{"id":5179,"date":"2013-11-30T18:08:29","date_gmt":"2013-11-30T17:08:29","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/?p=5179"},"modified":"2013-12-04T10:58:35","modified_gmt":"2013-12-04T09:58:35","slug":"land-grabbing-afrika-matrix","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/2013\/11\/30\/land-grabbing-afrika-matrix\/","title":{"rendered":"Deutschland und das dicke Gesch\u00e4ft mit afrikanischem Land"},"content":{"rendered":"<p>Deutsche Investoren sind an acht von 356 transnationalen Vertr\u00e4gen beteiligt, die f\u00fcr die Verpachtung von Land in Afrika geschlossen wurden und insgesamt eine Fl\u00e4che von etwa 171.000 Hektar umfassen. Dies geht aus einer Recherche in der Datenbank <a href=\"http:\/\/www.landmatrix.org\">Land Matrix<\/a> hervor. Diese Datenbank erfasst gro\u00dffl\u00e4chigen Landerwerb und wurde von vier internationalen Forschungsinstituten, unter anderem dem GIGA (German Institute of Global and Area Studies) und der GIZ (Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit) entwickelt. Ein eher geringer Anteil, verglichen mit den f\u00fchrenden Investorenl\u00e4ndern \u2013 allein die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, das Vereinigte K\u00f6nigreich und Saudi-Arabien kontrollieren zusammen 9.6 Millionen Hektar Land auf dem Afrikanischen Kontinent. Trotzdem war Deutschland bereits Gegenstand <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2013-08\/niebel-uganda-fian-kaweri\">harscher Kritik<\/a> bez\u00fcglich Kaweri, einer Kaffee Plantage in Uganda, die Teil der Neumann Kaffee Gruppe Hamburg war. Die im speziellen an den Bundesminister f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, gerichteten Vorw\u00fcrfe, \u00e4hneln denen, die sich an andere des &#8222;Land Grabbing&#8220; Verd\u00e4chtigte richten. Der Begriff &#8222;Land Grabbing&#8220; bezeichnet die Aneignung riesiger Landfl\u00e4chen in Entwicklungsl\u00e4ndern bei gleichzeitiger Verletzung der Menschenrechte lokaler Gemeinschaften.<\/p>\n<p><b>Deutschlands wichtigste Landgesch\u00e4fte in Afrika<\/b><\/p>\n<p>Aus den zum jetzigen Zeitpunkt von Land Matrix erfassten Vertr\u00e4gen geht hervor, dass die acht von deutschen Investoren in Afrika abgeschlossenen Vertr\u00e4ge sich auf eine Fl\u00e4che von insgesamt 171.000 Hektar belaufen. F\u00fcnf Projekte haben offensichtlich bereits mit der Produktion begonnen, wohingegen drei sich offenbar erst in der Anfangsphase befinden. Die 2500 Hektar, die von Uganda an die Kaffee Gruppe verpachtet wurden -1802 davon werden genutzt- geh\u00f6ren offenbar zu denjenigen Projekten die bereits angelaufen sind. Vier der acht Investitionen dienen offenbar dem Anbau von Jatropha, einer Pflanze aus der \u00d6l f\u00fcr die Produktion von Biodiesel gewonnen wird. An das Biotreibstoffgesch\u00e4ft gekoppelt ist auch die gr\u00f6\u00dfte Investition von 120,000 Hektar in Sambia, die sowohl an die Deutsche Firma Mann Ferrostalla als auch an Deulco, eine s\u00fcdafrikanische, auf erneuerbare Energien spezialisierte Firma verpachtet wurden. Letztere ist das einzige Projekt, welches auch als \u201eIndustrie\u201c aufgef\u00fchrt ist und sich damit h\u00f6chstwahrscheinlich auf die Jatropha-\u00d6l Umwandlungsanlagen bezieht. Die anderen vier Investitionen setzen sich aus Plantagen zum Zweck der Nahrungsmittelgewinnung zusammen: Reis, Getreide, Erbsen, Korn und Kaffee.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2013\/11\/German_land_Acquisitions.jpg\" alt=\"German_land_Acquisitions\" width=\"580\" height=\"1447\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5159\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2013\/11\/German_land_Acquisitions.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2013\/11\/German_land_Acquisitions-120x300.jpg 120w, https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2013\/11\/German_land_Acquisitions-410x1024.jpg 410w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/p>\n<p><b>Gro\u00df angelegter Landerwerb in Afrika<\/b><\/p>\n<p>Wie viele Hektar sind seit dem Beginn des &#8222;Landrauschs&#8220; insgesamt verpachtet worden? Jeder Versuch sich dem Umfang dieses Ph\u00e4nomens zu n\u00e4hern, sieht sich unweigerlich mit einer Vielzahl widerspr\u00fcchlicher Zahlenangaben konfrontiert. Die Weltbank f\u00fchrt 56 Millionen verpachtete Hektar allein f\u00fcr die Zeit zwischen 2008 und 2009 infolge der Preisexplosion bei den Nahrungsmitteln an. Das <i>International Food Policy Institute<\/i> und das <i>Oakland Institute<\/i> kommen auf <a href=\"http:\/\/www.oaklandinstitute.org\/sites\/oaklandinstitute.org\/files\/LandGrab_final_web.pdf\">15-20 Millionen Hektar<\/a> im Zeitraum von 2006 bis 2009. 2011 berechnete die erw\u00e4hnte \u201eLand Matrix\u201c die Gr\u00f6\u00dfe des verpachteten Landes seit dem Jahr 2000 auf die riesige Fl\u00e4che von <a href=\"http:\/\/policy-practice.oxfam.org.uk\/publications\/land-and-power-the-growing-scandal-surrounding-the-new-wave-of-investments-in-l-142858\">227 Millionen Hektar<\/a> (Zum Vergleich: Deutschland umfasst 35,7 Millionen Hektar). Errechnet von nicht immer vertrauensw\u00fcrdigen Quellen, wurde diese Einsch\u00e4tzung, nach einem Relaunch der Datenbank im Juni 2013, auf <a href=\"http:\/\/www.oxfam.org\/en\/grow\/landgrabs\">33 Millionen Hektar<\/a>, die durch unterschriebene Vertr\u00e4ge nachgewiesen werden konnten, verringert. Dies entspricht einer Fl\u00e4che etwa acht mal so gro\u00df wie die Niederlande.<\/p>\n<p>\u201eEs ist schwer zu sagen, ob diese Zahlen mit hinreichender Wahrscheinlichkeit korrekt sind\u201c, sagt Andrea Fiorenza, Forscher der <i>International Land Coalition<\/i> und Co-Autor einer Reihe von Studien, genannt <i><a href=\"http:\/\/www.landcoalition.org\/cplstudies\">Commercial Pressure on Land<\/a>,<\/i> denn \u201emanche Projekte fangen an, sehen sich dann diversen Problemen gegen\u00fcber und laufen aus und werden abgebrochen, oder ganz im Gegenteil, dehnen sich \u00fcber die legalen Grenzen hinweg aus.\u201c Dar\u00fcber hinaus verhindert mangelnde Transparenz der Regierungen in Entwicklungsl\u00e4ndern ein klareres Bild der Situation. Das Ziel der &#8222;Land Matrix&#8220; Datenbank ist jedoch nicht, die endg\u00fctige Datenlage zu pr\u00e4sentieren, sondern &#8222;Trends zu erkennen, aus verschiedenen Quellen zu sch\u00f6pfen und auf dem Laufenden zu bleiben.&#8220;<\/p>\n<p><b>Erkunden sie die globale Debatte \u00fcber den &#8222;Landrausch&#8220;<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr detaillierte Informationen \u00fcber den gro\u00df angelegten Landerwerb wurde eine interaktive Karte erstellt, auf der Artikel zur Debatte \u00fcber den Landrausch in Afrika gesammelt werden. Hier sind Dokumente der akademischen Welt, Berichte der internationalen Zivilgesellschaft, journalistische Recherchen und Stellungnahmen von Unternehmen und Institutionen zum Thema verlinkt. Au\u00dferdem ist es m\u00f6glich, der Karte neue Artikel hinzuzuf\u00fcgen, indem <i><a href=\"http:\/\/www.datajournalist.it\/la\/form\/\">dieses Formular<\/a><\/i> ausgef\u00fcllt wird.<\/p>\n<p><code><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.datajournalist.it\/la\/index_small_zeit.html\" width=\"580\" height=\"500\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/code><\/p>\n<p>Erkunden sie die Karte durch Klicken auf die Markierungen und beteiligen sie sich an der Diskussion, indem sie die Karte, unter Angabe von Link, Ort und Quelle, mit weiteren Dokumenten verlinken, die sie f\u00fcr relevant in der Auseinandersetzung um Landverpachtungen auf dem Afrikanischen Kontinent halten.<\/p>\n<p><b>\u00dcber das Projekt<\/b><\/p>\n<p>Jacopo Ottaviani ist Journalist und Entwickler, spezialisiert auf Datenjournalismus. Er arbeitet f\u00fcr italienische und internationale Medien, unter anderem <i>The Guardian<\/i> und <i>Al Jazeera International.<\/i>Folgen Sie ihm auf Twitter: <a href=\"http:\/\/twitter.com\/jackottaviani\">@jackottaviani<\/a><\/p>\n<p>Dieser Beitrag f\u00fcr ZEIT ONLINE ist Teil des <i>Innovation in Development Reporting<\/i> Programms des <i>European Journalism Centre (EJC).<\/i> Zur Projektentwicklung haben au\u00dferdem Andrea Fama, Cecilia Anesi und Isacco Chiaf beigetragen. Hier geht es zur <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/2013\/11\/29\/germany-land-deals-africa-data-landgrabbing\/\">englischen Version<\/a> des Beitrags.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche Investoren sind an acht von 356 transnationalen Vertr\u00e4gen beteiligt, die f\u00fcr die Verpachtung von Land in Afrika geschlossen wurden und insgesamt eine Fl\u00e4che von etwa 171.000 Hektar umfassen. Dies geht aus einer Recherche in der Datenbank Land Matrix hervor. 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