{"id":2059,"date":"2011-04-27T17:13:26","date_gmt":"2011-04-27T15:13:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/?p=2059"},"modified":"2011-04-28T12:01:41","modified_gmt":"2011-04-28T10:01:41","slug":"die-eigenen-nutzungsdaten-als-entscheidungshilfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/2011\/04\/27\/die-eigenen-nutzungsdaten-als-entscheidungshilfe\/","title":{"rendered":"Die eigenen Nutzungsdaten als Entscheidungshilfe"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_2060\" aria-describedby=\"caption-attachment-2060\" style=\"width: 535px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2060 \" title=\"stechuhr\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/04\/stechuhr.jpg\" alt=\"vw stechuhr\" width=\"535\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/04\/stechuhr.jpg 535w, https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/04\/stechuhr-511x304.jpg 511w, https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/04\/stechuhr-300x178.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 535px) 100vw, 535px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2060\" class=\"wp-caption-text\">Stechuhr im VW-Werk Wolfsburg in den 70er Jahren<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><!-- p.p1 {margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px; font: 12.0px Arial} p.p2 {margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px; font: 12.0px Arial; min-height: 14.0px} span.s1 {letter-spacing: 0.0px} --><\/p>\n<p>Fr\u00fcher war es die Stechuhr. Ein Zeiterfassungssystem, das automatisch Anfang und Ende der Arbeitszeit festhielt. Im digitalen Zeitalter l\u00e4sst sich nahezu jeder Tastenschlag, jeder Mausklick oder schlicht jede Interaktion mit einem digitalen Ger\u00e4t aufzeichnen. Frank Rieger vom Chaos Computer Club fasste das vor einiger Zeit in seinem Text &#8222;<a title=\"daten menschen pers\u00f6nlich\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE\/Doc~E38A2F6DD0A734EB789AAD27EDE6F9A35~ATpl~Ecommon~Scontent.html\" target=\"_blank\">Der Mensch wird zum Datensatz<\/a>&#8220; gut zusammen.<\/p>\n<p>Doch immer mehr Leute messen freiwillig ihr Verhalten. Oder besser: Lassen messen. Zahlreiche Dienste im Internet bieten die Erfassung pers\u00f6nlicher Daten und deren Auswertung an. Seien es Jogger, die ihre <a title=\"jogger strecken app\" href=\"http:\/\/runkeeper.com\/\" target=\"_blank\">Laufstrecken<\/a> aufnehmen. Andere beobachten ihr <a title=\"geld bewegungen beobachten\" href=\"https:\/\/www.mint.com\/\" target=\"_blank\">Finanzhandeln<\/a>, halten ihre <a title=\"reise daten erfassen\" href=\"http:\/\/www.tripit.com\/\" target=\"_blank\">Reisebewegungen<\/a> fest oder monitoren ihr <a title=\"schlaf erfassung\" href=\"http:\/\/www.fitbit.com\/\" target=\"_blank\">Schlafverhalten<\/a>.<\/p>\n<p>Eine zentrale Rolle kommt dabei den Mobiltelefonen zu.\u00a0Sie werden in der Regel nur von einer Person genutzt, bleiben nahezu immer in unmittelbarer Umgebung derselben und werden immer seltener ausgeschaltet. Neuere Modelle besitzen Internetanbindung, GPS, einen Kompass und Beschleunigungssensoren.<\/p>\n<p>Aufgeschreckt durch die <a title=\"daten monitoring apple\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/digital\/datenschutz\/2011-04\/iphone-ipad-ortungsdaten\" target=\"_blank\">heimlichen Aufzeichnungen der iPhone Software<\/a>, die unl\u00e4ngst einer breiten \u00d6ffentlichkeit bekannt wurde, haben sich die Nutzer in den letzten Tagen viele Gedanken \u00fcber pers\u00f6nliche Daten gemacht. Erfreulicherweise wird im Zusammenhang mit dieser Thematik auch immer wieder auf die Berichterstattung von\u00a0ZEIT ONLINE und <a title=\"data retention\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/digital\/datenschutz\/2011-02\/vorratsdaten-malte-spitz\" target=\"_blank\">die Mobilfunkdaten des Gr\u00fcnen-Politikers Malte Spitz<\/a> hingewiesen. Um die Visualisierung vieler solcher Mobilfunkdaten umzusetzen, bittet\u00a0das eben gestartete <a title=\"iphone logs collection\" href=\"http:\/\/crowdflow.net\" target=\"_blank\">Projekt Crowdflow<\/a> um Spenden solcher iPhone-Datens\u00e4tze, um ein &#8222;geo-soziales Netzwerkexperiment&#8220; umzusetzen.<\/p>\n<p><a title=\"personal data monetarization\" href=\"http:\/\/bigthink.com\/ideas\/38000\" target=\"_blank\">Manche sind sich sicher<\/a>, dass solch pers\u00f6nliche Datens\u00e4tze Goldminen sind, die nur darauf warten, ausgebeutet zu werden. In dem lesenswerten Beitrag &#8222;<a title=\"telefon daten forschung\" href=\"http:\/\/online.wsj.com\/article\/SB10001424052748704547604576263261679848814.html\" target=\"_blank\">The Really Smart Phone<\/a>&#8220; im <em>Wall Street Journal<\/em> gibt Robert Lee Hotz einen \u00dcberblick dar\u00fcber, was Forscher mit solchen Datens\u00e4tzen anstellen: So wagen sie Voraussagen dar\u00fcber, ob Personen gerade \u00fcber Politik am Telefon debattieren, ohne den Inhalt des Gespr\u00e4chs zu kennen. Oder sie prognostizieren, ob der Telefoninhaber Symptome einer Grippe zeigt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Richtungweisend sind aber die Analysen einer gro\u00dfen Menge von Nutzerdaten, um wirtschaftliche Entwicklungen vorherzusagen zum Beispiel. Etwa die Analyse der Textnachrichten, die per Mobiltelefon zum Kurznachrichtendienst Twitter gesendet wurden. Anhand von Schl\u00fcsselworten gelang es Wissenschaftlern Stimmungen abzulesen und die Entwicklung des Aktienindex vorherzusagen.<\/p>\n<p>Nun stellt sich die Frage: Wem geh\u00f6ren die Daten? Richard H. Thaler, Professor f\u00fcr Wirtschaft und Verhaltensforschung an einer Universit\u00e4t in Chicago forderte vor wenigen Tagen in der New York Times: &#8222;<a title=\"wem geh\u00f6ren die daten\" href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2011\/04\/24\/business\/24view.html\" target=\"_blank\"><em>Show Us the Data. (It\u2019s Ours, After All.)<\/em><\/a>&#8222;. Thaler argumentiert wie folgt: &#8222;Wenn ein Unternehmen die Daten seiner Kunden elektronisch sammelt, sollte es ihnen eine Version dieser Daten zu Verf\u00fcgung stellen, die herunterladbar ist oder zu einer anderen Website exportiert werden kann.&#8220; Denn, so der Wissenschaftler, die eigenen Nutzungsdaten k\u00f6nnen dem Konsumenten helfen, Entscheidungen zu treffen. Etwa dabei, welchen Mobilfunkvertrag er abschlie\u00dft. Ein unparteiischer Dienst k\u00f6nnte anhand der Nutzungsdaten Empfehlungen geben und beim Geldsparen helfen.<\/p>\n<p>Thaler beriet in den vergangen Monaten die britische Regierung, die derzeit mit Banken, Kreditkartenunternehmen, Mobilfunkunternehmen und gro\u00dfen Handelsketten <a title=\"daten verbraucher regierung uk\" href=\"http:\/\/www.cabinetoffice.gov.uk\/resource-library\/better-choices-better-deals\" target=\"_blank\">das Programm mydata einf\u00fchren will<\/a>. Dabei geht es eben darum, den Konsumenten die \u00fcber sie gesammelten Daten in maschinenlesbaren Formaten zu geben. So soll sowohl der Verbraucherschutz gest\u00e4rkt und gleichzeitig neuen Gesch\u00e4ftsmodellen der Weg geebnet werden. Eine Idee, die die Bundesministerin f\u00fcr Verbraucherschutz, Isle Aigner (CSU), gerne aufgreifen darf.<\/p>\n<p>Neben Entscheidungshilfen durch Datenauswertung, die volkswirtschaftliche Entwicklung vorhersagen oder pers\u00f6nliche Kaufempfehlungen abgeben, sind weitere Szenarien denkbar:\u00a0 Ellen Wagner macht sich Gedanken \u00fcber pers\u00f6nliche Nutzungsdaten im Bildungsbereich. &#8222;<a title=\"fernuni daten hilfe entscheidung lernen\" href=\"http:\/\/elearningroadtrip.typepad.com\/elearning_roadtrip\/2011\/04\/data.html\" target=\"_blank\"><em>Data changes everything<\/em><\/a>&#8220; meint sie, denn im Bereich des eLearning k\u00f6nnten clever ausgewertete Nutzerdaten helfen, die richtigen Lernschritte zu erfahren. Beispielsweise bei der Entscheidung, die richtigen Kurse an einer Fernuni zu belegen.<\/p>\n<p>Eins ist jedenfalls sicher: Die Menge der Datens\u00e4tze, die \u00fcber uns, aber auch von uns selbst, gesammelt wird, sie wird steigen. Der Mensch allein wird diese Informationen nicht sinnvoll durchdringen k\u00f6nnen und wird sich immer mehr auf Maschinen verlassen m\u00fcssen. Wichtig ist dabei dann, dass er selbst \u2013 und nicht eine Regierung oder ein Unternehmen \u2013 die Hoheit \u00fcber diese Daten hat.<\/p>\n<p>Zu Recht warnt Alina Tugend davor, ebenfalls in der <em>New York Times<\/em>, <a title=\"data mesasuring \" href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2011\/04\/23\/your-money\/23shortcuts.html\" target=\"_blank\">nur noch \u00fcber Zahlen definiert zu werden<\/a>: Wir laufen Gefahr, das Quantifizierbare, das Z\u00e4hlbare als einzigen akzeptablen und bedeutenden Gradmesser zu\u00a0akzeptieren.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Disclaimer: Der Autor arbeitet beim Projekt <a title=\"kurznachrichten crowdflow\" href=\"http:\/\/twitter.com\/crowdflow\" target=\"_blank\">crowdflow.net<\/a> mit.<\/em><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Fotonachweis: <a title=\"wikimedia fotos\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F038809-0007,_Wolfsburg,_VW_Autowerk,_Werksausgang.jpg?uselang=de\" target=\"_blank\"> Bundesarchiv, B 145 Bild-F038809-0007 \/ Schaack, Lothar \/ CC-BY-SA<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher war es die Stechuhr. 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