{"id":12000,"date":"2014-01-26T09:26:46","date_gmt":"2014-01-26T08:26:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/?p=12000"},"modified":"2014-02-13T12:04:30","modified_gmt":"2014-02-13T11:04:30","slug":"kurzfilm-die-beobachtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2014\/01\/26\/kurzfilm-die-beobachtung\/","title":{"rendered":"Netzfilm der Woche: &#8222;Die Beobachtung&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Eines morgens sind sie da, die beiden Beobachter. Mit Trenchcoat und Schlapphut stehen sie vor dem Bett des Bankangestellten K. und kritzeln in ihre Notizb\u00fccher. Woher sie kommen? Das d\u00fcrfen sie nicht sagen. Wie lange sie bleiben? Auch das nicht. Sicher ist nur, dass sie K. k\u00fcnftig auf Schritt und Tritt begleiten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Es sind nicht nur der Titel und der quasi namenlose Protagonist von <a href=\"http:\/\/www.romangonther.de\/\" target=\"_blank\">Roman Gonthers<\/a> Kurzfilm <em><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/pages\/Die-Beobachtung-The-Observation\/139025796110189\" target=\"_blank\">Die Beobachtung<\/a><\/em>, die an Kafka erinnern. Auch die st\u00e4ndige \u00dcberwachung, die scheinbar \u00fcberm\u00e4chtigen Beh\u00f6rden, spielen eine wichtige Rolle. So scheint es jedenfalls. Denn je l\u00e4nger <em>Die Beobachtung<\/em> geht, desto mehr Interpretationsm\u00f6glichkeiten ergeben sich. Im Interview spricht Roman Gonther \u00fcber die Entstehung des Films, und wieso er glaubt, dass Netzfilme zwar Potenzial haben, aber noch keine Alternative zum Kino sind.<\/p>\n<p style=\"font-size: 12px;\">\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"247\" src=\"\/\/player.vimeo.com\/video\/82571048?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0&amp;color=8c8c8a\" width=\"580\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Auf der Handlungsebene ist <em>Die Beobachtung<\/em> ein klassisch erz\u00e4hlter fantastischer Thriller mit skurrilem Humor. Aber es gibt nat\u00fcrlich eine tiefere Bedeutung: Woher kommen die Beobachter, wof\u00fcr stehen sie?<\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Sie haben den Film auf diversen Festivals gezeigt, auch international. Glauben Sie, dass der klassische Festivallauf in Zukunft durch das Internet bedroht ist?<\/p>\n<p><strong>Gonther<\/strong>: Auf Festivals sollte man Filme in ihrer bestm\u00f6glichen Umgebung pr\u00e4sentieren. Deshalb halte ich eine Gleichzeitigkeit, wie sie etwa <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2014\/01\/17\/sundance-film-festival-2014-shorts-youtube\/\" target=\"_blank\">auf dem Sundance Filmfestival stattfindet<\/a>, nicht f\u00fcr sinnvoll. Das wird der Sache weder auf der einen noch auf der anderen Seite gerecht, und suggeriert eine gewisse Beliebigkeit im Umgang mit unterschiedlichen Medien. Gerade dadurch entsteht in der Tat eine Konkurrenz, die es nicht geben sollte. Besser w\u00e4re es, die Festivalmacher w\u00fcrden ein eigenes Panel f\u00fcr Netzfilme machen und diese auch ausschlie\u00dflich im Netz zeigen.<\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Haben Sie schon einmal \u00fcberlegt, einen Kurzfilm von Anfang an online zu vertreiben?<\/p>\n<p><strong>Gonther<\/strong>: Kurzfilme im eigentlichen Sinne habe ich keine mehr geplant, aber tats\u00e4chlich w\u00e4lze ich gerade mehrere Stoffe f\u00fcr eine oder mehrere Miniserien, die ausschlie\u00dflich f\u00fcrs Netz produziert und anschlie\u00dfend \u00fcber eine dieser Plattformen vertrieben werden sollen. Das ist noch am Anfang, wird aber sicher spannend. Denn nat\u00fcrlich bietet der Online-Vertrieb auch Chancen und M\u00f6glichkeiten, sehr gute sogar, gerade f\u00fcr kleine Produktionen mit den richtigen, ma\u00dfgeschneiderten Formaten.<\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Wo sehen Sie die Schwierigkeiten?<\/p>\n<p><strong>Gonther<\/strong>: Das Internet hat viel versprochen, aber wenig gehalten. Nach all den Seminaren, die man besucht hat, \u00fcber den Filmproduzenten der Zukunft, der leicht und locker seinen Film mit minimalem Aufwand \u00fcber das Netz nicht nur promotet und vertreibt, sondern sogar finanziert, sieht man oft nur noch lange Gesichter. Zum einen ist jetzt, da jeder ein &#8222;Filmemacher&#8220; ist, oder glaubt, einer zu sein, das Grundrauschen so hoch, dass man sich nur mit enormem Aufwand Geh\u00f6r verschaffen kann. Qualit\u00e4t alleine reicht nicht mehr, wenn Katzenvideos zu Klickmillion\u00e4ren werden.<\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Und zum anderen?<\/p>\n<p><strong>Gonther<\/strong>: Das sind die Gewinne, die sich im Netz erzielen lassen. Neun Euro f\u00fcr eine Filmflatrate ist keine Basis. Da bleibt f\u00fcr den einzelnen Film nicht viel \u00fcbrig. Das ist allenfalls als Drittauswertung f\u00fcr Klassiker sinnvoll, aber daf\u00fcr zu produzieren, ist nicht m\u00f6glich. Neulich musste ich mir auf dem M\u00fcnchener Filmfest anh\u00f6ren, das sei ja alles gar nicht so schlimm. Man w\u00fcrde zwar am einzelnen Zuschauer nichts mehr verdienen, bek\u00e4me aber doch durch das Netz pl\u00f6tzlich Millionen neuer Zuschauer, etwa auch in Indien und Afrika. Das Problem ist aber, dass die sich schon aufgrund kultureller Unterscheide f\u00fcr unsere Filme gar nicht interessieren. Um erfolgreich zu sein, m\u00fcsste man dann nur noch kulturellen Einheitsbrei produzieren. Und das kann weder im Sinne der Filmemacher noch der Zuschauer sein.<\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Was erhoffen Sie sich pers\u00f6nlich noch davon, dass der Film nun auch online zu sehen ist?<\/p>\n<p><strong>Gonther<\/strong>: <em>Die Beobachtung<\/em> ist durch und durch ein Kinofilm. Die Bilder kommen erst auf der Leinwand richtig zur Geltung. Es kommt auf die Details an und man muss schon konzentriert dabei sein. Vor allem muss man ganz bis zum Ende dran bleiben, also \u00fcber den Abspann hinaus, sonst verpasst man die Aufl\u00f6sung. In diese Endtitelsequenz ist viel Zeit geflossen, und sie hat im Kino jedes Mal wunderbar funktioniert. Ob das allerdings netztauglich ist, wei\u00df ich nicht. Ich merke selbst, wie meine Aufmerksamkeitsspanne in den Keller f\u00e4llt, wenn ich mich durch Vimeo klicke. Zwanzig Minuten ist da fast schon episch.<\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Sie haben sich trotzdem daf\u00fcr entschieden, ihn auf Vimeo zu stellen.<\/p>\n<p><strong>Gonther<\/strong>: Ja, zumal der Film heute aktueller erscheint als zum Zeitpunkt seiner Entstehung. F\u00fcr mich stand beim Schreiben der ganze Aspekt Datenklau und \u00dcberwachung gar nicht im Vordergrund. Das war immer nur scheinbar der Kern der Geschichte. Aber jetzt installieren sich die Menschen mit Konsolen, Smart TVs und demn\u00e4chst auch mit Feuermeldern von Google freiwillig Kameras ins Haus, ohne es irgendwie komisch oder absurd zu finden. Vor diesem Hintergrund finde ich es faszinierend, wie sich meine eigene Wahrnehmung der Geschichte seit der Entstehung &#8222;erweitert&#8220; hat. Vielleicht macht es bei einigen Zuschauern ja auch &#8222;klick&#8220;, wenn sie pl\u00f6tzlich statt ihrem Smartphone Zack und Matthias (<em>die Namen der Schauspieler, Anm.<\/em>) als Beobachter gegen\u00fcber stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines morgens sind sie da, die beiden Beobachter. Mit Trenchcoat und Schlapphut stehen sie vor dem Bett des Bankangestellten K. und kritzeln in ihre Notizb\u00fccher. Woher sie kommen? Das d\u00fcrfen sie nicht sagen. Wie lange sie bleiben? Auch das nicht. Sicher ist nur, dass sie K. k\u00fcnftig auf Schritt und Tritt begleiten m\u00fcssen. 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