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Rohmilchbutter

 

Le Gaslonde Demisel
Beurre Cru (Rohmilchbutter)
50430 Lessay
www.gaslonde.fr

2005 gab es bei der Firma Gaslonde mal Rabatz wegen Kolibakterien. Ganz klar, ein Kleinkind kann an Durchfall sterben, und Greise, die wackelig beieinander sind, können von einem ganz normalen Durchfall so geschwächt werden, dass es zu Ende geht. Aus diesem bedauerlichen Umstand macht seit Jahren die Industrie eine solche Angstkampagne, dass man sich an den Kopf greift.

Mit Magenrumpeln kenne ich mich aus und mir tut es sogar gut. Kürzlich am Bach wieder Brunnenkresse gefuttert, und weil daneben eine Kuhweide sich ausbreitete, wusste ich schon im Voraus, was kommen würde. Egal, wer sich ständig natürlich ernährt, hat vor ein bisschen Kolibakterien keine Angst.

Ganz anders sieht es bei Kleinkindern und Alten aus, weil diese meist völlig antiseptisch (Babynahrung im Glas) und in Altersheimen sowieso mit keimfreier Totnahrung gefüttert werden. Bei solchen Menschen ist natürlich keinerlei Abwehrkraft da. u.s.w. Ich weiß, das Thema ist sehr komplex, will es jetzt aber dabei mal bewenden lassen, da ich hier kein Buch schreiben will.

Jetzt zur Butter, die dunkelgelbe ist aus der Bretagne, die weiße Schmiere ist Biobutter aus dem Allgäu. Man braucht dazu eigentlich nichts mehr zu sagen. Die Rohmilchbutter hat noch alle Inhaltsstoffe, sie enthält sie noch einiges an Molke, und da sitzt der Geschmack drin. Deutsche Industriebutter, auch Biobutter, hat die gesetzliche Auflage, nur Fett zu verkaufen, also wird alle Molke herauszentrifugiert.

In der Nähe von Stuttgart hat vor einigen Jahren wegen gesetzlicher Schikanen der letzte Rohmilch-Butterbauer aufgegeben. Wir hier auf der Wielandshöhe stehen mit unserer Butter auch mit einem Bein im Gefängnis. Aber egal, unserer Kundschaft ist auf meiner Seite.

Die französische Rohmilchbutter besorgt uns exklusiv der Tölzer Kasladen. In seinen Geschäften führt er diese Butter nicht, weil sie der Kundschaft zu teuer (mal drei) und weil alles zusammen, also mit dem deutschen Hygienewahn, den Tölzern das alles zu blöd ist.

18 Kommentare

  1.   Badnerin in Berlin

    Lieber Vincent Klink, es gibt so viele Petitionen, die man mitzeichnen kann – bei zweien hab ich es auch schon getan. Warum kreiert nicht ‚mal ein Experte eine Petition an „unser“ Europa-Parlament, das wir im Juni ja wieder wählen dürfen, und schafft die Grundlage für bessere Lebensmittel und damit besseres Essen? Wie ein Berserker würde ich die Trommel dafür rühren…
    Nach erstem Speichelfluß wollte ich ja schon meckern – von wegen uns alle erst einmal anfixen, um dann den Tölzer Kasladen als Lieferanten zu erwähnen. Aber ich meckere nicht, denn mir ist eingefallen, daß es hier in Berlin – nein nicht das berühmte Ding im Westen und auch nicht der Kaufhausfranzose in Mitte – den wunderbaren Laden des Maître Philippe gibt. Neben seinem herrlichen Käse (mit eigener Reifekammer) und anderen Spezereien gibt es bei ihm auch eine grandiose Rohmilchbutter, der Ursula Heinzelmann in ihrem „Erlebnis Essen“ auch schwärmerische Worte gewidmet hat. Ja, ja, ich muß knarzig sparen, aber eben nicht bei Dingen wie in diesem Fall Philippes Rohmilchbutter. Die auf frischem, selbstgebackenem Brot, und Herr Sarrazin, unser gewesener Spar- und Geizsenator mit seinen abstrusen Hartz-IV-Ernährungstips, hätte seine Freude, auf welchem Niveau man mit wenig kulinarisch glücklich und auch satt werden kann.

    Lieber Klaus, falls Sie jetzt fragen möchten: Der Laden befindet sich in der Wilmersdorfer Emser Straße. Aber vielleicht kennen Sie ihn ja schon 😉

  2.   Matthias

    Wenn man ein wenig über das von Vincent zitierte Allgäu hinaus fährt, in den Bregenzerwald, dann findet man auch noch leckere Rohmilchbutter – auch noch zu erschwinglichen Preisen! Und man sieht viele rüstige „Alte“ und die Kindersterblichkeit ist in Österreich auch geringer als in Deutschland …

  3.   Niko

    Lieber Herr Klink,

    Sie haben ja sowas von Recht, als Sohn eines Landwirtes ist es für mich ein Argwohn zu sehen mit welchem Reglement Rohmilch behaftet ist!
    Nach meinung von manchen Ernährungsexperten müsste mich meine „Zweite Muttermilch“ schon lange ins Grab gebracht haben, statt dessen bin ich trotzdem wohl eher ein Beispiel dafür, dass Kinder vom Bauernhof mit dem Wort Allergie nichts anzufangen wissen.

  4.   Daniel

    Angesichts des Blogeintrags über Hollandaise von Herrn Fuchs kommt bei mir jetzt generell die Frage nach rohen oder halb-rohen Produkten in der Gastronomie auf. Wenn ich dem Restaurantpersonal vertraue oder selbst koche, habe ich persönlich größtenteils überhaupt kein Problem rohe Produkte zu mir zu nehmen.

    Aber wie sieht es denn auf der Seite des Küchenchefs und seiner Kollegen aus? Wie ist das mit frischen Mayonnaisen, Hollandaisen, Eiscreme mit Eigelb und Mousse au Chocolat? Wie ist das mit Carpaccio und rohem Fisch (z.B. auch beim Sushi). Wie ist das, wenn ein Gast sein Steak blutig bestellt? ‚Darf‘ z.B. überhaupt ein Spiegelei serviert werden, bei dem das Eigelb noch sehr roh ist? Gibt das es da Vorgaben von Behörden?
    Überspitzt gefragt: Steht da das Küchenteam auch mit einem Bein im Gefängnis oder hat „Bammel“? Ich kann mir halt vorstellen, dass bei ‚rohen‘ Produkten immer was schieflaufen kann, auch wenn die Hersteller/Lieferanten/Köche nichts falsch gemacht haben.

  5.   Klaus

    Liebe Badnerin,

    ich kenne ihn. Trotzdem herzlichen Dank für den Tipp. Nach Rohmilchbutter habe ich mich dort noch nie erkundigt!!

  6.   StS

    @ Daniel

    Das leben ist eines der Gefaehrlichsten und Teuersten und endet IMMER tödlich.

    aber Rohe Produkte sind in der Gastro kein Problem, es gibt ein paar Regeln (einige viele übertrieben), aber du dürftest ein rohes Ei in ein Glas schlagen und verkaufen ;-).

    Ich weiss nicht was passiert wenn was schief geht, wir sind nicht in den USA, ich glaube nicht das es größer Probleme von Seiten des „Opfers“ gibt, der Imageschaden ist natuerlich eine andere Sache.

    S

  7.   Ulrike H. aus V.

    Zur Ehrenrettung des Großraums Stuttgart (zumindest auf dem Feld der Rohrahmbutter) sei bemerkt, daß man als Kleinkonsument keinen Exklusiv-Importeur braucht: am franz. Käsestand in der Markthalle gibt es Rohrahmbutter, ebenso wie in Frau Gohls Käs’Eck in Pleidelsheim.


  8. Auch ich will Rohmilchbutter nicht missen. Eine weitere Bezugsquelle in Stuttgart ist der Käsestand Fiebig auf dem Zuffenhausener Wochenmarkt (samstags).


  9. Klasse, dazu sollte ein Blog nützen, dass man sich gegenseitig Tipps gibt. Ich kenne ja nur meine Quellen und es gibt sehr viele, wie man liest.
    Gruß, Vincent Klink

  10.   Wolfgang K.

    In Berlin gibt’s überaus köstliche Rohmilchbutter bei Maitre Philippe in der Emser Straße (Wilmersdorf).

 

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