{"id":1744,"date":"2011-02-28T16:33:14","date_gmt":"2011-02-28T15:33:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/?p=1744"},"modified":"2011-03-01T10:19:49","modified_gmt":"2011-03-01T09:19:49","slug":"vorratsdatenspeicherung-ist-keine-spielerei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/2011\/02\/28\/vorratsdatenspeicherung-ist-keine-spielerei\/","title":{"rendered":"&#8222;Vorratsdatenspeicherung ist keine Spielerei&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1746 alignnone\" title=\"Malte Spitz\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/02\/Maltespitz.jpg\" alt=\"Malte Spitz Bundesvorstand Gr\u00fcne\" width=\"535\" height=\"305\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/02\/Maltespitz.jpg 535w, https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/02\/Maltespitz-533x304.jpg 533w, https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/02\/Maltespitz-300x171.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 535px) 100vw, 535px\" \/><\/p>\n<p><!-- p.p1 {margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px; font: 12.0px Arial} p.p2 {margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px; font: 12.0px Arial; min-height: 14.0px} --><em>Vergangene Woche ver\u00f6ffentlichte ZEIT ONLINE die Verbindungsdaten des Mobiltelefons von Malte Spitz. Das Bundesvorstandsmitglied der Gr\u00fcnen \u00fcber die Vorgeschichte und die Resonanz auf <a title=\"vds malte spitz\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/datenschutz\/malte-spitz-vorratsdaten\" target=\"_blank\">die Visualisierung der Vorratsdaten<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Herr Spitz, wie kamen Sie zu dem Datensatz?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Malte Spitz<\/strong>: Ich habe im Juli\u00a02009 der Telekom eine erste Auskunftsanfrage geschickt. Ich habe mich dabei auf <a title=\"datenschutzgesetz\" href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bdsg_1990\/__34.html\" target=\"_blank\">Paragraph 34 Bundesdatenschutzgesetz<\/a> bezogen. Ohne Ergebnis, weswegen ich Ende August 2009 Klage einreichte. Das f\u00fchrte zu einem halbj\u00e4hrigen Briefwechsel mit der Telekom und dem Amtsgericht. Im April 2010 sollte es einen Gerichtstermin geben.\u00a0Einen Monat vorher, Anfang M\u00e4rz, <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/digital\/datenschutz\/2010-03\/bundesverfassungsgericht-vorratsdatenspeicherung\">stoppte das Bundesverfassungsgericht die Praxis der Vorratsdatenspeicherung<\/a>. Die bei den Telefonfirmen gespeicherten Daten sollten sofort gel\u00f6scht werden. Zusammen mit meinem Rechtsanwalt habe ich der Telekom klargemacht: Ich halte die Klage auf Auskunft aufrecht, und wir wollen diese Daten. Wir haben uns dann au\u00dfergerichtlich geeinigt.<\/p>\n<p><strong>Kam der Datensatz dann per Post?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Spitz: <\/strong>Es kamen mehrere Umschl\u00e4ge. Einer enthielt eine CD mit den Vorratsdaten. Ein anderer einen Brief mit Informationen, um die Vorratsdaten entschl\u00fcsseln zu k\u00f6nnen. Und dann wurde mir noch ein Musterdatensatz \u00fcberlassen, wie die Datenspeicherung nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aussieht: Eine Funkzellenspeicherung zur Lokalisierung des Nutzers findet nicht mehr statt &#8211; der Standort des Telefoninhabers ist derzeit also nicht mehr im Nachhinein bestimmbar.<\/p>\n<p><strong>Warum enth\u00e4lt Ihr Datensatz nicht die Nummern derjenigen, mit denen Sie in dem halben Jahr kommunizierten?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Spitz: <\/strong>Bei der au\u00dfergerichtlichen Einigung mit der Telekom sind wir \u00fcbereingekommen, dass die Daten von Dritten rausgenommen werden. Ich h\u00e4tte mir gew\u00fcnscht, dass sie nur die letzten Stellen l\u00f6schen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Wie f\u00fchlte es sich an, so einen umfassenden Datensatz \u00fcber sein Leben herauszugeben?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Spitz: <\/strong>Mir war klar, dass die Daten, so wie sie vorlagen, nicht den allertiefsten Einblick in mein Privatleben zulassen. Ich twittere und blogge au\u00dferdem regelm\u00e4\u00dfig, und schotte mich daher sowieso nicht ab &#8211; meine Reisebewegungen sind meist bekannt. Wobei ich schon \u00fcberlegt habe, ob ich die Daten vollst\u00e4ndig publiziere, <a title=\"datensatz malte spitz vds\" href=\"https:\/\/spreadsheets.google.com\/ccc?key=0An0YnoiCbFHGdGp3WnJkbE4xWTdDTVV0ZDlQeWZmSXc&amp;hl=en_GB&amp;authkey=COCjw-kG\" target=\"_blank\">ob ich sie als Rohdaten in die \u00d6ffentlichkeit gebe<\/a>. Irgendwann habe ich dann aber gedacht: Jetzt ziehe ich das durch. Und wenn nun jemand die Daten aufbereitet und herausfindet, dass ich als Gr\u00fcner in der Zeit mehrmals innerhalb Deutschlands geflogen bin, dann muss ich damit leben. Mir war wichtig, auch anderen die M\u00f6glichkeit zu geben, mit den Daten zu arbeiten. Ich wollte gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Transparenz.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_1750\" aria-describedby=\"caption-attachment-1750\" style=\"width: 535px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/datenschutz\/malte-spitz-vorratsdaten\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1750\" title=\"vorratsdaten spitz\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/02\/vdsapp.jpg\" alt=\"screenshot Vorratsdaten app zeit\" width=\"535\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/02\/vdsapp.jpg 535w, https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/02\/vdsapp-300x160.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 535px) 100vw, 535px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1750\" class=\"wp-caption-text\">Ausschnitt: Ein halbes Jahr l\u00e4sst sich auf einer interaktiven Karte nachverfolgen (Bild klicken)<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>Hat Sie an dem jetzt erschienenen Resultat noch etwas \u00fcberrascht?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Spitz: <\/strong>Nein. Aber die visuelle Aufbereitung ist f\u00fcr einen Politiker ein guter Arbeitsbericht.<\/p>\n<p><strong>Welche Aussage ergibt sich aus der interaktiven Karte?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Spitz: <\/strong>Es wird deutlich, wie gef\u00e4hrlich Vorratsdaten sind: Mit ihnen lassen sich detailliert Lebensverl\u00e4ufe nachzeichnen. Allerdings ist das nur der Anfang. Spannend wird es, wenn die Datens\u00e4tze Telefonnummern enthalten. Und wenn so die Kommunikation ganzer Personengruppen mit anderen Daten angereichert werden kann, mit Kontoausz\u00fcgen, Kartenzahlungen, Flugdaten. Liegen diese Informationen vor, ist zu erkennen, wer die wichtigsten Ansprechpartner eines Menschen sind, wof\u00fcr er sich interessiert, was er tut. F\u00fcr staatliche Stellen sind solche Aussagen im Rahmen einer Ermittlungen problemlos m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Wie waren die Reaktion auf die Ver\u00f6ffentlichung?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Spitz: <\/strong>Sehr positiv. Es hat mich \u00fcberrascht, dass die Daten Menschen so stark ansprechen, dass sie sich f\u00fcnf Minuten Zeit nehmen,\u00a0die\u00a0Informationenen im Detail zu betrachten. Ich habe innerhalb von vierundzwanzig Stunden hundert E-Mails bekommen, viele Kommentare im Blog und bei Twitter.<\/p>\n<p>Wichtig ist mir, dass die Ver\u00f6ffentlichung Menschen zum Nachdenken bringt. Dass sie merken, dass Vorratsdatenspeicherung keine Spielerei ist. Dass es ein Risiko ist, \u00fcber jeden Menschen solche Datenberge anzuh\u00e4ufen. Ich hoffe auch, dass einigen Politikern, die in der Regierung\u00a0 oder auf EU-Ebene an solchen Speicherungsvorhaben arbeiten, klar wird, wie\u00a0tief allein schon so ein halber Datensatz ins Leben blicken l\u00e4sst. Wie viel mehr R\u00fcckschl\u00fcsse lassen sich dann erst aus dem ganzen ziehen, der auch Telefonnummern enth\u00e4lt&#8230;<\/p>\n<p><strong>Wie geht es in Deutschland in Sachen Vorratsdatenspeicherung weiter?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Spitz: <\/strong>Derzeit gehen die Pl\u00e4ne von CDU\/CSU und FDP leider dahin, die anlasslose Speicherung wieder einzuf\u00fchren. Wahrscheinlich nicht so umfassend wie damals. Aber die grundlegenden Daten sollen wohl gespeichert werden. Nicht nur im Mobilfunkbereich, sondern auch die IP-Adressen beim Surfen im Internet.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich geht es jedoch weiter um das Ob einer solchen Speicherorgie, nicht nur um das Wie. Wir m\u00fcssen gegen einen solchen Kompromiss k\u00e4mpfen Die Aufbereitung zeigt deutlich: Vorratsdaten greifen massiv in die Privatsph\u00e4re ein und kehren die Unschuldsvermutung um. Das gilt es zu verhindern.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Mehr zu dem Datensatz hier im Blog:<\/em><\/p>\n<p><em><a title=\"hintergrund vds datensatz\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/2011\/02\/24\/vorratsdaten-unter-der-lupe\/\" target=\"_blank\">Der Datensatz unte der Lupe<\/a> (24.2.11)<\/em><\/p>\n<p><em><a title=\"vorratsdaten fallbeispiel\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/2011\/02\/25\/vorratsdaten-funkmast-als-wachturm\/\" target=\"_blank\">Der Funkturm als Wachturm<\/a> (25.2.11)<\/em><\/p>\n<p><em>&#8212;<\/em><\/p>\n<p><em>Bildnachweis oben: <a title=\"netzpolitiker\" href=\"http:\/\/malte-spitz.de\" target=\"_blank\">malte-spitz.de<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergangene Woche ver\u00f6ffentlichte ZEIT ONLINE die Verbindungsdaten des Mobiltelefons von Malte Spitz. Das Bundesvorstandsmitglied der Gr\u00fcnen \u00fcber die Vorgeschichte und die Resonanz auf die Visualisierung der Vorratsdaten. 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