{"id":1341,"date":"2014-12-30T11:27:23","date_gmt":"2014-12-30T10:27:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/schach\/?p=1341"},"modified":"2015-04-15T11:33:13","modified_gmt":"2015-04-15T09:33:13","slug":"so-lief-das-schachjahr-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/so-lief-das-schachjahr-2014\/","title":{"rendered":"So lief das Schachjahr 2014"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Comeback des Jahres<\/strong><\/p>\n<p>Viswanathan Anand: Bei der WM im vergangenen Jahr gewann Anand keine einzige Partie, verlor krachend gegen Magnus Carlsen. Etliche Experten rieten dem Inder nach dieser Niederlage zum R\u00fccktritt. Ex-Weltmeister Wladimir Kramnik, der 2008 in Bonn gegen Anand um den Titel gespielt hatte, war anderer Meinung. Er ermunterte den Freund und Rivalen zur Teilnahme am Kandidatenturnier. Ein guter Rat: Anand gewann souver\u00e4n, Kramnik wurde Dritter. Deshalb durfte Anand im November 2014 noch einmal gegen Carlsen um den WM-Titel spielen. Dieses Mal als Herausforderer. Er verlor zwar wieder, aber wesentlich knapper (und ungl\u00fccklicher) als vorher.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/schach-wm-anand-carlsen-sotschi\/india-chess-anand-2\/\" rel=\"attachment wp-att-1309\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1309\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/files\/2014\/11\/485044091-580x403.jpg\" alt=\"Vishy Anand \u2013\u2013 Raveendran\/AFP\/Getty Images\" width=\"580\" height=\"403\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/files\/2014\/11\/485044091-580x403.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/files\/2014\/11\/485044091-1024x712.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Der Verlierer des Jahres<\/strong><\/p>\n<p>Garri Kasparow: Der Ex-Weltmeister wollte sich zum Pr\u00e4sidenten des Weltschachbundes Fide w\u00e4hlen lassen, doch die Delegierten aus allen L\u00e4ndern vertrauten weniger der Reputation Kasparows als Schachspieler, <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/sport\/2014-08\/kasparow-iljumschinow-schach-praesident\" target=\"_blank\">sondern lieber dem Geld, das der amtierende Pr\u00e4sident Kirsan Iljumschinow ihnen versprochen hatte<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Der Aufsteiger des Jahres<\/strong><\/p>\n<p>Fabiano Caruana: Der in den USA geborene Italiener <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/fabiano-caruana-sinquefieldcup-carlsen\/\" target=\"_blank\">gewann Anfang September den Sinquefield Cup, eines der st\u00e4rksten Turniere alle Zeiten<\/a>. Sechs der zehn besten Spieler der Welt waren gegeneinander angetreten, doch Caruana punktete wie in einem offenen Turnier f\u00fcr Amateure und schlug einen Spieler der Weltelite nach dem anderen, darunter auch Magnus Carlsen. Am Ende hatte Caruana drei Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten Carlsen, lieferte eine der besten Turnierleistungen der Schachgeschichte und schob sich auf Platz zwei der Weltrangliste. Und der Mann ist erst 22 Jahre alt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/magnus-carlsen-und-seine-rivalen-standortbestimmung-in-aserbaidschan\/caruana-580x387\/\" rel=\"attachment wp-att-928\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-928\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/files\/2014\/05\/caruana-580x387.jpg\" alt=\"caruana-580x387\" width=\"480\" height=\"320\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Erfolg des Jahres<\/strong><\/p>\n<p>China: <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/china-schach-olympiade-tromsoe\/\" target=\"_blank\">Das Land holte bei der Schacholympiade in Troms\u00f8, Norwegen, erstmals die Goldmedaille.<\/a> Mit einer sehr jungen Mannschaft und nur einer verlorenen Partie. Auf Platz zwei landete Ungarn, Bronze ging an Indien. Die chinesischen Frauen landeten hinter Russland auf dem zweiten Platz. Einer der wenigen R\u00fcckschl\u00e4ge, den die Schachweltmeisterin Hou Yifan im Jahr 2014 hinnehmen musste. Ansonsten eilte die 19-J\u00e4hrige von Erfolg zu Erfolg. Fast w\u00e4re es ihr gelungen, die Ungarin Judit Polg\u00e1r, die beste Schachspielerin aller Zeiten, in der Weltrangliste einzuholen. Zwei Punkte fehlten der Chinesin noch. Doch Polg\u00e1r, die 1992 im Alter von 15 Jahren und vier Monaten j\u00fcngster Gro\u00dfmeister (M\u00e4nner und Frauen) aller Zeiten und 25 Jahre unangefochtene Nummer eins im Frauenschach gewesen war, verk\u00fcndete bei der Olympiade ihren R\u00fcckzug vom Turnierschach.<\/p>\n<p><strong>Der Fehler des Jahres<\/strong><\/p>\n<p>Der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/sport\/2014-11\/schach-wm-carlsen-anand-fehler-schachblindheit\" target=\"_blank\">schon jetzt legend\u00e4re Doppelfehler<\/a> in der sechsten Partie der Schach-WM: Carlsen hatte Wei\u00df, stand besser, machte dann aber einen unbedachten Zug, bei dem er \u00fcbersehen hatte, was Kommentatoren vor Ort und Millionen von Zuschauern in aller Welt sofort sahen: eine M\u00f6glichkeit Anands, die Carlsen zwei Bauern, die Partie und den Titel h\u00e4tte kosten k\u00f6nnen. Aber Anand rechnete nicht mit Geschenken seines am Schachbrett wenig freigiebigen Gegners. Nach der vielleicht l\u00e4ngsten und wichtigsten Minute des Schachjahres 2014 spielte Anand einen harmlosen Zug und lie\u00df seine Chance ungenutzt verstreichen. So verlor er die Partie und lag bei Halbzeit im Wettkampf nicht 3,5:2,5 vorne, sondern 2,5:3,5 im R\u00fcckstand.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"315\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/SqF4nN4oy4s?feature=player_detailpage\" width=\"560\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Damit k\u00f6nnen personenbezogene Daten an Drittplattformen \u00fcbermittelt werden. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/hilfe\/datenschutz\" target=\"_blank\">Mehr dazu in unserer Datenschutzerkl\u00e4rung.<\/a>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><strong>Der Schnellste des Jahres<\/strong><\/p>\n<p>Magnus Carlsen: Schach gilt gemeinhin als gem\u00e4chliches Spiel und wirkt manchmal so unspektakul\u00e4r, dass b\u00f6swillige Kritiker meinten, genauso gut k\u00f6nne man Farbe an der Wand beim Trocknen zusehen. Doch wer das sagt, wei\u00df nicht, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2vOIbF9GwAk\" target=\"_blank\">was Blitzschach ist<\/a>. Beim Blitzschach hat man nur wenige Minuten Bedenkzeit f\u00fcr die ganze Partie, und wenn die verbraucht sind, ist es vorbei, egal was ist. Bei der Blitzweltmeisterschaft im Juni in Dubai gab es drei Minuten f\u00fcr die ganze Partie sowie einen Zeitaufschlag von zwei Sekunden pro Zug. Magnus Carlsen wurde Blitzweltmeister und gewann auch gleich die Schnellschachweltmeisterschaft \u2013 da hatte man immerhin 15 Minuten f\u00fcr die ganze Partie. Insgesamt bescherte 2014 dem Norweger also drei Weltmeistertitel.<\/p>\n<p><strong>Die Debatte des Jahres<\/strong><\/p>\n<p>Soll Schach als Sport gef\u00f6rdert werden oder nicht: Studien zeigen, dass sich Konzentrationsf\u00e4higkeit und Sozialverhalten von Kindern, die regelm\u00e4\u00dfig Schach spielen, verbessern. Was liegt also n\u00e4her als der Gedanke, das Schach staatlich zu f\u00f6rdern? Antwort: Der Wunsch nach m\u00f6glichst vielen Medaillen bei den &#8222;echten&#8220; Olympischen Spielen. Also strich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) dem Schach die F\u00f6rderung. Begr\u00fcndung: Schach sei kein Sport, weil man sich beim Schach nicht bewege. Eine umstrittene Definition und eine umstrittene Begr\u00fcndung. Nach Protesten, Debatten und einer Neufassung der F\u00f6rderrichtlinien erkl\u00e4rte sich der DOSB im Dezember schlie\u00dflich bereit, Schach weiter zu f\u00f6rdern, allerdings nur noch mit 93.000 Euro pro Jahr. Vorher war die F\u00f6rderung des Denkens dem Deutschen Olympischen Sportbund 135.000 Euro pro Jahr wert gewesen. Insgesamt bewilligte das Bundesministerium des Inneren dem Sport 2014 \u00fcbrigens einen Etat von 138 Millionen, acht Millionen mehr als noch 2013.<\/p>\n<p><strong>Was sonst noch so im deutschen Schach geschah<\/strong><\/p>\n<p>Deutscher Mannschaftsmeister wurde <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/badenbaden-schachbundesliga-aronjan\/\" target=\"_blank\">die OSG Baden-Baden, zum neunten Mal in Folge<\/a>. In der laufenden Saison liegt Baden-Baden mit drei Punkten Vorsprung in F\u00fchrung und so stehen die Chancen f\u00fcr einen zehnten Sieg in Folge gut.<\/p>\n<p>Bei der Schacholympiade in Troms\u00f8 landeten die deutschen Herren nach gutem Beginn auf Platz 30, die deutschen Damen kamen auf Platz neun. F\u00fcr eine kleine Sensation bei der Olympiade sorgte die deutsche Nummer eins, Arkadij Naiditsch, der gegen Weltmeister Carlsen gewinnen konnte.<\/p>\n<p>Deutscher Meister 2014 wurde der im lettischen Riga geborene Gro\u00dfmeister Daniel Fridman. Nach 2008 und 2012 war es sein dritter Landesmeistertitel. Einer weniger als seine Frau Anna Zatonskih. Sie wurde in der Ukraine geboren, lebt mit Ehemann Daniel und ihrer Tochter in Bochum, doch spielt f\u00fcr die USA. 2006, 2008, 2009 und 2011 wurde sie Landesmeisterin.<\/p>\n<p>Zweiter bei der Deutschen Meisterschaft wurde der 17-j\u00e4hrige Dennis Wagner, der sich nach seinem fr\u00fchen Abitur \u2013 eine Klasse \u00fcbersprungen, Gesamtnote 1,0 \u2013 ein Jahr lang ganz dem Schach widmet. Auch ein anderes Talent sorgte bei der Deutschen Meisterschaft f\u00fcr Aufsehen: Vincent Keymer. Mit 3,5 Punkten aus 9 Partien schlug sich der 10-J\u00e4hrige mehr als beachtlich und verbl\u00fcffte Gegner und Zuschauer immer wieder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Comeback des Jahres Viswanathan Anand: Bei der WM im vergangenen Jahr gewann Anand keine einzige Partie, verlor krachend gegen Magnus Carlsen. Etliche Experten rieten dem Inder nach dieser Niederlage zum R\u00fccktritt. 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