Lesezeichen
‹ Alle Einträge

12. November 2020 – Ausgabe 47

 

Leserbriefe zu „Wieso hielt sie niemand auf?“ von Martin Machowecz und Henrik Merker

 

Mich trifft die aktuelle Diskussion, über die Corona Maßnahmen, mitten ins Herz. Als Mutter eines Kindes mit Risiko, hat unser Leben, mit dem Leben vor Corona, nicht mehr viel zu tun. So ist das, wir leben seit Monaten, nach verschärften AHA Regeln, welche wir selbstverständlich und dankend annehmen. Drum herum gibt es noch sehr viel Platz, für wunderbare Momente. Die Kritik an den Maßnahmen, fällt mir wirklich schwer nachzuvollziehen. Ich nehme mir das Denkmodell von Erich Fromm zur Hilfe, um die Sichtweise dieser Menschen verstehen zu können. Das, in dem er die Menschen unterteilt, in die, die das Leben lieben, und die, die den Tod lieben. In meiner Verständnis von diesem Gleichnis, stehen die Menschen, die den Tod lieben, für die, die keine Veränderung zulassen wollen.

Sie möchten am liebsten, dass alles immer so bleibt. Sie haben Angst, vor allem Neuen. Fromm bezog sich damals, wenn ich mich richtig erinnere, auf den Fremdenhass. Auf die Angst vor Veränderung, wenn Ausländern in unsere Lebenswelt eindringen. Auf der anderen Seite, beschreibt Fromm die, die das Leben lieben. Das Leben ist immer Veränderung, niemals statisch, immer in Bewegung, voller Überraschung und immer wieder voller Gewalt und Ungerechtigkeit. So also lassen sich, für mich, ihre Gedanken nachvollziehen : Die, die den Tod lieben, können keinen Virus akzeptieren. Alles soll bitte so bleiben wie immer. Niemand darf mir meine Freiheiten berauben. Der Virus beschränkt mich, er macht mir Angst. Es enttäuscht mich, dass ich selbst bei Freunden, die ich als weltoffene, „colourful people“ kennengelernt habe, sehe, dass deren Akzeptanz, ganz Konkret da aufhört, wo deren Freiheiten deswegen eingeschränkt werden.

Ich würde mir wünschen, dass sich die Menschen für die Chancen öffnen, die mit jeder Krise kommen. Sie annehmen. Einen kreativen Umgang, mit der aktuellen Situation suchen. All diese potenten Menschen, sollten ihre Kräfte besser überlegt einsetzten, als so viel zu kritisieren und damit diejenigen aufzuhalten, die Handeln um die Situation vor einem totalen Desaster zu bewahren. Warum nicht aktiv werden und das Gelingen mitgestalten. Warum nicht, ein wenig mehr Fantasie dabei einsetzen, wenn es um Freizeit- und Gesellschaftsgestaltung in den kalten Monaten geht.   Ich möchte mich bei allen bedanken, die sich selbst schützen, um Menschen wie meine Tochter damit zu schützen. Dieser hohe ethische Anspruch, der gerade den Frühling noch beherrschte, die Risikogruppe eben nicht nur auszugrenzen, hat mich wirklich beeindruckt. – Theresa Bauer

 

Mich ekelt es geradezu an, dass trotz eines  breiten nationalen Selbstverständnisses für die restriktiven COVID-19 – Handlungsempfehlungen sogar drei Redakteure einer vormals seriösen Zeitung einen „lustbaren“ Meinungsjournalismus über eine Mischung von Intoleranz, Unverantwortlichkeit und Unverständnis und damit eine völlig unnötige Überhöhung dieses Irrsinns frönen. Am Beispiel ihrer Behauptung, „dass auch die Stadtverwaltung ungeschickt agierte“ erkennt man die Neigung, es einem Trump mit Unbewiesenem gleich zu tun. Sich dann noch zusätzlich auf eine ebenso unbewiesene Behauptung eines Abgeordneten zu beziehen, entlarvt den bewussten Verzicht auf eine objektive Berichterstattung. – Jürgen Dressler

 

Schon die Überschrift hat mich aufgeregt und gleich einen Impuls zum Schreiben bei mir ausgelöst. Was danach kam, war das Papier nicht wert. Wenn gleich drei Leute, eine Redakteurin und zwei Redakteure notwendig sind, einen so schlichten Artikel zu schreiben. Von einem Ereignis, bei dem bis ca. 20.00 Uhr allles friedlich verlaufen ist, weil sich nur ganz normale Bürger, viele Frauen mit Kindern, auf dem Platz befunden haben, zwar ohne Masken, aber das war ja u.a. der Sinn dieser Demo. Es waren auch gewalttätigen Chaoten und Coronaleugner auf dem Platz, sondern eine bunte  Mischung von Menschen wie du und ich, die gegen die überzogenen Maßnahmen einer plan- und orientierungslosen Regierung demonstrieren wollten.

Dass Sie bei offensichtlich nicht dabei waren, kann man aus diesem Schreiben ganz leicht entnehmen. Da ich auf der Seite der Demonstranten bin, weil ich als Herzkranker ebenfalls die Maske ablehne, will ich nur kurz darauf eingehen und Ihnen ein Youtubevideo zur Kenntnis geben. Der Rechtsanwalt und Strafverteidiger Frank Hannik war mit einer ganzen Reihe anderer Anwälte als Beobachter vor Ort. Ich selbst habe noch nie an Demonstrationen teilgenommen, weil ich als Handelsvertreter dazu weder Zeit noch Lust hatte. Heute benutze ich das Schreiben als Ventil, bevor mir der Kragen platzt. (Frei nach Ringelnatz)

Als Rentner verfolge ich dieses üble Corona-Theater aber bereits von Anfang an. Ausgelöst wurde es von einem sogenannten Professor namens Drosten, der sich schon 2009/10 bei der Schweinegrippe blamiert hatte, was den Steuerzahler 8 Mrd. Dollar gekostet hat, da der Impfstoff verbrannt werden mußte, mangels Impfkandidaten. Enttarnt wurde er damals von dem Biologen Dr. Wolfgang Wodarg. Es war damals keine Pandemie und ist es heute auch nicht, wenn man beachtet, was eine Pandemie ausmacht.   Während man Dr. Wodarg in die Wüste schickte, machte man den falschen Propheten zum Corona-Helden und Regierungsberater. Das zur Vorgeschichte, die Ihnen auch bekannt sein dürfte. Statt jetzt aber alles zu hinterfragen und auch andere Experten zu Rate zu ziehen, wird fleißig voneinander abgeschrieben, weil das billiger ist, als selbst zu recherchieren.

Es kann Ihnen auch nicht verborgen geblieben sein, dass sich gerade eine weltweite Sammelklage entwickelt, die in Kalifornien demnächst startet, während sie in Kanada bereits läuft. Gegen Drosten, Wieler und diesen untaugllichen PCR-Test. Im Übrigen: Leipzig liegt ist nicht am Ende der Welt, darum hätte ich mehr Print-Medienpräsenz vor Ort erwartet. ARD und ZDF gehört der GEZ-Zwangsbeitrag entzogen, wegen Arbeitsverweigerung und falscher Berichterstattung.   Hören Sie sich deshalb wenigstens den Situationsbericht von RA Hannig an, dann wissen Sie wovon ich rede. – Hans-Otto Lang

 

Die außerparlamentarische Opposition marschiert immer dann, wenn die Lebenswirklichkeit der der Demonstrierenden in den Parlamenten nicht zur Kenntnis genommen wird. Die APO muss die Straße nutzen, weil selbst die parlamentarische Opposition ihren Ansprüchen nicht gerecht wird. Wäre die AfD für die Querdenker attraktiv, müssten diese nicht auf die Straße gehen. Das ist die eine Nachricht. Die Andere ist die Tatsache, dass sie den Finger in eine Wunde legen, die seit neun Monaten schmerzt. Als am 12. März die Regierungschefs (hier und im Folgenden werden die Berufsbezeichnungen als generisches Maskulinum benutzt) über das Virus SARS-CoV-2 informiert wurden, brach Panik aus.

Einige Länderchefs, wie etwa Herr Söder, lösten den Katastrophenfall für das ganze Land aus, andere überließen es den Landräten und Oberbürgermeistern auf den roten Knopf zu drücken. Alle die „Infektionsschutz-“, Eindämmungs-“, „Beschränkungs-“ und „Bekämpfungs-“, Verordnungen Verfügungen und Erlasse wurden von der Exekutive verkündet. Kein Landesparlament, kein Kreistag und keine Stadtverordnetenversammlung waren involviert. Die Legislative hat aus Angst vor dem Tod Selbstmord begangen. Aber spätestens im Sommer, als sich SARS-CoV-2 in ein virales Grundrauschen zurückzog, hätte die Exekutive in sich gehen und mal in das Grundgesetz, insbesondere Artikel 20, sehen müssen. Selbst der Bundestagspräsident schrieb einen Brief in diesem Sinne. Die Exekutive blieb stur, oder arrogant, oder borniert und scheiterte.

Blatt 2Reihenweise kippten Gerichte einzelne Maßnahmen und der Protest wurde auf die Straße getragen. Und noch immer blieben das Bundeskanzleramt und die Staatskanzleien stur. Und dann? Auf der Videokonferenz der Regierungschefs mit der Kanzlerin vom 28. Oktober wurden Maß-nahmen beschlossen, die in den folgenden Tagen in Länderrecht umgesetzt werden sollten. Nur einer hatte Mut, kannte das Grundgesetzt und widersprach der Kanzlerin. Bodo Ramelow gab als Thüringer Ministerpräsident zu Protokoll, das er die Maßnahmen mittrage, sobald der Bundestag die dafür erforderliche Grundlage schaffe. Etwa durch die Ausrufung der nationalen Gesundheits-notlage. Und er stellte klar, dass er den Thüringer Landtag einbeziehen werde. Das hat er dann doch nicht getan. Zumindest nicht gleich. Die neue Eindämmungsverordnung datiert vom 31. Oktober, der Landtag diskutierte sie erst am 3. November.

Aber seit dem mischt er mit. Auf seinen Beschluss hin wurde ein zentraler Punkt der Verordnung geändert. Seit dem 9. November dürfen Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre wieder in ihren Vereinen Sport treiben. Herr Ramelow ist nicht der Einzige. Andreas Bovenschulte, der Regierende Bürgermeister von Bremen und Mitglied der SPD, hat zwar am 28. Oktober 2020 nichts zu Protokoll gegeben, sich aber am 31. Oktober von der Bremischen Bürgerschaft die Maßnahmen bestätigen lassen. Zwar auch ex post, aber wenigstens das. Zwei von 16 Regierungschefs haben ein Gespür für die Lage. Alle anderen regieren weiter nach Gutsherrenart. Mit erstaunlichen Maßnahmen. So heißt es im Paragraph 5, Absatz 1, der Mecklenburg-Vorpommerschen Verordnung vom 31. Oktober:“ Alle Reisen in das Gebiet des Landes Mecklenburg-Vorpommern sind untersagt….“

Es folgen Ausnahmen, die aufhorchen lassen. Eigentümer, Erbbauberechtigte und Pächter von Grundstücken, Kleingärten oder Booten dürfen mit ihren Hausständen einreisen. Mit anderen Worten: Reiche willkommen, Arme müssen draußen bleiben. Frau Schwesig mag ja in der SPD sein, eine Sozialdemokratin ist sie nicht. Corona-Bekämpfung nach Grundbuch und Kontostand! Geht’s noch? Offenbar schon und in der SPD erst recht. Der Thüringer Ministerpräsident wird, weil er der Kanzlerin widersprach und das Grundgesetz ernst nimmt, vom stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, als „Risikofaktor“ beschimpft. Der SPD-Landtagsabgeordnete in Magdeburg, Rüdiger Erben, fordert in der Mitteldeutschen Zeitung eine Überwachung der Querdenker durch den Verfassungsschutz. Die Co-Vorsitzende der SPD hat schon im August die APO als „Idioten“ bezeichnet. Nun denn. Im nächsten Jahr wird gewählt. Auf kommunaler Ebene in Hessen und Niedersachsen, in sechs Ländern und der Bundestag. Wer wird da sein Kreuz bei der SPD machen? Die „Idioten“, die entlassenen Bühnentechniker, die ruinierten Unternehmer und die genervten Eltern wohl nicht.

Blatt 3Die „Thüringer Allgemeine“ veröffentlicht auf Seite 1 ihrer Print-Ausgabe vom 7. November 2020 eine Umfrage und kommt zur Schlagzeile: „Mehrheit der Thüringer gegen Lockdown“. Die Grafiken zeigen zum Beispiel, dass selbst 62,1 Prozent der SPD-Mitglieder die Schließung der Gaststätten ablehnt. Nun hat die empirische Sozialwissenschaft ein methodisches Problem. Sie vertraut den Ergebnissen einer Befragung von 0,06 Prozent der Wahlberechtigten wie hier in Thüringen und liegt deshalb oft daneben. Aber kluge Politiker, das sind die mit dem gewissen Instinkt, nehmen diese Daten, hören auf ihren Bauch und ihren Wählern zu und agieren dann.

Frau Esken, Herr Schneider und Herr Erben könnten ja in ihrem Sprengel dafür sorgen, dass die Corona- Maßnahmen ex ante, also in den Parlamenten, diskutiert werden. Dann hätte die APO eine Sinnkrise und die Polizei weniger Stress. Wobei sie ja in Leipzig kaum Stress mit den Querdenkern hatte. Sie ging den Demonstranten aus dem Weg, wie die bewegten Bilder beweisen. Ordnungswidrigkeiten, ja selbst Straftaten, wie das Verprügeln von Journalisten, wurden ignoriert oder mit Verzögerung unterbunden. Erst als die Querdenker und die meisten Journalisten die Stadt verlassen hatten griff die Polizei ein. In Connewitz und dann gegen Links.

Nun kommt der Impfstoff und alles wird gut. Oder? PS. Die am 28. Oktober beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus wurden innerhalb weniger Tage in Landesrecht umgesetzt. Von den ebenfalls beschlossenen Maßnahmen zur Unterstützung der Betroffenen hörte und las man erst gar nichts und dann Erstaunliches. Herr Altmaier verkündete, dass es noch in diesem Monat ein Abschlag gibt, der Rest kommt nach. Es müsse noch eine Internetseite programmiert werden. Nun aber flott, denn wenn das Geld nicht im November fließt, dann hat die Regierung nicht nur SARS-CoV-2 am Hals, sondern auch noch die Wirtschaft im Nacken. Wie gesagt, nächstes Jahr wird gewählt. – Dr. phil. Kurt-Uwe Baldzuhn

 

“Wieso hielt sie niemand auf?” ist die falsche Frage. Wieso wurde waehrend der Corona-Pandemie eine solche Mega-Veranstaltung erlaubt? Wird Deutschland jetzt von Gerichten regiert statt von gewaehlten Volksvertretern ?  Wie viele der Teilnehmer haben sich bei der Demo in Leipzig infiziert ? 100, 300 ?  Selbst Schuld, moechte man sagen, aber die dort Infizierten tragen das Virus ja weiter, stecken andere an, diese wieder andere. Fuer wieviele Folge-Infizierte, fuer wieviele Tote tragen “Querdenken” und das Gericht in Bautzen die Verantwortung ? – Hermann Weigmann

 

Es ist wirklich nicht nachzuvollziehen – oder deutlicher formuliert – es ist empörend, dass in Leipzig eine Querdenker-Demonstration genehmigt wurde, von der man mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit ausgehen konnte, dass sich dort Rechtsradikale anschließen würden und es zu einer Eskalation kommen würde. Was hat sich das Sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen wohl dabei gedacht, diese Demonstration auch noch auf dem Augustusplatz zu genehmigen? Es war doch vorauszusehen, dass sich die wenigsten Teilnehmer an die Corona-Regeln halten würden.

Politiker sind m.E. zu naiv, wenn sie meinen, dass die Polizei  es schon richten würde. Und an diesem Wochenende ist in Frankfurt noch eine Querdenker-Demonstration genehmigt worden; weitere sollen in anderen Städten folgen. Das ist für mich unfassbar. Die zuständigen Behörden pochen auf das Demonstrationsrecht in einer freien Demokratie. Ich frage mich nur, warum man bei solch einer Demonstration, die gerade jetzt in der „Corona-Zeit“ gefährliche Auswirkungen haben kann, so großzügig ist, andererseits aber die Freiheit der Bürger viel mehr einschränkt, wenn Theater-, Konzert-, Kino-, Museumsbesuche u.v.a. verboten werden.

Diese Kunst-Institutionen haben alle ein gutes „Corona-Schutz-Konzept“ entwickelt, ganz abgesehen davon, dass sich hier nie so viele Menschen versammeln wie auf einer Großdemonstration. Ich halte friedliche Demonstrationen für wichtig, aber nicht solche, bei denen von vornherein feststeht, dass die Teilnehmer sich nicht an (in dem Fall Corona-)Regeln halten und mit rechtsradikalen Infiltrationen zu rechnen ist. Man kann wirklich den Eindruck gewinnen, dass der Politik und manchen Behörden solche Demonstrationen wichtiger sind als Kultur und Bildung. Haben gewisse Behörden denn immer noch auf dem rechten Auge den grauen Star? – Christian Geinitz

 

Die Frage ist berechtigt. Wo liegt nun aber wirklich der Hase im Pfeffer? Natürlich kann man jetzt schnell vom Versagen der Polizei, der Justiz und den Behörden in Sachsen und Leipzig reden.  Klar, die Polizei hätte härter durchgreifen können und ich glaube nicht, dass 2.700 ausgebildete Polizisten vor 200 Hooligans aus Angst zurückgewichen sind, sondern ihren Einsatzbefehlen gefolgt sind. Sollte nicht eine möglichst defensive Polizeitaktik angewendet werden? Grund für diese Taktik war sicherlich, Prügeleien zwischen Demonstranten und der Polizei zu vermeiden und keine Bilder wie in Berlin zu „liefern“.

Das hat aber nichts mit dem Mythos des Revolutionsjahres von 1989 und den Montagsdemonstrationen in Leipzig zu tun. Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass dieser eine Rolle für die Entscheidung zu einer defensiven Taktik gespielt haben soll und damit einer Adelung von „Querdenken“ gleichkäme. Ist das nicht eher ein Gerücht? Und die Justiz? Richtig, die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes in Bautzen, die die Demonstration in der Innenstadt von Leipzig wieder möglich gemacht hat, kann man tatsächlich als fragwürdig bezeichnen. Das war aber die Sache, mit der sich die Justiz hier zu beschäftigen hatte, leider die falsche.

Woher kommen die Gesetze und Rechtsverordnungen, die von Polizei und Behörden ausgeführt werden und zu denen die Justiz Recht spricht?   Die „Querdenken“ Demonstration hätte gar nicht stattfinden dürfen, sie hätte untersagt gehört. Die Grundlage für ein Verbot hätte die sächsische Corona-Schutzverordnung sein können. Das gibt sie aber offensichtlich nicht her. Im Gegenteil, wie sie schreiben wurde auf Druck der Grünen in der Landesregierung ausdrücklich in der Verordnung das Versammlungsrecht für unberührt erklärt. Kommt jetzt nicht der Hase aus dem Pfeffer? Ich finde schon. Hier hätte nicht das Versammlungsrecht, welches absehbar einige wenige für ihre eigenen Interessen zu (be-) nutzen wissen, nicht zum höheren Gut gegenüber der Gesundheit aller anderen erklärt werden dürfen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass eine Landesregierung eine entsprechende Rechtsverordnung abfassen kann, ohne das Versammlungsrecht gleich ganz über Bord zu werfen. Im Freistaat Bayern ist das wohl auch so gelungen. Kein Wunder, dass es in Sachsen zu einer handfesten Regierungskrise gekommen ist, wenn jetzt ausgerechnet Grünen Politiker den Rücktritt des sächsischen Innenministers fordern. Für mich ein ziemlich durchschaubarer Versuch, sich der eigenen Verantwortung zu entziehen. Michael Ballweg als „Chefquerdenker“ dürfte hoch zufrieden sein ob dieser Wirkung. – Regina Stock

 

Auch wenn die Polizei in Leipzig unzweifelhaft Fehler gemacht hat, so ist sie doch von anderen im Stich gelassen und zum Prügelknaben degradiert worden. Sie ist nur das letzte Glied in der Kette. Nur auf die Polizei einzuschlagen ist der falsche Ansatz. Die Hauptschuldigen an den Geschehnissen von Leipzig waren die Richter in Bautzen. Die Entscheidung der Richter war nicht nur fragwürdig, sondern ein Skandal. Man fragt sich da schon, in welchem Elfenbeinturm sitzen diese Damen und Herren denn. Jedenfalls scheinen sie den Bezug zur Realität hinter ihren Gesetzbüchern verloren zu haben.

Für mich steht der Artikel 1 von der unantastbaren Würde des Menschen über der Versammlungsfreiheit. Wenn hier das Virus verbreitet wird und anschließend Menschen am Sauerstoffgerät hängen müssen, dann ist ihre Würde auf das Entschiedenste angetastet worden. Das müsste auch jedem Richter klar sein.   Auch die Politik trägt ihren Teil dazu bei. Die sächsische Corona-Schutzverordnung ließ auf Druck der Grünen das Versammlungsrecht unberührt. Als Folge kommt es zu Vorkommnissen wie in Leipzig. Man kann das so machen. Wenn aber die, die eben am vehementesten dafür eingetreten sind, das so zu machen, am lautesten den Rücktritt von Innenminister Wöller fordern, dann ist das unredlich und spricht nicht für die Grünen. – Dr. Peter Winter

 

Henrik Merker zerbricht sich den Kopf und überlegt hin und her, woran es lag, dass niemand die Covidioten in Leipzig aufgehalten hat. Breit gefächert wälzt er seine Gedanken. Dabei wäre es doch alles ganz einfach. Man schaue sich die Filmaufnahmen der begleitenden Polizeiautos an. Man sieht die Polizisten, wie sie freundlich den Gestzesbrechern zulächeln und zuwinken, häufig mit gerecktem Daumen ihre Zustimmung signalisierend! Es gab niemand, der sie aufhalten wollte. Denn die Sicherheitsbehörden samt Justiz scheinen eine Gefahr für den demokratischen Staat zu sein. – Marcus Schlüter

 

So berechtigt Ihre Hinweise auf das Versagen oder Fehlverhalten einiger Behörden sein mögen, so sollten wir gleichwohl erkennen, dass die Verfasstheit unserer Demokratie angegriffen wurde. Offensichtlich sind die verfassungsrechtlich legitimierten Staatsgewalten der Judikative und der Exekutive nicht mehr in der Lage ihre Anordnungen durch zu setzen. Man nennt es Anarchie, wenn jegliche staatliche Lenkung versagt, wie in Leipzig geschehen. Die Verfassungsordnung unseres Landes muss geschützt werden, im äußersten Fall unter Anwendung des staatlichen Gewaltmonopols. Wird anarchischen Gruppierungen wie Corona-Leugnern, Q-Anon Anhängern und Anderen nicht rechtzeitig Einhalt geboten, dann besteht Alarmstufe „rot“ für unser Land. – Bruno Fey

 

Für Ihren sorgfältigen Artikel zur Leipzig-Demo vielen Dank. Ein böser sprachlicher Lapsus findet sich aber im letzten Absatz:  „…Wöller und sein Chef Kretschmer hätten die Szenen in Stuttgart im Jahr 2010 vor Augen gehabt, als Wasserwerfer marodierende Schwaben wegspülten.“ Über diesen gerichtlich später als rechtswidrig bezeichneten, völlig aus dem Ruder gelaufenen Einsatz gegen friedliche Demonstranten, mit hunderten Verletzten, gibt es reichlich Informationsmaterial.  Sollte der Satz nicht von Ihnen stammen, sondern ein – unbezeichnetes – Zitat gewesen sein, wäre die sächsische Polizei offenbar unfähig, aus  Großereignissen Lehren zu ziehen. Oder: Sie betrachtet jeden Demonstranten per se als „Marodeur“ = Plünderer. – Herbert Müller

 

Wenn Menschen, die mit guten Argumenten gegen die Corona-Regeln demonstrieren, gezwungen werden, diese unter allen Umständen einzuhalten, ist das so, als müssten auf Anti-Trump-Demos America-First-Kappen getragen und in beiden Händen Fähnchen geschwenkt werden.   Man darf fragen, ob das Maskengebot im Freien wirklich epidemiologisch notwendig ist oder als Geßlerhut des Hygieneregimes* dient.   * kein Unwort der Aluhutträger sondern Fachbegriff der Epidemiologie. – Ingo Klamann

 

Die Stuttgarter Polizei „spülte“ 2010  keine „marodierenden Schwaben“ weg. Sie setzte vielmehr Schlagstöcke, Pfefferspray und Wasserwerfer gegen friedliche Demonstranten ein, darunter viele Teilnehmer einer genehmigten Schüler-Demo. Dietrich Wagner, der sich schützend vor die Jugendlichen stellte, verlor sein Augenlicht. Die von Ihnen gewählte Formulierung macht mich fassungslos. Sie ist zynisch, menschenverachtend und wohl bar jeder Sachkenntnis. Wie soll man das nennen? Marodierenden Journalismus?

Beleg (z.B.):“Am „Schwarzen Donnerstag“ vor zehn Jahren ist der Konflikt um das milliardenschwere Bahnprojekt Stuttgart 21 eskaliert. Polizisten traktierten am 30. September 2010 Demonstranten gegen das Bauvorhaben mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Wasserwerfer schossen auf Menschen. Bei der Räumung des Stuttgarter Schlossgartens neben dem Hauptbahnhof wurden laut Innenministerium weit mehr als 160 Menschen verletzt, einige schwer. Vor allem das Bild des Rentners Dietrich Wagner mit blutenden Augen ging um die Welt.“ (aus: Stuttgarter Zeitung, 29.09.2020) – Philipp Dittrich

 

Es schmerzt, mit ansehen zu müssen, dass aus der gesamten Republik selbsternannte ‚Querdenker‘ die Bühne unserer wunderbaren Leipziger Innenstadt für ihre kruden Ideen missbrauchen und sich gar entblöden, ihr wirres Treiben mit den Maßstäben der friedlichen Revolution von 1989 gleich zu setzten. Ja unser Demokratieverständnis hat offenbar ein sehr weites Herz und wir sollen als verantwortungsbewusste Bürger auch diese Demonstrationen aushalten und respektieren. Nein sage ich, das sollten wir nicht.

Wenn wir aus Gründen der grassierenden Pandemie, zurecht, gezwungen werden unsere Kontakte, unser Freizeitgeschehen, unser öffentliches Leben weiterhin auf ein Mindestmaß zu beschränken, dann halte ich es nachgerade für geboten, auch das ausufernde Demonstrationsgebaren wenn schon nicht zu verbieten, dann aber wenigstens auf das gleiche Maß wie alle anderen öffentlichen Veranstaltungen einzuschränken. Ja das Demonstrationsrecht hat Verfassungsrang, aber hier wird es derart missbraucht, dass es schlicht und einfach eingeschränkt werden muss. Vielleicht ist eine ehrliche Debatte hierüber längst überfällig. Noch ein Gedanke: wieso glaubt irgendjemand, dass die Coronaleugner- und Maskenverweigerer ausgerechnet im Bus, der sie nach Leipzig, Berlin und anderswohin bringt, als wäre es eine Kaffeefahrt, Masken tragen?

Hier wäre es doch ein leichtes diese Transporte vor jedem Versammlungsort zu stoppen. Und noch ein letzter Gedanke, mir scheint in unserem übersteigerten Freiheitsdenken allzu leicht vergessen zu werden, dass einem die ganze Freiheit so gar nichts nützt, wenn auf Grund der Machtlosigkeit der Staatsgewalt die Uneinsichtigen zur Vernunft zu bringen, der freie Umgang miteinander faktisch nicht mehr gelebt werden kann. Nicht das uns zu guter Letzt noch das Südkoreanisch- asiatische Modell dauerhaft den Spiegel unserer eigenen Hilflosigkeit vorhalten kann. Das wären dann wirklich der Zumutungen zu viele. – Thomas Harnisch

 

Wieso sie (die querdenkenden Rechten) keiner aufhält, lässt sich wahrscheinlich nicht eindeutig sagen, wie Sie schon in Ihrem Artikel darzustellen versuchen. Ein Grund aber sehe ich vor allem in den zutiefst verkorksten rechten Szene innerhalb der Polizei und der Justiz. Das dieses System von Nazis aufgebaut wurde, die ihre Werte und Gedankengut an die nachfolgenden Generationen von Polizei und Justiz weitergeben. Und Verschwörungsideologien beruhen ja meistens auch auf einer antisemitischen, rassistischen Grundlage.

Wie kann es aber sein, dass gewaltbereite Rechte, die keine Auflagen einhalten, ziehen gelassen werden, während Klimaaktivist*innen, die die Regeln versuchen einzuhalten und friedlich demonstrieren, niedergeprügelt und in Gewahrsam genommen werden wie gerade im Dannenröder Wald zu sehen ist? Die Politik schützt die, die Angst vor einem autoritären Staat haben mehr als die, die einen autoritären Staat erleben. – Sophie Hensmann

 

Es gibt offenkundig nach wie vor Menschen, denen das Leben und die Aufklärung mehr Angst bereiten als die Gefährdung durch einen mitunter zum Tode führenden Krankheitserreger. In vollumfänglicher Ausblendung dessen, was das Virus, das den allermeisten Menschen als Corona/Covid-19 ein Begriff ist, bereits bis zum heutigen Tage angerichtet hat (ganz zu schweigen von den zu erwartenden gesundheitlichen Spätfolgen), öffentlich und wiederholt von der Nichtexistenz, oder alternierend, von der Inszenierung dieser Virusmutante zu fabulieren, beinhaltet jedenfalls weder wissenschaftliche Erkenntnis, noch adäquate Vernunft, noch die Einsicht in die Notwendigkeit, Menschen mit einem anderen Risiko- und Denkhintergrund verantwortungsvoll zu begegnen.

Um nicht falsch interpretiert zu werden: Vermeintliche Gegebenheiten zu hinterfragen, an Informationen Zweifel zu haben, Sinn, Zweck und Angemessenheit von Vorgaben kritisch durchschauen zu wollen, all das weist grundsätzlich intelligentes Leben aus und ist unentbehrlich für die allenthalben gesunde Entwicklung einer alerten Gesellschaft. Ungesund indes wird es, wenn (wie in Ausnahmesituationen leider durchaus gewöhnlich) statt auf Fakten auf bildungs- und realitätsferne Narrative zurückgegriffen wird, wenn uns persönlich empfundene Ratlosigkeit, Frustration oder Ungerechtigkeit zu reaktionärer Ignoranz und Arroganz motivieren. Denken, auch entgegen dem sogenannten Mainstream, ist höchst demokratisch und völlig in Ordnung.

Nur eben bitte nicht mittendrin damit aufhören, wenn das Ergebnis womöglich nicht den eigenen resp. gruppendynamischen Zielsetzungen und Weltanschauungen entspricht. Ob sich angesichts dieser mutmaßlichen Umstände Politiker und Sicherheitsbehörden bei der von ihnen angewandten Zurückhaltung wohl von der bekannten wie trefflichen Einsicht Albert Einsteins – „Die Majorität der Dummen ist unüberwindbar und für alle Zeiten gesichert. Der Schrecken ihrer Tyrannei ist indessen gemildert durch Mangel an Konsequenz“ – haben leiten lassen? Gänzlich mag ich diesen Gedanken nicht ausschließen. – Ira Bartsch

 


 

 

 

Leserbriefe zu „Virenschutz statt Datenschutz“ von Marc Brost und Xifan Yang

 

Ich finde Ihren Artikel sehr interessant. In Anbetracht der stark steigenden Infektionen muß man sich fragen, was einem lieber ist: Eine zeitlich begrenzte Lockerung des Datenschutzes oder den Verlust persönlicher Freiheiten, sozialer Kontakte etc. bis hin zu Krankheit oder Tod. – Dr. Walter Engel

 

Ein wundervoller Artikel. Selten habe ich mich so prächtig amüsiert. Ich frage mich allerdings, welches (Deutsch-)Land Sie beschreiben mögen? Das Land der Digitalverweigerer („Neuland“), der Festnetztelefonierer, Bargeldzahler („Bargeld ist Freiheit“), Google-Maps-Verpixler und ec-Karten-Magnetstreifenzerkratzer? Das Land der Wut-Bürger, in dem die Frage nach Einkommen oder politischer Orientierung in ihrer empfundenen Intimität der Frage nach dem letzten Geschlechtsakt nahekommt? Oder das Land, das seinen Bewohnern, aus Respekt der eigenen dunklen Vergangenheit gegenüber, lieber gar nichts vorschreibt (oder Vorschriften nicht durchsetzt) als gegen vermeintliche kulturelle oder religiöse Tabuthemen zu verstoßen?

Falls Sie also dieses Land meinen, dann stehen die Chancen für die Umsetzung der gut gemeinten Ratschläge des Artikels bedauerlicherweise sehr schlecht. Alleine die Erwähnung einer Hotel-Quarantäne für Infizierte dürfte dem, der dies äußert, einen veritablen Shitstorm garantieren, in dem sicher jedwedes denkbare Kompositum mit einleitendem „Konzentration“ Verwendung finden wird. Dieses beschriebene Land mag zwar bekannt für seine Dichter und Denker sein, aber weniger für seine Vernunft…leider. – Jörg Schimmel

 

Ein großes Lob für den Bericht zu  „Virenschutz statt Datenschutz?“ Man aber sollte besser sagen: Datenschutz statt Menschenschutz! Ich habe meine Corona-App gelöscht, weil dort zwei gefährliche Begegnungen angezeigt wurden, bei denen trotz einer Nachfrage beim Gesundheitsamt weder Zeitpunkt und noch Ort der Begegnungen zu ermitteln waren. Der Gesundheitsminister sollte schleunigst eine neue App einrichten lassen, mit der brauchbare Fakten ermittelt werden können. Die Datenschützer sollten lieber die Verwendung der Daten überwachen als die Erhebung notwendiger Daten zu verhindern.

Als Belohnung für die Installation einer neuen wirksamen App sollten der Besuch von Theatern, Konzerten, Fußballspielen oder anderen Veranstaltungen ermöglicht werden. Das gelte sowohl für Veranstalter und wie Besucher. Dazu müsste der lückenlose Einsatz der App überprüfbar sein. Zu überlegen wäre auch, ob die (grob?) fahrlässige Verhinderung einer neuen wirksamen App oder deren Nichtverwendung nicht strafrechtliche Folgen haben müsste. – Hartmut Bernecker

 

Dank für diese überzeugende Darstellung mit absoluten Zahlen. Ich bin kein Statistiker, muß aber in fast 90% aller Zahlen- und Statistik-Darstellungen Mängel feststellen, die mich Zeit kosten. Wenn man die Zahlen auf jeweils 1 Mio Einwohner bezogen hätte z.B D= 8279/2866/138; J= 861/91/14; SK=535/31/9; T=25/1,3/0,3; wären die Würfelgrößen etwas korrekter ausgefallen. Die erste Zahl betrifft Neuinfektionen der letzten 14 Tage. Die zweite Zahl angeblich Infektionen seit Pandemiebeginn. Hier fehlt der Hinweis „ohne die letzten 14 Tage“.

Die dritte Zahl Todesfälle, vermutlich „im Zusammenhang mit Covid 19“.  Bei allen drei Zahlen dürfte es Erfassungsdifferenzen in den dargestellten Staaten geben, die vermutlich bei den Todesfällen am größten sein dürften. Einflußgrößen dürften sein „Altersstruktur/Stadt-Land-Relation/Körperdistanz in Familien und in der Öffentlichkeit/Gesundheitswesen/Ernährung/usw. “ Meine japanischen Freunde trugen auch in D während der Grippe-Perioden Masken, wenn sie sich ins Großstadtgewühl stürzen mußten. – Diether Sieghart

 

Ich bin sicher, Sie haben schon jede Menge Ermahnungen von Datenschutzaktivisten bekommen, deshalb möchte ich das nicht alles wiederholen. Viele interessante Punkte drin. Insbesondere sehe ich auch die bislang eben nicht konsequente Isolation als entscheidend an. Ich habe auch keine gute Idee, wie man das für eine größere Familie zumutbar gestalten kann, aber solange nur Infizierte und die je unmittelbaren Kontaktpersonen in Quarantäne sollen, während alle anderen Familienmitglieder der Kontaktpersonen weiter zur Arbeit und in die Schule gehen sollen, wird es keine merklichen Fortschritte geben. Doch noch zum Datenschutz :-)

Ich hab in dem Artikel kein wirkliches Argument gefunden, warum man den Datenschutz einschränken soll. Da ist die Überschrift unpassend (klickt aber vielleicht besser). Und bitte vergessen Sie die Corona-App. Da stimmen schon die technischen Grundlagen nicht (Ausbreitung von Hochfrequenz-Strahlen), und die „Population“ der genutzten Smartphones, Bluetooth-Chipsets und -Antennen, die benutzten Hüllen und Tragegewohnheiten (Hosentasche, Handtasche, Jackentasche, …) sind zu divers, als daß man daraus belastbare Informationen ziehen könnte. Es gibt den Smartphone-Nutzern aber das gute Gefühl, nicht ganz untätig gewesen zu sein, und die Bundesregierung konnte das dringende PR-Problem loswerden. Dessen Dringlichkeit erkennt man an dem stolzen Preis, den sie zu bezahlen bereit war.

Ja, man kann und muss technisch aufrüsten, vor allem aber die Kapazitäten der Labore und Gesundheitsämter. Und auffindbare und verlässliche Infos zu den je aktuellen Vorschriften und Möglichkeiten wären auch kein Luxus. Wenn nicht klar ist, was man zu tun hat, wo man sich testen lassen kann, wenn die App denn schon einen Alarm meldet, dann hilft auch das Nachrüsten von Zusatzfunktionen in der App nicht. Das ist alles kein technisches Problem, auch keine datenschutztechnisches, sondern ein organisatorisches (und politisches). – Matthias Ferdinand

 

Wie schütze ich mich vor einer COVID-19-Infektion?   Als endlich die deutsche Version der Corona-App herauskam, war ich einer der Ersten der sie installierte und auch bei vielen Freunden und Bekannten bewarb. So musste z.B. für meine Partnerin ein neues iPhone her, die Bedrohung verlangt halt Investitionen in die Firma Apple; es wird das baugleiche wie meins, damit die Warn-App auch bestimmt einfach in Betrieb genommen werden kann. Wir verfolgen unsere riskanten Begegnungen. Alles sieht gut aus, “niedriges Risiko” über den ganzen Spätsommer. Bis dann im September Apple sein IOS Update Version 14 auf mein Handy schlenzt. “Unbekannter Fehler”, “Risikowarnung deaktiviert” heisst es nun auf meinem iPhone.

Damit beginnt mein verzweifeltes Bemühen nun nicht als der Missionar dazustehen den seine eigenen Ratschläge nicht binden. Zuerst Corona-App neu konfigurieren: Ja, ich lasse Begegnungs-Tracking zu und alle eure Mitteilungs-Varianten. Ja, ich bin in Deutschland (das muss ich unter den mit “US” beginnenden Länderliste immer wieder suchen – heist es nun “Germany” nahe Ghana oder doch “Deutschland” weiter oben?) Nix, “unbekannter Fehler”, “Risikostatus deaktiviert”, “wir können nun auch Nachbarländer”. Klasse. Internet-Suche: Ja, der Fehler ist bekannt, in Blogs, aber nicht offiziell. Tips zum Umgehen scheitern, inklusive mehrfacher Resets, Reboots, Neu-Installationen. So, jetzt reicht’s: Wie kann ich den Fehler melden, und wo?

Die Corona Warn App hat eine Webseite, aber keine Addresse an die man Screenshots und digitale Belege für das Problem senden kann, nur eine freundliche Dame am Telefon ist erreichbar. Auch sie weist darauf hin dass ich eben ein wirklich neues iPhone benötige, meins sei nicht in ihrer Liste (es ist das iPhone SE). Das die Warn-App auf meinem iPhone bis September prima funktionierte macht auch sie ratlos, aber der ins Auge gefasste Technik-Service ist unerreichbar. Also Apple: Auch hier keine Email-Addresse wo man digitale Belege des Problems hinterlassen kann. “Online-Chat” ist das Angebot. Gut. “Madhavi” antwortet, und ich werde das Gefühl in der nun folgenden Stunde nie los, mit einem Sprachcomputer verbunden zu sein, künstliche Demenz.

Zunächst die Frage nach iPhone Version und Seriennummer: Wie alle meine Passwörter habe ich die iPhone Seriennummer im Kopf und kann sie prompt eintippen, Madhavi denkt zufrieden nach. Ich solle mein iPhone mal neu starten, er leite mich an wie das gehe. Step by Step. Es. geht. so. nicht. Ich “google” nach iPhone Reboot, finde die korrekte Anleitung, folgsam starte ich mein iPhone neu, wieder einmal. Natürlich hilft’s nix. Madhavi hat derweil nachgedacht wie ein iPhone neu zu starten wäre; tja, Apple hat komplizierte Phones. Madhavi fragt nach Fehler-Details: YES: Ich kann ihm Screenshots schicken! Ha: die sind nicht auf englisch, ob ich ihm übersetzen könne was da steht? “Unknown error”, “risk assessment disabled”. Nochmal Nachfrage: JA, ICH HABE DIE NEUESTEN UPDDATES UND NEUESTE IOS VERSION! (Es sind 2 Updates seit meine Warn-App lahmgelegt wurde, laut Internet-Foren “wird daran gearbeitet”, aber offenbar ist’s nicht so einfach).

Als ich den Chat schlitzohrigerweise kopieren will, bricht der Chat ab. Da hab ich wohl eine falsche Tastenkombination erwischt… Madhvi meldet sich per Email: Er bedauert dass das Problem nicht behoben werden könne, aber er habe da eine Idee: Er habe die Webseite der Entwickler dieser exotischen App für mich ausfindig gemacht, und dort gebe es eine “FAQ” Seite, und ich solle doch mal die App-Entwickler kontaktieren. Köstlich. Ich gebe auf, nun halt ein Leben ohne Warn-App, oder vielleicht doch endlich ein Phone von Huawei kaufen, die sollen toll sein. Mittlerweile hat meine Partnerin zwei Wochen “Risikostatus ROT” überlebt, ihr baugleiches iPhone ist noch auf Version IOS 13.7 weil sie Updates zögerlicher behandelt. Ihr Risokostatus ist wieder grün, ich bin immer noch deaktiviert. Aber ich lebe, Coronafrei, immer noch. Uff. Von Asien lernen: Ja. Bitte. Gerne. Bald. Intelligent. Deutsch. Auch wenn ich nicht in Taiwan auf die Gay-Parade gehen will. – Roland Diehl

 

Die Grafik Corona-Zahlen im Vergleich zeigt interessante Daten. Um Unterschiede deutlicher zu zeigen, ist es ratsam, den Taschenrechner zu bemühen und die Zahlen durch die Einwohnerzahl zu dividieren. Besonders eindrucksvoll werden die Verhältnisse, wenn die so normierten Daten bezogen auf die Länder ins Verhältnis gesetzt werden. Es lässt sich ermitteln, dass zum 14./15.11. in Deutschland 2126 mal so viele Neuinfektionen registriert wurden wie in Taiwan!

Der größte Unterschied der Maßnahmen der erfolgreichen Länder zu unseren gegen Covid 19, besteht im Datenschutz. Unseren Verantwortlichen ist der Datenschutz offensichtlich wichtiger als der Schutz des Lebens, der Gesundheit und der Wirtschaft. Dabei müsste keineswegs alles kopiert werden, was die erfolgreichen Länder einsetzen. Viele Bürger würden eine eng begrenzte Aufweichung des Datenschutzes, sicher für richtig halten, wenn damit Gefahren abgewendet werden können.

Insbesondere, wenn sich dadurch die Chance ergeben würde, dass die bestehenden Einschränkungen gelockert werden können. Merkwürdig, dass unter dieser Prämisse niemand ermittelt, was den Bürgern wichtiger ist. Vereinfachende Überschrift: Mehr Rechte, weniger Datenschutz. Eine weitere Folgerung zeigt der Artikel auf: Quarantäne muss rigoros durchgesetzt werden.  Dadurch entstehende Verluste muss selbstverständlich die Solidargemeinschaft den Betroffenen ersetzen. Anmerkung: Die Aussicht auf Impfung ersetzt keineswegs erforderliche Massnahmen.“ – Siegfried Veile

 

Im o.g. Artikel schlagen die Autoren u.a. vor, den Datenschutz „zeitlich befristet zu lockern“ um die Pandemie in den Griff zu bekommen. V.a. durch die Überschrift wird der Eindruck erweckt, Datenschutz verhindere wichtige Lösungen und ist allenfalls Luxus-ChiChi, um den man sich kümmern kann, wenn alle „wirklich wichtigen“ Probleme gelöst sind. Ich habe aber eher das Gefühl, dass der Datenschutz – v.a. gegenüber den Tech-Firmen – bisher nicht ernst genug genommen wird. Die Auswirkungen konnten bei Cambridge Analytica bereits betrachtet werden. Die Vorstellung, komplette Kontrolle zu erhalten, ist für staatliche Stellen natürlich verlockend. Auch bei der Bevölkerung kommt ein „Jetzt muss aber mal Schluss sein mit Corona“ gut an.

Unter demokratischen und rechtsstaatlichen Gesichtspunkten halte ich das Ausspielen das Datenschutzes für ein anderes, hohes Ziel für leichtfertig und gefährlich und bin erstaunt, wie leicht die Autoren dieser Versuchung erliegen. Und: Was würden sie denn machen, wenn ich kein Handy (dabei) habe?  Natürlich sollen technische Möglichkeiten genutzt werden: Vorstellbar wäre für mich eine sehr präzise Datenschutzregelung: Ich scanne bereitwillig einen QR-Code mit der Corona-App vor einer Gaststätte, dem Kino etc., wenn mir glaubhaft garantiert wird, dass diese Daten ausschließlich (!) für die Kontakt-Nachverfolgung im Zusammenhang mit Covid19 genutzt werden – und nicht auch gleich für andere Zwecke, weil´s praktisch ist (wie mit den Gaststätten-Anwesenheitslisten geschehen).

Und wenn das Scannen eines Einlass-Codes mit der Corona-App viel bequemer ist, würden auch noch mehr Bürger die App nutzen.  Und wenn man sich dann schon mal mit digitalen Möglichkeiten auseinandersetzt, könnte man sich auch gleich Gedanken dazu machen, wie die z.T. verschnarchte Kommunikation der Verwaltungen mit den Bürgern durch sichere (!) digitale Methoden effizienter gemacht werden kann. Mein Sohn hat 3 Monate und einiges an Zeit gebraucht, um ein Führungszeugnis zu erhalten. Das Praktikum, für das er das Zeugnis gebraucht hat, war bis dahin schon fast zu Ende. – Thomas Schwerdtner

 

Mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit gehen die Autoren davon, dass eine „vorübergehende“ Lockerung des Datenschutzes realisierbar ist. Ich will nicht stur das Gegenteil behaupten, sehe hier aber den eigentlichen Haken. Nur selten hat jemand den Senf zurück in die Tube gedrückt. – Dr. Christian Voll

 

Wer sich bei Orwell 1984 nicht gruselt, sollte es mal mit Snowdens Enthüllungen über die NSA versuchen. Wem das immer noch keinen Schrecken einjagt, könnte sich den Beitrag der Herren Kim, Lill und Ludwig in der Zeit auf der Zunge zergehen lassen. Durch die massenhafte Verbreitung der Mobiltelefone treten wir gewissermaßen freiwillig das Menschenrecht der informationellen Selbstbestimmung mit Füßen, kein Wunder also, wenn dadurch übergriffige Datenbegehrlichkeiten beim Staat geweckt werden.

Daß in einer liberalen Wochenzeitung eine Lanze für den Überwachungsstaat gebrochen wird, wirkt allerdings etwas befremdlich, bislang war der altmodische Liberale wohl eher der Ansicht, daß totalitär regierte kollektivistische Gesellschaften eher uncool sind. Wenn in einer glorreichen nahen oder ferneren Zukunft das böse, böse Virus endlich besiegt sein wird, stampft der Staat all die schönen Daten, Überwachungs- und Nachverfolgungsapps sofort ein, ganz bestimmt. Willkommen in der schönen neuen Welt, der Staat denkt und lenkt für uns. – Dr. med. Johannes Holz

 

Mit Verlaub , der Beitrag von Herrn Brost & Co. lässt ja zu wünschen übrig ! 1 ) Wie ist diese Grafik zu verstehen bezgl. Deutschland ? Hat man da die Zahlen verwechselt ? Wie dem auch sei , seit ab Spätsommer Massentests in Deutschland laufen ,kommt doch der Verdacht , daß nun hinlänglich all die Dunkelfälle endeckt werden und somit die Statistik bereichern. Wer nun tatsächlich wie und schwer der Einzelfall an Erkrankung  ist , kann daraus überhaupt nicht erkennbar , zumindest wird das garnicht aktualisiert ! Was soll all dieser Alarmismus ? Glaubt man denn wirklich bei all dieser Testerei kommen keine Fehler , warum auch immer , vor – ob das Personal überfordert oder ganz normale Unachtsamkeiten etc. –  ohne den Verantwortlichen daraus die Hölle heiß zu machen – völlig normale Vorgänge ! Aber alle Verlautbarungen hierzu werden doch mit der Aura der Unfehlbarkeit veröffentlicht !

2) Ihre Rezensenten machen sich ja für stärkere Kontrollen stark und setzten Beispiele anderer Länder ! Das sind schlechte Vergleiche denn ein Teil dieser Staaten befindet sich in anderen Klimazonen von denen seitens der Fachleute behauptet ,daß dort die Krankheit nicht so durchschlage – unterstützt , weil hier zu Lande im Sommer die Fallzahlen ebenso geringer als zu Beginn der Pandemie – aber auch das ist ist vage und fragwürdig , weil halt damals noch nicht soviel getestet , ergo die Dunkelziffer gewaltig ! Und bei Allem : So sterbenskrank wurden und werden die Wenigsten . Dazu kommt , daß diese zitierten Staaten und Gesellschaften  seit Epochen von Despoten regiert worden sind – da kann man eine Bevölkerung leicht gängeln ! Ich möchte dort nicht leben, lieber verrecke ich an dieser scheinbar doch nicht so tödlichen Krankheit .

Ihre Schreiber sollten gewiss diese Angelegenheit von dieser Seite her erörtern!  Ich lese seit längerem Ihre Zeitung – alles hochkarätig, jedoch zu diesem Thema lassen Sie scheinbar Leute zu Worte kommen, die mit diesem Herrn Lauterbach & Co in ein Horn blasen . Ich bin ein freier Bürger für mich selbst verantwortlich und lasse mich auch mit meiner Meinung nicht in irgend eine Ecke von Randalierern – genannt Querdenker stecken ; und wenn diese Leute demonstrieren dann haben die auch Fug und Recht dazu ! Stellen Sie sich mal vor Sie bekommen in Ihrem Haus und sonst wo Sie auch sind, im Job und an der Alster eine Fußfessel-APP ….. na dann gute Nacht Deutschland  …. die Stasi lässt grüßen und alle Bösewichter seit Fouchet … der NAZI-SD wäre stolz auf seine Nachkommenschaft …. Ich bi 81 Jahre alt und finanziere meinen Sarg selber. – Klaus Schindler

 

Den ganzen Sommer über haben wir Warnungen vor einer zweiten Welle in Herbst und Winter gehört. Und was passiert? Nichts. Die Politik verschläft den Sommer und notwendige Vorbereitungen: Lernen, wie andere Staaten die Krise erfolgreich bekämpfen?  Fehlanzeige. Ausweitung der Testmöglichkeiten?  Fehlanzeige. Vorbereitungen für schnelle flächendeckende Impfmöglichkeiten?  Fehlanzeige Digitalisierung der Gesundheitsämter? Fehlanzeige FFP2-Masken für Risikogruppen direkt zu Beginn der zweiten Welle? Fehlanzeige Pläne für eine wirksame Kontrolle der Quarantäne? Fehlanzeige Und last not least: Ein tragfähiges, langfristiges Konzept für die zweite Welle? Fehlanzeige.

Statt dessen überhasteter Aktionismus, bundesweites Chaos durch Landesfürsten/-fürstinnen, die alle ihr eigenes Süppchen kochen und ein zweiter Lockdown: Wir werden wieder eingesperrt mit allen sozialen Zumutungen, Existenzen werden vernichtet, die Wirtschaft massiv geschädigt, riesige Geldsummen der nachfolgenden Generation aufgebürdet, und trotz allem wächst die Gefahr, sich anzustecken. Die Politik beschneidet im Namen des Infektionsschutzgesetzes massiv die Grundrechte, aber an die einzig wirksame Maßnahme, die Lockerung des Datenschutzes, traut sie sich nicht ran und nimmt damit in Kauf, dass sich Millionen infizieren, tausende sterben und auch junge gesunde Menschen bleibende Gesundheitsschäden erleiden. So viel Leid könnte durch eine wirksame Corona-App vermindert/vermieden werden! Lockerungen des Datenschutzes sind vorübergehend, der Tod und Gesundheitsschäden nicht. Ich will nicht datengeschützt sterben, sondern datengelockert leben! Lernt endlich von Südkorea, Japan, Taiwan und Australien! HANDELT JETZT! – Elisabeth Buchholz

 

Unsere westeuropäische Auffassung von Demokratie, Freiheit, Daten- und Persönlichkeitsschutz ist tief im politischen System und der Bevölkerung verankert. Wirklich durchgreifende Maßnahmen scheinen da kaum möglich. In Sachen Corona-App nehme ich mich nicht aus, ich habe sie nicht einmal heruntergeladen. Wie viele andere auch. Und die vielen Millionen Downloads spiegeln ja nicht die Nutzerzahlen wider. 68 Millionen Euro hat die Entwicklung der App gekostet, wofür, wenn sie ein zahnloser Tiger ist? Mir war in dem Moment, als in der Entwicklungsphase mehr über Datenschutz als über den Nutzen gestritten wurde, klar, daß ich mich nicht zum Affen machen werde und entgegen meiner Gewohnheiten ein ständig sich in Betrieb befindliches Smartphone mit immer aktiviertem Bluetooth mit mir herumtrage.

Das würde ich tun, wenn der Tiger nicht zahnlos wäre, dann auch entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten, für das höhere Ziel sozusagen. Diese Halbheiten von Entwicklungen und Maßnahmen sowie die stetige Berücksichtigung aller möglichen Befindlichkeiten übrigens erscheinen mir typisch deutsch (oder westeuropäisch?). Klar, da spricht die Demokratie und wer wollte sie missen, aber wir dümpeln seit 8 Monaten in einem nur noch quasidemokratischen Pandemienotstandsinkompetenzverwaltungssumpf, aus dem heraus der zweifelhafte Lichtblick des Impfstoffes hervorblitzt, der die im Sumpf Dümpelnden so sehr blendet, daß sie gar nicht merken, daß ihnen das Wasser schon bis zur Unterlippe steht. – Juliane Duvigneau

 


 

 

 Leserbriefe zu „Endlich immun?“ von Uwe Jean Heuser

 

Hr. Heuser ist rundum euphorisch über den angekündigten Coronaimpfstoff und feiert ihn als großen Erfolg. Nicht nur in Bezug auf einen SARS-CoV2-Impfstoff ist es dringend erforderlich, Bodenhaftung zu bewahren, die nüchternen Fakten zu sichten und sich ein wenig kundig zu machen über Grundprinzipien der Impfstoffentwicklung und prinzipielle Erfahrungen mit neuen Medikamenten. Die seriöse Entwicklung und Erprobung eines Impfstoffes benötigt mehrere Jahre. Ginge es schneller, dann wäre es schon längst üblich, so flott zu sein. Eine sichere Aussage über Wirksamkeit und Verträglichkeit ist nach wenigen Monaten schier unmöglich.

Wenn ein neues Medikament von den zuständigen Behörden zugelassen wurde und auf dem Markt erscheint, dann ist es SEHR wahrscheinlich, dass dieses Medikament keinen Zusatznutzen, oft sogar mehr SCHADEN als Nutzen bringen wird. (Info z.B. beim IQWIG) Man sollte übliche Prinzipien der Vermarktung und Gewinnmaximierung der pharmazeutischen Industrie ein wenig beleuchten (Peter C. Gotzsche, DK, ist ausgewiesener Experte aus dem Herzen der evidenzbasierten Medizin). Es als gute Nachricht zu bezeichnen, dass der Impfstoff auf einer neuen Technologie basiert, die Grundinformationen der Zelle manipuliert, ist kaum nachvollziehbar. Jeder gute Arzt wird, wenn möglich, auf lang bewährte und gut erprobte alte Medikamente zurückgreifen und. aufgrund vieler bitterer Erfahrungen der Medizin, gegenüber neuen Medikamenten sehr zurückhaltend sein.

Eine immens wichtige Grundregel der Medizin, die mit viel Leid für die Menschheit bezahlt wurde und schon lange von klugen Ärzten erkannt wurde, immer wieder eindringlich gelehrt wurde, lautet: Primum nihil nocere. D.h.: auf jeden Fall den Patienten nicht in Gefahr bringen durch die eigenen Maßnahmen, im Zweifel besser gar nichts tun! Das Deutsche Ärzteblatt (nun wirklich nicht impfkritisch) schreibt in einer der letzten Ausgaben schon von der „1. Generation der Coronaimpfstoffe“. Nach dem Motto: Da wird noch nicht so viel Gutes kommen, aber später, später kommt bestimmt etwas Besseres. Und warnt vor großen Erwartungen.

Dieses SARS-CoV-2 hat etliche Eigenschaften, die gegen eine erfolgreiche Impfstoffentwicklung sprechen: Es mutiert (wie grauenhaft, die Tötung dieser Millionen Nerze, um die Impfstoffe zu retten – und wie ohnmächtig eigentlich), es hat einen Haufen anderer Wirte als den Menschen, eine Immunisierung kann zu schädlichen Immunreaktionen des Menschen führen u.a. Nur weil von Beginn an ständig der Glaubenssatz wiederholt wurde, dass nur mittels eines Impfstoffes das Problem gelöst werden könne (und dass dieser Impfstoff dann ja kommen müsse), bedeutet das noch lange nicht die Wahrheit dieses Satzes. – Dr. med. Klaus Niehoff

 

Die Frage „Endlich immun?“ ist bei Berücksichtigung des in den letzten Monaten gesammelten Wissens über Immunität gegenüber dem Virus SARS-CoV-2 nicht leicht verständlich. Natürlich haben wir schon lange eine ziemlich hohe Immunitätsrate in der Bevölkerung. Ehemaliger Pfizer-Wissenschaftsvorstand erklärt: „Zweite Welle“ auf der Basis falsch-positiver COVID-Tests fingiert: „Pandemie ist vorbei“ | Korrektheiten Selbst die hohen Positiv-Testzahlen in diesem Herbst zeigen doch auch, dass das Immunsystem in der Bevölkerung dabei ist, das Virus zu besiegen. Dass die Zahl der Atemwegserkrankungen in jedem Herbst immer wieder stark ansteigt, ist ein bekanntes, bedauerliches Phänomen. Wir haben nun mal keine eindeutig standardisierten, validierten und konsequent durchgeführten Testprozesse, um jede einzelne Virusart und alle Keime genau zahlenmäßig zu erfassen.

Doch darüber sollten wir all die positiven Fakten nicht vergessen, die für eine sehr hohe Immunität in der Bevölkerung sprechen (z.B. kreuzreaktive T-Zellen-Immunität) Cross-reactive memory T cells and herd immunity to SARS-CoV-2 | Nature Reviews Immunology / 81 Prozent der Deutschen sind vermutlich immun gegen Sars-Cov-2 – Corona Transition / Coronavirus: Test for Covid-19 T cells immunity developed – BBC News / Wirtschaftsforum 2020 – Prof. Dr. med. Hendrick Streeck – YouTube Prof. Streeck, der führende deutsche Virologe und SARS-C0V-2-Experte mit Feldstudienerfahrungen (z.B. Heinsberg-Studie) machte beim Wirtschaftsforum deutlich: „Die wenigsten wissen, dass viele der respiratorischen Viren auch über die gleichen PCR-Systeme diagnostiziert werden und es kommt jetzt die Grippe-Saison. Rhinoviren sind im Aufmarsch, der banale Schnupfen, und wir werden es nicht mehr diagnostizieren können. Die Testungen werden explodieren, wenn wir nicht nur noch anlass- und symptombezogen testen …“

In beiden Fällen sind Anti-Corona-Maßnahmen kontraproduktiv und verursachen darüber hinaus irreversible Folgeschäden. Nützen würde nur der wirklich humane, professionelle und mit unseren Steuergeldern gut ausgestattete Schutz von Immunschwachen und die verstärkte Förderung des Immunsystems mit entsprechenden Testungen der T-Zellen-Immunität. Das Allerwichtigste dabei ist das sofortige Ende der Panikmache. Lachen und Freude stärken wissenschaftlich nachweislich das Immunsystem. In seinem Buch „The Beautiful Cure“ (Die schöne Heilung) schreibt der Immunologe Prof. Dr. Daniel Davis über die sichere wissenschaftliche Evidenz, „dass Leute, die über lange Zeit unter Stress stehen, verstärkt unter viralen Infektionen leiden.“ Medien und Parteien müssten jetzt aufstehen, um den falschen Kurs zu stoppen. Der Bürger kann und darf es in der Zeit der Notverordnungen und Grundgesetzeinschränkungen nicht mehr.

Erst die WHO, dann die Medien, nun die Politik. So könnte man den unaufhaltsamen Zug und Strom schildern, der sich jetzt in den letzten Wochen in vielen Varianten, aber in eine Richtung aufmacht: Schutz der Immunschwachen und Berücksichtigung aller Menschen und Lebensbereiche, statt Starren auf Infiziertenzahlen und Panikmache. Ein großer Teil der kritisch denkeden Bevölkerung akzeptiert es immer weniger, dass alte Medien und Politik mit Hilfe der Corona-Zahlen langfristig auf Angst gesetzt haben, statt auf umfassende Information, wie sie in Hunderten von Quellen, Kanälen und Stellungnahmen von Tasuenden von Experten zu finden ist. Der Unzufriedenheit mancher besorgter Bürger kann man mit Aufklärung, klar definierten Begriffen und mit Zahlen begegnen, die in deutlich beschriebene Bezüge gesetzt werden. Panikmache hat genug Schaden angerichtet. Mitleid, Empathie, umfassendes Denken, ein Blick und ein Herz für den anderen sind jetzt gefragt. Und die begrenzten Ressourcen müssen zum Schutz der Immunschwachen, Schwerkranken und der Geschädigten eingesetzt werden.

Die Medien haben jetzt eine einmalig schöne Chance, ja, sie haben es in der Hand, jetzt eine entscheidende Wende in Richtung Aufklärung, kontextbezogene Wissenschaft, Freiheit und Demokratie durchzuführen. Sehr viele Medien haben in den letzten Wochen schon damit begonnen.“ Die WHO hat das Umdenken schon vor einigen Wochen umgesetzt. Sie sprachen davon, dass 1/10 der Weltbevölkerung infiziert war bzw. ist. SARS-CoV-2 hat  in Bezug auf die Zahl der wissenschaftlich hochgerechneten Infiziertenzahlen bei etwas über 1,3 Mio Toten bei einer Bevölkerung von 7,8 Milliarden Menschen (10 % = 780 Mio) eine Letalitätsrate von ca. 0,17 %.  Eine solche Todesrate spricht nicht für einen Killervirus, sondern für eine extrem hohe Immunität (z.B. kreuzreaktive T-Zell-Immunität u.a.). Es ist bei diesen Zahlen natürlich zu berücksichtigen, dass man hierbei leider natürlich keine allgemein angewandten vergleichbaren, validierten, standardisierten Verfahren benutzen konnte, die klare Aussagen zu den jeweiligen Erkrankungs- und Todesarten zugelassen hätten.

Die WHO veröffentlichte auch eine Metastudie des international bekannten, hervorragenden Epidemiologen und Metawissenschaftlers John Ioannidis mit einer medianen Sterberate weltweit von 0,23 %. WHO: Ten percent of world’s population may have had virus – YouTube Die WHO warnt die Regierungen verzweifelt vor weiteren Lockdowns: WHO: Lockdowns Make “Poor People and Awful Lot Poorer” | Boots & Sabers Die Positiv Getesteten steigen jetzt in der Herbstsaison aus verschiedenen Gründen. ARD extra: Die Corona-Lage | ARD Mediathek Die Oppositionsparteien FDP, Linke und AFD wenden sich gegen die Lockdown-Politik, Grüne fordern Einbeziehung des Parlaments.  Corona-Maßnahmen: Mehrere Parteien kritisieren Vorschlag des Bundes | GMX Weltweit zeigen die Zeichen der Zeit auf das wissenschaftlich-behutsame System: Virus und Gesellschaft – Eröffnung der phil.cologne 2020 mit Markus Gabriel und Hendrik Streeck – YouTube / Wirtschaftsforum 2020 – Prof. Dr. med. Hendrick Streeck – YouTube / Great Barrington Declaration Die ARD-Extra Sendung vor ein paar Wochen mit Interviews mit Prof. Streeck, Prof. Ulrike Heudorf, Prof. Thorsten Bauer und dem Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Andreas Gassen hatte ab der zweiten Hälfte des Videos deutlich darauf hingewiesen. Klaus Reinhardt, der Präsident der Deutschen Ärztekammer, bezeichnete die Maskenpflicht als Vermummungsgebot.

Wenn viele Zeitungen bisher noch schrieben: Die Infektionszahlen explodieren, suggeriert das für viele Leser: Positiv Getestete gleich schwer Kranke gleich potentielle Covid-19-Tote. Wegen der Messfehler, der fehlenden Berücksichtigung der zur Erkrankung notwendigen Viruslast und der Nichtberücksichtigung der sehr hohen Immunität innerhalb der Bevölkerung sind die Zahlen der Covid-19-Schwererkrankten sehr viel geringer als die der positiv Getesteten. Das WHO zeigt ja weltweit eine durchschnittliche Sterbequote von 0,23 % der Infizierten – auf Grundlage der Metastudie von Prof. Dr. Ioannidis. Wir müssen einfach von der Panikmache weg. Ich wünsche, dass sich alle Journalisten die Kurven selbst anschauen. Lesen Sie auch Our World in Data und Worldometer, dann haben Sie auch die internationalen Zahlen. Bezüglich der Übersterblichkeit zeigt sich zunächst in der Statistik „Our World in Data“ für Deutschland in der Graphik: Excess mortality during COVID-19: The raw number of deaths from all causes compared to previous years, dass keine Gesamtübersterblichkeit vorliegt.

Ein Peak im August im Jahr 2020 lässt sich nicht auf Covid-19 zurückführen, weil dort weniger Covid-19-Patienten gestorben sind. Siehe auch ARD-Extra-Sendung über Corona und die entsprechenden Graphiken. Eine geringere Zahl an Toten aufgrund von Corona-Maßnahmen lässt sich natürlich nicht auf dem Weg der allgemeinen Sterbe-Graphik nachweisen. Dazu müssen schon genaue relevante Einzelstatistiken über alle anderen Todesarten betrachtet werden. Herr Prof. Streeck verweist bei seinem Gespräch mit dem Philosophen Markus Gabriel und auch auf dem Wirtschaftsforum auf die Notwendigkeit, eine Gesamtsicht zu entwickeln. Virus und Gesellschaft – Eröffnung der phil.cologne 2020 mit Markus Gabriel und Hendrik Streeck – YouTube / Wirtschaftsforum 2020 – Prof. Dr. med. Hendrick Streeck – YouTube

Selbst die Covid-19-Opferzahlen müssen laut WHO sehr differenziert gesehen werden. Sie weisen in ihren Graphiken darauf hin: „challenges in the attribution of the cause of death means that the number of confirmed deaths may not be an accurate count of the true number of deaths from COVID-19“. Der Experte und Bestsellerautor Prof. Bhakdi schätzt zum Beispiel, dass etwa ein Fünftel der offiziellen Toten wirklich an Covid-19 verstorben sein könnten. Was vor allem fehlt, ist eine Diskussionsbereitschaft, die sich der Versuchung verweigert, andere Positionen zu diskrimieren und in irgendeine Ecke zu stellen. Da gibt es immer noch das eine oder andere Totschlagargument, das jeden Erkenntnisgewinn durch Meinungsaustausch unmöglich macht. Man sieht diese Haltung bei jedem Vermerk unter Videos, der darauf hinweist, dass man richtige Daten nur von einer bestimmten Stelle bekommt.

Das ist einer Demokratie unwürdig. Bei allen unterschiedlichen Varianten gibt es aber zwei sehr unterschiedliche Ansätze. A) Der Versuch des totalen Containments (Eindämmung), der bei Killerviren absolut nötig, bei solche Viren wir SARS-Cov-2 nach Aussage vieler Experten aber nicht zielführend ist. Prof. Ioannidis wies einmal darauf hin, dass er bei einer Lethalitätsrate (Sterberate in Bezug auf Infiziertenzahl) in der Größenordnung, die offiziell angegeben wurde, sich zu Hause an seinem Kühlschrank anschmieden würde. Auch die WHO hat sich neulich hinter die Metastudie von Prof. Ioannidis gestellt, die zeigt, Covid-19 hat eine mediane Sterblichkeit von 0,23 % der Infizierten. Es ist also definitiv kein Killervirus, wie wir es von anderen kennen. Ioannidis und Streeck und Hunderte andere Experten sagen das seit Monaten!!!!! Und sie wurden dafür verleumdet, ignoriert, als Verharmloser dargestellt usw.

Die WHO sieht die schrecklichen Folgen der Lockdowns: WHO: Lockdowns Make “Poor People and Awful Lot Poorer” | Boots & Sabers „WHO: Abriegelungen machen ‚Arme Menschen furchtbar viel ärmer‘. Einige von uns sagen dies seit nunmehr acht Monaten. Die Weltgesundheitsorganisation ist von ihrer ursprünglichen COVID-19-Haltung zurückgetreten, nachdem sie die Staats- und Regierungschefs der Welt aufgefordert hatte, die Abriegelung ihrer Länder und Volkswirtschaften zu beenden. Dr. David Nabarro von der WHO appellierte gestern an die Staats- und Regierungschefs der Welt, damit aufzuhören, „Lockdowns als primäre Bekämpfungsmethode“ gegen das Coronavirus einzusetzen. Er behauptete auch, dass das Einzige, was durch den Lockdown erreicht werde, die Armut sei – ohne dass die möglicherweise geretteten Leben erwähnt würden.

„Lockdowns haben nur eine Konsequenz, die man niemals unterschätzen darf, und das ist, arme Menschen um ein Vielfaches ärmer zu machen“, sagte er. „Wir in der Weltgesundheitsorganisation treten nicht für Lockdowns als primäres Mittel zur Kontrolle dieses Virus ein“, sagte Dr. Nabarro gegenüber dem Spectator. Außerdem sind die offiziell berichteten Zahlen auch sehr oft irreführend. Die Zahlen der Covid-19-Toten sind inzwischen völlig abgekoppelt von den Zahlen der Infizierten. Die Zahlen der Positiv Getesteten sind völlig abgekoppelt von den Zahlen der wirklich Erkrankten usw. Mit den Zahlen wird auch heute noch, jeden Tag, Angst gemacht. Neulich las ich in einer Zeitung: „Merkel will in der Gastronomie hart durchgreifen“. Aufgrund von Zahlen, die nichts darüber aussagen, ob die Leute falsch positiv getestet wurden, wie hoch die Viruslast war, und die durchaus mit Zahlen anderer, evtl. auch starker Grippewellen zu vergleichen sind. 2017/18 hatten wir eine Übersterblichkeit, die in Deutschland mit 25000 Toten der Influenza zugeordnet wurde.

Wir dürfen nicht vergessen, dass in Deutschland 950.000 Menschen jährlich sterben, etwa 2500 täglich, und auch der Anteil an Atemwegserkrankungen bei diesen Menschen ist nicht gering. Prof. Streeck wies neulich auf dem Wirtschaftsforum darauf hin: „Die wenigsten wissen, dass viele der respiratorischen Viren auch über die gleichen PCR-Systeme diagnostiziert werden und es kommt jetzt die Grippe-Saison, Rhinoviren sind im Aufmarsch, der banale Schnupfen und wir werden es nicht mehr diagnostizieren können. Die Testungen werden explodieren, wenn wir nicht nur noch anlass- und symptomlos testen…“ Das sind klare Aussagen, die sollten die Medien verbreiten. Sie sollten auch die Meinung der Leserschaft widerspiegeln und nicht mehr unterdrücken. Prof. Streeck, Prof. Ioannidis, Prof. em. Bhakdi haben seit Beginn des Corona-Fiaskos im Wesentlichen immer dasselbe gesagt, wenn auch mit einigen Varianten, die ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Aufgaben geschuldet sind, die aber in der Hauptdiskussion weniger relevant sind.

Die Entwicklung der Pandemie hat sie tausendfach bestätigt. Im Wesentlichen haben Sie auf Schutz der Immunschwachen und Förderung unseres Immunsystems gesetzt und vor der Panikmache und dem Versuch der totalen Eindämmung gewarnt, wie inzwischen Tausende von Experten. Siehe auch als ein Beispiel von sehr vielen anderen: Great Barrington Declaration Tausende von Experten weltweit weisen auf die enormen Schäden und Verluste an ideellen Werten, Menschlichkeit und Menschenleben (wahrscheinlich  Hundertmillionen, die z.B. in den ärmeren Ländern sterben oder Hungersnöte leiden, weil ihnen als Werkbank der reichen Länder plötzlich die Lebensgrundlage entzogen wurde und weiterhin wird), wenn wir mit dem Containment (Eindämmung) fortfahren. Das ist bitter ernst. Jeder weitere Tag Containment erzeugt unendlich viel Leid.

B) Der zweite Weg ist der sehr humane Schutz von Immunschwachen. Da könnten wir als Steuerzahler, deren Gelder der Staat verwaltet, schon einige Milliarden einsetzen, um den Immunschwachen das Leben angenehmer zu machen. Einfach brutal isolieren ist doch unmenschlich. Aber da fehlt es in den Alten- und Pflegeheimen an Geld. Insgesamt spricht die Kanzlerin von 1,5 Billionen, die die Pandemie kostet (ca. 4 Bundesjahreshaushalte), und da fallen doch ein paar Milliarden für humanen Schutz von Immunschwachen und Unterstützung von Hunderttausenden, die ihre Lebensgrundlage verlieren, kaum ins Gewicht. Die Behandlung der Kranken muss auch Priorität haben. Wir wichtig z.B. die kreuzreaktive T-Zellen-Immunität ist, die wir vernachlässigt haben, habe ich schon angedeutet.

Es gibt viele Studien, und es wird manchmal von 80 % Immunität gesprochen, und die nötige Herdenimmunität zur Eindämmung der Ausbreitung könnte evtl. 43 % betragen, was natürlich von Experten aller Couleur zu überprüfen ist.  Virulenz – Immunität – PCR-Tests: Wie gefährlich ist Corona? (Clemens Arvay) – YouTube / Biologe enthüllt massive Gefahren der Corona-Impfung und der Zulassung nach Bill Gates! (C. Arvay) – YouTube / Corona-Studie aus Stanford: Mehr Tote durch Lockdown als durch Corona? – YouTube Warum verbreiten die Redakteure nicht viel mehr diese hoffnungsmachenden Fakten über unser Immunsystem? Wenn wir keine Kontakte mehr haben, verlieren wir natürlich auch unsere Immunität. Viele ältere Immunschwache haben eine geringere Immunität, weil sie keine Kontakte oder wenige haben. Die Eindämmungsmaßnahmen sind in dieser Phase offensichtlich sehr kontraproduktiv.

Innerhalb der Immunitätsbetoner muss es und darf es unterschiedliche Meinungen gaben. Aber sie sind alle meilenweit entfernt von den Versuchen der totalen Eindämmung. Sie scheitert bei diesem Virus, wie Neuseeland jetzt auch wieder gezeigt hat. Die Schäden und Toten der Eindämmungsversuche überschreiten langfristig die Opfer des Virus um ein Vielfaches. Ich freue mich schon darauf, dass ich in der ZEIT hoffentlich bald eine ganze Reihe von evidenzbasierten, hoffnungsmachenden Artikeln finde. Fordern Sie als Journalisten dringend Studien und Testungen zur kreuzreaktiven und allgemeinen SARS-C0V-2-T-Zell-Immunität und sorgen Sie bitte mit jedem entsprechenden Artikel dafür, dass endlich die Panik aus der Bevölkerung herausgenommen wird. Ich wünsche mir, dass alle Journalisten, die irgendetwas über Corona schreiben, sich ausführlich informieren – über alle Seiten und Aspekte.

Da sind natürlich ein paar hundert Extrastunden Recherche schnell mal fällig. Aber das ist die Sache wirklich wert. Das machen ja auch unzählige Privatbürger, die sich umfassend informieren und bei ihren Schlussfolgerungen unterschiedliche Prämissen berücksichtigen und ihre kohärenten und logisch konsequenten Schlussfolgerungen an der Wirklichkeit messen. Sie retten dann in der Summe sicher sehr viele Menschenleben. Knapper als der folgende Kurzbericht kann man einige wesentliche Punkte einer solchen Recherche kaum zusammenfassen: Kurzbericht Corona-Ausschuss 14-09-2020.1.3.pages – Kurzbericht_Corona-Ausschuss_14-09-2020-1-4.pdf Ich gehe mal davon aus, dass dies ein Arbeitspapier für jeden kritischen Journalisten ist, der selbstverständlich auch Quellen recherchiert, die nicht dem Standard entsprechen. Allein auf den Impfstoff setzen, ist nach Prof. Streeck nicht evidenzbasiert. Der Impfstoff soll ja Immunität bringen. Aber die schon vorhandene Immunität, die auch Bill Gates in einem „The Economist“-Interview ansprach, wo er auch eine Durchimpfung der Bevölkerung nicht für erforderlich hielt, dürfen wir doch nicht vernachlässigen.

Der Impfstoff kann nicht unsere alleinige Hoffnung sein, wie Herr Prof. Streeck immer wieder betont. Sehr gut geht auch der sehr erfahrene Experte Prof. Bhakdi in seinem Buch „Corona False Alarm“ in einer Ergänzung zu seinem deutschsprachigen Dauerbestseller „Corona Fehlalarm“ auf T-Zell-Immunität und Impfung ein. Aufgrund der vorhandenen T-Zell-Immunität kann ein Impfstoff sogar sehr gefährlich sein. Bisher brauchte die Entwicklung von Impfstoffen in der Regel 7-11 Jahre. Warum sollte das bei einem völlig neuen System, einer genetischen Impfung, anders sein? Das muss auf jeden Fall sehr differenziert und ausgewogen betrachtet werden. Ich hoffe, dass jeder Medienschaffende das Buch Corona False Alarm studiert hat. Tausende von Wissenschaftlern und Experten weltweit haben auf die Kommunikationsprobleme in der offiziellen Widergabe von Zahlen hingewiesen.

Es macht keinen Sinn, wie Herr Prof. Streeck immer wieder betont, allein auf die Infiziertenzahlen zu starren. Als vor ein paar Wochen die ARD-Extra-Sendung mit Interviews mit Professor Thorsten Bauer, Herrn Gassen, Prof. Dr. Streeck und Prof. Dr. Ulrike Heudorf herauskam, dachte ich schon, die Medien hätten die Botschaft der Experten aus allen Fachgebieten verstanden: Bei diesem Virus muss der Fokus der Strategie vom unerreichbaren Containment (Eindämmung) des Virus auf eine Strategie der Förderung des Immunsystems, des sehr humanen und psychologisch ausgereiften Schutzes der Immunschwachen und der professionellen und humanen Behandlung der Patienten umgelenkt werden. Herr Prof. Streeck weist in den Talkshows seit Anfang des Jahres auf eine wissenschaftliche Vorgehensweise zu dieser Krise hin. Er warnte immer wieder vor Panikmache und Folgeschäden einer einseitigen Betrachtungsweise. Auch Prof. Ioannidis, dessen von der WHO neulich weitergegebene und unterstützte Metastudie von einer durchschnittlichen weltweiten Sterberate von 0,23 % spricht, hatte von Anfang an vor Panik gewarnt.

Vergleichen Sie das mit den 25000 Grippetoten in Deutschland 2017/18. Zu den Folgeschäden könnte man noch viel sagen: Die ILO (UN-Organisation) warnte schon im April davor, dass durch die undifferenzierten Lockdown-Maßnahmen 1,6 Milliarden weltweit ihren Lebensunterhalt verlieren. Creditreform warnte im August in der WELT vor dem drohenden Szenario von 800.000 Zombie-Unternehmen in Deutschland. Vergessen wir nicht die 1,5 Billionen Folgekosten der Pandemie für die BRD, die die Kanzlerin neulich bekannt gab! (Das sind ca. 4 Jahres-Bundeshaushalte.) Zu der Thematik T-Zell-Immunität (kreuzreaktiv und durch SARS-CoV-2 erworben) habe ich in den offiziellen und inoffiziellen Medien folgende Beobachtungen gemacht: 1) Ich habe den Eindruck, dass man bezüglich der Immunität gegen SARS-CoV-2 seit Monaten fast nur nach Antikörpern sucht. Zur Zeit läuft eine große Antikörper-Studie des Helmholtz-Instituts. Warum? Man weiß doch längst, dass bei SARS-CoV-2 die Antikörper, wenn man welche entdecken kann, wenig zahlreich und dauerhaft sind?

2) In vielen Studien und Untersuchungen über diese T-Zell-Immunität finde ich sehr positive Hinweise auf ihre Bedeutung, Studien sprechen von 40-80 % Immunität. John Lee – Studies show that 40% to 80% of people have T-cell cross-reactivity to this coronavirus – YouTube / Coronavirus: Test for Covid-19 T cells immunity developed – BBC News / COVID 19 Immunity Research. You could be IMMUNE to COVID – YouTube / Wissenschaftler decken Beweise dafür auf, dass in der Allgemeinbevölkerung bereits eine bestehende COVID-19 / SARS-CoV-2-Immunität vorliegt – Nach Welt / SARS-CoV-2 and the impact of cross-immunity from other viral exposures | Rhonda Patrick – YouTubetesting of cross reactive „SARS-CoV-2“ t-cell immunity – Google Scholar 4) Es gibt auch viele Hinweise im Internet, dass diese T-Zell-Immunität nun einfacher testbar ist als früher. Bengaluru doctors develop test to detect warrior T cells, could determine who gets vaccine first / Neuer Test auf Corona-spezifische T-Zellen bestimmt Immunität binnen 24 Stunden

5) Manchmal wird aber auch darauf hingewiesen, dass sie für die Erreichung einer Herdenimmunität vielversprechend sein kann. 6) Nach Aussage der WHO soll ein Zehntel der Weltbevölkerung (ca. 780 Mio) infiziert sein. Bei 1,3 Mio Toten bis jetzt wäre das eine Rate von 0,17 Prozent. WHO: Ten percent of world’s population may have had virus – YouTube / Corona: Neue WHO-Studie überrascht Experten – So tödlich ist das Virus wirklich | Welt Was ist mit den übrigen 99,83 Prozent, von denen ein sehr hoher Prozentanteil nicht als erkrankt oder schwer erkrankt entdeckt wurde? 81 Prozent der Deutschen sind vermutlich immun gegen Sars-Cov-2 – Corona Transition / Meta-Studie: Coronavirus ist weniger tödlich als bisher angenommen | GMX Haben diese Menschen kreuzreaktive oder erworbene T-Zellimmunität gegen SARS-C0V-2? Nach derWorldometer-Statistik haben viele Länder Ostasiens und Afrikas z.B. 100 bis 1000 Mal WENIGER SARS-C0V-2-Tote pro Mio. Einwohner als Industrieländer Europas und Nordamerikas mit hartem Lockdown. Kann man das durch kreuzaktive und andere T-Zellen-Immunität erklären? Müsste da nicht eine hohe Immunität vorhanden sein? Was bedeutet das für uns im Umgang mit unserer Immunität? Was machen wir im Westen falsch? Was bedeutet das für diese, oft sehr armen Ländern in Bezug auf wirtschaftliche Einschränkungen, die ihre ohnehin prekäre wirtschaftliche Situation verschlimmern?

8) Nach der neuen Metastudie, die das WHO bekannt gegeben hat, beträgt die SARS-C0v-2-Sterblickeitrate weltweit durchschnittlich 0,23 %. Was ist mit den restlichen 99,77 % der Infizierten, die nicht schwer erkrankt sind? Das weist auf eine sehr hohe kreuzreaktive T-Zell-Immunität. COVID 19 Immunity Research. You could be IMMUNE to COVID – YouTube 9) Warum wird T-Zell-Immunität sowohl in offiziellen als auch inoffiziellen Medien so wenig thematisiert? John Lee – Studies show that 40% to 80% of people have T-cell cross-reactivity to this coronavirus – YouTube Eine hohe T-Zell-Immunität in der Bevölkerung wäre ein wichtiges Argument, die Politik des Versuchs des Containment (der Eindämmung) und der Ausrottung des Virus zu beenden und sich auf den sehr humanen Schutz von Immunschwachen und der optimalen Versorgung der Kranken zu konzentrieren.

Einfachere Testverfahren für T-Zell-Immunität gibt es bereits. Deren Entwicklung und Anwendung sollte beschleunigt werden. Man benötigt außerdem schnellstmöglich weitere belastbare wissenschaftliche Aussagen über T-Zell-Immunität. Schnellstmöglich durchgeführte Tests und Studien über Tests der kreuzreaktiven und erworbenen T-Zell-Immunität gegen SARS-CoV-2 könnten die Angst nehmen und helfen, weitere unermessliche Folgeschäden der Angst zu vermeiden oder zu verringern. Coronavirus: Test for Covid-19 T cells immunity developed – BBC News / Emerging Data Support Lasting COVID-19 Immunity Via T Cells | Contagion Live / Jay Bhattacharya – Test and tracing is a mistake: only creates panic – YouTube Kommen wir weg von der Panikmache und retten wir so viele Leben und Lebensgrundlagen wie irgend möglich, indem wir die eigene Immunität der Menschen fördern und die Immunschwachen so menschlich wie irgend möglich schützen. – Gerhard Jahnke

 

Wenn schon Framing, dann doch bitte nicht derart plump. Die Frau des “Migrantenehepaars” ist in Deutschland gebürtig, der Mann vierjährig mit seinem Vater nach Deutschland gekommen. Beide haben also praktisch ihr ganzes Leben hier verbracht, nach dem Abitur Medizin studiert und Karriere gemacht. Ich glaube, dass sie selbst die Bezeichung “Migrantenehepaar“ als herabsetzend empfinden würden und schon gar nicht für ein Loblied auf Migration instrumentalisiert werden möchten. – Gerhard Reinelt

 

Wer immer bei Ihnen dafür verantwortlich ist, was hat Sie geritten, dieses dumme und unqualifizierte Geschwafel von Herrn Heuser auf die Titelseite zu nehmen? Ein Text, der von Un- und Halbwahrheiten strotzt, der der „Bild-Zeitung“ entnommen sein könnte. Das ist mehr als unter dem Niveau der ZEIT. Auch im Hinblick auf ihren ausgezeichneten Leitartikel des Wirtschaftsteils, in dem die Problematik sehr genau beschrieben ist, wie weit der Weg zu einem Einsatz des Impfstoffes noch ist – wenn er überhaupt zu einem (hoffentlich guten) Ende führt. Vielleicht liest Herr Heuser das ja mal….

Was aber auch in diesem Artikel fehlt ist eine Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass es sich bei dem Impfstoff um ein genverändertes Erzeugnis handelt. Bis vor kurzen wäre das nach dem europäischen Gentechnik-Gesetz nicht zulassungsfähig. Die jüngste Änderung ermöglicht es jetzt, dass Menschen als Versuchskaninchen benutzt werden dürfen. Was immer, insbesondere langfristig, dies für Folgen haben mag. Die Freilassung in die „Natur“ ist nach wie vor verboten. Aber Herr Spahn mit den ihm zugebilligten „Ermächtigungsgesetzen“ (hatten wir so was nicht schon mal?) wird es schon richten. Wo steuert Deutschland hin?? – Siegfried Handke

 

Ihre Adventsstimmung in Bezug auf einen Corona-Impfstoff erscheint mir ein wenig verfrüht. Klar, es ist erfreulich, dass das deutsche Unternehmen Biontech und sein Partner, der US-Pharmakonzern Pfizer, ein vielversprechendes Zwischenergebnis melden konnten: ihr RNA-Impfstoff soll einen 90-prozentigen Infektionsschutz bieten. Doch die Daten, anhand derer unabhängige Experten eine Überprüfung vornehmen können, sind noch unter Verschluss. Deshalb gibt es auch viele offene Fragen: Wie steht es mit der statistischen Absicherung? Werden durch die Impfung bestimmte Bevölkerungsgruppen besonders gut geschützt, andere weniger. Wie lange kann ein möglicher Impfstoff schützen?

Die neuartige RNA-Technologie ist es aber auch, die den Umgang mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer zu einer logistischen Herausforderung werden lässt. Haltbarkeit während des Transports und der Lagerung sind nur im gefrorenen Zustand bei rund minus 70 Grad sichergestellt. Den Menschen in den armen Teilen der Welt dürfte die sehr anspruchsvolle Logistik einen Zugang zu dem neuen Mittel außerordentlich erschweren. – Prof. Dr. Wolfgang Hachtel

 

Im obigen Artikel suchte ich vergeblich nach einem Hinweis auf die Ironie dieses Artikels. Der Artikel liest sich wie ein Werbeprospekt der Pharmaindustrie.  Es gibt bessere Recherchen. Ich selbst bin im Gesundheitswesen tätig und würde mir niemals freiwillig solch einen ungeprüften Impfstoff verabreichen lassen. Gewöhnlich dauert die Zulassung min. 5 Jahre, Langzeitbeobachtung eingeschlossen.  Man konnte in den Medien von heftigen Erkrankungen bis hin zum Todesfall der Probanden lesen. Dabei wurde bisher nur eine Impfung verabreicht, zwei sollen es werden. Im Übrigen würde es lange dauern, bis so viele geimpft wären, dass eine Herdenimmunität hergestellt ist.

Wollen wir so lange nicht leben, wie wir das im Moment tun? Möglicherweise gibt es die Herdenimmunität bereits vorher. Im Übrigen sagte H. Wieler vor einiger Zeit, dass nicht bekannt ist, wie der Impfstoff wirkt, ob er wirkt.  Die Impfstoffe, die im Rennen um die Zulassung vorne liegen, sind solche die in unsere RNA und DNA eingreifen, man weiß um die Folgen: nichts! Wer gerne Versuchskaninchen sein möchte: Freiwillige vor. Außerdem sagt selbst die WHO, dass dieses Virus doch nicht so gefährlich sei, wie zu Beginn angenommen. Die meisten der Erkrankten werden wieder gesund, die Sterberate liegt bei 0,1.% Eine derart schlechte, einseitige Recherche habe ich in der ZEIT nicht erwartet. Ein Grund, nun das Abo zu kündigen. – Monika Vey

 

Jean Heuser, ein angepasster, kritikloser Impfwerber mehr. Ich verstehe den heutigen Journalismus nicht mehr. Nicht die akribische Recherche, das Hinterfragen von sogenannten Fakten und das Abwägen des für und wider steht im Vordergrund journalistischer Arbeit, sondern ein dem Mainstream und seinen Manipulierern angepasster Verbreitungsjournalismus, der den mitfinanzierenden Milliardären der Impfstoffproduktion, durch ihre nicht hinterfragte Impfwerbung, fette Gewinne verschafft. Diese Gelder werden dann, für weitere, die Politik beeinflussende Eigeninteressen jeglicher Art, zum Einsatz kommen. Die wichtige Frage lautet nicht, „Endlich immun?“, sondern wann werden Journalisten gegen jede Form von Beeinflussung endlich immun? Die eigentliche Frage lautet: Wer verdient Milliarden an dem Impfstoff-Großeinkauf, wer hat davon vorzeitig gewusst und wer hat sich vorzeitig entsprechende Aktien besorgt. – Eckhard Adler

 

Welch ein glücklicher Mensch muss ich doch sein: Ich werde von und mit Premium-Medien verwöhnt, einmal NZZ und dann noch die „Zeit“. Dort finde ich viele erhellende Artikel. Aber es gibt auch decouvrierende Artikel, bei denen man sofort merkt, wohin die Redaktion marschiert und mich marschieren lassen will. Etwa: Die Firma Biontech und der von ihr entwickelte Impfstoff, von dem die Gazetten voll sind, soll Anfang 2021 zur Verfügung stehen; was das auch immer heißen mag (Produktion von milliardenfachen Dosen, Verteilungsprozess, Transport, Logistik, Impfung…….etc.).

Aber die NZZ zitiert einen gewissen Thomas Strüngmann (Erinnerung gefällig: Hexal-Milliardär?) der sagt, er vertraue dem Impfstoff voll und ganz. „Er wurde bisher an fast 22000 Probanden getestet. Keiner hat meines Wissens bis dato schwerwiegende Nebenwirkungen gezeigt.“ Ach so, dieser Herr Strüngmann ist inzwischen Mikrobiologe/Virologe von Weltruf geworden?! Wenn ich richtig gelesen habe, beruhen die ermutigenden Ergebnisse auf einer verschwindend geringen Zahl von Probanden-Auswertungen; und die Probanden sollen demnächst auf mehr als 40000 ansteigen……demnächst. Woher hat dieser Mensch seine Informationen?! Und überhaupt: Wie kann die NZZ den als Gewährsmann zitieren, wenn man weiß, dass der hochinvestiert ist in der Fa. Biontech. Der will doch nur seinen Reibach machen, herbeireden, wie immer!

Aber die NZZ ist nicht allein auf schlüpfrigem Pfad. Das Premiumblatt „Zeit“ titelt: „Endlich immun?“ Und in der Unterschrift: „Der Impfstoff ist ein großer Erfolg im Kampf gegen Corona – auch einer für Deutschland und seine Migranten.“ Er wird als „der Anfang vom Ende der Pandemie“ beschrieben, vollmundig. Schon die Frage (Endlich immun?) ist verführerischer „Fake“! Klar ein Erfolg, aber muss nationalistisch für Deutschland gerufen werden?! Und der Anfang vom Ende de Pandemie ist glatt gestaltete Halblüge! Das erinnert mich an den Abschied des braven Soldaten Schweijk:…….bis nach dem Krieg um 6.

Und dann dieser Migranten-Fetischismus. Kommt den Zeit-Journalisten gerade recht…..“ein junges deutsches Migrantenehepaar“…….sind die Gründer. Noch so ein Fetisch: Gründer. Diese beiden haben wenig mit Migrantensein zu tun. Und wie heißt es so schön im Deutschen: Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling. Die Millionen Migranten, aus denen nichts wird, da sie nicht wollen, nicht können, erdrücken die paar Schwalben! Aber egal, her mit dem Heiligenschein für Migranten! – Hans Baeuerle

 

Ein breiteres Meinungsspektrum abbilden, war und ist meine Bitte an „Die Zeit“. Danke also, dass im Wirtschaftsteil einige kritische Fragen gestellt wurden, eine weitere besonders folgenreich: Wenn durch die neue genetische Technologie der eigene Körper des Geimpften die Teile des zu zerstörenden Viruses herstellt und dann die erwünschte Immunreaktion mit Zerstörung der Viren produzierenden Zellen kommt, wie verhindern BioNTech, Pfizer und alle Pharmafirmen, die auf die neue Technologie setzen, eine Autoimmun-Erkrankung? Wenn die genetisch veränderten körpereigenen Zellen in der Zehe sitzen, entsteht kein Problem, wenn die Geninformation aber im Rückenmark oder im Stammhirn landet und der Körper dann diese Zentren auch angreift?! Darauf hätten ich und sicher alle Impfwilligen gerne eine konkrete Antwort von den Pharmafirmen und noch viel besser von unabhängigen Sachverständigen. – Dr. Johannes Reintjes

 

Ich muss davon ausgehen, dass Sie den Leitartikel im Wirtschaftsteil immer noch nicht gelesen haben. Nun hier die Fakten: „der Impfstoff hat die lange Rüttelstrecke mit Bravour bestanden“ Fakt ist, dass, um einen einigermaßen sicheren Impfstoff herzustellen, zu testen und zuzulassen eine Zeit v on mehreren Jahjren erforderlich ist und nicht von nur 8-9 Monaten. „Er schützt offenbar in unerwartetem Ausmaß und schadet so gut wie niemandem“ Fakt ist,  das nach so kurzer Entwicklungszeit und entsprechend viel zu wenigen Tests, eine derartige Aussage unmöglich ist und nur mit allen Vorbehalten so geäußert wurde. Zudem ist es ein neuartiger Impfstoff, genmanipuliert, über dessen Wirkung insbesondere langfristig keine Aussage gemacht werden kann. Er soll auf die Menschen losgelassen werden, darf aber nicht in die Natur entlassen werden. Das ist eine Ihrer doppelt guten Nachricht…..

„Es wird lediglich dessen genetischer Bauplan kopiert und dann den Menschen injiziert“ Ja, das ist ja auch so simpel, wie ein Brötchen zu essen. Naiver geht’s ja nun wirklich nicht. Was haben Sie für eine Vorstellungen von der Komplexität des menschlichen Organismus. Wo schon sehr viele bisherige „konventionelle Medikamente z.T. erhebliche, ja massive Nebenwirkungen haben. Im 2. Teil Ihres Artikels rudern Sie dann auf einmal selber zurück und relativieren alle Ihre zuvor gemachten Aussagen. So kann man Zeilen füllen, aber keine seriöse Journalistik betreiben. Es wäre noch manches anzumerken  Ich möchte es dabei belassen, nur, so etwas Oberflächliches und Unausgegorenes möchte ich in der Zeit nicht mehr lesen. – S. Handke

 


 

 

Leserbriefe zu „Freiheit oder Tradition“. Streit von Alexander Graf Lambsdorff und Witold Waszczykowski

 

Besser hätte man den Gegensatz zwischen Rechtsstaatlichkeit und der Diktatur des Volkswillens nicht auf den Punkt bringen können. Auch Hitler war das Ergebnis demokratischer Wahlen. – Rüdiger Weigel

 

Der Historiker Heinrich August Winkler spricht in seiner „Geschichte des Westens“ vom „normativen Projekt des Westens“ als einem gemeinsamen Konsens über Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit (incl. unabhängiger Justiz) und Menschenrechte (incl. Verpflichtung des Staates zu humanitärem Handeln). Wenn der ehemalige polnische Außenminister Waszczykowski davon spricht, Polen sei nach Nazi-Zeit und Kommunismus „nach Europa zurückgekehrt“ und könne nun „den Konkurrenzkampf annehmen“ statt sich „irgendwelche Ideen des Westens und insbesondere Deutschlands aufzwingen zu lassen“, stellt er genau diesen Wertekonsens in Frage, der die Basis auch der europäischen Institutionen ist, von denen Polen auch ökonomisch profitiert. Herr Waszczykowski sagt, es gebe keine Definition für Rechtsstaatlichkeit. Doch, die gibt es: Sie ergibt sich genau aus jenem angesprochenen Wertekanon, wie ihn unter anderem die Artikel 1 bis 19 des Grundgesetzes beschreiben. Und zu diesem Wertekanon gehört mehr als das von Herrn Waszczykowski beschworene (katholische) Christentum. Man kann nicht Mitglied der europäischen Institutionen sein, ohne diesen Wertekanon als verbindlich zu akzeptieren und zu respektieren. – Dr. Klaus-Dieter Beims

 

Alexander Graf Lambsdorff erzählt das, was viele Politiker in Deutschland erzählen. Ein typisches Verhalten ist der Schwangerschaftsabbruch. Und nicht nur der, die ganze Demokratie in Deutschland taugt nichts. Wer ohne Kontrolle massenhaft ausländische Bürger aufnimmt, kann nicht für sich in Anspruch nehmen den Stein des Weisen erfunden zu haben. Mir ist Polen zehnmal lieber, besonders dann, wenn man weiß was dieses Land in seiner Geschichte hat durchmachen müssen. Polen hat in Deutschland einen schlechten Ruf. Warum ist das so? Ich kann ihnen das sagen: Weil die deutschen Politiker den Polen ihre Ideologie aufzwingen wollen. Das ist das eigentliche Dilemma (für mich) in dem sich Herr Lambsdorff auch befindet. Das Dritte Reich hat sie (nicht nur er) besonders empfindlich für bestimmte Länder und andersdenkende Bürger gemacht. Ich lebe vorwiegend in Singapur (Deutschland ist mein Geburtsland).

Die Regierungsform ist eine Parlamentarische Republik mit autoritären Zügen (in Deutschland würde man sagen: Autokratie). Das hat dazu geführt, dass Singapur, noch vor der USA, zum wohlhabendsten Land auf unserem Erdball aufgestiegen ist. Dort gibt es weder Armut noch Unsicherheit. Kaum Kriminalität. Außerdem ist es das sauberste Land. Wer Politiker beleidigt, geht einer hohen Strafe entgegen. In der Sache ist Kritik erwünscht. Ausländer, die gern nach Singapur für immer einreisen wollen (so wie ich), werden einem harten Test unterzogen. Werden sie dennoch kriminell, muss er oder sie das Land innerhalb von 4 Wochen verlassen. Das macht einen erfolgreichen Staat aus. Mir ist es rätselhaft, welche politischen Ansichten Herr Lambsdorff vertritt, wenn man, so wie ich, Deutschland in der heutigen Zeit näher kennengelernt hat. Ich würde es keine 4 Wochen aushalten. Vielleicht liegt es daran, dass er sich mit anderen Ländern, besonders Asien, nie beschäftigt hat. Es ist ja nicht nur in Singapur, auch andere asiatische Staaten sind politisch besser aufgestellt als Deutschland. – Gunter Knauer

 

Ich lese die ZEIT regelmäßig und natürlich auch Ihre grundsätzlich begrüßenswerte Abteilung STREIT, bezüglich Ihrer nachlaufenden Themenwahl, zumal in einer Wochen-Zeitung, allerdings zunehmend gelangweilt bis gequält. Weil aus Ihrem STREIT naturgemäß zu wenig neue Aspekte resultieren; die Themen werden zumeist an anderen Stellen in der Länge und in der Breite erledigt, bevor sie irgendwann in der ZEIT erscheinen. Migration, Homo-Ehe, Abtreibung in Polen versus Deutschland, gebe ich zu bedenken, sind diesbezüglich unterschiedliche Rechtsauffassungen geeignet für eine deutsche Wochenzeitung vom Charakter der ZEIT? Bitte, welches Polen-BILD will uns deutschen Lesern DIE ZEIT damit vermitteln?

Im Sinne Voltaires hielte ich Streit über anstehende Demokratie-Defizite in Deutschland für spannender resp. brisanter: Streit über den Merkel‘schen EEG-Alleingang in Deutschland, speziell über den überhasteten Ausstieg aus der Atomkraft und seine strittigen Folgen für die Strompreise sowie für die Stabilität der Stromnetze. Ad 2, die Geschäftsordnung unseres Bundestages bestimmt für jede Fraktion die Wahl einer Vizepräsidentin/eines Vizepräsidenten. Pro- und Kontra-Thema: Wie bewerten Sie das Demokratieverständnis von Bundestagsabgeordneten, die sich dieser Wahl für die AfD-Fraktion verweigern?  Fazit: Bitte etwas mehr Mut bei der Themenwahl in der Einheit und im Kampf der Gegensätze! Wichtig: Ich bin kein AfD-Sympathisant! – Dr. agr. Gernot Henseler

 

Es ist sehr lobenswert, dass Sie ein Streitgespräch zwischen Alexander Graf Lambsdorff und dem ehemaligen polnischen Außenminister Witold Waszczykowski geführt haben. Leider zeigt der deutsche Graf keinerlei Verständnis für die Gefühle und Meinungen von Waszczykowski und damit von vielen Polen. Wieder einmal soll wohl am deutschen Wesen die Welt genesen. – Rolf Schikorr

 

Ihr Artikel zum Thema Polen hat mich sehr enttäuscht. In Polen ist mächtig viel los, viele Corona-Kranke, eine hohe Inzidenzrate, Corona-Tote unter den Lehrern, Demonstrationen von Frauen gegen die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes, Schließung der Grundschulklassen 1-3 ohne eine Betreuung der Kinder für arbeitenden Mütter / Eltern zur Verfügung zu stellen, die Pädophilie-Fälle in der kath. Kirche. Ich war sicher, dass Sie etwas zu Polen bringen würden und habe mich auf Ihren Artikel gefreut. Aber das Interview mit einem allenfalls mittelmäßigen PiS-Politiker, der PiS-Phrasen von sich gibt und nicht Prägnantes zur aktuellen Situation sagt, ist für mich eine Enttäuschung. Von der „Zeit“ hätte ich Besseres erwartet. Hätten doch Alice Bota oder evt. Adam Sobczyk einen gut recherchierten Artikel geschrieben! – Gerhild Bär

 

Herr Waszczykowski gehört einem politischen Lager an, das sich lediglich auf der Oberfläche als konservativ ausgibt, in Wirklichkeit jedoch einer autoritären Handlungslogik folgt. Das Ziel besteht unter anderem in der Abschaffung der Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit, der „Repolonisierung“ der Medien und des Schulsystems, schließlich in der Umerziehung der Gesellschaft zum „patriotischen“ Polen (nicht Bürger). Für Vielfalt, Liberalität und Kooperation ist in diesem System genauso wenig Platz wie für Zivilgesellschaft.

Es werden Homogenität, obskurer Provinzialismus und Konfrontation angestrebt sowie äußere (hier vor allem Deutschland) bzw. innere (die sog. liberalen Eliten) Feinde gesucht. Polen wie Ungarn würden zurzeit die Kopenhagener Kriterien kaum erfüllen und somit Mitglieder der EU sein dürfen. Da jede Revolution ein entsprechendes Bewusstsein voraussetzt, werden Begriffe uminterpretiert und Fakten umgedreht. Wir sollten auf die rhetorischen Tricks der Kaczysten oder Orbanisten keineswegs hereinfallen und ihnen die Deutungshoheit über das Geschehen überlassen.“ – Dr. Dariusz Adamczyk

 

Helmut Schmidt wies darauf hin, dass in einer Demokratie gestritten werden muss. „In“ heißt aber eben auch innerhalb der freiheitlich-demokratischen Diskursgrenzen. Schmidt hat daher die Debatte mit den Feinden der Demokratie strikt abgelehnt. Sie hingegen gestehen diesen immer mehr Raum zu und suggerieren dabei, es handele sich um diskursfähige Positionen. So zuletzt beim Streitgespräch mit dem PiS-Politiker Waszczykowski, der ungehemmt seine „alternativen Fakten“ und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ausbreitet. Vieles davon entlarvt sich selbst („Homosexuelle sollten nicht unterrichten“; „Jugendliche sollten asexuell sein“; „Polen verstößt gegen keinerlei EU-Recht“). Doch darum geht es nicht.

Es geht um den unverhandelbaren Kern unseres Zusammenlebens. Wer diesen nicht akzeptiert, darf nicht mittels Interview oder Streitgespräch als Vertreter einer vermeintlich diskutablen Meinung unter vielen verharmlost werden. Dies aber geschah zuletzt wiederholt mit Vertretern der PiS, der Fidesz (Judit Varga) oder auch des Rechtskatholizismus (Kardinal Müller). Ein Blatt, wo solchen Positionen und Figuren anstelle kritischer Berichterstattung ein Forum bekommen, möchte ich weder lesen, noch mitfinanzieren. Daher habe ich mein langjähriges ZEIT-Abo schweren Herzens gekündigt. Ich nehme es gerne wieder auf, sobald Sie Ihren journalistischen Kompass wiedergefunden haben. – Dr. Sven Kerkhoff

 

Freiheit oder Tradition? Die kulturell geschichtlichen Unterschiede sind mindesten so groß wie die Wirtschaftlichen der 27 EU – Mitgliedsstaaten. Wenn es einen Riß zwischen Ost- und Westeuropa geben sollte, dann ist der Weg davon weg nicht die Bevormundung vor allem der Deutschen, die ja bei vielen Themen dieser Welt immer die Vorreiter sein wollen oder sollen. Wenn Herr Waszczykowski z.B. sagt, das sie, die Polen, nicht gegen die Kommunisten gekämpft haben, um das Land für Millionen Afrikaner zu öffnen, dann sagt das etwas über Hintergründe für das Scheitern einer völlig fehlgeschlagen Verteilpolitik von Flüchtlingen oder Migranten in der EU aus.

Diese Aussage eines Politikers würde bei uns einen medialen Aufschrei erzeugen. Wenn er sagt, das Polen nach der russischen Invasion 2014 zwei Millionen Ukrainer aufgenommen hat und auch aus Belarus weiterhin Flüchtlinge auch ohne Papiere aufnimmt, und das in der EU Politik, auch in den Medien nicht vorkommt, macht mich das zumindest nachdenklich. Die Homo- Ehe oder die Abtreibungs Diskussion sind Randthemen. Hier spielt die Tradition, kulturell oder religiös, eine große Rolle in den einzelnen Länder. Herrn Lambsdorff als Liberaler spricht von einer modernen europäischen Nation, wenn Homo-Ehe oder Abtreibung in der Gesellschaft „Kein Thema“ mehr sind. Dacor! “

Aktuell sind Kommunen in vielen polnischen Städten dabei, Straßen zu verengen und Parkplätze zu entfernen. Sie zwingen Menschen zu dieser gesunden Lebensweise“, sagt Waszczykowski zu einer speziellen Ideologie, die sich in Polen breit macht. Ich würde sagen: Wie bei uns. Herr Lambsdorff stimmt dem insoweit zu, wenn eine bestimmte Ideologie dominiert und es keine Möglichkeit gibt, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Der wichtigste Gesprächspunkt ist aber die Rechtsstaatlichkeit, wo die Unabhängigkeit der Gerichte „die“ Rolle spielt. Auf den Punkt gebracht. Ein Streitgespräch auf Augenhöhe. Ein Pole, der sehr klare und vor allem nachvollziehbare Ansichten seines Landes vertritt, ein Deutscher, der zweifelsohne ein humanes liberales Weltbild vertritt. – Walter Schroiff

 

Ich nehme an, die meisten Deutschen werden mit der Argumentation von Graf Lambsdorf einverstanden sein. Wenn man aber den Satz bei Herrn Waszczykowski liest „Wir haben nicht gegen die Kommunisten gekämpft, um das Land für Millionen Afrikaner zu öffnen“, kommt einem bei aktuellen Meldungen in den Sinn: Wir haben nicht Deutschland wiedervereinigt, damit uns kriminelle arabische Clans unsere Kulturschätze rauben. – Dr. Walter Engel

 


 

 

 Leserbriefe zu „Fehler im System“ von Martin Spiewak und Manuel J. Hartung

 

Nachdem ich meine Einschätzung zum zunehmenden Meinungsjournalismus der ZEIT schon für den Artikel „Wieso hielt sie niemand auf?“ gab, geht’s in anderen Artikeln munter weiter. Im Artikel über die Dissertation von Giffey wird’s noch dreister. Da behaupten die Verfasser, „die Dissertation wäre inhaltlich weder besser noch schlechter geworden, hätte sie alle Zitierregeln befolgt.“ Angesichts der Absicht der Universität, den Fall Giffey neu aufzurollen, ist die Frage nach dieser Meinungsmacher erlaubt, zumal man noch weitere Beispiele dafür in dem Artikel vorfindet. Es stellt sich ja schon lange die Frage, verwechselt die Chefredaktion ihren Auftrag zur objektiven Berichterstattung mit dem persönlichen Grundverständnis des Chefredakteurs, durch seine überhöhte Subjektivität der Meinungsmache zu frönen. – Jürgen Dressler

 

Sowohl die Ministerin als auch das Präsidium der FU dürften schon längst den Tag verwünschen, an dem die Idee zu der Dissertation von Franziska Giffey entstanden ist.  Dabei wird es für Frau Giffey weniger ein Problem sein, ob sie mit oder ohne Doktortitel in die bevorstehenden Wahlen zieht. Vielmehr steht ihr wichtigstes Kapital als Politikerin, ihre Glaubwürdigkeit, auf dem Spiel. Für die FU ist dieser Vorgang ein peinliches Debakel – ausgerechnet die Sprecherin eines Exzellenzclusters und Direktorin eines Exzellenzzentrums vergibt, betreut und bewertet eine Doktorarbeit, die offenbar in mehrfacher Hinsicht weit von jeder Exzellenz entfernt ist. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

Als Quotenfrau, im doppelten Sinne, erst als Berliner Proporz-Besetzung der Bundesregierung und dann als Frauenquote in der Nachfolge des Regierungschefs für Berlin: ein Fall für die tiefer gehende Analyse in 3346 Zeichen, 469 Wörtern, 2869 Ohne Leerzeichen, bei 8 Absätzen: Die Bürger (,die Europa nie erreichte, aber eine Giffey-Affäre zu Europa), würden sicher höchst erfreut sein, zu lesen, was eine Politikerin Giffey wissenschaftspolitisch und wissenschaftsethisch wirklich denkt, zu ihrem eigenen Fehltritt. Die Alma Mater ist eine klamme Amme, allein das wäre einen Giffey-Essay wert. Schon der ZEIT-Artikel wirft so viele Nebenschauplätze auf, dass nicht mal eine Kritik zustande kommt. Wissenschafts-PR prägt die heutige Uni, aber auch heutige Politik. Vielleicht kann Frau Giffey deswegen auch nichts sagen, weil sie die Differenz nicht benennen will.

Niemand, der sich über eine »Europas Weg zum Bürger«-Arbeit als Reflexion der politischen Arbeit im Alltag Frau Giffeys freute, hatte mit einem Plagiat gerechnet: einen Essay hätte sie verfassen können, um britische Revolution in Deutschland auszuloten — das wäre Kritik. Sie hätte auch eine korrekte, uncharismatische Arbeit abgeben können. Aber korrekt. Denn nicht viele Promotions- oder Habilitationsschriften sind wirklich lesbar, als Kultur, selbst wenn diese quälend informativ sind. Nicht jeder Inhalt korreliert in der Form, und das Korsett der Wissenschaft, ist vor allem in der heutigen BRD eine Verwaltungsstaubschicht. Vor 100 Jahren war das noch anders. Und das wäre die nächste Debatte: wozu diese Karriere-Texte, die nichts können?

Giffey hat nun die Probe-auf’s-Exempel abgelegt. 1970 stritten Engagierte wenigstens noch um ‚Gruppentexte‘ und ‚Autorenschaft‘ oder kumulative Promotionen, die ernstgemeinte Lösungen des Wissenschaftsproblems waren. Und wahrscheinlich sind. Keine Mode. Ganz anders als viele Moden, ob diese Zentren, oder Europa-Uni-Alliances, die nichts sind als PR. Da entsteht keine neue Institution, ein Seminar, ein Cluster an Professuren, im tiefen, ohne Drittmittelkämpfe unterbrochenen Gespräch mit Kommilitonen: es entsteht Marketing. Frau Ministerin Giffey sollte im doppelten Sinne zurücktreten: von den Ämtern und Zielen in der SPD zeitweilig, von sich selbst, vor allem aber, um zu reflektieren: und um das Reflektierte in die Politik einzubringen. Ihr hat die gehaltssteigernde Dr.-Arbeit nichts gebracht, und auch Europa kam nicht näher — war es die Form? War es inhaltlich? Sie kann es klären.

Der Titel bringt ihr nach dem Ministeramt auch keine Aufschläge mehr, das tut inzwischen nur die Vita.1.Was versteht Sie unter Wissenschaft und Politik als Fortschrittsfelder, Betrachtungen eben auf unterschiedlichen Ebenen2.Wie wird die Universität — und auch Europa — zum Erfolgsort? 3.Umberto Ecos »Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt« kann auch Aktualisierung bedürfen. Das ist ein echtes Angebot. Eco stammt aus der Vor-BA/MA-Zeit. Klärungen. Das ist der Aufklärung verpflichtete Wissenschaft. Schlussteil: Zusammenfassend lässt sich feststellen (oder konstatieren), dass das Recht es nicht klären kann, es kann es nur strukturieren, aber eher um inhaltlich zu entscheiden, weniger um eine Formel zu geben, die die Wissenschaft benutzen sollte. Also bleibt es ein Thema Frau Giffeys, und eine Frage »Welche Universität wollen wir haben?«. — Und welche Politik: Vielfalt oder Verwaltung? Es ist noch 1 Jahr bis zur Bundestags- und Berliner Landtagswahl, wenn diesmal kein Grund ist, endlich Debatten und Reformen anzustoßen. – Hugo Holger Busse

 

Wenn Politiker bei der Doktorarbeit schummeln. Die Reihe der Politiker, denen wegen Schummelei der Doktortitel aberkannt wurde, ist lang. Franziska Giffey ist diesem Schicksal durch Titelverzicht zuvorgekommen. Warum sind gerade die Doktorarbeiten von Politikern so schlampig verfasst? Dazu muss man die Motive erhellen, weshalb sie unbedingt promovieren wollen. Sie sind wohl kaum wissenschaftlichem Interesse geschuldet, sondern eher dem Wunsch, mit Hilfe des schmückenden Titels die eigene Karriere zu befeuern. Für ernsthaftes politisches Arbeiten haben die Jung-Politiker oft gar keine Zeit.

Deshalb hudeln sie eine Arbeit zusammen, indem sie aus allen möglichen Quellen abschreiben und die Plagiate nur oberflächlich mit eigenen Überleitungen verkleistern. Nach deutschem Promotionsrecht muss die Dissertation die Fähigkeit des Aspiranten zur selbstständigen wissenschaftlichen Arbeit nachweisen. Sie muss neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Tage fördern, die in keiner anderen Arbeit zuvor erbracht worden sind. Das ist ein durchaus anspruchsvolles Vorhaben. Man kann ihm nur gerecht werden, wenn man sich intensiv in die Thematik vertieft und einen eigenen Forschungsansatz verfolgt. Das kann, wenn man es wirklich ernst nimmt, einige Jahre in Anspruch nehmen. An eine politische Tätigkeit neben der Promotion ist dabei nicht zu denken.

Genau das ist das Problem: Die jungen Politprofis können und wollen nicht auf die Politik verzichten, weil sie befürchten, in der politiklosen Zeit von Konkurrenten aus der eigenen Partei überholt zu werden. Deshalb schreiben sie lieber eine anfechtbare Doktorarbeit. Im Zeichen digitaler Überprüfungsmöglichkeiten ist dies ein naives Unterfangen. Wenn sich die Netzgemeinschaft über eine fragwürdige Doktorarbeit beugt, kommt die Wahrheit mit Sicherheit an den Tag. Was bleibt zu tun? Die Universitäten sollten durch eine Präzisierung ihrer Promotionsordnungen sicherstellen, dass Studenten, bei denen man den begründeten Verdacht hegt, dass sie den Doktortitel aus nicht-wissenschaftlichen Motiven erwerben wollen, die Promotion verweigert wird. Wissenschaftliche Interessen kann man in der Regel schon an der Magisterarbeit ablesen. Sollte diese nur durchschnittlichen Ansprüchen genügen, sollte eine Promotion abgelehnt werden.

Im Ausland erworbene Doktortitel dürfen nur anerkannt werden, wenn die jeweilige Universität bei der Promotion dieselben hohen Standards anwendet wie unsere eigenen Universitäten. Ausländische Dissertationen sollten in der jeweiligen Landessprache oder in Englisch verfasst werden. Doktorväter und Doktormütter müssen ihre eigenen Motive befragen, wenn sie einem Jungpolitiker ihre Betreuung bei der Promotion anbieten. Es mag reizvoll sein, einem talentierten Hoffnungsträger zu einem Doktortitel zu verhelfen. Sie sollten aber immer daran denken, dass Gefälligkeitsbetreuungen den wissenschaftlichen Anspruch beschädigen. – Rainer Werner

 

„Wer ich bin und was ich kann, ist nicht abhängig von diesem Titel“ – eine späte Erkenntnis von Frau Giffey. Hier hätte ich gern mehr über die Hintergründe erfahren, denn Frau Giffey ist ja nicht die erste Politikerin, die in diesem Zusammenhang auffällig wird. Was treibt eigentlich Politiker dazu, so scharf auf Doktortitel zu sein? Schließlich strebt keiner von ihnen eine wissenschaftliche Laufbahn an. Und was bringt deren Doktormütter und -väter dazu, derart offenkundig wissenschaftlich unergiebige Vorhaben zu unterstützen? Es gibt da sicher noch tiefer im System steckende Fehler. Meines Erachtens wird in diesem Zusammenhang auch viel zu stark auf Plagiate abgestellt, die natürlich vergleichsweise leicht zu entdecken sind. Selten erwähnt wird die in vielen Bereichen allgemein geringe wissenschaftliche Qualität vieler Dissertationen – z.B. in der Medizin – jenseits von Plagiatsvorwürfen. – Reinhard Kraasch

 

Das Hauptproblem des deutschen Promotions(un)wesens ist, dass die Betreuer von Doktorarbeiten auch die Hauptprüfer sind. Wäre es wie an vielen europäischen Universitäten üblich, Doktorarbeiten von Fachkollegen anderer in- oder ausländischer Universitäten prüfen zu lassen, hätte die Doktormutter Prof. Dr. Börsel die Dissertation gründlich gelesen und ihre Doktorandin auf Plagiate hingewiesen. Offensichtlich hat sie das nicht getan, oder sie hat die Plagiate nicht erkannt. In beiden Fällen hat sie sich als Hochschullehrerin disqualifiziert. – Prof. em. Dr. Ulrike Mosel

 

Dieser Artikel hätte statt in der Rubrik „WISSEN“ auch in „POLITIK“ herausgegeben werden können. Denn auch wenn ich die beschriebenen – angeblichen – Mängel in der Promotionsarbeit von Frau Giffey kritisch sehe, so möchte man ihr zurufen: „Frau Giffey, bleiben Sie standhaft!“ Mit dem Verzicht auf die Führung des Doktortitels zugunsten der Fortsetzung ihres politischen Engagements zeigt sie den Charakter, den man manch anderen Politikern auch wünschen würde… besonders manchem hoffnungsfrohen CDU-Nachwuchs: Ein Gründungsmitglied der hiesigen Jungen Union (JU) staunte mich mit offenem Mund an: „Waaas – Sie haben Ihren Doktor selbst gemacht??? Sowas kann man doch heutzutage kaufen!!!“ Daraufhin blieb mir der Mund offen stehen. – Sabine Möller

 

Ich halte es schlichtweg für lächerlich, die Qualität der Doktorarbeit der Familienministerin von vor zehn Jahren weiter zu problematisieren. Die Professoren habe es zu verantworten, wenn Mängel der Dissertationen übersehen werden. In derselben Ausgabe berichten Sie von dem Einsatz bzw. Befürwortung der Herren Platzek (zeitweise sogar SPD Vorsitzender) und Bischof Huber für die Wiedererrichtung der Potsdamer Garnisonskirche. Am Tag von Potsdam haben sich bekanntlich die Nazis mit den deutschen Konservativen versöhnt, danach sind tausende in die NSDAP eingetreten; die sogenannten „Märzgefallenen“. Ein Drittel der deutschen protestantischen Pfarrer trugen SA Uniformen unter ihren Talaren.

Unmittelbar nach der Machtergreifung haben SA Leute Sozialdemokraten drangsaliert; in Wuppertal wurden Sozialdemokraten sogar gezwungen, ihren eigenen Kot zu essen! Unter diesen Umständen fällt nur das Zitat von Max Liebermann ein, als er 1933 die Nazihorden beobachtete. Andere heutige Vorgänge sind viel schlimmer zu bewerten als die Fragwürdigkeit der Dissertation Frau Giffeys: Ein Herr Scheuer bleibt als Verkehrsminister im Amt, obwohl er nachweislich, sei es vorsätzlich oder durch Schlamperei wegen der PKW Maut einen Schaden von Euro 500 000 000 zu verantworten hat. Eine Schadenspotenz geringer gilt für Olaf Scholz, weil in dessen Amtszeit als Hamburger Bürgermeister ein Hamburger Finanzamt im Zusammenhang mit der cum ex Affaire auf eine Steuerforderung von Euro 50 000 000 gegen ein Bankhaus verzichtet hat. – Leopold v. Saint George

 

Der Doktortitel ist der Nachweis akademischen Potenzials und Fleißes und darf, so er denn angemessen verliehen wurde, gewiss mit Stolz getragen werden. Indes, je höher der Grad des geisteswissenschaftlichen Vermögens, desto weniger Titelehre und oberflächlicher Anerkennung scheinen seine TrägerInnen regelmäßig zu bedürfen. Wahre Bildung braucht ohnehin nur eines: Anwendung zur Verbesserung allen Lebens.

Franziska Giffey hat in der Tat als Berliner Bezirksbürgermeisterin und als Bundesfamilienministerin bewiesen, dass sie „Politik kann“ (darüber hinaus: Einige unserer klügsten und besten Politiker hatten keinen Doktortitel – schlag nach bei Helmut Schmidt). Überhaupt müssen wir uns als Gesellschaft fragen, welche Werte und Vorstellungen uns verbindlich leiten und Kompass geben sollen, nicht zuletzt, während man/frau sich so umschaut im globalen Miteinander. Das reale Leben jedenfalls ist größer als die Aus- und Bezeichnungen, die wir uns gegenseitig zusprechen; bisweilen freilich auch die, die wir in weniger guter Absicht unterstellen. – Ira Bartsch

 

Eine der Hoffnungsträgerinnen der SPD im Zwiespalt. Falls sie nicht zurücktritt, bleibt der Plagiatsvorwurf wie ein Menetekel. Ihre Glaubwürdigkeit wäre verspielt. Jeder öffentliche Auftritt hätte obendrein ein Hintergrundrauschen, (“ ausgerechnet die“ ). Dass Giffey das ignoriert, sagt etwas über ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion. – Christoph Schönberger

 


 

 

Leserbrief zu „Die Macht des Verlierers“ von Holger Stark

 

Ich war und bin ein Gegner des Proleten Trump. Trotzdem war er zur rechten Zeit Präsident der USA. Schauen wir uns die Chinesen mit dem Dauerlächler Xi Jinping und dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas etwas genauer an. Wir, die in der Nachkriegszeit, noch aus Liebe gezeugt, geboren wurden, haben den zerbombten Sauhaufen, inklusive Hamsterkäufen und Hunger, in kindlich unwissender Geborgenheit verschlafen. Für uns waren kurze Hosen und Strümpfe die Normal- und Dauerkleidung. Krautfleisch und Stosuppe waren Sonntagsessen.

Und wie wir in der Schule schon den Atlas öffnen konnten, haben wir erfahren, dass China in einer Kulturrevolution mit Mao Zedong steckt, um China rasch in ein mächtiges Industrieland zu verwandeln, was jedoch schließlich zum Tod von bis zu 55 Millionen Menschen in der Großen Chinesischen Hungersnot führte. Jedenfalls haben wir in der Schule nur davon gehört, Fernsehen gab es ja noch nicht, dass die Chinesen die ärmsten Hunde in der Welt sind, in Grashütten leben und, bis zu den Knien im Wasser stehend, Reis pflanzen und davon leben. Und dass dort jetzt der Kommunismus ist. Kommunismus war, nach Angabe der Erwachsenen schrecklich und wurde nur mit Russland in Verbindung gebracht.

Jedenfalls war China für uns ein Haufen armer Leute und weit weg. Und irgendwann ging es uns besser. Vater konnte länger im Wirtshaus bleiben und wir zogen im Spangl-Haus immer von einer Wohnung in die nächstgrößere. Man nannte das damals die Zeit des Wirtschaftswunders. Um die Chinesen kümmerte sich kein Radio und später, in den 60er-Jahren, auch kein Fernsehen. Erst in den 90er Jahren wurde China als Billigarbeiter- und Billigwarenland von den Westfirmen entdeckt. Jede Firma, die auf sich gehalten hat und den noch größeren Gewinn einstreifen wollte, ließ in China fertigen und kaufte in China ein. Natürlich war man, also die westliche Gesellschaft, davon überzeugt, den Chinesen überlegen zu sein. Man musste ihnen erst lernen was Qualität und Technologie ist.

Die Textil-, die Autoindustrie und die Technologieriesen gingen nach China um auch dort den Markt zu beherrschen. Und die Chinesen lernten. Und um die Jahrtausendwende sah man plötzlich Städte in China, deren Wolkenkratzer mehr und höher waren, als im goldenen Westen. Und der Technologietransfer lief auf einer schiefen Ebene Richtung China. Bis der Wissensstandssee voll war und sogar zum Überlaufen kam und die Richtung wechselte. Huawei und viele andere chinesische Firmen mit Spitzenleistung sind zur Konkurrenz der Westfirmen geworden. Die Einzelkämpferfirmen aus den USA und Europa stehen plötzlich der koordinierten monetären Staatsmacht Chinas gegenüber. Die Massenüberwachung und -lenkung hat die kommunistische Ideologie zur Weltmacht geführt. Die Weststaaten mit ihrer Einzelkämpfermentalität sind plötzlich zum Bittsteller geworden.

Erschrocken und aufgewacht sehen sie sich in einer Gefahr der Abhängigkeit und stehen einem abgestimmten Produktionsorchester gegenüber. Und jammern über die unfairen Methoden des Gelben Riesen. In der Diplomatie des Wiener Kongresses „Höflichkeit first“ ‚Der Kongress tanzt, aber er kommt nicht vorwärts‘, setzt sich plötzlich der Rüpel Trump in Szene und tritt beim Tanz jeden auf die Zehen, der ihm und seinem Tanzpartner, also sich selbst, zu nahekommt. Er kennt beim Geschäft keine Freunde. Ersuchen oder gar Bitten ist Schwäche. Den Bogen spannen und fordern, das ist die Sprache des Trump. Auf den Gegner zugehen, aber nur um ihn besser und sicherer zu treffen ist für ihn Diplomatie. Es war eine vierjährige Lehrstunde auf dem diplomatischen Parkett. Und sie war notwendig. Es liegt viel zerschlagenes Porzellan umher, aber die Chinesen werden das schon wieder ersetzen, sie haben es ja schließlich auch erfunden. Wir, der Westen, werden es nur zusammenkleben und weiter wursteln. – Odin Rosenzweig

 

„Trumpismus: zu viel der Ehre“. Es ist eindeutig zu viel der Ehre, einem politischen Alptraum wie diesem Menschen einen auf seinem Namen beruhenden politischen Stil zu benennen. Auch wenn gesellschaftlich entwickelte Menschen das als die unbrauchbarste Geisteshaltung einer Gesellschaft verstehen, so werden seine Anhänger es als positive Hinterlassenschaft begreifen, der sie nacheifern wollen. Donalds politischer Stil ist einfach extremer Populismus, gepaart durch extremen Narzismus, genauer: primitive, gesellschaftsfeindliche Egozentrik. Wer sich mit Grundverhalten von Lebewesen befasst erkennt, dass es sich bei diesem Verhaltensstil um die Grundantriebe unbewusster Tiere handelt, bei denen Intelligenz und Bewusstsein im Dienst tierischer Antriebe stehen. Moral oder gar gesellschaftliche Ethik sind dabei unbekannt.

Auch mindestens 70 Millionen Anhänger in USA haben noch nicht erkannt, dass ein friedliches Zusammenleben kleinster wie größter Gesellschaften unmöglich auf solch einem Fundament aufgebaut werden kann, (siehe Rassismus, Ignoranz des Klimawandels, Gleichgültigkeit gegenüber Schwächeren, etc.). Das ist nicht verwunderlich, sind doch die tierischen Antriebe in allen Menschen als Erbschaft genetisch verankert und wirken so lang ungebremst, wie zu geringe ethische Kontrolle darüber in den Gehirnen verankert ist. Es gibt sowohl im INTERNET als auch in entsprechender Literatur hinreichend weiterführende Argumente zu dieser Sicht. Bitte unterstützen Sie nicht mit „Trumpismus“, diesen Menschen in Erinnerung zu behalten. Geben Sie ihm und seinen Anhängern keine Plattform! – Dieter Brandt

 

Aus dem Schützengraben der Demokratie: Meine Gespräche mit Trumps Wählern: Immer wieder habe ich in der letzten Woche gelesen, dass das Ergebnis der Präsidentschaftswahl bestätigt, dass fast die Hälfte der Amerikaner Trumps politische Richtung befürwortet. Das halte ich für ein großes Missverständnis. Ich lebe seit 25 Jahren in den USA, war aber nie politisch tätig. Erst als Trump gewählt wurde, habe ich mich einer Gruppe angeschlossen, die versucht, Wähler für die demokratische Partei zu gewinnen. In den Monaten vor der Präsidentschaftswahl habe ich jeden Samstagnachmittag Wähler in sogenannten swing states angerufen, also in den Staaten, bei denen offen war, für wen sie sich entscheiden würden. Aufgrund der vielen Gesprächen mit Wählern in Michigan, Arizona, und Wisconsin, die sich entweder noch nicht entschieden hatten oder Trump wählen wollten, bin ich zu der Ansicht gelangt, dass viele nur eine sehr ungenaue Vorstellung davon haben, was Trumps Politik eigentlich beinhaltet.

Trumps Wähler leben in einem anderen Informationsuniversum. Sie sehen Fox News und konsumieren Nachrichten auf Facebook. Dort sind sie massiver Propaganda ausgesetzt. Manchmal werden in diese Propaganda Fakten eingewoben, oft aber handelt es sich um reine Lügengebilde. So habe ich zum Beispiel mit einem Mann gesprochen, der der festen Überzeugung war, dass Biden ein Marxist ist. Ein anderer war der Meinung, dass Biden die gewaltsamen Ausschreitungen bei einigen Protesten der Black Lives Matter Bewegung befürwortet. Ein offensichtlich von QAnon beeinflusster Wähler verkündete, dass Biden an einer großflächigen Verschwörung beteiligt ist, die den sexuellen Missbrauch von Kindern organisiert. Als ich fragte, wo er das gehört habe, antwortete dieser Mann, dass Biden das selbst gesagt habe. Ich kann nur vermuten, dass er ein „deep fake“ gesehen hat, also eine manipulierte Videoaufnahme. Mehrere Gesprächspartner waren der Ansicht, dass die Biden Familie ist ein korrupter Clan von Verbrechern ist, die versuchen durch Wahlbetrug an die Macht zu kommen.

Diese Ansichten sind extrem und, so mein Eindruck, nicht sehr weit verbreitet. Dagegen sind andere Fehlinformationen oder auch einfach fehlende Informationen häufig anzutreffen. So waren zum Beispiel viele Wähler, mit denen ich gesprochen habe, der Meinung, dass Biden ihre Steuern erhöhen wird. Ich habe sie dann gefragt, ob sie denn mehr als 400,000 Dollar pro Jahr verdienen. Das ist die Untergrenze, die Biden angegeben hat. Kein einziger meiner Gesprächspartner war mit dieser Tatsache vertraut. Dass von Trumps Steuererleichterungen vor allem die reichsten Gruppen profitiert haben, war manchen, aber bei weitem nicht allen klar. Genauso wusste kein einziger der Wähler, mit denen ich ins Gespräch kam, dass die Trump Regierung vor Gericht gezogen ist, um den Schutz für Vorerkrankungen abzuschaffen. Es ist auch keinem aufgefallen, dass während der Debatten der Kandidaten weder Mike Pence noch Trump die Frage beantwortet haben, wie sie sich denn nun die neue bessere Krankenversicherung, die ihnen vorschwebt, vorstellen.

Das ist umso bemerkenswerter, als eine gute Krankenversicherung für viele, mit denen ich sprach, eine absolute Priorität darstellt. Ebenso hatten fast keiner meiner Gesprächspartner gehört, dass andere Länder die Pandemie weitaus kompetenter unter Kontrolle gebracht haben. Ich habe hier oft die USA mit Deutschland verglichen: die amerikanische Bevölkerung ist etwa viermal so groß wie die deutsche. Deutschland hat etwa 11,000 Todesfälle, die USA dagegen 240,000. Andere Themen sind komplexer. Mehrere Wähler waren der Ansicht, dass Biden genauso rassistisch ist wie Trump. Man kann mit gutem Recht der Meinung sein, dass kein weißer Amerikaner von Rassismus unberührt ist. Zudem hat Trumps Wahlwerbung schwarzen Amerikanern gezielt eingehämmert, dass Biden 1994 an der höchst problematischen Justizreform beteiligt war. Die Tatsache aber, dass nur Trump sich der tatkräftigen Unterstützung von Gruppen erfreut, die eine weiße Vorherrschaft anstreben, hatten viele entweder nie bemerkt oder schon wieder vergessen.

Das problematischste Thema war stets die Wirtschaft. Ein Großteil der Wähler vertrat die Meinung, dass Trump die Wirtschaft besser im Griff habe. Hier ist es besonders schwierig eine andere Perspektive anzubieten, da auch die Berichterstattung in vielen traditionellen Medien diese These unterstützt. Und dennoch bleibt es Tatsache, dass die Obama/Biden Regierung in vieler Hinsicht auch wirtschaftlich besser abschneidet. Obama und Biden erbten von ihrem Vorgänger Bush eine schlimme Rezession. Als Obama die Regierung antrat, lag die Arbeitslosigkeit bei 8% und stieg schnell auf 10%. Am Ende von Obamas 8 Jahren im Weißen Haus, lag die Arbeitslosenquote dagegen bei 4,7 Prozent. Trump, bei dessen Amtsantritt die Konjunktur sich im Aufschwung befand, drückte die Arbeitslosenquote auf etwa 3,5 Prozent.

Den Löwenanteil des Aufschwungs haben wir also Obama zu verdanken. Ebenso wird gerne die Tatsache unterschlagen, dass das Wirtschaftswachstum unter Trump durch einen Stimulus bewirkt wurde, der über einen enormen Anstieg der Staatsschulden finanziert wurde. Auch Obama hätte gerne mehr Geld in die Wirtschaft gepumpt, aber damals waren die Republikaner noch der Ansicht, dass ein Anstieg des Defizits mit allen Mitteln verhindert werden muss. Erst unter Trump wurde die republikanische Partei zum „big spender.“ Wenn Trumps Leistungen für die Wirtschaft gelobt werden, vergisst man auch gern die zahlreichen Handelskriege, die für einige Wirtschaftszweige, einschließlich Teile der Landwirtschaft, existenzbedrohend wurden. Da die Landwirte zu den Trump Wählern zählten, wurden sie reich entschädigt, was wiederum die amerikanischen Steuerzahler Billiarden kostete.

Ich sollte noch anfügen, dass für mein persönliches Engagement die Krise der Demokratie und die anstehende Klimakatastrophe ausschlaggebend waren. Diese Themen existieren nur für Bidens Wähler. Kein einziger von Trumps Wählern und auch kein einziger unentschiedener Wähler hat diese Themen auch nur erwähnt. Auch ich selbst habe niemand darauf angesprochen, weil ich weiß, dass hierfür kein Bezugsrahmen vorhanden ist, in den Wähler diesbezügliche Informationen einordnen könnten. In Kalifornien, wo ich lebe, brennt buchstäblich die Welt. Dieses Jahr waren die Brände so schlimm, dass wir wegen extrem ungesunder Luftqualität tagelang nicht aus dem Hause gehen konnten. In meinem Wohnort Berkeley gibt es immer mehr „red flag alerts.“ Wir packen dann unsere Rucksäcke mit dem Nötigsten und warten, ob wir den Befehl zur Evakuierung erhalten.

Die Bilder des apokalyptisch orange eingefärbten Himmels über San Francisco gingen um die Welt. An diesem Tag wurde es bei uns nicht hell. Als wir aufwachten, dachten wir, dass wir uns in der Tageszeit geirrt haben. Auf Fox News dagegen gibt es keine Klimakrise. Als Ursache für die Brände nennen sie „forest management.“ Wir müssen mehr rechen, sagt Trump. Ich bin enorm erleichtert, dass Biden gewonnen hat und der Alptraum der Trump Regierung hoffentlich bald vorbei ist. Aber solange Fox News und Facebook so weitermachen wie bisher, wird sich in diesem Land nichts zum Besseren wenden. Mittlerweile gibt es nur eine Lösung: wir müssen weiterhin versuchen, mit Trumps Wählern und vor allen Dingen mit den unentschiedenen Wählern im Gespräch zu bleiben. – Elisabeth Krimmer

 

„Sleepy-Joe“ aus dem Keller in Delaware hat es offenbar geschafft, eine der verrücktesten und gefährlichsten Präsidentschaften der USA zu beenden, wenn auch knapper, als wir wohl alle gedacht haben. Es war zum Entsetzen vieler europäischer TV-Zuschauer in der Wahlnacht und danach in Wahrheit eine Zitterpartie. Und genau darin liegt das Problem dieses Wahlergebnisses, das ja noch amtlich bestätigt werden muss (und dem das „Wahlmänner-Gremium“ noch folgen muss). Biden hat stolz darauf verwiesen, daß er mit rund 75 Millionen Stimmen einen Rekord aller bisherigen US-Präsidenten bei Wahlen aufgestellt habe, Trump hat dagegen mit 71 Millionen Stimmen die bisher höchste Zustimmung für einen Kandidaten der Republikaner bei US-Wahlen erhalten.

Er hat also nicht nur keine Stimmen verloren, wie viele in Europa doch erwartet, wenn nicht gar erhofft hatten, sondern gegenüber der letzten Wahl von 2016 noch mehrere Millionen Stimmen hinzugewonnen. Das verheißt nichts Gutes für die nächste US-Wahl 2024, denn Trump kommt wieder und wird nicht auf seinen Golfplätzen verschwinden, weil er fast halb Amerika hinter sich weiß – und das, obwohl Trump mit der Art seines Abgangs zeigt, wie Kritiker meinen, daß er nie ins Oval Office des Weißen Hauses gehört hätte, weil er keine Regeln kennt, die ihm im Wege stehen. Wer gedacht hätte, der „Unfall“ von 2016 sei korrigierbar, weil viele Wähler in den folgenden vier Jahren doch erlebt hätten, dass eine lebendige und groteske Parodie eines US-Präsidenten ins Weiße Haus eingezogen war, erlebte jetzt ein böses Erwachen.

Trump konnte in vielen Wählergruppen sogar noch zulegen, auch bei Frauen und Latinos, während die Demokraten klassische Stammwähler wie Arbeiter zum Teil verloren haben (manches erinnert an die SPD in Deutschland). Wer weiß, wie die Wahl ohne die Corona-Pandemie ausgegangen wäre, die vermutlich Trumps Wahlkampf beeinträchtigt hat. Es wird also darauf ankommen, wer 2024 gegen ihn antritt. Es muss ein starker Kandidat sein oder eine starke Kandidatin (Kamala Harris?). Die Demokraten, die viel mehr Flügel haben als die Republikaner, sollten sich diesmal rechtzeitig festlegen. – Wilfried Mommert

 

Trump hat die Wahl verloren und damit die Option, Präsident zu bleiben. Aber er ist kein Verlierer. Die Option, Verlierer zu sein, kommt für ihn charakterlich, biografisch und überlebenstechnisch nicht in Betracht. Noch im Amt beginnt er, seine außerparlamentarische Machtbasis weiter an sich zu binden und aus dem müden und gereizten Körper der amerikanischen Gesellschaft herauszulösen. Auch mit den Republikanern wird er brechen, sofern sie sich ihm nicht unterordnen. Durchaus möglich, dass er in einigen Wochen an der Spitze einer Bewegung als eine Art Warlord ein relevanter Machtfaktor im Land sein wird. Nicht ohne Bedeutung ist, dass er sich auf diese Weise weiter immunisieren kann: Als gesellschaftlich verankerter Machfaktor wird man ihn nicht einfach verhaften können.

Der Gewinner der Wahl, Joe Biden, wird es sehr schwer haben, seine Rolle als Präsident zu finden und die ihm verliehene Macht zu nutzen. Alles Konstruktive von Joe Biden wird Trump die Chance zur Destruktion bieten, alles Einigende die Chance zur Spaltung. Was jetzt beginnt, wird nicht am 20. Januar 2021 enden. Alles Geschehen rund um den Machtwechsel wird sich in die von Trump etablierten Narrative schlüssig einordnen lassen (Betrug! Diebstahl! Zusammenbruch von Recht und Ordnung! Sozialismus!). Der Plot: Trump, der Unbesiegbare, findet seine neue Rolle als eine Art Robin Hood, als Jesse James, der listig und tollkühn den Rächer der Enterbten und Beschützer der Witwen und Waisen mimt, um den American Dream zu retten. Die Doku-Soap geht weiter: Make America great again. Trump muss dieses unhaltbare Versprechen halten. Er hat keine Wahl. – Reinhard Koine

 

Eigentlich wollte ich Ihnen keinen Leserbrief schreiben, sondern Ihnen nur meine Gedanken zu den Ereignissen in den USA mitteilen und Sie fragen, ob meine Befürchtungen begründet sind. Die heutigen Artikel fand ich gut, sehr gut fand ich Herrn Joffes Artikel in der vorigen Woche. Aber darin ging es darum, ob Trump Biden die Wahl streitig machen kann. Meine Überlegungen gehen in die Nach-Trump-Zeit.

Legenden wie die Dolchstosslegende von Hindenburg und Ludendorf haben uns Deutschen unendlichen Schaden verursacht. Eine Demokratie, die sich nicht richtig entwickeln konnte, Freischaren und Milizionäre, Schlägertrupps und dann Hittler mit SA und SS.Gegen Legenden und Fakenews gibt es kaum wirksame Mittel. Legenden bleiben in den Köpfen hängen und werden innig geglaubt. Stop the Steal, das ist Trumps Legende für sein Land. Das ist seine Botschaft an Kukluxklan, Albright-Men, Identitäre und Neonazis und sonstige paramilitärische Trupps, die sich ganz offen zeigen und Andersdenkende einschüchtern. Ein anderes Problem, was heute in der ZEIT nur angedeutet wurde, ist aber folgendes. Wenn es nicht sobald wie möglich, am besten noch in diesem Jahr, einen Sonderparteitag der Republikaner gibt, gibt es diese Partei bald gar nicht mehr, sondern sie wird in eine Trumpistenorganisation, in eine Trump-Party, umgewandelt. Sehe ich das falsch? Sehen Sie von der ZEIT einflussreiche Republikaner, die sich ihre Partei nicht von Trump stehlen lassen wollen? Wenn ja, welche?

Das Naheliegendste, was Trump nach seiner Amtszeit machen wird, ist das, was er besten kann: Propaganda! Er wird einen Sender gründen, den er führt und moderiert und der ihm Geld einbringt. Dann braucht er seinen Haussender FOX-News gar nicht mehr. Aber dann geht es zur Sache. Göbbels hätte seine Freude daran. Hemmungslos wie Trump als Präsident schon war, kann er seinen Tiraden freien Lauf lassen. Da man in den USA fast alles sagen darf, selbst Lügen und Unterstellungen und Verleumdungen, kann er seine Radio und TV Sender zu Hetz- und Hassmedien umgestalten und somit zum Sprachrohr der militanten Gegner der neuen Regierung unter den Demokraten werden lassen.

Er kann sogar zum Bürgerkrieg in versteckter Form aufrufen. Milizionäre haben ja schon einen möglichen Bürgerkrieg angedeutet. Könnte das bei uns jemand so offen vor laufender Kamera straflos sagen?  Hat er sein Land schon als Präsident enorm beschädigt, so kann er es als freier Propagandist erst recht durcheinander bringen. Davor müssen sich seine Landsleute, aber auch wir in der freien Welt fürchten. Ich glaube, wir müssen uns vor Trump als Propagandist mehr fürchten als vor ihm als Präsident. Denn da war er noch einigermassen unter der Kontrolle der Behörden.   Sehe ich Situation zu schwarz oder geben mir die Ereignisse bald recht? – Jochen Wagner

 

Schon zum zweiten Mal innerhalb einer Woche lese ich in Ihrer Zeitung, dass den Autoren zur Erklärung des Wahlverhaltens der lateinamerikanisch-stämmigen Bevölkerung in den USA nichts Besseres einfällt, als auf deren „Machismo“ zu verweisen. Gängige Vorurteile gegenüber Lateinamerikanern ersetzten hier offensichtlich die politische Analyse. Denn diese Wählergruppe ist kein homogener Block. Die kubanisch-stämmigen Wähler in Florida z.B. sind zum größten Teil die Nachkommen der ehemaligen kubanischen Oberschicht, die von Fidel Castro nach der Revolution enteignet und ins Exil getrieben wurde. Mit seinem Schüren der Angst vor dem „Sozialismus“ konnte Donald Trump diese Gruppe für sich gewinnen, was ihm dann auch den Wahlsieg in Florida beschert hat.

Doch es sind nicht nur soziale Unterschiede und die daraus resultierenden wirtschaftspolitischen Präferenzen. Darüber hinaus betrachtet sich ein nicht unerheblicher Teil der Lateinamerikaner (dasselbe gilt vermutlich für die asiatisch-stämmige Bevölkerung) gar nicht als Farbige (oder „People of Colour“, wie es im politisch korrekten Neusprech heißt), sondern als Weiße. Sie fühlen sich dann nicht nur nicht angesprochen, wenn sie von Seiten der Demokraten mit den Afroamerikanern in einen Topf geworfen werden, einige könnten dies sogar als diskriminierend empfinden. Die Homogenisierung des Heterogenen durch eine überzogene Identitätspolitik war letztlich der eigentliche Grund dafür, dass die Wahlen in den USA spannender wurden als von vielen „Analysten“ erwartet. – Dr. phil. David Egner

 

Richtig, Kampf um Amerika ist nicht entschieden. Trumps Anhänger bleiben machtvoll und sie bestimmen weiterhin den Weg der USA maßgeblich mit. Geschmeidigere Köpfe werden das rückwärtsgewandte und eindimensionale Gedankengut, das Trump befeuert und auf Dauer institutionalisiert hat, pflegen und hegen, damit es bei der nächsten Wahl in smarterem Gewand wieder zur Wahl steht und nachhaltigeren Erfolg zeitigt. Jetzt bei uns nun wieder zur Tagesordnung überzugehen wäre eine fatale Reaktion. Wir haben nur eine Chance: Wehren wir den Anfängen bei uns und finden wir einen unabhängigen europäischen Weg, der diese Gefahren erkennt und bannt. Wir haben Glück, wir haben in der Ferne schon 4 Jahre beobachten können, wohin das führt – und dieser Virus hat auch hier schon seine Wirte gefunden. – Uwe-Carsten Edeler

 

Präsident Trump hat es geschafft seine abnehmende Zeit als Präsident so zu beenden wie er sie begonnnen hat; mit Lug und Trug und keinerlei Einsicht in die Wirklichkeit. Der Umgang mit der Wahrheit ist nicht die Sache des Mr. Trump. Es ist eigentlich Unverständlich wieviele US-Bürger ihm trotz seiner Eskapaden ihre Stimme gegeben haben. Die Evevangelikalen haben doch ganz offensichtlich zum grossen Teil ihre Bibeln verbannt/verbrannt, denn anders ist es nicht zu erklären, dass sie einem Mann gewählt haben für den die 10 Gebote nicht mal mehr Angebote sondern wohl gar nicht Existent sind (da hilft auch gemeinsames Beten im Fernsehen, mit verschlossenen Augen, nichts). Somit bleibt nur zu hoffen, dass der sogenannte Trumpismus, wie Mr. Trump selber, nur eine Laune der Geschichte ist und nicht länger vorhält. – Felix Bicker

 

Verlierer sind gefährlich! Den kathastrophal – dramatischen Beweis haben unsere Vorväter erbracht. Sie haben den ersten Weltkrieg verloren, dann eine Dolchstoßlegende erzählt und dann den zweiten Weltkrieg begonnen. Trump hat die Wahl verloren und erzählt die Geschichte vom bösen Betrüger und dann…? Das „Gute“ wird von „bösen Mächten“ um die Weltherrschaft gebracht und dafür gibt es sogar ein philosophisches Vorbild: Nieztsches gutes, starkes, prächtiges Raubtier Mensch wird vom „listigen Priester“ um seine verdiente Beute gebracht.

Im Zentrum steht der Verlierer (auch wenn er nur glaubt verloren zu haben). Selbstverständlich haben die Religionen /Evangelisten, Islamisten usw) gegen die Moderne verloren, selbstverständlich haben die Nationalisten gegen die Globalisten verloren Selbstverständlich haben die Männer ihre Herrschaft über die Frauen verloren und als Grund für covididiotisches Verhalten nennt die Prychologie den Kontrollverlust. Nicht verloren haben die Mächtigen im Hintergrund. Die Republikaner nutzen Trump und seine Fähigkeit die Verlierer zu binden um an der Macht zu bleiben. Dafür steht in USA derzeit ein Namen: Mitch McConnel. Sie mögen das als Verschwörungstheorie bezeichnen aber denken Sie an das historische Vorbild: Die Verbindung aus Kons und Nazis.

Vielleicht noch wichtiger als die großen Kathastrophen ist das Klein-Klein, der Microkosmos unserer Gesellschaft, der das Große erst ermöglicht. Vom Kindergarten (wer ist der Schnellste) über Schule, Uni, Beruf (wer verdient am meisten) bis zur Politik (wer bindet die meisten Stimmen) gilt Wer gewinnt den Wettbewerb? Immer steht am Ende „The winner takes it all“ der Verlierer darf in den Stuhlkreis, wo noch die Verdoppelung des Ganzen dazukommt: Die Eigenverantwortung. Ob Sieg oder Niederlage Du bist selber schuld. Ein höchst erfolgreiches Systhem! Aber ist der Preis (die Rache des Verlierers) nicht doch zu hoch? Oder gibt es einfach kein anderes Systhem? – Dieter Herrmann

 


 

 

Leserbriefe zu „Das werden wir uns nicht mehr nehmen lassen“. Gespräch mit Ursula von der Leyen geführt von Bernd Ulrich

 

Ihrem ehemaligen Pressesprecher Jens Flosdorff konnte Frau von der Leyen eben diese Stelle auf EU-Ebene nicht mehr zukommen lassen – mangels Qualifikation. Für ihren engen Vertrauten (laut Peter Dausend ist Flosdorff im „System von der Leyen“ kein Geringerer als „der beinharte Taktiker, der seine Chefin nach ganz oben coacht“) wurde also kurzerhand eine neue Stelle erfunden; die Kommissionsbürokratie wird ausgetrickst, um den persönlichen Imageberater auf EU-Kosten beschäftigen zu können – und das im zweithöchsten Dienstgrad, Herr Flosdorff erhält also, steuerlich finanziert, monatliche Bezüge von 20.000€ (so viel wie unsere Bundeskanzlerin). In Anbetracht dessen fällt es schwer, von der Leyens Anmahnung, man müsse um das Vertrauen in die europäische Demokratie ständig kämpfen, nicht als Plattitüde abzutun. Eine noch wohlwollende Einordnung. Wem dieses Urteil zu streng vorkommt, dem/der sei von dieser Seite mal Abgestumpfheit, das nepotistische Gebahren unserer Spitzenpolitiker betreffend, unterstellt. – Julian Vondereck

 

Habe ich da etwas verpasst? Gibt es noch ein zweites, anderes Europa, jenes von dem Ursula von der Leyen spricht? Ich jedenfalls habe noch nie etwas von einem selbstbewussten Europa mitbekommen, egal ob politisch, militärisch oder wirtschaftlich. – Peter Riegger

 

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schreibt in der ZEIT Nr. 47 vom 12. November 2020, S.2: „Wir [Europäer] müssen aufpassen, dass wir unseren Startvorteil in Sachen Klimaschutz und Klimatechnologie behalten.“ Nein, das müssen wir eben nicht. Wir (und damit meine ich nicht nur die Europäer, sondern alle Erdenmenschen) müssen statt dessen dieses schädliche Konkurrenzdenken und -handeln, das uns erst in diese katastrophale Lage gebracht hat, endlich überwinden und gemeinsam(!), also zusammen und nicht gegeneinander, für die schleunige Weiterentwicklung von Klimaschutz und Klimatechnologie wirken, um überhaupt noch eine Chance zu haben, unser eigenes Aussterben zu verhindern. – Thomas Movtchaniouk

 

„Nicht mehr nehmen lassen!“ – das fühlt sich ja an wie ein Akt der Emanzipation, wie das eigentliche Ende der Nachkriegszeit. Erst Russland und nun die USA, eigentlich ja auch England: Alle ein Stück weiter weggerückt. Frankreich, dazumal der unwahrscheinlichste Partner, Frankreich bleibt nahe. Zu hoffen ist nur: Ursula von der Leyen behält Recht mit dem Vorrang von Investition vor Intervention. Wir machen also nicht einfach weiter mit lange enttäuschten Instrumenten wie ISAF und Consorten. Sondern wir werten die „war theaters“ der letzten Jahrzehnte gemeinsam nach Kosten, Nutzen und Schäden aus. Will sagen: Wir sind bereit, neu und diesmal ziviler zu gestalten. – Dr. jur. Karl Ulrich Voss

 

Im Interview mit Frau von der Leyen zum Artikel „das werden wir uns nicht mehr nehmen lassen“ stellen Sie die Frage, ob sie sich darüber freuen würde, dass die Amerikaner in Sachen Geschlechtergerechtigkeit zu Deutschland und Europa aufgeschlossen haben, in dem sie eine Frau als Vizepräsidentin in das Weiße Haus wählten. Aus meiner Sicht geht es bei einer demokratischen Wahl darum, den besten Kandidaten oder die beste Kandidatin zu ermitteln, der/die es schafft die meisten Wahlberechtigten davon zu überzeugen sie zu wählen.

In diesem Verfahren geht es nicht darum, dass der Gesetzgeber bei der Wahl eine geschlechterbezogene Gleichberechtigung sicherstellt. Bei der Wahl geht es um diese eine Person, die es gilt auszuwählen. Natürlich können Kandidaten mit Ihrem Geschlecht die Wähler überzeugen sie zu wählen. Die Entscheidung, ob das Geschlecht von Relevanz ist liegt bei jedem einzelnen Wähler. Vor diesem Hintergrund bin ich irritiert, dass Sie in Ihrem Interview von einer Geschlechtergerechtigkeit sprechen. – Tobias Heine

 

Sie fragen Frau von der Leyen, ob sie sich darüber freut, dass mit Kamala Harris eine Frau ins Weiße Haus gewählt wurde, „wenn auch erst mal nur als VP“. Nur? Warum die Einschränkung? Freuen wir uns darüber, ohne Einschränkung. – Margret Neldner

 

Bitte helfen Sie mir, ein Rätsel zu lösen: In der jüngsten Ausgabe der ZEIT stellt Ihr oft als Edelfeder apostrophierter Bernd Ulrich seinem Interview mit Ursula von der Leyen ein Motto voran, in dem es heißt: „Europa ist unabhängiger von den USA geworden …“. Frage: Wie, bitte, geht das? „Unabhängiger“ ist der Komparativ von „unabhängig“. Nur ist „unabhängig“ leider ein Superlativ in sich, denn es bedeutet „nicht abhängig“. Und weniger „abhängig“ als „nicht abhängig“ geht wohl nicht. Jung-Journalisten lernen schon in den ersten Wochen ihres Volontariats, dass es viele Adjektive gibt, die sich beim besten Willen nicht steigern lassen. Auch in der Redaktion, der von mir ansonsten hoch geschätzten ZEIT, sollte sich herumgesprochen haben, dass es in dem erwähnten Motto nur hätte heißen können: „Europa ist weniger abhängig von den USA geworden …“. Übrigens hätte ich Ihnen nicht geschrieben, wäre ich in Ihrem Blatt nicht schon häufiger über solche kleinen Sprach-Schlampereien gestolpert. Ein guter Textchef würde diese herausfischen, bevor sie ins Blatt rutschen. – Klaus Kresse

 


 

 

Leserbriefe zu „Hatz durch die HafenCity“ von Christiane Lemke-Matwey

 

Die Aussage zum BSP, „Gab’s auch mal ein Lied drüber, Neue Deutsche Welle, 1978“, ist unpräzise. Gewiss, das Lied wurde 1978 erstmals veröffentlicht. Gewiss, die Neue Deutsche Welle entstand Ende der Siebzigerjahre – diese beiden Fakten entnehme ich der Wikipedia. Aber meine Erinnerungen fügen hinzu, was sich dann auch in den jeweiligen Wikipedia-Einträgen finden lässt: Erst 1982 wurde „Bruttosozialprodukt“ zu einem Hit; für mich ist das Stück untrennbar mit dem Wechsel von Schmidt zu Kohl verknüpft (und wie ich lese, trat Geier Sturzflug einen Tag nach Kohls Wahl zum Bundeskanzler erstmals im Fernsehen auf). Und die Neue Deutsche Welle wurde mir (und so wohl auch weiten Teilen der Republik) erst 1981/82 zum Begriff. Im Frühsommer 1982, in der achten Klasse, hatten wir auf unserer Klassenfahrt im Bus pausenlos eine Cassette mit den entsprechenden Hits laufen. – Corinna Friesen

 

Verkehrsregeln sind nun mal keine Auslegungssache, glücklicherweise müssen sich auch radelnde Feuilleton-Journalistinnen an sie halten. Vielleicht schützt eine rote Ampel irgendwann auch einmal Sie, wenn Sie im sommerlichen Maffay-Flow ein klitzekleines Auto übersehen. Aber dass Sie sich über die Verkehrspolizisten auch noch öffentlich lustig machen, ist dann schon arg daneben. Nur leider gehören Spott und Häme gegenüber der Polizei ja mittlerweile zum guten Ton. – Klaus-F. Krone

 

Frau Lemke-Matwey glaubt offenbar, daß für sie als Radfahrerin und stv. Leiterin des Feuilletons der ZEIT Gesetze, Vorschriften und Regeln im Strassenverkehr nicht gelten. Da muss sie sich auch nicht wundern, wenn andere Menschen das aus anderem Anlass genauso sehen und ihr eigenes Ding machen. Und sich über Polizisten lustig zu machen finde ich auch recht billig. – Ulrich Kalbitzer

 

Ich habe nur Ihren kurzen Kommentar zu dem Fahren bei Rot gelesen, nicht den ganzen Artikel, bekomme aber einen dicken Hals (ich bin auch Radfahrerin, Fußgängerin und Autofahrerin). Fahren Sie auch bei Rot, wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind?   Mich nerven die Radfahrer, für die keine Regeln gelten. Als Radfahrerin sind Sie ein Verkehrsteilnehmer wie ein Autofahrer und somit an die Regeln gebunden oder fahren Sie auch mit dem Auto auf der falschen Seite, in eine Einbahnstraße etc? Hoffe, Sie kommen nie unter ein Auto, weil für die dann ja wohl grün war, wenn es für Sie rot anzeigte, aber dann sind ja wieder die schrecklichen Autofahrer schuld!! – Regina Ernst

 

Darüber bin ich diesmal gestolpert: »Liebe Polizei Hamburg, hiermit gelobe ich: Es wird alles gut gehen. Ich fahre nicht einmal mehr bei Gelb über die zwölf sinnlosen Ampeln, die meinen Büroweg säumen.« Habe ich das richtig verstanden: Ihre stellvertretende Ressortleiterin steht über dem Gesetz, mokiert sich darüber, dass sie bei einem Rotlichtverstoß von Polizisten angehalten wird und legt selber fest, welche Ampeln sinnvoll sind und welche nicht? Tut sie das als Mitarbeiterin der „Zeit“ oder als Radfahrerin? Damit findet sie sich allerdings in bester Gesellschaft, denn dass Radfahrer die Straßenverkehrsordnung so auslegen, wie es ihnen passt, erlebe ich jeden Tag. – Ludwig Baumm

 

Fragen Sie mal Ihre Kollegin Christine Lemke-Matwey, ob sie denn auch, nachdem sie bei Rot gefahren war, einen Bußgeldbescheid von € 88.50 kassiert hat, wie ich am 26.5.20? – Heidi Kroll

 

Ich freue mich jeden morgen über Nachrichten, die mir helfen mir eine Meinung zu bilden. Allerdings bin ich gar nicht einverstanden, dass sich Ihre Feuilleton-Chefin daran stört bei Rot an der Ampel anzuhalten. Mir erscheint es manchmal auch sinnlos an einer roten Ampel zu halten, obwohl kein Verkehr kreuzt. Aber es ist eines dieser Dinge, die das Verhältnis zwischen Autofahrern, Radfahrern und Fußgänger vergiftet: Die Regeln gelten scheinbar nicht für alle?!? Ob es dazu drei (ja, wirklich drei!) Polizisten braucht, nun ja. Aber es braucht auf jeden Fall die grundsätzliche Einstellung Regeln einzuhalten.  Wir sehen doch grade in diesen Zeiten, wohin es führen kann, wenn man das Befolgen von Regeln selbst auslegt, man gefährdet Andere… Natürlich muss man deswegen nicht alle Regeln blind befolgen – aber meine Freiheit endet dort, wo ich die der anderen einschränke!  Trotzdem weiter so! – Jens Sendel

 


 

 

Leserbriefe zu „Heilen und heilen lassen“ von Amrai Coen et al.

 

Erstmal vielen herzlichen Dank für die umfassende Berichterstattung zu den US-Wahlen! Eine kleine Antwort vermisse ich darin, anhand derer es jedoch nunmehr ums fast Ganze geht: siehe Betreff. Ich weiß, dass diese Senator*innenstichwahlen bei entsprechendem Ausgang das „Durchregieren“ der Demokraten ermöglichen könnten – aber wer wählt diese denn? Das Volk? die Antwort auf diese Frage finde ich leider in den Artikeln, die dieses Faktum jeweils ansprechen, nicht. Falls das Volk die Senator*innen wählt, wäre es superspannend zu erfahren, welche Art Wahlkampf jetzt dort von beiden Parteien gemacht wird und wie sich die Menschen dazu verhalten. Gelingt erneut eine Wähler*innenmobilisierung? Etc. Falls das Thema in Ihre Redaktionsplanung passt, würde ich mich sehr freuen, in den nächsten Tagen oder Wochen (es geht ja erst im Januar los, nicht wahr?!?) dazu etwas Erhellendes zu lesen. – Anne Bussmann

 

Vielen Dank für diesen sehr interessanten Beitrag.  Allerdings hat sich gleich am Anfang ein Fehler eingeschlichen. Dort wird erklärt, dass Atlanta eine halbe Million Einwohner habe. In Wirklichkeit sind es aber mehr als 5 Mio. 🙂 – Joachim Sturm

 

Komme ich momentan von Deutschland nach USA muss ich geistig einen großen Hebel umlegen in der Art, wie ich mich zu politischen Themen äußere. In Deutschland argumentieren die Menschen beim Thema US-Politik / Trump offen und differenziert, obwohl die Diskussionen meist ‚Anti-Trump‘ geführt werden. In unserem privaten Umfeld in Massachusetts an der Ostküste der USA sind sich alle einig: Kopfschütteln über Trump, Verzweiflung bis Verärgerung über die Situation des Landes, Spott und Genugtuung über die Wahlniederlage. Im beruflichen und öffentlichen Bereich findet keine politische Diskussion statt. Zu viele offene Wunden, heikle Themen und Fallen politischer Unkorrektheit bestehen. Über 70 Millionen Amerikaner haben für Trump gestimmt. Das sind nicht alles schiesswütige weiße Hillbillies ohne Highschool-Abschluss und Zugang zu objektiven Nachrichtenquellen. Trotzdem wagt niemand, aufeinander zuzugehen und einen produktiven Austausch von Ideen zu starten. Einen gemeinsamen Startpunkt gibt es aber vielleicht: das Gefühl, dass im Land etwas seit langem schiefläuft und sich ändern muss. – Rüdiger Rivkin Haag

 

Heilen und heilen lassen –der fehlende Blick über die Empathiemauer. Im Nachklang der US-Präsidentschaftswahlen verfassten Amrai Coen, Lukas Hermsmeier und Holger Stark einen vielversprechenden Beitrag für das Dossier der ZEIT-Ausgabe vom 12. November 2020. Die Drei machten sich die Mühe mit drei unterschiedlichen Personen über die US-Wahlen zu sprechen –dabei trafen sie sich mit einem Aktivisten von Black Lives Matter(BLM)aus Atlanta, einer konservativen Republikanerin und Wahlkampfhelferin Trumps aus Florida und einem republikanischen Anwalt aus Virginia. Der Beginn liest sich vielversprechend–verschiedene Blickwinkel auf ein zutiefst gespaltenes Land gäben uns die Möglichkeit die tatsächlichen Probleme der Amerikanischen Gesellschaft und Demokratie zu verstehen.

Tatsächlich aber verflüchtigt sich dieser vielversprechende Ansatz des Artikels ebenso schnell wieder, wie er aufkam. Selbstverständlich ist in einem Dossier einer Wochenzeitung nicht genügend Platz für eine breit angelegte soziologische Studie –das erwarte ich auch nicht –aber den drei Autoren gelingt es zu keinem Zeitpunkt auch nur einen Blick über das zu erhaschen, was Arlie Russel Hochschildt die Empathiemauer nennt. Der schwarze BLM-Aktivist steht einem (links-)liberal eingestellten Menschen selbstverständlich näher und daher gibt es keinerlei große Schwierigkeiten in dem Artikel, wenn über Devin Barringtion-Ward geschrieben wird. Die Beweggründe für sein politisches Engagement sind nur allzu nachvollziehbar und in der Sache vollkommen richtig–er befindet sich auf derselben Seite der Empathiemauer, auf der auch die Autoren des Textes stehen. Sein Werdegang wird uns vor Augen geführt, seine missbilligende Haltung gegenüber der Polizei ist angesichts seiner bereits sehr früh gemachten negativen Erfahrungen nur verständlich und sein soziales Engagement, bspw. für bezahlbare Mieten ist richtig und konsequent im Kampf gegen Rassismus.

Wir verstehen Devin. Wir sehen uns auf derselben Seite –erst recht, als er sagt, dass Biden nicht sein Wunschkandidat gewesen sei. Dennoch freuen wir uns gleichermaßen mit ihm über die Abwahl Trumps. Schwieriger wird es Kathrin Gates-Skipper und Tim Griffin. Hier wird deutlich wie groß die Empathiemauer zwischen (Links-)Liberalen und Konservativen ist, wie groß die Gräben zwischen beiden Lagern. Nach mehrmaligem Lesen erfahren wir nichts über die Beweggründe ihres politischen Engagements –geschweige denn darüber, wofür sie sich politisch explizit einsetzen. Die Beschreibung von Kathrins Person und Werdegang beschränkt sich auf wenige Stichpunkte: sie kommt aus den Südstaaten, lebt auf einer Ranch, ist Republikanerin und veranstaltete zum Wahlkampf Autokorsos mit Pick-Ups und Trucks.

Bei Tim Griffin ist es ähnlich. Direkt zur Vorstellung seiner Person wird klar gemacht, dass sich in seinen Aussagen ein rassistischer Unterton befindet. Er hält zu Trump, weil dieser gegen Abtreibungen sei–die Tim Griffin als Genozid bezeichnet. Tim ist Anwalt, kommt aus Virginia und hat zwei Töchter. Das war ́s mit seiner Vorgeschichte. Die Restmotivation für sein politisches Engagement scheint sich daraus zu speisen, dass er Rassist und Abtreibungs-Gegner ist. Eine tiefergehende Analyse über die Ansichten der beiden, sowie über die vieler Amerikaner*innen wird nicht gewagt –ja, es wird nicht einmal an der Oberfläche gekratzt. Darüber, dass sich Georgia erst gegen Ende der 1990er Jahre zu einem republikanisch-wählenden Bundesstaat entwickelte, der vorher fast immer demokratisch wählte, wird kein Wort verloren –geschweige denn über die Ursachen dieser Entwicklung.

Ähnliches gilt auch für Staaten wie Pennsylvania, zugehörig zum Rust Belt, die bis zur Wahl 2016 überwiegend demokratisch wählten und sich dann plötzlich für Donald Trump entschieden. Es wird nicht darüber berichtet, dass viele der dort lebenden Menschen ein grundsätzliches Problem mit dem Staat haben, den sie als Problem verstehen. Siewurden hart getroffen von der Deindustrialisierung, von staatlichen Kürzungen für öffentliche Mittel, Steuervermeidung im großen Stil, wie in Delaware, dem Staat in dem Biden jahrzehntelang Senator war, die staatlichen Versäumnisse in der Regulierung von Unternehmen oder der Durchsetzung von Umweltschutzmaßnahmen. Ganze Regionen in den Südstaaten verschwanden in sog. Sinkholes, Bayous von denen unzählige Menschen lebten, die ein Teil ihrer Kultur ausmachten, wurden von Unternehmen zu verunreinigten Giftkloaken verschandelt  -das alles, obwohl die Bundesstaaten über die Risiken und das, was geschehen könnte genaustens Bescheid wussten.

Selbstverständlich ist auch ein Leserbrief nicht der richtige Rahmen für eine umfassende Analyse der Amerikanischen Gesellschaft–aber Probleme sollten dennoch angesprochen werden. Wir kommen nicht weiter, wenn wir Republikaner und Trump-Anhänger nur als Pick-Ups fahrende, Fahnen-schwenkende Rassisten, als Verachtenswerte sehen und uns nicht fragen, warum diese Menschen staatliches Handeln ablehnen, obwohl sie am meisten davon profitieren könnten. Genau das tut dieses Dossier in keinem Fall. Die Autoren verweilen auf ihrer, auf unserer Seite der Empathiemauer und machen es sich dort bequem –Biden und Harris werden das Land schon wieder heilen. Ein beruhigender Irrglaube. – Julien Niemann

 

Zur Amerika-Wahl drei Kommentare. 1. Ich bin erstaunt, dass sich Amerikaner, die, so wie ich sie kennen gelernt habe, immer alles optimistisch sehen und alles sportlich nehmen, sich als überaus schlechte Verlierer erweisen können. 2. Die USA sind meines Wissens auch das einzige Land weltweit, wo sich die Regierungspartei über vermeintliche Unregelmäßigkeiten bei nationalen Wahlen beschwert. Das ist üblicherweise ein Problem der Opposition. 3. Und wie vermutlich die Mehrzahl der Europäer bin ich entsetzt, wie sich die republikanische Partei (wie weiland die Deutschnationalen) über die offensichtliche Charakterschwäche ihres Kandidaten hinweg setzt und aus einem zynischen Kalkül heraus die Fundamente ihrer Nation auf’s Spiel setzt. Nun ja, Macht korrumpiert, und viel Macht korrumpiert viel. Fazit: Die Amerikaner offenbaren in meinen Augen eine ungeahnte Charakterschwäche, auch wenn sie sich letztlich und knapp noch einmal für einen gemäßigten Kandidaten entschieden haben. – Till Borchert

 

Der Wahlsieg von Joe Biden und Kamala Harris soll in den USA eine Zeit der Heilung ermöglichen. Das ist ein großes Versprechen! Gut hätte ich jedenfalls gefunden, wenn in dem Dossier dazu nicht nur der allgemeine Hinweis auf die Bibel, es gebe für alles die richtige Zeit, erwähnt worden wäre, sondern zum Nachlesen auch die entsprechende alttestamentliche, also jüdische Quelle: Der Prediger Salomo, Kapitel 3. Und noch etwas fällt mir in der Wortwahl Joe Bidens auf: die Übereinstimmung der angestrebten Qualitäten des Vereinens und Versöhnens mit dem Motto „Versöhnen statt spalten“ eines früheren Lehrlings meines Vaters, des Buchhändlers und Verlegers Emil-Wilhelm Müller (Emil Müller-Verlag, Wuppertal).

Dieses Vereinen, Versöhnen und Zusammenführen ist eben kein politisches Programm unter anderen, sondern eine Lebenskonstante, die Unterschiede und fairen Wettbewerb zulässt und vor zum Prinzip erhobenen Spaltungen warnt. Würde die Wirkung dieses Mottos von Johannes Rau also jetzt in den USA nicht weiter behindert, sondern zur Entfaltung gebracht, dann würde das sicher die in jeder Gesellschaft und jeder Gemeinschaft schlummernden und schon aktiven Selbstheilungskräfte aufwecken und stärken. „Make America great again“ würde dann aus dieser Perspektive erfolgreich werden – ohne Isolationismus. – Christoph Müller-Luckwald

 


 

 

Leserbriefe zu „Was Goethe fehlt“ von Anna-Lena Scholz

 

Während meiner (ehemaligen) Mitarbeit in einer Institution, die ebenfalls im Bereich der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik tätig ist und als derzeitiger freier Fortbilder Deutsch als Fremdsprache, habe ich mich bei der Kooperation mit dem Goethe-Institut wiederholt überzeugen können, welche hervorragende Arbeit in den Auslands- und Inlandsinstituten geleistet wird. Mit Sicherheit ist der Aufbau deutsch-französischer Kulturinstitute ein wichtiger Schritt in der gemeinsamen europäischen Kulturpolitik, jedoch wäre es  gleichzeitig sinnvoll, sich zunächst intensiver der Bildung von Synergien zwischen den sogenannten deutschen Mittlerorganisationen zu widmen, zu denen neben dem Goethe-Institut z.B. auch die Deutsche Welle, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, der Deutsche Akademische Austauschdienst und das Institut für Auslandsbeziehungen gehören.

Durch eine entsprechende Bündelung von Initiativen, Materialentwicklung und Projekten kann der Impakt auswärtiger Kulturpolitik sicherlich verstärkt werden. Die bisher stets gelobte Diversität der Mittler mag ihren Stellenwert haben, dennoch wär  – gerade im Hinblick auf die eingesetzten Steuergelder – eine Ergänzung in dieser Hinsicht sinnvoll. Gleichzeitig kann die Expertise des Goethe-Instituts und anderer Mittler durch Verzahnung der kulturellen Innen- und Außenpolitik verstärkt im Inland genutzt werden, denn gerade in den Zeiten, in denen Lehrkräfte für Lerner(innen) mit Migrationshintergrund dringend gesucht werden oder bereits entsprechend tätige Hilfestellung benötigen, lassen sich viele Aspekte der Auslandsarbeit mühelos auf diese Zusammenhänge übertragen, was in einigen Publikationen und Materialien, die bisher verfügbar sind, auch bereits erfolgreich angedacht wird. – Dr. Rainer E. Wicke

 

Es will mir gefallen, dass Carola Lenz, die neue Leiterin des Goethe-Instituts in München den zwölf Innland-Institute mit neuen Leben einhauchen will. Sie möchte die „Welt zu uns holen, Wissenschaft, Kunst und Bildung anderer Länder bei uns wahrnehmbar machen“. Ja, so könnte man das Weltwissen der vielen zurückgekehrten Goethemitarbeiter, ihren kulturellen Mehrwert und die wertvollen Netzwerke, die sie in der Welt geknüpft haben hier vor Ort, den deutschen Bürgerinnen und Bürgern anbieten. Wo bislang nur Sprachkurse stattfinden und Deutschprüfungen abgenommen werden, könnten wichtige transnationale Begegnungszentren entstehen.

Während meiner Tätigkeit im Auslandschuldienst hatte ich die Möglichkeit mit den Goethe-Instituten in Warschau und Krakau zusammenzuarbeiten. Für die polnischen Deutschlehrer und ihre Schüler waren die Besuche in den Goethe-Instituten stets sehr wichtige, authentische Begegnungen mit dem deutschen Film, mit deutschen Autoren, interessanten Ausstellungen bis hin zu aktiven Teilnahme an kreativen Projekten. Eine solche Wahrnehmung der kulturellen Vielfalt aus Deutschland hat den Erwerb bzw. die Vermittlung der deutschen Sprache für Schüler wie Lehrer zum Kultur-Erlebnis gemacht.  Ähnlich könnten die Innland-Goethe-Institute die reingeholte Welt für die Bürger*innen vor Ort vermitteln. Das wäre doch ganz im Sinne der neuerdings geforderten transnationalen auswärtigen Kulturpolitik.

Konkret könnte das zum Beispiel bedeuten, dass die Organisatoren der 2. Europäischen Bürgerbegegnung in Kassel, die – wenn die Pandemie es erlaubt – im Herbst 2021 stattfinden soll, mit dem Goethe-Institut in Göttingen kooperieren könnten. Eingeladen sind Menschen aus allen Eu-Mitgliedstaaten. Die Europa Union Kassel e.V. und Puls of Europe Kassel laden EU-Bürger*innen zum zweiten Mal in die documenta-Stadt ein, damit wir uns besser kennenlernen. Europa muss viel mehr als bisher von unten wachsen. Gern würden wir bei dieser Gelegenheit die Welterfahrung des Goethe-Instituts nutzen dürfen. So stelle ich mir Synergiebündelung in Europa vor. – Krystyna Götz

 

Oh jeh – das Goethe!! Institut – und/oder Schulen… Wenn einer Institution des Bundes der Sinn entglitten ist, kann keiner wissen, ob es auch an Geld fehlt: für Sinnsuche sollten keine Steuermittel aufgewendet werden – auf jeden Fall aber fehlt es an sinnstiftender Führung! Nach meiner Beobachtung ist dem Goethe schon mit der Dt Einheit der Blick für die Zukunft entschwunden – und spätestens ab 2015 hat die Bundesregierung zumindest nicht „mit dem Goethe“, wenn nicht sogar „gegen das Goethe“ entschieden.

Trotz Kultur-Beauftragter, der mglw auch der Sinn für Zukunftsgestaltung entglitten ist, wurden neben Goethe auch Humboldt, DAAD und ein weiteres Dutzend von Kultur-„Instituten“ gefördert – eben Gießkannenprinzip auf hohem -finanziellen – Niveau! Der Markt für „Deutsch als Fremdsprache“ ist zwar insgesamt unübersichtlich – aber schon ein halbes Dutzend Ressorts unterhalten Kurse – und ganze Schulen- für Sprachunterricht DaF – im In- und Ausland! Und das AA (neben BuKA und BMFin…) kennt sie alle!

Wenn das AA jetzt das Goethe stützen muss, dann vor allem deshalb, weil es 30 Jahre lang dem Goethe Konkurrenz hat aufbauen lassen – und finanziell nicht auf „ortsüblich und angemessen“ bestanden hat – weshalb die Goethe- Angebote heute überteuert sind. Und das Goethe war nicht in der Lage, auf Deutschlands NATO – Beitritt, den EU-Aufbau und die Wiedervereinigung zu reagieren!  Zu viele verpasste Chancen? – Franz Berger

 

Der neuen Goethe-Präsidentin kann man nur viel Erfolg wünschen. Wenn sie sich die Geschichte des Vereins anschaut, wird sie schnell feststellen, dass die Selbstprovinzialisierung früher sehr erfolgreich war. Die Inlandsinstitute waren ja in der Anfangszeit bewusst in Provinzstädten in damals strukturschwachen Gebieten (Markgräfler Land, Mittelfranken usw.) gegründet worden. In den 90er Jahren glaubte man dann, die Aktivitäten in Boomstädte (Freiburg im Breisgau, München (Au) usw.) verlegen zu müssen, nur um jetzt festzustellen, dass man im globalen Education- und Event-Business nicht wirklich mithalten kann. (Corona verschärft das nur noch ein bisschen.) Hätte man damals Institute in Hoyerswerda oder Rostock-Lichtenhagen gegründet, wäre Deutschland vielleicht einiges erspart geblieben.  Goethe sollte da sein, wo Deutschland brodelt: Damals in Weimar und nicht in Frankfurt, heute vielleicht in Duisburg-Marxloh und nicht in München (wo man die Lehrkräfte eh nicht anständig bezahlen kann). – Peter Häußermann

 

Schön ist es, daß sich ein Text der ZEIT im Bereich „Wissen“ so ausführlich mit Aktualität und Arbeit des Goethe-Instituts beschäftigt. Schade ist es, daß sich bestimmte Vorurteile bezüglich seiner Arbeit im Ausland offenbar hartnäckig halten. „Vermittlung nationaler Sprache und Kultur“ ist ganz sicher die Hauptaufgabe der Kulturinstitute Frankreichs, Rußlands, Chinas etc. etc. Und dort ist dann der jeweilige nationale Botschafter im Gastland gegenüber dem Leiter des betr. Kulturinstituts weisungsberechtigt.

Der internationale Erfolg des Goethe-Instituts beruht jedoch seit den 60er Jahren zum guten Teil darauf, daß der Leiter eines GI im Ausland in seinen Entscheidungen dem Botschafter gegenüber nur eine Informationspflicht hat, und dieser nur ein Vetorecht, wenn er den Eindruck hat, daß das Projekt des  GI den „außenpolitischen Interessen der Bundesrepublik widerspricht“. Der „Sinn“ der Auslandsarbeit des GI liegt jedoch primär nicht in  kultureller Selbstdarstellung, sondern im kulturellen Dialog mit dem Gastland. Die Projekte entstehen dann in der Regel aus Kontakten mit Personen des Gastlandes und werden mit dortigen Partnern erarbeitet und durchgeführt.

Tatsächlich beneiden uns die Kollegen z.B. der örtlichen Maison de France oft um die „Freiheit“ unseres Arbeitens. Fast jeder neue Präsident und Generalsekretär des GI holte sich darum zunächst wichtige Anregungen für seine Arbeit aus Besuchen der Auslandsinstitute, und das gilt sicher auch für die neue Präsidentin Carola Lentz, der ich als langjähriger ehemaliger Mitarbeiter dieser wunderbaren Institution viel Erfolg und alles Gute wünsche. – Dr. Ulrich Merkel

 


 

 

Leserbriefe zu „Wie eine Befreiung“ von Jörg Lau

 

Ich will Ihren Artikel gar nicht weiter kommentieren, weil er wie alle Berichte aller Medien über die US-Wahl etwas voraussetzt, was noch gar nicht passiert ist: die Wahl von Jo Biden zum Präsidenten. Alles, wirklich alles was jetzt verbreitet wird, ist pure Hoffnung. Donald Trump mag in unseren Augen ein Irrer, Lügner oder was auch immer sein, aber leider hab ich irgendwie das Gefühl, das sein Verhalten im Moment einem Plan. Also Vorsicht mit allen Mutmaßungen. – Jürgen Sievert

 

Aus dem demagogischen Triumvirat Putin, Xi, Trump muss The Donald ausscheiden und schnell ersetzt werden. Die Proud Boys Erdogan und Bolsonaro, Johnson und Orban sind im Stand by Modus. – W. Scheer

 

Das von Ihnen geschilderte erstaunliche Wahlverhalten von amerikanischen Wählergruppen veranlasst mich zu zwei Schlussfolgerungen: Erstens ist die Szene LGBTQ, auch wenn es das Kürzelungetüm suggeriert, überhaupt nicht homogen. Und das gilt nicht nur in politischer Hinsicht. Zweitens zeigt uns die Wahl, dass ein Drittel der Amerikaner in den deutschen Medien bisher so gut wie nicht vorkamen. – Axel Voß

 

Wahrheit und Vernunft, diese für Erhalt und Durchsetzungsfähigkeit einer demokratischen Gesellschaft unverzichtbaren Basics, waren also trotz der Nichterdrutschniederlage Trumps und statt der demografischen Fluktuation ausschlaggebend für Bidens Wahlsieg. Das ist in der Tat sehr gut, denn es wirkt ideologischen Motivationen und Narrativen, einer weiteren Spaltbarkeit der Nation entgegen. Ohne jedwede Arroganz darf als ebenso gut gelten, dass in den USA überhaupt (noch) eine politische Mitte auszumachen ist, die sich offensichtlichen Fakten und Argumenten nicht verschließt. Diese Mitte werden Joe Biden und Kamala Harris ganz besonders brauchen, um bei ihren Bemühungen, eine gerechte und das Land versöhnende Politik zu gestalten, überhaupt eine Chance zu haben.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund dessen, was man neusprachlich mit Trumpismus beschreibt: Die bewusste Destruktion gesellschaftlicher Integration, Bildung und Fortentwicklung durch Negierung realpolitischer Zusammenhänge und der Depression des humanen Anstandes. Diese populistische, geradezu autoimmunisierend wirkende Methodik wird natürlich auch nach der offiziellen Amtszeit des entscheidenden Stichwortgebers bleiben, weil dafür leider schlichtweg das „Potenzial“ vorhanden ist. An die – diametral eindrucksvollen – Tränen und Worte des CNN-Moderators Van Jones nach Bidens Sieg vor laufender Kamera sei gleichwohl unverzagt erinnert. – Ira Bartsch

 


 

 

Leserbriefe zu „Eine glatte Zwei“ von Samiha Shafy

 

In meinem 100. Lebensjahr ist es für mich ein Wunder, Kamala Harris´ historischer Rede lauschen und ihr strahlendes Gesicht sehen zu dürfen: Diese „First Lady“ ist das Geschenk Gottes für eine leidgeplagte Welt und so viele verwundete Frauen dieser Erde. – Luise Kathrin Thomalla

 

Ist „Die Zeit“ farbenblind  muss ich mich fragen, wenn ich hier in diesem Artikel mehrfach lese, dass Kamala Harris eine Schwarze sei? Dass in USA 10% „schwarzes Blut“ als „schwarz“ gelten, ist mir bekannt, kann ich als Ethnologin jedoch nur als blanken Rassismus bezeichnen. Kamala Harris‘ Mutter ist Inderin. Hätte man jemals in Deutschland Indira Gandhi als „schwarz“ bezeichnet, die eine Hautfarbe wie jede dunkelhaarige Deutsche besaß? Oder schauen Sie sich die Bollywood Schauspielerinnen an! Dunkelhäutige haben dort keine Chance. Wenn man schon nicht wie in Südafrika die Bezeichnungen schwarz, farbig oder weiß verwenden mag, dann könnte man, sofern es überhaupt eine Rolle spielt, hier von einer „Nicht-Weißen“ reden. Es erbost mich jedenfalls, dass in den deutschen Medien diese rassistische amerikanische Bezeichnung kritiklos nachgebetet wird. – Dr. Almut Mey

 

Ich finde es bedauerlich, dass Sie in genanntem Artikel von Kamala Harris als Schwarzer schreiben. In den USA ist es gebräuchlich, von Coloured People zu reden (Farbige), was die Hautfarbe der betreffenden Personen viel freundlicher beschreibt (Wer fürchtet sich vorm Schwarzen Mann..!).Wenn selbst der Ausdruck Mohrenkopf für ein bekanntes Gebäck nicht mehr verwendet werden soll, ist die Verwendung des Begriffs „Schwarze“ für mich nicht nachvollziehbar, da Kamala Harris alles ist, nur nicht schwarz. – Richard Faulstroh

 

Die US-Vizepräsidentin Kamela Harris sieht Amerika als Land der Möglichkeiten. Da hat die Frau recht. Es ist möglich, dass sie plötzlich Präsidentin ist. Amtierende Präsidenten können sterben. Dann kann Frau Harris zeigen, dass sie nicht nur eine Symbolfigur war, sondern Mrs. President ist. – Hans-Emil Schuster

 


 

 

Leserbriefe zu „Was heißt es, zu sterben?“ von Giovanni Maio

 

Das Sterben gehört zum Leben. Wenn es im Leben um die Frage des guten und richtigen Lebens geht, so gilt diese Frage auch für das Sterben. Was also ist gelingendes Leben im Sterben? Diese Frage muss der Ausgangspunkt sein, um zu Antworten auch für die Berufsethik der Mediziner im Umgang mit sterbenden Menschen zu gelangen. Medizinische, pflegerische und seelsorgerische Begleitung kann eine wesentliche Bedingung für ein gelingendes Leben im Sterben sein. Die von Giovanni Maio überzeugend hergeleitete und beschriebene Haltung der professionellen Sorge sollte der Kern der jeweiligen Berufsethik sein. Wohlverstandene Sorge gibt den Sterbenden Zeit und Raum für letzte Klärung, für Entlastung, für Erfüllung. Wohlverstandene Sorge unterstützt auf diese Weise auch die Angehörigen in der Begleitung und gibt ihnen Raum und Zeit für Entwicklung, für ein gelingendes Leben im Leben. – Reinhard Koine

 

Die „philosophische Seite“ mit der von Giovanni Maio vorgeschlagenen „Sorge als Engagement für den anderen um seiner selbst willen…“: In allen Ehren! Die Frage ist sicher erlaubt, ob dieses Prinzip der Gegenseitigkeit, auch der gegenseitigen Bereicherung nicht immer schon gegolten hat (barmherziger Samariter etc.). Aber mir geht es um etwas Anderes: Maio erwähnt „die Angst, als ein Niemand zu sterben“; und dass „das Sterbenmüssen …uns mit Nichtigkeit (konfrontiert), was Angst hervorruft“. Hier bleibt der Philosoph den Diskurs schuldig; er zielt darauf ab, „dass der andere ein Jemand ist und bleiben wird“ und dass es der „geradezu schöpferische Gehalt der Sorge (ist), dass sie den anderen vor sich selbst neu erschafft und seine Bedeutung neu durchscheinen lässt.“

Damit bleibt Maio – bildlich gesprochen – innerhäusig und erhebt den sorgenden Menschen, gar zum Schöpfer von Bedeutung und Identität. Doch seit Menschengedenken, in jahrtausendealten Traditionen, Religionen und Weisheitslehren ist es kein Problem, von der „Nichtigkeit“ und dem „Niemandsein“ zu sprechen und den Menschen, beladen mit all seiner Verzweiflung und all seinen Ängsten, dahin zu führen und  sein Bewusstsein zu schärfen. Maios zirkuläres Kreisen im hehren Grundgedanken, dass ein „Jemand bleiben“ wird, verengt wohl die Sichtweise. Außerhäusig liegt „Neuschnee. Vor mir ein Stück unbegangenes Feld…“ (Rainer Malkowski). – Thomas Vehoff

 

Dass Ihre Zeitung hervorragend ist, muss ich Ihnen nicht sagen. Ich profitiere sehr von den vielen sehr interessanten Beiträgen und bin dankbar dafür. Der Beitrag „Was heißt es, zu sterben“ von Giovanni Maio in der aktuellen Ausgabe übertrifft alle anderen jedoch noch – eine sehr subtile Auseinandersetzung, die unter die Haut geht und das Wesentliche so genau trifft, sofern es überhaupt Worte gibt für dieses „sujet“. – Anita Schubert

 

Danke für Ihre bedeutende Zeitung! Woche für Woche freue ich mich über ihre Lektüre. In der jüngsten ZEIT bringen Sie einen sehr berührenden Beitrag „Was heißt es, zu sterben?“ Darin findet sich der Satz: „Zu sterben heißt, unwiederbringlich aus der Zukunft mir anderen herauszufallen.“ 55 Mal habe ich Ihren zentralen Begriff „Sorge“ gezählt bis hin zum bemerkenswerten Satz: „Es ist der geradezu schöpferische Gehalt der Sorge, dass sie den anderen vor sich selbst neu schafft und seine Bedeutung neu durchscheinen lässt.“ Vom Autor, einem Philosophen und Ethiker, hatte ich in diesem Zusammenhang auch einen Hinweis auf die Religion und die gesamte Religionsgeschichte erwartet, die immerzu und seit Jahrtausenden davon spricht, dass das Sterben ein Übergang, ein Eingehen in die Gottheit, ins Paradies ist.

Oder einen Hinweis des Ethikers auf Kant und sein logisches Postulat der Unsterblichkeit. Somit wäre die Sorge die Schnittstelle zur Hoffnung, die in den meisten Menschen lebt, die Hoffnung auf Wiederbegegnung, auf eine nicht weiter beschreibbare Transformation im Tod in eine neue Qualität von Existenz. Sorge wäre dann auch die Frage nach der Hoffnung, die im Sterbenden da ist und murmelt. Wäre es denn „sorglos“, einem Sterbenden zu sagen: „Habe keine Angst, sondern freue Dich, Du wirst Deinen sterbenden, schmerzenden Leib ablegen und ins Licht oder zur Auferstehung gelangen.“? Sie wissen das ja alles. Und Sie wissen, dass in Millionen von Ritualen Tag für Tag diese Hoffnung verkündet, besungen und geglaubt wird. Sorge kann doch nicht nur darin bestehen, den Sterbenden in der Sorge „vor sich selbst neu zu schaffen“[?] und ihn zugleich auf seinem Weg zur Kompostierung zu begleiten. – Wilhelm Achleitner

 


 

 

Leserbriefe zu „Mein innerer Rembrand“ von Hanno Rauterberg

 

Wer für die ZEIT schreibt, stellt Joni Mitchell als Malerin nicht in eine Reihe mit den engagierten Freizeit-Pinslern wie Sheeran oder McChartney usw. – Claus Boesser-Ferrari

 

Der Journalist H. Rautenberg berichtet von Künstlern wie Ed Sheeran, Brad Pitt und anderen, die nun plötzlich auch als Maler von sich reden lassen wollen. Der Artikel vergisst aber völlig die Vorreiterinnen als malende Schauspielerinnen, die schon vor vielen Jahren der Welt ihre Bilder präsentierten und sogar da auch in Galerien ihre Werke ausstellten. Dies waren die Schauspielerinnen Lilli Palmer und Elke Sommer. In Palmers Memoiren „Dicke Lilli, gutes Kind“ sind auch Gemälde von ihr in Fotos abgebildet.

Noch weiter zurück zeitlich liegt dann der amerikanische Außenminister Dulles, der Adenauer bei einem USA-Besuch ein kleines Ölbild mit einer Landschaft schenkte, als Dulles dann 2 Jahre später zu Besuch nach Bonn kam, entstand im Kanzleramt sehr große Aufregung, man suchte überall nach dem Bild und fand es endlich auch in einem Schrank, dann wurde es am gleichen Tag noch schnell eingerahmt und abends aufgehängt in dem Zimmerchen im Palais Schaumburg, in welchem Adenauer sein Mittagschläfchen hielt. Am nächsten Tag führte Adenauer dann Dulles in dieses Zimmer und sagte, daß er immer, wenn er vom Mittagschlaf erwache, auf das schöne Bild von Dulles schaue und sich daran erfreue.

PS: Die Geschichte mit Dulles/Adenauer hat mir Herr Dr. Weber erzählt, er war Adenauers Chefdolmetscher, er kam in jungen Jahren zu Adenauer. Herr Dr. Weber, ich und 4-5 andre Personen trafen sich jahrelang in Bonn jede Woche einen Nachmittag zum Kalligraphiekurs bei einer hervorragenden Kalligraphin und dabei erzählte er auch manche hübsche Anekdote zu Adenauer. – Ulrich Keck

 

Die künstlerische Qualität „unserer “ kreativen Sänger/innen haben sie sehr zutreffend analysiert und waren mit der Beurteilung der geschmierten Exponate noch sehr sehr gnädig. Aus der Gemengelage von jetziger Berühmtheit und dem Ruhm großer Maler zu profitieren, ist eine peinliche Mischung aus Selbstdarstellung und Unwissenheit geworden. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass ein Bild von Paul McCartney mehr ist als ein Autogramm von ihm und das dem JetztZeitKunstKonsomenten der Name und die Vernetzung wichtiger sind als die Darstellung auf der benutzten Leinwand. Mein Hausarzt hat ein Original (!) von Armin Müller Stahl in seiner Praxis hängen. Die Antwort auf meine Frage, warum er sich für das Bild entschieden hat möchte ich ihnen hier ersparen. – Reinhard Schmitz

 


 

 

Leserbriefe zu „Sind sie sicher?“ Gespräch mit Eugenia Cerda und Karline Wenzel geführt von Jeannette Otto und Johanna Schoener

 

Nach Wochen des stummen Hinnehmens kann ich nun nicht länger zu den extremen Zuständen an unseren Schulen, vor allem aber zu dem völlig unverständlichen und verantwortungslosen Kurs der Politik, Schulen auf Biegen und Brechen offen halten zu wollen, schweigen. Stufenpläne, die im Sommer sinnvoll erdacht wurden, bleiben außer Kraft, jegliche Inzidenzwerte und RKI-Richtlinien gelten mysteriöserweise für Schulen nicht. Wir absolvieren täglich Massenveranstaltungen gegen alle Vernunft und jegliches besseres Wissen. Man muss dazu sagen: Alles, was uns in Gruppengrößen von bis zu 30 Schülern pro Klassenraum als Wunderwaffe gegen das Jahrhundertvirus bleibt, ist Lüften und einfache Handdesinfektion – na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen!

Schüler sind in jeder Hinsicht unsere Schutzbefohlene, doch schützen können wir sie schon lange nicht mehr. Auch gegenüber uns Lehrern hat das Land eine Fürsorgepflicht, der keineswegs Folge geleistet wird. Die Anzahl der infizierten Schüler und Lehrer vervielfacht sich täglich, die Situation an Schulen ist außer Kontrolle. Ausgetragen wird dieses Chaos auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler, ebenso wie auf Kosten derer, die sie unterrichten sollen. Es gibt nur einen vernünftigen Weg: Zurück ins Homeschooling! – Simone Büchler

 

Für den Präsenzunterricht aller Kinder sind die Klassenräume zu klein. Sehr richtig folgert Frau Cerda, die Klassen zu teilen. Wie wäre es mit dieser Art der Teilung? Die Klassen werden geteilt und die Kinder haben jeweils drei Tage Präsenzunterricht und zwei Tage digitalen Unterricht. Die Kinder haben dann fünf Tage Unterricht, die Lehrer müssen allerdings sechs Tage pro Woche unterrichten. Allerdings müssen die Kinder ebenfalls alle zwei Wochen auch am Samstag zur Schule gehen. Da dies ja kein Dauerzustand ist, schon in einem Jahr wohl wieder alles normal ablaufen wird, ist diese Mehrbelastung durchaus zumutbar (zu meiner Lehrzeit war die 48 Stunden Woche der Normalzustand). – Gunter Ahlf

 

Mit großer Freude lese ich regelmäßig „die Zeit“. Bei diesem beiliegenden aktuellen Artikel möchte ich aber als Medizinprofessor (und Vater von drei Kindern) kritisieren, dass es nicht journalistisch sinnvoll und ethisch vertretbar ist, einer Fr Cerda eine Plattform zu bieten, die entgegen dem Bildungsauftrag, der gesetzlichen Schulpflicht und den Empfehlungen sämtlicher Gesundheitsminister die Kinder aus Angst vor Corona zu Hause lässt.

Wie Sie schreiben, macht sie sich auch strafbar damit. Auch das Argument der ausgewogenen Berichterstattung und der Dialektik rechtfertigt nicht, dass wir radikalen Islamisten, Impfgegnern, Judenhassern, Befürwortern der Todesstrafe und anderen Wahnsinnigen eine Plattform geben. Die Aufgabe einer Zeitung ist es vielmehr, aufzuklären, dass auch die einfache Gemüter verstehen, dass der Schaden überwiegt, Kinder aus der Schule zu nehmen. Sei’s drum, der Großteil ihrer Artikel ist prima, ich verzeihe Ihnen :-)) Aber eine Reaktion der entsprechenden Redakteure Jeanette Otto und Johanna Schöner würde mich schon interessieren, was sie sich dabei gedacht haben. – Christof Pabinger

 


 

 

Leserbriefe zu „Chapeau!“ von Bjørn Erik Sass

 

Das ist sie, die wahre Baskenmütze, die ich 2006 in Oloron nicht im Laden, sondern auf dem Wochenmarkt entdeckte. „Nicolas, le Specialiste“ verkaufte sie mir für 32 € mit der Versicherung, sie schütze mich besser als mein Radhelm! Ich hab es nicht versucht. Seitdem ist sie aber mein ständiger Reisebegleiter für alle Wetter, sei es in Vietnem, Neuseeland oder dem Weserbergland.   Ich freue mich, das das Béret basque endlich auch in der ZEIT seine gelungene und verdiente Würdigung erfahren hat. – Rudolf Nahrath

 

Der Autor will fröhlich, viril und leicht sein, wie die Schafhirten, die traditionellerweise in Frankreich die Baskenmütze (oder das Beret) tragen. Dabei hat er ein Bild der Französischen Tradition im Kopf, die nur ausgewählten Vertretern des männlichen Geschlechts einen Platz bietet. In seiner Lobeshymne an das südliche Frankreich und das traditionelle Beret, bedient sich der Autor altbackenen Klischees, ohne dabei zu erwähnen, dass eine Frau heute dafür sorgt, dass es die Berets überhaupt noch gibt: das ist Rosabelle Forzy. Rosabelle Forzy, 36 Jahre, ist seit 2014 die Geschäftsführerin der französischen Firma Laulhère, die als einzige in Frankreich heute noch Berets produziert.

Sie hat die Firma in kürzester Zeit wieder markttauglich gemacht, indem sie die Fabrik modernisierte, die Produktion verkleinerte und die Firma an die Luxusmodehäuser annäherte. So hat Laulhère unter anderem heute eine Boutique auf der Pariser Luxusmeile Faubourg-St.-Honoré aufgemacht, neben Gucci und Hermés.  Laulhère wird als Erfolgsgeschichte in der französischen Wirtschaft gehandelt. Die Besonderheit der Firma ist es nicht nur, dass sie die einzige Firma in Frankreich ist, die noch Berets herstellt, sondern dass sie weise und zielführend von einer jungen Frau geleitet wird. Laulhère ist mit dem Siegel „Entreprise de Patrimoine vivant“ (Firma des lebenden kulturellen Erbes) ausgezeichnet – weil die Firma ein kulturelles Erbe ist, das nur überleben konnte, weil eine junge Frau den Mut hatte, die Firma zu modernisieren und an die wirtschaftlichen Bedingungen anzupassen.

Die Frauen bei Laulhère sitzen nicht nur in der Fabrik und nähen, oder stehen als Verkäuferinnen im Laden. Sie sitzen auf dem Chefsessel, wie Rosabelle Forzy, verantworten die Produktion wie Sylvie Galharret und sind zuständig für den Verkauf, wie Julie Manizan. Seit drei Jahren gestaltet ein Kreativ-Direktorinnen-Duo das Design der Berets: Martin de Siqueira. Gaelle Martin und Katharine de Siqueira stehen für ein verantwortungsbewusstes und nachhaltiges Modedesign, das auf ressourcen-schonende Materialien setzt und Traditionen mit modernen Trends verbindet.

Der Autor bedauert, dass er nicht so fröhlich, viril und leicht sein kann, wie die Schafhirten. Dabei hätte er einfach nur offen sein müssen, um zu sehen, welche Erfolgsgeschichte er vor Augen hatte. Er behauptet, durch den Kauf des Berets habe er zum Aufrechterhalten der Französischen Traditionen beigetragen. Wenn ihm das so wichtig ist, warum spricht er dann nicht von den Hauptpersonen, die hinter und vor dieser Firma stehen : von den Frauen, die mit ihrer Arbeit jeden Tag tatsächlich einen Beitrag leisten zur Aufrechterhaltung der Tradition. – Pirita Regueira

 

Ihr Reisebericht mit Baskenmütze habe ich sehr gerne gelesen, nur gestolpert bin ich über das Département Béarn, was keines ist sondern ein Teil der Pyrrénées Atlantiques. – Fabienne Javourez

 

Da haben Sie sich ja in der Tat einiges aufgeladen, mit Ihrer Pilgerreise. Chapeau.:-P;-) Ich wußte gar nicht, daß es quasi nur noch einer Hersteller des Barretts gibt, in ganz Frankreich! – Susanne Hüttner

 


 

 

Leserbriefe zu „Genau wie früher“ von Ronald Düker

 

Sie schreiben „Doch der Widerstand wächst.“ Den Beleg dafür bleiben Sie indes schuldig. Ich nehme daher an, Sie verwechseln – ganz Kulturwissenschaftler -Selbstwahrnehmung mit Mehrheitsverhältnissen. Potsdam in toto ist bekanntlich steingewordene preußische Geschichte, die Garnisionskirche eines ihrer markanten Wahrzeichen aus der Zeit, in denen man mit Gott für König und Vaterland kämpfte. Die Defizite des bundesdeutschen Bildungsförderalismus lassen freundlich grüßen. – Dr. Gernot Henseler

 

Ich vermisse in dem ansonsten ausführlichen Beitrag eine Betrachtung und Analyse der Entscheidungsprozesse in der ehemaligen DDR, die 1968 zur Sprengung der Garnisonkirche führten. Die Kirche war zwar eine Ruine, aber weder baufällig noch einsturzgefährdet. Die Mehrheit der Bevölkerung war gegen eine Zerstörung des historischen Bauwerkes. Verharmlost, wer sich gegen den Wiederaufbau der Kirche positioniert, nicht nachträglich die ideologische Verblendung der damaligen politischen Eliten der DDR, die im Wahlvolk nie eine Mehrheit hatten? – Edmund Köhn

 

Schon die Einführung des Autors Düker zeigt in gewisser Weise seine vorab gebildete Meinung zu der Garnisonskirche. Das Fremdeln mit der deutschen Geschichte ist festzustellen. Es ist schon ein Unterschied, ob die Kirche nach seinen Worten „abgerissen“ wurde oder, wie geschehen, tatsächlich auf Befehl Ulbrichts ab dem 14.5.1968 in mehreren Teilen gesprengt wurde. Zu den Vorgängen vor dem Ersten Weltkrieg und den im Text zitierten ehemaligen Otl Max Klar einige wenige Beiträge: Bereits 1885, 1896 und 1897 schreibt die englische Presse unverblümt u. a. z.B. 1.2.1896 Prof. P. Chalmer Mitchell in der “Saturday Review” mit dem Titel “A biological View of our Foreign Policy”- „wäre morgen jeder Deutsche beseitigt, so gäbe es kein englisches Geschäft, das nicht Zuwachs hätte.

Einer von beiden muss das Feld räumen. Macht Euch fertig zum Kampf gegen Deutschland, denn: Germaniam esse delendam, Deutschland muss zerstört werden“ Die Londoner Times hat 1919 dazu bemerkt: „Sollte Deutschland in den nächsten 50 Jahren wieder Handel treiben, dann haben wir diesen Krieg umsonst geführt“. Und der amerikanische Außenminister Robert Lansing äußerte sich am 8. Mai 1919 wie folgt: „Prüft den Vertrag und Ihr werdet finden, dass Völker gegen ihren Willen in die Macht jener gegeben sind, die sie hassen, während ihre wirtschaftlichen Quellen ihnen entrissen und anderen übergeben sind.

Wir haben einen Friedensvertrag, aber er wird keinen Frieden bringen, weil er auf dem Treibsatz des Eigennutzes gegründet ist“. Archibald Wavell, der unter General Allenby im Nahen Osten gedient hatte, und der später als General im 2. Weltkrieg gegen Rommel in Afrika focht, kommentierte das Ergebnis der Friedensverhandlungen wie folgt: „Nach dem Krieg z ur Beendigung aller Kriege scheinen sie in Paris ziemlich erfolgreich an einem Frieden zur Beendigung allen Friedens gearbeitet zu haben“. Paul Sethe schreibt in seiner „Deutsche Geschichte im letzten Jahrhundert“, dass die verheerendsten Wirkungen des Versailler Vertrages psychologischer Natur waren.

Er vergiftete die Gemüter der Deutschen. Er schreibt weiter, dass die Väter des Nationalsozialismus nicht nur in Deutschland lebten, auch Clemenceau und Lloyd George gehörten dazu. Ebenfalls 1920 urteilte der amerikanische Präsident Herbert Hoover in seinen Memoiren wie folgt: „Das ist kein Friede, es ist ein Waffenstillstand für die nächsten 20 Jahre“ Der französische Historiker Jaques Bainville postulierte ebenfalls 1920: „Man kann sagen, dass der Friedensvertrag von Versailles den ewigen Krieg organisiert“. Der bekannte amerikanische Historiker und Diplomat George F. Kennan drückte sich 1961 dazu wie folgt aus „So wurde sie Saat der Ereignisse, welche die westliche Welt in eine neue Katastrophe im Jahre 1939 stürzte, in ihrer Gesamtheit schon in den Jahren 1918-1919 von den Alliierten gesät“.

Jan Rüger „The Great Naval Game: Britain and Germany in the Age of Empire“, Cambridge University Press 2007.  ) schreibt sehr treffend: Once Berlin had decided not to renew the Reinsurance Treaty with Russia (1890) and once Russia had entered into a new alliance with France (1892) two fundamentals of Bismarcks foreign policy had gone: the isolation of France and the containment of Russia. Bismarck had always hoped for an Anglo-German Alliance, but he had been able tob e pati-ent. His successors felt that they could not afford this luxury- Germans security was in flux now, with Austria- Hungary as ist only reliable partner“.

Es begann ein Krieg, den Hans Ulrich Wehler (  Stephan Burgdorff und Klaus Wiegreve, „Der erste Weltkrieg. Die Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts“, DTV-Verlag München und SPIEGEL- Buchverlag Hamburg ) als Beginn des zweiten  30-jährigen Krieges bezeichnet. Der Psychologe Sheldon Solomon beschreibt in einem „Spiegel-Gespräch (Spie-gel Nr. 26/2016 S. 107ff.) wie die Furcht vor dem Tod das Leben bestimmt. Er glaubt u.a. den Erfolg Hitlers mit der Todesangst der damalige n Deutschen erklären zu können und postuliert wie folgt: „Was Hitler betrifft: Tatsache ist, dass Deutschland damals einen Krieg verloren hatte, erniedrigende Reparationen zahlen musste und dazu auch noch von der Weltwirtschaftskrise er-schüttert war. Und dieser verunsicherten und demoralisierten Nation versprach Hitler, sie wieder groß zu machen“.

Was zu der Zeit der Mitte 30er Jahre in Deutschland empfunden wird, konnte sogar in England nachempfunden werden. Am 29.11.1934 sagt der ehemalige Premierminister Lloyd George im englischen Unterhaus: „Die Signatarmächte des Vertrages von Versailles versprachen den Deutschen feierlich, man würde abrüsten, wenn Deutschland mit der Abrüstung vorangehe. Vierzehn Jahre hat Deutschland auf die Einhaltung dieses Versprechens gewartet. In dieser Zeit ist eine Reihe ausgesprochen friedfertiger Minister in Deutschland tätig gewesen, Minister, die nicht aufgehört haben, die großen Mächte zu beschwören, endlich mit der Einlösung des gegebenen Versprechens ernst zu machen. Man hat sich über diese deutschen Minister lustig gemacht.

In der Zwischen-zeit haben alle Länder, mit Ausnahme Englands, ihre Kriegsbewaffnung gesteigert und sogar den Nachbarn Deutschlands Geldanleihen zugestanden, mit denen diese wiederum gewaltige Militär-Organisationen dich an den Grenzen Deutschlands auf-bauten. Können wir uns denn wundern, dass die Deutschen zu guter Letzt zu einer Revolte gegen diese chronische Betrügerei der großen Mächte getrieben wurde.“ Abschließend: zu den Zündeleien Polens in der Mitte der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts gibt es ausreichend Belege. Zu den Vorgeschichten gehört auch der dreifache Versuch Polens 1933, Frankreich zu einem Präventivkrieg gegen Deutschland zu bewegen, der als „Pilsudskis Präventivkriegspläne“ in die Geschichtsschreibung eingegangen ist.

Polen war sich seiner Sache in einem Krieg mit Deutschland so sicher, dass es in Erwartung eines sicheren Sieges Landkarten und Plakate mit den „historischen Westgrenzen Polens“ an der Elbe drucken ließ. Die Abschaltung des Glockenspiels und das Abschleifen der Glocken, deren Inschriften historisch verändert wurden – wer kriecht in den Glockenturm und liest die Inschriften ?- ist dem Zeitgeist zuzurechnen. Paul Nolte ist in jedem Fall Recht zugeben. Der erste Grundsatz historischer Kritik ist Ereignisse im zeitgeschichtlichen Zusammenhang zu sehen. Es ist alles nicht so einfach, wie es heute manchmal gesehen wird. – Peter Schiller

 


 

 

Leserbriefe zu „Merkel vor Gericht“ von Christiane Grefe

 

Leider erfolgt die Anklage erst 2034 – womöglich eine realistische Einschätzung für juristische Trägheit. Warum ich Fr. A. Merkel eine besondere Verantwortung aufbürde? Sie ist Physikerin und die CDU wirbt mit ihrem naturwissenschaftlichen Sachverstand. Ausserdem suchte sie eine Alternative zum BIP. Diese wurde bereits 2012 – Dialog mit dem Volk; nickname mr-market.info – mitgeteilt. Sie entschied sich willentlich gegen eine Wirtschaftsordnung, die aus naturwissenschaftliche Erkenntnisse abgeleitet wurde. Auch die „klassischen Medien“ machten keinen guten Job. Lediglich Fr. Himmelreich wies damals im Stern auf eine alternative Wirtschaftstheorie hin: Da Sex sich besser verkauft als eine abstrakte Vorstellung, wurde medial ein „Brüderle-Diskurs“ geführt.

Die Frage „Wie gut beschrieb ich damals Wachstum vom Gütermarkt mit seinen Risiken und Chancen?“ bleibt. Exkurs: Der ökonomischen These „Unendliches Wachstum“ folgt die räumlich inspirierte Antithese „Endliches Wachstum“. Meine Synthese „Wachstum in begrenzter Unendlichkeit vereint beide Vorstellungen, designt den Markt neu und korrigiert volkswirtschaftliche Fehlentwicklungen. Kernthesen: Evolutionäre Wirklichkeit entwickelt sich im Zahlenraum [0, 1]. Evolutionäre Wachstumsfaktoren sind Zeit und Raum. Biologische Evolution ist ein Subsystem der chemisch-physikalischen Evolution. Und kulturelle Evolution ist ein Subsystem der biologischen Evolution. Evolutionäre Pfadabhängigkeit wirkt Bewusstseinsbildend. Die Unsichtbare Hand der Evolution ist mit Gesetzen beschreibbar.

Anhänge: Staatstheorie entwickelt Netzherrschaft AugustW01 beschreibt interevolutionäre Wachstumsprobleme verbal. PP interevolutionäre Wachstumsprobleme dient der Illustration. PP politische Marktwirtschaft abstrahiert Gütermärkte, misst Leistung, zeigt Entwicklungsrichtungen und Steuermöglichkeit auf. PP Anthropozän beinhaltet politische Zielsetzung und Durchführbarkeit. AugustVerfassung01 ist neueste Version meiner Wirtschaftsordnung. Wenn Sie Interesse an den Anhängen haben, fragen Sie nach. Wenn nicht, womöglich kommen auch 2034 Chefredakteure auf die Anklagebank um zu erklären „Warum Sie der Öffentlichkeit keine Wirtschaftstheorie, die mit naturwissenschaftlichen Erkenntnisse vereinbar ist, verschwiegen?“ – Matthias Losert

 

Selten habe ich solch einen Bullshit gelesen. Und damit meine ich nicht unbedingt, wie Sie schreiben, sondern das, über was Sie hier schreiben. Haben Sie das Wort „Ökozid“ hier nicht durchdacht, bevor Sie es so kritiklos einfach hingenommen und übertragen haben ? Hier wird ein Wort vereinnahmt, das für Völkermorde wie z.B. das der Osmanen an den Armeniern steht. Oder das an den Juden. Es wird vereinnahmt für ein billiges, hollywoodeskes Untergangasszenerio. Für eine Qutenscheiße. „Merkel vor Gericht“. Mit Gerhard Schröder in der Nebenrolle. Wie wär´s noch mit einer Gastrolle von Greta Thunberg. Geht’s vielleicht nicht noch ne Nummer drüber ? Wie kann man so etwas unkommentiert stehen lassen ? Offensichtlich vernebelt dieser Klimakrisenwahnsinn hier bei uns die Hirne dermaßen, dass man das auch noch für „Feuilleton“ hält. – Boris Bogunovic

 

Der von weitsichtigen Juristen geprägte Begriff « Ökozid » trifft nicht nur auf die CO2-Erwärmung zu. Er gilt auch für die gegenwärtige Installation von G5-Antennen, welche die Bevölkerung überrennt und irrsinnige Mengen an Elektrizität verschleisst UND zusätzliche Überhitzung produziert. Als in diesem Jahr, in einem kleinen Bergdorf der Pyrenäen, eine 4G-Antenne hingepflanzt wurde – obwohl mehr als die Hälfte der Bevölkerung dagegen war – hiess es im technischen Bericht des Betreibers FREE : Nebenerscheinung : « échauffement des tissus humains ». Als 68er Feministinnen haben wir uns damals inspiriert vom Boston Health Collectif « Our Bodies, ourselves ». Die KonsumentInnen von Smartphones usw. sollten sich bewusst werden über dieses neue Opium des Volkes und seine Gesundheitsschäden.

Mit der permanenten Agression der elektromagnetischen Wellen, die unseren Körper bis zu den Zellen, ja bis zum DNA angreifen, wie können wir heute – nicht erst 2034 – die Machthaber und Technokraten (von China, USA und Europa) beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag verklagen und zu Verantwortung ziehen wegen « holocauste technologique mondial », den sie jetzt verursachen, indem die ganze Weltbevölkerung durch elektromgnetische Wellen in einem Dauer-Mikrowellenofen zu leben/darben verdammt wird? Nicht den Menschen die Hölle heiss machen, sondern den macht- und geldgierigen Herren der Welt ! Laotse’s Weisheit : « Die Welt ist ein sich selbst bildendes geistiges Ganzes. Sie mit Gewalt ordnen zu wollen, heisst sie aus der Ordnung zu bringen. sie mit Macht befestigen wollen, heisst sie zu zerstören. » – Anne-Marie Käppeli

 


 

 

Leserbriefe zur Infografik „Der große Unterschied“ von Carolin Eitel (Illustration) und Martin Spiewak (Recherche)

 

Als Vater zweier Töchter und zweier Söhne könnte ich trotz Corona meine vier Kinder zusammenrufen und mit dröhnender Lehrerstimme ihnen den Überschrift- Text des Artikels von Martin Spiewak ins Ohr hämmern. Die Töchter würden vielleicht grinsen, während die Söhne vielleicht reagieren mit Aussagen wie: „Genauso ist es, und in Heidelberg soll ein ganzer Zahnmedizin-Studenten-Jahrgang wegen Numerus Clausus nur aus Frauen bestanden haben, wir Jungs sind vielleicht wirklich die Unreifen mit den schlechten Schulabschlüssen.“

Die Töchter könnten sich um Vermittlung bemühen und darauf hinweisen, dass laut Brockhaus-Enzyklopädie, Band 17 die Pubertät bei Mädchen zwischen dem 11.und 15.lebensjahr,bei Jungen aber erst zwischen dem 13. und 16.Lebensjahr erfolgt und Jungen offenbar von der Natur schon als „Spätzünder“ angelegt sind, von der späteren Einschulung bis zur späteren Heirat. Einer meiner Schüler hat es vor 1970 in Klasse 12 einer Klassenkameradin gegenüber ähnlich gesehen, als er sagte: „Ihr Mädchen habt es gut! Während wir Jungs erstmal eine durch Nichtversetzung bedingte “ Ehrenrunde“ drehen, dann ein Jahr durch die Wehrpflicht verlieren, habt Ihr schon die Zahnarzt-Approbation in der Tasche, während wir noch im Physikum stecken; und das finde ich ungerecht!“ Aber geheiratet haben die beiden doch und sind jetzt ein Zahnarzt-Ehepaar! – Dietrich Bauer

 

Nach längerer Zeit schreibe ich Ihnen wieder einmal, inzwischen als Mutter zweier kleiner Söhne, die noch nicht die Schule besuchen, und deshalb das große Bildungsgap mit Ihren späteren Mitschülerinnen noch vor sich haben. Ich kenne viele der Statistiken und Studien, auf die Sie sich in Ihrer Darstellung beziehen, und mir ist auch bewusst, dass eine Infografik Seite nicht viel Platz bietet für tiefgründige Analyse. Zwei Aspekte hätte ich mir jedoch zumindest erwähnt gewünscht: zum Einen die soziale Erwünschtheit von bestimmten Verhaltensweisen gegenüber Mädchen – diese werden von klein auf unbewusst mit der Erwartung fleißig, lieb, angepasst und diszipliniert zu sein geprägt.

Zum Anderen den eng gesteckten Rahmen, den unser gegenwärtiges Schulsystem vorgibt. In der momentanen Form wird Anpassung, Konformität und Unauffälligkeit belohnt, wenn man von wenigen privaten freien Schulen ansieht. Könnte es sein, dass auch dies Einfluss auf die Bewertung des Auftretens und der Leistung von SchülerInnen hat? Fragen Sie ErzieherInnen und GrundschullehrerInnen nach Ihren Lieblingskindern. Vermutlich gibt es keine/r gern offen zu, aber in der überwältigenden Mehrheit werden dies liebe, angepasste Mädchen sein, die nicht allzu viele Probleme für große Gruppen und stringentes Arbeiten bedeuten. Ein kleiner Verweis auf diese Aspekte des zugegeben komplexen Themas wäre beiden Geschlechtern gerechter geworden. – Anika May

 

Die Infografik enthält zwei gravierende Mängel. Erstens wird versäumt, die Dynamik des Problems darzustellen. Die Leistungsunterschiede zwischen dem männlichem und weiblichem Nachwuchs sind in den letzten 10-15 Jahren an Schulen und Hochschulen stark angewachsen. So beruht das seit zehn Jahren schlechteste Ergebnis der letzten Pisa-Studie zu 81 % auf der sinkenden Leistungsfähigkeit der Jungen. Ferner belegen drei in den Jahren 2013, 2015 und 2017 durchgeführte Repräsentativbefragungen von insgesamt 27.000 Jugendliche Niedersachsens ein Sinken des Anteils der Jungen an Gymnasien von 49 % auf 42 %, während der der Mädchen von 51 % auf 58 % anstieg. Die Jungen dominierten dafür zunehmend an Sonderschulen, Hauptschulen und bei den Sitzenbleibern. Ferner hat sich bundesweit unter den Studierenden, die eine Prüfung nicht bestanden haben, laut Statistischem Bundesamt der Anteil der Männer zwischen 2005 von 2018 von 57 % auf 67 % erhöht.

Zweitens vermeidet die Infografik jeglichen Hinweis auf die Hauptursache des Problems. Unsere Datenanalyse zu den drei erwähnten Schülerbefragungen bietet im Vergleich mit 2007/2008 entsprechend erhobenen, bundesweiten Daten einen klaren Befund. Die Leistungsdivergenz von Jungen und Mädchen ist gewachsen, weil ein steigender Anteil der Jungen sich in exzessives Computerspielen verloren hat, während die Mädchen sich davon zurückgezogen haben. So hat sich der Anteil der männlichen Jugendlichen, die pro Tag mindestens 4,5 Stunden ausschließlich mit Computerspielen verbringen, in den zehn Jahren bis 2017 von 16 % auf 24 % erhöht, während er bei den Mädchen von 4,3 % auf 2,3 % abnahm. Alarmierende Befunde aus den USA bestätigen den gefährlichen Trend (vgl. Pfeiffer/Baier, ZJJ 2020, S. 158 ff). – Prof. Dr. Christian Pfeiffer

 


 

 

Leserbriefe zu „Intensivstation am Limit“ von Caterina Lobenstein

 

Gut, dass Sie das so auf den Punkt bringen. Unser Gesundheitsminister ist leider auch ein Minister, der eher wirtschaftsliberal eingestellt ist. Deutliche Entlastung von Arbeitnehmern und damit verbundenen höhere Kosten oder niedrigere Gewinne der (häufigeren privaten) Krankenhausträger scheitern er wie der Teufel das Weihwasser, um bei einem christlichen Sprichwort zu bleiben, das zu seiner Partei passt. – Fritjof Möckel

 

In der aktuellen Ausgabe berichten Sie wie viele andere Medien an mehreren Stellen über den Pflegenotstand; geklagt wird über die schlechten Arbeitsbedingungen und den Mangel an Menschen, die in diesem Beruf arbeiten möchten. Das wahre Problem liegt woanders, ist jedoch nicht so medienwirksam und in der Öffentlichkeit wenig bekannt: Wir haben genügend Berwerber*innen für die Ausbildung zur/zum Pflegefachfrau/mann, mehr als Ausbildungsplätze. Aber immer mehr Schulen müssen voll besetzte Kurse vor Beginn wieder absagen, weil sie nicht genügend Lehrkräfte haben.

Die gesetzlichen Anforderungen an hauptamtliche Lehrkräfte sind (berechtigt)hoch – es gibt jedoch nicht genügend Menschen, die diese geforderte Qualifikation nachweisen können. Ich leite eine Pflegeschule in Bonn, wir starten vier mal im Jahr mit jeweils 28 Auszubildenden. Im kommenden Jahr sind wahrscheinlich auch wir davon betroffen, die Zahl der Ausbildungskurse reduzieren zu müssen. Der BLGS (Berufsverband der Lehrenden im Gesundheits- und Sozialwesen) hat sich im Oktober diesbezüglich mit einem Schreiben an die Bundeskanzlerin gewandt (siehe Anlage).

Ich bin überzeugt, dass die Medien großen Einfluss darauf haben, was in der Politik als Schwerpunktthema behandelt wird. Ich wünsche mir, dass eine seriöse Zeitung wie Die ZEIT nicht länger mit dem Mainstream Allgemeinplätze über den Pflegenotstand druckt, sondern auch in andere Richtungen recherchiert und Lösungen fordert, wie dem Mangel an Pflegepädagog*innen begegnet werden kann. – Marion Kowe

 


 

 

Leserbriefe zu „Sie sah schön aus, fast unversehrt“ von Annika Joeres

 

Ein Schicksalsschlag – stellvertretend für 85 weitere, stellvertretend auch für 3 aktuelle, in Nizza – der eine Mutter traf, als sie bei einem islamistischen Terroranschlag eine Tochter verlor. Dabei hätte er verhindert werden können, hätten aufmerksame Passanten bei den auffälligen „Probefahrten“ des späteren Mord-LKW Verdacht geschöpft! Als reichte der tiefe Schmerz der der Frau noch nicht: eine unnachsichtige Bürokratie hat ihr eine Kette zusätzlicher seelischer Wunden geschlagen!

Wenn ein Staat solche Attentate nicht immer verhindern, wenn er seine Bürger nicht ausreichend schützen kann, dann sollte er den überlebenden Opfern von Terrorakten und den Hinterbliebenen wenigstens eine Vertrauensfrau/einen Ombudsmann zur Seite stellen, die/der bürokratische Hürden ebnet, ihre Trauer teilt, ihre Wut versteht, ihre Ängste und Nöte hört, ihre bescheidenen Wünsche, wenn irgend möglich, erfüllt! Wie sonst kann der tiefe Riß im Vertrauen der Bürger in ihren Staat wieder heilen? Mit freundlichen Grüßen! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 

Ich möchte Ihrer Zeitung und Ihrer Korrespondentin in Frankreich, Annika Joeres, meine Dankbarkeit für die Kritik an Corona-Maßnahmen nach französischer Art sowie am Führungsstil des französischen Präsidenten E. Macron aussprechen. Ich kann übrigens nicht verstehen, warum meine rebellionslustigen Mitbürger diesmal relativ ruhig und geduldig bleiben. Panikmache und Strafgelder spielen sicher dabei eine Rolle. Eine französische Übersetzung des Artikels von A. Joeres und seine Veröffentlichung in einem angesehenen franz. Blatt wäre insoweit wünschenswert, als sie manche Franzosen zur Handlung inspirieren könnten. – Dr. Christophe Bord

 


 

 

Leserbriefe zu „Denkverbote helfen nicht gegen rechts“ von Jochen Bittner

 

Was soll denn das heißen.? Die Gefahr geht eher von links aus. Das war schon in den 80er Jahren so. Die Umerziehung der Einheimischen oder des deutschen Volkes, hatte alles Methode, die vorwiegend in den Hochschulen ihren Platz hatte. Die öffentliche Sicherheit, Recht und Ordnung in Deutschland wurde vorsätzlich zerstört. Deutschland als Nation stirbt – jeden Tag ein bisschen mehr. Thilo Sarrazin hat das alles zu Papier gebracht. Seine Partei war der Intelligenz von Sarrazin nicht mehr gewachsen.

Da half nur ein Rausschmiss. Die SPD hat ein Personalproblem, deswegen hat sie als Volkspartei ausgedient. Eine Partei mit intelligenten Politiken, hätten Sarrazin längst als Parteivorsitzenden gewählt. Die Medien schweigen. Warum wohl? Die wollen ihre Ideologie nicht aufgeben, die ist nämlich durch und durch links gerichtet. Deswegen kann die Bundeskanzlerin schalten und walten wie sie will. Und die Parteimitglieder und die Minister der CDU/CSU sind alles Opportunisten, egal was da noch alles kommen wird. – Gunter Knauer

 

Jochen Bittner stellt zu Recht fest: «Der abgewählte Donald Trump war ein Spalter, aber die Spaltung Amerikas, auf der sein Erfolg 2016 gründete, hat nicht er ausgelöst.» Aber was ist dann die Ursache der Spaltung? Vermutlich ist es der Fortschritt, der ungelöste (aber bisher weniger wichtige) Widersprüche innerhalb der Menschenrechte zu Bedeutung verholfen hat. Es geht um Widersprüche zwischen den Rechten auf Lebensunterhalt (Nahrung, Bildung, Medizin, Asyl, etc.) und dem Recht auf Eigentum. Das Recht auf Eigentum ist deshalb wichtig, weil es ein Mittel gegen Entwicklungen ist, die mit dem Stichwort «Tragik der Allmend» charakterisiert werden können. Treibende Kraft bei diesen Entwicklungen ist das hohe Wachstum von Bevölkerung und Konsum.

Der Widerspruch ergibt Gräben nicht nur bei den Themen Ökonomie und Demographie sondern auch bei aktuellen Themen wie Corona, Polizei und Migration. Bei der Ökonomie geht’s darum: Der Fortschritt vernichtet Arbeitsplätze (wegen Automatisierung, Globalisierung, Digitalisierung) und führt zur Kumulierung von Reichtum. Bei der Demographie geht’s darum, dass bei fehlenden Perspektiven durch Arbeit (Karriere, Kontakt zu Kollegen, Anerkennung) Perspektiven genutzt werden, die zu einer Erhöhung der Geburtenrate führen. Die Entwicklungen bei Ökologie und Demographie machen Transferleistungen nötig, die aber nicht auf ein Fass ohne Boden treffen dürfen (würde Recht auf Eigentum tangieren). Bei Corona geht’s einerseits ums Begrenzen der Zahl der Infizierten (Recht auf Gesundheit).

Andererseits geht’s ums Überleben von Firmen, deren Bestehen durch Begrenzungs-Maßnahmen bedroht ist (Recht auf Eigentum). Beim Thema Polizei geht’s einerseits ums Verhindern von brutalem Vorgehen (Black Lives Matter) und andererseits um Recht und Sicherheit (auch von Eigentum). Bei der Migration schliesslich geht’s einerseits um Menschlichkeit und andererseits ums Berücksichtigen ökonomischer, ökologischer und demographischer Belastungsgrenzen. Diejenigen auf der rechten Seite der Gräben haben von Trump erwartet, dass er durch Bruch von Konventionen auf allen Ebenen die ihrer Ansicht nach schiefe Balance neu ausrichten kann. Die Menschen auf beiden Seiten der Gräben fühlen sich im Recht. Darum ist es nötig, die Existenz des Zielkonflikt (der in der Natur der Sache liegt und nicht auf Böswilligkeit beruht) anzuerkennen und Lösungen im Interesse eines höheren gemeinsamen Ziels (Sichern einer guten gemeinsamen Zukunft) zu suchen und zu akzeptieren. – Dr. tech. Gernot Gwehenberger

 


 

 

Leserbriefe zu „Das beunruhigt mich nicht“. Gespräch mit Lars Field geführt von Mark Schieritz

 

Das Interview mit Prof. Feld ist an Innovationsarmut und Zynismus nicht zu überbieten. Der zum Gähnen langweilende (neoliberale) Ansatz, die jetzt aufgenommenen Schulden notfalls über die Sozialkassen zu finanzieren, ist das eine. Bitte ja nicht Hand an die (Super)reichen anzulegen, weil die ja auf die revolutionär neue Idee kommen könnten, ihr Geld ins Ausland zu verschieben, ist das andere. Den Gipfel an Zynismus erreicht er mit seiner Aussage, dass die Gastronomen – die ganz nebenbei gesagt mit persönlichen Haftungsrisiko agieren – doch bitte jetzt demütig sein sollten, wenn der Staat so gnädig die Schatulle öffnet. Von der Kultur redet der Wirtschafts“weise“ schon gar nicht. Bei so viel Borniertheit platzt einem wirklich der Kragen! -Michael Hauck

 

Mark Schieritz befragt den Wirtschaftsweisen Lars Feld zu Folgen der Corona-Pandemie. Für sein Fachgebiet zeigt sich Feld recht optimistisch und, wenn man so will, auch für die Superreichen. Von einer Vermögensabgabe hält er nichts mit der Begründung, dass diese Gruppe ihr Geld ohnehin ins Ausland bringen werde und sich selbst gleich mit in die Schweiz, um dem hiesigen Finanzamt zu entgehen. Ende des Interviews. Wirklich? Das war´s? Wenn das Problem der zunehmenden wirtschaftlichen Spaltung unserer Bevölkerung nicht jetzt von der Gesellschaft entschlossen angegangen wird – wann dann? Und wenn gesellschaftlich relevante Kräfte, wie auch DIE ZEIT, nicht tatkräftig mitwirken – wer denn sonst? – Dr. med. Leo Voss

 


 

 

Leserbriefe zu „Der gute Stoff“ von Ulrich Bahnsen et al.

 

Bereits seit Jahren bin ich ein überzeugter Abonnent der Zeit. Dabei schätze ich Woche für Woche Ihre überwiegend vielfältige Themenpräsentation und die, wie ich finde, in weiten Teilen ausgewogene Berichterstattung. Um so irritierter war ich, als ich in der letzten Ausgabe Ihren Bericht zu einem möglichen Corona-Impfstoff las. Dort ist die Rede von einem „guten Stoff“ und die entsprechende Verzierung mit Blümchen suggeriert noch zusätzlich, dass es sich dabei geradezu um einen Zaubertrank handeln muss. Meines Wissens zieht sich die Entwicklung und seriöse Erprobung eines neuen Impfstoffes normalerweise über mehrere Jahre hin.

Und in diesem Fall soll es möglich sein, diese Entwicklungszeit auf mehrere Monate zu verkürzen? Ohne nicht abschätzbare Risiken in punkto Nebenwirkungen und Folgeschäden in Kauf zu nehmen? Nach meinem Dafürhalten Grund genug für ein erhebliches Maß an gesunder Skepsis. Angesichts des eingangs Gesagten würde ich mir gerade bei diesem so sensiblen und brisanten Thema in Ihrem Beitrag ein weit höheres Maß an Ausgewogenheit und Differenziertheit wünschen. Ein kritischer Journalismus sollte noch unbekannte gesundheitliche und gesellschaftliche Auswirkungen auf die Bevölkerung durch eine wenig hinterfragte Impfkampagne stärker in den Fokus nehmen. – Rolf Armbrust

 

Ich versteh das was nicht: 43.000 freiwillige Probanden, davon 94 an Covid-19 erkrankt, davon 90 % nicht geimpft. Wie leiten Sie daraus einen 90 % Schutz durch den Impfstoff ab ?? Erklärung wäre toll. – P. Wurmbauer

 


 

 

Leserbriefe zu „Rohre für Millionen“ von Susanne Götze und Annika Joeres

 

Die Tatsache, dass ausgerechnet die Herren Altmaier und Scholz „Fracking“-Gas aus den USA importieren wollen, ist schlicht skandalös. Zum einen ist Fracking-Methode aus Gründen der Umweltbelastung in Deutschland verboten, zum anderen sind hohe Investitionen in Leitungen und Terminals auf Kosten der Steuerzahler geplant, die wirtschaftlich unnötig sind, wie Frau Kemfert zutreffend ausführt. Sowohl der Finanzminister (Stichwort: BAFIN) wie auch der Wirtschaftsminister (Stichwort: Oligopol der Wirtschaftsprüfer) hätten genug damit zu tun, die Folgen des Wirecard-Skandals aufzuarbeiten.

Beide Herren haben die politische Verantwortung für das Versagen im Falle Wirecard, der eine für die Aufsichtsbehörden und der andere für die Wirtschaftsprüfer. Bis heute ist nichts passiert, obwohl Anleger, Kreditgeber und Steuerzahler den Verlust eines 2-stelligen Milliardenbertages verkraften müssen. Sollte dieses „Fracking“-Projekt realisiert werden, dann wird die Regierung nach diesem Kotau gegenüber der USA erpressbar bleiben sowie die Glaubwürdigkeit in puncto Umweltschutz endgültig verspielt haben. Wir nähern uns jener Bananenrepublik, die erfreulicherweise am 03. November 2020 in den Vereinigten Staaten abgewendet wurde. – Jürgen Rohlfshagen

 

Der Vorspann zu dem Artikel „Rohre für Millionen“ behauptet: „USA . In den vergangenen Jahren wurde das Land zum größten Gasexporteur der Welt“. Mit welchen Daten begründen Götze und Joeres diese Aussage? Nach UN Daten  sind die USA  2019 der 3 größte Exporteur und der 4 größte Nettoexporteur (Dollar Werte). Zwar haben die USA ihre Produktion und Netto-Ausfuhren zuletzt stark ausgeweitet, doch verbrauchen sie weiterhin das meiste Gas zuhause. Bei der Produktion sind sie wieder Weltmeister aber im globalen Gashandel ist ihre Rolle doch viel bescheidener (etwas mehr als 10% der globalen Ausfuhren).

(Bei den Ausfuhrmengen (Kubikmeter oder TJ) schneidet die USA  wahrscheinlich noch schlechter ab. Die statistische Datenlage ist hier etwas schwieriger als in Werten). Der Artikel konzentriert sich auf die negativen Aspekte (Umwelt,Kosten) und den politischen Kuhhandel (Nordstream 2) und erwähnt nur kurz die möglichen Vorteile (Gasinfrastruktur des Binnenmarkts). Dabei gibt es weitere Vorteile. Es ist richtig dass Deutschland für seine Energieversorgung z.Z. keine Einfuhr von Flüssiggas benötigt. Auch preislich ist das LNG Angebot nicht interessant. Dennoch kann man nicht leugnen, dass eine Diversifizierung der eingeführten Energieträger (LNG) und der Transportwege/Lieferketten die Sicherheit der deutschen Energieversorgung insgesamt erhöht.

Möglicherweise kommen die zukünftigen LNG Lieferungen ja nicht nur aus den USA sondern auch aus Afrika bzw dem Mittelmeerraum. Ein wichtiger Vorteil der umstrittenen Ostseepipeline ist ja ebenfalls die erhöhte (nationale) Versorgungssicherheit. Man kann weiter einen Vorteil darin sehen, dass das  importierte Flüssiggas in Zukunft im (begrenzten) Wettbewerb mit Pipelinegas steht und somit Preise im gesamten Gasmarkt stabilisieren hilft. – Michael Finger

 


 

 

Leserbriefe zu „Viel Wind ums Lüften“ von Dirk Asendorpf

 

„Viel Wind ums Lüften“, man kann dem Autor dieser Überschrift nur zustimmen. Der Streit ist total überflüssig. Seit Jahrzehnten predigen die Berufsgenossenschaften das Präventionssystem T.O.P, also technische Maßnahmen vor Organisatorischen und Personenbezogenen. Und jetzt soll das Alles nicht mehr gelten? Natürlich lösten Mobile Lüfter mit Hepa-Filter nicht alle Probleme, ihre Wirkung aber zu bestreiten (DGUV, RKI, TU Berlin und die anderen üblichen Kleinredner) ist fahrlässig. Und dann das blödsinnige Lüftungskonzept des RKI dagegen zu setzen.

Ich bin selbst Dozent und kann den Einwänden vieler Lehrer nur zustimmen: wie halte ich ein Seminar, wie eine Unterrichtsstunde ab mit Unterbrechung alle 20 Minuten? Von anderen Betrieben, wie Friseuren, Arztpraxen usw. ganz zu schweigen. Und welche Räume lassen überhaupt Querlüftung zu? Corona wird uns noch lange begleiten, auch 2022 werden noch nicht Alle geimpft sein. Unklar ist auch, wie lange der Schutz hält und wie viele Personen sich impfen lassen. Wenn wir zu einem halbwegs normalen Leben zurück kehren wollen, können wir die Technik nicht außer acht lassen, T.O.P eben. Jeder Schulraum, jeder Bus, jeder Bahnwagon benötigt zukünftig einen Hepa-Filter. Möglichst wartungsfrei (z.B. UV-Licht). Ohne Technik ging es im Infektionsschutz nie, es wird auch jetzt nicht gehen. – Werner Pude

 

Mobile Luftreiniger gegen CoV19 in Schulen? Nichts gegen Herrn Lauterbach, Lehrerverbände oder Umweltbundesamt, aber Geräte mit Hepa-Filtern für Schulen? Tut mir leid, mit 30 J. eigener Erfahrung an Hepa-Geräten in der Zellkultur => ungeeignet, da jegliche Partikel (von Feinstaub über Pollen, Kleinschnipsel, Brotkrumen, tote Fliegen, Kleininsekten) die Filter bald verstopfen (https://de.wikipedia.org/wiki/Schwebstofffilter ). Steigt der Strömungswiderstand, freuen sich die Hersteller, so lassen sich im nicht-professionellen Anwendungsbereich, zB modernen Staubsaugern, reichlich Ersatzbeutel umsatzfördernd verkaufen. CoV-19 ist mit 60-140 nm winzig, kleiner als HIV (100-200 nm), Bakterien (600-1000 nm), nur 1/1000 eines Menschenhaars (70000 nm).

In med./biotech. Labors der Klassen S1– S4 (https://de.wikipedia.org/wiki/Biologische_Schutzstufe ) sind vor dem eigentlichen Hepa-Filter (Kat. 1 bis 17, je höher die Zahl, desto besser) klugerweise ein bis mehrere Vorfilter abnehmender Porengröße installiert. Das A & O ist ein möglichst staubarmer Luftzustom, je weniger Raumvolumen desto effektiver die Luftreinigung, die Arbeitsflächen (S2-4) an sog. Hoods, Laminar Flows, Benches, Biohazard-Geräten sind deshalb nur ca. 2 qm. Deutlich größer, aufwendiger und teurer sind dust-free rooms der Mikroprozessortechnik, bzgl. Fläche und Raumvolumen liegen Klassenzimmer klar darüber. Labor-Benches in S2-4-Bereichen müssen ständig gewartet (Stömungsgeschwindigkeit, Dichtungen, Löchlein) und geprüft werden, wird die Strömung zu gering muss der gesamte Hepa-Kasten ausgetauscht werden.

Statt vermeintlich tolle Luftfilter/-reiniger für daheim, Büro, Schule zu kaufen: alles was Feinstaub, Flusen, Schmutz liefert (Textilien, Schuhe) drastisch reduzieren. Das Reinigungspersonal mag noch so gut feudeln, saugen, Sprüh-Wisch-Weg-Superreiniger verwenden, abschließend Sagrotan und sonstige Desinfektionsmittel – Sammel-/Schmuddelecken laufen dem Prinzip der Hygiene zuwider. Unsere Großmütter hatten es noch voll drauf: täglich aufräumen, staubwischen, Putzwasser, Bettzeug 10 Min. am Fenster/Balkon auslüften, dann 1x/Jahr radikaler Hausputz bis in die hintersten Ritzen, alles raus an die frische Luft, Teppiche im Hof ausklopfen usw. Kinder sollen sich in Kitas wie Grundschulen ja wohlfühlen! ein von Eltern gewünschtes Ambiente ähnlich dem Zuhause mit vollen Garderoben, vielen Schuhen, Sitzkissen, flauschige Kuschelecken, zig Spielzeug von dem einiges längst zum Flohmarkt sollte – fast wie bei Hempels.

Um die ZEIT’sche Ecke gedacht: von ihnen zugetragen, dem H der corona-schen AHA-Regel aber nicht zuträglich (Lsg: Dreckspatz, Schmutzfink, Umweltbelastung, was sonst so reinpasst) Für Schulen geeignete Hepa-Filter? forget it! Ginge es nicht gegen die Menschenwürde wäre es effektiver jedes Kind in einen Ganzkörper-Schutzanzug einzupacken, ggf im Astronauten-Look. Einfacher: AHA-Regeln + Verstand auf „on“, den Ruf nach Freiheit verwechselt leider mancher mit egoistischer Narrenfreiheit. Seuchen, Epi-, Pandemien gibt es seit Urzeiten und wird es immer geben (Evolution), so heftig wir unsere Erde inzwischen malträtieren schlägt sie nun halt mal zurück. Die Natur braucht UNS nicht, wir aber die NATUR! – Dr. R. Kerler

 


 

 

Leserbrief zu „Wut auf Rädern“ von Martin Machowecz

 

Dieser Artikel zeigt sehr gut auf, wie sehr unsere Bemühungen gegen das Virus konterkariert werden.  Die genannten Unternehmer haben es sich also zur Aufgabe gemacht, die Corona-Leugner durch ganz Deutschland zu karren, damit sich diese an Hotspots treffen und ohne Maske und Abstand austauschen können. Im Anschluss fahren sie diese wieder in ihre Heimatorte.  Und solchen Leuten wird hier ein Forum geboten, die dürfen über den Lockdown und die wirtschaftlichen Folgen jammern?  Sind sie es doch, die genau das tun, das die Kette noch verlängert und die Wirtschaft noch länger am Boden hält.  Und da wird seitens der Redaktion nicht nachgehakt, sondern ohne Kommentar nur die Jammerei abgedruckt?  Eigenverantwortung und Selbstreflexion sind wirklich Utopie, da braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Gesellschaft handlungsunfähig wird. – Roland Zöchbauer

 


 

 

Leserbrief zu „Diese Klagen sind fast alle aussichtslos“ von Kerstin Kohlenberg

 

Herr Dershowitz sagt im Interview mit Kerstin Kohlenberg, wenn die Wahl nur von Pennsylvania abhinge, wären Trumps Klagen erfolgsversprechend. Die Stimmen, um die es in Trumps Klage geht sind aber nicht ausschlaggebend für das Ergebnis der Wahl. In Pennsylvania gewinnt Biden die Wahl auch, wenn die Stimmen, die nach dem Wahltag eingegangen sind nicht eingerechnet werden. Dass seine Behauptung ohne Einordnung so stehen bleiben darf, ist in meinen Augen irreführend.

Darüber hinaus finde ich die Wahl von Alan Dershowitz als einordnende Stimme fragwürdig. Dershowitz hat im Impeachment-Verfahren argumentiert, dass nichts, was der Präsident tut illegal sein könne, wenn es seiner Wiederwahl helfe. Dieses Argument untergräbt die Rechtsstaatlichkeit der USA. Darüber hinaus war er Dauergast auf Fox News als ewiger Unterstützer Trumps. Mit seiner Präsentation als Stimme der Autorität trägt Die ZEIT zur Rehabilitierung derer bei, die vier Jahre das System Trump aufrechterhalten haben. – Robert Laubach

 


 

 

Leserbrief zum Titelbild „Hoffnung“

 

Hiermit möchte ich mein Erstaunen über die Farbwahl Ihres Titelbildes ausdrücken. Was ist das für eine Zusammenstellung aus braun und bläulich? Steht Kamal Harris für das farbige, braune und Joe Biden für das blaue Blut des weißen Mannes? Es erscheint mir sehr irritierend zu sein und Konnotationen mit schwarz-weiß-Denken zu enthalten. – Prof. Dr. Hermann Kreutzmann

 


 

 

Leserbrief zu „Das Coronavirus springt von Nerzen auf den Menschen über: Auch das noch!“ von Harro Albrecht

 

Wie Sie in Ihrem letzten Absatz schreiben: Die Lebens(?)bedingungen der Tiere sind mehr als fragwürdig. Es ist so abstoßend. Wir sprechen von Schweinestau vor den Schlachthöfen, auch bei den Gänsen gibt es jetzt plötzlich zu viele Tiere, die aufs Schlachten warten (eine fragwürdige Formulierung, ich gebe es zu). Und dann sind wir Europäer auch noch der größte Pelz-Exporteur. Merken es die Menschen nicht oder wollen sie es nicht merken? Merken sie nicht, was sie den Tieren antun? Ist es ihnen völlig schnuppe? Hört die Tierliebe beim eigenen Haustier auf?? Nur wenn dann plötzlich der böse böse Nerz eine Mutation des Coronavirus trägt, dann ist Alarm. Vorher nicht. Nicht, wenn man die Bilder der Käfige sieht. Nicht, wenn man die Bilder aus den Schlachthöfen sieht. Nicht, wenn man die Bilder aus Massentierhaltungen sieht.

Warum stellt sich niemand die Frage: Wer braucht Pelz? Die, die ihn brauchen (Stichwort Inuit), die haben erst einmal einiges zu tun, bevor sie überhaupt an das Tier kommen, das ihnen durch ihren Pelz Wärme spendet – aber auch durch ihr Fleisch Nahrung gibt. Warum stellt sich niemand die Frage: Wer braucht Fleisch? Mittlerweile sollte es der letzte Hinterwäldler wissen, dass man es nicht braucht. Und ganz bestimmt braucht man es nicht aus der Massentierhaltung. Wenn die Leute, die Pelz und/oder Fleisch so toll finden, sollten sie ein Tier töten, ihm das Fell abziehen. Das würde die Zahl derer, die Pelzprodukte kaufen und/oder Fleisch essen sehr deutlich reduzieren. Machen Sie alle die Augen auf und stellen Sie sich der Realität. Gilt auch für meine absolute Lieblingsministerin Julia Klöckner.

PS: Es gibt jetzt also auch Fake-Kunstpelze. Perverser geht es kaum. Ich habe zwar auch kaum noch Pelzmäntel gesehen (auch nicht hier in Frankfurts Goethestraße) aber mir ist schon einer zu viel. Vielleicht könnte die ZEIT auch einmal darüber berichten, woher die Daunen kommen. Und die  Merino-, Alpaka, Cashmere-Wolle. Auch hier tun sich Abgründe auf. Ich bin ganz bestimmt kein Gutmensch (nein, ich will nicht gendern). Aber mir widerstrebt grundsätzlich Ungerechtigkeit gegen die Lebewesen, die sich nicht wehren können. – Annette Haagen

 


 

 

Leserbrief zu „Gesprächsstoff: Vitamin D“ von Katharina Menne

 

Sich mit einem Bild zur chemischen Formel zu schmücken und dann einen solchen Unsinn zu schreiben, lässt einen redaktionelle Absicht vermuten. Bis jetzt schwanke ich noch was mein Abonnement betrifft, allerdings habe ich mehr und mehr das Gefühl bewusst schlecht informiert zu werden.  Die Angaben schwanken, allerdings ist es recht einfach belegbar das nordische Völker ihren Vitamin D Bedarf durch die dort reichlich vorhandene Quelle, fettreichen Fisch, seit Jahrhunderten erfolgreich decken.

Letztlich kann man sich über die Höhe des Bedarfs streiten auch wenn man heute von eher 4000 iE als notwendige Gabe zwischen Oktober und März ausgeht, aber einen solchen Unsinn zu schreiben, da Bedarf es in Betracht der offiziellen Zahlen schon einer gewissen Dreistigkeit. Das ist sehr schlechter Journalismus (Experten und Studien ohne Nachweis zu zitieren) und erst recht keine Wissenschaftsjournalistische Höchstleistung. Ihre Autorin hat angeblich Biologie und Physik studiert. Wenn ein solch schlechter Text dabei herauskommt, sollte sie sich, mit Verlaub, eine andere Tätigkeit überlegen.

Hierzu ein Auszug von der Seite https://www.cerascreen.ch/blogs/gesundheitsportal/vitamin-d Auch Pilze und Avocados enthalten Vitamin D – allerdings in einer Form, die der Körper schlechter aufnehmen kann. Überhaupt müssten Sie ziemliche Mengen der jeweiligen Lebensmittel verzehren, um selbst die niedrigste empfohlene Tagesdosis zu erreichen. Für die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen 800 Internationalen Einheiten (IE), also 20 Mikrogramm, bräuchten Sie beispielsweise täglich 2400 Gramm Pilze, vier Kilo Rinderleber, vier Kilo Butter oder 80 Eier. – Olaf Zewe

 


 

 

Leserbrief zu „Steckt dahinter ein Sinn?“ von Peter Kümmel

 

Ich hatte als Theatermacher, Autor und langjähriger Leser der ZEIT lange darauf gewartet, dass endlich ein kritischer und die Perspektiven der Theater diskutierender Artikel im Feuilleton erscheint. Die durch den Lockdown neuerlich geschaffene Situation der Kultur ist schwierig genug. Der Beitrag von Herrn Kümmel geht aber an den ganz wesentlichen Fragen der Perspektiven, den Notwendigkeiten und der gesellschaftlichen Kraft des Theaters vorbei, zumal mit nicht zielführenden und blasigen Argumentationen über die Erneuerung des Theaters. Das hat mich als Leser, der die Materie von innen sehr gut kennt, extrem irritiert.

Die Lage ist schwierig und komplex genug. Auf alle Teilargumente kann man nicht eingehen, das ist klar. Viele Menschen wie ich fragen sich aber jeden Tag kritisch, was in der öffentlichen Diskussion mit welcher Berechtigung geäußert wird und warum. Nach Herrn Kümmels Artikel, der so viel wertvollen Platz in einer vielgelesenen Zeitung in Anspruch nimmt, war ich aber ratlos. Es geht ums Ganze: „Der Vorhang zu, und alle Fragen offen“ – das kann kein Status quo sein, in dem die Diskussion um die abermalige, zu Recht umstrittene Schließung der Theater, Opern- und Konzerthäuser stecken bleibt. Noch weitere Perspektivlosigkeit führt allmählich zu Resignation (die bei einigen Intendanten großer Opernhäuser von Hamburg bis Stuttgart bereits peinlich sichtbar wird).

Und auch der von Herrn Kümmel bemühte Verweis auf das „Opfer“, das die Kultur in dieser Situation für die gesamtgesellschaftliche Sicherheit bringt, beschreibt nicht die Prozesse, die sich gerade zu Ungunsten unserer kulturellen Öffentlichkeit vollziehen und ihre Existenz langfristig gefährden, vor allem im weniger und nicht subventionierten Bereich! Ja sicher, es bedarf jetzt dringend eines Neustarts, und zwar weit über finanzielle Nothilfen, die nicht ausreichen werden, hinaus! Aber deutlicher gesagt werden muss, dass die kulturelle Öffentlichkeit als Ganzes auf dem Spiel steht – und sie darf nicht verspielt werden, auch wenn es berechtigterweise viele andere, ebenso wichtige Prioritäten gibt.

Von der Politik wurde – ohne Rücksicht auf das tatsächlich von den Kulturveranstaltungen ausgehende, nämlich nicht nachgewiesene Ansteckungsrisiko und ohne Respekt vor den wirksamen, zum Teil mit großem Aufwand und Kreativität umgesetzten Hygienekonzepten der Bühnen und Veranstalter – eine Schließung bis Ende November verhängt. Die pauschale Subsummierung von Theater, Tanz und Musik in die Kategorie „Freizeit und Unterhaltung“ wurde schon andernorts deutlich und richtig kritisiert, sie ist ein Skandal und Beweis mangelnden Bewusstseins für das, was Kultur bedeutet. Offenbar fehlt der Bundesregierung die Wahrnehmung für die tatsächliche gesellschaftliche und auch politische Relevanz einer freien kulturellen Öffentlichkeit, die von den politischen Entscheidern entweder verkannt oder einfach nur ignoriert wird.

Beides ist bereits schlimm genug! Doch gerade die Kraft des Theaters – also des gemeinsamen physischen wie emotionalen Erlebnisses einer Aufführung – ist in einer Zeit, in der die pandemiebedingte  Kontaktlosigkeit und Vereinzelung schnell zur Vereinsamung ausarten kann, noch wichtiger denn je und hat durchaus auch eine „heilende“ Wirkung für das gesellschaftliche, ins HomeOffice oder Stillstand eingesperrte Gemüt, auch wenn die geringe Zahl zugelassener Zuschauern in einem großen Saal befremdend wirken mag.  Dass die Theater- und Bühnenkunst in Zeiten von Krisen neue Wege gehen muss, so wie es Herr Kümmel im Gespräch mit Amelie Deuflhard nun nochmal aufarbeitet, ist nicht neu, aber keine alleinige Lösung.

Die inhaltliche und stilistische Öffnung der Bühnen – selbst der staatlich subventionierten – hin zu einer breiten und vielschichtigen Öffentlichkeit an neuen, spannenden und sozial wichtigen Orten außerhalb der Theater ist längst im Gang und mehr Courage wäre da an viele Stellen absolut wünschenswert (dafür braucht es aber mutige und kreative Intendant*innen!). Neue Formen allein lösen das Problem aber nicht! Sie sind notwendig – die permanente Neuerfindung des Theaters durch sich selbst gehört aber zur Natur dieser Kunstform. Die Öffnung der Theater nach außen, Partizipation, kulturelle Vielfalt etc., das sind alles fromme Wünsche, die von einer äußerst kreativen und vielseitigen freien Szene schon längst erfüllt werden, was gern in den Spielplänen der großen Bühnen einen höheren Stellenwert haben dürfte, auch und vor allem auf Kampnagel, wo diese Vielfalt gern noch mehr bis tief in die freie und alternative Szene hinein gefördert werden dürfte, indem man die Hallen dafür öffnet, statt sich mit internationalen Festivals zu schmücken!

Daneben bedarf es auch in Zukunft der gut geführten und finanziell ordentlich ausgestatteten Theater und ihrer Ensembles, um künstlerische Visionen auf hohem (auch technisch hohem, also aufwendigem und teilweise teurem) Niveau zu ermöglichen. Schauspielhaus und Thalia-Theater sind nicht umsonst künstlerisch prägende Bühne dieses Landes und ein Glück für Hamburg, dass wir diese Orte der ungebändigten Kreativität haben (was man gern auch von der während der Pandemie still und digital nicht präsent in ihrer Bedeutungslosigkeit vor sich hindümpelnden Staatsoper behaupten würde…) – sie sollten dringend wieder geöffnet werden!

Diese Institutionen sind weder überflüssiger Luxus noch basisdemokratisches Instrument, aber dennoch geht es bei der Frage nach ihrer Existenz auch um das gesellschaftliche Ganze. Eine funktionierende kulturelle Öffentlichkeit, die unmittelbaren gedanklichen Austausch direkt – und eben nicht nur online! – ermöglicht, ist wichtig für den Zusammenhalt unserer in sich viel zu gespaltenen und sich gerade jetzt immer weiter ins Individuelle separierenden Gesellschaft. Dazu gehören die öffentlichen Bühnen ebenso wie alle freien und soloselbständigen Künstler, Gestalter, Ermöglicher und Erfinder, die unserer Gesellschaft Vielfalt und Farbe schenken mit ihrer unersetzlichen Arbeit.

Der Werteverlust, der jetzt schon spürbar wird und sich auch im zunehmenden Regelbruch bei Demonstrationen und im Nahverkehr als Form der Fremdwerdung zeigt, ist jetzt bereits immens und wird uns lange beschäftigen. Vom Werteverlust aus ökonomischer Sicht ist an dieser Stelle noch gar nicht die Rede.  An der Ansage einer bis Ende November befristeten Schließung sollten die verantwortlichen Akteure jetzt nicht rütteln, wenn sie die Glaubwürdigkeit ihrer Maßnahmen aber auch die Akzeptanz nicht nur unter den unmittelbar Betroffenen noch einigermaßen erhalten wollen – vor allem nicht mit einer schrittweisen Verlängerung des Lockdowns für die Kultur auf unbestimmte Zeit.

Es bedarf dringend einer Planungssicherheit für die Vielen, die in diesem Bereich arbeiten, und es braucht eine realistische Perspektive, die aus dem staatlich auferlegten Berufsverbot wieder hinausführt und darüber hinaus die dringend nötige soziale Sicherheit durch stattfindende Engagements wieder ermöglicht! Es muss daher jetzt die Frage erlaubt sein, ob die Schließung der Kultureinrichtungen überhaupt die richtige Maßnahme ist, um der Pandemie zu begegnen.  Dass die Infektionszahlen nicht wesentlich sinken, liegt offenbar vor allem an der Übertragung des Virus im privaten Bereich.

Und wenn es darum gehen muss, uns alle vor dem Notfall der Überlastung des Gesundheitssystems zu bewahren, dann müssen Regeln konsequent überall dort beachtet oder Schließungen durchgesetzt werden, wo sich Menschen zu oft zu nahekommen – und zwar viel näher als im Theater – auch wenn dadurch wichtige Interessen und ja, auch Freiheiten (!) eingeschränkt werden. Eine Schließung der Kaufhäuser und der Kirchen zum Beispiel, zumal in der Zeit vor und über Weihnachten, wäre eine deutlich wirksamere Strategie zur Vermeidung der Übertragung des Virus, denn nirgends sonst kommen sich so viele Menschen unkontrolliert so nahe. Die Frage, warum Kommerz und Kultus in diesem Land über der Kultur stehen und Kaufhäuser geöffnet sowie Gottesdienste erlaubt bleiben, während die Theater und Clubs schließen müssen, wurde ebenso schon ausreichend diskutiert, von der Politik aber bis heute nicht beantwortet. Einzig Thalia-Intendant Joachim Lux hatte eine künstlerisch adäquate Antwort mit dem Gottesdienst der Künste parat, wenn auch leider nur als einmaliges Event. Eine sonntägliche Fortsetzung wäre vielleicht ein noch stärkeres Zeichen gewesen…

Es darf nicht sein, dass wir eine weitere mögliche Schließung der Theater einfach nur resigniert hinnehmen, zumal wenn wir mehr und mehr erkennen können, dass die im Theater unter strengen und wirksamen Hygienemaßnehmen stattfindende Restöffentlichkeit keinen wesentlichen Anteil am Infektionsgeschehen hat und also eine Schließung auch nicht zur Senkung der Infektionszahlen beitragen wird, egal wie lange sie noch dauert. Aus diesem fatalistischen Teufelskreis muss die öffentliche Diskussion endlich selbstbewusst ausbrechen und mit einer differenzierten Abwägung der Risiken möglich machen, was möglich ist, auch und gerade in Zeiten der Pandemie: wir brauchen die kulturelle Teilhabe, damit die Gesellschaft als Ganzes nicht noch weiter erkrankt!

Wie sagte der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda so einfach wie deutlich vor den Beratungen der Bundesregierung Ende Oktober? „Gehen Sie ins Theater, dort sind sie sicherer als zu Hause!“ In diesem Sinne: Macht auf die Tür, die Tor‘ macht weit! Es wird wieder Zeit für mehr Theater und für weniger Angst. Mit Respekt voreinander, z.B durch Beachtung der geltenden Hygieneregeln, sind viele Freiheiten weiter möglich, auch zu diesem Lernprozess fordert uns die Krise heraus. Das einseitige Reden von Distanz und Schließung als einziger Perspektive, die momentane Infektionswelle zu brechen, hilft uns jetzt nicht mehr weiter, geht an der Wirklichkeit vorbei und spielt mit der aufkommenden Unzufriedenheit auch demokratiefeindlichen Strömungen in die Hände. Die Politik läuft damit Gefahr, die Menschen, für die sie gemacht wird, durch blindes und bequemes Handeln zu verlieren. Die Schließung der Theater und Kulturveranstaltungen ist schmerzhaft und wäre sicher ein vermeidbarer Fehler gewesen, wenn die Lage differenziert und mit Weitblick betrachtet worden wäre. – Heiko Hentschel

 


 

 

Leserbrief zu „New York, New York” von Sarah Pines

 

Großartiger Bericht: New York während der Pandemie. Dead city. Trauriger als ein Bild von Edward Hopper. Ein schmutziger, leerer side walk, auf dem mit ohrenbetäubender Stille ein leerer Papierbecher entlang treibt. – Ludwig Engstler-Barocco

 


 

 

Leserbrief zu „Politischer Reiseführer aus dem Ledersessel“ von Jens Hacke

 

Das ist mir alles zu intellektuell. Geht es nicht etwas sachlicher und einfacher, um die Demokratie, in der wir leben, infrage zu stellen. Ich bin ein extra Modell der Zuverlässigkeit, was die Demokratie betrifft. Die Demokratie in Deutschland ist gar keine Demokratie. Das haben die Journalisten und Politiker noch gar nicht gemerkt. Auch ihr Jens Hacke nicht. Man will es den Bürgern immer und immer wieder einbläuen. Wann endlich erklären die Medien das den Regierenden.

Die Demokratie muß ganz neu buchstabiert werden. Die Freiheit zerstört die Demokratie. Das ist kein Widerspruch. Das steht unumstößlich fest. In Singapur, wo ich auch lebe, gibt es diese Demokratie nicht. Aber dafür eine lebensfreundliche Kultur. Die es in Deutschland gar nicht gibt. Singapur ist das wohlhabendste Land auf Gottes Erden. Keine Armut, keine Kriminalität und keine Protestaktionen. Das Paradis wenn sie so wollen. So buchstabiere ich jedenfalls die Demokratie. Sie werden das wahrscheinlich nicht verstehen. Selbst Ich verstehe es kaum. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbrief zu „Ist 2020 doch besser als sein Ruf?“ von Vivian Alterauge und Moritz Herrmann

 

Hier ist mein Good of 2020: Wer wegen zahnärztlicher oder kieferorthopädischer Behandlung einige Zeit ohne einen Teil seiner Zähne auskommen musste, konnte diesen unglücklichen Umstand gut hinter der Maske verstecken … Desgleichen, wem nicht nach Lächeln zu Mute war … Die Zahl „erfolgreicher“ Banküberfälle ist zurückgegangen, da maskierte Räuber an Drohpotential verloren haben … Der Augen-blick verdrängt manche falsche Gestik. Die Augen als der „Spiegel der Seele“ konzentrieren den Ausdruck der wahren Gefühle und lassen uns direkt ins Herz sehen …

Die Vorstellung, dass die USA wieder die Vereinigten Staaten von Amerika werden könnten … Die großartige Kamala Harris als die gewählte Vlzepräsidentin der USA … Die Veröffentlichung des wunderbaren, herzerwärmenden Romans „American Dirt“ von Jeanine Cummins, der der Welt mit der Mexikanerin Lydia und ihrem achtjährigen Sohn Luca zwei unvergängliche Literaturgestalten geschenkt hat … Die neue Wertschätzung der Pflege- und Erziehungsberufe und die Anerkennung der Tätigkeit von Supermarktkassiererinnen … Das Unterbleiben der inflationären, formelhaften Begrüßungsdrückerei ohne emotionalen Bezug …

Das Unrecht der deutschen Kolonialverbrechen und –vergehen wird zunehmend diskutiert … Die Chancen von Friedrich Merz als neuer Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat der CDU sind rückläufig …Spritzige autonome Frauenpower zum Beispiel im „Liedgut“ der Rapperin CardiB. lässt vertrockneter weiße alte Männer sich Weihwasser in die Ohren gießen (siehe ZEIT Nr. 36) und hoffentlich auch Stirn und Brust sich damit bekreuzigen angesichts ihrer offensichtlichen Entbehrlichkeit im Reich der Lust … Die Vorstellung, dass aus Hitlers Geburtshaus in Braunau eine Filiale der österreichischen Zentrale für politische Bildung mit Schwerpunkt „Demokratieförderung“ werden könnte. – Ludwig Engstler-Barocco

 


 

 

Leserbrief zu „Die Exit-Strategie“ von Klaus Raab

 

Man fragt sich schon, was Herr Raab zu sich genommen hat, bevor er mehrere Tausend Wörter zum Thema Reisefreiheit in Pandemiezeiten zu einem Text zusammenknüpfte, der mich als durchhaltende Lesende leider nicht mit Erlösung belohnt. Denn Herr Raab meint das völlig ernst: Es ist wirklich ganz, ganz schwierig momentan, morgens um acht den Flug von Frankfurt nach Gran Canaria zu erwischen, weil eine Übernachtung in einem flughafennahen Hotel nicht möglich ist. Ach, wären wir doch Bananen, um, unreif gepflückt und in Chlor gebadet, von Grenzen unbeschadet einmal um die Welt zu reisen, um am Ziel an Hosenbeinen und Tischoberflächen verschmiert zu werden.

„Wir sind nicht eingesperrt. Wir sind nur angehalten, Kontakte zu beschränken und Abstand zu halten.“ Herr Raab ist zu dieser bahnbrechenden Erkenntnis zu beglückwünschen; ein kompletter Wirtschaftszweig, wirr verschlungen in den Zusammenhängen von Privatem und öffentlichem, individuellem Sendungsbewusstsein und verallgemeinernder Werbung, vermeintlichem Benefit für Andere und tatsächlicher Beeinflussung durch die Wirtschaft, muss wie er darunter leiden, nicht mehr einfach so in die Boeing hopsen zu können und gutausgeleuchtete Fotos als Beweise der eigenen Freiheit an den Strand des Überflüssigen zu spülen.

Viel schlimmer aber als den Influencern wird es mehr als zwei Millionen sogenannten Soloselbstständigen in Deutschland gehen, für die solch Gebaren auch präpandemisch eventuell schon weit entfernt von dem war, was sie für erstrebenswert hielten. Auch die Menschen, die das Konterfei Deutschlands als Land der Dichter und Denker, der Bildung und Kultur mit ihrer meist freiberuflichen künstlerischen Tätigkeit täglich polieren und aufrechterhalten, stehen seit einem Dreivierteljahr ohne Kurzarbeitergeld oder sonstige Absicherung da, die auch nur im Entferntesten den Raum erlaubte, sich Gedanken über das erschwerte Urlauben in Europa und darüberhinaus zu machen.

Denn da steht stattdessen tatsächlich schon seit längerer Zeit die Frage nach mindestens einer vollwertigen Mahlzeit am Tag im Raum, und die ZEIT entblödet sich ausgerechnet jetzt nicht, eine ganze Zeitungsseite zu reservieren für einen Artikel, dessen Kern sich um eine Allegorie zu winden hat: die aktuellen Reiseumstände als unterschiedliche Level eines Videospiels. Die ZEIT überrascht mich immer wieder. Einen Sommerloch-Artikel dieser Art in die Ausgabe einer Zeit zu packen, in der nachweislich viele Menschen in Deutschland um das Erhalten ihrer Existenzen kämpfen, ist ein Schlag ins Gesicht nicht nur derer, die das Wort Flugscham für eine passende Replik auf den Egozentrismus dieses noch jungen Jahrhunderts halten. – Leonie Adam

 


 

 

 

Leserbriefe zum Titelbild „Jedes Kind lernt, dass es mit Essen nicht spielen soll. Und tut es trotzdem“ im ZEIT Magazin

 

Ich habe selten – außer in Pornozeitschriften- etwa Abstoßenderes gesehen als die schlecht fotografierte Lippen-Zungenpartie auf der Titelseite des heutigen Magazins. Was geschminkte Lippen mit der Bildunterschrift, dem Kauverhalten von Kindern zu tun haben soll, erschließt sich einem offenbar schlichten Gemüt wie dem meinem auch nicht, also: Thema verfehlt >>> Papierkorb. – Dr. med. Claus Richter-Haffelder

 

Mir wird übel, wenn ich das Titelbild des Zeitmagazins dieser Woche ansehe. Da ich online lese, werden beide Bilder auf einer Seite gezeigt. Es bleibt mir also nicht erübrigt, ich bin gezwungen es immer wieder anzuschauen. Selbst der Playboy macht dezentere Titel. – Annette Leyener

 


 

 

Leserbriefe zu „Morgens halb zehn in Deutschland.(Folge 18) Auf dem Berliner Kurfürstendamm …“ von Moritz von Uslar im ZEIT Magazin

 

Das ist ein sehr schöne kleine Reportage über den Kurfürstendamm, der meine Heimat ist, und wirklich gut eingefangen in der Stimmung! Pappeln gilt es nicht am Ku’damm, das sind Platanen. – Simone Coulin

 

mensch moritz, platanen, nicht pappeln…..! schöne grüsse einer eifrigen kolumnenleserin  – Elvira Queiser

 


 

 

Leserbrief zu „Frag doch den Therapeuten: Verträgt sie den Kulturschock nicht?“ von Wolfgang Schmidbauer im ZEIT Magazin

 

In Zeiten zunehmender familiärer Gewalt, hohen Scheidungszahlen, coronabedingter Spannungen. Sind in dieser Zeit die Artikel von Schmidbauer adäquat? Haupfocus bei dieser Serie: Der A hat seiner B nichts vom Speiseeis angeboten. Wie geht das Paar mit dieser Kränkung um. So etwas passt nicht in diese Zeit. Entweder aktuelle Themen von Schmidbauer oder besser nichts. – Mike Schenker

 


 

 

Leserbrief zu „Vielleicht will ich mich immer noch auflehnen?“ von im ZEIT Magazin

 

Ich wohne seit mehr als 25 Jahren in New York udn Berlin als internationale Künstlerin und Performerin. So war ich auch regelmäßig über viele Jahre bei Louise Bourgeois an ihren Sonntagen als Gast, denn ich fühle eine tiefe Verbundenheit mit ihrem Werk. Just a 10-minute-bike-ride wohne ich von ihrem Haus in Chelsea weg, in der Thompson street am Washington Square. Der Salon von Louise hatte in keiner Weise eine Ähnlichkeit mit den Dinnern der Künstlerin Leila Gohar. Ihr Salon dauerte exakt von 3 bis 5 Uhr. Louise hat nie Gäste eingeladen.

Wer sich meldete war willkommen. Wer zu ihr kommen wollte, etwas besprechen oder um sie zu besuchen. mußte etwas von seiner Arbeit mitbringen und  wurde auf den Sonntag verwiesen. Wenn es bereits zuviele Anmeldungen für diesen Sonntag gab, hieß es: „Come next week“.   Louise war der General, der die kleine Szene beherrschte.   Es passten in ihr kleines Wohnzimmer höchstens 7-10 Gäste. Bis sie aus der Küche kam, unterhielten wir uns nur gedämpft und saßen brav auf unseren Stühlen im Wohnzimmer. Sie blickte dann von einem höher gelegenen Tisch auf die Gäste im Halbkreis vor dem Tisch, an ihrer Seite ihre Assistent/in. Sie selbst war, ungeschminkt, in einem einfachen Hauskleid, die Haare nachlässig zu einem Knoten gebunden.

Alle Gäste hatten sich still hingesetzt und gewartet bis Louise mit ihrer Tasse Tee erschien.   Sie fragte ihre Assistentin laut, wer denn heute da sei, und musterte anschließend die Leute im Raum eindringlich. Dann wurde einer nach dem anderen aufgefordert, etwas von der eigenen Arbeit (Galerie, Kunst, etc.) zu präsentieren. Sie schaute sich alles intensiv an, stellte ab und zu eine Frage. Dann ging die Arbeit oder das Photo herum und andere konnten auch etwas dazu sagen. Ihr Gefallen oder Mißfallen brachte sie klar und deutlich zum Ausdruck. Selbst alte Freunde unterhielten sich mit ihr aus der Vogelperspektive von schräg unten zu ihr nach oben am Tisch. Es waren Kuratoren vom großen Museen wie dem MOMA bis hin zu berühmten Künstlerkollegen, Theatermachern, Tänzern, Galeristen, jungen Künstlern, bekannten und unbekannten, internationalen oder New Yorker Künstlern da. Diese nie zu planende Mischung machte es interessant.

Und die ungemein konzentrierte Stimmung für die Werke. Sie war nicht an allgemeiner Unterhaltung oder über ihre eigene Arbeit zu erzählen interessiert: „Meine Arbeit kenne ich schon. Ich will etwas von anderen Künstlern und deren Arbeit erfahren.“ Sie war ein Eremit, erschien nie zu ihren und anderen Eröffnungen oder weigerte sich zu ihren weltweiten Ausstellungsaufbauten oder Eröffnungen zu reisen. „Ich brauche alle Zeit für meine Arbeit“. Sie arbeite Tag und Nacht und blieb konstant in New York. Ihr Salon war auch solch eine Konstante in ihrem Leben und in meinem.

Ebenso wie der sonntägliche, morgendliche Kirchenbesuch in der Kirche schräg gegenüber ihres Hauses, für die sie auch regelmäßig spendete. Sie lud die Welt zu sich in ihren Sunday Salons ein. So erfuhr sie etwas von der Kunst der anderen. Das war der Geist des Salons von Louise. Sie als Eremit gab sich die Ehre und schenkte sich und uns etwas von ihrer kostbaren Zeit, um etwas zu erfahren über die Kunst da draußen.   Ihre kurze Anmerkung zu Louises Salon konnte ich so nicht stehen lassen, denn ich denke diese beiden Welten sind nicht zu vergleichen. – Birgit Ramsauer

 


 

 

Leserbriefe zum Wochenmarkt „Französischer Apfelkuchen“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

 

Mit Ihrem Financier haben Sie mir eine große Freude bereitet und 3kg Falläpfel vor dem Vergammeln bewahrt. Denn ich habe sie karamellisiert und in 2 Portionen eingefroren. Ihr Rezept ist bestimmt sehr lecker, aber für uns zu mächtig, deshalb werde ich am Wochenende einen schlichten, kleinen Rührteig als Boden bereiten und zur Kaffeestunde gerne an Sie denken! Man kann sich die Lockdown Zeit auch durch Backen verschönern. – Renate Heckele

 


 

 

Leserbrief zu „Ich habe mich geschüttelt“. Gespräch mit Burkhard Jung geführt von Valerie Schönian in der Regionalausgabe ZEIT IM OSTEN

 

Als ich die Aussagen im Interview von OB Jung gelesen habe, war ich baff wegen so einer Unverfrorenheit und Selbstmitleid. Der OB von Leipzig ist ein Waschlappen, ohne jegliche Selbstkritik, Beratungsresistend und Schuld haben prinzipiell Andere. Mit dieser Lebens- und Arbeitseinstellung wurschtelt er sich durch.  Zur Verdeutlichung exemplarische Beispiele. Zum Champions league Spiel RB gegen Tottenham mit 42.000 Zuschauern im Stadion und im VIP-Bereich und mittendrin 4 Coronainfizierte. Der Einlass erfolgte mit Zustimmung und von OB Jung, Wissen/Genehmigung dass der OB von Leipzig Herr B. Jung in Teamarbeit mit dem Bürgermeister für Umwelt, Ordnung, Sport Herrn Heiko Rosenthal und die Leiterin des Gesundheitsamts der Stadt Leipzig Frau Dr. Regine Krause-Döring. Es wurde aktive pandemische Vorarbeit zur Infizierung von 42.000 Besuchern bei diesem Spiel geleistet des Spiels RB gegen Tottenham geleistet.

Eine Wahrung des Virologen Prof. Dr. Liebers vor der infektiösen Ansteckungsgefahr des Coronavirus wurde ignoriert, denn das Gesundheitsamt Gera hatte schriftlich die Namen der Infizierten nach Leipzig gemeldet. Das Abstand Gebot oder die Mund-Nasenbedeckung war auch nicht einzuhalten, denn es war sich ja kein Besucher der Gefahr bewusst. Hier wurde auf sträflichste und vorsätzlich die körperliche Unversehrtheit der Besucher, dem schnöden Mammon Gelds, der Profilierungssucht von Jung und aus Desinteresse zur Einleitung von Schutzmaßnahmen und Information agiert. Richtig ist, dass das OVG Bautzen hat OB Jung und allen Gleichgesinnten die Klatsche verpasst die erforderlich und nötig war, denn das OVG hat unter Berücksichtigung der durch die Stadtspitze zur Verfügung gestellten Informationen, eine Genehmigung für 16.000 Teilnehmern auf dem Augustus-Platz und angrenzender Straßen erteilt. Nicht mehr oder weniger.

Die gleichzeitige Anmeldung und Zulassung von zusätzlichen 28 weiteren Demonstrationen ebenfalls in der Innenstadt (Augustus Platz) hat man sicherlich „vergessen“ zu erwähnen, warum auch. Anlässlich jeder anderen größeren Demonstration, wird in Leipzig der Zugang der Demonstranten kontrolliert und bei erreichen einer vorgegebenen Anzahl von Teilnehmern zu gemacht. Analog hätte man jederzeit auch am 07.11.20 verfahren können, nur wollte man es auch? Auch waren und sind die Rechten und Linken Chaoten der Stadt, aus diversen Auseinandersetzungen bekannt, aber auch die Damen und Herren wurden nicht davon abgehalten sich einzureihen. Aus der Sicht vieler unvoreingenommener Beobachter hat die Polizei sich erstmalig richtig verhalten und nicht wieder den Prügelknaben heraushängen lassen.

Schuld an dem Desaster trägt einzig- und allein der Oberbürgermeister Jung, sein Bürgermeister Heiko Rosenthal und die Chaoten von Rechts- und Links. Aber die Schuld und das eigene Versagen anzuerkennen verstößt beim OB B. Jung gegen sein EGO, denn er ist der Größte und Beste, Schuld haben generell nur die Anderen. Seine herausragenden Charaktereigenschaften sind Geldgier, Pharisäertum und Doppelzüngigkeit. Kritik kann er gar nicht ab und Ratschläge die nicht von Ihm sind, taugen nichts. Jetzt können Sie ja einmal Ihr Interview unter diesen Vorzeichen bewerten und sie wenden zu einer analogen Erkenntnis, die Schuldfrage betreffend kommen, wie viele Bürger der Stadt Leipzig. – R. Köppe