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„Lebensmittelmüllhalde Deutschland“

 

Die deutschen Verbraucher seien bei der Ernährung dermaßen knickrig, dass man ihnen, wie nirgendwo sonst in Europa, „Lebensmittelmüll“ andrehen könne.
Das sagte Otto Geisel, der Vorsitzende von Slow Food.
Geisel sitzt noch in anderen Gremien, so auch in der IHK Heilbronn. Dort sind jetzt breite Kreise, bis hin zur Landesregierung in Stuttgart, mit den Nerven runter.
„Lebensmittelmüllhalde Deutschland“, das darf man schon sagen, aber nicht in Heilbronn. Dort hat nämlich der Lebensmittelkonzern Lidl seinen Sitz und die Nahrungsmittelfirma Knorr beschäftigt dort eine kleine Armee von Chemikern.

Kurzum, Unmut, Kopfschütteln und große Aufregung wegen des Pauschalurteils. Die Presse ist natürlich auch etwas verstört, denn die „Lebensmittelmüllhändler“ Deutschlands schalten in den Medien große Anzeigen. Wie wir alle wissen, bestimmt ja deshalb mittlerweile der Anzeigenchef, was gedruckt wird.

So ist’s halt: Deutliche Worte sind nicht mehr gern gelitten, denn unsere hochsensible Zivilisation verträgt die Wahrheit längst nicht mehr. Kompromisslosigkeit würde unser ganzes Weichspülerdasein durcheinander bringen. Taktvolle Schmeichelei ist der Schmierstoff unserer Gesellschaft, die, um jetzt auch mal pauschal zu werden, von Lügen zusammengehalten wird.

18 Kommentare

  1.   Badnerin in Berlin

    Lieber Vincent Klink,
    wie so oft wunderbar aufklärerisch. Aus einzelnen Stimmen – z.B. Otto Geisel und auch Sie – sollte ein kritischer „Fischer“-Chor werden. Und so werden sich in diesem Blog hoffentlich immer mehr finden, die Ihnen recht geben und andere zum weiteren Widerstand anstiften.
    Einen unterstützerischen Gruß bitte ich Sie, an Herrn Geisel weiterzugeben.

  2.   Karl

    Gut gewettert!
    Der Genuß wird aber nicht nur von minderwertiger Qualität der Naturprodukte bedroht, sondern auch durch Versuche, Nahrung durch Kunstprodukte zu ersetzen.

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/Etikettenschwindel_Analog-Kaese/731102?inPopup=true

    Im Supermarkt wird der Kundschaft künstlicher Mus als Käse angedeht. Es sind wohl auch diese Kunden, die sich dann umgehend über die Preise echter Käse aufregen.

    Die Kundschaft, die nicht bereit ist, Qualität angemessen zu bezahlen, trägt die Hauptschuld an dieser Entwicklung.

  3.   Olf

    Igitt, zum Kotzen das mit dem Analog-Käse… mich widert das derart an! Bei Tiefkühlpizzen habe ich mir ja schon oft gedacht, dass da kein echter Käse drauf ist, sondern eher sone Mischung aus Käse und Pflanzenfett… aber Analog-Käse, habe nicht gedacht, dass es sowas gibt. Widerlich. Ist das Zeugs denn wirklich so viel billiger als ein echter einfacher, aber natürlicher Käse zum Überbacken?!

  4.   Klaus

    Lieber Olf,

    es ist noch viel schlimmer, als Sie vermuten. Lesen Sie Vincent Klinks Beitrag nochmal.
    Ich kaufe kein Produkt mehr, – ausser unetikettierten – , auf denen nicht die Inhaltsstoffe stehen. Ausordnungskriterien sind: Sämtliche Süssstoffe, Geschmacksverstärker, alle E-Kennzeichnungen, Aromen aller Art (auch natürliche und naturidentische) und dann fallweise div. andere Stoffe und Zusätze. Die genannten jedoch generell.

    Beispielhaft muss man z.B. auf einem Gurkenglas mal lesen, dass da neben Zucker (!) auch noch drei verschiedene Süssstoffe drin sind. Der absolute Irrsinn. Man fragt sich, warum. Andere Hersteller schaffen es auch ohne das eine und erst recht das andere.

  5.   StS

    Lieber Klaus,

    dann sagen sie mir mal bitte was an: E162, E 160 a, E 150, E 270, E 290 und jetzt habe ich keine lust mehr so Gefaehrlich ist. Also ich mach mir auch weiterhin keine sorgen wenn meine Gummibaerchen mit E162 und 163 gefaerbt sind sowie mit E901 ueberzogen – 162 is Roteruebenextrakt fuer Rot, 163 ist aus Schalen von rotem Wein oder Holunder fuer Blau und 901 ist Bienenwachs. Und in mein selbstgemachtes Holundergelee mach ich weiterhin 440a – Holunder enthaelt naemlich so wenig pektin das man sich welches aus Zitrusfruechten oder Aepfeln borgen muss…

    Ich will die Lebensmittelindustrie nicht verteidigen und Herr Geisel hat sicher Recht, aber mir geht die Hutschnur hoch, wenn ich unreflektierte dinge hoer, wie das alle Stoffe die eine E nummer haben gefaerlich sind.

    SO ich halt jetzt erstmal die E941(78%), E948(21%), E938(0,9), E290(0,04) und spuren anderer an.

    Stefan

  6.   Klaus

    Lieber Stefan,
    sehen Sie bitte genau hin. Ich habe nicht behauptet, alle Stoffe mit E-Nummer seien gefährlich. Ich kaufe sie nur nicht.

    Warum?

    Weil sie so unnötig sind wie Gurken mit Zucker und zwei bis drei weiteren Süssungsmitteln.

    Es geht dabei nicht alleine um die Gesundheit, es geht auch um Marketing. Da muss man eben schön aussehende Produkte kreieren oder auf dumme Sprüche setzen: „…wäscht jetzt noch weisser!“ oder, der Hammer: „Jetzt mit noch mehr Erdbeergeschmack!“

    Zu den Gummibärchen: Ich würde sie auch nicht essen, wenn keine E-Stoffe enthalten wären. Dann bleibt doch bloss die Wahrheit übrig: Eine Pampe aus Zucker und Gelatine.

  7.   karl

    @Stefan
    Mhmm. Für einen Nummernfex , der sich das alles merken kann oder ständig eine Liste bei sich führt in der das aufgeschlüsselt ist,mag das angehen. Ich gehöre nicht dazu. Richtig ist sicher, daß nicht jede E Nummer vom Teufel kommt. Sehr wahrscheinlich ist aber, daß dieses Nummernsystem eher zur Verschleierung als zur Information taugt.
    Ein Produzent könnte ja auch ungestraft den Inhalt auch in Klartext angeben. Wenn er das nicht macht, so ist dies auch aus meiner Sicht verdächtig.

  8.   Naja

    Moment mal… Wenn ich manchmal Gurken selbst einlege mache ich sie ein wenig süß-sauer und mit etwas Kurkuma. Sprich: ich mache in meine eingelegten Gurken auch etwas Zucker rein. Das finde ich nicht so schlimm. Das wird lecker pikant zusammen mit den Zwiebeln und den Senfkörnern. Aber auf sonstige Zusätze kann ich gerne verzichten!!

  9.   Klaus

    Hallo, „naja“:

    Obwohl ich es persönlich nicht so mag, habe ich nicht gegen Zucker in eingemachten Gurken gewettert. Wogegen ich mich aber vehement wende ist, dass einige (auch namhafte) Hersteller ZUSÄTZLICH zum Zucker nicht nur einen, gelegentlich sogar zwei Süssstoffe beifügen.

    Grundsätzlich halte ich Süssstoffe, gerade und besonders für Diabetiker, für Körperverletzung. Sie dienen als Mittel zur Schweinemast, weil der süsse Geschmack bei den Tieren eine Insulin-Ausschüttung verursacht, die durch den Fressdrang gestillt werden muss. Pervers? Ja!

    Warum gibt man also uns Menschen diesen Scheiss? Nichts gegen Zucker. Ich würde meinen geliebten Assam-Tee ohne Zucker überhaupt nicht trinken wollen!

    Übrigens findet sich diese diabolische Kombination nicht nur in Gurken, auch in anderem Eingemachtem. Leider auch in Bismarckheringen, Fleischsalat usw.

    Man kann mal langsam und sorgfältig überlegen, was die Hersteller damit bezwecken! Hm?

    Also:
    Verwende ruhig weiter Zucker für Deine eingemachten Gurken!!

  10.   Naja

    Ja, ich verstehe schon was Sie meinen, Klaus. Das stimmt natürlich. Wenn ich ne Packung Kekse kaufe, gehe ich automatisch davon aus, dass da ein Haufen Zucker drin ist. Bei eingelegtem Gemüse etc. nicht unbedingt, das stimmt!

 

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