{"id":2628,"date":"2011-09-21T14:14:29","date_gmt":"2011-09-21T12:14:29","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/?p=2628"},"modified":"2011-09-21T14:14:29","modified_gmt":"2011-09-21T12:14:29","slug":"opendata-entwicklungszusammenarbeit-openaid-konferen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/2011\/09\/21\/opendata-entwicklungszusammenarbeit-openaid-konferen\/","title":{"rendered":"&#8222;Mehrwert von Open Data gibt es nur zusammen mit anderen Faktoren&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2633 alignnone\" title=\"schwegmann\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/08\/schwegmann.jpg\" alt=\"Claudia Schwegmann founder openaid germany\" width=\"540\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/08\/schwegmann.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/08\/schwegmann-480x304.jpg 480w, https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2011\/08\/schwegmann-300x190.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/p>\n<p><em>Claudia Schwegmann hat 2009 <a href=\"http:\/\/www.openaid.de\/de\" target=\"_blank\">OpenAid<\/a> gegr\u00fcndet \u2013 eine Nichtregierungsorganisation, die Transparenz in der Entwicklungszusammenarbeit f\u00f6rdern will. Schwegmann hat selbst einige Jahre in der Entwicklungzusammenarbeit gearbeitet. Im Interview erkl\u00e4rt sie die Hintergr\u00fcnde zu der <a title=\"conference berlin opendata development aid\" href=\"http:\/\/openaiddata.de\/\" target=\"_blank\">Konferenz Open Aid Data<\/a> Ende September in Berlin.<\/em><\/p>\n<p><strong>Frau Schwegmann, warum haben Sie Open Aid gegr\u00fcndet?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Claudia Schwegmann<\/strong>:\u00a0In meiner Arbeit in der Entwicklungszusammenarbeit habe ich mich\u00a0zuletzt mit der Wirkung von Entwicklungsprojekten befasst. Eine wichtige\u00a0Voraussetzung f\u00fcr Wirkung ist Feedback. Die Empf\u00e4nger der Hilfe m\u00fcssen R\u00fcckmeldung \u00fcber die Qualit\u00e4t der Entwicklungszusammenarbeit geben k\u00f6nnen. Das ist nur m\u00f6glich, wenn sie zu einem gewissen Grad die Prozesse und die Planung kennen. Der Mangel an Informationen in der Entwicklungszusammenarbeit war letztlich ausschlaggebend daf\u00fcr, <a title=\"open data entwicklungszusammenarbeit\" href=\"http:\/\/www.openaid.de\/de\" target=\"_blank\">OpenAid zu gr\u00fcnden<\/a>. Sp\u00e4ter bin ich dann auf die 2008 gegr\u00fcndete \u201cInternational Aid Transparency Initiative\u201d IATI gesto\u00dfen, mit der sich OpenAid jetzt schwerpunktm\u00e4\u00dfig befasst.<\/p>\n<p><strong>Worum geht es bei IATI genau?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schwegmann<\/strong>:\u00a0Dieses Fr\u00fchjahr wurden die <a title=\"iati standard\" href=\"http:\/\/www.aidtransparency.net\/about\" target=\"_blank\">IATI-Kriterien f\u00fcr einen Standard f\u00fcr Daten\u00a0zu Entwicklungsvorhaben<\/a> schlie\u00dflich festgeschrieben. In einem maschinenlesbarem Format, als Open Data, sollen f\u00fcnf grundlegende Informationen \u00fcber Entwicklungsvorhaben gespeichert werden: Wer ist beteiligt? Worum geht es? Was soll bis wann erreicht werden? Wie lassen sich die Vorhaben einordnen und was sind die finanziellen Details?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Auf der Konferenz OpenAid Ende September in Berlin soll es um diesen Standard gehen. Was soll die Konferenz bringen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schwegmann<\/strong>:\u00a0Wir erwarten 120 Teilnehmer. Ich erhoffe mir, dass so die Diskussion in\u00a0Deutschland angeregt wird. Dass IATI kein Fremdwort mehr ist, dass viele Leute in der Entwicklungszusammenarbeit erfahren, dass es diesen Standard gibt. Ich m\u00f6chte, dass Leute kommen, die vielleicht skeptisch, aber auch neugierig sind. Deswegen konzentrieren wir uns auf die drei L\u00e4nder Deutschland, \u00d6sterreich und Schweiz. In anderen L\u00e4ndern, etwa den Niederlanden oder Gro\u00dfbritannien, ist man auch auf staatlicher Seite viel weiter.<\/p>\n<p><strong>Woher r\u00fchrt die von Ihnen angesprochene Skepsis? Entwicklungshilfe steht\u00a0doch unter einem enormen Rechtfertigungsdruck. Liegt es nicht nahe, auf\u00a0Transparenz zu setzen, um die Wichtigkeit der eigenen Arbeit unter\u00a0Beweis zu stellen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schwegmann<\/strong>:\u00a0H\u00e4ufig spielt Angst eine Rolle. Ganz schnell wird gefragt: wie ist das mit dem Datenschutz? Mich erinnert das an die Streetview-Debatte; es gibt oft irrationale \u00c4ngste beim Thema Offenlegung von Informationen. H\u00e4ufig beruht die Diskussion nicht ausreichend auf Fakten. Bei IATI geht es um schlichte Basisinformationen, nicht um die Bankkonten der Projektmanager.<\/p>\n<p><strong>Wie steht denn das Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit unter Dirk Niebel zu IATI?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schwegmann<\/strong>:\u00a0Deutschland war von Anfang bei IATI dabei, damals noch unter Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul von der SPD. Es gibt im BMZ weiterhin ein Team, das regelm\u00e4\u00dfig an den IATI-Sitzungen teilnimmt. Dennoch ist meine Einsch\u00e4tzung, das das Thema f\u00fcr Niebel keine Priorit\u00e4t hat. Aus Ministeriumskreisen ist auch zu h\u00f6ren, dass der IATI-Standard zu detailliert oder zu anspruchsvoll sei. Anderseits \u00e4u\u00dfert Minister Niebel immer wieder, dass Transparenz sehr wichtig sei. Er meint dann aber vor allem die Empf\u00e4ngerl\u00e4nder, nicht die Transparenz des BMZ. Ich finde die Haltung des Ministeriums unbefriedigend; eigentlich sollte bereits seit diesem Fr\u00fchjahr feststehen, wann das BMZ mit IATI beginnt. Selbst das steht nicht fest.<\/p>\n<p><strong>Was ist mit den Entwicklungsorganisationen selbst &#8211; k\u00f6nnen die nicht den\u00a0Standard unabh\u00e4ngig vom BMZ nutzen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schwegmann: <\/strong>Meine Erfahrung ist, das nur wenigen Leute IATI bekannt ist. Es gibt auch Insider, die sagen, dass eine solch Transparenz schlicht nicht gewollt ist. Prinzipiell ist es m\u00f6glich, dass die nicht-staatlichen Organisationen wie Welthungerhilfe, Misereor und Brot f\u00fcr die Welt diesen Standard\u00a0umsetzen. Der Verband Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen VENRO jedenfalls wird sich in K\u00fcrze auch mit IATI auseinandersetzen.<\/p>\n<p><strong>Was kann Open Data auf der anderen Seite den Empf\u00e4ngerl\u00e4ndern von Entwicklungshilfe bringen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schwegmann<\/strong>:\u00a0Angenommen, vor Ort gibt es Leute, die sagen, die Situation hier in unserem Land im Bereich Wasserversorgung ist schlecht. Die k\u00f6nnten Informationen, die \u00fcber Open Data zug\u00e4nglich sind, nutzen, um zu sehen, bei welchen Organisationen sie Unterst\u00fctzung im Bereich Wasser erhalten k\u00f6nnen. Auch w\u00e4re es einfach zu erkennen, in welchen Bereich im eigenen Land viel Geld flie\u00dft. Vielleicht gehen Mittel in die falsche Richtung und es k\u00f6nnten die Alarmglocken gel\u00e4utet werden, wenn es Hinweise auf Korruption gibt. Aber tats\u00e4chlich m\u00fcssen auch die Vorraussetzung daf\u00fcr stimmen. Es braucht eine aktive Zivilgesellschaft, es braucht Informations- und Versammlungsfreiheit. Hier wird deutlich: Den Mehrwert von Open Data gibt es nur in Zusammenspiel mit anderen Faktoren.<\/p>\n<p><strong>Wesentlich weniger Leute im globalen S\u00fcden als hierzulande haben einen\u00a0internetf\u00e4higen Computer. Was ist mit solchen technischen H\u00fcrden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schwegmann<\/strong>:\u00a0Es gibt Initiativen, die daran arbeiten, Informationen \u00fcber Mobilfunk bereitzustellen. In vielen L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens sind Mobiltelefone weit verbreitet. Rund um das Erbeben in Haiti Anfang 2010 zeigte sich, dass beispielsweise Projekte wie die <a title=\"crisis mapping\" href=\"http:\/\/www.ushahidi.com\/\" target=\"_blank\">Krisenkartierungsplattform Ushahidi <\/a>gut funktioniert k\u00f6nnen. Leute konnten dort Notrufe per SMS absetzen: Mir fehlt Wasser, mir fehlt Essen. Ich wei\u00df, dass AidData aus den USA und AidInfo aus Gro\u00dfbritannien daran arbeiten, \u00fcber Mobiltelefone das Monitoring von Entwicklungsprojekten zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><strong><a title=\"farmsubsidy transparency fail\" href=\"http:\/\/www.openaid.de\/blog\/2011\/05\/19\/why-did-transparency-farm-subsidies-fail\" target=\"_blank\">In einem Beitrag von Ihnen<\/a> \u00fcber das Open-Data-Portal zu EU-Agrarsubventionen farmsubsidy.org kommen Sie zu einem recht ern\u00fcchternden Schluss: Trotz mehr Transparenz gebe es hinsichtlich Korruption und Vergeudung in diesem Sektor kaum politische Konsequenzen.\u00a0Warum sollte das im Entwicklungsbereich anders sein?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schwegmann<\/strong>:\u00a0Bei EU-Agrarsubventionen f\u00fchlen sich die meisten EU-B\u00fcrger nicht direkt betroffen. Daher steht hier eine sehr starke Industrielobby relativ wenigen Aktivisten gegen\u00fcber. In der Entwicklungszusammenarbeit sind viele B\u00fcrger weltweit direkt von Hilfen beispielsweise im Gesundheitswesen, in der Bildung und im\u00a0Stra\u00dfenbau betroffen. Zudem haben auch B\u00fcrger im Norden und die Organisationen selber ein Interesse daran, dass die Hilfe wirkt, dass die\u00a0 Effizienz erh\u00f6ht, die Koordination verbessert und die Korruption bek\u00e4mpft wird. Bei offenen Daten in der Entwicklungszusammenarbeit gibt es viele Gewinner und kaum Verlierer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claudia Schwegmann hat 2009 OpenAid gegr\u00fcndet \u2013 eine Nichtregierungsorganisation, die Transparenz in der Entwicklungszusammenarbeit f\u00f6rdern will. Schwegmann hat selbst einige Jahre in der Entwicklungzusammenarbeit gearbeitet. Im Interview erkl\u00e4rt sie die Hintergr\u00fcnde zu der Konferenz Open Aid Data Ende September in Berlin. Frau Schwegmann, warum haben Sie Open Aid gegr\u00fcndet? 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