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Netzfilm der Woche: „Bet She’an“

 

Eine Krähe fliegt durch die Wolken auf die Stadt Bet She’an zu und lässt sich wie auf einem Thron auf einem Berggipfel nieder. Die Straßen sind verlassen, die Bewohner verschwunden. Nur von Weitem hallt das Geräusch eines Meißels von den Häuserwänden wider. Klack, klack. Ein letzter Mensch, greis und ausgemergelt, arbeitet fieberhaft an einer übergroßen Statue, dem letzten Monument einer schwindenden Zivilisation.

An pathetischen Gesten und Anspielungen mangelt es dem animierten Kurzfilm Bet She’an nicht. Schon der Titel erinnert an die gleichnamige antike Stadt in Israel, die einst der Mittelpunkt einer neuen, aufstrebenden Gesellschaft war und hier nun das Ende bedeutet. Und natürlich die Krähen: Sie haben die Stadt und deren Bewohner übernommen, als groteske Chimären lugen sie aus dem Dunkel und beobachten den scheinbar letzten Menschen bei dessen Arbeit, sie kreisen ihn ein und übernehmen letztlich auch ihn.

Es ist vor allem diese unheimliche Atmosphäre, ein Spiel mit langen Schatten und dezenter Musik, die die Zuschauer sofort in den Film hineinziehen. Doch Bet She’an ist mehr als ein pseudo-biblisches Endzeitszenario. Die vier jungen Filmemacher von Bandits Collective, die sich einst auf der französischen Animationsschule Supinfocom kennenlernten, haben ihrem Film einen zusätzlichen Dreh gegeben: Mit seinen braunen Farbtönen und dem an moderne Graphic Novels erinnernden Rendering wirkt er zunächst wie in der Antike angesiedelt. Doch immer wieder blitzen Hinweise auf die Moderne auf: Wir sehen Kameras, Musikinstrumente. Das geschickte Spiel mit den Epochen mündet schließlich im Finale: Die Statue, die Erinnerung an die scheidende Menschheit, sieht vielleicht nicht so aus, wie man es erwartet hätte. Und es stellt sich die Frage: Welches Bild bleibt tatsächlich übrig von unserer Zivilisation?

13 Kommentare


  1. Weshalb meinen Sie die Statue sähe nicht so aus wie man es erwartet hätte?


  2. Selten so etwas langweiliges gesehen!!! Habe nach der Mitte aufgehört zu schauen!

  3.   Trusty

    Bet sie an?

    Allte, sogenannte Kulturabfälle, ein zuversichtlicher Mann mit Schlips als Vorbild für die Statue, ein Broker?, die arbeitende Menschheit?, die prosperierende Produktivität…
    schon trauernd (Raben) ob ihres Ende, noch nicht mal die Coke rettet sie alle.

    Schöner Film. Bin mir nicht ganz sicher.


  4. @ Kommentar, Trusty: Das meinte ich mit unerwartet: Wieso ist die Statue ein Anzugträger? Ist das vielleicht das Bild, das von „uns“ übrig bleibt oder ist die Statue am Ende gar kein Monument, sondern ein Mahnmal? Also quasi noch etwas Kapitalismuskritik untergebracht?

  5.   David Ward

    Ist etwa der Schlipsträger John F. Kennedy und das Denkmal der letzte Hauch einer optimistischen fortschrittlichen Haltung, die er verkörperte? Wenn ja, dann müsste man fragen, ob die Filmemacher nicht den Fehler machen, die Kultur bzw. Lebensweisen des Westens mit der Menschheit überhaupt gleichzusetzen.
    Andererseits ist eine Stärke des Films, dass er dies und vieles mehr nur andeutet und die Antworten darauf uns überlässt.

  6.   barbara paul

    Das waren Raben, keine Krähen

  7.   Edda Windhager

    Nur ein Interpretationsversuch – abseits davon, dass ich die Animation super finde: Der „Anzugträger“ repräsentiert unser Bild der Welt – Wirtschaft – unsere Errungenschaften, welchen wir all unser (im Grunde völlig unsinniges) Streben widmen, da wir unser Bild der „Realität“ eben kreieren. Letztendlich ist der Mensch aber fast nackt und steigt, wenn er genug Federn hat bzw. reif dafür ist (und gleichzeitig das Bild komplett erfüllt ist) , in die nächste Dimension auf.

  8.   starlord

    bin zwar ein großer fan von animierten filmen aber der hier war
    extrem langweilig….


  9. @6 barbara paul

    > Das waren Raben, keine Krähen

    Raben und Krähen bilden zusammen ein- und dieselbe Gattung. Welche der knapp über 40 Arten jetzt Raben oder Krähen heißen, hat eher mit der Größe als mit dem Grad der Verwandtschaft zu tun (oder anders: es gibt keinen biologisch-systematischen Unterschied zwischen Raben und Krähen).

    Nur mal so von Schlaumeier zu Schlaumeierin ;-)

    Gruß,
    Tezcatlipoca

    P.S.: Den Film find ich atmosphärisch stark, Drehbuch und Ausgang aber äußerst vorhersehbar – für das Endzeit-Genre nichts Neues.

  10.   lxththf

    Ich hatte auch den Gedanken, dass es John F. Kennedy sei und dass das Bild des Anzugträgers bleibt, würde mich nicht wundern, denn sind es nicht gerade diese, die das Wesen und die Richtung der Gesellschaft bestimmen, seien es nun Politiker, Vorstände, Banker … Jedoch hätte es viele weitere Möglichkeiten gegeben und etwas mysteriös bleibt der Film.

 

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