{"id":1628,"date":"2015-07-06T14:40:23","date_gmt":"2015-07-06T12:40:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/schach\/?p=1628"},"modified":"2015-09-09T15:00:57","modified_gmt":"2015-09-09T13:00:57","slug":"die-schachwelt-im-monat-juni","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/die-schachwelt-im-monat-juni\/","title":{"rendered":"Die Schachwelt im Monat Juni"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wesselin Topalow gewinnt ein Superturnier \u2013 und es ist ihm (fast) egal<\/strong><br \/>\nDas schachliche Highlight im Juni war das <a href=\"http:\/\/www.norwaychess.com\">Norway Chess<\/a> \u00a0in Stavanger. In Pr\u00e4sentation und Au\u00dfendarstellung setzte die Veranstaltung hohe Ma\u00dfst\u00e4be, alle Partien wurden in voller L\u00e4nge live im norwegischen Fernsehen \u00fcbertragen. Neu dabei: der \u201eConfession Room\u201c. Die zehn Spieler konnten w\u00e4hrend der laufenden Partien freiwillig vor die Kamera treten und die Zuschauer ganz aktuell an ihren Gedanken, Berechnungen und Sorgen teilhaben lassen, wovon besonders die j\u00fcngeren unter ihnen rege Gebrauch machten.<\/p>\n<p>Gewonnen hat das Turnier der zweit\u00e4lteste Teilnehmer und der ehemalige Weltmeister Wesselin Topalow, der in einigen seiner Partien (u.a. in der ersten Runde von Magnus Carlsen pers\u00f6nlich) allerdings reich beschenkt wurde. Topalow, der vor dem Turnier noch nicht einmal zum erweiterten Kreis der Favoriten auf den Sieg gez\u00e4hlt wurde, scheint an sich eine philosophisch-stoische Ader entdeckt zu haben. Mehrfach betonte er, sich auf seine Partien viel weniger intensiv vorzubereiten und entspannter zu spielen, als noch vor einigen Jahren. Selbst die Teilnahme am Kandidatenturnier 2016, die er sich mit dem Erfolg in Norwegen dank seines Aufstiegs auf Platz drei in der Weltrangliste so gut wie sicher erspielt hat, wolle er noch einmal \u00fcberdenken, da er beim letzten Kandidatenturnier 2014 schlechte Erfahrungen gemacht habe und von Motivationsproblemen geplagt worden sei.<\/p>\n<p>Wer von seinem eventuellen R\u00fcckzug profitieren k\u00f6nnte, erscheint noch unklar. Vishy Anand, der \u00e4lteste Teilnehmer im Feld und f\u00fcr viele der Turniersieger der Herzen, hat seinen Platz dagegen als Unterlegener des letzten WM-Kampfes schon sicher. F\u00fcr den nunmehr entthronten Weltranglistenzweiten Fabiano Caruana lief Stavanger dagegen \u00e4u\u00dferst durchwachsen, aber er versucht aktuell, die verlorenen Punkte beim n\u00e4chsten Superturnier in Dortmund zur\u00fcckzuholen.<\/p>\n<p><strong>Die Weltranglistenzweite kopiert unfreiwillig Magnus Carlsen<\/strong><br \/>\nDie Frauen sorgten im vergangenen Monat f\u00fcr gute und nicht so gute Schlagzeilen. Die beste von ihnen, Yifan Hou, h\u00e4lt sich aktuell wacker bei ihrer ersten Teilnahme beim <a href=\"http:\/\/www.Sparkassen-chess-meeting.de\">Dortmunder Sparkassen-Chess-Meeting<\/a>\u00a0, dem deutschen Traditionsturnier schlechthin, das Ende Juni begann. Nach f\u00fcnf von sieben Runden hat sie allerdings noch nicht viel Z\u00e4hlbares vorzuweisen: vier\u00a0Punkteteilungen, aber auch eine Niederlage gegen den Exweltmeister und den Dortmunder Seriensieger Wladimir Kramnik.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Dauerrivalin, die Weltranglistenzweite Humpy Koneru, ist derweil ein anderes Turnier, die diesj\u00e4hrige Commonwealth-Meisterschaft, bereits nach vier Runden beendet: Die Inderin\u00a0<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/ein-weltmeister-in-schwierigkeiten\/\">ahmte Magnus Carlsen nach<\/a> und \u00fcberschritt in der vierten Runde ihre Bedenkzeit, weil sie von der Regel nichts gewusst haben wollte. Die Ank\u00fcndigung des Schiedsrichters \u00fcber &#8222;30 minutes grace time&#8220; scheinen einige Spieler als einen Zusatz nach Ablauf der regul\u00e4ren Bedenkzeit interpretiert zu haben (dem gleichen Irrtum erlag bereits in der ersten Runde die bekannte indische Spielerin Tania Sachdev), gemeint war aber lediglich eine Karenzzeit, um die man sich straffrei zur Partie versp\u00e4ten durfte. Aus Protest \u00fcber die Niederlage zog sich Koneru vom Turnier zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Hexenjagd im 21. Jahrhundert<\/strong><br \/>\nGanz unerfreuliche Nachrichten gab es noch von der Fraueneuropameisterschaft im georgischen Chakvi zu h\u00f6ren, die Ende Mai zu Ende ging. Gewonnen wurde diese von einer der Favoritinnen Natalia Zhukowa, in Erinnerung behalten wird man das Turnier aber aus einem anderen Grund. Die rum\u00e4nische, weitgehend unbekannte Spielerin Mihaela Sandu wurde von ihren Kolleginnen mehr oder weniger offen des Betruges verd\u00e4chtigt, es wurden zwei Unterschriftenlisten gesammelt, die die Live\u00fcbertragung von Sandus Partien ins Internet verhindern sollten. Beide an erster Stelle von der k\u00fcnftigen Europameisterin Zhukowa unterschrieben.<\/p>\n<p>Obwohl nach bestem menschlichen und computerunterst\u00fctzen Ermessen an den Betrugsvorw\u00fcrfen nichts, aber auch gar nichts Wahres dran war, scheint die Hexenjagd ihr Ziel erreicht zu haben \u2013 Sandu, die mit f\u00fcnf (teilweise gl\u00fccklichen) Siegen am St\u00fcck ins Turnier gestartet war, zerbrach am Druck und verlor am Ende mehrere Partien in Folge. Der rum\u00e4nische Verband k\u00fcndigte derweil die \u00dcberpr\u00fcfung rechtlicher Konsequenzen gegen die Unterzeichnerinnen der Briefe an.<\/p>\n<p><strong>Die deutschen Spieler in Dortmund<\/strong><br \/>\nAuch f\u00fcr die Deutschen brachte der Juni gemischte Ergebnisse. Drei von ihnen d\u00fcrfen beim Superturnier in Dortmund mitspielen, welches Ende des Monats begann. Der vor einem Jahr eingeb\u00fcrgerte Dieter Nisipeanu belegt aktuell sogar den geteilten ersten Platz zusammen mit Fabiano Caruana, die beiden werden vermutlich bis zum Ende um den Turniersieg mitspielen k\u00f6nnen. Arkadij Naiditsch konnte zwar schon Kramnik besiegen, verlor aber auch schon zwei Partien und befindet sich im Mittelfeld. Der dritte im Bunde, Georg Meier, spielt bisher sehr unterhaltsam, wurde aber schon zweimal Opfer seiner unter anderem durch mangelnde Spielpraxis bedingten Zeiteinteilung, die ihn bereits zwei Partien kostete.<\/p>\n<p><strong>Entt\u00e4uschung beim Mitropa-Cup<\/strong><br \/>\nBeim diesj\u00e4hrigen Mitropa-Cup (ein Mannschaftsturnier mit zehn Nationen aus Mitteleuropa, zu dem die Verb\u00e4nde traditionell ihren talentierten Nachwuchs schicken), ausgetragen im \u00f6sterreichischen Mayrhofen, konnte das deutsche Team nicht vollends \u00fcberzeugen, obwohl es mit den beiden &#8222;Prinzen&#8220; Matthias Bl\u00fcbaum und Dennis Wagner an den Spitzenbrettern durchaus als Turnierfavorit angetreten war. Souver\u00e4ne Sieger wurden die Gastgeber aus \u00d6sterreich, w\u00e4hrend den Deutschen nur die Bronzemedaille hinter dem \u00dcberraschungsteam aus der Slowakei vorbehalten blieb. Wirklich stark agierte in Mayrhofen nur Andreas Heimann am dritten Brett, w\u00e4hrend die beiden jungen M\u00e4nner und Elisabeth P\u00e4htz an Brett vier teilweise wackelten. Auf eine kuriose Weise kam zudem noch der knappe 2,5:1,5-Sieg gegen Kroatien zustande, als der Gegner von Elisabeth P\u00e4htz ihr in totaler Gewinnstellung ein seltenes Pattbild erlaubte \u2013 <a href=\"http:\/\/www.chessbomb.com\/arena\/2015-mitropa\/08-Paehtz_Elisabeth-Srbis_Jurica\" target=\"_blank\">Nachspielen<\/a> unbedingt empfehlenswert!\u00a0Im Frauenwettbewerb verpasste das deutsche Team durch ein 0:2 in der Schlussrunde gegen die zweite Vertretung von \u00d6sterreich sogar ganz die Medaillenpl\u00e4tze und wurde Vierter.<\/p>\n<p><strong>Wenn die H\u00e4nde schneller sein m\u00fcssen, als der Kopf<\/strong><br \/>\nEinen Vizetitel gab es f\u00fcr einen deutschen Spieler aber auch noch zu feiern. Der deutsche Meister Daniel Fridman gewann Silber bei den Niederl\u00e4ndischen Meisterschaften im Lightning-Schach, bei dem jeder Spieler lediglich zwei Minuten f\u00fcr die ganze Partie hat. Im Finale unterlag er trotz guter Stellungen dem niederl\u00e4ndischen Weltklassespieler Loek van Wely. Hier die entscheidende Finalpartie, man kann nur immer wieder den Hut davor zu ziehen, wieviel die Spieler selbst bei solch knapper Zeit noch sehen!<\/p>\n<style>.embed-container { position: relative; padding-bottom: 56.25%; height: 0; overflow: hidden; max-width: 100%; } .embed-container iframe, .embed-container object, .embed-container embed { position: absolute; top: 0; left: 0; width: 100%; height: 100%; }<\/style>\n<div class='embed-container'>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe src='https:\/\/www.youtube.com\/embed\/\/0Z0ZyVgBPoc' frameborder='0' allowfullscreen><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Auch f\u00fcr die deutschen Spieler wird es im August richtig spannend: In Dresden wird das German Masters ausgetragen, bei dem sich drei eingeladene Vertreter der deutschen Spitze gegen drei vorher im <a href=\"http:\/\/www.schachfestival.de\/c2015\/ausschreibung.html\" target=\"_blank\">Challenge<\/a> ermittelte Kandidaten\u00a0messen werden, welches ebenfalls nur deutschen Spielern offen steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wesselin Topalow gewinnt ein Superturnier \u2013 und es ist ihm (fast) egal Das schachliche Highlight im Juni war das Norway Chess \u00a0in Stavanger. In Pr\u00e4sentation und Au\u00dfendarstellung setzte die Veranstaltung hohe Ma\u00dfst\u00e4be, alle Partien wurden in voller L\u00e4nge live im norwegischen Fernsehen \u00fcbertragen. Neu dabei: der \u201eConfession Room\u201c. 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