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„Feminisierung“ der Schule schadet Jungs nicht

 

Jungs würden in der Schule benachteiligt, weil sie vornehmlich von LehrerINNEN unterrichtet würden – so lautet ein weit verbreitetes Vorurteil (dem zugegebenermaßen auch ich nachhänge).

Der Soziologe Marcel Helbig vom Wissenschaftszentrum Berlin ist diesem Vorurteil nachgegangen. Das Ergebnis seiner Untersuchungen in Kürze:

  1. Männliche Lehrkräfte wirken sich nicht  positiv auf den Bildungserfolg von Jungen aus.
  2. Der pauschale Ruf nach mehr Männern im Lehramt kann sogar nachteilige Folgen für die Kompetenzentwicklung von Jungen und Mädchen haben.

(Wenn Sie hier klicken, kommen Sie zu seinem Beitrag)

Damit ist die Debatte sicher nicht beendet (zum Beispiel ist weiter offen, inwiefern sich die Feminisierung der Schule schädlich auf die Entwicklung der Jungs auswirkt), aber Marcel Helbig hat erst einmal einen wichtigen Pflock eingeschlagen.

18 Kommentare


  1. Ich würde sagen, das ist ein Gefälligkeitsgutachten für das Lehrerinnenklientel…

  2.   Ranjit

    Das grundlegende Problem ist, dass wir Schüler überhaupt nach Geschlechtern einteilen und nicht nach Persönlichkeitsmerkmalen, Fähigkeiten und Präferenzen.

    Natürlich sind Mädchen und Jungs im Schnitt unterschiedlich. Daraus aber Handlungsempfehlungen abzuleiten ist unangebracht. Der Grund ist ein statistischer.

    Während es zwar stimmt, dass Jungen und Mädchen auf verschiedenen Dimensionen im Gruppenmittel unterscheiden, so ist ebenso wahr, dass sich Jungen und Mädchen untereinander stärker unterscheiden.
    Der Abstand zwischen dem Jungen mit den besten Noten und dem mit den schlechtesten ist beispielsweise viel größer als der Abstand der mittleren Noten der Geschlechter.
    (Der Statistiker spricht auch von hoher Intragruppenvarianz im Vergleich zu niedriger Intergruppenvarianz bzw. Fehlervarianz und Treatmentvarianz. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Varianzanalyse )

    Somit macht es mehr Sinn Kinder in direkt inhaltlich Sinnvolle Gruppen (Lernschwache, Lernstarke, Mathematisch begabte, Sportlich begabte usw.) einzuteilen und dementsprechend zu Fördern und Schwächen zu kompensieren als die grobe Geschlechtskategorie anzuwenden.

    Im Schnitt lernen Jungen beispielsweise weniger als Mädchen. Es macht aber keinen Sinn, allen Jungen Lerntrainings und Förderung zukommen zu lassen. Das langweilt die fleißigen Jungs (ja, die gibts auch) und benachteiligt die weniger fleißigen unter den Mädchen. Besser also, Lernschwächen zu diagnostizieren und geschlechtsunabhängig fördern.

    Je weiter wir von dem unseeligen Geschlechtsdiktum wegkommen, desto besser klappt es auch mit der Gleichberechtigung. Denn die armen, schulisch benachteiligten Jungen bekommen für ihre schlechteren Noten trotzdem mehr Gehalt und bessere Positionen.


  3. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von ZEIT ONLINE (all) erwähnt. ZEIT ONLINE (all) sagte: [Weblogs] Das Schulblog: "Feminisierung" der Schule schadet Jungs nicht: Jungs würden in der Schule benachte… http://bit.ly/900X3o […]

  4.   tilzow

    volle Zustimmung!

    Die Studie soll nur von der Frage ablenken, ob zunehmend Frauen in der Schule tätig werden.

  5.   Thomas Kerstan

    Sorry, ich kann mir kaum vorstellen, dass dass WZB Gefälligkeitsgutachten anfertigt. Oder haben Sie Belege für Ihre These?

  6.   Teach

    Und aus welchem Grund sollte man von einer weithin bekannten Tatsache ablenken wollen? Macht für mich keinen Sinn.


  7. Warum schneiden Mädchen insgesamt besser ab?
    Weil Sie die ideale der deutschen Wissensgesellschaft besser erfüllen:
    Teamfähigkeit, Sozialkompetenz etc.

    Wir sind eben kein Volk der Jäger und Sammler mehr.

  8.   ztc77

    Die Arbeit des Herrn Helbig sieht sehr seriös aus. Was sie widerlegt, ist nur die von den MÄNNERN gepushte Genderdebatte, dass Jungen in der Schule benachteiligt seien. Das Problem ist die weithin bekannte Tatsache, dass Männer und Jungen mit Lautstärke und Aggression glaubhaft machen wollen, was wissenschaftlichen und sachlichen Untersuchungen nicht standhält. Da wird dann das Wort von der „weithin bekannten Tatsache“ als sachliches Argument missbraucht, wie hier zu lesen ist.
    Genau diese männliche Haltung, Lügen statt Argumentation, erzieht Frauen und einige Männer zu höherer Intelligenz.
    Ein männlicher Lehrer


  9. Teamfähigkeit und Sozialkompetenz? Sozialer Terror, krankhaft um sich greifender Opportunismus und ein unerträgliches Maß an Gruppendruck trifft es wohl besser. Es geht hier doch wohl weniger um soft skills als um Mangel an Charakter und eigenständigem Denken. Insofern ist es eher ehrenvoll für Jungen, in einer Institution schlechter abzuschneiden, die Anpassung, Mangel an Eigeninitiative, Bravsein und Mittelmaß verlangt.


  10. Polarisierung
    wird Menschen nicht gerecht. Kinder sind Menschen. Wenn Bildungserfolg bedeutet, dass wir vorher schon wissen, was nachher herauskommen soll, werden wir nix neues lernen.
    Ist die Genderfrage nicht ein unbedeutender Placeboschauplatz? Sehr gerne würde ich mal von Pädagogik hören/lesen, die das Wort verdient.

    Schauen Sie sich mal in den Bildungsdebatten um 1975 um. Sie werden staunen, wie solide diese Republik bildungspolitisch Karussell fährt.

 

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