{"id":1589,"date":"2015-06-04T21:04:39","date_gmt":"2015-06-04T19:04:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/schach\/?p=1589"},"modified":"2015-06-04T21:09:44","modified_gmt":"2015-06-04T19:09:44","slug":"die-schachwelt-im-monat-mai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/die-schachwelt-im-monat-mai\/","title":{"rendered":"Die Schachwelt im Monat Mai"},"content":{"rendered":"<p>Der Mai begann gut f\u00fcr Deutschlands Schachspieler. Vier von ihnen verlieh der Weltschachverband den Gro\u00dfmeistertitel. Damit hat Deutschland jetzt 88 Gro\u00dfmeister, genauso viel wie die USA. Besser ist nur Russland mit 230 Gro\u00dfmeistern. Doch so richtig, richtig gut sind die deutschen Spieler nicht. So z\u00e4hlt mit Arkadij Naiditsch nur ein Deutscher zu den f\u00fcnfzig besten Spielern der Welt. Andere L\u00e4nder sind beim Hervorbringen von Spitzenspielern weniger zur\u00fcckhaltend. <!--more Weiterlesen...-->So hat China acht Spieler unter den Top 50, \u00e4lter als drei\u00dfig ist nur einer von ihnen. Daf\u00fcr w\u00e4re Deutschlands Nummer 100 in China Nummer 40 der Rangliste.<\/p>\n<p><strong>Streit<\/strong><br \/>\nDoch schon bald k\u00f6nnte Deutschland ganz ohne Spitzenspieler dastehen. Denn Arkadij Naiditsch will Verband und vielleicht auch Land verlassen. Naiditsch wurde 1985 in Riga geboren, 1996 zog er mit seiner Familie nach Deutschland, 2005 bekam er einen deutschen Pass, jetzt will er in den S\u00fcden, nach Aserbaidschan. Aserbaidschan lockt mit Geld, Naiditsch lockt das Geld. In Aserbaidschan f\u00f6rdert der Staat das Schach und Elman Rustamow, der Pr\u00e4sident des Schachverbands, leitet auch die Nationalbank, das hilft bei finanziellen Engp\u00e4ssen. Mit dem Deutschen Schachbund hatte Naiditsch hingegen immer wieder Streit, nicht zuletzt, weil er sich nie ausreichend gef\u00f6rdert und bezahlt f\u00fchlte.<\/p>\n<p>Streiten kann der Deutsche Schachbund allerdings auch ohne Naiditsch. Mitte Mai trafen sich die Delegierten in Halberstadt im Harz zur Pr\u00e4sidentenwahl, die alle zwei Jahre stattfindet. Kurz vor dem Kongress verk\u00fcndeten dann vier der f\u00fcnf Pr\u00e4sidiumsmitglieder \u00f6ffentlich ihren <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/ein-ruecktritt-und-noch-einer-und-noch-einer\/\">R\u00fccktritt<\/a>. Unterschiedliche Auffassungen \u00fcber F\u00fchrungsstil und politische Ausrichtung des Verbands lautete die Begr\u00fcndung. Pl\u00f6tzlich stand DSB-Pr\u00e4sident Herbert Bastian ohne Pr\u00e4sidium dar, wiedergew\u00e4hlt wurde er trotzdem.<\/p>\n<p><strong>Deutschlands Jugendspieler<\/strong><br \/>\nDer deutsche Nachwuchs stritt hingegen lieber am Brett und ermittelte Ende Mai in Willingen die neuen deutschen Jugendmeister. Im U18-Open siegte der aus Niedersachsen stammende Spartak Grigorian knapp, bei den M\u00e4dchenmeisterschaften U18 gewann die Magdeburgerin Josefine Heinemann souver\u00e4n. Aufsehen erregte der 2004 geborene Vincent Keymer, eines der gr\u00f6\u00dften deutschen Talente. Er h\u00e4tte in der Altersklasse U12 starten k\u00f6nnen, spielte aber lieber bei den \u00c4lteren in der U16 und wurde dort Zweiter.<\/p>\n<p><strong>Brain Drain<\/strong><br \/>\n\u00dcbrigens ist Naiditsch nicht der einzige Weltklassespieler, der den Verband wechseln will. So zieht es Fabiano Caruana, zur Zeit als Nummer zwei der Welt f\u00fcr Italien spielt, zur\u00fcck in die USA. Dort wurde er 1992 in Miami geboren und feierte als Jugendlicher Erfolge, bis die Familie entschied, dass Europa dem jungen Talent bessere Trainer und Turniere bot. Ab 2005 spielte Caruana f\u00fcr Italien, im September 2015 geht er wieder f\u00fcr die USA an den Start.<\/p>\n<p>Mit diesem Transfer geh\u00f6ren die USA jetzt neben Russland und China offiziell zu den f\u00fchrenden Schachnationen der Welt. Sie verf\u00fcgen mit Hikaru Nakamura, Fabiano Caruana und <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/so-wird-abgeworben\/\">Wesley So<\/a> \u00fcber drei Spieler der absoluten Weltklasse und potenzielle WM-Kandidaten. Diesen Aufstieg verdanken die Amerikaner vor allem ihren Immigranten. Wesley So ist auf den Philippinen geboren und ging in die USA, um dort zu studieren und Schach zu spielen. Das Studium brach er ab, in den USA ist er geblieben. Caruanas Gro\u00dfeltern stammen aus Italien und Hikaru Nakamura wurde als Sohn einer japanischen Mutter und eines amerikanischen Vaters in Japan geboren und zog mit zwei Jahren mit seiner Familie in die USA.<\/p>\n<p><strong>Chinas gr\u00f6\u00dftes Schachtalent<\/strong><br \/>\nRussland und China sind keine klassischen Einwanderungsl\u00e4nder. Im Schach setzt Russland deshalb auf Talent und Tradition, China nur auf Talent. 13 der 50 besten Spieler und vier der zehn besten Junioren der Welt stammen aus Russland. Klare Nummer eins bei den Jungtalenten ist jedoch ein Chinese: der am 2. Juni 1999 geborene Wei Yi. Ende Mai gewann er kurz vor seinem 16ten Geburtstag zum ersten Mal die chinesische Meisterschaft. Mit am Start war fast die gesamte chinesische Nationalmannschaft, die im Sommer 2014 im norwegischen Troms\u00f6 die Goldmedaille gewonnen hatte. Wei Yi spielte damals am Ersatzbrett.<\/p>\n<p><strong>Auf dem Wege zur Weltmeisterschaft<\/strong><br \/>\nDas wichtigste Turnier des Monats war jedoch der Abschluss der FIDE Grand Prix Serie im sibirischen Chanty-Mansijsk. Der Grand Prix besteht aus vier Turnieren, der Erste und der Zweite der Gesamtwertung qualifizieren sich f\u00fcr das Kandidatenturnier im Fr\u00fchjahr 2016, dessen Sieger im Herbst 2016 gegen Magnus Carlsen um die Weltmeisterschaft spielen darf. Den Grand Prix in Sibirien gewann Dmitrij Jakowenko aus Russland, Grand Prix Gesamtsieger wurde jedoch Fabiano Caruana, Platz zwei ging an Hikaru Nakamura. Damit sind bereits zwei US-Spieler beim Kandidatenturnier 2016 dabei.<\/p>\n<p><strong>Der Weltmeister<\/strong><br \/>\nUnd was machte Magnus Carlsen im Monat Mai? Werbung f\u00fcr das Schach. Zuerst in Norwegen, dann in den USA. In Norwegen versuchte sich Carlsen in Oslo, beim Qualifikationsturnier f\u00fcr das Norway Chess Turnier, als <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/magnus-carlsen-macht-schach-zur-show\/\">Partiekommentator und Fernsehunterhalter<\/a>, wenig sp\u00e4ter spielte er in den USA bei einer Fundraising-Veranstaltung gegen drei Gegner gleichzeitig und ohne Ansicht des Brettes Blitzschach. Carlsen hatte neun Minuten f\u00fcr alle drei Partien, seine Gegner jeweils drei. Einmal mehr beeindruckte der Weltmeister. Auf youtube kann man sehen, wie er das gemacht hat.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"600\" height=\"510\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/xmXwdoRG43U\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Beim Norway Chess Turnier, einem der st\u00e4rksten Turniere des Jahres. Es beginnt am 15. Juni mit einem Blitzturnier aller zehn Teilnehmer. Mit dabei sind Magnus Carlsen, Vishy Anand, Fabiano Caruana und Hikaru Nakamura, die zur Zeit vier besten Spieler der Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mai begann gut f\u00fcr Deutschlands Schachspieler. Vier von ihnen verlieh der Weltschachverband den Gro\u00dfmeistertitel. Damit hat Deutschland jetzt 88 Gro\u00dfmeister, genauso viel wie die USA. Besser ist nur Russland mit 230 Gro\u00dfmeistern. Doch so richtig, richtig gut sind die deutschen Spieler nicht. 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