{"id":405,"date":"2011-03-29T16:46:30","date_gmt":"2011-03-29T14:46:30","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/schulblog\/?p=405"},"modified":"2011-03-29T18:43:43","modified_gmt":"2011-03-29T16:43:43","slug":"baden-wurttemberg-%e2%80%93-was-macht-grun-rot-mit-den-schulen-im-bildungsmusterland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/schulblog\/2011\/03\/29\/baden-wurttemberg-%e2%80%93-was-macht-grun-rot-mit-den-schulen-im-bildungsmusterland\/","title":{"rendered":"Baden-W\u00fcrttemberg \u2013 Was hat Gr\u00fcn-rot mit den Schulen im Bildungsmusterland vor?"},"content":{"rendered":"<p>Bin sehr, sehr gespannt, wie die gr\u00fcn-rote Schulpolitik aussehen wird in Deutschlands Bildungsmusterland.<\/p>\n<p>Um schon einmal auf den Geschmack zu kommen, hier die entsprechenden Ausz\u00fcge aus den Wahlprogrammen der Gr\u00fcnen und der SPD f\u00fcr Baden-W\u00fcrttemberg:<\/p>\n<h2><span style=\"color: #339966;\">B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen:<\/span><\/h2>\n<blockquote><p><strong>BADEN-W\u00dcRTTEMBERG BRAUCHT ALLE TALENTE \u2013 VON ANFANG AN<\/strong><br \/>\nBildung ist \u2013 neben der O\u0308kologie \u2013 die wichtigste Zukunftsaufgabe Baden-Wu\u0308rt- tembergs. Bildung ist fu\u0308r uns GRU\u0308NE mehr als der blo\u00dfe Erwerb von Qualifikationen fu\u0308r den Arbeitsmarkt. Bildung bedeutet auch, die Perso\u0308nlichkeit zu entfalten, so- ziale Kompetenzen zu erlernen und die Demokratie wertzuscha\u0308tzen. Ein gerechtes und leistungsfa\u0308higes Bildungssystem fo\u0308rdert den Erfindungsreichtum und die Kre- ativita\u0308t der Menschen in Baden-Wu\u0308rttemberg, es unterstu\u0308tzt ihre Bereitschaft zum Engagement und zum nachhaltigen Handeln. Und: Gut ausgebildete Menschen sta\u0308rken Baden-Wu\u0308rttemberg als Wirtschaftsregion im internationalen Wettbewerb.<br \/>\nWir GRU\u0308NEN stehen fu\u0308r ein sozial gerechtes Bildungssystem, das alle Kinder und Jugendlichen \u2013 unabha\u0308ngig von der Herkunft und vom Einkommen der Eltern \u2013 op- timal fo\u0308rdert, ermutigt und sta\u0308rkt.<br \/>\nBildung geho\u0308rt zu jedem Lebensalter, der Grundstein wird aber in der fru\u0308hen Kindheit gelegt. Fu\u0308r die bestmo\u0308gliche Fo\u0308rderung der ju\u0308ngsten Kinder brauchen wir Einrichtun- gen von ho\u0308chster Qualita\u0308t mit hervorragend ausgebildetem pa\u0308dagogischem Personal.<br \/>\nWir brauchen eine neue Schulkultur, die sich durch Respekt, Wertscha\u0308tzung und Be- teiligung auszeichnet. Bundesweit nimmt Baden-Wu\u0308rttemberg in der Bildung zwar noch einen Spitzenplatz ein, im internationalen Vergleich ist unser Bundesland aber von erfolgreichen La\u0308ndern mit a\u0308hnlicher Wirtschafts- und Sozialstruktur la\u0308ngst ab- geha\u0308ngt worden. Die Ma\u0308ngel sind offensichtlich: Zu viele Schu\u0308lerInnen verlassen die Schule, ohne die notwendigen Grundkompetenzen fu\u0308r ein erfolgreiches Berufsleben erworben zu haben. Weder schwache noch starke oder hochbegabte Schu\u0308lerIn- nen werden optimal gefo\u0308rdert. Trotzdem ha\u0308lt die Landesregierung am gegliederten Schulsystem fest und versucht durch \u201eMogelpackungen\u201c wie die Neue Werkreal- schule die soziale Trennung der Kinder fortzusetzen. Wir GRU\u0308NEN stehen dagegen fu\u0308r ein Bildungswesen, in dem jedes Kind seine Potenziale voll entfalten kann.<br \/>\nWir wollen erreichen, dass Jugendliche nach der Schule einen Anspruch auf eine qua- lifizierte Ausbildung und ein Studium haben. Es soll ihnen die notwendige Zeit und Unterstu\u0308tzung gewa\u0308hrt werden, um erfolgreiche Abschlu\u0308sse zu erzielen. Bildung ist ein Prozess, der den Menschen das ganze Leben lang begleitet. Kunst und Kultur ge- ho\u0308ren fu\u0308r uns zur Daseinsvorsorge. Daher wollen wir GRU\u0308NEN Baden-Wu\u0308rttemberg als \u201eKulturland\u201c ausbauen, die kulturelle Vielfalt fo\u0308rdern und fu\u0308r die Kultureinrich- tungen und Kulturschaffenden im Land angemessene Rahmenbedingungen schaffen.<br \/>\n<strong>LEITIDEE: FR\u00dcHKINDlICHE BIlDUNG AB DEM ERSTEN LEBENSJAHR<\/strong><br \/>\nWissenschaftliche Studien belegen es: Je fru\u0308her Kinder eine Kindertageseinrichtung (Kita) oder einen Kindergarten besuchen, desto besser sind ihre Bildungschancen und ihre spa\u0308teren Schulabschlu\u0308sse. Es ist deshalb eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und die Basis fu\u0308r ein gerechtes Bildungssystem, Kinder mo\u0308glichst fru\u0308h, qualifiziert und individuell zu fo\u0308rdern. Gleichzeitig sollen auch die Eltern durch enge Koopera- tionen auf Augenho\u0308he in ihrer Erziehungskompetenz gesta\u0308rkt werden. In den letz- ten Jahren hat man endlich auch in Baden-Wu\u0308rttemberg den hohen Stellenwert der fru\u0308hkindlichen Bildung erkannt. Es wurden inzwischen zwar Entwicklungen angesto\u00dfen und Projekte auf den Weg gebracht, es fehlt aber ein schlu\u0308ssiges Gesamt- konzept fu\u0308r die fru\u0308hkindliche Bildung ab dem ersten Lebensjahr.<br \/>\n<strong>Kleinkindbetreuung und -bildung zu\u0308gig ausbauen<\/strong><br \/>\nWir GRU\u0308NEN setzen uns fu\u0308r die vollsta\u0308ndige Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Platz in einer Betreuungs- und Bildungseinrichtung fu\u0308r Kinder unter drei Jah- ren (U3) ab 2013 ein. Dafu\u0308r mu\u0308ssen in den na\u0308chsten Jahren erhebliche zusa\u0308tzliche Mittel eingesetzt werden. Das Land soll sich dabei mit einer Drittelfinanzierung be- teiligen. Wir treten dafu\u0308r ein, dass das Landeserziehungsgeld schrittweise in die U3-Betreuungs- und Bildungseinrichtungen umgeschichtet wird. Bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2016 sollen die U3-Bildungs- und Betreuungspla\u0308tze weiter ausgebaut und die pa\u0308dagogischen Rahmenbedingungen spu\u0308rbar verbessert werden.<br \/>\nVor allem Kinder aus bildungsfernen Schichten, Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus sozial benachteiligten Familien wollen wir fu\u0308r die Kleinkindbetreu- ung gewinnen, da sie von einer qualifizierten Fo\u0308rderung, insbesondere von Sprach- fo\u0308rderung, in hohem Ma\u00dfe profitieren werden. Damit dies mo\u0308glich wird, setzen wir uns dafu\u0308r ein, dass das Solidarita\u0308tsprinzip auch hier greift. Das bedeutet, dass die Beitra\u0308ge einkommensabha\u0308ngig erhoben werden sollen.<br \/>\nDen orientierungsplan verbindlich einfu\u0308hren<br \/>\nDie Ziele und Grundlagen der fru\u0308hkindlichen Bildung und Erziehung in Baden- Wu\u0308rttemberg sind im sogenannten Orientierungsplan festgelegt. Wir GRU\u0308NEN fordern eine fla\u0308chendeckende verbindliche Einfu\u0308hrung und Weiterentwick- lung des Orientierungsplans, um fu\u0308r alle Kitas einheitliche Standards und Rahmen- bedingungen fu\u0308r das fru\u0308hkindliche Lernen zu erreichen.<\/p>\n<p>Wir setzen uns fu\u0308r ein ganzheitliches Sprachfo\u0308rderkonzept ein, das in den Alltag der Kitas integriert wird. Das von der Landesregierung vorgeschlagene Testverfahren durch Sprachscreenings, das im Rahmen der Einschulungsuntersuchung eingefu\u0308hrt werden soll, lehnen wir als unzureichend ab.<br \/>\nWir setzen uns dafu\u0308r ein, dass diese Sprachtests durch eine systematische Beobach- tung und Dokumentation der Sprachentwicklung der Kinder sowie die dazugeho\u0308- renden Elterngespra\u0308che ersetzt werden. Fu\u0308r die Kleinkindbetreuungseinrichtungen soll der Orientierungsplan in den na\u0308chsten fu\u0308nf Jahren mit den Tra\u0308gern weiterent- wickelt werden und verbindlich gelten.<br \/>\n<strong>Eng mit den Grundschulen kooperieren<\/strong><br \/>\nKitas haben einen eigensta\u0308ndigen anspruchsvollen Bildungs- und Erziehungsauftrag, der sich an den fru\u0308hkindlichen Bedu\u0308rfnissen des ganzheitlich ausgerichteten spiele- rischen Lernens orientiert. Die Grundschule hat den Auftrag, die Kinder dort abzu- holen, wo sie in ihrem jeweiligen Entwicklungsstand stehen, und ihrer Heterogenita\u0308t durch kindgerechte und individualisierende Lernkonzepte gerecht zu werden. Wir setzen auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Grundschule und Kitas. Wir wollen aber Kinder nicht \u201eschulreif\u201c trimmen, vielmehr sollen Lehrkra\u0308fte und ErzieherIn- nen in gemeinsamer Verantwortung den U\u0308bergang jedes Kindes von der Kita in die Grundschule konzeptionell vorbereiten und begleiten. Dabei sollen die Fachkra\u0308fte aus beiden Institutionen mehr Zeit erhalten, um die pa\u0308dagogische Arbeit zu verzahnen.<br \/>\n<strong>Inklusion verbindlich im Kindergartengesetz festschreiben<\/strong><br \/>\nDas Ziel der UN-Behindertenrechtskonvention, schrittweise ein inklusives Bildungs- wesen einzufu\u0308hren, gilt auch fu\u0308r Kitas und muss verbindlich ins Kindergartenge- setz aufgenommen werden. Fu\u0308r inklusiv arbeitende Gruppen mu\u0308ssen verla\u0308ssliche<br \/>\nRahmenbedingungen wie maximale Gruppengro\u0308\u00dfen festgelegt werden. Auf der Grundlage von Entwicklungsbeobachtung sollen mit den Eltern Zusatzangebote fu\u0308r die motorische, soziale, kognitive oder sprachliche Fo\u0308rderung der Kinder be- sprochen werden. Die Mo\u0308glichkeiten fu\u0308r diese erweiterte Fo\u0308rderung ko\u0308nnen von interdisziplina\u0308ren Teams, dem heilpa\u0308dagogischen Fachdienst sowie von sonderpa\u0308- dagogischen Fachkra\u0308ften in Poolstellen geschaffen werden.<br \/>\n<strong>Gut ausgestattete Kitas fu\u0308r eine echte Erziehungspartnerschaft<\/strong><br \/>\nWir GRU\u0308NEN treten fu\u0308r einen fla\u0308chendeckenden Ausbau der Kitas zu wohnortna- hen Familienzentren ein, um die Erziehungsaufgaben der Familien von Geburt an zu unterstu\u0308tzen. Wir setzen uns dafu\u0308r ein, dass nicht nur Standorte mit flexiblen Betreuungszeiten geschaffen werden, sondern auch Standorte, in denen die Fa\u0308hig- keiten und Interessen der Kinder fru\u0308hzeitig gefo\u0308rdert werden, wo Austausch und Kontakt im Alltag fu\u0308r Familien mo\u0308glich ist und Familien fachliche Beratung und Unterstu\u0308tzung erhalten ko\u0308nnen.<br \/>\n<strong>Aktionsplan fu\u0308r gut ausgebildete Fachkra\u0308fte<\/strong><br \/>\nDie Sicherung und der weitere Ausbau der Qualita\u0308t in den Kitas ko\u0308nnen nur gelingen, wenn ausreichend Fachpersonal zur Verfu\u0308gung steht. Bis Mitte na\u0308chsten Jahres sollen bereits 5.000 neue Fachkra\u0308fte gewonnen werden \u2013 so sieht es die neue Ver- einbarung der Landesregierung mit dem Gemeinde- und Sta\u0308dtetag vor. Aber das reicht bei Weitem nicht aus: Bei einem zusa\u0308tzlichen Bedarf von rund 12.500 neuen Fachkra\u0308ften fu\u0308r die fru\u0308hkindliche Bildung in den na\u0308chsten Jahren ist jetzt schon abzusehen, dass die Bemu\u0308hungen der Landesregierung, dem Fachkra\u0308ftemangel entgegenzuwirken, nicht ausreichend sind.<\/p>\n<p>Wir GRU\u0308NEN fordern deshalb einen Aktionsplan fu\u0308r mehr Fachkra\u0308fte in den Ki- tas. Auch der Genderaspekt muss dabei beru\u0308cksichtigt werden: Da der Anteil des ma\u0308nnlichen Personals aktuell bei nur 2 Prozent liegt, mu\u0308ssen gezielt junge Ma\u0308nner als Erzieher angeworben werden. Um die Attraktivita\u0308t des Berufs zu steigern und die Professionalita\u0308t des pa\u0308dagogischen Fachpersonals zu erho\u0308hen, setzen wir uns dafu\u0308r ein, die Studienga\u0308nge mit Bachelorabschluss an den Fachhochschulen und Pa\u0308dagogischen Hochschulen zu\u0308gig auszubauen und auf die Dualen Hochschulen auszudehnen. Auch der U\u0308bergang von der Fachschule fu\u0308r Sozialpa\u0308dagogik zur Hochschule muss erleichtert werden. Ein konsequenter Kita-Ausbau sollte zudem mit einer intensiven Imagekampagne fu\u0308r den ErzieherInnenberuf gekoppelt wer- den. Wir setzen uns dafu\u0308r ein, dass die Arbeit des Fachpersonals in Kitas angemes- sen bezahlt wird, seine Arbeitsbedingungen verbessert und ihm berufliche Entwick- lungs- und Aufstiegsmo\u0308glichkeiten ero\u0308ffnet werden.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nLEITIDEE: DIE NEUE SCHULE: VIELFALT, GERECHTIGKEIT UND BESSERE LEISTUNGEN<\/strong><br \/>\nWir GRU\u0308NEN wollen ein sozial gerechtes Schulsystem fu\u0308r Baden-Wu\u0308rttemberg, das die Individualita\u0308t und Leistung jedes Kindes fo\u0308rdert. Statt Kinder fru\u0308h in verschiedene Schubladen zu sortieren, wollen wir jedem Kind die Mo\u0308glichkeit geben, sein indi- viduelles Bildungsziel zu erreichen. Alle Kinder lernen mit- und voneinander. Durch vielfa\u0308ltige Lernwege wird individuelle Unterstu\u0308tzung fu\u0308r jedes Kind ermo\u0308glicht.<br \/>\n<strong>Blockaden fu\u0308r Schulentwicklung auflo\u0308sen<\/strong><br \/>\nDas Schulsystem in Baden-Wu\u0308rttemberg ist durch soziale Ungerechtigkeit und Sortierwahn gepra\u0308gt, die fu\u0308r Eltern, Lehrkra\u0308fte und Schu\u0308lerInnen viel Stress und Druck bedeuten. Das fru\u0308he Aufteilen der Kinder auf verschiedene Schularten nach der 4. Klasse erzeugt bei vielen Schu\u0308lerInnen Versagensa\u0308ngste, entmutigt sie und hat negative Auswirkungen auf ihr Lernverhalten und ihre Lernfreude. Welche Grundschulempfehlung ein Kind bekommt, ha\u0308ngt in hohem Ma\u00dfe von seiner so- zialen Herkunft ab und macht damit vor allem Kinder aus sozial schwachen und benachteiligten Elternha\u0308usern zu Bildungsverlierern, oft ungeachtet ihrer kogniti- ven Leistungen und Leistungsfa\u0308higkeit. Das ist ungerecht und la\u0308sst viel Potenzial ungenutzt, das unser Land aber dringend braucht. Wir GRU\u0308NEN stehen deshalb fu\u0308r offene Bildungswege ohne Barrieren. Das gegliederte Schulsystem wird der kom- plexen Lern- und Lebenssituation von Kindern heute nicht mehr gerecht.<br \/>\nTrotz des gro\u00dfen pa\u0308dagogischen Engagements der Lehrkra\u0308fte ist die Hauptschule vielerorts vom Aussterben bedroht. Keines der zahlreichen vom Kultusministerium verordneten \u201eFitnessprogramme\u201c konnte dies verhindern, und auch mit dem Eti- kett \u201eNeue Werkrealschule\u201c wird eine Schulart, die keine Akzeptanz mehr besitzt, nicht besser. Die Einfu\u0308hrung des Turbo-Gymnasiums (G8) hat den Druck in den Gymnasien enorm erho\u0308ht \u2013 vielfach u\u0308ber die Grenzen des Ertra\u0308glichen hinaus \u2013, dennoch ist der Trend zum Gymnasium ungebrochen.<br \/>\nDass rund ein Drittel aller AbiturientInnen die allgemeine Hochschulreife nicht u\u0308ber die allgemeinbildenden, sondern u\u0308ber die beruflichen Gymnasien erlangt, zeigt, dass das gegliederte Schulsystem und das Schubladendenken der individuellen Leistungsfa\u0308higkeit der Kinder sowie der Komplexita\u0308t ihrer Lern- und Lebens- situationen heute nicht gerecht werden.<\/p>\n<p>Die Landesregierung blockiert bislang rigoros alle innovativen Schulentwicklungs- initiativen, die seit Jahren von Schulen und Kommunen entwickelt und beantragt werden und diesem Schubladendenken nicht entsprechen. Dies ist Ausdruck der bu\u0308rokratischen Verkrustung unseres Bildungswesens sowie der Angst vor einer neu- en freiheitlichen und lebendigen Schulkultur. Wir GRU\u0308NEN stehen fu\u0308r eine Schul- entwicklung von unten und wollen dafu\u0308r die notwendigen Freira\u0308ume schaffen.<br \/>\n<strong>Vom Lernen im Gleichschritt zur individuellen Fo\u0308rderung<\/strong><br \/>\nIm gegliederten Schulsystem fu\u0308hrt die Orientierung an einem einheitlichen Niveau in jeder Schulart dazu, dass starke Schu\u0308lerInnen unter- und schwache Schu\u0308lerInnen u\u0308berfordert werden. Baden-Wu\u0308rttemberg braucht jedoch alle Talente, um seine Sta\u0308rken im internationalen Wettbewerb zu halten und auszubauen. Es ist ungerecht und aus wirtschaftlicher Sicht verantwortungslos, rund ein Viertel der Schu\u0308lerInnen verloren zu geben.<br \/>\nSchulen, die heute schon individuelle Fo\u0308rderung praktizieren, sto\u00dfen schnell an die Grenzen des hierarchisch gegliederten Schulsystems, denn selektive Strukturen zwingen zur starren Vereinheitlichung der Anforderungen, innerhalb derer echte individuelle Fo\u0308rderung als Begu\u0308nstigung Einzelner erscheint. Fu\u0308r uns GRU\u0308NE ge- ho\u0308rt deshalb zur neuen Schul- und Lernkultur auch die Mo\u0308glichkeit fu\u0308r die Schul- tra\u0308ger, hier neue Wege zu gehen: Eine integrative und inklusive Schule, die Kinder, statt sie zu sortieren, gemeinsam entsprechend ihren individuellen Begabungen fo\u0308rdert, ist keine Utopie, sondern ein weltweiter Standard. Die Entwicklung von neuen Schulmodellen muss deshalb auch in Baden-Wu\u0308rttemberg so schnell wie mo\u0308glich eingeleitet werden.<\/p>\n<p><strong>Schulentwicklung von unten: Gemeinden gestalten ihre Schulen<\/strong><br \/>\nSchulen sind ein lebendiger Teil einer Gemeinde. Deshalb wollen wir GRU\u0308NEN mit einer Novelle des Schulgesetzes den Kommunen mehr Verantwortung fu\u0308r ihre Schulen, fu\u0308r ihre Schulstruktur und fu\u0308r die Neuordnung der Schulstandorte (regio- nale Bildungsplanung) geben. Dies erfordert zum einen eine neue Verteilung der Zusta\u0308ndigkeiten von Land, Kommunen und Schulen, zum anderen aber auch eine neue innere Struktur der Schulen und eine sta\u0308rkere Einbindung der Schulen in die kommunale Verantwortung. Auf der Basis der Voten der Schulkonferenz und der Schulverwaltung sollen die Schulleitungen auf Zeit von den kommunalen Gremien gewa\u0308hlt werden. Sie sind fu\u0308r die pa\u0308dagogische Arbeit und die Personalfu\u0308hrung zusta\u0308ndig. Fu\u0308r die reine Verwaltungsarbeit ko\u0308nnen VerwaltungsassistentInnen ein- gestellt werden.<br \/>\nEine konsequente Evaluation der Schulen durch das Land sorgt fu\u0308r die Vergleich- barkeit der Schu\u0308lerleistungen an den einzelnen Schulen, wobei jedoch der sozia- le Hintergrund der Schu\u0308lerInnen und der jeweiligen Schule stets mitberu\u0308cksichtigt werden muss. Gru\u0308ne Schulpolitik setzt darauf, dass die Gemeinden die lokalen und regionalen Herausforderungen und Besonderheiten im Bildungsbereich genau ken- nen und deshalb gezielt handeln ko\u0308nnen, auch was die Vernetzung der jetzt parallel laufenden sozialen Hilfesysteme mit einer guten und breit angelegten Schulsozial- arbeit angeht.<br \/>\n<strong>Wir lassen die Schule im Dorf: Eine wohnortnahe Schule fu\u0308r alle<\/strong><br \/>\nDer demografische Wandel macht sich inzwischen auch an den Schulen Baden- Wu\u0308rttembergs bemerkbar. Die Schu\u0308lerInnenzahlen gehen insgesamt zuru\u0308ck. In Verbindung mit den seit Jahren sinkenden U\u0308bergangszahlen zu den Hauptschulen wird dies in den na\u0308chsten Jahren zu einem dramatischen Haupt- und Werkreal- schulsterben fu\u0308hren, weil diese die erforderlichen und pa\u0308dagogisch wu\u0308nschenswer- ten Mindestgro\u0308\u00dfen bei Weitem nicht mehr erreichen ko\u0308nnen. Wird das gegliederte Schulsystem beibehalten, wird in den Jahren 2015 bis 2020 nur noch ein Drittel aller Gemeinden u\u0308ber eine weiterfu\u0308hrende Schule verfu\u0308gen. Gymnasien, Realschu- len, Werkrealschulen und die wenigen Hauptschulen konzentrieren sich dann vor allem auf Gemeinden mit mehr als 10.000 EinwohnerInnen.<br \/>\nDie Landesregierung hat mit der Einfu\u0308hrung der Neuen Werkrealschule diesen Zen- tralisierungsprozess und das Schulsterben im la\u0308ndlichen Raum massiv beschleunigt. Wir GRU\u0308NEN wollen deshalb das Anliegen vieler Kommunen, ihre Schulstandorte durch ein gro\u0308\u00dftmo\u0308gliches Angebot an weiterfu\u0308hrenden Bildungswegen innerhalb einer Schule zukunftsfa\u0308hig auszugestalten, aktiv unterstu\u0308tzen.<br \/>\nDie Einfu\u0308hrung von zwei- oder dreizu\u0308gigen Basisschulen als Gemeinschaftsschulen fu\u0308r alle Kinder kann, bei gezielter regionaler Planung, zwei Drittel der Gemeinden eine Sekundarschule ermo\u0308glichen.<br \/>\n<strong>Anreize fu\u0308r innovative Schulentwicklung schaffen<\/strong><br \/>\nEtwa 60 Kommunen in Baden-Wu\u0308rttemberg, darunter viele gro\u0308\u00dfere Sta\u0308dte, haben bereits Antra\u0308ge auf Genehmigung von neuen, integrativen Modellschulen gestellt. Sie wollen dabei nicht nur ihre Standorte attraktiver gestalten, sondern auch den Wu\u0308nschen vieler Eltern nach neuen Schulformen entgegenkommen. Wir GRU\u0308NEN unterstu\u0308tzen diese kommunalen Initiativen und setzen uns fu\u0308r die Genehmigung der Antra\u0308ge ein.<br \/>\nAllen Schulen, die sich auf diesen Weg machen, wollen wir ein Fortbildungs- und Innovationsbudget zur Unterstu\u0308tzung ihrer Teamentwicklung und fu\u0308r die Erarbei- tung neuer Kompetenz- und Lernkonzepte zur Verfu\u0308gung stellen. Die Schulen er- halten die Mo\u0308glichkeit, Selektionsinstrumente wie die Versetzungs- und Noten- verordnung aufzuheben. Im Gegenzug mu\u0308ssen sie ihre Schulentwicklungsprozesse evaluieren und offenlegen. Bei Schulen, die Schu\u0308lerInnen der gesamten Bandbreite der Vielfalt unterrichten, orientiert sich die Ressourcenzuweisung am neuen Zuwei- sungsmodus der maximalen Klassengro\u0308\u00dfe. Die maximale Klassengro\u0308\u00dfe wollen wir auf 25 Schu\u0308lerInnen festlegen.<br \/>\nBei besonderer pa\u0308dagogischer und sozialer Aufgabenstellung werden zusa\u0308tzliche Stunden fu\u0308r Kleingruppenbildungen zugewiesen. Alle weiterfu\u0308hrenden Schulen des Landes ko\u0308nnen sich zu solchen Basisschulen als Gemeinschaftsschulen fu\u0308r alle Kin- der weiterentwickeln.<br \/>\nDie Basisschule als Gemeinschaftsschule fu\u0308r alle Kinder sowie als innovative und leistungsfo\u0308rdernde schule Die Basisschule ist eine Gemeinschaftsschule fu\u0308r alle Kinder. Sie baut auf einer oder mehreren vierja\u0308hrigen Grundschule\/-n auf und soll in der Regel mindestens zweizu\u0308gig sein, um die fachliche Spezialisierung der Lehrkra\u0308fte zu nutzen und eine vielfa\u0308ltige Profilbildung zu ermo\u0308glichen. Die Basisschule umfasst alle Bildungsga\u0308n- ge der Sekundarstufe I und fu\u0308hrt nach dem 10. Schuljahr zu einem differenzierten mittleren Bildungsabschluss.<br \/>\nAlle Basisschulen entwickeln eine neue Lehr- und Lernkultur. Gruppen von eigen- sta\u0308ndig lernenden Schu\u0308lerInnen in offenen Ra\u0308umen pra\u0308gen das Bild der Schulen, nicht Frontalunterricht hinter verschlossenen Klassenzimmertu\u0308ren im 45-Minuten-<br \/>\nTakt. Arbeit in Kleingruppen, individuelles Erarbeiten sowie Projektarbeit werden von der Ausnahme zum Regelfall. Jedes einzelne Kind kann so in angemessenem Tempo seine Fa\u0308higkeiten und Sta\u0308rken bestmo\u0308glich entwickeln, wobei die indivi- duelle Fo\u0308rderung der Sta\u0308rken im Mittelpunkt steht. Dabei soll keine Schu\u0308lerin und kein Schu\u0308ler unter- oder u\u0308berfordert sein. Damit ergeben sich Verbesserungen der Lernsituation und des Lernerfolgs fu\u0308r die leistungsstarken wie auch fu\u0308r die leis- tungsschwachen Schu\u0308lerInnen. U\u0308ber Kompetenzraster kann der Lernstand jedes Schu\u0308lers und jeder Schu\u0308lerin erfasst und der weitere Lernweg geplant werden. Die Lehrkra\u0308fte begleiten ihre Schu\u0308lerInnen auf ihrem Lernweg und u\u0308berpru\u0308fen die Lernfortschritte. Neue Formen der Leistungsru\u0308ckmeldung wie Lernentwicklungsge- spra\u0308che und -berichte sowie Portfolios fu\u0308hren stufenweise zur Notengebung in den ho\u0308heren Jahrga\u0308ngen. Berufsorientierung und Berufspraktika erhalten einen hohen Stellenwert fu\u0308r alle Schu\u0308lerInnen.<br \/>\nDie Basisschule als Gemeinschaftsschule fu\u0308r alle Kinder erlaubt ein Maximum an Flexibilita\u0308t innerhalb verbindlicher Leitplanken: der Bildungspla\u0308ne. Diejenigen Schulen in Baden-Wu\u0308rttemberg, die diesen Weg schon gehen, ko\u0308nnen als Beispiele guter Praxis dienen.<br \/>\nIn der Basisschule werden die Grundlagen fu\u0308r weitere schulische und berufliche Bil- dungswege geschaffen. Nach einem mittleren Abschluss o\u0308ffnen sich fu\u0308r die Schu\u0308- lerInnen vielfa\u0308ltige Bildungs- und Ausbildungswege: Sie ko\u0308nnen sich z.B. fu\u0308r eine duale Ausbildung entscheiden und bei guten Leistungen und zusa\u0308tzlichen Bildungs- angeboten am Ende der Ausbildung eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben oder sie besuchen eine Berufsfachschule oder ein Berufskolleg. Gute Schu\u0308lerInnen ko\u0308nnen auch schon nach der mittleren Reife in eine allgemeinbildende oder in eine berufliche gymnasiale Oberstufe wechseln. Dabei treten wir fu\u0308r einen Rechtsan- spruch ein \u2013 wenn die Aufnahmevoraussetzungen dafu\u0308r erfu\u0308llt werden.<br \/>\nDurch die Individualisierung des Unterrichts ko\u0308nnen auch die Lernzeiten individuell ausgestaltet werden. So ko\u0308nnen Schu\u0308lerInnen nach der 9. Klasse in die gymnasiale Oberstufe wechseln. In einer sich vera\u0308ndernden Schullandschaft soll sich auch die gymnasiale Oberstufe weiterentwickeln. Wir wollen vielfa\u0308ltige Profilbildungen in der Oberstufe ermo\u0308glichen, die den Neigungen und den Leistungen der Schu\u0308lerIn- nen entsprechen.<br \/>\nDie Basisschule als Gemeinschaftsschule fu\u0308r alle Kinder soll sich zu einem Ort der gelebten Demokratie entwickeln, an dem eine neue Kultur der Beteiligung selbst- versta\u0308ndlich ist. Die Schulkonferenz, in der das Lehrpersonal, die Schu\u0308lerschaft, die Eltern und der Schultra\u0308ger viertelparita\u0308tisch vertreten sind, trifft letztendlich die wesentlichen Entscheidungen fu\u0308r die Schule. Dazu geho\u0308rt auch die Einstellung von Personal im Rahmen eines Personalbudgets.<br \/>\nDie Basisschule soll im Schulgesetz verankert werden. Wir GRU\u0308NEN streben an, dass sich ja\u0308hrlich 10 Prozent der weiterfu\u0308hrenden Schulen zu Basisschulen weiterentwickeln.<br \/>\n<strong>Mehr Flexibilita\u0308t und Lernchancen an allen bestehenden Schularten<\/strong><br \/>\nUm den Druck aus der Grundschule herauszunehmen, wollen wir die Grundschul- empfehlung abschaffen und durch eine qualifizierte Beratung der Eltern ersetzen. Die Eltern treffen die Entscheidung u\u0308ber die weiterfu\u0308hrende Schule fu\u0308r ihr Kind. Wir wollen fu\u0308r bessere Lernbedingungen durch kleinere Klassen sowie Differen- zierungskontingente an allen bestehenden Schularten sorgen. Jede Schule kann zu einer offenen oder gebundenen Ganztagsschule weiterentwickelt werden. Die Schulen mu\u0308ssen mehr Freira\u0308ume erhalten, um unterschiedliche Lernniveaus sowie flexiblere Lernzeiten anbieten zu ko\u0308nnen.<br \/>\nDamit wird die Durchla\u0308ssigkeit im Bildungswesen insgesamt erho\u0308ht. Unsere Vor- stellungen im Einzelnen: \u2022\u00a0\u00a0 \u00a0Das achtja\u0308hrige Gymnasium (G8) soll weiterhin die Regelform bleiben. Ob-<br \/>\nwohl durch das hohe Lerntempo im G8 Schu\u0308lerInnen und LehrerInnen unter ho\u0308herem Druck stehen, ist eine erneute Umstrukturierung aller Gymnasien derzeit nicht sinnvoll. Die gestrichenen zwei Poolstunden im G8 werden wie- der gewa\u0308hrt, sodass insgesamt zwo\u0308lf Poolstunden fu\u0308r individuelle Fo\u0308rderung und Differenzierungsma\u00dfnahmen zur Verfu\u0308gung stehen.<br \/>\n\u2022\u00a0\u00a0 \u00a0Wir wollen den Gymnasien aber die Mo\u0308glichkeit geben, entweder ein Bru\u0308- ckenjahr nach der 9. Klasse einzurichten oder zuna\u0308chst als Schulversuch auf Wunsch der Schulkonferenz und auf Antrag des jeweiligen Schultra\u0308gers zwei Geschwindigkeiten in der Unter- und Mittelstufe bis zur mittleren Reife zuzu- lassen. Im Bru\u0308ckenjahr nach der 9. Klasse vor Eintritt in die Oberstufe ko\u0308nnen der gymnasiale Lernstoff der vergangenen Jahre wiederholt und gefestigt so- wie der Realschulabschluss erworben werden. QuereinsteigerInnen nach der 9. Klasse aus der Realschule ko\u0308nnen in diesem Bru\u0308ckenjahr auf den U\u0308bergang in die allgemeinbildende gymnasiale Oberstufe vorbereitet werden.<br \/>\n\u2022\u00a0\u00a0 \u00a0Wir GRU\u0308NEN wollen allen Hauptschu\u0308lerInnen ein 10. Schuljahr zum Erwerb der mittleren Reife ermo\u0308glichen \u2013 und zwar ohne Notenhu\u0308rde nach der 9. Klas- se. Die Abschaffung der Notenhu\u0308rde gilt auch fu\u0308r Werkrealschulen.<br \/>\n\u2022\u00a0\u00a0 \u00a0Realschulen wollen wir gestatten, bei entsprechender Nachfrage eine zweite Fremdsprache ab der 5. Klasse anzubieten. Dadurch ko\u0308nnen sie ihre Schu\u0308lerInnen besser auf den U\u0308bergang in eine allgemeinbildende oder berufliche<br \/>\ngymnasiale Oberstufe oder in eine duale Ausbildung vorbereiten. \u2022\u00a0\u00a0 \u00a0Notwendig ist angesichts des wachsenden Fachkra\u0308ftebedarfs auch eine insge- samt bessere berufliche Vorbereitung an allen weiterfu\u0308hrenden Schulen, damit die Schu\u0308lerInnen die Anforderungen einer anspruchsvollen dualen Ausbildung<br \/>\nerfolgreich bewa\u0308ltigen ko\u0308nnen.<br \/>\n<strong>LEITIDEE: CHANCENGERECHTIGKEIT IN DER BILDUNG<\/strong><br \/>\nBaden-Wu\u0308rttemberg schneidet bei Studien zur Bildungsgerechtigkeit seit Jahren sehr schlecht ab. Wir GRU\u0308NEN wollen dieser Vergeudung von Chancen und Talen- ten entschieden entgegenwirken. Mit der Basisschule als Gemeinschaftsschule fu\u0308r alle Kinder kann dies gelingen, weil sie nicht von vorneherein Kinder aus benach- teiligten Familien ausschlie\u00dft. Kinder aus benachteiligten Elternha\u0308usern und Kinder mit Sprachproblemen ko\u0308nnen von der individuellen Fo\u0308rderung in der Basisschule besonders profitieren, weil hier z.B. gezielte Sprachfo\u0308rderungsma\u00dfnahmen oder das Fach \u201eDeutsch als Zweitsprache\u201c angeboten werden. Die gute Kenntnis der deutschen Sprache ist fu\u0308r den Bildungserfolg die wichtigste Voraussetzung.<br \/>\nDie Basisschule betrachtet kulturelle Vielfalt als Wert und als Ressource. Dieses in- terkulturelle Leitbild soll sich auch in der Zusammensetzung des Lehrkollegiums an allen Schulen widerspiegeln: Wir wollen mit einem Fo\u0308rderprogramm gezielt Lehr- kra\u0308fte mit Migrationshintergrund anwerben, auch akademisch ausgebildete Quer- einsteigerInnen mit berufsbegleitender didaktischer und pa\u0308dagogischer Ausbil- dung. Ihre interkulturellen Kompetenzen, z.B. ihre muttersprachlichen Kenntnisse, sollen zertifiziert und an allen Schulen als Zusatzqualifikation bei der Einstellung beru\u0308cksichtigt werden.<br \/>\nZur Unterstu\u0308tzung von Kindern mit Migrationshintergrund sollen BildungslotsInnen und LernpatInnen gewonnen werden. Wir treten auch dafu\u0308r ein, dass die U\u0308bermitt- lungspflicht fu\u0308r Schulen in \u00a7 87 des Aufenthaltsgesetzes abgeschafft wird, damit auch Kinder ohne Aufenthaltsstatus ohne Angst vor Entdeckung die Schule besu- chen ko\u0308nnen. Besonders wichtig ist uns zudem die Erweiterung des Angebots in der rhythmisierten Ganztagsschule, weil hier mehr Mo\u0308glichkeiten der Unterstu\u0308tzung durch die Lehrkra\u0308fte, aber auch der Schu\u0308lerInnen untereinander bestehen. Dabei sind neben Angeboten im kognitiven Bereich auch musisch-kreative und bewe- gungsintensive Elemente wichtig. Den muttersprachlichen Unterricht wollen wir schrittweise ins regula\u0308re Schulangebot integrieren. Er soll ku\u0308nftig als erweitertes Bildungsangebot in der Ganztagsschule oder als zweite oder dritte Fremdsprache an den Schulen bedarfsorientiert angeboten werden.<br \/>\n<strong>Ganztagsschulen: Vom Schulversuch zur Regelschule<\/strong><br \/>\nWir GRU\u0308NEN setzen uns fu\u0308r den Rechtsanspruch auf einen Platz an einer Ganz- tagsschule ein. Die Ganztagsschule soll als Regelform im Schulgesetz verankert werden. Den seit u\u0308ber 20 Jahren bestehenden Schulversuchsstatus wollen wir da- mit endlich beenden. Wir fordern einen raschen Ausbau der Ganztagsschulen, da der Bedarf in den na\u0308chsten Jahren deutlich zunehmen wird.<br \/>\nWo Ganztagsschule draufsteht, muss auch Ganztagsschule drin sein: Unser Ziel ist eine rhythmisierte Ganztagsschule, in der Unterricht, Lernzeit, Arbeitsgemein- schaften sowie Freizeit- und Bildungsangebote sinnvoll u\u0308ber den Schultag verteilt<br \/>\nwechseln, wobei individuelle Gestaltungsfreira\u0308ume mo\u0308glich sein mu\u0308ssen. Die ta\u0308g- liche Sportstunde geho\u0308rt genauso dazu wie musisch-kulturelle Angebote, z.B. In- strumentalklassen, Kunstprojekte und Schultheater. Fu\u0308r die Umsetzung dieser An- gebote sollen die Ganztagsschulen eng mit der au\u00dferschulischen Jugendbildung kooperieren \u2013 auf gleicher Augenho\u0308he und auf der Basis von kostendeckenden Honoraren. Fu\u0308r den Ausbau der Ganztagsschulen sind zusa\u0308tzliche Lehrerstunden und ein Budget fu\u0308r au\u00dferschulische Lehrbeauftragte notwendig. Das bisherige eh- renamtliche Jugendbegleiterprogramm ist bei Weitem nicht ausreichend. Bestand- teil der Ganztagsschule muss ein qualitativ hochwertiges Schulmittagessen aus vor- wiegend regionaler und biologischer Erzeugung sein.<br \/>\nWir setzen uns dafu\u0308r ein, dass Lehrerstunden fu\u0308r Ganztagsschulen mit besonderen pa\u0308dagogischen und sozialen Aufgabenstellungen nicht reduziert werden, sondern dauerhaft erhalten bleiben. Die Landesregierung sieht fu\u0308r den Ausbau der Ganz- tagsschulen 1.850 neue Lehrerstellen vor. Wir wollen zusa\u0308tzlich 1.000 Deputate zur Verfu\u0308gung stellen \u2013 wahlweise entweder als erga\u0308nzende Lehrerstunden oder als Lehrbeauftragtenmittel.<br \/>\n<strong>Schule der Vielfalt \u2013 Schule der Inklusion<\/strong><br \/>\nWir GRU\u0308NEN fordern, dass endlich die verbindlichen Vorgaben der UN-Konven- tion fu\u0308r die Rechte von Menschen mit Behinderungen an den Schulen umgesetzt werden. Baden-Wu\u0308rttemberg ist dadurch verpflichtet, schrittweise ein inklusives Bildungssystem einzufu\u0308hren. Im Gegensatz zur Landesregierung, die bis zum Jahr 2013 an der Sonderschulpflicht festhalten will, wollen wir die Sonderschulpflicht sofort abschaffen.<\/p>\n<p>Eltern behinderter Kinder sollen selbst entscheiden, ob ihre Kinder eine Regelschule oder eine Sonderschule besuchen. Dieses uneingeschra\u0308nkte Wahlrecht wollen wir im Schulgesetz verankern. Dem Wunsch der Eltern nach dem Schulort ist Rechnung zu tragen. Kinder mit Behinderungen haben ein Recht auf optimale individuelle sonderpa\u0308dagogische Fo\u0308rderung, unabha\u0308ngig davon, welche Schule sie besuchen, und unabha\u0308ngig von der Art und Schwere der Behinderung.<br \/>\nDurch differenzierte Formen der Inklusion kann dieser Anspruch in ganz Baden- Wu\u0308rttemberg umgesetzt werden. Dabei ist sicherzustellen, dass in allen Formen das Qualita\u0308tsniveau der sonderpa\u0308dagogischen Fo\u0308rderung erhalten bleibt. Schulen sind dementsprechend zu beraten, zu betreuen und fachlich zu unterstu\u0308tzen.<br \/>\nInklusion muss zum Grundgedanken fu\u0308r alle Schulen werden: Nicht nur die all- gemeinen Schulen sollen sich o\u0308ffnen, sondern auch Sonderschulen sollten grund- sa\u0308tzlich allen Schu\u0308lerInnen offenstehen. Beides wird in einigen Schulen des Landes bereits gelebt und soll Inspiration und Vorbild fu\u0308r alle Schulen sein. Fu\u0308r diese gro\u00dfe Herausforderung bedarf es der interdisziplina\u0308ren Zusammenarbeit verschiedener pa\u0308dagogischer Fachkra\u0308fte.<br \/>\nWir GRU\u0308NEN wollen an den Regelschulen schrittweise eine heil- und sonderpa\u0308- dagogische Grundausstattung einfu\u0308hren, von der alle Kinder profitieren ko\u0308nnen. Sonderpa\u0308dagogische Lehrkra\u0308fte sind ExpertInnen fu\u0308r Diagnostik und Fo\u0308rderpla\u0308ne. Sie ko\u0308nnen mit ihrem Fachwissen die Lehrkra\u0308fte an den Regelschulen intensiv un- terstu\u0308tzen. Wir setzen uns dafu\u0308r ein, dass die gesamte Fo\u0308rderung, die heute an den Fo\u0308rderschulen fu\u0308r Lernbehinderte sowie den Sprachheilschulen stattfindet, ku\u0308nftig in die Regelschulen integriert wird. Heil- und Sonderpa\u0308dagogInnen sowie SchulsozialarbeiterInnen arbeiten dann im Team mit den jeweiligen Fachkra\u0308ften und sind Mitglieder des Lehrkollegiums.<br \/>\nAuch viele Schu\u0308lerInnen, die an Schulen fu\u0308r Erziehungshilfe unterrichtet werden, ko\u0308nnen ku\u0308nftig mit sonder- und sozialpa\u0308dagogischer Unterstu\u0308tzung in die Regel- schulen integriert werden. Wir fordern au\u00dferdem die schrittweise Einfu\u0308hrung von Schulsozialarbeit an jeder weiterfu\u0308hrenden Schule und eine Drittelfinanzierung des Landes. Die Anzahl der SchulpsychologInnen muss deutlich aufgestockt werden.<br \/>\nDie Umorientierung bei der Eingliederungshilfe \u2013 weg von den gro\u00dfen zentralen Ein- richtungen, hin zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Gemeinde \u2013 kann nur gelingen, wenn Kinder bereits in der Schule durch gemeinsamen Unter- richt das soziale Miteinander und den wertscha\u0308tzenden Umgang mit Vielfalt lernen.<br \/>\n<strong>Unterrichtsversorgung sicherstellen und Lernbedingungen verbessern<\/strong><br \/>\nEltern mu\u0308ssen sich darauf verlassen ko\u0308nnen, dass der Unterricht verla\u0308sslich stattfin- det. Wir GRU\u0308NEN wollen mit einem Stufenplan erreichen, dass das Unterrichtsdefi- zit insbesondere an den beruflichen Schulen und den Sonderschulen in den na\u0308chs- ten Jahren reduziert und mit dem Abbau der Bugwellen von U\u0308berstunden an den beruflichen Schulen und Gymnasien begonnen wird. Um die Unterrichtsversorgung verla\u0308sslich zu garantieren, wollen wir au\u00dferdem die Krankheitsreserve erho\u0308hen. Fortbildungen sollen mo\u0308glichst in die unterrichtsfreie Zeit verlagert werden, um den dadurch bedingten Unterrichtsausfall gering zu halten.<br \/>\nDie von der Landesregierung zur Absenkung des Klassenteilers geschaffenen zu- sa\u0308tzlichen Lehrerstellen sollen gerecht und effizient eingesetzt werden. Deshalb wollen wir von der Zuweisung nach dem Klassenteilerprinzip auf eine Pro-Schu\u0308- ler-Zuweisung von Lehrerstunden umstellen. Dabei soll jeweils ein Sozialindex be- ru\u0308cksichtigt werden. Eine extreme Spanne zwischen sehr kleinen und sehr gro\u00dfen Klassen kann durch die neue Regelung vermieden werden. Und Schulen mit einem hohen Anteil an besonders fo\u0308rderbedu\u0308rftigen Schu\u0308lerInnen ko\u0308nnen zusa\u0308tzliche Stunden fu\u0308r Kleingruppenbildungen oder Einzelfo\u0308rderung erhalten.<br \/>\nZur Umstellung auf individuelle Fo\u0308rderung und zum raschen Ausbau der Ganztags- schulen passt die Festlegung der Lehrerarbeitszeit u\u0308ber die Deputatsstunden nicht mehr. Wir GRU\u0308NEN setzen uns deshalb dafu\u0308r ein, dass endlich neue Arbeitszeitmo- delle, die sich an allen pa\u0308dagogischen Aufgaben der Lehrkra\u0308fte orientieren, einge- fu\u0308hrt werden. Eine Vorreiterrolle fu\u0308r diese Entwicklung ko\u0308nnen neue Basisschulen als Gemeinschaftsschulen fu\u0308r alle Kinder u\u0308bernehmen.<br \/>\nDie neue Schulkultur kann nur erfolgreich sein, wenn LehrerInnen intensiver zu- sammenarbeiten und effektive Teamstrukturen aufbauen. Fest etablierte Team- strukturen entfalten eine unmittelbare Wirkung auf die Unterrichtsqualita\u0308t, gerade wenn komplexe Aufgaben bewa\u0308ltigt werden sollen. Teamstrukturen sollen Lehre- rInnen entlasten; sie du\u0308rfen nicht zu zusa\u0308tzlichen Belastungen fu\u0308hren. Wir wollen eine Optimierung der Ferienzeiten pru\u0308fen. Sommerschulen, bei denen Lernangebo- te mit kulturellen Angeboten kombiniert werden, sollen unterstu\u0308tzt werden.<br \/>\nlehrerInnen sta\u0308rken: Die lehramtsausbildung reformieren<br \/>\nSchu\u0308lerInnen individuell zu fo\u0308rdern, das ist in Zukunft die Kernaufgabe von Lehre- rInnen. Sie mu\u0308ssen deshalb gezielt fu\u0308r die Anforderungen und Bedu\u0308rfnisse der je- weiligen Alterstufen ausgebildet werden, also fu\u0308r die Grundschule, die Mittelstufe<br \/>\nund die Oberstufe sowie fu\u0308r spezielle pa\u0308dagogische Fo\u0308rderung \u2013 und nicht mehr fu\u0308r die verschiedenen Schularten.<br \/>\nWir wollen dabei die fachwissenschaftliche Sta\u0308rke der heutigen Ausbildung an den Universita\u0308ten, die didaktisch-pa\u0308dagogische Sta\u0308rke der Ausbildung an den Pa\u0308da- gogischen Hochschulen und die Praxisna\u0308he der Studienseminare miteinander ver- binden. Mit einem fachbezogenen Bachelor, der an verschiedenen Hochschulen erworben werden kann, holen wir die Lehrerausbildung aus der Sackgasse: Studie- rende, die wa\u0308hrend der Ausbildung merken, dass sie fu\u0308r das Berufsfeld Schule doch nicht geeignet sind, ko\u0308nnen sich rechtzeitig umorientieren.<br \/>\nIn der Lehrerausbildung mu\u0308ssen Praxisna\u0308he, Fachdidaktik, entwicklungspsycholo- gische und erzieherische Inhalte, sonderpa\u0308dagogische Grundlagen sowie interkul- turelle Kompetenz zuku\u0308nftig eine gro\u0308\u00dfere Rolle spielen. Die Entscheidung fu\u0308r den Lehrberuf fa\u0308llt erst nach einem Schuljahr als Trainee-Lehrkraft, das durch Angebote an den bildungswissenschaftlichen Hochschulen vorbereitet, unterstu\u0308tzt und ver- tieft wird. Die Trainee-LehrerInnen im Praxisjahr haben Bescha\u0308ftigtenstatus.<br \/>\nDer dann zu erwerbende \u201eMaster of Education\u201c beinhaltet fu\u0308r die zuku\u0308nftigen LehrerInnen Fachdidaktik fu\u0308r die entsprechende Klassenstufe, differenzierte lern- psychologische, entwicklungspsychologische und erziehungswissenschaftliche Inhalte, die Vermittlung interkultureller Kompetenzen, aber auch Trainingseinhei- ten, die den ku\u0308nftigen LehrerInnen helfen, die Bereitschaft zum Hinschauen und eine Haltung des Respekts und der Wertscha\u0308tzung zu entwickeln. Deshalb wollen wir die Pa\u0308dagogischen Hochschulen zu bildungswissenschaftlichen Hochschulen ausbauen. Sie sollen daru\u0308ber hinaus \u2013 unabha\u0308ngig von der Lehrerausbildung \u2013 bildungswissenschaftliche Profile entwickeln und Forschung, insbesondere hin- sichtlich schulischer und bildungswissenschaftlicher Problemstellungen, betreiben.<br \/>\nWir setzen uns dafu\u0308r ein, dass die Eingangsbesoldung fu\u0308r FachlehrerInnen und Technische LehrerInnen angehoben wird und sie auch Funktionsstellen an Schu- len u\u0308bernehmen ko\u0308nnen. Wir wollen ihnen die Mo\u0308glichkeit geben, sich u\u0308ber eine berufsbegleitende Fortbildung fu\u0308r die Ho\u0308hergruppierung in das wissenschaftliche Lehramt zu qualifizieren.<br \/>\nZukunftsweisende Konzepte regionaler Kooperationen zwischen Pa\u0308dagogischen Hochschulen und anderen Hochschulen wollen wir in besonderer Weise fo\u0308rdern. Wir treten dafu\u0308r ein, dass einzelne Lehrkra\u0308fte oder auch ganze Schulteams wieder qualitativ anspruchsvolle Fortbildungen erhalten. Hierfu\u0308r wollen wir mehr Mittel zur Verfu\u0308gung stellen und diese Aufgabe schrittweise den ku\u0308nftigen bildungswis- senschaftlichen Hochschulen u\u0308bertragen.<br \/>\nDen Beamtenstatus wollen wir auf hoheitliche Aufgaben beschra\u0308nken. Wenn Lehr- kra\u0308fte Angestellte sind, ko\u0308nnen die Staatsexamina wegfallen. In einer neuen drei- ja\u0308hrigen Schuleingangsphase, die zusammen mit dem Master das Referendariat ersetzt, wird der Einstieg in den Beruf fachlich begleitet und reflektiert.<br \/>\n<strong>Werte lernen: Ethik und Religion als Wahlpflichtfa\u0308cher<\/strong><br \/>\nImmer weniger Schu\u0308lerInnen nehmen am konfessionsgebundenen Religionsun- terricht teil. Wir GRU\u0308NEN setzen uns deshalb fu\u0308r eine Sta\u0308rkung des Werte ver- mittelnden Unterrichts in Baden-Wu\u0308rttemberg ein. Kerngedanke ist, dass in einer pluralistischen Gesellschaft der Religionsunterricht kein Monopol auf die Werteerziehung fu\u0308r alle Schu\u0308lerInnen beanspruchen kann. Wir wollen neben Religion Ethik als gleichberechtigtes Wahlpflichtfach ab der 1. Klasse anbieten. Dies wollen wir im Schulgesetz verbindlich verankern. Wir setzen uns dafu\u0308r ein, dass eine versta\u0308rkte Kooperation zwischen den religio\u0308sen Unterrichtsfa\u0308chern verschiedener Bekennt- nisse sowie dem Ethikunterricht bis hin zu gemeinsamen Unterrichtsphasen statt- findet. So ko\u0308nnen die Schu\u0308lerInnen Unterschiede reflektieren, Vorurteile abbauen, Toleranz entwickeln und Gemeinsamkeiten entdecken.<br \/>\n<strong>Freie Schulen sta\u0308rken, Kommerzialisierung verhindern<\/strong><br \/>\nSchulen in freier Tra\u0308gerschaft sind Ausdruck einer lebendigen Bu\u0308rgergesellschaft. Sie sorgen fu\u0308r die erwu\u0308nschte Vielfalt in der Bildungslandschaft und liefern mit innovativen pa\u0308dagogischen Konzepten wichtige Impulse fu\u0308r die Weiterentwicklung des o\u0308ffentlichen Bildungswesens. Deshalb wollen wir die seit vielen Jahren u\u0308ber- fa\u0308llige gerechte Finanzierung der Schulen in freier Tra\u0308gerschaft in den na\u0308chsten beiden Haushaltsjahren umsetzen. Unser Ziel ist dabei ein Kostendeckungsgrad von mindestens 80 Prozent der Kosten eines Schu\u0308lers\/einer Schu\u0308lerin an den staatli- chen Schulen, eine Beteiligung an den Investitionskosten sowie ein angemessener ru\u0308ckwirkender Ausgleich nach der dreija\u0308hrigen Wartefrist. Nur so ko\u0308nnen die freien Schulen das im Grundgesetz verankerte Sonderungsverbot einhalten: Der Besuch ihrer Schule darf nicht vom Einkommen der Eltern oder der sozialen Herkunft der Kinder abha\u0308ngen.<br \/>\nGleichzeitig wollen wir aber dem wachsenden Trend zu Schulgru\u0308ndungen kom- merzieller Tra\u0308ger entgegenwirken. Bildung ist keine Ware und darf nicht an wirt- schaftlichen Verwertungsinteressen ausgerichtet werden. Unsere staatlichen Schu- len mu\u0308ssen die pa\u0308dagogischen und schulrechtlichen Rahmenbedingungen erhalten, die notwendig sind, damit sich Eltern nicht wegen ungenu\u0308gender Fo\u0308rderung und Unzufriedenheit aus dem staatlichen Schulsystem verabschieden.<br \/>\nDas Sonderungsverbot als Genehmigungsvoraussetzung muss regelma\u0308\u00dfig u\u0308berpru\u0308ft werden, um einer sozialen Spaltung der Gesellschaft durch die Gru\u0308ndung teurer Pri- vatschulen entgegenzuwirken. Alle freien Schulen mu\u0308ssen zudem in die Pflicht zur Offenlegung und Transparenz durch innere und externe Evaluation im Rahmen ihres pa\u0308dagogischen Konzepts einbezogen werden. Als Teil des o\u0308ffentlichen Schulwesens sind auch sie zur Rechenschaft und Einhaltung von Qualita\u0308t verpflichtet.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nLEITIDEE: \u201eBILDUNG F\u00dcR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG\u201c KONSEQUENT UND Z\u00dcGIG UMSETZEN<\/strong><br \/>\nNachhaltige Entwicklung und der verantwortungsbewusste Umgang mit Ressourcen sind enorm wichtige Zukunftsaufgaben, die entsprechend der UN-Dekade \u201eBildung fu\u0308r nachhaltige Entwicklung (2009\u20132014)\u201c zu\u0308gig umgesetzt werden sollten. Das Be- wusstsein fu\u0308r die Notwendigkeit einer nachhaltigen globalen Entwicklung muss im Denken und Handeln von Kindern und Jugendlichen gescha\u0308rft werden. Deshalb brau- chen wir ein Leitbild der nachhaltigen Entwicklung als roten Faden in den Bildungs- pla\u0308nen. Dabei geht es nicht nur um Umweltbildung, sondern auch um die Vermittlung von Werten wie Gerechtigkeit, Fairness und Toleranz, um die Gleichberechtigung der Geschlechter sowie um Armutsbeka\u0308mpfung. Die Anerkennung und der Erwerb von Mehrsprachigkeit tragen zur Fo\u0308rderung globaler Gerechtigkeit und Toleranz bei.<br \/>\n\u201eBildung fu\u0308r nachhaltige Entwicklung\u201c bedeutet, Kinder und Jugendliche in die Lage zu versetzen, ihre eigene Rolle als Mitglied der Gemeinschaft und als Konsu- mentIn kritisch zu reflektieren und auf Nachhaltigkeit auszurichten. Sie basiert auf Prinzipien, die eine nachhaltige Lebensweise, Demokratie und menschliches Wohl- ergehen unterstu\u0308tzen. Fu\u0308r ihren Erfolg sind Fa\u0308higkeiten wie vorausschauendes und interdisziplina\u0308res Denken, Offenheit fu\u0308r neue Perspektiven, Einfu\u0308hlungsvermo\u0308gen sowie die Bereitschaft, sich einzubringen, notwendig. Diese anspruchsvollen Ziele ko\u0308nnen nur mit einem Gesamtkonzept erreicht werden.<br \/>\nU\u0308ber das Anlegen eigener Schulga\u0308rten, den Besuch von Biobauernho\u0308fen und Na- turschutzgebieten sowie Nachhaltigkeitsprojekte und Schulpartnerschaften erhal- ten Kinder und Jugendliche zudem einen praktischen Zugang zu diesem Thema. Zur nachhaltigen Entwicklung geho\u0308rt fu\u0308r uns aber auch eine umfassende politische Bildung. Dabei legen wir besonderen Wert darauf, dass die Kinder schon im fru\u0308hen Alter politisch mu\u0308ndig werden und eigensta\u0308ndiges Denken erlernen.<br \/>\nWir wollen, dass eine in einem Wettbewerbsverfahren ausgewa\u0308hlte Pa\u0308dagogische Hochschule als Kompetenzzentrum fu\u0308r \u201eBildung fu\u0308r nachhaltige Entwicklung\u201c die landesweiten Aktivita\u0308ten in diesem Bereich vernetzt und voranbringt. Wir GRU\u0308NEN fordern, dass \u201eBildung fu\u0308r nachhaltige Entwicklung\u201c im Leitbild aller Bildungsein- richtungen und in der Ausbildung aller Pa\u0308dagogInnen verankert wird.<br \/>\nDringend notwendig ist zudem eine Vorbildfunktion der Landesregierung fu\u0308r diese Ziele in allen Landeseinrichtungen, z.B. durch ein nachhaltiges Bescha\u0308ftigungswe- sen, energetische Sanierungen, den konsequenten Ausbau und die Nutzung von re- generativen Energiequellen, die Beru\u0308cksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Beschaffung (etwa eines Zertifikats fu\u0308r ohne Kinderarbeit hergestellte Produkte), den Ausbau des O\u0308PNV sowie die Beru\u0308cksichtigung von Klimaschutzaspekten beim Betrieb von Mensen und Kantinen.<br \/>\n<strong>Bildungsinvestitionen sind Zukunftsinvestitionen<\/strong><br \/>\nWir wollen fru\u0308h investieren statt spa\u0308ter teuer zu reparieren. In der na\u0308chsten Legis- laturperiode beno\u0308tigen wir erhebliche zusa\u0308tzliche Mittel fu\u0308r den Ausbau und die Qualita\u0308tsverbesserung der U3-Betreuungseinrichtungen und Kindertagessta\u0308tten. Bei der Finanzierung dieses Bedarfs mu\u0308ssen Bund und La\u0308nder zusammenwirken. Daru\u0308ber hinaus wollen wir die Betreuungsrelation in den Schulen verbessern. Dazu beno\u0308tigen wir zusa\u0308tzliche Mittel fu\u0308r den Ausbau der Ganztagsschule, die Einstellung von sonderpa\u0308dagogischen Lehr- sowie heilpa\u0308dagogischen Fachkra\u0308ften, die Aufsto- ckung der Stellen fu\u0308r SchulpsychologInnen, den Ausbau der Krankheitsreserve, den Abbau des Unterrichtsdefizits an beruflichen Schulen und Sonderschulen, den Aus- bau der beruflichen Gymnasien sowie die Einfu\u0308hrung des Ethikunterrichts ab der 1. Klasse alternativ zum Religionsunterricht, zur Drittelfinanzierung der Schulsozialar- beit sowie fu\u0308r die Verbesserung der Lernbedingungen und die Schaffung von An- reizen fu\u0308r die innovative Schulentwicklung. Wir wollen in der na\u0308chsten Legislatur- periode deshalb alle rechnerisch durch den Schu\u0308lerInnenru\u0308ckgang frei werdenden Stellen fu\u0308r den Ausbau und die Qualita\u0308tsverbesserung der Bildungseinrichtungen einsetzen. La\u0308ngerfristig ko\u0308nnen wir die zuna\u0308chst notwendigen ho\u0308heren Ausgaben, die wir fu\u0308r die Finanzierung aller Bildungseinrichtungen von den Kitas bis zu den Hochschulen beno\u0308tigen, durch die demografische Entwicklung refinanzieren.<\/p>\n<p><strong>LEITIDEE: BERUFLICHE BILDUNG ST\u00c4RKEN: JUGENDLICHE F\u00dcR DIE ARBEITSWELT FIT MACHEN<\/strong><br \/>\n<strong>Die duale Ausbildung umfassend reformieren<\/strong><br \/>\nSeit 20 Jahren wurde das Angebot an Ausbildungspla\u0308tzen immer weiter abgebaut, obwohl die Zahl der Schulabga\u0308ngerInnen stetig gestiegen ist. Heute bildet nur noch etwa die Ha\u0308lfte aller berechtigten Betriebe aus \u2013 immer mehr junge Men- schen suchen daher vergeblich nach einem Ausbildungsplatz. Oft landen sie in Warteschleifen oder absolvieren unbezahlte Praktika \u2013 ein unhaltbarer Zustand. Wir GRU\u0308NEN setzen uns daher fu\u0308r eine umfassende Reform des dualen Ausbil- dungssystems ein.<br \/>\n<strong>Das Recht auf Ausbildung verwirklichen<\/strong><br \/>\nEin attraktives Ausbildungsangebot ist die Grundlage fu\u0308r die Zukunft junger Men- schen. Allen jungen Menschen muss deshalb der Zugang zu einer praxisnahen Aus- bildung offenstehen. Eine duale Ausbildung in der Berufsschule und im Betrieb bietet die beste Voraussetzung dafu\u0308r. Wenn Betriebe in Krisen- oder in Umbruch- zeiten nicht mehr genu\u0308gend Ausbildungspla\u0308tze bereitstellen, muss das Land ent- sprechend dem Schulgesetz diese Aufgabe u\u0308bernehmen, damit jeder junge Mensch einen Ausbildungsplatz erha\u0308lt. Nur so kann der durch den demografischen Wandel weiter steigende Fachkra\u0308ftebedarf gedeckt werden.<br \/>\nAusbildung flexibel und transparent gestalten<br \/>\nDurch Modularisierung und Anerkennung von Teilqualifikationen kann sich die Be- rufsausbildung flexibel an die Bedu\u0308rfnisse der Auszubildenden und der Betriebe anpassen. Bundesweit anerkannte Ausbildungsmodule verhindern Warteschleifen und erleichtern den U\u0308bergang in vergleichbare Ausbildungsga\u0308nge. In wirtschaftli- chen Krisenzeiten muss es jungen Menschen ermo\u0308glicht werden, vollzeitschulische Ausbildungsbausteine zu absolvieren, die \u2013 unabha\u0308ngig vom Lernort \u2013 durch die Kammern anerkannt werden. Alle vollzeitschulischen Ausbildungsga\u0308nge an den be- ruflichen Schulen (z.B. Berufskolleg, Berufsfachschule, Berufseinstiegsjahr) mu\u0308ssen daher inhaltlich vollsta\u0308ndig an den bestehenden dualen Ausbildungsberufen aus- gerichtet werden. Daru\u0308ber hinaus setzen wir uns dafu\u0308r ein, die Anrechnung von Teilqualifikationen auf eine folgende duale Berufsausbildung als Rechtsanspruch im Berufsbildungsgesetz zu verankern. Nur so kann der Leitsatz \u201eKeine berufli- che Ausbildung ohne anrechenbare Anerkennung!\u201c umgesetzt werden. Bis dieses Vorhaben tatsa\u0308chlich realisiert wird, sollen in Baden-Wu\u0308rttemberg entsprechende Modelle erprobt werden.<br \/>\n<strong>Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung<\/strong><br \/>\nEin attraktives und zukunftsfa\u0308higes Berufsbildungssystem setzt die Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung voraus. Wir GRU\u0308NEN setzen uns dafu\u0308r ein, dass der bildungspolitische Leitsatz \u201eKein Abschluss ohne Anschluss\u201c endlich in die Tat umgesetzt wird. Deshalb mu\u0308ssen die beruflichen Vollzeitschulen, insbesondere die beruflichen Gymnasien, so ausgebaut werden, dass alle bildungswilligen jungen Menschen, die die Aufnahmevoraussetzungen erfu\u0308llen, einen Rechtsanspruch auf einen Schulplatz erhalten. Gleichzeitig mu\u0308ssen die beruflichen Schulen zu Ganz- tagsschulen weiterentwickelt und mit Schulsozialarbeitsstellen ausgestattet wer- den. Wir GRU\u0308NEN fordern eine hundertprozentige Unterrichtsversorgung an den beruflichen Schulen, denn das seit Jahren bestehende strukturelle Unterrichtsdefizit beeintra\u0308chtigt die Bildungsqualita\u0308t erheblich.<\/p>\n<p><strong>Durchla\u0308ssige \u00dcberga\u0308nge schaffen<\/strong><br \/>\nBerufsorientierung und Berufsfindung, Berufsgrundbildung und Berufsqualifizie- rung mu\u0308ssen so miteinander verzahnt werden, dass junge Menschen eine berufli- che und perso\u0308nliche Zukunftsperspektive erhalten und Warteschleifen vermieden werden. Berufliche Bildungsga\u0308nge mu\u0308ssen Mo\u0308glichkeiten bieten, ausbildungsbe- gleitend einen ho\u0308heren allgemeinbildenden Bildungsabschluss (mittlere Reife oder Fachhochschulreife) zu erreichen.<br \/>\nDie Durchla\u0308ssigkeit des beruflichen Bildungssystems zum Hochschulbereich ist eine wesentliche Voraussetzung fu\u0308r ein zukunftsfa\u0308higes Ausbildungssystem. Hierfu\u0308r ist es erforderlich, dass alle jungen Menschen mit mittlerem Bildungsabschluss aus- bildungsbegleitend die Fachhochschulreife erwerben ko\u0308nnen, damit ihnen nach einem Berufsabschluss weiterfu\u0308hrende Bildungswege offenstehen. Daru\u0308ber hinaus mu\u0308ssen fu\u0308r diese Zielgruppe endlich auch die Lernbedingungen an den Hochschu- len durch zusa\u0308tzliche Angebote verbessert werden.<br \/>\n<strong>Mit Jugendberufshilfe in die Ausbildung starten<\/strong><br \/>\nJunge Menschen du\u0308rfen nicht von einer Beratungsma\u00dfnahme zur na\u0308chsten ge- schoben werden. Jugendberufshilfe ist die notwendige Grundlage dafu\u0308r, dass Jugendliche wissen, welchen Beruf sie erlernen wollen und erlernen ko\u0308nnen. Gerade benachteiligte Jugendliche beno\u0308tigen eine individuelle Beratung und Vermittlung von Fo\u0308rderangeboten aus einer Hand. Regionale Ausbildungsbe- treuung orientiert sich an der langfristigen Entwicklung der jungen Menschen, begleitet sie wa\u0308hrend der Berufsausbildung und kann sich so optimal auf deren Bedu\u0308rfnisse einstellen.<\/p>\n<p>Die Voraussetzungen fu\u0308r einen geglu\u0308ckten Start in die Berufsausbildung (Sozial- kompetenz und Schlu\u0308sselqualifikationen) mu\u0308ssen bereits wa\u0308hrend der allgemein- bildenden Schulzeit vermittelt werden. Daru\u0308ber hinaus ist es erforderlich, dass die Jugendberufshilfe bereits im letzten Schuljahr der allgemeinbildenden Schulen an- setzt und die Schu\u0308lerInnen bei der Berufsfindung begleitet.<br \/>\nAuch in Baden-Wu\u0308rttemberg gibt es zahlreiche Best-Practice-Beispiele von Ko- operationen zwischen allgemeinen und Berufsschulen und Tra\u0308gern der Jugendbe- rufshilfe. Fast alle leiden aber unter der geringen Nachhaltigkeit ihrer Finanzie- rungsgrundlagen. Diese zum Teil bestens evaluierten Modelle mu\u0308ssen aus ihrer einseitigen Abha\u0308ngigkeit von Ausschreibungs- und Losverfahren einerseits und immer bu\u0308rokratischeren Fo\u0308rderantragsbedingungen andererseits befreit werden. Jugendliche mit Schwierigkeiten beim U\u0308bergang in die Berufs- und Arbeitswelt ha- ben in unser aller Interesse eine verla\u0308ssliche Unterstu\u0308tzung und Betreuung und die qualifizierten MitarbeiterInnen der Jugendberufshilfe sichere und in jeder Hinsicht lohnende Arbeits- und Verdienstmo\u0308glichkeiten frei von Lohndumping und befriste- ten Arbeitsvertra\u0308gen verdient.<br \/>\n<strong>Lebenslanges Lernen verwirklichen<\/strong><br \/>\nFu\u0308r eine Gesellschaft, die vor allem von ihrem Wissen lebt, ist gute Bildung funda- mental. Diese kann jedoch nicht mit dem Abschluss von Lehre oder Studium ein Ende finden. Angesichts der Tatsache, dass sich das vorhandene Wissen gescha\u0308tzt alle fu\u0308nf Jahre verdoppelt und die Verbreitung neuer Medien zu einer weiteren Be- schleunigung gefu\u0308hrt hat, ist lebenslanges Lernen Grundlage einer zukunftsfa\u0308higen Gesellschaft. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund der zunehmenden Alterung der Gesellschaft.<\/p>\n<p>In Baden-Wu\u0308rttemberg liegen die Ausgaben fu\u0308r Weiterbildung weit unterhalb des Bundesdurchschnitts. Wir wollen das a\u0308ndern und Weiterbildung besser fo\u0308rdern. Weiterbildungsangebote mu\u0308ssen so gestaltet werden, dass sie fu\u0308r alle zuga\u0308nglich und finanzierbar sind. Eine wichtige Sa\u0308ule sind dabei die Volkshochschulen, die ein breites Fortbildungsangebot, nicht nur im beruflichen Bereich, anbieten.<br \/>\nUm die Mo\u0308glichkeit, Schulabschlu\u0308sse spa\u0308ter nachzuholen, zu verbessern, sollen die Ku\u0308rzungen beim zweiten Bildungsweg \u2013 Abitur und Realschulabschluss an Tages- und Abendschulen \u2013 wieder ru\u0308ckga\u0308ngig gemacht werden. Auch Alphabetisierungs- kurse bedu\u0308rfen einer Fo\u0308rderung.<br \/>\nWir wollen einen transparenten Weiterbildungsmarkt, der zertifizierte Weiterbil- dungsbausteine anbietet, die je nach beruflichem Bedarf und perso\u0308nlicher Lebens- lage in Anspruch genommen werden ko\u0308nnen. Weiterbildungsma\u00dfnahmen sollten berufsbegleitend angeboten werden, sodass die NutzerInnen nicht aus dem Er- werbsleben aussteigen und sich um ihre berufliche Zukunft sorgen mu\u0308ssen. Fu\u0308r Menschen in Erwerbspausen sollten wirksame Weiterbildungsangebote zur berufli- chen Anpassung bzw. Neuorientierung entwickelt werden, die einen zu\u0308gigen Wie- dereinstieg in die Berufsta\u0308tigkeit ermo\u0308glichen. Von weiter- bzw. neu qualifizierten Fachkra\u0308ften profitieren nicht nur die Betriebe, sondern die ganze Gesellschaft.<\/p><\/blockquote>\n<h2><span style=\"color: #ff0000;\">SPD:<\/span><\/h2>\n<blockquote><p><strong>Fu\u0308r ein kluges Baden-Wu\u0308rttemberg \u2013 Beste Bildung fu\u0308r alle<\/strong><br \/>\nBildung ist die gro\u00dfe soziale Frage unserer Zeit. Bildung ist der Schlu\u0308ssel zu einer freien, selbstverantworteten Lebensgestaltung, zur Sicherung der materiellen Existenz aus eigener Kraft und zur gesellschaftlichen Teilhabe.<br \/>\nAufstieg durch Bildung und Leistung \u2013 das ist unser Versprechen. Dieses Versprechen werden wir erneuern und halten, denn u\u0308ber die Chancen eines Kindes darf nicht der Geldbeutel der Eltern entscheiden. Das gilt auch fu\u0308r die kulturelle Bildung, die Schlu\u0308sselqualifikationen fu\u0308r ein selbstbestimmtes Leben vermittelt. Zu lange schon beginnt die soziale Spaltung in unserem Land bereits im Kindesalter. Diese wollen wir u\u0308berwinden und das Recht auf einen gebu\u0308hrenfreien Bildungsweg von Krippe und Kindergarten bis zur Hochschule verwirklichen.<br \/>\nDie durch den Geburtenru\u0308ckgang frei werdenden Mittel und Ressourcen verbleiben im Bildungssystem und werden bei der Verbesserung der Bildung eingesetzt.<br \/>\n<strong>1. Auf den Anfang kommt es an<\/strong><br \/>\nBildung entscheidet immer sta\u0308rker u\u0308ber Lebens- und Berufschancen. Deswegen mu\u0308ssen alle die gleichen Chancen haben, an Bildung teil- zuhaben \u2013 von Anfang an und unabha\u0308ngig von der sozialen Herkunft. Daher werden wir die Kommunen bei der Umsetzung des Rechtsan- spruchs auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr unter- stu\u0308tzen und die Betreuungs- und Bildungsangebote fu\u0308r Null- bis Drei- ja\u0308hrige bedarfsgerecht ausbauen. Dabei werden wir die Kommunen nach dem Konnexita\u0308tsprinzip (Wer bestellt, bezahlt) unterstu\u0308tzen. Wir werden Schritt fu\u0308r Schritt bis 2016 die beitragsfreien Kinderga\u0308rten einfu\u0308hren. Wir fordern eine komplett kostenlose Betreuung in der Krippe und im Kindergarten, bei gleichzeitiger Kindergartenpflicht von der Vollendung des dritten Lebensjahres bis zum Schuleintritt. Dies zu gewa\u0308hrleisten ist Aufgabe des Landes, das den Kommunen die entstehenden Einnahmeausfa\u0308lle ga\u0308nzlich erstatten muss.<br \/>\nWir werden den Orientierungsplan fu\u0308r die Kindertageseinrichtungen verbindlich machen. Bislang ha\u0308ngt die Qualita\u0308t der Bildung im Kinder- garten weiterhin davon ab, was sich Tra\u0308ger und Eltern leisten ko\u0308nnen. Damit ist immer noch nicht sichergestellt, dass alle Kinder im Land dieselbe Chance auf einen guten Einstieg in das Bildungssystem haben. Wir werden deshalb eine breit angelegte Qualita\u0308tsoffensive in den Kindertageseinrichtungen starten und auch die Sprachfo\u0308rderung von Beginn an verwirklichen. In den Einrichtungen muss dabei ein Spagat zwischen optimaler Fo\u0308rderung und maximalem Freiraum fu\u0308r die kind- liche Entwicklung, zwischen Qualita\u0308tsentwicklung und der Zeit der Erzieherinnen und Erzieher fu\u0308r das einzelne Kind geleistet werden. Dazu kommt die Einbeziehung der Eltern in die Erziehungspartner- schaft sowie zumindest die Vermittlung von Erziehungsberatung, Eltern- und Familienbildung. Die Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagessta\u0308tten verdienen fu\u0308r die Bewa\u0308ltigung dieser Vielfalt an wichtigen gesellschaftlichen Aufgaben unsere ho\u0308chste Anerkennung. Deshalb werden wir die Erzieherinnen und Erzieher hinsichtlich ihrer Entlohnung besser eingruppieren. Weitergehend werden wir den An- teil an ma\u0308nnlichen Erziehern erho\u0308hen. Das Ziel ist, die Personalaus- stattung mit Fachkra\u0308ften zu verbessern und diese ho\u0308her zu qualifi- zieren. In einem Stufenplan soll die Fachkraft-Kind-Relation bei den Drei- bis Sechsja\u0308hrigen auf einen Mindeststandard von 1:12 angehoben werden. Auch dabei werden wir die Kommunen nach dem Konnexi- ta\u0308tsprinzip unterstu\u0308tzen.<br \/>\nDie flexible Betreuung von Kindern wird fu\u0308r Eltern immer wichtiger. Wir unterstu\u0308tzen die Forderung, das Timesharing-Modell, in dem sich mehrere Kinder einen Betreuungsplatz teilen, vermehrt in Baden-Wu\u0308rttemberg anzuwenden. Um zusa\u0308tzliche Belastungen der Erzie- herinnen und Erzieher zu vermeiden, mu\u0308ssen flexible Betreuungsan- gebote mit organisatorischer und ggf. personeller Unterstu\u0308tzung der Fachkra\u0308fte in den Einrichtungen einhergehen. Eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten zu Lasten der Erzieherinnen und Erzieher lehnen wir ab.<br \/>\nNur wer kinder- und familienpolitische Infrastruktur ganzheitlich ver- steht, kann Kinder und Familien erfolgreich fo\u0308rdern und beraten. Wir werden die Hochschulen im Land fu\u0308r die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern o\u0308ffnen. So werden wir die Kindertagessta\u0308tten schritt- weise zu pa\u0308dagogischen Zentren fu\u0308r fru\u0308hkindliche Fo\u0308rderung und Be- ratung, Eltern- und Familienbildung weiterentwickeln.<br \/>\nWir wollen eine sta\u0308rkere Verzahnung zwischen Kindergarten und Grundschule. Der U\u0308bergang soll fu\u0308r die Kinder flie\u00dfender gestaltet werden. Somit entsteht die Mo\u0308glichkeit, pa\u0308dagogische Konzepte langfristig anzusetzen und Kinder durch Bildungspla\u0308ne Individuell zu fo\u0308rdern. Fu\u0308r uns ist es selbstversta\u0308ndlich, dass auch Kinder mit Beein- tra\u0308chtigung an fru\u0308hkindlicher Betreuung teilhaben. Inklusive Kinder- betreuungseinrichtungen mu\u0308ssen daher zur Regel werden und du\u0308rfen nicht Ausnahme sein.<\/p>\n<p><strong><br \/>\n2. La\u0308nger gemeinsam lernen<\/strong><br \/>\nDer Zusammenhang von gegliedertem Schulsystem und sozialer Un- gerechtigkeit ist lange bekannt und durch internationale Studien be- sta\u0308tigt. Wir stehen fu\u0308r eine Politik, die fo\u0308rdert und integriert und allen Kindern und Jugendlichen bessere Bildungschancen bietet.<br \/>\nEs ist mittlerweile internationaler Konsens: Je la\u0308nger Kinder in einer Klasse gemeinsam lernen, desto mehr nutzt das allen, den Leistungs- schwa\u0308cheren wie den -sta\u0308rkeren.<br \/>\nWir werden die 10-ja\u0308hrige Gemeinschaftsschule in Baden-Wu\u0308rttem- berg schrittweise einfu\u0308hren. Dort werden alle Schu\u0308lerinnen und Schu\u0308- ler bis Klasse 10 gemeinsam unterrichtet und individuell gefo\u0308rdert. Daran schlie\u00dft sich eine gymnasiale Oberstufe an, die zum Abitur fu\u0308hrt.<br \/>\nDen Weg zur 10-ja\u0308hrigen Schule wollen wir gemeinsam gehen, im Dialog mit allen Beteiligten vor Ort, denn wir haben den Menschen im Land zugeho\u0308rt. Sie wissen genau, dass bessere Schulen vor allem durch mehr Eigensta\u0308ndigkeit entstehen. Schulstrukturreformen sind kein Selbstzweck, sie haben eine der Entwicklung der Kinder dienen- de Funktion. Wir werden die Kommunen dabei unterstu\u0308tzen, inno- vative Schulkonzepte umzusetzen, die zur Situation vor Ort passen; beispielsweise in der U\u0308bergangszeit die Option, an Hauptschulstand- orten auch den Realschulabschluss anzubieten. So wollen wir errei- chen, dass bis 2016 an jeder Hauptschule auch der Realschulabschluss angeboten wird.<br \/>\nWir sind uns mit den Menschen im Land einig: Die Grundschulempfeh- lung ist unzeitgema\u0308\u00df und soll abgeschafft werden. Die Eltern sollen nach ausfu\u0308hrlicher pa\u0308dagogischer Beratung selbst entscheiden du\u0308rfen, welche weiterfu\u0308hrende Schule ihr Kind besuchen wird.<br \/>\nDas krampfhafte Festhalten der Landesregierung am dreigliedrigen Schulsystem fu\u0308hrt auch zum Aus fu\u0308r hunderte von Schulstandorten, insbesondere im la\u0308ndlichen Raum. Diese Entwicklung wird durch die Umwandlung der Hauptschulen in mindestens zweizu\u0308gige Werk- realschulen sogar noch beschleunigt. Das Ergebnis ist bitter: CDU und FDP lassen den la\u0308ndlichen Raum vero\u0308den. Wir garantieren hingegen, dass in jeder Gemeinde oder jedem Gemeindeverband u\u0308ber 5 000 Ein- wohnern eine weiterfu\u0308hrende Schule erhalten bleibt. Damit lassen wir die Schule \u201eim Dorf\u201c und sichern ein hochwertiges, wohnortnahes Bildungsangebot im ganzen Land. Fu\u0308r bessere Bildungschancen fu\u0308r alle.<br \/>\n<strong>3. Schule zum sozialen Lernort machen<\/strong><br \/>\nGanztagsschulen sind Lern- und Lebensorte, ohne starren 45-Minuten- Takt, dafu\u0308r mit vielfa\u0308ltigen erga\u0308nzenden Bildungs- und Freizeitangebo- ten. Wir werden deshalb die Ganztagsschule als Schulform gesetzlich verankern, fla\u0308chendeckend anbieten und die notwendigen pa\u0308dagogi- schen Fachkra\u0308fte zur Verfu\u0308gung stellen. Wir wollen verla\u0308ssliche Rah- menbedingungen, damit Schulen individuelle Modelle passgenau fu\u0308r den Standort entwickeln ko\u0308nnen. Wir werden das Zahlenverha\u0308ltnis von Lehrkra\u0308ften zu Schu\u0308lerinnen und Schu\u0308lern so verbessern, dass indivi- duelle Fo\u0308rderung und flexible Unterrichtsorganisation mo\u0308glich sind.<br \/>\nSchu\u0308lerinnen und Schu\u0308ler mu\u0308ssen eine wichtigere Rolle bei der Mitge- staltung des Schulalltags spielen, was nicht zuletzt entscheidend fu\u0308r ihre demokratische Erziehung ist. Deshalb fordern wir Aufwertung der Schulkonferenz durch eine Drittelparita\u0308t (1\/3 Schu\u0308lerinnen und Schu\u0308ler, 1\/3 Lehrkra\u0308fte, 1\/3 Eltern). Soweit jedoch ho\u0308chstperso\u0308nliche Angelegenheiten einzelner Schu\u0308lerinnen und Schu\u0308ler Gegenstand einer Gesamtlehrendenkonferenz sind, muss diese weiterhin nicht o\u0308ffentlich tagen. Im Zweifelsfall mu\u0308ssen die Interessen der Schu\u0308lerin- nen und Schu\u0308ler u\u0308ber denen der Eltern stehen.<br \/>\nFu\u0308r uns wird die Beratung und Unterstu\u0308tzung der Schu\u0308ler durch aus- gebildete Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter an allen Schultypen fester Bestandteil schulischen Lebens sein. Wir begreifen Schulsozial- arbeit als Landesaufgabe und werden sie anteilig finanzieren.<br \/>\nModerne Bildungspolitik findet heute versta\u0308rkt auf der dezentralen Ebene der Kommune statt. Hierfu\u0308r bedarf es der Fo\u0308rderung des Auf- und Ausbaus sogenannter kommunaler \u201eUnterstu\u0308tzungssysteme Schule\u201c. Durch eine Sta\u0308rkung des kommunalen Bildungsangebotes machen wir Baden-Wu\u0308rttemberg nicht nur zu einem leistungsfa\u0308higen, sondern auch durchla\u0308ssigen und sozial gerechten Schulstandort. Die schwarz- gelbe Landesregierung hat sich bisher geweigert, die Kommunen in ihren Bildungsanstrengungen zu unterstu\u0308tzen. Deshalb wird die SPD zur Fo\u0308rderung des Ausbaus und zum Erhalt der baden-wu\u0308rttembergischen \u201eUnterstu\u0308tzungssysteme Schule\u201c die kommunale Bildungspolitik auf Landesebene durch die Bereitstellung von \u201ePoolstunden\u201c fo\u0308rdern. Vor- bild hierfu\u0308r ist das Mannheimer Unterstu\u0308tzungssystem Schule (MAUS), das ausgewa\u0308hlten Projektschulen zusa\u0308tzliche Unterrichtstunden (sog. Poolstunden) durch sta\u0308dtische Bildungseinrichtungen, wie die Volks- hochschule, zur freien Verfu\u0308gung gestellt hat.<br \/>\nDie Bildung von Kindern und Jugendlichen an \u201esozialen Brennpunkt- schulen\u201c erfordert unsere besondere Anstrengung. Es bedarf individuel- ler Bildungskonzepte mit u\u0308berdurchschnittlichem Ressourcenaufwand. Hierfu\u0308r werden wir ein Landesprogramm auflegen.<br \/>\nWir werden den drastischen Unterrichtsausfall in Baden-Wu\u0308rttemberg nicht la\u0308nger hinnehmen. Im Schuljahr 2009\/10 fielen u\u0308ber 1,6 Mio. Unterrichtsstunden in den allgemein bildenden Schulen aus. Auch an den beruflichen Schulen fallen bis zu 12 Prozent des Unterrichts aus. Das werden wir a\u0308ndern. Wir werden zusa\u0308tzliche Lehrkra\u0308fte einstellen, um die Unterrichtsversorgung zu verbessern. Die Zahl der Vertretun- gen bei krankheitsbedingten Unterrichtsausfa\u0308llen soll um ein Drittel erho\u0308ht werden. Au\u00dferdem sollen die dafu\u0308r notwendigen Lehrkra\u0308fte unbefristet eingestellt werden.<br \/>\nDie Art und Weise, wie das achtja\u0308hrige Gymnasium organisiert wurde, belastet Schu\u0308lerinnen und Schu\u0308ler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer in unverantwortlicher Weise. Das achtja\u0308hrige Gymnasium funktioniert nur als Ganztagsschule mit zusa\u0308tzlichen Ressourcen. Wir werden inner- halb des achtja\u0308hrigen Gymnasiums (G8) den Schulen die Mo\u0308glichkeit geben, einen parallelen G9-Zug einzurichten \u2013 mit Wahlfreiheit fu\u0308r die Eltern, welche Variante fu\u0308r ihr Kind die beste ist. Die Bildungsinhalte im G8 in der Unter- und Mittelstufe sollen wieder so entzerrt und verteilt werden, dass das Niveau der mittleren Reife, wie in anderen Bundesla\u0308ndern mit G8 auch, erst am Ende der 10. Klasse erreicht wird. Zeitdruck und Fa\u0308cherstress werden dadurch gesenkt, und die Durchla\u0308s- sigkeit der Realschule wird fast vollsta\u0308ndig wieder hergestellt.<br \/>\nEltern im ganzen Land a\u0308chzen unter der finanziellen Belastung, die ihnen aus dem Schulbesuch ihrer Kinder entstehen. Wir wollen sie ent- lasten und verteidigen entschieden den Verfassungsauftrag der Lern- mittelfreiheit (Art. 4 Abs. 2 der Landesverfassung). Sie ist ein wichtiges Element der Chancengleichheit im Bildungswesen.<br \/>\nWir sind uns u\u0308ber die wahre Belastung der Elternha\u0308user im Klaren: Pro Jahr geben Eltern in Deutschland 1,5 Milliarden Euro fu\u0308r Nachhilfe aus, Baden-Wu\u0308rttemberg steht mit 131 Euro pro Elternhaus und Jahr an der Spitze. Wir sind der U\u0308berzeugung, dass eine Ganztagsschule mit viel individueller Fo\u0308rderung und mit rhythmisierten Phasen der U\u0308bung und Vertiefung allen Schu\u0308lerinnen und Schu\u0308lern unabha\u0308ngig vom Geldbeu- tel und Bildungshintergrund ihrer Eltern die besten Chancen bietet.<br \/>\nSPD Baden-Wu\u0308rttemberg<br \/>\nZu einem ganzheitlichen Schulkonzept geho\u0308rt auch ein fu\u0308r alle be- zahlbares Mittagessen. Dabei soll der Eigenanteil auf 1 Euro begrenzt werden. Hierzu ist eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Land und Kommunen erforderlich.<br \/>\nUnsere Schulen sollen auch fu\u0308r Kinder mit Behinderungen offen sein. Wir wollen das Recht der Kinder auf ein inklusives Bildungssystem im Schulgesetz regeln. Eltern von Kindern mit Behinderungen haben dann ein echtes Wahlrecht und ko\u0308nnen entscheiden, auf welche Schule ihr Kind gehen soll.<br \/>\nRegelschullehrkra\u0308fte mu\u0308ssen fu\u0308r den Unterricht in heterogenen Grup- pen und mit Menschen mit Behinderungen weitergebildet werden. Die Ausstattung der Schulen mit Lehrkra\u0308ften, Sonderpa\u0308dagogen, So- zialarbeitern und Schulpsychologen erfolgt in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Schulen im Sinne der o\u0308rtlichen Schulkonzepte. Wir werden diese umfassenden Schulreformen mit den Lehrkra\u0308ften gemeinsam meistern. Steigende Heterogenita\u0308t, die Umsetzung der UN-Konvention zur Inklusion und neue Lehr- und Lernformen erfordern eine regelma\u0308\u00dfige begleitende Fortbildung, die auf die Bedu\u0308rfnisse der Lehrkra\u0308fte abgestimmt ist.<br \/>\nKinder mit Migrationshintergrund mu\u0308ssen sich mit ihrer Kultur im Schulalltag wiederfinden ko\u0308nnen. Mehrsprachigkeit sehen wir als Sta\u0308rke. Dies bedeutet, dass wir das Erlernen der deutschen Sprache fo\u0308rdern und Sprachen von Migrantinnen und Migranten bei Bedarf in Muttersprachs-Arbeitsgemeinschaften anbieten werden.<\/p>\n<p>Ethikunterricht soll ab Klassenstufe 1 in den Lehrplan aufgenommen werden. Islamischer Religionsunterricht soll an deutschen Schulen von an deutschen Hochschulen ausgebildeten Religionslehrern erteilt werden.<br \/>\nWir werden die Privatschulfinanzierung einvernehmlich mit den Ver- ba\u0308nden der Schulen in freier Tra\u0308gerschaft neu regeln und dabei die Landeszuschu\u0308sse fu\u0308r den laufenden Betrieb auf mindestens 80 Prozent nach dem Bruttokostenmodell erho\u0308hen.<br \/>\nZu lange wurde u\u0308ber die Ko\u0308pfe der Menschen hinweg Bildungspolitik gemacht \u2013 diesen Politikstil schicken wir in die Opposition.<br \/>\n<strong>4. Berufliche Basisqualifikation fu\u0308r alle<\/strong><br \/>\nWir streben die Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bil- dung an. Konkret bedeutet das: gleiche Ressourcenausstattung durch zusa\u0308tzliche Lehrkra\u0308fte sowie die Mo\u0308glichkeit zu Ganztagsangeboten fu\u0308r berufliche Schulen. Gleichzeitig wollen wir die beruflichen Schu- len eigensta\u0308ndiger machen, damit sie sich auf Wunsch zu regionalen Berufsbildungszentren fu\u0308r die Aus-, Fort- und Weiterbildung entwi- ckeln ko\u0308nnen. Das verbessert die berufliche Bildung in der Region und tra\u0308gt dazu bei, den Standort nachhaltig zu sichern.<br \/>\nWir wollen das duale System der Berufsausbildung erhalten, sta\u0308rken und weiterentwickeln. Wir setzen uns dafu\u0308r ein, dass Unternehmen, die keine Ausbildungspla\u0308tze schaffen, eine Umlage bezahlen, aus der sinnvolle arbeitsmarktpolitische Ma\u00dfnahmen finanziert und hinsicht- lich ihrer Ausbildungsbilanz vorbildliche Unternehmen unterstu\u0308tzt werden. Die Absolventen der dualen Berufsausbildung sollen in Zu- kunft zur Kammerpru\u0308fung zugelassen werden.<\/p>\n<p>Alle Jugendlichen haben ein Recht auf eine fundierte Berufsausbildung. Diesem Anspruch wird Baden-Wu\u0308rttemberg heute nicht gerecht. Noch immer finden jedes Jahr tausende Jugendliche keine Ausbildungs- stelle im dualen System und sind auf berufsvorbereitende Ma\u00dfnahmen angewiesen. In einer spa\u0308teren Ausbildung werden die dort erbrachten Leistungen jedoch so gut wie nie anerkannt \u2013 fu\u0308r die jungen Menschen sind sie nur Warteschleifen. Wir werden die U\u0308bergangssysteme (BVJ, VAB, BEJ) grundlegend reformieren.<br \/>\nDer direkte Einstieg insbesondere der Hauptschu\u0308ler, Werkreal- und Re- alschu\u0308ler in eine duale Ausbildung muss wieder zum Regelfall werden. Eine SPD-gefu\u0308hrte Landesregierung wird deutlich mehr tun, um neue Ausbildungspla\u0308tze zu schaffen und die Wirtschaft dazu zu bringen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.<br \/>\nDabei stellt besonders der Schulabga\u0308ngerjahrgang 2012 eine Heraus- forderung dar, weil der doppelte Abiturjahrgang in Baden-Wu\u0308rttem- berg neben Engpa\u0308ssen in den Hochschulen auch zu einem massiven Verdra\u0308ngungswettbewerb auf dem Ausbildungsstellenmarkt fu\u0308hren wird. Deshalb werden wir dafu\u0308r sorgen, dass besonders im Herbst 2012 mehr Pla\u0308tze an beruflichen Gymnasien und Berufskollegs sowie allge- mein mehr Ausbildungspla\u0308tze bereitstehen.<br \/>\nWir wollen die duale Ausbildung grundsa\u0308tzlich attraktiver machen. Hierfu\u0308r gilt es Karrierewege nach der Erstausbildung aufzeigen, bei- spielsweise durch die Systematisierung von Zusatzqualifikationen und die Mo\u0308glichkeit, neben der Ausbildung die Fachhochschulreife zu erwerben.<br \/>\nDie Landesregierung hat jahrelang die hohe Zahl der Bewerber fu\u0308r die beruflichen Schularten ignoriert, insbesondere an den beruflichen Gymnasien. Sie hat die Zahl der Eingangsklassen begrenzt und so tausenden von zugangsberechtigten Realschu\u0308lern den Weg zur Hoch- schulreife versperrt. Auch fu\u0308r das laufende Schuljahr wurde jedem drit- ten Bewerber aus einer Realschule der U\u0308bergang an ein berufliches Gymnasium verweigert, obwohl alle formalen Zugangsvoraussetzun- gen erfu\u0308llt waren. Dadurch nimmt Schwarz-Gelb jungen Menschen Lebenschancen und verscha\u0308rft den drohenden Fachkra\u0308ftemangel, der allein in Baden-Wu\u0308rttemberg auf 500 000 Personen bis 2030 beziffert wird. Das werden wir a\u0308ndern. Eine SPD-gefu\u0308hrte Landesregierung wird einen Rechtsanspruch auf Zugang zu einem beruflichen Gymnasium fu\u0308r alle Schu\u0308lerinnen und Schu\u0308ler schaffen, die die notwendigen Vor- aussetzungen erfu\u0308llen.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bin sehr, sehr gespannt, wie die gr\u00fcn-rote Schulpolitik aussehen wird in Deutschlands Bildungsmusterland. 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