{"id":1578,"date":"2015-05-19T10:21:19","date_gmt":"2015-05-19T08:21:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/schach\/?p=1578"},"modified":"2015-05-19T14:00:02","modified_gmt":"2015-05-19T12:00:02","slug":"magnus-carlsen-macht-schach-zur-show","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/magnus-carlsen-macht-schach-zur-show\/","title":{"rendered":"Magnus Carlsen macht Schach zur Show"},"content":{"rendered":"<p>Ein Turnier wie das <a href=\"http:\/\/www.sjakkbloggen.no\/\">EnterCard Scandinavian Masters Turnier<\/a>, das vom 10. bis 15. Mai in Oslo stattfand, hat es noch nie gegeben. Dabei ist es auf den ersten Blick ein gutes, aber kein au\u00dfergew\u00f6hnlich starkes Turnier. Sechs Teilnehmer, drei Norweger, ein Schwede, ein D\u00e4ne und ein Franzose, zwei davon unter den Hundert Besten der Welt, k\u00e4mpften um den letzten freien Platz beim <a href=\"http:\/\/2015.norwaychess.com\/supertournament\/players-2\/\">Norway Chess<\/a> Event, bei dem im Juni zehn der besten Spieler der Welt gegeneinander antreten. Dass das Scandinavian Masters so besonders war, lag an einem Teilnehmer, der gar nicht mitspielte: Magnus Carlsen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Magnus Carlsen, 24 Jahre alt und bester Schachspieler der Welt, hat Norwegen ver\u00e4ndert. Zumindest das Fernsehverhalten der Norweger. Carlsen macht Schach zu einem Fernsehereignis, auch dieses Turnier. In einer gro\u00dfen gl\u00e4sernen Box, die mitten in Oslos Haupt- und Prachtstra\u00dfe Karl Johans gate stand, kommentierte der Weltmeister jeden Abend die Partien seiner Kollegen. Live ab 20 Uhr, zur besten Sendezeit, bei TV2, dem gr\u00f6\u00dften Privatsender des Landes. Er plauderte zusammen mit der Co-Moderatorin Kaja Marie Stare mit prominenten G\u00e4sten, bewies in einem Sportquiz sein gutes Ged\u00e4chtnis und sein Interesse f\u00fcr alle Arten von Sport oder lieferte sich vor dem gl\u00e4sernen Fernsehstudio ein Streetballmatch <a href=\"http:\/\/www.tv2.no\/v\/915027\/?ref=915363\">mit drei der besten Basketballspieler Norwegens<\/a>.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich spielte Carlsen auch Schach. <a href=\"http:\/\/www.tv2.no\/v\/916247\/?ref=915027\">Beim Blitz gegen Prominente<\/a> zeigte er, wie gut er spielt und wie schnell er denkt. In diesen Begegnungen hatte Carlsen nur 30 Sekunden Bedenkzeit f\u00fcr die ganze Partie, seine Gegner drei Minuten. Das ist auch f\u00fcr einen Weltmeister eine Herausforderung. Doch Carlsen verbrauchte fast keine Zeit, machte keine groben Fehler und gewann eine Partie nach der anderen.<\/p>\n<p>Ab und zu unterbrachen die Turnierteilnehmer auch ihre Partien, um ins Fernsehstudio zu gehen und den Zuschauern im sogenannten Beichtstuhl zu verraten, was sie \u00fcber die noch laufende Partie dachten. Auf deutsche Zuschauer wirkte die Veranstaltung wie <em>Wetten dass..?!<\/em> auf sehr hohem Niveau, mit einem frischen Moderator und mit Schach als Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Diese Mischung hat funktioniert, die Zuschauerzahlen der Sendung waren gut. Dabei galt Schach bislang keineswegs als Zuschauersport. Im Gegenteil. Sp\u00f6tter meinen, Schachpartien zu verfolgen sei wie Farbe beim Trocknen zuzusehen. Und Jon Stewart, Moderator der amerikanischen Satiresendung <em>The Daily Show<\/em>, zog sich vor Kurzem den Unmut der Schachgemeinde zu, als er sich in einem Sketch \u00fcber das Schach und die Schachspieler lustig machte, indem er sich eine Schlafm\u00fctze \u00fcber den Kopf zog.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"embed\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" title=\"The Daily Show - Chess News Roundup (ft. Trevor Noah)\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/v-urVIOVJ9w?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Millionen von Schachfans und solchen, die es werden k\u00f6nnten, allerdings schon.<\/p>\n<p>Gewonnen hat das Turnier \u00fcbrigens Jon Ludvig Hammer, Norwegens Nummer zwei und Freund und Sekundant von Magnus Carlsen. Beim Norway Chess Turnier im Juni treffen die beiden dann aufeinander. Eine Unterhaltungsshow wird dieses Turnier sicher nicht. Ein Medienereignis wird es trotzdem. Millionen von Schachspielern auf der ganzen Welt werden wissen wollen, was Magnus Carlsen macht. Die Leute interessiert n\u00e4mlich nicht nur, wie gut er Streetball spielt, sondern auch welche Z\u00fcge er spielt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Turnier wie das EnterCard Scandinavian Masters Turnier, das vom 10. bis 15. Mai in Oslo stattfand, hat es noch nie gegeben. Dabei ist es auf den ersten Blick ein gutes, aber kein au\u00dfergew\u00f6hnlich starkes Turnier. 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