{"id":11964,"date":"2014-01-22T15:15:43","date_gmt":"2014-01-22T14:15:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/?p=11964"},"modified":"2014-01-23T15:30:18","modified_gmt":"2014-01-23T14:30:18","slug":"sundance-festival-vertrieb-indiefilm-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2014\/01\/22\/sundance-festival-vertrieb-indiefilm-online\/","title":{"rendered":"Sundance: Kinofilme waren gestern"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_11970\" aria-describedby=\"caption-attachment-11970\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11970\" alt=\"(\u00a9 Scott Halleran\/Getty Images)\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2014\/01\/sundance.jpg\" width=\"580\" height=\"328\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2014\/01\/sundance.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2014\/01\/sundance-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11970\" class=\"wp-caption-text\">(\u00a9 Scott Halleran\/Getty Images)<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Auf dem <a title=\"Virale Videos vorgestellt: \u201cYouTube Nation\u201d\" href=\"http:\/\/www.sundance.org\/\" target=\"_blank\">Sundance Film Festival<\/a>, das in dieser Woche in Park City in Utah stattfindet, werden traditionell die kommenden Indie-Hits des Jahres gesucht. Doch dieses Jahr zeigt: L\u00e4ngst geht es nicht mehr blo\u00df um den Erfolg an der Kinokasse. Stattdessen schalten sich immer mehr Online-Anbieter in das Gesch\u00e4ft mit den Exklusivrechten ein. F\u00fcr viele Filmemacher d\u00fcrfte die Ver\u00f6ffentlichung im Netz am Ende sogar die einzige Alternative sein.<\/p>\n<p>Das war noch vor wenigen Jahren unvorstellbar. Sundance gilt in seinem mehr als drei\u00dfigj\u00e4hrigen Bestehen als eines der wichtigsten Festivals f\u00fcr US-Indiefilme. Wer seinen Film hier zeigen durfte, hatte bisweilen gute Chancen auf einen lukrativen Deal \u2013 und manchmal auch auf den ganz gro\u00dfen Erfolg.<\/p>\n<p>2006 etwa deb\u00fctierte <em>Little Miss Sunshine<\/em> in Park City. W\u00e4hrend der Produktion noch als &#8222;wenig kinotauglich&#8220; eingestuft, spielte der Film mehr als 100 Millionen US-Dollar weltweit ein und gewann zwei Oscars. \u00c4hnliches gelang <em>Precious<\/em> nur drei Jahre sp\u00e4ter. 2010 machte auf dem Festival eine gewisse Jennifer Lawrence durch ihre Rolle im Hinterw\u00e4ldler-Drama <em>Winter&#8217;s Bone<\/em> erstmals auf sich aufmerksam.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckl\u00e4ufige Erl\u00f6se f\u00fcr Indiefilme<\/strong><\/p>\n<p>Doch die Zeiten, in denen sich die Vertriebe unmittelbar nach dem Screening eines Films gegenseitig im Handel um die Rechte \u00fcberboten, scheinen vorbei. Wie die <em>New York Times<\/em> <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2014\/01\/13\/business\/media\/more-movies-at-sundance-sidestepping-big-screen.html\" target=\"_blank\">vorrechnet<\/a>, fielen die Erl\u00f6se der f\u00fcnf erfolgreichsten Sundance-Deb\u00fctanten seit dem erfolgreichen Jahr 2006 auf mehr als die H\u00e4lfte, zwischen 2010 und 2012 sogar auf unter ein Drittel. An der Qualit\u00e4t liegt es nicht: Das hochgelobte <em>Beasts of the Southern Wild<\/em>, immerhin der Cam\u00e9ra-d&#8217;Or-Gewinner von Cannes, spielte 2012 in den USA lediglich 12,8 Millionen US-Dollar ein.<\/p>\n<p>Inzwischen ist die Filmwirtschaft deshalb vorsichtig geworden, wenn es nicht gerade um bekannte Marken und Namen geht. Die traditionelle Ver\u00f6ffentlichungskette vom Kino hin zum DVD-Verkauf und schlie\u00dflich ins Fernsehen l\u00f6st sich zunehmend auf. Die digitalen Filmverk\u00e4ufe auf Plattformen wie iTunes, Netflix oder \u00fcber die Kabelanbieter steigen zwar j\u00e4hrlich, k\u00f6nnen aber den Verlust des DVD-Gesch\u00e4fts zurzeit lediglich ausgleichen. Zudem dr\u00e4ngen immer mehr On-Demand-Anbieter (VoD) auf eine m\u00f6glichst schnelle Ver\u00f6ffentlichung, was wiederum die Kinobetreiber und damit auch die Verleiher unter Druck setzt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die aufstrebenden Filmemacher und Schauspieler auf dem Sundance und anderen Festivals bedeutet das konkret, dass die Filmvertriebe h\u00e4ufig keine Vorsch\u00fcsse mehr zahlen, sondern die Macher stattdessen nur an den tats\u00e4chlichen Erl\u00f6sen beteiligen. Andere, auch etablierte Vertriebe, konzentrieren sich immer \u00f6fter auf die VoD-Ver\u00f6ffentlichung und lassen Filme nur f\u00fcr kurze Zeit in ausgew\u00e4hlten Kinos laufen, um den offiziellen Spielfilmstatus zu erlangen.<\/p>\n<p><strong>Neue Online-Anbieter betreten den Markt<\/strong><\/p>\n<p>Doch wo die klassischen Verleiher z\u00f6gern, betreten neue aus dem Onlinebereich den Markt. Rena Ronson, eine Vertreterin der United Talent Agency, die einige Filmemacher des diesj\u00e4hrigen Sundance-Programms vertritt, sagt der <em>New York Times<\/em>, dass die &#8222;zus\u00e4tzlichen Vertriebsfenster inzwischen nicht nur Nebensache&#8220; seien.<\/p>\n<p>Gemeint sind Plattformen wie Netflix, die herk\u00f6mmliche Vertriebswege einfach \u00fcberspringen. So sicherte sich die Streaming-Plattform bereits vor der Sundance-Premiere die Exklusivrechte an der Dokumentation <em>Mitt<\/em>, die sechs Jahre lang den republikanischen Pr\u00e4sidentschaftskandidaten Mitt Romney <a href=\"http:\/\/www.thedailybeast.com\/articles\/2014\/01\/17\/inside-mitt-netflix-s-all-access-mitt-romney-documentary.html\" target=\"_blank\">begleitet<\/a>. Bereits am Freitag, einen Tag vor dem Ende des Festivals, erscheint der Film online.<\/p>\n<p>Auch die Videoplattform Vimeo sucht inzwischen aktiv nach Exklusivinhalten. Soeben haben die Betreiber die Streaming-Rechte an 13 Filmen des Toronto Film Festival <a title=\"Netzfilm der Woche: \u201cAll\u2019s Fair\u201d\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2014\/01\/15\/tiff-exklusiv-vimeo-on-demand\/\" target=\"_blank\">gesichert<\/a>. Au\u00dferdem <a href=\"http:\/\/variety.com\/2014\/digital\/news\/vimeo-offer-indie-filmmakers-access-to-500000-marketing-cash-if-they-raise-enough-through-crowdfunding-1201060902\/\" target=\"_blank\">verspricht<\/a> Vimeo ein Marketingbudget von bis zu 500.000 US-Dollar f\u00fcr Filme, die \u00fcber Kickstarter finanziert wurden. Das ist zwar weit entfernt von den zehn Millionen US-Dollar, die Fox einst f\u00fcr die Rechte an <em>Little Miss Sunshine<\/em> ausgab. Doch es ist eine Option f\u00fcr Indiefilmer, die bei klassischen Vertrieben keine Chance haben.<\/p>\n<p>Ein anderer Anbieter ist Fandor. Die Streaming-Plattform ist auf Indiefilme spezialisiert und basiert auf einem interessanten Gesch\u00e4ftsmodell: Die H\u00e4lfte aller Erl\u00f6se aus dem Abo-Gesch\u00e4ft werden wieder an die Filmemacher ausgesch\u00fcttet. Am Mittwoch gewann der Kurzfilm <em>Rat Pack Rat<\/em>, der exklusiv auf Fandor l\u00e4uft, den Sundance Jury-Award in der Kategorie &#8222;Beste Vision&#8220;. Jonathan Marlow, CCO von Fandor, sagte <a href=\"http:\/\/www.indiewire.com\/article\/fandor-to-debut-sundance-short-rat-pack-rat-and-is-looking-to-acquire-at-sundance\" target=\"_blank\">dem Filmportal <em>Indiewire<\/em><\/a>, dass man zudem hoffe, auf dem Festival noch mehr Kurzfilmer f\u00fcr die Plattform gewinnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Alternative: Selbstvertrieb<\/strong><\/p>\n<p>Nicht zuletzt ist auch der lange Zeit bel\u00e4chelte und allenfalls als Notl\u00f6sung angesehene Selbstvertrieb eine M\u00f6glichkeit, Inhalte an das Publikum zu bringen. Sundance bietet seit vergangenem Jahr in <a href=\"http:\/\/www.sundance.org\/artistservices\/\" target=\"_blank\">seinem K\u00fcnstlerprogramm<\/a> Kooperationen mit Anbietern wie Reelhouse und VHX an. Sie erm\u00f6glichen Filmemachern den Vertrieb von Inhalten \u00fcber die eigene Website. Vor allem Filme, die bereits eine Fanbase mitbringen, etwa durch eine Crowdfunding-Kampagne, k\u00f6nnen hier von fairen Konditionen profitieren, ohne die Rechte an Vertriebe abtreten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Circa 12.000 Filme wurden in diesem Jahr f\u00fcr das Sundance Festival eingereicht. 117 Spielfilme und 66 Kurzfilme haben es in das offizielle Programm geschafft. Vielleicht die H\u00e4lfte der Macher wird am Ende einen Vertrag mit einem Vertrieb unterschrieben haben, sch\u00e4tzt Adam Leipzig von der Filmberatungsfirma Entertainment Media Partners.<\/p>\n<p>Der Schauspieler Robert Redford, der Sundance einst mitgr\u00fcndete, sieht das Festival ohnehin in erster Linie nicht als Filmb\u00f6rse. &#8222;Sundance m\u00f6chte unterschiedlichen Stimmen eine Chance geben&#8220;, sagt Redford. Am besten nat\u00fcrlich \u00fcber das Festival hinaus. Deshalb gilt f\u00fcr alle Filmemacher, die ihre Arbeit nicht mehr unbedingt im gro\u00dfen Kinosaal sehen m\u00fcssen: Nie waren die Vertriebsm\u00f6glichkeiten so vielf\u00e4ltig wie heute.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Sundance Film Festival, das in dieser Woche in Park City in Utah stattfindet, werden traditionell die kommenden Indie-Hits des Jahres gesucht. Doch dieses Jahr zeigt: L\u00e4ngst geht es nicht mehr blo\u00df um den Erfolg an der Kinokasse. Stattdessen schalten sich immer mehr Online-Anbieter in das Gesch\u00e4ft mit den Exklusivrechten ein. 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