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„Marsch der Million“ in Ägypten

 

Von Christian Bangel (cb), Lisa Caspari (lc), Wolfgang Blau (wb), Hauke Friederichs (hf), Daniel Erk (de), Frida Thurm (ft), Kai Biermann (kb), Markus Horeld (mh)

  • Mubarak will Amt erst im September abgeben
  • Demonstranten reagieren empört
  • Obama: Der Wandel muss jetzt beginnen

01.02 Und in Kairo? Auf dem Tahrir-Platz wird beruhigende Musik gespielt. Eine Al-Jazeera-Reporterin berichtet, dass bereits viele Menschen nach Hause gegangen sind. Einige werden aber auch diese Nacht auf Kairos zentralem Platz ausharren. (lc)

01.00 SultanAlQassemi twittert: „Die Netzblockaden bestehen weiterhin. Die USA geben Ägypten 1,5 Milliarden Dollar. Obama hätte sagen können: ‚Tear down this wall!‘. Aber er tat es nicht.“ (wb)

00.59 Sehr deutlich auch Obamas Formulierung, von einer „meaningful transition“, die er für Ägypten wünsche, also einen Wandel, der diesen Namen auch verdiene. Übersetzt: Obama wird keinen Nachfolger aus dem Netzwerk Mubaraks akzeptieren. (wb)

00.57 „Der Wandel muss jetzt beginnen“ – der entscheidende Satz in Obamas Rede. Eine Al-Jazeera-Reporterin sagt: Dieser Satz werde in den kommenden Tagen besondere Aufmerksamkeit bekommen. Vielleicht signalisiere das, dass Mubarak aus Obamas Sicht früher abtreten solle. (lc)

00.55 Obama hat in seiner kurzen Rede auch betont, er habe Vertrauen, dass die jungen Menschen in Ägypten selbst eine Lösung für die Probleme ihres Landes finden würden. (lc)

00.47 Obama sagt: Der Wandel in Ägypten müsse bedeutsam sein und friedlich – und sie müsse jetzt beginnen. (mh)

00.46 Der US-Präsident lobt die „Macht der Technologie“, die die Proteste erst möglich gemacht hätten. Er meint das Internet (lc)

00.44 Präsident Obama spricht. Er bezeichnet Ägypten als „langjährigen Partner“ der Vereinigten Staaten. Er dankt der ägyptischen Armee für ihre „Professionalität“ während der friedlichen Proteste. (lc)

00.35 Weil es gerade immer wieder unten im Kommentarbereich diskutiert wird: Ob die Muslimbrüder am Ende der große Profiteur der ägyptischen Revolution sein werden, damit hat sich Jörg Lau vor einigen Tagen beschäftigt. Ist immer noch aktuell (mh)

00.27 US-Präsident Obama hat Mubaraks Ansprache gemeinsam mit seinen Sicherheitsberatern im Weißen Haus verfolgt, sagt eine Al-Jazeera-Korrespondentin in Washington. Er soll in diesen Minuten vor die Presse treten. Hier kann man seine Rede live verfolgen. (lc)

00:19 Obama und Mubarak sollen am Dienstag 30 Minuten miteinander gesprochen haben, heißt es auf CNN. Gut möglich, dass der US-Präsident dabei sehr deutlich gesagt hat, bis wohin die amerikanische Unterstützung für Mubarak reicht. (mh)

00:11 Hier gibt es ein englischsprachiges Transkript von Mubaraks Fernsehansprache. (wb)

00.00 Mubaraks Anhänger und Gegner scheinen gleichermaßen frustriert. Die einen, weil er nicht sofort abtritt, die anderen weil er spätestens nach Ablauf dieser Amtszeit gehen muss. (wb)

23.49 Auch in Kairo scheint die Lage inzwischen chaotisch zu sein. „Wir lieben Dich, Hosni“, rufen Mubarak-Unterstützer laut einem Al-Jazeera-Korrespondenten. Es soll sich um 50 bis 60 Motorradfahrer handeln, die sich den Demonstranten mit lautem Hupen nähern. (lc)

23.48 Auf dem Tahrir-Platz in Kairo entlädt sich die Enttäuschung über Mubaraks Rede in Sprechchören: „Verschwinde, verschwinde!“, rufen die Demonstranten und fordern die Armee auf, Mubarak abzusetzen. (mh)

23.47 US-Präsident Barack Obama will sich in einer Stunde zur Lage in Ägypten äußern, berichtet CNN. (wb)

23.46 In Kairo werfen entrüstete Mubarak-Gegner Schuhe, twittert Blogger Richard Gutjahr, der vor Ort ist. (lc)

Demonstranten in Kairo nach Mubaraks Rede
Demonstranten in Kairo nach Mubaraks Rede

23.41 Eine Al-Jazeera-Reporterin in Alexandria spricht von lauten Unterstützungsslogans für den langjährigen Präsidenten. „Wir wollen Mubarak“, sollen einige Befürworter skandieren. (lc)

23.34 In Alexandria (siehe Karte) gibt es offenbar Straßenschlachten zwischen Gegnern und Anhängern Mubaraks. Mehrere arabische Nachrichtensender berichten, dass die Armee Warnschüsse in die Luft abgefeuert habe. (lc)

23.18 Twitter-User @Sandmonkey, ein bekannter Blogger und Aktivist in Ägypten, fasst die Stimmung unter den Demonstranten zusammen: „Manche sagen, man sollte Mubarak die Amtszeit zu Ende bringen lassen. Das Gegenargument ist: Jeder Tag mit Mubarak im Amt ist ein Tag zu viel.“ (mh)

23.12 Laut einem BBC-Reporter in Washington kann die USA durchaus zufrieden mit Mubaraks Rede sein. Die amerikanische Regierung habe so Zeit, potenzielle Nachfolger des ägyptischen Präsidenten auf ihre Seite zu ziehen. Die Amerikaner sollen vor allem dem ehemaligen Geheimdienstchef und neuen Vize Mubaraks, Omar Suleiman, wohlgesonnen sein. Suleiman hat sich stets für den Frieden mit Israel engagiert. (lc)

23.08 Eine BBC-Reporterin in Kairo berichtet, dass einige Demonstranten Mubaraks Rede auch positiv aufgenommen haben. „Das waren deutliche Zugeständnisse“, habe ihr ein Protestler gesagt. Viele Demonstranten berieten sich nach Beobachtung der Journalistin untereinander. Andere waren skeptischer: „Wenn Mubarak noch Monate im Amt bleibt, hat er Monate Zeit, um uns zu bestrafen“, soll einer der Reporterin gesagt haben. (lc)

22.54 Mubarak-Zitate, die von einem versteinerten Ego zeugen: „Ich hatte ohnehin nicht vor, bei den nächsten Wahlen noch einmal anzutreten“ und „Ich werde auf ägyptischem Boden sterben“, sowie „Es entspricht nicht meiner Natur, mich aus der Verantwortung zu stehlen.“ (wb)

22.51 Al-Jazeera-Reporter Ayman Mohyeldin glaubt, dass es in Ägypten so laufen könnte, wie in Tunesien. Auch der frühere tunesische Präsident Ben Ali habe mehrmals behauptet, er trete nicht zurück. Dann sei er aus dem Land geflohen, twittert Mohyeldin aus Kairo. (lc)

22.46 Der amerikanische Journalist Andy Carvin von National Public Radio hat einen sehr guten Überblick über die ägyptische Twitter-Sphäre. Es lohnt sich, seinen Tweets zu folgen. (wb)

22.44 In seiner Rede hat Mubarak übrigens versprochen, dass Oppositionskandidaten es künftig bei Wahlen einfacher haben sollen. Allerdings hat er das 2005 schon einmal angekündigt. Viele Demonstranten misstrauen daher seinen Aussagen. (lc)

22.36 Die Demonstranten in Kairo sind fassungslos, hat der deutsche Blogger Richard Gutjahr in Kairo beobachtet. (lc)

22.31 Das ägyptische Staatsfernsehen zeigt laut Al Jazeera gerade eine wohlwollende Dokumentation über Mubarak. (lc)

22.23 Auch in Alexandria ist die Enttäuschung riesig. Die Menschen rufen „Revolution bis zum Tod“, wie eine Al-Jazeera-Reporterin berichtet. (lc)

22.13„Verschwinde“ brüllen die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Sie sind erbost über Mubaraks Ansprache. (lc)

22.08 Die nächsten Monate will Mubarak nutzen, um einen „stabilen Übergang“ zu gewährleisten, wie er sagt. Der Präsident spricht viel über seine Liebe zu Ägypten und betont, er wolle auf ägyptischem Boden sterben. Nur die Geschichte könne ihn richten. (lc)

22.02 Er werde seine Verantwortung für das Land nicht vernachlässigen, sagt der Präsident. Daher werde er sich erst zur Präsidentschaftswahl im September zurückziehen (lc)

22.02Ägypten hat die Wahl zwischen Stabilität und Chaos, sagt Mubarak. (mh)

21.57 Mubarak spricht! Er nennt die Demonstranten „ehrliche Leute“, die das Recht auf friedliche Proteste hätten. Er kritisiert, die Proteste seien von „politischen Kräften“ missbraucht worden, die dem Land Stabilität entziehen wollten (lc)

21.50 Am Abend soll das Büro von Vizepräsident Omar Suleiman Vertreter der Protestgruppen auf dem Tahrir-Platz in Kairo angerufen haben. Das berichtet der Fernsehsender Al Arabija. Offenbar wird hinter den Kulissen bereits fleißig verhandelt (lc)

21.48Khalid Abdel Nasser, der Sohn des früheren ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser, hat sich den Protesten angeschlossen, berichtet Al Jazeera (mh).

21.35 Iran, China, Osteuropa, Tunesien und nun Ägypten – bei jeder Revolution gibt es einen kritischen Punkt, an dem sich entscheidet, ob die Bewegung siegt oder verliert, schreibt John Simpson auf BBC News . An welchem Punkt ist Ägypten? Reicht es aus, wenn Mubarak heute Abend verkündet, dass er bei der Wahl im Herbst nicht mehr antritt? Wohl nicht, denn die Menschen auf dem Tahrir-Platz wollen, dass Mubarak geht. Jetzt. Nicht erst in sieben Monaten. (mh)

21.22 Mit lautstarken Sprechchören vertreiben sich die Demonstranten auf dem nächtlichen Tahrir-Platz die Zeit. Laut ägyptischem Staatsfernsehen sind es nur noch wenige Minuten bis zu Mubaraks Rede (lc)

21.12 Al Jazeera berichtet live, dass die Fernsehansprache gleich losgehen soll. (lc)

21.02 Hier noch ein paar Beispiele für musikalische Experimente, zu denen die Proteste in Ägypten die Menschen inspiriert haben: The Truth Army mit einem Techno-Remix der Berichterstattung von Al Jazeera oder die marokkanische Rapperin The MasterMimz mit dem Song „Back Down Mubarak“ (wb)

20.50 Auf dem Tahrir-Platz in Kairo warten Tausende gebannt, wann Mubarak im Fernsehen auftreten wird. Große Fernseher sollen die Ansprache übertragen (lc)

20.45 Bei wichtigen Nachrichtenthemen gibt es oft diesen Moment, in dem eine „Story“ plötzlich ein sehr persönliches, menschliches Antlitz bekommt und auch emotional berührt. Für jeden Redakteur ist der Auslöser ein anderer. Für mich war es dieser Remix mit nicht unbedingt ansprechender Musik, aber beeindruckenden Bildern. Bei Sekunde ’45 im Clip ist ein Mann zu sehen, dessen Schmerz und Entschlossenheit greifbar ist. Er sagt: „Wir lassen uns nicht mehr zum Verstummen bringen. Egal ob Du ein Christ bist, ob Du ein Moslem bist oder ein Atheist: Du wirst Deine gottverdammten Rechte einfordern! Und wir werden unser Recht erhalten! Egal auf welchem Weg!“ (wb)

20.25 Auch US-Präsident Barack Obama hat Mubarak nun seine Unterstützung entzogen. Die New York Times berichtet, er habe dem ägyptischen Präsidenten von einer weiteren Amtszeit abgeraten. (lc)

20.04 Offensichtlich machen inzwischen auch die USA Druck auf Mubarak. Zumindest berichtet die BBC, dass Senator John Kerry, Mitglied im Foreign Relations Committee des Senats, gefordert hat, der Präsident solle zurücktreten. Bislang hatten die USA nicht erkennen lassen, dass sie an einem Rücktritt interessiert sind, im Gegenteil. Reformen forderten sie zwar, doch betonten sie auch immer, wie wichtig Stabilität für die Region sei (auch wenn dies bedeutet, das Menschen von der Polizei gefoltert und getötet werden). Kerry sagte nun jedoch, Mubarak solle sich zurückziehen und klar machen, dass weder er noch sein Sohn für eine Wahl zur Verfügung stünden.

19.56 Beobachter glauben, dass Mubarak ein halbwegs ehrenvoller Abgang ermöglicht werden soll. Daher werde er anbieten, im September nicht für eine Wiederwahl zu kandidieren. Der neue ägyptische Regierungschef Ahmed Schafik zeigte sich indes im TV-Sender Al Hayat zum Dialog mit der protestierenden Jugend bereit. (lc)

19.44 Jetzt melden es auch die Nachrichtenagenturen: Hosni Mubarak wird noch heute Abend eine Ansprache halten. Nach Informationen des Nachrichtensenders Al Arabija will er nicht sofort zurücktreten, sondern lediglich auf eine Kandidatur für eine weitere Amtszeit verzichten. Mubaraks Amtszeit endet im September. (lc)

19.35 Mubarak wird heute Nacht möglicherweise noch einmal zu seinen Landsleuten sprechen, schreiben mehrere User wie zum Beispiel Nasser H Al-Khalifa bei Twitter . Sie berufen sich auf den Sender Al Arabija. (kb)

19.31 Die ägyptische Opposition hat sich auf einen gemeinsamen Forderungskatalog geeinigt. Darin wird der Rücktritt Mubaraks, aber auch die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit gefordert. Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei will, dass Mubarak bis spätestens Freitag zurücktritt. (lc)

19.25 Al Jazeera berichtet, dass das ägyptische Fernsehen inzwischen Sympathie für die Demonstranten äußert. Es ist die Rede von „großen, friedlichen Protesten, ordentlichen und pro-ägyptischen Demonstrationen.“ (cb)

19.19 Zwar hat sich der Tahrir-Platz in Kairo etwas geleert, aber verlassen will die Masse der Demonstranten ihn nicht mehr. Sie richtet sich vielmehr für die Nacht ein, Zelte werden aufgestellt, Freiwillige verteilen Tee und Essen und sammeln Müll ein. (kb)

19.18 Es ist die Frage des Tages: Wo ist Präsident Mubarak? Sitzt er allein in seiner Residenz in Kairo oder vielleicht in seiner Villa in Scharm el Scheich? Klar ist: Ganz Ägypten wartet auf ein Wort von ihm. (lc)

19.08 Derzeit bei Twitter gern zitierter Internethumor: „Demokratie“ hat „Mubarak“ als Mayor des Tahrir-Platzes abgelöst – eine Anspielung auf den Lokalisierungsdienst Foursquare, der anzeigt, wer sich wie oft an einem Ort aufhält. Und nebenbei: Der Name Tahrir ist arabisch für Befreiung. (kb)

19.03 Al Jazeera twittert, man habe einen riesigen Bildschirm auf dem Tahrir-Platz aufgestellt und würde den Demonstranten Berichte über die Proteste zeigen. (kb)

18.49 Auf dem Tahrir-Platz sind am heutigen Tag mehr Menschen gewesen, als bei den Wahlen für Mubarak stimmten – inklusive gefälschter Stimmen. Schreibt zumindest alaa. Wobei die Zahlen, wie viele wirklich dort waren, stark schwanken, zwischen 250.000 und drei Millionen. Sicher ist, dass es viele waren und wie der Sender Al Arabija meldet, dass sie mindestens bis Freitag dort bleiben wollen. Nur einer ist bislang nicht gekommen, El Baradei. (kb)

18.21 Zenith berichtet, Demonstranten hätten einen mit Waffen beladenen Lastwagen auf dem Weg zur Kundgebung am Tahrir-Platz abgefangen. Weitere Details liegen noch nicht vor. (cb)

18.21 Al Jazeera meldet eine Million Demonstranten in Alexandria, Hunderttausende in Suez, Port Said, Mansoura und Minya. Erstmals werden auch aus dem oberägyptischen Assuan Zahlen gemeldet. In der 280.000-Einwohner-Stadt sollen heute 60.000 Demonstranten auf die Straße gegangen sein. (cb)

18.21 Al Jazeera attestiert dem Präsidenten Ignoranz und Hilflosigkeit. Zunächst habe Mubarak wohl geglaubt, mit seiner Rede vom Freitagabend die Massen beruhigen zu können. Inzwischen seien er und seine Partei offenbar nur noch ratlos – spätestens seit klar sei, dass Militär nicht daran denke, die Demonstranten auseinanderzutreiben. (lc)

18.21 Noch immer harren Hunderttausende auf dem Kairoer Tahrir-Platz aus. (cb)

18.17 Von allen Seiten wird die vielfältige Einheit der Demonstranten gelobt. „Einfache Bauern aus Südägypten trafen auf Islamisten aus dem Nildelta, Geschäftsmänner standen Schulter an Schulter mit jungen Menschen“, berichten die Korrespondenten der New York Times. Ähnlich begeistert von der Breite der Protestbewegung äußern sich Reporter von Al Jazeera. Die Proteste seien sehr friedlich abgelaufen. (lc)

18.06 Die Unruhen haben den Frachtbetrieb in den Hafenanlagen von Alexandria und Damietta Branchenkreisen zufolge fast zum Stillstand gebracht. Die Proteste hielten die Arbeiter vom Dienst ab. Ein in Alexandria ansässiger Vertreter des Versicherungsmarktes Lloyd’s of London sagte, der Hafen sei zwar nicht geschlossen geworden. Es werde aber auch nicht gearbeitet. Es seien keine Zöllner da und auch niemand, der die Kräne bediene. (cb)

17.59 Die Informationen über die Menschenmengen auf dem Tahrir-Platz sind widersprüchlich. Al Jazeera berichtet, viele Frauen und Kinder verließen den Platz, gleichzeitig kämen mehr neue Demonstranten nach. (cb)

17.57 Der Vorsitzende des Auswärtigen Bundestags-Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), spricht sich für einen Dialog mit gemäßigten Gruppierungen der Muslimbrüderschaft in Ägypten aus. Gespräche mit gewaltbereiten Islamisten lehnte er dagegen ab. „Die Gewaltfrage ist die große Achillesverse“, sagte Polenz. Der Großteil der Muslimbrüder wolle jedoch islamische Wertvorstellungen gewaltfrei durchsetzen.

17.55 Blogger Richard Gutjahr twittert live aus Kairo. Er glaubt, dass der größte Andrang auf dem Tahrir-Platz für heute vorbei ist. Es würden gerade mehr Menschen den Platz verlassen, als dass neue hinzukämen. (lc)

17.50 AFP berichtet, dass Oppositionsführer Mohamed ElBaradei den neuen Vizepräsidenten Omar Suleiman als Übergangspräsidenten vorgeschlagen hat. ElBaradei habe das in einem Gespräch mit westlichen Vertretern gesagt. Alternativ will er einen Präsidialrat einsetzen, dem ein Armeevertreter und zwei Zivilisten angehören. Das Gremium könne dann den Übergang zu einer Demokratie einleiten. Hier ein interessantes Portrait von Suleiman. (lc)

17.48 Der Korrespondent von Zenith berichtet, es sei unwahrscheinlich, dass die Menschenmenge auf dem Tahrir-Platz heute noch zum Präsidentenpalast zieht. Zum einen sei die Müdigkeit bei vielen der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz nach acht Tagen Dauerprotest unübersehbar, zum anderen verhindere das die Armee. (cb)

17.37 Die Zahl der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz sinkt. Nach unseren Informationen hält sich die Armee noch immer zurück – es gibt bislang keine Berichte über Tote oder Verletzte. (cb)

17.31 Angeblich verhandelt der neue Vizepräsident und frühere Geheimdienstchef Omar Suleiman bereits mit Mitgliedern der Militärführung über eine Übergangsregierung. Mubaraks Ablösung wäre demnach nur noch eine Frage der Zeit. So schreibt es jedenfalls die New York Times. Sie zitiert erneut ihre Quelle, einen westlichen Diplomaten, der anonym bleiben will. Ob die Quelle verlässlich ist, ist unklar. (lc)

17.30 CNN berichtet, die US-Botschafterin Margaret Scoby habe sich mit Oppositionsführer Mohamed ElBaradei getroffen.

17.13 Der Chaos Computer Club (CCC) fürchtet, dass die deutschen Behörden Maßnahmen vorbereiten, um ähnlich wie in Ägypten das Internet auf Knopfdruck abzuschalten. Andreas Bogk vom CCC verwies auf die kürzlich verabschiedete Novelle des Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes in Rheinland-Pfalz. „Wir sehen in Deutschland Bestrebungen mit Sorge, auch hierzulande einen ‚Internet-Kill-Switch‘ einzuführen“. Außerdem könnten nach richterlicher Anordnung künftig in besonderen Gefahrenlagen Mobilfunkverbindungen unterbrochen werden, etwa um das Fernzünden von Bomben durch Handys zu verhindern. (cb)

17.09 Am Flughafen in Kairo warten unzählige Menschen auf einen Flug ins Ausland. Hunderte Reisende fanden Unterschlupf in einem großen Zelt, weil sie noch keinen Zutritt zur Eingangshalle erhielten, wie AFP-Reporter berichten. An den Sicherheitsschleusen gab es bis zu 40 Meter lange Warteschlangen. Die Mitarbeiter der verschiedenen Botschaften versuchten ihre Landsleute in Gruppen zusammenzuhalten. (cb)

17.01 Sarah Tolba ist Deutsche, sie lebt seit drei Jahren mit ihrem ägyptischen Mann in Abo Raesh, einem kleinen Dorf bei Gizeh. „Ursprünglich wollten wir heute auch zur Demo“, sagt sie am Telefon. Sie unterstützten die Protestbewegung, doch sie seien heute nicht nach Kairo gefahren, aus Angst, es könnte Terroranschläge geben. In ihrem Dorf sei es weitgehend ruhig und kein Militär zu sehen, die Bürger hätten jedoch Wachen organisiert, weil sie Plünderungen befürchten.

Morgen wollen Sarah Tolba und ihr Mann nach Gizeh fahren, denn in ihrem Dorf werden die Lebensmittel knapp. „Wir hatten Glück, dass wir noch Geld zu Hause hatten, denn die Geldautomaten sind hier entweder leer oder kaputt.“ (ft)

16.58 „Heute wurden Beschimpfungen auf Mubarak gerufen, von denen man bisher nicht zu träumen wagte, sie in Kairo mal in der Öffentlichkeit zu hören“, twittert Al-Jazeera-Reporter Dan Nolan: „Die Menschen fühlen sich bereits, als seien sie in Freiheit.“ (lc)

16.53 Auch die iranische Führung hat sich zur Situation in Kairo geäußert. Sie will einen islamistischen Umsturz und eine Verschiebung des Machtgleichgewichts in der Region. „Wir hoffen, dass die Entwicklungen dazu führen, dass wir einen islamischen und mächtigen Nahen Osten sehen werden“, sagte der Sprecher des Teheraner Außenministeriums. Das neue Machtgefüge in der Region solle auch den „zionistischen Besatzern widerstehen“, sagte der Sprecher und spielte damit auf Israel an, dessen Existenzrecht das islamistische Regime in Teheran nicht anerkennt. Iran ist das einzige Land in der Region, das keine diplomatischen Beziehungen zu Ägypten unterhält. (cb)

16.50 Martin Gehlen hält sich zur Stunde in Kairo auf. Hier ist sein Bericht. (cb)

16.47 CNN zitiert den ägyptischen Finanzminister Samir Radwan, durch den mehr als einwöchigen Stopp des ökonomischen Lebens werde die Arbeitslosigkeit steigen. Jeder, der seine Arbeit wegen der Proteste habe unterbrechen müssen, werde eine Kompensation erhalten. (cb)

16.40 Die New York Times berichtet, dass Mubaraks Berater Gerüchten zufolge bereits dessen Rückzug vorbereiten. Ein westlicher Diplomat sagte der Zeitung, die Ankündigung des Militärs, nicht auf Demonstranten schießen zu wollen, sei Teil des Plans.(lc)

16.39 Hier noch einmal die Google-Map mit der voraussichtlichen Route des Demonstrationszuges.

Marsch der Millionen, Kairo auf einer größeren Karte anzeigen

16.36 zenith berichtet, in der Stadt Mansoura seien nun 500.000 Aktivisten auf der Straße. Die Aktivisten sprächen von bis zu 7 Millionen Menschen im ganzen Land. (cb)

16.27 Die Proteste auf dem Tahrir-Platz in Kairo sind offenbar gut organisiert. Eine Al-Jazeera-Reporterin berichtet, dass Getränkewagen vom Rand des Platzes her die Menge versorgen. Bilder zeigen außerdem Frauen, die jede Menge Brotlaibe verteilen. Inzwischen sei es kühl und windig geworden in Kairo, sagt die Reporterin. Die ersten Demonstranten machten sich daher auf den Rückweg, doch es strömten auch immer neue Menschen auf den Platz (lc)

16.14 Zenith schreibt: Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Moussa, hat in einem Fernsehinterview erklärt, er stünde bereit, sein Land zu führen. Moussa wurde 2001 von Präsident Mubarak an die Arabische Liga weggelobt, da dieser dessen Popularität fürchtete. Schon in den vergangenen Tagen hatte Moussa sich vermehrt in Interviews zur Lage in Ägypten geäußert.
[…]
Die Muslimbruderschaft hat die Einsetzung einer Übergangsregierung unter der Leitung des Präsidenten des Obersten Verfassungsgerichtes gefordert. Dieser solle die Amtsgeschäfte des Präsidenten übernehmen, bis allgemeine Wahlen stattgefunden hätten. Verhandlungen mit dem amtierenden Präsidenten lehnen die Muslimbrüder ab.

16.12 Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die ägyptische Armee für ihre Zurückhaltung gelobt. „Es war ein wichtiges Signal, dass die Armee gesagt hat, es ist ein Recht der Menschen zu demonstrieren“, sagte Merkel in einer Rede in einem Institut in Tel Aviv. „Trotzdem ist damit eine Unbestimmtheit verbunden, wie der politische Prozess in Ägypten weitergehen wird. Wir können nur hoffen, dass all das wirklich friedlich verlaufen wird.“ Merkel unterstrich die große Bedeutung des Themas für den Nachbarn Israel. Deutschland tue für die Sicherheit Israels alles, was möglich sei.

Die Kanzlerin dankte Mubarak für seinen Beitrag im Nahost-Friedensprozess. Allerdings gebe es Defizite im Land, die angesprochen werden müssten. Die Ägypter hätten das Recht, ihr Missfallen zu äußern. Der Weg der Reformen sei unabdingbar, sagte Merkel.

16.09 Israels Präsident Schimon Peres hat sich mit deutlichen Worten zu den Entwicklungen im Nachbarland geäußert. „Was sind demokratische Wahlen wert, wenn am Tag eins nach solchen Wahlen eine religiös-extremistische Regierung die Macht ergreift“, sagte er laut Jerusalem Post heute nach einem Treffen mit Angela Merkel. Das hätte die Welt auch nach den Wahlen im Gaza-Streifen gesehen, bei denen die extremistische Hamas gewonnen habe, fügte Peres hinzu. (lc)

16.07 Die Großdemonstration am Tahrir-Platz in Kairo
Großdemonstration in Kairo

15.53 dpa berichtet, dass Soldaten auf dem Tahrir-Platz Flugblätter an die Demonstranten verteilen, auf denen steht: „Ihr habt das Recht, eure Meinung in zivilisierter Art und Weise auzudrücken.“ Die Protestierenden sollten jedoch bedenken, dass sich in der Menge auch Gesetzlose befänden, deren Ziel es sei, Panik zu schüren, zu stehlen und zu sabotieren. „Wenn das passiert, dann werden wir mit aller Härte darauf reagieren.“

An den Eingängen zum Tahrir-Platz kontrollierten Zivilisten Ausweispapiere und durchsuchten die Teilnehmer. Auffällig ist, dass unter den Demonstranten deutlich mehr Vertreter der Muslimbruderschaft zu sehen sind als in den vergangenen Tagen. Ein Vertreter der islamistischen Organisation sagte einer dpa-Reporterin: „Wir sind eine gut organisierte Bewegung. Es wird Zeit, dass auch wir auf diesem Platz reden dürfen.“ Die Muslimbrüder sind in Ägypten offiziell verboten, haben aber viele Anhänger. Sie könnten an einer neuen, von der Opposition gebildeten Regierung beteiligt sein. (cb)

15.47 Die Vereinten Nationen gehen von deutlich mehr Todesopfern bei den Unruhen in Ägypten aus als bisher bekannt. „Unbestätigte Berichte sprechen von bisher 300 Toten und mehr als 3000 Verletzten“, sagte die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay. (cb)

15.47 Peter Bouckaert von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch beobachtet den „Marsch der Million“ in Kairo. Eine beeindruckende Zahl von Demonstranten sei unterwegs. Die Menschenmenge skandiert „Freiheit“. (hf)

15.46 In Alexandria, Ägyptens zweitgrößter Stadt, sind laut Al-Jazeera mehr als Hunderttausend Demonstranten vor der zentralen Moschee versammelt. Allein in Alexandria sollen in den vergangenen Tagen mehr als hundert Menschen bei den Protesten ums Leben gekommen sein. (lc)

15.42 Der Nahost-Experte des Guardian, Brian Whitaker, diskutiert mit Lesern über die Rolle Amerikas. Ist ElBarradai eine Marionette der Amerikaner? „Nein“, sagt Whitaker, der ehemalige IAEO-Chef sei kein Handlanger der Vereinigten Staaten. (hf)

15.37 Ein Al-Jazeera-Reporter sagt, er habe heute noch keine Polizisten auf Kairos Straßen gesehen. Das Militär zeige Präsenz, gehe aber sehr freundlich mit den Demonstranten um. (lc)

15.36 Politico spießt einen kruden Vergleich von Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown auf: Dieser behauptet, dass in Zeiten, in denen in Ägypten und Tunesien junge Leute für demokratische Ideale demonstrieren, in seinem Bundesstaat niemand gegen Steuererhöhungen sein dürfe. Schließlich habe der Wähler dafür gestimmt. (hf)

15.35 In den vergangenen Tagen wirkte der riesige Tahrir Platz in Kairo trotz der Massenproteste immer halb leer. Heute ist kein Stück Asphalt mehr zu sehen. Ein beeindruckendes Bild. (lc)

15.33 Auch syrische Oppositionsgruppen rufen nun im Internet zu Protesten gegen Unterdrückung und Korruption auf. Am 5. Februar solle es eine Demonstration vor dem Parlament in Damaskus geben, die auch Ausdruck der Unterstützung für das ägyptische Volk sein solle, hieß es auf von Oppositionsgruppen betriebenen Internetseiten. Das syrische Volk solle sich vereint gegen die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zur Wehr setzen. (cb)

15.31 Der Terrorexperte Evan Kohlmann berichtet, dass in al-Qaida nahen Foren darüber diskutiert wird, wie Terroristen die Unruhen in Ägypten zu Anschlägen nutzen könnten. (hf)

15.30 Muriel Asseburg von der Stiftung Wissenschaft und Politik kommentiert in der taz, Ägypten 2011 sei nicht Iran 1979. (de)

15.26 Eine sehr düstere Sicht auf die Ereignisse in Ägypten hat Washington-Post-Kolumnist Richard Cohen. Er glaubt, dass der „Traum von einem demokratischen Ägypten in einem Albtraum enden wird“. Ägypten habe keine zivilen und politischen Institutionen, um eine wahre Demokratie aufzubauen, schreibt Cohen. Die stärkste Oppositionsgruppe sei die Muslimbruderschaft. Daher sei es sehr wahrscheinlich, dass die nächste Regierung aus Islamisten bestehen und den Frieden mit Israel aufkündigen werde. „Israel ist mir wichtig. Ägypten ist mir auch wichtig, aber für dieses Land geht es nicht ums Überleben“, kommentiert Cohen. (lc)

15.19 Die Union fordert, dass die „deutsche und europäische Entwicklungspolitik den Übergangsprozess in einer koordinierten Weise konstruktiv unterstützen, wenn ein glaubwürdiger, auch von der ägyptischen Opposition getragener Übergangsprozess gefunden ist“, teilt der Bundestagsfraktionsvize Christian Ruck mit. „Ohne Arbeitsplätze kann es keinen sozialen Fortschritt in Ägypten geben. Deshalb ist es so wichtig, dass hier auch die Entwicklungspolitik hilft.“ Fordern können CDU und CSU viel, bekanntlich liegt die Entwicklungspolitik in den Händen des Liberalen Niebel – und der weilt gerade im Irak. (hf)

15.19 Bundeskanzlerin Merkel spricht sich in Tel Aviv gegen Gewalt und für Reformen aus. (cb)

15.11 Die größeren Oppositionsparteien und -bewegungen haben sich auf eine gemeinsame Linie für einen Neubeginn geeinigt. Sie fordern den Rücktritt von Mubarak und eine „Regierung der nationalen Allianz“, außerdem die Auflösung der beiden Parlamentskammern sowie der Regionalparlamente. Eine Arbeitsgruppe soll eine neue Verfassung ausarbeiten. Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei nahm an dem Treffen nicht teil, aber andere Vertreter seiner Bewegung für den Nationalen Wandel. ElBaradei sagte dem Sender Al-Arabija, Mubarak müsse bis spätestens Freitag sein Amt niederlegen.

Das Bündnis lehnt Gespräche mit den Machthabern vor einem Rücktritt Mubaraks ab. „Wir erwarten, dass die Führung uns einen Zeitplan für die Umsetzung dieser Forderungen präsentiert. Erst dann sind wir bereit, einen Dialog mit Vizepräsident Omar Suleiman zu beginnen.“ Der ägyptische Physiknobelpreisträger Ahmed Zuwail wurde am Abend in Kairo erwartet. Er wollte im Namen der Opposition mit der Militärführung sprechen. Zuwail lebt in den USA. (cb)

15.07 Jordanien sei im Gegensatz zu Ägypten sicher, verkünden jordanische Touristikunternehmen in der Jordan Times. Die Proteste verliefen alle friedlich. (hf)

15.03 Reuters meldet: Die USA befehlen dem abkömmlichen Botschaftspersonal, das Land zu verlassen. (cb)

15.01 Eine Kommentatorin auf Al Jazeera sagte gerade: „In Umbruchszeiten suchen normalerweise verschiedene Revolutionsführer nach möglichst vielen Anhängern. In Ägypten ist es seltsamerweise umgekehrt. Hier suchen Hunderttausende Menschen nach Revolutionsführern und bisher zeigen sich keine.“ Das bisherige Fehlen einer geeinten Organisation und eines charismatischen Anführers muss allerdings kein zwingender Nachteil sein. Zahlreiche Netztheoretiker haben dieses Phänomen der leaderless self-organization schon öfter beobachtet und halten es für eine direkte Folge der massenhaften Verbreitung von Handys und – an zweiter Stelle – von Sozialen Netzwerken. Howard Rheingold etwa hat das Phänomen am Beispiel des Widerstandes gegen das einstige Regime Marcos auf den Philipinen beschrieben, Clay Shirky schreibt umfangreich über Organizing without organizations und auch das Buch The Starfish and the Spider hat bereits die unterschätze Schlagkraft dieser nur scheinbar führungslosen Organisationen analysiert. (wb)

14.52 Auch im politischen Berlin verfolgen die Parteien die Vorgänge in Ägypten. Die Linkspartei kritisiert die deutsche Außenpolitik. „Die Politik des Westens, Diktatoren zu stützen, solange sie nur dem von den USA vorgegebenen Kurs folgen, ist am Ende“, sagte Wolfgang Gehrcke, außenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Linkspartei. „Bis fünf nach Zwölf hat der Westen das Regime Mubarak massiv finanziell, politisch und moralisch unterstützt und tut das immer noch – nur nicht so offen. Westerwelle sorgt sich mehr um die Stabilität in der Region als um den Demokratisierungsprozess. Doch diese Stabilität, für die gefoltert wurde, für die Wahlen gefälscht und Wahlfälschungen akzeptiert wurden, war die Ruhe eines Friedhofs.“ Ob er eine Regierung der Muslimbrüder besser fände, sagt Gehrcke nicht. (hf)

14.51 Der Al-Jazeera-Korrespondent spricht mittlerweile von bis zu zwei Millionen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz, inklusive der vollgestopften Zufahrtsstraßen und Brücken. (cb)

14.46 Die Proteste in Tunesien begannen, nachdem ein junger Mann sich selbst angezündet hatte. Auch in Ägypten sei der Aufstand mit dem Tod eines jungen Mannes verknüpft, schreibt Aryn Baker auf Time.com. Der 28-jährige Khaled Said wurde am 6. Juni 2010 in Alexandria von Polizisten ermordet. Die Bilder der brutalen Tat gingen um die Welt und empörten nicht nur Ägyptens Jugend. (hf)

14.37 Nicht nur in Kairo gehen Hunderttausende auf die Straßen. Die Kollegen vom Guardian-Blog melden, dass auch in Suez, Alexandria, Ismailiya, Mansoura, Damietta und Mahalls die Proteste gegen das Mubarak-Regime weitergehen. (hf)

14.34 Wandel auch im Irak? Der irakische Ministerpräsident Nouri al-Maliki hat seine Macht ausgebaut. Die Massenproteste in Tunesien und Ägypten sollten ihn lehren, dass es vorbei ist mit den Zeiten präsidialer Alleinherrschaft, schreibt Thomas Uwer, Vorstand der Hilfsorganisation Wadi auf der Wirtschaftsplattform Irak. (hf)

14.26 Die großen deutschen Reiseveranstalter bringen bis Mitte Februar keine Urlauber mehr nach Ägypten. Die Reiseverträge werden von den meisten Veranstaltern aktiv gekündigt, sagte ein Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV). (cb)

14.13 Al-Jazeera-Korrespondent Dan Nolan findet, dass die Proteste sich wie eine „ägyptische Version von Woodstock“ anfühlen. Demonstranten würden Kekse an ihre Mitmenschen verteilen, twittert er aus Kairo. (lc)

14.10 Israels Präsident Schimon Peres fordert materielle Verbesserungen für die Araber. Die Umstürze in der arabischen Welt erklärten sich aus der Armut und seien „kein ideologisches Problem“. Die Bevölkerung in der arabischen Welt sei während der vergangenen 30 Jahre von 150 Millionen auf 400 Millionen angewachsen. Das hätte zu Arbeitsplatzmangel und Versorgungsproblemen geführt, sagte er während des Besuchs von Bundeskanzlerin Merkel. „Wir können nicht eine Insel des Wohlstands bleiben, wenn wir von einem Ozean der Armut umgeben sind“. (cb)

13.53 Das besondere an den Demonstrationen ist, dass sie ohne ausländische Unterstützung oder ausländische Intervention stattfinden, sagt ein Reporter von Al Jazeera. Die Bewegung gehe ganz und gar vom ägyptischen Volk aus. Bei Al Jazeera gibt es einen Livestream mit beeindruckenden Bildern aus Kairo. (lc)

13.53 Der Journalist Richard Gutjahr ist in Kairo. Hier einige seiner Fotos vom „Marsch der Million“, sowie aus den letzten Tagen. Twitter: @gutjahr (wb)

13.45 Die Demonstranten, die sich heute auf dem Tahrir-Platz versammelt haben, repräsentieren einen bemerkenswerten Querschnitt der ägyptischen Gesellschaft, wie Reporter der New York Times vor Ort beobachtet haben. Westlich geprägte Demonstranten stünden mit äußerst konservativen Ägyptern zusammen, junge Frauen mit Babys seien ebenso gekommen wie alte Männer mit Krückstock. (lc)

13.22Das Auswärtige Amt rät nun dringend von Reisen nach ganz Ägypten ab. Das betreffe auch die Urlaubsgebiete am Roten Meer.

13.14 Szenen vom Tharir-Platz in Kairo. (Quelle: Al JazeeraTV)

12.10 Seit den frühen Morgenstunden versammeln sich die Regimegegner im Zentrum Kairos. Mehr als Hunderttausend Demonstranten sollen sich derzeit auf dem Tahrir-Platz und den umliegenden Straßen befinden. Dort wiederholen die Menschen in Sprechchören und auf Transparenten ihre Kernforderung: den Rücktritt Mubaraks. Erstmals wollen sie auch vor dessen Präsidentenpalast im Südosten der Stadt demonstrieren. ZEIT ONLINE begleitet die Ereignisse in diesem Live-Blog. Hier auch unsere Themenseite zu den Unruhen in Ägypten. (wb)

26 Kommentare


  1. Ich freue mich ,dass das Ägyptische Volk endlch den Mut hatte ,sich zu erheben gegen einen korrupten Diktator.Seit 15 Jahren reise ich regelmässig nach Cairo und kann die um sichgreifende Armut beobachten.Gab es vor 10 Jahren vereinzelt Strassenkinder,so leben seit 5 Jahren angeblich 10,000 auf den Strassen in cairo.Ganze Familien ,Alleinerziehende Frauen und Kinder wohnen auf den Mittelstreifen der grossen Ausfallstrassen ,weil sie da zwar dem Lärm und Smog ausgeliefert ,aber wenigstens vor Vergewaltigungen und anderen Übergriffen sicher sind.Die Stadt explodiert aus allen Nähten,es herrscht Anarchie ,was den Bauboom anbetrifft.Ganze Stadtviertel haben kein Stromnetz.Wir sind durch eins 2010 gefahren.Gruselige Geisterstädte.Der Müll ist unerträglich ,das Abwassersystem marode,die ganze Innenstadt muffelt ,wie ein alter Keller.Seit 3 Jahren gibt es überall Staus.Von den Pyramiden zur Innenstadt braucht man mittlerweile 1.5 Stunden.Es gibt immer mehr sichtbare Drogenabhängige.Am meisten hat mich vor Jahren das Bild von 2 unter 5 Jährigen schockiert ,die mitten im Khan Khalili nachts im Bordstein geschlafen haben ,keine Erwachsene in der Nähe,aber in Sicherheit,bis sie wieder weggeschickt werden.Gleichzeitig immer mehr Reichtum einer clique und überall Korruption ,für die Armen keine Rechte. Die Kinder gehen in 3 Schichten zur Schule-es ist unvorstellbar.Ich hoffe,dass die Ägypter ihren Diktator stürzen und sie aus ihrer Lethargie erwachen ,um etwas neues zu bilden. Yes ,we can in Egypt !!

  2.   siar

    Für Richard Cohen sind wohl alle Muslime Islamisten. Da muss einem aufrechten Christen einfach angst und bange werden.

  3.   chamsi

    Sie zitieren einen „düsteren“ Bericht aus der WashingtonPost
    aus der Feder von Richard Cohen.
    Ein anderer Cohen, der von der NYT, sieht das wesentlich
    positiver….
    http://www.nytimes.com/2011/02/01/opinion/01iht-edcohen01.html?hp=&adxnnl=1&adxnnlx=1296572279-M7SJuCqx4CcP7/z2nkGZ3Q

  4.   rosalix

    Ich halte den Menschen ganz fest die Daumen , dass es friedlich bleibt und einen guten Anfang markiert, den Aufbruch in die Selbstverantwortliche Demokratie!

  5.   M.Tamim

    Bisher hat der Iran die Entwicklungen sehr kritisch gesehen, doch nach der Reaktion des Westens und Israels war zu erwarten, welche Position der Iran einnehmen wird. Ich stimme dem Iran in der genannten Aussage nicht in allen Punkten zu, doch es ist erfreulich, wenn der Iran einen guten Partner bekommen würde.
    Wollen wir hoffen, dass Ägypten einen Wandel erleben wird. Einen friedlichen Wandel. Einen vorbildlichen Wandel, für alle arabischen Staaten!

  6.   mijosch

    1)Da protestieren von 80 Millionen Ägyptern ca 1 Millionen und erhalten von allen den sensationsgierigen Medien Riesenaufmerksamkeit. Aber kein Medium und ortsfremden „Analytiker“fragen, was die nicht protestierenden 99 % der Ägypter eigentlich wollen!
    2) Die Bevölkerung Ägyptens ist in den letzten Jahrzehnten regelrecht explodiert .- wie in fast allen anderen islamischen Ländern ebenfalls. Und da viele der islamischen Länder keine Rohstoffe haben, wurden auch – bis auf geringe fremde Hilfe/Investitionen – zu wenig Infrastruktur, wettbewerbsfähige Ausbildung und Wirtschaft = Arbeitplätze geschaffen. Da werden jetzt auch keine Proteste und demokratische Freiheiten Besserung bringen können – auch wenn das einige hoffen. Das Ganze läuft nach noch enttäuschender demokaratischer Übergangszeit zwangsweise auf islamische harte Religionsdiktatur a la Iran und in Kürze wieder Afganistan hinaus, die die Menschen dann auf noch niedrigstem Lebensstandard auffängt.


  7. Ich glaube hinter den Kulissen werden die Amerikaner mit den Mubarak schon verhandeln.Aber wohin soll er denn gehen?
    Nach Israel? Das wäre ein Gesichtsverlust erster Güte.Saudi-Arabien hat abgelehnt,weil es nicht als Asyl für alle geflohenen Diktaturen der Welt denunziert werden will.
    Letztendlich wird es vielleicht Amerika werden oder ein von den Amerikanern organisiertes Asyl.Mubarak wird auch darauf achten wollen ohne Gesichtsverlust seinen Rücktritt zu erklären und das Land zu verlassen.Wenn er denn überhaupt daran denkt zurückzutreten…

  8.   Anay

    Volkes Wille, Aufbruch, Demokratie, my ass. Die Naivität der Kommentare in den letzten Tagen ist einfach nur unerträglich. Die Globalisten in den Hinterzimmern der USA und Großbritannien, die diese „Revolution“ seit einigen Jahren vorbereitet haben, reiben sich bereits die Hände. Die meisten der Millionen Ägypter auf den Straßen wollen nur gerechten Lohn, verträgliche Lebensmittelpreise usw., und viele ahnen gar nicht, dass die steigenden Preise auf die Wall-Street-Krise zurückgehen. Alles entlädt sich an Mubarak (der natürlich alles andere als ein Engel ist). Aber er muss weg. Das haben George Soros & Co. entschieden. Die Globalisten haben jetzt ihre neue gehirngewaschene Marionette ElBaradei plaziert, eingewiesen, und eng an die Leine genommen. Mal schauen, wer als nächster dran ist. Jemen? Jordanien? Saudi-Arabien gar? Aber kommt mir nicht mit dieser emotionalen Weichspülpropganda vom Aufbruch des Volkes etc. Es wäre dem ägyptischen Volk tatsächlich zu wünschen, dass sie die Sache in die eigene Hand nehmen, aber in Wahrheit wird der Stab nur eine irgendeine dahergelaufene Marionette wie ElBaradei weitergereicht. Ein Präsident, der unabhängig vom Westen und seinen Puppenspielern ist, wäre Ägypten zu wünschen, jemand wie Nasser zum Beispiel.


  9. Wir haben uns eben die Videos vom 25.angesehen und ich muß sagen,die Stimmung deutet darauf hin, dass der Text,den Vera Zietsch gepostet hat,realistisch ist. Ich gönne es diesen Menschen jetzt von ganzem Herzen, dass sie endlich einmal ihren so lange unterdrückten und ganz offensichtlich berechtigten Zorn herausschreien können,alle miteinander.Schlimmer kann es für sich ja nun wohl kaum noch werden mit einer neuen Regierung. Mubarak sollte so schnell wie möglich zurücktreten und Buße tun!

  10.   MIJOKO

    Was für eine mutiges Volk…und ich wünsche ihm viel Glück!
    Für die verhaltenen Reaktionen der Offiziellen der westlichen „Demokratien“ muß man sich eigentlich schämen. Sie signalisieren einfach nur Angst…vor einer offenen Zukunft!?

 

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