{"id":11075,"date":"2013-11-04T09:08:59","date_gmt":"2013-11-04T08:08:59","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/?p=11075"},"modified":"2013-11-05T14:50:37","modified_gmt":"2013-11-05T13:50:37","slug":"youtube-music-awards-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2013\/11\/04\/youtube-music-awards-2013\/","title":{"rendered":"YouTube Music Awards: Avantgarde und Albernheit"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_11076\" aria-describedby=\"caption-attachment-11076\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2013\/11\/RTX14ZC0.jpg\" alt=\"Jason Schwartzman nach der Veranstaltung (\u00a9 REUTERS\/Andrew Kelly)\" width=\"580\" height=\"387\" class=\"size-full wp-image-11076\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2013\/11\/RTX14ZC0.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2013\/11\/RTX14ZC0-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11076\" class=\"wp-caption-text\">Jason Schwartzman nach der Veranstaltung (\u00a9 REUTERS\/Andrew Kelly)<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Jason Schwartzman hat nicht gelogen, als er <a href=\"http:\/\/www.hollywoodreporter.com\/earshot\/jason-schwartzman-youtube-music-awards-652622\" target=\"_blank\">vor einigen Tagen sagte<\/a>, er w\u00fcsste &#8222;nur zehn Prozent mehr&#8220; vom Ablauf der YouTube Music Awards als die Zuschauer. Zum ersten Mal verlieh die Plattform am Sonntagabend einen Musikpreis. Live aus New York und per Stream im Internet. Mit Spike Jonze als Regisseur und Schwartzman als Moderator. F\u00fcnf Stunden Vorprogramm. Preise in sechs Kategorien. Live-Musikvideos! YouTube-Stars! Und alle so: Yeah, endlich ein Musikpreis f\u00fcr die digitale Generation! Doch am Ende bleiben viele Fragen offen und die Erkenntnis, dass YouTube das Genre in diesem Jahr noch nicht revolutionieren wird.<\/p>\n<p>Dabei ist der Zeitpunkt eigentlich richtig: &#8222;Es ist an der Zeit, die Rolle YouTube im Musik-\u00d6kosystem zu feiern&#8220;, <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2013\/11\/02\/arts\/music\/youtube-music-awards-are-readied-for-webcast.html?_r=0\" target=\"_blank\">sagte<\/a> YouTubes Vize-Marketingdirektorin Danielle Tiedt k\u00fcrzlich. Denn YouTube ist eine Macht im Musikgesch\u00e4ft. Nach <a href=\"http:\/\/phys.org\/news\/2013-10-warner-music-youtube-tastemakers.html\" target=\"_blank\">Analysen<\/a> des Marktforschungsinstituts Nielsen h\u00f6ren Jugendliche bis 24 Jahre den Gro\u00dfteil ihrer Musik auf YouTube. Der Musikkanal Vevo alleine, an dem Google Anteile besitzt, generiert monatlich <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2013\/09\/02\/vevo-deutschland-gema-musikvideos\" target=\"_blank\">fast vier Milliarden Klicks<\/a>. Und j\u00fcngst k\u00fcndigte man noch an, schon bald einen eigenen Musikdienst mit einem Abo-Modell \u00e0 la Spotify <a href=\"http:\/\/thenextweb.com\/google\/2013\/10\/24\/billboard-youtube-launch-spotify-music-videos\/\" target=\"_blank\">auf den Markt zu bringen<\/a>.<\/p>\n<p>Die YouTube Music Awards sind deshalb eine Chance f\u00fcr die Plattform, sowohl die Stellung zu festigen als auch in ein neues Gebiet vorzudringen, das in den kommenden Jahren noch wichtiger wird: Die Live-Veranstaltung. Gerade zu einer Zeit, in der mit den MTV Music Awards der mutma\u00dfliche Platzhirsch vor allem durch die Peinlichkeiten junger Popsternchen und ewiggleicher Preistr\u00e4ger auff\u00e4llt. <\/p>\n<p><strong>Live-Auftritte als Musikvideo<\/strong><\/p>\n<p>YouTube wollte es anders machen. Eigentlich. &#8222;Es wird chaotisch&#8220;, sagt Regisseur Spike Jonze schon vorher. Seine Idee war es, die Auftritte der musikalischen G\u00e4ste nicht auf einer klassischen B\u00fchne, sondern an individuellen Sets zu filmen. Jeder Auftritt wurde somit gleichzeitig zu einem Musikvideo, ganz im Sinne YouTubes. Jedenfalls die Namen konnten sich sehen lassen: Die Britin M.I.A. performte in einem psychedelischen Lichttunnel, Eminem in d\u00fcsterer <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fySaWH6qIVg&#038;list=PLbpi6ZahtOH57d6L_q8YzZ0QwZeP_J4Fe\" target=\"_blank\">Schwarzwei\u00df-Optik<\/a>, und Lady Gaga gab mit Truckerkappe und Holzf\u00e4llerhemd (aber ohne Hose) am Piano <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=vAVgwA9Gx1A&#038;list=PLbpi6ZahtOH57d6L_q8YzZ0QwZeP_J4Fe\" target=\"_blank\">eine Ballade zum Besten<\/a>.<\/p>\n<p>Gleich zu Beginn der Veranstaltung  wechselt die Kamera zur Musik von Arcade Fire pl\u00f6tzlich <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tBTTd0gfkn0&#038;list=PLbpi6ZahtOH57d6L_q8YzZ0QwZeP_J4Fe\" target=\"_blank\">in eine scheinbare Filmszene<\/a>. Die Schauspielerin Greta Gerwig tanzt furios durch eine Wohnung und anschlie\u00dfend einen verschneiten Wald. Erst nach drei Minuten zoomt die Kamera heraus und die Zuschauer erkennen, dass dies alles live auf der B\u00fchne geschieht. Die vierte Wand ist durchbrochen, der Auftritt ein fr\u00fches Highlight. Leider bleibt es fast das einzige.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"580\" height=\"326\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/tBTTd0gfkn0?rel=0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. Sie k\u00f6nnen sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.<noscript>Bitte aktivieren Sie JavaScript damit Sie diesen Inhalt anzeigen k\u00f6nnen.<\/noscript><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"embed-consent\">\n<label class=\"embed-consent__toggle\">\n<input class=\"js-embed-consent__toggle\" type=\"checkbox\" autocomplete=\"off\">\n<span><\/span>\nExterner Inhalt\n<\/label>\n<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/hilfe\/datenschutz\" target=\"_blank\" class=\"embed-consent__datalink-when-active\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a>\n<\/div>\n<div class=\"embed-wrapper__footer\">\n<p data-replace=\"no\">\nIch bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit k\u00f6nnen personenbezogene Daten an Drittplattformen \u00fcbermittelt werden. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/hilfe\/datenschutz\" target=\"_blank\">Mehr dazu in unserer Datenschutzerkl\u00e4rung.<\/a>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Denn sobald die Moderatoren Jason Schwartzman und Reggie Watts \u00fcbernehmen, kippt die Veranstaltung. Weitestgehend ohne Drehbuch soll es ablaufen. Das Ergebnis ist vor allem chaotisch, eine Anreihung von Stammeleien, von halbgaren Witzen und fragw\u00fcrdiger Performancekunst. Schwartzman und Watts schnaufen mit schreienden Kleinkindern auf dem Arm ins Mikrofon, rennen durch das scheinbar wahllos umherstehende Publikum, w\u00fchlen in Torten, musizieren und verleihen fast beil\u00e4ufig Preise.<\/p>\n<p><strong>YouTube-Stars nur am Rande<\/strong><\/p>\n<p>Ja, die gab es auch. In sechs Kategorien konnten die YouTube-Nutzer in den vergangenen Wochen abstimmen. Hier zeigte sich das vielleicht gr\u00f6\u00dfte Problem der YouTube Music Awards: Es ging weniger um die YouTube-Stars sondern vor allem um die K\u00fcnstler mit den meisten Fans. Die Nominierten in den Kategorien &#8222;Bester K\u00fcnstler&#8220;, &#8222;Bestes Video&#8220; und &#8222;Durchstarter des Jahres&#8220; wurden nach Anzahl der Klicks und Kommentare ausgew\u00e4hlt. Der Rapper Tyler, the Creator, der ironischerweise selbst einen Auftritt hatte, twitterte schon vor zwei Wochen seinen Unmut heraus:<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\">\n<p>YOUTUBE AWARDS COULDVE FUCKING HAD NOMINATIONS ON COOL CREATIVE VIDEOS SHIT BUT NOOOO AGAIN ITS THE MOST TEENY BOPPER POP SHIT. YOU ARE BUTT<\/p>\n<p>&mdash; Tyler, The Creator (@fucktyler) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/fucktyler\/statuses\/392909594814464000\">October 23, 2013<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Die Gewinner h\u00e4tte auch MTV nicht beliebiger aus der Retortenkiste ziehen k\u00f6nnen: Eminem, die koreanische Girlgroup Girl&#8217;s Generation und Konsens-Rapper Macklemore. Selbst in der Kategorie &#8222;YouTube Ph\u00e4nomen&#8220; gewannen nicht etwa <em>Gangnam Style<\/em> oder der <em><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2013\/02\/11\/harlem-shake-youtube-meme\/\" target=\"_blank\">Harlem Shake<\/a><\/em>, sondern Teeniequeen Taylor Swift.<\/p>\n<p>Wo waren sie also, die &#8222;echten&#8220; YouTube-Stars? Jene K\u00fcnstler, die vor allem durch ihre Videos auf der Plattform bekannt wurden? Lediglich zwei Auftritte, n\u00e4mlich von <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2013\/01\/16\/collective-cadenza-cdza-youtube\/\" target=\"_blank\">Collective Cadenza<\/a> und der h\u00fcfpenden Geigenspielerin und Preistr\u00e4gerin in der Kategorie &#8222;Beste Antwort&#8220; <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uglK8f2OPBk&#038;list=PLbpi6ZahtOH57d6L_q8YzZ0QwZeP_J4Fe\" target=\"_blank\">Lindsey Stirling<\/a> spendierte YouTube seinen hausgemachten Stars in 90 Minuten.  Der Rest wurde im Rahmenprogramm verwurstet. Schon Stunden vor Beginn der Show streamte die Plattform Events aus London, Seoul und Rio de Janeiro mit lokalen und internationalen YouTubern. Eigentlich genau diese Art von Inhalt, die man von den YouTube Awards erwartet h\u00e4tte.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\">\n<p>Eminem won artist of the year. That&#39;s a bummer.<\/p>\n<p>&mdash; Hannah Hart (@harto) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/harto\/statuses\/397154683317649408\">November 4, 2013<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p><strong>Avantgarde und Albernheit<\/strong><\/p>\n<p>Die legen letztlich die Identit\u00e4tskrise der Plattform offen: Zum einen m\u00f6chte YouTube zeigen, dass es mit der Fernsehkonkurrenz mithalten kann. Dass auch die gr\u00f6\u00dften Namen der Musikszene auftreten und YouTube als Bestandteil der Branche sehen. Zum anderen m\u00f6chte YouTube sich gerne weiterhin anarchisch pr\u00e4sentieren, bunter, eben anders als die alten Medien. Der Versuch, in den Music Awards beides zu verkn\u00fcpfen m\u00fcndete jedoch  in einer Mischung aus Avantgarde und Albernheit, die auch den Zuschauern nicht entging. Gegen Ende der Ausstrahlung hatte der Livestream zwar rund 80.000 positive Bewertungen \u2013 aber auch 20.000 negative. <\/p>\n<p>So wurden Erinnerungen wach an die erste Live-Veranstaltung, die YouTube vor f\u00fcnf Jahren im November streamte. Bei YouTube Live standen damals die aufstrebenden, gr\u00f6\u00dftenteils unerfahrenen YouTuber im Mittelpunkt, die ihre eigene, chaotische wie bunte Show ablieferten. &#8222;Die Insassen betreiben die Anstalt&#8220;, <a href=\"http:\/\/www.theverge.com\/2013\/11\/1\/5052440\/youtube-live-a-disastrous-spectacle-google-would-like-you-to-forget\" target=\"_blank\">frotzelte das Technikportal <em>The Verge<\/em><\/a> dieser Tage. Doch die damalige Veranstaltung enthielt mehr YouTube-Spirit als die erste Ausgabe der Music Awards. Die waren unterm Strich nichts weiter als ein weiterer Musikpreis mit den gr\u00f6\u00dftenteils bekannten Popk\u00fcnstlern \u2013 und einem h\u00f6chst anstrengenden Konzept. &#8222;I think we&#8217;re done?&#8220;, fragte Schwartzman am Ende fast unsicher in die Runde. Wenigstens das h\u00e4tte ihm doch einer sagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\">\n<p>Give <a href=\"https:\/\/twitter.com\/YouTube\">@YouTube<\/a> this, their awards show ended early.<\/p>\n<p>&mdash; VideoInk  (@VideoInkNews) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/VideoInkNews\/statuses\/397158141135032320\">November 4, 2013<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jason Schwartzman hat nicht gelogen, als er vor einigen Tagen sagte, er w\u00fcsste &#8222;nur zehn Prozent mehr&#8220; vom Ablauf der YouTube Music Awards als die Zuschauer. 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