{"id":310,"date":"2014-03-13T09:50:40","date_gmt":"2014-03-13T08:50:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/schach\/?p=310"},"modified":"2014-04-02T14:33:37","modified_gmt":"2014-04-02T12:33:37","slug":"liveblog-kandidatenturnier-runde1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/liveblog-kandidatenturnier-runde1\/","title":{"rendered":"Kandidatenturnier: Favorit Aronjan unterliegt Anand"},"content":{"rendered":"<p><em>Heute startet im sibirischen Chanty-Mansijsk das Kandidatenturnier. Acht Gro\u00dfmeister treten an, um den n\u00e4chsten Herausforderer von Magnus Carlsen zu bestimmen. 14 Runden sind angesetzt, jeder gegen jeden jeweils einmal mit den wei\u00dfen und den schwarzen Steinen. Schon heute kommt es zu einem reizvollen Duell zwischen dem Turnierfavoriten Levon Aronjan und dem Ex-Weltmeister Viswanathan Anand. Ich blogge f\u00fcr Sie \u00fcber die erste Runde und begleite Sie durch die spannendsten Momente des heutigen Tages. Der Livestream auf der offiziellen Turnierseite findet sich <a href=\"http:\/\/candidates2014.fide.com\/\">hier<\/a><\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>10:09<\/strong>: Herzlich willkommen, die Spiele haben begonnen! Mein Name ist Ilja Schneider und ich werde Sie heute durch den hoffentlich spannenden Tag f\u00fchren. Aronjan und Anand scheinen ihre Hausaufgaben gut gemacht zu haben \u2013 noch bevor der erste Blog-Post online geht, haben die beiden schon 13 Z\u00fcge absolviert \u2013 ein scharfes Gambit, \u00e4hnlich dem von Armenier so geliebten Marshall-Gambit, steht auf dem Brett. Gambit kommt \u00fcbrigens aus dem Italienischen und hei\u00dft etwa so viel wie &#8222;jemandem ein Bein stellen&#8220;. Im Schach versteht man darunter das Opfer eines Bauern in der Er\u00f6ffnung, um sich Freiraum f\u00fcr seine Figuren zu schaffen.<\/p>\n<p><figure style=\"width: 282px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.eddins.net\/steve\/chess\/ChessImager\/ChessImager.php?fen=r4rk1\/1bpqbppp\/p4n2\/1p2R3\/8\/1B1P3P\/PPPN1PP1\/R1BQ2K1\/&amp;square_size=35&amp;ls_color=(255,255,255)&amp;ds_color=(110,123,139)&amp;coordinates=on\" width=\"282\" height=\"282\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Anand-Aronjan nach dem 13.Zug von Schwarz<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>10:23<\/strong>: Dmitri Andrejkin, den ich gestern noch als absoluten Underdog dargestellt habe, ist auch nicht mit leeren H\u00e4nden zum Kampf erschienen. Heute hat er die M\u00f6glichkeit, ihren Blogger L\u00fcgen zu strafen und die Auslosung hat es gut mit ihm gemeint: Heute trifft er auf seinen guten &#8222;Kunden&#8220; Kramnik, gegen den er zwar das Welt-Cup-Finale verlor, aber vorher mehrfach gewann. Kramnik bietet ihm gerade einen Turm als Lockk\u00f6der an, aber Andrejkin sollte sich zur\u00fcckhalten.<\/p>\n<p><figure style=\"width: 282px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.eddins.net\/steve\/chess\/ChessImager\/ChessImager.php?fen=rnr3k1\/p4p1p\/b3pp2\/1qp5\/1P2Q3\/P4N2\/4PPPP\/R3KB1R\/&amp;square_size=35&amp;ls_color=(255,255,255)&amp;ds_color=(110,123,139)&amp;coordinates=on\" width=\"282\" height=\"282\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Andrejkin &#8211; Kramnik, nach dem 15.Zug von Schwarz. Wei\u00df sollte sich lieber nicht am K\u00f6der-Turm vergreifen.<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>10:40<\/strong> Gar kein verhaltener Beginn, kein Abtasten, wie man es sonst aus der ersten Runde von Spitzenturnieren kennt. Anand hat nun seinen diebischen Turm wieder in Sicherheit gebracht und hat einen &#8222;sicheren&#8220; Bauern mehr &#8211; das Ganze hat aber ganz sch\u00f6n viel Zeit gekostet. Dagegen haben sich Mamedyarow und Topalow in ihrer Partie gegenseitig mit der Waffenwahl \u00fcberrascht und scheinen beide schon nach sieben Z\u00fcgen ihre sicheren Gew\u00e4sser verlassen zu haben.<\/p>\n<p><figure style=\"width: 282px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.eddins.net\/steve\/chess\/ChessImager\/ChessImager.php?fen=r1bqk2r\/pp2ppbp\/n4np1\/2Pp4\/2P5\/3BPN2\/PP1N1PPP\/R1BQK2R\/&amp;square_size=35&amp;ls_color=(255,255,255)&amp;ds_color=(110,123,139)&amp;coordinates=on\" width=\"282\" height=\"282\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Mamedyarow &#8211; Topalow nach dem 7.Zug von Schwarz<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>10:43<\/strong> Was k\u00f6nnen die Jungs hier eigentlich verdienen? An alle Schacher unter Ihnen, die noch mit dem Gedanken lieb\u00e4ugeln, die B\u00fcrokarriere aufzugeben und Schachprofi zu werden: Es lohnt sich nicht! Selbst der Zweitplatzierte nimmt hier &#8222;nur&#8220; 88.000\u20ac mit nach Hause. Der Turniersieger hat es schon etwas besser, denn neben 7000\u20ac an weiterem Preisgeld kommt noch eine Millionengage f\u00fcr das WM-Match hinzu. Andrejkin wird dagegen vermutlich mit schlappen 17.000\u20ac f\u00fcr den letzten Platz Vorlieb nehmen m\u00fcssen. Uli Hoene\u00df k\u00f6nnte das Kandidatenturnier nebst WM also aus seiner Portokasse bezahlen.<\/p>\n<p><strong>11:02<\/strong> Huch, was ist denn da bei Andrejkin gegen Kramnik passiert? So schnell konnte man gar nicht mitverfolgen, wie da die Figuren vom Brett gepurzelt sind. Das Streitobjekt ist nun der wei\u00dfe Bauer auf b6 und die folgenden Z\u00fcge m\u00fcssen zeigen, ob er eher stark ist oder schwach. Bindet er die wei\u00dfen Figuren an seine Verteidigung oder die schwarzen an die Blockade? Die Umwandlung ist nur noch zwei kleine Schritte entfernt&#8230;<\/p>\n<p><figure style=\"width: 282px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.eddins.net\/steve\/chess\/ChessImager\/ChessImager.php?fen=r2r1k2\/5p1p\/pPn1p3\/2p5\/5P2\/4P3\/5P1P\/1R2KB1R\/&amp;square_size=35&amp;ls_color=(255,255,255)&amp;ds_color=(110,123,139)&amp;coordinates=on\" width=\"282\" height=\"282\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Andrejkin &#8211; Kramnik nach dem 26.Zug von Wei\u00df. Der Ex-Weltmeister ist dran und muss sich nun ein Konzept gegen den eingeschleusten Bauern auf b6 ausdenken.<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>11:29<\/strong> Eine kleine Impression von der gestrigen Er\u00f6ffnungsfeier, ein Orgelspieler gibt sein Bestes im Angesicht zweier mystisch ausgeleuchteter Schachbretter. Ganz sch\u00f6n eigenartig ist es in Sibieren!<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_336\" aria-describedby=\"caption-attachment-336\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-336 \" title=\"Copyright: FIDE World Candidates Tournament 2014\" alt=\"Ero\u0308ffnungsfeier\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/schach\/files\/2014\/03\/Ero\u0308ffnungsfeier-580x386.jpg\" width=\"580\" height=\"386\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-336\" class=\"wp-caption-text\">Copyright: FIDE World Candidates Tournament 2014<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>11:37<\/strong> Und ein erstes Ergebnis habe ich auch zu vermelden. Ich w\u00fcnschte, ich m\u00fcsste dies nicht so fr\u00fch tun, aber daf\u00fcr sehe ich mich in meiner gestrigen Prognose best\u00e4tigt. Kramnik spielt wieder pragmatisch-wissenschaftlich und hat nichts gegen ein schnelles Schwarzremis einzuwenden, Andrejkin hat auch mit Wei\u00df keine Durchschlagskraft und nimmt mit, was er kriegen kann. Remis! Mit Schwarz wird Andrejkin in diesem Turnier mit einer solchen Strategie aber leiden.<\/p>\n<p><strong>11:48<\/strong> Anand hat seinen Mehrbesitz zur\u00fcckgegeben und daf\u00fcr Aronjans leichten Druck von seiner Stellung abgesch\u00fcttelt und verf\u00fcgt sogar mit seinen zwei L\u00e4ufern gegen das armenische Springer+L\u00e4ufer-Duo \u00fcber ein wenig Vorteil. Energie und Masse sind im Schach, nicht anders als in der Physik, flie\u00dfende Gr\u00f6\u00dfen, die sich ineinander \u00fcberf\u00fchren lassen. Der schottische Gro\u00dfmeister Jonathan Rowson hat vor einigen Jahren in seinem bahnbrechenden Werk &#8222;Die sieben Tods\u00fcnden des Schachspielers&#8220; versucht, sogar die gesamte Einsteins Formel E=mc\u00b2auf das Schachspiel anzuwenden&#8230;<\/p>\n<p><strong>12:07<\/strong> Es war zu bef\u00fcrchten, dass auch in der Paarung Mamedyarow-Topalow bald nur noch die K\u00f6nige auf e4 und e5 stehen w\u00fcrden, ein Signal f\u00fcr das elektronische \u00dcbertragungsbrett, wenn die Partie Remis ausgegangen ist. Topalow wollte seine beiden Bauern am Damenfl\u00fcgel weggegeben, um im Gegenzug die aserbaidschanischen a2 und b2 zu schnappen. Bei einer so symmetrischen Reststruktur und gleichen verbliebenen Figuren wird nicht viel zum Spielen \u00fcbrig bleiben. Ich hoffte, schon ich war nicht zu optimistisch, als ich von &#8222;Kein Abtasten heute&#8220; schrieb, aber Mamedyarow hatte offensichtlich andere Pl\u00e4ne und nahm nicht auf b6&#8230;<\/p>\n<p><figure style=\"width: 282px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.eddins.net\/steve\/chess\/ChessImager\/ChessImager.php?fen=4k2r\/4p1bp\/1p4p1\/3R1p2\/1B2n3\/4P3\/rP2KPPP\/1R2N2R\/&amp;square_size=35&amp;coordinates=on&amp;ls_color=(255,255,255)&amp;ds_color=(110,123,139)\" width=\"282\" height=\"282\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Mamedyarow &#8211; Topalow nach dem 22.Zug von Schwarz<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>12:29<\/strong> Gestern kam die Frage auf, wie die Spieler \u00fcberhaupt auf die Starterliste in Sibirien gekommen sind und warum zum Beispiel auch sprachlich klangvolle Namen wie Fabiano Caruana und Hikaru Nakamura fehlen. Die Teilnehmerliste wurde aber nicht etwa dem Noch-Pr\u00e4sidenten der FIDE Kirsan Iljumschinow von Au\u00dferirdischen zugefl\u00fcstert (auch wenn er behauptet, von ihnen entf\u00fchrt worden zu sein), hingegen ist ihr Zustandekommen genau reglementiert. Es d\u00fcrfen mitmachen: Der letzte Weltmeister (Anand), die ersten beiden Pl\u00e4tze des letzten Grand-Prix (Mamedyarow, Topalow), die beiden Finalisten des World-Cups (Kramnik, Andrejkin), die beiden \u00fcber die Jahre 2012\/13 im Durchschnitt in der ELO-Weltrangliste am h\u00f6chsten liegenden Spieler (Aronjan, Karjakin) und ein Freiplatz des Ausrichters (Swidler). Dabei ist noch zu beachten, dass eigentlich Kramnik schon \u00fcber die Weltrangliste qualifiziert war und durch seinen Sieg beim World-Cup Karjakin noch die Teilnahme erm\u00f6glicht hat. So wie Alemannia Aachen auch mal Uefa-Cup spielen durfte, als sie im Finale des DFB-Pokals gegen Bremen verloren. Alles klar?<\/p>\n<p><strong>12:31<\/strong> Sie brauchen sich die Einzelheiten des letzten Posts aber nicht genau zu merken, da der Modus st\u00e4ndig ge\u00e4ndert wird. Ich kann mich an keine zwei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaftszyklen erinnern, die auf <em>genau<\/em> gleiche Weise ausgetragen worden sind.<\/p>\n<p><strong>12:37<\/strong> Wo wir gerade bei Karjakin sind. Er spielt gerade gegen seinen Landsmann Peter Swidler eine fetzige Partie in einem sogenannten Taimanow-Sizilianer. Der Erfinder dieser Er\u00f6ffnung Mark Taimanow ist in der Ukraine geboren wie Karjakin und zog danach nach Sankt-Petersburg, wo Swidler jetzt lebt. Mittlerweile ist Taimanow schon alt und spielt kein Schach mehr, sondern zeugt Kinder. Ich werde nie meinen Lachflash vergessen, als ich vor etwa zehn Jahren einen Aufruf in einer Schachzeitung las, wo um finanzielle Zuwendung f\u00fcr einen verarmten Gro\u00dfmeister geworben wurde, der mit 78 noch Zwillinge bekam.<\/p>\n<p><strong>13:28<\/strong> Willkommen zur\u00fcck aus der Mittagspause! Karjakin und Swidler haben sich beide entschieden, nicht das Schicksal zu riskieren und lie\u00dfen sich auf eine Zugwiederholung ein. W\u00e4hrenddessen verkehrt der Turnierfavorit Aronjan in h\u00f6chsten Problem. Er hat gerade noch so die Zeitkontrolle geschafft, nach dem Ausf\u00fchren seines 40. Zuges hatte er noch 2 Sekunden auf der Uhr! Jetzt bekommen beide zun\u00e4chst einmal eine weitere Stunde Bedenkzeit hinzu.<\/p>\n<p><strong>13:33<\/strong> Leider kann ich Ihnen heute noch keine z\u00e4hlbaren Ergebnisse pr\u00e4sentieren. Auch Mamedyarow konnte seine Initiative nicht gewinnbringend verdichten, da er aber schon einen Turm gegen einen bulgarischen L\u00e4ufer gegeben hatte, waren auch seine langfristigen Aussichten nicht mehr rosig. So w\u00e4hlte er den Spatz in der Hand und entschied sich, den schwarzen K\u00f6nig Dauerschach zu setzen. Der Unterschied von Dauerschach und Matt ist, dass beim Letzteren der K\u00f6nig \u00fcberhaupt keine Fluchtfelder hat, beim Dauerschach aber auf zwei oder mehreren Feldern hin und her pendeln kann, um den best\u00e4ndigen Angriffen auszuweichen. In diesem Fall endet die Partie Unentschieden.<\/p>\n<p>Dimitri Andrejkin \u2013 Wladimir Kramnik remis<br \/>\nSergey Karjakin \u2013 Peter Swidler remis<br \/>\nSchachrijar Mamedyarow \u2013 Wesselin Topalow remis<\/p>\n<p>Damit spielen nur noch Anand und Aronjan. Mal sehen, ob der Berliner Levon nicht schon in der allerersten Runde eine gro\u00dfe Ern\u00fcchterung erleben wird.<\/p>\n<p><strong>13:46<\/strong> Swidler und Karjakin sitzen aktuell bei der Pressekonferenz und geben Einblick in ihre Gedankeng\u00e4nge. Aber eigentlich nur der eloquente Swidler. Er ist \u00fcber sein Ergebnis sehr erleichtert, besonders nach &#8222;<em>four months without touching any chess pieces<\/em>&#8222;. Karjakin sitzt dagegen still, fast eingesch\u00fcchtert da und sagt &#8222;Y<em>es<\/em>&#8220; oder &#8222;N<em>o<\/em>&#8222;, wenn er etwas gefragt wird. Man k\u00f6nnte denken, er ist einfach entt\u00e4uscht, eine gute Stellung weggegeben zu haben, aber er ist eigentlich immer so.<\/p>\n<p><strong>13:51<\/strong> Wir haben heute zwei russische Duelle gesehen \u2013 Zufall oder steckt mehr dahinter? In der Tat wollen es die FIDE-Regularien so. Beim Kandidatenturnier werden Spieler einer Nation so fr\u00fch wie m\u00f6glich gegeneinander gelost. Auch morgen und \u00fcbermorgen bleiben die Russen zun\u00e4chst unter sich. Hintergrund ist die Erfahrung beim ber\u00fchmten Kandidatenturnier in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kandidatenturnier_Cura%C3%A7ao_1962\">Curacao<\/a> von 1962. Das wurde damals noch 28-rundig gespielt (jeder gegen jeden vier Mal) und die Russen haben dort mehr oder weniger offen den noch sehr jungen Bobby Fischer ausgebootet, indem sie alle gegeneinander schnell und energiesparend Remis gemacht haben und Fischer und die anderen immer bis aufs Blut bek\u00e4mpften.<\/p>\n<p><strong>14:00<\/strong> Und die erste gro\u00dfe \u00dcberraschung in Chanty-Mansijsk ist Realit\u00e4t. Levon Aronjan konnte seinen Springer nicht mehr retten und gab auf.<\/p>\n<p><figure style=\"width: 282px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.eddins.net\/steve\/chess\/ChessImager\/ChessImager.php?fen=3r2k1\/5pp1\/7p\/1p6\/1R1B4\/1PK2P1P\/1n4P1\/8\/&amp;square_size=35&amp;coordinates=on&amp;ls_color=(255,255,255)&amp;ds_color=(110,123,139)\" width=\"282\" height=\"282\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Anand &#8211; Aronjan nach dem 47.Zug von Wei\u00df: Das Pferd wurde mit dem Lasso eingefangen.<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>14:05<\/strong> Anand ist der erste Tabellenf\u00fchrer im Kandidatenturnier. Wenn man das Turnier jetzt abbrechen w\u00fcrde, h\u00e4tten wir im November einen R\u00fcckkampf zwischen ihm und Magnus Carlsen zu bestaunen. So reizvoll ein erneutes Aufeinandertreffen auch w\u00e4re, so sehr w\u00fcnsche ich mir der Spannung zuliebe einen anderen Herausforderer.<br \/>\nAronjan aber ist jetzt m\u00e4chtig gefordert. So einen Start hat er sich wahrscheinlich nicht mal in seinen schlimmsten Tr\u00e4umen vorgestellt.<\/p>\n<p><strong>14:11<\/strong> Der Armenier l\u00e4sst die obligatorische Pressekonferenz aber geduldig \u00fcber sich ergehen. Er hat die Arme verschr\u00e4nkt und schaut wortlos auf den wiedererbl\u00fcht wirkenden Anand, der Varianten aus der Partie pr\u00e4sentiert. Dieser ist sichtlich zufrieden mit seiner Spielf\u00fchrung, gibt aber auch kleine Ungenauigkeiten bei der Vorteilsverwertung zu.<\/p>\n<p><strong>14:16<\/strong> Aronjan hat nun seine letzten zwei Partien verloren, gegen Anand und beim Turnier in Z\u00fcrich im Februar in der letzten Runde gegen Fabiano Caruana, beide in seiner geliebten Spanischen Er\u00f6ffnung. Schlechtes Omen?<\/p>\n<p><strong>14:23<\/strong> Er nimmt es aber mit Humor. Er fange immer erst an, gut zu spielen, nachdem er eine Partie verloren hat. Und da das Kandidatenturnier besonders wichtig sei, habe er eben auch besonders fr\u00fch mit dem Verlieren angefangen.<\/p>\n<p><strong>14:32<\/strong> Damit verabschiede ich mich heute aus der ZEIT-ONLINE-Redaktion in Berlin, wo ich von allen Seiten bereits mit H\u00e4me \u00fcbergossen werde f\u00fcr meine forsche Prognose von gestern. Wir haben heute eine Auftaktrunde gesehen, die nicht alle Erwartungen erf\u00fcllt, aber auch nicht auf voller Linie entt\u00e4uscht hat. In den n\u00e4chsten Tagen werden die Denkathleten garantiert mehr aus der Deckung gehen, denn sowohl vom Prestige her als auch finanziell z\u00e4hlt hier nur der erste Platz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute startet im sibirischen Chanty-Mansijsk das Kandidatenturnier. 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