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Der schmerzhafte Schrecken des NSU-Videos – Das Medienlog vom Mittwoch, 19. November 2014

 

Zum zweiten Mal hat das Gericht das zynische Bekennervideo des NSU vorgeführt – für viele Medien dennoch ein Grund, das Machwerk erneut zu beleuchten. „Es ist jedes Mal wieder wie ein Schlag in die Magengrube“, kommentiert Annette Ramelsberger von der Süddeutschen Zeitung. Auffällig war dabei die Reaktion von Beate Zschäpe: Diese habe sich „wie hinter einem Vorhang vor Blicken“ abgeschirmt. Es sei nicht zu erkennen gewesen, wie sie heute zu dem Film steht.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Die radikale Botschaft ist in einen Zusammenschnitt aus mehreren Folgen der Zeichentrickserie Paulchen Panther eingebettet, auch Fotos der toten Opfer sind enthalten. Der NSU produzierte drei Versionen eines Bekennerfilms, die Trickfilmversion ist die letzte davon. „Auch wenn die Taten des NSU seit drei Jahren bekannt sind, der Schrecken ist jetzt schmerzhaft präsent“, schreibt Frank Jansen vom Tagesspiegel. Er schildert die schockierten Reaktionen von Prozessbesuchern – und das Wegschauen von Zschäpe. Als das Video zum ersten Mal im Gerichtssaal gezeigt wurde, hätte sie sich hingegen noch interessiert gezeigt.

Ein Polizist berichtete dem Gericht von einer Aussage Beate Zschäpes aus dem Jahr 1996 – damals ging es um Uwe Böhnhardt, der eine Puppe mit Judenstern und eine Bombenattrappe an einer Autobahnbrücke angebracht haben sollte. Für die Tat wurde er später verurteilt, dann aus Mangel an Beweisen freigesprochen. „Es war ein deutlicher Hinweis darauf, dass ein Krimineller wie der damals 18-jährige Böhnhardt vor Terroranschlägen nicht zurückschreckte“, befinden wir auf ZEIT ONLINE. Seine Kameraden, darunter Beate Zschäpe, deckten ihn offenbar mit abgesprochenen Aussagen – und schafften es damit, eine besonders hohe Haftstrafe für den Freund abzuwenden.

Die Aussage des Beamten verlief holprig – Jörg Diehl von Spiegel Online spricht von „der bemitleidenswerten Überforderung des Beamten“. Nach 18 Jahren konnte er sich kaum noch an etwas erinnern und glaubte, die Prozessbeteiligten würden ihm dies zum Vorwurf gereichen. Er habe den Verdacht gehabt, „das Gericht wolle ihn zu ganz bestimmten und gewünschten Aussagen bringen“.

Zum Schluss nahm die Bundesanwaltschaft Stellung zu Beweisanträgen der Nebenklage. Oberstaatsanwältin Anette Greger wies einen Antrag zurück, Mitglieder der rechtsradikalen Dortmunder Gruppe Combat 18 als Zeugen zu laden. Dies helfe nicht bei der Aufklärung des angeklagten Sachverhalts. Anders sehen das naturgemäß die Nebenkläger: Demnach habe einer der Zeugen ausgesagt, er könne Angaben zur Herkunft zweier Pistolen des NSU machen, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet.

Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 20. November 2014.

15 Kommentare

  1.   tacheles

    # 10
    Es werden Fotos eines nicht identifizierten Handwerkers ins Netz gestellt welcher angeblich kurz vor der Explosion das Haus verlassen hat?
    Nicht identifizierbare Anrufe zu Zschäpes Handy mit einem nicht identifizierbaren Diensthandy aus einem Amt heraus sind unstreitig!
    Zschäpe soll angebl. nur mit ihren beiden Katzen unterm Arm und einer normalen Handtasche fluchtartig das Haus verlassen haben und sich erschrocken anläßlich der Detonation ihrer Wohnung umgeschaut haben?
    Dann ist sie für mehrere Tage untergetaucht um sich letztendlich in Begleitung! eines Rechtsbeistands freiwillig der Polizei gestellt haben?
    Während ihres Untertauchens soll Zschäpe laut Anklage etliche „Selbstbeschuldigungsbeweise“ in Form von Bekenner DVDs bezügl. der vorgeworfenen Mordtaten, welche jahrelang zur Veröffentlichung bereitlagen, an Medien und linksorientierte Organisationen verschickt haben?
    Allerdings behauptet die Anklage das Zschäpe die Wohnung ja gerade zu Beweisvernichtung angesteckt und dadurch eine Explosion herbeigeführt hat?
    Und zwar planmäßig denn es sollen lt. Anklage in der Wohnung Brandbeschleuniger (evtl. Benzin) bereitgehalten worden sein?
    Anhand der Fakten und Vermutungen kann man nun schußfolgern:
    Falls es sich in dem Wohnmobil nicht um Mord mit anschließendem Suizid sindern um Doppelmord gehandelt hat könnten die Anrufe aus dem Amt Warnungen eines gutmeinendem „Freundes“ sein um Zschäpe vor einem bevorstehenden Anschlag gewesen sein.
    Woraufhin Zschäpe mit ihren Katzen, denen sie sehr zugeneigt ist, fluchtartig das Haus verlassen hat.
    Um sicherzugehen das ihr kein „Unfall“ zustößt könnte sie belastendes Material mitgenommen bzw während ihres Untertauchen. aus einem vorbereitetem Versteck geholt haben und es zu „Treuen Händen“ in Verwahrung gegeben haben?
    Als eine Art „Lebensversicherung“?
    Das würde auch ihr Schweigen erklären.
    Denn dann gäbe es eine „Stillschweigende Übereinkunft“?
    Solange sie den „Mund hält“ wäre sie sicher?
    Selbstverständlich kann nur aus den bekannten Fakten unter Einbeziehung von logischen Schlussfolgerungen gemutmaßt werden!
    Die offizielle Version der Anklageschrift bietet allerdings etliche Ansatzpunkte für Zweifel!


  2. SPON faselt von der „bemitleidenswerten Überforderung des Beamten“ – als ob Otto Normalpolizist sich nach 18 Jahren noch an Details eines Routine-Verhörs erinnern könnte. Bringt denn Otto Normalreporter (oder auch nur Jörg Diehl vom SPON) so eine Leistung zustande?

    Dementsprechend wundert er sich, dass der Zeuge sich gegen überhöhte Erwartungen wehrt. In Sachen Autobahnpuppe und Bombenattrappe gibt es nicht nur sein damaliges Polizisten-Protokoll, sondern komplette Gerichtsakten.
    Was soll er noch liefern? Soll er mit 18 Jahren Abstand und mal nebenbei so einfach ein laienpsychologisches Pseudogutachten abgeben? („Ich wusste gleich, aus denen werden mal Terroristen…“)

    Dass jetzt nicht nur (wie nicht anders zu erwarten) die vielen Zeugen aus der Szene unergiebig sind, sondern schon ein Polizist argwöhnt, „das Gericht wolle ihn zu ganz bestimmten und gewünschten Aussagen bringen“, spricht einmal mehr für eine äußerst dünne Beweisdecke.

    Aber solange das Gericht einen toten Acker umpflügt, braucht es sich nicht mit den Widersprüchen der offiziellen (sprich: von der Öffentlichkeit schon so gut wie bewiesen hingenommenen) Themen abplagen, siehe brennende Wohnwagen & Wohnung, #11

  3.   the good kkkop

    @11 :
    Wen Zschäpe davon ausging, das der Brand die DVD’s und die Festplatte unbrauchbar macht, und nicht wusste das auf einem der verschickten Umschläge ein Fingerabdruck von ihr ist, dann ist da zumindest in der Hinsicht nichts widersprüchliches.

    Und die Benzindämpfe brauchen eine Weile um sich auszubreiten, da muss sie die Katzen denn ja schon raus haben. Das kann ja kein Anschlag auf sie gewesen sein. Der Anruf erfolgte erst nachdem die Wohnung in die Luft geflogen ist, auf den kann sie also nicht reagiert haben.


  4. Das Interessante und Brisante am „Anruf“ (d.h. den Mehrfach-Versuchen aus dem sächsischen Innenministerium und der Polizeidirektion Südwestsachsen) ist doch die Frage:
    Wieso hatten Teile der Sicherheitsbehörden telefonischen Zugang zu Zschäpe, einer Frau mit falscher Identität im Untergrund? Und warum gerade an diesem Tag zu einer Uhrzeit, die Uwes schon tot, aber die fliehende Zschäpe noch nicht auf dem „Polizei-Radar“ war?

    Darin steckt nicht nur die immer noch offene Frage nach dem evtl. V-Frau-Status von Zschäpe.
    Sondern ebenso: Was wussten die „Schlapphüte“ über die Brände und Todesfälle des Tages, was planten und trieben sie – hinter dem Rücken der „Vor-Ort-Polizei“ und ohne es bis zum heutigen Tage offenzulegen?

  5.   the good kkkop

    @14 :
    “ Wieso hatten Teile der Sicherheitsbehörden telefonischen Zugang zu Zschäpe, einer Frau mit falscher Identität im Untergrund? “
    -Weil sie die Nachbarn gegeben hatte. Ist ja nach der Explosion.
    ( was aber nicht erklärt weshalb von einem IM-Handy aus angerufen wurde )

 

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