{"id":7307,"date":"2013-01-17T13:06:28","date_gmt":"2013-01-17T12:06:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/?p=7307"},"modified":"2013-01-22T14:36:35","modified_gmt":"2013-01-22T13:36:35","slug":"youtube-netzwerke-ray-william-johnson-nutzen-mediakraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2013\/01\/17\/youtube-netzwerke-ray-william-johnson-nutzen-mediakraft\/","title":{"rendered":"YouTube-Netzwerke: Fluch oder Segen?"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_7309\" aria-describedby=\"caption-attachment-7309\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7309\" alt=\"YouTuber Ray William Johnson (Bild: Federico Pesti\/Flickr (CC by 2.0)\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2013\/01\/rwj.jpg\" width=\"540\" height=\"358\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2013\/01\/rwj.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2013\/01\/rwj-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7309\" class=\"wp-caption-text\">YouTuber Ray William Johnson (Bild: <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/fedepresti\/5623892572\/\">Federico Presti\/Flickr (CC by 2.0)<\/a>)<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Was hat die Filmszene der drei\u00dfiger Jahre mit YouTube gemeinsam? Eine ganze Menge, schrieb vergangene Woche der amerikanische Filmhistoriker <a href=\"http:\/\/experts.news.wisc.edu\/experts\/32\" target=\"_blank\">Tino Balio<\/a> in einem <a href=\"http:\/\/www.laweekly.com\/2013-01-10\/news\/machinima-maker-studios-YouTube\/full\/\" target=\"_blank\">Artikel in der <em>LA Weekly<\/em><\/a>. Seiner Meinung nach macht die Videoplattform gerade eine \u00e4hnliche Entwicklung durch wie die fr\u00fchen Hollywood-Studios. Damals wie heute waren zur Professionalisierung des Mediums m\u00f6glichst viele exklusive Inhalte notwendig, die von meist jungen und unerfahrenen Produzenten stammen. Und wie einst in Hollywood wird auch bei YouTube der ein oder andere Produzent schlicht \u00fcbers Ohr gehauen. Man k\u00f6nnte meinen, es sei das Lehrgeld, das die Macher f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Publikum bezahlen m\u00fcssen. Doch so einfach ist es dann doch nicht.<\/p>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/www.laweekly.com\/2013-01-10\/news\/machinima-maker-studios-YouTube\/full\/\" target=\"_blank\">Mittelpunkt der Diskussion<\/a> stehen die sogenannten YouTube-Netzwerke. Sie bilden einen Zusammenschluss vieler einzelner Kan\u00e4le. Wie ein Filmstudio oder Fernsehsender b\u00fcndeln sie unterschiedliche Inhalte und <a href=\"http:\/\/www.gugelproductions.de\/blog\/2013\/deutsche-youtube-netzwerke-im-uberblick.html\" target=\"_blank\">\u00fcbernehmen die Funktionen<\/a>, mit denen die meist jungen Produzenten nicht vertraut sind: Talentf\u00f6rderung, Produktionshilfe, die Kl\u00e4rung von Rechten und die zielgruppengerechte Vermarktung. F\u00fcr diese Leistungen und die im Idealfall erlangte Reichweitensteigerung behalten sie einen Teil der Werbeeinahmen ein. In Deutschland z\u00e4hlt das K\u00f6lner Unternehmen <a href=\"http:\/\/www.mediakraft.de\/\" target=\"_blank\">Mediakraft<\/a> zu den erfolgreichsten dieser Netzwerke. Mehr als 150 Kan\u00e4le z\u00e4hlt es zu seinem Portfolio, die insgesamt mehr als 100 Millionen Abrufe im Monat generieren.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu den USA sind diese Zahlen gering. Das auf Videospiele spezialisierte amerikanische Netzwerk <a href=\"http:\/\/www.machinima.com\/\" target=\"_blank\">Machinima<\/a> etwa unterh\u00e4lt inzwischen \u00fcber 5.000 Partner und kam damit im Dezember auf rund 2,6 Milliarden Abrufe pro Monat. Bei <a href=\"http:\/\/www.makerstudios.com\/\" target=\"_blank\">Maker Studios<\/a> sind es 2 Milliarden Abrufe mit 3.000 Partnern. Zu ihren Investoren z\u00e4hlen Gro\u00dfunternehmen wie Google oder Time Warner, die <a href=\"http:\/\/readwrite.com\/2012\/12\/20\/time-warner-invests-36-million-in-youtube-network-maker-studios\" target=\"_blank\">Millionenbetr\u00e4ge in die Netzwerke pumpen<\/a>. Doch genau diese beiden gro\u00dfen Netzwerke sorgten in den vergangenen Monaten vermehrt f\u00fcr negative Schlagzeilen.<\/p>\n<p><strong>Knebelvertr\u00e4ge und schlechte Konditionen<\/strong><\/p>\n<p>Im Mai vergangenen Jahres gab ein junger Brite namens Ben Vacas, ein als &#8222;<a href=\"www.youtube.com\/BraindeadlyWorld\" target=\"_blank\">Braindeadly<\/a>&#8220; bekannter Videospieler, in einem kurzen \u2013 inzwischen gel\u00f6schten \u2013 Video seinen Abschied von der Plattform Machinima bekannt. Die Entscheidung kam, nachdem er herausgefunden hatte, dass das Netzwerk per Vertrag \u00fcber die Rechte an seinen Videos verf\u00fcgte \u2013 und zwar f\u00fcr immer. Was auch immer Vacas unter seinem Namen auf YouTube hochladen w\u00fcrde, w\u00e4re ein Teil des Machinima-Netzwerkes und damit dessen Kontrolle unterworfen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7315\" alt=\"machinima\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/files\/2013\/01\/machinima1.jpg\" width=\"200\" height=\"148\" \/> Die YouTube-Szene <a href=\"http:\/\/www.dailydot.com\/business\/braindeadly-machinima-lifetime-contract-protest\/\" target=\"_blank\">reagierte prompt<\/a>. In zahlreichen Videoantworten meldeten sich Partner von Netzwerken, die \u00e4hnliche Erfahrungen mit Knebelvertr\u00e4gen und schlechten Konditionen bei der Verteilung der Werbeeinnahmen machten. YouTuber wie der Belgier <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/user\/AtheneWins\" target=\"_blank\">Athene<\/a>, der selbsternannte &#8222;beste Gamer der Welt&#8220;, drohte aus Solidarit\u00e4t damit, Machinima ebenfalls zu verlassen. Andere wiesen dagegen nur h\u00e4misch darauf hin, dass man vor dem Unterzeichnen besser das Kleingedruckte lesen sollte.<\/p>\n<p>Probleme mit dem Kleingedruckten hatte im Oktober auch <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/user\/RayWilliamJohnson\" target=\"_blank\">Ray William Johnson<\/a>. Der 31-J\u00e4hrige ist einer der erfolgreichsten YouTuber aller Zeiten. Mit seiner Show <em>=3<\/em> (&#8222;Equals Three&#8220;), in der er virale Videos auf die Schippe nimmt, hat er es inzwischen auf fast sieben Millionen Abonnenten gebracht. Es wird vermutet, dass Johnson als einer der ersten Menschen \u00fcberhaupt inzwischen \u00fcber eine Million US-Dollar mit Werbeeinnahmen auf YouTube eingenommen hat.<\/p>\n<p>Der Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Wie Johnson <a href=\"http:\/\/newmediarockstars.com\/2012\/12\/why-i-left-maker-studios\/\" target=\"_blank\">im Dezember schrieb<\/a>, kontaktierte ihn Maker Studios zu Beginn des Jahres 2012 mit der Aufforderung, einen neuen Vertrag zu unterzeichnen. Dieser spr\u00e4che dem Netzwerk eine h\u00f6here Beteiligung (40 Prozent) an den Werbeeinnahmen und die H\u00e4lfte der Urheberrechte von Johnsons YouTube-Kanal zu. Johnson lehnte ab, was Maker dazu brachte, die Produktion eines geplanten Musikalbums von Johnson zu stoppen. Im Oktober entschied sich Johnson schlie\u00dflich, das Netzwerk zu verlassen, um eine eigene Produktionsfirma zu gr\u00fcnden. Dabei gibt es jedoch ein Problem: Maker ist noch immer im Besitz von Johnsons Google-AdSense-Account, \u00fcber den die Werbeeinnahmen laufen. Das Studio betont, dass man Johnson h\u00e4tte ziehen lassen und sich an die Vertragsrechte halte, die mit einer K\u00fcndigung einhergehen. Inzwischen kommunizieren beide Seiten nur noch \u00fcber ihre Anw\u00e4lte.<\/p>\n<p><strong>Die Kritik an Netzwerken w\u00e4chst<\/strong><\/p>\n<p>Von solchen Erfahrungen wei\u00df Christoph Krachten aus der deutschen YouTube-Szene nichts. Der Chief Operating Officer von Mediakraft glaubt, dass die Partner in Deutschland besser gesch\u00fctzt seien: &#8222;In Deutschland d\u00fcrfen Vertr\u00e4ge eine Laufzeit von maximal f\u00fcnf Jahren haben. Bei uns ist die Vertragsdauer deutlich geringer, das unterscheidet sich aber von Partner zu Partner&#8220;, sagt Krachten auf Nachfrage von ZEIT ONLINE. Und auch die Rechte seien klar definiert: &#8222;Wir bekommen lediglich die Nutzungsrechte f\u00fcr die Onlinenutzung \u00fcbertragen&#8220;, sagt Krachten, &#8222;die Urheberrechte bleiben immer bei den Urhebern, und nach Ablauf des Vertrags gehen auch die Nutzungsrechte an sie zur\u00fcck.&#8220;<\/p>\n<p>Und doch w\u00e4chst die Kritik an den YouTube-Netzwerken und an ihrer Mittlerrolle im sich stetig weiter entwickelnden <a href=\"http:\/\/www.gugelproductions.de\/blog\/2012\/das-youtube-okosystem.html\" target=\"_blank\">YouTube-\u00d6kosystem<\/a> auch in Deutschland: Unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?feature=player_embedded&amp;v=aT0415Pnr9U\" target=\"_blank\">&#8222;Mein YouTube Netzwerk bringt mich um&#8220;<\/a> diskutierte etwa der YouTuber Videoamt im November in einem Google Hangout mit anderen Nutzern \u00fcber den Sinn und Unsinn von Netzwerken. Wirklich schlechte Erfahrungen kamen dabei zwar nicht zusammen, wohl aber wurden kritische Fragen diskutiert, was denn ein Netzwerk f\u00fcr seine Partner leisten solle, ob die Netzwerke tats\u00e4chlich die <a href=\"http:\/\/readwrite.com\/2012\/10\/19\/youtube-networks-an-inside-look-at-their-unsavory-business-practices\" target=\"_blank\">h\u00e4ufig minderj\u00e4hrigen Produzenten ausn\u00fctzten<\/a>? Ob YouTuber, die bereits \u00fcber viele Fans verf\u00fcgen, \u00fcberhaupt noch ihre Hilfe ben\u00f6tigten? <a href=\"http:\/\/newmediarockstars.com\/2013\/01\/the-young-turks-steven-oh-talks-fair-practices-why-youtube-networks-arent-working-interview\/\" target=\"_blank\">Steven Oh<\/a> vom einflussreichen Politik-Kanal <em>The Young Turks<\/em> sagte j\u00fcngst: &#8222;YouTube [war] urspr\u00fcnglich ein Ort f\u00fcr &#8222;wilden Individualismus [\u2026], inzwischen ist es immer schwieriger, Erfolg ohne die Unterst\u00fctzung gro\u00dfer Unternehmen zu haben.&#8220; Und auch Paul Tassi <a href=\"http:\/\/www.forbes.com\/sites\/insertcoin\/2012\/05\/22\/as-google-dumps-35m-into-machinima-will-youtube-forget-the-little-guy\/\" target=\"_blank\">von <em>Forbes<\/em> glaubt<\/a>, dass die Professionalisierung YouTubes es immer schwerer f\u00fcr den &#8222;kleinen Mann&#8220; mache, entdeckt zu werden. Deshalb n\u00e4hmen junge YouTuber auch lieber einen schlechten Vertrag als gar keinen an. <\/p>\n<p>Frisst die YouTube-Revolution also tats\u00e4chlich ihre Kinder?<\/p>\n<p><strong>Die Szene wehrt sich<\/strong><\/p>\n<p>Nein, <a href=\"http:\/\/www.laweekly.com\/2013-01-10\/news\/machinima-maker-studios-YouTube\/full\/\" target=\"_blank\">sagt der US-Anwalt David Lisi<\/a>, der sowohl YouTuber als auch Netzwerke in Rechtsangelegenheiten vertritt. Er sagt zwar wie Tino Balio, dass viele Netzwerke im Rahmen des schnellen Aufstieges \u00e4hnliche Gesch\u00e4ftspraktiken wie die Filmstudios aus Hollywood adoptiert h\u00e4tten, diese sich aber auf Dauer nicht durchsetzen w\u00fcrden: &#8222;Die jungen Videomacher sind mit dem Internet aufgewachsen, sie senden nicht nur an ein Publikum, sondern schauen sich gegenseitig an, sind Fans voneinander und kommunizieren miteinander. Wie eine Gewerkschaft k\u00f6nnen sie kollektiv in Aktion treten.&#8220;<\/p>\n<p>YouTube ist im Gegensatz zur Filmszene kein exklusiver Kreis. Auch wenn eine Professionalisierung der Inhalte stattfindet und etablierte Filmunternehmen wie Disney und Time Warner, Ufa und Endemol inzwischen <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2012\/11\/28\/youtube-deutschland-partnerkanaele-ponk-onkel-berni-motorvision\/\" target=\"_blank\">eigene Originalkan\u00e4le<\/a> betreiben, sind viele der bekanntesten Produzenten immer noch die jungen Enthusiasten, die mit nicht viel mehr als einer Videokamera und einer guten Idee begannen. Wie die Proteste im Fall von Ben Vacas und Ray William Johnson zeigten, sprechen sich unlautere Praktiken schnell herum.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sind anders als im Film- und TV-Bereich\u00a0 die Macher nicht auf ein Studio oder Netzwerk angewiesen, um an ein Publikum zu gelangen. Im Gegenteil: <a href=\"http:\/\/www.rocketjump.com\/blog\/youtube-networks-7-things-you-need-to-know\/2\" target=\"_blank\">Die Produzenten haben die Macht<\/a>, die Netzwerke verst\u00e4rken sie allenfalls noch. Schon deshalb d\u00fcrften sie daran interessiert sein, in einen Dialog mit ihren Partnern zu treten.<\/p>\n<p>Im Fall von Machinima hat sich bereits etwas getan. Seit Beginn des Jahres sind s\u00e4mtliche Vertr\u00e4ge des Netzwerks nur noch auf drei Jahre befristet. Ben Vacas und Athene sind schon weitergezogen: Sie geh\u00f6ren nun der <a href=\"http:\/\/www.unionforgamers.com\/\" target=\"_blank\">Union for Gamers<\/a> an, einem neuen Netzwerk, das sich f\u00fcr faire Vertr\u00e4ge und Konditionen einsetzen m\u00f6chte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was hat die Filmszene der drei\u00dfiger Jahre mit YouTube gemeinsam? Eine ganze Menge, schrieb vergangene Woche der amerikanische Filmhistoriker Tino Balio in einem Artikel in der LA Weekly. 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