{"id":1736,"date":"2015-10-01T11:40:40","date_gmt":"2015-10-01T09:40:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/schach\/?p=1736"},"modified":"2015-10-02T14:40:04","modified_gmt":"2015-10-02T12:40:04","slug":"worldcup-finale-fest-in-russicher-hand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/worldcup-finale-fest-in-russicher-hand\/","title":{"rendered":"Wunderkind gegen Publikumsliebling"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_1738\" aria-describedby=\"caption-attachment-1738\" style=\"width: 604px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1738 size-full\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/files\/2015\/10\/Karjakin-Svidler-kandidatenturnier-2014.jpg\" alt=\"Worldcup: Wunderkind gegen Publikumsliebling\" width=\"604\" height=\"402\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1738\" class=\"wp-caption-text\">Die beiden Finalisten: Peter Svidler und Sergej Karjakin \/ Quelle: candidates2014.fide.com<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Alle drei Tage schied ein Spieler aus. Von den 128 Schachprofis, die sich im Turniersaal des Fairmont Hotels in Baku zum diesj\u00e4hrigen <a href=\"http:\/\/bakuworldcup2015.com\" target=\"_blank\">Worldcup<\/a> trafen, stehen sich ab heute nur noch zwei Spieler im Finale gegen\u00fcber. Mit Peter Svidler und Sergej Karjakin sind es zwei v\u00f6llig unterschiedliche Charaktere, deren Schnittmenge sich wohl aufs Schachspiel begrenzt.<!--more--><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_1741\" aria-describedby=\"caption-attachment-1741\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1741 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/files\/2015\/10\/Sergey-Karjakin--620x412.jpg\" alt=\"Sergey Karjakin\" width=\"620\" height=\"412\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/files\/2015\/10\/Sergey-Karjakin--620x412.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/files\/2015\/10\/Sergey-Karjakin-.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1741\" class=\"wp-caption-text\">Der j\u00fcngste Gro\u00dfmeister aller Zeiten: Sergej Karjakin \/ Quelle: chess.com<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Da ist zum einen der 25-j\u00e4hrige Sergej Karjakin, der trotz Magnus Carlsen und der Nachwuchshoffnung Wie Yi immer noch den Rekord als j\u00fcngster Gro\u00dfmeister aller Zeiten h\u00e4lt \u2013 12 Jahre und 7 Monaten war er damals alt. L\u00e4ngst ist aus dem Wunderknaben von der Krim ein Weltklassespieler geworden, der sich in den vergangenen Jahren fest in der Top 10 etabliert hat. Dazu hat laut eigener Aussage der Wechsel zur russischen F\u00f6deration im Jahre 2009 beigetragen. Offiziell ging es um bessere F\u00f6rderungsm\u00f6glichkeiten durch den russischen Verband. W\u00e4hrend der Krim-Krise machte er durch unbedachte \u00c4u\u00dferungen in den sozialen Netzwerken auf sich aufmerksam.<\/p>\n<p>Ohnehin wirkt Karjakins Verhalten h\u00e4ufig noch etwas kindlich und naiv. Seit gut einem Jahr lebt der 25-J\u00e4hrige in zweiter Ehe und man hat h\u00e4ufig den Eindruck, dass es neben Schach kaum Dinge gibt, f\u00fcr die sich das einstige Wunderkind begeistern kann.<\/p>\n<p>Auch dass er das Finale erreichte, l\u00e4sst sich eher durch jugendlichen Ehrgeiz und Siegeswillen denn durch Weitblick und Erfahrung erkl\u00e4ren. Bereits in der zweiten Runde musste der Russe einen 0:1-R\u00fcckstand gegen den Au\u00dfenseiter Alexander Onischuk hinnehmen. Doch Karjakin nutzte seine wohl gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke: seine Nerven. Ihm gelang mit den wei\u00dfen Steinen der Ausgleich zum Stechen, bei dem er seine spielerische \u00dcberlegenheit letztlich doch demonstrieren konnte. Auch in den darauf folgenden Matches bewies Karjakin, wie nervenstark und eiskalt er sein kann, wobei das Gl\u00fcck es in den entscheidenden Momenten gut mit ihm meinte.<\/p>\n<p>Besonders knapp wurde es dann im Halbfinale gegen seinen ehemaligen ukrainischen Mannschaftskollegen Pawel Eljanow, der bis dato das st\u00e4rkste Schach aller Spieler gezeigt hatte. Nachdem Karjakin bereits in der ersten Stichkampfpartie mit 0:1 hinten lag, gelang ihm mit den schwarzen Steinen der Ausgleich. Im n\u00e4chsten Stichkampf ging er sogar in F\u00fchrung. Doch Eljanow erk\u00e4mpfte sich mit den schwarzen Figuren eine Gewinnstellung. Im Falle eines Sieges k\u00e4me es zu einem erneuten Stechen. Doch Eljanow unterlief ein folgenschwerer Fehler: Er lie\u00df eine dreifache Stellungswiederholung zu. Dies f\u00fchrt nach den Regeln des Weltverbandes Fide zur Punkteteilung, wenn der Gegner korrekt reklamiert. Karjakin lie\u00df sich in Verluststellung <a href=\"http:\/\/bakuworldcup2015.com\/content\/160\" target=\"_blank\">nicht zweimal bitten<\/a>\u00a0(ab 3:15:40) und stand im Finale.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_1742\" aria-describedby=\"caption-attachment-1742\" style=\"width: 495px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1742 size-full\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/files\/2015\/10\/Pavel-Eljanov-Ungl\u00fcckrabe.jpg\" alt=\"Pavel Eljanov Ungl\u00fcckrabe\" width=\"495\" height=\"330\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1742\" class=\"wp-caption-text\">Spielte bis dato das st\u00e4rkste Schach: Ungl\u00fccksrabe Pawel Eljanow \/ Quelle: http:\/\/bakuworldcup2015.com<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Etwas \u00fcberzeugender verlief das Turnier des 39-j\u00e4hrigen Sankt Petersburger Peter Svidler. Mit seiner Erfahrung schaltete Svidler ebenfalls Weltklassespieler aus, darunter den ehemaligen Weltmeister Veselin Topalov und das wohl derzeit gr\u00f6\u00dfte Talent Wei Yi. Nat\u00fcrlich brauchte Svidler auch Gl\u00fcck, um sich f\u00fcr das Finale zu qualifizieren. Im Gegensatz zu Karjakins Spiel merkte man jedoch die \u00dcbersicht an, die der russische Rekordmeister in sein Spiel legt. So konnte er im entscheidenden Moment die Fehler der Gegner ausnutzen. Dass Svidler das K. o.-Format liegt, hat er bereits 2011 bewiesen, als er den Worldcup schon einmal gewinnen konnte.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_1743\" aria-describedby=\"caption-attachment-1743\" style=\"width: 495px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1743 size-full\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/files\/2015\/10\/Peter-Svidler-Worldcup-finalist.jpg\" alt=\"Peter Svidler Worldcup finalist\" width=\"495\" height=\"330\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1743\" class=\"wp-caption-text\">Publikumsliebling Peter Svidler \/ Quelle: http:\/\/bakuworldcup2015.com<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Kaum ein Weltklassespieler ist bei den Schachfans und Kollegen so beliebt wie Peter Svidler. Mit seiner herzlichen und freundlichen Art bezaubert er nicht nur hinter dem Schachbrett, sondern ist bei den Kommentatoren ein stets gern gesehener Gast. Kein Spieler seiner Klasse nimmt sich so viel Zeit, dem Publikum nach einer Partie seine Gedankeng\u00e4nge zu erl\u00e4utern. Dabei sprudelt es nur so aus Svidler heraus. Selbst nachdem er sich bereits f\u00fcr das Finale qualifiziert hatte, lie\u00df es sich Svidler nicht nehmen, das Halbfinale Karjakin-Eljanow live zu kommentieren, w\u00e4hrend viele andere Spieler sich in ihr Hotelzimmer eingeschlossen und Varianten geb\u00fcffelt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Ob sich am Ende Karjakins Kondition und sein unbedingter Siegeswille oder Svidlers Erfahrung und Gelassenheit durchsetzen wird, h\u00e4ngt sicherlich mehr vom Gl\u00fcck als von anderen Faktoren ab. Beide sind in der Lage, Schach auf h\u00f6chstem Niveau zu spielen. Grund zur Freude haben beide jetzt schon. Mit dem Einzug ins Finale haben sie sich f\u00fcr die anstehenden Kandidatenwettk\u00e4mpfe qualifiziert, bei denen in einem achtk\u00f6pfigen Feld der n\u00e4chste Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen bestimmt wird. Ab heute geht es ums Prestige. Und zus\u00e4tzliche 40.000 Dollar Preisgeld.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle drei Tage schied ein Spieler aus. Von den 128 Schachprofis, die sich im Turniersaal des Fairmont Hotels in Baku zum diesj\u00e4hrigen Worldcup trafen, stehen sich ab heute nur noch zwei Spieler im Finale gegen\u00fcber. 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