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6. Juni 2024 – Ausgabe Nr. 25

 

Leserbriefe zu „Da ist kein Aufschrei“ von Sascha Chaimowicz

Vielen Dank für den ausgezeichneten Artikel von Sascha Chaimowicz über den ausbleibenden Aufschrei in Deutschland gegen den zunehmenden Islamismus. Die SPD-Innenministerin Faeser lässt nun seit bereits über 15 Monaten prüfen, „ob islamistische Straftäter auch in unsichere Herkunftsländer wie Afghanistan abgeschoben werden können.“ Wie sang doch Franz Josef Degenhardt in seinem Lied über den alten ewigen Sozialdemokraten? „… sagt der alte ewige Sozialdemokrat und spricht und spricht und spricht, bloß ändern, das will er nicht.“
Rolf Schikorr

Die selige Einfalt, dass es sich vor Monaten bei den Demonstrationen gegen „rechts“ um einen Massenprotest der „Mitte“ gehandelt hätte, ist mir leider nicht gegeben. Es war vielmehr eine gut organisierte Darstellung einer gesellschaftspolitischen Krise. Der Kampf gegen die AfD sollte vom weitgehenden Versagen der Altparteien in allen klassischen Politikfeldern (Wirtschaft, Verteidigung, Bildung, Infrastruktur, Rente usw.) ablenken. Wenn man diese Charakterisierung zu Grunde legt, wird klar, dass es bei Terroranschlägen von links oder durch Islamismus keinen „Aufschrei“ geben wird. Denn diese Verbrechen lenken nicht weg vom Versagen der Altparteien und der Ampel, sondern gerade auf dieses Versagen hin im Bereich von Einwanderung und innerer Sicherheit. Es ist kühn von Sascha Chaimowicz, wie er mit der „Mitte“ jongliert. Mannheim wird ihn hoffentlich (nicht) in eine Glaubenskrise stürzen.
Fred Klemm

Sie erwarten doch wohl nicht ernsthaft, dass ich mich für die „Rede- und Meinungsfreiheit“ eines „Islamkritikers“, wie Sie Stürzenberger beschönigend nennen, einsetze? Für mich ist das faschistische Hetze und nichts Anderes! Schlimm genug, dass so etwas von der Polizei geschützt wird. Der Blödsinn, Hetze als „Meinungsfreiheit“ zu verkaufen, geht in dem Interview mit Herrn Di Fabio auf Seite 6 ja noch weiter.
Thomas Manthey

Als vor Jahren unser ehem. Bundespräsident Wulff sagte: „Der Islam gehört zu Deutschland.“, dachte ich, ich hätte mich verhört. Menschen, die unseren christlichen Glauben nicht akzeptieren wollen, oder können, gehören nicht nach Deutschland. Islamisten, die unsere Freiheit, Demokratie und Religionen mit Füßen treten, und jeden ermorden, der ihnen entgegentritt, müssen unser Land sofort verlassen. Es kann doch nicht sein, dass unsere Polizisten zu „Prügelknaben“ der Nation werden, nur weil sie unsere Freiheit verteidigen. Es wird schon viel zu lange weggeschaut und verharmlost. Das Attentat auf den Polizisten Rouven L. ist ein Opfer zu viel. Ich bin entsetzt und sehr traurig, dass das in unserem Land passiert.
Ute Koch

„Wann fangen wir an, uns gegen den Islamismus aufzulehnen wie gegen den Rechtsextremismus? „Haben wir doch! Damals schon, nach dem Massaker in und rund um Bataclan. Damals wurden aber alle, die sich aufgelehnt hatten, sofort als Ausländerfeinde, Fremdenhasser und Islamfeinde in die rechte Ecke geschubst (mit dem Ergebnis, dass die jetzt so zahlreich bevölkert ist). Und jetzt, Jahre und etliche Bluttaten später, fragen Sie vorwurfsvoll, warum es keinen Aufschrei gibt. Auch heute noch muss man seine Worte auf die Goldwaage legen, damit islam- und islamismuskritische Beiträge nicht umgehend gelöscht werden. Reflektieren Sie in einer stillen Stunde mal Ihren eigenen Beitrag dazu, dass sich keiner (außer den Extremrechten) mehr traut, den Mund aufzumachen.
Hans List

Das ein Polizist, oder Feuerwehrmann in Ausübung seines beruflichen Auftrags auch lebensgefährlich verletzt werden kann oder gar stirbt – ist tragisch für die Betroffenen Familien. In diesem Augenblick ist Trauer und Schmerz, der aktuelle Begleiter und eben Sprachlosigkeit im Schockzustand – kein Aufschrei – eben ein schicksalhaftes unverständliches Ereignis. Die stille und öffentliche Anteilnahme hat sichtbar viele Menschen vor Ort und darüber hinaus – auch durch den Bundeskanzler stattgefunden.
Thomas Bartsch Hauschild

Danke für ihren Aufschrei, den ich hiermit mit aller Entschiedenheit teile. Liebe Redaktion, geben Sie uns Lesern Platz für einen Aufschrei, um uns demokratisch gegen den Islamismus, gegen jede Form von Gewalt – und vor allem den Mord an Rouven L. aufzulehnen.
Rolf Weiland

Die sich für die Interessen des Landes, in dem sie geboren wurden und weiter leben, einsetzen und stark machen, werden nur in diesem für Menschen „aus allen Herren Länder ach so schönen“ und (vor allem in finanzieller Hinsicht) äußerst „attraktiven“ Deutschland als entweder Rechtsextremisten oder sogar Nazis tituliert (weil wir und alle weiteren Nachkommen uns wahrscheinlich noch über etliche weitere Jahrzehnte wegen dieses demagogischen österreichischen Verbrechers als deutsche Nation schuldig fühlen müssen und hieran von anderen Ländern und Nationen – nicht zuletzt aus rein finanziellem Eigeninteresse – „mit schöner Regelmäßigkeit“ Jahr für Jahr erinnert werden!), in jedem anderen Land dieser Welt heißen solche Menschen (von offenkundigen Wirrköpfen oder auch mutmaßlichen Opportunisten, die es überall gibt, natürlich abgesehen), die ihr Wort für ihre Heimat und die tradierten Werte erheben, PATRIOTEN! Welches, dazu vergleichsweise auch noch flächenmäßig kleine, Land dieser Erde nimmt denn sonst in diesem schier unüberschaubaren Ausmaß wie Deutschland schon seit Jahrzehnten verfolgte Minderheiten und Flüchtlinge aus allen möglichen Regionen der Welt auf, die sich vornehmlich im sog. reichen Westen ein besseres und sorgenfreies Leben erhoffen und teilweise sogar mit radikal-islamistischem Hintergrund Gewalttaten bis hin zu Mord – selbst wie unlängst erst an Polizisten in Ausübung ihres Amtes – begehen, ohne befürchten zu müssen, jemals in ihr Herkunftsland abgeschoben zu werden? …Kein einziges auch nur annähernd!
Thomas Stähler

Der von Ihnen geforderte Aufschrei wäre – wie Sie richtig schreiben – nur ein Symbol. Es kann allerdings nicht sein, dass immer dann, wenn Fehlentwicklungen sichtbar werden und Politik und Verwaltung keine Lösungen finden, die Bevölkerung durch Demonstrationen darauf aufmerksam machen soll. Mir kommt das eher wie eine Aktion fürs gute Gewissen vor. Der „Aufschrei“ findet in der Demokratie üblicherweise an der Wahlurne statt. Was aber nützt eine selbstgefällige öffentliche Versammlung der Wohlgesinnten, solange die Wahlbeteiligung häufig nur knapp 60% erreicht? Nicht Massenproteste dürfen die Politik beeinflussen, sondern Wahlergebnisse. Nur sollten die Parteien dann auch klar Stellung beziehen und ihre Programme entsprechend formulieren. Egal ob es um Islamismus, Rechtsextremismus oder Terrorismus geht. Nichts für ungut und Danke für den Denkanstoß und eine äußerst lesenswerte „ZEIT“.
Thomas Meichle

Jetzt soll es die Mitte richten. Endlich einmal, wieder einmal? Sascha Chaimowicz appelliert an die Mitte, sich gegen den Islamismus genauso wie gegen den Rechtsextremismus zu erheben. Ich verstehe diese Forderung, sie ist richtig, denn die sogenannte Mitte ist der tragende Teil unserer freiheitlichen Gesellschaft. Dennoch, Sascha Chaimowicz bürdet der Mitte eine Verantwortung auf, die sie ohne entsprechende politische und mediale Unterstützung nicht leisten kann. Ohne Bitterness der Häme verbreiten zu wollen, wurde die Mitte nicht lange Jahre ganz besonders seitens der Politik als Selbstverständlichkeit hingenommen, ohne sich weiter um sie kümmern zu müssen? Als stille Reserve sozusagen? Lautstarke Minderheiten wurden gehört, die Kritiker des politischen Islams automatisch in die rechte Ecke gestellt oder als islamophob gebrandmarkt und so weiter. Der Islamismus ist schon lange Realität in Deutschland. Der Polizist Rouven L. ist leider nicht das erste Opfer; und das ist fürchterlich! Es ist schon lange überfällig, sich diesem Problem zu stellen, den Einsatzkräften den Respekt und den Rückhalt zu garantieren, den sie verdienen. Egal, ob sie von Islamisten, Rechtsextremisten oder Fußball – Hooligans angegriffen werden. Sie halten ihre Haut für uns alle hin. Ich hoffe und erwarte, dass es nicht bei den (üblichen) unter Schock gesagten Beteuerungen der Politik bleibt, um endlich einmal klarzumachen, dass die freiheitliche Demokratie und ihre Staatsorgane kein „Spielplatz“ von Extremisten und Gewalttätern sind. Ja, islamistische Gewalttäter gehören abgeschoben, sie haben den Schutz dieses Landes verwirkt und müssen sich ihrer Verantwortung dann eben auch der Rechtsprechung ihres Herkunftslandes stellen, die dort vorherrscht.
Regina Stock

Ein Aufschrei mag hilfreich sein, aber hilfreicher wären eine grundlegende Änderung des Islam und ein Stopp des Zuzugs von Muslimen, die den Islam für die einzig wahre Religion halten, Nicht-Muslime verachten und glauben, als Muslim das Recht zu haben, mit Nicht-Muslimen nach Belieben zu verfahren. Es gibt nämlich keinen unpolitischen Islam, der vom politischen Islam zu unterscheiden wäre. Von Anfang an waren die geistliche und die weltliche Herrschaft im Islam nicht getrennt – und daran hat sich bis heute insofern nichts geändert, als überall da, wo Muslime die Mehrheit stellen oder jedenfalls herrschen, alle Nicht-Muslime mindestens zur Konformität gezwungen und benachteiligt werden, und zwar zum Teil massiv. Dass die Mehrheit der Muslime in Deutschland derzeit relativ ruhig ist, besagt nicht, dass sie den Anspruch auf Herrschaft über die Nicht-Muslime aufgegeben haben, sondern resultiert daraus, dass die Muslime in Deutschland deutlich in der Minderheit sind. Es gibt in Deutschland zwar auch Muslime, die für die Trennung von geistlicher und weltlicher Macht eintreten und die Geschichte und Theologie des Islam historisch-kritisch aufarbeiten, aber das ist eine winzige Minderheit innerhalb der hiesigen Community der Muslime – die zudem von den Eiferern unter ihren Glaubensschwestern und -brüdern mit dem Tode bedroht wird. Die Haltung des Attentäters von Mannheim ist leider nicht die Ausnahme, sondern die Regel.
Ulrich Willmes

Es muss auch keinen Aufschrei geben, denn Demonstranten können keine Gesetze verabschieden, noch haben sie ein politisches Mandat. Untätiges politisches Handeln der gewählten Volksvertreter einfach auf Menschen abzuwälzen, die gefälligst zu demonstrieren haben ist zu einfach Herr Chaimowicz. Es ist auch zu einfach, mit sattsam bekannten Sprüchen von Ministern sein Bedauern über die Ermordung eines Polizisten vorzutragen: (Islam) …mörderische Ideologie, oder es muss mal wieder geprüft werden ob islamische Straftäter abgeschoben werden können. Die bestehenden Regierungsparteien, SPD, GRÜNE und FDP handeln nicht „zum Wohle des Deutschen Volkes“, sie schaden dem Land und seinen Menschen durch „unterlassene Hilfeleistung“. Man sollte Sie abschieben, im doppelten Sinne des Wortes.
Reinhard Schmitz

Mit Ausnahme der Notwehrsituation ist jedes Tötungsdelikt aufs schärfste zu verurteilen! Zumal, wenn es vermeintlich im Namen eines Gottes begangen wird. Sollte man als Teil einer aufgeklärten Gesellschaft nicht aber auch berücksichtigen, dass es sich im vorliegenden Fall aller Wahrscheinlichkeit nach um die Tat eines in früher Kindheit traumatisierten und psychisch kranken jungen Mannes handelt? Diesen Aspekt vermisse ich in Ihrem Artikel; den „bundesweiten Aufschrei“ eher nicht. Der kommt ja reflexartig aus der rechten Szene. Gerade in der heutigen Zeit kann eine differenzierte Berichterstattung darüber entscheiden, ob ein junger Mensch sich von platten Parolen beeindrucken lässt oder aber in die Lage versetzt wird, über Missstände zu reflektieren, für die wir eine Mitverantwortung tragen.
Christoph Arnold

Warum demonstrieren wir nicht gegen „Islamismus“? Weil wir Angst vor Mördern haben. Wer ist „wir“? Menschen, die die Menschenrechte achten und verteidigen wollen, einschließlich der Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime, und Menschen wie Constantin Schreiber oder Hamed Abdel-Samad kritisch gegen den orthodoxen Islam geäußert haben und nun unter Polizeischutz in Deutschland leben müssen. Die Autorin und der Verfassungsschutz verkennen leider völlig die Gefahren, die von Predigern ausgehen, die zum Krieg gegen Ungläubige aufrufen und nicht verstehen wollen, dass die diesbezüglichen Stellen im Koran aus dem 7. Jahrhundert nicht mehr zum 21. Jahrhundert passen.
Ulrike Mosel

Die Bewertung politischer Strömungen folgt keinem eingenordeten Kompass, sie bleibt ambivalent. Islamkritik wird allzu oft mit dem Bannstrahl des “ Generalverdachts“ belegt und ist deshalb weitgehend wirkungslos ohne größeres Echo in der Bevölkerung. Wer dennoch lautstark hervortritt, wird sogleich als Paria vorgeführt. Ganz anders die rechte Flanke. Mit missionarischer Inbrunst und Rückendeckung vor allem der öffentlichen Funkhäuser wird der Feind sei jeher rechts gesehen. Ein Brennpunkt folgt dem nächsten, da hat die Mobilisierung leichtes Spiel. Die Frage, weshalb die Islamkritik so glimpflich davonkommt, hat am Ende etwas mit der Doppelbödigkeit der linksgrünen Medienhoheit zu tun.
Christoph Schönberger

Endlich. Danke. Es wird Zeit, dass man die Islamisten, als das bezeichnet und bekämpft, was sie sind: Religionsfaschisten. Zu Volker Weidermann das:
Space Oddity (David Bowie, 1969)
Ground control to Major Tom, Ground control to Major Tom
Take your protein pills and put your helmet on (ten)
Ground control to Major Tom (nine, eight, seven, six)
Commencing countdown, engines on (five, four, three, two)
Check ignition and may God′s love be with you (one, lift off)
This is ground control to Major Tom, You’ve really made the grade
And the papers want to know whose shirts you wear, Now it′s time to leave the capsule, if you dare
This is Major Tom to ground control, I’m stepping through the door
And I’m floating in a most peculiar way, And the stars look very different today
For here am I sitting in a tin can, Far above the world
Planet Earth is blue, And there′s nothing I can do
Though I′m past one hundred thousand miles, I’m feeling very still
And I think my spaceship knows which way to go, Tell my wife I love her very much, she knows
Ground control to Major Tom, Your circuit′s dead, there’s something wrong
Can you hear me, Major Tom? Can you hear me, Major Tom?
Can you hear me, Major Tom? Can you?
Here am I floating round my tin can, Far above the Moon
Planet Earth is blue, And there′s nothing I can do
Kurt Eimers

Zunächst ist es zu begrüßen, dass es dieser Debattenbeitrag auf die Titelseite der ZEIT geschafft hat. Inhaltlich kommen mir jedoch an drei Stellen Zweifel:
(a) Es gibt tausende von Islamisten aber zehntausende von Rechtsradikalen in unserem Land. Von letztgenannten sitzen zu viele als Mandatsträger oder anderweitig steuergeldempfangend in unseren Parlamenten. Die Proteste gegen den Rechtsradikalismus in diesem Jahr haben hoffentlich bewirkt, dass diesen Leuten gezeigt wurde, dass sie keineswegs eine schweigende Mehrheit hinter sich haben. Und dass die Wahlergebnisse der AfD hoffentlich viel schlechter ausfallen, als wir zu Jahresbeginn noch befürchtet haben. Diese Demonstrationen waren nicht nur symbolisch, sie hatten praktische Relevanz. Islamisten bewerben sich nicht um Mandate und korrigieren wegen Massenproteste nicht ihre Überzeugungen. Von daher ist es wohl ein wenig unfair, der „Mitte“ vorzuhalten, dass sie nun nicht mit gleicher Verve gegen den Islamismus protestiert?
(b) Es gibt das alte Bonmot „Was hat der Islam mit Islamismus zu tun?“. Es gibt keine andere Weltreligion, die in der gelebten Praxis so intolerant, repressiv und gewalttätig ist wie der Islam. Man schaue sich nur die Reaktionen auf Koranverbrennungen durch ein paar Provokateure an. Undenkbar, dass in der christlichen Welt ein Mob (zu dem ich auch Leute wie Erdogan zähle) so entgrenzt reagiert, nur weil irgendwo mal eine Bibel verbrannt wird. Und eine Religion, die Ernährungs- und Bekleidungsvorschriften erlässt, ist mir ohnehin suspekt. Es ist wohlfeil, den Islamismus anzuprangern. Aber um etwas zu bewirken, braucht es den Mut, den Islam als Wurzel des Islamismus zu benennen. Wir leben in einer Region der Welt, in der jeder das Recht hat, seine Religion frei zu wählen. Da sollte man schon einmal kritisch hinterfragen, warum sich jemand ausgerechnet für den Islam entscheidet, nur weil die Eltern in die Fänge dieser Religion geraten sind.
(c) Die Mordtat von Mannheim hat – erneut – gezeigt, dass derartige Gewaltausbrüche zwar statistisch berechenbar sind, aber eine Vorhersage, wer konkret zum Gewalttäter wird, kaum leistbar ist. Die daraus entstandene Debatte wird mit einer unguten Mischung aus Unehrlichkeit und Realitätsverweigerung geführt. Da gibt es diejenigen, die vortragen, die „illegale“ Migration (kann es illegal sein, wenn jemand einen Ausweg aus einer prekären Lebenssituation sucht?) müsse eingeschränkt oder verhindert werden, um Gewalttaten durch „illegale“ Migranten bis hin zum Mord einzudämmen. Aber die Ehrlichkeit zu sagen, dass man Tausenden die Aussicht auf ein besseres Leben verweigern möchte, weil einer unter Ihnen sich als Gewalttäter erweisen wird, fehlt. Umgekehrt fehlt auf der Seite derjenigen, die offenere Grenzen befürworten, die Ehrlichkeit zu sagen, dass man den Umstand, dass Einheimische Verbrechensopfer bis hin zum Mordopfer werden, als statistische Gewissheit in Kauf nimmt. Empörung gegen muslimische Gewalt oder deren Verharmlosung ist zu einfach. Wir müssen im demokratischen Wettstreit einen für alle – auch für diejenigen, die zu uns kommen wollen – tragbaren Kompromiss finden.
Als persönlicher Nachtrag: Die Tochter eines guten Bekannten war unter den Opfern des Anschlags vom Breitscheidplatz. Kurz vor dem Weihnachtsfest rief mich der Vater mit tränenerstickter Stimme an und berichtete von der Ermordung seiner Tochter. Kurz darauf sah ich Cem Özdemir im Fernsehen, wie er bezogen auf den Anschlag am Breitscheidplatz den Satz „Absolute Sicherheit kann es nicht geben“ absonderte. Es ist genau diese menschenverachtende Gedankenlosigkeit, die wir in der Debatte um den Umgang mit dem Islam und seinen extremen Entwicklungen nicht gebrauchen können.
Thorsten Brandes

Rhetorische Frage: Könnte das schlechte Wahlergebnis für die Grünen und andere eher linke Parteien bei den Europa-Wahlen auch damit zusammenhängen, dass erhebliche Teile dieser Gruppierungen Kritik am politischen Islam mit dem Argument abtun, dass Personen, die sich zu dem Thema äußern, automatisch rechts stehen bzw. von rechten Kräften aufgestachelt werden und sich daher Demonstrationen verbieten?
Jörg Weddigen

Vermutlich lähmt die Erfahrung die Mitte: Nach der Kölner und Berliner Silvesternacht sind wir inzwischen daran gewöhnt, in die rechte Ecke gestellt zu werden, wenn wir versuchen, Probleme zu benennen. Als einige ältere Kollegen in der Schule besorgt waren wegen islamischen Radikalisierungen, wurde uns ein Gespräch mit einem jungen Kollegen angeboten darüber, dass wir ja offensichtlich Probleme mit dem Islam hätten. Das haben wir dann noch nicht einmal mehr abgelehnt.
Stefanie Rosken

Haben Sie recht herzlichen Dank für Ihren Artikel „Das ist kein Aufschrei“. Was Sie dort ansprechen, spricht mir aus der Seele: Schon sehr, sehr lange fällt mir auf, dass die Kritik gegen Islamismus, Islamisten und den politischen Islam mit den Gewaltexzessen weltweit hier in Deutschland kaum Widerspruch oder Widerstand auslöst. Sehr augenfällig ist dies jetzt gerade wieder geworden: So richtig und berechtigt die bundesweite Empörung nicht nur der Politik, sondern auch breiter Teile der Bevölkerung als Reaktion auf die Jugendlichen war, die auf Sylt „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ gegrölt hatten, so ist doch mehr aus auffällig, wie fast gleichmütig die Kalifat-Demos in Hamburg zur Kenntnis genommen wurden. Für mich gibt es da zwar in der politischen Ausrichtung (das eine ist rechtsradikal, das andere islamistisch) einen Unterschied, nicht aber im Grundsätzlichen – nämliche der Demokratiefeindlichkeit, der Menschenverachtung sowie der zum Ausdruck gebrachten Gewaltbereitschaft. Wo ist hier die Empörung, wo der Widerstand geblieben? Wo bitte ist auch die klare Position der angeblich so gemäßigten Islamverbände? Ich möchte in diesem Zusammenhang daran erinnern, wie sich ihre Vertreter gewunden haben, zu dem bestialischen Überfall der Hamas auf die israelischen Menschen überhaupt Stellung zu nehmen, und wie halbherzig dann die Statements waren. Inzwischen wird für die Palästinenser und gegen die Juden lautstark und voller Emotionen demonstriert. Ist jüdisches Leben weniger Wert als palästinensisches?
Ich lehne die AfD eindeutig ab, aber vor diesem Hintergrund muss man sich nicht wundern, dass die Menschen sich rechtsradikalen Parteien zuwenden! Es wird eindeutig mit zweierlei Maß gemessen und die Gefahren des Islamismus werden verkannt – fast hat man den Eindruck, unser freiheitlich demokratischer Rechtsstaat sieht machtlos zu, wie diese Radikalen unsere Demokratie infiltrieren und genau die Freiheiten und rechtsstaatlichen Prinzipien brutalst möglich ausnutzen, die sie letztlich bekämpfen und abschaffen wollen. Es muss etwas geschehen – und zwar jetzt! Die Zeit der frommen Sprüche und der zur Schau getragenen Betroffenheit unserer Politiker (allen voran der Bundespräsident und der Kanzler) muss durch Taten ersetzt werden. Wer das Gastrecht unseres Landes auf diese Art missbraucht, hat kein Recht auf weitere Gastfreundschaft und Duldung. Wer das Kalifat will, möge nach Afghanistan, Syrien, in den Iran, den Sudan oder sonst wohin gehen und unter den Bedingungen der Scharia, und des Islamismus leben. Keiner hat diese Menschen gebeten, nach Deutschland zu kommen, wenn ihnen unsere grundgesetzlich geschützten Werte nicht gefallen, die inzwischen immer ungeschützter zu sein scheinen.
K. Klauke

Seid ihr AfD-Agitatoren geworden? Falls ja, es zeigt Wirkung und ich finde es Scheiße.
Danijela Gehrke-Srbic

Musste der Polizist Rouven Laur bei dem Mannheimer Anschlag für die Meinungsfreiheit sterben? Den angegriffenen Michael Stürzenberger als „Islamkritiker“ zu bezeichnen, ist eine unverzeihliche Verharmlosung, und die Hetze gegen Muslime, die er im Namen einer sogenannten Bürgerbewegung verbreitet, stellt keine schützenswerte politische Meinung dar, sondern bestreitet Menschen das grundgesetzlich garantierte Recht auf Religionsfreiheit. Wenn Kommunen solche Veranstaltungen genehmigen und polizeilich absichern lassen, versagt unsere wehrhafte Demokratie, die auch Aktivisten der Indentitären Bewegung wie Martin Sellner ungehindert nach Deutschland einreisen lässt.
Jürgen Thiede

Ich danke Ihnen für diesen Artikel! Für die eindeutige, klare Sprache sowieso. Blumen und Spenden, Politikerversprechen vom starken Rechtsstaat usw. können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in Deutschland darauf ankommt, wer von wem ermordet wird, damit „ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Greenpeace, FFF usw.“ zu einer Demonstration aufrufen und diese dann tatsächlich durchführen. Dass sich übrigens im Umgang mit abgelehnten Asylbewerbern etwas in Deutschland ändert…. z.B., dass die monatlichen Geldleistungen eingestellt werden, die Unterkunftskosten nicht mehr übernommen werden, die Krankenversicherung endet…oder gar eine tatsächliche Abschiebung?
Oliver Schmidt

Nach Vorfällen wie in Mannheim hört man von zuständigen Politikern immer nur die gleichen Floskeln wie Bedauern und Betroffenheit oder Ankündigungen, von härter durchgreifen über Wertevermittlung bis hin zu Integration und sogar Abschiebungen, doch wirklich ändern wird sich nichts. Es sollte nicht vergessen werden, dass folgende Inhalte elementarer Bestandteil der Leitkultur des fundamentalistischen Islam sind: Frauendiskriminierung statt Gleichberechtigung, Scharia statt nationalem Recht und Einstufung Andersgläubiger als Ungläubige statt Toleranz. Der politische Islam sieht auch keine Trennung von Staat und Religion vor, wobei in Europa das Gegenteil, nämlich Säkularität und Laizismus, Norm ist. Dazu kommt die Bereitschaft, diese Ziele auch mit Gewaltanwendung erzwingen zu wollen. Aus dieser Perspektive ist das politische Ziel „Integration“ ein von vielen Zuwanderern gar nicht erwünschtes Phantom, dem man als Trugbild nachjagt und als Beruhigungstablette den Bürgern präsentiert.
Martin Behrens

Von einer Gesellschaft, die noch immer Israelkritik mit Antisemitismus verwechselt, kann man nicht ernsthaft erwarten, dass sie den Unterschied zwischen Islamismuskritik und Muslimfeindlichkeit versteht. Wie wäre es, darauf hinzuweisen, dass es keinen guten und bösen Extremismus gibt und man einzig und allein gegen Gewalt demonstrieren sollte?!
Björn Wulkop

 


 

Leserbriefe zu Titelthema „Man kann verdammt viel falsch machen“ von Tina Hildebrandt

Die deutsche Politik hat ihre Arbeit an allen klassischen Politikfeldern eingestellt, die Kontrolle gewollt oder ungewollt verloren oder an übernationale Strukturen abgegeben, die durch demokratische Prozesse nicht mehr erreicht werden. Einwanderung und innere Sicherheit ist hier nur ein Beispiel. Die deutsche Politik will und kann oft nicht mehr direkt oder gar schnell und im eigenen Interesse entscheiden. Damit sind auch die Demokratie und die Bedeutung des Wählers und der Wert von Wahlen für die Politik gemindert oder ganz verschwunden. An die Stelle praktischer Politik sind ideologische und moralische Behauptungen getreten, die in anmaßender Weise in das Privatleben der Menschen und die Freiheit der Wirtschaft hineinpfuschen. Nebulöse Weltklimarettung und grenzenlose Antidiskriminierung rechtfertigen jede Anklage auch und gerade gegen Mehrheiten, die das „falsche Leben“ führen. Wenn man nicht mehr für die Lösung von Problemen (etwa genug Wohnungsbau) gewählt werden kann, dann braucht es wirklich böse Feinde, gegen die man kämpfen muss, um noch die eigene Macht zu rechtfertigen. Es braucht keine Diktatur, um ein Klima der Angst zu schaffen. In einer freien, demokratischen Ordnung genügen dafür Dummheit und Opportunismus.
Fred Klemm

Diese Betrachtung geht aus meiner Sicht leider nicht darauf ein, was zu dieser Situation geführt hat. Es wird viel gesagt und behauptet. Dabei geht es um Macht und Deutungshoheit. Die vorbehaltslose Debatte über alle Tatsachen, die ein Thema betreffen, bleibt aus. Die Abwägung der Tatsachen findet nicht statt. Es kommt zur „Meinungsschlacht“ und zum Meinungsterror. Dieser zeigt sich in der physischen und kulturellen Gewalt gegen Andersdenkende. Der im 18. Jahrhundert begonnene Prozess der Aufklärung ersetzte Gewalt durch die argumentative Debatte mit Abwägung der Tatsachen. Dabei ging es nicht um Sieger oder Verlierer, sondern um die gewichtigeren Argumente. Diese Denkweise war Voraussetzung für die Entwicklung der Demokratie. In der Ära Merkel wurde diese Grundhaltung aufgegeben. Die Deutungshoheit war entschieden. Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats empfahl Anfang Juni 2018, in der ARD und im ZDF die Themen „Flüchtlinge und Islam“ nicht mehr zu thematisieren. So geschah es. „Cancel Culture“ und „Deplatforming“ wurden Alltag. Die Hinwendung zum Liberalismus macht es möglich. Wenn diese Zusammenhänge weiterhin nicht öffentlich debattiert werden, ist m. E. die Zukunft der Demokratie in ernster Gefahr.
R. Reiger

Das, was Sie einen „bitter errungenen Asylkompromiss“ nennen, war für mich ein AsylVERRAT und die de-facto-Abschaffung des Asylrechts. Wenn das ein „Sieg“ gewesen sein soll, dann wurde er „errungen“ mittels medialer Hetzkampagnen und weil man vor dem rechten Mob zumindest gekuscht hat, wenn man diesen nicht sogar für seine eigenen Zwecke ermuntert hat. Auf wessen Kosten das „bitter“ war, sollte man auch mal fragen … Hoffnung macht mir die Allensbach-Umfrage, die zeigt, dass das rechte Lumpenpack, das die AfD präferiert, weiß, dass es nicht ungestraft sein freches Maul aufreißen darf. Der Versuch, Gramsci (S. 6) von rechts zu vereinnahmen und umzudeuten, hat demnach bisher noch nicht funktioniert. Sorgen wir dafür, dass das so bleibt!
Thomas Manthey

Was mir im Artikel deutlich zu kurz kommt und für viele, die sich fürchten, ihre Meinung offen zu äußern, Beweggrund sein dürfte: es geht doch nicht um die Angst vor Strafverfolgung oder „dass die Freunde nicht mehr vor der Tür stehen“, sondern ums genaue Gegenteil: dass die „Nicht-Freunde“ plötzlich vor der Tür stehen!
Jörg Schimmel

Kluge Gedanken zur Meinungsfreiheit. Das Phänomen der inneren Schere im Kopf manifestiert sich am deutlichsten in Umfragen zu politischen Präferenzen. Rechte oder AfD Positionen schneiden meist schlechter ab als im Wahlergebnis, weil sie im öffentlichen Meinungsbild stigmatisiert sind. Rechts ist negativ konnotiert, links gilt als fortschrittlich. Solange diese Deutungshoheit unangefochten ist, bleibt die Meinungsfreiheit labil.
Christoph Schönberger

Wachsende Unübersichtlichkeit, Unsicherheit und Überforderung bestimmen unsere von Individualisierung geprägte Zeit. Ein molekularer Bürgerkrieg (alle gegen alle) ist aber nicht zu befürchten, da neben Autonomie auch Bindung ein Grundbedürfnis der Menschen ist. In der stetig weiter sich ausdifferenzierenden Welt werden wir immer mehr zu Bruchstückmenschen, die sich nach Bindung sehnen. Alles Leben wird prekär. Wer bin ich? Wer will ich sein? Was ist relevant für mich? Wo fühle ich mich hingezogen und zugehörig? In dieser Welt muss jeder Mensch zum Experten des stets gefährdeten eigenen Lebens werden. Dabei ist klar, dass man nicht in allen Lebensbereichen die gleiche Expertise entwickeln kann. Das gilt auch für die Herausbildung von eigenen Meinungen. In einer Welt, die sich ständig ändert und die sich schon bald gegen mich wenden könnte, kann man verdammt viel falsch machen. Aber ja, es gibt hier Meinungsfreiheit. Ich kann mich jederzeit frei äußern. Doch ich trage das volle Risiko für meine Meinung. Sowohl meine Autonomie als auch meine Bindungen können schweren Schaden nehmen. Wenn ich eine Meinung habe, behalte ich sie vielleicht eher für mich? Allein schon, um mich nicht an falscher Stelle zu entblöden. Diese demütigende Schwäche wird erträglich, wenn ich mich laut darüber beklage, dass man hier seine Meinung nicht sagen darf. Ich muss mich dann damit ja nicht allein fühlen, denn viele gehen so vor. So fühle ich mich stark, verstanden und wohlig eingebunden. Ach, es wird immer schwieriger, den Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit zu finden.
Reinhard Koine

Mir bereiten die zunehmenden Angriffe auf einen der wertvollsten Schätze unserer Demokratie, auf die Meinungsfreiheit auch einige Sorgen. Das so viele Bürger das Gefühl haben, ihre Meinung nicht mehr frei äußern zu können, liegt meines Erachtens auch an zwei wesentlichen Dingen. Erstens: Durch die Transparenz im Internet kann jede Meinungsäußerung bis zum Absender inkl. dessen Aufenthaltsort verfolgt werden. Und wenn man gleichzeitig von zunehmender Einschüchterung von Sachbeschädigungen bis Körperverletzungen hört, kann man sich vorstellen, dass viele Menschen Meinungsäußerung nicht mehr so frei empfinden. Zweitens: Das Netz vergisst nichts. Fast alles, was man jemals dort veröffentlicht hat, bleibt. Und wirklich freie Meinungsäußerung muss auch zulassen, dass Meinungen im Laufe der Zeit revidiert werden können. Wie viele wurden schon mit ihren Meinungen aus ihrer Vergangenheit konfrontiert und mussten sich für etwas rechtfertigen, von dem sie längst abgerückt sind. Die freie Meinungsäußerung findet heute überwiegend in den sozialen Medien statt, da ist es wichtig, dass sie auch dort gelebt werden kann und andere Meinungen toleriert werden. Die Chance auf das Freie dabei ist aus meiner Sicht, auf jegliche Art von Polemik und Populismus zu verzichten in Beiträgen, die die Öffentlichkeit erreichen. Leider wird das oft nicht so vorgelebt von den politischen Akteuren, wie es ihre Verpflichtung gegenüber unserem Grundgesetz erfordert.
Andreas Hoffmann

Rentner oder Pensionäre, die keinen Jobverlust fürchten müssen und weder öffentliche Ämter ausüben noch sich darum bewerben, können im Rahmen der großzügig ausgelegten Verfassung sicherlich sagen, was sie möchten, da sie gesellschaftlich nicht sanktionierbar sind. Menschen dagegen, die mitten im Berufs- und Karriere-Leben stehen, sind bei Nichteinhaltung der heute wirksamen, gelegentlich in orwellscher Tradition generierten Verhaltensstandards schnell gefährdet. Verantwortlich dafür sind auch die Medien, die Neusprechprodukte meinungsbildungsstarker Kreise wie in einem Brutkasten wuchern lassen und somit dazu beitragen, dass der Bevölkerung ein sprachliches Kunstgebilde aufgedrängt wird, welches mit eigenem semantischem Sprachverständnis nicht kompatibel ist. So gilt plötzlich als homophob, wer religiöse Vorbehalte gegen Homosexualität hat. Befürworter der Globalisierung laufen Gefahr, als Globalisten zu gelten, was laut Big Brother antisemitisch ist. Wer ein traditionelles Familienbild favorisiert, gilt schnell als rechts oder gar völkisch orientiert. Mit solchen ideologischen Manövern möchte ein Großteil der Bevölkerung nichts zu tun haben und zieht sich zurück, vor allem aus dem öffentlichen Diskurs. Das 75jährige Verfassungsjubiläum könnte Anstoß sein, sich wieder der Grundlagen der Verfassung zu besinnen, wonach erlaubt ist, was nicht gesetzlich verboten ist. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Verfassungshüter bei manipulativen Übergriffigkeiten medial-offizieller Blasen ihrer Verantwortung bewusst bleiben und kühlen Kopf bewahren.
Kurt Schäfer

Die letzte „Zeit“ vom 6. Juni 2024 zeigt einmal mehr, warum sich das Lesen lohnen kann. Gleich drei interessante Seiten (6, 7, 9) im Ersten Buch beschäftigen sich in differenzierter Weise mit der Meinungsfreiheit. Der ehem. Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio macht klar, warum Meinungsfreiheit „konstituierend für eine demokratische Gesellschaft“ ist. Und warum es doch sinnvoll sein kann, sie einzuschränken, aber eben per Gesetz und nicht in freier Interpretation einer Regierung, die – wie es viele empfinden – den Meinungskorridor in den letzten Jahren massiv verengt hat und gerade nicht akzeptieren will, dass die Meinungsfreiheit erst da endet, „wo einzelne Äußerungen gegen Strafgesetze verstoßen“, Menschenwürde oder öffentlichen Frieden gefährden (Di Fabio). Auf der Seite daneben befasst sich Tina Hildebrandt mit den Ängsten, wegen bestimmter Meinungen ausgegrenzt zu werden. Die Graphik darunter ist zugleich ein Alarm und Skandal für die freiheitliche demokratische Grundordnung. Sie zeigt, immer weniger Bürgerinnen und Bürger in Deutschland haben das Gefühl, derzeit wohl nur 40%, ihre politische Meinung frei sagen zu können. Besonders interessant sind die Prozentanteile unter den Anhängern der verschiedenen Parteien. Während Grünen-Anhänger zu 75% das noch so sehen, sind es bei FDP und AfD nur noch 28 bzw. 11%!
Wo das alles hinführen kann, wird im Interview mit dem Bestsellerautor Michael Wolff zu Donald Trump deutlich. Die Funktionsweise der US-Medien ist offensichtlich dafür verantwortlich, dass Medien mit Trump viel Geld verdienen und er dadurch sogar Präsident werden konnte, wieder werden könnte. Die „Falschen“ wissen die Funktionsweise der Medien besser für sich zu nutzen als die „Guten“. Soll es in Deutschland genauso weit kommen? Oder gibt es genügend Menschen, die sich gegen ideologische, moralisch überhöhte Medienberichterstattung und für professionellen Qualitätsjournalismus engagieren? Die Beitragszahler in der Bundesrepublik finanzieren mit ca. 9 Milliarden Euro jährlich den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk von ARD, ZDF und DLRadio. Der ÖRR muss Teil der Lösung sein und nicht das Problem! Wenn sich also „Die Zeit“ nach diesem guten Anfang weiter und noch mehr zu lesen lohnen soll, dann sollte sie genau zu diesen Thema in den nächsten Monaten eine strukturierte Debatte organisieren.
Günter Nooke

Tina Hildebrandt schreibt: „…. den Klimawandel können wir nicht allein aufhalten und die Russen schon gar nicht.“ Das verstehe ich so, dass „die Russen“ noch bedrohlicher sind als der Klimawandel. Oder ist das auch nur eine unbedachte Formulierung, die man nicht auf die Golfwaage legen darf?
Renate Ahrens

In den 60er Jahren sagte mein Vater, wenn er in Rente ginge, ginge er in ein Trapisten-Kloster (das sind die Mönche, die ein Schweigegelübde abgelegt haben) weil viel zu viel und vor allem, viel zu viel Unsinn geredet würde. In den 70er Jahren konnte ich mit ihm und anderen wunderbar diskutieren. In den 80er Jahren saß ich mit unseren Krankenschwestern zusammen an einem Tisch: Alle erzählten, wie sie gewählt hatten, alle SPD. Ich traute mich nicht zu sagen, dass ich FDP gewählt hatte. Heute würde ich mich trauen, doch ich überlege mir, ob ich Kritik an etwas äußere, bei dem das Gegenüber wahrscheinlich eine andere Meinung hat. Ich erlebe Diskussionen – intellektuelle Streitgespräche – fast nur noch unter alten Gebildeten. Ansonsten meine ich, dass kaum noch zugehört wird, gleich mit großer Aggressivität das antizipiert Andere erschlagen wird – so, als wolle man – auch in der nicht virtuellen Welt – unbedingt einen Shitstorm verhindern.
Ursula Augener

Was ist überhaupt eine Meinung? Laut Duden ist die Herkunft dieses Wortes nicht endgültig geklärt. Soviel aber kann man sagen, dass damit eine eigene Ansicht, Perspektive und/oder Orientierung gemeint ist. Und die sollte aufgrund gründlicher Forschung, Hinterfragung und Abwägung selbst erworben, also nicht von vorgegebenen Mustern übernommen worden sein, denn das wäre eben nichts Persönliches, sondern entspräche passiven Haltungen. Eigene Meinungen können sich durchaus vom allgemeinen Grundrauschen gesellschaftlicher Gegebenheiten abheben und sollen doch in gesamtgesellschaftliche und sogar universelle Momente eingebunden sein.
Christoph Müller-Luckwald

In der vergangenen Ausgabe berichteten Sie über die Meinungsfreiheit. Meiner Meinung hat die Meinungsfreiheit in den letzten Jahren abgenommen. Ursache dafür ist meiner Meinung nach ein zunehmendes Schwarz-Weiß-Denken. Für Differenzierte Meinungen ist kaum noch Platz. Besonders auffällig ist dies in der Corona-Zeit gewesen, wo es zwei Lager gab, die Querdenker und die Schlafschafe. Für abgestufte Meinungen und sachliche Diskussionen war kein Platz mehr. Jeder der von der Meinung des Blocks abwich, war ein Verräter. Ähnliches ist auch jetzt beim Ukraine Krieg gekommen.
Michael Oberseider

«Eine Mehrheit der Deutschen fürchtet sich laut Studien, ungeschützt zu äußern, was sie denkt.» Ein Grund ist wohl, dass es der Wissenschaft nicht gelingt, herauszufinden, was nötig ist, damit die Menschheit eine gute Zukunft hat. Es gelingt ihr nicht, Resultate zu produzieren, die ähnlich unwiderlegbar sind, wie zum Beispiel der Beweis, dass es unmöglich ist, ein perpetuum mobile zu basteln. Gelänge ihr die genannte Aufgabe, dann müsste sich niemand fürchten, seine Meinung zum Thema Zukunftsbewältigung zu äußern. Genauso wie niemand sich fürchten muss, der sich in irgendeiner Hinsicht zum Thema Perpetuum mobile äußert. Die genannte Aufgabe der Wissenschaft wird immer konkreter und wichtiger. Denn die Menschheit hat eine neue große Aufgabe zu lösen, den sanften Ausstieg aus dem exponentiellen Wachstum von Konsum und Kopfzahl. Diese Aufgabe ist schwierig, weil es um zwei Arten von Wachstum geht und weil die entsprechenden Schwerpunkte geographisch und gesellschaftlich getrennt sind, was die bekannten demographischen und ökonomischen Gräben erzeugt. Dabei ist die Aufgabe eigentlich recht einfach, denn es geht um eine Rationierungs-Aufgabe. Die Ressourcen sind beschränkt, sie nehmen sogar ab (wegen dem Klimawandel und pro Kopf gerechnet sowieso). Daher ist nicht mehr genug da, um alle Ansprüche zu befriedigen. Damit aber wird die Aufgabe zu einem technischen, ja fast zu einem mathematischen Problem. Und bei solchen Problemen sind die Lösungsansätze meistens eindeutig zielführend oder nicht zielführend und das kann man beweisen.
Kein Mensch, der sagt, er habe die Lösung für die Quadratur des Kreises gefunden, muss fürchten, seine Meinung zu äußern. Die Quadratur des Kreises kann übrigens fast beliebig genau realisieren werden aber eben nicht zu 100 % genau mit Zirkel und Lineal. So ähnlich ist es bei der genannten Aufgabe. Hundertprozentige Gerechtigkeit ist nicht möglich. Um zu rechtfertigen, dass man in Bezug auf die Gerechtigkeit Kompromisse eingehen muss, um die genannte Aufgabe zu lösen, ist es hilfreich, darauf zu verweisen, dass früher Methoden akzeptiert wurden, und wohl akzeptiert werden mussten, um zu Lösungen zu kommen, die nach heutiger Sicht absolut untragbar sind. Da wären zum Beispiel die Kopfjäger auf Neuguinea, die erst heiraten durften, wenn sie den Kopf eines Feindes vorlegen konnten. Hierzulande gab’s dann weit humanere Möglichkeiten. Noch in den 30er Jahren gab’s in Österreich 300 000 Dienstboten. Im Dorf, in dem mein Vater geboren ist, gab’s zeitweise im größten Bauernhof 21 Dienstboten (14 Knechte, 7 Mägde). Arme und Dienstboten konnten damals keine Familie gründen. Ein Kind erbte den Hof, seine Geschwister hatten oft nur die Wahl zwischen Kloster oder ein Leben als Dienstbote. Damals war eine solche Geburtenregel nahezu notwendig, wegen der begrenzten Ressourcen. Heute gibt’s genauso wirksame fairere Lösungen. Nur, es darf nicht zum Ignorieren eingeladen werden. Das aktuelle Problem sind allerdings nicht die begrenzten Ressourcen.
Es ist ein Problem, das man am Beispiel der Hauskatzen illustrieren kann. Sie können die Vögel und Kleintiere der Umgebung zu 100 Prozent ausrotten, weil sie nicht auf diese Form der Nahrung angewiesen sind. Die Parallelen zur Schwierigkeit, das exponentielle Wachstum der Menschheit zu beenden, sind leicht erkennbar. Es fehlt zunächst eine Rückkoppelung, die für Grenzen sorgt. Hier ist die Wissenschaft gefordert, wirksame und akzeptable Lösungen vorzulegen. Etwa indem eine Lösung vorgeschlagen wird für den Zielkonflikt zwischen dem Menschenrecht auf Asyl (und dem Menschenrecht auf beliebig viele Nachkommen) und dem Menschenrecht auf vernünftig genutztem und notwendigem Eigentum. Die auf Sylt im Suff geäußerten Parolen sind natürlich keine begründbare Lösung für die genannte Aufgabe. Doch sie können auch interpretiert werden als Reaktion dafür, dass sich die jungen Leute von der Wissenschaft (und Politik) im Stich gelassen fühlen.
Gernot Gwehenberger

Man darf zwar über Randbereiche und Fußnoten diskutieren, etwa über Sport, Musikgeschmack oder Kulinarik, und Meinungsbilder dazu äußern, doch bei wesentlichen Inhalten wird es problematisch. Beispielsweise sollte man keine zu deutlichen Ansichten gegen Massenmigration, importierte Kriminalität, überzogene Klimapolitik oder Verbrenner-Aus riskieren. Es gilt zwar theoretisch die Meinungsfreiheit laut Grundgesetz, doch die ist mittlerweile auf Teilzeit reduziert und als extrem titulierte Meinungsbilder können individuell gefährlich werden.
Martin Behrens

 


 

Leserbriefe zu „Überall hier wird 2024 gewählt“ von Bastian Berbner

Die Schwindsucht der Demokratie birgt die Gefahr einer Refeudalisierung. Aus Autokraten werden Kaiser, Zare, Maharadschas oder Sultane – z.T. wieder von eines Gottes Gnaden -, aus Wahlen werden Proklamationen, aus freier Presse Hofberichtserstattung, aus abweichenden Meinungen Majestätsbeleidigung und aus Recht Willkür. Wie in Nordkorea entstehen wieder Dynastien und vielleicht denkt man dort oder in Russland wieder über die Leibeigenschaft nach. Das geht dann so lange, bis wir die Erde mit Klima- und Biodiversitätskrise endgültig an die Wand gefahren haben.
Jürgen Gauer

Sehr spannender und interessanter Artikel. Was mir nur in Ihrer Erzählung gefehlt hat: Die Verantwortung der sogenannten sozialen Netzwerke, die mit ihren Algorithmen Hass und Angst verbreiten. Ich kann Ihnen sehr, und wirklich sehr, The Chaos Machine des New York Times Journalisten Max Fisher ans Herz legen. Es liefert noch einmal eine fundamental andere Perspektive auf das Problem als jene, die Sie aufzeigen. Leider hat es in der deutschen Presse bis jetzt kaum Aufmerksamkeit erhalten.
Lukas Stock

Die in der Ausgabe vom 6.Juni 2024 abgebildete Graphik ist irreführend. Es beginnt bei der Grundlage. Die Punktevergabe des Economist führt zu seltsamen Ergebnissen. So wird Thailand als geschwächte Demokratie bezeichnet, obwohl das Parlament maßgeblich vom Militär bestimmt wird nachdem zuvor mehrere demokratisch gewählte Regierungen weggeputscht wurden. Andererseits sind Demokratien mit Problemen, aber keine autoritäre Regierungsform haben z.B. Mexiko (organisierte Kriminalität) oder Kenia (Korruption), gleich rot wie Nordkorea. Der V-Dem Index bildet die Verhältnisse grundsätzlich besser ab. Und drei Farben sind zu wenig, man hätte besser aus der Wikipedia kopiert. https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratieindizes_%28V-Dem%29?wprov=sfla1
Jens Schulze

Wir leben in einem Systemwettbewerb mit Autokratien, Diktaturen, Kleptokratien und autoritären Demokratien. Bastian Berbner zeichnet das ambivalente Bild von aktuell rückläufigen Entwicklungen bei der Demokratisierung, aber auch von einem langfristigen Aufwärtstrend. Es könnte hilfreich sein, den Systemwettbewerb sportlich zu nehmen und für das weitere Demokratiewachstum in der Welt sich den Trainingsansatz der Superkompensation anzuschauen. Grob gesagt: Wir erreichen durch gesteuerte Belastungen (Trainingsreize) nach einer Ermüdungsphase und im Zuge der darauffolgenden Erholungsphase ein höheres Leistungsniveau. Wo Autokratien ungeniert Dopen und rasch die Illusion eines höheren Niveaus erzeugen können, gehen Demokratien den mühsameren aber am Ende nachhaltigeren Weg der Superkompensation. Wir sollten nur nicht weiter den aktuell verbreiteten Fehler fortsetzen, aus Angst vor den Strapazen der Ermüdungs- und Erholungsphase, in der wir sogar unter das gewohnte Niveau sinken, die notwendigen Trainingsreize zu vermeiden. Am Ende der Erholungsphase werden wir durch die Superkompensation belohnt und erreichen ein nachhaltig höheres Niveau. Dabei suchen wir den Wettbewerb gar nicht nur bei den quantitativen Zielen, sondern vor allem in den qualitativen Zielen, die den Kern der Demokratie ausmachen: Freiheit und Selbstbestimmung, Verbesserung der Lebenschancen für alle in einer solidarischen Gesellschaft und natürlich den gewaltfreien demokratischen Machtwechsel. So steigern wir durch nachhaltiges Wachstum unsere Resilienz, Leistungsfähigkeit und Attraktivität. Wenn Demokratie sich durch gezieltes Training selbst derart belohnen kann, dann sollte es der Politik gelingen, eine Begeisterung zu wecken, die auch in Ermüdungs- und Erholungsphasen trägt.
Reinhard Koine

Ökonomische Gründe können die steigende Beliebtheit von Diktatoren weltweit sicherlich teilweise erklären, aber ich empfand nach der Lektüre doch eine Lücke, die auch durch die psychologischen Ausführungen nicht gefüllt wurde. Insbesondere in Russland bringt die Diktatur den Menschen kaum den Wohlstand, der angesichts der natürlichen Ressourcen des Landes möglich wäre. Dennoch akzeptieren offenbar weite Teile der Bevölkerung die in sich völlig widersprüchlichen Begründungen der Regierung zum Ukrainekrieg, Russland zieht sogar Ein- bzw. Rückwanderer aus Europa an. Dies sind wirklich gravierende Anzeichen für eine sehr hohe Sympathie dem Diktator gegenüber. Eine derart große Sympathie für eine Diktatur lässt sich auch nicht mehr durch die – jedenfalls so empfundene – Demütigung durch den Zerfall der Sowjetunion erklären, da der US-Imperialismus nun doch an sein Ende gekommen ist und insbesondere Trump zu Beginn seiner Präsidentschaft freundliche Signale nach Russland gesendet hat. Vor allem aber erklärt das Dossier nicht die unterschwellige, durch besonders linke oder progressive Rhetorik kaschierte Sympathie für Demokratiefeinde in Westeuropa. Mit Friedensrhetorik und Kritik am US-Imperialismus wurde der absehbare Angriff Russlands auf die Ukraine selbst noch beim Truppenaufmarsch in Weißrussland teils von denselben Leuten für abwegig erklärt, die kurz darauf meinten, eine Atommacht solle man doch lieber nicht provozieren. Und selbst nach einer Vielzahl von islamistischen Anschlägen in Europa ist es in sich als liberal darstellenden Kreisen immer noch schick, Islamkritiker des Rechtsextremismus und des Rassismus zu bezichtigen.
Christian Schäfer

Aus ihrem Bericht erhält man den Eindruck, der Senegal sei keine stabile Demokratie. Gewählt wurde bereits im Februar. Macky Sall wurde nach demokratisch geführten Demonstrationen der jugendlichen Bevölkerung abgewählt. Der Senegal ist seit der Entkolonisierung in den 60er Jahren stabil geblieben. Vielleicht können sie das berichtigen.
G. Seifert

Vielen Dank für Ihren Artikel, der mir einige neuen Aspekte zur Krise der Demokratie aufgezeigt hat. Gleichwohl vermisse trotz der Länge des Artikels drei wichtige Aspekte: Die Zunahme der Ungleichbehandlung in Einkommen und Vermögen trägt meiner Ansicht nach entscheidend zu einer Destabilisierung der Gesellschaft und damit der Demokratie bei. Die Schatten, die der Klimawandel vorauswirft, wird meiner Ansicht nach so oder so zu einem Wohlstandsverlust des Einzelnen wie auch der Gesellschaft führen. Offenbar ist die Gesellschaft (noch) nicht bereit, sich diesem Schicksal zu stellen und versucht durch einen verstärkten Rückzug ins Reaktionäre diesem Schicksal zu entkommen. Auf der anderen Seite stellt die Zunahme der Migration eine Abstimmung mit Füßen für die demokratisch verfasste Gesellschaft dar. Mir ist nicht bekannt, dass die Zuwanderung nach El Salvator, Ruanda oder gar China in nennenswerter Weise zugenommen hätte.
Till Borchert

Und das Fazit ist: Freiheit und Rechtsstaatlichkeit genügen vielen Menschen nicht, um eine Demokratie gut zu finden. Regierung und Parlament müssen auch für Wohlstand und Sicherheit sorgen. Da die Menschen sich in Krisenzeiten nach einem Beschützer sehnen, sollte eine Demokratie in solchen Zeiten zudem über eine Regierungschefin oder einen Regierungschef verfügen, die/der fähig ist, den Menschen Ängste zu nehmen, Zuversicht zu vermitteln und Probleme auch tatsächlich anzupacken und zu lösen. Damit die Menschen nicht durch politische Desinformation/Lügen absichtlich verunsichert oder geängstigt werden, müssten sie im Erkennen von Desinformation/Lügen geschult und/oder müsste das Verbreiten von politischer Desinformation/Lügen verboten und bestraft werden. Beides geschieht in Deutschland nahezu nicht. Sogenannte soziale Medien, die solche Desinformation/Lügen zulassen und verbreiten, sollten dafür mit derart hohen Geldstrafen belegt werden, dass sie das Verbreiten von politischer Desinformation/Lügen schleunigst unterlassen/verhindern. Es reicht meines Erachtens nicht, die Social-Media-Unternehmen lediglich zu verpflichten, Beleidigungen und Lügen nach entsprechenden Hinweisen von Nutzer*innen zu entfernen. Politische Lügen sind meines Erachtens nämlich keine Meinungsäußerungen und keine Kavaliersdelikte, sondern Verbrechen. Sie können dazu führen, dass Diktatoren unterstützt, Demokratien zerstört und viele Menschen schwer geschädigt werden. Vergleichen Sie dazu auch den Artikel BITTE ENTFERNEN von Eva Ricarda Lautsch in der gleichen Ausgabe der ZEIT.
Ulrich Willmes

Ganz herzlichen Dank für das grossartige, toll recherchierte Dossier; ich hab viel gelernt und bin in meiner Sorge um die Demokratie etwas entspannter geworden.
Marlene Derendorf

Bastian Berbner schließt aus den „Daten von IDEA oder anderer Forschungsinstitute die Botschaft: Die Demokratie zieht sich zurück“. Die Demokratie zieht sich nicht zurück! Sie wird von Menschen, die sich von ihr zurückziehen, für Sicherheit und Wohlergehen ihres Leibes geopfert.
Horst Költze

 


 

Leserbriefe zu „Über die Menschenwürde“ von Navid Kermani

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – mehr braucht es nicht zu sagen als diesen ersten Satz in Artikel 1 des Grundgesetzes, der deutschen Verfassung (vgl. zuvor schon, wenn auch in wesentlich schwächerer Ausprägung, das Ziel der Gewährleistung eines „menschenwürdigen Daseins“ nach Art. 151 Satz 1 der Weimarer Reichsverfassung 1919) zu zitieren, um das wichtigste Gebot allen menschlichen Handelns im staatlichen und gesellschaftlichen Miteinander bestechend kurz, treffend und prägnant zu bezeichnen. Wie Navid Kermani in seinem Beitrag zu Recht überdies verdeutlicht, gilt es die Menschenwürde auch über den Tod hinaus zu wahren, wenn vom Verstorbenen also gewissermaßen dann „nur noch der Körper“ bleibt, den würdevoll zu bestatten diesem gegenüber gewissermaßen dann die letzte „Menschenpflicht“ ist. Gerade dieses lehrt uns alle eindringlich die Geschichte, nicht zuletzt unsere eigene…
Th. P. Stähler

Über die Menschenwürde schreibt Navid Kermani beeindruckend zu seinem toten Vater und die weltweit Geschundenen, Hungernden und grausam Getöteten. Sehr gut. Zum Thema habe ich die Skulptur (siehe Foto) gemacht, bei der ein Elender von Mutter Theresa aus dem Dreck gehoben wird. Ich bin Großvater von mehreren Enkeln, die das Tageslicht nicht erlebten, sie wurden in Würde bestattet, sie hatten einen Namen, ihre heute 12-jährige Schwester kennt sie. Auf dem Friedhof in Wehr gibt es eine kleine Gedenkstätte. Die Würde des Menschen gilt nicht nur während dem Leben und nach dem Leben, sondern auch vor der Geburt. Für mich ist es rätselhaft, wie Menschen, die die Menschenwürde im Grundgesetz hochhalten, die Abtreibung als Menschenrecht fordern. In meinem Kopf bring ich es nicht zusammen.
Stephan Frank

Gratulation! Zwei Artikel (Demokratie & Rem Koolhaas) die sich endlich einmal mit der Akzeptanz westlicher bzw. deutscher Aussenpolitik im Ausland befassen. Als jemand der viel in der Welt unterwegs ist, vor allem in Indien, China und Vietnam, kann einem nicht entgehen, wie befremdlich das Gebaren unserer Aussenpolitik empfunden wird. Da kommt ca. 1% der Weltbevölkerung mit erhobenem Zeigefinger und will dem Rest der Welt erklären was richtig und falsch ist. Ein wenig erinnert mich das an ‚Am deutschen Wesen soll die Welt genesen‘, und erzeugt einen bitteren Beigeschmack. Natürlich lebe auch ich gerne in einer Demokratie, keine Frage. Aber jede Bevölkerung sollte das bitte selbst entscheiden dürfen! Es kann nur als Arroganz empfunden werden, wenn uns hier der Respekt vor der Leistung diese Länder ab geht, nach dem Kolonialismus aus eigener Kraft dahin zukommen, ohne Marschall Plan, ich neige mein Haupt in Demut. Ich wünsche mir mehr solche Beiträge damit wir hier in Deutschland eine Perspektive entwickeln können für unseren Platz in der veränderten Welt, ganz ohne imperiales Gehabe.
Lutz Toennis

Diesen bewegenden und ganz, ganz wichtigen Text des großen Humanisten Navid Kermani sollten sich alle, die auch nur ansatzweise zu politischen Dingen unserer Zeit äußern, hinter den Spiegel stecken und täglich laut vorlesen. Danke, Herr Kermani für diesen Taxt. Danke!
Björn Luley

Welche übertragbare Menschenwürde beteiligt sich in einem selbst über den Tod hinaus? – um für die (noch) dagebliebenen Anwesenden: ihre Rituale zu bestätigen und dadurch ihre Art von Trauer zu befürworten in dem eigenen Bild des zukünftigen Sterbens und der diesbezüglichen traditionellen Beendigungs-Vereinbarungen… Auf einer Weltreise meiner Mutter, erzählte sie mir – dem Sohn: dass in einem der Länder der touristischen „Besichtigungen, auf einer Insel dort: die Einheimischen mit ihren „einbalsamierten“ Toten am Essenstisch sitzen würden – Zeremonien der bleibenden Gemeinsamkeiten über den Tod hinaus… Welche Hoffnungen und vagen Beinhaltungen begründen sich dahinter, werden zu den Lebenden oder noch Überlebenden die Verbindungen so zeremonisiert: ist das Abschiednehmen eine Verfügbarkeit über die Menschenwürde des Lebendigen hinaus zur Abwehr gegen die Endgültigkeit des irdischen Verlassen-müssens… Wir sind Gefangene der Zeremonien und Verhaltensstrukturen innerhalb und auch noch außerhalb der Lebensbefristungen: Womit also hat der Mensch in seinen programmierten Unternehmungen der verfangenen Anwesenheit sich zu besinnen: ÜBER DIE MENSCHENWÜRDE innerhalb seiner „Tradition“ – und erweiternd auch gegenüber anderen Menschen der verschiedenen Traditionen und Mentalitäten… Wo bin ich für mich selbstbesichtigbar ohne all die traditionellen Verpflichtungen und Zeremonien im Bewusstsein meiner Anhänglichkeiten und zudem der Abhängigkeiten… Und welche Verinnerlichungen sind austauschbar bzw. können auf den Zeitenmüll der eigenen bedenklichen Anwesenheit entsorgt werden…
Meine 92jährige Mutter wird ihren Leichnam nach ihrem Tod: einer medizinischen Universität „ausliefern“ – sie will dann nach ihrem Ableben für die Studierenden der Medizin ihren Körper zur Verfügung stellen, wird dann sicherlich bis ins Detail ihrer Körperlichkeit „wissenschaftlich auseinandergenommen…“. Alles – auch nach unserem Tod – ist irgendwie verdammt tragisch einprogrammiert, sich zudem vorstellen zu müssen: dass man verbrannt wird und als Asche in einer Urne „verbleibt“ – oder in einem Sarg in der Erde allmählich verfault, von Würmern und Maden zersetzt wird… All diese siechen Wracks in den Altenheimen oder sonstwo in ihrer letzten Zeit des Dahinvergehens – nein: es gibt keine verlässliche Menschenwürde, keine derartigen Momentaufnahmen für irgendwelche Dankzeremonien an vorgetäuschte Götter, den „bestimmten Gott“! Alles ist doch auch erkennbarer Lug und Trug, fast schon logische Vortäuschung, Manipulation und Selbstbetrug in der irdischen Vergänglichkeit und besonders dann: wenn der eigene, alte Körper in einem entstellten Verfall mit keinem Blick mehr in den Spiegel sich gegenbesichtigen will: nur noch tiefe Traurigkeit und zudem Ekel sich aufzeigt in der Gegenüberstellung des damit unausweichlichen vorhandenen Spiegelbildes seiner selbst…Warum habe ich dann nicht die Kraft, mich aus mir selbst heraus nun zu entfernen in einen befreienden, selbstverantwortlichen Tod? Es kann doch nur noch furchtbarer und entsetzlicher werden – was, denn hält mich hier noch fest an diesem kaputten, verbrauchten Lebensdasein… Der Schriftsteller und Journalist Fritz J. Raddatz hat diesen Zustand des Wrackseins nicht mehr ausgehalten und sich durch einen Giftcocktail aus dem Leben entfernt… Raddatz zitierte oft in dem Zusammenhang den Schriftsteller Philip Roth: „Das Alter ist ein Massaker!“ – wenn er damit seinen eigenen Verfall beschreiben wollte in der selbstverantwortlichen Kurzform dieser wesentlichen Aussage zu seinem eigenen Freitod… Der RvM-Leserbriefschreiber bewundert diesen tiefgründigen, klurgen und freigeistigen Fritz J. Raddatz zu dieser bemutigenden Entscheidung! Vor allem stets auch in Bezug zur eigenen Angst der oft unerträglichen weiteren Anwesenheit…
Die Waschung eines toten Menschen hat sicherlich nichts mit der Hygiene zu tun – dabei mögen die rituellen, religiösen Traditionen eine deutliche Verantwortung mit beitragen! Gleichwohl ist es eine Verdrängung dessen, was dann mit dem Körper in der Erde passiert. Wie wenn man ein Opfertier nochmals prächtig striegelt und herausputzt, es schmückt und dann abschlachtet für den scheinbar höheren Zweck der Opferung… Wir Menschen müssen lernen, dass all diese Aufbereitungen letztlich nichts anderes sind, als uns selbst (diesbezüglich) „reinzuwaschen“ von den Veränderungen in unseren Verfall und wir damit nur einen Aufschub einfügen wollen: für das was nicht existiert: die äußere und innere Sauberkeit danach vor einem imaginierten Gott. Wir Menschen haben die innere Veruntreuung „des antrainierten Guten“ gegenüber dem (triebhaften) Bösen nie aus unserer Tierhaftigkeit entfernen können – und wenn alles in diesem Tötungs-System der Tiere auf das Fressen-und-Gefressenwerden sich jeweils vergegenwärtigt, der Mensch sich daraus kaum befreien konnte: weiterhin doch das Menschtier in Tierkonzentrationslagern die „Ware und Sache:“ Tiere vorbereitet zum massenhaften Abschlachten und Auffressen – alleine in Deutschland pro Jahr über 55 Millionen Schweine-Geschöpfe… Ja: unsere Mitgeschöpfe!
Dann ist der Mensch auch dazu imstande: seine eigene Art aufzufressen und sich dabei kein schlechtes Gewissen zu machen – siehe die einst vorhandenen Menschenfresser in den Jahrzehntausenden unserer Menschenart-Lebensexistenz… Auch das konnte durch (okkupierende) Kolonisation: diesen Menschen-„Kulturen“ abtrainiert werden! Was also gibt uns den Sinn zu jenen Veränderungen, wenn wir selbst uns als „Zivilisierte“ gegenseitig in den Kriegen abschlachten: als ob wir gemeinsam auf einer brutalen Puppenbühne wären… Der RvM-Leserbriefschreiber will damit verdeutlichen: dass unsere Menschenart in den Möglichkeiten des schrecklichen Wahnsinns der Vernichtungen: alle Register der Entsetzlichkeiten im evolutionären Programm hat – und somit war der Holocaust die unvorstellbare Steigerung des Menschenart-Programms zu dieser industriellen Vernichtung von Millionen Menschenleben, sozusagen: der „Vulkanausbruch“ einer unfassbaren, entsetzlichen Menschenmachbarkeit im Zusammenhang zu dieser Menschenart-Evolution… Können wir das vielleicht so unvorstellbar begreifen und nachvollziehen in der Deutlichkeit der beobachtenden geistigen Hinzufindungen an möglichen Übersichtlichkeiten?
Navid Kermani schreibt „ÜBER DIE MENSCHENWÜRDE“: „Natürlich ist die Schoah nicht der einzige Völkermord, der auf Erden geschehen ist, auch nicht der einzige deutsche Völkermord. Menschen sind hingeschlachtet, Städte dem Erdboden gleichgemacht, Landstriche verwüstet worden, soweit das Gedächtnis zurückreicht. Wo meine Vorfahren herkommen, in Isfahan, haben die mongolischen Eroberer im Jahr 1383 einen Berg, einen ganzen Berg aus 70.000 abgeschlagenen Köpfen angehäuft…“ Der RvM-Leserbriefschreiber könnte hier zu dem tragischen Text von Navid Kermani – nicht aus dem Gedächtnis zwar, genauer: aus den schrecklichen Überlieferungen -, sondern aus den „Erinnerungen“ der menschenunwürdigen dies beweisenden Geschichtsschreibung: endlos das Grauen und Entsetzen aufschreibend, erweitern… Navid Kermani aber schreibt: „Was die Schoah (den Holocaust) besonders macht, ist bekanntlich nicht nur die Zahl der Opfer, vielmehr die Industrialisierung des Tötens.“ Und im Fortlauf dieses Textes zur Unfassbarkeit dieser Tatsachen – ergänzt Navid Kermani weiterhin fortsetzend: „Aber im Grunde vergeht sich jeder an der Menschenwürde, der einen anderen quält, ihm Nahrung und Schutz verwehrt oder einen Mord begeht. Ja, allein schon, dass jemand ausschließlich als Angehöriger eines Kollektivs, als Jude, als Araber, als Farbiger, als Migrant gesehen wird, negiert dessen Individualität. Deshalb ist Rassismus, sind Antisemitismus, Christen-, Islam-, Schwulenfeindlichkeit nicht Feindschaft gegen diese oder jene. Rassismus ist Menschenfeindlichkeit.“
Man kann das nicht alles in eine Vermengung der menschenunwürdigen Vorhandenheiten verbringen – und, um es erwartungsvoller zu verdeutlichen: Welchen Menschentypus nunmehr erwünscht sich denn der Schriftsteller und „Menschenkenner“ Navid Kermani – und wo gibt es denn diesen absoluten lichtstrahlenden Menschen als würdige Gestalt in der endlosen Fabrikation von Menschendasein in der und zur Anwesenheit und Abwesenheit zwischen Leben und Tod in all den unerträglichen Vergänglichkeiten… In Deutschland hatte ein faschistisches System in seiner bestialischen Isolation des massenhaften Mordens: den machbaren, vorhandenen Menschenwahnsinn in eine unvorstellbare Dimension des industriellen Vernichtens getrieben… Die massenmörderischen „Eingeweihten“ waren in ihrer Einsonderung quasi aus dem Menschen-Repertoire des Grauens heraus in eine mörderische Quarantäne der unglaublichen Sortiertheit verfügt worden! Doch die Masse der Menschen im deutschen Volk konnten sich diese Massenvernichtungen (den Holocaust) überhaupt nicht vorstellen, nicht als Menschen und niemals als Individuen einer selbstverantwortlichen Bebilderung des Menschseins in der Besichtigung „über die Menschenwürde“ hinweg…
Es wurde die Todesstrafe denjenigen angedroht: die irgendwelche Informationen aus den Konzentrationslagern heraus, irgendjemandem mitteilten oder davon auch nur andeutungsweise gegenüber Außenseienden sprachen… Dieses Kreisen in der Tötungsmaschinerie: wurde zu einem Ritual des menschlichen Wahnsinns: das Volk jedoch konnte davon nicht wissen – es war überhaupt nicht und niemals vorstellbar in den Hirnen von diesen Menschenanhäufungen eines (deutschen) Volkes… Und wenn Navid Kermani die Köpfungen von 70.000 Menschen beschreibt, die von mongolischen Eroberern ermordet wurden: dann war dies wiederum unsere (gemeinsame) Menschenart, die hier massenhaft mordete… Der RvM-Leserbriefschreiber kann aus diesen Vergangenheiten und brutalen Gegenwarten immer wieder nur erkennen, dass in jeder Zeit des Daseins von Menschen: die Grauenhaftigkeit und entsetzliche Grausamkeit gegenüber der eigenen Art, vorhanden ist – weil unser Hirnprogramm dies zulässt, wir Menschen so zu all dem hirnfähig sind. Der Körper ist dann doch immer nur in seinen ausführenden Organen das Werkzeug zu den Bestialitäten! Und warum wird das in das Denken der Historiker und Ausmessenden sowie Abmessenden: nicht tatsächlich rückschauend und in die Zukunft schauend, absolut berücksichtigt…?
David Kermani beschreibt: „Dabei haben die (Nazi-)Täter nicht etwa den Opfern ihre Menschlichkeit genommen, die noch in den Lagern und auf dem Weg in die Gaskammern vielfach ihre Tapferkeit, ihren Edelmut bewiesen, soweit Zeugnisse vorliegen; nein, die Täter, die Deutschen, haben ihr eigenes Menschsein aufgegeben.“ Hierbei muss möglichst (und dauerhaft!) widersprochen werden: Es waren Deutsche (und auch andere Beteiligte…), die hier quälten, folterten und mordeten und massenhaft vernichteten – und es war das evolutionäre Tierhafte in uns Menschen: das diese Verbrecher gegen die Menschlichkeit, diese Bestialitäten im Menschenart-Programm vorfinden ließ…. Das ist leider auch diese damalige Realität gewesen – und verbleibt auch in der Zukunft als jeweilige Programmierung zu dieser vorhandenen Menschenbestialität! Vielleicht sind die geistigen antrainierten Kultiviertheiten nur eine „Scheinheiligkeit“ gegenüber dem vorhandenen brutalen Bösen in uns – und all diese Verfeinerungen des Geistes sind nur die anschließenden wahren Enttarnungen unserer Menschenart zur absoluten Grausamkeit hin… Diese Vermutungen sind leider durch die vorhandenen Bestätigungen mehr als bewiesen: der RvM-Leserbriefschreiber schämt sich seines so evolutionär-programmierten Menschseins!
Navid Kermani schreibt weiterhin konsequent: „Der Krieg muss aufhören. Jeder Tag zählt, jede Stunde zählt, in der Unschuldige sterben, ohne dass man sie zu Grabe tragen kann. Israel hat ein Recht zu existieren. Palästina hat ein Recht zu existieren. Wer Verbrechen begangen hat, gehört vor Gericht, erst recht, wenn es Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind. Und unter allen Staaten steht es Deutschland am wenigsten an, die internationale Gerichtsbarkeit zu delegitimieren, die von der Weltgemeinschaft mit Blick auf deutsche Verbrechen eingerichtet worden ist.“ Wiederum wird (immer insgesamt) hierbei das deutsche (heutige) Volk per se mit angeklagt für die damaligen Verbrechen dieser Nazi-Mörderbande! Aber Navid Kermani vergisst hierbei deutlich zu erwähnen: dass es immer wieder diese Menschenart ist: die zu den grauenhaften, furchtbaren, bestialischen Verbrechen und Vernichtungen fähig und sogar „vorbereitet“ ist… Wir stammen vom Tier ab, in uns ist das Raubtier: das quälende, folternde, abschlachtende, massenmörderische Tier (auch in Verbindung) zu den aus 70.000 Geköpften aus dem Jahr 1383 – bis hinein in die Nazi-Konzentrationslager der industriellen Massenvernichtung…
Der RvM-Leserbriefschreibe (Jahrgang 1949) ist ein Anteil dieses Tierhaften der Menschenart in sich – und versucht nicht nur durch seinen Vegetarismus (und als damaliger Kriegsdienstverweigerer) und im Bewusstsein dieser Verinnerlichungen: all diese Zerstörungen, Ermordungen und Vernichtungen von Geschöpfen: aus seinem Hirn und Leib zu entfernen – nicht jedoch aus dem Gedächtnis zur „Mitschuld“ als Mensch! Dies muss mit das Bekenntnis der (erfühlbaren) Menschenwürde sein lebenslang: und nicht erst über den Tod hinaus dann in einer Seligkeit der Illusionen über die eigene Lebens-Zeit hinweg… Und als Vorsichtsmaßnahe zur eigenen Person darf der Verdacht nicht aufkommen, man könne sich aus einer Gesamtschuld als Mensch heraustrennen – ohne einer Verantwortung aus allen Vergangenheiten heraus, einfach nur anwesend sein und sich sozusagen abtrennen von allem Gewesenen und „Zukünftigen“ im Menschenpanorama… Und dennoch deutsch in dem unausweichlichen Zusammenhang ebenfalls erkennbar: – …der Tod ist nicht nur ein Meister aus Deutschland…
Axel Manfred Rvmpf von Mansfeld

Beim Lesen regt sich mein Herz. Es schmerzt. Tränen steigen auf. Und Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber Navid Kermani, der eine dem Geschehen angemessene Weise zu schreiben gefunden hat. Würdevoll.
S. Riffel

Ein beeindruckender, ebenso intimer wie mutiger Essay von David Kermani. Vor allem wenn er die rituelle Waschung seines toten Vaters im Kontext mit der Würde des Menschen beschreibt. Erschütternd, aber auch ermutigend. Erschütternd auch, wenn er auf den entwürdigenden Umgang von Menschen („Täter“) mit Menschen („Häftlinge“) in den Konzentrationslagern hinweist. Dann aber sprang mir der folgende Satz förmlich ins Gesicht: „Dabei haben die Täter nicht etwa den Opfern ihre Menschlichkeit genommen …; nein, die Täter, die Deutschen, haben ihre eigene Menschlichkeit aufgegeben.“   Nun heißt es im Grundgesetz, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. „Unantastbar!“ das bedeutet ja nicht, dass es verboten ist, menschliche Würde anzutasten. Nein, es ist gar nicht möglich, sie anzutasten. Die Würde entzieht sich der Zugänglichkeit des Menschen. Der Mensch hat vielleicht das Wort „Würde“ gefunden und ins Grundgesetz gesetzt, aber über die Würde selbst kann er nicht verfügen. Er kann sie weder verleihen noch entziehen, keinem einzigen Menschen, weder im Leben noch im Tod, wie es Kermani sehr eindrucksvoll bei der Totenwaschung seines Vaters erfahren hat. So haben auch die grausam und unmenschlich getöteten Menschen ihre Menschlichkeit, d.h. ihre Würde, nicht verloren. Das ist überaus tröstlich, selbst wenn damit die industrielle Massenermordung damit nicht verständlich wird und verziehen werden kann. Nein. Und doch ist dem Menschen eine unüberschreitbare Grenze gesetzt. Ja, er kann nicht einmal sich selbst gänzlich ent-würdigen. So ließe sich Levinas Diktum: „Du wirst nicht töten!“, im Sinne von „Du bist nicht imstande, einen Menschen völlig auszulöschen“ umformulieren in: „Du wirst niemandem seine Würde nehmen (können)“. Ja, und die Täter, die, wie Kermani sagt, ihre Menschlichkeit aufgegeben haben? Wenn die Würde tatsächlich unantastbar wäre, wäre das doch gar nicht möglich. Oder, Herr Kermani?
Gerd Schillmöller

 


 

Leserbriefe zu „Europäer streben nur noch nach Komfort und Sicherheit. Also nach Faulheit“. Gespräch mit Rem Koolhaas geführt von Götz Hamann und Tobias Timm

Das Gespräch mit Rem Koolhaas zeigt, dass Architekten und Architektinnen einen besonderen Zugang zur Welt haben: Sie entwickeln Neues, wo wir ängstlich Besitzstände verwalten und uns bequem einrichten. Sie handeln pragmatisch, wo wir uns sperren und auf handlungsferne Ebenen abheben. Sie entwickeln Ideen, wo wir uns hehre Prinzipien um die Ohren hauen und am Ende nicht mehr wissen, was wir überhaupt wollen. Sie bewirken etwas, das als Problemlösung funktioniert, wo wir die Probleme verniedlichen, leugnen, verdrängen oder dramatisieren. Sie integrieren dabei die relevanten Themen und erschaffen etwas Ganzes und Großes, wo wir alles klein schreddern und uns im Kleingedruckten verstricken. Wir können von einem guten Architekten wie Rem Koolhaas einiges lernen. Uns fehlen Ideen, uns fehlt Ambition, uns fehlt Tatkraft. Europa ist nicht mehr inspirierend. Unsere Demokratie muss handlungsfähiger werden. Sie könnte ein Exportschlager sein, wenn Europa als Zukunftslabor Avantgarde wäre und überzeugend zeigen würde, wie die großen Fragen unserer Zeit gelöst werden können. Wir müssen uns öffnen und neu erfinden. Wie einst in der Renaissance.
Reinhard Koine

Erst die Welt mit Gigantismus aus Glas, Stahl und Beton verschandeln, den – außer Investoren, Politiker und Machthaber – kein Mensch braucht. Dann die Kühe auf der Schweizer Weide vermissen. Sodann den Europäern „Faulheit“ vorwerfen. Kann man sich wohl als Star-Architekt leisten, vom Stuhl des Moralapostels und Weltverbesserers herab das Gute und Wahre zu predigen. Zu den Kühen: auf unseren norddeutschen Weiden gucken sie mir in stattlicher Zahl stets neugierig entgegen. Es riecht überall nach typisch Ländlichem. Kalte Hochhausarchitektur erblicke ich zum Glück weit und breit nicht. Es wäre für die Menschheit von Vorteil, der modernistische Architekt legte sich eher auf die faule Haut und ersparte uns den Anblick seiner Bauten, die weder nach Land noch Stall riechen, aber rundum so steril sind, dass der Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich sein Buch „Von der Unwirtlichkeit der Städte“ schrieb. Längst bei den Modernisten vergessen, aber ihre Städte sind noch unwirtlicher geworden. Klar, will Rem Koolhaas keine Revolution, die stürzt nur seine Ideologie. Seine „Neuerfindung“ brauchen wir nicht, sondern eine neue Architektur der Schönheit und Humanität, die sich aus den historischen Vorbildern ableitet. Dieses Ziel zu erlangen, rebelliere ich ebenso 79-jähriger Architekt gegen die Modernisten seit 50 Jahren. Mit autokratischen oder diktatorischen Regimen mache ich keinen Deal, will keinen Cent an deren unmenschlichen Systemen verdienen; entwerfe aber derzeit einen 490 Meter hohen Wolkenkratzer in klassischer Architektur, den ich der Stadt Kiew und Ukraine zum Bau vorschlage. Der Tower wäre, erbaut, der höchste Europas, und soll nach meiner Idee Tower of Europe genannt werden, Freiheit und Demokratie in der EU symbolisieren, und von fleißigen Handwerkern aus ihren Mitgliedsstaaten errichtet werden. Das interessiert vom Star-Architektenkult geblendete Journalisten allenthalben nicht.
Axel Spellenberg

Der beste Artikel der Ausgabe vom 6.6.2024 kommt auf leisen Sohlen im Feuilleton daher. Es ist das Interview mit einem alten weißen Mann, Rem Koolhaas. Der 79-jährige hat in der aktuellen Eskalationsspirale der Aufregung – oder auf der Gehaltsliste Katars stehend – offenbar nicht mehr viel zu verlieren und redet Klartext. Europa als Vasall der USA sinngemäß – so wie es auch Frankreichs Präsident Macron geäußert hat, um in Deutschland dröhnendes Schweigen zu ernten. Der in anderen Teilen der Welt als unerträglich empfundene erhobene Zeigefinger, der Irrsinn unseres aktuellen Ressourcenverbrauchs, der sich eben nicht durch eine schöne grün angestrichene neue Wunderwelt abstellen lässt, sondern nur durch ein physisches Zusammenrücken der Menschheit, die eben mit weniger Wohnraum und kleineren Autos auskommen sollen. Beeindruckend ist aber auch sein kosmopolitischer Blick auf die Dinge. An den absoluten Wahrheitsansprüchen unserer Blase zu rütteln, das nimmt man dem 79-Jährigen dessen gütige Stimmen man zwischen den geschriebenen Zeilen förmlich zu hören scheint, nicht übel. Bitte mehr von solchen Interviewpartnern in Zukunft!
Maximilien Trattenbach

Was für ein kluger und weitsichtiger Mann dieser Rem Koolhaas doch ist. Und dazu noch ein großer Architekt! Besonders wichtig finde ich seine Warnung an uns Europäer, dass wir „Europa in die Bedeutungslosigkeit manövrieren“, weil wir uns „so eng an die US-Amerikaner binden, so eng, dass wir keine eigenständige Haltung entwickeln können“ und dass wir dadurch und wegen unseres stets erhobenen moralischen Zeigefingers von Jahr zu Jahr unwichtiger werden. Wenn doch nur unsere Politiker dieses wichtige Interview lesen und beherzigen würden!
Björn Luley

Da lese ich im Feuilleton Ihrer Zeitung flüchtig den Satz über dem Foto eines sitzenden, älteren Herrn: „Europäer sterben nur noch nach Komfort und Sicherheit. Also nach Faulheit“ Ihre Irritation ist berechtigt, denn auch meine Selbstkorrektur hat dann bemerkt, dass die Europäer danach streben. Aber die Konklusion meines Freudschen Verlesers trifft dann wohl doch den Nagel, um den es Herrn Koolhaas geht, auf den Punkt: „Europäer sterben nur noch nach Faulheit.“ Man mag nun entgegnen, aber Herr Koolhaas hat das offensichtlich nicht so gesagt, denn nimmt man ihn bei seinem Wort so sagt er: „Europäer streben nur noch nach Faulheit.“ Gleichwohl füge ich diesem Einwand die Frage hinzu: Wo liegt denn da der Unterschied begraben? – Denn wer nach Faulheit strebt, der wird wohl auch aus Faulheit sterben.
Felix Brunschwiler

Europäer streben nur noch nach Komfort und Sicherheit. Also nach Faulheit, sagt der Niederländer Rem Koolhaas Die Faulheit ist eine Art Bequemlichkeit und Verwöhnung. Die Ursache ist, dass wir unsere Kinder und uns meistens mehr verwöhnen, statt sie richtig zu fordern und fördern. Die erste Generation nach dem Krieg hat es sehr schwer gehabt und hat geschuftet, u.a. damit die Kinder eines Tages besser haben. Von Generation zu Generation sind wir wohlhabender geworden und vor allem unsere Kinder wurden anspruchsvoller. Wenn man heute auf einem Schulhof Schüler befragt, darf man sich nicht wundern, wenn die meisten Schüler studieren und möglichst Berufe ergreifen wollen, in denen sie sich verwirklichen, möglichst viel Geld verdienen und viel Freizeit haben wollen. Nach Lust und Laune leben, weniger arbeiten, viel vereisen und bloß sich nicht anstrengen., Hatten man noch in der zweiten und dritten Generation viele Berufe gelernt, fehlen heute Handwerker, Krankenpfleger, aber auch Ärzte auf dem Land. Alles ist viel zu anstrengend. Professor Felix von Kube hat in seinem Buch „Lust an Leistung“ Verwöhnung beziehungsweise Massenverwöhnung als weniger Arbeit, mehr Freizeit, höhere Löhne, höhere Ansprüche, höhere Sozialleistungen, früher Rente und so weiter definiert. Wenn diese Wünsche bzw. Anspruchshaltung nicht in Erfüllung geht, werden viele Menschen enttäuscht und unglücklich und noch schlimmer sie resignieren. Die Konsequenz ist Langeweile, mehr Egoismus, Leistungsabfall und oft sogar Aggressivität. Die verhaltensbiologische Antwort von Kube ist, fordern, fördern und belohnen statt verwöhnen, Abenteuer statt Langeweile, Aktivität statt Apathie. Leistung und Anstrengung sollte mit Lust verbunden sein, eine Art positives Erlebnis. Dann gibt es keine Faulheit, Langeweile und Aggressivität.
Kent Doğu

Ein Interview zum Einrahmen! Dieser Mann hat in vielem derart Recht und die Lage treffend analysiert, dass es schlicht weh tut. Was in Westeuropa und leider auch bei unserer Regierung die Regel ist, wir halten „unsere Werte“ jedem und jeder so lange vor, bis sich weniger wichtige Staaten dem anzuschließen scheinen und die großen neuen, wichtigen Player sich im schlimmsten Fall von uns abwenden und Allianzen schmieden, die wir selbst dringend bräuchten. Um Einfluss zu haben bedarf es einer starken Position, die auch durchgesetzt werden kann. Wachsende Rohstoffabhängigkeiten selbst bei vielen Zukunftsfeldern, eine erschreckende Verschanzung hinter immer weiter ausufernder Bürokratie und die zunehmende Leistungsverweigerung weiter Teile der jungen Bevölkerung, lassen nur den Schluss zu, dass wir uns selbst verzwergen und es nicht einmal wahrhaben wollen. Das Kaninchen vor der Schlange ist auch gefressen worden. Hoffen wir, dass es noch nicht zu spät ist, für die Erkenntnis, dass unser Lebensmodell nicht zwangsläufig als Exportschlager taugt und daraus die richtigen Schlüsse gezogen werden.
Thomas Harnisch

Ganz sicher weitet es den Blick, weltweit unterwegs zu sein. Auch wird der „alte Westen“ seine Bedeutung und Stellung in dieser Welt zugunsten eines „neuen Miteinander“ überdenken müssen – und ja, es wäre sicher förderlich, auch die eigenen (Welt)Anschauungen dabei nicht als das Maß aller Dinge zu nehmen, Aber, angesprochen auf China, davon zur reden, andere Nationen verspürten nun eben nicht den Drang, eine Demokratie zu werden, ist ja doch wohl ein ziemliches Verharmlosen, wenn nicht gar Negieren von Verhältnissen und Tatsachen in Autokratien wie dieser. Unterdrückung der freien Meinungsäußerung und ethnischer Minderheiten, Umerziehung, Folter, Todesstrafe – wie gedeihlich könnte ein Miteinander angesichts all dessen gelingen? Und blendet Herr Koolhaas nicht auch Einiges aus, wenn über ein Land wie Katar nur Löbliches anzumerken hat? Immerhin pflegt er weitreichende Kundenbeziehungen zu diesem Land und schuldet ihm folglich Loyalität.
Gabriele Schock

 


 

Leserbriefe zu „Jetzt-doch-Kanzler“ von Peter Dausend

Die Führung der demokratisch gewählten Ampel durch Scholz wirkt zunehmend als eine, durch ihre latente Unabänderlichkeit aber eher hämische Kritik an unserem Rechtsstaat und unserem parlamentarischen System. Damit trägt er mit großer persönlicher Verantwortung an der Stärkung der politischen Ränder bei.
Jürgen Dressler

Scholz hat keinen Kompass und sich deshalb in die Sackgasse manövriert. Mit der Versagung des Taurus wollte er sich als Friedenskanzler profilieren, der Schaden von Deutschland abhält. Das hätte der Wahlkampfschlager werden können, auch weil damit wohl eine Mehrheit sympathisiert. Biden hat ihm nun einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die gerechte Strafe dafür, ohne eigenes nationales Konzept sich hinter anderen versteckt zu haben. Im Hintergrund zieht nach wie vor der Friedensapostel Mützenich die Strippen. Nachdem das Wahlkampfthema erledigt ist, sollte Scholz sich endlich Beinfreiheit verschaffen und die Fraktion zur Raison bringen.
Christoph Schönberger

Stimme Ihrer Bewertung des Polit. Wirkens des amt. Bundeskanzlers O. Scholz im Wesentlichen zu. Die Persönlichkeit O. Scholz ist m.E. ein Apparatschik des SPD-Parteiapparats. Ergänzend: Dass er als Getriebener erscheint, ist weiteren Parteifunktionären Stegner, Mützenich, … – eo ipso tiefschürfende Denker – seines Beritts geschuldet. Dass er als Getriebener erscheint, hat er auch seinen Koalitionären zu verdanken.
Klaus Miltenberger

Für seine äußere Größe kann niemand etwas, für seine innere schon. ich danke Ihnen, Herr Dausend, für diesen Artikel.
Claudia Albersmann

Der Bundeskanzler Olaf Scholz hat in der SPD schon lange das Attribut „Das Möbel“. Immer da und relativ unbeweglich. Eine ziemlich zutreffende Beschreibung. Zudem ist für Scholz, als Jurist, ganz vieles „hinreichend unbestimmt“. Die beiden Begriffe sind Verbunden damit Tatsachen und Rechtsbegriffe zu bestimmen und abzuwägen. Allerdings zu oft mit einer Bedenkzeit, die nicht zur Problemlösung beiträgt und eher verunsichert. Das als besonnen zu bezeichnen ist sehr euphemistisch. Ein Zögern und Zaudern können angebracht sein, wenn das Problem sehr kompakt, schwierig und gar unlösbar erscheint. Aber nicht immer ist dies der Fall. Die erfolgten Waffenlieferungen in die Ukraine hätten in den meisten Fällen wesentlich eher erfolgen können. Immer zu anderen (USA) zu schielen und dann sich an deren Entscheidungen anzuhängen ist nicht die gewünschte Entscheidungsfreudigkeit die von einem Bundeskanzler zu erwarten sein sollte. Ähnliches gilt für die Klimapolitik. Auch hier lässt sich Olaf Scholz vor den Karren der Grünen und/oder der FDP spannen. Das hat nicht mehr sehr viel mit der eigenen Sozialdemokratischen Identität zu tun. Dann der „Friedenskanzler“. Mit dem Hinweis, dass Deutschland der zweitgrößte Waffenlieferant, nach den USA, für die Ukraine ist scheint dieser Titel „Friedenskanzler“ weit hergeholt. Den Vogel hat Scholz abgeschossen, indem er sich den USA angeschlossen hat, dass mit deutschen Waffen auch das Gebiet Russlands beschossen werden darf. Dies hat er vorher kategorisch ausgeschlossen, um nicht „Kriegspartei“ zu werden. Da hilft es auch nicht in Gummistiefeln, für ein paar Stunden mit medialer Aufmerksamkeit, in Hochwassergebieten den Eindruck zu erwecken, dass die Politik den Geschädigten zügig und unbürokratisch helfen wird. Ein Blick ins Rheinland-Pfälzische Ahrtal hilft solchen Zusagen nicht allzu viel zu glauben. Die Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) behauptet immer noch alles richtig gemacht zu haben. Offensichtlich ist sie genauso vergesslich wie der Bundeskanzler Olaf Scholz (Warburg-Bank und Cum-Ex).
Felix Bicker

Ich habe seit langem wieder einmal ihre Zeitung gekauft. Zu Lebzeiten von Marion Dönhoff und Helmut Schmidt war ich regelmäßiger Leser. Ihr Artikel Jetzt-doch-Kanzler von einem Peter Dausend hat sicher der CDU und vor allem der AfD bei der Europawahl geholfen. Dafür werde ich keine 6,70 Euro mehr ausgeben !.
Dieter Eppinger

Sie befassen sich mit dem neuerlichen Rechtsruck in weiten Teilen der Welt. Die Menschen vollziehen ihn in Bedrohungssituationen, und werden dabei „gruppiger“ und rufen nach dem starken Typen, der sie beschützen möge. Die multiplen Krisen der letzten Jahre haben dazu zurecht Anlass genug gegeben. Sie sollten aber auch noch erwähnen, dass die Medien das ihre dazu tun, indem sie beharrlich die Menschen mit Berichterstattungen zu den drei Ks (Kriege, Krisen und Katastrophen) unter Dauerbeschuss setzen. Diese drei Ks haben einen enormen Angst-und Aufmerksamkeitswert für die Medien und fördern ihr Geschäft. Das aktiviert permanent den Gefahrenradar unseres Kortex und der Amygdala und verstärkt – so wie dargestellt – den Rechtsruck in der Gesellschaft. Die Medien sollten sich bewusst sein, dass sie mit dieser Art der Berichterstattung mitverantwortlich für den Rechtsruck sind!
Eva Walter

 


 

Leserbriefe zu „Plötzlich ein Loch im Kinderherz – weil ein Teil für ein paar Euro fehlt“ von Marc Widmann

Was für ein Wahnsinn – kann man in der Tat da nur sagen… Was ist denn wohl wichtiger: Gesundheit zu wahren und gar Menschenleben zu retten oder etwa aus vermeintlichen Qualitätssicherungsgründen in regelmäßigen Abständen durchzuführende Produkt(re)zertifizierungen EU-weit verbindlich vorzuschreiben, die am Ende unterbleiben, weil sie von Zertifizierungsgesellschaften, sog. Benannten Stellen, letztlich eigenwirtschaftlich bzw. aus Gründen eigener Gewinnmaximierung unnötig „in die Länge gezogen“ und daher völlig überteuert angeboten werden, mit der Folge, dass selbst einfache aber wirksame Medizinprodukte bei Operationen u. dgl. nicht mehr eingesetzt werden dürfen? Jedenfalls bedarf es hier sicherlich dringend eines im wahrsten Sinne des Wortes „gesunden“ bzw. angemessen ausgewogenen Maßes, um genau Letzteres zu verhindern.
Thomas Stähler

„Ist der Ruf erst ruiniert…“ sind Teile der Monster und Geister, die wir riefen. Diese haben die Eigenschaft, einmal von der Leine gelassen, zu metastasieren und zu mutieren, sich jeder Bändigung zu entziehen. Jeder, auch Politiker und ihr Bürokraten-Heer wissen das – und weiden sich am mephistophelischen Erfolg. Somit ereilt die leichtgläubigen Herdentier-Bürger die gerechte Strafe, Volksvertretern Vertrauens-Boni gegeben zu haben, deren Meisterschaft (ohne Zertifizierung!) aufgrund ihres Parteibuchs als sicher galt. Mögen die guten Geister gnädig sein und über den Schatten der Quälgeister springen…!
Andreas Weng

Dass der Beitrag über die prekäre Behandlung lebensbedrohlich erkrankter Kinder in Deutschland im Wirtschaftsteil der ZEIT erscheint, ist irritierend, geht sein Inhalt doch die gesamte Zivilgesellschaft an und ist weit mehr als nur ein ökonomisches Defizit im Umfang weniger Euro. Anderseits ist es konsequent, da wir schon lange nicht mehr von einem Gesundheitswesen, sondern von Gesundheitswirtschaft sprechen und auch entsprechend handeln. Die Kinder- und Jugendmedizin ist davon nicht ausgenommen. Im Gegenteil – in diesem Fachgebiet wirkt sich die Ökonomisierung am fatalsten aus. Dieses gebeutelte Fach hätte es daher verdient, dass die ZEIT in einem sorgfältig recherchierten Beitrag weitaus größeren Fehlentwicklungen nachginge, die eine große Zahl kranker Kinder betrifft. Den ZEIT-Lesern (darunter sicher viele Eltern und Großeltern) dürfte weitgehend unbekannt sein, dass Deutschland inzwischen erhebliche Strukturdefizite bei der medizinischen Betreuung kranker Kinder aufweist. So verfügen heute bei weitem nicht alle Universitäts-Kinderkliniken in Deutschland über eine voll umfängliche fachliche bzw. personelle Expertise für die kontinuierliche medizinische Betreuung chronisch kranker Kinder und Jugendlicher. Der für die hochspezialisierte medizinische Versorgung nötige ärztliche Nachwuchs wird nicht im erforderlichen Umfang ausgebildet. Ob die neue Krankhausreform diese nachhaltig negativen Folgen der DRG-basierten Ökonomisierung und zugleich die notwendige Zentralisierung hochspezieller Behandlungsverfahren für schwer kranke Kinder durchsetzen kann, bleibt abzuwarten.
Hinzu kommt: Chronisch kranke Kinder und Jugendliche sind vielfach vom wissenschaftlichen Fortschritt in der Medizin teilweise jahrelang abgeschnitten: Moderne Medikamente zur Behandlung unheilbarer chronischer Krankheiten werden oft erst mit einem Jahre dauernden Zeitverzug für diese Patientengruppe zugelassen. Die Gründe dafür sind vielfältig, verdienten aber eine fokussierte Beachtung – auch durch die ZEIT. Während der o.g. ZEIT-Artikel (glücklicherweise) nur wenige Neugeborene mit angeborenen Herzfehlern betrifft, ist das oben skizzierte Grundproblem weitaus größer und damit gravierender, denn: Etwa bei jedem zehnten der 2023 knapp 693.000 geborenen Neugeborenen in Deutschland wird sich bis zum 18. Geburtstag eine chronische Erkrankung manifestieren. Das Spektrum reicht von A (Asthma) über D (Diabetes), E (Epilepsie) bis Z (Zöliakie – Getreideunverträglichkeit). Wer glaubt, staatliche Institutionen, Kassenärztliche Vereinigungen oder andere Körperschaften öffentlichen Rechts verfügten über Bedarfszahlen der für die Behandlung dieser Patienten spezialisierten Kinderärztinnen und -ärzte, irrt. Anders als für Erwachsene fehlen diese für die Planbarkeit medizinischer Leistungen bei chronisch kranken Kindern vollständig. Wer aber nicht weiß, wieviel Kinderonkologen, Kindergastroenterologen, -diabetologen, -pulmologen u.a. es in Deutschland braucht, kann schlechterdings eine gute medizinische Betreuung für alle diese kleinen Patienten sicherstellen. Jetzt schon kaum und in naher Zukunft immer weniger.
Michael Radke

Die europäische Medizinprodukte-Verordnung, ein (typisches?) Gesetz des Europäischen Parlaments: Bürgerfern, realitätsfremd, hyperbürokratisch, schädlich für ein funktionierendes System und extrem schwer zu revidieren! – Braucht es da noch lange Analysen der Parteien um zu begreifen, dass sich viele, vor allem junge Wähler von solcher Politik abgewendet und für rechtsnationale Parteien entschieden haben? -Eine Entwicklung in die falsche Richtung, nur die gut verdienenden Zertifizierer profitieren davon. (Müssen die sich eigentlich auch zertifizieren?) Und warum enthält sich die Bundesregierung im Europarat der Stimme, wenn sie doch eigentlich gegen das Gesetz ist? Wenn ich etwas nicht will, so stimme ich dagegen. Da könnte nur ein entschlossenes Handeln des Gesundheitsministers mit wiederholten Notfallzulassungen oder gar Kooperation mit der viel effektiveren FDA schnell Abhilfe schaffen. Stattdessen versteckt man sich hinter Floskeln. Wo bleibt er, der volksnahe, entscheidungsfreudige, tatkräftige Politiker? Hoffentlich nicht da, wo wir nie wieder hinwollten!
Sven Bily

Ein gutes Beispiel wie die Verschlankung von Kontrollbehörden zu deren Unfähigkeit führt. Letztlich machen findige Lobbyisten der Zertifizierer daraus ein Mordsgeschäft. Das scheint ein funktionierendes Geschäftsmodell zu sein, Kasse machen ohne Rücksicht auf den ursprünglichen Sinn einer Regelung. Bürokratische Vernebelung statt Kundenschutz und Transparenz. EU-Bashing ist wie so oft fehl am Platz, die Initiativen und Vorgaben kommen immer von den Einzelstaaten, leider versagen unsere Behörden dann u.U. bei der Kontrolle was aus ihren Vorgaben wird.
H. Giller

Neue EU-Vorschriften wegen fehlerhafter Brustimplantate „zwingen“ u.a. TÜV und Dekra dazu, besonders gründlich und langatmig zu prüfen, und zwar nicht nur Brustimplantate sondern (deutsche Gründlichkeit!!) gleich alle Medizinprodukte. Eine Zertifizierung ist aufwendig und teuer. Wichtige Instrumente werden jetzt wegen verständlicher Nichtrentabilität (übrigens ein Widerspruch in sich: Gesundheit/Medizin und Rentabilität…) nicht mehr hergestellt. Derweil sterben Kinder, Firmen gehen pleite, Menschen werden arbeitslos. Warum kann man sich eigentlich nicht vorher überlegen, was man mit Gesetzesänderungen anrichtet? Es ist eigentlich Aufgabe der Politiker und der Kollege Wiese, der da mitbeteiligt war und jetzt versucht gegenzurudern, sollte eigentlich gewusst haben welche Mechanismen und Prozesse da ins Rollen kommen! Warum muss eigentlich alles immer „verschlimmbessert“ werden? Ich bin entsetzt und sprachlos und wütend. Es geht um das Leben der nachkommenden Generation. Glücklicherweise sind Brustimplantate und HIV-Tests ab sofort sicher.
Kerstin Hindringer-Wissing

Gute Politik hat zwei Angstgegner: Fachlich weitestgehend inkompetente Entscheider (Minister, Staatssekretäre, …) wie im Fall Dr. Graichen (BMWK an der Seite von Herrn Dr. Habeck) und „blind gehorsame“ Beamte ohne tieferen Sachverstand etwa über die Umsetzungsprobleme bzw. -wirkungen bzgl. „guter Absichten“. Wenn beides zusammenkommt, wird es eben besonders übel!
Wolfgang Ströbele

 


 

Leserbriefe zu „Geht da was?“ von Jana Hensel und Mariam Lau

Es mag Motive, Indizien und „Schnittmengen “ geben für eine schwarze grüne Liaison. Vor allem der Ukrainekrieg verbindet. Doch bleibt ein Thema unterbelichtet: die Migrationsfrage. Die Zeit ist aber nach 30 Jahren reif für eine realistische und mehrheitsfähige Anpassung des gescheiterten Flüchtlingsregimes. Die Niederlande sind da weiter, es werden vermutlich weitere folgen. Dass die Grünen dabei mitspielen, würde an deren DNA zerren. Der Zwist um die banale Bezahlkarte ist Synonym für deren Schmerzpegel. Und NRW als grandioses Erfolgsmodell für schwarzgrün ins Schaufenster zu stellen, übersieht, dass Wüst 45 % Nichtwähler im Stich gelassen hatte, die für grüne Mätzchen nichts übrig hatten. So würde es auch Merz ergehen, sollte er sich vor der Wahl nicht eindeutig festlegen.
Christoph Schönberger

Schwarz-Grün im Bund – ich muss gestehen, solange der Markus die CSU führt, fehlt mir persönlich die Fantasie für ein Bündnis auf Bundesebene. Das Signal, welches die Merz CDU durch Ihr Grundsatzprogramm und Ihre verbalen Angriffe aussendet, wenn wir mal Frau von der Leyen ausklammern, ist folgendes: Liebes Wahlvolk, Ihr habt folgendes Angebot bei der nächsten Bundestagswahl. Verschenkt Eure Stimme nicht an Linke oder Rechte Ränder. Entscheidet Euch entweder Schwarz-Gelb oder Rot-Grün, was anderes bekommen wir mit dem zur Verfügung stehenden Spitzenpersonal nicht zusammen.
Thomas Kroll

Mit Interesse las ich Ihren Beitrag zum Verhältnis zwischen den Parteien Die Grünen und CDU hinsichtlich einer möglichen zukünftigen Regierungskoalition. Gestolpert war ich über die Aussage „Die Union wiederum hat nicht vergessen, dass sie von manchen der Demonstranten ‚gegen rechts‘ umstandslos dem Lager der Demokratiefeinde zugeschlagen wurde“. Meiner Erfahrung und Wahrnehmung entspricht es nicht, dass die CDU als demokratiefeindlich eingestuft wurde und wird, es fehlt mir jedoch an einem größeren Blick. Die Aussage verstehe ich nicht vollständig. Was ist mit „umstandslos“ gemeint. Wenn es bedeutet, dass sich die erwähnten Demonstrierenden keinen einzigen Umstand gemacht hatten, ist dann die Frage, welchen sie sich hätten machen sollen.
Frank Senftleben

Habeck so: „Die CDU unter Merz ist eine Party von gestern, angeführt von einem Vorsitzenden von vorgestern.“ Merz so: „Ja, das ist unser Schlüssel zum Erfolg!“ Lieber Herr Habeck, die Menschen müssen eben auch mehr Bock auf morgen haben als auf gestern und vorgestern. Und dazu wollen sie wissen, wie sie von hier nach da kommen.
Sven Prevrhal

Geschichtsvergessenheit der Union. Im Artikel wird berichtet: „Die Union beantragt nun zur AKW-Entscheidung der Ampel einen Untersuchungsausschuss“. Man fragt sich, haben die Parteien nichts Besseres zu tun, als sich mit solchen Nebensächlichkeiten zu beschäftigen, in einer Zeit, in der Krisen alles andere als Mangelware sind. Wenn man sich vor Augen hält – und insbesondere die CDU/CSU täte gut daran, das zu tun – , welch eine Schaukelpolitik die Union betrieben hat im Hinblick auf die Nutzung von Kernkraft zwischen 2005 und 2011. Nachdem die rot/grüne Bundesregierung den Ausstieg aus der Kernkraft eingetütet hatte, wurde ab 2005 durch die Regierung Merkel der Wiedereinstieg in die Kernkraft beschlossen, denn „die Kernkraft ist ja sicher“. Nach der Katastrophe in Fukushima 2011 war für die Regierung die Kernkraft offenbar doch nicht mehr so sicher, so dass eilig der Ausstieg beschlossen wurde. Oder hat dabei eine wesentliche Rolle gespielt, dass die Grünen als Kernkraftgegner einen nennenswerten Zulauf verzeichnen konnten? Jedenfalls hat uns Steuerzahlern diese Schaukelpolitik mehr als 2 Mrd gekostet, die der Staat an die Energieversorger zahlen musste. Leider scheint das bei der Union in Vergessenheit geraten zu sein, so dass man in einem Anflug von Selbstgerechtigkeit einen Untersuchungsausschuss der Ampel aufdrücken kann. Was würde wohl ein Untersuchungsausschuss zum genannten Wiedereinstieg und nachfolgenden Ausstieg der Union aus der Kernkraft zu Tage fördern?
Dieter Stöckle

Es wäre eine Befreiung in einer Zeit, in der mutiges Handeln von allen Beteiligten und insbesondere von denen, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen, verlangt wird: Schwarz und Grün inszenieren sich oft als Gegenpole und werden noch häufiger von außen als solche dargestellt. Dabei wurde 1987 erstmalig nach einer kurzen Episode mit Walter Wallmann mit Klaus Töpfer ein politikprägender Bundesumweltminister inkl. Ministerium von einer CDU-Regierung installiert. An diese „Tradition“ lässt sich anknüpfen. Natürlich sind offensive Wirtschaftspolitik und offensive Umweltpolitik in der kurzfristigen Perspektive immer wieder „Gegenpole“. Wer aber auch über den nahen Horizont hinausschaut, kommt nicht umhin eine starke Verknüpfung zwischen beiden Themen festzustellen. Und konservativ heißt bewahrend – und worum geht es bei der Umweltpolitik? – um das zu bewahren, was für unsere Zukunft essenziell wichtig ist. Denn ohne Artenstreben, ohne Vergiftung der Böden, ohne Zerstörung der Ökosysteme, ohne ungebremsten Klimawandel ist die einzige tragfähige Zukunftsstrategie möglich. Mit CDU und Grünen kämen zwei Kräfte zusammen, denen beiden das Bewahren und der Aufbruch in eine bessere Zukunft als „DNA“ innewohnen. Wenn die CDU dabei auch ihren Sozial-Flügel CDA (Christlich demokratische Arbeitnehmerschaft) nicht lahmlegt, ist auch ein Wächter des sozialen Friedens mit an Bord. Und mit Merz und Habeck wären zwei gestandene Politiker mit Profil als Sparringspartner geeignet, die notwendigen Abwägungen auszuhandeln und Zukunfts-Ängste in der Bevölkerung zu befrieden. Aus Prinzipienreitern und Klientelpolitikern aus der FDP und zu zögerlichen Kräften aus der SPD darf sich dann gerne eine Opposition bilden, die ihre Verantwortung gegen „Rechts“ mit der Regierung teilt, ohne den notwendigen kritischen Blick auf Regierungspolitik zu verlieren. Man darf träumen – und manchmal werden Träume wahr – so oder ähnlich.
Tilmann Wolf

 


 

Leserbriefe zu „Über den Vorzug von Preisen, die nach Hautfarbe und Geschlecht vergeben werden“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Als Zeitabonnent mal wieder im ZEIT MAGAZIN den Beitrag von Harald Martenstein gelesen, über das Thema Preisverleihung und seine Erfahrungen damit „im Laufe seines etwa hundertjährigen Berufslebens“. Da steht doch „es wäre zum Beispiel unmöglich gewesen, alle Filmpreise an ranzige alte Männer zu…..vergeben… Gleichzeitig feiern wir 75 Jahre Grundgesetz und den Satz. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Wie passt das zusammen?
Hans W. Germer

Sie schreiben, wie leider meistens, puren Blödsinn. Ich beschränke mich auf die Nobelpreisträger für Literatur seit 2010: Sechs binäre weiße Männer, von denen einer (Tranströmer) zum Zeitpunkt der Verleihung achtzig Jahre alt, einer (Dylan) 75 Jahre alt und jüdischen Glaubens war. Fünf weiße Frauen, darunter Alice Munro und Annie Ernaux im Alter von 82 Jahren. Usw. usw. Möglicherweise suchten Sie nach einer Entschuldigung dafür, dass Sie als alter weißer Mann nicht alle die Preise bekommen haben, die Sie Ihrer Meinung nach verdient hätten. Aber ich hätte eine schlüssigere Erklärung: Sie waren ja, wie Sie uns in gewohnter Bescheidenheit en passant wissen lassen, in zahllosen Preisgerichten, Komitees und Kommissionen und kamen als Juror für eine Nominierung leider nicht in Frage. Sie konnten allenfalls unter Aufbietung aller Ihrer argumentativen Stärke und Ihres profunden Wissens verhindern, dass noch mehr junge, nichtweiße, nicht-binäre LSBT*Q-Personen all die schönen Preise abräumen. Legen Sie einfach alle Ihre ehrenvollen Ämter nieder, und die Preise und Ehrungen werden nur so auf Sie niederprasseln! Es ist nie zu spät für einen alten weißen Mann – siehe Dylan. Und so ein paar läppische Verse wie „Blowin‘ in the Wind“ oder „The Times they are a-changing“ hauen Sie doch allemal raus. (Von „Masters of War“ sollten Sie vielleicht lieber die Finger lassen – könnte einen Teil Ihrer Fangemeinde irritieren.)
W.-R. Heilmann

Seit meiner Jugend lese ich regelmäßig und gerne die Zeit, die ich als eine Hauptquelle vertrauenswürdiger und ausgewogener Informationen betrachte. Zum ersten Mal fühle ich mich dazu veranlasst, einen Leserbrief zu schreiben. In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass die Kolumnen von Harald Martenstein im Zeit Magazin immer polemischer und abwertender werden in ihrem Bezug auf die diskutierten Themen. Diese Themen wiederholen sich in einem engen Zyklus: die vermeintlich bedrohte Position des alten weißen Mannes, die behauptete Dominanz und Bevorzugung von Minderheiten und andere identitätspolitische Themen, die oft aus rechten Kreisen stammen. In der aktuellen Ausgabe hat Martenstein jedoch einen Tiefpunkt erreicht, indem er über die Preisverleihung beim Eurovision Song Contest schreibt: „Der diesjährige Sieger Nemo aus der Schweiz erzählte, er sei mit einer Frau zusammen, aber er hat sich rechtzeitig vor der Show vom Sänger zur singenden Person umdefiniert, etwas in dieser Art sollten Christoph Hein und Bernhard Schlink besser auch machen [um bessere Chancen auf einen Preis zu haben]. Womöglich entdeckt Nemo nächstes Jahr, dass er eine schwarze Frau ist, und kriegt dafür ganz ohne Roman den Internationalen Literaturpreis.“ Diese Aussage ist transphob und menschenentwürdigend. Mit der Aussage, trans und Schwarze Personen hätten in der heutigen Gesellschaft Vorteile, kehrt er die tatsächliche Situation – einen Alltag, in dem Menschen, die nicht gewissen Eigenschaften entsprechen (weiß, männlich, heterosexuell, cisgender), struktureller Diskriminierung ausgesetzt sind – auf den Kopf. Undifferenzierte und abwertende Meinungen gibt es online zuhauf. Dass allerdings die Zeit, die sonst für ein liberales, tolerantes und weltoffenes Weltbild einsteht, solchen Ansichten ein Podium bietet, ist mir unbegreiflich.
Louisa van Laere-Benk

In der Ausgabe 25/2024 des Zeit Magazins findet man auf Seite 6 den Artikel „Über den Vorzug von Preisen, die nach Hautfarbe und Geschlecht vergeben werden“ von Harald Martenstein. Herr Martenstein bringt hier das Bespiel von Nemo, der Person, die dieses Jahr den ESC gewonnen hat. Er bringt an, dass Nemo mit einer Frau zusammen ist, „sich aber rechtzeitig vor der Show vom Sänger zur singenden Person umdefiniert“. Ich finde Herr Martensteins Unterstellung, dass Nemo sich nur als nichtbinär identifiziert, um in einem diversen Wettbewerb besser Chancen zu bekommen, nicht nur sehr respektlos gegenüber Menschen, die mit ihrer Geschlechtsidentität zu kämpfen haben und Diskriminierung erleben, sondern sie ist auch faktisch einfach falsch. Herr Martenstein hat leider nicht den einfachen Unterschied zwischen Sexualität und Geschlecht verstanden. Eine nichtbinäre Person kann genauso mit einer Frau zusammen sein, wie es ein Mann oder eine andere Frau kann. Anscheinend hat er hier Heterosexualität mit Cis-Geschlechtlichkeit gleichgesetzt. Ich finde es sehr schade, dass so eine faktisch falsche Tatsache, denn es handelt sich hier nicht um Martensteins Meinung, Sexualität und Geschlecht sind nun einfach mal zwei komplett unterschiedliche Dinge, ohne Hinweise oder Korrektur abgedruckt wird.
Sonja Laubisch

Alles ist, wie es schon immer war und auch höchstwahrscheinlich immer sein wird, eben eine reine Geschmackssache. Wer im Trend liegt, der liegt halt im Trend, der, die, das bekommt dann den Preis, denn der Preis ist (weiterhin) heiß; und der niederländische Fernsehmoderator Harry Wjinvoord (*1949) grüßt, wie das Murmeltier, aus der Ferne! „Die Politiker wissen nicht, wie sie aus der Krise herauskommen. Sie wissen noch nicht mal, wie sie hinein gekommen sind.“ (Zitat von Harry Wjinvoord) Der wahre Literat bleibt auf immer und ewig unbepreist und ganz, ganz außen vor. Voter, voten sie los; sie haben den Votebutton lange schon in der Hand; bitte voten sie einfach drauf los; los geht´s!
Klaus P. Jaworek

Ich bin eine nichtbinäre Person und aus eigener Erfahrung im Alltag weiß ich, dass nichtbinäre Personen eben nicht zu „tadellos diverser Lebensweise“ ermutigt werden und „so nonbinär wie möglich[…]“ (Abs.4 Z.2ff.) sein dürfen, um bevorzugt werden. Aktuell mag es sein, dass bei (Literatur-)Preisen zahlreiche nichtbinäre oder queere Personen ausgezeichnet werden, dies ist hinsichtlich der noch immer immensen Diskriminierungen dieser Personengruppen in Politik und Beruf sowie im alltäglichen Leben jedoch bitter nötig. Desgleichen ist es keine Wahl, nichtbinär zu sein, queer zu sein, es ist keine Wahl, der man sich bedient, um bevorzugt behandelt zu werden oder einen Preis zu gewinnen. Als nichtbinäre Person wünsche ich mir nicht selten, nicht „einfach binär zu sein“, um mir viele Probleme, Herabwürdigungen und Missverständnisse zu ersparen. Zudem ist es äußerst anmaßend, als weiße Person diese Annahme über farbige Personen zu treffen. Ich kann mir das Ausmaß an Diskriminierung nicht vorstellen, das schwarze Personen, v.a. schwarze Frauen erfahren, und dies als Pluspunkt oder gar als Hauptgewinn zu betiteln, „Womöglich entdeckt Nemo nächstes Jahr, dass er eine schwarze Frau ist, und kriegt dafür sogar ganz ohne Roman den Internationalen Literaturpreis.“ (Abs.5 Z.8-10), ist extrem anmaßend. Zudem wird Nemo hier bewusst missgendert. Wenn dieser Artikel Satire sein soll, ist es extrem misslungen, da es ein äußerst rücksichtsloser Text über angefeindete Gruppen ist, der diese Diskriminierungen desgleichen komplett außer Acht lässt, der Text gefährdet mit seiner Aussage queere, nichtbinäre und schwarze Personen mehr, als sie schon gefährdet sind. Wenn dieser Artikel ernst gemeint ist, bin ich sprachlos. Ich bin zutiefst enttäuscht und am starken Überlegen, mein Abo zu widerrufen.
Elekim Höpke

 


 

Leserbriefe zu „Was mein Leben reicher macht“, Beitrag von Helgard Kyritz-Trenk

Die als eigenes Erlebnis verkaufte Geschichte von Frau Kyritz-Trenk ist uralt, zu finden z.B. hier beinahe wortwörtlich zu finden: https://www.powerpaare.net/2015/12/08/die-geschichte-mit-dem-suppenteller/ https://www.powerpaare.net/2015/12/08/die-geschichte-mit-dem-suppenteller/. Die Geschichte ist in ähnlichen Varianten zu finden, sogar als Sketch wurde sie schon im Fernsehen aufgeführt. Oft ist der ‚fremde Mann‘ dunkelhäutig. Dadurch sollen dann unsere Ressentiments verdeutlicht werden. Dies hätte euch auffallen dürfen.
Arne Henningsen

Beim Lesen der amüsanten Geschichte von Helgard Kyritz-Trenk keimt leider der leise Verdacht auf, dass es sich hier um eine phantasievolle Anleihe bei Federica de Cesco (Spaghetti für zwei, 1986 ) handelt, die in einigen gängigen Schulbüchern zu finden war/ist. Schade, das trübt die Freude an dieser wunderbaren Rubrik!
Christine Berges

Die Beiträge aus „Was mein Leben reicher macht“ (und das schon über ein Vierteljahrhundert) lese ich nach dem Magazin meist als erstes, dafür gibt es viele Gründe. Einer davon ist der, dass hier häufig die kleinen privaten Momente zählen – im Kontrast zum Rest der Zeitung. Dass die kurzen Schilderungen echtes Erleben offenbaren, das ist auch der Reiz. Diesmal aber lese ich einen Beitrag, der eine Situation schildert (und leider auch noch ihres wesentlichen Moments beraubt), die ich bereits aus zwei sich ähnelnden Kurzgeschichten kenne: „Spaghetti für zwei“ von Federica de Cesco und „Eine schöne Beziehung“ von Henning Venske. Da war ich doch enttäuscht, dass dieses so offensichtliche Plagiat, das nun wirklich fast wörtlich das literarische Geschehen wiedergibt, in Ihrer Redaktion niemandem aufgefallen ist. Schade. Denn leider hat das nun diese Rubrik für mich entwertet. Das hier Authentisches aus dem subjektiven Erleben veröffentlicht wird, das war die Bereicherung. Der Zauber ist aufgeflogen, der Trick enthüllt. Ich würde mir von Ihnen doch eine sorgfältigere Prüfung der Beiträge vor der Veröffentlichung wünschen!
Cornelia Schmidt

Ich lese diese Kolumne – so wie viele – sehr gerne, aber diesmal stutzte ich beim ersten Eintrag. Diese Geschichte ist in dieser Form mit ziemlicher Sicherheit erfunden, also ein „Gschichtl“ wie wir in Österreich sagen. Den Überbringer dieser populärliterarischen Textsorte nennen wir „Gschichtldrucker“. Ich finde es einerseits schade, dass jemand eine erfundene Begebenheit als selbst erlebt einreicht, und andererseits erstaunlich, dass ihr euch diesen Bären bereitwillig aufbinden ließet. Es erscheint mir unwahrscheinlich, dass das niemandem in der „Zeit“-Redaktion aufgefallen sein sollte. Diese Story kursiert schon seit geraumer Zeit in diversen Varianten vor allem im englischsprachigen Internet, in den Sozialen Medien, auf YouTube, Twitter et cetera … Ich habe sie schon zig Mal gelesen, gehört, zu Sketchen verarbeitet gesehen. Man könnte die Story im weitesten Sinne auch in die Gattung Urban Legends einreihen. Es mag durchaus sein, dass es irgendwann einmal ein Ur-Erlebnis dazu gab, vielleicht sogar in ähnlicher Form mehrfach an verschiedenen Orten der Welt, das will ich gar nicht ausschließen – aber was die Authentizität der Suppen-Story aus Hofheim am Taunus betrifft, bin ich sehr skeptisch. Diese stammt unschwer erkennbar von einer Anekdoten-Trittbrettfahrerin.
Christina Dany

Ich habe den Eindruck, dass Sie in der aktuellen Ausgabe der ‚Zeit‘ in der Rubrik „Was mein Leben reicher macht“ einem Fake aufgesessen sind. Denn die Geschichte vom angeblichen ‚Mit-Esser‘, die Helgard Kyritz-Trenk als eigenes Erlebnis schildert, scheint mir die Zusammenfassung einer Kurzgeschichte zu sein, die Unterrichtsstoff an deutschen Schulen ist. In der Originalfassung handelt es sich bei dem zu Unrecht Beschuldigten – so meine ich mich zu erinnern – um einen Farbigen. Es geht um Diskriminierung und Vorurteile.
Michael Marcks

 


 

Leserbriefe zu „Gegen solchen Irrsinn kämpfe ich seit Jahren“. Gespräch mit Ertan Toprak geführt von Evelyn Finger

Das Ganze erinnert mich an „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch: Biedermann nimmt zwei Brandstifter auf, obwohl sie von Anfang an erkennen lassen, dass sie das Haus anzünden wollen. Die Brandstifter haben ständig Benzin-Kanister und Brennmaterial auf ihrem Stockwerk gelagert. Die Bewohner, darunter Biedermann und „intellektuelle“ Bewohner, haben nur zugesehen und verharmlost, bis irgendwann das Haus brannte. Ali Ertan Toprak ist in seiner Sichtweise nicht allein. Viele, darunter auch Muslime, vertreten seine Position. Es ist eine bittere Wahrheit, dass islamistische Gefahren ständig verharmlost werden. Der Grund: Die Rechten werden das ausnutzen! Auch das aktuelle abscheuliche Verhalten der Grünen Fraktion im Bundestag spricht dafür, dass einige immer noch diese Gefahr nicht begreifen. Es ist noch nicht zu spät. Die Bundesregierung sollte eine klare Haltung gegenüber islamischen Verbänden zeigen und das Expertengremium mit aufgeklärten Muslimen wieder aktivieren.
Esfandiar Tabari

Seit mehr als 40 Jahren habe ich die Zeit abonniert, selten habe ich mich so geärgert wie über die Fragestellungen in diesem Interview. 1. “Ist Stürzenberger mitschuldig?“ Stellen Sie diese Frage auch, wenn Wahlkämpfer von der SPD, der Grünen, der AfD angegriffen werden? Werden Sie diese Frage auch stellen, wenn Herr Toprak angegriffen wird. Oder noch deutlicher: Wenn eine Frau, die einen Minirock trug, vergewaltigt wurde? Vor Gericht gilt die Unschuldsvermutung, aber das Opfer ist mitschuldig? 2. “Warum waren mehrere Polizisten in Mannheim nicht fähig, einen einzelnen Messerstecher rechtzeitig zu überwältigen?“ Wieder unterstellen Sie eine Mitschuld der Polizei und damit auch des Opfers. Der getötete Polizist wollte einen vermeintlichen Mittäter überwältigen, ohne zu schießen. Die Tat geschah in Mannheim, wo in den letzten Jahren mehrere Menschen durch Polizeieinsätze ums Leben kamen, was in der Stadt und auch überregional stark diskutiert wurde. Der Polizist wollte einen weiteren Toten durch Polizeikugeln verhindern und wurde deshalb Opfer. .Das Opfer ist immer mitschuldig! Ich bin Herrn Toprak sehr dankbar, dass er sehr deutlich auf Ihre voreingenommenen Fragen geantwortet hat: Unser Grundgesetz, Artikel 1, gilt für alle und zum Schutz für alle.
F. Bühler

Herr Toprak hat völlig recht! Die Angst, in unserem Land als „Rechter“ angesehen zu werden, hindert viele Menschen daran, sich gegen Islamismus und religiös verbrämte Intoleranz und Gewalt auszusprechen. Das Ergebnis dieser Feigheit, besser: dieser Rückgratlosigkeit auch vieler Politiker, zeigt sich in der zunehmenden Verrohung und Gewaltorgien wie jüngst in Mannheim. Das sind keine Einzelfälle mehr! Dem muss die Gesellschaft und die Politik offensiv entgegentreten. Durch zügige Abschiebung und Wiedereinreisesperre. Auch zum Schutz der vielen eingewanderten Muslime, die mit Islamismus nichts zu tun haben wollen.
Björn Luley

Hr. Toprak kann ich vorbehaltlos zustimmen und ich betrachte mich als linksliberal. Leider ist es noch viel schlimmer als Hr. Toprak das beschreibt. Polizei und Rechtsstaat haben Angst vor Ihnen. Diese Islamisten versuchen hier lebende Flüchtlinge aus arabischen Ländern auf ihre Linie zu zwingen und genießen Rückhalt gerade auch im rechten Spektrum. Sie haben gute Anwälte und wissen das unübersichtliche, bürokratische und verkomplizierte deutsche Recht für Ihre Zwecke zu benutzen.
Dieter-Josef Walter

Ich kann Herrn Toprak nur zustimmen – er hat in vielen Bereichen nur recht. In der deutschen Asylpolitik und dem Umgang mit Asylbewerber bzw. auch den ersten “ Gastarbeitern“ vor über 50 Jahren ist das meiste falsch gelaufen. Wir sind in Deutschland m.E. viel zu tolerant und großzügig gewesen und sind es immer noch. M.E. sind klarere und deutlichere Vorgaben notwendig. Da haben alle etablierten Parteien bisher geschlafen und damit Vorschub geleistet für das Erstarken der extremen Parteien. Wer hier leben möchte muss sich anpassen!! Punkt! Dazu gehört in erster Linie die Sprache. Alle die sich für ein Leben in Deutschland entschieden haben, müssen verpflichtet werden die deutsche Sprache zu lernen; wer das nach einer bestimmten Zeit (z.B. 3 Jahre) immer noch nicht kann, verwirkt sein Asylrecht. Das sollte jeder Asylbewerber bei einem Antrag auf Asyl gleich mitunterschreiben!! Ohne Wenn und Aber!  Das ausländische Regierungen durch Verbände wie Ditib o.ä. Einfluss nehmen, kann nicht hingenommen werden. Ich glaube Erdogan wäre nicht sehr erfreut, wenn wir über ähnliche Organisationen in der Türkei Einfluss nehmen würden. Das in Moscheen und diversen Schulen türkisch, arabisch o.a. Sprachen gepredigt oder gelehrt werden, kann ich nicht nachvollziehen! Weiß man überhaupt was in Moscheen gepredigt wird??? Wenn dort die deutsche Lebensweise kritisiert oder verdammt wird, hat das nichts mit Religion zu tun. Diverse Recherchen legen nahe, dass hier nicht immer die Integration unterstütz wird, oder Integration wird verhindert oder zumindest stark erschwert. Damit entstehen auch die bekannten Parallelgesellschaften die wir aus vielen großen Städten kennen.
Einwanderung ist für Deutschland wichtig- ob Arbeitskräftemangel oder Sicherung der Renten- wir brauchen Zuwanderung. Dies muss aber nach unseren Vorgaben und in sehr klarer, einfacher Weise den Zuwanderern klar gemacht werden. Wir müssen Fordern und dann Fördern- nicht umgekehrt! Z.B. In dem wir den Zuwanderern auch Angebote machen, die den Arbeitskräftemangel lindern. Wer eine Berufsausbildung machen will, bekommt eine Duldung für den Zeitraum des Deutschlehrgangs (bis zu 1 Jahr), und im Anschluss für den gewählten Zeitraum der Ausbildung. Während des deutsch Lehrgangs sollte die Bewerber sich für einen Beruf entscheiden. Hierbei sollte den Bewerbern klar gemacht werden, wenn der deutsch Kurs oder die Ausbildung abgebrochen wird, erlischt die Aufenthaltsberechtigung und der Bewerber muss das Land verlassen. Das muss jeder Bewerber vorher unterschreiben und anerkennen!! Unterhaltsleistungen würden bei Abbruch sofort eingestellt! Bei den komplizierten Gesetzen in Deutschland und eventuell auch in Europa, müssten die Asylgesetze sicher angepasst werden. Wir sollten hier schnellstens anfangen!! Wenn sich die etablierten Parteien (CDU/ SPD/ FDP und Grüne) sich diesem Thema nicht stärker annehmen , werden die rechten Parteien immer mehr Zulauf haben. Einfache Parolen wie sie diese Parteien (Deutschland den Deutschen und ähnlicher Schwachsinn) verfangen leider bei vielen Menschen. Diese Menschen merken leider nicht, was sie damit langfristig für die Demokratie anrichten.
Gerhard Kollmann

 


 

Leserbriefe zu „Die Aktivistin“ von Anna-Lena Scholz

Als ehemaliger Hochschullehrer und langjähriger Dekan der TU Berlin bin ich schockiert nicht nur über die antisemitischen Likes der TU-Präsidentin, sondern auch über ihr Amtsverständnis. Als Präsidentin einer Universität kann sie bei politischen Stellungnahmen (oder der Zustimmung zu solchen) nicht zwischen ‚privat‘ und ‚im Amt’ unterscheiden – sie ist immer und in jedem Fall die Uni-Präsidentin. Daher ist ihre ‚Entschuldigung‘, sie habe doch privat nur ihr Mitleid mit der Bevölkerung von Gaza kundtun wollen (und die antisemitischen Beigaben dieser Postings nicht gesehen oder ignoriert), so unangemessen. Objektiv gesehen, okkupiert sie das Ansehen der TU für ihre ‚privaten‘ Positionen. Und sie stürzt die TU Berlin damit in inneruniversitäre Konflikte, anstatt eine integrative Präsidentin zu sein. Um die Würde und das Ansehen der TU wieder herzustellen, ist nur ihr eigener Rücktritt ein Ausweg.
Ulf Preuss-Lausitz

Das Verhalten von Geraldine Rauch fügt nicht nur der TU Berlin, sondern der gesamten Berliner Universitätslandschaft immensen Schaden zu. Das Liken eines antisemitischen Posts zeigt, dass ihr die Rolle einer Social-Media-Aktivistin mit der damit verbundenen Aufmerksamkeit für ihre Person wichtiger ist als ihr Amt als Präsidentin einer Universität und die Wahrung wissenschaftlicher Standards in Handeln und Sprache. Damit begibt sie sich auf TikTok- Niveau oder wie es im Artikel so treffend heißt „sie macht huschi huschi“.
Anette Theimer

Man muss dem Versuch von Zentralratspräsident Josef Schuster, der meint, im Verbund mit entsprechenden Hetzkampagnen der Springerpresse gegen alle nicht hundertprozentig auf Israel-Linie stehende Personen in öffentlichen Ämtern ungefragt losgehen und diese durch unberechtigte Antisemitismusvorwürfe diskreditieren zu können, entschieden Einhalt gebieten! Die Art und Weise, wie die Israel-Lobby versucht hat, die integre TU-Präsidentin Geraldine Rauch fertig zu machen und zum Rücktritt zu zwingen, war beispiellos. Ich finde es gut, dass Frau Rauch Rückgrat und Mut bewiesen hat, diesem unverschämten Druck gegenüber standhaft und im Amt geblieben ist. Ihr gebührt unser aller Hochachtung!
Björn Luley

Schon die Sumerer (Keilschrift) und die Ägypter (Hieroglyphen) wussten ab ca. 3.200 v. C., dass sie nicht nur mit einem Piktogramm-/Schriftzeichen auskommen, um konstruktiv zu kommunizieren. Trotzdem haben in unserer Gegenwart X(Twitter) und Co. die Ein-Zeichen-Sprache (Likes) eingeführt – nicht in „sozialen“, sondern in betriebswirtschaftlichen Netzwerken. Peer Steinbrück hat es als Kanzlerkandidat mit dem Stinkefinger im SZ-Magazin Sept. 2013 vergeblich versucht. Nun hat es eine Uni-Präsidentin (und Prof. Dr. in den stringent rationalen Fächern Mathe und Bio) auf X erneut versucht – und das beim komplexen und politisch brisanten Thema Nahost-Konflikt. Obwohl sie wissen müsste, dass das zwangsweise nur missverständlich, also schief gehen kann. Danach räumte sie einen Fehler ein. Es war aber keiner – es war eine unverzeihliche Dummheit! Eine Frau ihrer Bildung müsste sich eigentlich an Boethius (ca. 480 – 524) erinnern: „Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben“. Bedeutet zeitlos gültig: erst denken, dann in die Tasten klimpern! Was bleibt ihr noch außer Rücktritt?
Günter Rossmann

 


 

Leserbriefe zu „Falsch geplant“ von Christian Endt und Max Hägler

Es mag ja zutreffen, dass viele Straßen und besonders Autobahnen falsch geplant und eigentlich nutzlos, teuer und umweltschädlich sind, aber unstrittig sollte sein, dass die A39 nicht “ die Lüneburger Heide Richtung Hannover durchschneiden soll“, was leider auch die Fotomontage unterstreiche, soll. Bei einem angeblichen Sachbericht sollte die Recherche schon genau sein: Die A 39 verläuft östlich der Lüneburger Heide und soll Hamburg über Lüneburg und Uelzen mit Wolfsburg und Braunschweig verbinden. Die Lüneburger Heide wird schon seit etwa 1960 von der A 7 zwischen Hamburg und Hannover durchschnitten.
Artur Behr

Zweifellos müssen bestimmte Autobahnen wegen des gestiegenen Verkehrsaufkommens ausgebaut werden. Daran ändern auch E-Autos nichts. Wie man es aber nicht machen sollte, zeigt der Bau der A44 von Kassel nach Eisenach. Der Bau wurde nach der Wiedervereinigung beschlossen und ist bis heute nicht fertiggestellt. Er wird zur teuersten Autobahn Deutschlands auf Grund politischer Vorgaben, die geradezu absurd sind. Bevor man neue Autobahnen baut, sollte man dieses monströse Machwerk gründlich studieren,
Hans Spichalsky

Ich beziehe mich im zweiten Absatz auf den Artikel „Falsch geplant – Der Bund will 6000 Kilometer neue Fernstraßen bauen. Die Kosten sind aber viel höher als gedacht. Und nun?“ von Christian Endt und Max Hägler in der Ausgabe No. 25 vom 06.06.2024. „Ich frage mich ehrlich, wie der Bund auf die Idee kommt, 6000 neue Kilometer Fernstraßen zu planen, wo es im Land doch genug Beispiele von maroder Infrastruktur gibt und nicht einmal Geld für die Instandsetzung vorhanden ist. Für mein Verständnis sollte der Bund erstmal in die Instandhaltung vorhandener Infrastruktur – inkl. Infrastruktur der Bahn – investieren, damit das Bestehende erst einmal in Schuss ist und vernünftig genutzt werden kann. Alles andere empfinde ich als Verschwendung von Steuergeldern.“
Martin Witt

Angesichts der aufgeführten 269,6 Mrd. €, die im Bundesverkehrswegeplan für den Aus- und Neubau von Fernstraßen vorgesehen sind und des Anteils an Maßnahmen, deren Nutzen fragwürdig ist, ist es umso erstaunlicher, dass sich die offenen 15 bis 20 Mrd. Euro für die Generalsanierung des Schienennetzes bis 2030 nicht im Haushalt des BMDV finden lassen.
Jakub Zurawek

 


 

Leserbriefe zu „Kommentar: Fürchtet die Wähler nicht“ von Uwe Jean Heuser

Die “ Angst der Klimapolitiker“ ist nicht aus der Luft gegriffen, weil der Wähler die Halbwahrheiten durchschaut hat, zuletzt noch das fragwürdige Atomaus. Ideologiegetriebene Politik hat eben nur eine kurze Halbwertszeit. Der simpelste Befund: selbst wenn Deutschland alle Ziele erreichen würde, wäre für das Weltklima nichts gewonnen. Deswegen ist die Verbannung allen Fossilen sinnfrei, solange in Asien jede Woche ein Kohlekraftwerk ans Netz geht. Und die angebliche Vorreiterrolle ist längst zu einem abschreckenden Beispiel geworden. Klimapolitik ja, aber nicht mit der Brechstange, so Vox populi.
Christoph Schönberger

Noch eine merkwürdig oberflächliche Ansammlung von Beiträgen zu ENERGIEWENDE und Klima-Politik! Ich vermisse seit über 3 ½ Jahren, dass FFF „ihren eigentlichen Job macht“: Im Oktober 2020 erschien das FFF-Gutachten des „grünen“ Wuppertal-Instituts zur Klimaneutralität Deutschlands. Da auf Seite 15 des Textes bspw. eine Größenordnung des künftigen Wasserstoff-Bedarfs von rund 20 Millionen Tonnen jährlich (gespeichertes H2) genannt ist, hätte angesichts dieser riesigen Dimension eine wichtige Erörterung der Fragen „WIE können wir dazu kommen?“, beginnen müssen. FFF bevorzugte stattdessen „TTT“: Tricksen, tarnen, täuschen und vernebeln! Frau Richter hat leider völlig Recht mit dem Hinweis, „die Menschen nicht zu lange im Dunkeln zu lassen!“ Der nächste Winter mit 2 – 5-tägigen Dunkelflauten kommt bestimmt! In den letzten beiden Wintern von Ende NOV bis Mitte FEBR gab es zweimal 72, auch 120 oder 84 Stunden mit Windkraft-Verfügbarkeit unter 7 %. Es bestehen somit gute Aussichten, dass wir bald alle im „Dunkeln“ sitzen dürfen. Dummerweise fallen dann auch Telefone, Fahrstühle, E-Herde etc. aus!
Wolfgang Ströbele

Sie fordern Mut zur Vision eines grünen und dadurch wohlhabenden Landes. Die Mehrzahl der Menschen haben ein gesundes Misstrauen gegenüber politischen Visionen – auch diejenigen, die Helmut Schmidt („Wer Visionen hat, …“) nicht im Ohr haben. Unter dem Deckmantel von Visionen wurden die großen Menschheitsverbrechen begangen. Hier seien aus der jüngeren Geschichte die egalitäre Gesellschaft oder das ethnisch reine Volk genannt. Insofern ist Angst der Visionäre vor dem Volk ein wichtiger Schutz vor der Erosion der Demokratie.
Ralf Gärtner

 


 

Leserbriefe zu „Mein Wind, dein Wind“ von Ricarda Richter

Die Rettung des Klimas und die Energiewende verlangt uns einiges ab. Dabei sollten wir auf wissenschaftlichen Fortschritt und deutsche Ingenieurskunst setzen. Es ist uns gelungen für viel Geld die Überlandleitungen unter die Erde zu verlegen. Niemand in der Welt würde es überraschen, wenn uns Deutschen das Gleiche nicht auch mit den Windrädern gelänge. Besonders die Wartungskosten würden sich erheblich verringern. Getier und Mensch hätte weniger Aua.
Fred Klemm

Im Artikel „Mein Wind, dein Wind“ in der Rubrik „Green“ in Ausgabe 25 schreiben Sie, dass 80 % derer mit einer Windkraftanlage vor der Tür mit Windkraftanlagen einverstanden sind – dazu zähle auch ich, denn im Westen, Ost und Norden meines Wohnortes gibt es Windräder, nur im Süden keine (weil dort der Tagebau Hambach ist) und das in Ordnung. Aber zu der anderen Zahl, den 68 %, die bisher nicht betroffen sind und keine oder wenig Bedenken haben, stellt sich mir die Frage wie diese sich denn verteilen. Wenn ich es richtig sehe, wohnen etwa 50 % in Deutschland in Städten (mit 100.000 oder mehr Einwohnern) und 50 % auf dem Lande – wie ich. Wenn ich bei der Umfrage der bisher Nicht-Betroffenen jetzt z.B. die Kölner Windkraftbegeisterten frage, ob sie für Windkraftanlagen sind, dann sind dort Hunderttausende dafür, aber dennoch hat Köln keine einzige Windkraftanlage! Wenn man also mal die Einwohner aller Orte und Stadtteile weglässt, die ohnehin keine potentiellen Windkraftanlagenstandorte ausgewiesen haben, wie viele von den 68 % bleiben dann noch übrig? Die Akzeptanz bei den tatsächlich potenziell Betroffenen neuer Anlagen ist doch die relevante Information, die Sie aber leider schuldig bleiben!
Volker Thomaszik

Ihren Bericht kann ich an vielen Stellen unterstützen bzw. bestätigen. Das schon seit Jahrzehnten erfolgreiche „Steinfurter Modell“ hat leider nur wenig Anhänger, fast gar keine in den neuen Bundesländern. Der Hauptgrund hierfür war bzw. ist, dass die meisten Bürgermeister bzw. Stadträte das Thema Windkraft freiwillig nicht „anfassen“ wollten, aus Angst vor ihren Bürgern. Kooperationswillige Grundeigentümer und Projektierer wurden fast regelmäßig abgewiesen, so dass diesen häufig nur der WEA-Anlagenbau mittels der Verwaltungsgerichte gelang. Nun, wo vor allem der Bund, aber auch die Länder entsprechende Gesetze beschlossen haben, müssen die Gemeinden tätig werden. Die 0,2 Cent/kwh sind hier natürlich hilfreich. Nochmals Thüringen: Als ostwestfälischer Bauer bin ich seit 1991 dort als Landwirt im Kyffhäuserkreis tätig und habe zwei WEA-Standorte verpachtet. Der Gemeinde bzw. den Vereinen zahle ich freiwillig seit dem Betrieb der Anlagen (2016) 11,69 % von meiner jährlichen Vergütung. Unsere Gemeinde, die Stadt an der Schmücke, erhält so vom Betreiber und mir Jährlich freiwillig 10.000 € pro WEA. Da eine weitere WEA freiwillig einzahlt, stehen den Vereinen der Stadt jährlich 30.000 € zur Verfügung. Solche positiven Beispiele finden leider nur selten Erwähnung in der Presse.
Hubertus Fehring

 


 

Leserbriefe zu „Wie extrem ist dieses Hochwasser?“ von Stefan Schmitt

Die Unwetter sind die natürliche Antwort auf die Erderwärmung. Die Meere geben vermehrt Feuchtigkeit ab und so kommt es zum Starkregen. Wir haben (als Beispiel) unerhört Straßenkehr-Maschinen und Laubbläser im Einsatz und hätten aber mehr als genug Arbeitslose und Besen.
Roland Besendorfer

Das Wetter ist immer am Ende unberechenbar. Die Wettervorhersagen sind durch genaue und Jahrelange verbesserte Messtechniken sind als Frühwarnsystem ziemlich sicher. Doch Wasser ist ein flüssiges Element, das Platz braucht, um Erdboden zu versickern. Extreme Ereignisse genau vorherzusagen, also mit Ort, Zeit, Mengenangaben und Auswirkungen sind auch mit KI auch in Zukunft nicht möglich. Erfahrungen aus der Vergangenheit mit extrem Wetter- Ereignissen daraus kann man nur lernen es in Zukunft viel besser zu machen. Man muss es nur tun-doch das überfordert die Gemeinden finanziell.
Thomas Bartsch Hauschild

Nun sind einige, die von uns gewählten Gummi-Stiefel-Politiker wieder einmal in den Hochwassergebieten unterwegs. Ich sehe da eine große Betroffenheit (bloß nicht lächeln) in deren Gesichtern und höre erneut diese Versprechungen, dass unbürokratische Hilfe meist in Form von Gelder anrollen soll. Denke ich nun an das Ahrtal, dann kommen mir da doch einige Bedenken. Wer so ganz nahe am Wasser baut, der muss mit Überschwemmungen rechnen, das ist so und das wird auch weiterhin so sein; die Städte Regensburg oder Passau bei uns in Bayern sind immer wieder davon betroffen. Natürlich ist das alles furchtbar schlimm und äußerst tragisch, aber mit dem Klimawandel hat das für mich rein gar nichts zu tun.
Klaus P. Jaworek

 


 

Leserbriefe zu „Deutschland, ein Weltraummärchen“ von Volker Weidermann

Im veröffentlichten Artikel nimmt weder der Autor noch der zitierte Peter Schilling Bezug auf David Bowie, obwohl die Inspiration zur Sprache kommt. Für mich einfach unglaublich. Das Geburtsjahr von Herrn Weidemann spricht nicht für eine eventuelle Unkenntnis. Sollte Herr Schilling tatsächlich unter Verdrängungssymptomen leiden? Dann wäre es wiederum ein Skandal, dass Herr Weidemann das nicht aufgreift. Auch ich mag die Version von Peter Schilling und hoffe es zukünftig bei Fußballtoren oft mitsingen zu können. Doch nach dem Lesen des Artikels werden mich die Fragen wohl eine Weile dabei begleiten und es bleibt ein fader Nachgeschmack.
Michael Herzau

Peter Schilling und seinen Major Tom zu lobpreisen, ohne mit einer einzigen Silbe David Bowie und Space Oddity zu erwähnen ist journalistisch miserabel und die Inspiration zu diesem Lied einzig Kubricks Film zuzuschreiben rechtlich zumindest fragwürdig. Schillings Liedtext ist quasi eine 1zu1-Kopie des grandiosen David Bowie Songs aus 1969. Ein wahrlich beschämender Artikel.
J. Schulte-Hoffmann

mal wieder eine schlaumeierische anmerkung: ich wundere mich, daß in dem – sonst recht schönen – artikel david bowie und „space oddity“ (1969) mit keinem wort vorkommen – denn ganz offensichtlich ist „major tom“ nicht „nur“ von kubrick angeregt worden…
anja molendijk

 


 

Leserbriefe zu „Auch das noch: Zum Arzt gehen die Falschen“ von Ulrich Bahnsen

Ich bin seit 25 J. Hausarzt & kann Ihnen versichern, dass im Check-up 35 bei Gesunden nichts weiter enthalten ist als die Erhebung der Blutwerte bzgl. Zucker und der Fettwerte, die Untersuchung des Urins, eine körperliche Untersuchung. Die Erhebung der Anamnese, der Lebensgewohnheiten sowie des Impfausweises ist empfehlenswert, aber nicht verpflichtender Inhalt laut Legende zur abzurechnenden Ziffer. Die Ultraschalluntersuchung der Aorta ist lediglich als Vorsorge für Männer > 64LJ Kassenleistung. Durch Ihre Falschdarstellung müssen wir Hausärzte immer mehr gegen die falsche Erwartungshaltung der Patienten ankämpfen und uns anhören, dass wir uns mit dem Angebot von Selbstzahlerleistungen bereichern wollen. Das hilft niemandem! Eine bessere Recherche wäre erforderlich, zumal in einer anspruchsvollen Zeitung wie der Ihren.
S. Goldkuhle

Ein sehr interessanter Artikel, der über die empfohlenen und wichtigen Gesundheitschecks bei Hausarzt informiert. Schön wäre es, wenn wir Hausärzte unsere Patienten so untersuchen dürften, wie von Ihnen beschrieben. Verbindliche Vorgaben zur Gesundheitsuntersuchung (dem sogenannten Check-up) gibt der Gemeinsame Bundesausschuss. Diese Vorgaben sind für uns Ärzte bindend.
– Es stimmt, dass „Menschen im Alter zwischen 18 und 34 einen Anspruch auf eine Check-up- Untersuchung haben“, aber: keine Laboruntersuchung oder technischen Untersuchungen (z.B. EKG oder Ultraschall etc.). Eine Laboruntersuchung (Glucose, Cholesterin) bei 18-34-Jährigen ist nur bei entsprechendem Risikoprofil möglich
– Ab 35 Jahren gibt es zwar eine Laboruntersuchung, diese beinhaltet aber nur das Lipidprofil (z.B. Cholesterin) und Glucose (Blutzucker). Im Rahmen des Checks besteht nur einmal im Leben ab dem 35. Lebensjahr ein Anspruch auf eine Laboruntersuchung auf Hepatitis-B und Hepatitis C. Es sind keine weiteren Laboruntersuchungen im Rahmen des Gesundheitschecks nach Vorgaben des G-BA möglich.
– Die Nierenfunktion wird nicht über eine Laboruntersuchung geprüft (auf keinen Fall durch eine Ultraschalluntersuchung), sondern lediglich durch eine Urin-Untersuchung. Hierbei wird lediglich auf Glucose, Eiweiße, rote und weiße Blutkörperchen und Nitrit im Urin getestet.
– Eine Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung eines Bauchaortenaneurysmas (Erweiterung der Bauchschlagader) darf bei Frauen im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung gar nicht durchgeführt werden, bei Männern erst ab 65. Jahren und nur einmal im Leben.
Ich führe in meiner Arztpraxis tagtäglich entsprechende Gesundheit-Checks durch und habe permanent Diskussionen, weil Patienten/Patientinnen mit den vorgegebenen Richtlinien nicht einverstanden sind (meine gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten, sie war schon immer problemlos, ich möchte ein großes Blutbild und EKG, ich möchte ein Ultraschall etc.). Das ist leider nicht möglich, die gesetzlichen Vorgaben sind eindeutig. Ich muss meinen Patienten/Patientinnen daher immer wieder darauf hinweisen, dass eben keine technischen Untersuchungen (EKG, Lungenfunktion, Ultraschall etc.) durchgeführt werden dürfen und insbesondere auch keine umfassenden Laboruntersuchungen. Das ist außerordentlich bedauerlich, die Vorgaben sind jedoch eindeutig. Umfassende Informationen über die Vorgaben der Gesundheitsuntersuchung finden Sie beim Gemeinsamen Bundesausschuss (www.g-ba.de) und beim Bundesministerium für Gesundheit.
Matthias Frank

Leider sind die Informationen über den Gesundheits-Check Up ab 35 in Ihrem Artikel “ Zum Arzt gehen die Falschen“ aus der Zeit Nr. 25 nicht korrekt. Ich bin angestellte Fachärztin für Innere Medizin in einer Allgemeinmedizinpraxis und führe in meiner täglichen Arbeit solche Check-ups durch. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt alle drei Jahre eine Gesundheitsvorsorge ab dem 35.Lebensjahr. Hierzu gehört eine Blutentnahme (Blutzucker und Blutfette, nicht aber Nieren und Leberwerte wie Sie es in Ihrem Artikel schreiben), eine körperliche Untersuchung, Anamnese und Überprüfung des Impfpasses. Der BMI und Blutdruck wird gemessen und der Urin untersucht. Die Ultraschalluntersuchung, um ein Bauchaortenaneurysma auszuschließen, wird lediglich für Männer ab dem 65.Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt und zwar einmalig. Wir führen jeden Tag Ultraschalluntersuchungen zu unterschiedlichsten Fragestellungen (Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, Flankenschmerzen etc.) in der Praxis durch und bekommen diese auch bezahlt, aber nicht im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen. Auch bestimmen wir bei allen Patienten, die ein Check Up bekommen, Nieren und Leberwerte mit, dies ist aber ein Service unserer Praxis und nicht Teil des Vorsorgeprogramms. Wer Ihren Artikel liest, denkt, dass jede(r) alle drei Jahre im Check Up einen Ultraschall zum Ausschluss eines Aortenaneurysmas bekommt- das ist nicht korrekt! Dies ist leider nur einmalig und nur für Männer ab 65 im Screening vorgesehen. Ein Gespräch mit einer Allgemeinmedizinerin hätte gereicht, diese Informationen korrekt darzustellen. Schade, dass Sie das nicht besser recherchiert haben!
Martina Tiemann

 


 

Leserbriefe zu „Die schroffe, fast schrille Reaktion hat mich dann doch erstaunt“. Gespräch mit Claudia Roth geführt von Peter Neumann und Christian Staas

Claudia Roth erweitert die Erinnerungskultur um Sujets, die von der zutiefst grünen Mission durchdrungen sind, alles Inhumane zu entlarven und an den Pranger zu stellen. Herausgekommen ist eine masochistisch anmutende Melange, die Migration und Kolonialvergangenheit undifferenziert neben die Shoa stellt. Irritierend schon der Anklageton, als ob die Migration mit der selbstlosen Aufnahme von Millionen nicht zuerst eine eindrucksvolle humanitäre Geste und Erfolgsstory ist. Und ob die koloniale Vergangenheit nur Negatives wie in Namibia hervorgebracht hat, ist auch fraglich. Die großen Kolonialmächte hätten jedenfalls ungleich mehr Veranlassung, ihre teils grausame Geschichte aufzuarbeiten. Man denke nur an die 10 Mio. Opfer in belgisch Kongo. Da muss die erst spät ins Rampenlicht getretene Nation mit ihren überschaubaren Eroberungen nicht unbedingt den Taktstock schwingen. Aber Claudia Roth war schon immer überfordert.
Christoph Schönberger

Den Kolonialismus in die deutsche Erinnerungskultur zu integrieren, wird die Inhalte selbstverständlich relativieren. Man muss sich nur klar machen, dass die Vertreter des Postkolonialismus dem Zionismus und Israel Kolonialismus und Täterstatus zuschreiben. Und man kann davon ausgehen, dass in Zukunft noch weitere Inhalte der Deutschen Erinnerungskultur beigefügt werden. So kann man mit dem Anspruch, besonders sorgfältig und hingebungsvoll Verantwortung zu übernehmen, den Holocaust als ein Thema unter vielen abbilden, die Lasten neu verteilen und dadurch abmildern. Dies geschieht in einer Zeit, wo klar wird, dass der globale Antisemitismus zu alter, unverhohlener Stärke zurückfindet und selbst Israel als sicheres Refugium für jüdisches Leben erschüttert. Der Schock des Holocaust schwindet vor unseren Augen und die Welt zeigt das alte Gesicht. Kein Jude ist mehr sicher. Und die Strategien, sich von den Lasten der Vergangenheit zu befreien und vom Schutz jüdischen Lebens still und leise zu verabschieden, werden immer geschmeidiger.
Fred Klemm

Es geht also um eine „Diskussion der Erinnerungskultur“ vor dem Hintergrund von „Demokratiefeinden“. Trotz jahrzehntelanger Erinnerungsarbeit gibt es Holocaustleugner etc. Also müsste man sich doch fragen, ob der bisher gepflegte Ansatz nicht, zumindest in Teilen, inadäquat ist. Aber nein, es geht wieder um „Wissensvermittlung“ anstatt emotionalem Lernen. Was liegt dem zugrunde? Unbelehrbarkeit? Das Konzept solle von „Wissenschaftlerinnen, Historikern und der Zivilgesellschaft“ entwickelt werden. Wer bitte ist „Zivilgesellschaft“? Kann es sein, dass die genannten Berufsgruppen das Problem nicht erfassen? Roth verneint, dass der Staat bestimmen solle. Hatte sie nicht nach dem Documenta-Skandal nach mehr staatlichem Einfluss verlangt? Hmm.
Gerd-Rüdiger Erdmann

 


 

Leserbriefe zu „Sie verstehen mich falsch, ich spreche von Trumps Genialität“ Gespräch mit Michael Wolff geführt von Kerstin Kohlenberg

Wieso glauben wir, es sei hier seriöser? Maischberger und andere leben uns das Gleiche vor, ihre Einschaltquoten mit ständigen Besuchen von Trump gleichen Gestalten wie Wagenknecht zu stärken und damit randpolitische Potentiale gesellschaftsfähig werden zu lassen.
Jürgen Dressler

Genialität ohne Moral kann tödlich sein: Auch Hitler war in dieser Weise genial: wie er ein Volk von Millionen „eigentlich“ anständiger, überwiegend christlich sozialisierter Menschen dazu gebracht, Beihilfe zum Tod von Tausenden ihrer absolut unschuldigen Mitmenschen zu leisten, war doch genial! Nur mit der Verbreitung von üblen Gerüchten von staatlicher Seite, also offiziell von den Lenkern und „Führern“ des eigenen Staates, mit dem Druck zum Gruppenzwang unter Drohung von Ausschluss aus der einzig Sicherheit versprechenden „Volksgemeinschaft“ usw. war doch genial! Ein derart monströses Verbrechen, das ein Volk über Jahrzehnte – mindestens! – weltweit diskreditiert hat, das darüber hinaus dazu geführt hat, dass auch das eigene Volk zu Tausenden getötet und das eigene Land vollkommen zerstört wurde. Genial! Möge solche „Genialität“ bitte ihrerseits nun zutiefst und für ewig diskreditiert sein! Keinen Ruhm mehr für dieser Art von genialen Menschen!
Viktoria Pollmann

 


 

Leserbrief zu „Uraufführung: Eine Einladung zur Orgie“ von Peter Kümmel

Seit vielen Jahren bin ich Abonnent der ZEIT, immer fasziniert und bestätigt von der Qualität der Beiträge und Kritiken, bis heute, als ich Ihre Kritik von „Sancta“ in Schwerin las. Sicher haben wir uns gesehen, denn während Sie im Publikum saßen, spielte ich im Orchester, was meine „unabhängige“ Meinung natürlich deutlich beeinflusst. Und während Sie das Stück nur einmal gesehen haben, war ich an allen Proben und allen Aufführungen beteiligt, werde dies auch in Wien sein, usw. Sie verstehen sicher das Dilemma, dass ich einerseits vom überwältigenden Erfolg dieser Produktion profitiere, weil ich Teil der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin bin, andererseits aber große Fragen habe, die sicher nicht ins Konzept der Intendanz unseres Hauses passen. Aber da selbst DIE ZEIT, in Ihrer Person, von diesem Projekt nicht nur überzeugt, sondern sogar begeistert ist, nehme ich mir die Freiheit, Ihnen meine Fragen zu stellen. Man muss sagen, dass ich von der Reaktion des Publikums in den Vorstellungen und der Presse im Nachgang völlig entsetzt und erschüttert bin. Die Paul-Hindemith-Oper möchte ich hier übergehen, es ist tolle Musik, und ich denke, wir haben sie adäquat und gut gespielt. Was danach allerdings musikalisch passiert ist nicht nur zweifelhaft, sondern zumindest für mich und einen großen Teil meiner Kolleg*innen eine Vergewaltigung aus Lärm und Schrott.
Haben Sie wirklich nicht wahrgenommen, was da an Qualität der „neu komponierten“ Musik übrig bleibt, wenn die elektronischen Bässe und Schlagzeugeffekte wegblieben? Es ist so laut, dass man tatsächlich nicht mehr hören kann, auf welchem musikalischen Niveau das stattfindet. Haben Sie wirklich nicht wahrgenommen, was mit dem Kyrie aus der h-Moll-Messe von Sebastian Bach passiert ist, oder mit der Cecilienmesse von Charles Gounod, oder mit dem 7. Teil der Vespermesse op.37 von Sergej Rachmaninoff, im Text von Anna Leon im „Programmheft“ steht lediglich, aber symptomatisch: „liturgische Hits der Kirchenmusik von Bach, Gounod und Rachmaninow, die hier für Frauen*stimmen neu arrangiert wurden.“ Da werden noch nicht einmal die Vornamen der Komponisten genannt, während die Schöpfer der Kunst, wie Sie schrieben, „Rockkonzert und Zirkus, Variete und Musical, Freak-Show und Jahrmarkt“, voll ausgeschrieben sind. Der Name Cole Porters erscheint nur ganz am Schluss unter der Rubrik „Aufführungsrechte“. Die „Bearbeitung“ von 4-stimmigen Chorwerken, und ich rede gar nicht davon, wie wichtig das tiefe Bass-Es bei der Rachmaninoff-Messe ist, für Frauenchor ist zumindest zweifelhaft, aber Sie haben es doch gehört? Die Dirigentin sprach bei dem Kyrie-Satz von Sebastian Bach, es handelt sich wohl eher um ein Andante, als ein Largo, wie Bach geschrieben hat, und heraus kam ein fröhlicher Allegro-Satz, das haben Sie doch gehört? Haben Sie wirklich nicht wahrgenommen, was da auf der Bühne passiert, dass beispielsweise eine (nicht jüdische) Frau die üble Karikatur eines Juden mit angeklebtem Judenbart (was im Einspieler auf den Leinwänden bestens zu erleben ist) spielt, denn Jesus war ein Jude, wie Millionen von Juden, die seit seiner Zeit und vor allem im Holocaust ermordet wurden? Haben Sie wirklich die Blasphemie über-sehen, wenn eine nackte Frau das „Vater unser“ herunterleiert? Ist das etwas Anderes, als dass Jemand einen Koran verbrennt? Und so weiter, und so weiter.
Stefan Fischer

 


 

Leserbrief zu „Darf’s ein bisschen weniger sein?“ von Jurik Caspar Iser et al., Grafik: Nora Coenenberg und Annik Ehmann

Die Kurswende in der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) mit ihrer „fast einmütigen“ Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent erstmals nach fünf Jahren ist in der Tat „kein Grund zur Beruhigung“, sondern kommt wahrscheinlich zu früh. Denn die Autoren heben zu Recht die beiden Probleme, die nach wie vor hohen Preise und die mögliche Beschleunigung der Inflation, hervor. Die EZB ist zum ersten Mal überhaupt der US-Federal Reserve Bank (Fed) mit ihrem Zinsschritt vorangegangen, sodass die gewachsene Zinsdifferenz zugunsten der Fed den Kapitalabfluss aus dem Euroraum in die USA beschleunigt. Damit festigt sie den Kurs des US-Dollar und schwächt den Eurokurs, sodass sich die Preise der in Dollar bezahlten Importgüter verteuern. Dieser belastende Effekt der importierten Inflation ist in der bisherigen Zins-Diskussion viel zu kurz gekommen, denn die Fed wird dem Zinsschritt der EZB infolge der immer noch angespannten US-Konjunktur nicht so schnell folgen können. Der Schuss der EZB könnte also erneut nach hinten losgehen und ihren schon wegen der späten Reaktion auf die seit dem Frühjahr 2021 anhaltenden exzessiven Preissteigerungen angeschlagenen Ruf weiter schädigen, weil sie die Balance bei der Inflationsbekämpfung möglicherweise aus den Augen verloren hat. Denn sie hat zugleich mit der Verkündigung der Senkung der drei Leitzinsen (Hauptrefinanzierungssatz für die Banken, der Einlagensatz und der Spitzenfinanzierungssatz) ihre eigenen Inflationsprognosen für die Jahre 2024 und 2025 angehoben, ohne diesen Gegensatz näher zu erläutern. Die EZB geht „va banque“, denn Preisstabilität sieht anders aus!
Hans-Henning Koch

 


 

Leserbrief zu „Das Drama der Weltjustiz“ von Thomas Assheuer

man belehre mich eines Besseren, aber ich gehe jede Wette ein, dass ein paar sehr relevante Punkte, die die Legitimität des ICC in Bezug auf Israelrecht deutlich in Frage stellen, im Film nicht vorkommen: Der ICC zB hat seine Kompetenzen schon sehr weit interpretiert, indem er „Palästina“ als Mitgliedsstaat angenommen hat – und dann in einem gequälten Statement verlautbaren musste, dass er zwar Jurisdiktion in deren Gebiet habe, aber diese Jurisdiktion keinerlei Statement zu tatsächlichen Grenzen dieses „Staates“ wäre. Und so. Legitimität geht anders. Oder dass diese Jurisdiktion nicht nur rückwirkend etabliert wurde, was für sich schon nicht gerade legitimitätsfördernd ist, sondern passgenau auf ein komplett arbiträres Datum hin, so dass bestimmte offensichtliche Verbrechen der „Palästinenser“ gegen die Menschlichkeit ausgeklammert wurden, sondern erst die Reaktion der Israelis unter die angebliche Jurisdiktion fällt. Legitimität geht anders. Oder dass keiner der jeweiligen Chefankläger seit ca 10 Jahren und mehreren Angriffskriegen und zahllosen Attacken der „Palästinenser“ auf jüdische ZivilistInnen (und Missbrauch der eigenen Bevölkerung im Kriege!) irgendetwas bei den „Palästinensern“ incl Hamas verfolgungswürdig gefunden hat, und selbst nach dem Massaker vom 7.10. Monate gebraucht hat, um einen Case zusammenzustellen – nur um ihn mit dem gegen die Juden zu junktimieren. Legitimität geht anders. usw usf.
Das wird noch spannend btw, wie sich der ICC aus der politischen Zwickmühle rauswinden will, dass sie nach der populären Meinung Netanjahu bitte sofort verhaften wollen müssten – und der Fachmeinung, dass sich das niemals ausgeht, da nicht nur der Vorwurf des „Aushungerns“ sehr fadenscheinig ist – siehe Exkurs ins humanitäre Völkerrecht unten – sondern auch zusätzlich(!) nachgewiesen werden muss, dass die schon sehr starke israelische Justiz tatenlos bleiben wird. (Das ist ja auch der Qualitätsunterschied, warum westliche KriegsverbrecherInnen üblicherweise nicht verfolgt werden: Auch dort gibt es meistens eine funktionierende Justiz – und gibt es die, hat der ICC keinerlei Zuständigkeit!) Da hat der Chefankläger den ICC-RichterInnen ein ziemliches Ei gelegt – so maßlos war Netanjahu da nicht. Ich vermute, sie werden als politischen Mittelweg nur gegen Netanjahu Haftbefehl beantragen, aber nicht gegen Gallant. Legitimität geht anders, denn es geht sich auch bzgl Netanjahu nicht aus. Aber schauen wir mal. Dass im Film das absurde und präzedenzlose Massaker der „Palästinenser“ an israelischen Juden bzgl Strafwürdigkeit anscheinend recht explizit mit dem legitimen und legalen Verteidigungskrieg der Israelis gleichgesetzt zu werden scheint, scheint den Autor des Artikels auch eher nicht zu stören. Aber werfen wir doch mal einen Blick ins humanitäre Völkerrecht:So sind zB Angriffe, bei denen absehbar ZivilistInnen zu Tode kommen, mitnichten verboten! Laut „Rule 14“ des humanitären Völkergewohnheitsrechtes müssen Angriffe lediglich so geplant werden, dass die zu erwartenden zivilen Schäden gegenüber dem zu erwartenden militärischen Nutzen nicht „exzessiv“ sind. Das ist jetzt (freundlich formuliert) schwierig abzuwägen.
Jedoch: Einen Eindruck, wie so etwas einzuschätzen ist, liefert der Fall Hanan vs Germany: 2009 haben Taliban-Kämpfer zwei Tanklastzüge geraubt und, weil sie Taliban sind, recht bald im Sand festgesetzt. Ein deutscher Oberst „K“ hat daraufhin die Bombardierung der LKWs befohlen, damit die Taliban sie nicht nutzen könnten. Beim erfolgenden Angriff kamen dutzende ZivilistInnen ums Leben, was von den Militärs nicht jedoch antizipiert wurde. Angehörige haben daraufhin in Deutschland geklagt, jedoch wurde die Klage letztinstanzlich abgewiesen, da das oben erwähnte Verhältnismäßigkeitsgebot nicht verletzt wurde. Darüber hinaus hat der Generalbundesanwalt am 13.10.20210 Folgendes festgestellt, was dann auch vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte EGMR genauso abgenickt wurde: „However, even assuming for the sake of argument that Colonel K. ought to have anticipated the killing of several dozen protected civilians, this would not have been out of all proportion to the expected military advantage. Nor would it have breached the precept to use the mildest possible means.“ Wohlgemerkt: da gehts nur um zwei Tanklastzüge mit Treibstoff! Wenn es um hohe KommandantInnen geht oder Kommandozentren, sieht die Sache noch viel krasser aus. Stichwort Rafah Zeltlager. Denn die Frage, die da eigentlich gestellt gehört ist die, was Hamas-Kommandeure in zivilen Flüchtlingslagern verloren haben! Oder in Spitälern! Warum wurden die jüngst befreiten Geiseln bei „zivilen“ Familien versteckt? Ein anderer, speziell für den ICC relevanter Punkt (mit den Zerstörungen im Gazastreifen hat es Khan ja wohlweislich gar nicht erst probiert!) ist die Provision von Lebensmitteln, Medikamenten etc für Zivilbevölkerungen in Kampfgebieten. Artikel 23 der Genver Konventionen IV stellt fest, dass militärische Mächte tatsächlich solche Güter, sofern sie für Zivilbevölkerungen bestimmt sind, durchlassen müssen.
Bemerkenswert sind jedoch die Ausnahmen! Sollte nämlich lediglich „befürchtet“(!) werden müssen, dass unter anderem die gegnerischen Streitkräfte sich von den Gütern etwas abzweigen, oder dass man den Gegner logistisch bei der Aufgabe entlastet, dessen eigene Bevölkerung zu versorgen, entfällt die Pflicht, Güter durchzulassen! Und beide Kriterien werden im Gazastreifen voll erfüllt! Alles, was Israel trotzdem durchlässt, ist reinem Goodwill geschuldet! Der ICC müsste Netanjahu und Gallant jetzt dafür anklagen, etwas völlig legales getan zu haben – aber im bösen Willen. Ich weiss nicht, wie es um das Rechtsstaatsverständnis des Autors bestellt wird, aber unter zivilisierten Menschen geht sich da eine Verurteilung nicht aus.
Und das oben müssen Sie mir nicht glauben, fragen Sie einfach einE VölkerrechtlerIn Ihres Vertrauens – aber am besten eineN, die/der noch nicht durch Anti-Israel-Akrivismus aufgefallen ist. Aber auch auf der ethischen Seite ist Israel eher vorbildlich dabei: Krieg ist eine furchtbare Sache. Unter anderem deswegen, weil es aus unterschiedlichen Gründen schlicht nicht möglich ist, einen perfekt „sauberen“ Krieg zu führen. Denn es sieht eher so aus: Üblicherweise geht man in in Akademia bei bewaffneten Konflikten bzgl getöteter ZivilistInnen gegenüber KombattantInnen von einem Verhältnis von ca 4:1 aus. Die UN sagten jüngst sogar 9:1, Russland hat im ersten Tschetschenienkrieg zB 10:1 „erreicht“ (ohne dass da international viel von „Genozid“ oder so die Rede gewesen wäre btw). Israel schafft es zZ dieses Verhältnis auf ca 1:1 zu drücken, und das beweist, dass Israel sich wirklich Mühe gibt, zivile Schäden zu vermeiden – und dabei beindruckend erfolgreich ist, denn es geht ja um einen Gegner, der menschliche Schutzschilde verwendet, sich von der Zivilbevölkerung ununterscheidbar macht, geschützte Objekte wie Spitäler, Schulen und Moscheen militärisch nutzt und damit zu legitimen militärischen Zielen macht, Fahrzeuge des Roten Halbmonds militärisch nutzt usw usf. Alleine schon die Tatsache, dass Hamas et al diese verbotenen Taktiken einsetzen beweist, dass selbst die Terroristen selber davon ausgehen, dass Israel versucht die Zivilbevölkerung zu schonen! Denn gegen zB Russland würden solche Taktiken eher wenig bringen und daher gar nicht versucht werden.
Aber davon abgesehen stellt sich bzgl des israelischen 1:1 natürlich die Frage nach der Zuverlässigkeit dieser Zahlen. Nun, davon abgesehen, dass die israelischen Institutionen insgesamt sehr gut darin sind, keine Unwahrheiten zu erzählen (Gegenbeispiele nehme ich gerne entgegen), und ein gängiger Vorwurf ja lautet, Israel habe bis dato in etwa „nur“ die Hälfte der vermutet 30.000 TerroristInnen erwischt, ist folgendes Beispiel erhellend: Nach dem Hamas-Krieg gegen Israel 2014 waren sich beide Seiten relativ einig, dass es infolge der Kampfhandlungen ± 1.300 tote „PalästinenserInnen“ gab. Grobe Unterschiede gab es bei der Zahl der toten „palästinensischen“ KombattantInnen: die Hamas behauptete zunächst 49, die Israelis 709. Und das ist dann doch ein Unterschied. Ein Jahr später jedoch hat die Hamas die Zahl auf „600-700“ nach oben korrigiert – und damit die Zahl der Israelis voll bestätigt! Und diese Episode zeigt recht deutlich, wessen Zahlen glaubwürdig sind – und wessen nicht. Die Israelis geben sich also wirklich Mühe. Mehr als irgendwer sonst! Zur Erinnerung: 1982 hat die syrische Armee die Stadt Hama drei Wochen lang angegriffen. Resultat: ca. 30.000 Tote – und das bei ca. 350.000 Einwohnern. Innerhalb von 3 Wochen. SO schaut das aus, wenn jemand das tut, was den Israelis zuletzt von Spanien, aber auch gerne von den angeblich neutralen UN oder der hochmoralischen EU, unterstellt wird! Und angesichts all dessen ist die Äußerung Netanjahus auf einmal durchaus nachvollziehbar. Aber es stimmt: „Gelingt es dem Internationalen Strafgerichtshof nicht, dem Druck standzuhalten und seine Unabhängigkeit zu beweisen, wäre es der Anfang vom Ende des Völkerstrafrechts.“ Nur halt andersrum, als der Autor anscheinend glaubt.
Sebastian Zäschke

 


 

Leserbrief zu „Die Frau, die immer lacht“ von Sophie Neukam

Maya Leinenbach hat die Küche ihrer Eltern benutzt, um sich zu Deutschlands erfolgreichster veganen Influencerin zu entwickeln. Man hätte gehofft, dass sie von ihrer Mutter lernt, wie man lecker kocht. Aber nein, es muss vegan sein. Nach ihren veganen Experimenten startet sie ein Start-up Unternehmen, um den Deutschen grüne Ernährung beizubringen. Grüne Ernährung? Soll das heißen nur Gemüse? Was gibt es da zu lachen? die Besitzer von Steakhausketten und Blockhäusern und vom Hähnchengrill sehen das sicher anders. Da will die Kundschaft Fleisch. Sollen sie ihre Etablissements schließen? Und das Personal wird arbeitslos? Wer unbedingt vegan leben will, soll er das und folgt Frau Neukam. Die anderen mampfen Fleisch, denn eine gut gebratene Gans ist eine gute Gabe Gottes, so ein altes Sprichwort. Was Staat und Verwaltung zu diesen Querelen sagen. Ich nehme an, gar nichts. Hauptsache die Leute zahlen Steuern, ob vegan oder antivegan.
Hans-Emil Schuster

 


 

Leserbrief zu „Der Sinn des Lesens“ aufgezeichnet von Britta Stuff und Volker Weidermann

Das Suchbild ist einfach wunderbar (schon die Ausführung- welche graphische Technik ist das?). Ich könnte mir einen Wettbewerb um die meisten erkannten Bücher vorstellen mit Veröffentlichung in der Zeit.
Michael Woernle

 


 

Leserbrief zu „Amerikas radikalster Grenzschützer“ von Heike Buchter

Robert Lighthizer ist eine weitere Antwort auf die archaischen Aspekte Amerikas, die Biden nicht abdeckt. Das macht die infernalische Anziehungskraft von Trumps Truppe aus: Diese unkontrollierte Aggression, die viele Amerikaner hemmungslos macht und letztlich zu einer Gefahr für die Welt wird.
Alexander Gorjinia

 


 

Leserbrief zu „Francesco Giammarco entdeckt: Faltsalat“

Ich könnte etwas Schlaues zusammenreimen, aber nein. Ich sage einfach nur: Sehr, sehr gut, Herr Giammarco! Ich habe sehr gelacht, und das als Frau „Meine Frau stand auf, um nach dem Kind zu sehen. Dabei hatte es gar nicht geschrien.“ Zitat des Jahres.
Polina Dekarz

 


 

Leserbrief zu „Die Entdeckung des Luxus“ von Wolfgang Bauer

Es nervt, in Texten zur Archäologie bei Funden aus vorchristlicher und römischer Zeit in Palästina lesen zu müssen, sie seien “ in Israel“ hergestellt worden. Textautor Bauer schreibt z.B., die Entwicklung der Glasmacherpfeife habe „nach aktuellem Forschungsstand um 50 vor Christus in Israel“ stattgefunden, oder dass es damals schon große Glasöfen u.a. „in Israel“ gegeben habe. Herr Bauer möge bitte zur Kenntnis nehmen, dass der Staat Israel erst im Jahre 1948 gegründet wurde mittels brutaler Vertreibung eines Großteils der dort wohnenden Bevölkerung.
Björn Luley

 


 

Leserbrief zu „Das bleibt in der Familie“ von Urs Willmann

In dem Artikel steht, dass das Grab des Fürsten von Hochdorf bei Esslingen wäre. Es befindet sich aber in Hochdorf zwischen Ludwigsburg und Vahingen/Enz.
Hartmut Richter

 


 

Leserbrief zu „Wir finden zu wenig Beachtung“ aufgezeichnet von Béla Curtius

In der Tat, im großen Rahmen „Klimaschutz“ findet das Binnenschiff zu wenig Beachtung. Es könnte mehr Ladung dorthin verlagert werden. Dauert ein bisschen länger, kommt aber gut an. 1 Binnenschiff auf den deutschen Wasserstraßen, runter bis Basel oder im Osten bis zur Oder, im Süden über die Donau bis ins Schwarze Meer, ersetzt z.B. beim Containertransport ab Antwerpen / Rotterdam / Hamburg ca. 30 Lkw auf den langen Strecken!
Hartmut Wagener

 


 

Leserbrief zu „Nachruf: Ende einer Sehnsucht“ von Andreas Lebert

Ruth Maria Kubitschek war für mich eine wahrhafte Grand Dame, wie sie im Buche stehen könnte, falls es so ein Buch geben würde. Ich glaube, dass sie diese würdevolle Frau nicht nur in den Filmen spielte, sie war bestimmt in der Realität genauso diese Grand Dame, mit einem Hauch von Unnahbarkeit und konnte damit jedermann Respekt einflößen mit diesem bewussten Auftreten und diesen sehr guten Umgangsformen! Die Schauspielerei hatte Ruth Maria Kubitschek längst aufgegeben; 94 Jahre wollte sie werden, mit 92 ist das „Spatzl“ jetzt gestorben.
Klaus P. Jaworek

 


 

Leserbrief zu „Freundschaft gegen Cash“ von Christian Fuchs et al.

Es ist nicht neu und ich denke auch nicht schlimmer als früher und sollte nicht überbewertet werden. Menschen wollen oft wichtiger sein als sie sind, und suchen ihren Wert in Geld zu messen. Die deutschmichelige Welt war halt noch i.O. als jeder scheinheilig in der BRD über die korrupten Italiener fabulierte, weil die ständigen Skandale und Gerichtsverfahren zu Bestechung hatten. In der BRD war das bis Mitte der 99-er Jahre steuerlich korrekt als „nützliche Aufwendungen“ bilanziert. In meiner Jugend nannte man die kostenlose Variante „Scheißhausparolen“ Man nahm es zur Kenntnis, aber niemand glaubte solch einen Unfug. Man sollte diese Wichtigtuer nicht zu ernst nehmen, sie sind es nicht.
H. Giller

 


 

Leserbrief zu „Köpfe und Knöpfe“ von Elisabeth von Thadden

Im Beitrag schreiben Sie, dass Zinedine Zidane „ein Sohn muslimischer Berber aus der algerischen Kabylei“ und stolz „auf seine arabischen Wurzeln“ ist. M. E. sind Berber keine Araber, sondern die indigene Bevölkerung Nordafrikas. Die Araber kamen erst im 7. Jahrhundert mit der – militärischen – Ausbreitung des Islams nach Nordafrika.
Walter Funk

 


 

Leserbrief zu „Torten der Wahrheit: “ von Katja Berlin

Sie gehören zu den sehr wenigen Menschen, eigentlich Künstlern, die es vermögen, komplizierte Sachverhalte pointiert und humorvoll darzustellen. Großes Lob für Ihre Arbeit! Leider erreichen Sie in der ZEIT fast nur Menschen, die bereits eine gesunde demokratische Grundeinstellung haben. Die vielen anderen, die „Kurzdenker“, lesen das Blatt nicht. Ich vermute, es wäre in Ihrem Interesse, wenn sich Ihre kleinen Kunstwerke weiter verbreiten würden. Ich denke z.B. an Instagram oder andere Medien, die in großem Umfang genutzt werden. Ihre Art der politischen Aufklärung träfe dort auf ein Riesenpublikum, das sie nötig hätte. Was meinen Sie?
Horst Winkler

 


 

Leserbrief zu „Eine Stadt geht baden“ von Berit Diesselkämper

Im o. g. Artikel heißt es im Zusammenhang mit der Verschmutzung der Seine: „Außerdem dümpelt seit dem 15. Jahrhundert, …, die Asche von Jeanne d’Arc in der Seine. Sie wurde dort verstreut, um einen Reliquienkult zu verhindern.“ „Rouen, tu serait donc ma dernière demeure!“ soll Jeanne d’Arc beim Gang zum Scheiterhaufen geseufzt haben, bevor sie dann verbrannt wurde. Es kann durchaus sein, dass ihre Asche in Rouen in der Seine verstreut wurde. Es erscheint mir aber nicht nachvollziehbar, wie die in Rouen verstreute Asche Seine-aufwärts nach Paris gelangen konnte.
Walter Funk

 


 

Leserbrief zu „Süß oder salzig“ von Ulrich Ladurner

Die Europa-Wahl ist diesmal von besonderer Bedeutung da sich europaweit ein Trend zu populistischen und rechtsradikalen Parteien abzeichnet. In Frankreich z.B. führt in Umfragen Marine le Pen mit dem RN deutlich vor der Regierungspartei von Präsident Macron, die eher die gemäßigte politische Mitte vertritt. Le Pen schaut natürlich (und auch umgekehrt) in Richtung der italienischen Ministerpräsidentin Georgia Meloni, deren Partei Fratelli d´Italia ebenfalls extrem rechts und natürlich populistisch agiert. Meloni und le Pen unterscheiden sich aber ansonsten erheblich in ihrer politischen Methodik und Strategie. Le Pen agiert eher chauvinistisch und deutlich deutschfeindlich und ist deswegen nur stark eingeschränkt europapolitisch für Deutschland akzeptabel. Ob das ihr politisches Kalkül ist oder nur die beschränkte Fähigkeit komplizierte politische Prozesse zu verstehen sei erst einmal dahingestellt. Auch ihre Aussagen zur Nato und ihr Bestreben sich dort aus der Befehlsebene teilweise zurückzuziehen lässt Schlimmeres für die verteidigungspolitische Position Frankreichs für die ungewisse Zukunft erwarten. Sie möchte Frankreich gerne in Zukunft eher auf sich selbst konzentriert sehen -ohne zu bedenken, dass die Idee Europa dabei ziemlichen Schaden nehmen würde. Peinlich und gefährlich für die Zukunft Europas, und vor allen Dingen der Ukraine, ist ihr wachsweiches Verhältnis zu dem Kriegsverbrecher Putin und wie Frankreich sich in Zukunft zu dem Ukraine-Krieg positionieren will.
Ist ihr die Sicherheit und die demokratische Kultur Europas völlig egal? Ob die extreme Linke unter Melenchon oder der RN unter Le Pen, bei ihrem Verständnis für Putin können sie sich die Hände reichen. Ach ja, hier grüßen auch Sarah Wagenknecht und der AfD jenseits des Rheins. Ihr Verhältnis zur AfD hatte Le Pen neulich strikt eingeschränkt da der neonazistische Geruch dieser sehr deutschen Partei nicht in das Konzept ihres französisches Europa-Wahlkampf passte. Meloni tickt hier anders -politisch weitaus geschickter als ihre französische Schwester im Geiste, Le Pen. Es geht hier nämlich ggf. um die Verschmelzung von 2 Europa-Familien mit ähnlicher politischer Basis, ESR (Meloni) und der ID-Fraktion (Le Pen). Le Pen hatte die AfD aus der ID ausgeschlossen -was Meloni nicht so gut fand. Und hier schließt sich der Kreis mit der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Von der Leyen steht Le Pen ablehnend gegenüber, mit Meloni kann sie aber politisch gut umgehen (beruht auf Gegenseitigkeit). Was die Wiederwahl von der Leyens betrifft, falls das Wahlergebnis vom Sonntag eine deutliche Verschiebung nach extrem Rechts ergeben sollte, steht von der Leyens Wiederwahl auf des Messers Schneide. Es wird also spannend.
Klaus Reisdorf

 


 

Leserbrief zu Titelthema „Ohne öffentlichen Frieden kein Diskurs“. Gespräch mit Udo di Fabio geführt von Ricarda Lautsch und Heinrich Wefing

Haben Sie vielen Dank für diese vorzügliche „Kurzvorlesung“ zum Thema Meinungsfreiheit und öffentlicher Diskurs. Die Klarheit von Udo Di Fabios Aussagen hallt hoffentlich noch lange nach.
Thomas Au

 


 

Leserbrief zur Infografik „Hochwasserschutz“ von Matthias Schütte (Infografik) und Mats Schönauer (Recherche)

Gerade erst letzten Sonntag hat BR24 in „Aus Wissenschaft und Technik“ (bessere) Alternativen zum Sandsack vorgestellt.
Thomas Manthey

 


 

Leserbrief zu „Prüfers Töchter“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Was hatten Sie erwartet? Sonne und Mond sind grundverschieden und stehen sich oft unvereinbar gegenüber. Kein Wunder, dass Ihre älteste Tochter von der Sonne verbrannt wird, wenn sie „Luna“ heißt. – Wenigstens braucht sie dann bei Vollmond keine Mondmilch mit LSF 50…
Michael Wirriger

 


 

Leserbrief zu „Liebe Leute: Was fragt man einen Gott?“ von Claire Beermann im ZEIT Magazin

Der Prince ist tot (1958-2016), lang lebe der Prince oder so?! „Gschmarri“, wie man hier in Franken sagen würde, das „Gschmarri“ hat Prince offenbar rein ganz und gar nicht, nicht gemocht! Schweigen im Walde war dem hochwohl geborenen Prince anscheinend viel lieber, als jegliches „Gschmarri“! „Was der Popmusik fehlt, ist Gefahr.“ (Zitat von Prince Rogers Nelson)
Klaus P. Jaworek

 


 

Leserbrief zu „Ein Hundeleben“ von Alard von Kittlitz im ZEIT Magazin

Bluey ist deshalb so beliebt, weil es alltägliche Situationen zwischen Kindern und Kindern, Kindern und Eltern, Kindern und anderen Erwachsenen, sowie zwischen Erwachsenen und Erwachsenen köstlich porträtiert und man sich als Erziehungsberechtigter oft wieder findet. Das findet halt blöderweise in einem heteronormativen Setting statt, ist aber für die Themen, die verhandelt werden, weitgehend irrelevant. Deshalb nehme ich an, dass Alard von Kittlitz entweder selbst keine Kinder hat, die allermeisten Folgen von Bluey nicht kennt oder, so beides doch zuträfe, keinerlei Sensorium für die Konflikte und Befindlichkeiten hat, die da teils emotional, didaktisch und oft auch künstlerisch wertvoll dargestellt werden. Ansonsten kann ich mir nicht erklären, dass dann ausgerechnet großspurig bemängelt werden muss, dass die Serie zu wenig alternative Lebensmodelle beachtet und zu wenig kapitalismuskritisch ist. Darum geht es nämlich schlichtweg nicht und es ist verwegen von einer Zeichentrickserie für Kinder so etwas zu verlangen. Das wäre so, als würde man bei Peppa Wutz den fehlenden Veganismus, bei Dagobert Duck die fehlende Kapitalismuskritik und bei Star Wars die fehlende Auseinandersetzung mit US-amerikanischem Kulturimperialismus bemängeln. Der Kommentar von Alard von Kittlitz ist insofern einfach dümmlich und lächerlich.
Dieter Willinger

 


 

Leserbrief zu „Der Erzfeind aller Omas“ von Michael Allmaier

Zum Artikel „Der Erzfeind aller Omas“ über Alberto Grandi; den Autor des Artikels konnte ich leider nicht identifizieren, kann ich für eine Aufklärung sorgen: Bei einer Frage an Grandi ging es um „Mon Cheri „und die sogenannte Piemont-Kirsche. Diese gibt es tatsächlich nicht! Sie kommt aus Deutschland aus der Region Mösbach-Oberkirch/ Baden.
J. Kellermann