{"id":449,"date":"2010-01-20T14:32:47","date_gmt":"2010-01-20T13:32:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/seitenblick\/?p=449"},"modified":"2010-01-20T14:32:47","modified_gmt":"2010-01-20T13:32:47","slug":"madame-bovary-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/seitenblick\/2010\/01\/20\/madame-bovary-i_449","title":{"rendered":"Madame Bovary I"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;\u00bbIch habe einmal ein St\u00fcck gesehen,\u00ab sagte Binet, \u00bbes hie\u00df: &#8218;Der Pariser Taugenichts.&#8216; Darin kommt ein alter General vor, wirklich ein hahneb\u00fcchner Kerl. Er verst\u00f6\u00dft seinen Sohn, der eine Arbeiterin verf\u00fchrt hat; zu guter Letzt aber\u2026.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbGewi\u00df\u00ab, unterbrach ihn Homais, \u00bbgibt es schlechte Literatur, genau so wie es schlechte Arzneien gibt. Aber die wichtigste aller K\u00fcnste deshalb gleich in Bausch und Bogen zu verurteilen, das d\u00fcnkt mich eine kolossale Dummheit, eine groteske Idee, w\u00fcrdig der abscheulichen Zeiten, die einen Galilei im Kerker schmachten lie\u00dfen.\u00ab<\/p>\n<p>Der Pfarrer ergriff das Wort:<\/p>\n<p>\u00bbIch wei\u00df sehr wohl: es gibt gute Dramen und gute Theaterschriftsteller. Aber diese modernen St\u00fccke, in denen Personen zweierlei Geschlechts in Prunkgem\u00e4chern, vollgepfropft von weltlichem Tand, zusammengesteckt werden, diese schamlosen B\u00fchnenm\u00e4tzchen, dieser Kost\u00fcmluxus, diese Lichtvergeudung, dieser Feminismus, alles das hat keine andre Wirkung, als da\u00df es leichtfertige Ideen in die Welt setzt, sch\u00e4ndliche Gedanken und unz\u00fcchtige Anwandlungen. Wenigstens ist das zu allen Zeiten die Ansicht der kirchlichen Autorit\u00e4ten.\u00ab<\/p>\n<p>Er nahm einen salbungsvollen Ton an, w\u00e4hrend er zwischen seinen Fingern eine Prise Tabak hin und her rieb. \u00bbUnd wenn die Kirche das Theater zuweilen in Acht und Bann getan hat, war sie in ihrem vollen Rechte. Wir m\u00fcssen uns ihrem Gebote f\u00fcgen.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbJawohl,\u00ab eiferte der Apotheker, \u00bbman exkommuniziert die Schauspieler. In fr\u00fcheren Jahrhunderten nahmen sie an den kirchlichen Feiern teil. Man spielte sogar in der Kirche possenhafte St\u00fccke, die sogenannten Mysterien, in denen es h\u00e4ufig nichts weniger als dezent zuging\u2026.\u00ab<\/p>\n<p>Der Geistliche begn\u00fcgte sich, einen Seufzer auszusto\u00dfen. Der Apotheker redete immer weiter:<\/p>\n<p>\u00bbUnd wie stehts mit der Bibel? Es wimmelt darin \u2013 Sie wissens ja am besten \u2013 von Unanst\u00e4ndigkeiten und \u2013 man kann nicht anders sagen \u2013 groben Schweinereien\u2026.\u00ab Bournisien machte eine unwillige Geb\u00e4rde. \u00bbAber Sie m\u00fcssen mir doch zugeben, da\u00df das kein Buch ist, das man jungen Leuten in die Hand geben kann. Ich werde es nie zulassen, da\u00df meine Athalie\u2026.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDas sind ja die Protestanten, nicht wir,\u00ab rief der Pfarrer ungeduldig, \u00bbdie den Leuten die Bibel \u00fcberlassen!\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDas kommt hier nicht in Frage\u00ab, erkl\u00e4rte Homais. \u00bbIch wundre mich nur, da\u00df man noch in unsrer Zeit, im Jahrhundert der wissenschaftlichen Aufkl\u00e4rung, eine geistige Erholung zu verdammen sucht, die in gesellschaftlicher, in moralischer, ja sogar in hygienischer Beziehung die Menschheit f\u00f6rdert! Das ist doch so, nicht, Doktor?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbZweifellos!\u00ab erwiderte der Arzt nachl\u00e4ssig. Entweder wollte er niemandem zu nahetreten, obgleich er dieselbe Ansicht hegte, oder er hatte hier\u00fcber \u00fcberhaupt keine Meinung.&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;\u00bbIch habe einmal ein St\u00fcck gesehen,\u00ab sagte Binet, \u00bbes hie\u00df: &#8218;Der Pariser Taugenichts.&#8216; Darin kommt ein alter General vor, wirklich ein hahneb\u00fcchner Kerl. Er verst\u00f6\u00dft seinen Sohn, der eine Arbeiterin verf\u00fchrt hat; zu guter Letzt aber\u2026.\u00ab \u00bbGewi\u00df\u00ab, unterbrach ihn Homais, \u00bbgibt es schlechte Literatur, genau so wie es schlechte Arzneien gibt. 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