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Bananen

 

Vor einigen Tagen stand ich am Schreibtisch eines Redakteurs. Wir sprachen über die Kosten der Deutschen Einheit und wie man es schaffen könnte, Ost- und Westdeutsche für das Thema zu intessieren, ohne Vorurteile zu bedienen. Kein Monty-Python-Film also. Trotzdem begann der Redakteur irgendwann zu lächeln.

Ich schlug vor, die Grafikabteilung über unser Projekt zu informieren. Oder sollten wir die Infografiken lieber selbst machen? Da war sein Lächeln schon breiter geworden.

Dann sprach ich mich dafür aus, nicht nur die Kosten der Deutschen Einheit zu errechnen, sondern auch die Einnahmen. Das! erregte ich mich, Gehöre! Schließlich! Dazu!

Während ich gestikulierte, sah ich plötzlich, warum der Redakteur grinste. In meiner rechten Hand war: Eine Banane. Ich ließ meinen Arm sinken.

Alle, denen ich hinterher davon erzählte, haben sich kaputtgelacht.

Ich dachte: Wenn es ein Symbol gibt, das die Wiedervereinigung verkörpern kann, ist es – das Brandenburger Tor. Aber das ist so öde, dass sich man schon beim Schreiben langweilt. Das Brandenburger Tor steht für die staubtrockene Geschichtsdeutung der Politiker-Einheitsreden: Schön, dass wir soweit … weiter Weg hinter uns .. vor uns .. bla.

Wäre uns die Deutsche Einheit wirklich schon gelungen, könnten wir uns ganz ohne Sorge gegenseitig veralbern. Und uns wäre es möglich, als Logo der Mauerfallserie das zweite große Symbol der Einheit zu verwenden: Eine schöne, große, gelbe Banane.

Das ist leider noch nicht so.

Aber das Brandenburger Tor haben wir auch nicht genommen.

2 Kommentare


  1. Wer hat hier etwas gegen Bananen?
    Ach so, als Symbol wäre die Banane der Bedeutung, dem Ernst, der Wichtigkeit, der historischen Dimension, der Dramatik, der geballten Emotion und und und….nicht angemessen.
    Kann sein, es ist nun mal ein Teil des deutschen Wesens, lieber etwas zu ernst zu nehmen, als aus Versehen etwas Humor erkennen zu lassen.
    Die Wiedervereinigung war (meine Ansicht) nun mal kein trauriges Ereignis. Wenn hinterher auch vieles zum Heulen war und immer noch ist.
    Warum also keine Banane? Ich wette, in hundert Jahren kommt auf die Frage: „was fällt ihnen bei der deutschen Wiedervereinigung ein?“, eher die Antwort „Banane“ als „Brandenburger Tor“.


  2. Lieber walter_rsr,

    ich war so kurz davor, das dem Chefredakteur vorzuschlagen. Es ist auch toll, dass sie so gelassen mit dem Thema umgehen
    Aber hätten wir es wirklich gemacht, hätten wir jetzt nicht so viele nachdenkliche, starke Beiträge unter dem Blogposting zum Mauerfall. Sondern:
    sie ahnen es.
    Aber wer weiß, wie sich die Stimmung im Umfeld dieser Serie noch so entwickelt.

    Bestes,
    Christian Bangel

 

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