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Gute Hoffnung für den guten Zweck

 

Die Mannschaft des Benefiz Abends im NH Hotel

Dieser Tage war die Küchenmannschaft der Villa Mittermeier eingeladen, im NH Hotel Erlangen ein Benefiz-Dinner zu bekochen. Weil in der Gastronomie die Welt recht übersichtlich ist und die Direktorin Elke Gabsteiger und ich uns seit langem kennen, bedurfte es weiter keiner großen Absprachen über das Wie und über das Warum. Das „Wie“ ging so: Mittermeier kocht und bringt den Wein mit. Das NH-Hotel stellt den Service und organisiert das Programm.

Das „Warum“ war dann genau so einfach:

Wer gute Geschäfte macht und in Wohlstand lebt, sollte nach meinem Dafürhalten einen mindesten Teil an Engagement und Geld für Arme und Benachteiligte übrig machen. Aus privaten Gründen engagiere ich mich stets für ein Kinderheim in der Nähe von Johannesburg, auch dieses Mal sollten die Erlöse dorthin gehen.

Das Menü setzte sich zusammen aus vier Gängen meiner aktuellen Speisenkarte: es gab Thunfisch, Hummer, Kalbsfilet und Schokolade, natürlich auch den ganzen Budenzauber mit Amuse und „süßem Happy End“. Begleitet wurde das Menü von Carsten Migliarinas Weinen vom Kap der guten Hoffnung: einem Chardonnay und dem Kap-Hasen, einer Cuvée aus Shiraz und Cabernet Sauvignon. Carsten war, der Zufall wollte es so, selbst anwesend und wusste Interessantes über Land, Leute und Weinbau in Südafrika zu berichten. Es spielte gute Musik und der legendäre Bernhard Ottinger hat seine Witzle dazu gemacht.

Elke Gabsteiger, die Mannschaft und ich haben den Abend professionell, locker und entspannt begonnen, als es dann doch irgendwie besonders wurde: Die Ansprache zwischen Vorspeise und Zwischengang hatte zum Inhalt, dass ich es für keinen ausgewiesenen Verdienst halte, mit einem weißen Hintern hier in Deutschland geboren zu sein. Das ist nichts, worauf ich stolz bin. Andererseits: Menschen, die in Lebensumstände hinein geboren werden, die ihnen nie eine Chance geben werden um ihr Leben frei und selbstbestimmt führen zu können, können nichts für ebendiesen Sachverhalt. Da hilft auch Geld alleine nichts auf Dauer. Wenn es denn irgendetwas gibt, das helfen kann, dann ist es wohl Bildung. Denn eine der niederträchtigsten Seiten von Apartheid ist der generationenlange und strategisch geplante Vorenthalt von Bildung und Ausbildung ganzer Bevölkerungsgruppen. Mütter können ihren Kindern nicht bei den Schulaufgaben helfen, weil sie selbst keine gute Bildung genossen haben. Väter können ihren Kindern keine Perspektiven aufzeigen, weil sie ihnen selbst genommen wurden. Wenn es irgendetwas gibt, das nun Hilfe zur Selbsthilfe sein kann, dann ist es Bildung bzw. die Gelegenheit dazu.

Dies ist auch der Grund, weshalb wir in unserem Restaurant (nach langem Ringen mit behördlicher Genehmigung) seit etwas über einem Jahr zwei südafrikanische junge Männer zu Köchen ausbilden. Mit einer Ausbildung nach deutschen Standards haben die beiden zumindest ein berufliches Fundament, auf dem sie später in ihrem Heimatland ihre eigene Existenz aufbauen können, in der Lage sind, sich und ihre Familie zu versorgen.

Die Einführung in den Abend war kaum vorbei, als der erste Gast Tausend Euro ausgepackt hat und der Bestimmung des guten Zwecks zuführte. Dem Beispiel folgte mancher, das NH Hotel und auch ich halfen ein wenig nach und so können wir 5000 Euro überweisen. Sicher kein Betrag der den Kontinent retten wird. Doch beachtlich für kaum 30 Gäste und gut angelegt bei einem Verein der sicherstellt, dass jeder Cent dort ankommt, wo er gebraucht wird. Bei Menschen wie Thea Jarvis, die selbstlos und aufopferungsvoll ihr Leben in den Dienst am Nächsten stellen.

12 Kommentare

  1.   hansi

    Wir essen Hummer und Kalbsfilet und bedauern „die Armen“ und geben ihnen ein wenig Geld… ob das die Lösung ist?


  2. @hansi
    Der Verzicht auf Hummer und Kalbsfilet wird „den Armen“ wohl auch kaum helfen und bis für Armut und Ungerechtigkeit auf der Welt eine Lösung gefunden sein wird, sind solche Veranstaltungen allemal hilf- und (glücklicherweise auch) genussreicher als nur zu lamentieren.

  3.   Peter

    Tu was und vor allem sprich darüber, sonst hast du ja selbst nichts davon.
    Charity macht auch mit Hummer & Co. keinen Spass, wenn man sich nicht selbst damit darstellen kann.


  4. @ Peter: so isses.
    Ich geh sogar noch einen Schritt weiter: Wenn jemand wie ich die Möglichkeit hat das vor Publikum zu tun, sei es bei der Charity-Veranstaltung selbst oder hier im Blog, dann sollte die Gelegenheit genutzt werden, mal auf die Trommel zu hauen. Falsche Bescheidenheit suchen Sie bei mir an dieser Stelle vergeblich.
    @ Peter und Hansi
    Wer suchet, der findet. und: honi soit qui mal y pense.

  5.   Schade

    Schade, neben slow-mission & Co. immer wieder Mittermeier Eigenwerbung und Selbstdarstellung.
    Ja doch, er hat dies und jenes (meist teuer), kocht für den und jenen (meist prominent und wichtig). Wissen wir ja längst.
    Gottseidank gibt es noch Köche, die ohne diese ständige Selbstbeweihräucherung auskommen und statt dessen einfach was erzählen, auch wenn es hier im Blog langsam dünn geworden ist mit Aktiven und selbst die alte (auch sehr interessant gewesene) Leserschaft weitgehend abhandenkam oder schweigt.

  6.   Morchel

    Eine Frage, die ich mir nach langer Beobachtung stelle: Warum wirken so viele Menschen, die sich für gutes Essen interessieren, auf mich so übellaunig, unfroh und tendenziell missgünstig? Mir persönlich macht gutes Essen einfach gute Laune.

  7.   Stefan

    Morchel, ich glaube dass die Wenigen, die missguenstig, unfroh und uebellaunig sind, das nur lauter raus schreien.


  8. Mir kommt´s hoch bei dieser ewigigen Madigmacherei durch manche Zeitgenossen! Na klar muss die Devise heißen: „Tue Gutes UND sprich darüber“. Mit Schweigen ist nun wirklich keinem der Hilfe braucht in irgendeiner Art und Weise gedient. Fass Euch alle an die eigene Nase, überprüft Eure eigene Hilfsbereitschaft und Eure Bereitschaft andere, manchmal beschwerliche Wege zu gehen.

    Und wenn man über einen Hummer und eine Buddel guten Wein besser an das Geld anderer kommt um es für einen guten Zweck weiterzugeben – so what!!!
    Stellt Euch alle mal jemanden vor, der Euch von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht und um das Stück Brot bettelt, das ihr in der Hand haltet. Sagt ihr ihm dann „sorry, aber das hat jemand übergelassen, der eben noch einen Hummer gegessen hat. Ich mag Hummeresser nicht und darum bekommst Du das Brot nicht“.

    Und bevor jetzt die Entrüstung über mir hereinbricht: natürlich ist das polemisch. Soll es auch sein. Muss es manchmal. Steh auf und hilf in Deinem Dir zur Verfügung stehenden Rahmen und jammer nicht über die, die etwas tun, nur weil Dir die Art und Weise nicht passt! So.

  9.   schneckenschleim

    O weh, morchel, wie werden Sie erst reagieren, wenn hier wieder die alten Kampf-Puritaner Auftritt haben, deren Schweigen der Schade so schade findet?

  10.   Morchel

    Och, Schneckenschleim. Dann werde ich einfach wieder die Finger still halten und in der passiven Versenkung verschwinden 😉

 

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