{"id":6,"date":"2010-10-21T09:23:19","date_gmt":"2010-10-21T07:23:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/?p=6"},"modified":"2011-01-27T10:31:22","modified_gmt":"2011-01-27T09:31:22","slug":"die-herren-der-daten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/2010\/10\/21\/die-herren-der-daten\/","title":{"rendered":"Die Herren der Daten"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_30\" aria-describedby=\"caption-attachment-30\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a rel=\"attachment wp-att-30\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/2010\/10\/21\/die-herren-der-daten\/feinstaub-problemzone-bleibt-grosraum-stuttgart\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-30\" title=\"Feinstaub-Mess-Station\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2010\/10\/17077033-e1287665957206.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"347\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-30\" class=\"wp-caption-text\">Berlin will Umwelt- und Verkehrsdaten, wie sie solche Mess-Stationen sammeln, \u00f6ffnen. Bernd Wei\u00dfbrod\/dpa<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2010\/10\/wolgang_both.jpg\"><\/a>An welchen Datens\u00e4tzen der \u00f6ffentlichen Hand in Berlin haben die B\u00fcrger Interesse? Ein Interview mit Wolfgang Both von der Senatsverwaltung f\u00fcr Wirtschaft \u00fcber die Ergebnisse einer Umfrage und den n\u00f6tigen Perspektivwechsel in den Beh\u00f6rden in Sachen OpenData.<\/em><\/p>\n<p><strong>Gut eintausend Menschen haben an der <a href=\"http:\/\/www.berlin.de\/sen\/wtf\/voting\/opendata.php\" target=\"_blank\">OpenData-Umfrage <\/a>des Senats\u00a0teilgenommen. Hat Sie \u00fcberrascht, f\u00fcr welche Themen sich die Leute interessieren?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wolfgang Both:<\/strong> An der Wahl nicht unbedingt, aber an der Einseitigkeit. Ich hatte mir erhofft, dass sich unter den Besuchern von berlin.de m\u00f6glichst viele beteiligen. Es gab k\u00fcrzlich eine <a href=\"http:\/\/www.sas.com\/offices\/europe\/germany\/press\/pm100824.html\" target=\"_blank\">repr\u00e4sentative Umfrage<\/a> nach dem Interesse an OpenData. Eine der Fragen war, ob man die bereitgestellten Datens\u00e4tze aufbereiten und anderen zur Verf\u00fcgung stellen w\u00fcrde. In der repr\u00e4sentativen Umfrage bejahten dies einige wenige Prozent &#8211; bei uns rund 60 Prozent.<\/p>\n<p><strong>Wie erkl\u00e4ren Sie sich das?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Both:<\/strong> Wenn wir in dieser Frage die zehnfache Zustimmung haben, bedeutet das: Wir bekommen die Antworten aus einer bestimmten Ecke &#8211; der internetaffinen &#8222;Szene&#8220;. Somit ist das nicht repr\u00e4sentativ. Aber das tut den Themen, die adressiert wurden, keinen Abbruch. Wenn Interesse an Bereichen wie Stadtentwicklung und -planung oder Umweltdaten besteht, denken wir als Verwaltung dar\u00fcber nach, diese Daten besser aufbereitet zur Verf\u00fcgung zu stellen, damit ein interessierter Kreis daraus mehr machen kann.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Warum findet sich das Thema Finanzdaten nicht in der Umfrage?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Both:<\/strong> Wir wollten zun\u00e4chst mit zehn Themen starten. Das reichte nicht und schlie\u00dflich sind wir bei zwanzig angelangt. Dann haben wir gesagt, jetzt ist Schluss. Das kann man keinem zumuten, sich durch solch eine Liste durchzuarbeiten. Dadurch konnten wir nicht alle Themen ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2010\/10\/wolgang_both.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10\" title=\"wolgang_both\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2010\/10\/wolgang_both.jpg\" alt=\"Wofgang Both Senatsverwaltung Wirtschaft Berlin\" width=\"535\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2010\/10\/wolgang_both.jpg 535w, https:\/\/blog.zeit.de\/open-data\/files\/2010\/10\/wolgang_both-300x188.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 535px) 100vw, 535px\" \/><\/a><\/em><br \/>\nWolfgang Both von der Senatsverwaltung f\u00fcr Wirtschaft<\/p>\n<p><strong>Unter Ihrer Federf\u00fchrung l\u00e4uft auch <\/strong><a href=\"http:\/\/www.berlin.de\/projektzukunft\/wettbewerbe\/detailseite\/datum\/2010\/09\/13\/apps4berlin\/\" target=\"_blank\"><strong>Apps4Berlin<\/strong><\/a><strong>, ein Wettbewerb f\u00fcr mobile Anwendungen. Gibt es einen Zusammenhang zu Ihrer Umfrage?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Both:<\/strong> Das sind zwei getrennte Geschichten. Ich sehe zwar, dass man durchaus bei &#8222;Apps4Berlin&#8220; Daten aus der Verwaltung aufsetzen kann. Wir wollen aber mit dem Wettbewerb die ganze Stadt erfassen und die ist nicht auf die Verwaltung beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p><strong>Es gab <\/strong><a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Wettbewerb-Apps4Berlin-stoesst-auf-Kritik-bei-Open-Data-Verfechtern-1081271.html\" target=\"_blank\"><strong>Kritik<\/strong><\/a><strong>, weil der Name an die Apps4Democracy- Wettbewerbe aus den USA erinnere. Diese Wettbewerbe f\u00fcr Partizipation basieren auf OpenData-Katalogen &#8211; einen solchen gibt es in Berlin noch nicht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Both:<\/strong> Den gibt es nicht. Daher w\u00e4re es auch unsinnig, solch einen Wettbewerb zu starten, f\u00fcr den wir keine Grundlage haben. Es geht darum, \u00fcber mobile Services m\u00f6glichst viele Bereiche der Stadt zu erschlie\u00dfen und daher ist der Inhalt sehr breit angelegt. Es sind Themen wie Tourismus, Kultur und Bildung aufgerufen &#8211; aber auch das Thema demokratische Teilhabe. Sich nur auf den letzten Aspekt zu konzentrieren, w\u00e4re mir in der Wirtschaftsverwaltung zu eng gewesen.<\/p>\n<p><strong>Wird es ein OpenData-Verzeichnis f\u00fcr Berlin geben?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Both:<\/strong> Soweit w\u00fcrde ich heute noch nicht gehen, dass ich einen Katalog ank\u00fcndige \u00e0 la <a href=\"http:\/\/data.london.gov.uk\/\" target=\"_blank\">London<\/a> oder <a href=\"http:\/\/data.vancouver.ca\/\" target=\"_blank\">Vancouver<\/a>. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir unsere Kollegen in den anderen H\u00e4usern, die die &#8222;Herren der Daten&#8220; sind, erst einmal gewinnen. Ich w\u00fcrde ganz gerne in jenen Bereichen einen Ansatz suchen, die in der Umfrage weit vorne gestanden haben.<\/p>\n<p>Mit den Kollegen in den jeweiligen H\u00e4usern werden wir erst einmal bilateral reden und schauen, welche Daten vorhanden sind, was technisch ver\u00e4ndert werden muss, damit sie besser im Sinne von OpenData zur Verf\u00fcgung gestellt werden k\u00f6nnen &#8211; also beispielsweise in Excel-Listen und nicht als pdf-Dateien. Im n\u00e4chsten Schritt w\u00fcrde ich gerne beobachten: Wird das tats\u00e4chlich wie angek\u00fcndigt genutzt und kann man damit mehr machen? Und dann w\u00fcrde ich weitere Bereiche einbeziehen.<\/p>\n<p><strong>Was halten Sie von der Forderung der OpenData-Bewegung, Datens\u00e4tze, die mit Geldern des Steuerzahlers erhoben wurden, sollten diesem auch kostenlos zur Verf\u00fcgung stehen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Both:<\/strong> Der m\u00fcssen wir uns tats\u00e4chlich widmen. Bisher gibt es in den Verwaltungen historisch gewachsene Regelungen, die verhindern, dass die \u00f6ffentliche Hand alles ins Netz stellt. Ich sehe allerdings neben dem Verlust an Einnahmen f\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand keine gr\u00f6\u00dferen H\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>Wann ist Ihnen eigentlich der Begriff OpenData das erste Mal untergekommen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Both:<\/strong> Dieses Fr\u00fchjahr. Zu diesem Zeitpunkt ist eines der Fraunhofer-Institute an uns herangetreten und hat sich f\u00fcr die bessere Aufbereitung der Daten der \u00f6ffentlichen Hand interessiert. Seitdem sind wir an dem Thema dran. Wir versuchen uns einen Eindruck zu verschaffen, welches Interesse besteht und welcher wirtschaftliche Nutzen, etwa f\u00fcr die IT-Branche, entstehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Wie sind die Reaktionen, wenn Sie die Thematik an Ihre Kollegen in den Verwaltungen herantragen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Both:<\/strong> Die sind unterschiedlich. Es gibt Kolleginnen und Kollegen beispielsweise in der Berliner Innenverwaltung, die besch\u00e4ftigen sich schon l\u00e4nger damit. Denn OpenData und OpenGovernment sind Fragen f\u00fcr den inneren Dienstbetrieb und die Darstellung nach au\u00dfen &#8211; gerade wenn man viele B\u00fcrgerkontakte hat. Ich hoffe, andere mit den Ergebnissen der Umfrage zu gewinnen. Denen sage ich: Hier ist ein deutliches B\u00fcrgerinteresse artikuliert worden. Jetzt m\u00fcssen wir gemeinsam \u00fcberlegen, wie wir dem besser gerecht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wird das einfach werden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Both:<\/strong> Es ist jedenfalls ein Perspektivenwechsel, den man da auch selber vornehmen muss. Bislang werden ja meist aufbereitete Daten zur Verf\u00fcgung gestellt: Beispielsweise Daten zur Gew\u00e4sserqualit\u00e4t in Listen als pdf-Datei. Das ist praktisch zum Ausdrucken. Wenn die jetzt als Rohdaten bereit gestellt werden sollen, fragt sich sicher der eine oder andere: Was machen die damit? Kann ich das einfach so herausgeben, ohne dass ich Herr dieser Daten und ihrer Bewertung bin? Da entwickelt sich in der Verwaltung allm\u00e4hlich eine neue Denkweise.<\/p>\n<p><strong>Wie sch\u00e4tzen Sie die Zukunft von OpenData ein?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Both:<\/strong> Das ist ein wichtiges Thema f\u00fcr die IT-Branche, f\u00fcr die ich prim\u00e4r zust\u00e4ndig bin. Es ist aber auch wichtig f\u00fcr die Verwaltungsmodernisierung und die Transparenz nach au\u00dfen. Ich sehe da eine ganze Reihe von Momenten und Hebelwirkungen. Das ist ein Prozess, der sich langsam und punktuell durchsetzt. Deswegen will ich da auch nicht gleich den gro\u00dfen Wurf machen, sondern mich mit Kolleginnen und Kollegen langsam herantasten.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>Wolfgang Both und eine seiner Kolleginnen bloggen \u00fcber OpenData in der Verwaltung unter <\/em><a href=\"http:\/\/opendataberlin.wordpress.com\/\" target=\"_blank\"><em>OpenDataBerlin<\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An welchen Datens\u00e4tzen der \u00f6ffentlichen Hand in Berlin haben die B\u00fcrger Interesse? Ein Interview mit Wolfgang Both von der Senatsverwaltung f\u00fcr Wirtschaft \u00fcber die Ergebnisse einer Umfrage und den n\u00f6tigen Perspektivwechsel in den Beh\u00f6rden in Sachen OpenData. Gut eintausend Menschen haben an der OpenData-Umfrage des Senats\u00a0teilgenommen. 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