{"id":13028,"date":"2014-05-21T15:22:49","date_gmt":"2014-05-21T13:22:49","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/?p=13028"},"modified":"2014-05-21T16:16:06","modified_gmt":"2014-05-21T14:16:06","slug":"netflix-start-deutschland-streaming","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2014\/05\/21\/netflix-start-deutschland-streaming\/","title":{"rendered":"Netflix: Die Hoffnung der Serienjunkies"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_13029\" aria-describedby=\"caption-attachment-13029\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13029\" alt=\"Netflix-CEO Reed Hastings (Archivbild \u00a9 Getty Images)\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2014\/05\/124755309.jpg\" width=\"580\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2014\/05\/124755309.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2014\/05\/124755309-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13029\" class=\"wp-caption-text\">Netflix-CEO Reed Hastings (Archivbild \u00a9 Getty Images)<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Die Zahlen sind und bleiben beeindruckend: In den Abendstunden entfallen inzwischen <a href=\"http:\/\/www.cbc.ca\/news\/business\/netflix-now-more-than-1-3-of-internet-traffic-1.2642386\" target=\"_blank\">34 Prozent<\/a> des gesamten Internetverkehrs in den USA auf das Videoportal Netflix. Das ist so viel, dass das Unternehmen vor einigen Monaten sogar die gro\u00dfen Internetanbieter daf\u00fcr bezahlte, die Streams der Filme und Serien doch bitte m\u00f6glichst ruckelfrei durchzuleiten \u2013 und damit <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2014\/02\/18\/netflix-kabel-comcast-peering-vod\/\" target=\"_blank\">eine neue Diskussion<\/a> um das sogenannte Zwei-Klassen-Internet ausl\u00f6ste.<\/p>\n<p>Jetzt kommt Netflix nach Deutschland, das <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/digital\/2014-05\/netflix-expansion-deutschland-video-streaming\" target=\"_blank\">best\u00e4tigte das US-Unternehmen am Mittwoch<\/a>. Bis jetzt war der Video-on-Demand-Dienst (VoD) in Europa lediglich in den skandinavischen L\u00e4ndern, den Niederlanden und Gro\u00dfbritannien vertreten. Ein offizielles Datum f\u00fcr den deutschen Start gibt es noch nicht, es d\u00fcrfte Insidern zufolge aber auf Ende des Jahres hinauslaufen.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren machte Netflix seinen Hauptumsatz noch mit dem Verleih von DVDs per Post, inzwischen ist das b\u00f6rsennotierte Unternehmen der gr\u00f6\u00dfte und bekannteste Streamingdienst f\u00fcr Filme und Serien der Welt. In den USA kostet die monatliche Mitgliedschaft gerade einmal 8,99 Dollar, daf\u00fcr bekommen die Kunden die gr\u00f6\u00dfte Auswahl an TV-Inhalten im Netz geboten. Wie es im <a href=\"http:\/\/files.shareholder.com\/downloads\/NFLX\/3184271293x0x745654\/fb5aaae0-b991-4e76-863c-3b859c8dece8\/Q114%20Earnings%20Letter%204.21.14%20final.pdf\" target=\"_blank\">aktuellen Gesch\u00e4ftsbericht<\/a> hei\u00dft, glaubt Netflix, dass das internationale Gesch\u00e4ft den US-Markt fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u00fcberholen wird.<\/p>\n<p><strong>Mit selbst produzierten Serien zum Erfolg<\/strong><\/p>\n<p>In den USA ist Netflix l\u00e4ngst eine kulturelle Institution. Mit mehr als 30 Millionen Abonnenten hat der Dienst in den USA mehr Kunden als der Kabelkanal HBO, mit dem Netflix oft verglichen wird. Ab Mitte der neunziger Jahre revolutionierte HBO mit Serien wie den <em>Sopranos<\/em>, <em>The Wire<\/em> und <em>Six Feet Under<\/em> das amerikanische Fernsehen: Sozialkritische Themen, komplexe Erz\u00e4hlungen, Antihelden und bisweilen explizite Sex- und Gewaltdarstellungen \u2013 all das galt im quotengetriebenen TV-Gesch\u00e4ft als Kassengift. Doch je mehr Zuschauer zu HBO wechselten, desto mehr \u00f6ffneten sich die Fernsehsender neuen Inhalten.<\/p>\n<p>Auch Netflix betreibt hochwertiges <em>Original Programming<\/em>, wie die Produktion eigener, exklusiver Inhalte hei\u00dft. Und revolutioniert damit ebenfalls die Branche: Als das Unternehmen vor zwei Jahren erstmals die <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/film\/2013-02\/serie-netflix-house-of-cards\" target=\"_blank\">selbst produzierte Serie <em>House of Cards<\/em><\/a> mit Oscar-Gewinner Kevin Spacey in der Hauptrolle ank\u00fcndigte, war das eine Z\u00e4sur in der Filmindustrie. Zuvor waren Streamingdienste vor allem Zweitverwerter, die Inhalte von den Produktionsstudios, von den Kabelsendern und internationalen Verleihen f\u00fcr viel Geld einkauften.<\/p>\n<p>Netflix hat gezeigt, dass auch ein reiner Onlinedienst qualitativ mit den Fernsehprogrammen mithalten kann. 100 Millionen US-Dollar soll die erste Staffel von <em>House of Cards<\/em> gekostet haben. Wie viele Abonnenten die Serie tats\u00e4chlich sahen? Dar\u00fcber schweigt Netflix bis heute. Doch kaum jemand bezweifelt, dass es sich gelohnt hat. Inzwischen hat das Unternehmen ein halbes Dutzend Originalserien im Angebot, neben <em>House of Cards<\/em> die Gef\u00e4ngnisserie <em>Orange is the New Black<\/em>, die wiederbelebte Sitcom <em><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/film\/2013-05\/arrested-development-serie-netflix-comedy\" target=\"_blank\">Arrested Development<\/a><\/em> und die Horrorserie <em>Hemlock Grove<\/em>. Mehrere exklusive animierte Kinderserien sind noch f\u00fcr dieses Jahr geplant.<\/p>\n<p><strong>Die M\u00f6glichkeiten des Web nutzen<\/strong><\/p>\n<p>Netflix m\u00f6chte aber nicht blo\u00df qualitativ mit dem klassischen Fernsehen mithalten, sondern auch die Sehgewohnheiten revolutionieren. Der Autor Tim Wu nennt es <a href=\"http:\/\/www.newrepublic.com\/article\/115687\/netflixs-war-mass-culture\" target=\"_blank\">einen &#8222;Krieg gegen die Massenkultur&#8220;<\/a>. Da Netflix \u2013 wie auch HBO \u2013 nicht auf Quoten und Werbung angewiesen ist, k\u00f6nnen sie ihre Inhalte anders ausliefern. So, wie es die Zuschauer eigentlich bevorzugen, glaubt das Unternehmen. Serien wie <em>House of Cards<\/em> strahlt das Portal deshalb nicht nacheinander aus, sondern bietet die komplette Staffel auf einmal an, damit die Zuschauer sofort eintauchen k\u00f6nnen. Das sogenannte <em>binge viewing<\/em>, der Konsum von Serien am St\u00fcck, ist dank Netflix zum gefl\u00fcgelten Wort in der Branche geworden.<\/p>\n<p>Zum anderen nutzt das Portal die M\u00f6glichkeiten der Vernetzung und Big Data: Netflix kennt das Sehverhalten seiner Nutzer ganz genau. Auf die Minute genau kann das Portal analysieren, wann ein Zuschauer was guckt und wann er ausschaltet. Auf Basis der Vorlieben ist es Netflix m\u00f6glich, <a href=\"http:\/\/www.theatlantic.com\/technology\/archive\/2014\/01\/how-netflix-reverse-engineered-hollywood\/282679\/\" target=\"_blank\">individuelle Programmpl\u00e4ne<\/a> und Empfehlungen zu erstellen. Der Vorteil des Streamings: Die Inhalte sind jederzeit verf\u00fcgbar, und die Zuschauer sind, im Gegensatz zum linearen Fernsehen, auf Netflix ihre eigenen Programmdirektoren. Wie Tim Wu schreibt, wird diese Form des &#8222;Konsums per Mausklick&#8220; f\u00fcr die kommenden Generationen die erste Wahl sein.<\/p>\n<p><strong>In Deutschland ist noch Platz f\u00fcr Netflix<\/strong><\/p>\n<p>In Deutschland betritt der Dienst einen Markt, der zwar nicht gro\u00df, aber <a href=\"http:\/\/www.was-ist-vod.de\" target=\"_blank\">zersplittert ist<\/a>. Mit Apple iTunes, Google Play und <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2014\/02\/21\/amazon-prime-instant-video-lovefilm-streaming\/\" target=\"_blank\">Amazon Prime Instant Video<\/a> (ehemals Lovefilm) sind zum einen drei gro\u00dfe Konzerne mit ihren Filmplattformen bereits vertreten. Auf der anderen Seite stehen die klassischen VoD-Portale: Maxdome, ein Angebot von Pro7\/Sat1, Watchever, das von der franz\u00f6sischen Vivendi-Gruppe betrieben wird, oder Videoload von der Deutschen Telekom. Dazu kommen Portale von Kabelanbietern wie Kabel Deutschland oder Vodafone, sowie Nischendienste wie etwa realeyz f\u00fcr Arthouse-Filme oder das werbefinanzierte <a href=\"http:\/\/www.netzkino.de\/\" target=\"_blank\">Netzkino<\/a>.<\/p>\n<p>Stefan Schulz, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Watchever, sieht die drohende Konkurrenz gelassen. Man sei stark genug, um auch gegen Netflix bestehen zu k\u00f6nnen. Tats\u00e4chlich <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2013\/10\/18\/watchever-streaming-serie\/\" target=\"_blank\">arbeitet auch Watchever inzwischen an Eigenproduktionen<\/a> und trumpft mit Inhalten aus dem europ\u00e4ischen Ausland auf wie der Zombieserie <em>The Returned<\/em>.<\/p>\n<p>Doch k\u00f6nnen die deutschen Anbieter auf Dauer mit dem weltweiten Marktf\u00fchrer mithalten oder entscheiden sich die Kunden nicht zuletzt doch nur f\u00fcr den Dienst, der sowohl die beste Auswahl als auch die beste Umsetzung hat?<\/p>\n<p>In nahezu allen g\u00e4ngigen Spielkonsolen, mobilen Betriebssystemen, Set-Top-Boxen, Smart-TVs und Streaming-Sticks wie Chromecast ist Netflix als App bereits integriert \u2013 ein technischer Vorsprung, der f\u00fcr deutsche Anbieter nur schwer aufzuholen ist. Zudem k\u00f6nnte Netflix als US-Unternehmen etwas mitbringen, das die deutschen Plattformen noch immer nicht f\u00fcr alle Inhalte anbieten: eine Bibliothek an Filmen und Serien im Originalton, am besten nat\u00fcrlich m\u00f6glichst aktuell.<\/p>\n<p><strong>M\u00f6glicherweise k\u00f6nnte Netflix eigene Serien nicht streamen<\/strong><\/p>\n<p>Doch ausgerechnet hier k\u00f6nnten die Erwartungen entt\u00e4uscht werden. Die Hoffnung, dass Netflix in Deutschland f\u00fcr einen monatlichen Abo-Preis von etwa 10 Euro das komplette US-Serienangebot abdeckt, d\u00fcrfte sich kaum best\u00e4tigen. Daf\u00fcr sind die Lizensierungsmodelle zu komplex, zumal diese oft von Land zu Land verschieden sind, und in Deutschland die bestehenden Plattformen bereits exklusive Deals mit Studios und Verleihen abgeschlossen haben.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Amazon hatte sich vor wenigen Wochen die Rechte <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2014\/04\/23\/amazon-hbo-serien-deal\/\" target=\"_blank\">an \u00e4lteren HBO-Serien gesichert<\/a>. Sollte der Deal international gelten, h\u00e4tte Amazon auch in Deutschland einen Vorteil gegen\u00fcber Netflix. Aktuelle HBO-Serien wie <em>Game of Thrones<\/em> oder <em>True Detective<\/em> dagegen wird es zun\u00e4chst weder bei Amazon noch auf Netflix per Stream geben \u2013 die laufen n\u00e4mlich exklusiv auf Sky.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte noch kurioser werden, n\u00e4mlich wenn Netflix seine eigenen Serien in Deutschland nicht streamen d\u00fcrfte. Der deutsche Sky-Programmchef Gary Davey sagte <em>Die Presse<\/em> <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/kultur\/medien\/1554867\/SkyProgrammchef_Ich-glaube-an-klassisches-Fernsehen-\" target=\"_blank\">im Januar als Antwort<\/a> auf eine m\u00f6gliche Netflix-Expansion, dass Netflix&#8216; <em>House of Cards<\/em> &#8222;nicht in absehbarer Zeit&#8220; in Deutschland zeigen k\u00f6nne, da Sky die Rechte f\u00fcr Deutschland besitzt.<\/p>\n<p>Am Ende wird es auf die Frage hinauslaufen, ob Netflix es gelingt, seine ebenso gro\u00dfe wie aktuelle Bibliothek von Filmen und Serien im schwierigen deutschen Markt zu etablieren. Im besten Fall k\u00f6nnte Netflix in Deutschland das Gleiche gelingen wie in den USA: Dort ist das Streaming nicht mehr blo\u00df eine Erg\u00e4nzung zum traditionellen Fernsehen, sondern eine Alternative.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zahlen sind und bleiben beeindruckend: In den Abendstunden entfallen inzwischen 34 Prozent des gesamten Internetverkehrs in den USA auf das Videoportal Netflix. 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