‹ Alle Einträge

13. August 2020 – Ausgabe 34

 

Leserbriefe zu „Der Wert des Nichtstuns“ von Anna Mayr

 

Aus meiner Sicht ein sehr gelungener und längst überfälliger Artikel! Die Bedeutung von Erwerbsarbeit in Zusammenhang von gesellschaftlicher Anerkennung oder anders ausgedrückt der Wert und die Verwertbarkeit von Menschen im Kontext von Arbeit sind Themen, die uns alle betreffen und doch zu wenig öffentlich diskutiert werden. Seit knapp einem Jahr arbeite ich in einem kommunalen Jobcenter mit den Kindern von Arbeitslosengeld II Empfänger*innen und muss erleben, unter welchen ungleich schweren Bedingungen und Umständen diese Kinder aufwachsen. Was für mich selbst als Vorbereitung für diese Tätigkeit am wichtigsten war: die Erfahrung selbst arbeitslos gewesen zu sein. – Laura Steiner

 

Vielen Dank für diesen Einblick in eine mir (noch) fremde Welt. Der Perspektivwechsel regt sehr zum Nachdenken an…. – P.Gilbers

 

Versager sind die Politiker .Die haben Versagt und tun immer noch. Haben im Ruhr den Zeche Stahlbau alles zu gemacht . Und so die Menschen zu Arbeitslosigkeit befördert. Jetzt kaufen die ganße scheiß aus China- Anstatt den Blöden Umschulung Maßnahmen pro kopf bis 23.000€ mehr zu geben hätten die Lieber den Zeche Unterstützt. Lesen Sie mein Auktion.Und überlegen sie ob ich Versager bin ? https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anzeige/verschenke-ford-focus-bj-2010-gegen-job-/1483210118-216-11Juguli Ay

 

Der kontrafaktische Aufschrieb von Anna Mayr erinnert mich an die wirren Lautäußerungen von Corona-Leugnern und Reichsbürgern. Der Wert des Nichtstuns? Einfach mal bei Marx nachschlagen (oder anständiger Arbeit nachgehen), dann wird klar, dass wir nur konsumieren können, was wir mit unserer Arbeit schaffen. Die bösen Arbeitgeber benötigen eine Reservearmee zum Löhnedrücken? Wie schaffen es solche Verschwörungstheorien in die ZEIT, die einstmals Teil des deutschen Qualiätsjournalismus war? Was kommt als nächstes? Eine ganze Seite im Hauptteil für Holocaust-Leugner? – Prof. Dr.-Ing. Thorsten Brandes

 

Der Artikel sprach mich zunächst an, weil ich mir einen möglichen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Wirtschaftssystem so bisher nicht bewusst gemacht hatte. Aber, müssen die Ausführungen so ausufernd sein und woher nimmt die Autorin die Behauptungen, wenige Menschen hätten das Glück, Freude an ihrer Berufstätigkeit zu empfinden bzw. viele arbeiteten nur, weil sie sich davor fürchteten, nicht zu arbeiten. Das bezweifle ich sehr. Gespräche unter vielen Bekannten zu diesen Statements sagen mir, das Gegenteil ist der Fall. Es fällt mir bei derartig nicht untermauerten Thesen schwer, den Artikel ernst zu nehmen. – Petra Schaus-Wagner

 

Die für die ZEIT überraschend scharfe und dennoch kluge Analyse – fast möchte ich sie radikal nennen – sticht wohltuend von den vielen Unternehmer(innen)porträts und der Perspektive von oben ab, welche die ZEIT nach meinem Geschmack leider zu oft einnimmt. Die von der Politik propagierten kapitalistischen Tugenden wie Ehrgeiz und Wettbewerbsfähigkeit bringen am Ende eine Gesellschaft von Sozialdarwinisten hervor, die ihr Heil nicht in Bündnissen gegen die da oben, sondern in der Ausgrenzung derer suchen, die am unteren Ende der Leiter stehen. Und die Populisten der Welt von Gauweiler über Bolsonaro bis Trump sind es, die auf diesem Sozialdarwinismus reiten und so den Status quo sichern. – Dr. Dirk Kerber

 

Frau Mayr verdient Respekt, dass sie trotz ihrer Ausgangsbedingungen eine erfolgreiche Journalistin wurde. Jedoch sind ihre biographisch gefärbten (wie: „Eltern – Na ja!“) Ausführungen sowie Verweise auf Bedingungen vor 150 Jahren für die heutige Realität in Deutschland völlig irreal. Die Aussage, dass „Die Arbeitslosen diejenigen sind, die alles am Laufen halten.“ hat mich zudem überrascht: Demnach liefe die Wirtschaft am besten, wenn etwa 25 % arbeitslos wären. Da die 75 % Aktiven das Geld für derart viele Arbeitslose aufbrächten, stiegen jedoch die Lohnnebenkosten stark: Viele deutsche Produkte wären nicht mehr wettbewerbsfähig. Warum müssen heute erfolgreiche Handwerksbetriebe mangels gut ausgebildeter Fachkräfte oder Nachfolger schließen, oder warum gibt es laut DFG-Präsidentin (in der gleichen ZEIT-Ausgabe) zu wenige Experten für Kommunikation oder IT-Berufe?Für diese Jobs müssten sich doch in ihrer „Reservearmee“ leicht einige finden lassen! – Prof. Emeritus Dr. Wolfgang Ströbele

 

Als Hauptinhalt Ihres Artikels sehe ich, dass die meisten in der Gesellschaft bis zur Corona-Krise Arbeitslose als faul betrachteten, auf sie runterguckten und sich so besser fühlten. Seit Corona fürchten viel mehr Menschen als vorher, arbeitslos zu werden, sind also selbst gefährdet und somit sind mitfühlender und hilfsbereiter, akzeptieren z.B., dass man Arbeitslosengeld bekommen kann, ohne sein Erspartes vorher zu verringern. Zwar meine ich wie Sie, dass jeder Mensch Achtung / Respekt bekommen muss, auch ein arbeitsloser. Aber einigem widerspreche ich, vor allem stört mich, dass ich Ihren Artikel so verstehe, dass bis vor Corona auf Arbeitslose runtergeguckt wurde und seitdem wird mit ihnen mitgefühlt. Meinen Sie das tatsächlich so oder habe ich etwas falsch verstanden? Ihr Artikel kommt mir überspitzt, einseitig vor, also wie Satire. Ihre Eltern haben Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit, somit kennen Sie bestimmte Aspekte oder mögliche Haltungen genau.

Ich vermute, es ist viel vielfältiger: Manche Arbeitslose sind manchmal faul, manche nie und manche haben selbst Schuld. Manche Erwerbstätige bemitleiden Arbeitslose, manche verachten sie. Ich würde gern empirische Studien (z.B. Umfragen) dazu lesen oder erstellen mit dem Ziel, genauer zu wissen, was ihnen hilft und was nicht. „Die wenigsten Menschen, die arbeitslos werden, tragen selbst Schuld daran.“ Woher wissen Sie das? „Dabei ist es vollkommen egal, aus welchem Grund eine Person arbeitslos wird.“ Ich finde, es macht Unterschiede, ob jemand kündigt oder gekündigt wird, oder weil er zu wenig leistet oder weil ihre / seine Arbeit entfallen ist. Wenn er gekündigt wird, weil keiner mehr ins Kino geht, braucht er eine Arbeit. Wenn er zu wenig leistet, vielleicht alkoholkrank ist, braucht er vielleicht Hilfe für sein Seelenleben oder eine ganz andere Arbeit.

Oder er hat wenig Lust zu arbeiten, erwartet höheren Lohn, angenehmere Kollegen, auch dann braucht er Beratung. Eine andere Beratung braucht jemand, der sich beim Bewerben ungünstig vorstellt. „Die Arbeitslosen… definieren sich nur darüber, was sie nicht haben.“ „Die“ Arbeitslosen tun das? Könnten einige von denen anders denken? Ich z.B. habe seit sehr langer Zeit keine Partnerin. Für mich ist das ein zentrale Schwierigkeit, dennoch versuche ich zu sehen, dass mein Leben aus mehr besteht und teils gelingt mir das. „…das Gefühl, nicht zu dieser Welt zu gehören, weil diese Welt hauptsächlich aus Arbeit besteht.“

Das Gleiche: Ich finde, Leben ist viel mehr als Arbeit. Sicher fühlen manche sich weniger wert, wenn sie arbeitslos sind. Daher würde ich sowohl an dessen Selbstbild arbeiten als auch an der Vorstellung zu vieler Menschen, dass Leben v.a. aus Arbeit besteht. „Deswegen bringt die Angst vor der Arbeitslosigkeit Menschen dazu, weiterhin in die Fleischfabrik zu gehen, obwohl sie sich krank fühlen…“ (weitere Bsp.): Das finde auch ich traurig, aber ich akzeptiere es. Das Grundeinkommen könnte zur Entspannung beitragen, jeder könnte mehr das machen, was sie / er möchte, wäre vielleicht begeistert und der Geld-Druck entfiele. Ich bin unsicher, ob das gutginge. Sie behaupten, die Arbeitgeber brauchen Arbeitslose, um Löhne gering zu halten. Ja, sicher. Zum Glück haben wir einen Mindestlohn. Zu hohe Löhne machen es schwer, im Wettbewerb zu bestehen. „…dann sagen wir immer noch ’sozial schwach‘ , als hätte Einkommen etwas mit Stärke, Schwäche oder sozialen Fähigkeiten tun“.

Ja, hat es, meine ich: Wer selbstsicher auftritt oder / und seine Stärken kennt, sich an Regeln halten (höflich, pünklich) oder sie gekonnt brechen kann, der findet leichter Arbeit und wird leichter mächtiger als jemand, der sich bei Gesprächen unsicher verhält und nicht weiß, was er kann. Das gilt auch für Partnerschaft, also für mich. Sie stellen dar, dass seit der Corona-Krise eigene Ersparnisse nicht aufgebraucht werden müssen, wenn man Alg beantragt und bekommt. Das finde ich unsinnig: Z.B. ein / e Reisebüro-Angestellte / r oder ein Flugkapitän hat Tausende Euro gespart, eine Kabarettistin hat velleicht ein paar Hundert Euro. Warum sollte beide gleichermaßen von Steuergeld (Alg) leben dürfen? Weil beide arbeitslos sind? Sie sind sehr verschieden bedürftig.

Klar ist es schwierig festzulegen, wie viel Euro von dem Sparguthaben jemand behalten darf (Freibetrag). Der Staat / das Steuergeld hilft, sofern man sich nicht selbst helfen kann, wenn man also zu wenig Geld hat, um nach Arbeit zu suchen. Sie behaupten, die rund 430 Euro Alg 2 für Alleinstehende seien wenig. Sind rund 400 Euro, also 100 Euro pro Woche so wenig? Miete und Strom kriegt man ja extra bezahlt und auch Kühlschrank oder Waschmaschine, soweit ich weiß. Zudem ist Arbeitslosengeld ja nur dafür da, dass man überleben kann, solange man keine Arbeit hat.

Zurzeit sind so viele Stellen offen. Ich überlege, ob Langzeitarbeitslose mehr Alg erhalten als Kurzzeitarbeitslose, weil sie lange Zeit so wenig Geld haben und immer weniger Chancen haben. Ich kenne vier Menschen persönlich, die keine Arbeit haben. Soweit ich weiß, sucht keiner von ihnen mit Nachdruck, alle sind irgendwie krank, überwiegend geistig-seelisch, sie haben wenig Selbstvertrauen. Einer hat keine Berufsziele oder -wünsche. Eine ist sehr kreativ und recht planlos. Einer ist ein ausgeglichener Medienfachmann. – Johannes Müller

 

Für mich eine sehr interessante Lektüre, stützt sie doch eine lang gehegte Vermutung von mir. Und die Darlegung macht deutlich, weshalb es eine staatliche garantierte Basisalimentierung, die ohne Prüfung auf Antrag gewährt wird (eine Form dessen, was als „Grundeinkommen“ verhandelt wird) und zur freien Verfügung steht, die also nicht gerechtfertigt werden muss, wohl nie geben wird. Wo kämen wir denn auch hin, wenn wir einen Mindestlohn nicht gesetzlich festlegen müssten, sondern dies dem Markt überlassen könnten – weil durch die Basisalimentierung die Arbeitgeber (also jene, die ihre Arbeitskraft am Markt anbieten) unzureichende Löhne ausschlagen könnten, bzw. die Arbeitnehmer (also jene, die Arbeitskraft einkaufen müssen um zu wirtschaften und Gewinne zu erzielen) marktbasierte Preise zu zahlen hätten? – Volker Homann

 

Die Behauptung, eine gewisser Prozentsatz an Arbeitslosen sei in der BRD von Arbeitgebern, Politik und Gesellschaft gewollt und sei systemerhaltend, ist m. E. eine klassische Verschwörungstheorie, die mit der der Realität nicht viel zu tun hat. Dass es gesünder und angenehmer ist wohlhabend zu sein als arm ist den meisten Menschen auch ohne entsprechende „Schreckgespenster“ in Gestalt von Arbeitslosen klar. Es wird hierzulande so viel Geld und Energie in die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gesteckt, dass es mich doch sehr verwundert, wie Frau Mayr dem Leser suggerieren möchte, in Wirklichkeit verfolge die Politik das gegenteilige Ziel. – Michael Weyand

 

Anna Mayr hat nur teilweise Recht, wenn sie über die Arbeitslosen schreibt: «Das Wirtschaftssystem braucht sie.» Es ist ja gerade der Mangel an Arbeitskräften (und nicht hohe Arbeitslosigkeit) welche Innovationen und damit Konkurrenzfähigkeit fördert. Mangel an Arbeitskräften in den Industrieländern fördert zudem Produktionsverlagerung und damit auch das wirtschaftliche Aufholen der Entwicklungsländer.

Anna Mayr hat aber insofern Recht, als «Nichstuns» und damit auch Arbeitslosigkeit eine positive Wertung verdienen. Ein erster Grund ergibt sich daraus, dass weltweite Vollbeschäftigung ein Ausmass an Wirtschaftswachstum benötigt, das ökologisch nicht vertretbar ist (Stichwort Klimawandel). Daher ist es nötig, sich grundsätzliche Gedanken über die Funktion von Arbeit zu machen. Arbeit hat zwei Funktionen. Zunächst Versorgen mit Produkten und Leistungen. Genauso wichtig ist, dass Arbeit Einkommen verteilt. Ist nicht genug Arbeit vorhanden, dann gibt’s ein Problem, dass bereits die Pharaonen kannten. Sie lösten es durch den Bau der Pyramiden. Was damals die Pyramiden waren, das sind heute überflüssige und die Umwelt schädigende Produkte, die aber (wie der Pyramidenbau) Arbeit geben.

Die umweltfreundliche Lösung zum Entkoppeln der beiden Funktionen von Arbeit ginge in Richtung «bedingungsloses Grundeinkommen». Nur gibt’s auch da ein Problem. Arbeit gibt eben doch Perspektiven. Fallen diese weg, dann besteht die Gefahr, dass Perspektiven gesucht werden in Verhaltensweisen, die zu hohen Geburtenraten führen. Dies ist eine Ursache für die hohen Geburtenraten in Entwicklungsländern. Umgekehrt haben Industrieländer auch wegen der Konkurrenz in Bildung und Beruf tiefe Geburtenrate, was eine notwendige Voraussetzung dafür ist, die Zahl der Menschen an die verfügbaren Ressourcen anzupassen und so einen guten Weg in die Zukunft zu ermöglichen. Anna Mayr erwähnt diese Problem indirekt: «In den USA sorgte die Horror-Erzählung von den welfare queens (also von schwarzen Frauen, die von Arbeitslosengeld lebten und nichts taten, ausser zu gebären) dafür, dass es Bill Clinton möglich wurde, Sozialleistungen fast ganz abzuschaffen.»

Nötig ist eine umfassende Sichtweise: Etwas in folgender Richtung: Jeder Mensch schafft durch seinen Konsum Arbeit, hat also auch ein Recht auf Arbeit. Kann dieses nicht eingelöst werden, hat er ein Recht auf Lebensunterhalt. Daneben muss jeder Mensch auch seinen notwendigen Beitrag leisten, damit der Kreislauf «Konsum schafft Arbeit, Arbeit ermöglicht Konsum» nachhaltig funktionieren kann. In diesem Kreislauf sind Transferleistungen nötig. Damit solche nicht auf ein Fass ohne Boden treffen, ist demographische Eigenverantwortung unerlässlich. Letztlich geht es darum, die Notwendigkeit von Wirtschaftswachstum (als Mittel zur Verteilung von Lebensgrundlagen) zu begrenzen und (wo nötig) die demographische Eigenverantwortung von Staaten und Bürgern einzufordern. – Dr. tech. Gernot Gwehenberger

 


 

 

Leserbriefe zu „Der Reizstoff“ von Andreas Sentker

 

Das Titelthema „Der Reizstoff“ wird so, wie es arg einseitig besprochen wird, zum Reizthema. Als Maskengegnerin muss natürlich eine Rechte aus der AfD erscheinen, die passt zu den Aluhutträgern und den Covidioten und ist die Alibimeinung für ausgewogene Berichterstattung. Das Maskentragen, so, wie es sehr sehr oft gehandhabt wird, aber auch zu Gesundheitsschädigungen führen kann, (vgl. https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/coronavirus/virologe-streeck-mundschutz-ist-naehrboden-fuer-keime-maskenpflicht-fragwuerdig/), wird mit keinem Wort erwähnt. Unter diesen Vorzeichen gilt also Maske ab, wenn ich keinen gefährden kann und Einmalmasken nur einmal benutzen oder waschbare Masken täglich mit mind. 60 Grad reinigen.

Maske schon aus Eigenschutz nicht unter der Nase tragen, denn, so derBonner Virologe Professor Dr. Hendrik Streeck ist der Einsatz von Atemmasken im Alltag wegen der oft falschen Anwendung eher kritisch zu sehen. „Die Leute knüllen die Masken in die Hosentasche, fassen sie ständig an und schnallen sie sich zwei Wochen lang immer wieder vor den Mund, wahrscheinlich ungewaschen“, beobachtete nicht nur Prof. Dr. Streeck. „Das ist ein wunderbarer Nährboden für Bakterien und Pilze“, derartige kritische Äußerungen und praktische Hinweise sucht man in den Artikeln vergeblich. Ausgewogenheit und fundierte Information in der Berichterstattung nenne ich was anderes. – Eckhard Adler

 

Erst “Freiheit” (hier verwechselt mit Egoismus), dann “Reizstoff” (eigentlich Mund- und Nasenschutz als Zeichen für Achtsamkeit)! Mit diesen Titelgeschichten gelangen Banalitäten und Minderheitenmeinungen zu unangemessener Wichtigkeit. Haben wir wirklich keine anderen Probleme? Diese Art von Journalismus verleidet mir mein Abonnement Ihrer Zeitung. – Bärbel Kappe

 

Ihre diversen Ausführungen zum Thema „Masken“ lassen brisante gesundheitsrelevante Fakten vermissen. Die UNI Leipzig belegt in einer Studie, dass die kardiopulmonale Leistung sich beim Tragen eines Nasen-Mund-Schutzes signifikant reduziert und bei Belastung durch die schlechtere Sauerstoffzufuhr eine raschere Ansäuerung des Blutes verursacht. Darüber hinaus ist bekannt, dass in feuchtem Milieu, wie es beim Tragen eines NMS entsteht, Schimmelpilze entstehen, die die Lunge besiedeln können. Lungenfachärzte verordnen daher Menschen mit Lungenerkrankungen, wie z. B. Asthma, ein Attest zur Befreiung von der Maskenpflicht. Wo ist der kritische Blick der Zeit-Redakteure seit der Coronakrise geblieben? – Kerstin Ebert

 

Ich kann nicht glauben, daß Sie selbst nicht wissen, dass bereits eine weitgehende Herdenimmunität gegen das Covid 19 Virus besteht, was das Maskenthema obsolet macht. Die unselige Gleichsetzung von Infektion und Erkrankung wird auch von der ZEIT leider nicht korrigiert, so dass ich Sie jetzt auch zu den Mainstream-Medien zählen muß. Schade. Covid 19 ist gefährlich, nicht gefährlicher aber als jede jährlich auftretende Grippewelle. Haben Sie die Pflichtlektüre für Journalisten zum Thema „Corona- Fehlalarm“ von H. Bhakti gelesen? Bitte sorgen Sie für eine wahrheitsgemäße Information zu der geplanten hochriskanten Impfung mit mRNA, die Autoimmunreaktionen und Schlimmeres beirken kann. – Fritz Junghans

 

Sind das die Überschriften und der Journalismus, den Ihr wollt? Erst die Unvernunft und jetzt die Reizwäsche: Maskenpflicht: Der Reizstoff | ZEIT ONLINE Das ist nicht mehr mein Geschmack und mein Wunsch nach aufgeklärten Journalismus. Wohin steuert die ZEIT? Bin ich noch dabei? Ich bitte um Auskunft, damit ich mein Abo kündigen kann! – Holger Dudzus

 

Schade, eigentlich lese ich die Zeit gerne. Eigentlich halte ich die Zeit für seriös und nicht überschriftengeil wie die BILD. Ich bin kein Germanist oder Jurist sondern Ingenieur, der Dinge genau nimmt, ABER dass Corona uns unfrei macht, ist ja wohl der größte Quatsch! Vielleicht nimmt Corona uns die Unbeschwertheit, Leichtigkeit und Leichtsinnigkeit ABER keine Freiheit! Wie könnt Ihr nur so populistisch-schlecht überschriften?! Wie könnt Ihr Euch auf so ein Niveau begeben. Es ist an der Zeit, dass ich mein Abo kündige! – Ansgar Johanson

 

In der aktuellen Ausgabe der Zeit habe ich den Artikel über unterschiedliche Standpunkte zur Maskenpflicht gelesen und bin bestürzt, dass hier so deutlich zu Tage kommt, was gerade in Deutschland geschieht. Eine Meinung die die Maskenpflicht mit Argumenten in Frage stellt ist hier, wie zur Zeit scheinbar immer, sofort in die rechte Ecke gedrängt da die Meinung in ihrem Artikel ausgerechnet von der Afd Abgeordneten Auricht vertreten wird. Wie kann es sein dass in meinem privaten links/grünen Umfeld auch heftig über das Thema diskutiert wird, wenn doch diese Haltung offiziell nur von Rechten eingenommen wird? Haben wirklich die Grünen, die Linken, die SPD, die CDU, alle Parteien der Mitte, die gleiche Meinung oder traut sich keiner mehr aus seiner Ecke heraus? Was soll ich nun tun? Wen soll ich in Zukunft eigentlich wählen, wenn das so weitergeht? Ich bin 47 Jahre, mit Eltern die CDU Mitglieder waren mit christlichen Werten aufgewachsen. Bin freiberuflich im Kulturbereich tätig, mein Leben lang habe ich grün oder links gewählt, wobei mir schon immer jede Form von Extremismus missfällt.

Im jungen Erwachsenenalter bin ich gegen rechts und für die Umwelt auf Demos gegangen. Mein eigenes Kind ist auf eine freie Schule gegangen, die ich als Geringverdiener mir geleistet habe weil einer der Grundideen an dieser Schule die demokratische Haltung und die Akzeptanz des Anders-Seins des Gegenübers gelehrt wurde. Ich war überzeugt: Demokratie ist Diskurs und vor allem Respekt, ohne den anderen in eine Ecke zu drängen und abzuwerten. Heute denke ich an manchen Tagen, ich müsste nun doch auch auf Hygienedemos gehen. Bisher hält es mich ab dort mit Rechten (die die Gunst der Stunde nutzen für Wählerstimmenfang) oder Verschwörungstheoretikern zu stehen. Schon mit 20 habe ich gelernt, dass oft Chaoten Demos für sich nutzen. Dies geschieht auch heute. Aber darf man deshalb so tun als wären dort nur Attila Hildmanns und Reichsbürger? Wenn Florian Schröder die Menschen auf den Hygienedemos als dumm entlarvt, fühlt er sich dann besser? Er richtet ja auch wieder nur und polarisiert und nutzt vor allem die Medienpräsenz für sich. Ich frage mich verzweifelt, wo ich nun politisch hingehöre.

Keine Partei hat mehr eine eigene Meinung zu dem was hinsichtlich Corona geschieht. Frau Auricht spricht mir aus der Seele. Kann das sein? Was ist da passiert? Muss ich nun die Afd wählen? Das werde ich nicht tun. Ich hoffe der Diskurs der im ganzen Land in privaten Bereich geführt wird, kommt endlich auch in den Parteien der Mitte an. Und auch in den Medien. Dann würde in Deutschland wieder gelebte Demokratie herrschen. Wenn die Parteien wieder streiten und die Medien nicht mehr alle Meinungen die nicht konform laufen mit dem Argument Verschwörungstheoretiker oder Rechter entwerten würden, könnte das Land geeint sein in all der Unterschiedlichkeit die eine Bevölkerung mit sich bringt. Ich hoffe „Alles wird gut“! – Eva-M. Huke

 

Darf ich fragen, warum Sie die für uns alle wichtigen Informationen zum Mund-Nasen-Schutz während der COVID 19-Pandemie nur in weitschweifiger Prosa verstecken mit Cartoons ohne didaktischen Wert? Statt die sich anschließende Infografik dem Gold zu widmen, das sich zurzeit nur wenige leisten können oder wollen, hätten Sie dort u.a. über das verwirrende Angebot von „Face Filtering Pieces“ FFP 1,2 bzw. 3, KN95 und N95 aufklären können. – Prof. Dr. med. Manfred Anlauf

 

Der wichtigste Absatz Ihres Artikels ist in meinen Augen der vorletzte, in dem es um die Frage einer konkreten „Schutzwirkung“ von Masken geht, und zwar genau genommen eigentlich nur die Passage zur Schutzwirkung „für den Maskenträger selbst“. Denn wenn diese (und zwar abhängig vom Typ der Maske) jedenfalls annähernd nachvollziehbar quantifizierbar wäre – und genau dazu liest man, anders als zur Frage der Tauglichkeit von Masken bei der Virus-Verbreitung, wo es immerhin Differenzierungen einzelner Maskenarten zur Tauglichkeit gibt, in dem Artikel leider nichts. Das wäre aber für das Thema entscheidend gewesen; denn wenn der Selbstschutz bestimmter Maskentypen für die Menschen nachvollziehbar vielversprechend ist, werden Masken – mit dem dann automatischen zusätzlichen Effekt eines Fremdschutzes – wegen des natürlichen Egoismus der Menschen auch mit Überzeugung und daher auch regelmäßig in den dies gesetzlich verlangenden Konstellationen getragen.

Wer jedoch nur an den Fremdschutz denkt, verzichtet in dem (ja vielleicht irrigen) Gedanken, „ „gesund“ oder „nicht ansteckend“ zu sein oder gar aus reiner Gleichgültigkeit leichter auf die Maske. Überhaupt nicht einleuchten will mir in diesem Zusammenhang, warum es offenbar bisher nicht möglich war, die letztlich ja rein technische Frage Eines Fremd- und/oder Eigenschutzes durch Masken messtechnisch exakt zu quantifizieren. Vielleicht sollte sich die „Stiftung Warentest“ einmal mit dieser Frage befassen und den Verbrauchern empfehlen, welche Masken man tragen sollte. – Dr. Jürgen Plate

 

Mich stört die Abstandsregel viel mehr als die Maske. Der Mund-Nasen-Schutz ist umständlich, aber ich kann mit ihm atmen und reden. Mich nervt viel mehr, dass ich niemanden umarmen oder streicheln darf (z.B. auf Kuschelpartys, eine Partnerin habe ich nicht). – Johannes Müller

 

Die Polarisierung hat nur einen Urheber, die unobjektiven und sensationslüsterne Medien. In meinen Augen, Journaille. Zwischenzeitlich sind die Hofmedien nicht alleinige Informationsquelle, Gott sei es gepriesen und gebassgeigt. Millionen Bürger trauen sich NICHT zu Wort, ihnen wird der Maulkorb vorgeschrieben. Extrem viele andersdenkende , praxisnahe Experten, Prof,. Dr., junge Forscher und Fach- Akademiker , sind nur über das Internet zu erreichen, wenn nicht deren profunde Nachricht gesperrt wird, passend unter Hassnachrichten. Soviel zur freien Meinungsäußerung. Warum traut sich keine Zeitung, ARD und ZDF sind schamlose Lügner, eine pro und contra Auflistung , gegenüber dem gemeingefährliche Scharlatan Droste. Es gäbe keine Polarisation, wie sie schreiben, sondern demokratisch Ermittlung und Erkenntnisse. Bin sicher der Hofberichterstatter wird in die Wüste geschickt, hätte schon geschehen müssen, bei seiner Prognose 1Mio. Tote bei der Schweinegrippe.

Wo bleibt die gelobte investigative Presse ; leider nicht bei der ZEIT. Das zu erwartende massive Ansteigen der Infekte, im Herbst, Winter , volkstümlich Herbstgrippe genannt, dürfte die Medien und den selbsternannten Experten in Berlin noch einige Notlügen abverlangen, um ihr bisheriges Vorgehen zu rechtfertigen. Man hört und sieht nichts über Schweden, ist ein gute Zeichen, sonst würde die Journaille schon lange darüber berichten. Leider ist die ZEIT sehr abgeflacht und uninteressant geworden, seit H. Schmidt nicht mehr korrigieren kann. – Jürgen Schulz

 


 

 

Leserbriefe zu „Geheime Strippenzieher?“ von Jens Jessen

 

Wir sind nicht immer einer Meinung, aber ich schätze Ihre ZEIT-Beiträge wegen Ihrer nachvollziehbaren logischen Klarheit … … und deswegen habe ich auch den heutigen Artikel zu den Verschwörungstheorien nicht links liegen lassen. In der zweiten Spalte ist mir das Gesicht runter gefallen … »Alle Juden halten heimlich zusammen« – oder: »Das Coronavirus ist eine Erfindung der Mächtigen«. Solange man nicht alle Juden beziehungsweise alle Mächtigen gefunden hat, wird man die Aussagen nicht widerlegen können, und dass dies unmöglich bleibt, sichern auch typische Zusätze wie »heimlich« oder unklare Bestimmungen wie »die Mächtigen«. Ist Ihnen klar, dass Sie mit diesen Sätzen die lieben Verschwörer bedienen?

Ihr Satz stimmt schlichtweg logisch nicht, aber die Bemühung weißer Schwäne erläutert das auch nicht. Da müsste stehen: »Alle Juden halten heimlich zusammen« – oder: »Das Coronavirus ist eine Erfindung der Mächtigen«. Sobald man einen Juden beziehungsweise einen Mächtigen gefunden hat, wird man die Aussagen widerlegen können, ok … dann hätten Sie nur einen Zweispalter geschrieben … … wusste nicht, dass Sie Pauschalist sind bei der ZEIT … … ist blöd … da braucht man die 2,5 Folgespalten zum Überleben … Ich bin sehr verärgert, das einem wie Ihnen dieser Fehler unterlaufen ist. Leichter kann man unbewusst „Lügenpresse“ nicht bedienen (Sie verstehen hoffentlich die Doppelbödigkeit dieses Satzes). – Peter Wöhrle

 

Jens Jessen zeigt auf sehr erhellende Art, wie sich Verschwörungstheorien durch ihre logische Struktur gegen jede Überprüfung immunisieren. Sein zentrales Beispiel aber, der Satz „Alle Schwäne sind weiß“, sträubt sich keineswegs gegen eine Falsifizierung im Sinne Karl Poppers, ebensowenig wie „Alle Juden halten heimlich zusammen“. Man müsste ja tatsächlich, um ein Beispiel zu nennen, sämtliche Politiker untersuchen, um die These „Alle Politiker sind integer“ zu verifizieren. Um sie zu widerlegen mag dagegen der Hinweis auf Donald Trump genügen. – Helmut Fuchs

 

Es hätte der ZEIT gut angestanden, diesen Artikel vor der Veröffentlichung von einem Wissenschaftler überprüfen und korrigieren zu lassen. Zeitrales Merkmal einer wissenschaftlichen Hypothese ist ihre Falsifizierbarkeit. Der Satz „Alle Schwäne sind weiß“ ist in diesem Sinne sehr wohl eine wissenschaftliche Hypothese. Auch die Begründungen der Beispiele „Alle Juden halten heimlich zusammen“ und „Das Coronavirus ist eine Erfindung der Mächtigen“ sind falsch – zur Widerlegung der ersteren würden zwei verfeindete Juden genügen. (Die Widerlegung scheitert hier allenfalls am nicht näher spezifizierten „heimlichen Zusammenhalten“, das beliebig interpretierbar ist.) Leider zerlegt Jens Jessen damit seine berechtigte Kritik an der Tendenz, jede Kritik an den staatlichen Maßnahmen in den Topf „Verschwörungstheorie“ zu werfen. – Jörg Eisfeld

 

Für gewöhnlich lese ich die Artikel von Herrn Jessen gern und ziehe großen Gewinn aus Ihnen. Der oben genannte Artikel enthält meiner Meinung aber inhaltliche Fehler. Die Aussage „Alle Schwäne sind weiß“ ist falsifizierbar – und damit nach Karl Popper ein Musterbeispiel für eine wissenschaftliche Hypothese. Es genügt nämlich das Auffinden eines einzigen nicht-weißen Schwans, um die Hypothese zurückzuweisen. Solange man (zumindest bei der ursprünglich allein heimischen Unterart der Schwäne) sehr viele weiße Schwäne beobachtet und keinen anderen findet, wird man die Aussage für plausibel halten. Nur die vollständige Verifikation (die nach Popper nicht angestrebt wird) würde die Betrachtung aller Schwäne erfordern und ist somit unmöglich. Das gleiche gilt für das Zusammenhalten allerJuden (falsifizierbar durch ein Gegenbeispiel und tatsächlich falsifiziert); die Erfindung des Virus durch die Mächtigen ist (alleMächtigen? wer zählt zu dieser Gruppe?) scheint keine Hypothese zu sein. – Dr. Peter Söhne

 

Ihre pointierten Beiträge lese ich stets gerne. In Ihrem o.g. Beitrag ist mir allerdings eine Ungenauigkeit aufgefallen, die möglicherweise zu Missverständnissen und (vermeidbarer) Kritik an Ihrem Beitrag führen könnte. Sie verlangen von einer Hypothese u.a., dass sie „bestätigt“ werden kann. Anschließend führen Sie den Satz „Alle Schwäne sind weiß“ als Beispiel für „in diesem Sinne keine wissenschaftliche Hypothese“ an, wohl weil dieser Satz sich praktisch nicht bestätigen lässt („Denn wie könnte man je alle Schwäne überprüfen..?“). Das Beispiel ist jedoch unglücklich gewählt, denn eine solche All-Aussage kann natürlich im Sinne Poppers falsifiziert werden.

Man braucht beispielsweise nur einen schwarzen Schwan zu finden. In diesem Sinne handelt es sich durchaus um eine wissenschaftliche Hypothese. Aus Popperianischer Sicht ist das Kriterium der Falsifizierbarkeit zudem überzeugender als das Kriterium der Verifizierbarkeit. Je mehr Falsifikationsversuche eine Hypothese unbeschadet übersteht, desto besser hat sie sich bewährt. Dies bedeutet aber noch nicht, dass sie dadurch bestätigt würde. Bewährung und Bestätigung sind zu unterscheiden. – Prof. Dr. Bernd Simon

 

Wer lange genug kürzt, findet irgendwann den gemeinsamen Nenner, auch von Wissenschaftlern und Verschwörungstheoretikern: Beide glauben, dass es etwas zu wissen gibt. Beide produzieren mit großem Eifer Irrtümer. Solange sie noch nicht wissen, dass sie nichts wissen, haben beide das gute Gefühl, richtig unterwegs zu sein. Auf dieser Ebene können sich Wissenschaftler und Verschwörungstheoretiker sogar treffen und sagen: Ich weiß genau, was du empfindest, wenn du dich so voller Überzeugung äußerst. Nur: Die Quelle für dieses Gefühl ist beim Wissenschaftler der Zweifel. Diese offen zugängliche und ergiebig sprudelnde Quelle. Beim Verschwörungstheoretiker ist es die Zweifellosigkeit. Diese Quelle liegt im Verborgenen und in eher sandigem Boden. Zweifel an der Ergiebigkeit der Quelle der Zweifellosigkeit sind durchaus begründet. Rational nachvollziehbar, wenn Verschwörungstheoretiker ihre Quelle geheim und unerreichbar halten, den Zugang erschweren. Aus Angst vor dem Ertrinken im Meer des Zweifels. Wo es auf Dauer keinen festen Halt gibt, könnten Freischwimmerkurse helfen, die Angst vor dem Zweifel zu nehmen. – Reinhard Koine

 

Jens Jessen schreibt «Alle Schwäne sind weiß» sei keine wissenschaftliche Hypothese, denn man könne nie alle Schwäne überprüfen. Dazu sei Folgendes bemerkt: es würde schon eine Beobachtung eines schwarzen Schwans ausreichen um diese Hypothese zu widerlegen. Die Hypothese ist somit falsifizierbar gemäß der Logik der Forschung von Karl Popper. Warum soll diese Hypothese dann keine wissenschaftliche Hypothese sein? Wenn Herr Jessen ein Beispiel für eine Hypothese sucht, die nicht widerlegbar ist, wäre «Alle Schwäne sind weiß oder nicht weiß» besser geeignet, denn diese Hypothese ist stets erfüllt. – Jonas Bergdolt

 

Verschwiegene Strippenzieher mitten in Berlin? In diesem Feuilleton gibt ein paar bemerkenswerte Korrespondenzen: Benedikt Herber erwähnt in seiner Rezension des Romans „Harte Tage“ von Vargas Llosa all die bösen mittelamerikanischen Politiker und deren Grabenkämpfe mit demokrarisch gewählten Präsidenten, die Llosa in seinem Roman als handelnde Personen auftreten lässt. US Botschafter John Emil Peurifoy kommt in der Rezension allerdings viel besser weg als im Roman. Gar nicht erwähnt der Rezensent den massiv in diese Geschichte von Putsch, Folter und Intrigen verwickelten US-amerikanischen Politiker John Foster Dulles, der in Vargas Llosas Roman keine unwichtige Rolle spielt.

Das ist auch deshalb traurig, weil mitten in Berlin eine Straße nach diesem benannt ist – und nicht irgendwo, sondern es ist die Adresse des Hauses der Kulturen der Welt. Die Aktivitäten dieses Mannes auf dem mittelamerikanischen Kontinent verdienen es ins Bewusstsein (nicht nur) der Berliner gebracht zu werden. Und damit in Zusammenhang steht der Artikel „Geheime Strippenzieher“ von Jens Jessen, in dem es um Verschwörungstheorien geht: Jessen erwähnt dort, dass die Verstrickungen der CIA in dunkle Machenschaften in Lateinamerika eben keine Verschwörungstheorie waren, sondern traurige Realität. Das habe erst ein Ende gehabt, als man beweisen konnte, dass die CIA (und Eisenhower und eben Foster Dulles) genau das – sprich die brutale Einmischung in die Souveränität Lateinamerikas wirklich betrieben haben.

Warum bleibt diese Information in der Rezension von Benedekt Herber unerwähnt? Wird das immer noch für eine ‚Verschwörungstheorie‘ gegen die US-Amerikaner gehalten? Oder hält der Rezensent es für eine unwichtige Information, die dem Autor in seinem angeblich etwas planlosen Werk, in dem er von Akteur zu Akteur springe, nur mal eben so untergekommen ist? Den Roman als „unterhaltsam“ zu bezeichnen, erscheint da doch etwas unpassend. Und „lehrreich“ ist er nur dann, wenn Lehren daraus gezogen werden: Also: Weg mit dem Straßennamen am Haus der Kulturen der Welt mitten in Berlin. – Lucia Geis

 


 

 

Leserbriefe zu „Zurück zum Samstagsunterricht?“ Streit von Astrid Henke und Thomas Kerstan

 

Frau Henke, warum lese ich immer nur von der Risikogruppe bei Lehrkräften, die vom Unterricht ferngehalten werden müssen? Was ist denn mit Verkäuferinnen, LKW Fahrern, Polizie & Co.? Da höre ich so etwas nie. Es besteht auch eine gesellschaftliche Verantwortung in vielen Berufen und es gibt für die meisten gute Schutzmaßnahmen. – Timo Harms

 

In einer Zeit, in der für viele der Samstag noch heiliger ist als der Sonntag, finde ich es sehr mutig von Thomas Kersten, den Samstagsunterricht einmal wieder ins Gespräch zu bringen. Erst Corona ermutigt die Leopoldina dazu, wenigstens einmal über diese Option nachzudenken. Ich erinnere ich mich an Zeiten, als die Schulen über den freien Samstag selbst entscheiden durften und es zu langen Diskussionen und Streit in den Lehrerzimmern kam. Ich durfte an einer Hauptschule unterrichten, die als letzte im Stadtgebiet den freien Samstag einführte und auch das erst, als die Fünf-Tage-Woche vom Ministerium verordnet wurde. Unser Kollegium war damals mehrheitlich der Meinung, dass die Stundenplangestaltung an sechs Tagen einfacher wird und dass für 5. und 6. Klassen die ungeliebten sechsten Stunden zum großen Teil eingespart werden konnten. Heute ist der Nachmittagsunterricht selbstverständlich. Man schaue sich einmal die Schüler und Lehrer an, die gegen 16 Uhr die Schule verlassen! Von den eingeschränkten Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, sprich Sport, Musik etc. ganz zu schweigen.

Wenn allerdings für die Stundenplangestaltung nicht mehr die Prämisse gilt, Unterricht sinnvoll über die Woche zu verteilen, sondern die Sicherung der Lehrerfreizeit Priorität hat („Ich möchte aber zwei freie Tage in der Woche!“), dann muss man sich über kuriose Lösungen nicht wundern. Vielleicht für ja die Coronakrise zum Umdenken? Ein Kompromiss wäre vielleicht die Möglichkeit, einen vierzehntägigen Samstagsunterricht einzuführen, der den Familien immerhin die Möglichkeit bietet, jedes zweite Wochenende für gemeinsame Unternehmungen zu nutzen. – Ludwig Leßmann

 

Thomas Kerstan und Astrid Henke diskutieren Unterricht an Samstagen und in den Ferien. Die Argumente der Gewerkschaftlerin überraschen nicht weiter, eher die von Thomas Kerstan. Ohne hinreichende Digitalisierung könne Fernunterricht nicht gelingen, Kinder, die sich ein Zimmer mit ihren Geschwistern teilen, kämen ins Hintertreffen; ja, sogar das Menschenrecht auf Bildung sieht er in Frage gestellt. Die Argumente sind so neu nicht. Als die Fünftagewoche an den Schulen eingeführt wurde, mahnten Lehrkräfte, dass die Kinder sich am Montag nicht mehr so gut konzentrieren konnten, wohl, weil sie am ganzen Wochenende nur ferngesehen hätten. Der Verband der Kinderärzte Deutschlands befürchtete, die Zahl der kranken Kinder und damit auch die der Schulversager werde sich erhöhen. Eingetreten sind diese Befürchtungen nicht. Eher gab es eine Bildungsexpansion und die Verbesserung der Bildungschancen für alle.

Tatsächlich sollte man genauer hinschauen, wie Familien den Fernunterricht in Coronazeiten genutzt haben. Vielleicht haben nicht alle Kinder in der gleichen Weise Mathematik und Englisch gelernt, aber sie haben neue, vielfach wertvolle Erfahrungen gemacht. Kerstan sieht offensichtlich Kinder als Gefäße, die man mit Wissen füllen muss: also besser 3,6 Stunden statt 7,4 Stunden Lernzeit. Das ist aber gerade nicht der Punkt. Unabhängig von der sozialen Herkunft sind Kinder selbstbestimmte Lebewesen. Sie sind nicht passive Empfänger, sondern aktive Gestalter der eigenen Bildungssozialisation. Wir wissen zu wenig darüber, welche Kompetenzen und sozialen Fähigkeiten Kinder in der Coronazeit zu Hause erworben haben. Die amerikanische Forschung zum Homeschooling zeichnet jedenfalls ein sehr günstiges Bild von zu Hause unterrichteten Kindern (z. B. Richard G. Medlin [2013], „Homeschooling and the Question of Socialization Revisited“, Peabody Journal of Education88: 284-297).

Was den Unterricht selbst angeht: Als die Schulen im März geschlossen wurden, hatten die Lehrkräfte vielfach keine Gelegenheit mehr, mit ihren Schülern Absprachen zu treffen. Dies ist nun anders. Zum einen haben sich während der Schulschließung Verfahren des Distanzunterrichts etabliert, zu denen zunehmend auch Videokonferenzen gehörten. Zum anderen kann die Zeit des Präsenzunterrichts nun genutzt werden, um Kommunikationswege miteinander zu vereinbaren, die dann auch gut funktionieren. Schulen sind zwar „keine Schnellboote“, aber sie sind auch keine Dampflokomotiven. Es gibt gute Gründe optimistisch zu sein, auch ohne Samstags- und Ferienunterricht. Mich würde auch interessieren, ob Thomas Kerstan ähnliche Bedenken hinsichtlich der Viertagewoche der Fridays-for-Future-Kids hat. – Dr. Ralf Weskamp

 

Für den ZEIT-Korrespondenten Thomas Kerstan ist Bildung vor allem eine Frage von Quantitäten: Wenn Kinder weniger lernen, verdienen sie später weniger (er zitiert sogar eine Studie, die diesen Minderverdienst angeblich genau quantifizieren kann). Und wenn sie mehr lernen, dann werfen sie hinter her mehr ab, so dass sich die Investition in mehr und teurere Lehrkräfte am Ende bezahlt macht. Was Kerstan im Sinn hat, hat mit Bildung nichts zu tun, sondern eher mit der Optimierung von Maschinen und der Erziehung zur Marktkonformität. Die Probleme, die unser Bildungssystem aktuell hat, sind zum großen Teil eine Folge der Tatsache, dass auch viele „Bildungs“-Politiker gleichermaßen Bildung mit reiner Wissensvermittlung verwechseln. – Dr. Dirk Kerber

 

Der Kommentar von Astrid Henke in der ZEIT vom 13. August 2020 („Streit“) zeigt in aller Deutlichkeit, dass es der GEW nur um die materiellen Interessen der Lehrer geht. Der Bildungsanspruch der Schüler ist für sie zweitrangig. Seit Jahren vertritt die GEW nur zwei Forderungen: mehr Geld und mehr Personal. Dabei liegt die Misere in einem unzureichenden Unterricht. Jedes Jahr verlassen 50.000 Schüler die Schule ohne Abschluss. Sie landen im Billiglohnbereich, in Hartz IV oder in der Delinquenz. Durch die Unterrichtsausfälle während des Corona-Lockdowns wird sich diese Zahl noch erhöhen. Man spricht schon von einer verlorenen Schülergeneration. Dass alle Lehrkräfte während des Homeschooling ihre Schüler optimal unterstützt haben, gehört ins Reich der Legende. Neben vorbildlichen Lehrkräften, die in stetigem Kontakt mit ihren Schülern standen, gab es auch welche, die wochenlang abgetaucht waren. Arbeitsblätter mit der Post zu verschicken und sie dann nicht wieder einzusammeln, kann man nicht gerade als gute Betreuung werten.

Wie die GEW tickt, konnte ich vor zwei Jahren in Berlin erleben. Die Gewerkschaft rief die angestellten Lehrkräfte zum Streik auf, um eine höhere Besoldung zu erzwingen. Um den Druck maximal zu erhöhen, wählte sie als Streiktag den Tag des mündlichen Abiturs aus. Streikwillige Lehrkräfte ließen ihre Schüler am wichtigsten Tag ihres Lebens im Stich! Verbeamtete Lehrer wie ich übernahmen dann die Prüfungen. Wir prüften Schüler, die wir noch nie im Unterricht erlebt hatten. Fürsorglich kann man das Verhalten der GEW nicht nennen. In den Lehrerzimmern nennt man die GEW inzwischen „LG Kohle“, weil es ihr nur noch ums Geld geht. Die GEW sollte sich ehrlich machen und die beiden Begriffe „Erziehung“ und „Wissenschaft“ aus ihrem Namen zu streichen. “ Interessenvertretung der Lehrer“ wäre die passende Bezeichnung. Alle Mitglieder der Schulgemeinschaft wüssten dann, woran sie sind. – Rainer Werner

 

Auch wenn ich die ambitionierten Pläne der Leopoldiner und auch die Argumente/Forderungen von Herrn Kerstan sehr gut nachvollziehen kann, stimme ich doch in der Realität und der Umsetzungsmöglichkeit von Samstagsunterricht den Argumenten und genannten Fakten von Frau Astrid Henke zu. Ich selbst bin Grundschullehrerin und habe nun live und in Farbe mitbekommen, wie individuell, schnell, durchorganisiert und immer flexibel auf die neusten mails aus dem Kultusministerium reagierend, wir uns in der Lehrerschaft in unserem Kollegium unter enormer Belastung und Mehraufwand durch die coronabedingte Schließungszeit und danach erfolgende Wiederaufnahmen des Präsenzunterrichts gekämpft haben. Wir haben KollegInnen, die zur Risikogruppe gehören, unterrichtlich mit aufgefangen – weil es eben auch einfach eine kollegiums-soziale Pflicht ist, dass man sich dann in einem solchen Fall auf die KollegInnen verlassen ann.

Das Home-Office-Dasein besagter KollegInnen, hat uns dann einige schulstrukturelle und schulverwaltungstechnische Arbeit abgenommen. Was die Übernahmen von Unterricht von KollegInnen in der Realität für engagierte und den SchülerInnen zugewendete Lehrkräfte bedeutet, kann – so deutlich muss ich es sagen – wirklich nur eine im dienststehende Lehrkraft beurteilen, nachvollziehen und nachempfinden. Es scheint immer noch das öffentliche Bild vorzuherschen, als hätten wir den bestbezahltesten Halbtagsjob mit ca. 3 Monaten Ferien und sowieso freien Wochenenden. Hier sei der Hinweis auf die GEW-Studie zur Arbeitsbelastung von Lehrkräften erlaubt, die 2018/19 endlich ausgewertet vorlag: ein hohes Maß an Arbeitsbelastung war schon vor Corona Realität und mit Corona hat sich die Lage nicht gebessert!

Außerdem ist es nach wie vor glasklar: wir in Schule bekommen alle die gleichen kultusministeriellen gesetzlichen Vorgaben, Rahmenrichtlinien, Durchführungsverordnungen, Rahmen-Hygiene-Pläne und – seit Freitag in Niedersachsen druckfrisch auf den privaten (!) Endgeräten der LehrerInnen (Anmerkung zur „Digitalisierung“ in Schule am Rande: mit einer Verfügung wurden ratzfatz die privaten Endgeräte der Lehrkräfte als Kommunikationsmittel genehmigt, um überhaupt „digitalen Unterricht “ zu ermöglichen, zu sichern, durchzuführen. Ein großes Ärgernis seit Jahren, dass noch nicht einmal Lehrer mit Dienst-PCs ausgestattet sind. Welches Unternehmen würde sich das heute leisten, die Mitarbeiter nicht mit Laptops, PC u.ä. auszustatten???. Schulen sind damit kaum ausgestattet – vielleicht 1 PC im Lehrerzimmer für 20 KollegInnen wie bei uns) – den „Umgang mit coronabedingten Lernrückständen – Hinweise für die Gestaltung des Unterrichts“ (gemeint ist der kommende Unterricht ab dem kommenden Schuljahr).

Aber die dort geforderten/gegebenen Rahmenbedingen werden so unterschiedlich in den Schulen gehandhabt und umgesetzt, dass m.E. noch nicht einmal Samstagsunterricht die defizitäre Lage auffangen würde! Zumal o.g. Papier „Zum Umgang mit coronabedingten Lernlücken“ uns klar eine Aufstellung für die Hauptfächer (Mathematik, Deutsch, Sachunterricht ( nur GS), Fremdsprachen) von Klasse 1 bis zum Abitur bietet, was wir an Kompetenzen – die für verzichtbar erachtet werden – nun offiziell „entfallen“ lassen können! Mir drängt sich da schon der Gedanke auf, dass kultusministeriell sehr wohl die „Lehrermangellage/-belastung“ und damit verbundenen Fehlstunden sowie Gesundheitsschutzrechlichen Mienenfelder erkannt werden. Gleichzeitig schockiert es mich und mein pädagogisches Selbstverständnis meiner Tätigkeit, dass ich Lernstoff aus dem vergangenen Schuljahr, den ich für meine (damals) zweite Klasse als „basal“ empfinde, weil die fortführenden Schulen und die direkt kommende Grundschulzeit darauf aufbauen/aufbaut, nun teilweise in der Liste als „Entfall“ wiederfinde. Eines ist hier klar: ich lasse diese Inhalte NICHT in Gänze ENTFALLEN. Das wiederstrebt meiner pädadogischen Verantwortung zu tiefst!

Eine geschickte Planung und Organisation des Lehrplanes lässt es auch ohne Samtagsunterricht und mit weniger „Entfall“ von Kompetenzen zu, die SchülerInnen wieder an die Bildungsziele und Kernkompetenzen heranzuführen. Auch die Zusammenarbeit mit der Elternschaft – die in meinem Falle die ganze Zeit über sehr positiv war und ist – ist dabei von großem Wert. Denn besonders hier ist es wichtig, die Eltern aufzuklären, zu ihnen Kontakt zu halten und ihren Forderungen/Ängsten zu „Lernlücken“ Gehör zu schenken und in die eigene Tätigkeit einfließen zu lassen. Wie wichtig dies ist, weiß ich auch aus eigener Erfahrung als Mutter eines Achtklässlers am Gymnasium. Die Diskrepanz zwischen meinen beiden Rollen (Mutter und Lehrerin) ist hier manchmal nur schwer zu ertragen und auszuhalten, wenn ich mir die Handhabungen/Umsetzungen von Unterricht in der „Lock-Down-Zeit“ und danach mir an seiner Schule ansehe.

Eine letzte Anmerkung sei noch erlaubt: Sie vermerken unter Ihrem Artikel, es sei unbestritten, dass seit den 1970er-Jahren die Sechstagewoche an westdeutschen Schulen nicht mehr üblich war. Ein wenig möchte ich es schon betreiten: das Land Niedersachsen hat erst 1995 die Sechtagewoche gänzlich abgeschafft. Ich selbst habe noch bis zum Abitur 1994 jeden Samstag Unterricht gehabt! Im JG. 12 und 13 sogar die Leistungskurse 14-tägig. Erst mit Studiumbeginn 1995 wurde die Samstagsschulpflicht in Niedersachsen abgeschafft. – M. Zacharias

 


 

 

Leserbriefe zu „Wo ist sein Geld geblieben?“ von Stefan Willeke

 

Von der Gesellschaft materiell – konsequent – ausgegrenzte alte Frau, leiste ich mir seit der Pandemie – da öffentlich ausgelegte Journale z.Z. nicht zugänglich – wöchentlich das „ZEIT“-Magazin. U.a. las ich auf der DOSSIER-Seite Ihren Artikel über Rudi Assauer. Allein schon die Summen, die diese „Herren“ in ihrem Leben zur Verfügung haben, ausgeben können, vergeuden, etc. lässt – nicht nur mein – immer wieder/noch – benachteiligtes Geschlecht von Neuem „erstaunen!“ Diese immerwährenden Verdienstmöglichkeiten beim Fußballsport, wie den darum kreisenden anderen „Möglichkeiten“ der unterschiedlichsten Firmen-Sparten erzeugt beim Normalverdiener, Verdienerin Schwindel und bringt das menschliche Gefühl von Neid hervor und der darauf folgenden Gewissheit, dass in unserer Gesellschaft – sich nicht nur, ein enormer Riss zwischen meinem Geschlecht und dem gegenteiligen auftut, vor allem was die „Entlohnungen“ anbelangen.

Nur im „Rotlichtmilieu“ dürften sich ab und zu Angleichungen ergeben. Dass sich die Frauen an ihrem Vater – je nach Charakter – mit finanziell organisierter „Entlohnung“ die Betreuung, bzw. Nichtbetreuung entgelten, zeigt ganz einfach: Ihr Niveau. „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ Es ist – immer wieder – unsere Gesellschaftsform, die solch mannigfaltig, menschliche Auswüchse fördert/unterstützt/verschleiert. Warum sollten die Nutznießer*innen dieser Gesellschaft sich korrekt verhalten? Das Wochen-Magazin „DIE ZEIT“ ist ja auch das Produkt einer wöchentlich, intellektuellen, weißen Männerelite. – Barbara Kempkens

 

Heute früh las ich Ihren Artikel zu Rudis verlorenen Geldern und seinem letzten Lebensabschnitt. Offensichtlich gut recherchiert, einige genannte Personen kannte ich bislang nicht. Alles ein wenig traurig. Das jetzige Führungsteam des S04 wirkt viel seriöser und kopfgesteuerter als die Leute damals mit Rudi und Co., aber der sportliche Erfolg bleibt bislang aus. Und das ist nun mal das A und O eines Fußballvereins. – Siegmund Lipiak

 

Als Österreicherin (und immerhin Zeit-Abonnentin seit 1976!) ist mir der deutsche Fußball immer fern und fremd geblieben- ich gehöre diesbezüglich zu den total Desinformierten und Desinteressierten. Wohl deshalb habe ich über die Existenz und das Schicksal von Herrn Assauer erst durch Ihren Artikel aus der „Zeit“- Ausgabe vom 13.8. 2020 erfahren. Selten jedoch habe ich einen Artikel in Ihrem Blatt so abstoßend empfunden wie diesen. Warum wird darin Seiten lang und detailreich über den zweifellos tragischen Verfall einer Person von offensichtlich öffentlichem Interesse und zu Spekulationen über deren Angehörige und Freunde berichtet- mit einer bespiellosen Distanzlosigkeit und ohne jeden Respekt vor der Privatsphäre sowohl eines Verstorbenen wie der seiner Kontaktpersonen ?

Zweifellos ist das Thema Demenz aktuell und von öffentlichem Interesse, aber warum berichtet die „Zeit“ darüber in einer voyeuristischen Art und Weise, die man eher in der „yellow press“ erwarten würde, als in der führenden Wochenzeitung der deutschsprachigen Intellektuellen ? Können Sie das mir , meiner Familie und mehreren meiner Freunde, die über diesen Artikel ebenso entsetzt sind wie ich, erklären? – Dr.Christa Sauer

 

Wo ist sein Geld geblieben? Das fragen aber nur diejenigen, die es NICHT haben. – Wolfgang Burkhardt

 

Bis zum Erscheinen der ZEIT Nr. 34 am 13. August war für mich Rudi Assauers Tochter Bettina Michel eine Heldin der Nächstenliebe, die sich in aufopferungsvoller Weise, selbstlos um ihren demenzkranken Vater gekümmert hat. Diesen Eindruck gewann ich durch die Medien, wenn Frau Michel zum Beispiel bei TV-Auftritten von ihrem geliebten Vater sprach. Die Frage nach Rudi Assauers Geld lässt sich einfach beantworten: Es ist nicht weg, es ist woanders. Aber eine ausplündernde Person wird nicht zu finden sein, auch nicht im Kreis der Verfügungsberechtigten. Einziger Trost: vielleicht hat Rudi Assauer trotz allem noch schöne Stunden erlebt und war in seiner Welt glücklich und schmerzfrei.

Wie konnte es zu dieser Situation kommen, dass sich 2,3 Millionen in kurzer Zeit de facto in Luft auflösen? Die Weichenstellung dazu gab Rudi Assauer selbst. Bevor die eigene Denk- und Urteilsfähigkeit nachlässt, muss die Entscheidungsgewalt in gute Hände gegeben werden. Das war bei Rudi Assauer offensichtlich nicht der Fall. Wenn dumme Entscheidungen dann noch vom Notar als OK gewertet werden, dann ist das Leid groß. Ob jetzt sachkundige Personen zur Offenlegung der Finanzwege bewegt werden können, da habe ich meine Zweifel. Zu hoffen und zu wünschen wäre es. Das gäbe nochmals eine spannende Lektüre in der ZEIT. – Reinhold Biggeleben

 

Zunächst dachte ich: Hier werden die Geschäfte des Profifußballs aufgedeckt (Assauer). Und dann das: Sie exhibieren Privatpersonen zum schamlosen Vergnügen des (gebildeten?) Publikums. Hier werden Menschen an die Öffentlichkeit gezerrt, an denen die Strafverfolgung ohnehin bereits dran ist und deren Peinlichkeit den voyeuristischen Leser beschmutzt. Es geht um die armseligen Millionen eines armseligen Mannes. Das ist Boulevard der unteren Stufe. – Albrecht Geuther

 


 

 

Leserbriefe zu „Kollektive Zensur“ von Yascha Mounk

 

Es ist traurig zu sehen, wie rechte und linke Spinner sich immer mehr angleichen. Schon marschieren Reichskriegsflagge und Regenbogenfahne Seit‘ an Seit‘. Aus Konservativen werden Nazis, aus Linken Cancel-Culture, die Einen so widerlich wie die Anderen. Da dreht sich Voltaire im Grab herum („Ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen“). – Gebhard Boddin

 

Manchmal ist es schön, älter zu sein: man kann aus eigener Anschauung vergleichen. Während sich vor einigen Jahrzehnten die Rechten bei der Verhinderung von Kabarett hervortaten – Franz Josef Strauß bleibt in Erinnerung – kommt der Druck heute vor allem aus der linken Ecke. In der aktuellen Zeit-Ausgabe wird gleich von zwei Fällen berichtet, Dieter Nuhr und Lisa Eckhart. Die Vorherrschaft der politischen Richtung wechselt immer wieder, was konstant bleibt sind Dummheit und Feigheit, mit der Tendenz zu Religionskriegen. – Frank Hrebabetzky

 

Danke für diesen Beitrag. Ich habe ihn mit großem Interesse gelesen. Über Ihre offenen und klaren Worte habe ich mich sehr gefreut.Sie nennen die Probleme beim Namen, die die politische Kultur unserer Zivilgesellschaften und unsere Grundordnung bedrohen. Michael Hampe, Professor der Philosophie an der ETH Zürich, kommt aus Sicht des Philosophen in seinem 84 Seiten – Büchlein „Die dritte Aufklärung“ zur gleichen Feststellung. Wir brauchen eine neue politische Kultur, eine dritte Aufklärung. Der Journalist Dirk Meinhardt zeigt auf 143 Seiten „Wie ich meine Zeitung verlor“ eindrucksvoll und nachprüfbar auf, wie die Cancel-Culture bei der SZ praktiziert wurde. Aus meiner Sicht kommt es darauf an, dieses Thema immer wieder aufzugreifen. Beispiele gibt es genug. Aufgabe der Journalisten ist es diese Tatsachen an die Öffentlichkeit zu bringen, bevor sie ihre persönlichen Moralvorstellungen frönen. – R. Schmolling

 

Dass Kritik den Kritisierenden schaden kann, ist nicht neu. Wegen Andersartigkeit oder anderem Denken und entsprechender Äußerungen stigmatisiert zu werden und durch Gruppendruck ausgegrenzt zu werden, kennen viele. Was ist wirklich neu? Und ist der Begriff „Cancel Culture“ für eine größere Reichweite der Ausgrenzungs-Mechanik wirklich hilfreich: „Cancel“ ein oberflächlich-funktionaler Begriff in Kombination mit dem aufwertenden Begriff „Culture“? – Vielleicht ist eher eine veränderte Einschließungs-Mechanik ausschlaggebend: Der Kreis für die Festlegung von Zugehörigkeit ist enger gezogen. Vieles, was bisher unser Selbstverständnis als offene Gesellschaft auszumachen schien, wird nun tabuisiert. Kollektiv scharf geschaltete neue Tabus definieren nun die geschlossene Gesellschaft. Die neue Erfahrung: Plötzlich und unerwartet bis du draußen. – Reinhard Koine

 

Cancel-Culture? Ein neuer Begriff geht um im lokal- und globalöffentlichen Diskurs über gesellschaftspolitische Denk- und Verhaltensweisen. Er ist freilich so neu nicht. Denn bei konservativen, traditionalistischen Einstellungen und Verhaltensweisen wird immer schon davor gewarnt, dass Bewusstsein, das kritisch und vorbehaltlich auf tatsächlich oder scheinbar evolutionär oder revolutionär entstandenes, kollektives Denken und Handeln reagiert, mit Vorsicht zu genießen sei: „Das haben wir noch nie so gemacht!“ – „Das haben wir schon immer so gemacht!“ – „Da könnte ja jeder kommen!“. Es ist die Diskrepanz, die sich zwischen Tradition und Traditionalismus auftut; zwischen Orthodoxie und Heterodoxie entsteht; das Eigene vom Anderen , und das Heimatliche vom Fremden trennt. Es ist die Sorge, dass durch lokale und globale, populistische, ego-, ethnozentristische und rassistische Entwicklungen die Demokratie ge- und beschädigt wird .

Der an der US-amerikanischen John-Hopkins-Universität lehrende Politikwissenschaftler Yascha Mounk hat im Juli 2020 das Online-Magazin „Persuasion“ gegründet. Die persuasive Kommunikation zielt darauf, Einfluss auf den Kommunikationspartner zu nehmen und ihn zu Denk-, Handlungs- und Verhaltensänderungen zu bewegen und zu fragen: „Wer sagt was zu wem?“ . Es sind Fragen, wie im gesellschaftspolitischen, zivilisatorischen Prozess mit Wahrheiten und Fakten umgegangen wird, und wie Fake News Wirklichkeiten und Humanität verbiegen .

Angesichts der globalen, demokratiefeindlichen Tendenzen, das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit mit ganz unterschiedlichen Begründungen einzuschränken und damit zu bewirken, dass sich in den öffentlichen Meinungen ein „kollektives Zensurbewusstsein und -akzeptanz“ bildet, zeigt Yascha Mounk an den populistischen Entwicklungen in den USA auf, wohin Unaufmerksamkeit, Geringeinschätzung oder Aussitzen von freiheitlicher Meinungsbeschneidung führen: „Denn über kurz oder lang profitieren, wie in den USA schmerzlich zu sehen ist, gerade die wahren Feinde der Demokratie, wenn Demokraten es versäumen, konsequent für Werte wie die Meinungsfreiheit einzustehen“ .

Der Begriff „Cancel Culture“ wird abgeleitet von „to cancel“, was im Englischen „stornieren, aufheben, auflösen“ bedeutet und sich konkret im öffentlichen Diskurs so darstellt, dass auf von Main Stream, einer bestimmten öffentlichen Meinung oder von diktierten Ideologien zementierten politischen Auffassungen abweichenden Informationen mit Vermutungen reagiert wird, die sich nicht nur gegen diese richten, sondern auch gegen die Verursacher: Wenn du nicht meiner und gegen meiner Meinung bist, mach‘ ich dich fertig!

Und zwar mit Aussagen unter die Gürtellinie! Es ist nicht die dialogische Auseinandersetzung, sondern die Diskriminierung und die Erwartung, dass, selbst wenn die Äußerung absurd und leicht widerlegbar ist, doch im öffentlichen Bewusstsein „etwas hängen bleibt“. Es stimmt eben nicht, dass es sich ungeniert leben lässt, wenn der Ruf ruiniert ist; vielmehr sind die Folgen von Rufschädigung und falschen Aussagen für die Betroffenen vielfach psychisch und existentiell vernichtend. Das hat zur Folge, dass dabei nicht nur mit allen Mitteln gegen andere Meinungen vorgegangen wird, sondern gleichzeitig die Andersmeinenden „entsorgt“ werden. Die vergangenen und aktuellen Gesellschaftsgeschichten sind voll von solchen menschenverachtenden und –unwürdigen Fällen.

Yascha Mounk warnt angesichts der vielfach vorfindbaren und praktizierten Cancel-Culture-Beispiele in den USA und darüber hinaus davor, dass diese Tendenzen – weil sie auch relativ leicht und unverbindlich im www. verbreitet werden können – zum selbstverständlichen, individuellen und kollektiven Umgang der Menschen untereinander gerieren: Mut haben, die eigene Meinung zu äußern! Ein selbstbewusstes, begründetes Nein entgegensetzen! Fakten gegen Fake News einbringen! Es ist der Kant’sche kategorische Imperativ, wie er sich in dem Sprichwort ausdrückt: Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘ auch keinen andern zu! – Dr. Jos Schnurer

 


 

 

Leserbriefe zu „Planlos in den Herbst“ von Boris Palmer

 

Ich empfinde die Konzentration auf Alte als Risikogruppe als ungerecht: Nehmen wir als Beispiel an (eine zuverlaessige Abschaetzung ist mir nicht bekannt), dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein 30-jaehriger an einer Covid-19 Infektion stirbt, 10 mal geringer ist als bei einem 80-jaehrigen. Wenn es dann aber doch passiert, verliert der 30-jaehrige 50 Lebensjahre, der 80-jaehrige vielleicht 5; auch ein Faktor 10, gleicht sich aus. – Hermann Weigmann

 

Mit großem Interesse habe ich eben den Gastbeitrag von Boris Palmer (https://www.zeit.de/2020/34/coronavirus-herbst-christian-drosten-boris-palmer-tests) gelesen, der im Onlineformat Ihrer Zeitung durch das große Layout sehr insAuge sticht. Der Artikel ist tatsächlich nicht inhaltlich verwerflich, sondern sachlich geschrieben, das vorweg. Palmer ist nun generell eine Person, bei der ich mir Sorge mache, wer in der ZEIT noch so alles mit einem Gastbeitrag zu Wort kommen wird. Palmer hat Antirassismus als „linksradikale Ideologie“ dargestellt und von „linksidentitärer Läuterungspropaganda“ gesprochen, einen Studenten der Erziehungswissenschaft in eine Schlägerei verwickelt, Schwarzfahrer*innen fotografiert und auf Facebook gepostet, sich von Petr Bystron (AfD) und derartigen Widerlingen abfeiern lassen, erklärt Kriminalität durch „junge Männer mit Migrationsvordergrund“ und negiert Diskriminierung gegenüber LGBTIQ („Entspannt euch“).

Kurz: Palmer hackt gerne auf diejenigen ein, die es in der Gesellschaft ohnehin am schwersten haben, um persönlich die größtmögliche Aufmerksamkeit aus diesen Provokationen zu ziehen. Ihre Redaktionen beherbergen zu viele gute Redakteur*innen als dass Sie auf solche Gastbeiträge zurückgreifen müssten. Nichtmal sein Standpunkt zu Corona ist signifkant neu.Ein Kommentator hat das unter dem Artikel auf den Punkt gebracht: „Man sollte Boris Palmer anderen Medien überlassen.“ – Nikolaus Thiess

 

Wollte Boris Palmer vor einigen Wochen die Alten und Pflegebedürftigen nicht noch sterben lassen, statt ihnen zu helfen? Vom Misanthropen zum Humanisten. Ging ganz schön schnell. Sind Wahlen? – Sönke C. Weiss

 

Ich stimme Boris Palmer in vielen Punkten zu. Viele Teile der Gesellschaft sind Corona Müde und denken nicht an die AHA Maßnahmen. Auch gibt es viele Unterschiede im Land zur Maskenpflicht z.B. in Schulen. Unsere Tochter trägt den Mund Nasenschutz so selbstverständlich wie einen Fahrradhelm und denkt gar nicht so sehr darüber nach wie Politiker oder Schulleiter. Warum nicht mit so einfachen Maßnahmen unseren Vorsprung erhalten? Auch die Müdigkeit bei der App Nutzung kann ich nicht nachvollziehen. Ja es gab am Anfang auch Fehler in der App und im Betriebssystem, aber vieles ist schon behoben worden. Die App hat auf jeden Fall einen riesigen Vorteil gegenüber den überforderten analogen Gesundheitsämtern wenn es um Schnelligkeit geht. Aber wenn nicht mal 1/4 mitmacht nützt sie nichts. Schade. – Timo Harms

 

Boris Palmer hat im April , also vor fünf Monaten eine Lockerung der Corona- Auflagen gefordert und erklärt : “ Ich sag es ihnen mal ganz brutal : Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen , die in einem halben Jahr sowieso tot wären .“ Jetzt im August fordert er mehr und andere Instrumente, mehr Disziplin, mehr Verpflichtungen zur Bekämpfung der Pandemie . Und vor allem stellt er sein Konzept für den Schutz von älteren Mitbürgern vor. Ich bin sehr einverstanden . Nur stellt sich mir eine Frage für Boris Palmer , der doch immerhin Oberbürgermeister von Tübingen ist. Gilt für ihn die schwäbische Redewendung . „Was goht mi mei saudomms Gschwätz von vorgeschdern an ?“ – Dorothee Gugeler

 


 

 

Leserbriefe zu „Ohne rot zu werden“ von Robert Pausch

 

Ich wundere mich, dass dem ehem. Bürgermeister Scholz sein offenbar mindestens parakriminelles Verhalten beim Erlaß von 46 Mio Euro Steuerschuld (Kontext Cum/Ex-Betrug) für die Warburg Bank schon verziehen oder verdrängt sein soll, auch bei der ZEIT. Er wird damit doch sicher im Wahlkampf konfrontiert werden. Bisher hat er sich dümmlich – wie es es zu tun pflegt – mit der Zuständigkeit seiner Finanzbehörde herausgewunden. Die darf also den Bürgern 46 Mio Euro stehlen? Toll! Daß Scholz beim G20-Gipfel kläglich versagte, wie auch beim Wirecard-Debakel, daß er sich von Schäuble (der auch ein miserabler Finanzchef war und am Cum/Ex.- Betrug beteiligt) belehren lassen muss, welchen Sinn der Gebrauch der Metapher BAZOOKA hatte (eine Panzerabwehrwaffe, also tödlich) , nämlich als Drohung, nicht als Hilfe, dass er sich von einem Prof. Sinn über das Scheitern der Hamilton-Schuldenübernahme in den USA hätte belehren lassen müssen, das zeigt alles einen vielleicht cleveren, aber ungebildeten und dümmlichen Schwätzer, einen Kirmes-Ausschreier :

Ich bin euer WUMMSer ! Wählt mich! Wie tief wollen wir noch sinken? Merkel als Nasenbärin von Jinping und Erdogan und Putin… Und die immer noch politisch unfähigen Deutschen heben sie auf 38% Zustimmung? Scholzens und anderer Rühmung der SPD auch als Anti-Hitler-Kraft ist verfehlt: schon das Ende der letzten parlam. gestützten Koalition 1930 kam durch sie zustande, worauf Brünings Präsidialkabinett folgte. Am 20.7.1932 ließen sich dann Braun&Severing den „Preußenschlag“ ohne Gegenwehr bieten, eine Totalkapitulation , die die Wels-Rede nicht vergessen machen konnte. Hitler sagte am 23.3.33 übrigens, er brauche die SPD-Stimmen gar nicht, er hole sich das Gesetz so oder so, auch mit „Krieg“.

Das wird uns heute noch als „LEGALE Machtergreifung“ verkauft! Daß das Erm.ges. alle 4 Jahre vom Reichstag (den es ja 1937 als Mehrparteienversammlung gar nicht mehr gab) zu erneuern war, hat diese absurde Bewertung auch nicht verdaut. Soviel dazu von einem, der ein bißchen mehr NS-Geschichte studiert hat als die meisten ZEIT-Leser. Zu Reckwitz, der mir sehr viel seriöser als die üblichen nervtötend inhaltslos geschwätzigen Soziologen Bude und Nassehi vorkommt: individuelle „Singularitäts“-Bestrebungen passen doch nicht zur Praxis von millionenfach gierig erhofften LIKES und FOLLOWERS. Jeder stellt sich aus und will beklatscht werden, meist mit großer Anpassung an die angesprochene „Kundschaft“. Esoterischer Eigensinn würde untergehen. – Guido Kohlbecher

 

Muss Olaf Scholz tatsächlich eine linke Option am Leben halten, um seine Rolle als Kanzlerkandidat der SPD zu begründen? In der Kanzlerschaft von Angela Merkel hat sich die Rolle „Kanzler“ immer mehr von Partei und Programmatik entkoppelt und präsidial verselbständigt. Wenn es in diesem Sinne um die „Merkel-Nachfolge“ geht, versteht sich die Kandidatur von Olaf Scholz fast von selbst: Inbegriff der Mitte, Überparteilichkeit, kein Charisma, pragmatische und unprätentiöse Machtausübung, ideologisch nicht festgelegt, kein Dreck am Stecken, Homo Novus aus dem Osten bzw. aus der SPD, keine Eignung für Schlammschlachten, gnadenlos dezente Sachlichkeit, immer für eine Überraschung gut. Selbst das Neue ist bereits ein Stück Kontinuität.

Durch die Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerschaft: Beinfreiheit für den Kanzler (auch um eine Koalition erfolgreich führen zu können) und programmatische Freiheit für die Partei (auch um die Parteibasis dauerhaft binden zu können). Olaf Scholz darf eben nicht den Fehler begehen, sich links zu geben. Die SPD muss links blinken, damit Scholz geradeausfahren kann. Neuanfang im Weiterso. Weiterso im Neuanfang. Der Charm des Unspannenden. Es kommt auf die Koalitionspartner an (denn es gibt viel zu tun: Gerechtigkeit, Klimawandel, ökologischer Umbau, Europa,…). Wie bei Merkel. – Reinhard Koine

 

Olaf Scholz ist ein weiterer SPD Kanzlerkandidat in einer illustren Reihe: Frank-Walter Steinmeier 2009 mit 23 % Wählerstimmen, Peer Steinbrück 2013 mit 25,7 % Wählerstimmen und Martin Schulz 2017 mit 20,5 % Wählerstimmen. Der Abwärtstrend ist unverkennbar. Ob das „Prinzip Hoffnung“ für die „alte Tante“ SPD, die ehemalige Arbeiterpartei, mit der frühzeitigen Ernennung des Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (durch die zwei Vorsitzenden, die gerade die Hälfte der Mitglieder mit 53 % gewählt haben), Früchte trägt durch Gewinn von Wählerstimmen bleibt abzuwarten. Dann die Idee, in einer Reihe von fraglichen Ideen, des Duos Saskia Esken und Norbert Walter Borjans, dass eine Zusammenarbeit mit der Partei der Linken und Bündnis 90/Die Grünen im Jahr 2021 in die Regierung führt. Wobei der eigene Kandidat dieser Idee schon skeptisch gegenüber steht.

Auch die „Grünen“ halten sich mit Aussagen über Koaltionen merklich zurück. Zumal die Linkspartei, vor allem in den „alten“ Bundesländern, nicht gut bei den Wählern ankommt. Das Ganze ist verkauft worden als neuer Aufschwung mit einem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz. Der mehr für die Mitte als alles andere steht und für viele Wähler noch immer als Mitverantwortlicher für das Hartz-Konzept und die Agenda 2010 steht. Zukunftsweisende, Innovative Ausrichtung der SPD für die Bundestagswahl 2021 sieht eigentlich anders aus. Nicht wahr Kevin Kühnert? – Felix Bicker

 

Ich wünsche mir eine Bundesregierung von SPD, B’90/Grünen (und Linken): Davon erhoffe ich mir z.B. mehr Personal und Wagen für Bus und Bahn sowie mehr und besseres pädagogisches Personal für schwierige Kinder und Erwachsene u.a. Ich denke anders als Herr Pausch, dass sich zwar viele Menschen eine sozialere Politik wünschen, aber viele hoffen eben auch auf eine liberalere (Merz-Anhänger), konservativere oder nationalere. Ich sehe nicht wie Herr Pausch, dass sich „die Mitte nach links bewegt“, sondern dass die Gesellschaft sich spaltet:

Ein großer Teil ist beispielsweise gegen Flüchtlinge und gegen Klimschutz und ein anderer für Flüchtlinge und Klimaschutz. Ich verstehe nicht, wie man – positiv ausgedrückt – behaupten kann, eine Mitte-Regierung soll eine fortschrittliche und soziale Politik machen. Ich stimme Herrn Pausch zu, dass es gute menschliche Nähe zwischen Spitzenpolitiker*innen jener drei Parteien geben muss, gemeinsame Fernziele u.a. Die SPD ist dafür vermutlich zu hin- und hergerissen zwischen konservativ (Wirtschaftsnähe) und sozial. Zudem denke ich, dass die SPD weiß, dass die meisten Wahlberechtigten die Politik der „Die Linke“ scheut oder verabscheut. Herr Pausch meint, viele Wäher*innen, v.a. der SPD, finden Scholz akzeptabler als früher, seit er die sogenannte schwarze Null aufgegeben hat. Schade, denn ich finde sie richtig. Klar braucht Deutschland Steuergeld für bessere Straßen, Lehrer*innen, Bäder u.s.w. Aber bitte nicht durch Schulden, sondern indem Steuern tatsächlich gezahlt werden: Mehr Personal für Steuerprüfungen und Abkommen mit sogenannten „Steuer-Oasen“: Schweiz, Island… . Freilich verstehe ich von Finanzpolitik fast nichts und hoffe auf gute Entscheidungen der Fachleute. – Johannes Müller

 

2015 gelangte die AfD durch die Hintertür der Merkelschen Flüchtlingspolitik zu bundespolitischer Bedeutung und machte sich damit für relativ viele Deutsche wählbar. Bei der Bundestagswahl von 2017 erreichte sie sogar 12,6% der Stimmen und hängte damit locker FDP, Linke und Grüne ab. Wenn sich das bei der kommenden Wahl 2021 wiederholen sollte kann man nur sagen : Armes Deutschland, hast du deine schreckliche Geschichte mit Hitler schon vergessen. Die AfD ist naziaffin mit den Figuren Björn Höcke und Andreas Kalbitz. Von dem Ruch können sie auch Jörg Meuthen und Alexander Gauland nicht befreien die lediglich als gutbürgerliche Feigenblätter dienen. Hier liegt die größte Chance von Zugewinnen für die angepeilte Koalition von SPD, Grünen und der Linken wenn diese drei Parteien sich zu einem konzertierten Angriff auf die AfD entschließen.

Das dürfte doch nicht so schwer sein – oder? Weitere Stimmen könnten der im Sinkflug in Richtung 5% befindlichen FDP abgenommen werden. Und wenn die CDU mit der Wahl ihres Parteivorsitzenden in Schwierigkeiten mit der CSU um die Frage des Kanzlerkandidaten geraten sollte, springen auch dort noch Wähler ab. Schließlich wird Merkels Stern 2021 erloschen sein. Offen natürlich ob die Grünen und die Linken bei dem von der SPD angepeilten Bündnis mitspielen. Zumindest die Linke müsste sich selbst kräftig durchschütteln um politisch zur Vernunft zu kommen. – Klaus Reisdorf

 


 

 

Leserbriefe zu „»Ich bleibe«“ von Alice Bota

 

Der Westen übertreibt es maßlos auch in den USA gibt es Verhaftungen Gummigeschosse und tote. Schaut nach Spanien Katalonien schon vergessen? In den USA wird die Nationalgarde und das Militär eingesetzt keinen interessiert es. Warum wird im Osten immer dramatisiert und im Westen alles verharmlost? Da ist doch was faul in den Westmedien.. – Wolfgang Wahl

 

Das belarussische Volk ist durch eine organisierte Verbrechergruppe unter Anführung von Alexandr Lukashenko als Geisel genommen. Heute versucht er mit Gewalt die Macht zu behalten, nachdem er letzte Wahlergebnisse gefälscht hat. Seit Abend den 9. August gehen belarussische Bürger für friedliche Demonstrationen auf die Straße, um deren Unzufriedenheit mit den Wahlergebnissen und dem Regime zu zeigen. Sie bitten Spezialkräfte und Militär, die sich vor den Demonstrierenden in Kolonnen aufstellen, darum, sich daran zu erinnern, dass sie zum Schutz Volkes verpflichtet sind. Stattdessen werden die Demonstranten hart verprügelt, mit Gummikugeln angeschossen und mit Blendgranaten beworfen. Sätmtliche Menschen sind ums Leben gekommen, zahlreiche wurden verletzt. Und die Inhaftierten werden in unmenschlichen Bedingungen gehalten, deren Standort von der Familie und Verwandten verheimlicht.

Das Internet ist im ganzen Land abgeschalten, sodass die Nachrichten nur durch Freunde und Bekannte aus dem Ausland ankommen. Mit jedem weiteren Tag steigt die Anzahl der Militärkräfte und -technik in belarussischen Städten. Die eigentliche, einzig wahre Siegerin der Wahlen musste Belarus verlassen. Die stärksten Oppositionskanditaten mussten entweder noch vor den Wahlen rausfahren, oder sie wurden verhaftet. Wir setzen alle unsere Kräfte für unsere Freiheit ein. Aber wir brauchen Hilfe. Bitte verteilt diese Information über das Geschehen in Belarus weiter. Internationale Gesellschaft muss wissen, was bei denen in der Nähe in Mitte Europas passiert!“ Die letzten Nachrichten, Videos sowie Fotos über die Situation in Belarus finden Sie hier: https://nn.by https://tut.by https://onliner.by https://t.me/nexta_live https://t.me/belamova https://t.me/belteanews https://t.me/tpbela https://t.me/vybary https://t.me/nexta_tv – Mikita und Freunde

 

Guten Tag, aus welchem Grund wird neuerdings aus Weißrussland ,,Belarus“, aber aus Russland nicht ,,Rossiya“ und aus Polen nicht ,,Polska“ usw. ? Sollte man nicht konsequent eine Regel anwenden? – Detlef Schmidt

 

Gibt es einen vernünftigen Grund, warum zur Zeit allgemein im Journalismus (auch in der ZEIT) bei politischen Themen krampfhaft die (amtl.) Bezeichnung Belarus statt des landläufigen Begriffs Weißrussland verwendet wird? Ich vermute mal, hier sind wieder einmal die üblichen Weltverbesserer (Soziologen, Historiker) am Werk, die ja in jeder an sich neutralen Namensgebung gleich eine höchstpolitische Absicht vermuten, auch wenn der Name Weißrussland zumindest in Deutschland sich über lange Zeit etabliert hatte. Mit der Verwendung des Namens Belarus soll wohl peinlichst genau auf eine politische und kulturelle Unabhängigkeit von Russland hingewiesen werden. Werden wir in Zukunft auch noch mit einer anderen Bezeichnung für Russland selbst überrascht? Wird das in ihren Artikeln verwendete Adjektiv belarussisch dann konsequenterweise auch durch belarusisch (ein „s“) ersetzt?

PS: am unverständlichsten ist mir, warum eine deutsch-belarusische Geschichtskommission gerade jetzt glaubt, einer absolut diktatorischen Regierung Lukaschenko ein solches Entgegenkommen zeigen zu müssen. Interessant ist ja auch, dass die Interessen von Weißrussland als auch Russland durchaus eng zusammengehen (s. aktuelles Angebot Putins an die weißrussische Regierung zur Unterstützung für den „Ernstfall“). – Hans-Günter Meyer

 


 

 

Leserbriefe zu „Vollkommen irrational“ von Antonia Baum

 

„Alles hat seine Zeit“… Die „Zeit“hat offensichtlich ihre Zeit – und somit ihren Platz – für Sie großzügig bemessen: Immerhin flüchtig gezählte 47 Zeilen werden Ihnen gewährt, um die Bekleidung der Abgebildeten sowie des Mobiliars zu beschreiben… In Ihrem Wahn, den möglicherweise von der mindestens männlichen Leserschaft akzeptierten und von mindestens einem Teil der weiblichen Leserschaft praktizierten Sinn von Push-Ups als „lächerliche Verkleidung“ abzutun (z.B. die Automobilindustrie verkauft sehr erfolgreich „optionale Sonderausstattungen“, „Facelifts“ oder „Tunings“), übersehen sie gänzlich den wahren Witz des Fotos von Armin Laschet und seinen „Zuhörern“: Lediglich Armin Laschet trägt bei 30 Grad Krawatte – während dem Umfeld offensichtlich alles zu heiss wurde…

Apropos heiß: Schauen Sie sich doch mal in Ihrer Redaktion um… Würde dort nicht ein sehr gepflegt gekleideter Mann, gar im Anzug (womöglich mit gut gebundener Krawatte) besonders auffallen?! Auch Sie pflegen Uniformen… andere Uniformen… aber eben uni – form… „Man muss eigentlich sagen, es ist ein historisches Gemälde (…)“: Bei allem Sinn für Stilistik („Stil“ ist hier wohl eher fehl am Platz….) wünsche ich mir auch von Ihnen präzisere Formulierungen, welche den Anspruch dieser ZEITung nicht konterkarieren, sondern bitte unterstreichen möge: „Man“ ist „niemand“; „eigentlich“ bedeutet „nicht“ und die indirekte Rede scheint Ihnen abhanden gekommen… Vollkommen irrational, wie so viele irre scheinbar rationale Zeilen gedruckt werden durften … Man(n) o Man(n)… – Stefan Albert

 

Natürlich verstehe ich Ihren Text als Glosse. Was ich nicht verstehe, dass Sie sich mit diesem „fürchterlichen Bild“, welches Ihnen nicht gefällt, auseinandergesetzt haben. Noch schlimmer: Quelle „Geschwätz-Netzwerk“, dessen Content zu 90% auf RTL-Niveau umherwabbert. Da gäbe es wichtigere „Notfälle“ die in der ZEIT, meinetwegen auch in einer Glosse thematisiert werden müssten. Aber Recherche zu und Auseinandersetzung mit einer Thematik machen ja Arbeit; da holt man sich schnell was aus dem „Netz“. Nun zum Einzelnen: Dass auf dem Bild zum Beispiel keine Frauen vorkommen (mangelnde Diversität), müssen Sie die Frauen fragen. Ich glaube nicht, dass interessierten Frauen der Zugang zu dieser Veranstaltung verweigert worden ist. Es ist hinlänglich bekannt, dass auf lokalpolitischer Ebene, Engagement von Frauen gerne gesehen wäre. Warum gehe Sie nicht in die Politik?

– Na bitte, sehen Sie! Was haben Sie gegen Stehtische mit Stehtischhussen? Klar Geschmackssache! Aber mit solchem Mobiliar finden Hochzeiten und Empfänge bei anderen Menschen statt. Nur weil Herr Laschet daran lehnt, sind sie lächerlich? Ästhetik. Beim Spazierengehen sah ich neulich eine Gruppe von Frauen (auch in der Öffentlichkeit), die „Nordic Walking“ betrieben. Es gab nichts Signifikantes, was sich hätte unterscheiden lassen: Helle Hälse, darauf verschwitze Köpfe mit mehr oder weniger attraktiven Frisuren; alle verschwitze Schlappershirts, kurze Hosen aus denen Beine (wie Stelzen oder oh Gott, Poller) herausragten. Glauben Sie mir – kein schöner Anblick! Da ist ein Bild mit Männern in Oberhemden leichter zu ertragen. – Klaus Prinz

 

Mit großem Vergnügen habe ich Ihren Artikel „Vollkommen irrational“ in der ZEIT Nr. 34 S. 45 gelesen. Danke sehr! Vor allem für den letzten Halbsatz in Klammern! – Dr. Dagmar Scherf

 

Zu Ihren launigen Zeilen über eine „Wahlkampfveranstaltung in Castrop-Rauxel“ anbei ein paar Verse, die Ihnen Freude bereiten mögen: Gepennt Antonia Baum gefällt Baumpflanzen scheint’s deshalb nicht im großen Ganzen, weil „Bäumchen wechsel dich“ nicht geht, das Mannsbild nur an Tischen steht; doch Bildbeschreibung wird in echt dem, was geschehen, nicht gerecht, da der Geschmähte sich bewährt, nicht selbst irgendetwas erklärt, sondern zuhört fremder Rede, nur Applaus spendet, was jede wache Urteilskraft erkennt, die auf Baumhaus nicht gepennt. – Frank Müller-Thoma

 


 

 

Leserbriefe zu „Das hältst du nicht aus!“ von Julia Kopatzki

 

„Das hälst du nicht aus!“ ist der Titel ihres Beitrags über das öffentliche Küssen. Das enge Leben in einer Stadt erfordert ohnehin viel Toleranz, man sollte dieselbe gerade deshalb nicht zum Leistungssport erheben. Ein Kuss auf den Mund ist zumeist eine erotische Angelegenheit und zu Recht vor Publikum inzwischen wieder ähnlich verpönt wie Vermehrung, Stuhlgang und Katzenkastrieren. Zeichen von Zuneigung sind davon recht eigentlich grundverschieden, als da wären Händehalten, Unterhaken, Wangen- und Handküsse. Auch wenn manche sich darüber erhaben fühlen, wirken immer noch alte Regeln:

Stelle deinen Reichtum nicht zur Schau, beschäme keine Bedürftigen und zwinge keinen zur „spannenden“ Zeugenschaft deines Intimlebens. Diskretion also, das alte Hausmittel gegen Pornographie. Der Mensch neigt zum Ausgleich, folglich wird schamlosem Verhalten oft mit Scham begegnet. „Sucht Euch ein Zimmer!“ finde ich gar nicht so lieblos, „Darf ich Taufpate sein?“ noch besser. PS: Taugeminne, die ist gut, der sollst du befleissen, oder so ähnlich….schrieb ein Spießserum Mittelalter. – Rasto Lewandowski

 

Mit großer Freude habe ich gerade erneut Ihren so wunderbaren Beitrag DAS HÄLST DU NICHT AUS gelesen, worüber ich gerade sehr lange und ausführlich beim Sonntagsfrühstück mit meiner neuen Freundin sprach, die darüber nie nachgedacht hat, weil sie es einfach tat! Das gefällt mir sehr, weil wir es auch praktizieren!!! Meine Ex-Freundin fand das auch eher abstoßend, somit ich mit ihr eben nicht in der Öffentlichkeit küssen konnte. Schon traurig. – Michael Blume

 

Küssen in der Öffentlichkeit: Sollte einem das peinlich sein? Nein. Sollte man es gar unanständig finden? Nein. Aber sollte man deshalb gleich dafür eintreten, seine Partnerin oder seinen Partner jetzt wieder öfter öffentlich zu küssen? Nein, warum um alles in der Welt sollte man? Wenn ich mich in der Öffentlichkeit bewege, leiten mich – nicht lachen – weise Worte, die uns einst Schutzmann Schmitt in der Jugendverkehrsschule eingetrichtert hat: Es ist der erste Paragraf der Straßenverkehrsordnung, in dem es unter anderem heißt, dass kein anderer geschädigt, gefährdet, behindert oder belästigt werden soll.

Belästigt, darum geht es mir in diesem Fall. Nun will ich Menschen, die sich in der Öffentlichkeit küssen, nicht direkt mit jenen Zeitgenossen vergleichen, die ohne mit der Wimper zu zucken im absoluten Halteverbot stehen bleiben, die meinen, einen an jedem nur denkbaren Ort mit ihrem Musikgeschmack beglücken oder an wichtigen Telefonaten teilhaben lassen zu müssen, die ungeniert ihren Verpackungsmüll an der Ampel aus dem Fenster schnicken, die im Supermarktgang wie angewachsen stehen bleiben und sinnieren, weshalb sie überhaupt zum Einkaufen gegangen sind, die ihre Zigaretten fallen lassen, ihre Kaugummis ausspucken oder lautstark ihren Naseninhalt sammeln und entleeren, wo sie gehen und stehen.

Und doch haben sie mit den öffentlichen Küssern etwas gemeinsam: Es schert sie nicht die Bohne, ob andere sich durch ihr Verhalten belästigt fühlen. Ja, Küssen gibt es auch als Ritual, und Rituale müssen nicht immer starr sein. Rituale sind häufig öffentlich, und dazu zählen auch Big Brother, Promiklatsch, Hochzeiten etc. Der Unterschied zum privaten Küssen in der Öffentlichkeit ist für mich der entscheidende: Man kann freiwillig an ihnen teilhaben. Man kann Big Brother einschalten oder es sein lassen, die Gala lesen oder es sein lassen, und man geht auf Hochzeiten, wenn man sehen möchte, dass jemand öffentlich verkündet, dass er heiraten möchte.

Das andere Küssen ist aber eben Privatsache. Es gibt keine Einladung dazu. Öffentlich ausgetragen, wird man Zeuge, meistens ohne Gelegenheit zu haben, sich zu überlegen, ob man teilhaben möchte. Deshalb kann ich sehr gut verstehen, wenn vielen nichts anderes einfällt, als den Blick abzuwenden. Ja, es ist wahr, Menschen schauen weg, wenn andere sich küssen. Ich gehöre zu dieser nicht bedrohten Spezies. Aber ich tue es nicht, weil ich Küssen für unanständig halte, sondern weil ich anderer Leute Privatsphäre respektieren möchte, und ich unterstelle einmal oder hoffe, dass auch andere es aus diesem Grund tun.

Genauso schaue ich weg, wenn andere Menschen ihren Kindern in der Öffentlichkeit helfen, ihr Geschäft zu verrichten, linse niemandem über die Schulter, der seine PIN in den Kartenleser tippt, lese nicht mit, wenn jemand im Zug in die Zeitung vertieft ist, beobachte nicht, wenn der Nachbar in seinem Garten Unkraut zupft, schaue nicht zu, wie Menschen Pfandflaschen aus Mülleimern fischen, horche nicht auf, wenn sie sich in die Haare kriegen, versuche nicht, anderer Leute Tattoos zu entziffern. Der Anstand gebietet es mir, die Privatsphäre anderer zu respektieren. Genauso gebietet er mir, dass ich meine Privatsphäre für mich behalte und sie anderen nicht aufzwänge.

Woher soll ich als Zuschauer also wissen, ob öffentliche Küsser gerne ein Zeichen für die Liebe setzen oder mir andernfalls ein „Was glotzt’n so blöd?“ an den Kopf werfen würden? Warum zwängen sie mir diese Entscheidung auf? Genau deshalb sehe ich mich genötigt den Blick abzuwenden, wenn Menschen meinen, sich in der Öffentlichkeit küssen zu müssen. Wie so oft lohnt der Versuch, sich in andere hineinzuversetzen, und besteht die Kunst darin, dass richtige Maß zu finden. Dabei zuzuschauen, wie ich meiner Partnerin einen Bussi gebe und Händchen mit ihr halte, verlangt meinen Mitmenschen ein ganz anderes Maß an Rücksicht ab, als wenn wir uns gegenseitig die Zunge in den Hals stecken, damit aber auch wirklich jeder sehen kann, dass wir uns ganz, ganz doll lieben. Übrigens: Meine ersten Küsse habe ich allesamt nicht in der Öffentlichkeit getauscht. Es hat nicht wehgetan. – Philip Schäfer

 


 

 

Leserbriefe zu „Wut und Mut“ von Matthias Krupa

 

Noch vor kurzen, tausende brutal niedergeknüpelte Demonstranten, über 100 erblindete, durch Polizei- Gumigeschosse, Protestierende! Wer? Wo? Die Gelben Westen. In Frankreich. Aber das betrift doch Westdemokratie, und nicht Ost/ Ferndiktatur, also scheiss drauf…pardon, schreib nicht zuviel drauf! – Tomek Walter

 

Die Verhältnisse in Belarus, Hongkong, Libanon und weiteren, von Autokraten beherrschten Ländern, sollten Anlass sein, über Definitionen von Macht nachzudenken. Wenn sich Macht in erster Linie auf die Verfügungsgewalt über Waffen, Militär und Polizei bezieht, dann ist diese Macht der vermeintlich Mächtigen nur Kompensation und Nichteingeständnis ihrer Ohnmacht. Sie wollen die Chancen, Wirkungsweisen, Risiken und Entwicklungsmöglichkeiten des Humanitären durch standardisierte Selbstbestätigungsmuster ersetzen. Damit können sie kurzfristig zwar mal „Erfolg“ haben, aber auf Dauer kann das nicht gut gehen. – Christoph Müller-Luckwald

 

Das Volk in Belarus demonstriert mit Herz und Verstand gegen die jahrzehntelange Diktatur einer korrupten und verschwörerischen Regierung. Es kämpft um ein kleines Stück der freiheitlich demokratischen Grundordnung, über die wir etwa in Deutschland auch in Krisenzeiten verfügen dürfen. Die EU ist also (ein weiteres Mal) dazu aufgerufen, für die ethischen und rechtsstaatlichen Werte, die sie nach innen und außen deklariert, nunmehr ohne weiteres Zögern, aber mit Augenmaß nicht zuletzt im Hinblick auf Russland (allein mit „Hau den Lukaschenko“ per dogmatischer Sanktionen ist es nicht getan; Regierungsvakanzen sind bekanntlich brandgefährlich) einzutreten. Neuwahlen in Belarus unter unabhängiger Beobachtung sollten das Ziel sein, um die Beendigung der gesellschaftspolitischen Ausnahmesituation gesichtswahrend zu ermöglichen und somit insbesondere Leib, Leben und Würde der gepeinigten Bevölkerung zu dem dringend gebotenen Schutz zu verhelfen. – Ira Bartsch

 


 

 

Leserbriefe zu „Mutter werden: Kann das vernünftig sein?“ Gespräch mit Agnes Callard und L. A. Paul geführt von Elisabeth von Thadden

 

In Ihrem bestens aufgemachten Beitrag stellen Sie zwei ausgewiesenen Philosophinnen unter der Rubrik Sinn&Verstand die Frage „Mutter werden, kann das vernünftig sein?“. Weder Sie noch Ihre kontrovers argumentierenden Protagonisten bemühen sich dann aber, diese Frage zu beantworten, verwenden diese vielmehr als Vehikel – der Lobowitz-Preis 2020 lässt grüßen – um sich überphilosophische Meinungsverschiedenheiten ,die jeden etwas angehen, darüber auszutauschen, ob diese Frage rational überhaupt vernünftig sei. Beiläufig ein zunehmend üblich gewordenes Verfahren Ihres Berufsstandes, große Frage zu stellen, ohne diese zu beantworten, was ich Ihnen hier wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Frage indes nicht durchgehen lassen möchte. Ohne den Sinn des Lebens allzu kleinlich auszudeuten, gehört die Selbstorganisation des Lebens als sozialökonomisches System nach den Regeln der sozialen Vernunft ganz sicher dazu und dazu selbsterklärend die Mutterschaft, denn ohne diese gibt es kein Leben im Sinne Ihrer Fragestellung. Das zumindest hätte auch L. A. Paul („Was können wir wissen, bevor wir uns entscheiden?“) wissen können.

Weil nun die Entscheidung für oder gegen eine Mutterschaft immer eine individuelle ist, eine allgemeine Verneinung aber nicht nur der beiderseits wiederholt zitierten Rationalität, sondern auch praktischer Vernunft widerspräche, sagt Agnes Callard sehr richtig, „ …geht die Philosophie der Aufgabe nach, daraus eine Theorie des Verhaltens zu bilden.“ Und genau diesen Versuch einer Theorie des Verhaltens in der Frage „Mutter werden: Kann das vernünftig sein?“ vermisse ich. In ausschließlicher Meinungsverschiedenheit sähe ich ein Defizit an Sinn&Verstand. – Dr. agr. Gernot Henseler

 

Nein: Das kann nicht vernüftig sein! Jede Frau weiß, auf was sie sich mit einer Geburt einlässt. Sie nimmt enorme Schmerzen auf sich. Ist das Kind da, begibt sie sich in finanzielle Abhängigkeit vom Vater. Später wird sie nur schlecht bezahlte Jobs bekommen. Ihre Rente wird mickrig ausfallen. Bezüglich dieser Fakten ist sie eine Wissende. Es muss andere Gründe geben, sonst wäre die Menschheit längst ausgestorben. Schade, dass die beiden Philosophinnen nicht die Gründe für ihre Mutterschaft offengelegt haben. Es werden kaum Für- und Widertabellen gewesen sein. – Bruno Becker

 

Meines Erachtens hat der Sozialphilosoph Georg M. Peters in seinem Buch „Einführung in Ihr Oberstübchen“ über das Problem der Entscheidung etwas sehr wesentliches gesagt, nämlich „Jede Entscheidung muss gut überlegt werden. Aber die Überlegungszeit darfnie länger als eine Sekunde sein“. – Günter Gösche

 


 

 

Leserbriefe zu „Hygiene: Der Irrtum des Anfangs“ von Maximilian Probst

 

Die WHO änderte ihre Position. Das Ergebnis: ‚Die Verwendung von Gesichtsmasken könnte zu einer großen Verringerung des Infektionsrisikos führen‘. ‚Könnte?‘ fragt ihr Autor Maximmilian Probst und fordert implizit ‚eine randomisierte Studie mit Kontrollgruppen‘, da die bisherigen Beobachtungen nichts belegen. Es scheint ihm nicht klar zu sein, dass er Menschenversuche fordert; man kann auch sagen: Versuche mit Menschen; ob durch eine einzufordernde Einverständniserklärung die Randomisierung noch gegeben ist, erscheint mir eher fraglich zu sein.

Die Randomisierung in einer Studie ist eine hinreichende Bedingung für eine valide Aussage; diese Art der Beweissicherung aber zum Goldstandard zu erheben und so zu tun, als sei sie notwendig und schlichte Beobachtungen unbeachtlich, übersieht, dass wir zur Vermeidung von Menschenversuchen Methoden anwenden oder entwickeln müssen, die schlichte Beobachtungen zuverlässig wissenschaftlich auswerten. Aber so zu tun, als könne man so nicht zu validen Aussagen kommen, verkürzt Prozesse der Erkenntnis. Auch wenn sog. Chorona-Gegner schlichte Beobachtung für ihre kruden Vorstellungen für sich in Anspruch nehmen, sollte man ihnen nicht nur mit der Randomisierungskeule begegnen. – Erich Meyer

 

Um sich und andere zu schützen, bedarf es also der Masken.“ Diese Aussage in der ZEIT vom 13. August folgt der aktuellen Evidenz/Plausibilität, „dass Masken so oft wie möglich getragen werden sollten. Wäre das früher erkannt worden, hätte Corona die Welt wohl weniger hart getroffen.“Nachdem die Staatskanzleien der Länder Ende April erste Maskenpflichten angeordnet hatten, stellte Ministerpräsident Haseloff via TV zutreffend fest, dass die Maskenpflicht keine Erfindung der Politik war, sondern„von unten nach oben durchgedrückt“ wurde. Selbst wenn der RKI-Präsident bereits Anfang April in Wort und/oder Schrift öffentlich „seine Position“ geändert und „einfache Stoffmasken“ als „sinnvoll“ erklärt hätte und dies via Teletext von ARD und ZDF publiziert worden wäre, hätte das Voplk die Maskenpflicht gleichwohl nicht viel früher „durchdrücken“können. Hierfür waren vor allem zwei Gründe ausschlaggebend:

1. Private Initiativen mussten zunächst durch das ehrenamtliche Nähen von Stoffmasken für mehr Verfügbarkeit von Alltagsmasken sorgen. 2. Jene Juristen unter den Ministerpräsidenten, die eine Maskenpflicht öffentlich für rechtswidrig erklärt hatten, mussten erst vom Gegenteil überzeugt werden, und zwar durch die Empfehlung, zur Erfüllung der Pflicht jedes Tuch/Schal genügen zu lassen, wo damals noch keine Stoffmaske geschenkt oder sonst wie vorhanden war. Minister Jens Spahn bestätigt öffentlich am 6. Juli via TV den Fremd- und (!) Selbstschutz der Alltagsmaske. Im ARD/RKI-Teletext wurde erst dieser Tage die bis dahin verbreitete Aussage entfernt, die Alltagsmaske könne ihren Träger selbst nicht schützen. – Frank Müller-Thoma

 

Um sich und andere zu schützen, bedarf es also der Masken. Das hätte man allerdings schon Ende Januar ahnen können‘. Ahnen können? Nein: wissen müssen! Und man hat es an einschlägiger Stelle sicherlich auch gewusst, stand doch bereits im nationalen Pandemieplan des Jahres 2014 unzweideutig: die vorliegenden Studien zeigen die Effektivität des Tragens von Masken im Allgemeinen im Vergleich zum Nichttragen von Masken. Und: eine Anwendung des MNS (Mund-Nase-Schutzes) vermag einen signifikanten Schutz zu gewähren. Ähnlich im Bericht des Deutschen Bundestages zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012: Neben Einhaltung von Hygienemaßnahmen können Schutzmaßnahmen durch den Einsatz von Schutzausrüstung wie Schutzmasken, Schutzbrillen und Handschuhen getroffen werden.

Gleichwohl waren sich namhafte Experten wie Alexander Kekulé, Christian Drosten oder Lothar Wieler zu Anfang des Jahres 2020 in der Ablehnung des Tragens von Atemschutzmasken durch den Normalbürger einig.Prototypisch Kekulé im Januar:‚Panisch Schutzmasken zu kaufen ist völlig irrational‘. Oder, noch dezidierter, im Februar:‚Ich halte Atemschutzmasken in der Öffentlichkeit für Unsinn. Diese normalen asiatischen Masken, die wir OP-Masken nennen, nutzen praktisch nichts‘. Auch die WHO stimmte ein: Einfache Stoffmasken etwa aus Baumwolle oder Gaze sind zum Schutz vor 2019-nCoV gänzlich ungeeignet.

Gewiss, die Experten mutierten bekanntlich bald vom Saulus zum Paulus. Aber dass sie zuvor fast unisono das Gegenteil propagierten und Lothar Wieler beispielsweise die zentralen Aussagen des im eigenen (!) Haus erstellten nationalen Pandemieplanes nicht gekannt haben soll,ist schlichtweg unglaubhaft – oder aber es bescheinigt einen grundlegenden, sträflichen Mangel an fachlicher Kenntnis. Vielleicht aber war es auch im Dienst des Vertuschens eklatanter Vorsorgedefizite der Gesundheitspolitik bzw. der Politik insgesamt nicht opportun, allgemein Maskenkäufe zu provozieren, galt es offensichtlich doch erst einmal, Panikkäufe von anderswo dringend benötigten FFP2- oder FFP3-Masken zu verhindern.

Das mochte ein, wenngleich in einer offenen Gesellschaft durchaus fragwürdiges, Ziel der Politik sein, aber ethisch verantwortungsvolle, wertfreie Wissenschaft als Büttel der Politik? Und warum hat man das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und nicht wenigstens die Tauglichkeit besagter einfacher Stoffmasken etwa aus Baumwolle oder Gaze unterstrichen? Jedenfalls haben die beteiligten Experten auf diese Weise just zu dem Zeitpunkt, da die breite Masse der Bevölkerung bereit, ja geradezu begierig war, den Aussagen der Wissenschaft wieder verstärkt Gehör zu schenken und große Hoffnungen in sie zu setzen, selbst dazu beigetragen, die neu gewonnene Glaubwürdigkeit wieder zu korrumpieren, neues Misstrauen zu säen und damit wohl auch das Aufkommen unsäglicher Verschwörungstheorien mit zu begünstigen. – Dipl.-Hdl. Dr. rer. pol. Bruno Schurer o. Universitätsprofessor (em.)

 


 

 

Leserbriefe zu „»Wir wussten, dass Dieter Nuhr polarisiert«“. Gespräch mit Katja Becker und Peter-André Alt geführt von Anna-Lena Scholz

 

Frau Becker, die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, sagt, dass Dieter Nuhr polarisiere. Wenn sie da schon die Pole festmacht, wäre von ihr, als hochkarätiger Wissenschaftlerin, zu erwarten, dass sie dann nicht die heute übliche dumme Formulierung verwendet: „Er hat sich zuletzt sehr positiv geäußert…..“, in Ermangelung passender treffender Adjektive. Positiv und negativ, plus und minus, können, wie in der Mathematik oder bei elektrischem Strom, nicht gesteigert werden. – Georg Coulin

 

Vielen Dank für dieses Interview. Besonderen Damk dafür, dass sie dem klägliche Greinen der Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) so viel Platz eingeräumt haben. Mit Rückblick auf deren Ausführungen wird auch den letzten „Wahrheits“-KämpferInnen in Sachen Corona verständlich werden, weshalb sie den (pauschal bezeichnet als) „Corona-LeugnerInnen“ nichts mehr entgegen zu setzen haben. Genüsslich können diese nämlich darauf verweisen, dass die GralshüterInnen der hiesigen „Wissenschaft“ keineswegs der Wahrheit verpflichtet sind, sondern dem Shitstorm (zu Deutsch: Scheiß-Sturm). – Prof. Dr.theol. Dr.phil.habil. Dipl.-Psych. Hans-Peter Heekerens

 


 

 

Leserbriefe zu „Über den Wolken“ von Thomas Melzer

 

Den Tod ein weiteres Mal mit Leben zu verdrängen ist eines jeden Verpflichtung. Reinhard Toss (richtiger Name), 56, hatte ein gutes Leben: verheiratet, 2 Söhne, Beamter, zufrieden, beliebt. Der schwere, alte BMW war sein Winterauto. Im Sommer genoss er Cabrio. Mirko Kastner (falscher Name), Alkoholiker, Wiederholungstäter, geschieden, gemieden. Das Leben meinte es nicht gut mit ihm. Auch nicht an Weihnachten 2018: Fahrerjob, Familie, Freunde, Zukunft weg. In der Rechtskurve vor Bärenthal einfach geradeaus fahren. Warum? 45 Minuten im Wrack eingeklemmt, verstarb Reinhard im Krankenwagen an seinen inneren Blutungen. 45 Minuten. Warum? Unsere Herzen bluten weiter. Bis heute wurde kein Recht gesprochen. „Vor Gericht und auf hoher See bist du allein in Gottes Hand!“ scherzte er gerne. Wie recht er doch hat, bei solchen Richtern wie Thomas Melzer. – Franco Rossatti

 

Ungläubig las ich die Geschichte über den angetrunkenen Piloten und die erfolgten Urteile. Wie ist es möglich, dass jemand so billig davon kommt und ihm die Sicherheit von 300 Passagieren wieder anvertraut wird, der sich so wenig in der Gewalt hat. Noch unmöglicher fand ich aber das Fazit des Richters „Wer einen solchen Arbeitgeber hat, muß die Justiz nicht fürchten“. In Coronazeiten werden viele ihre Arbeit völlig schuldlos verlieren, Herr Richter! – Marion Merzbacher

 


 

 

Leserbriefe zu „Das Jahrhundertwerk muss überleben“ von Volker Hagedorn

 

Volker Hagedorn weist uns auf Corona-bedingte Existenzbedrohungen vieler an der Musikkultur Beteiligten hin, deren Abwehr eventuell durch Gründung von Fan-Gemeinden mit verbindlichen finanziellen Zusagen für den Notfall verbunden werden könnten. Jeder hat so seine Lieblinge, so auch ich und wäre motiviert im Falle der Sängerin Nicole Chevalier(aus Chicago) ,der Geigerin Tianwa Yang(aus Peking), der Bratschistin Tabea Zimmermann (aus Lahr) oder der Komponistin Viera Janarcekova(aus Bratislava). Für die Rettung der Musikverlage könnte die von Komponist Richard Strauss gegründete GEMA(Gesellschaft für Aufführungsrechte) einen Plan machen in Umkehrung des „Krämerspiegels“, in dem der Komponist Strauss vom Schott-Verlag höhere Honorarzahlungen erwartet, indem er das Eingangsmotiv aus Beethovens „Fünfter“ kombiniert mit dem etwas anrüchigen Satz aus „Götz von Berlichingen“ : leck mich – – ! “ – Dietrich Bauer

 

Mitten auf der „seligen Insel Kulturdeutschland“ bin ich ´der Welt abhanden gekommen´. Nicht wegen Corona, sondern meiner der Welt abhanden gekommenen Kompositionen der Architektur, die aufzuführen eines großen Orchesters von Handwerkern bedürfte. Und einer viele Millionen umfassenden Summe Geld. Arme, arme Komponisten, was ihnen jetzt widerfährt, ist nahezu 50 Jahre mein Los. Von den Folgen wurde ich brutaler getroffen als jeder Künstler der Welt in diesen Tagen. Das Geld reicht nicht zum Leben und nicht zum Sterben.

Der Welt als Architekt abhandenkommen, wie ist das möglich? Indem ich der Moderne abhanden kam. Schon früh meines Berufsdaseins in den 70er-Jahren. Der Bauhausstil wurde mir zunehmend fremd und geriet ins Abseits, Neues entstand. Wie das „Haus der Nibelungen“ (Fotos) als ein zweites aus meiner Sicht dringend erforderliches Festspielhaus auf dem Wagnerhügel Bayreuth. Abhanden gekommene Architektur interessiert nicht und niemand. Und so honoriert sie auch niemand. 50 Jahre solchen Wirkens im Abseits der seligen Insel, das mache mal ein von der Corona betroffener Künstler nach. Und das Ignoriertwerden durch diejenigen, denen meine Zeichenkompositionen gewidmet waren, der Festspielleitung Bayreuth und dem Land Bayern. Manches von dem, was heute als Jahrhundertwerk gepriesen wird, wird in 100 Jahren verschwunden sein. Wenn nicht schon früher. Der aber, der der Welt abhanden gekommen ist, wird überleben. Es ist dies das unerbittliche Gesetz der Kunst. – Axel Spellenberg

 


 

 

Leserbriefe zu „Das Debakel“ von Alexander Cammann

 

Dass es Lisa Eckhart seit Jahren immer wieder auf sehr charmante Art und Weise gelingt, insbesondere dem deutschen Bildungsbürgertum den Spiegel der Scheinheiligkeit vorzuhalten, scheinen die Hamburger Damen und Herren auf ihre eigens hanseatische Sprödigkeit ausgeblendet zu haben. Dass Wegbleiben Frau Eckhardts ist ein Verlust für die Hansestadt, die immer damit wirbt, das Tor zur Welt zu sein. Aber eben nur das Tor. – Sönke C. Weiss

 

Es ist gut, dass Sie den „Fall Lisa Eckhart“ aufnehmen. Ein Veranstalter lädt eine umstrittene Künstlerin aus, weil zwei andere Künstler nicht mit ihr auf der Bühne stehen wollen. Er lädt sie aus, weil er sich nicht mehr sicher fühlt, ob seine Veranstaltung beim einem Auftritt der Künstlerin nicht „gestürmt“ werden würde. Das ist schlimm für den Kulturbetrieb, denn so kann er nicht frei sein und dieses gilt natürlich nicht nur für dieses Festival. Dem Veranstalter des Harbour Front Literaturfestivals kann man sicher schnell vorhalten, er wollte den Weg des geringsten Widerstands gehen, sei sogar feige gewesen. Ist das wirklich so? Ich glaube nicht, denn der Veranstalter wird schon gründlich abgewogen haben, was er tun kann, um unter diesen Umständen seine Veranstaltung zu „retten“.

Ganz offensichtlich hat sich der Veranstalter immens unter Druck gesetzt gefühlt und war sich vielleicht nicht sicher, welchen Beistand er zu erwarten hätte. Er wurde zu einer Entscheidung gezwungen, die er nicht hatte treffen wollen. Er hat sich unter diesem Druck mit der Ausladung von Lisa Eckhard falsch entschieden. Klüger wäre gewesen, die Einladung Lisa Eckharts aufrechtzuerhalten und den beiden anderen Künstlern die Teilnahme frei zu stellen. Sicherlich auf die Gefahr hin, dass diese dann absagen konnten . Das wäre abzuwarten gewesen und vielleicht gar nicht so sicher. Der Veranstalter hätte den Ball fein zurückgespielt, an dieser Stelle aber Rückgrat bewiesen. Nachdem sich dann auch noch die befürchteten Tumulte von Linksextremen nur noch als Warnungen einer besorgten Nachbarschaft des Veranstaltungsortes erwiesen haben, hat der Veranstalter nun komplett den „Schwarzen Peter“ in der Hand.

Was für ein Trauerspiel! Lisa Eckhart macht es einen nicht leicht, sie zu mögen. Ihre „Kost“ ist manchmal schwer verdaulich, das geht auch mir so. Sie provoziert, geht an und über Grenzen und sagt Dinge, die sich manch einer nicht einmal zu denken traut. Sie stellt ungewöhnliche Zusammenhänge her, ein gutes Beispiel ihr Auftritt in den „Mitternachtsspitzen“ mit ihrem Beitrag #MeToo. Schon sehr speziell. Lisa Eckhart ist nicht konform und das macht sie für mich mit aus. Sie erklärt nicht, was sie bewirken will, das muss sie nicht, das muss ihr Publikum schon selbst herausfinden. Ich finde, sie hält Menschen auf eine subtile Art den Spiegel vor und konfrontiert sie mit den eigenen Ressentiments, die sie sich selbst nicht mehr (bewusst) eingestehen.mögen oder die sie für überwunden halten. Das ist schon schwer erträglich. „Schlagen“ dann diejenigen zurück, die sich besonderes ertappt fühlen? Das weiß ich nicht. An Lisa Eckharts Stelle wäre ich der Wiedereinladung auch nicht gefolgt. – Regina Stock

 


 

 

Leserbriefe zu „Maßloser Wohlstand“ von Uwe Jean Heuser und Roman Pletter

 

In der Zeit vom 14. August 2020 wird in dem Artikel „Maßloser Wohlstand“ darüber debattiert, was die Grundlage unseres Wohlstandes sein sollte. Die Frage ist, in der Zeit in der eine Pandemie die ganze Welt parallelisiert hat, in der Viren “frei” reisen, in der deutsche Reiseunternehmen total abhängig sind von der Virusentwicklung in außerdeutschen Ländern…. Dies ist nur ein Beispiel der Abhängigkeit der Welt von globalen Faktoren. Wenn man die Welt betrachtet, kommt es einem nicht skuril vor, dass wir unsere Entwicklung und wirtschaftliche Stärke noch im BIP und rein wirtschaftlichen Faktoren messen? Wenn die Pandemie uns eins gelehrt hat, dann dass es Dinge gibt die wichtiger sind als Konsum. In einer globalen Welt kann man nur wahrhatig die Ressourcen und das Klima nachhaltig schützen, wenn die Massstäbe unseres Wohlstands. Die Sustainable Development Goals drehen sich nicht darum, wieviel reicher die Reichen werden, sondern wie viel besser es den ärmsten der Armen geht. Nur so kann es wirkliches Wachstum geben. Basic Needs für alle. Das wäre etwas worauf wir alle stolz sein könnten und diese Welt wäre vielleicht wirklich eine bessere. Für alle. Für das Klima. – Nina Siavwapa

 

Unter Berufung auf Apologeten des derzeitigen kapitalistischen Wirtschaftssystems, wie Andrew McAfee, vertreten die Autoren offenbar die Auffassung, mehr Wohlstand sei ohne mehr Einsatz natürlicher Ressourcen möglich. Mehr noch: Wachstum sei Voraussetzung für eine Reduzierung des Ressourcenverbrauchs, denn ohne Wirtschaftswachstum gäbe es auch keine technischen Innovationen, die wiederum die erwünschte Effizienzsteigerungen ermöglichen. So etwa lautet ja auch das Credo der FDP…

Diese Argumentation ist von bemerkenswerter intellektueller Schlichtheit, denn man fragt sich, wieso dann eine Wachstumskrise bisher stets zu einer verringerten Umweltbelastung ge­führt hat. Und: Wenn es stimmt, dass die USA seit 10 Jahren immer weniger natürliche Ressourcen verbrau­chen trotz beachtlichen Wirtschaftswachstums, fragt man sich, wieso das Land weiter denn je davon entfernt ist, etwa die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Ich empfinde es als aben­teuerlich, wenn McAfee behauptet, die Lösung der aktuellen Umweltprobleme liege in der „Beschleu­nigung der Verbreitung menschlicher Prosperität“.

Es bleibt unklar, wie McAfee zu seinen Erkenntnissen gekommen ist, eines ist jedoch offensichtlich: Die jedem Umweltökonomen bekannten „rebound effects“ bleiben bei ihm unberücksichtigt. Es mag ja durchaus sein, dass – wenn man einzelne Produkte und Dienstleistungen isoliert betrachtet – beachtliche Effizienzsteige­rungen zu erzielen sind, diese aber werden in aller Regel durch Verhaltensänderungen der Menschen (über)kompensiert. In den 1950er Jahren hing – um das Beispiel der ZEIT-Autoren aufzugreifen – in jedem Wohnraum eine Glühbirne von der Zimmerdecke und die Menschen achteten sorgsam darauf, das Licht auszuschalten, wenn sie den Raum verließen. Heute brennt in zahllosen Haushalten häufig 24 Stunden das Licht in allen Räumen und Millionenstädte sind nachts taghell erleuchtet – zwar nicht mehr mit der alten Glühbirne, aber in der Summe werden mit den modernen Leuchtkörpern mehr Strom verbraucht als früher. Und noch etwas: Die in immer schnellerer Abfolge eingeführten technischen Neue­rungen („Innovationen“) führen zu einem gigantischen Ressourcen­verbrauch, wenn etwa smart­phones oder Computer schon nach kurzer Zeit auf dem Müll landen, weil sie „unmodern“ geworden sind!

Auch McAfees These, die „Ent­materialisie­rung der Wirtschaft“ (sprich: Kostenein­sparungen) führe zu geringerer Umwelt­belastung, dürfte sich als Trugschluss erweisen: Zwar sparen die Unternehmen im Zuge der Digita­lisierung Büro­räume, Ener­gie, Toilettenpapier, Kantinenessen usw., auf der anderen Seite jedoch werden die einzelnen Haushalte entsprechende Investitionen bzw. Betriebskosten über­nehmen müssen! Das „outsourcing“ von Funktionen zwecks betrieblicher Kostenminimierung ist ja schon länger gängige Praxis der Unternehmen – zu Lasten der Allgemeinheit, jedes Einzelnen und oft auch der Umwelt. Eines ist zweifellos richtig: Innovationen haben zu erheblichen Einsparungen der „Ressource Zeit“ geführt – damit aber nicht zu einer geringeren Umweltbelastung. Im Gegenteil: Der Verbrauch natürlicher Ressourcen insgesamt ist z. B. durch eine rasant wachsende Freizeitin­dustrie mit Sicherheit zusätzlich angeheizt worden. Fazit: Mir ist nicht klar geworden, was dieser Artikel in der ZEIT-Serie „WENDE ZUM WENIGER“ verloren hat! – Dr. Wolfgang E. Fischer

 


 

 

Leserbriefe zu „“Macht kaputt, was euch kaputt macht!““ von Michael Sontheimer

 

Voller Verwunderung habe ich dem Artikel von Michael Sontheimer entnommen, dass die Band Ton, Stein und Scherben in den 7oer Jahren in Ostberlin gelebt haben (Fabriketage in der Oranienburger Straße). Das wirft natürlich Fragen auf: Wie war das möglich? Wieso hat die DDR das zugelassen? War Rio Reiser etwa ein Stasi-Agent? Wieso macht die ZEIT daraus keinen Aufmacher? Alle haben doch immer gedacht, dass sie in Kreuzberg gelebt haben und der DDR eher kritisch gegenüber eingestellt waren. Dass Michael Sontheimer Oranienburger Straße und Oranienstraße verwechselt hat, kann ich mir nicht vorstellen – hätte ja auch spätestens jemand in der Redaktion gemerkt! – Rita Hermanns

 

In Ihrem Artikel über „Ton, Steine, Scherben“ schreibt Herr Sontheimer, dass Jimi Hendrix bei seinem letzten offiziellen Konzert auf Fehmarn auf Heroin gewesen wäre. Das trifft nicht zu. Bekannt ist, dass man dem Bassisten Billy Cox etwas in seinen Drink gemixt hatte. Ich habe ca. 60 Bücher über Hendrix gelesen und schreibe seit ca. 20 Jahren für die beiden übriggebliebenen Hendrix Fanmagazine „Univibes“ und „Jimpress“. Hendrix hat – wenn man genau recherchiert – nie Heroin gespritzt. Keine einzige seriöse Quelle oder nahestehende Freunde haben dies jemals erwähnt. Er hat Drogen konsumiert aber er ist z.B. auch nicht den Drogentod gestorben. Eine Überdosis deutscher Schlaftabletten (Vesparax) haben das Leben dieses Gitarrengenies vor nun fast 70 Jahren leider allzu früh beendet. – Dr. Wolfgang Friedrich

 


 

 

Leserbrief zu „Prominent ignoriert. Es ist nie zu spät“ von GRN.

 

Ich bin doch sehr erstaunt, dass „meine“ Wochenzeitung, aus meiner Sicht sich einen solchen faux pas leistet. Die Meldung, dass ein 93-jähriger studiert und mit 96 Jahren als Bester abschließt, gehört nach meiner Überzeugung nicht unter eine Rubrik, in der sonst wirklich Überflüssiges und Unsinniges steht. Wenn ich es nicht besser wüßte, könnte ich auf die Idee kommen, dass dieser Artikel diskriminierend ist, konkret gegen das Alter.

Ich selbst habe mein drittes Studium – Rechtswissenschaften – als Jurist mit 64 Jahren abgeschlossen. Und ich weiss sehr genau, welche Entschlossenheit, Energie und Arbeitseinsatz es erfordert im späteren Lebensalter noch einmal zu studieren. Ihr Artikel sollte Menschen anstoßen ihre Lebensträume zu verwirklichen – und wenn es erst mit über 90 ist – lebenslang zu lernen und am sozialen Leben so lange wie möglich teilzuhaben. Ihr Artikel unter dieser Rubrik führt genau zu den gegenteiligen Effekten und signalisiert eher Ignoranz und Respektlosigkeit für diese aus meiner Sicht hoch respekable Leistung eines „hochbetagten“ Menschen, vor dem ich persönlich meinen „Hut ziehe“. Als langjähriger Leser darf ich Sie dringlich bitten, dies sichtbar – spätestens bis Seite 3, dann in der richtigen Rubrik – zu korrigieren. – Jürgen Schwarz

 


 

 

Leserbrief zu „Sind so süße Robben“ von Robert Pausch

 

Wie kam es dazu, dass Sie einen Artikel über den nicht stattgefunden Besuch Herrn Söders in Schleswig-Holstein (No 34, S 7) abdrucken? Er vermittelt den Eindruck eines kritischen Berichts über einen tatsächlichen Besuch, der aber eben nicht stattgefunden hat, da er am selben Tag aufgrund der Datenpannen beim Coronascreening in Bayern kurzfristig abgesagt wurde. Darf ich in Zukunft alle Artikel Ihres Blattes daraufhin auf Glaubwürdigkeit anzweifeln, sofern ich nicht lückenlos verifizieren kann, ob der Inhalt glaubwürdig ist? Guter Journalismus sieht anders aus, oder? Reine Vorankündigungen sollten als solche gekennzeichnet sein. Schade! – Birgitta Gnade

 


 

 

Leserbrief zu „Was hat er, was alle wollen?“ Gespräch mit Andreas Reckwitz geführt von Robert Pausch und Bernd Ulrich

 

Im Interview mit Andreas Reckwitz ist von seinen Thesen vom postmaterialistischen und postindustriellen Zeitalter die Rede. Es ist sicher richtig, dass das lebensgefährliche Aufarbeiten von europäischen Elektronikschrott auf afrikanischen Müllkippen nicht unseren Vorstellungen von Industrie entspricht, auch landen unsere Plastikabfälle nicht alle in industriellen Recyclingkreisläufen. Andererseits stammt der größte Teil unserer Konsumgüter aus industrieller Fertigung. Auch wenn wir das hierzulande immer weniger sehen wollen, diese Industrie wächst trotzdem. Die These vom Postmaterialismus könnte unsinniger nicht sein. Unser Materialverbrauch steigt zügiger denn je, wie der Global Resources Outlook 2019 zeigt. Für Politiker, die gerne die ökologische Realität ausblenden, ist „Das Ende der Illusionen“ eine beruhigende Nachtlektüre. – Hermann Pütter

 


 

 

Leserbrief zu „Der entrückte Minister“ von Paul Middelhoff

 

Herrn Middelhoff sollte etwas genauer recherchieren. Die Landesfarben Bayerns sind nicht blau-weiß, sondern weiß-blau, siehe Art. 1 der Bayerischen Verfassung. Man spricht daher auch vom „weiß-blauen Himmel“ über Bayern. – Gert Krais

 


 

 

Leserbrief zu „Diese Äpfel werden überwacht“ von Ruth Fulterer

 

Ihr Artikel hat mir sehr gut gefallen. Er ist nicht dramatisch, nicht aufregend, nicht polarisierend, sondern beschreibt ein Phänomen, das mancher als nebensächlich oder unbedeutend abtun würde, das ich aber für einen wichtigen Baustein für das Verständnis unserer modernen Welt sehe. Außerdem gehen Lebensmittel und deren Produktionsbedingungen uns alle an. Nicht zuletzt ist der Artikel einfach gut geschrieben. – Andreas Matt

 


 

 

Leserbrief zu „Feigheit erlaubt sie sich nicht“ von Peter Kümmel

 

Trotz alle dem: Sie haben die Ehre, den 1. Leserbrief zu erhalten, welchen ich in meinem Leben geschrieben habe gerne werde ich Sie auch weiterhin lesen: In der Ausgabe DIE ZEIT v. 13.8.20 schreiben Sie einen Artikel „FEIGHEIT ERLAUBT SIE SICH NICHT“ über Ursina Lardi. Hätten Sie das über mich geschrieben, ich darf das mal annehmen: Ich hätte mir selber Berufsverbot geben müssen.Vor Schamröte wäre ich nicht mehr zu schminken gewesen. Und vor Peinlichkeit hätte ich nicht mehr laufen können… Mit welchem „Hintergrund“ haben Sie denn da jemanden „an Bord“ geholt? Trotz alle dem:ich werde Sie weiterhin lesen. – Peter Dirschauer

 


 

 

Leserbrief zu „Die scheußliche Verwandtschaft“ von Christine Lemke-Matwey

 

Hach, war das eine herrliche Kolumne. Ich wusste gar nicht, dass Sie auch ausserhalb der klass. Musikebene so begabt sind! Einfach nur gut gelungen, besonders der Aspekt nach dem Grunde des “Feierns”. Toll, dafür gebührt Ihnen aus den tiefsten Tiefen mei- nes Herzens der allertiefste Dank. – Uwe Büssing

 


 

 

Leserbrief zu „Leinen los!“ von Hannes Leitlein

 

Mit viel Applaus geht das Rettungsschiff der Kirche auf Fahrt ins Mittelmeer. Ich gehöre zu den Menschen, die hierin nicht das beste Mittel gegen das Elend der Menschen aus Afrika sehen. Es ist kein Rassismus, festzustellen, dass es kein allgemeines Menschenrecht gibt, aus seinem Geburtsland in ein beliebiges anderes Land zu gehen mit der Forderung, hier bin ich, ich habe und kann nichts, bitte sorgt für mich. Als wir vor 75 Jahren fliehen mussten, waren wir Vertriebene ohne Wahl, das traf auch auf die Syrer zu, die 2015 zu uns kamen, und daher war es richtig, das wir sie aufgenommen haben. Bei den Afrikanern, die nun über Libyien und das Mittelmeer kommen, dagegen handelt es sich nicht um Vertriebene, sondern um Illegale Einwanderer, das muss man einfach sachlich festschreiben. Bedford-Strohm sagt „welche Verzweiflung erleben Menschen, die tagelang im Schlauchboot auf dem Meer treiben?…denn Menschen ertrinken zu lassen ist ein Sakrileg.“ Er hat recht.

Aber die in den Schlauchbooten sind keine Schiffbrüchigen – das geht schon aus dem Wort hervor – , sondern sie haben an mitleid- und gewissenlose Menschenhändler Geld dafür gezahlt, sie in diese Katastrophensituation zu bringen, um so die Europäer mit ihrer humanistischen und christlichen Grundeinstellung zu der Rettungsaktion zu erpressen. So werden sie auch erreichen, dass in den kommenden Jahren einigen Tausend von ihnen die Chance “Europa“ ermöglicht wird, aber der wahre Grund der afrikanischen Tragödie wird durch solche Schein- und Teilerfolge eher verdeckt als überwunden.

Es ist wiederum kein Rassismus, festzustellen, dass die Menschen Afrikas seit ihrer Unabhängigkeit vor etwa 60 Jahren ihre Zukunftschancen völkerübergreifend, konsequent und offensichtlich unabwendbar selbst zerstören. Der alles andere überwiegende Grund dafür ist die völlig außer Kontrolle geratene Menschenvermehrung – einzigartig in der Welt und in der Menschheitsgeschichte – Verdoppelung der Bevölkerungszahl in jeder einzelnen Generation, inzwischen in der dritten. Zur Veranschaulichung: Die gesamte Menschheit hat seit dem Auszug des homo sapiens aus Afrika weit über 100.000 Jahre gebraucht, um die Weltbevölkerung auf eine Zahl von 2 Milliarden Menschen wachsen zu lassen, Die Afrikaner schaffen nun dasselbe in 100 Jahren!

Die erste Milliarde ist heute schon da, die zweite wird in 20 bis 30 Jahren vollendet sein – unaufhaltsam! Um unter solchen Voraussetzungen zu überleben müssten die beteiligten Völker etwa alle 25 Jahre eine Verdoppelung erreichen in der Nahrungsbeschaffung, Erziehung und Bildung, Wohnungs-. und Gesundheitseinrichtungen, Infrastruktur, Wirtschaft und Veraltung. Dass das in Afrika nicht zu schaffen ist, ist offensichtlich, die Zukunft lässt eigentlich keinen Raum für Optimismus. Das neue Schiff und alle weiteren werden also von der zukünftigen Milliarde einige Tausend in unsere Obhut bringen, und wir werden das schaffen! Mehr aber nicht! – Ludwig Fensch

 


 

 

Leserbrief zu „Vermeidung einer Liebeserklärung“ von Ijoma Mangold

 

Das muss ja ein tolles Elaborat sein, was die Autorin Sally Rooney da auf den Büchermarkt gebracht hat.Den Eindruck muss man bekommen,wenn man den ZEIT-Artikel von Literaturkritiker Mangold dazu liest.Der Luchterhand Verlag muss Herrn Mangold sehr dankbar sein für den Waschzettel.. Frau Rooney lässt die Leser durchs Schlüsselloch spähen, was ihre Protagonisten da so treiben.Das will ich auch wissen.Bingo ! Buch wird gekauft.- Hans-Emil Schuster

 


 

 

Leserbrief zu „Was ist das Geheimnis des »Tatorts«?“ von Lisa Frieda Cossham et al.

 

Wenn DIE ZEIT die >Tatort<-Krimi-Serie allein mit der Frage nach deren (Erfolgs-)„Geheimnis“ – zumal auf 3 Seiten! – thematisiert und diese ihre Frage allein von den Profiteuren dieser Serie (Produzent, Regisseur/Regisseurin, Redakteur/Redakteurin, Darstellern/Darstellerinnen) beantworten lässt, dann ist ja wohl nichts anderes zu erwarten als eine unkritische Bejubelung der Serie, mithin die Ausblendung einer kritischen Betrachtung des >Tatorts< als Protagonist einer zunehmenden TV-Krimi-Flut. Öffentlich-rechtliche, mithin auch von mir mitfinanzierte TV-Sender eifern privaten Anbietern zunehmend nach bei der Ankündigung und Ausstrahlung von (teilweise drei aufeinanderfolgenden) Krimis, in denen immer kreativere Varianten des lustvollen, akribischen Tötens von Menschen durch Menschen zelebriert werden.

Diese Art von inzwischen allabendlicher Gewaltinszenierung und -zelebration dient keineswegs der Aufgabe und Funktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks/der ARD, „den Zusammenhalt des Gemeinwesens … zu fördern“; sie intensiviert stattdessen den vom Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter vor bereits drei Jahrzehnten beklagten gesellschaftlichen „Stärkekult“, also die Normalisierung von Stärke und Gewalt in unserer Gesellschaft – als wenn diese in unserem Alltag nicht bereits ein alarmierendes Ausmaß erreicht hätte! Abgesehen von vielfältigen Varianten der Ausübung körperlicher Gewalt werden schlichte Tomaten und Joghurts von Lebensmitteldiscountern als „Knaller“ angepriesen. Möbelmärkte propagieren ihre Sofas und Sessel als „Kracher“, garniert mit dem Konterfei eines maulaufreißenden Brüllaffen, der bei näherem Hinsehen als irgendein Promi auszumachen ist. Und auf unseren Straßen sitzen immer mehr CO2-effiziente SUVs und trucks normal geschnittenen PKWs drohend im Nacken, um noch möglichst rechtzeitig das Kind in der offensichtlich nur auf diesem power-mobilen Wege erreichbaren Schule abzusetzen, etc. …

Zur Abschwächung oder gar Umkehrung dieser verhängnisvollen Entwicklung sollten wir alle uns aktiv wie auch rezeptiv stärkekultkritisch im Alltag verhalten. So könnten wir u.a. durch krimiabstinentes TV-Zuschauerverhalten an den üblichen „Mordsabenden“ die Programmentscheidungen der öffentlichen Sendeanstalten beeinflussen; denn sinkende Einschaltquoten dürften die Programmverantwortlichen allemal beeindrucken. Ein einschlägiger ZEIT-Beitrag – etwa unter dem Titel „>Tatort< Gesellschaft“– wäre einer solchen stärkekultkritischen Bewegung durchaus sachdienlich. – Dr. F. Klaus Koopmann

 


 

 

Leserbrief zu „»Mein Freund muss im Haushalt nur staubsaugen, aber nicht mal das macht er gründlich«“ von Ella

 

„Mein Freund muss im Haushalt nur Staubsaugen,aber nicht mal das macht er gründlich“.Bei dieser Aussage kann man aber auf dumme Gedanken kommen. Was alles andere macht er auch nicht gründlich? Ein weites Feld.Also Staubsaugen kann er auch nicht.Dann schicken Sie den nutzlosen Sauger doch in den Hafen.Da kann er auf einem Dampfer das Deck schrubben.Und viel lernen über sauberen Fussboden. Der Bootsmann ist da sehr penibel. – Hans-Emil Schuster

 


 

 

Leserbrief zu „Tierische Instinkte“ von Heike Buchter

 

Das Layout eines dumpf-grimmig schauenden Trumps direkt über der Headline „Tierische Instinkte“ suggeriert einen direkten Zusammenhang. Das ist Bildzeitungs-Niveau und absolut geschmacklos. Bitte nicht! Das habt ihr/haben wir doch nicht nötig. – Ulrike Brüne

 


 

 

Leserbrief zu „Protest: »Eine Art Maulkorb«“ Gespräch mit Jeannette Auricht geführt von Viktor Marinov und Anna Mayr

 

Frau Auricht (AfD) sagt, dass sie keine Maske tragen will, weil diese ihr zu unangenehm ist. Menschen in Deutschland sind durch Krieg und Vertreibung gegangen und haben sogar Konzentrationslager überlebt. Was ist im Vergleich dazu eine Maske? Ich dachte, deutsche Tugenden wären Ruhe, Kraft, Mut, Durchhaltevermögen und Disziplin. Da habe ich mich vielleicht geirrt. – Dr. Rosine Lambin

 


 

 

Leserbrief zur Infografik „Glanzvoll“ von Anne Gerdes (Infografik) und Thomas Röbke (Recherche)

 

In der Zeit Nr. 34 vom 13. August haben Sie eine ganze Seite (34) mit einer Infografik dem Gold gewidmet. Vermisst habe ich dabei vor allem einen Hinweis auf die zum Teil unsäglichen Abbaubedingungen, unter denen gerade Gold gewonnen wird. Dass dabei je nachdem Unmengen Wasser verbraucht werden, dass ganze Landstriche durch mit Cyanid und Quecksilber versetzten Schlamm veröden, in dem manchmal sogar die dort arbeitenden Menschen herumwaten müssen, und dass die Produktion darüber hinaus auch noch durch Kinderarbeit erfolgt, hätte eigentlich dazu gehört. Gewiss wird Gold auf unterschiedliche Weise abgebaut, aber es sind ja eben auch Menschen aus diesen Gebieten, zum Beispiel aus Mali und dem Kongo, welche die Lebensbedingungen dort nicht mehr ertragen und sich auf den Weg zu uns machen.

Auch einen Hinweis auf die symbolische Bedeutung des Goldes hätte ich mir gewünscht, denn die ist keineswegs nur positiv. Gold steht zwar für Reichtum und Ruhm und ist in vielen Religionen Kennzeichen für das Göttliche. Es symbolisiert aber zugleich den Stolz, der den eigenen Wert über alle anderen Werte setzt, den Egoismus und die Macht, denn der „Fluch, der auf dem Gold liegt, ist die Gier nach Macht.“ (Eva Heller) So sehr ich Ihre Zeitung schon sehr lange zu schätzen weiß, so finde ich es bedauerlich, dass in dieser Übersicht gerade die sehr negative Kehrseite des Goldes fehlt. Wir müssen uns doch nicht wundern, dass die Menschen aus den Ländern zu uns kommen, deren Ressourcen wir auf solche Weise gnadenlos ausbeuten. – Dr. Marhild Hoffmann

 


 

 

Leserbriefezur Deutschlandkarte „PHILOSOPHEN“ von Matthias Stolz im ZEIT Magazin

 

Habe nur kurz auf die Städte als Geburtsorte der Deutschen Philosophen geblickt. Edmund Husserl ist als Altösterreicher in Mähren (statt Leipzig) geboren und die Landshuter ( statt München) sind stolz auf ihren Feuerbach meinte Vossenkuhl&Lesch in den „ Denkern des Abendlandes“. Bitte besser recherieren! – Dr M Rath

 

Es ist immer wieder spannend, den verschlungenen Wegen des Bildungsverlustes bei Journalisten (gesprochen: Djournalisten) nachzusinnen. Herr Stolz forschte nach dem Einfluss des Geburtsortes auf die Gedankenwelt der „bedeutenden deutschen Philosophen und Philosophinnen“ „deren Werke heute in den Lehrplänen der Hochschulen eine Rolle spielen“. Der Leser lernt von ihm, dass u.a. Immanuel Kant Russe sein muss, da in Kaliningrad geboren, und Schopenhauer Pole, da geboren in Gdansk. Putin und Kaczynski lächeln vermutlich höhnisch. – Margrit Kischkat

 

Zwei bedeutende deutsche Philosophen fehlen: Nicolaus Cusanus (RLP) und Peter Wust (Saarland). Allgemeinbildung ist ZEITbedingt – leider! – Matthias Biegel

 

Die dortige historische Auflistung von Orten, in denen deutsche Philosophen aufgewachsen sind, krankt daran, daß nicht entsprechend der gewählten Aufgabenstellung das historische Deutschland einschließlich der verlorenen Ostprovinzen wiedergegeben wird. So tritt Königsberg mit dem wohl größten deutschen Philosophen Kant nicht in Erscheinung. Dafür erfolgt bezüglich Hannah Arendt eine falsche Zuordnung: Sie wurde in Lingen bei Hannover geboren und wuchs sodann in Königsberg in Ostpreußen auf. Dort machte sie auch 1924 ihr Abitur, nicht aber in Marburg, wie in der Karte suggeriert, wo sie anschließend studierte. Ostpreußen, Westpreußen, Pommern und Schlesien sind für Deutschland definitiv verloren, sollten aber im kulturellen Gedächtnis erhalten bleiben. – Ulf Doepner

 

Auf welcher Karte finden jetzt Kant, Hamann, Herder einen Platz? Schopenhauer`s Danziger Erbe ist sicher größer als das Hamburger. Hanna Arendt hat sich übrigens zu ihrer Königsberger Zeit bekannt. Entsprechend würden, sollten Sie eine Deutschlandkarte bedeutender Maler planen, Käte Kollwitz oder Lovis Corinth auch keinen Platz haben. Ich schlage der Redaktion außerdem vor, ernsthaft Vorschläge zu einer politisch korrekten Umbenennung von „Tilsiter Käse“ oder „Königsberger Klops“ zu machen, da diese Produkte aus deutschen Supermärkten oder Speisekarten nicht verschwunden sind. – Karl-Georg Mix

 

Zur Erläuterung am Rand rechts unten „Ohne lebende Philosophen“ hätte auch noch ergänzt werden müssen „…. und ohne Philosophen , die im ehemaligen Ostdeutschland aufgewachsen sind. Mir fehlen auf dieser Liste deutscher Philosophen Größen wie Kant , Herder, Gryphius, Schopenhauer (1788-1793 in Danzig) um nur einige zu nennen, die hier nun durchs zeitgeschichtliche Raster fallen. Ihr Pech ist, daß sie in einem zeitgeschichtlichen Niemandsland geboren sind, das man heute gerne versteckt und das man am liebsten für alle Zeiten vergesssen möchte, um selber ja nicht in den Verdacht einer ewiggestrigen politischen Haltung zu geraten. Es handelt sich um Landstriche, die bis 1945 als Ostdeutschland geführt wurden. 1990, also vor gerade mal dreißig Jahren, wurde die Abtretung dieser Gebiete an Polen und Russland endgültig vertraglich besiegelt. Vor dem Kriegsende 1945 waren diese Regionen über 6-7 Jahrhunderte kulturell und von der staatlichen Organisation her deutsch .

Das ist bei einer Stadt wie der Kant-Stadt Königsberg (heute russisch Kaliningrad) immer noch weit über neunzig Prozent der Zeit seit ihrer Gründung und Entstehung . Deutschland selber hat den Verlust dieses Territoriums im Zuge seiner Niederlage in dem selbst verschuldeten Zweiten Weltkrieg zu verantworten. Es ist praktisch ein materieller Preis für sein menschenverachtendes Handeln gegenüber unseren Nachbarvölkern, auch wenn der Preis für das unzählige menschliche Leid gar nicht zu erfassen und zu bemessen ist. Es hätte aber bei anderer geopolitischer Situation und umgekehrter politischer Ausrichtung der Siegermächte im und nach dem Zweiten Weltkrieg auch heutige Bundesländer wie Saarland, Rheinland-Pfalz oder Bayern das Schicksal der Gebietsabtretung samt Bevölkerungsvertreibung treffen können. So oder so wurde eine kulturgeschichtliche Entwicklung im östlichen Mitteleuropa der Vielvölkerstaaten (seit der Zeit des Eisernen Vorhangs nennt man es Osteuropa) durch den Krieg abgebrochen und unwiderruflich zerstört. Dafür gibt es dort seit 1945 ethnisch homogene Nationalstaaten, die sich bekanntermaßen mit dem Zuzug von Flüchtlingen schwer tun.

Für das kollektive Bewußtsein einer Nation ist es neben dem Nicht-Vergessen eigener Kriegsverbrechen auch die Erinnerung daran wertvoll, dass man durch Krieg ethnischen Säuberungen zm Opfer fallen kann .Die Heimat wird entzogen und eigene Existenzgrundlagen komplett vernichtet .Die Bevölkerung ist dann total auf Solidarität und Hilfsbereitschaft anderer angewiesen sein kann , um zu überleben , sowie es in den Nachkriegsjahren gewesen ist . Die existenzbedrohenden Auswirkungen von Kriegen können gar nicht genug im kollektiven Gedächnis verankert sein, damit immer alles dafür getan wird, um solche Ereignisse zu vermeiden. – Reinhard Langenberg

 

Mir sind in der Deutschlandkarte 10, welche ja die Geburtsorte von Philosophen abbilden möchte, einige Zuweisungen aufgefallen, die mir seltsam erscheinen, und die mir doch anmerkungswürdig erscheinen, da ich die Deutschlandkarte ansonsten sehr schätze. Edmund Husserl wurde in Proßnitz geboren, nicht in Leipzig. Leipzig hat in seinem Leben auch keine größere Rolle gespielt. Dort hat er lediglich zwei Jahre studiert (nachlesbar u.a. bei Prof. Verena Mayer). Seine Studien in Berlin und v.a. Wien waren jedoch bedeutender, ebenso seine Lehraufenthalte in Halle, Göttingen und natürlich Freiburg. Hannah Arendt wurde nicht in Marburg, was die Wolke wohl andeuten soll (Gadamers Geburtsort), sondern in Hannover geboren. Dies steht in sämtlichen ihrer Werke, die mein Regal so hergibt. Außerdem widerspricht sie Günter Gaus im Interview (etwa 16:40) nicht, als er Hannover als ihren Geburtsort erwähnt.

Berlin hat mit Ernst Cassirer (Breslau), Max Weber (Erfurt) und Helmut Kuhn (Lüben) meines Wissens nach zu unrecht einige sehr prominente Neuzugänge erhalten, für die Berlin wohl wichtig war, besonders für Cassirer aber mit Sicherheit nicht wichtig genug (Aby Warburg und Lehrstuhl), um ihn Hamburg zu entreißen. Auch Tübingen muss zwei Denker abgeben: weder Schelling (Leonberg, steht dort am Geburtshaus und wird auch z.B. bei den Denkern des Abendlandes von Willi Vossenkuhl in Minute 1 erwähnt) noch Zeller (Kleinbottwar laut Wikipedia, direkt neben Marbach also) wurden dort geboren. Ihre Wolken sollten also deutlich nördlicher liegen (Schelling etwas westlicher als, aber auf gleicher Höhe mit Hegel, Zeller bei Schiller).

Sollten auf der Karte doch nicht die Geburtsorte, sondern „wichtige“ Orte abgebildet worden sein (ganz genau geht das aus dem Text nicht hervor), so halte ich die jeweilige Auswahl für sehr diskutabel. Ernst Cassirer gehörte dann eindeutig nach Hamburg, Edmund Husserl nach Freiburg, Halle, Wien oder Göttingen, Jaspers nach Heidelberg, Gadamer nach Heidelberg und Hannah Arendt würde – wie Kant – wohl leider nicht auf dieser Karte auftauchen dürfen (Königsberg, New York, Paris) – höchstens als bananenförmiges Wolkenband (Freiburg, Heidelberg, Frankfurt, Marburg, Berlin) und damit fast mit dem Anspruch verbunden, Tiefdruckgebiet zu sein, was ihrem Naturell dann eher nicht gerecht würde. – Sebastian Jülich

 

Bei manchen Themen, insbesondere solchen mit historischem Bezug, stößt die Deutschlandkarte buchstäblich an ihre Grenzen. Keiner der ostpreußischen Philosophen (J. G. Hamann, J. G. Herder), nicht einmal Immanuel Kant, hat in Ihrer Übersicht der „bedeutenden deutschen Philosophinnen und Philosophen“ einen Platz gefunden. Marion Gräfin Dönhoff würde sich im Grabe umdrehen. – Prof. Dr. Ulrich Seidenberg

 

Leider sind Ihnen auf der Deutschlandkarte: Philosophen eine große Anzahl von bedeutenden deutschen Philosophen, die in den ehemalig deutschen Ostgebieten geboren wurden und lebten, durch ‚die Lappen‘ gegangen. Darunter der wohl größte deutsche Philosoph von allen, Immanuel Kant, geboren und zeitlebens behaust in Königsberg. Andere bedeutende Philosophen waren (eine Auswahl) Ernst Cassirer (Breslau), Christian Garve (Breslau), Johann Georg Hamann (Königsberg), Johannes Scheffler (Angelus Silesius, Breslau), Friedrich Schleiermacher (Breslau), Arthus Schopenhauer (Danzig), Edith Stein (!) (Breslau) und Christan Wolff (Breslau). Die Auslassung dieser großen Philosophen diskreditiert Ihre ganze Arbeit und gibt ihr einen politischen Anstrich. Aber Sie haben auch mindestens zwei große Philosophen unterschlagen, die auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands geboren wurden und gelebt haben: Jakob Böhme in Görlitz (das empört mich als Görlitzer natürlich besonders) und Samuel von Pufendorf (Dorfchemnitz). – Prof. em. Dr. Robert B. Heimann

 

In der aktuellen Deutschlandkarte haben Sie meinen Onkel Albrecht Wellmer falsch verortet. Er wurde, wie mein Mutter, in Bergkirchen bei Bad Oeynhausen im Wiehengebirge geboren – nicht im bayerischen Bergkirchen! Er stammt also vom Land aus einer sehr dörflichen Gegend. – Stefan Kreutz

 


 

 

Leserbriefe zu „Alles oder nichts (Folge 19)“ von Sophie Passmann im ZEIT Magazin

 

Zu Ihren Behauptungen, die Sie am Anfang des Artikels aufstellen, habe ich ein wenig zu sagen. Sie reden von „Randgruppenhumor“. Bevorzugen Sie Mainstreamhumor? Humor ist Humor.“ Belanglosigkeit“ bescheinigen Sie den Darbietungen von L. Eckhart, und dass Sie „grenzwertige Dinge“ sagt.Ja, soll Kabarett nicht sogar Grenzen überschreiten dürfen? Und was belanglos ist, scheint mir strittig. Am wenigsten den Tatsachen entspricht Ihre Behauptung, dass bei Frau Eckharts Darbietungen weder sie selbst noch ihr Publikum Spaß zu haben scheinen.

Waren Sie mal dabei? Das Programm“ Die Vorteile des Lasters“ habe ich (77) zweimal in wechselnder Begleitung und in sehr unterschiedlichem Umfeld besucht und das Publikum war jedesmal begeistert(mir im 2. Fall schon zu sehr, nämlich ziemlich laut). Einmal sah ich des Programm mit meinerTochter(46) in Oldenburg mit überwiegend jüngerem, eher studentischem, universitärem Publikum, einmal in Bremen mit meinem Mann (73) in einem Stadtteil im Außenbereich,mit älterem Publikum . Ist aber interessant für mich, wie Sie über eine Gleichaltrige hergefallen sind.Klingt wie hate speech. So heißt das doch heute? – Monika Perrin-Otte

 

Nein, Frau Passmann, Lisa Eckhart bedient niemanden. Sie bedient nicht irgendeinen (bürgerlichen) Randgruppenhumor . Genauso bedient sie aber auch nicht einen linken Mainstream und sie ist politisch nicht „korrekt“, wie manche es so gerne hätten. Sind gerade die Leute aus dieser „Ecke“ deshalb so böse auf sie? Man muss Lisa Eckhart nicht mögen, auch nicht das, was sie sagt. Sie halten Frau Eckhard für vorhersehbar, für nicht so komplex, wie andere sie sehen, und schreiben, dass im Grunde ihre Form von Humor eine Art von „einstudierter Paartanz“ sei.

Künstlerinnen und Künstler werden kritisiert, das müssen sie einstecken können und richtig, manchmal profitieren sie auch von negativer Kritik. Schlimmer kann es für Künstlerinnen und Künstler aber nicht kommen, wenn man sie und ihre Arbeit als profan darstellt. Ich habe den Eindruck, dass Sie, Frau Passmann, das versuchen und ich finde, es gelingt Ihnen nicht besonders gut. Außerdem finde ich, dass Sie es sich zu einfach manchen, wenn Sie schreiben, der Veranstalter hätte Frau Eckhart selber „gecancelt“ und er hätte keine Lust gehabt, sich einer Kritik über die Einladung zu stellen. Mit anderen Worten, er habe selber Schuld an diesem Debakel.

Ein Veranstalter verfolgt nicht nur ein künstlerisches Interesse bei einer Veranstaltung, sondern auch ein wirtschaftliches. Es ist da keine Kleinigkeit, wenn Künstler damit drohen, ihren Auftritt abzusagen. Ganz schön salopp da zu schreiben, dass sei „alles nur halb so wild“. Es werden wohl kaum nur ein paar Mails gewesen sein, die den Veranstalter so unter Druck setzen konnten. Diese sog. cancel culture sollte man nicht kleinreden und wegschreiben wollen, sie existiert. Ich glaube nicht, dass ein Handlungszwang hier erfunden werden muss, denn der wird in diesen Zusammenhang automatisch erzeugt. Die Frage ist lediglich, wie man denn darauf reagiert. Man kann versuchen zu igorieren, dagegenzuhalten oder nachzugeben. Es kommt darauf an, wie hoch der Druck ist, der damit verbunden ist. Ich denke, dass man nicht beurteilen kann, wie die richtige Reaktion aussehen „muss“, wenn man selber einer solchen Situation noch nicht ausgesetzt war.

Mir persönlich ist es übrigens egal, ob von links oder rechts gecancelt wird. So etwas dürfte es gar nicht geben und schon gar nicht kultiviert weden,. Die Akteure, die „cancel culture“ betreiben, mögen sich Gedanken darüber machen, ob sie in einer vielfältigen oder einer uniformen Gesellschaft leben wollen . Sie mögen sich überlegen, ob man eine uniforme Gesellschaft noch als demokratisch und freiheitlich betrachten kann. Ich weiß, in welcher Gesellschaft ich leben möchte und das bedeutet wohl, dass kann sich immer wieder streitbar zeigen muss. Das ist anstrengend aber die Alternative, gar nicht mehr streiten zu „dürfen“ ist wohl das weitaus größere Übel. – Regina Stock

 

„Hauptsache, es knallt“, welches ES, bitte? Sie lesen sich so, als wollten Sie Ursache und Wirkung der cancel culture verharmlosen? Nach meinem Verständnis von den Zusammenhängen und Unterschieden zwischen linker cancel culture und jedwedem Gesinnungsterror ist beides außerordentlich besorgniserregend. Irritierend dann Ihre Bezugnahme zu den Protesten gegen „meine Oma ist ne alte Umweltsau“, an denen ich mich aus ethischen und ästhetischen Gründen übrigens auch beteiligt hatte; geradezu rabulistisch empfinde ich Ihre diesbezügliche Positionierung „…Das konservative Äquivalent zum linken Gesinnungsterror…“ – den es Ihrer Lesart nach gar nicht gibt – „…gibt es übrigens auch…das bürgerliche bis reaktionäre Lager…bis hin zur Demokratiefeindlichkeit…“. (???) Deshalb meine freundliche Bitte um Aufklärung, was Sie uns, Ihren Lesern erklären möchten. – Dr. Gernot Henseler

 

Sie haben so intelligente Autorinnen und Autoren. Schön dass sie mit Frau Passmann in Folge 19 und auch davor dem Gegenteil Raum ermöglichen unter dem Titel : Was eine junge Frau so alles träumt , ist oft so dumm und ungereimt.(leicht geändertes Operettenlied) Schade , dass damit Seiten geschwärzt werden müssen , aber evtl. trifft es ja den nach unten neigenden Zeitgeist ? muss uns das interessieren , was Frau Paris Hilton, Frau Kardashian und in einer Reihe Frau Passmann gerade mögen ?? Weiter viel Spaß bei der Suche nach jugendlichen Lesern . – Dr. Andrea Ziegler

 


 

 

Leserbriefe zu „Der Wald der Zukunft“ von Heike Faller und Christiane Grefe im ZEIT Magazin

 

In Ihrer Ausgabe im Zeit-Magazin vom 12.08.2020 schreiben Sie zum Thema Klimawandel, daß das was wir momentan erleben, eine neue Dimension ist. Wir freuen uns extrem über diesen Artikel und vor allem darüber, daß das Problem Erderwärmung und Klimawandel durch Berichte wie diesen, nach und nach auf die vorderen Seiten der deutschlandweit führenden Printmedien gebracht wird. Uns ist es schon lange unverständlich, warum eine Gefahr, die das gesamte Leben auf unserem Planeten so stark bedroht wie nichts anderes (Covid 19 eingeschlossen) nicht wesentlich stärker im Fokus der Medien steht. Bei uns in Mittelhessen bewegt die Frage der Umweltzerstörung die Menschen beim um- strittenen Weiterbau der A 49 VKE 40. Hier stehen sich zwei Gruppen gegenüber, die beide meinen im Recht zu sein. Auf der einen Seite diejenigen die sich durch die Abweisung der Klage gegen den Plan- feststellungsbeschluß aus dem Jahr 2012 durch das Bundesverwaltungsgericht im Recht sehen, 100 ha Wald zu fällen und die nach wie vor bestehende Gefährdung für Trink-und Grundwasser in Kauf nehmen, weil es nach diesem Gerichtsurteil legal ist.

Auf der anderen Seite die Menschen, die es, obwohl Baurecht besteht, für unverantwortlich halten, 100 ha Wald, der ein unverzichtbarer Wasser – und CO 2 Speicher ist, zu roden und Trinkwasser zu gefährden und damit die bestehenden Fakten für den Klimawandel zu ver- stärken. Sie wollen mit allen Mitteln, zum Teil auch mit Besetzung des Waldes die A 49 VKE 40 verhindern und damit ein Zeichen für eine Verkehrswende setzen. Sie stehen auf dem Standpunkt, daß dieser Protest legitim ist. Mittlerweile haben die Frankfurter Rundschau, die TAZ und auch dpa schon darüber berichtet und bei dem Umfang des Protestes wird die Auseinandersetzung sicher auch bald überregional in den Fokus geraten, auch weil es hier darum geht, wie wichtig uns der Kampf um eine Begrenzung der Erder- wärmung ist und welche Maßnahmen wir dafür ergreifen oder unterlassen müssen.

Übrigens gibt es schon seit Jahren einen von Umweltverbänden vorgeschlagenen und ökologisch und ökonomisch günstigeren Trassenverlauf der zu finden ist unter: www:stopp-a49-verkehrswende-jetzt.de. Falls Sie Fakten oder Informationen zu diesem Thema eruieren wollen, sind Sie recht herzlich zu einem Termin vor Ort eingeladen um sich zu informieren und einen Brennpunkt der Klimaauseinandersetzung selbst in Augenschein zu nehmen. – Heidrun und Heinrich Seim

 

Es ist bedauerlich, dass die Gräfin von Plettenberg sich eine ökologische Waldbewirtschaftung nicht leisten kann – aber vielleicht sollte man die gegenwärtige Krise des deutschen Waldes zum Anlass nehmen, dieses Thema einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Adelige Familien besitzen mehr als 138.000 ha Wald in Deutschland. Warum eigentlich? Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1919 wurde der Adel in Deutschland für aufgehoben erklärt – aber an den Besitztümern der Familien wurde nicht gerüttelt. Zum Vergleich:

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden die ostdeutschen VEBs umgehend privatisiert. Die Hinterlassenschaften der DDR wurden in Windeseile abgewickelt – aber die Hinterlassenschaften des Mittelalters bleiben bis heute unangetastet. Also was tun? Wir müssen ja noch nicht mal von Enteignung reden. Mein Vorschlag: Die jetzt aktive Generation der adeligen Waldbesitzer darf die Wälder auf Lebenszeit weiter nutzen, aber nicht verkaufen. Nach ihrem Ableben fallen die Wälder an die öffentliche Hand, die sie in ökologische Biotope umwandelt. – Klaus Mendler

 

Vielen Dank für das großartige Gespräch über den Wald im aktuellen Zeit Magazin. Sehr informativ und gut zu lesen! Und ich finde, Sie haben den Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie ganz toll herausgearbeitet ohne in eine romantisierende Betrachtung der Natur zu verfallen. Ich habe viel gelernt. Was mich allerdings extrem nervt, und das ist vielleicht etwas Grundsätzliches in Ihrer Redaktion: dass Sie so tun, als gäbe es in Deutschland noch den Adel. Das ärgert mich gleich dreifach: Als Journalist ärgere ich mich über die falsche Verwendung des Namens. Es muss heißen: Frau Eser, Frau Gräfin von Plettenberg und Herr Ibisch – und eben nicht Gräfin Plettenberg. „Gräfin“ ist seit 1919 ein Teil des Nachnamens, aber Sie behandeln diesen wie einen Adelstitel. Also entweder schreibt man durchgehend Frau Gräfin von Plettenberg oder nur Frau von Plettenberg – obwohl Letzteres nicht ganz korrekt wäre, weil auch das implizieren würde, dass „Gräfin“ ein Titel sei, den man nach Gutdünken verwenden oder weglassen könne.

Als Staatsbürger ärgere ich mich darüber, dass Sie offenbar den Gebräuchen der privaten Adelsvereine, in denen das vorletzte Jahrhundert noch lebendig ist, mehr Bedeutung beimessen als unserer republikanischen Gesellschaftsordnung. Es gibt keine Gräfinnen, Barone, Prinzessinnen oder Könige mehr. Nur noch im Karneval oder Schützenverein. Als Abonnent ärgere ich mich, weil ich ja nicht das Goldene Blatt bestellt habe, sondern eine Zeitung, die sich doch eigentlich als ernstzunehmendes Format versteht. Ich weiß, das mag alles etwas nerdig und kleinkariert klingen, aber so ganz nebensächlich finde ich die Frage nicht, ob wir in einer Republik leben und auch so schreiben – oder doch ein bisschen so tun, als gäbe es noch Personen, die qua Geburt oder Heirat irgendwie etwas Besonderes darstellen. Also, bis auf den Groschenroman-Quatsch: Eine tolle Geschichte! – Jan Tenhaven

 


 

 

Leserbriefe zu „Kamera aus!“ von Annabel Wahba im ZEIT Magazin

 

In der MIKADO (Missbrauch von Kindern: Aetiologie, Dunkelfeld, Opfer)-Studie der Abteilung für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Regensburg stellten die Forscher bei 4,4 Prozent von rund 28.000 befragten Erwachsenen in Deutschland und Finnland eine Neigung zu pädophilen Phantasien fest. Was daraus entstehen kann, zeigten nicht zuletzt die Missbrauchsfälle von Lügde und Bergisch-Gladbach. Wie ist es angesichts dieser Wissenslage möglich, dass sich Annabel Wahba für das nackte Spielen und Baden von Kleinkindern in der Öffentlichkeit einsetzt? Dass Frau Wahba in eitler Selbstbespiegelung dazu noch aus einem eigenen fünf Jahre alten Artikel zitiert, ist dagegen nur eine Geschmacksfrage. – Mareike Boom

 

Anabel Wahba arbeitet einen für die Eltern heute bedenkenswerten Gesichtspunkt heraus. Ich möchte anhand eines selbst erlebten Beispiels auf etwas anderes aufmerksam machen: In der Adventszeit führten die Kinder eines evangelischen Kindergartens im Altarbereich ihrer Kirche ein mit einfachen Instrumenten musikalisch umrahmtes Spiel auf, das sie mit ihren Erzieherinnen eingeübt hatten. Kaum betraten die Kinder den Raum, standen überall die Eltern mit gezücktem Handy auf und drängelten sich vorne, um immer in der für sie besten „Schussposition“ zu sein. Die hinter der Menschenmauer auf ihren Plätzen verbliebene Gemeinde konnte dem Spiel nur akustisch folgen. Ich frug mich hinterher: „Was haben die Eltern innerlich überhaupt von dem Krippenspiel aufnehmen können? Wie hat deren Hektik und das Blitzlichtgewitter auf die Kinder und die Erzieherinnen beim Spiel gewirkt?“ Ich hoffte, daß es in Folgejahr kategorisch hieß „Kamera aus, nehmt ein inneres Bild vom Geschehen mit!“ – Helmut Strohmayer

 

Offensichtlich ist Ihnen nicht aufgefallen, dass die Werbeseite 35 den vorstehenden Artikel konterkariert. Mich würde es nicht wundern, wenn das als Kunst verbrämte Foto vom gefallenen Engel auf einschlägigen Seiten wiederzufinden wäre. Suggeriert es doch: das Opfer ist selbst schuld. Mir wurde jedenfalls übel, als ich es sah. – Doris Tiemann

 


 

 

Leserbriefe zu „Über einen Aufruf, einen Kabarettisten und die Gefahr, zu verhärten“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

 

Wie lange „wagen“ es noch Redakteure (es sind auch weibliche, sächliche, einfach ALLE gemeint) offen eine Meinung zu vertreten? Es macht mich traurig, dass es niemand mehr wagt, Stellung zu einer Sache zu beziehen. Bin Abonnent des Mannheimer Morgen und entsetzt über die Beträge unter „Kultur“ vom 7. und 12. August 2020. Ist es schon soweit, dass man Satire dermassen erklären sollte, ja dass man um Verzeihung bitten muss?(Stefan M.Dettlinger) Hoffentlich wird Herr Martenstein noch weiterhin seine Meinung vertreten, auch wenn sie nicht immer jedem passt. PS.: falls das von Interesse ist, ich bin 71 Jahre alt und das ist mein erster Leserbrief. – Susanne Kolb

 

„Meinungsfreiheit“ setzt ja zwingend eine Meinung voraus, das scheint offensichtlich. Herr Nuhr verkauft zwar knackige Worte, ich konnte darin jedoch noch keine echte Meinung erkennen. Das kann natürlich auch an mir liegen. Wie dem auch sei, Herr Nuhr darf natürlich sagen was er will. Ein Friseur nimmt seinen eigenen Geschmack ja auch oft zurück und macht, was der Kunde will. Es herrscht sozusagen – innerhalb der gesetzlichen Grenzen – „Sagefreiheit“ in Deutschland, unabhängig davon, ob das Gesagte eine Meinung ist oder nicht, und das ist gut so. Sonst müsste ja irgendjemand darüber entscheiden, ob das Gesagte wirklich eine Meinung ist, und das wäre schrecklich…

Viel Gesagtes wird aber durch die Berufung auf die „Meinungsfreiheit“ schmeichelhaft als „Meinung“ geadelt. Auch Herr Nuhr erfährt in meinen Augen eine unnötige und fast schon bedauernswerte Aufwertung, wenn er als Beispiel für verletzte „Meinungsfreiheit“ hochstilisiert wird. Ihm kann das Ganze wohl recht sein, vermute ich, da seine Attraktivität und damit seine Quote bzw. sein Kontostand steigen werden. Ich finde, darauf will ich hinaus, man sollte differenzieren zwischen Sagefreiheit (auch wichtig) und Meinungsfreiheit (noch wichtiger). Meinungen an sich werden ja immer seltener, kommt mir vor. Und nebenbei zum Schluss: Sie haben eine Meinung, und die trifft oft in´s Schwarze, zumindest in mein Schwarzes. Ich hoffe, Sie machen das noch lange. – Dr. Christian Voll

 


 

 

Leserbrief zu „Mirko Borsche testet einen Rasierer, der wie ein Rennwagen aussieht“ von Mirko Borsche im ZEIT Magazin

 

Ihr Artikel hat mich inspiriert mein Blaupunkt Freiburg Autoradio aus dem Keller zu holen. (Sh. Foto) Die Marke war einfach die Referenz. Ich vermisse noch jetzt die Haptik. Das erste nach dem Gebrauchtwagenkauf in den 80ern war ja ein neues Autoradio einzubauen. Das ging dann irgendwann nicht mehr da kein DIN Radioschacht mehr da war. Unvergessen wie ein Kollege von der Berufsschule ein Blaupunkt Schwanenhals in seinen alten VW Käfer 1303 einbaute. Damit hatte er den Wert des Autos mindestens verdoppelt.

Leider gibt es das Unternehmen nicht mehr. Und unter dem Namen werden irgendwelche beliebigen Produkte vertrieben, wie hier eben das Fahrrad. Das gleiche gilt für Telefunken und Grundig. Das finde ich traurig, ist aber halt so. Ich liebe Radio und UKW. Freier kostenloser Zugang (GEZ finanziert). Das sag ich meinen Jungs immer. In der schönen neuen digitalen Welt muss man sich immer irgendwo anmelden und ein Abo abschließen oder mit Daten bezahlen und begibt sich in eine nicht unkritische Abhängigkeit. – Marcus Buttermann

 


 

 

Leserbrief zu „Ich brauche eine Rettung. Beate Zwermann“ Gespräch geführt von Felicitas Breschendorf im ZEIT Magazin

 

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Satire „Ich brauche eine Rettung“ im Zeitmagazin. Vor einigen Wochen rutschte eine Zahnärztin wegen der Corona Pandemie in Harz 4 Milieu und nun in der neusten Ausgabe vom 13.08.20 ruft eine Unternehmerin, die Reisen auf die Galapagosinseln veranstaltet, um Rettung. Aus dem Katalog der Zeitreisen kann man unschwer erkennen, was eine solche Reise kostet: 5000,- € aufwärts. Liebe „Zeit“, als längjähriger Abonnent frage ich: „Wer rettet uns vor solchen Fürsprechern?“ Ich überdenke, ob das noch die geistige Haltung meiner“Zeit“ ist. – Helmut Schönwald

 


 

 

Leserbrief zu „Ein ganz normaler Sommer, nur anders“ von Ilona Hartmann im ZEIT Magazin

 

Frau Ilona Hartmann MUSS ich mir merken. Das heisst, lhre Sprűche. Hinreissend! 1. Den Campingwagen habe schon verkauft! – Tomek Walter

 


 

 

Leserbrief zu „»Das ist verrückt. Verrückt!«“ Gespräch mit Christian Konrad geführt von Corinna Milborn in der Regionalausgabe ZEIT Österreich

 

Christian Konrad ist alles andere, als das konservative Machtzentrum, denn wir Österreicher sind zwar Freunde Europas, aber keine Freunde der EU, die sich mit diversen Rettungsaktionen aller Art bei den Globalisten lieb Kind machen möchte, aber nur auf Kosten der Mitgliedsländer, die in diese Union hinein- gelogen wurden. Was für eine verrückte Schnapsidee dieses Herrn Konrad, einige afrikanische Familien, die sich ein bequemes Leben ohne Gegenleistung schaffen wollen, bei uns aufzunehmen, wenn Millionen anderer genau das Selbe fordern. Konrad hofft ganz offensichtlich, sich mit dieser linksliberalen Liebmensch- Masche einen einträglichen Posten zu ergattern ohne Verantwortung, aber mit vielen Privilegien. – Peter Christian Vogl