{"id":2630,"date":"2011-11-08T16:37:43","date_gmt":"2011-11-08T15:37:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/?p=2630"},"modified":"2011-11-08T18:19:16","modified_gmt":"2011-11-08T17:19:16","slug":"open-bibliographic-data","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/2011\/11\/08\/open-bibliographic-data\/","title":{"rendered":"&#8222;Bibliotheken sollten ihre Daten \u00f6ffnen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><figure style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"open Bib data working group\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4108\/5072442982_cec3951f9c.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"375\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Oldschool: Bei der Planung verl\u00e4sst sich die Open Bibliographic Data-Arbeitsgruppe auf die Kreidetafel<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><em>Adrian Pohl arbeitet seit 2008 im Hochschulbibliothekszentrum des\u00a0Landes Nordrhein-Westfalen (hbz). Seit Juni 2010 ist er Koordinator der\u00a0<a title=\"openbib data\" href=\"http:\/\/openbiblio.net\/\" target=\"_blank\">Arbeitsgruppe der Open Knowledge Foundation zu Open Bibliographic Data<\/a>. Im Interview berichtet Pohl \u00fcber die Zusammenarbeit mit anderen Aktiven aus Wissenschaft und Bibliothekswelt. Ihr Ziel: der Aufbau einer\u00a0Infrastruktur f\u00fcr\u00a0offene bibliographische Daten.<\/em><\/p>\n<p><strong>Herr Pohl, worum geht es bei Open Bibliographic Data (OBD)?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Adrian Pohl<\/strong>: Wir orientieren uns an der Open-Access-Bewegung. Deren Idee wird bereits\u00a0weitgehend in der Bibliothekswelt unterst\u00fctzt: Ergebnisse \u00f6ffentlich finanzierter Wissenschaft sollen auch jedem \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich sein. Bibliotheken sind ebenfalls meist aus \u00f6ffentlichen Geldern finanziert. Deshalb sollten die von\u00a0ihnen produzierten Daten auch offen zug\u00e4nglich und wiederverwendbar\u00a0sein. Mit den &#8222;<a title=\"open data bibliographie\" href=\"http:\/\/openbiblio.net\/principles\/de\/\" target=\"_blank\">Prinzipen zu offenen bibliographischen Daten<\/a>&#8220; haben wir in der Open Knowledge Foundation klare Anforderungen f\u00fcr die Freigabe solcher Daten formuliert, insbesondere im Hinblick auf die Wahl der Lizenz.\u00a0Bibliotheksdaten k\u00f6nnen vielen von Nutzen sein.<\/p>\n<p><strong>Wof\u00fcr zum Beispiel?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pohl:<\/strong> Sammlungen bibliographischer Daten k\u00f6nnen als eine Landkarte verstanden werden, die uns Orientierung gibt in der Landschaft unserer literarischen, wissenschaftlichen oder k\u00fcnstlerischen Erzeugnisse.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen die Daten etwa in der Forschung genutzt werden. F\u00fcr Historiker beispielsweise k\u00f6nnte die Frage interessant sein, in welchem Jahrhundert zu bestimmten Zeiten wo wichtige Publikationsorte waren. Mit automatisierten Abfragen offener Daten aus Bibliothekskatalogen lie\u00dfe sich z\u00fcgig eine \u00dcbersicht \u00fcber die meistgenutzten Publikationsstandorte erstellen. Das ginge weit \u00fcber das hinaus, was mit normalen Rechercheoptionen m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel: Bibliotheksdaten werden bereits f\u00fcr Anwendungen genutzt, die den urheberrechtlichen Status eines Werkes berechnen, ob es gesch\u00fctzt oder gemeinfrei ist. Mehr freie Daten k\u00f6nnten diese Dienste enorm verbessern. Es lassen sich unz\u00e4hlige weitere Anwendungen denken.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Wer arbeitet in ihrer Arbeitsgruppe mit?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pohl:\u00a0<\/strong>Einerseits Bibliothekare mit ihren Daten, die \u00fcberwiegend B\u00fccher beschreiben. Andererseits Naturwissenschaftler, die vor allem Zeitschriftenartikel publizieren. Die sind oft in\u00a0Bibliothekskatalogen gar nicht verzeichnet. In der Arbeitsgruppe kommen Vertreter dieser\u00a0beiden Gruppen aus verschiedenen L\u00e4ndern zusammen, um Open Bibliographic Data zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Es geht dabei um die Frage, wie die\u00a0webbasierte wissenschaftliche Publikationsinfrastruktur k\u00fcnftig aussehen wird.\u00a0Open-Access-Publikationen erscheinen in der Regel im PDF-Format. Das eignet sich gut zum Ausdrucken, aber schlecht f\u00fcr die maschinelle Verarbeitung. Es gibt\u00a0verschiedene Ans\u00e4tze, wissenschaftliche Publikationen mit eigenen\u00a0Identifikatoren (<a title=\"semantic web identifikatoren\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uniform_Resource_Identifier\" target=\"_blank\">URIs<\/a>) zu versehen, damit man auf sie\u00a0verlinken und sie mit semantisch markierten Metadaten verkn\u00fcpfen kann \u2013 sie also um Informationen\u00a0\u00fcber den Autor, das Erscheinungsjahr oder den Erscheinungsort zu erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p><strong>Wie w\u00fcrden Sie die OpenBib-Szene in Deutschland beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pohl:\u00a0<\/strong>Derzeit beschr\u00e4nken sich ihre Aktivit\u00e4ten in\u00a0Deutschland auf den Bibliotheksbereich. Mir sind nur wenige Projekte in den Wissenschaften bekannt. Das Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz)\u00a0<a title=\"open bib data nordrhein westfalen\" href=\"http:\/\/www.hbz-nrw.de\/projekte\/linked_open_data\/\" target=\"_blank\">arbeitet seit dem Fr\u00fchjahr 2010<\/a>\u00a0mit Einrichtungen\u00a0in\u00a0Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz daran, Bibliotheksdaten\u00a0freizugeben. Noch konnten allerdings nicht alle Bibliotheken von einer\u00a0Freigabe \u00fcberzeugt werden. Dann gibt es noch Bibliotheken in Baden-W\u00fcrttemberg, die an OBD arbeiten.<\/p>\n<p>Insgesamt ist die Szene noch eher klein, daf\u00fcr aber stetig wachsend.\u00a0Das Thema wird von vielen interessiert beobachtet.\u00a0Vor Kurzem wurden etwa die\u00a0&#8222;<a title=\" openbib\" href=\"http:\/\/is.gd\/openbibdata\" target=\"_blank\">Empfehlungen zur \u00d6ffnung bibliothekarischer Daten<\/a>&#8220;\u00a0einer deutschlandweiten Forschungsgruppe ver\u00f6ffentlicht. Auch die Herausgabe eines\u00a0<a title=\"openbib rechtliches\" href=\"http:\/\/www.hbz-nrw.de\/dokumentencenter\/veroeffentlichungen\/open-data-leitfaden.pdf\" target=\"_blank\">Leitfadens\u00a0durch das hbz<\/a> soll Open Data in der Bibliothekswelt voranbringen. Der\u00a0Leitfaden wurde von dem Juristen Till\u00a0Kreutzer verfasst und enth\u00e4lt Informationen zu rechtlichen\u00a0Hintergr\u00fcnden von Open Data in der Bibliothekswelt.<\/p>\n<p><strong>Welche Vorbehalte haben Bibliotheken, die ihre Daten nicht freigeben?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pohl: <\/strong>Die Bibliotheken sind der Meinung, dass sie sehr viel in ihre Kataloge investiert haben. Viele Menschen haben daran gearbeitet und einen Wert geschaffen, der\u00a0nicht leichtfertig verschenkt werden d\u00fcrfe. Allerdings erweckt der Ausdruck &#8222;verschenken&#8220; einen falschen Eindruck:\u00a0Man gibt die Daten ja nicht weg, man hat sie ja weiterhin.<\/p>\n<p>Auch werden m\u00f6gliche Einnahmequellen, die aus den Daten erschlossen werden\u00a0k\u00f6nnten, als Argument genannt. Diese sind aber meist theoretischer\u00a0Natur.<\/p>\n<p>Eine weitere Sorge ist, sich selber \u00fcberfl\u00fcssig zu machen. Diese Angst erscheint mir aber unbegr\u00fcndet. Immerhin hat der, der die Daten liefert, die gr\u00f6\u00dfte\u00a0Glaubw\u00fcrdigkeit, geht es um ihre Integrit\u00e4t. Der\u00a0Lieferant bleibt also immer wichtig. Zudem werden ja auch neue Daten ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Ein vierter Punkt ist, dass das\u00a0Potential von OBD meiner Meinung nach nicht erkannt wird.<\/p>\n<p><strong>Welche Chance entgeht diesen Bibliotheken?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pohl: <\/strong>ODB bietet grunds\u00e4tzlich die M\u00f6glichkeit, Kooperation zu f\u00f6rdern, sich auch international auszutauschen. Und eben mit anderen Akteuren zusammenzuwachsen, etwa mit der wissenschaftlichen Gemeinschaft oder der Wikipedia. Gerade bei dieser ist das Interesse an bibliographischen Daten gro\u00df. Es gibt ja in sehr\u00a0vielen Artikeln bibliographische Verweise. F\u00fcr die Wikipedia w\u00e4re es\u00a0auch interessant, diese Daten mit Bibliothekaren gemeinsam pflegen zu\u00a0k\u00f6nnen. Das Wissen aus der Wikipedia kann wiederum in\u00a0Bibliothekskataloge zur\u00fcckflie\u00dfen. Es gibt ja auch dort Eintr\u00e4ge zu\u00a0Personen und Schlagw\u00f6rtern.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte eine gegenseitige Verbesserung der Wissensbest\u00e4nde stattfinden. Solche Chancen verbaut\u00a0man sich, wenn man seine Daten umarmt und nicht herausgeben will.<\/p>\n<p><strong>Gibt es international Vorreiter in diesem Bereich?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pohl: <\/strong>In Deutschland passiert schon recht viel auf diesem Gebiet. Doch setzt Gro\u00dfbritannien gerade zum \u00dcberholen an. Die haben mit dem JISC, dem <a title=\"digital technology education learning\" href=\"http:\/\/www.jisc.ac.uk\/\" target=\"_blank\">Joint Information Systems Committee<\/a>, eine Einrichtung, die die wissenschaftlich-technische Informationsinfrastruktur im gesamten Vereinigten K\u00f6nigreich f\u00f6rdert. Das JISC unterst\u00fctzt seit einiger Zeit stark Open Data in Bibliotheken, Archiven und Museen. Davon k\u00f6nnen wir in Deutschland sicherlich lernen, weil der Prozess dort sehr offen und transparent ist.<\/p>\n<p>Wichtig sind auch die Entwicklungen bei der europ\u00e4ischen\u00a0digitalen Bibliothek Europeana. Dort wurde im September eine neue\u00a0Metadatenvereinbarung ver\u00f6ffentlicht. Mit dieser werden alle an die Europana gelieferten Metadaten gemeinfrei. Daraufhin haben sich\u00a0die europ\u00e4ischen Nationalbibliotheken <a title=\"europeana opendata library\" href=\"https:\/\/app.e2ma.net\/app\/view:CampaignPublic\/id:1403149.7214447972\/rid:48e64615892ac6adde9a4066e88c736c\" target=\"_blank\">f\u00fcr die offene Lizenzierung\u00a0ihrer Daten ausgesprochen<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Welche W\u00fcnsche haben Sie hinsichtlich Open Bibliographic Data?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pohl: <\/strong>Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass die deutsche Wissenschaftspolitik Open Data entdeckt und das Thema auf die politische Agenda kommt. Im vergangenen halben Jahr sind diverse Empfehlungen zur wissenschaftlichen Informationsinfrastruktur in Deutschland\u00a0herausgekommen: Von der <a title=\"informationsinfrastruktur\" href=\"http:\/\/www.dfg.de\/foerderung\/programme\/koordinierte_programme\/sfb\/module\/modul_inf\/index.html\" target=\"_blank\">Deutschen Forschungsgemeinschaft<\/a> (DFG), dem <a title=\"informationsinfrastruktur\" href=\"http:\/\/www.wissenschaftsrat.de\/index.php?id=344&amp;=\" target=\"_blank\"> Wissenschaftsrat<\/a> und der <a title=\"informationsinfrastruktur\" href=\"http:\/\/www.leibniz-gemeinschaft.de\/?nid=infrastr\" target=\"_blank\">Leibnizgesellschaft<\/a>. In keiner dieser\u00a0Empfehlungen spielen Open Data eine nennenswerte Rolle. Dabei\u00a0sollte das Thema bei der Planung einer Informationsinfrastruktur einen wesentlichen Platz einnehmen. Open Data sind eine optimale Basis, um die wissenschaftliche\u00a0Informationsinfrastruktur weiter zu entwickeln.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a title=\"blog zu open bibliographic data\" href=\"http:\/\/www.uebertext.org\/\" target=\"_blank\">Blog von Adrian Pohl<\/a><\/p>\n<p>Bildnachweis: <a title=\"bild openbib data\" href=\"http:\/\/blog.okfn.org\/2010\/10\/11\/notes-from-workshop-on-open-bibliographic-data-and-the-public-domain\/\" target=\"_blank\">OFKN Blog<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adrian Pohl arbeitet seit 2008 im Hochschulbibliothekszentrum des\u00a0Landes Nordrhein-Westfalen (hbz). Seit Juni 2010 ist er Koordinator der\u00a0Arbeitsgruppe der Open Knowledge Foundation zu Open Bibliographic Data. Im Interview berichtet Pohl \u00fcber die Zusammenarbeit mit anderen Aktiven aus Wissenschaft und Bibliothekswelt. Ihr Ziel: der Aufbau einer\u00a0Infrastruktur f\u00fcr\u00a0offene bibliographische Daten. 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