{"id":1664,"date":"2015-08-04T18:14:10","date_gmt":"2015-08-04T16:14:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/schach\/?p=1664"},"modified":"2015-09-09T14:54:35","modified_gmt":"2015-09-09T12:54:35","slug":"die-schachwelt-im-monat-juli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/die-schachwelt-im-monat-juli\/","title":{"rendered":"Die Schachwelt im Monat Juli"},"content":{"rendered":"<p>Ach, gewinnen ist sch\u00f6n. Am liebsten immer. Das tat <strong>Fabiano Caruana<\/strong> vor fast einem Jahr, im August 2014, beim Sinquefield Cup in St. Louis, einem der st\u00e4rksten Schachturniere aller Zeiten. Er schlug einen Spitzenspieler nach dem anderen und gewann sieben Partien in Folge. Dann folgten drei Remis und Caruana hatte <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/fabiano-caruana-sinquefieldcup-carlsen\/\">das beste Schachergebnis aller Zeiten<\/a> erzielt.<\/p>\n<p>Nach diesem H\u00f6henrausch folgten die M\u00fchen der Ebene. Nach St. Louis spielte Caruana viele Turniere, aber nie wieder so gut und er verlor Monat um Monat Ranglistenpunkte. Weltspitze ist er immer noch und f\u00fcr das Kandidatenturnier 2016 hat er sich auch qualifiziert, aber die Siegesserien blieben aus. Bis Anfang Juli das Gro\u00dfmeisterturnier in Dortmund kam. Caruana startete mit einem Remis und einer Niederlage, gewann dann aber f\u00fcnf Mal hintereinander und wurde mit 1,5 Punkten Vorsprung Erster.<\/p>\n<p>Mit dabei in Dortmund war <strong>Arkadij Naiditsch<\/strong>, lange Jahre Deutschlands Nummer eins. Seit Juli 2015 ist er nicht mehr die Nummer eins in Deutschland, sondern Nummer drei in Aserbaidschan. Dort f\u00f6rdert man das Schach intensiver als die Pressefreiheit, doch Naiditsch, der in Deutschland Trainer und Offizielle gern \u00f6ffentlich kritisiert hat, hofft auf bessere Trainingsm\u00f6glichkeiten und mehr Geld. Aserbaidschan will mit dem Spitzenspieler eine Medaille bei der Schacholympiade 2016 gewinnen. Die wird in Baku, der Hauptstadt des Landes, gespielt.<\/p>\n<p>Zu den gro\u00dfen Favoriten bei dieser Olympiade z\u00e4hlen <strong>Russland und China<\/strong>. Im Schach ist die Rivalit\u00e4t der beiden Weltm\u00e4chte freundschaftlich und seit 2001 spielen die beiden L\u00e4nder regelm\u00e4\u00dfig Vergleichsk\u00e4mpfe. 2015 traten bei den Herren und bei den Damen jeweils zwei F\u00fcnferteams gegeneinander an und jeder Spieler der einen Mannschaft spielte gegen alle Mitglieder des gegnerischen Teams. Bei den M\u00e4nnern gewann China 14-11, bei den Frauen 15-10. Zur gleichen Zeit spielte Chinas Nummer eins, Ding Liren, einen Wettkampf gegen den in Wei\u00dfrussland geborenen Israeli Boris Gelfand, WM-Herausforderer 2012. Der Chinese siegte mit 3-1.<\/p>\n<p>Diese Erfolge passen zu den Zielen des langen Marsches durch die Schachwelt, die der Schachfunktion\u00e4r Chen Zude 1991 formulierte. Wie die aussehen, hat die chinesische Schachjournalistin Zhang Jilin deutschen Lesern in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift <em>Schach<\/em> verraten:<\/p>\n<ol>\n<li>WM-Einzeltitel der Damen<\/li>\n<li>WM-Mannschaftstitel der Damen<\/li>\n<li>WM-Mannschaftstitel der Herren<\/li>\n<li>WM-Einzeltitel der Herren.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Punkte eins bis drei sind abgehakt: 1991 wurde die Chinesin <strong>Xie Jun<\/strong> Frauenweltmeisterin, 2007 gewann das chinesische Frauenteam im russischen Jekaterinburg die Mannschaftsweltmeisterschaft der Frauen, die M\u00e4nner holten den Weltmeistertitel acht Jahre sp\u00e4ter in Zaghkadsor in Armenien. Jetzt fehlt nur noch der Weltmeistertitel der Herren. Da hofft der chinesische Verband auf den 16-j\u00e4hrigen <strong>Wei Yi<\/strong>, zur Zeit Nummer eins der Juniorenweltrangliste und der j\u00fcngste Spieler aller Zeiten, der die Elo-Marke von 2700 geknackt hat.<\/p>\n<p>Seit Jahren tun Verband und Wei Yi alles, um an die Spitze zu kommen. Mit sieben verlie\u00df Wei Yi sein Elternhaus, um bei seinem Schachtrainer zu wohnen, mit acht ging er ins Schachinternat, mit zw\u00f6lf verlie\u00df er die Schule, um Schachprofi zu werden. Ohne die l\u00e4stige Lernerei hat er jetzt Zeit, sieben Stunden am Tag Schach zu trainieren.<\/p>\n<p>Das tr\u00e4gt Fr\u00fcchte. Im Juli spielte der Junggro\u00dfmeister bei einem Turnier im chinesischen Haishan gegen den Kubaner Lazaro Batista Bruzon eine brillante Partie, auf die jeder Weltmeister stolz gewesen w\u00e4re: Er zerrte den gegnerischen K\u00f6nig mit zahlreichen Materialopfern aufs offene Brett und setzte ihn dort mit einer Reihe ruhiger Z\u00fcge Matt.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"555\" src=\"http:\/\/phpscripts.zeit.de\/visualisierungen\/schachembed\/index.html?pgn=%5BEvent%20%226th%20Hainan%20Danzhou%20GM%22%5D%0A%5BSite%20%22Danzhou%20CHN%22%5D%0A%5BDate%20%222015.07.03%22%5D%0A%5BRound%20%222%22%5D%0A%5BWhite%20%22Wei%20Yi%22%5D%0A%5BBlack%20%22Bruzon%20Batista%2C%20L.%22%5D%0A%5BResult%20%221-0%22%5D%0A%5BECO%20%22B85%22%5D%0A%5BWhiteElo%20%222724%22%5D%0A%5BBlackElo%20%222669%22%5D%0A%5BPlyCount%20%2271%22%5D%0A%5BEventDate%20%222015.07.02%22%5D%0A%0A1.%20e4%20c5%202.%20Nf3%20e6%203.%20Nc3%20a6%204.%20Be2%20Nc6%205.%20d4%20cxd4%206.%20Nxd4%20Qc7%207.%20O-O%20Nf6%208.%0ABe3%20Be7%209.%20f4%20d6%2010.%20Kh1%20O-O%2011.%20Qe1%20Nxd4%2012.%20Bxd4%20b5%2013.%20Qg3%20Bb7%2014.%20a3%20Rad8%0A15.%20Rae1%20Rd7%2016.%20Bd3%20Qd8%2017.%20Qh3%20g6%2018.%20f5%20e5%2019.%20Be3%20Re8%2020.%20fxg6%20hxg6%2021.%20Nd5%0ANxd5%2022.%20Rxf7%20Kxf7%2023.%20Qh7%2B%20Ke6%2024.%20exd5%2B%20Kxd5%2025.%20Be4%2B%20Kxe4%2026.%20Qf7%20Bf6%2027.%0ABd2%2B%20Kd4%2028.%20Be3%2B%20Ke4%2029.%20Qb3%20Kf5%2030.%20Rf1%2B%20Kg4%2031.%20Qd3%20Bxg2%2B%2032.%20Kxg2%20Qa8%2B%2033.%0AKg1%20Bg5%2034.%20Qe2%2B%20Kh4%2035.%20Bf2%2B%20Kh3%2036.%20Be1%201-0&amp;title=Wei%20Yi%20%E2%80%93%20Bruzon%20Batista%2C%20L.&amp;subtitle=6th%20Hainan%20Danzhou%20GM%2C%20Danzhou%20CHN%2C%202015.07.03\" width=\"620\" style=\"width: 100%;\"><\/iframe><\/p>\n<p>Erstaunlich, doch nur wenige Tage sp\u00e4ter gelang <strong>David Navara<\/strong>, Tschechiens Nummer eins, beim Traditionsturnier im schweizerischen Biel ein vielleicht noch gr\u00f6\u00dferes Kunstst\u00fcck. Er hatte Wei\u00df und schickte seinen K\u00f6nig in der Partie gegen den Polen Radoslaw Wojtaszek bis ans andere Ende des Bretts nach h8, in eine Gegend, in der eigentlich der schwarze K\u00f6nig zu Hause ist. Die vielen schwarzen Figuren begleiteten den wei\u00dfen K\u00f6nig auf seinem Weg zwar mit zahlreichen Schachs, aber Matt setzen konnten sie ihn nicht. Als der Schwarze den Gro\u00dfteil seines Pulvers verschossen hatte, fiel der wei\u00dfe K\u00f6nig schlie\u00dflich \u00fcber die schutzlosen schwarzen Bauern her und Wei\u00df gewann im Endspiel.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"555\" src=\"http:\/\/phpscripts.zeit.de\/visualisierungen\/schachembed\/index.html?pgn=%5BEvent%20%2248th%20Biel%20GM%202015%22%5D%0A%5BSite%20%22Biel%20SUI%22%5D%0A%5BDate%20%222015.07.23%22%5D%0A%5BRound%20%224%22%5D%0A%5BWhite%20%22Navara%2C%20D.%22%5D%0A%5BBlack%20%22Wojtaszek%2C%20R.%22%5D%0A%5BResult%20%221-0%22%5D%0A%5BECO%20%22B90%22%5D%0A%5BWhiteElo%20%222724%22%5D%0A%5BBlackElo%20%222733%22%5D%0A%5BPlyCount%20%2295%22%5D%0A%5BEventDate%20%222015.07.20%22%5D%0A%0A1.%20e4%20c5%202.%20Nf3%20d6%203.%20d4%20cxd4%204.%20Nxd4%20Nf6%205.%20Nc3%20a6%206.%20Be3%20e5%207.%20Nb3%20Be6%208.%20h3%0ABe7%209.%20g4%20d5%2010.%20exd5%20Nxd5%2011.%20Bg2%20Nxe3%2012.%20Qxd8%2B%20Bxd8%2013.%20fxe3%20Bh4%2B%2014.%20Kf1%0ANc6%2015.%20Nc5%20Bc4%2B%2016.%20Kg1%20O-O-O%2017.%20b3%20Bg5%2018.%20Re1%20Bh4%2019.%20Rb1%20Bg5%2020.%20Kf2%20Bh4%2B%0A21.%20Kf3%20e4%2B%2022.%20Kf4%20g5%2B%2023.%20Kf5%20Rhe8%2024.%20Rhd1%20Re5%2B%2025.%20Kf6%20Rg8%2026.%20bxc4%20Rg6%2B%0A27.%20Kxf7%20Re7%2B%2028.%20Kf8%20Rf6%2B%2029.%20Kg8%20Rg6%2B%2030.%20Kh8%20Rf6%2031.%20Rf1%20Bf2%2032.%20Rxf2%20Rxf2%0A33.%20Rf1%20Rxg2%2034.%20Rf8%2B%20Kc7%2035.%20Nd5%2B%20Kd6%2036.%20Nxe7%20Kxc5%2037.%20Rf5%2B%20Kxc4%2038.%20Nxc6%0Abxc6%2039.%20Rxg5%20Rg3%2040.%20h4%20h6%2041.%20Rg6%20Rxe3%2042.%20Kg7%20Rg3%2043.%20Kxh6%20e3%2044.%20Kg5%20Kd5%0A45.%20Kf4%20Rh3%2046.%20h5%20c5%2047.%20Rg5%2B%20Kd4%2048.%20Re5%201-0&amp;title=Navara%2C%20D.%20%E2%80%93%20Wojtaszek%2C%20R.&amp;subtitle=48th%20Biel%20GM%202015%2C%20Biel%20SUI%2C%202015.07.23\" width=\"620\" style=\"width: 100%;\"><\/iframe><\/p>\n<p>Doch auch die sch\u00f6nste Partie bringt nur einen Punkt. So landete Navara in dem Turnier, an dem sechs Spieler teilnahmen, auf dem vierten Platz, Wojtaszek, der Verlierer der Glanzpartie, wurde Zweiter, der Turniersieg ging an den Franzosen <strong>Maxime Vachier-Lagrave<\/strong>.<\/p>\n<p>Auch <strong>Deutschland<\/strong> feierte im Juli Erfolge. Bei den NATO-Meisterschaften in Amsterdam funktionierten Technik und Logistik der Bundeswehr einwandfrei und die deutsche Mannschaft siegte zum vierten Mal in Folge.<\/p>\n<p>Der deutsche Nachwuchs holte bei der Jugend-Mannschaftseuropameisterschaft im polnischen Karpacz Gold. J\u00fcngstes Mitglied des deutschen Teams war der 11-j\u00e4hrige <strong>Vincent Keymer<\/strong>, mit einer Elo-Zahl von 2352 zur Zeit Nummer 280 der deutschen Rangliste. In Europa ist Keymer der beste Spieler unter zw\u00f6lf Jahren und auf der ganzen Welt gibt es in dieser Altersklasse nur zwei Spieler, die besser sind. Er geht aufs Gymnasium, will Abitur machen und spielt au\u00dfer Schach noch gerne Klavier und Fu\u00dfball. Er lebt bei seinen Eltern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ach, gewinnen ist sch\u00f6n. Am liebsten immer. Das tat Fabiano Caruana vor fast einem Jahr, im August 2014, beim Sinquefield Cup in St. Louis, einem der st\u00e4rksten Schachturniere aller Zeiten. Er schlug einen Spitzenspieler nach dem anderen und gewann sieben Partien in Folge. 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