{"id":12507,"date":"2014-03-13T16:05:57","date_gmt":"2014-03-13T15:05:57","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/?p=12507"},"modified":"2014-03-26T15:43:26","modified_gmt":"2014-03-26T14:43:26","slug":"fake-first-kiss-kuka-hoverboard-youtube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2014\/03\/13\/fake-first-kiss-kuka-hoverboard-youtube\/","title":{"rendered":"Virale Videos: Gut gef\u00e4lscht ist halb erfolgreich"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-12508\" alt=\"fake\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2014\/03\/fake.gif\" width=\"346\" height=\"230\" \/><\/p>\n<p>Es sind vier Buchstaben, die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter unter Videos, Bildern oder Texten im Internet auftauchen: F-A-K-E. Fake! Eine F\u00e4lschung also, ein Trick, ein Schwindel, alles rein erfunden, hei\u00dfe Luft, ein Satz mit X. Was bei einigen Kommentatoren scheinbar von reflexartiger Paranoia herr\u00fchrt, hat gute Gr\u00fcnde. Denn je mehr Begeisterungspotenzial Inhalte im Netz bergen, desto kritischer wird in Zeiten von Photoshop und Spezialeffekten die Masse.<\/p>\n<p>Auf YouTube l\u00e4sst sich dieses Ph\u00e4nomen zurzeit gut beobachten. Einige der gr\u00f6\u00dften viralen Hits der letzten Wochen sind n\u00e4mlich nichts weiter als gestellt, geflunkert und getrickst. Was in der Werbebranche schon lange eine bekannte Technik ist, scheint immer h\u00e4ufiger auch auf YouTube \u00fcberzugreifen. In den meisten F\u00e4llen ist das harmlos. \u00c4rgerlich aber ist es, wenn die Inhalte nicht eindeutig als Werbung oder erfunden erkennbar sind. Stattdessen werden die Zuschauer zum Klickvieh gemacht. M\u00fcssen wir deshalb jedes erfolgreiche Video k\u00fcnftig noch genauer hinterfragen?<\/p>\n<p><strong>Der Ping-Pong-Roboter<\/strong><\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"315\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/tIIJME8-au8\" width=\"560\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Damit k\u00f6nnen personenbezogene Daten an Drittplattformen \u00fcbermittelt werden. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/hilfe\/datenschutz\" target=\"_blank\">Mehr dazu in unserer Datenschutzerkl\u00e4rung.<\/a>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Wie irref\u00fchrende Videos das Publikum im Netz verstimmen, erf\u00e4hrt gerade der Augsburger Roboter- und Anlagenbauer Kuka. Anfang Februar ver\u00f6ffentlichte das Unternehmen <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_mbdtupCbc4&amp;list=UU6HrPPoLdjNynZCvUrJbmBw\" target=\"_blank\">ein YouTube-Video<\/a>. Der Tischtennis-Star Timo Boll forderte darin einen Roboter der Firma zu einem Duell heraus. Sofort kamen die Erinnerungen an die Duelle zwischen Garri Kasparow und dem Schachcomputer Deep Blue in den Neunzigern auf; der Kampf Mensch gegen Maschine und die Frage, ob ein Roboter tats\u00e4chlich mit der menschlichen Athletik mithalten kann.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat Kuka einen Roboter gebaut, der Tischtennis spielen kann. Etwas, das aber auch schon andere mit <a href=\"http:\/\/ulfhoffmannroboter.wordpress.com\" target=\"_blank\">bescheideneren Mitteln hinbekommen haben<\/a> (Update: Auch dieser Roboter <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Der-Tischtennisroboter-und-sein-Phantom-Tueftler-2154534.html?wt_mc=rss.ho.beitrag.rdf\" target=\"_blank\">ist fake<\/a>). Was es allerdings nicht gab, ist ein richtiges Match. Es handelte sich um eine Werbeaktion. Am 11. M\u00e4rz, dem Zeitpunkt des mutma\u00dflichen Duells, er\u00f6ffnete Kuka n\u00e4mlich eine neue Fabrik in China. Timo Boll war dabei, allerdings nicht zum Tischtennis spielen, sondern vor allem zum H\u00e4ndesch\u00fctteln. Denn schon einen Tag vorher ver\u00f6ffentlichte die Firma das Video des Aufeinandertreffens mit dem Roboter.<\/p>\n<p>In dem viermin\u00fctigen Clip stolpert Boll zun\u00e4chst dilettantisch vor den Schl\u00e4gen des scheinbar \u00fcberm\u00e4chtigen Roboters. Nach und nach k\u00e4mpft er sich zur\u00fcck ins Spiel und gewinnt schlie\u00dflich 11:9. Das Video trieft vor orchestraler Bombast-Musik, wilden Kamerafahrten und Zeitlupe. Es endet mit einer augenzwinkernden Botschaft: &#8222;Kuka \u2013 nicht die Besten im Tischtennis. Aber die besten Roboter.&#8220;<\/p>\n<p>\u00dcber zwei Millionen Menschen sahen das Video bereits. Die H\u00e4lfte der Bewertungen und Kommentare sind negativ. Die Zuschauer f\u00fchlen sich zu Recht ver\u00e4ppelt. Das Unternehmen versprach etwas, dass es nicht gab: Ein ernst gemeintes Match zwischen Boll und dem Roboter.<\/p>\n<p><strong>Der fremde Kuss<\/strong><\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"315\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/IpbDHxCV29A\" width=\"560\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Der Untertitel: &#8222;Und du glaubst Speed Dating ist peinlich?&#8220;<\/p>\n<p>Abgesehen davon, dass die Aktion blo\u00df ein Abklatsch der Videoserie <em><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2013\/12\/04\/basorexia-sorrentino-kiss\/\" target=\"_blank\">Basorexia<\/a><\/em> ist, hat First Kiss nat\u00fcrlich die Zutaten f\u00fcr einen viralen Hit: Es weckt Emotionen, erinnert an den eigenen ersten Kuss, ist gleichzeitig etwas peinlich und doch irgendwie leidenschaftlich. Da kann mal schon mal dar\u00fcber hinwegsehen, dass es sich um <em>Branded Content<\/em> handelt, also von einem Unternehmen in Auftrag gegeben wurde.<\/p>\n<p>Das Modelabel dahinter macht daraus auch gar keinen Hehl. Gleich zu Beginn des Videos erscheint der Markenname. Die meisten Zuschauer und Medien scheint das nicht weiter zu st\u00f6ren. Das muss es auch nicht unbedingt: Schlie\u00dflich kann die Aktion ja dennoch authentisch sein.<\/p>\n<p>Sie ist es nicht. F\u00fcr das Video der gut angezogenen Menschen wurden n\u00e4mlich keine 20 M\u00e4nner und Frauen auf der Stra\u00dfe eingesammelt. Es handelt sich um Models und Schauspieler. Die h\u00e4tten sich, so eine Sprecherin der Modemarke, vorher allerdings weder gekannt noch gewusst, um was es bei dem Dreh geht. Entsprechend &#8222;echt&#8220; seien die Reaktionen im Video.<\/p>\n<p>Andere, wie Amanda Hess <a href=\"http:\/\/www.slate.com\/blogs\/xx_factor\/2014\/03\/11\/first_kiss_video_tatia_pilieva_films_strangers_who_are_also_actors_models.html\" target=\"_blank\">von <em>Slate<\/em><\/a>, bezweifeln das. Sie glaubt, dass der Clip niemals so viral erfolgreich gewesen w\u00e4re, wenn er durchschnittlich aussehende Menschen zeigen w\u00fcrde. Das Video h\u00e4tte einen anderen Dreh bekommen, hin zu einer unfreiwilligen Komik und weg von der mutma\u00dflichen Romantik der semiprofessionellen K\u00fcssenden. Vor allem aber widerspr\u00e4che die Entstehung der Grundthese des Videos, sagt Hess: Es suggeriere die Sch\u00f6nheit zweier sich k\u00fcssender Menschen. Tats\u00e4chlich zeige es aber die Sch\u00f6nheit von Models, die das spielen.<\/p>\n<p><strong>Der Wolf im Hausflur<\/strong><\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"326\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/3qZA-xOeQmE\" width=\"580\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Es war aber nur ein wolfsartiger Hund, wie Kimmel einige Tage sp\u00e4ter in seiner Show zugab.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kimmel sind die Videos gleicherma\u00dfen Comedy-Futter wie Medienkritik. Nur allzu willig gingen die gro\u00dfen Websites und Blogs auf die Videos ein und \u00fcbernahmen sie ungepr\u00fcft. Verpackt als harmloses Homevideo scheinen sie schlie\u00dflich keinen Absender mit versteckten Motiven zu haben. Das Beispiel zeigt, wie schwer es geworden ist, &#8222;echte&#8220; Videos von gestellten zu unterscheiden.<\/p>\n<p><strong>Der Trip zur\u00fcck in die Zukunft<\/strong><\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"326\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/A4vE_vpkr90\" width=\"580\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Der Schauspieler Christopher Lloyd, der in <em>Zur\u00fcck in die Zukunft<\/em> den Professor Doc Brown spielt, f\u00e4hrt stilecht mit einem DeLorean vor und l\u00fcftet das Produkt. Die Skateboard-Legende Tony Hawk und der Musiker Moby testen ihn gleich aus und schweben etwas ungelenk \u00fcber der Stra\u00dfe. Ihr Fazit: eine echt coole Sache. Und so intuitiv.<\/p>\n<p>Kaum etwas vermittelt den Eindruck, dass es sich bei dem Video tats\u00e4chlich um ein echtes Produkt handelt. Der Ton ist zu ironisch, die Aufnahmen zu schr\u00e4g. Es ist ein Jux, f\u00fcr den sich das Comedy-Portal <em>Funny or Die<\/em> einige Tage sp\u00e4ter verantwortlich zeigte. Die Kommentatoren auf YouTube nahmen es gr\u00f6\u00dftenteils sportlich. Dennoch entschuldigte sich Tony Hawk inzwischen bei den Zuschauern: Einige hatten das Video tats\u00e4chlich ernst genommen.<\/p>\n<p>H\u00e4tten sie doch blo\u00df auf die &#8222;Fake!&#8220;-Rufer geh\u00f6rt. Die sind zwar ebenso nervig wie die gef\u00e4lschten Werbeclips im Netz, liegen immer h\u00e4ufiger aber richtig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Es sind vier Buchstaben, die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter unter Videos, Bildern oder Texten im Internet auftauchen: F-A-K-E. Fake! Eine F\u00e4lschung also, ein Trick, ein Schwindel, alles rein erfunden, hei\u00dfe Luft, ein Satz mit X. Was bei einigen Kommentatoren scheinbar von reflexartiger Paranoia herr\u00fchrt, hat gute Gr\u00fcnde. 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