{"id":1385,"date":"2015-01-22T17:56:19","date_gmt":"2015-01-22T16:56:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/schach\/?p=1385"},"modified":"2015-04-15T11:33:46","modified_gmt":"2015-04-15T09:33:46","slug":"religion-islam-christentum-judentum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/religion-islam-christentum-judentum\/","title":{"rendered":"Die eifers\u00fcchtigen G\u00f6tter"},"content":{"rendered":"<p>Kein Geschrei, kein Gebr\u00fcll, keine Verletzten. Eigentlich ist Schach ziemlich harmlos. Doch das Spiel gef\u00e4llt nicht allen. Vor allem nicht den religi\u00f6sen Oberh\u00e4uptern. Jahrhundertelang missfiel Schach den jeweiligen Sachwaltern des G\u00f6ttlichen auf Erden.<\/p>\n<ul>\n<li>Schon 1005 forderten islamische Geistliche in \u00c4gypten, man solle alle Schachfiguren und Spiele verbrennen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter beklagte sich Petrus Damiani (1007-1072), laut Wikipedia &#8222;einer der einflussreichsten Geistlichen des 11. Jahrhunderts&#8220;, beim Papst, Priester und Laien w\u00fcrden zu viel Zeit mit dem Schach verbringen und bat um ein Verbot des Spiels. Damiani hatte andere Leidenschaften. Als Bu\u00dfe f\u00fcr tats\u00e4chliche oder vermeintliche S\u00fcnden oder weil er glaubte, es w\u00fcrde Gott gefallen und ihm Bonuspunkte im Himmel bringen, peitschte er sich gern. Heute gilt er als Patron gegen Kopfschmerz.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Auch Rabbi Maimonides (1155-1204), den Wikipedia wiederum als &#8222;einer der bedeutendsten j\u00fcdischen Gelehrten aller Zeiten&#8220; f\u00fchrt, war kein Freund des Schachs und z\u00e4hlte es zu den verbotenen Spielen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine einheitliche Linie in der Einstellung der verschiedenen Religionen zum Schach l\u00e4sst sich jedoch nicht erkennen. Vom 12. bis zum 16. Jahrhundert verboten die P\u00e4pste das Spiel gerne und h\u00e4ufig, doch Johannes Paul I. und Johannes Paul II. hatten nichts gegen eine kleine Partie. Mittlerweile ist Theresa von \u00c1vila sogar offizielle katholische Schutzheilige des Schachs und im Judentum war Schach \u2013 Maimonides hin oder her \u2013 ab dem 16. Jahrhundert auch am Sabbat erlaubt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Was den Islam betrifft, so erlebte das Schach vom 8. bis 10. Jahrhundert im arabischen Raum eine Bl\u00fctezeit, doch im Moment geht der Trend wieder zum Verbot. In Afghanistan untersagten die Taliban das Spiel gleich nach ihrer Machtergreifung. Auch der iranische Geistliche Ayatollah Khomeini lie\u00df es nach der Islamischen Revolution im Iran 1981 verbieten. Sieben Jahre sp\u00e4ter, 1988, durfte im Iran aber wieder offiziell gespielt werden.<\/p>\n<p>Wer die Frage &#8222;Darf man im Islam Schach spielen?\u201c googelt, st\u00f6\u00dft schnell auf Beitr\u00e4ge islamischer Religionsexperten, die das bezweifeln. <a href=\"http:\/\/www.fataawa.de\/Fatawaas\/4.Fiqh\/4.Sitten%20&amp;%20Tradition\/5.Sonstiges\/0085.pdf\" target=\"_blank\">So zum Beispiel bei <em>fataawa.de<\/em><\/a>, einer Seite, die sich &#8222;Wissensvermittlung, Kl\u00e4rung von Missverst\u00e4ndnissen und allgemeinen Fragen \u00fcber die Religion des Islam&#8220; auf die Fahnen geschrieben hat, und &#8222;f\u00fcr Muslime, sowie f\u00fcr Nicht-Muslime geeignet&#8220; sein soll. Die Argumente gegen das Spiel sind die gleichen, die schon der Peitsche schwingende Kardinal Damiani vorgebracht hat: Schach sei dem Gl\u00fccksspiel nahe, Zeitverschwendung und w\u00fcrde die Menschen in Versuchung bringen, das Gebet oder andere wichtige Dinge zu vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n<p>Da ist nat\u00fcrlich was dran. Schach gilt zwar als Spiel der Vernunft, aber der Betrug begleitet das Spiel seine gesamte Geschichte hindurch. Fr\u00fcher wollte man, dass der Gegner in die Sonne blickt, heute l\u00e4sst man sich die Z\u00fcge vom Computer vorsagen. Und die Figur des weltfremden Eigenbr\u00f6tlers, der sich selbst und alles um sich herum vergisst, weil er nur f\u00fcr das Schach lebt, ist schon ein Klischee.<\/p>\n<p>Dennoch wirken die religi\u00f6sen Verbote des Spiels etwas streng. Hinter ihnen scheint das Bild eines Gottes zu stehen, der zwar als allm\u00e4chtig phantasiert wird und angeblich die Geschicke der ganzen Welt und aller Lebewesen lenken kann, aber dem der Mensch daf\u00fcr in jeder Minute und Sekunde seines Lebens dienen muss, den der Mensch nicht erz\u00fcrnen darf und der jeden noch so kleinen Versto\u00df gegen die vermeintlichen g\u00f6ttlichen Gebote unbarmherzig bestraft.<\/p>\n<p>Schachspieler haben andere Vorstellungen. Die G\u00f6ttin des Schachs hei\u00dft Caissa und geh\u00f6rt zum Ensemble der griechischen G\u00f6tterwelt. Wie <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=l5mDBt1qWxoC&amp;printsec=frontcover&amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\">ein 1763 ver\u00f6ffentlichtes Gedicht des britischen Gelehrten William Jones schildert<\/a>, verliebte sich der Kriegsgott Mars auf dem Olymp in die sch\u00f6ne Caissa, die jedoch nichts von ihm wissen wollte. Daraufhin gaben die Nymphen, die sich in solchen Dingen bestens auskennen, dem verschm\u00e4hten Verliebten einen Tipp, wie er das Herz der anmutigen G\u00f6ttin doch noch gewinnen k\u00f6nnte. Mars lie\u00df von einem seiner Gehilfen ein Schachspiel entwickeln und schenkte es ihr. So bewies er nicht nur Kraft und kriegerisches Geschick, sondern auch Intelligenz und Geist. Das gefiel Caissa und fortan hatten die beiden auf dem Olymp viel Spa\u00df beim Schach und miteinander.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kein Geschrei, kein Gebr\u00fcll, keine Verletzten. Eigentlich ist Schach ziemlich harmlos. Doch das Spiel gef\u00e4llt nicht allen. Vor allem nicht den religi\u00f6sen Oberh\u00e4uptern. Jahrhundertelang missfiel Schach den jeweiligen Sachwaltern des G\u00f6ttlichen auf Erden. Schon 1005 forderten islamische Geistliche in \u00c4gypten, man solle alle Schachfiguren und Spiele verbrennen. 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