{"id":6912,"date":"2012-12-25T16:43:55","date_gmt":"2012-12-25T15:43:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/?p=6912"},"modified":"2012-12-27T13:38:42","modified_gmt":"2012-12-27T12:38:42","slug":"supercuts-genre-video-online-filmkritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2012\/12\/25\/supercuts-genre-video-online-filmkritik\/","title":{"rendered":"Einfach super, diese Cuts"},"content":{"rendered":"<p>Zu Bruce Willis gibt es einen, zu Nicolas Cage ebenfalls und zu Arnold Schwarzenegger sowieso. Die Rede ist von einem Supercut, einer Montage aus Filmszenen zu einem ganz bestimmten Thema. Anders als in den artverwandten Mashups, die unterschiedliche und oft gegens\u00e4tzliche Motive und Quellen verbinden, konzentrieren sich Supercuts auf einzelne Schauspieler oder bestimmte immer gleiche Handlungsabl\u00e4ufe oder Dialoge. Sie zeigen dann wie <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5aLR-8c11ms&amp;feature=player_embedded#!\" target=\"_blank\">inbr\u00fcnstig sich Arnie durch s\u00e4mtliche Rollen schreit<\/a> oder wie Bruce Willis <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4qMNHKTeB9k\">einige Dutzend Autos schrottet<\/a>. Inzwischen ist daraus ein eigenes &#8211; und eigenwilliges &#8211; Filmgenre im Netz entstanden.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"304\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/hnLweMNQoiE\" width=\"540\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Damit k\u00f6nnen personenbezogene Daten an Drittplattformen \u00fcbermittelt werden. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/hilfe\/datenschutz\" target=\"_blank\">Mehr dazu in unserer Datenschutzerkl\u00e4rung.<\/a>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><strong>Proto-Supercuts<\/strong><\/p>\n<p>Der Begriff geht auf den US-Blogger Andy Baio zur\u00fcck, der 2008 <a href=\"http:\/\/waxy.org\/2008\/04\/fanboy_supercuts_obsessive_video_montages\/\" target=\"_blank\">in einem Blogeintrag<\/a> auf diese Form &#8222;obsessiv-zwanghafter Sammelwut&#8220; von Filmfans hinwies, nachdem er <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GcatQSyRK6c\" target=\"_blank\">ein YouTube-Video gesehen hatte<\/a>, indem die Darsteller der Serie <em>Lost<\/em> nichts anderes taten, als immer wieder perplex <em>&#8222;What?&#8220;<\/em> zu fragen. Aus Mangel an Alternativen w\u00e4hlte Baio die Bezeichnung Supercut.<\/p>\n<p>Die Idee solcher Zusammenschnitte gibt es jedoch schon l\u00e4nger. Der Filmkritiker Tom McCormack hat die ersten Supercuts <a href=\"http:\/\/www.movingimagesource.us\/articles\/compilation-nation-20110425\" target=\"_blank\">in einem Essay<\/a> bis in die drei\u00dfiger Jahre zur\u00fcckverfolgt, als etwa Joseph Cornell diverse Szenen der Schauspielerin Rose Hobart in einen <a href=\"http:\/\/ubu.com\/film\/cornell_rose.html\" target=\"_blank\">gleichnamigen<\/a>, surrealen 20-min\u00fctigen Film verwandelte. Andere dieser &#8222;Proto-Supercuts&#8220; wie Bruce Conners <em><a href=\"http:\/\/www.criticalcommons.org\/Members\/ccManager\/clips\/bruceconneramovie50deinterlaced.mp4\/view\" target=\"_blank\">A Movie<\/a><\/em> aus dem Jahr 1958 erinnern eher an traditionelle Schnitt-Experimente. Erst 1995 klebte Christian Marclay f\u00fcr seinen Kurzfilm <em><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?feature=player_embedded&amp;v=yH5HTPjPvyE\" target=\"_blank\">Telephones<\/a><\/em> Szenen aus Hollywood-Klassikern zusammen, in denen Menschen telefonierten. Das Ergebnis war eine eigenst\u00e4ndige Erz\u00e4hlung in Form einer endlosen Telefonkette &#8211; und damit vielleicht der erste echte Supercut.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"304\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/yH5HTPjPvyE\" width=\"540\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Und manch gut gemachter Supercut hat das Zeug zum viralen Hit.<\/p>\n<p>Das merkte auch der Student Bryan Menegus, nachdem er im Sommer eine dieser typischen Ideen f\u00fcr einen Supercut hatte: Er schnitt einfach alle Szenen mit Drinks zusammen, die die Darsteller in der Erfolgsserie <em>Mad Men<\/em> konsumieren. Das sind bekanntlich <a href=\"http:\/\/www.fastcodesign.com\/1671393\/infographic-how-much-do-the-mad-men-really-drink#3\" target=\"_blank\">eine ganze Menge<\/a>. Zwei Wochen hat Menegus gebraucht, um die Serie komplett anzusehen, anschlie\u00dfend noch einmal drei Tage, um alles Hochprozentige zusammenzuschneiden. Der Lohn der M\u00fche? Einige Hunderttausend Abrufe und 150 US-Dollar, die er vom YouTube-Kanal Slacktory f\u00fcr die exklusive \u00dcbernahme bekam. Ein magerer Stundenlohn, aber darum geht es den Supercuttern gar nicht.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"304\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/48kBgFtHs7o\" width=\"540\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Das Ergebnis seiner Studie: Durchschnittlich bestehen Supercuts aus 82 Szenen und werden zu gut zwei Dritteln von Fans der jeweiligen Filme oder Schauspieler gemacht.<\/p>\n<p><strong>Der Supercut als Filmkritik<\/strong><\/p>\n<p>Nicht alle Supercuts sind deshalb gleich gut. Viele Arbeiten sind tats\u00e4chlich blo\u00df Collagen um des Sammelns willen, ohne H\u00f6hepunkt und Pointe. Doch in den vergangenen zwei Jahren ist die Supercut-Szene noch einmal gewachsen, zahlenm\u00e4\u00dfig wie inhaltlich. Vielen Cuttern geht es nicht mehr blo\u00df um Albereien, sondern um eine neue Form von Filmkritik. Abgedroschene Phrasen, sich wiederholende Szenen, Tropen und Metaphern lassen sich im Supercut einfach und effektiv blo\u00dfstellen. Wie die Bloggerin Morgan Wehling <a href=\"http:\/\/blog.mindjet.com\/2012\/11\/supercuts-the-art-of-presentation\/\">schreibt<\/a>, k\u00f6nnen  Supercuts unspektakul\u00e4ren Szenen eine zus\u00e4tzliche Bedeutungsebene geben. Dass sich die <em>Twilight<\/em>-Darstellerin Kristen Stewart etwa in ihren Filmen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZFXbyYGb-iw\" target=\"_blank\">auffallend oft auf die Lippe bei\u00dft<\/a> und \u00e4hnlich oft genervt st\u00f6hnt, mag den Zuschauern im Kino nicht auffallen. In den jeweiligen Supercuts l\u00e4sst sich dagegen mit\u00e4chzen, bis die eigene Lippe blutet.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"304\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/1vlQd9w0w_4\" width=\"540\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Vom Auftreten der sogenannten <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?feature=player_embedded&amp;v=4tiPOMd14eQ\" target=\"_blank\">Bodenl\u00e4ufer<\/a> (dem <em>Tumbleweed<\/em>) bis zum erstaunlich <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QE_OLPEN5vU&amp;feature=player_embedded\" target=\"_blank\">h\u00e4ufig vorkommenden<\/a> <em>Zauberer von Oz<\/em> Zitat &#8222;Wir sind hier nicht mehr in Kansas, Toto!&#8220;, vom beliebten &#8222;<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3tjoqhx_dwk\">Spiegel-Schocker<\/a>&#8220; bis hin zum gepflegten <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=XimczHpQyhU\" target=\"_blank\">Marihuana-Konsum<\/a> &#8211; Supercuts sind immer auch ein Querschnitt durch die Filmgeschichte und damit ebenso Kritik wie Dokumentation. Eine besonders entlarvende Arbeit hat Kevin Porter zusammengestellt. &#8222;Sorkinismen&#8220; nennt er Redewendungen und Phrasen aus der Feder von Drehbuch-Autor Aaron Sorkin (<em>The West Wing, The Social Network<\/em>), die sich st\u00e4ndig wiederholen.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"304\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/S78RzZr3IwI\" width=\"540\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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In einem anderen Projekt zeigt er, wie h\u00e4ufig Quentin Tarantino <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/37540504#\" target=\"_blank\">seine Protagonisten <\/a><a href=\"https:\/\/vimeo.com\/37540504#\" target=\"_blank\">von unten herauf filmt<\/a>, als stecke die Kamera direkt in den Augen des Gegen\u00fcbers. Brian Carroll hat genau <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/31487012#\" target=\"_blank\">das Gegenteil zusammengeschnitten<\/a>: Kameras, die aus der &#8222;Gott-Perspektive&#8220; von oben herab filmen.<\/p>\n<p>Sowohl Kogonada als auch Carroll m\u00f6chten die Arbeitsweisen der Regisseure nicht etwa kritisieren, sondern ihnen huldigen &#8211; und gleichzeitig eigene Kunst schaffen: &#8222;Ich liebe den Schnitt und m\u00f6chte etwas zusammenstellen, das visuell und \u00e4sthetisch anspruchsvoll ist&#8220;, <a href=\"http:\/\/www.theatlantic.com\/video\/archive\/2012\/09\/kubricks-one-point-perspective\/262463\/\">sagt Konada<\/a>. Genau darin liegt vielleicht die Essenz des noch jungen Genres: Ein guter Supercut ist mehr als die Summe seiner Szenen.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"304\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/dXq5rcY4_TU\" width=\"540\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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