{"id":3829,"date":"2012-07-18T13:03:42","date_gmt":"2012-07-18T11:03:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/?p=3829"},"modified":"2012-07-19T07:39:23","modified_gmt":"2012-07-19T05:39:23","slug":"unschuldige-mussen-zahlen-um-ihren-ruf-zu-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/2012\/07\/18\/unschuldige-mussen-zahlen-um-ihren-ruf-zu-retten\/","title":{"rendered":"Unschuldige m\u00fcssen zahlen, um ihren Ruf zu retten"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_3833\" aria-describedby=\"caption-attachment-3833\" style=\"width: 475px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/2012\/07\/18\/unschuldige-mussen-zahlen-um-ihren-ruf-zu-retten\/mugshots2\/\" rel=\"attachment wp-att-3833\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-3833\" title=\"mugshots2\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2012\/07\/mugshots2-475x304.jpg\" alt=\"Screenshot vom mugshots.com \u2013 gepixelt von ZEIT ONLINE\" width=\"475\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2012\/07\/mugshots2-475x304.jpg 475w, https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2012\/07\/mugshots2-300x191.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2012\/07\/mugshots2.jpg 621w\" sizes=\"auto, (max-width: 475px) 100vw, 475px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3833\" class=\"wp-caption-text\">Screenshot vom mugshots.com \u2013 gepixelt von ZEIT ONLINE<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Offen zug\u00e4ngliche Datenbanken k\u00f6nnen Probleme mit sich bringen. Zum Beispiel, wenn sie Namen und Polizeifotos von Festgenommenen, die sogenannten <em>mugshots<\/em> enthalten.<\/p>\n<p>In den USA sind solche Informationen h\u00e4ufig \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich, das Bundesgesetz <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Freedom_of_Information_Act_%28United_States%29\" target=\"_blank\">Freedom of Information Act<\/a> oder gesetzliche Regelungen in den einzelnen Bundesstaaten machen dies m\u00f6glich. Auf ihrer Grundlage werden die Aufnahmen von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden ins Netz gestellt. Genutzt werden die Namen und Bilder dann zum Beispiel von <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/online\/2009\/31\/IPhone-Apps-Sicherheit\" target=\"_blank\">Apps wie Offender Locator<\/a>, die verurteilte Sexualstraft\u00e4ter anzeigen, die sich in der Nachbarschaft befinden.<\/p>\n<p>Einige Websites haben sich sogar darauf spezialisiert, die von den Beh\u00f6rden herausgegebenen Namen und Fotos automatisiert und gesammelt noch einmal zu ver\u00f6ffentlichen. <em>Mugshots.com<\/em> ist so eine Seite. Solche Angebote f\u00fchren aber mitunter zu ernsthaften Problemen \u2013 f\u00fcr unschuldig festgesetzte Menschen.<\/p>\n<p>So haben etwa die <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Freedom_of_information_legislation_(Florida)\" target=\"_blank\">Open-Government-Gesetze von Florida<\/a> zur Folge, dass prinzipiell alle mugshots ver\u00f6ffentlicht und dadurch von Anbietern wie <em>mugshots.com<\/em> gesammelt und archiviert werden k\u00f6nnen. Das passiert sehr schnell nach der Verhaftung und gilt auch f\u00fcr Fotos von Menschen, die sich sp\u00e4ter als unschuldig herausstellen. Mugshots.com sammelt die Bilder ein, noch bevor jemand vor Gericht gestellt wird.<\/p>\n<p>Zwar verweist die Seite auf den Grundsatz, dass jeder solange als unschuldig gilt, bis seine Schuld bewiesen ist. Aber die <em>mugshots<\/em> werden nicht von der Seite gel\u00f6scht, wenn das Urteil gefallen ist. In der Datenbank befinden sich also Fotos von nachweislich Unschuldigen. Die Betreiber weisen einfach nur darauf hin, dass alle Daten von den Beh\u00f6rden kommen und nicht ver\u00e4ndert oder erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n<p>Wie das Unternehmen <a href=\"http:\/\/blog.safeshepherd.com\/143\/online-mugshot-extortion-is-its-own-crime\/\" target=\"_blank\">SafeShepherd nun festgestellt hat<\/a>, muss ein Unschuldiger viel Geld bezahlen, wenn er sein Foto von der Seite entfernen lassen will. Dazu muss er einen Drittanbieter beauftragen, der die L\u00f6schung dann veranlasst.<\/p>\n<p>SafeShepherd ist eine noch <a href=\"http:\/\/mashable.com\/2012\/04\/12\/safeshepherd\/\" target=\"_blank\">junge Firma<\/a>, die sich auf diese Art von <em>reputation management<\/em> (&#8222;Ruf-Reparatur&#8220;) spezialisiert hat. Im Auftrag ihrer Kunden recherchiert sie, welche Informationen \u00fcber ihre Auftraggeber im Netz zu finden sind und kontaktiert gegebenenfalls die Seitenbetreiber, damit Informationen gel\u00f6scht werden, die dem Ruf des Kunden schaden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Im Fall von Mugshots.com fand Noah Sidman-Gale von SafeShepherd heraus, dass nur zwei Drittanbieter namens <a href=\"http:\/\/www.unpublishmugshots.com\/\" target=\"_blank\">Unpublishmugshots.com<\/a> und <a href=\"http:\/\/unpublisharrest.com\/\" target=\"_blank\">Unpublisharrest.com<\/a> daf\u00fcr sorgen, dass Namen und Fotos von mugshots.com entfernt werden. Diese Drittanbieter machen daraus ein Gesch\u00e4ft: Das Entfernen eines Datensatzes aus der Datenbank kostet stolze 399 US-Dollar.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich dr\u00e4ngt sich der Eindruck auf, dass hinter Mugshots.com und den beiden anderen Firmen dieselben Macher stecken, die ein Gesch\u00e4ftsmodell entdeckt zu haben glauben. Auf Mugshots.com hei\u00dft es allerdings, die beiden Unternehmen seien &#8222;<em>independently owned and operated vendors<\/em>&#8222;, h\u00e4tten also unabh\u00e4ngige Besitzer und Betreiber. Keine der Websites h\u00e4lt allerdings Informationen \u00fcber ihre Betreiber bereit. ZEIT ONLINE hat Mugshots.com und Unpublishmugshots.com per Webformular kontaktiert und um ein Statement gebeten, <strike>eine Antwort steht noch aus<\/strike>. Unpublishmugshots.com hat inzwischen geantwortet und teilt mit, es gebe keine Verbindung zwischen den beiden Firmen, au\u00dfer dass Unpublishmugshots.com ein anerkannter Anbieter zur L\u00f6schung von Daten auf mugshots.com und 47 \u00e4hnlichen Seiten sei. Man stelle au\u00dferdem das In-House-Call-Center f\u00fcr Anfragen zur L\u00f6schung von Daten bei Mugshots.com.<\/p>\n<p>Mugshots.com ist nicht die einzige Seite ihrer Art. Eine <a href=\"http:\/\/www.classactionagainstmugshotwebsites.com\/mugshot%20websites.htm\" target=\"_blank\">Initiative, die eine Sammelklage<\/a> gegen solche Anbieter auf den Weg bringen will, listet mehr als zwei Dutzend Mugshot-Seiten auf. In vielen F\u00e4llen, so hei\u00dft es bei der Initiative, betrage die Geb\u00fchr zum Entfernen eines Fotos zwischen 100 und 400 Dollar.<\/p>\n<p>Ein erster <a href=\"http:\/\/www.wsbtv.com\/news\/news\/local\/state-lawmaker-vows-fight-mug-shot-sites\/nPdXr\/\" target=\"_blank\">Kongressabgeordneter namens Roger Bruce<\/a> hat das Problem mittlerweile erkannt und fordert eine gesetzliche Regelung, mit denen die dauerhafte Ver\u00f6ffentlichung von Fotos unschuldiger Menschen gestoppt wird.<\/p>\n<p>Ein Gutes aber hat der Service von Unpublishmugshots.com und Unpublisharrest.com: Wer zwei oder mehr Fotos von der Seite entfernen lassen will, <a href=\"http:\/\/www.unpublishmugshots.com\/mugshot-removal\/\" target=\"_blank\">bekommt Mengenrabatt<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Offen zug\u00e4ngliche Datenbanken k\u00f6nnen Probleme mit sich bringen. Zum Beispiel, wenn sie Namen und Polizeifotos von Festgenommenen, die sogenannten mugshots enthalten. 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