen Bekanntenkreise keinen der mit dieser Art der Pflege zufrieden war. Dabei wird von der Vermittlerseite das Blaue vom Himmel versprochen. Da wird schon am Nachmittag der Grill auf der Terrasse angeworfen, die Freunde mit den Bierkisten sind auch schon da und die Mutter liegt mit nassen Windeln im Bett. So geht das! – Christiana Grajecki

 

Old age ain’t no Place for sissies.Wir sind alle unterschiedlich aber eins haben wir gemein: früher oder später werden wir alt. Das sollte uns zu denken geben- egal ob für unsere Eltern oder für uns selbst. Wenn ich alt bin, würde ich mir ein Platz wünschen, an dem ich aufgefangen werde, mich gut versorgt fühle und in Erinnerungen schwelgen darf. Es kann nicht sein, dass Menschen die in der Pflege arbeiten nicht dementsprechend entlohnt werden und gesellschaftlich eher ein: ,oouh du arbeitest in der Pflege??‘ zu hören bekommen. Danke für den Artikel – ich finde ein Thema, das unbedingt mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte! – Barbara Haas

 

Belastung und Beglückung in der Pflege Es wird in den nächsten Monaten und Jahren, mit und ohne nächste Corona-Wellen, wahrscheinlich noch viel mehr solcher Aufschreie geben, als den man die sehr persönlichen Schilderungen von Christiane Grefe zur Pflegewirklichkeit im Fall ihrer Mutter lesen muss. Der Artikel macht betroffen und stimmt zugleich zornig. Die Misere in der Pflege – vor allem deutlich werdend am gewaltigen Mangel an Pflegekräften, am Kostendruck in den Heimen, der „Hochgeschwindigkeitspflege“ dort und der unwürdigen Umstände, in denen viele alte und kranke Menschen ihre oft letzte Lebensphase verbringen — sie sind seit Langem bekannt, drohen uns aber erhalten zu bleiben, vielleicht sogar schlimmer zu werden. Trotz Beifallsbekundungen für die „Pflegehelden“ in der Corona Zeit, trotz Prämien und Versprechen von Politikern, trotz der Ängste in der Generation der Jüngeren, dass sie einmal von einem noch dramatischeren Pflegenotstand betroffen sein könnten.

Ich bin seit 20 Jahren Dozentin in der Weiterbildung von Pflegefachkräften. Keinesfalls würde ich mir anmaßen, für die Berufserfahrenen dieser Kurse zu sprechen. Aber ich glaube, eine Mehrheit von ihnen würde sich darüber ärgern, dass im Beitrag von Christiane Grefe zitiert und hervorgehoben wird, wie bereichernd es sein kann, Schmerzen zu lindern und bei Einsamen Lebensfreude herauszukitzeln. Zuvor lässt sie in ihrem Text an ihren Erwägungen teilhaben, die Pflege ihrer Mutter angesichts der Missstände in Heimen und Kliniken selbst zu übernehmen, entscheidet sich aber dagegen, weil sie dafür Job, Wohnung und soziales Umfeld aufgeben müsste. Für Pflegende hingegen gehen wir, die wir selbst nicht pflegen, nur zu gern von deren „Bereichertwerden“ durch das Pflegen an sich und von einem stark altruistischen Berufsverständnis aus, von den „beglückenden Seiten des Pflegens“ und der Nähe, die, ja, „… auch beim Hintern putzen“ wachsen kann.

Verhindern solche Zuschreibungen aber nicht auch, dass endlich weiter gedacht wird, stehen sie nicht der deutlich besseren Bezahlung, nötigen Erleichterungen der Arbeit und einer Aufwertung des Pflegeberufs entgegen? Vielleicht ja auch dadurch, dass das Hintern putzen künftig mit mehr Hightech-Einsatz bewältigt werden könnte? (muss ja kein Roboter sein, wie das von Christiane Grefe fast als das Ende beglückender Pflege konnotiert wird). Warum „dürfen“ Sensoren seit Jahrzehnten bei Operationen messen, schalten und beim „Fühlen“ helfen, aber für die Pflege scheint ihr Einsatz ein Unding zu bleiben? Der häufigste Satz alter Menschen, den Ch. Grefe auch für ihre Mutter anführt, ist: „Ich will doch niemandem zur Last fallen!“ Das besonders Lästige, die psychisch und physisch größten Belastungen müssen, wo immer es geht, reduziert werden! Und Innovatives muss auch in der Pflege möglich sein! Falls ich in zehn oder zwanzig Jahren gepflegt werden muss, könnte ich mir jedenfalls vorstellen, dass eine „Maschine“ (vielleicht ein programmierbarer Dusch-Stuhl?) meine Pflegekraft von körperlich anstrengenden und unangenehmen Arbeiten entlastet und sie stattdessen Zeit hat, sich später, wenn sie mir Tee gebracht hat, ein Weilchen zu mir zu setzen. Aber Wahlfreiheit, wie man pflegen und wie man gepflegt werden möchte, sollte trotzdem gegeben bleiben. – Dr. Christa Fischer

 

Manchmal habe ich „DIE ZEIT“ als kostenlose Gaben in meinem Briefkasten und dafür bin ich dankbar. Immer wieder finde ich darin Artikel mit Themen, die mir wichtig sind, darunter der Ihre „Kümmert euch“ in der Ausgabe vom 9. Juli 2020 Nr. 29. Das Thema Pflege beschäftigt mich schon viele Jahre und, nachdem ich ein fast fertiges Skript verloren habe, rekonstruiere ich und schreibe neu, zu diesem Thema. Eine 90jährige Frau kommt auf die Idee durch eine Scheinehe ihrem „Leben“ im Heim zu entkommen. Schuldzuweisungen helfen nicht, wer in diese „Pflegewelt“ einmal hineingeschnuppert hat, sieht immer beide Seiten – mindestens, aber die Verantwortlichen sind in der Politik zu suchen und nirgends sonst. Mich habe einige Geschichten sehr berührt, die jetzt, während der ersten Wochen und Monate der Corona-Pandemie ans Licht kamen, die das Verhältnis von Enkeln/Urenkeln und ihren Großeltern/Urgroßeltern aus Sicht der Kinder so deutlich werden ließen: Für die Kinder sind die Großeltern und Urgroßeltern einfach ein Teile der FAMILIE!

Wenn also unsere Familienministerin – und alle Vorgänger*innen von Familie sprechen, fällt genau dieser Teil der Familie weg. Sie sind abgekoppelt und werden den Senioren zugeschlagen. Aber soweit sollte doch unsere Gesellschaft sein, dass jeder Mensch nicht nur eine „Rolle/Stellung“ in der Gemeinschaft hat! Wenn also Familien gestützt werden sollen, dann darf doch dieser Aspekt nicht einfach herausfallen! Wer die Großeltern stützt, unterstützt immer auch die Familie mit! Räumliche Abstände, wie sie heute üblich sind, machen vieles im Alltag schwieriger. Aber ich möchte zwei Beispiele nennen aus der Literatur aus Italien. Die dortigen sehr langen Sommerferien ohne die Großeltern gar nicht machbar, bei denen viele Enkelkinder von wunderbaren Sommerferien erzählen. Eine andere Geschichte erzählt von einem Witwer, der für einige Tage auf den Enkel aufpassen soll und das unerwartete tritt ein: Sowohl seine Tochter als sein Schwiegersohn kommen bei der Fahrt zur Beerdigung der Mutter des Schwiegersohnes um Leben.

Er ist der nächste Verwandte, er kümmert sich um den Enkelsohn und dieser sich später um ihn. Und es sind nicht nur die Enkel, die die Großeltern vermisst haben, sondern auch umgekehrt. Diesem ist zunehmend Rechnung zu tragen. Ich habe sie leider aus den Augen verloren: ein bereits älteres schwules Paar. Die Schwester des einen hatte zum Glück verfügt, dass ihr Sohn beim Bruder aufwachsen soll, falls ihr etwas zustößt. So kam es und beide erzählten mir: Wir haben sogar Enkelkinder. Auch das ist Familie. Journalisten und Journalistinnen, weil sie auch davon betroffen sind – könnten versuchen Einfluß zu nehmen, dieses Familienbild zu aktualisieren. Dazu benötigt man nicht unbedingt Soziologen oder Psychologen, Gefühle sind wie sie sind, Zugehörigkeitsgefühle ebenso wie Gefühle der Verbundenheit, der Liebe, der Zuneigung…. und wir brauchen dazu auch nicht eine Blick auf „Naturvölker“ zum Vergleich, unsere eigene Kulturlandschaft reicht aus. Pflegen wir einfach auch unsere Gefühle für andere, besonders in Situationen in denen Untertützung und Hilfe und Einsatz für Rechte und Interessen notwendig sind.

Aber ich möchte die Blicke noch einmal auf andere richten, wo die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung Fachkräften nicht angemessen ist: Alte Menschen, Pflegebedürftige Menschen, Behinderte, auch Kinderbetreuung (wachsende Anforderungen und Erwartungen). Nicht im normalen Arbeitsalltag vorhandene Menschen. Wenn wir uns anschauen, welche Gruppen hier unter unsäglichen Arbeitsbedingungen bekanntermaßen arbeiten (Fernfahrer, Schlachtbetriebe, Bauarbeiter, Erntehelfer) so sind die überwiegend Menschen aus dem osteuropäischen Raum. Die „Verwertbarkeit“ als Arbeitskraft ist ein Fokus, der häufig aus den Blicken gerät. Ich denke, es reicht, welche geistige Haltung ich damit andeuten möchte. Ich habe einer Frau, die im Medizinischen Bereich arbeitet, einmal so gesagt: Du wirst so bezahlt, wie man deine Patienten wertschätzt. Da sehe ich einen weiteren unheilvollen Zusammenhang. – Gudrun Wilhelmy

 

Auch ich habe die letzten Lebensjahre meiner Eltern aus mehreren hundert Kilometern Entfernung begleitet. Das war für mich in jeder Hinsicht herausfordernd. Das lag aber nicht an den diversen Krankenhäusern und Pflegeheimen, die ich im Laufe der Zeit kennengelernt habe. Dort wurden meine Eltern immer anständig versorgt. So etwas gibt es also auch noch. Zwei Dinge aus dieser Zeit fallen mir aber noch ein, die auch eine Rolle spielen: Arbeitsklima: In einem Pflegeheim habe ich einen regelrechten Standesdünkel unter den Mitarbeitern beobachtet, der zu einer Rangordnung (examierte Pflegekräfte, nicht-examierte Pflegekräfte, Hilfskräfte) geführt hat.

Und die haben die Mitarbeiter sich untereinander spüren lassen. Wer Mitarbeiter für seinen Betrieb gewinnen will und nicht nach kurzer Zeit schon wieder verlieren möchte, der wird auch dieses Feld beackern müssen. Da stehen die Mitarbeiter mit in der Verantwortung. Aufgabenstellung: Dem Altenpfleger ist es heute strikt untersagt, irgendeine medizinische Handlung auszuführen. Das ist nur Ärzten, Krankenpflegern oder Rettungssanitätern erlaubt, die dafür in das Pflegeheim gerufen werden müssen. Würde es den Alltag in den Pflegeheimen erleichtern, wenn Altenpfleger – mit entsprechender Zusatzqualifikation – einen bestimmten Katalog von medizinischen Leistungen übernehmen dürften? Wenn ja: Regelungen lassen sich ändern, wenn der (politische) Wille dazu vorhanden ist. – Ulrich Wenkemann

 

Es gibt keinen Erkenntnisbedarf in der Pflege. All das, und noch viel mehr, ist seit über zwanzig Jahren bekannt und wird hier zurecht aufgeführt. Die Gründe dafür versacken in einer Allianz des Schweigens, einem gordischen Knoten von Interessen und Versagen – nur die Belange der Betroffenen bleiben aussen vor. Die sind gestorben, ihre Klagen (und Dank an die Pflegenden) verhallt. Angehörige sind ausgelaugt, gelähmt, z.T. verarmt und verstummt. Das Thema Pflege ist wie eine heisse Kartoffel für Politik und Journalismus, ein Schleudersitz. Es stösst auf wenig Interesse in der Gesellschaft und es bringt nichts, sich hierfür aufzuarbeiten. Kein Entscheider ist persönlich betroffen, weil man sich gute Pflege mit ausreichend Geld kaufen kann. Die Berater der Politik partizipieren selbst von diesem kranken System, und wir, die Menschen an der Basis, werden nicht gefragt.

Das „Gesundheitssystem“ funktioniert seit Jahren nur noch durch die Leidensfähigkeit und -Bereitschaft der Pflegenden. Dass sie damit den Tod des Systems nur verlängern, können viele dieser Herzensmenschen nicht erkennen. Die das – und die Aussichtslosigkeit – erkennen, fliehen den Beruf, je eher desto besser. Infolgedessen sackt das Niveau in der Pflege seit Jahren dramatisch ab. In diesem Punkt möchte ich der Autorin widersprechen: es ist nicht zwingend der Personalmangel, der zu den Pflegefehlern führt (nichts anderes wird geschildert). Ebenso bestreite ich, dass die Ausbildung verbessert wird. Das wäre gar nicht möglich mangels Masse. Seit vielen Jahren suche ich nach einer Lösung für diesen Jammer, nach einem Weg, Menschen selbstverständlich eine würdige, sprechende, fachlich versierte Versorgung zukommen zu lassen. (Es sei hier zumindest angedeutet, dass Geld nur EIN Baustein zur Lösung wäre.)

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es aussichtslos ist, solange kein gesellschaftliches bzw. politisches Interesse an einer Lösung besteht. Vielmehr wird nur eine medial geschürte Eskalation, ähnlich der, die wir gerade in der Fleischindustrie erleben, den Prozess einer Änderung bzw. Verbesserung in Gang setzen. P.S. Ich bin Examinierte Krankenschwester (mehrere Fachrichtungen), war 27 Jahre lang Arbeitgeberin im Bereich Pflege, Mitglied im Bundesvorstand eines Pflegeverbandes, habe an einer Pflegeschule unterrichtet, Vorträge gehalten und schließlich beide Eltern unter übelsten Pflege-Umständen verloren. – Laura R. Bauer

 

Ich nehme den Beitrag zum Anlass, um ihnen von einem Mieterverein zu berichten was mir neulich widerfahren ist. Persönlich vorsprechen war nicht möglich. Die Sekretärin sagte mir, das geht nur noch telefonisch und der muß genau terminiert werden. Am soundsovielten um 8:40 sollte ich anrufen. Da wollte ich eigentlich wieder in Singapur sein. Habe aber meinen Aufenthalt in Deutschland deswegen verlängert. Wenn man Hausbesitzer ist, kommt es schon Mal vor, daß man beim Mieterverein etwas zu klären hat. Früher wurde das am gleichen Tag der Besprechung erledigt. Der Anwalt hat in meinem Beisein das erforderliche Schreiben diktiert und der Sekretärin für den Versand geschrieben und zur Post gegeben. Die Sekretärin ist heute noch tätig (Anwalt ist in Rente gegangen). Beim weggehen flüsterte mir die Sekretärin zu wie auch sie unter diesen Umstand leidet. Ich hätte den Brief heute noch schreiben können. Das wäre kein Problem gewesen. Ich frage mich: Was ist los in Deutschland? – Gunter Knauer

 

Danke fuer Ihren leidenschaftlichen Beitrag zum Thema Pflege. Es ist in der Tat deprimierend und frustrierend, wie schnell die HeldInnen wieder vergessen werden, wenn es um besser Arbeitsbedingungen geht. Und die Tatsache, dass die meiste Pflege von (meist) weiblichen Angehoerigen geleistet wird, hilft bei diesem Thema nicht. Mich regt es immer wieder auf, wenn Menschen einerseits flexibel sein sollen bei der Wahl des Arbeitsorts, dann aber ploetzlich im Namen der Familie die Pflege der Eltern uebernehmen sollen. Diese Heuchelei widert mich an, insbesondere da sich die Erwartungen zumeist an die (Schwieger-)Toechter richten. Nochmal danke fuer Ihren Text – er spricht mir aus der Seele. – Sabine Moehler

 

Ich musste am Ende Ihres Artikels weinen. Alles, was ich selbst bei der Pflege meiner Mutter erlebt habe, war wieder da. – Barbara Lange-Schneider

 

vielen Dank für Ihren Artikel! Wir haben ähnliche, wenn auch weniger schlimme Erfahrungen mit dem Alltag in Alten- und Pflegeheimen von 2006 bis 2009 gemacht, als meine Mutter in einem solchen unterbracht werden musste, weil sie kein Kurzzeitgedächtnis mehr hatte und auch körperlich stark eingeschränkt war, und suchen derzeit einen Heimplatz für meine Schwiegermutter, die 95 Jahre alt und körperlich und geistig zunehmend hinfällig ist. Man kann sie nicht mehr ohne schlimme Befürchtungen alleinlassen.

Das Problem ist einfach die Unterfinanzierung unseres Pflegewesens und die Tatsache, dass die Pflege von Pflegebedürftigen nicht als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sondern als individuelle ethische Pflicht z. B. des Partners/ der Partnerin oder der Kinder betrachtet wird. Dann sind jene, die bis zum Ende rüstige Eltern oder viel Geld für eine teure private Pflege haben, natürlich fein raus. Ganz schlimm dran sind Pflegebedürftige, um die sich niemand kümmert, weil sie z. B. keinen Partner/ keine Partnerin und keine Kinder haben. Sie sind den Pflegenden hilflos ausgeliefert, denn eine Kontrolle der Zustände in den Heimen findet faktisch nicht statt. Die Tatsache, dass viele Heime nicht gemeinnützig sind, sondern Gewinne erwirtschaften sollen, führt natürlich auch nicht gerade zu einem angemessenen Personalschlüssel und einer angemessenen Ausbildung und Bezahlung der Pflegenden. Für die Pflegebedürftigen – und auch für ihre Partnerin/ ihren Partner! – bedeutet die Pflegebedürftigkeit häufig den finanziellen Ruin – den die Pflegeversicherung eigentlich verhindern sollte.

Die Lösung skizzieren Sie bereits: Der Staat muss sich viel mehr und professionell um Beratung und die Erbringung von Pflegeleistungen kümmern und die Pflegekosten dürfen nicht größtenteils den Pflegebedüftigen und deren Partner*innen aufgebürdet werden, sondern müssen größtenteils aus Steuermitteln bezahlt werden. Auch müssen Pflegende besser bezahlt werden – dann würden sich auch genug Menschen für diesen Beruf interessieren. Solange aber ein Schrauber in der Automobilindustrie viel mehr verdient als eine Pflegekraft und die meisten Menschen in Deutschland nicht bereit sind, über Steuern oder eine „solidarische Bürgerversicherung“ mehr für die Pflege zu zahlen, solange sie selbst nicht als Angehörige oder als Pflegebedürftige betroffen sind, wird sich wohl kaum Wesentliches ändern. Vielleicht ändert sich etwas, wenn sehr viel mehr Wähler*innen als derzeit als Angehörige oder selbst Pflegebedürftige betroffen sind und persönlich mit den Zuständen im Pflegewesen konfrontiert werden, also nicht mehr verdrängen können. – Dr. Ulrich Willmes

 

Ihren sehr bewegenden Artikel habe ich gelesen, teile aber Ihre Schlussfolgerungen nicht. Dass in der Pflege sowohl in Krankenhäusern und Altenheimen als auch in der ambulante Pflege vieles im Argen liegt und das Hauptproblem der Mangel an Pflegekräften ist, ist sicherlich unstrittig. Die Lösung besteht aber meines Erachtens nicht darin, mehr Geld in das System zu befördern mittels einer Bürgerversicherung, die übrigens auch nur kurzfristig Erleichterung verschaffen würde, dann wäre das Geld wieder versickert, die Versorgung nicht verbessert, aber viele Menschen um eine Illusion ärmer.

Die Ursache liegt darin, dass sowohl viele Krankenhäuser, Pflegeheime und auch ambulante Pflegedienste von privaten Investoren betrieben werden, die vor allem damit Geld verdienen wollen. Das geht am besten, indem man die Einnahmen erhöht und die Kosten senkt, letzteres am wirksamsten beim Personal. Weniger Mitarbeiter können mehr Patienten bzw. Bewohner versorgen, wenn man ihnen vorgaukelt, man würde demnächst neue Kollegen einstellen, wenn man welche fände, Inzwischen könnten die vorhandenen Beschäftigten natürlich nicht die Patienten im Stich lassen. Dieses Totschlagargument funktioniert immer. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, denn ich habe als Gynäkologin in mehreren Krankenhäusern gearbeitet, bevor ich mich in eigener Praxis niedergelassen habe. Im katholischen Krankenhaus war es übrigens paradiesisch im Vergleich zu einem frisch privatisierten ehemaligen Kreiskrankenhaus.

Aber zurück zur Altenpflege: Auch hier steht der Profit an erster Stelle bei den meisten Trägern der Einrichtungen. Da werden in der ambulanten Pflege die Fahrtzeiten zwischen den einzelnen Hausbesuchen nicht als Arbeitszeit gerechnet. Wenn dann die Altenpflegerin erkennt, dass sie als Kassiererin bei Aldi besser zurecht kommt, fehlt schon wieder eine Pflegekraft. Wenn die Pflegekräfte fair behandelt und bezahlt würden, wäre der Mangel an Pflegekräften deutlich geringer. Die Verweildauer im Beruf von durchschnittlich 6 Jahren ist ja ein deutlicher Hinweis, dass die Pflegekräfte eigentlich vorhanden sind. Sie sind nicht weg, sie sind nur woanders.

Meiner Ansicht nach sind Krankenhäuser, Altenheime und ambulante Pflege Teile der Daseinsvorsorge und gehören nicht in die Hände profitorientierter Investoren. Seit ungefähr 30 Jahren befindet sich unsere Gesellschaft da auf einem gefährlichen Irrweg und gewisse Politiker, die im Aufsichtsrat solcher Unternehmen wie der Rhön-Kliniken sitzen, sind daran maßgeblich beteiligt. Interessant dazu zu lesen ist das Buch von Renate Hartwig „Der verkaufte Patient“. – Dr. med. Annemarie Uebe

 

Erst jetzt habe ich IhrenArtikel zu dem THema gelesen und schon packt mich große Verzweiflung im Umgang mit unserer alten bevölkerung. Zwischen 1992 und 202 habe ich ehrenamrlich vormundschaftlicheine alte Dame im daamls noch “ Altersheim“ betreut , die damals schon blind, später auch schwerhörig wurde nur feststellen , dass sich wenig verändert hat. Sie wurde fast 100 Jahre alt dank ihrer sonst guten Gesundheit und immer interessiert an Allem und zu Herzen gehend genügsam und fröhlich. Gegen Lebensende mußte sie einer Notoperation unterziehen. Danach wurde ich von der Ärztin gefragt , warum sie sich zu Nichts äußern würde.

Man hatte vergessen ,die Ärztin über ihren sonstigen Zustand zu informieren. Mir fiel dazu nur ein: was für eine Folter !! Geistig fit nicht sehend noch hörend , deshalb auch nicht in der Lage zu antworten. So kann ich noch vieles berichten. Mitpatienten, denen man vergaß zu trinken zu geben usw. Aber vielleicht rüttelt Ihr Artikel ja jetzt doch ein weing mehr auf.Wenn ich damals das Thema in meinen Bekanntenkreis ansprach , war es frü die Beteiligten eher lästig: Nicht chon wieder, aber genau auch aus Ihrem angeführten Grund : auch mal über das Alter nachzudenekn und zu planen. Also nochmal ganz herzlichen Dank und hoffentlich ein nachhaltiger Anstoß. – Geelke Braun

 

Herzlichen Dank für den wunderbar ehrlichen Artikel. Auch wir haben mit unserer demenziell erkrankten Mutter leider sehr ähnliche Erfahrungen machen müssen. Ständig Hin und Her zwischen Braunschweig und Hamburg. Leider schlecht organisierte und überforderte ambulante Dienste vor Ort. Wir als Wochenendkrisendienst. Dann endlich einen Heimplatz bei uns in der Nähe. Aber es ging leider nicht lange gut. Trotz der ausgewiesenen besonderen Demenzkompetenz war das Heim, waren einige Mitarbeiter*innen mit unserer Mutter und ihrer Krankheit völlig überfordert. Es ging soweit, dass das „herausfordernde Verhalten“ unserer Mutter, ihre Scham beim unkontrollierten Ausscheiden, beim abgeduscht werden und die Überforderung einer Pflegerin im Heim, eine Einweisung in die geschlossene Psychiatrie nach sich zog. „die gehört doch eingesperrt, die ist ja total verrückt ihre Mutter“ Hier wurden wir als Angehörige mit einer weiteren Welt konfrontiert, die wir nach der Psychiatrie-Enquett der 70er Jahre als lange überwuden gedacht hatten. Es begann für uns dann die Odyssee, erneut eine geeignete Einrichtung für unsere Mutter zu finden, um die Entlassung aus dieser Psychiatrie zu ermöglichen, die nichts anderes kennt als Psychopharmaka.

Das war nicht mehr unsere Mutter. Das Heim wollte sie nicht zurück, und wir wollten sie da auch nicht mehr der überforderten Pflegerin überlassen. Es ist uns mehr oder weniger gut gelungen. Zumindest keine Anrufe mehr wegen Stürzen oder wegen ihres Verhaltens, kein Geruch mehr nach Kot und Urin bei Besuchen, keine Vorwürfe mehr, als hätten wir, „schlechte Eltern“ ein „böses Kind“ abgegeben etc.pp „Ein gelingendes Leben bedarf in der Tat auch der Last“ wie sie Herrn Dörner zitieren. Aber neben der Demenz als „normale Last“ die zusätzliche Last einer seit Jahren verfehlten Gesundheits- und Sozialpolitik und den daraus erwachsenen Missständen in Heimen und Psychiatrien auch noch mit zu ertragen ? Wird sich etwas geändert haben, falls ich einmal dement werden sollte ? Die Demenz gehört evt. auch zu meinem Leben noch dazu, aber doch bitte nicht das, was mich und meine Angehörigen dann etwa zusätzlich in Heimen und Psychiatrien erwartet ! Ich/Wir müssen uns kümmern hier und heute und gerade jetzt nach bzw. während der zusätzlichen Last mit unserern Alten in den Heimen durch die Coronapandemie. – Klaus-Michael Gatzemeier

 

Frau Grefes Beitrag zum Thema Pflegeheim ist im Ton zwar hinterfragend und manchmal beklagend, aber auch um Verständnis bemüht. Insofern m.E. ein gelungener Situationsbericht eines Einzelfalls. Bei Einzelfällen stellt sich allerdings immer die Frage, ob sie die Regel oder lediglich die berühmte Ausnahme selbiger sind. Ich bin beim Lesen allerdings über eine Punkt „gestolpert, der mich dazu brachte mein bisheriges Bild zu revidieren. Es geht um die Bezahlung. Diese sind auf Seite 34 mit kann 48.000 € Jahresbruttolohn im Jahre 2017 angegeben. Aktuell also über 50.000 €. Ich habe diese Daten mit Daten auf Statista abgeglichen und dabei festgestellt, dass die durchschnittliche Entlohnung für Pflegekräfte ziemlich genau dem Durchschnitt über alle Branchen entspricht.

Im Handel, auf dem Bau, im Bereich Lagerhaltung und Logistik und in einigen anderen Dienstleistungsbereichen wird deutlich weniger verdient. Der Eindruck, der sich bei mir auf Grund der Berichterstattung in den Medien eingestellt hatte, ist der, dass im Pflegebereich lediglich ca. 2500 € – 3000€ im Monat bezahlt werden. Tatsächlich liegt der Wert aber bei ca. 4000€ und damit 40% höher. Wieder einmal eine Lektion aus dem Kapitel: Glaube keiner Zahl, die du nicht selbst verifiziert hast. Nicht, dass ich diese Bezahlung für unangemessen hoch hielte, aber ich stufe einen Durchschnittsbruttolohn von 4000 € auch nicht als zu niedrig ein. Netto bleiben davon in Steuerklasse 1 mindestens 2500€. Der Grund für den Mangel an Pflegekräften kann also nicht wirklich ausschließlich oder auch nur vorwiegend an der Bezahlung festgemacht werden. – Dietmar Baier

 

„Kümmert euch“ hat bei mir alte Wunden wieder aufgerissen und ich danke Ihnen sehr, dass Sie das Thema der Altenpflege durch Ihr eigenes Erleben so authentisch vermittelt haben. Sehr vieles von dem, was Sie über die Pflegeproblematik schildern, habe ich mit meiner Mutter sechseinhalb Jahre lang in einem Pflegeheim auch erlebt. Sie starb 2015 fast 99-jährig. Zuvor war sie 82-jährig in unsere Stadt in eine schöne, neue Wohnung gezogen, ein Pflegedienst besuchte sie täglich und eine Hauswirtschafterin sorgte für Sauberkeit.

Im Haus gab es eine Sozialstation der Volkssolidarität mit Angeboten für ein gemeinsames, geliefertes Mittagessen, für Kaffeetrinken, Spielangebote und Ansprache durch ABM-Kräfte. Dieses Haus war kein betreutes Wohnen, die Inanspruchnahme der Angebote durch die Mieter wurde nur durch einen Mitgliedsbeitrag an die Volkssolidarität honoriert. Sehr viele Mieter waren allein stehende Ältere aus dem Wohngebiet. Diese Art der Betreuung fand ich ideal und sehr sozial, aber so weit mir bekannt ist, gibt es sie dort nicht mehr. Als die Demenz bei meiner Mutter nach zehn Jahren so weit fortgeschritten war, dass eine ständige Betreuung notwendig wurde, suchte ich in mehreren Pflegeheimen nach einem Einzelzimmer. Zumindest damals, bekam man es nur nach einer gewissen Wartezeit in einem Zweibettzimmer. Das war für meine Mutter, die früh verwitwet war und seit 36 Jahren allein gelebt hatte und demenzkrank war, unannehmbar.

Der Schritt ins Pflegeheim ist meines Erachtens einer der schwersten im Leben eines Menschen. Man lebt nicht mehr selbst bestimmt, kann sich das Essen nicht aussuchen, hat keine eigenen Möbel, ist in jeder Hinsicht auf andere angewiesen und bekommt einen Tagesablauf vorgegeben. Hinzu kommt mit der Demenz die Unmöglichkeit zu telefonieren, fern zu sehen oder Radio zu bedienen. Das Heim, in dem meine Mutter ein Einzelzimmer bekam, gehört der AWO.

Dort hatte sie noch ca. drei relativ gute Jahre, wo ich mit ihr reden, spielen (Scrabbel), CD-Musik hören, Fotoalben, Bildbände und Zeitschriften ansehen sowie spazieren gehen konnte. Schwierig wurde es, als die Demenz meiner Mutter so weit fortgeschritten war, dass sie mich nicht mehr erkannte und immer aggressiver wurde. Duschen und Windeln wechseln wurde zum Problem, oft war sie eingekotet oder nass, wenn ich kam. Den Klingelknopf konnte sie nicht mehr betätigen, um sich Hilfe zu holen, weil sie nicht mehr wusste, was das ist. Ich erlebte, dass das Pflegepersonal oft wenig Verständnis für die Demenzkranken und in der Wundversorgung unzureichende medizinische Kenntnisse hatte.

Die Pergamenthaut war an Armen und Beinen blutunterlaufen und riss oft großflächig auf. Die Verbände waren eine Katastrophe. Ich konnte nicht anders, als fast täglich zu ihr zu gehen. Das gefiel der Heimleitung nicht, ich wurde aufgefordert, seltener zu kommen, weil meine Mutter „ ihre Ruhe brauche“. Als in unserer Stadt ein privates Heim für nur Demenzkranke entstand, erwog ich einen Umzug für meine Mutter. Die höheren Kosten hätten wir getragen, aber dagegen sprach die große Entfernung von unserer Wohnung sowie die Ungewissheit, ob sie dort besser versorgt sein würde. Ich entschied mich dann für die Nähe zum AWO-Heim und meine häufigen Besuche. Nach einem Sturz und doppeltem Beckenbruch verbrachte meine Mutter noch ein halbes Jahr im Rollstuhl, bevor sie verstarb.

Meine Gefühle bezüglich der nicht idealen Betreuung und Versorgung im Heim sind ambivalent, denn meine Mutter war wegen der Demenz eine schwierige Person. Ich konnte es nachvollziehen, dass die Pflegekräfte nicht gern zu ihr gingen. Überlastet waren sie ohnehin immer und wechselten oft. Das Wohlergehen eines Heimbewohners ist teilweise wie ein Lotteriespiel: die Wahl des Heimes, wenn man überhaupt eine hat, das Durchhaltevermögen des suchenden und später der besuchenden Angehörigen, die nicht unerheblichen Kosten, die der Bewohner zu tragen hat, die „Philosophie“ des Heimes und anderes mehr.

Ganz schlimm finde ich es, wenn Pflegeheime und Krankenhäuser in privater Trägerschaft Gewinne erwirtschaften müssen, z.B. mit Einsparungen oder Kostenerhöhungen bei den Eigenanteilen. Das geht immer auch auf Kosten eines „guten Geistes“ in diesen Häusern. Gewiss gibt es Pflegeheime mit höheren Ansprüchen, Ausstattungen, besser bezahlten Pflegern und höheren Kosten für die Bewohner, von denen rede ich nicht. Was sich zu aller erst ändern muss, ist eine Wertschätzung des Pflegeberufes, dem ich hohen Respekt zolle, zumindest in der Entlohnung, vielleicht auch mit mehr Urlaub. Gegenwärtig sehe ich jedenfalls meiner nahen Zukunft als betagter, vielleicht demenzkranker, alter Frau mit Angst und Schrecken entgegen.

Das wollte ich Ihnen, liebe Frau Grefe, zu Ihrem wunderbaren Artikel in der ZEIT sagen. Falls es zu einer Veröffentlichung in den Leserbriefen kommen sollte, die wir in der ZEIT im Osten ja leider nicht mehr lesen können, was ich sehr bedauere, bitte ich darum, nicht den Ort Magdeburg zu erwähnen. Außerdem hielte ich Ausschnitte aus meinem Brief für problematisch, aber ich stehe einer Kommunikation zu dem Thema gern zur Verfügung. Ich besitze Aufzeichnungen aus der Zeit der Begleitung meiner Mutter, die ich vor allem zu meiner Entlastung angefertigt hatte. Ich wünsche Ihnen, dass Ihr Appell viele Menschen in den „Schaltstellen“ Deutschlands erreicht, damit diese, unserem Land unwürdigen Zustände in der Pflege, Schritt für Schritt verbessert werden können. – Gisela Hoke

 

Ich kann bestätigen, dass die von Ihnen beschriebenen Situationen keine Ausnahmen darstellen. Diese und ähnliche Begebenheiten hat meine Mutter und ich mit ihr in Wetzlarer Kliniken und unterschiedlichen Pflegeheimen (Seniorenstifte genannt) auch erleben müssen. Hinzu kam, dass Heimleitungen Missstände fast schon reflexhaft von sich wiesen bzw. erst gar nicht zu sprechen waren. Sehr schwer für die Bewohner*innen wirkte sich auch die hohe Fluktuation unter dem Personal aus. Nach zB. Stürzen oder bei Dehydrierung waren die Betroffenen dann noch trostloseren Gegebenheiten in der Klinik ausgesetzt. So wurde meine fast blinde Mutter nicht gefüttert. Das Tablett mit dem kalten Essen stand mehrfach noch nach Stunden neben ihrem Bett. Eine so genannte Patientenbetreuerin fand ich einmal handydaddelnd neben dem Bett meiner Mutter sitzend vor. Meine Mutter wusste nicht warum diese fremde Frau dort saß, sie hatte nicht mit ihr gesprochen.

Meine Mutter starb 97-jährige im letzten Jahr. Bei einem hochgradig pflegebedürftigen Freund waren meine Erfahrungen ähnlich, bis ich ein reines Pflegeheim (kein Seniorenstift) in Bad Soden im Taunus gefunden haben. Mit großem Erstaunen durfte ich feststellen, dass zugewandte und einfühlsame Pflege tatsächlich möglich ist. Betrat man die Einrichtung so hörte man nicht selten sogar fröhliches Lachen. Vielen Dank der Leitung und dem Personal des Pflegeheims Sankt Elisabeth in Bad Soden i.T. – Beate Lemmer

 

„Endlich. Endlich packt auch die ZEIT das große, wichtige und immer noch stark unterrepräsentierte Thema Pflege an. Mit einem sehr umfassenden, persönlichen und zugleich faktenbasierten Artikel. Danke dafür! Und einmal mehr wird wieder deutlich: Alte Menschen haben in Deutschland keine Lobby. Im Gegenteil: Private-Equity-Fonds machen Reibach mit Pflegeheimen, die Gewinne werden auf Kosten der wehrlosen Pflegebedürftigen und der überforderten Angehörigen erwirtschaftet – die Poltik sieht hilflos zu. Entweder man hat viel Geld und Zeit, oder kann sich diese zumindest wie die Autorin des Textes frei einteilen, oder man pflegt seine(n) Angehörige(n) zuhause. Denn: Gute Pflege in normalen Pflegeheimen darf man heutzutage leider nicht mehr erwarten. Der Schlüssel für eine gute Pflege der Zukunft liegt daher meines Erachtens nach in der häuslichen Pflege – doch gerade dieser Bereich wird in der öffentlichen Debatte am wenigsten thematisiert, und das, obwohl drei Viertel der Pflege innerhalb der eigenen vier Wände stattfindet, wie die Autorin schreibt.

Gerne möchte ich an dieser Stelle auf das Buch „Mama du bleibst bei mir“ der Journalistin Ruth Schneeberger aufmerksam machen, die darin die vielen Hürden der häuslichen Pflege, aber auch die beglückenden Momente beschreibt. Und das hat mir in dem sehr lesenswerten Artikel von Christiane Grefe dann doch tatsächlich gefehlt: Die Forderung nach einer schnellen, massiven und nachhaltigen Stärkung der häuslichen Pflege, nach Modellen, wie sie zum Beispiel die skandinavischen Länder seit Jahren praktizieren. Hier hättedie deutsche Politik einen wirksamen Hebel, die Bedingungen für viele Menschen besser zu gestalten, leider hat sie ihn bislang noch nicht umgelegt.“ Ich würde mich sehr freuen, wenn dieser Artikel in der gedruckten Zeit erscheinen kann. Herzliche Grüße nach HH und vielen Dank für Ihre tolle Arbeit an dieser Stelle, ich bin großer Freund der Leserbriefe und finde Ihre Auswahl eigentlich immer ausgewogen, interessant und mutig. Weiter so! – Philipp Hauner

 


 

 

Leserbriefe zu „Männer in Not“ von Bernd Ulrich

 

Als Bürger weiß man, in der Praxis erfährt man gelegentlich: Personen des öffentlichen Lebens riskieren nie nur Erfolg, sie riskieren immer auch Anfeindung. Jeder Mensch lebt in seelischen und gesellschaftlichen Ambivalenzen, das political animal muß – und dafür gebührt ihm Respekt – deren öffentliche Erörterung ertragen. Den kritischen, aber unaufgeregten, und Gabriel verstehbarer und nahbarer machenden Ton des Beitrages über Motivation und gelegentliche Verflechtung eines Politikers empfand ich als sachlich, wohltuend und klärend. Der kleine, korrekter Weise nachgesetzte, aber völlig unkommentierte Hinweis, daß Gabriel auch für die Mediengruppe arbeitet, zu der DIE ZEIT gehört, hinterließ ob seiner Unkommentiertheit im Leser ein Fragezeichen. Auch hier Verflechtung? Doch gewiß nicht? Ein klärender Satz würde helfen. Wie Bernd Ulrich schreibt: …ach, es ist kompliziert. – rato-garrit klomsdorff

 

Was für ein wunderbarer Artikel von Bernd Ulrich! Es ist schon eine hohe Kunst, ein ernstes Thema so locker und gleichzeitig punktgenau abzuhandeln. Beim Lesen habe ich mehrmals laut gelacht, nicht, weil der Text so witzig gewesen wäre sondern weil er so treffend ist. Einige Formulierungen sollte man ausschneiden und einrahmen; Siegmar Gabriel würde sich geehrt fühlen. Ich habe mein Bild vom ehemaligen SPD Vorsitzenden jedenfalls revidiert. – Klaus Buchenau

 

Ich empfinde den Artikel tatsächlich als unaufgeregt, anspruchsvoll formuliert und angenehm zu lesen. Einziger Kritikpunkt: Mit dem Inhalt wenig zu tun hat die Überschrift „warum Sigmar Gabriel für Clemens Tönnies gearbeitet hat“. Rundum gelungen wäre der Beitrag gewesen mit der Überschrift „warum Sigmar Gabriel so sympathisch und verehrungswürdig ist“. – Udo Loos

 

Eine lauwarme Inschutznahme – nicht wirklich überzeugend. – Helmut F. Schade

 

Sigmar Gabriel – der Gute Mensch von Goslar! So eine Lobhudelei veröffentlicht die ZEIT! Angenommen hat er auf jeden Fall das Geld. Er hätte eine Zahlung an ihn ablehnen oder das Geld spenden können. Ach ja, über Geld spricht man nicht in diesen Kreisen. Und was für ein Mensch Tönnies ist, wusste Gabriel doch wohl auch. In Köln nennt man so etwas Klüngel! Man sieht sich, man kennt sich, man hilft sich. – Volker Krause

 

Der Verfasser des Artikels wäre ein denkbar schlechter Strafverteidiger : Bei objektiver Schuldfeststellung tut man dem Angeklagten keinen Gefallen, sein Fehlverhalten verklausuliert noch als Gutmenschtat darzustellen. Da hilft nur eins: Den Rücken gerade machen und zum Fehler stehen. Dann kann man noch auf Respekt hoffen. So geht das nicht! – Bernd Ziemens

 

Handelt es sich dabei um eine Satire? Ich hoffe es, in Sorge um das Ansehen der „Zeit“. – CHRISTOPH Grimm

 

Bitte, BITTE!!, sagt mir, dass dieser Artikel nur ein Scherz sein sollte („Satire darf alles…“) – oder sind die Devotionalien für den St. Sigi-Heimaltar („…teilt seinen Mantel eben auch dann, wenn der bibbernde Bettler…“) schon im ZEIT-Shop erhältlich, etwa ein formschönes Röhrchen mit dem Rest des Speichels, den der Autor „…in dicke weiche Ledersessel versunken…“ und wahrscheinlich schon etwas ermattet von der Anstrengung, „…ihn nicht sympathisch zu finden.“ übrig gelassen hat? – Ulrich Korsch

 

Origineller Versuch von Bernd Ulrich sich bei Gabriel unterzuhaken (Leute, so übel ist der ja gar nicht!) Okay, Ulrich mag seine klandestinen Gründe haben. Indes erinnern wohlwollende Gefälligkeitsgesten dieser Couleur fatalerweise an Giovanni di Lorenzos seinerzeitige Bemühungen den Skandal-Plagiator Karl-Theodor zu Guttenberg heilig zu sprechen. Als langjähriger Leser kann man nur nachsichtig mit den Augen rollen. – Peter Schultze

 

Rührend wie verständnisvoll hier Sigmar Gabriel und seine politische Instinktlosigkeit wortreich verteidigt wird: Steinbrück hielt überteuerte Vorträge, Steinmeier flüchtete vor der parteipolitischen Verantwortung an die Fleischtöpfe. Über Schröder sei vornehm geschwiegen. Die Werte der SPD muss man auch vorleben, wenn man keine Posten mehr innehat. Wenn die Wertebasis abhanden kommt, bleibt nur noch der Rückzug. Also nicht den bösen Zeitgenossen die Schuld geben, sondern den nimmersatten „Genossen“. – Dieter Pienkny

 

Es ist ja schön, dass Bernd Ulrich ein positives, besser ein angemessenes, Bild von Sigmar Gabriel zu zeichnen versucht. Max Weber sagte, dass drei Qualitäten vornehmlich entscheidend sind für den Politiker: Leidenschaft – Verantwortungsgefühl – Augenmaß. Mindestens Letzteres hat Gabriel seit Ende seiner Politikerlaufbahn vermissen lassen, ganz besonders bei der Beratung von Herrn Tönnies, dessen Betrieb er als Außenminister besuchte, Missstände erkannte und sich nicht in der Lage sah, daran etwas zu ändern. Eines ist sicher, die Altvorderen der SPD seit Ende des Kriegs von Kurt Schumacher über Erich Ollenhauer, Willi Brandt bis Helmut Schmidt hätten ihre Partei nicht so im Stich gelassen. Die Sache ist für den Normalbürger ganz einfach, für Sigmar Gabriel war die Zeit als Berufspolitiker nur Job ohne wirkliche Leidenschaft, den man wechseln kann. Vielleicht war Gerhard Schröder sein Vorbild. – Henning Roeder

 

Mit Spannung habe ich Ihre Beurteilung der Casa Gabriel in seiner Funktion als Toennies’ Berater erwartet. Weit hinter einer sehr dicken, rosaroten Brille stellen Sie fest, dass es erstens) gar keine andere Möglichkeit für Gabriel, den Barmherzigen, gab als die eine, Toennies in seinen die Grenzen des Legalen auslotenden, die des Moralischen definitiv überschreitenden Machenschaften helfend beizustehen und zweitens) dass man gar nicht umhin können muss, dies als menschlichen, kleinen Fauxpas auszuwerten, weil Gabriel so ein dufte Typ ist?

Denn ums Geld sei es schliesslich nicht gegangen – das wird ja wirklich jedem klar, der mal fix die Monatssummen zusammenaddiert. Wieviele Ihrer Leser verdienen denn regulär 10.000€ monatlich – nebenbei? Legal? (Systemrelevant? – Andere Baustelle.) Nochmal kurz die Koordinaten aufgerufen: es geht um denselben Toennies, der Werkverträge abschliesst, um sehr viel weniger als den Mindestlohn an seine Arbeiter zu bezahlen. Die alle krank geworden sind durch diese Art der Sklavenhaltung. Die rote Liste seiner Tricks ist lang. Ich möchte mit Ihnen gern meine Perspektive teilen, denn ich war der Person Gabriel zunächst neutral gegenüber, nun in große Antipathie verwandelt.

Gabriel hat seine Sache schlecht gemacht, er hat sie sogar verraten. Schliesslich hat er als einer der ranghöchsten SPD-Funktionäre aD, eine Verantwortung gegenüber seiner ehemaligen Volks- und noch ehemaligeren Arbeiterpartei und damit den Wählern seiner Partei. Oder war das mit der SPD auch nur ein Job, den er nicht wegen des Geldes gemacht hat, sondern … weswegen genau? Und wenn Ihre Sympathie doch so groß ist, wie Sie schreiben, hätten Sie Ihrem Freund vielleicht einen größeren Dienst erwiesen, wenn Sie Ihn mal an die Kandare genommen hätten und ordentlich den Kopf gewaschen hätten über diesen Unfug, den er verzapft hat. Und dass es angemessen wäre, Charakter zu zeigen. Wenn denn welcher da ist. – Annette Apel

 

Selten so einen kurzweiligen und witzigen Artikel gelesen. Warum Herr Gabriel nun für Herrn Tönnies gearbeitet hat weiß ich allerdings immer noch nicht. – Michael Tepel

 

Shakespeare hätte seine helle freude an dem luziden essay von bernd ulrich über unsersiggi, das helferlein, und konsorten. not or not not, das ist die frage. perfekt auch das foto dazu von sebastian arlt. überschrift, einheit von text und bild, abschließende referenz über hvd-medien, auch ein fall des herrn gabriel: bei soviel apotheose geht mir biedermann doch das herz auf in der erkenntnis, was presse zu leisten vermag. CHAPEAU, es ist eben nicht alles lüge…. schröder, steinbrück, gabriel mögen nicht die reichsten auf dem friedhof sein wollen, mal sehen, wie sich herr scholz diesbezüglich in solche sozialdemokratische tradition stellen wird. – franz lohrengel

 

Ein journalistisches Glanzstück! Noch nie las ich ein so blitzgescheites, dialektisch ausgeklügeltes, sprachlich ziseliertes und bei aller Kritik in seiner Tiefe letztlich doch empathisches Portrait eines Politikers. Glückwunsch. – Dr. Eugen Schmid

 

Herrn Gabriels Portrait als Menschen, der unter dem Helfersyndrom leidet und bei dem Gier als Motiv für die Annahme einer üppigen Belohnung nicht taugt, weil er doch Geld nicht nötig habe, überzeugt nicht. Albert Einstein nannte zwei Dinge, die unendlich seien: Das Universum und die menschliche Dummheit. Nur beim Universum war er sich noch nicht ganz sicher. Eine dritte Unendlichkeit hat Einstein jedoch übersehen: Die der menschlichen Gier und die befällt regelmäßig Menschen, die ohnehin schon genug haben. Zu allem Überfluss treten Dummheit und Gier auch gerne als Pärchen auf. Könnte es jedoch vielleicht auch sein, dass ich Ihren Artikel nicht richtig verstanden habe und ich ihn als Realsatire lesen muss? – Dr.-Ing. Franz Ulrich Häusler

 

Das Portrait des „durchaus nicht unsympathischen“, „keineswegs zwielichtigen“ Ex-SPD Chefs Dietmar Gabriel, dem Mann mit dem Helfersyndrom, bleibt ein schillerndes Unterfangen. Er hat eben nicht nachgedacht, wem er seine Hilfsdienste anbietet, sei es beim Fleischmogul Tönnies oder der Deutschen Bank. Es ist aber zu wenig, wenn man der Maxime folgt, dafür zu sorgen, dass Schlimmes nicht noch schlimmer wird. Gabriel verkörpert die Spezies des alternden Patriarchen mit der Gutmensch-Attitude. Dabei bleibt er ein Elephant im Porzellanladen. – Stefan Kaisers

 

Der Name „Tönnies“ ist inzwischen zu einem negativ konnotierten Begriff geworden und wohl nachhaltig kontaminiert. Und diese Restriktion haben nicht nur die „normalen“ Menschen in den Kreisen Gütersloh und Warendorf an Leib und Seele zu spüren bekommen. Auch das Prestige so manches Politikers dürfte zusehends darunter leiden. Und obgleich der werte Bernd Ulrich mit seinem umfassenden Pläydoyer dem eigentlich sympathischen Sigmar Gabriel eloquent und findig zu Hilfe kommt, hält sich mein Mitleid mit dem einen oder anderen Zeitgenossen durchaus in Grenzen. – Ira Bartsch

 

HofberichtserstattungEigentlich ist die Faktenlage glasklar:C.Tönnies betreibt (legal) ein Schweinesystemunternehmen mit schweinischen Arbeitsbedingungen.Durch das System der Subunternehmen scheint er moralisch aus dem Schneider zu sein. Auch für den Ausbruch des Corona- Virus in seinem Unternehmen und die dessen Ausbreitung dürfen andere die Lasten und Kosten tragen. Diesem Mann hilft nun S. Gabriel für ein stattliches Entgeld, um diesen Betrieb weiterhin auf Gewinnkurs zu halten. All dies ist juristisch wohl sauber – moralisch aber eher schweinös. Aber wenn dann DIE ZEIT S.Gabriel als selbstlose charmante Lichtgestalt mit chronischem Helfersyndrom darstellt und am Ende des Artikels auf die Kooperation von S. Gabriel mit derDvH-Medienholding verweist, hat man das Gefühl von devoter Hofberichterstattung die man eher in „Der Bunten“ erwartet. – C.Stellmacher

 

Das ist seit langem eine der schönsten Seiten in der ZEIT: einfach nur schreiben, nicht erklären wollen, keinen moralischen Zeigefinger erheben. Und doch ein Portrait in all seiner Unzulänglichkeit und Komplexität bildhaft aufzuzeichnen – das ist gekonnt. Danke, verehrter Bernd Ulrich. – Julie Bajohr

 

Ich muss meine Bewunderung schon wieder bekunden. Wie Bernd Ulrich „locker, flockig“ und ungemein treffend Personen und Zustände beschreibt und dabei mit der Sprache jongliert, hat nichts Manieriertes, Affektiertes (Joffe) sondern klingt als spräche jemand, wie ihm der Schnabel gewachsen ist; und das mit viel Witz, einem großen Wortschatz und zudem auf einem hohen intellektuellen Niveau. Seine Beschreibung des „beinahe besten Freundes“ Siegmar Gabriel und seiner „Freundschaftsdienste“ war ein riesiges Lesevergnügen. BERND ULRICH IST DER BESTE SCHREIBER! Als Randnotiz: Siegmars unverbesserlicher Nazi-Vater war viele Jahre unser Gartenzaun-Nachbar. – Sven Herfurth

 

„Es gibt tausend Möglichkeiten, Geld loszuwerden, aber nur zwei, es zu erwerben: Entweder wir arbeiten für Geld, oder das Geld arbeitet für uns.“ (Bernard Mannes Baruch, 1870-1965, US-amerikanischer Finanzier, Politikberater und Philanthrop) „Geld allein macht nicht glücklich. Es gehören auch noch Aktien, Gold und Grundstücke dazu.“ (Danny Kaye, 1911-1987, US-amerikanischer Schauspieler, Komiker & Sänger) „Es gibt größere Dinge als unser Einkommen. Zum Beispiel unsere Ausgaben.“ (Robert Lembke, 1913-1989, deutscher Journalist & Fernsehmoderator) „Geld stinkt nicht.“ (Titus Flavius Vespasian, 9-79 nach Christus, römischer Kaiser) – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „»Ich bin eine Rampensau«“. Gespräch mit Gloria von Thurn und Taxis geführt von Jens Jessen

 

Seit Jahren lese ich regelmäßig ihre Zeitung und fühle mich immer gut informiert und Unterhaltend. Nun habe ich oben genannte Artikel gelesen und muss feststellen, Ihre Mitarbeiter fehlt hier und da, der gewisse Biss und es wird nicht massiv nachgefragt. Alles so bisschen “ Wischi Waschi “ Frau Gloria TT wird gefragt: “ Was genau ist am Öffnen von Grenzen unchristlich ? “ Anwort: “ Wer Grenzen öffnet, aber gleichzeitig die Tötung von Kindern im Mutterleib fördert, ist aus christlicher Sicht nicht glaubhaft…..usw…… Warum wird Sie nicht gefragt, was ist mit den Sexuellen Missbräuchen, durch Mitarbeiter der kath. Kirche der letzten 100 Jahren ? War das christlich ? Warum wird gegen deutsche Kardinäle, Bischöfe und leitende Angestellt nicht ermittelt, wegen Vertuschung, Deckung, grausame Verbrechen an Kinderseelen ? Es gäbe noch zig. Fragen, die ich Ihr gestellt hätte.Dann noch ein paar Worte “ Der politische Fragebogen “ Auch so seichte Fragen, an Herrn Sigurd Rink. Alleine Frage 18

“ Er möchte wieder Bürger und Bürgerinnen in Uniform “ Warum zieht er keine Uniform an und nehmt selber die Waffe in der Hand, um Menschen zu töten, hätte ich Ihm gefragt. Hätte man darauf eine Antwort erhalten ? Warum bieten Sie Frau von Thurn und Taxis immer so eine Plattform um Ihre verschobene Sicht auf die Welt öffentlich kund zu tun? Es gibt doch weiß Gott andere Menschen die viel zu erzählen hätten und aus dem Volk kommen und nicht mit Eure Durchlaucht angesprochen werden möchten.

Berichten doch mal über die Menschen, die als Kind, vor 40-50-60-70.. Sexuell Missbraucht wurden. Ein Leben lang gelitten haben, nur eine kleine Rente haben, weil sie aufgrund des Missbrauchs, es nicht geschafft einen gut bezahlten Arbeitsplatz zu bekommen. Nie Vertrauen zu Menschen gefasst haben. Die heute immer noch keine Hilfe erhalten haben, trotz großartige Versprechungen seitens der Politik. Was st aus dem Fons Sexueller Missbrauch geworden. Wurden die versprochenen 100 Millionen eingezahlt ? Wo ist das Geld geblieben ? Bei den Opfer scheint nicht viel angekommen zu sein. – Günter Wildermann

 

Ich will gar nicht meine Aufmerksamkeit an sie verschwenden. Aber was sie „aus christlicher Sicht” behauptet und dadurch rechtfertigen möchte, kann und will ich als junger Christ und Katholik nicht so stehen lassen. Ansichten aus christlicher Perspektive zu Abtreibung und Homosexualität lasse ich jetzt mal so stehen, aber was unbestritten in der christlichen bzw. katholischen Kirche gilt: Menschen in Not, die wegen (teilweise durch den „Westen” befeuerter) Bürgerkriege, Terrorismus und politischer Verfolgung ihr ganzes Leben, alle Verwandten, Freunde, Berufe, Heimat – kurz: ihr ganzes Leben – verlassen mussten und größtenteils gar nicht flüchten wollen, verdienen absolut im rechtsstaatlichen, demokratischen und freien Europa, zumindest vorübergehend, aufgenommen zu werden.

Papst Franziskus formuliert es so: „In einem jeden von ihnen ist Jesus gegenwärtig, wie er zur Zeit des Herodes zur Flucht gezwungen war, um sich zu retten. […] Die Vertriebenen bieten uns die Gelegenheit zur Begegnung mit dem Herrn, auch wenn unsere Augen Mühe haben, ihn zu erkennen: mit zerrissenen Kleidern, schmutzigen Füßen, entstelltem Gesicht, verwundetem Leib, nicht in der Lage, unsere Sprache zu sprechen”1 Ergänzen möchte ich dazu Worte von Jesus Christus persönlich: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan” (Mt 25,40).

Statt sich auf ihrem hohen Ross bzw. Löwen abdrucken zu lassen, sollte sie herabsteigen in die Wirklichkeit und ganz nach Jesu Auftrag an die Ränder gehen und ihre Reichweite nach wahren christlichen Werten im Auftrag Jesu Christi nutzen. Ach ja – ihr Argument „unkontrollierte Einwanderung”: Solche Krisen lassen sich nun mal schlecht kontrollieren; die Feuerwehr kann auch nicht nach dem Löschen von fünf Häusern sagen, für heute sei genug, da die Obergrenze erreicht worden wäre und die noch zu löschenden Häuser noch nicht in Gefahr genug seien, um es verdient zu haben, gelöscht zu werden. Ein letzter christlicher Appell: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (vgl. Mk 12,31). – Franz

 

Zunächst war ich nur etwas irritiert. Ich hatte angenommen, dass ich in der ZEIT, anders als in der BUNTE, nicht mit der Verwendung von abgeschafften Herrschaftsbezeichnungen („Fürstin“) rechnen müsste und erst recht nicht, dass eine Interviewpartnerin mit „Durchlaucht“ angesprochen wird. Das mag noch witzig gemeint sein. Die Passagen gegen Ende des Interviews sind es nicht. Garniert mit kritischer Nachfrage und Einordnung mag der Abdruck gerade noch erträglich sein, wenn eine Interviewpartnerin fremdenfeindlich anmutende und angesichts des Themas unterkomplexe Vergleiche anstellt: „unkontrollierte Einwanderung zu fördern ist, als wenn Sie bei sich zu Hause mehr Leute zum Übernachten einladen als Sie Schlafzimmer zur Verfügung haben“.

Es folgt eine schwer nachvollziehbare Vermengung mit dem Thema Abtreibung, wohl um jene zu diskreditieren, die beim Thema Migration für christliche Nächstenliebe plädieren. Im Anschluss werden dann aber die eigenen christlichen Werte betont. Die sich übrigens – das steht nicht im Interview – auch in ihrem Engagement gegen Kondome äußern. Es wäre doch interessant gewesen, ob sie hier nicht gewisse Widersprüche zu ihrem leidenschaftlichen Engagement gegen die „Tötung von Kindern im Mutterleib“ sieht. Auch hätte ich es interessant gefunden, ob sie sich 1945 eine ebenso restriktive Haltung gegenüber der Zuwanderung ihres aus Sachsen vertriebenen Vaters gewünscht hätte, immerhin waren damals schon alle Schlafzimmer, wie auch die Wohnzimmer, mit „Heimatvertriebenen“ gefüllt. Statt also kritisch nachzuhaken, wechseln Sie einfach mal das Thema und fragen nach den lieben Kindern? – Julian Dittmer

 

Peinlich und ärgerlich, dass Sie für solche Phrasendrescherei eine ganze Seite vergeuden. Ist das Sommerloch so groß und tief? Haben Sie kein relevantes Thema gefunden? Ich schreib Ihnen gern etwas… – Dr. Michael Schornstheimer

 

Prinzessin von Thurn und Taxis „hat nichts dagegen als „Durchlaucht“ angeredet zu werden.“ Das glaube ich gern, denn der seit mehr als 100 Jahren abgeschaffte Adel möchte sich noch immer als existent und höhergestellt darstellen. Aber dass DIE ZEIT sie tatsächlich mit „Durchlaucht“ anspricht, hat schon etwas anachronistisches an sich. Oder ist es Schleimerei oder etwa gar schiere Unbildung? Das darf einem weltoffenen und liberalen Bildungsblatt nicht passieren! – Gerhard-H. Müller

 

“ Durchlaucht „, ethymologisch “ hell leuchtend, strahlend“, so sieht sie sich gerne, Frau von Thurn und Taxis! Da wünschte man sich doch aber auch leuchtend-lichtvolle Äußerungen!? Statt dessen: Lautes Besserwissen, mangelhaft verdeckter Antiparlamentarismus, unzureichende AfD-Distanzierung, ultramontanes Gehabe – kurz: Wortgeklingel! Adelige Titel, im Übrigen und zum Glück abgeschafft, machen nicht automatisch den intellektuelleren, besseren und hellsichtigeren Bürger, zumal wenn man sich von der hohen Warte eines in Jahrhunderten auf Kosten der Untertanen zusammengerafften Vermögens ein Bild der Welt zu machen sucht. Etwas leiser, Frau von Thurn und Taxis, wäre angemessen! – Peter Schiel

 

„Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen“(Jean-Jacques Rousseau) An dieses Zitat fühle ich mich beim Lesen des Interviews mit Gloria TT erinnert. Ich habe mich selten so über ein Stück in der Zeit geärgert. Ich frage mich, seit wann wenn so etwas unter „Unterhaltung“ fällt? Ich kann nicht umhin den Rassismus, der aus der Haltung der Dame spricht, einfach nur widerlich zu finden. Ganz zu schweigen von dem antiquierten Rollenbild…. sagen wir mal so, ich habe viele Probleme mit den Ansichten. Wir leben ja zum Glück noch immer in einem Land, in dem Meinungsfreiheit und auch Pressefreiheit herrschen.

Aber sagen muss ich es trotzdem: es gibt nicht DEN Flüchtling, es gibt auch nicht nur EINE wahre Religion, es gibt auch nicht nur EINE Rolle, die Frauen oder Männer erfüllen müssen. Seit 1919 ist auch der Adelsstand in Deutschland abgeschafft, der Adelstitel nur noch Namensbestandteil…auch das konnte man in dem Interview fast vergessen. Meiner Ansicht nach verlangt das Jahr 2020 nach mehr an Diversität, klugen Vor- und Querdenkern und nicht nach derart gestrigen Positionen. Im Übrigen: ich komme aus einer großen Familie. Wenn wir viele Freunde und Verwandte zu Besuch hatten, wurde ein Eintopf gekocht. Der konnte notfalls mit Wasser gestreckt werden, damit es für alle reicht. – Elfi Zimmerling

 

Unterhaltung und ein reisserischer Titel. Thurn und Taxis, verdienstvolle Vertreter, soll ich das lesen? Mal gucken. Am Schluss finde ich, dass ich einen guten Artikel über eine interessante Person gelesen habe. Ein Interview, das mir gefallen hat. Erstaunlich für eine, die fernab glamouröser Münchner Ereignisse seit Jahren auf der Insel Elba froh ist, bis kurz vor Weihnachten Die Zeit am Kiosk zu finden, aber dann ist Schluss. Diesmal für 7 Monate. Was für eine Wiedereröffnung. Die Zeit am Kiosk von Marina di Campo, Isola Elba. Ich kaufe sie nicht jede Woche, doch meistens. Manchmal im Wechsel mit Brigitte, doch die ist 2020 noch nicht erschienen. Nur zum Vergleich, sie ist fast so gut, war es, kurz vor Schluss. Da die Zeit „seichter“ geworden ist, sich derBrigitte annähernd, waren beide abhängig von der Greifbarkeit, meine Favoriten. Die Zeit muss das wissen, deshalb meine Information. Ich lebe ständig auf der Insel und erlebe das Auf und Ab der Jahreszeiten, um meine Auskunft, falls gefragt, zu authentifizieren. Hoffend, dass nun Zeit und Brigitte für ein paar Monate zu kaufen sind. Abonnements zu teuer und sinnlos wegen der lahmen Post. – Edeltraut Rödder

 

Aus den Worten Ihrer Durchlaucht sprechen nur adelstypische Arroganz und Dummheit. – Volker Krause

 

Seit 1919 ist der Adel in Deutschland abgeschafft und es gibt keine“Durchlaucht“ mehr. Das scheint sich in der ZEIT aber noch nicht rumgesprochen zu haben. An Gräfin Dönhoff kann das aber nicht gelegen haben, die war eine anderes Kaliber als „Durchlaucht“ Thurn und Taxis. „Durchlaucht“, „Erlaucht“ und Ähnliches paßt für GALA oder Das Goldene Blatt, aber für dir ZEIT….????? – Peter Jaeger

 

danke an jens jessen. endlich mal ein munterer artikel im ansonsten drögen linksgrünen meinungsbrei. ,,schnacksel-gloria,, traut sich halt was… – w.wolf

 

„Wer Grenzen öffnet und Kinder im Mutterleib töten lässt, sollte nicht von christlichen Werten sprechen“. Wie kann ein solcher Satz unwidersprochen in der Zeit gedruckt werden. Sicher – die Frau entlarvt sich damit selber – aber aus welchem Grund bieten Sie ihr ein Forum in ihrer von mir sehr geschätzten Zeitung? Bitte erklären Sie mir das. – Edith Fuchs-Leier

 

Aus der Zeit gefallen Vor 101 Jahren wurden die Adelstitel abgeschafft. Noch nicht bemerkt in der ZEIT-Redaktion? Frau von Thurn und Taxis hat nichts dagegen als „Durchlaucht“ angeredet zu werden. Wie nett. „Eure Durchlaucht“, so spricht dann der ehrerbietige Interviewer. Und dann folgt das erzkonservativ-katholische Geschwafel dieser Dame. Unerträglich. Deshalb danke ich heute noch der Weimarer Republik dafür im Jahre 1919 die Adelsprivilegien abgeschafft zu haben. – Raimund Helbrich

 

Das Gespräch mit Frau Prinzessin von Thurn und Taxis war ja sehr unterhaltsam, allerdings habe ich mich an der Anrede „Ihre Durchlaucht“ gestoßen. Mit der Weimarer Verfassung wurden Adelstitel zu Namensteilen, Herrschaftstitel, wie z. B. Fürst oder Fürstin komplett abgeschafft. Daher heißt es, wie oben erwähnt „Prinzessin von Thurn und Taxis“ und die Anrede „Durchlaucht“, die mit dem abgeschafft Herrschaftstitel verbunden ist, steht ihr damit nicht zu. Sollte es, über hundert Jahre nach Inkrafttreten dieser Gesetze nicht langsam Zeit sein, diese sprachlichen „alten Zöpfe“ endlich abzuschneiden? – Andrea Adil

 

Was hat Sie bewogen, einer zufällig in Adelskreisen geborenen und lebenden Frau, solch ein Forum für dummes und dreistes Geschwätz zu bieten? Ist dies jetzt Hofberichterstattung oder wollten Sie die Dame vorführen? Beides ist der Zeit meines Erachtens nicht würdig und dient keinesfalls der Lösung unserer heutigen Menschheitsprobleme. – Olaf Cantow

 

Ich habe mir erlaubt, Ihren in mehrfacher Hinsicht interessanten Artikel über „Gloria TT“ auf meiner Homepage („Blog“) zu kommentieren. Ab und zu sind wirklich spannende, kommentarwürdige Artikel in Ihrer Zeitung, auch auf meiner Start-Seite habe ich mir erlaubt, für Sie Werbung zu machen. http://www.gleis-coaching.de/Birgit Gleis

 

„Am liebsten lese ich Stefan Zweig. Ich habe viele Lieblingsbücher, da könnte ich noch viele aufzählen. Was ich Mist finde, ist Trivialliteratur. Zum Beispiel diese ganzen Konsalik-Bücher.“ „Das Schöne ist, dass ich frei bin, keine Sorgen haben muss, meinen Job zu verlieren. Daher sehe ich es als meine Verpflichtung an, Dinge auszudrücken, die mir wichtig sind. Die Politiker sagen uns so etwas nicht mehr and auch in der Kirche ist man zurückhaltender geworden.“ „Es gibt Prinzen, die benehmen sich wie Schweinehirten. Und es gibt Schweinehirten, die benehmen sich wie Prinzen.“ „Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man reich ist oder nur einen reichen Mann geheiratet hat.“ „Es tut mir schon ganz gut von Zeit zu Zeit, wenn ich Kritik höre. Das ist wichtig für mich. Wenn alle Leute alles immer nur gut finden, ist es auch nicht das Wahre.“ Zitate von Fürstin Mariae Gloria von Thurn und Taxis – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Braucht jeder“ von Robert Pausch

 

ZuBraucht Jeder : Pfui Teufel ! Das ist eine Schande! Wenn immer alles nur Geschwätz ist und das so lange getrieben wird, daß ein Großteil der Bevölkerung glaubt, die gute Idee sei schon in die Tat umgesetzt, dann braucht man sich über Mißtrauen und Politikverdrossenheit nicht zu wundern. Solche Täuschungsmanöver sind nicht nur unfair, sondern auch entwürdigend. – Rose Schrade

 

Wir hier in Nürtingen im Landkreis Esslingen hatten mit die meisten Coronafälle zu betreuen. Wir bestimmten die Intensivstation zur Corona-Einheit und machten den 8-Betten-Aufwachraum zur „normalen ITS, der Aufwachraum selbst wurde in einem OP-Saal eingerichtet. Wo arbeiteten wir? Es war auf allen 3 Abteilungen schlimm… Corona-ITS – den ganzen Tag in Schutzkleidung Patienten betreuen – eine Herausforderung. ITS im Aufwachraum – wir sagten „Lazarett “ dazu, 8 Patienten ohne Räume, mit Beatmung, heftigster Geräuschkulisse… Oder im „Mini-Aufwachraum“- den ganzen Tag alleine mit vielen Überstunden. Unsere Klnikleitungen haben das Beste daraus gemacht, sie waren da, als wir Pflegekräfte uns alleine gelassen fühlten, sie haben uns unterstützt soweit es ging- danke dafür!

Wir haben gehofft, gearbeitet, geschwitzt – und fast alle Covid- Patienten, zum Teil schwer erkrankt, mit unserem tollen ärztlichen Team zusammen wieder nach Hause bringen können. Nun frage ich mich, wie ein Minister, der 10000 € im Monat verdient und wahrscheinlich in der Krise nie ein Krankenhaus betrat, es wagen kann, uns, die wir als Pflegekräfte 24/7 bei infizierten Patienten in Vollmontur, weitaus mehr als sonst jemand gefährdet, einen Bonus zu verweigern… Ich finde das ernüchternd erniedrigend…haben die Verantwortlichen schon mal überlegt, woher der Pflegekräftemangel kommt und wer sie einst versorgt? – Rainer Fischer

 

Danke und bravo und Gottseidank erscheint dieser Artikel auf Seite 1. Ich bin Rentnerin und hatte beruflich beruflich nichts mit der Pflegebranche zu tun, gehöre also sozusagen zu den Privilegierten in diesen Zeiten. Der Zynismus und die Armseligkeit des Handelns dieser so wortmächtigen wie wortbrüchigen Politiker ist selbst für skeptische Bürger unfassbar. Meine Hoffnung ist, dass nicht wenige Wähler die Fakten zur Kenntnis nehmen und bei der Wahl, wenn es dann wehtun kann, sich an die nichtextremen Parteien halten, die ausser der Groko noch zur Abstimmung stehen. Es würde mich freuen wenn Sie das Thema weiter verfolgen. – Margret Berendt

 

Auf dem Tietelblatt der Zeit-Ausgabe Nr. 29, vom 09. Juli 2020, schreibt Herr Pausch darüber, dass Angestellte in sozialen Berufen nun doch keine Prämie erhalten sollen. Es wird kritisiert, dass eher die Gebiete subventieioniert würden, in denen Männer „produzier[t]en“. Es folgte folgender Satz: „Das Konjunkturprogramm kostet den Bund 130 Milliarden Euro, die Kohleregionen erhalten 40 Milliarden.“ (DieZeit Ausgabe 29) Dieser Satz suggeriert unmissverständlich (auch wenn er es nicht 1:1 behauptet), dass die 40 Milliarden Euro als Teil der 130 Milliarden zu verstehen sind, dass dies aber nicht der Fall ist, ist selbst mir aufgefallen und nach kurzer Recherche bestätigte sich meine Vermutung. Ich finde es persönlich sehr schade, dass Sie, DieZeit, so unsauber Arbeitet, wo Sie doch eigentlich so viel Wert auf jornalistische Korrektheit zu legen scheinen- zumindest habe ich Sie dafür stets geschätzt. – Leon Rochlitzer

 

Welch Überraschung, nachdem keiner mehr vom Balkon singt oder applaudiert, hat man die Systemrelvanz wohl vergessen. Hat ja auch funktioniert – ohne Geld halten alle Pfleger, Krankenschwestern usw. alles am laufen. Vielleicht häte man die Sonderprämie besser dem Wirtschaftsministerium zukommen lassen. Da hätte man nicht mit zweierlei Maß gemessen, denn Geld in Umlauf z bringen, egal ob Alten- oder Kranken- oder Behindertenpfleger. Schade ist, wenn man wie ich in einem Behindertenwohnheim arbeitet, wo keiner über 50 Jahre alt ist. Wo auch immer der Unterschied liegen mag. – Petra Dietrich-Klett

 

Warum können oder dürfen die Verwaltungschefs die Entscheidung Nicht treffen, dem Pflegepersonal einen Bonus zu zahlen? Das ist Der richtige Weg, zumal viel Personal gar nicht so gefordert wurde während Der Coronakrise. Da gab es Berichte sogar von Kurzarbeit in den Krankenhäusern Auf den Coronastationen. – Manfred Mengewein

 

Wir erinnern uns gerne, dass erst vor wenigen Wochen das Pflegepersonal der Kliniken und Altenheime wegen ihrer enormen Leistungen von den Balkonen begeistert beklatscht wurde. Ein Zeichen der Solidarität war es auch, dass die Ode an die Freude ertönte. Seit der Corona-Pandemie gelten Pflegekräfte plötzlich als „systemrelevant“. Sie klagen zwar seit vielen Jahren über schlechte Löhne und über unzumutbare Arbeitsbedingungen , finden aber kein Gehör, weil sie keine schlagkräftige Lobby haben. Doch oh Wunder: Sogar die Bundeskanzlerin attestierte ihnen plötzlich:„Das sind die Menschen, die den Laden am Laufen halten.“ Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mahnte, wir sollten uns daran erinnern, was uns unverzichtbare Arbeit wirklich wert sein muss. Vollmundig stimmte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Lobeshymnen zu indem er erklärte, die Leistungen jener, die nun besonders mit anpackten, wolle man auch finanziell besonders vergüten.

Und was wurde von diesen Versprechen umgesetzt ? Den angekündigten einmaligen Pflegebonus von bis zu 1.500 Euro erhalten ausschließlich die Altenpfleger. Die Pflegekräfte in den Krankenhäusern gehen leer aus, obwohl sie sich täglich dem Infektionsrisiko aussetzen. Das ist eine unsägliche Schande für Deutschland, wo derzeit wie mit der Schrotflinte Milliarden verteilt werden, und wo nicht einmal die Profiteure der Krise wie etwa Amazon etwas beisteuern müssen. Aufrichtige Wertschätzung muss sich bei den Krankenpflegern auch finanziell angemessen auswirken. Oder brauchen wir dazu erst eine weitere Epidemie ? – Peter Stöffges

 

Ich kann Ihrem Beitrag nur zustimmen. Dazu ein Beispiel: Milliarden für die Lufthansa, damit Corona-Ignoranten wieder Hot-Spots-Partys auf Mallorca feiern können. Aber für die Pflegekräfte in den Krankenhäusern, die dann wieder ihre Gesundheit gefährden bei der Betreuung u. a. auch jener gedankenlos Feiernden nicht einmal ein Almosen? Pfui Teufel! – Ulrich Hungar

 

Eine Pflege-Prämie ist aus zwei Gründen nicht unbedingt sinnvoll. Erstens gleicht ihr Effekt aus Sicht der Pflegekraft einem (winzigen) Strohfeuer und ist damit alles andere als nachhaltig. Zweitens wäre die Prämie für einen Großteil der Pflege eher eine Entlohnung für durchlittene Langeweile gewesen. Denn diese war das vorherrschende Gefühl auf Ncht-Corona-Stationen zu Zeiten des Lockdowns. Nein. Um einen angenessenen Lohn für die Pflege zu erwirken, braucht man vielmehr einen entsprechenden Tarifvertrag. Zudem muss geklärt werden, wer das letztlich bezahlen soll. (1) Die Krankenhäuser, die ohnehin unter enormem wirtschaftlichen Druck stehen? (2) Die Krankenkassen, doch welcher Politiker traut sich, eine Beitragserhöhung durchzusetzen? (3) Der Steuerzahler, eine „elegante Lösung“ hintenrum, mit der Möglichkeit, zu verschleiern, wem das Geld dafür entzogen wird? Um unser System transparent zu halten, um der Leistung ihren Preis zu geben, müssten es die Beitragszahler der Krankenkassen übernehmen. Und immerhin, wie Herr Pausch ganz richtig sagt, wird jeder irgendwann mal froh sein, gute Pflege zu erhalten. – Dr. Christian Voll

 

In der ersten Zeit lähmender Angst vor Coronainfektion und in der daraus erwachsenen Angst davor, selbst womöglich ohne ärztlich/pflegerische Hilfe allein gelassen werden zu müssen und sogar bald zu sterben, wurden die pflegenden Helden des Alltags verbal auf Händen getragen und beklatscht. Man brauchte sie; jeder. Nun, mit dem Gefühl, die Krise im wesentlichen überstanden zu haben, wird schnell unanständig zurück gerudert. Der große Respekt und die Dankbarkeit sind schon wieder dahin. Einzelne der Helden des Alltags sollen sogleich wieder von der Welle der Solidarität abgehängt werden. Es wird gewohnheitsmäßig westlich-kleingeistig-juristisch argumentiert. Wer aber möchte ernsthaft einen Unterschied zwischen Pflegekräften in Altenheimen und denen in Krankenhäusern machen. Beide kämpften und kämpfen für Menschen in ihren schwierigsten Momenten. Und beide sind gleichermaßen gefährdet. Dass die Gier und die Selbstsucht als erstes wieder anspringen würden, war zu befürchten. Als Kapitalinvestor freue ich mich. Als Mensch bin ich entsetzt über die Erbärmlichkeit unserer Rasse. Würde nur zB ein kleiner Teil der in den letzten drei Monaten erzielten Börsengewinne abgegeben werden, wären alle Pflegekräfte – wie vollmundig versprochen – mit der Anerkennungsprämie zu bedienen. Und auch angemessene Gehälter müssen zukünftig möglich sein. In Altenheimen wie in Krankenhäusern! Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich mir noch ein bisschen mehr Corona und damit nachhaltige Wirkung wünsche. – Andreas Nickel

 

Danke für Ihren Artikel über die in der Not „systemrelevanten Pflegekräfte“, Herr Pausch. Sie alle verdienen nicht nur den Dankesbeifall vom Balkon, sondern unser aller tatkräftige Solidarität! Ich schäme mich in Grund und Boden für die von unseren feisten deutschen Regierungsvertretern vollmundig in Zeiten der Not herausposaunten Bonus- und Gehaltsverbesserungsversprechen, die jetzt keinen Heller mehr wert sind, wo sich die Lage ein wenig entspannt! Allen voran die Herren Spahn, Heil und Altmeier. Diese Regierungsparteien sind nicht mehr wählbar. Lügen-Corona sollten sie getauft werden. Achtung: die 2.Welle oder eben die Dauerwelle kommt bestimmt – dann sind diese guten Menschen in der Pflege wieder „systemrelevant“. Ich bin froh, jetzt in der Schweiz zu leben, wo die Pflegekräfte, wie auch andere soziale Berufe auch ohne Corona-Viren angemessen bezahlt werden (2,5 -3-faches Grundgehalt) und dazu für alle Sonderschichten in diesen Notzeiten samt Zulagen hochachtungsvoll alimentiert wurden. Und nach kurzem anfänglichem Engpass ausreichend Schutzausrüstung zur Verfügung stand. Leider erfährt man nirgendwo, wie viele der 14000 Infizierten aus den Pflegeberufen infolge der Infektion verstorben sind oder nachhaltige gesundheitliche Schäden davongetragen haben. – Dierk Harte

 

Jeder Satz ein Treffer. Ein systemrelevanter Beitrag, der glasklar offenlegt, dass zu viele Männer gerne Beifall spenden und große Worte schwingen, weil sie in ihre Kleinherzigkeit gefangen, sich nicht trauen, echte Solidarität und Anerkennung gegenüber denen zu leben, die ihnen einst die Windeln gewechselt haben und auf deren Führsorge sie bei Krankheit und Gebrechlichkeit angewiesen sein werden. Starke Gemeinschaften sehen anders aus. – Jürgen Pilz

 

Nicht nur die Mitarbeiter*innen in Arztpraxen und Krankenhäusern, nein auch in den Einrichtungen der Behindertenhilfe haben in Zeiten von Corona außerordentliches geleistet. Weit über die Belastungsgrenze musste hier in den letzten Wochen unter schwierigsten Arbeitsbedingungen betreut werden. Eine Anerkennung finanzieller Art wäre hier im Vergleich zu der Altenpflege geboten. Die Unterstützung und Betreuung von Menschen mit Einschränkungen im Bereich der Eingliederungshilfe ist auch systemrelevant. Diese Arbeit muss der Altenhilfe gleichgestellt werden, weil gleichwertig. Vielleicht muss Minister Hubertus Heil hier noch aktiv werden. – Rüdiger Clemens

 

Vielen Dank Herr Robert Pausch! Mit Ihrem Artikel „Braucht jeder“haben Sie genau ins Schwarze getroffen und denen eine Stimme verliehen, die wieder einmal gar Nichts bekommen haben. Ein Versprechen, auch ein Mündliches, schien bisher ein verlässlicher Hoffnungsschimmer zu sein. Mit den Zitaten von Herrn Hubertus Heil, Herrn Jens Spahn und den Worten des Bundespräsidenten zeigen Sie aber, dass deren Aussagen in der ersten Euphorie eben wohl nur leicht daher gesagt waren. Die Einsicht folgte, dass die Krankenschwestern und Krankenpfleger doch sowieso schon mehr verdienten, als die Pflegekräfte im Altenheim und infolgedessen eine versprochene Einmalzahlung für sie nicht mehr erforderlich sei. Wer möchte bei soviel Lüge und Enttäuschung noch den Krankenpflegeberuf ergreifen?

Aber Sie haben Recht: Es sind im Wesentlichen ja nur Frauen betroffen. Krankenschwestern und Krankenpfleger sollten jetzt wirklich streiken. Sie sagen es ganz eindeutig: „Wo kein Wille ist, ist auch kein Weg.“ In den gleichen Zusammenhang gehört für mich, was Finanzminister Olaf Scholz am 19.06.2020 zum Konjunkturpaket sagte: „Alle kriegen eine Hilfe“ z.B. „auch gemeinnützige Unternehmen.“ Er vergaß wohl hinzuzufügen, dass das nur die Unternehmen betrifft, die eine besondere Rolle für die Wirtschaft des Landes spielen. – Verena Bergmann

 

Noch in der Krise also legt sich wieder die alte miefige Ignoranz über das Land und seine gerade erst öffentlich ausgerufenen Heldinnen und Helden. Denn die Angst und die Not der sozial Kurzsichtigen ist wieder kleiner und alltäglicher geworden, allein ihre soziale Kurzsichtigkeit wieder größer. Nur vom Egoismus konstruierte Erinnerungs- lücken und entgeisterte Argumentationsstrategien mögen in einer Gesellschaft noch ausgeprägter sein, die nach geradezu kaskadischen Tiraden von Sonntagsreden und Lippenbekenntnissen ihren wirklich wichtigen, systemrelevant tätigen Mitmenschen eine derart knapp bemessene, halbwertzeitige Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegenbringt. „Mehr geht nicht!“, soll das ernsthaft unsere Antwort sein gegenüber all denen, die nach wie vor zu überaus dürftigen Konditionen für uns da waren und da sind, wenn bei uns selbst nichts mehr geht?

Die Journalistin Jana Anzlinger hat vor kurzem in einem Beitrag bemerkt, dass das Virus realiter massive gesellschaftliche Vorerkrankungen offengelegt hat. Dieses Armutszeugnis stimmt auffallend und nachdenklich. Denn gesellschaftlich strukturierte Missverhältnisse und Trugbilder repetieren infizierende Auswirkungen. Die Darreichung eines probaten Gegenmittels indes ist offensichtlich mitnichten vorgesehen. Wohltuend wäre daher, wenn die ZEIT an diesem absehbar immer wichtiger werdenden Thema dran bliebe. „PS“ (zwecks Einordnung): Weder meine Frau noch meine Wenigkeit gehören zu der Gruppe der beschriebenen HeldInnen, die zwar diesen Status, den sie de facto bereits lange vor „Corona“ hatten, nicht verlieren, aber offensichtlich ebenso wenig eine angemessene Bezahlung bekommen werden. Dieser Befund ist absolut nicht ironisch gemeint; er ist absolut traurig. – Matthias Bartsch

 

Besten Dank für Ihren tollen Leitartikel. Zurecht setzen Sie die „Neiddebatte“ in Anführungszeichen, denn auf diesen Nebenkriegsschauplatz mit dem unangenehmen Begriff weichen regelmäßig die Profiteure des derzeitigen Systems aus, um eine Diskussion um ihre Privilegien abzuwürgen, die sie sich mit jahrzehntelanger tapferer Lobbyarbeit erstritten haben, wie z.B. das Dienstwagenprivileg. In Wahrheit ist es denn auch kein Neid, sondern ein grundsätzliches Gefühl von gesellschaftlicher Ungerechtigkeit. Und genau deswegen sollten wir die Diskussion nicht sofort abwürgen, sondern im Gegenteil endlich anfangen, ernsthaft darüber zu reden. Volker Pispers hat mal sinngemäß gesagt: Stellen Sie sich vor, morgen würden alle Investmentbanker, Unternehmensberater und Vermögensverwalter tot umfallen. Oder eben alle Pflegekräfte, Polizisten und Erzieherinnen. Und dann überlegen Sie, wen Sie mehr vermissen würden. – Sebastian Gieler

 

Für diesen so wichtigen Artikel! Er zeigt dankenswerterweise die Verlogenheit der Politik – und auch der Gesellschaft. Kaum ist das subjektiv empfundene Leid etwas in den Hintergrund getreten, haben die eigenen Ängste sich beruhigt, sind alle in der Not gemachten Versprechungen Makulatur: Keine Verbesserung der Gehälter und Arbeitsbedingungen, noch nicht einmal eine Prämie – Reihentests nur für Fußballer, aber nicht für Krankenhaus – und pflegepersonal. Gnade uns der Himmel, kämen die Gesundheits- und Krankenschwestern und -pfleger auf die Idee, es uns in einer eventuellen zweiten Welle gleichzutun und uns anstatt mit qualifizierter Pflege mit Gesundklatschen in der Notfallambulanz und auf der Intensivstation empfangen. Verübeln? Nein, das könnte man ihnen wirklich nicht. Doch keine Bange, da, anders als in meist besser bezahlten Branchen, hier Menschen arbeiten, denen das Wohl der Mitmenschen am Herzen liegt, wird das nicht passieren. Leider, möchte man fast sagen, denn auf dieser Großherzigkeit basiert das ganze kranke System seit Jahrzehnten. Also ist allen Beteiligten nur dringend zu raten, sich in einer Pflegekammer oder vergleichbarem zu organisieren und so gemeinsam den Druck auf Politik und Gesellschaft zu erhöhen. – Dr. med. Christian Kiefer

 


 

 

Leserbriefe zu „Stammesdenken“ von Bernd Stegemann

 

Danke fuer diese hervorragende Widerrede. In Ihrem Beitrag fand ich endlich eine Erklaerung fuer mein bis dato diffuses Unbehagen gegenueber einigen Aktionen in letzter Zeit – dass naemlich gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nicht zu rechtfertigen ist, egal von welcher Seite sie kommt. Ich wuerde mir mehr Beitraege wie den Ihren wuenschen, damit vielleicht wieder etwas mehr Graustufen in die oeffentliche Debatte einziehen. – Sabine Moehler

 

Die Artikel von Bernd Stegemann, Martina Weisband, Ulrike Draesner, Elisabeth v. Thadden, Harald Martenstein: eine geballte Ladung von Klärung und Aufklärung! Danke! – Prof. Roland Eckert

 

Vielen Dank Herr Stegemann, Sie haben meine vorübergehende Sprachlosigkeit mit treffenden Worten beendet. Ich war schlicht wehrlos wütend über den Autor Martin Eimermacher und seinen unsäglichen Artikel über die Polizei. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist eine zutreffende Charakterisierung. Das was mich bei solchen Machwerken so wütend und wehrlos macht, ist die arrogante Torheit, die sich als überlegener Intellekt camoufliert und gewissenlos diffamiert. – Peter Schröder

 

Vielen Dank (wieder einmal)Bernd Stegemann! Ich bin so froh, daß Du diesen Text / Erwiderung geschrieben hast,in Worte gefasst und durch eine graziöse und architektonische Sprache ausdrücken konntest ,wozu mir in meinem Unmut auf den erwähnten Text die Worte fehlten .Sehr wunderbar .Danke ! – EK SAHER

 

Bravo, Herr Stegemann. Sie treffen genau ins Schwarze. – Wolfgang Butzkamm

 

Vielen Dank für Ihre treffende Analyse. Da ich an einer gemeinsamen Lösung interessiert bin, will und werde ich nicht verstummen, sondern laut sagen: Wisst ihr, warum ihr alle aus demselben Staub erschaffen wurdet-damit sich niemand über den anderen erhebe…. Ja, wir leben in einer Übergangszeit: Einige meinen sich durch „othering“ selbst emporheben zu müssen, andere sind bereits auf dem Weg der Integrität. … Betrachtet man die Menschheit wie einen menschlichen Körper und jeden Menschen wie eine Körperzelle, dann wird das Konzept der Einheit in der Vielfalt deutlich – das ist die Zukunft, der wir entgegen streben. – Marion Claus

 

Herzlichen Dank für Ihren Artikel. Bravo,Bravo ! Es ist für mich wohltuend, ihn zu lesen. Auf den Beitrag des Herrn Eimermacher habe ich mit Empörung per Mail reagiert. Seine Antwort kam prompt in oberflächlicher, ja arroganter Art.Er sprach von pluralen Meinungen, die in der „Zeit“ veröffentlicht werden. Daher hat mich Ihr Artikel in feiner und treffender Wortwahl besonders erfreut. Die Informationen, die ich über M.Eimermacher habe, lassen noch üble Vermutungen zu, die er publizieren wird… Also nochmals Danke für Ihre Gegendarstellung. P.S. Hatten Sie in Ihrer Familie einen Angehörigen, der in den 60ziger Jahren am „Deutschen Theater“ Bühnenmeister war? – Jürgen Lungwitz

 

Nach meinem freitäglichen „Studium“ des Blogs der Leser bin ich bei den deklarierten Meinungen anderer ZEIT-Leser zu dem Beitrag von Martin Eimermacher in der Ausgabe Nr. 28 durchaus überrascht hängengeblieben; der mehrheitlichen Kritik nicht folgen könnend und davon ausgehend, einen anderen Bezugstext gelesen zu haben. Nach entsprechender Überprüfung dann jedoch die Feststellung, dass „nur“ die sogenannte Lesart eine andere war. Ohne die einzelnen Meinungen werten oder gar in richtig oder falsch kategorisieren zu wollen, ist es für mich bei aller bemühten Umsicht, dies- und jenseits des eigenen Tellerrands zu schauen, insbesondere andere Befindlichkeiten nachzuvollziehen, höchst erstaunlich, wie weit Bewusstsein und Wahrnehmung auseinandergehen können. Zumal es den geschätzten ZEIT-Mitlesern vorwiegend und grundsätzlich wohl kaum an intellektuellen Ansprüchen, Bildung und Wissen mangeln dürfte.

Die Volatilität der Auffassungen – und darauf möchte ich dahier hinaus – innerhalb einer weitaus größeren, diverseren „Gesellschaft“ (also etwa deutschlandweit alle MitbürgerInnen betreffend), nicht zuletzt die subjektiv und/oder objektiv empfundene Radikalität der Lesarten und der mehr oder weniger gebildet oder geborgten Meinungen ist offensichtlich noch ausgeprägter als zum Beispiel nach den teils fragwürdig gestalteten Demonstrationen gegen die Corona-Regeln ohnehin befürchtet und mithin eines Schlechteren belehrt. Weil das so ist und weil es sich auch zum Ausgangsthema sehr gut fügt, verweise ich gerne auf die meines Erachtens auffallend ausgewogene, kritikfähige und sachlich verbindliche Stimme des Herrn Sebastian Fiedler, seines Zeichens Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter. Der freilich keinesfalls verwechselt werden sollte mit Rainer Wendt, dem Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft. Fiedler ist ein überaus glaubwürdig-besonnener Vertreter und Mittler seiner Zunft, der auch komplizierte Sachverhalte und Argumente differenziert zu betrachten und verständig bewertet zu erklären weiß.

Diese meine Ansicht soll mitnichten zu einer Eloge geraten oder als solche verstanden werden (nicht zuletzt, weil Elogen ohnehin überwiegend Utopien denn Wahrheiten folgen); aber unsere demokratische Kultur braucht mehr von dieser Aktiva, die Herr Fiedler mit seiner fachlichen und sozialen Kompetenz öffentlich einbringt. Last but not least hat mich die Erwiderung von Bernd Stegemann zum oben genannten Beitrag seines Kollegen Eimermacher zu dieser Darlegung verleitet. Denn eindeutig ist in der Tat, dass populistische Simplifizierungen allenfalls dazu geeignet sind, gesellschaftliche Gräben zu vertiefen, (weitere) Feindbilder und Sprachmauern zu errichten. Wie gesagt, wir brauchen Vermittler, weniger Shouter. In allen Lagen, auf allen Seiten. – Matthias Bartsch

 

Danke für die Erwiderung auf den aggressiven Beitrag von Martin Eimermacher. – Christine Ritscher

 

Bis dato konnte mir noch niemand den Begriff „Rassismus“ definieren, wo fängt er an?? Wollen wir Polizeikontrollen abschaffen, nur damit sich keiner „diskriminiert“ fühlt? Soviel zur Behauptung Schwarze würden öfter kontrolliert als Weiße. Frage: wieviel „Schläfer“ gibt es in Deutschland, die uns 2015 ganz ohne Kontrolle ins Haus schneiten? Aber hier geht es um Bedrohung – von den Betreffenden wurden Daten abgefragt – na und? – Margot Scholz

 

Danke für die klugen Worte! Wie schön wäre es, in Nachrichten und Talk-Shows Argumente in ähnlicher Klugheit und Sorgfalt zu hören und zu sehen. – Ingo Klamann

 

Ist diese Frage nicht eine Uraltfrage, die sich Menschen mit „Sinn und Verstand“ seit ihrer Bewusstwerdung stellen – in Krisenzeiten vielleicht nur häufiger und intensiver, zumal wenn diese „uns“ unmittelbar mit der Frage nach „unserem“ Tod konfrontieren? Wenn der „uns“ Angst macht, ist es in der Regel der eigene, den „wir“ aber gern, weil wunderbar entlastend, im „Wir“ verstecken. Sollten wir dann nicht, sobald wir unsere gemeinsame Grundbefindlichkeit erkannt und anerkannt haben, von der Frage ausgehen: Was ist meine Schuld? Natürlich ist auch diese Frage nur im Rahmen jener anderen verhandelbar. Aber sie würde von Anfang an das eigene Ich in den Vordergrund stellen und damit unter vielem anderen von vornherein den „sprachlichen Missbrauch“ eines „gemeinschaftlichen >Wir<, das paradoxerweise von Individuen verkörpert wird, die sich das Recht anmaßen, im Namen der Gruppe zu sprechen“ vermeiden, den Delphine Horvilleur in ihrem vor der Coronakrise geschriebenen, jetzt auch auf Deutsch erschienenen Buch „Überlegungen zur Frage des Antisemitismus“ beklagt.

Diese sehr persönlichen „Überlegungen“ einer Rabbinerin der Jüdischen liberalen Gemeinde Frankreichs gehen der Frage nach jüdischer Schuld im Bewusstsein dessen nach, was Karl Jaspers in seinem Buch „Die Schuldfrage“ 1946 meinte: „Es ist das Verhängnis jedes Menschen, verstrickt zu sein in Machtverhältnisse, durch die er lebt.“ Das muss nicht „Verhängnis“, „Schicksal“ oder „Gottes Wille“ genannt werden: Es reicht neutral, also nicht wertend oder erklärend, von einer unabänderlichen Tatsache zu sprechen, in der sich ein Ich verhalten muss im Rahmen der Möglichkeiten, die ihm sein Ich- oder Menschsein vorgibt. Das heißt im vorliegenden Fall, der Frage nach jüdischer „Schuld“ aus antisemitischer Sicht in ihren kollektiven und individuellen Formen nachzugehen, aber eben auch aus der (viel weniger bekannten) eigenen, spezifisch jüdischen Sicht. Gewiss kann eine solche Aufarbeitung in den vier Formen individueller Schuld erfolgen, die Jaspers damals unterschied.

Und viele mögen das als „wegweisend“ empfinden. Doch vielleicht ist es praxisnäher, dem Hinweis von Hannah Ahrendt zu folgen, die 1968 sagte: „Wo man meine, dass alle irgendwie schuld seien, >ist es keiner<.“ Diese Entlastung haben sich nämliche viele lange vor 1945 zunutze gemacht, besonders erfolgreich aber danach und von prominenter Seite, am liebsten zu öffentlichen Gedenktagen, z. B. in sogenannten „Befreiungsreden“, an die unser derzeitiger Bundespräsident zum diesjährigen Gedenktag erst kürzlich wieder erinnerte, ohne allerdings jenes gesellschaftlich habitualisierte Schweigen über individuelle, ganz persönliche Schuld wirklich zu brechen. Damit wird eben dies Schweigen ein weiteres Mal nun schon in der dritten Generation nach 1945 verfestigt. Doch wie kann Hannah Ahrendts Idee „von der gemeinsamen Verantwortung als politische Wesen“ verwirklicht werden ohne die Einsicht und das Bekenntnis ganz persönlicher Schuld in welcher Ausformung immer? Schafft nicht erst dieses Bekenntnis eine neue Gemeinsamkeit, die anderes Verhalten ermöglicht – ein klares Bewusstsein von der eigenen Fehleranfälligkeit, der grundsätzlichen Abhängigkeit des Menschen von persönlichen Bedürfnissen und Interessen, die es in Ausgleich zu bringen gilt mit denen von anderen – auf lokaler, regionaler und globaler Ebene, wenn alle überleben wollen?

Wäre es daher nicht wünschenswert, dass über all die klugen und hilfreichen kultur- oder geisteswissenschaftlichen Überlegungen zur obigen Titelfrage hinaus stärker als bisher bereits vorliegende naturwissenschaftliche Erkenntnisse einbezogen würden, um die Fragen nach „unserer“ Entstehung und Entwicklung auf „unserem“ Planeten und damit zugleich „unserer Schuld“ weiter zu klären, soweit das „uns“, also den heute hier (bislang über)lebenden Menschen, möglich ist? – Eckhard Heumann

 


 

 

Leserbriefe zu „Härte oder Hilfe?“ Streit von Elisa Hoven und Jan Bockemühl

 

Haerte oder Hilfe? Ja, bitte beides! Harte für den Strafverteidiger und Hilfe für die Juristin die sich für missbrauchte Kinder engagiert. Gute Frage der ZEIT: Haben vielleicht die Medien auch ein bisschen Einfluss? Aha! Seit wie vielen Jahren bitte ich DIE ZEIT in Leserbriefen um mehr Engagement in Sachen Kindesmissbrauch/ pornographie. Leider bezogen sich einschlägige Artikel in den letzten Jahrzehnten fast immer auf Skandale in der katholischen Kirche. Was wohl bei vielen die Meinung gebildet hat, dass Missbrauch eine Folge von Ehelosigkeit ist und dass wir u s nicht um den Dreck in unserem Land kümmern müssen. Obwohl wir seit Jahrzehnten Statistiken haben , besonders aus den USA u d auch Indien, die das Gegenteil beweisen, hat es DIE ZEIT vorgezogen Artikel zu bringen die die Wahrheit, sicherlich unangenehm, vertuschen. Es gibt eine’ Rechtsprechung ‘ und die ist direkt und ohne viele Diskussionen:

Bei Gefängnis Insassen sind die die Kinder missbrauchen am unteren Ende der Hierarchie . Vielleicht wirkt der Terror selbst vergewaltigt zu werden im Gefängnis , ein bisschen abschreckend falls es mehr publiziert würde. Und, Gefangene sind nicht dumm. Es wird ein Unterschied gemacht zwischen einem Zungenkuss mit einem Teenager und einer ( oft jahrelangen) Vergewaltigung eines kleinen Kindes. Es wundert mich nicht, dass unser Strafverteidiger mit seinen aalglatten Formulierungen schon viel Geld verdient hat im Leben und dass horrendes Leiden von Kindern ihn nicht rührt . Berufskrankheit. Was meine amerikanischen Freunde erschüttert ist die Tatsache, dass Deutsche Schulkinder sich Kinderpornographie anschauen . Und dass in Deutschland die erzwungene Prostitution mit Jugendlichen gesetzlich geschützt ist. Bitte nochmal die Frage der ZEIT: Haben Medien vielleicht ein kleines bisschen Einfluss? – Marianne Werner

 

1. Prävention und härtere Strafen schließen sich nicht aus. Prävention muss auf jeden Fall drastisch ausgebaut werden. Präventionsprojekte einzustampfen ist Menschen verachtend. 2. kann ich nicht nachvollziehen, wie man max. 15 Jahre Freiheitsentzug als „massiven Strafrahmen“ bezeichnen kann. Die Kinder leiden 70 Jahre unter dem Übergriff. (Aber mir fehlt eh das Verständnis dafür, wie man Täter verteidigen kann – auch bei anderen Straftaten) 3. „Täter werden in Deutschland nicht in Watte gepackt.“ – Das sehe ich anders. Mir ist schon früher aufgefallen, dass das deutsche Recht ganz allgemein sehr täterfreundlich ist. Das belegt u. a. auch das hier zitierte Raser-Urteil aus Köln. – Iman Schwäbe

 

Mit großem Interesse und ebenso großer Zustimmung für die Äußerungen beider „Kontrahenten“ des o.g. Streitgesprächs las ich diesen Artikel, bis ich zu der Äußerung von Herrn Dr. Bockemühl kam, Therapien in der Sicherungsverwahrung kämen erst nach Jahren des Verwahrvollzuges. Die nächsten Zeilen des Austausches gingen in diesem Stil weiter und gipfelten in dem Bericht von Frau Prof. Hoven, sie habe gerade eine JVA besichtigt und sei beeindruckt vom Engagement der Sozialarbeiter, allerdings sei es um Suchtbehandlung gegangen.

Meiner Kritik vorweg geschickt: Ich bin als Juristin seit vielen Jahren an verschiedenen Stellen des Strafvollzuges tätig, u.a. einige Zeit als Leiterin einer sozialtherapeutischen Abteilung einer Strafanstalt für erwachsene Männer. Ich bin schlicht entsetzt über die öffentlich zur Schau gestellte Ahnungslosigkeit der beiden Professoren – nicht nur über die tatsächlichen Verhältnisse im deutschen Strafvollzug sondern auch deren gesetzlichen Grundlagen. Ein Blick ins Gesetz würde genügen, um zu wissen, dass Menschen, die erhebliche Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung begangen haben und in irgendeiner Art als therapierbar gelten, während der Strafhaft in einer sozialtherapeutische Abteilung unterzubringen sind (wer nachlesen möchte: in Bayern (Dr. Bockemühl) § 11 BayStVollzG), in Sachsen (Frau Prof. Hoven) § 17 SächsStVollzG)

Wer mit dem schon seit vielen Jahrzehnten existierenden Begriff der Sozialtherapie nichts anzufangen vermag, dem sei ein Blick in die vom Arbeitskreis Sozialtherapie formulierten Mindeststandards für entsprechende Abteilungen empfohlen, in denen Art, Ausbildung und Zahl des Personals festgelegt werden. Insbesondere die intensive Behandlung durch eine hohe Zahl spezifisch ausgebildeter und fortgebildeter Psychologen, Psychotherapeuten, Sozialarbeiter und anderes, eigens dafür ausgewähltes und gebildetes Personal ist dort geregelt. Diese Standards werden in allen Bundesländern – zumindest annähernd – eingehalten. Hier – und im übrigen (wenn auch weniger oft)- auch außerhalb von sozialtherapeutischen Abteilungen – wird im Strafvollzug intensive therapeutische Arbeit mit Sexual- und Gewaltstraftätern geleistet. Sofern im Anschluss eine Sicherungsverwahrung notiert ist, wird dies auch gerichtlich regelmäßig überprüft, auch das müsste den Autoren bekannt sein.

Die Äußerung der Professorin, es gäbe in einer Anstalt zumindest im Suchtbereich engagierte Sozialarbeiter, erscheint vor diesem Hintergrund (hoffentlich unfreiwillig) nicht nur zynisch, sondern sie ist es auch. Im Strafvollzug wird von vielen äußerst engagierten Fachleuten eine qualitativ hochwertige Arbeit mit äußerst schwierigen Menschen geleistet, die nicht selten über die Belastungsgrenze der dort Tätigen hinaus geht. Das als Verwahrvollzug zu bezeichnen ist fachlich falsch und zutiefst ungerecht. Sie ist ein weiteres Mal dazu angetan, die im Strafvollzug tätigen Mitarbeiter zu degradieren und ihre Arbeit in einer Art und Weise zu ignorieren, die kaum ein anderer Berufstand zu dulden hat. Traurig macht, dass dies in Wortbeiträgen zweier Strafrechtsprofessoren geschieht, deren Titel in diesem Punkt eine Glaubwürdigkeit und Kompetenz suggeriert, die – jedenfalls auf dem Gebiet des Strafvollzuges – offensichtlich nicht vorhanden ist. – Jennifer Rybarczyk

 

Als Nichtjurist und „Ruhestands“-Gasthörer in Strafrechts- und Kriminologievorlesungen an der Universität Tübingen (u.a. beim renommierten Kriminologen Prof. Kinzig) kann ich für ein Fazit des Interviews nur auf das allseits bekannte Zitat zurückgreifen: „Nichts Genaues weiss man nicht“. Es werden bekannte, sogenannte Erkenntnisse ausgetauscht, z.B. dass Strafverschärfung keine Präventivwirkung hat, dass – obwohl als Argument verwendet – Statistiken nichts zur Fallbeurteilung beitragen und damit auch nicht für eventuelle Reformbeschlüsse, dass Richter mögliche Strafmaße nicht ausschöpfen (wer hat dafür ein „objektives“ Maß?).

Die Diskussion ist ein ständiges einerseits, andererseits, was vielleicht in der Natur der Sache liegt. Man muss sich daher nicht wundern, wenn sich ein entsprechendes Sicherheitsgefühl in der Gesellschaft verbreitet. Letztlich haben wir doch Richter, die ein angemessenes, individuelles Strafmaß finden können. Möglicherweise ist es nur notwendig, in der Ausbildung der Richter entsprechend der Kriminalitätsentwicklung Akzente zu setzen. Aber das ist vermutlich nicht besonders medienattraktiv. – Hubert Klötzer

 

In der Diskussion zwischen Hoven und Bockemühl zu einer Strafverschärfung bei Kindesmissbrauch wird übersehen, dass eine Strafverschärfung schon wegen der Auswirkungen auf den Datenschutz sinnvoll ist. Denn nur wenn die Straftat als Verbrechen qualifiziert wird, besteht für das Jugendamt zweifelsfrei eine Übermittlungsbefugnis von Sozialdaten an das Gericht, wenn der Richter die Übermittlung anordnet. Ist sie bloß Vergehen, muss die Tat von besonderer Bedeutung sein, was im Einzelfall zu Auslegungsschwierigkeiten führt, und damit die Übermittlung der Sozialdaten an das Gericht ver- oder zumindest behindert. – Prof. em. Peter-Christian Kunkel

 

Es mag sein, dass das Strafmaß höher sein könnte und dass die Richterinnen und Richter noch viel zu oft Milde walten lassen bei diesen abscheulichen Verbrechen mit für Außenstehende nicht vorstellbaren Folgen für die Betroffenen. Das größte Übel bei diesen Prozessen sind aber die Strafverteidigerinnen bzw. Strafverteidiger selbst, die regelmäßig versuchen aus dem Täter/ der Täterin das Opfer zu machen und aus dem Opfer die Täterin bzw. den Täter. Bezeichnend für die Einstellung der Strafverteidigung ist die Antwort von Herrn Bockemühl auf die Frage, was es bedeuten würde, wenn alle Fälle von Kindesmissbrauch als Verbrechen angeklagt werden: „Das wird das Klima in den Gerichtssälen verändern“. Wer verändert denn das Klima im Gerichtssaal? Das sind immer die Strafverteidiger bzw. Strafverteidigerinnen. Die Verteidigung muss ihr menschenverachtendes Verhalten ändern und zur Kenntnis nehmen, dass da ein junger Mensch körperlich geschädigt und lebenslang seelisch zerstört wurde! – Volker Loch

 

Bei der Bekämpfung eines der widerlichsten Verbrechen, dem Kindesmissbrauch, muss die Gesellschaft allgemein noch aufmerksamer und müssen die Verfolgungsbehörden unbedingt personell und technisch deutlich besser ausgestattet werden. Damit Gewalt gegen Kinder schneller und umfassender aufgedeckt und mit (hoffentlich) aller Härte (bestehender) Gesetze bestraft werden kann. Die möglichst weitgehende Prüfung einer ggf. anzuordnenden Sicherheitsverwahrung von Tätern, die Hand anlegen an das Fundament einer Gesellschaft, muss, selbstverständlich unter Berücksichtigung der Menschenrechte, gewährleistet sein. Die Anhebung der rechtlichen Strafzumessung durch längeren Freiheitsentzug hingegen verspricht wie auch psychosoziale Therapien bei den Delinquenten aufgrund des sehr differenten pädophilen und pädosexuellen Verhaltens grundsätzlich keine zielgerichteten Straf- und Präventionserfolge. – Matthias Bartsch

 

In dem ergänzenden „Kasten“ zu den Strafmaßen fehlte die Erwähnung eines Mittäters im Fall Lügde (in dem darüber hinaus Beweismittel „verloren“ gingen, bzw andere gar nicht erst ernsthaft gesucht wurden), der per Video-Schaltung dabei gewesen sei und Anordnungen zur Art und Weise der sexualisierten Gewalt gegeben habe. Er erhielt eine Bewährungsstrafe, laut Presse, weil er zu den Taten nicht persönlich anwesend und ausführend gewesen sei und weil seine Tatbeteiligung zeitlich nicht aktuell war. Auf seinem Rechner sollen sich aktuell zig-tausend pädophiler Photos befunden haben. Er kam frei und zog um. (soweit Informationen aus lokaler und TV-Berichterstattung stimmen) Im Bezug auf die Frage nach dem angemessenen Strafmaß und einem Schutz der Kinder finde ich das erwähnenswert. – Klaus Ahlers

 


 

 

Leserbriefe zu „Braucht keiner“ von Peter Dausend

 

„Wer außer Frankreich…will sich…an einer gemeinsamen europäischen atomaren Abschreckung beteiligen? Da in Deutschland …niemand darüber sprechen will, reden wir halt über die Wehrpflicht.“ Atomare Abschreckung….MAD (mutual assured destruction)….>7fache overkill capacity….Vokabeln aus dem kalten Krieg….wir haben n i c h t s dazugelernt? Trotz des Wissens über die zahlreichen Ereignisse, bei denen nur durch Glück der Nuklearkrieg vermieden wurde, trotz Kenntnis der US-Planungen für einen solchen Krieg (dank Daniel Ellsberg ‚The Doomsday Machine‘)? Obgleich das Risiko fortbesteht, in letzter Zeit wieder wächst, will in Deutschland niemand darüber reden? Auch Sie nicht? Chomsky beklagt the lack of concern, Einstein 1946:The unleashed power of the atom has changed everything save our mode of thinking, and thus we drift toward unparalleled catastrophe, Hans Jonas (‚Prinzip Verantwortung‘ 1979):

Der Geist der Verantwortung verwirft den voreiligen Spruch der Unvermeidbarkeit…..und: der Angst aus dem Wege zu gehen, wo sie sich ziemt, wäre Ängstlichkeit.. die Furcht als Pflicht. Wir leben seit rund 70 Jahren mit der Möglichkeit, in einem Nuklearkrieg alles Leben auf unserem Planeten zu vernichten und reden nicht darüber? Ist das kollektives Irresein? DIE ZEIT, Sie könnten daran etwas ändern, statt über Wehrpflicht zu reden. P.S. dass Russland die Krim besetzte, deute ich -anders als Sie- als zwangsläufige Folge der NATO-Osterweiterung und der aus russischer Sicht drohenden Einbeziehung der Ukraine. PPS. Dieser Brief lande bitte lieber im Papierkorb, als dass er mit Kürzungen veröffentlicht wird. – Jochen Wörmer

 

Statt eine Geisterdebatte über die Reaktivierug der Wehrpflicht zu führen, sollten wir uns endlich Gedanken machen über unsere europäische Zukunft. Dazu gehört auch das militärische Erscheinungsbild. Wir kommen nicht drumherum, uns auf die eigene militärische Stärke zu besinnen. Jetzt, wo die pax Americana zu Grabe getragen wurde, sollten wir auf die europäische Abschreckung setzen. Und dazu gehört auch eine Stärkung der französischen Atomstreitmacht mit dem Ziel, einen nuklearen Schutzschirm über das gesamte EU-Territorium zu spannen. Natürlich müssen wir dafür tief in die Tasche greifen. Aber es ist ein lohnendes Unterfangen. Denn am Ende gewinnt Europa, die vierte globale Macht. – Wolfgang Wendling

 

Zur Bundeswehr fällt mir wenig ein. Mein Sohn hat gedient. Es waren völlig überflüssige Jahre. Die Bundesregierung zeigt wenig bis kein Interesse, was in der Bevölkerung durch Anfeindungen uniformtragender Wehrpflichtiger in der Öffentlichkeit honoriert wird. Wozu: wird sie dennoch gebraucht, ist die Frage ihres Autors. Um gegen die eigenen Bürger zu kämpfen. Nahe dran war man schon. Jetzt aber scheint während der Coronazeit der Ernstfall einzutreten, wenn man sich Berlin anguckt. Deswegen, mein lieber Freund, braucht man sie noch. – Gunter Knauer

 

Ja, wir brauchen den Schutz der Bundeswehr In dem Artikel ist alles angesprochen worden, allerdings fehlt mir die schlüssige und kraftvolle Folgerung aus den angeführten Argumenten.Ja die Bundeswehr muss im Rahmen des Bündnisses mindestens die eigene Landesverteidigung glaubhaft erfüllen können. Auch sollte die Bundesrepublik alles daran setzen, die Europäische Verteidigungsfähig-keit zu gewährleisten. Immerhin werden 80% der Verteidigungsausgaben der NATO von Ländern außerhalb Europas bestritten. Wir können nicht mehr sicher sein, ob die USA, als mit Abstand größte Militärmacht, noch für Deutschland Soldaten in den Krieg ziehen lassen würde.Unbestritten rüsten China und Russland global auf und zeigen uns die hässliche Seite der Machtpolitik, die Chinesen derzeit in Hongkong und die Russen mit der beispiellosen Einverleibung der Krim. Ein Staat darf nicht die Sicherheit seiner Bürger den Machtgelüsten Anderer als Spielball überlassen.

Die Sicherheitslage der westlichen Demokratien sind gefährdet, die Welt ist im Umbruch. Es ist nicht abzusehen, welche Kräfteverhält-nisse demnächst bestehen werden. Die Auslandseinsätze der Bundeswehr waren und sind grenzwertig. Wir sollten nicht über berechtigte Einzelthemen streiten, sondern uns auf das Wesentliche konzentrieren. Am Ende wird dann auch über die allgemeine Dienstpflicht in Deutschland zu sprechen sein. Denn die Kernaufgabe eines Staates, die eigene Bevölkerung gegen jedwede Gefahr von außen zu verteidigen muss im Vordergrund stehen, derzeit sind wir dazu unfähig. Das dann auch noch die sogenannten Blaulichtorganisationen davon profitieren ist dem Gerechtigkeitsprinzip geschuldet. Jungen Menschen dürfen wir diese einschneidende Verpflichtung nur abverlangen, wenn klar ist, dass sie es für die Aufrechterhaltung von Demokratie und Sicherheit tun. Je eher wir argumentativ damit anfangen, desto besser. – Uwe Lampe

 

Ich gebe dem Autor recht, wenn er schreibt, dass zunächst die Frage beantwortet werden muss, welchen sicherheitspolitischen Zielen die Bundeswehr dient, bevor man für die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht plädiert. Im Gegensatz zum Autor bin ich der Meinung, dass das dann durchaus auch zu einer Erhöhung der Sollstärke der Bundeswehr führen kann. In einer hochspezialisierten Bundeswehr stellt sich allerdings die Sinnfrage nach einer Wehrpflicht, die vielleicht ein Jahr dauert. Ein Soldat ist in einem solchen Zeitraum höchstens „angebrütet“. Einen Sinn kann ich allerdings trotzdem darin erkennen: Der Wehrpflichtige kommt im Rahmen seines Wehrdienstes in Berührung mit den unterschiedlichsten gesellschaftlichen und Bildungsschichten und lernt, unter manchmal widrigen Bedingungen und in psychischen und physischen Belastungssituationen zu kooperieren. Man kann das auch Kameradschaft nennen.

Denn es gibt noch Unterschiede zwischen Kumpel und Kamerad. Insofern ist Wehrdienst auch Sozialisation. Hinzu kommt: Vor Aussetzen der Wehrpflicht hat die Bundeswehr einen großen Teil ihrer Zeitsoldaten aus dem Reservoir der Wehrpflichtigen rekrutiert. Eine Wehrpflicht könnte also die Nachwuchsgewinnung zusätzlich erleichtern. Um nicht missverstanden zu werden: Ich rede hier nicht das Wort für eine Allgemeine Wehrpflicht, wohl aber für eine Allgemeine Dienstpflicht, die alternativ Wehrdienst und einen zivilen Dienst umfasst. Eine solche Allgemeine Dienstpflicht könnte geeignet sein, der fortschreitenden Individualisierung in der Gesellschaft entgegenzuwirken. Junge Menschen würden die Erfahrung machen, dass es nicht nur Rechte gegenüber Staat und Gesellschaft gibt, sondern auch Pflichten. – Bernd Riegsinger

 

Völlig richtig: Wehrpflicht oder nicht, das kann bei den Elitesoldaten nichts unmittelbar ändern. Ganz allgemein aber gilt auf dem Beschäftigungsmarkt, an dem mit Wohl und Wehe auch die Bundeswehr teilnimmt: Die Arbeitsplatzbeschreibung definiert das Bewerberfeld. Wagemutige Aufgaben brauchen, suchen und finden einen robusten Bewerbertypus. 1993, als sich Einsätze „out of area“ abzeichneten, untersuchte das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr den weltanschaulichen Querschnitt des künftigen Nachwuchses.

Die Studie dazu warnte dann vor zunehmender Attraktivität „für junge Männer, die den demokratischen Zielen kaum oder gar nicht verbunden sind“, vor Bewerbern, die in die Bundeswehr drängen, um eine aus ihrer Sicht zu wenig autoritäre, zu „lasche“ Führung „zu ändern“. Alles dies „auch und gerade“ unter den potenziellen Freiwilligen und dies wäre bei einem „eventuellen Übergang zum Freiwilligensystem“ besonders im Auge zu behalten. Das Papier forderte vorsorglich auch die Dienstaufsicht auf, „Gruppen mit homogener Rechtsorientierung“ vorzubeugen. Der heutige Befund ist geeignet, die Prognose in weiten Teilen zu bestätigen.

Wir sollten zur bisherigen Außen- und Sicherheitspolitik – auch insoweit Zustimmung zum Leitartikel – endlich die Sinnfrage stellen. Das führt übrigens auch zu versteckten trade-offs einer Dienstpflicht: Der wehrpflichtige grüne Offizier Winfried Nachtwei fordert seit langem eine systematische Evaluation der Auslandseinsätze. Diesen kritisch prüfenden Blick, den braucht jede Partei. Gerade wenn wir der Bundeswehr und ihrer inneren Führung nun ein betont rechtsstaatliches Rückgrat geben wollen. Am besten gleich eines nach Art. 19 GG, so wie es das BVerfG kürzlich zum BND klar gemacht hat. – Dr. jur. Karl Ulrich Voss

 

In ihrem Artikel vom 9. Juli 2020 gehen sie auf den Vorschlag ein, den vor ein paar Tagen die Wehrbeauftragte, Frau Högl, veröffentlichte. Die damit ausgelöste Debatte begrüße ich, Allerdings unter einem anderen Gesichtspunkt, nämlich der Schaffung eines „Sozialen Jahres“. Sicher war die Abschaffung der Wehrpflicht ein Riesenfehler. Sie wieder einzuführen, wird in den nächsten Jahren kaum zu realisieren sein. Langfristig wird sie aber wiederkommen. Der Kompromiss-Vorschlag der CDU-Vorsitzenden, Frau Annegret Kramp-Karrenbauer, ein freiwilligen Dienst einzuführen, ist halbherzig und wahrscheinlich in der Praxis kostspielig und auch nicht effizient. (Ein halbes Jahr für die militärische Grundausbildung und einen Dienst in der Truppe ist zu kurz. Die Anforderungen sind heute wesentlich komplexer als früher.)

Mit der Wehrpflicht ist ja auch der Zivildienst ausgelaufen. Auch dies ist ein grober Fehler gewesen. Seit längerem bin ich der Meinung, dass es nicht nur sinnvoll, sondern erforderlich ist, ein Sozialjahr zu etablieren, dies für junge Frauen und junge Männer. Es ist wichtig, dass das Bewusstsein der sozialen Verantwortung des Einzelnen für die Gemeinschaft / Gesellschaft und für den einzelnen Menschen gestärkt (- wenn nicht überhaupt erst hervorgerufen -) werden muss. Der Verrohrung der Gesellschaft (in Sprache, Schrift und Tat) ist entgegenzuwirken. Das Sozialjahr auf freiwilliger Basis gibt es ja schon. Das ist aber zu wenig. Es wird von jungen Menschen, die schon sozial engagiert sind, genutzt. Aber von vielen gilt es auch als Fülljahr, um einen Berufsweg für die Zukunft zu finden. Gerade die aktuellen Umstände, die Corona-Entwicklung und deren Auswirkungen, zeigen wie wichtig eine institutionalisierte Hilfsbereitschaft wäre, also ein Pflichtjahr.

Es sollte aber nicht unter dem Namen Pflichtjahr geführt werden. Der Begriff hat nicht nur bei der älteren Generation einen negativen Beigeschmack. Solch ein Sozialjahr einzuführen, ist momentan angesagt. Das Thema würde eine breite Zustimmung in der Bevölkerung finden, auch in den Parteien. Das Sozialjahr wird dabei hilfreich sein, mittelfristig den Extremismus zu reduzieren und die Integration zu verbessern. Mich würde es sehr freuen, wenn sie dieses Thema auch aufgreifen würden und hoffe, dass es auch ihrer Meinung entspricht. Einen guten Artikel dazu hatte Herr Jonas Weyrosta auch schon in der C & W -Beilage der „Die Zeit“ vom 3. Januar 2020 geschrieben. – Hubert Ludorf

 

Sehr richtig, die Wehrpflicht braucht keiner. Aber braucht man offenbar die militärischen Planspiele, die Herr Dausend am Ende seines Artikels ventiliert? Sind sie nicht Teil einer globalen Rüstung, die jährlich laut SIpri rund 2000 Milliarden $ verschlingt? Brauchen wir diese oder sollte dieses Geld nicht lieber zur Abwendung des Klimawandels verwendet werden, abgesehen davon, dass das Erzeugen von Rüstungsgütern, der Handel mit diesen laut Papst Franziskus ein aus Geldgier begangenes Verbrechen ist, das zum Schutze der Menschenrechte, christlicher Werte und der Menschenwürde verboten sein müsste? Wird für solche Gedanken auch nur ein Milligramm von Gehirnschmalz in der ZEIT verwendet? – Gerd Wimmer

 


 

 

Leserbriefe zu „Regierung hält an Masken fest Aber was soll das bringen?“ von Mark Schieritz

 

Herr Schieritz ist nicht korrekt informiert! Die FDP will 1.50 m Abstand und Maskenpflicht in Innenräumen, bei Unterschreiten des Abstandes auch außerhalb geschlossener Räume beibehalten, medizinisch nicht evidente Aktionen wie das gesundheitsschädliche Tragen von Masken im Freien mit ausreichend sicheren Abständen aber nicht vorschreiben. Angemessene Maßnahmen gegen Zunahme der Infektionsrate dienen dem wirtschaftlichen Aufschwung der mittelständischen und Kleinbetriebe, also dem Erhalt der Arbeitsplätze. Als 1. Partei hat die FDP auf die Notwendigkeit der Verhältnismäßigkeit der Zeitbegrenzung von derart massiven, initial notwendigen Grundrechteinschränkungen hingewiesen. Es ist billig, einer demokratische freiheitliche Partei Dinge zu unterstellen, die sie explizit nicht vertritt. – Dr. med. Helmut Wolschner

 

Mark Schieritz kritisiert in seinem Artikel „Regierung hält an Masken fest“, die Maskengegner zögen in eine Schlacht gegen die Folgen der Epidemie (die Maske), statt sich mit der Ursache derselben auseinanderzusetzen (dem Virus). Wie er zu dieser Einschätzung kommt, erschließt sich mir als Leserin nicht. Wenn er den Begriff der „Folge“ verwendet, stellt sich die Frage, ob er diesen im Wortsinne „Auswirkung“ versteht. Die Maske als Auswirkung eines Pandemiegeschehens aufzufassen, erscheint mir argumentationstechnisch fragwürdig. Sie ist ein von der Regierung gewähltes Mittel, um befürchtete Auswirkungen des Virus zu verhindern. Nun ist die Wahl der Mittel jedoch vor dem Hintergrund der massiven Einschränkungen der Grundrechte auf Seiten des Staates begründungspflichtig. Wo diese Begründungen nicht überzeugen und zur Skepsis führen – sei es, weil sie als bloße Behauptungen daher kommen, sei es, weil sie Widersprüche aufweisen – werfen sie Fragen auf, führen sie zu Befürchtungen, lösen sie Ängste aus. Solche Fragen müssen sachadäquat geklärt werden, anstatt sie als solche zu verwerfen oder ins Lächerliche zu ziehen. Dass der Autor zu einer Kriegsmetaphorik greift, um die Position der „Maskengegner“ darzustellen, lässt eine sachadäquate Auseinandersetzung eher nicht erkennen. Vielmehr greift er die in der Krisenkommunikation der Regierung verwendeten Kriegsmetaphorik auf, setzt sie fort und trägt – nicht zuletzt durch die in der Metaphorik enthaltenen Implikate – zur gesellschaftlichen Spaltung bei. – Susan Alfter

 

Mir sind diese unsäglichen vom Un- bis zu dem wohlfundierten Dreiviertelwissen überschatteten Diskussionen leid. Maske ja/nein, Impfen ja/nein, die Erde eine Scheibe ja/nein… Wussten Sie, dass wir Chirurgen seit über hundert Jahren die Masken nur deshalb tragen, damit man unsere dummen Gesichter beim Operieren nicht sieht. Oh! Himmel lass endlich Hirn regnen. – Dr. Edwin Kroha

 

Je länger wir Masken tragen und Abstand halten müssen, desto mehr passt sich unser Immunsystem dem an. Vor Corona, als wir noch ungeschützten Kontakt miteinander hatten, wurde unser Immunsystem täglich mit einer Vielzahl von Viren und Bakterien bombardiert, die es zu verarbeiten galt. Nun fehlt unserem Körper diese Abhärtung, da das Immunsystem weniger gefordert und somit weniger belastbar ist. Es besteht für uns die Gefahr des leichteren Erkrankens, und dies schon bei Kontakt mit weniger Viren bzw. Bakterien als gewöhnlich. Dies gilt natürlich auch für das Coronavirus. Eine Fixierung auf die Bekämpfung von Corona, wie es seitens der Politik derzeit der Fall ist, lässt ganzheitliches Denken vermissen. Ein Leben mit dem Coronavirus, und weniger mit den Maßnahmen gegen ihn, wird unausweichlich werden. – Andreas Pitka

 

Ich bitte Sie, mir die Studie über den Vorteil des Maskentragens oder den entsprechenden Link zukommen zu lassen. Es ist natürlich entscheidend, was miteinander verglichen wird und unter welchen Rahmenbedingungen. Werden z. B. die gleichen Epidemiephasen miteinander verglichen? Handelt es sich um vergleichbare Gruppen und Situationen? Sind die Zahlen aussagefähig? Oder wurden nur absolute Infiziertenrzahlen verwendet, ohne z.B. die Anzahl der Getesteten und den Grad der Erkrankung zu berücksichtigen? Eventuelle Spätschäden sollten natürlich bei allen Infektionserkrankungen erforscht werden. Leider haben wir da keine umfassenden Daten. Dass ein Lockdown der Wirtschaft viele Milliarden kostet, ist ziemlich offensichtlich. Es lässt sich in der Menschheitsgeschichte leider immer wieder feststellen, dass auch anfänglich ganz gute Absichten oft nicht unbedingt zu guten Folgen führten.

Der Kommunismus wollte ursprünglich den Armen und Geknechteten helfen. Aber leider lief einiges schief. In kommunistischen Diktaturen mussten Hundertmillionen ihr Leben lassen, weil die zugrundeliegende Weltanschauung nicht realistisch war. Die Veränderung der Eigentumsverhältnisse bzw. Verstaatlichung der Betriebsmittel schaffen offensichtlich keinen neuen Menschen. In der modernen Zeit kann es geschehen, dass man mit äußerst guter Absicht Menschenleben retten will und dann unter den Kollateralschäden Hundertmillionen leiden müssen. Streben nach Perfektion kennzeichnet unsere westliche Welt. Unser Leben, unseren Haushalt, unsere Gesundheit, unsere Beziehungen wollen wir perfektionieren. In unserem Bemühen um Perfektion haben wir unterschiedliche Ziele. Doch oft vernachlässigen wir dabei vieles Andere in unserem Leben und in unserem Umfeld. Wir wollen uns kleine absolute Oasen schaffen, werden aber überall mit Irrationalität und Unvollkommenheit konfrontiert. Wir erhöhen unsere Ansprüche und vergrößern dadurch oft nur die Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Wir können die Wirklichkeit nicht außer Acht lassen.

Dazu brauchen wir natürlich auch objektive Werte, absolute Bezüge. Subjektive, relative genügen da nicht. In der Bibel sagt Jesus zu den Juden, die an ihn geglaubt hatten: „Wenn ihr bei dem bleibt, was ich euch gesagt habe, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ In Wikipedia wird die Wahrheit so definiert: „Gemeinhin wird die Übereinstimmung von Aussagen oder Urteilen mit einem Sachverhalt, einer Tatsacheoder der Wirklichkeitim Sinne einer korrekten Wiedergabe als Wahrheitbezeichnet.“ Um Gesellschaft und Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, wäre es sicher sinnvoll, anhand von Feldstudien und genau definiertem Zahlenmaterial Angstmache in den Medien durch Realitätssinn und Wissenschaftlichkeit zu ersetzen.

Bei den Covid-19-Toten wären wirklich nur diejenigen zu zählen, die an dem neuen Corona-Virus gestorben sind, alle diejenigen aber nicht, die an anderen Erkrankungen gestorben sind und außerdem den Virus oder Teile von ihm hatten. Die Kreuz- oder Hintergrundimmunität ist zu erforschen. Die Messmethoden und Zahlenwerte sind zu überprüfen. Die Kurven sollten (z.B. über die Wochenenden) geglättet werden, um den tatsächlichen Trend leichter für alle erkennbar zu machen. Die kumulierten Darstellungen der Totenzahlen versetzen die Menschen in Angst und Schrecken. Wenn diese Werte zum Beispiel pro Tag gezeigt werden, könnte man erkennen, dass der Höhepunkt schon sehr lange vorbei ist.

Tote in absoluten Zahlen zu melden, ohne Bezug auf die Bevölkerungszahl, ist ein Unding. Alle schrecken vor den furchtbar hohen Zahlen in den USA zurück, wenn man aber diese Totenzahlen durch die Zahl der Bevölkerung teilt und z.B. mit 100.000 multipliziert, erhält man vergleichbare Angaben und stellt sofort fest, dass die USA Zahlen hat, die z.B. denen in einem deutschen Landkreis durchaus durchaus ähnlich sein könnnen. Die Zahl der Infizierten müsste unbedingt pro Zeitraum und z.B. pro 1.000 Gemessenen angegeben werden. Sonst gibt es ja durch die Dunkelziffer und asymptomatischen Fälle umso mehr Infizierte, je mehr Menschen gemessen werden. Wenn weniger gemessen werden, gibt es auch weniger Infizierte. Das ist ja keine genaue Aussage über die Verbreitung der Krankheit. Absolute Infiziertenzahlen haben im Frühjahr exponentielle Wachstumszahlen vorgetäuscht, die so gar nicht vorhanden waren. Sie haben natürlich gezeigt, dass die Zahl der Tests exponentiell angestiegen ist.

Das ist aber was ganz anderes. Bei kumulierten Infiziertenzahlen sollten die Genesenen und die Gestorbenen abgezogen werden. Die Sterblichkeitsrate muss die Dunkelziffer aufgrund von Studien unter Berücksichtigung der demografischen Gegebenheiten in Betracht ziehen (siehe z.B. die Erkenntnisse von Prof. Streeck und Prof. Ioannidis). Die Covid-19-Toten sollten z.B. mit den Opfern von Influenzaviren und anderen gefährlichen Epidemien angemessen verglichen werden. Die Opfer von Covid-19 sollten nachvollziehbar den hiesigen und weltweiten Opfern der Maßnahmen gegen Covid-19 gegenübergestellt werden. In Afrika zum Beispiel gibt es nach Ausbruch der Epidemie jetzt ca. 11.700 Covid-19-Tote. Wie viele Menschen sterben wohl an anderen vermeidbaren Ursachen oder verhungern wohl an einem Tag? Trotzdem wird die Wirtschaft gegen die Wand gefahren. Von offizieller Stelle heißt es im Internet unter dem Titel„Brandbeschleuniger“ Corona: „Droht einer Milliarde Menschen Hunger?

Die Corona-Pandemie hat in vielen Ländern ihre Spuren hinterlassen – die Welthungerhilfe richtet den Fokus nun auf die südlichen Staaten. Die Zahl der Hungernden insbesondere südlich der Sahara könnte drastisch steigen, die Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländer werden sinken. Die Welthungerhilfe warnt, dass die Zahl der Hungernden in der Welt als Folge der Corona-Pandemie auf eine Milliarde ansteigen könnte. „Jetzt schlägt die Pandemie in den Ländern des Südens mit voller Wucht zu. Viele Menschen erkranken an COVID-19, viele verlieren ihre Arbeit, die Wirtschaft bricht dramatisch ein, Nahrungsmittelpreise steigen und Gesundheitssysteme sind überfordert“, erklärte Marlehn Thieme, Präsidentin der Organisation. „Internationale Solidarität ist jetzt wichtiger denn je. Wir brauchen mehr langfristige Unterstützung für die Anstrengungen der Menschen im Süden.“ Sie sprach von „horrenden Zahlen“ und verwies auf Erwartungen der Weltbank, wonach bis Ende des Jahres 70 bis 100 Millionen Menschen in extreme Armut gedrängt werden könnten.

Auch drohe ein Einbruch von Direktinvestitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Zahl der vom Hungertod bedrohten Menschen könne sich bis Ende des Jahres auf 270 Millionen Menschen verdoppeln, sagte Thieme. Sie warnte vor diesem Hintergrund davor, einen „Lockdown“ – weitgehende Einschränkungen für das öffentliche Leben und damit auch wirtschaftliche Aktivitäten – als Allheilmittel zu betrachten und Kollateralschäden zu unterschätzen. „Die Corona-Pandemie funktioniert wie ein Brandbeschleuniger für ohnehin schon bestehende Krisen“, so Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe. Das sind einige Punkte, die weltweit wohl zu einem größeren Realitätssinn führen sollten.

Die Medien, die vierte Gewalt im Staat, sollten von der Politik Umsicht einfordern. Sonst bekommmen wir die Angst nicht aus der Bevölkerung heraus und sind umso ahnungsloser und schutzloser gegenüber anderen Gefahren. Vom Mainstream abweichende Vorschläge dürfen nicht unterdrückt werden. Besonders informativ ist hier auch das neue Buch von Prof. Sucharit Bhakdi: Corona Fehlarm? Ein Muss für jeden, der eine Gesamtsicht anstrebt. Mit rechtzeitigen, staatlich bezahlten Feldstudien von Anfang an sowie mit einem umfasenden Diskurs unter den unterschiedlichsten Experten aller relevanten Gebiete und mit differenzierten und spezifischen Maßnahmen sollte man versuchen, die Folgen von Epidemien zu minimieren, ohne einen erheblichen Teil der Welt in noch größeres Elend zu stürzen. Auch jetzt noch ist es sinnvoll, umfassend zu reagieren. – Gerhard Jahnke

 

Gesundheitsminister Jens Spahn offenbart in den Abendnachrichten von ARD und ZDF am 6. Juli, dass die Bundesregierung zum Wohl aller (!) an der Maskenpflicht festhält. Die Bundesregierung bestätigt die wissenschaftlich/empirische Evidenz: Die Alltagsmaske schützt nicht nur andere, sondern auch ihren Träger selbst vor Ansteckung durch Infizierte, wenn diese bei naher Begegnung keine Maske tragen. Möge diese amtsseitige Bestätigung des Selbstschutzes der Alltagsmaske dazu beitragen, – einen „erneuten Lockdown“ weltweit zu verhindern, – „volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von 5 % des Bruttoinlandsprodukts“ (in Deutschland „175 Milliarden Euro“) zu sparen, – vor allem aber im weiteren Verlauf der Pandemie eher weniger als mehr Menschenleben zu verlieren. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, dass die ministerielle Wertschätzung der Alltagsmaske vom 5. Juli samt der sozial/wirtschaftlich positiven Folge medial möglichst schnell und weit verbreitet wird. – Frank Müller-Thoma

 

Sie schreiben, daß in Asien die Menschen Masken schon lange tragen. Dazu gehört zu schreiben, daß sie die Masken tragen wegen der hohen Luftverschmutzung. Ohne Masken kann man dort kaum gut atmen. Ist jemand krank, erkältet, erhöht sich die Möglichkeit, gut durchzuatmen. Abgesehen davon, daß man mit Masken eh‘ nicht gut durchatmen kann. Die negativen Seiten sind wenig sichtbar, daß z. B. auch in Europa Menschen massive Probleme mit Masken haben. P.S. …..ich vergaß, darauf aufmerksam zu machen, daß bei hoher Luft- und Umweltverschmutzung alle Menschen zur Risikogruppen gehören, mit egal welchen Viren infiziert zu werden. – Elfriede E. KLEIS

 


 

 

Leserbriefe zu „Peinlich erfolgreich“ von Caterina Lobenstein

 

Minister mueller sagt, dass ein neger das meiste geld in seiner lohntuete verplempert, bevor er nach hause kommt und sagt damit natuerlich nichts anderes als die Wahrheit, aber schon bricht ein shitstorm los, weil das ja zwar stimmt, aber nicht politisch korrekt ist. Uebrigends war das vor einigen Jahrzehnten bei uns genauso, da hat die frau oft am Freitag vor dem Fabriktor gewartet, damit der gatte den lohn nicht sofort in Alkohol umsetzt Tönnies sagt, dass man den schwarzen Fernseher schenken sollte, damit die nicht mit Kinder machen beschaeftigt sind. das stimmt zwar, viele Studien beweisen, dass ein Fernseher eine wirksame Geburtenkontrolle ist, aber wieder nicht politisch korrekt und natuerlich verriss von den medien.

Buergermeister palmer sagt, dass die meisten koronatoten sowieso bald gestorben waeren, stimmt, aber wieder shitstorm der schlimmsten sorte. Diese und andere ausserungen moegen ja nicht formvollendet und in Zuckerwatte gepackt gewesen sein, aber sie sind zum grossteil richtig, aber diese leute werden dann erbarmmungslos niedergemacht und der Inhalt gar nicht erst diskutiert. in Zukunft traut sich ein grossteil der Menschheit ja nur noch politisch korrekten duennschiss von sich geben, der rest waehlt afd und wird rechtsradikal. – Siegfried Wittmann

 

Hoffentlich kann Minister Müller seine sowohl sinnvollen als auch menschenfreundlichen Vorhaben zugunsten der Armen und Ausgebeuteten und besonders der Frauen und Kinder in der Dritten Welt trotz des Widerstandes der Wirtschaftslobbyist*innen in CSU, CDU und auch SPD verwirklichen! Seine Vernünftigkeit und Menschenfreundlichkeit heben sich wohltuend ab vom Verhalten seines CSU-Bundesministerkollegen Scheuer, der vorzugsweise den Unvernünftigen und den gewissenlosen Egoist*innen zu gefallen sucht. – Dr. Ulrich Willmes

 

Weiter so Herr Müller, anecken um Kanten aufzuzeigen. Gelassen und klar. Möglichst thematisch.– Die Aktion bei Frau Maischberger, ihr ans Bein zu gehen, war nicht von dieser Art. Tipp für das nächste Mal, auch wenn das Leder gemeint war. Etwas bewegen, geht auch mit thematischer Zuspitzung. So wie Sie es bereits gezeigt haben. Danke für Ihr Engagement und durchhalten. – Gisela Lehmann

 

Ich bin froh, dass es noch Politiker wie Gerd Müller gibt, die sich mit Elan und Herz im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Sache engagieren. Karrieristen, die abgewogen Phrasen dreschen, haben wir schon genug. Und was gab es schon für peinliche Entwicklungsminister. Ich erinnere an den „Teppichschmuggler“ Dirk Niebel, später Lobbyist ausgerechnet für die Waffenschmiede Rheinmetall. – Helmut F. Schade

 

Ich konnte meinen Augen kaum trauen: Muss es nicht „Peinlich unerfolgreich“ heissen ? Warum ? Minister Müller ist in erster Linie ein Schaumschläger und Ankünder von grossen Taten, denen in der Regel keine Entwicklungserfolge, sondern weiterer Schaum folgt. Er führt die Medien an der Nase herum mit dem Slogan „Wir haben die Lösungen; es fehlen mir nur die erforderlichen Milliarden“. Dies ist eine sehr bedenkliche Art von postimperialistischer Anmassung. Müller weigert sich, die simple frage zu beantworten, warum 60 Jahre „Zusammenarbeit“ mit Afrika nicht zu mehr Entwicklung dort geführt haben. Er ist stolz darauf, dass er 42 afrikanische Staaten besucht habe,aber was hat er vom roten Teppich des Staatsgastes und vom Fenster der 5 Sterne-Hotels aus wirklich von den kruden Realitäten Afrikas gesehen ? Meint er wirklich, dass seine „Partner“, die sich ständig selbst bereichernden Präsidenten und Regierungsvertreter Afrikas, eine nachhaltige Entwicklung ihrer Länder wollen ? – Prof.Dr. Hans Ferdinand ILLY

 

Gerd Müller ist in Bayerisch-Schwaben geboren und aufgewachsen. Er ist kein Bauernsohn aus dem Allgäu. Er hat nur dort seinen Wahlkreis. Bitte genau recherchieren. – Georg Bestler

 


 

 

Leserbriefe zu „NORDSEE ODER OSTSEE?“ von Charlotte Parnack und Martin Machowecz

 

Danke liebe Charlotte Parnack für den tollen Bericht über die Nordsee. Sie haben bei mir Tränen ausgelöst. Auch ich liebe die Nordsee, auch in Ostfriesland, besonders aber in Nordfriesland – allen voran Amrum und Föhr. Dieses stürmische, raue Klima, auch im Herbst ist etwas besonderes. Sich treibeñ zu lassen, das Gehirn frei blasen zu lassen, durch die Priele zu stapfen, sich nasse Hosenbeine zu holen, gegen den Wind (manchmal auch Sturm) anzukämpfen —- was gibt es schöneres? Sie haben mir so aus dem Herzen geschrieben, das ich richtige Sehnsucht bekam, und wäre am liebsten gleich losgefahren. – Ute Koch

 

Wie schön, in der ZEIT auf Juist zu stoßen, wahrhaftig ein Zauberort! Doch sehr schade, dass das zugehörige Foto des friesische Dünenmeers ganz sicher nicht Juist zeigt… – Ilona Wilke

 

Die beiden Bilder des Artikels sagen schon alles: Bei der Ostsee sieht man Himmel, Strand, eine Mole und das Meer – bei der Nordsee sieht man Himmel, Dünen einen Leuchtturm und … kein Meer. Der Grund: Wahrscheinlich war – als das Foto aufgenommen wurde – grad mal wieder kein Meer da – also Ebbe. Ja ich gebe es zu – ich bin absoluter Ostsee-Fan. Zum einen, weil ich geborener Flensburger bin, zum anderen, weil ich als Kind jedes Jahr im Sommer bei meiner Großmutter in Süditalien war – dort waren wir fast täglich am Meer. Und in Süditalien gibt’s keine Ebbe, keinen grauen Schlamm sondern einfach nur Sand (meistens zu heiß) und dann kam sofort das Wasser. Und das beste daran: Wasser gibt’s 24/7- man muss sich also nicht erst eine Zeit merken, wann man denn wirklich Wasser hat in dem man nicht nur Würmer finden, sondern in dem man auch schwimmen oder sogar tauchen kann ;-)

Und genauso ist es an der Ostsee: Gute Strände, Wasser rund um die Uhr, nicht so salzig wie die Nordsee und auch etwas weniger windig – kurz gesagt: Die Ostsee hat einen Hauch von Italien – nur halt im Schnitt 10 Grad kälter, dafür ist aber auch keine Alpenüberquerung nötig. Zum Schluß noch eine für Herrn Machowecz: Kommen Sie doch mal an die Ostsee in Schleswig-Holstein! Sie werden feststellen, dass es auch Norddeutsche gibt, die Touristen nicht als „notwendiges Übel“ ansehen. – Gianfranco Dimarsico

 

Danke für die beste Beschreibung von Meer, Land und Leuten der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Ich komme nicht aus dem Osten, teile aber jede Erfahrung mit Ihnen: die Freiheitskreuzung, der Sehnsuchtsblick übers Wasser und das Lübzer unterm Darßer Abendhimmel. Ja, die Ostsee ist nicht spektakulär, aber sie beeindruckt nachhaltig – jedesmal. – Renate Sulzmann

 

N O R D S E E L I E B E Wenn man wie jeden Morgen auf dem Deich steht, den Blick fest auf das Meer gerichtet, das am Horizont im unendlichen Grau verschwindet, und die alten Buhnen am Strand das Wasser zersägen und der schillernde Schlick die Wattwürmer freigibt und die Möwen sich wieder kreischend streiten, und man sich auf `s Neue entscheiden muss, ob man nach links den schnurgraden Damm entlang radelt oder sich nach rechts ähnlich kilometerlang verliert, aber gegen den Wind. Dann wird man froh und richtig heiter, wenn man sieht, wie ein Frachter von links nach rechts durch die schaumgekrönten Fluten zieht, oder ein Wolkenberg sich von rechts nach links langsam aber stetig vorwärts schiebt, währenddessen in der Mitte ein junges Paar sich stürmisch in den Dünen liebt. Oder? – Peter Ertel

 

Ihr Artikel auf Seite 60 zur Nordsee und die Insel Juist wärmt das Herz. Da stört es nicht, wenn sich auf dem Bild der Leuchtturm von Amrum dazugesellt. – Thomas Groß

 


 

 

Leserbriefe zu „Warum bekämpfen wir Linken uns so oft gegenseitig?“ von Marina Weisband

 

ROLLE UND IDENTITÄT 1. Meinungsbildung setzt Wissen voraus. 2. Begriffe beantworten keine Fragen. (nach Thomas Bauer). Heute haben alle zu jedem eine Meinung , die sie vornehmlich in den Foren des Internets preisgeben. Und am Ende wenn die Meinungen wechselseitig kundgetan sind, haben alle noch die gleiche Meinung. wie vorher. Dabei spielt auch die Behauptung eines imanginiertes authetischen Ich eine Rolle . Man horcht eher in sich selbst hinein, als auf die Stimme des anderen zu horchen. Die zwanghafte Suche nach einem imanigiertem „Authentischen“ Ich führt dazu , das am Ende das Echo unseres selbst bleibt. Rolle und Identiät sind nicht Deckungsgleich. Vielmehr stehen sie in einer wechselseitigen Beziehung zueinander. Die Rolle ist keine Selbstkonstruktion.

Sie ist z.T. zugewiesen, erworben, jedoch immer bezogen auf die Rollenerwartungen der sozialen Gruppe ( im Netz, ist es die „Blase“, oder der vermeidlichen viertuellen „Kommune “ deren Erfüllung bzw. Nichterfüllung ruftSaktionen hervor.) Dieses Muster gab es schon lange vor den „sozialen“ Medien. Heute ist diese soziale Gruppe im „Netz“ eine informelle , mit anonymen, körperlosen Wesen bevölkert. Die Sanktionierung ist Heute der Shit-Strom. Das Individuum (Identität) wenn es einer gelungenen Identität nacheifert, wird besterbt sein , sich zu einer ROLLENDISTANZ zu befähigen. Die Identität verkümmert in sich selbst. Heute ! Empfohlene Literaturhinweise für Frau Weisband – Richard Senett, Die Tyrannei der Intimität , 1975 (!) – Ralf Dahrendorf, Homo Sociologikus, 1970 (!)

– Lothar Krappmann, Soziologische Dimensionen der Identität. 1972 (!) – Byung-Chul Han, Vom verschwinden der Rituale, Eine Topologie der Gegenwart,, 2019 Ich bitte diesen Text auch Frau Weisband zukommen zu lassen. Eine RESONANZ jenseits des SHIT-STROMS wäre mir willkommen. – Friedrich Bensch

 

Sie widmen den Befindlichkeiten, die in überschaubaren linken Communities stattfinden, ja sogar nur in einer „Subcommunity innerhalb einer Community“ (Marina Weisband), neuerdings viel Raum. In diesem Beitrag übt die Autorin Kritik an der Reaktion anderer Linker, die ersichtlich unbegründet Vorwürfe wegen angeblich rassistischer, sexistischer oder antisemitischer Verhaltensweisen oder Äußerungen erheben. Mit Recht prangert sie Ausgrenzungs- und und Boykottmaßnahmen an, wie z.B. „cancelling“, von denen selbst Kontaktpartner der Kritisierten betroffen sein können. Wenn man behauptetes Fehlverhalten verfälscht, damit die Kritik zutrifft, ist das natürlich infam. Allerdings gehört dergleichen leider zum Alltag politischen Agierens. Kritik an den eigenen Leuten gibt es übrigens auch im rechten Lager.

Kennt sie keine schlimmeren Vorwürfe gegen Linke? Man denke an die Benennung von Straßen und Institutionen nach Clara Zetkin. (Ihre politischen Aktivitäten kann man schnell ergoogeln) oder die Aufstellung einer Leninstatue. Erfüllt die Autorin selbst den Anspruch der Differenzierung, wenn die sie im Artikel pauschal behauptet: „Auch Rechte machen Identitätspolitik: für die Identität des Weißen, heterosexuellen Mannes“? Ihre Einschätzung, Jan Böhmermann kämpfe seit Jahren gegen „Nazis“, macht deutlich, dass bei ihr Polemik einen hohen Stellenwert hat, denn über wirkliche Nazis dürfte sie informiert sein. Dazu passt eine frühere Äußerung in der „taz“, bei einem Erstarken der AfD sehe sie sich nach einer Wohnung in Israel um. – Karl Seegerer

 

Es sollte überhaupt keine Gegner geben. Damit fängt der Irrtum bei manchen Zeitgenossen an. Vor allen Dingen, wenn es um völlig dumme Dinge geht. Die heutige Generation, wie die Soziologin Brigitte Witzer in ihrem Buch „Die Diktatur der Dummen“ schreibt. Marina Weisband schließe ich natürlich aus. – Gunter Knauer

 

Unsere Handlungen dienen letztlich dazu unsere Gefühle zu beeinflussen, auch unser Selbstwertgefühl. Die selbstwertregulatorischen Mechanismen unseres Handelns sind häufig unbewusst. Spielen diese bei links engagierten Bürgern vielleicht eine größere Rolle ? Wenn ich mich empathisch für andere engagiere und einsetze, helfe ich auch mir selbst. Mich zu engagieren gibt meinem Leben Sinn und trägt zu meiner Selbstzufriedenheit und Selbstakzeptanz bei. Durch mein linkspolitisches Engagement definiere ich auch wer ich bin und teile dies meinen Mitmenschen mit. (Siehe Untertitel „Wut entwickeln wir wenn wir verletzt sind. Und wenn es darum geht wer wir sind“). Linkspolitisch engagiert zu sein ist also auch etwas, was man für sich selbst tut. Dies ist legitim und im Idealfall eine win-win-Situation.

Gleichwohl schadet es nicht, darüber reflektiert zu sein und daran mangelt es häufig. Je mehr mein politisches und gesellschaftliches Engagement aber mit selbstwertregulatorischen Effekten verknüpft ist, desto mehr werden paradoxerweise gerade meine Mitstreiter zur potentiellen Bedrohung, die mir etwas „wegnehmen“ könnten – sei es dadurch, dass sie talentierter sind oder eine etwas abweichende Haltung haben. Dies kann man besonders erleben in ehrenamtlichen Strukturen, in denen neue potentielle Mitstreiter bei den schon etablierten Ehrenamtlern erstmal auf massive Skepsis treffen. Natürlich generieren Selbstwertverletzungen auch Wut. Gleichwohl kann nicht alle Wut damit erklärt und exkulpiert werden. Bedauerlicherweise scheint der Mensch das Verhaltenspotenzial zu kriegerischen Hass zu haben und diesem muss nicht zwingend eine Verletzung vorausgehen. Das gilt für uns alle. Wir haben aus der Zeit des dritten Reiches die entscheidende Lehre nicht gezogen wenn wir das problematische Verhaltenspotential stets in Anderen suchen und bekämpfen und dabei den eigenen Hass zur Notwendigkeit erklären und von der Leine lassen.

Genau das tun aber viele Linke, zugespitzt zu finden in der Antifa, die sich erlaubt kämpferisch und hassend den Hass zu bekämpfen – ohne sich der Paradoxie bewusst zu sein. Der Nationalsozialismus war unter Anderem ein gewaltiges (Gross-) Gruppenereignis. Ob man im Dritten Reich im Widerstand gewesen wäre, ein ängstlicher Mitläufer, Verräter oder Karrierist ? Die wenige Forschung hierzu zeigt, dass man davon ausgehen muss, dass alles möglich gewesen wäre. Gehe also besser NICHT davon aus, dass Du zu den von Natur aus guten Menschen gehörst. Misstraue Dir selbst ! Dazu ist kaum einer bereit, mir scheint, unsere linksintellektuellen Mitstreiter am wenigsten. Zu den Definitionen, was ein Nazi ist, gehört unbedingt eine gruppenpsychologische Definition. „Nazi sein“ ist auch ein gruppenpsychologischer Zustand, zu dem folgende Zutaten gehören: 1. Du musst von der Sinnhaftigkeit und Richtigkeit einer Sache absolut überzeugt sein und von allen Zweifeln befreit sein. 2. Weil dein Anliegen so wichtig und heilig ist darfst du Wut empfinden. Sie ist nicht nur erlaubt, sondern notwendig. 3. Diesen Zorn kannst du aus der Sicherheit der Gruppe heraus (mitunter rauschhaft) ausagieren. Leider gibt es keinen guten Hass. Gilt auch für Linke und Sozial Engagierte. – Dr. med. Christoph Heck

 

Wer bin ich? Beim Lesen des Beitrags musste ich daran denken, dass einer meiner Lieblingswitze ein Ethno-Witz ist. Beim Erzählen verwende ich sogar politisch inkorrekte Begriffe. Also, er geht so: Im Süden der USA (das steigert das ganze noch etwas) sitzen ein Neger und ein Jude nebeneinander auf einer Bank. Der Neger zieht eine Zeitung aus derb Tasche und fängt an zu lesen. Der Jude blickt herüber, stutzt, sieht genauer hin, und tatsächlich, er sieht hebräische Schriftzeichen. Der Neger liest eine Zeitung aus Israel. Daraufhin kann er sich nicht mehr beherrschen und spricht den Neger an:“Hören Sie mal, Neger reicht Ihnen wohl noch nicht?!“ Jetzt interessiert mich doch sehr, wenn man von den inkorrekten Bezeichnungen einmal absieht, was genau würde die Wut der Leser dieses Ethno-Witzes erregen? Wofür müsste ich Kritik oder sogar Beschimpfungen einstecken? – Dr. G. Zeyer

 

In Ihrem Schluss-Satz möchten sich als Linke gemeinsam mit Gleichgesinnten auf den eigentlichen Gegner konzentrieren. Wer ist denn der Gegner? Das können doch nur Andersdenkende sein. In einem Land, in dem Andersdenkende als Gegner bezeichnet werden , möchte ich nicht leben.Das nennt man Diktatur. Ich würde lieber in einer Gemeinschaft leben, in der Vielfalt, besonders im Denken, erwünscht ist. – R. Grimm

 


 

 

Leserbriefe zu „Was ist unsere Schuld?“ von Elisabeth von Thadden

 

Die von Ihrer Autorin aufgeworfene Schuldfrage ist so alt wie die Menschheit selbst. Apropos alt, eine Antwort bzw. Frage habe ich unter den vielen Erklärungen vermisst. „Wer unter euch ohne Sünde (Schuld) ist, der werfe den ersten Stein.“ Dieser Satz aus dem Johannesevangelium bringt die oftmals schon abgedroschen klingenden Phrasen und philosophischen Plattitüden nicht nur auf den Punkt, er beinhaltet auch ein simples und großes Konfliktlösungspotential. Natürlich hat der von Frau von Thadden zitierte Michael Rothberg Recht, wenn er davon spricht, dass wir, die im globalen Norden leben, tief in die Ungerechtigkeit und Zerstörung der Welt verstrickt sind. Doch auch wir haben, wie die Frau im NT, die der schweren Strafe entging, eine Chance zur Besserung. – DI (FH) Franz Josef Dorn

 

Alle Völker, gleich ob weißer, schwarzer, roter, gelber oder grüner Hautfarbe haben überfallen, ausgebeutet und kolonisiert; z.B. Pierre Bertaux (Historiker, kein Feuilletonist): „Afrika, das Land der Bürgerkriege, des Rassenhasses und der Massenvernichtung“. Dank der Aufklärung hat sich in Europa Naturwissenschaft und Technik entwickelt und man hatte bessere Waffen. Bei allen Völkern, welche unbeleckt von der Aufklärung des Rassisten Kant sind, ist es immer noch ein Verdienst, den Nachbarstamm oder die Nachbarkonfession niederzumachen. Die 80 Millionen „total unschuldige“ Flüchtlinge sind die augenblicklichen Verlierer dieser Gesellschaftsmoral, was keineswegs heißt, dass sie ihr abgeschworen haben. – emer. Prof. Werner Koetz

 

Frau von Thadden vermag es nicht zu erklären, wie Sklavenhandel in der frühen Neuzeit respektive Rassismus, deutscher Kolonialismus in Osteuropa, Immanuel Kant, Klimawandel, Corona-Pandemie, Fleischindustrie oder Flüchtlingsströme miteinander zusammenhängen. Sie kocht verschiedene Zutaten, rührt um und fertig ist der metaphysische Brei, der sich unter dem Motto subsumieren lässt: der Westen allein sei der Inbegriff der Ursünde der Moderne und an der Ausbeutung der Erde in den letzten 500 Jahren schuld – sozusagen von Kolumbus zu Tönnies. Diese Herangehensweise ist ahistorisch und eindimensional, ähnliche Thesen spätestens seit Eric Williams’ Buch „Capitalism and Slavery“ (1944) mehrfach diskutiert (und häufig widerlegt) worden. Unklar bleibt zudem, wie weit in die Vergangenheit das kollektive Gedächtnis der „verstrickten Subjekte“ reichen soll: 500, 800 oder gar 5000 Jahre? Müsste die Erinnerung nicht ebenfalls die Nicht-Europäer einbeziehen und z.B. die von den Mongolen begangenen Massaker auf ihren Eroberungszügen im 13. Jahrhundert beinhalten (und vieles mehr)? Oder wimmelt man ab, weil die Gatekeeper bekunden, dass hier kein struktureller Bezug zur und Relevanz für die Gegenwart vorliegt.

Und ja, dem von der Autorin zitierten Inder Dipesh Chakrabarty ist zuzustimmen, dass die Ideen der Aufklärung gleichzeitig der Rechtfertigung der Unterdrückung anderer dienten. Daraus jedoch einen wesentlichen Bestandteil des westlichen Habitus zu konstruieren, ist historisch kaum zu halten – als ob Verrohung und Gewalt lediglich (west)europäische Spezialität gewesen wären. Dass in weiten Teilen Asiens und Afrikas Errungenschaften wie Emanzipation des Denkens, Anerkennung von Minderheiten oder Gleichstellung von Frauen nicht greifen, lässt sich keineswegs dem kolonialisierenden Westen zuschreiben. So werden sie häufig als Bedrohung ihrer „Tradition“ und ihrer Gesellschaftsordnung angesehen. Kurzum: Kritischer Umgang mit der eigenen Geschichte ist unbedingt erforderlich. Unreflektierte Selbstkasteiung hingegen verkennt die Komplexität historischer Prozesse und ermöglicht es letztendlich den asiatischen und afrikanischen Völkern, von den endogen bedingten Defiziten abzulenken und sich in ihrer Viktimisierung einzurichten. – Dariusz Adamczyk

 

Die wortreich-suchende Ursachenanalyse von Frau v. Thadden hat seit Mitte des 19. Jahrhunderts einen Namen: Kapitalismus. – Peter Broda

 

«Privilegierte Weisse sind in die Ungerechtigkeit und die Zerstörung der Welt tief verstrickt. Auch wenn sie weder Täter noch Opfer sind.» Diese im Artikel hervorgehobene Feststellung kann doppelt gedeutet werden, rückwärts gesehen als Aufforderung zur Schuld-Anerkennung, vorwärts gesehen als Aufforderung, Verantwortung zu übernehmen fürs Gestalten einer guten Zukunft. Bei beiden Sichtweisen spielt die Verantwortung der «privilegierten Weissen» für den technischen Fortschritt eine entscheidende Rolle. Rückwärts gesehen hat der Fortschritt Mechanismen und Entwicklungen ausgelöst, die vordem keine Bedrohung bedeuteten aber seit wenigen Jahrzehnten eine Bedrohung für die Zukunft darstellen. Etwa die folgenden: Vervierfachen der Kopfzahl der Menschheit innerhalb der letzten hundert Jahre, dank dem technischen Fortschritt. Ausbeuten allgemein verfügbarer Ressourcen bis zur Erschöpfung («Tragik der Allmend»).

Auch dies ermöglicht durch den Fortschritt. Wachsende ökonomische und demographische Gräben dank Konditionierung. Der technische Fortschritt ermöglichte durch Automatisierbare fast uneinholbare monopolartige Positionen («The Winner takes it All»). Beispiele sind nicht nur Firmen wie Googel, Amazon oder Facebook. Ungelöste Zielkonflikte innerhalb der Menschenrechte zwischen den Rechten auf Lebensunterhalt und dem Recht auf Eigentum. Letzteres Recht ist ein wirksames Mittel gegen die «Tragik der Allmend», da Eigentum meist nicht bis zur Erschöpfung geplündert wird. Anderseits hat der technische Fortschritt zu Wohlstandsgefälle geführt, was Transferleistungen rechtfertigt, die aber wiederum geeignet sind, die demographische Eigenverantwortung der Empfänger zu schwächen. Letzten Endes führt auch die Möglichkeit, über die Medien Macht auszuüben, zu Opportunismus, was dazu führt, dass wichtigen Entwicklungen kaum Beachtung finden. Beispiele für letzteren Punkt gibt’s auf den Gebieten der Demographie. Etwa die folgenden: Die Urbevölkerung weiter Teile Afrikas die Buschmänner (Sam) wurden aus weiten Gebieten von der heutigen schwarzen Bevölkerung vertrieben.

Im Gegensatz zur dieser gibt’s bei den Sam fast keine Nachkommen, die sich als Opfer präsentieren können. In weiten Teilen Mitteleuropas erbte nur ein Sohn den Hof. Seine Geschwister mussten sich als weitgehend rechtlose Dienstboten verdingen und konnten meist keine Familie gründen. Im Gegensatz zu den unterdrückten Schwarzen haben sie keine Nachkommen, die sich als Opfer präsentieren können. Dabei leisteten sie einen möglicherweise wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Bevölkerungs-Wachstum. Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050 verdoppeln. Hingegen hat sich der Anteil der Europäer an der Weltbevölkerung von einst 30 Prozent auf heute 10 Prozent reduziert. Auch das hat zu einem Wohlstandsgefälle beigetragen. Der Beitrag zur Stabilisierung der Grösse der Weltbevölkerung wirkt aber nicht wegweisend, da Wohlstand moralisch eher negativ bewertet wird. Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen.

Es geht darum, gemeinsam einen guten Weg in die Zukunft zu finden. Wie wenig, dies bisher gelungen ist, zeigt folgendes aktuelle Beispiel: Kürzlich begann das Aufstauen des neuen äthiopischen Nil-Stausees. Um die Folgen zu interpretieren, sind auch die alarmierenden demographischen Zahlen von Interesse. Die Kopfzahlen der Nil-Anrainerstaaten Äthiopien, Sudan und Ägypten werden sich von 108, 45 und 104 Millionen bis 2050 auf 205, 81 und 160 Millionen erhöhen. Anscheinend kann das durch den Assuan-Staudamm bewirkte Entwicklungs-Potential das Bevölkerungswachstum in Ägypten nicht genug bremsen. Ein guter Weg in die Zukunft kann nur gemeinsam gefunden werden. Schuldzuweisungen, die Teile der Weltbevölkerung von der Lösungsfindung ausschliessen, sind kontraproduktiv. – Dr. tech. Gernot Gwehenberger

 


 

 

Leserbriefe zu „Widerstand darf kein Dogma werden“ von Martin Amis et al.

 

Endlich! Intellektuelle fordern Gedanken- und Redefreiheit auch gegen die Unterdrücker im eigenen, „fortschrittlichen“ Lager ein. Ihr Aufruf erscheint in einigen großen politischen Blättern. Und was macht die einst Debatten prägende „Zeit“ — seit über 40 Jahren Pflichtlektüre für mich — mit diesem Versuch der Rettung des Liberalismus in Zeiten der galoppierenden Gegenaufklärung? „Versteckt“ ihn auf Seite 45! Kommentarlos. Deutlicher kann die in den letzten Jahren zu beobachtende Selbstaufgabe der originären „Zeit“-Identität (zugunsten eher „billiger“ Lifestyle-Themen) kaum noch werden. – Hansgeorg Nitschke

 

Der Mißstand betrifft nicht nur Kulturschaffende. Anprangern & Ausgrenzen und moralisierende Strickheit statt sachlichem Wägen sind längst auch im Alltag des Kleinen Mannes angekommen. Rechthaber in der Öffentlichkeit und in Einrichtungen geben vor, Was man zu sagen & zu denken habe, und Was nicht. Sie erzeugen einen Muff wie bis in die 1960er Jahre. Damals von Rechts, heute von Links. Jüngere Beispiele: Rassismusvorwurf, wenn Mohren allgemein wohlwollend mit Straßennamen gewürdigt werden oder als angesehene Leitfigur oberhessischer Volksfeste oder ein bestimmter, der Legende nach heilkundiger, durch Apotheken. Rassismusvorwurf, wenn man die übliche Frage nach Herkunft, Werdegang & sprachlicher Eigenheit an Farbige unter neuen Bekannten richtet. Gebot öffentlich Vorlauter, die Bezeichnung eines bestimmten Menschenschlages als abwertend zu deuten, wiewohl man sie nur wohlwollend kennt und gebraucht. Entlassung wegen mißliebiger politischer Ansichten außerhalb des Berufes – ob öffentlicher Dienst oder „Lebenshilfe“ oder sonstwo.

Zwei Handelsketten und eine Kelterei schließen Jemanden vom Geschäftsleben aus, der ungeschickterweise den präsidialen Spruch aufgriff, der 8.Mai 1945 sei nicht nur, sondern nur auch ein Tag der Befreiung gewesen. Sexismusvorwurf gegen übergeschlechtliche Gattungsbegriffe – außer solchen generischen Feminimums. Druck in Behörden, Bildungsstätten, Verbänden, sich der geschlechtsbetonten Sprache zu bedienen, wiewohl sie begriffsstutzig, umständlich und widersinnig ist. Anfängliches „Sensibilisieren“ mündete längst in Umerziehen durch Auftrumpfen und beruflichen Druck. Revanchismusvorwurf, wenn man in einem Stadtteil gemäß der Siedlungsgeschichte auf den Entzug von Reichsteilen 1919 hin weist. Mißbrauch des Ordnungsrechtes in einer Universitätsstadt, um ein Volksfest zu untergraben, das fast nur noch von Konservativen besucht wird. – Ulrich J.Heinz

 

Die von Ihrer Autorin aufgeworfene Schuldfrage ist so alt wie die Menschheit selbst. Apropos alt, eine Antwort bzw. Frage habe ich unter den vielen Erklärungen vermisst. „Wer unter euch ohne Sünde (Schuld) ist, der werfe den ersten Stein.“ Dieser Satz aus dem Johannesevangelium bringt die oftmals schon abgedroschen klingenden Phrasen und philosophischen Plattitüden nicht nur auf den Punkt, er beinhaltet auch ein simples und großes Konfliktlösungspotential. Natürlich hat der von Frau von Thadden zitierte Michael Rothberg Recht, wenn er davon spricht, dass wir, die im globalen Norden leben, tief in die Ungerechtigkeit und Zerstörung der Welt verstrickt sind. Doch auch wir haben, wie die Frau im NT, die der schweren Strafe entging, eine Chance zur Besserung. – Franz Josef Dorn

 

Besten Dank an die Autoren des überfälligen Aufrufs! 2 Punkte zusätzlich: Die skizzierte Krise betrifft zum einen nicht nur Autor_innen, sondern den gesamten gesellschaftlichen Raum. Zum anderen ist auch die neue Rolle der asozialen Medien oder Wikipedias zu nennen, wo angeblich „politisch korrekte“ Bürger danach streben, Wikipedia-Administrator zu werden. Realiter sind sie eher Anhänger eines stalinistischen Diskussionsstils: Dann kann man (wie bei Orwell) die „zulässigen Äußerungen“ nach eigenem Gefallen bewerten und unangeneh¬me Wahrheiten aussortieren.

So erfindet der Administrator für Themen der Energiewende mit Künstlernamen ANDOL, bürgerlich ein sachlich ahnungsloser Kommunalpolitiker der „Grünen“, ganz neue „Wahrheiten“ wie et¬wa: „Als Dunkelflaute werden mehrere Tage anhaltenden Phasen geringer Wind- und Solarstrom¬einspeisung bezeichnet.“ Durch Volksverdummung wird aber kein reales Problem gelöst, sondern die Gesellschaft in „sachkundige“ und „gut-gläubige“ Bürger gespalten, bis es zum Black-Out kommt. Wer bekommt die Schuld, wenn es laut Wikipedia schon längst Lösungen für alle Probleme gab, dummerweise nur nicht in der Realität? – Prof. Emeritus Dr. Wolfgang Ströbele

 


 

 

Leserbriefe zu „Der Schuld ins Gesicht sehen“ von Ulrich Ladurner

 

Es ist nur allzu verständlich, wenn sich die Begeisterung der Kongolesen in Belgien über das zaghafte Schuldeingeständnis des belgischen Königshauses sehr im Rahmen hält. Immerhin gehört die Gewaltherrschaft von König Leopold zu den größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die man sich vorstellen kann. Aber auch als der Kongo zur belgischen Kolonie wurde, änderte sich nur wenig am Ausbeutungsverhältnissen. Als Patrice Lumumba 1960 zum ersten gewählten Präsidenten der Republik Kongo gewählt wurde, musste er sich eine unfassbar beleidigende Rede des belgischen Königs anhören, der den Kongolesen den Dank für die zivilisatorischen Leistungen von Leopold abforderte.

Lumumbas Sturz, Entführung, Folterung, Ermordung und das Auflösen seiner Leiche in Batteriesäure durch belgische und amerikanische Geheimdienstler gehört zu den abscheulichsten Symbolen einer zutiefst verlogenen Politik des Westens während der Dekolonisierung Afrikas. Eine Entschuldigung ist besser als Nichts, müsste sich aber daran messen lassen, was Belgien für seine kongolesischen Mitbürger im Land tatsächlich tut oder wie es sich beispielsweise gegen die unfassbaren Arbeitsbedingungen der Kongolesen in den Kobaltminen heute aktiv engagiert. Umso wichtiger ist es, den Druck der Straße in Schwung zu halten und die Symbole des Kolonialreiches zu schleifen. – Dieter Schöneborn

 

Das zentrale Standbild Leopolds II in Brüssel – im Herzen der Finsternis – sollte unbedingt erhalten bleiben. Dieses Zeugnis einer schändlichen Vergangenheit zu beseitigen, heißt nämlich auch, das Zeugnis einer schändlichen Erinnerungskultur zu beseitigen. Wenn überhaupt, hätte das Standbild spätestens am Tage der Unabhängigkeitserklärung des Kongo beseitigt werden müssen, nicht heute, wo alle Täter, vielleicht sogar einschließlich der belgischen Soldateska, die Patrice Lumumba ermordet hat, tot sind.

Tausend Mal besser wäre ein Gegen-Mahnmal. Z.B., da das Wahrzeichen der belgischen Herrschaft abgeschlagene Hände waren, dem Reiterstandbild Gipsabdrücke der Hände von heutigen Menschen aller Hautfarben zu Füßen zu legen. So würden die Heutigen den Tätern ins Gesicht und den Opfern, die ja für die belgischen Kolonialherren kein Gesicht hatten, auf die Hände sehen. – Klaus E. Margraf

 

Wenn man die Kolonialgeschichte des Kongos wirklich aufarbeiten will, sollte man sich vor Klischees und Halbwahrheiten distanzieren. Dem unkundigen Leser die Ermordung Lumumbas als ein Akt belgischer Unterdrückung und Aggression gegen die schwarze Bevölkerung zu verkaufen, passt vielleicht zur aktuellen Anti-Rassismus-Debatte, ist aber im besten Falle als irreführend zu bezeichnen.

Der Kongo war im Jahr 1960 seit wenigen Monaten ein eigenständiges Land. Die Verhältnisse waren chaotisch. Verschiedene kongolesische Gruppen konkurrierten mit unterschiedlichen ausländischen Bündnispartnern und skrupellosen Methoden um die Macht. Lumumba, der von schwarzen Putschisten abgesetzte, vormals demokratisch gewählte Ministerpräsident, war sowohl den Belgiern als auch den USA ein Dorn im Auge und sollte nach deren Dafürhalten liquidiert werden. Eisenhower höchstpersönlich wirkte darauf hin. Lumumba wurde daher vorerst in seinem Hauptstadt-Haus von ghanaischen Blauhelmen beschützt. Die kongolesischen Soldaten des Putschisten Oberst Mobutu belagerten das geschützte Anwesen und schnitten die Verbindung zur Außenwelt ab. Sein Vize Gizenga übernahm die politischen Angelenheiten des derart isolierten Lumumba.

Die UNO musste sich im Weiteren zwischen den Teams Kasavubu (Präsident)/Mobutu und Lumumba/Gizenga entscheiden. Sie entschied sich am 22.11.1960 mit großer Mehrheit für Kasavubu und damit auch für den Putschisten Oberst Mobutu, den späteren Langzeit-Diktator. Lumumba war dadurch verloren. Er flüchtete in einer Gewitternacht. Mobutu engagierte einen europäischen Flieger, der ihn im Tiefflug aufspürte und den Soldaten Mobutus am 1.12.1960 die Festnahme ermöglichte. Er war fortan Gefangener der (schwarzen) Zentralregierung. Die belgische Regierung billigte seine Deportation nach Katanga, wo Tschombé die Unabhängigkeit ausgerufen hatte und wo Lumumba keinerlei Rückhalt zu erwarten hatte. Lumumba landete dort am 17.1.1961 mit 2 Getreuen (Mpolo und Okito), bereits schwer misshandelt. Begleitet von belgischem Militär wurden die Gefangenen für wenige Stunden in einer abgelegenen belgischen Villa interniert. Mindestens 3 schwarze Minister Katangas, namentlich bekannt, nahmen dort ebenfalls an den fortwährenden Misshandlungen teil. Der Beschluss, Lumumba zu ermorden, wurde von Politikern in Katanga gefasst, der (schwarze) Minister Godefroid Munongo spielte eine entscheidende Rolle.

Noch in derselben Nacht wurden Lumumba und seine 2 Getreuen mit einem Auto in die Savanne gefahren. Die Grube war bereits ausgehoben. Anwesend waren: Präsident Tschombé, Minister Munungo, Minister Kibwe, einige weitere schwarze Offizielle, Polizisten und Gendarmen, sowie 4 Belgier (Frans Verscheure, Polizeidirektor, Julien Gat, Hauptmannnder Katanga-Gendarmen, Francois Son, Polizist und Gabriel Michels, Leutnant). Lumumba und seine 2 Getreuen wurden schließlich von vier katangesischen Freiwilligen mit Maschinengewehren liquiduert.

Die Leiche Lumumbas wurde nach kurzer Zeit von Gerard Soete, seines Zeichens belgischer Vize-Generalinspekteur der katangesischen Polizei, exhumiert, zerstückelt und bis auf wenige abgetrennte Körperteile in Säure aufgelöst. Soete zeigte Lumumbas Gold-überkronten Zähne später noch einigen Besuchern seines Hauses in Brügge und entsorgte sie letztendlich in der Nordsee. Unterm Strich war die Ermordung Lumumbas kein Akt belgischer Aggressoren gegen wehrlose Kongolesen, sondern ein gemeinschaftliches, brutales Unternehmen schwarzer und weißer korrupter Eliten, die miteinander effektiv kooperierten. Der letzte Satz des Artikels ist daher grob irreführend und erweckt einen komplett falschen Eindruck beim unkundigen Leser. Das ist nicht gut. – Dr. Christian Voll

 

Wenn nunmehr die Großen der Geschichte,welche Verbrechen, unter dem Vorwand von Religionen, kulturellen und politischen Ereignissen begangen haben, aus der Geschichte getilgt werden sollen, was bleibt da noch übrig ? Der größte Teil der geschichtlichen Größen waren nach derzeitiger Auffassung Kriegsverbrecher,Menschenrechtsverletzter etc. Diese alle aus der Geschichte zu streichen ist wohl nicht realistisch. Geschichtsbewältigung bedeutet für mich, die Gegenwart und die Zukunft so zu gestalten, das die Verbrechen der Geschichte sich nicht wiederholen und nun vieles besser gemacht wird. Ich befürchte jedoch, das es lediglich bei Symbolen bleibt und sich grundlegendes nichts ändert.. – Ekkehart Staritz

 


 

 

Leserbriefe zu „Auf den Spuren des verlorenen Waldes“ von Angela Köckritz

 

Toller Artikel, Frau Köckritz. Es ist allerdings sehr bedrückend, so etwas zu lesen. Auf der ganzen Welt gibt es eine Art Ausverkauf. Egal ob Bodenschätze, Trophäen exotischer Tiere, Meeresbewohner, Tropenhölzer (…) – trotz Verboten ist es nur eine Frage des Geldes, um an alles heranzukommen. Die Dekadenz kennt keine Grenzen! Wir haben schon lange die Achtung vor der Schöpfung, vor Flora und Fauna verloren. Wir mutierten im Laufe der Zeit zum gefährlichsten Raubtier auf diesem Planeten. Das wird nicht mehr lange gut gehen. Und übrigens: Auch in unserem Land vernichten wir die Natur. Pro Sekunde werden hier etwa 10qm Land erschlossen, davon werden 3qm versiegelt. An einem Tag geht so Wald und Grünland verloren, dass in etwa der Fläche von 150 Sportplätzen entspricht. Tolle Wurst!! – Achim Bothmann

 

Ich lese mit Aufmersamkeit die letzte Ausgabe der ZEIT vom 9.7.20 , u.a. Seite -9-: Auf den Spuren des verlorenen Waldes. Oben auf der Seite haben Sie eine kleine Karte von Senegal und Gambia gedruckt. In dieser wird der Eindruck erweckt Casamance ist ein Ort am Fluss Gambia in Gambia. Es ist aber eine Region im Senegal. Das hat mich verwirrt. Sonst ein interessanter Artikel. – Johannes Weigmann

 

Selten eine so missglückte Grafik gesehen wie auf Seite 9! Ausweislich des Textes im Artikel ist die Casamance eine Region im Senegal und kein Ort in Gambia – in der Grafik scheint der Ort sogar mitten im Fluss zu liegen! Im Text ist von Fafacourou die Rede, in der Grafik von Fatacourou! Da nach der Grafik der Ort Sare Moussa im Senegal mit der Hauptstadt Dakar gelegen ist, verblüfft der Hinweis im Text, dass dieses Dorf „knapp 300 Kilometer von der Hauptstadt Banjul entfernt“ liegt. Liegt Sare Moussa vielleicht in Gambia? Etwas mehr Sorgfalt, gerade in einem Organ der „Qualitätspresse“, wäre doch angebracht. – Udo Kroschewski

 

„Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben? Wohl, den Meister will ich loben, solang noch mein Stimm´erschallt, wohl, den Meister will ich loben, solang noch mein Stimm´erschallt. Lebe wohl, lebe wohl, lebe wohl, lebe wohl, lebe wohl, lebe wohl, du schöner Wald! Lebe wohl, lebe wohl, du schöner Wald. Tief die Welt verworren schallt, oben einsam Rehe grassen, und wir ziehen fort und blasen, dass es tausendfach verhallt, und wir ziehen fort und blasen, dass es tausendfach verhallt. Lebe wohl… Was wir still gelobt im Wald, wollen´s draußen ehrlich halten, ewig bleiben treu die Alten, bis das letzte Lied verhallt, ewig bleiben treu die Alten, bis das letzte Lied verhallt. Lebe wohl…“ (Heimat- und Wanderlied: „Wer hat dich, du schöner Wald“ von Joseph von Eichendorff & Felix Mendelssohn Bartholdy) – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Der Abstieg“ von Klaus Brinkbäumer und Jörg Lau

 

In dem Artikel wird behauptet, daß (sogar) der erzkonservative Publizist Rod Dreher in „The American Conservative“ die Rede Trumps am Mount Rushmore schrecklich („kitschig, billig“ etc) fand. Was haben die Aurtoren da gelesen?? Wenn man den Artikel von Rod Dreher liest, findet man folgende Worte: Zu Beginn: “I thought it was a good speech, poorly delivered (the president seemed weary).” Gegen Ende: “If an American president — not just Trump, but any American president — cannot or will not give a speech like that on the occasion of Independence Day, this country is in deep trouble.” Einen stärkeren Applaus kann man sich kaum vorstellen… – Rudolf Fiebinger

 

Er mag zynisch oder gar schadenfroh klingen, dass der politische Lernprozess vieler Republikaner, republikanischer Anhänger und Trumpisten ein außerordentlich schmerzhafter und verlustreicher ist und wohl vorerst bleiben wird. Zum Ausdruck allerdings soll vielmehr gebracht werden, dass ein derartig desaströses Versagen ohne substanzielle demokratische Gegenwehr, welches seinen fatalen Anfang freilich bereits vor der Wahl Trumps zum US-Präsidenten genommen hat, das staatswesentliche Prinzip nicht nur entkräftet, sondern gegen sich selber lenkt (und also autoimmunisiert). Man stelle sich ernsthaft vor, Bundeskanzlerin Merkel würde unsere Demokratie in der Art und Weise lenken, wie es vermutlich kleine Kinder oder ganz sicher halbwüchsige Politiker und Autokraten machen, die maximale Distanz zum Denken und ethischer Verantwortung haben: Einfach mal wieder nicht hinschauen, wenn etwas passiert, das nicht gefällt oder verstanden wird und womöglich auch nicht zur persönlichen Machtagenda und Lebensplanung passen will.

Absurd, nicht wahr? Insbesondere deshalb, weil es um nicht weniger als die Führung des macht- und wirkvollsten demokratischen Amtes auf diesem Planeten geht, dessen Uhr ohnehin schon gegen seine ir(r)dischen Bewohner tickt. Es gibt (leider) Dinge, die bei Verwendung eines klaren An- und Verstandes keine Vielfalt an Aufklärung und Meinung zulassen. Noch bleibt Trump Zeit, das Blatt zu wenden. Doch wenn sich nicht etwas Dramatisches ändert, werden viele Amerikaner am 3. November einen neuen Independence Day feiern: die Befreiung von Trump. – Ira Bartsch

 

Ist Donald Trump schon ein „Verschwörungstheoretiker“, nur weil er selten eine Mund-Nase-Bedeckung trägt, weil er keine „Lockdown-Show“ mag, weil er sich dem „Shutdown“ verweigert, oder will er doch nur etwas anders sein, als all die andern? „Du bist anders als all die andern, du veränderst mein ganzes Leben. Was ich habe will ich dir geben. Du bist anders als all die andern, darum lass ich dich nie mehr gehen, ich will dich lieben und verstehen.“ (aus: „Du bist anders“ (1970) von Peter Maffay, Text und Musik: Christian Bruhn, Michael Kunze & Herbert Gabriel) – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Im Kampf um die Häutigkeiten“ von Ulrike Draesner

 

Ihr offener und persönlicher Text um die „Häutigkeiten“ und Ihre Tochter berührt. Man spürt, dass sie ihre Tochter lieben, sie beschützen und rassistische Angriffe schmerzhaft sind. Einige „relativierende“ Anmerkungen zum Trotz: Sicherheitsdiskriminierung ist alltäglich und trifft nicht nur dunkelhäutige Menschen. Als wir 19 Jahre jung waren wurden wir auf JEDER Fahrt abends aus Köln raus von der Polizei angehalten und gründlich gefilzt, wirklich jedes Mal. Was uns verdächtig machte ? Wir waren männlich, wir waren jung, und fuhren eine alte Schrottkarre. Die Kontrollen nervten. Verletzt und abgewertet fühlten wir uns nicht. Der Vergleich hinkt? Bestimmt tut er das. Mit Drogendealern verhält es sich ähnlich. Das Straßen-Drogengeschäft in den Großstädten ist überwiegend in der Hand von dunkelhäutigen Männern. Da werden andere dunkle Männer, die nichts mit Drogenhandel am Hut haben, in Sippenhaft genommen. Das nervt auch.

Wer ist nun für derlei Sicherheitsdiskriminierung verantwortlich ? Als biodeutsche Kartoffel werde ich bis ans Lebensende für das dritte Reich im Sippenhaft genommen – auch wenn ich nichts mit Antisemitismus am Hut habe – und akzeptiere das. Wie Ihre Diskriminierungserfahrung am eigenen Leib in Colombo deutlich macht, ist die Bereitschaft zur rassistischen Diskriminierung auf der ganzen Welt gross, mitunter mehr als in Deutschland. Wir machen das als Volk eigentlich garnicht so schlecht. Luft nach oben ist natürlich immer. Aktuell wird der Begriff Rassismus so ausgelegt, dass JEGLICHE Reaktion auf äußere Merkmale- sofern diese in irgendeinem Zusammenhang mit Herkunft stehen könnten – als rassistisch gewertet werden. Das halte ich für kontraproduktiv. Natürlich ist das insistierende Nachfragen „Wo kommst du eigentlich her?“ obsolet und nervig.

Es schwingen zudringliche Fragen mit wie „Wo kommt Dein Vater ursprünglich her ? Wie ist Deine Mutter an den geraten ? Welcher Art mag ihre Beziehung gewesen sein?“ Distanzlos sicher. Den Menschen wird man das Reagieren auf phänotypische Besonderheiten nicht gänzlich austreiben können. Abwertung und Ausgrenzung muss niemand erdulden müssen. Gleichwohl kommt es als Erfahrung in jedem Leben vor. In allen Häutigkeiten. Inadäquate Fragen und distanzlose Neugier hingegen – damit muss man umgehen lernen. Nervt. So what? – Dr. med. Christoph Heck

 

Den Erfahrungsbericht von Ulrike Draesner fand ich sehr interessant und bewegend. Ich möchte mich auch gar nicht zum Inhalt äußern, sondern eine sprachliche Anmerkung machen (ich hoffe, das kommt nicht besserwisserisch rüber!). Sie lässt einige englische Redewendungen einfließen, die m.E. nicht korrekt sind. „What you cannot help to notice“ sollte besser „… help BUT notice“ lauten, und später übersetzt sie „Wir können nicht anders“ mit „cannot help us“. Das „us“ muss ersetzt werden durch „ourselves“, denn es handelt sich um das Reflexivpronomen und nicht das Personalpronomen (im Deutschen beides „uns“!). Sie können das gerne ignorieren, wenn es Ihnen zu banal erscheint, aber vielleicht möchten Sie Ihre Leserschaft ja auch in dieser Hinsicht weiterbilden. – Helmut Maurer

 

Rezeptive Schwächen sind dem Menschsein leider immanent, allerdings nebst der Fähigkeit zu Vernunft und Würde. Diese Befähigung gibt uns die Möglichkeit, Widersprüche und Defizite festzustellen, differenziert zu benennen und auszuräumen. Wer gesellschaftlicher Ungerechtigkeit – und Rassismus und Diskriminierung sind freilich nichts anderes – verständig und nachhaltig abwenden will, muss nach aller Lebenserfahrung authentisch Dialog und Dialektik anbieten. Mit, wie kürzlich dargetan, boshaft-anspruchsloser Satire oder einem pauschalierten Verzicht auf systemische Aufklärung allerdings funktioniert die dafür notwendige demokratische Objektivierung nicht.

Der Politiker Robert Habeck hat vor kurzem die bestehende Auffassung vieler Betroffener, Experten und Intellektueller wiedergegeben: „Wir müssen den Rassismus verlernen.“ Dem möchte man hinzufügen, dass wir besser noch weder Rassismus noch andere gesellschaftlich zersetzende Strukturen, besinnungslos-leere Lehren und Vorwände einüben, die wir verlernen müssen (die gewiss sehr drastischen Zustände in den USA sollten uns jedenfalls aufmerksamer gemacht haben). Denn Rassismus ist eine Ideologie, die uns Menschen „erzieherisch angeeignet“ wird. Und diese Forderung steht mitnichten der Erkenntnis entgegen, dass jeder Mensch natürlicherweise Informationen über seine Mitmenschen aufnimmt und ebenso natürlich ein Profil erstellt.

Aber eben ergebnisoffen, weil vorurteilsfrei, ein durch persönlichen Kontakt und Austausch bedingtes. Diskriminierungen hingegen weisen stets auf Unreife, Ignoranz und Unsicherheit, kurzum auf infinite Schwächen derer hin, die diskriminieren. Es sei die polemische Frage erlaubt: Wer möchte schon diesem Profil entsprechen? Also, gebrauchen wir, selbstverständlich nicht zuletzt im basisgebenden Sinne unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung, den eigenen Verstand und nehmen wir Vernunft an. Jeder sollte es sich wert sein, auf mehr als nur Äußerlichkeiten und Oberflächlichkeiten zu setzen. Denn Demokratie, die uns mit ihren Rechten und Pflichten wie eine gemeinsame Sprache zu einer verbindenden Identität und Solidarität verhelfen kann, entspringt aus der Mitte einer aufgeklärten Gesellschaft. – Matthias Bartsch

 


 

 

Leserbriefe zum Politischen Fragebogen „»Macht wird gern geleugnet«“. Gespräch mit Sigurd Rink geführt von Evelyn Finger

 

Welch ein Paradox = Ein Militärbischof. Das Militär, die Streitkräfte werden mit Kriegswaffen ausgestattet, die dazu dienen im Kriegsfall Menschen zu töten. Was ist mit dem 5. Gebot. „Du sollst nicht töten“? Was ist mit dem Respekt vor dem Leben? Was würde Jesus zu einem Militärbischof sagen: „Selig sind die Friedfertigen“ und „Liebet Eure Feinde“! Zählen diese fundamentalen christlichen Werte nicht mehr? Im Gegensatz zu dem Militärbischof Sigurd Runke glaube ich nicht an eine Legitimation für Militärgewalt. Da diese, wie die Geschichte zeigt, immer in einer Gewaltspirale mündet. Da hilft auch das Tragen von Talar und Beffchen statt einer Uniform nichts. – Felix Bicker

 

Danke für die Initiative „Der politische Fragebogen“ ! Weiter so ! – Helmer-Christoph Lehmann

 

Lieber Herr Bischof Rink, eigentlich lese ich nicht mehr Artikel zum Thema „Glauben“ (vermutlich bin ich in der Überschrift beim „Zweifeln“ hängen geblieben), aber irgendwie bin ich beim Weiterblättern über eine Antwort von Ihnen innerhalb des Textes „gestolpert“ und habe dann erstaunt alles von Anfang an gelesen. Großgeworden in einer kleinen sehr christlich orientierten ev. Gemeinde (30 Pastoren beim 10.000 Einwohnern), war ich vor vielen Jahren nach meinem Wegzug mit Anfang zwanzig aus der Kirche ausgetreten. Die vielen Phrasen und Worthülsen hatten mich u.a. nicht nur aus der Gemeinde, sondern auch aus der Kirche getrieben. Nach dem Lesen dachte ich: Wenn alle Pastoren Ihren Pragmatismus hätten, müsste man eigentlich wieder eintreten, allein um die Arbeit der Kirche zu unterstützen. Gut zu lesen, dass Sie nach Ende Ihrer Dienstzeit in die Diakonie gehen, Sie werden dort noch viel Gutes für die Menschen bewirken, davon bin ich überzeugt. In der Hoffnung, dass sie Ihnen nicht nur eine Organistations-Bürostelle angeboten haben, weil keiner sich traut, einen Bischof in die Gemeinde zu schicken :-). – Friedel Rohde

 


 

 

Leserbriefe zu „Vielleicht doch kein so schlechtes Spielzeug?“ von Nicola Meier

 

Ich kann mir vorstellen, dass in manchen Kinderzimmern die Prinzessin-Barbie der einzige Glücksmoment ist, der ein traumatisiertes Kind am Leben hält (aktuelles Thema Missbrauch). Der Hoffnungsschimmer und Glaube eines Tages auch unbeschwert leben zu dürfen, ist lebensnotwendig. Durch die Barbie werden diese Kinder eventuell mutig und laut, weil „Barbie alles sein kann“. Des weiteren sind wir dann auch schon wieder beim „Privilegierten-Thema“. Ein Kind, das unbeschwert aufwächst und Zeit hat sich über den Beruf seiner Barbie Gedanken zu machen. Auf der traurigen Seite des Lebens ein Kind, dass einfach nur froh ist überhaupt eine Barbie besitzen zu dürfen egal welcher Beruf diese darstellt. Ich bin absolut d’accord mit dem Wandel der neuen Variationen von Barbie. In den 90ern habe ich ebenfalls mit meinem riesen Barbie-Pool-Haus und den dazugehörigen Puppen gespielt. Allerdings habe ich mir auch mal die Frauen in meinem realen Leben angesehen und beobachtet. Ein Blick in die Realität beweist doch, dass keine Frau auf natürliche Weise aussieht wie eine Puppe.

Denn wie das Wort schon sagt: Eine Puppe zum Spielen, keine menschliche Frau! Welches Mädchen möchte denn nicht einmal in einer Phase ihrer Kindheit Prinzessin sein? Warum muss es denn eine Pilotin Barbie geben, wenn es die Prinzessin in einem Abenteuer ebenfalls sein kann? Unterbewusst drückt man den Kindern doch damit auch Klischees auf, sich nämlich nur über seinen Beruf zu definieren. Kinder sollen sich doch im Spielen entdecken und entfalten dürfen. Das Leben eines Kindes ist doch schon leistungsorientiert genug. Lasst den Kindern doch ihre Fantasie! Es liegt doch (meistens) offensichtlich an den Eltern, was sie ihren Kindern mit auf den Weg geben. Weitergedacht müssten sich auch Kinder unter Druck gesetzt fühlen, die aus welchen Gründen auch immer keinen ansehnlichen Beruf erreichen. Manche Frauen gehen in der klassischen Hausfrauen- und Mutterrolle auf. Sollen sich diese nun auch schlecht fühlen keine Pilotin wie Barbie zu sein? Und für die Jungen gilt dann: Bitte stellt die Superhelden menschlicher dar, denn welcher lebende Mensch hat schon Superkräfte? – Francesca Förster

 

Hoppla, die BARBIE- Puppe ? Mein Idol von vor 60 Jahren ? Meinen Puppenkleiderschrank, von Opa gebastelt, für die Kleider meiner Puppen – leider nicht für BARBIE , sehe ich vor mir stehen. Doch eine Mappe für meine damaligen Anziehpuppen, für die rauschenden Ballkleider, die schlichteren Kostüme für den geselligen Nachmittag, sogar für Badekleidung und Nachtzeug – alles nicht nur für die Dame sondern gleich für die ganze Anziehpuppen – Familie: Diese Dame, dieser Herr und die beiden Kinder sowie ein kleiner Schoßhund sind etwa zeitgleich mit BARBIE entstanden. Ähnliche Körperformen wie die BARBIE hatten auch sie. “ Die BARBIE bekommst du nicht !“ hörte ich jedoch meine Mutter sagen, „du spielst mit Angelika lieber mit den Anziehpuppen-Familien. “ Ja wirklich, wir trafen uns einmal wöchentlich – bei uns oder bei Angelika, die Mütter bewirteten uns mit selbst gebackenen Pfannküchlein und Pflaumenmus, dazu mit heißem Kakao oder Limo. Herrlich !

Wehe, jemand würde an diese Mappen herangehen ! Dann hatten wir unsere Anziehpuppen wieder einmal ausgepackt, bzw aus den Mappen geholt und die dazu gehörigen Kulissen aufgebaut: Schloss ähnliche Häuser mit jeder Menge Personal ! Angelika hatte sogar eine selbst gebastelte Pferdekutsche mit 6 Pferden davor, ihre Mutter durfte die aber nicht abstauben , so wertvoll war diese Kutsche. Es wurden wöchentlich aufregende Rollenspiele gespielt, jeden Mittwoch anders. Doch es kamen auch immer neue Kleider mit BARBIE- ähnlichen Accessoires hinzu: Vorgaben aus Sissi-Filmen, die wir wir nur aus den S/W Programmheften kannten . An eine BARBIE – Puppe war nicht zu denken, obwohl ich einige Spielkameradinnen hatte, deren Puppen – Kollektion sogar mit einer blonden BARBIE ausstaffiert war. Ich hatte nur Baby- und Schildkrötpuppen, wäre aber das glücklichste Kind im Besitz einer BARBIE geworden. Wie gut, dass die Mütter uns damals noch Kleidung strickten, die ich dann stolz meinen Freundinnen vorführte.

Eine passenden Samtgürtel mit der kleinen Dreieckstasche aus Kunstleder bekam ich leider nicht zu meinem neuen Röckchen. “ Zu ordinär!“ fand meine Mutter. Also musste ich mir dieses Teil bei den anderen ausleihen. Ganz wie BARBIE durfte ich nie aussehen. Es war nicht zu schaffen. Unsere Ernährung ließ es auch nicht zu, denn es kamen mit der herannahenden Pubertät einige Pfunde drauf. Immer weniger Ähnlichkeit mit einer BARBIE, … und BLONDE Haare waren naturgemäß schon gar nicht drin. Auch bei all meinen Puppen nicht. Aber zu gern hätte ich doch etwas Ähnlichkeit mit diesem Idol gehabt. Da nützte kein Samtgürtel, keine Anziehpuppe im Sissikleid oder ein goldener Ohrring von der letzten Kirmes . Später war die Pubertätszeit da: Kalorien zählen hieß das Zauberwort !

Meine beiden jüngeren Schwestern wuchsen mit jedem Tellergericht in diese Welt hinein. Die leckeren gemeinsamen Mittagessen nach der Schule waren jedoch eher häufig ein Hürdenlauf. I Ich nahm weiter zu und bekam statt einer schlankeren Taille noch dickere Oberschenkel. Meine Schulfreundinnen, jedenfalls die , die ich am meisten bewunderte, waren schmal und sportlich, fast androgyn gebaut. Aber sie hatten selten eine BARBIE -Puppe zuhause. Tröstend, dass ich in den damaligen Bekleidungsgeschäften, nundoch für mich passende und attraktive Kleidung fand – andere Kleider als BARBIE- Kostüme. Barbies Kleidung hatte immer noch den Haut Gout von etwas Ordinärem. Zu plüschig, zu figurbetont, zu bunt und zu feminin ! Dennoch: Gespielt hätten wir mit diesen Puppen viel lieber. Ihre Idolhaftigkeit hatte sich bereits in die Damenwelt-Mode der Zeitschriften Constanze und Brigitte gesteigert..

Bei meinem Schneiderkurs im Textilhaus Opitz lernte ich einen passenden Schnitt für eine Bluse, einen engen Rock mit Rückenschlitz und für ein Cocktailkleid – speziell für meine eigenen Maße – zu erstellen,. BARBIE war da leider schon fast in Vergessenheit geraten ! Erst später , als ich im Kunstunterricht Modelle für meine Schüler zeichnete und das Gespräch mit einer etwa gleichaltrigen Kollegin auf BARBIE kam, da wurde mir bewusst, welche unterschiedlichen Bewertungen mein Idol wohl immer hatte: “ Ih, so ´ne Schlampe durfte ich nicht haben ! “ Ich war ziemlich verblüfft. Nun, Ihr anregender Artikel im Dossier über unseren Puppenkult hat mir gezeigt, wie nachhaltig doch dieses Idol wurde, wie viele Prägungen in der eigenen Körperwahrnehmung daraus hervor gegangen sind.

Noch heute , selbst wenn eine BARBIE im Rollstuhl sitzt, bemerke ich zuerst das blonde lange Haar in einer pinkfarbigen Umgebung. Bei allen aufklärerischen Entwicklungen wird diese Sehnsucht nach der perfekten Körpergestalt bei mir bleiben… Und den Wunsch nach weiteren Kleidungsstücken, Schmuckstücken und Modeentwicklungen vielleicht mächtig beflügeln – bei allen Widersprüchen, die mein Verstand längst verinnerlicht hat. Ein lesenswerter Artikel, der mir eine Menge über meine Entwicklung von Kindesbeinen an gezeigt hat ! Ich danke Ihnen! Und hoffe auf weitere solche Einsichten. – Marion Goes

 

Gute recherierter Bericht wie wir es von einer ZEIT Journalistin erwarten. Was mich schockiert hat, jedoch ist der Satz über die werdende Mutter die weint weil der Arzt ihr Gewicht in den Mutterpass einträgt. Deutet das nicht auf ein viel ernsteres Problem unter nu gen Frauen hin als alle Barbieprobleme zusammen? Mit Wehmut denke ich an meine schöne Mutter, die ich das Glück hatte bis zu ihrem Tod zu pflegen. Wie war sie doch einfach und dabei so klug. Sie ließ die Kirche im Dorf. Wahrscheinlich wissen verwöhnte junge Frau heute nicht einmal mehr was dieser Satz bedeutet. – Marianne Werner

 


 

 

Leserbriefe zu „Paris will »Ökozid« bestrafen Welche Rechte hat die Natur?“ von Petra Pinzler

 

Eben sah ich in meiner neuen „Zeit“ unter Politik auf Seite 4 die Schlagzeile: “ … Welche Rechte hat die Natur“. Den Artikel habe ich noch nicht gelesen und daher auch keine Kritik anzumelden. Ich möchte nur meine spontane Sichtweise zu der Schlagzeile sagen. Die ist: DIE ERDE KOMMT GUT OHNE UNS KLAR. ABER WIR NICHT OHNE DIE ERDE. Das scheint weltweit unklar zu sein, die Natur hat aber Milliarden von Jahren ohne uns funktioniert. – Silvia Hoffmann

 

Bevor wieder eine weltweite aufgeblasene Institution sich damit beschäftigt, wer einen “ Ökozid“ begangen hat und diesen Naturschänder dann strafen will (was gar nicht umsetzbar ist), sollte man einfach mal vor der „eigenen Haustür kehren“. Hier gibt es täglich den schleichenden und geduldeten „Ökozid“ ohne Konsequenzen. Zum Beispiel wäre es zwingend erforderlich, die Grundwasserverseuchung durch Gülle in Niedersachsen zu stoppen. Sauberes Trinkwasser ist die Basis allen Lebens. Es wäre extrem Wichtig, wenn in der Mono-Agralandschaft der Mecklenburgischen Seenplatte wieder Lärchen und Kiebitze leben könnten, wenn auf den Wiesen wieder Schweine und Kühe zu sehen wären, die bei Tageslicht und Bewegungsfreiheit gehalten werden.

Es ist ein Verbrechen an der Natur, wenn Pestizide und Herbizide bei der Lebensmittelgewinnung auf tausenden von Hektar Anbaufläche in Deutschland eingesetzt werden. Die schädlichen Rückstände sind im Boden und im Blut zu finden. Es wäre schon ein großer Schritt, wenn die tonnenweise Anwendung von Antibiotika in der Massentierhaltung untersagt wird und die Medikamente (!) nachher nicht in den Flüssen wieder auftauchen. Dies sind nur einige praxisnahe Beispiele die es aufzuarbeiten gilt, bevor nach völkerrechtlichen „Ökozidgesetzen „ gerufen wird , die nachher als Papiertiger viel Zeit und Geld kosten. Übrigens: Die Brandrodung im Amazonas ( Ökozid ?) wird großflächig durchgeführt um Soja anzubauen. Soja wird in Deutschland im großen Mengen für die Schweinemast verwendet! – Reinhard Schmitz

 

Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, möchte ich mich für Ihren Qualitätsjournalismus bedanken. Dieser ist für unsere Demokratie in Zeiten von sozialen Medien und Fake News unentbehrlich. Zum eigentlichen Anliegen. Ich habe eben in der aktuellen Ausgabe (Nr. 29) den Artikel auf Seite 4, „Paris will „Ökozid“ bestrafen – Welche Rechte hat die Natur“ gelesen. Hier ist der Autorin ein Fehler unterlaufen. Die Hauptstadt der Niederlande ist nicht Den Haag sondern Amsterdam. Auch wenn sich der Regierungssitz in Den Haag befindet, wollen wir den Bewohnern von Amsterdam nicht den Hauptstadttitel aberkennen, der laut der niederländischen Verfassung verankert wurde. ;-) Bitte hier um Berichtigung. – Sebastian Wehr

 


 

 

Leserbriefe zu „Das war’s, Preußen“ von Anna-Lena Scholz und Tobias Timm

 

Die Verfasserin Frau Anna-Lena Scholz demonstriert (unbewusst?) herrlich den groben Unfug, der mit der Deutschen Sprache momentan flächendeckend passiert. Sie schreibt: „Jetzt ist das Audimax auf Bildschirmgröße geschrumpft, die Studierenden kochen selbst.“ Ja, studieren denn alle plötzlich Hauswirtschaftslehre? Vor dem Bildschirm waren sie sicherlich Studierende, am Herd werden daraus bei korrekter Anwendung der Grammatik Kochende, da das Studieren vermutlich während des Kochens unterbrochen wird. Anschließend sind die Studenten/innen sicherlich studierende Essende und Trinkende… Die missbräuchliche Nutzung des Begriffs „Studierende“ ist üblich und sogar offiziell geworden, ohne dass nicht einmal die Germanistik-Studis dagegen protestieren. Leider sind die „Studierenden“ nur ein Beispiel für den üblen Umgang mit unserem wichtigsten Kulturgut! Auch etliche ZEIT-Journalisten sind nicht frei davon! Gute Besserung! – Dr.-Ing. Gottfried Mende

 

Überall dort, wo Geld gemacht wird, wie Tourismus, Gastronomie, Industrie… kann wieder fast normal gearbeitet werden. Und da, wo es nicht um Konsum geht, sondern um Bildung oder Spiritualität oder auch Kultur, werden den „Veranstaltern“ (Schulen, Kirchen, Theater…) Steine in den Weg gelegt in Form von im Vergleich zum ersteren Bereich absurden Regelungen. Im Restaurant kann unbekümmert gespeist werden, in Mensen werden die Anbieter gegängelt. Dass Lehrer es angenehm finden, nur noch halbe Klassen zu unterrichten, kann man verstehen, und es bleibt womöglich sogar mehr hängen bei den Kindern, als wenn 29 andere mit im Klassenzimmer sitzen. Studenten sind aber auf Labore, Bibliotheken und den Austausch in Seminaren vor Ort angewiesen. Und ein sowieso schlecht besuchter Gottesdienst scheint mir kein gefundenes Fressen für Viren, und sich dafür jetzt online anmelden zu müssen, quelle absurdité würde ich als Wahl-Elsässerin sagen. Hirnrissig!!! – Bärbel Knauß

 


 

 

Leserbriefe zu „Das Lied vom Leben“ von Wolfram Goertz

 

Nach den ausführlichen Würdigungen in der Weltpresse anlässlich des Ablebens des wohl bedeutendsten Filmkomponisten aller Zeiten erwartete ich in der heutigen ZEIT einen entsprechenden Artikel, der sich einreiht in die Serie von bemerkenswerten Filmkritiken in Ihrem Journal in den vergangenen Jahrzehnten, die teilweise Maßstäbe setzten! Was für eine Chance wäre es gewesen, etwa Weggefährten des Verstorbenen (Schauspieler, Regisseure, Produzenten, Dirigenten) eine Stimme zu geben, um ihre persönlichen Gedanken und Eindrücke über den Ausnahmekünstler mit den Lesern zu teilen. Statt dessen ein halbseitiger Artikel mit dem nichtssagenden Titel „Das Lied vom Leben“, der in seiner lakonischen Kürze und Kühle eher einer klinischen Sektion gleicht. Es ist alles analytisch korrekt, läßt aber jedwede Empathie vermissen und vermittelt nichts von der Faszination dieses Mannes, der in der Lage war, auch „hartgesottene“ Menschen tief zu bewegen – etwa in seinem vielleicht besten Film „The Mission“.

Dort wird die brutale Niederwerfung eines südamerikanischen Indiostammes als Opfer katholischer Machtintrigen zwischen Portugiesen und Spaniern durch den Gleichklang von Bildern, Darstellungen (Irons und deNiro!) und Morricones fast hypnotische Musik so intensiv transformiert, dass man glaubt, dieses Desaster im Urwald selbst mitzuerleben und entsetzt eingreifen zu wollen.. Hier war die Musik essentieller Bestandteil des Filmes selbst. Die „Goldene Palme“ in Cannes 1986 war auch sein Verdienst! Eine Gelegenheit wurde vertan. Wenn es wichtiger erscheint, Simon Gabriel in dieser Ausgabe eine ganze Seite zu widmen, dem großen Ennio Morricone jedoch nur eine halbe, dann glaubt man sich – um im Jargon zu bleiben – im „falschen Film“. – Eike Meier-Windhorst

 

„Die Mundharmonika zählte übrigens nicht zu seinen Lieblingsinstrumenten“. Das hat meines Wissens niemand über Ennio Morricone behauptet. Die Mundharmonika hat ihn aber berühmt gemacht. Für dieses Instrument hat er nicht nur das „Lied vom Tod“ geschrieben, sondern auch „Immobile No.2 für Mundharmonika und Streicher „, ein Konzertstück. Ganz offensichtlich wusste er, dass mit einer Mundharmonika mehr zu spielen ist als eben nur dieses „Lied vom Tod“. Damit schließt er sich etlichen namhaften Komponisten an wie Darius Milhaud, Ralph Vaughn-Williams, Gordon Jacob, Heitor Villa-Lobos usw.usf , die alle dieses Instrument offensichtlich geschätzt haben, ohne dieses zugleich zu ihrem Lieblingsinstrument zu erklären.Angesichts dieses Sachverhalts stellt sich die Frage, was dieser Satz am Ende dieses Nekrologs soll. – Ulrich Müller-Froß

 


 

 

Leserbriefe zu „Wir wollen leben“ von Lea Frehse

 

Es ist gut, dass solche Berichte von den unerträglichen Zuständen in Syrien geschrieben werden. Das hinter den Ereignissen stehende Gerangel um Besitzstände, Machtansprüche und Kontrolle lässt sich allerdings auf dieser Ebene nicht klären. Es bedarf einer für alle Beteiligten menschenwürdigen Basis dafür. Nur dann lässt sich die Sehnsucht nach „Wir wollen Leben“ in gesellschaftliche Wirklichkeit umsetzen. Und eine solche Basis für Konfliktlösungen fehlt.

In dem Artikel wird nur indirekt und an einer Stelle auf dieses Fehlende hingewiesen: Es sollte zu einem offenen Religionsverständnis kommen. Zwar bezweifele ich nicht, dass es in Syrien und jedem anderen Land Menschen gibt, die sich um vorurteilsfreie Mitmenschlichkeit bemühen, so lange das aber von selbstsüchtigen Ideologien und Instrumentalisierungen religiöser Werte torpediert wird, lassen sich nur schwer gesamtgesellschaftliche Fortschritte in Richtung Normalität erreichen. – Christoph Müller-Luckwald

 

Schon mehrmals habe ich in Ihrer Zeitung mit Sorge festgestellt, dass Sie über Ihre anonymen Informanten oft so viele unnötige Details veröffentlichen, dass diese zusammengenommen die Identifikation ihrer Quellen ermöglichen. Mit den modernen Recherchemöglichkeiten im Internet erhöht sich die Gefahr einer Enttarnung um so mehr. Speziell in diesem Artikel betonen Sie selbst das große persönliche Risiko, dass Frau Daoud mit den Interviews für ihre Zeitung eingeht. Daher finde ich es riskant, Details zu ihrer beruflichen Laufbahn, z.B. wann sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren müsste, zu veröffentlichen. Ebenso erlaubt die Episode mit der versehentlichen Explosion einen Schluss auf ihren Wohnort. In diesem Ort wird es vermutlich nicht so viele beurlaubte Schulpsychologinnen geben. Als Leser habe ich volles Verständnis dafür, wenn sie bestimmte Sachverhalte aus Gründen des Quellenschutzes weniger detailreich schildern, so lange dadurch der Wahrheitsgehalt des Artikels nicht leidet. – Lukas Faulstich

 


 

 

Leserbriefe zu „Kawumm!“ von Stefan Schmitt

 

I.) Zu S. 29, Ende von Abs. 2: Der „weltweit hörbare“ „Donnerschlag“ gelangte natürlich nur dorthin, wo es eine Atmosphäre gab. Denn Schallwellen, die das „Hören“ erst ermöglichen, sind deren periodische Druckänderungen. „Weltweit“ ist daher zu verallgemeinernd und meint nur „über die ganze Erde“. II.) Zu S. 62, „Mein Wortschatz“: „Schnücksch“ ist ein schönes Beispiel, dass jede Sprachregion ihr eigenes Wort hat. Selbst das Alemannische kennt mehrere Wörter dafür: Hier im nördlichen Breisgau sagt man „schnaiggig“. – Volker Morstadt

 

Zum dem Artikel über Zusammenstösse unseres Planeten mit Asteroiden ist mir eine Sache unklar geblieben.In der Liste der von Stephen Hawkins aufgeführten Gefahren für die Menschheit(am Ende des Artikels) ist von KI ider K1 ?? die Rede. Was bedeutet das ? danke für die Hilfe. –Hans-Emil Schuster

 


 

 

Leserbrief zu „Torten der Wahrheit“ von Katja Berlin

 

Ich lese Ihre im großen und ganzen wunderbare Zeitung regelmäßig nun schon etwa 35 Jahre – und schätze sie natürlich. Allein: etwas Derartiges produzieren Sie/Ihre Kollegin Fr. Berlin bitte Kein zweites mal. Erstens: Ich finde statistische Angaben ohne Quellenangabe schlicht und einfach unprofessionell. Und Zweitens: Die o.a. „statistischen“ Zahlen und ihre wörtliche Verortung sind an – bitte verzeihen Sie mir – Blödheit nicht zu überbieten. Denn: WANN „früher“ im Vergleich zu „heute“? WO „früher“ im Vergleich zu wo „heute“? Schließlich: welche „moralischen“ Qualitäten in welchen Kulturkreisen stehen zur Debatte etc etc etc. Die so klotzige wie sinnlose Bemerkung als header: „Was Konservative am meisten ärgert“ ist nur das Tüpfelchen auf dem i der Gedankenlosigkeit (und ich rechne mich sicher nicht dem zu, was man gemeinhin als Negativkonservativismus bezeichnet). – Toni Maurer

 


 

 

Leserbrief zu „Boykottchen gegen Facebook“ von Ann-Kathrin Nezik und Cristina Plett

 

Die Autorinnen schreiben: „indem sie der Plattform ihre wirtschaftliche Grundlage entzieht: die Werbeanzeigen.“ – Die wirtschaftliche Grundlage sind die Nutzer-Accounts. Ohne die würde niemand bei Facebook inserieren. Wer wirklich gegen Hass im Netz aufstehen will, löscht also seine Account, am besten mit der expliziten Begründung. – Iman Schwäbe

 


 

 

Leserbrief zur Infografik „Erkenne die Kurve“ von Matthias Schütte (Infografik) und Urs Willmann (Recherche)

 

Da haben Sie aber ein tektonisches Wunder vollbracht ! Sie lassen in Ihrer sehr schönen Gipfelreihe den Zehnthöchsten mit seinen 3657 Metern einfach untergehen !! Wer mag das wohl sein? – Friedhold Poggemeyer

 


 

 

Leserbrief zu „Nicht wieder normal!“ von Anna Herrhausen

 

Ich war sehr beeindruckt von Ihrem Aufruf – wichtig, knapp und treffsicher. Hoffentlich lesen ihn viele Entscheidungsträger und richten ihr Handeln danach ein! Aber auch die breite Öffentlichkeit, besonders wenn es um Wahlen geht. – Dr. Reiner Durchholz

 


 

 

Leserbrief zu „»Ich habe mich ganz bewusst immer breit aufgestellt«“ von Andreas Bernard

 

Danke für den sehr lehrreichen Artikel. Ja, es geht einem schon gewaltig auf den Geist, wenn Menschen -möglichst laut- so ein Vokabular benutzen. Ich benötigte während meines Berufslebens weder einen Coach noch Personality-Seminare, sondern ich habe den gesunden Menschenverstand eingeschaltet. Auch so habe ich als Technikerin erfolgreich arbeiten können. – Ute Koch

 


 

 

Leserbrief zu „60 ZEILEN … LIEBE“ von Peter Dausend

 

Hier ein guter Rat an Luisa Neubauer: Wer seine vermeintlichen Widersacher derart attackiert und herabwürdigt (Friedrich Merz wird in der Sendung von Markus Lanz als mandatspolitisches Nichts bezeichnet), gewinnt i.d.R. nichts. Er schadet sich selbst (das freundliche und hübsche deutsche Gesicht der Frideys for Future-Bewegung bekommt hässliche Züge), seinem Anliegen (Anliegen und Person gehören nun mal zusammen) und der so Attackierte erhält – wie Peter Dausend schreibt – Sympathiepunkte bei Leuten, die ihm nicht unbedingt grün sind. Im schlimmsten Fall hat man sich den so Attackierten zum Feind gemacht. Was bei Friedrich Merz wohl nicht der Fall sein dürfte, weil er nicht gerade an mangelndem Selbstbewusstsein leidet. Also, liebe Frau Neubauer: Wechseln Sie Ihren Persönlichkeitscoach, falls sie einen haben. – Bernd Riegsinger

 


 

 

Leserbriefe zu „Über die Bedeutung der Frage »Wer spricht?« und das Unterdrücken von Meinungen“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

 

Nun haben Sie mich vom Schreiben abgehalten. Angesichts der Black Live Matters Bewegungen, habe ich mich gefragt, ob da nicht auch eine Art umgekehrter Rassismus mitschwingt. Na – nicht nur schwingt sondern tatsächlich existiert. Also haben Sie mir freundlicherweise die Gedanken aus dem Hirn gepflückt. Angemessen freundlich formuliert, natürlich. Und dennoch befürchte ich, daß der nächste Fäkaliensturm auf Sie niedergehen wird. Soll ich Ihnen danken, daß Sie gerade Ihren Kopf hinhalten? Wird wohl Zeit, daß ich meinen mal aus dem Fenster lehne. Danke. – Silvia Koerbl

 

Die Diskriminierung von Menschen zu bekämpfen ist richtig, daran sollte allen gelegen sein. Die beschriebenen jungen Akademikerinnen und Akademiker aus Unis, Beratungsstellen usw. möchten anscheinend mit einem gewissen Anspruch auf Absolutheit bestimmen, wer als diskriminiert zu gelten „hat“ bzw. wer darüber reden „darf“.Das geht wohl schon so weit, dass eine „Person of Color“, die diesem Dogma nicht folgen kann und Verständnis für „Weiße“ zeigt, als von diesen manipuliert gilt. Spätestens hier wird es interessant, weil in diesem Moment die Objektivität erledigt wird und der Dialog gleich mit. Das ist nach meiner Ansicht kein Generationenkonflikt, denn ich glaube nicht, dass alle jungen Leute so denken. Es geht um die Veränderung einer Gesellschaft. Für sich gesehen ist das ja richtig, wenn es um die Schaffung einer gleichberechtigten Gesellschaft geht, in der Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe nicht mehr diskriminiert werden. Es wird aber nicht gelingen, wenn man gleichzeitig eine andere Form der Diskriminierung erschafft. So wie hier. Von einer Elite, zu der diese die jungen Akademikerinnen und Akademiker gehören, muss man da eine größere Fähigkeit zur Differenzierung erwarten können.

Zurück zur Straße. Sie schreiben, dass Sie selbst Opfer der Gewalt von einer Gruppe junger Männer mit Migrationshintergrund geworden seien und seitdem die Straßenseite wechselten wenn Ihnen sie solchen Gruppen begegneten. Frauen aus meiner Familie wurden aus eber dieser Gruppe auch schon verbal attackiert. Diese Attacken waren sexueller Natur und geschahen in völlig verschiedenen Zusammenhängen. Einzelheiten möchte ich nicht schreiben, aber ich hoffe nicht, dass sie künftig die Straßenseite wechseln werden. Wären diese Attacken aus Gruppen von jungen Männern ohne Migrationshintergrund gekommen, hätte ich es hier übrigens auch geschrieben.

Auch ich nehme wahr, dass in den Medien kaum oder gar nicht über migrantische Gewalt berichtet wird (die ZEIT nehme ich da nicht aus). Ausnahme war beispielsweise die Berichterstattung zu den kollektiven Übergriffen von männlichen Migranten an Frauen in der Silversternacht 2015/2016 in Köln. Aber selbst hier kam aus irgendeiner Ecke „.. so etwas täten auch deutsche Männer…“ Das stimmte dadurch schon nicht, weil es Übergriffe in dieser Form vorher noch gar nicht gegeben hatte und die betroffenen Frauen werden sich mit einer solchen Bemerkung kaum getröstet gefühlt haben.

Vielleicht widerspricht eine öffentliche Berichterstattung zu diesem Thema zu sehr dem (akademischen) Mainstream oder der Political Correctness. Ich weiß es nicht. Ja, gleiches Recht für alle, das sollte in einer freien und offenen Gesellschaft selbstverständlich sein. Ungerechtigkeiten nur selektiv zu beklagen, andere Ungerechtigkeiten jedoch unausgesprochen zu lassen, zu ignorieren oder gar zu unterdrücken, weil sie nicht in das eigene fest zementierte Weltbild passen wollen, führt automatisch dazu, dass man anderen gleiche, für sich selbst geforderte Rechte, verwehrt. Ist das so schwer zu verstehen? Ich finde nicht. Verbitterung stellt sich ein und richtig, im schlimmsten Fall landet Widerstand in den ganz rechten Ecke. Ein Bärendienst. Ich stimme Ihnen zu, Herr Martenstein, das schreibt Ihnen eine „alte weiße Frau“. – Regina Stock

 

Das Durchhaltevermögen von Hern Martenstein, entgegen jeglichen mainstream zu schreiben, ist wirklich bewundernswert. Diesen Druck standzuhalten, ist bei dem momentan herrschenden Zeitgeist, eine nicht hoch genug zu bewertende Leistung. Allein die Tatsache, dass er immer noch schreiben darf, was er so denkt,und noch nicht, wie Redakteure( in anderen Zeitungen) entlassen wurde, erhält mir den Glauben an den Journalismus in Deutschland. Dass es ja noch eine gewisse Objektivität in der Zeitredaktion gibt, zeigen ja die Veröffentlichung des Aufrufes der 152 Intellektuellen im Feuilleton und der ebenfalls bemerkenswerte Artikel von Frau Weisband in der Sparte Entdecken. „Vielleicht geht seine Zeit zu Ende“, aber dann ist es mit dem Lesen der Zeit von meiner Seite auch vorbei. – Michael Heisinger

 

Danke ! Dieser Text hat mich sehr erfreut + amüsiert ,wie stets ein ,,Dessert ,, nach oft inhaltsleerem ,mässig bis unrecherchiertem ( ich bin wirklich langsam besorgt ,vielleicht doch eher empört )aus dem Hauptteil der Zeit . – E-K Saher

 

In ihrer Kolumne in der ZEIT/NR. 29 setzen sich auf Ihre gewohnt launige Art mit dem Thema auseinander, dass zurzeit neben der Pandemie am meisten die Gemüter vieler Leute bewegt, mit der Diskriminierung von Menschen mit nichtweißer Hautfarbe. Eigentlich geht es Ihnen in Ihrem satirisch-kritischen Text und auch in einer Reihe von früheren Texten dieser Art nicht nur um Rassismus – ein Begriff, der schon lange in der Wissenschaft als fragwürdig gilt, aber dennoch im Alltagsleben keine unerhebliche Rolle spielt – sondern um die zahllosen Probleme, die mit der Political Correctness verbunden sind, die mittlerweile einen veritablen Kulturkampf auszulösen scheint. Das kommt in der Ausgabe der ZEIT, in der Ihre Kolumne, auf die ich mich hier beziehe, erschienen ist, an einer anderen Stelle, nämlich im Feuilletonteil, zum Ausdruck. Da wird von einem offenen Brief berichtet, mit dem 152 namhafte Intellektuelle zu mehr Liberalismus in den Debatten aufrufen.

Dieser Aufruf fand auch großen Anklang in rechten Kreisen (s. z. B. Tichys Einblick). Es stört allerdings die Rechten, dass der Aufruf von vielen unterzeichnet wurde, die man zu den Linken bzw. Linksliberalen zählt, die weitestgehend für Political Correctness eintreten, keine Leugner des menschengemachten Klimawandels sind, Donald Trump für eine Katastrophe halten und auch nicht glauben, dass Bill Gates der Urheber der Pandemie ist. Hätten Sie auch gerne Ihre Unterschrift unter diesen Aufruf gesetzt?

Ich vermute, Sie hätten das getan, wenn man Sie darum gebeten hätte. Alleine schon die Sache mit Frau J. K. Rowling, der Schöpferin der Harry Potter – Romane, ruft doch nach solidarischem Verhalten. Sie hat es sich, was Sie sicher wissen, mit den sogenannten Transgender-Menschen verdorben, die ihr übel nehmen, dass sie sich über den Ausdruck „Menschen, die menstruieren“, der in einem Artikel für das Wort „Frauen“ verwendet wurde, lustig machte. Sie twitterte: „Ich bin sicher es gab früher ein Wort für diese Menschen. Jemand muss mir helfen. Wumben? Wimpund? Woomud?Auf diese Weise mokierte sie sich darüber, dass das englische Wort „women“ für Frauen vermieden wurde, was sie wohl lächerlich fand.

Ich denke, der Tweet ist Ihnen bekannt, und vielleicht haben Sie auch schon überlegt, ihn für eine Kolumne zu verwenden.Mir scheint es, dass Sie, Frau Rowling und viele andere die Bedeutung der Political Correctness für die Zukunft der Menschheit nicht recht einschätzen, weil sie sich durch Übertreibungen und Überspitzungen, die für mich von einer gewissen Hilflosigkeit zeugen, von den berechtigten Anliegen der Vertreter/innen der Political Correctness ablenken lassen. Vielleicht lässt sich mit folgendem, etwas paradox klingenden Satz beschreiben, was sich hinsichtlich der Political Correctness in bestimmten intellektuellen Kreisen abspielt (Was Sie von dem TAZ-Redakteur gehört haben und zum Anlass für Ihre Kolumne gemacht haben, ist aber weder der Masse derjenigen bekannt oder wichtig, die gegen Rassismus auf die Straße gehen, noch den Rechten, die diese Demonstranten als Linksextremisten verunglimpfen, die die Demokratie beseitigen wollen.), nun also mein Satz:

Die Ohnmächtigen in der Welt haben zwar noch nie zuvor eine so starke Lobby und indirekt so viel Macht und Einfluss gehabt, aber leider keinen wirklichen Nutzen davon, weil bestimmte Machtverhältnisse sich in absehbarer Zeit nicht ändern werden. Mit den „Ohnmächtigen“ meine ich alle Angehörigen von Minderheiten, die es nicht nur in den reichen, westlichen Industrienationen gibt, sondern auch die Frauen, die noch immer fast überall auf der Welt um gleiche Rechte kämpfen und sich sexueller Übergriffe erwehren müssen, ich meine auch die unzähligen Kinder, die Gewalt und Willkür ausgesetzt sind, alle unter Armut leidenden Menschen, also verdammt viele auf diesem Planeten.

Die „Ohnmächtigen“ dieser Welt haben durch die Political Correctness, ohne dass es die meisten von ihnen wissen, mittlerweile einen großen Einfluss auf viele differenzierter denkende Menschen, die man gemeinhin auch Intellektuelle nennt. Viele nachdenkliche Menschen haben sich der Sache der „Ohnmächtigen“ angenommen und üben großen Druck in vielen wissenschaftlichen, politischen und anderweitigen Institutionen aus, d. h. auch auf jene, die durchaus hinter den Forderungen der Political Correctness stehen, aber in den Augen der steigenden Zahl radikaler Vertreter der PC nichts Entscheidendes unternehmen wollen. Dennoch habe ich aus bestimmten Gründen meine Zweifel, ob es in naher Zukunft zu entscheidenden Veränderungen kommen wird.

Das Klima der Intoleranz, das die 152 Intellektuellen in ihrem Aufruf ebenso beklagen wie der Redakteur Christian Jakob von der TAZ-Redaktion, hat mit einer wachsenden Frustration und Aggression derjenigen zu tun, die sich für die „Ohnmächtigen“, denen sich viele von ihnen zugehörig fühlen, einsetzen. Sie haben zwar in den meisten Fällen Recht, aber sie wollen gewisse Fakten nicht einsehen, die leider noch lange ihre Geltung behalten werden, deren Verfallszeit nicht bekannt ist.

So ist es ein fataler Irrtum zu meinen, dass nur ein direkt Betroffener über seine Diskriminierungen reden kann bzw. darf (!). Wenn das richtig wäre, sähe die Zukunft für alle „Ohnmächtigen“ wirklich düster aus. Menschen mit Verstand und Einfühlungsvermögen zeichnen sich, ungeachtet ihrer Hautfarbe, gerade dadurch aus, dass sie sowohl die „Opfer“- als auch die „Täterposition“ einnehmen können, wodurch sie Denkstrukturen, Vorurteile, erkennen und für andere sichtbar werden lassen, die Diskriminierungen zugrunde liegen. „Opfer“ bzw. „Täter“ sehen in der Regel alles nur aus ihrer Perspektive, sind psychisch zu befangen und können daher nicht genug Rationalität aufbringen.

Rassismus hat zum Beispiel auch mit angeborener und erworbener Xenophobie zu tun, die es bei allen Menschen aller Hautfarben in unterschiedlichem Maße gibt und die in Abhängigkeit vom jeweiligen Kulturkreis mehr oder weniger stark zur Ausprägung kommt. Die meisten Menschen können zu fanatischen Anhängern einer religiösen, politischen oder anderen Ideologie werden und unter Ausnutzung der Xenophobie dazu gebracht werden, andere Menschen zu diskriminieren oder gar zu töten. Dass zu leugnen, angesichts vieler schrecklicher Beispiele, sogar aus der jüngsten Vergangenheit (s. z. B. den Völkermord in Ruanda), würde der wichtigen Sache der Political Correctness nur schaden.

Dass sich die Political Correctness vor allem in den USA zu einer Cancel Culture gesteigert hat, wodurch alles heftig gegeißelt und angeprangert wird, was mit Verstößen gegen die Political Correctness zusammenhängt, auch wenn die Vergehen Jahrzehnte zurückliegen, oftmals eigentlich lässliche Jugendsünden sind, auch wenn es sich um einen Klassiker der Filmgeschichte wie „Vom Winde verweht“ handelt usw., ist nur allzu verständlich. Denn es ist nun mal eine Tatsache, dass sich in den USA trotz vieler Fortschritte wesentliche Dinge nicht geändert haben. Die farbige Bevölkerung, zu der auch die Latinos und die indianischen Ureinwohner gehören, wird noch immer massiv benachteiligt, was sich z. B. jetzt auch in der Pandemie zeigt. Die Sexismusdebatte hat ebenfalls viele Mißstände aufgedeckt, die trotz der Fortschritte bei der Emanzipation der Frauen noch immer erschreckend sind.

Der Frust darüber, dass sich nichts Entscheidendes geändert hat, hat sich durch die Präsidentschaft von Donald Trump ins Unermessliche gesteigert, so dass für die nähere Zukunft Schlimmstes zu befürchten ist, zumal dieser unselige Präsident ständig mit Absicht Öl ins Feuer schüttet. Ich fürchte, dass es nicht beim Sturz von verhassten Denkmälern, die Sklavenhalter, Südstaatengeneräle oder andere zwielichtige Personen ehren, bleiben wird. Gewalttätige Auseinandersetzungen passen ins Kalkül dieses Präsidenten, der überwiegend von der ländlich-kleinstädtischen, weißen Bevölkerung gewählt wurde, die um ihre Vorrechte bangt. Er betrachtet alle seine politischen Gegner als Linksextremisten und der Blogger Sascha Lobo hat vor Kurzem detailliert ausgemalt, wie Trump, indem er sich als Mann für Recht und Ordnung darstellt, es fertig bringen könnte trotz der anstehenden Wahl, die ihm nichts Gutes verheißt, an der Macht zu bleiben.

Die Rassismusdebatte ist auch in Europa ausgebrochen. In Deutschland hat sich eine hitzige Diskussion darum entsponnen, wie rechtslastig die Polizei ist. Ich glaube aber, dass viele, die der Polizei nicht zu Unrecht Racial Profiling vorwerfen, sich nicht mehr so für die Rechte von Menschen dunkler Hautfarbe einsetzen würden, wenn es ernsthaft um die Änderung ihrer Lebensweise ginge, die mit dafür verantwortlich ist, dass es so viele „Ohnmächtige“ auf der Welt gibt. Der Tourismus, den auch Linke/Linksliberale nicht missen wollen, ist z. B. oft eine moderne Form des Kolonialismus, der viele arme Menschen zu Bediensteten degradiert und zu viel Natur ihr Recht auf Belassenheit raubt. Nimmt es da Wunder, dass die Empfindlichkeiten der Anhänger/innen der Cancel Culture – Bewegung so zugenommen haben, dass sie auch ironische Bemerkungen (s. o. Frau Rowling) nicht mehr ausstehen können.

Ja, es ist nicht ohne Grund so weit gekommen, dass man schon ein potentieller Rassist ist, nur weil man ein Weißer ist. Und dann ist auch schnell die Schlussfolgerung da, die den Rechten so gut gefällt, dass nämlich die Antirassisten eigentlich die schlimmsten Rassisten seien, weil sie alle Weißen diskriminieren. Das ist nach der Kopfschmerz-Logik eines Karl Valentin zwar richtig, aber die Rechten übersehen, dass sie nach wie vor auf der Seite der Privilegierten stehen, auch wenn sie in vielen Fällen materiell sehr schlecht gestellt sind.

Die armen bzw. um ihren Wohlstand fürchtenden Weißen wollen sich wenigstens das Gefühl, einer „besseren Rasse“ mit „höherer Kultur“ anzugehören, nicht nehmen lassen. Dadurch wählt man in den USA republikanisch, in Europa rechtspopulistisch. Der Menschentypus, der unabhängig von seiner Hautfarbe, die Probleme der Diskriminierten und der Diskriminierenden begreift, dem bewusst ist, dass Menschen Zeit brauchen, um sich an Veränderungen anzupassen, ist leider selten. Ist es denn nicht wirklich für sehr viele Menschen nach wie vor schwierig zu verstehen, dass es nicht gottgegeben ist, dass es nur Mann und Frau gibt, sondern auch überraschend viele Menschen, die das ihnen zugewiesene Geschlecht nicht akzeptieren?

Leider wird die Cancel Culture – Bewegung nur die Gräben vertiefen und ist daher letzten Endes kontraproduktiv. Sie liefert aber Ihnen, Herr Martensen und anderen wie z. B. Herrn Fleischhauer reichlich Stoff für ihre satirischen Kolumnen, von denen Sie sicher nicht schlecht leben. Die sind oft so witzig, pointenreich und amüsant wie die von Henryk M. Broder. Aber bekommt man dann nicht viel zu oft, wie Herr Broder, dem das nichts auszumachen scheint, Beifall von Leuten, mit denen man nicht gerne zusammen gesehen werden will. Ähnlich wird es wohl so manchem Linksliberalen gehen, der den Aufruf der 152 Intellektuellen unterzeichnet hat. – Dirk Visser

 

Wir sind froh und dankbar für Ihre Berichterstattung und die kritische Diskussion vieler, die Menschen berührender Themen. Auch wenn wir es selten schaffen Die Zeit ganz zu lesen, haben wir sie damals bewusst abonniert, um mit unserem Beitrag die Erhaltung kritischer Berichterstattung zu ermöglichen, denn dafür zahlen wir gerne!

Insbesondere die Beiträge von Ihnen, Herr Martenstein, sind immer ein Highlight. In Zeiten wo fast alles sich anfühlt als wenn es entweder Teflon-beschichtet ist oder, als Gegenstück, dumpfbackiger Populismus regiert, ist Ihre abgeklärte und vernünftige Kritik an vielen gegenwärtigen Trends ein wohltuendes wöchentliches Highlight jenseits der leider völlig überstrapazierten „political correctness“ und wird von uns immer mit Begeisterung gelesen. Bitte lassen Sie sich nicht einschüchtern oder entmutigen und uns noch lange an Ihren An- und Einsichten teilhaben. – Anja Peters

 

Konfrontieren Sie die Zeitmagazin-Leser weiterhin mit Ihrer erlebten Wirklichkeit, ohne Mundschutz oder Schere im Kopf! Ironisch gefärbt und mit Humor gewürzt ist sie ohnehin bekömmlicher! Manch einer wird Sie dafür als „alter weißer Mann“ verteufeln, manch eine zum „alten weisen Mann“ verklären! Lassen Sie sich von keiner Seite beeinflussen oder vereinnahmen! Sie sind das Unikat Martenstein, viel zu sperrig für all die einfachen Schubladen! Bewahren Sie Ihren Scharfblick, selbst wenn ihn der Star schon etwas trüben sollte: Erkenntnis gewinnt man nicht nur mit Sehschärfe! Dank unserer grenzenlosen Willkommenskultur, dank Merkelscher Weltoffenheitspolitik, nach den Gesetzen der Statistik und Biologie werden wir alten weißen oder weisen Männer, ebenso natürlich alle Frauen mit den gleichen Eigenschaften, bald zur Minderheit im eigenen Land werden!

Dann sollten wir energisch auf unsere Minderheitenrechte pochen, wenn sie uns dann überhaupt noch gewährt werden! Jeden, der unsere kleine Zehe berührt, jede, die uns auch nur ein Härchen krümmt, selbst wenn wir keines mehr haben, nennen wir Rassisten!? Sollen wir uns wirklich gemein machen mit all den geifernden, selbstermächtigten Moralwächtern, die uns schon viel zu lange nerven? Lassen wir sie doch einfach ins Leere laufen, widmen wir uns in den letzten Jahren unseres Lebens lieber den essentiellen Dingen, wie Post-Corona-Kreuzfahrten, Volkshochschule, Memoirenschreiben,…vor allem aber halten wir immer wieder Politik und Gesellschaft den Spiegel vor, solange, bis sie die Wirklichkeit erkennt und nicht mehr verdrängt! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 

Diese „Möhrin“ ist mir vor einigen Jahren beruflich begegnet. Ich habe nämlich Reinzeichnungen von einigen Stuttgarter Wappen angefertigt, die Stadtbahnwagen schmücken sollten. Auf der Vorlage die ich hatte, einem amtlichen Buch mit den Wappen der Stuttgarter Stadtteile, war die Frau wirklich furchtbar hässlich abgebildet und wird im erklärenden Text tatsächlich als „Möhrin“ bezeichnet. Belegmaterial findet sich jetzt auch in der Stuttgarter Presse. Ich habe mir die Freiheit genommen sie bei der Gelegenheit zu verschönern. Anzuschauen ist sie leider nur (noch?) auf zwei Stadbahnwagen. Eigentlich könnte die Stadt meine Version übernehmen aber da höre ich schon die Klagen, dass Frauen immer nur schön sein sollen … Es grüßt Sie ein alter weißer Mann der auch noch keine rassistische Gesinnung bei sich feststellen konnte. – Dirk Brinker

 

Das Durchhaltevermögen von Hern Martenstein, entgegen jeglichen mainstream zu schreiben, ist wirklich bewundernswert. Diesen Druck standzuhalten, ist bei dem momentan herrschenden Zeitgeist, eine nicht hoch genug zu bewertende Leistung. Allein die Tatsache, dass er immer noch schreiben darf, was er so denkt,und noch nicht, wie Redakteure( in anderen Zeitungen) entlassen wurde, erhält mir den Glauben an den Journalismus in Deutschland. Dass es ja noch eine gewisse Objektivität in der Zeitredaktion gibt, zeigen ja die Veröffentlichung des Aufrufes der 152 Intellektuellen im Feuilleton und der ebenfalls bemerkenswerte Artikel von Frau Weisband in der Sparte Entdecken. „Vielleicht geht seine Zeit zu Ende“, aber dann ist es mit dem Lesen der Zeit von meiner Seite auch vorbei. – Michael Heisinger

 


 

 

Leserbriefezur Deutschlandkarte „AFRODEUTSCHE STRASSEN“ von Matthias Stolz im ZEIT Magazin

 

Auf Ihrer Deutschlandkarte im Zeitmagazin vom 9.7. fehlt der Jorge Gomondai Platz in Dresden
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Jorge_GomondaiRose Simon

 

Ohne dass es den generellen Befund Ihrer Recherche in Frage stellen dürfte, kann ich Sie zumindest auf eine weitere nach einem Afrodeutschen benannte Straße bzw. einen Platz hinweisen: den Jorge-Gomondai-Platz in Dresden. J.J. Gomondai wurde 1991 von Rechtsextremen in Dresden ermordet, zu seinem Gedenken benannte die Stadt 2007 einen Teil der Neustädter Hauptstraße nach ihm um. Der Grund für die Benennung ist damit ein bedrückender; aber seine Geschichte erfährt eine für alle sichtbare Erinnerung. – Frank Nicht

 


 

 

Leserbrief zu „Morgens halb zehn in Deutschland“ von Moritz von Uslar im ZEIT Magazin

 

Die nördlichste Kirche Deutschlands ist die St.-Jürgen Kirche in List/Sylt. Sie wurde 1935 erbaut. Ich wurde in dieser 1954 konfirmiert. – Jürgen Eichhof

 


 

 

Leserbrief zu „»Man verblüfft sich ja immer wieder selbst«“ von Christoph Amend im ZEIT Magazin

 

Ich beziehe mich auf Ihren Textbeitrag zu Roger Federer. In Ihrem o.g. Text schreiben Sie: „Auch Michael Jordan gilt in seiner Sportart als der beste Spieler aller Zeiten. “ Wissen Sie denn, dass morgen die Welt untergeht ? – J. Golz