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Zwei Gänge oder großes Menü?

 

Ein Gast schrieb mich an. Die Frage war, warum er nicht ein großes Menü mit sieben Gängen essen hat dürfen. Seine zwei Begleiterinnen hatten Salat und ein Hauptgericht. Ich antwortete:

„..auf Ihre Frage will ich gerne antworten. Ich bin ein Freund des gemeinsamen Essen, wie das in Italien und Frankreich üblich ist. Man hat dann zwar nicht den gegenseitigen „ich-hab-was-was-Du-nicht-hast-Effekt“, aber dafür ein einigendes Ess-Erlebnis im Sinne alter Kultur, und nicht der neuzeitlichen Schnäppchenmentalität dienend.

Wer ein großes Menü isst, sollte die mit am Tisch sitzenden, die nur zwei Gänge bestellt haben (ich selbst esse nie mehr als zwei Gänge, evtl. noch ein Dessert dazu), man sollte diese Leute nicht eine Stunde zum Zusehen zwingen. Auch dann nicht, wenn es sich um die Gattin, um eine abgehärtete Ehefrau handelt.
Beim kleinen Menü mit vier Gängen ist das alles kein Problem. Zu oft habe ich die Spannungen erlebt, die sich ergeben haben wenn der eine stundenlang frisst und die andern zuschauen. Daran sind schon Ehen zerbrochen.

Mir ist klar, wer von weit angereist kommt will natürlich den größten Nutzen aus dem Besuch ziehen, da nie gewiss ist, wann man wiederkommt. Trotzdem, glauben Sie mir, weniger ist mehr, das trifft auch auf Restaurantbesuche zu.

Herzliche Grüße, und trotz allem mit großem Verständnis für Sie, Ihr Vincent Klink.“


17 Kommentare

  1.   Anna

    bin da ganz Ihrer Meinung. Gemeinsames Essen ist doch viel besser. Mann kommt ins Gespräch oder lauscht einfach nur seinem Nachbarn. Deutschland und Essen sind eh wie Feuer und Wasser. Die fängt bei der von Ihnen beschriebenen Gemütlichkeit an und endet bei der Qualität der Speisen. Am Ende eines schönen Essens dann noch gemütlich beim Kaffee sitzen und den Dingen lauschen. Möchte noch jemanden rezitieren:

    Gedichte sind Poesie. Und Poesie ist verdichtete Sprache. Wenn ein Menu wie ein Gedicht schmeckt, dann ist es verdichteter Geschmack. Kon-zen-trierter Erlebnisraum im Mund. Harmonie der Aromen, stimmige Texturen, angenehme Temperaturen. Gutes Essen ist Zen. Das schließt dann den Kreis: Geschmackspoesie.

    In diesem Sinne!

  2.   Christian Bartoschek

    Werter Meister Klink – ganz unabhängig vom o.a. Thema, bei dem ich Ihnen grundsätzlich Recht gebe, würde ich Sie artigst bitten, in sich zu gehen und sich zu fragen, woher ihr jählings aufwallender Hang zu plebejischem Verbal-Missbrauch stammt? Kompensation des 60ers? Anyway – „alter Sack“, „Arsch“, „fressen“ und eieses ganze Sprachniveau irritieren auf Dauer, gelinde gesagt. Moderatio dünkt angesagt. Wohlsein!

  3.   Badener

    Herr Klink ist zwar Schwabe. aber dennoch eben ein ehrlich Mensch. 😉 Wieso sollte man „fressen“ und „Arsch“ hier nicht schreiben dürfen? An ersteres denkt man, ganz ehrlich, doch oft und an zweiteres in personifizierter Form doch auch. Da kann man es doch mal aussprechen, das ist weniger scheinheilig. Bei mir ‚dünkt‘ es auch immer ganz gewaltig…..

  4.   Christian Bartoschek

    ehrlich = ordinär??

    Bin übrigens ebenfalls Badener …

  5.   Detlev Winterstein

    @Herr Bartoschek
    ordinär frei übersetzt = gewöhnlich. Jeder Mensch ist gewöhnlich! Auch wenn Sie sich die Zeit nehmen, den Arsch als Hintern zu bezeichnen, oder der „alte Sack“ für Sie offenbar ein „Herr im besten Alter“ ist und sie ein Fressgelage als Diner titulieren. Lieber Herr Bartuschek, wenn Ihr Arsch kalt wird, ist mit dem alten Sack Schluss. Dann ereilt Sie das selbe Schicksal wie jedem gewöhnlichen Sterblichen: Ab in die Kiste und Tschüss…
    Genießen wir doch bis dahin das Leben so, wie es uns gefällt, sprechen wir so wie uns der Schnabel gewachsen ist und essen wir das, was uns gerade am besten schmeckt und gut tut! Zur entgültigen Verteidigung von Herrn Klink: Sie kennen offensichtlich nicht den normalen Umgangston in einer Großküche. Das ist ganz sicher kein feiner. Dieser Mann steht seit nunmehr an die 40 Jahre in der professionellen Küche. Für diese lange Zeit drückt er sich sehr gewählt aus!
    Merke Herr Bartoschek: Aus einem traurigen Arsch kann kein fröhlicher Furz kommen!

    Was mich hier viel mehr besorgt: Ict Herr Klink eigentlich der einzige, der hin und wieder mal einen Beitrag schreibt??? Es sollten doch vier Meisterköche sein?!

  6.   Christian Bartoschek

    Wacker gegeben, cher Detlev!
    Also wähne ich mich hier künftig in einer Großküche statt im FAZ-Blog und scheiß auf arschkriechende Sprache … hugh!

    Übrigens: Stimmt schon – ohne Fuchs & Klink wäre hier definitiv tote Hose – man sollte das Ganze vielleicht mal überdenken? Bevor’s allen auf den SACK geht? ;—)))

  7.   Detlev Winterstein

    Also, Christian…ausreichend Humor vorhanden und auch ein Lachen in meinem Gesicht erkennbar… Ich denke, Herr Klink ist einfach authentisch…und er hat hier wirklich keinen Küchenton am Leib…Gott sei Dank 😉


  8. In meinem Restaurant halte ich es so:
    Wer kein Menü möchte, bekommt seine Bestellung wie gewünscht. Ich frage die Gäste dann, wann wir den Hauptgang servieren sollen und zwischendurch reiche ich kleine Häppchen, damit ihnen nicht die Zunge aus dem Hals hängt. Bringt meine Kalkulation nicht durcheinander, sorgt aber für gute Atmosphäre.
    Dann entspannt sich alles.
    Den Schreibstil von Herrn Klink finde ich wunderbar. Ich mag seine natürliche Art und liebe es, dass er seinem Schnabel freien Lauf lässt. Ist erfrischend.
    Der Mann hat was in der Birne, er hat Erfahrung, hat viel geschafft und er weiß, wovon er redet/schreibt.
    Ist eine Bereicherung!
    Herzliche Grüße aus Saarbrücken
    Ellen Philipp

  9.   Dennis

    Was ich an Herrn Klink schätze ist seine direkte Art, sein Humor und seine Fähigkeit zu differenzieren. Nimm das ernst und wichtig was du tust – aber halte Distanz zu dir selbst – nimm Dich nicht zu wichtig und ernst. Dies gepaart mit einer Prise Humor und Selbstironie ist eine gute Mischung.

    Das Verwenden einer derben Sprache finde ich von Zeit zu Zeit in unserer Zeit der zunehmend dekadenten Haute Cuisine durchaus als angemessen. Wobei ich nichts gegen Haute Cuisine habe – jedoch alles zu seiner Zeit.

    Wenn die Konzentration des Mönches nachläßt und er sich verliert dann bringt ihn der Meister mit einem Zenschlag auf den rechten Weg zurück.

    Verbale Zenschläge bewirken ähnliches.

    MfG Dennis

  10.   Kritiker

    wem es langweilig wird, der klickt einfach http://www.nikos-weinwelten.de, denn dort gibt es die besten Tipps, Tricks und News aus berühmten Küchen.Habe dort soeben ein witziges Video von unserem geliebten Herrn Jürgen Dollase gelesen. Also die Seite lohnt wirklich.

 

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